Dokumente der Schwarzen Hilfe Hannover und der Schwarzen Hilfe Wolfsburg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, September 2014

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Von der Schwarzen Hilfe Hannover und der Schwarzen Hilfe Wolfsburg, die vermutlich seit Herbst 1971 existierten, liegen uns leider bisher nur wenige Dokumente vor. Wir bitten die LeserInnen um Komplettierung. Die hier veröffentlichten Dokumente beschäftigen sich fast ausschließlich mit dem Prozess gegen die sog. "Kommune 3" aus Wolfsburg, der vom 24.2. bis 3.3.1972 vor dem Amtsgericht in Hildesheim stattfand.

Wir danken dem Archiv Schwarzer Stern in Dortmund für die freundliche Unterstützung. Einige Namen in den Dokumenten wurden von uns geschwärzt.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

November 1971:
Es erscheint die 12-seitige Broschüre: "Solidarität mit den Gefangenen - Prozess gegen Wolfsburger Kommunarden im Landgericht Hildesheim, Domplatz". Von der Schwarzen Hilfe Hannover (und vermutlich der SH Wolfsburg) erstellt, informiert sie über den bevorstehenden Prozess gegen die sog. "Kommune 3" und andere sowie über die vorhergehende Hausdurchsuchung am 10.6.71 in Wolfsburg. Angeklagt seien die "Genossen" wegen: "Zündelei, Waffenklau, Enteignung & Verteilung von Privateigentum sowie ruhestörenden Lärms (Sprengstoffattentat)". Der Aufruf "Kommt massenhaft" (letzte Seite) gibt noch die ursprünglich geplanten Prozesstermine vom 6. bis 9.12.71 an, der erste Prozesstag wird dann aber auf den 24.2.72 verschoben.

Inhalt der Schrift ist:
- Haftbefehl (Fake)
- Ilses (Ilse Bongartz) Brief aus dem Knast an 883
- Bambule
- Aus der Untersuchungshaftvollzugsverordnung
- Artikel aus der Bild-Zeitung (Faksimile)
- Wir sind total pleite! (Spendenaufruf der SH Berlin / Hannover / Wolfsburg und des SK Köln)
- Einschätzung des Prozesses gegen die Wolfsburger Genossen
- Schwarze Hilfe (Selbstdarstellung)
- Verhalten im Gerichtssaal
- Angeklagt wegen (Aufruf "Kommt massenhaft" zum Prozess, 6.-9.12.1971, Landgericht Hildesheim, Domplatz. Der Prozessbeginn wird später auf den 24.2.1972 verlegt).

In der Selbstdarstellung der SH heißt es: "Schwarze Hilfe wurde gegründet aufgrund der Erkenntnis, nicht mehr länger zuzusehen, wie immer mehr Genossen von der Klassenjustiz gefangen und in den Knast gesteckt und dort isoliert und kaputtgemacht werden. Da die Solidarität der meisten Genossen gegenüber denjenigen, die stellvertretend für die gesamte revolutionäre Bewegung eingelocht worden sind, an den Gefängnismauern aufhört, bemüht sich die Schwarze Hilfe das zu realisieren, was die Genossen aus dem Knast schrieben:
Wir sind hier drin für Euch - Ihr seid da draußen für uns!
Die SH versteht sich nicht als Caritasverband, sondern als politische Organisation wider die Willkür der Herrschenden, die unliebsame Linke unter fadenscheinigen Vorwänden zu Kriminellen stempelt. Kriminell zu sein heißt jedoch nichts weiter, als das zu tun, was die Erziehung schon kleinen Kindern einbläut, nämlich: daß es erstrebenswert sei, mehr zu besitzen als andere, Eigentum zu raffen, Geld und damit Macht zu haben, Konsum als Statussymbol zu sehen, den anderen geschickt übers Ohr zu hauen. Derart manipulierte Menschen, versuchen sie diese 'Ziele' mit Diebstahl statt mit 'ehrlicher Arbeit' - gemeint ist die tägliche Ausbeutung durch die Unternehmer - zu erreichen, werden sie 'im Namen des Volkes' schuldig gesprochen von einem System, dessen deutlichste Ausprägung sie sind. Der Richter heiligt das Eigentum des Besitzenden, an dem ein nicht Besitzender sich vergriffen hat.

Wie wir aus zahlreichen Briefen von Genossen aus dem Bau erfuhren, fehlt es ihnen insbesondere an Büchern, Briefmarken, Geld, Tabak usw."
Quelle: Schwarze Hilfe [Hannover]: Solidarität mit den Gefangenen. 6.12.71 24.2.72: Prozess gegen Wolfsburger Kommunarden im Landgericht Hildesheim, Domplatz, o. O., o. J. (Hannover 1971)

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06.12.1971:
Die Nummer 86 der "Agit 883" erscheint mit einem Artikel der Schwarzen Hilfe Hannover und Wolfsburg zum bevorstehenden Prozess gegen die "Genossen der Wolfsburger Kommune 'Antiautoritäre Erziehung'" (sog. "Kommune 3") und andere.
Q: Agit 883. Revolutionäre Aktion, Nr.86, West-Berlin, 6.12.1971, S. 3

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Mai 1972:
Das "Info Nr. 1. Freiheit für alle Gefangenen" der Schwarzen Hilfe Hannover erscheint. Es beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Prozess gegen die Wolfsburger "Kommune 3" vor dem Amtsgericht Hildesheim (vom 24.2. bis 3.3.1972).

Inhalt des Infos ist:
- Justizterror gegen die Kommune III Wolfsburg
- Die Vorgeschichte des Prozesses
- Briefe aus dem Knast
- Wir sind total pleite! (Spendenaufruf der RH Berlin, der SH Berlin und Hannover und des SK Köln)
- Zum Prozessverlauf gegen die K 3 in Hildesheim
- Brief des Genossen Bodo
- Erklärung eines Angeklagten der K 3 vor dem Landgericht Hildesheim
- Schlusswort Ilse Bongartz, Gruppenmitglied der K 3
- Auflistung der Urteile gegen die Angeklagten in Hildesheim
- Erklärung der Roten Hilfe Hildesheim, der Roten Hilfe Wolfsburg und der Schwarzen Hilfe Hannover zum Urteil
- "Freiheit ist Ordnung" - Ordnung führt nach Auschwitz
- Die Justiz wird solange in Wasser schlagen, bis sie in ihren eigenen Wellen ertrinkt! (Beitrag von Fritz Teufel)
- Margarete C. (30) 6 1/2 J., Rolf Heißler (23) 8 Jahre (Schlusswort von Margit C.), Anklage: Bankraub
- Kindergärtnerin Margit (Brief)
Q: Schwarze Hilfe (Hannover): Info, Nr. 1. Freiheit für alle Gefangenen, Hannover, o. J. (1972).

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