SALZ-Korrespondenz
Organ des Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrums - Bremerhaven (1970)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 19.3.2016


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Die 'SALZ-Korrespondenz' des SALZ Bremerhaven, einer Vorläufergruppe des KB, kann hier bisher nur lückenhaft dokumentiert werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

1967:
In Bremerhaven wird, laut SALZ Bremerhaven, der Außerparlamentarische Arbeitskreis Bremerhaven (APA) gegründet, der mehrere Teach-Ins mit 20 bis 50 Teilnehmern durchführt.
Quelle: SALZ-Korrespondenz Nr. 1, Bremerhaven Jan. 1970

24.12.1967:
In Bremerhaven führt der Außerparlamentarische Arbeitskreis (APA), laut SALZ Bremerhaven, zu Weihnachten Straßendiskussionen durch.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 1, Bremerhaven Jan. 1970

April 1968:
Beim Bremerhavener Ostermarsch werden, laut SALZ Bremerhaven, vom Außerparlamentarischen Arbeitskreis Parolen gesprüht und eine US-Flagge eingeholt.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 1, Bremerhaven Jan. 1970

23.12.1969:
In Bremerhaven wird, nach eigenen Angaben, ein Sozialistisches Arbeiter- und Lehrlingszentrum (SALZ) gebildet, welches aus einer Fraktion des bisherigen Spartakuskollektivs entsteht, welches sich auf seiner heutigen VV auflöst. Diese Gruppe, die u.a. über ein ZK und Lehrlinge als Mitglieder verfügte, wird vom SALZ als antiautoritär betrachtet. Das SALZ dagegen bemüht sich eine Kaderorganisation zu werden. Nach einer vierwöchigen Probezeit erfolgt die Aufnahme durch Zustimmung von zwei Dritteln der VV Teilnehmer. SALZ-Mitglieder dürfen weder Hasch noch ähnliche Dinge benutzen. Vollversammlungen sollen alle drei Wochen stattfinden. Eventuell gedenkt man noch ein AUSS zu gründen. Besonders festgehalten wird, daß die Spartakuskollektiv Mitglieder Behrens, Braatz, Pluskat, Reents, Streek und Wallocha nicht Mitglied des SALZ werden dürfen. Die SALZ Gründungserklärung wird von 11 Genossen, u.a. Schöffer, verfaßt. Betont wird allerdings nach der Nennung dieser ganzen Namen, daß die Betriebskader nicht als Mitglieder bekannt sein dürfen. Aber schließlich verfügt man ja auch noch über Schüler und Studenten. Die Ursprünge der SALZ-Konzeption dürften auf der zweiten Organisationsdebatte des Spartakuskollektivs zu suchen sein, wo die Hamburger Genossen einen Schulungsplan vorlegten.

Die Basisgruppe Lehrlinge des Spartakuskollektives sei an der Berufsschule zum ersten Mal mit 3 Flugblättern zur Podiumsdiskussion in der GWL Grazer Str. aufgetreten. Außerdem habe es noch eine Basisgruppe Schule gegeben.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 1, Bremerhaven Jan. 1970

Januar 1970:
In Bremerhaven gibt das SALZ erstmals seine 'SALZ-Korrespondenz' (vgl. Feb. 1970) heraus, die unter Verantwortung von Fredy Köpsell hauptsächlich über die eigene Gründung (vgl. 23.12.1969) berichtet. Fortgeschrittene Kaderarbeit betreibe man bisher nur in zwei Großbetrieben, wobei das Verhältnis bei Rickmers 5 Kader auf 1 200 Arbeiter und Angestellte betrage. Bei der Schülerarbeit will man sich auf ein Papier des AUSS Hamburg, vermutlich "Konzeption der Schülerbewegung in Hamburg" (vgl. 15.11.1969), stützen. Ein Artikel ist "Über die Notwendigkeit, Berufsschul-Arbeit zu betreiben" und berichtet u.a. von den Aktivitäten der Basisgruppe Lehrlinge des Spartakuskollektivs an der GWL Grazer Straße, aber auch von dessen Basisgruppe Schule.
Man äußert sich auch "Zur Internationalismusarbeit" des APA (vgl. 1967, 24.12.1967, Apr. 1968) und weist für die Internationalismus- bzw. Vietnamkampagne darauf hin, dass in Norddeutschland allein in Bremerhaven GIs der US-Army zu finden sind.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 1, Bremerhaven Jan. 1970

Februar 1970:
Vermutlich im Februar erscheint in Bremerhaven die Nr. 2 der 'SALZ-Korrespondenz' (vgl. Jan. 1970, Apr. 1970), die sich u.a. mit der Frage der Disziplin im SALZ beschäftigt.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 5/6, Bremerhaven Juni/Juli 1970

April 1970:
In Bremerhaven gibt das SALZ die Nr. 3 seiner 'SALZ-Korrespondenz' (vgl. Feb. 1970, Mai 1970) heraus, die berichtet, daß man von Ende Februar bis Anfang April eine Strategie- und Organisationsdebatte geführt habe. Eingerichtet wurde eine Wirtschaftskommission, die die Betriebsarbeit als besonders wichtig befand, außer an der gewerblichen Berufsschule arbeitet man nun auch mit kaufmännischen Lehrlingen. Die Hauptschularbeit wird noch vorbereitet, während man im Stadtteil und in der Bundeswehr vorerst nicht aktiv werden möchte. Als primär wird der Aufbau einer Frauenzelle angesehen. Regionale Kooperation betreibe man mit Gruppen im Raum Cuxhaven, Stade, Bremervörde, Brake und Bremen. Im Statut des SALZ werden als Grundeinheiten die Zellen und Untersuchungskommissionen festgeschrieben. Ein Politisches Büro soll von einem Zentralen Delegiertenkomitee gewählt werden, außerdem soll es noch zwei Ständige Ausschüsse für Schulung und für Wirtschaftsanalyse geben.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 3, Bremerhaven Apr. 1970

18.04.1970:
In Bremerhaven spaltet sich, nach eigenen Angaben, das SALZ und neben dem fortbestehenden SALZ bildet sich ein Arbeiter- und Lehrlingsbund/Bund kommunistischer Schüler (ALB/BKS) Bremerhaven aus 5 ex-SALZ-Mitgliedern und zwei anderen, so daß dem SALZ 11 Mitglieder verbleiben.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr.4, Bremerhaven Mai 1970

Mai 1970:
In Bremerhaven gibt das SALZ die Nr. 4 seiner 'SALZ-Korrespondenz' (vgl. Apr.l 1970, Juni 1970) heraus, die sich außer mit der Untersuchungsarbeit vor allem mit der Spaltung des SALZ Bremerhaven (vgl. 18.4.1970) befaßt. Seit der Spaltung habe man zwei Schüler neu rekrutieren können. Mitgeteilt wird, daß das SALZ vorerst auf die Eingliederung proletarischer Genossen verzichtete, um zunächst die Organisation zu festigen. Diese besteht u.a. aus einer Emanzipationsgruppe, die sich um den Frauenbetrieb Nordmende kümmert. Die bisherige Wirtschaftskommission sei allerdings aufgelöst worden, die Untersuchung solle nun in den einzelnen Sektoren vorangetrieben werden. Im SALZ gebe es nun das Plenum für Mitglieder, Kandidaten und Sympathisanten sowie eine Mitgliederversammlung. Das Konto läuft auf den Namen von Hans Joachim Scheffer.

Teilgenommen habe man der Demonstration der Vietnam Initiative Bremerhaven, die sich aus Linksliberalen, Pazifisten und der DKP zusammensetze. Dafür habe man zwei Flugblätter vor Werften (u.a. Rickmers) und Berufsschulen verteilt, zusammen 4 000 Stück. Ungefähr die Hälfte der 300 Demonstranten sei im SALZ-Block marschiert, dabei habe es sich aber zumeist um Schüler gehandelt. Eine Veranstaltung des SALZ sei außer von den eigenen Mitgliedern und Sympathisanten sowie von der AUSS Basisgruppe Ökonomie noch von 3 Personen besucht worden, von denen eine aber eventuell der Politischen Polizei zuzurechnen sei. An einer Regionaltagung Bremen/Weser-Ems habe sich neben dem SALZ u.a. auch der abgespaltene Arbeiter- und Lehrlingsbund Bremerhaven (ALB) beteiligt, dieser nehme jeden Lehrling auf.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 4, Bremerhaven Mai 1970

Juni 1970:
Vermutlich im Juni erscheint in Bremerhaven die auf Juni/Juli datierte Nr. 5/6 der 'SALZ-Korrespondenz' (vgl. Mai 1970), die die letzte uns bekannte Ausgabe ist. Darin wird u.a. über das SALZ Bremerhaven festgestellt: "ein Großteil unserer Mitglieder sind Intellektuelle." Man äußert sich zu "Disziplin und Arbeitstil im SALZ", aber auch "Zur Zeitungsfrage" sowie zur "Untersuchungsarbeit und Organisationsform (Demokratischer Zentralismus)", wobei in einem aus dem Hannoveraner 'Info' übernommenen Artikel auf die KP Chinas und die Westberliner KPD/AO Bezug genommen wird.

Wegen der Spaltung (vgl. 18.4.1970) habe man das Politische Büro von 3 auf 2 verkleinern müssen. Allerdings habe ein unerwarteter Anschluß neuer Genossinnen und Genossen stattgefunden und da alle bisherigen Schüler nach ihrem erfolgten Abitur ein Betriebspraktikum ableisten stehe man nicht ganz ohne Hoffnung da. Die Zentrale Delegiertenkonferenz tage wöchentlich. Veröffentlicht wird noch eine Austrittserklärung aus dem Arbeiter- und Lehrlingsbund Bremerhaven, über den u.a. ausgeführt wird, daß er jemanden aufnahm, der bei der SALZ-Gründung (vgl. 23.12.1969) scharf kritisiert worden war. Im ALB gebe es einerseits die Handwerkler, die der Ansicht seien, daß eine Arbeit gegen die DKP unmöglich sei sowie eine Gruppe von konsequenten Kommunisten, die die Zusammenarbeit mit dem SALZ suche.
Q: SALZ-Korrespondenz Nr. 5/6, Bremerhaven Juni/Juli 1970

Letzte Änderung: 19.03.2016