Landkreis Leer

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 15.12.2016


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Es können hier nur wenige Dokumente und Hinweise zum Landkreis Leer vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Einleitend für diese wie immer unvollständige Darstellung vermögen die Spartacisten den Arbeitskreis Lehrlinge (AKL) Leer für ihre revolutionäre Jugendorganisation zu gewinnen (vgl. 6.5.1970, 21.5.1970, 6.6.1970, Sept. 1970, 31.10.1970, 31.3.1971), der vermutlich auch in der DGB-Jugend Leer über einigen Einfluß verfügte (vgl. Sept. 1970, 30.4.1971), während die SDAJ der DKP offenbar den Ortsjugendausschuß der IG Metall dominierte (vgl. 1.5.1971). Während die DGB Jugend Leer auch später noch aktiv ist (vgl. 24.5.1975, 30.10.1975) konnte von den Spartacisten aus den folgenden Jahren nichts mehr in Erfahrung gebracht werden.

Die Insel Borkum tritt in den von uns ausgewerteten Dokumenten einerseits auf als Standort der Bundeswehr (vgl. Okt. 1971) und andererseits später dann aufgrund der Bedrohung durch den 'Sozialimperialismus' der Sowjetunion, gegen den die KPD kämpfte (vgl. 28.6.1976).

Beim auch im Landkreis Leer unterstützten Protest gegen den Bombenabwurfplatz Ramsloh im Nachbarkreis Cloppenburg (vgl. Mai 1973, 25.5.1973, 29.5.1973, 7.6.1973, 16.6.1973) vermischen sich die Ziele des Lärmschutzes für die Bevölkerung und die des Antimilitarismus.

Gekennzeichnet war der Landkreis Leer in den 1970er Jahren bereits von Arbeitslosigkeit. Es kommt zu Stillegungen von Betrieben (vgl. 12.8.1974, Juli 1976) und auch der wichtigste Betrieb., die Olympia-Werke Leer bauten während der 1970 Jahre rund 1 100 von anfänglich ca. 2 300 Arbeitsplätzen ab.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

06.05.1970:
Im Raum Weser-Ems wird, laut IKD, ein Spartacus Regionalausschuß (RA) gegründet, an dem sich der Arbeitskreis Spartacus Oldenburg, die Sozialistische Basisgruppe (SBG) Aurich und der Arbeitskreis Lehrlinge (AKL) Leer beteiligen.
Quelle: IKD: Tätigkeitsbericht der Leitung für die Zeit vom 25.3. bis zur NK, o.O. o. J. (1970)

21.05.1970:
Die Leitung der IKD verfaßt eine Erklärung, in der ihr Austritt aus Spartacus - IAfeKJO nach dem Ende des 17.Plenums (also am 24.5.1970, d.Vf.) bekanntgegeben wird. Anfang des Jahres sei eine Reihe von Berliner Genossen nach Westdeutschland (NRW und Rhein/Main) geschickt worden. Dort bestünde jetzt je ein regionaler Initiativausschuß für eine KJO, für lokale Gruppen sei die Grundlage noch nicht ausreichend. Weitere Schwerpunkte der Arbeit in der 'BRD' seien der Arbeitskreis (AK) Spartacus Oldenburg, der über einen Koordinationsausschuss Weser-Ems Kontakte zu Gruppen in Leer, Aurich und Emden, aber auch nach Bremen habe, und die Region Nord, wo man über eine arbeitende Gruppe in Kiel und Kontakte nach Flensburg und Hamburg verfüge.
Q: IKD-Leitung: Erklärung, o.O. 21.5.1970

06.06.1970:
In Oldenburg beginnt die zweitägige erste Tagung des Regionalkomitees Weser/Ems, an der sich die Sozialistische Basisgruppe (SBG) Aurich, der Arbeitskreis Lehrlinge (AKL) Leer und der Arbeitskreis (AK) Spartacus Oldenburg beteiligen. Die Lehrlingsgruppen aus Emden und Nordenham seien leider nicht erschienen. Zu den Bundestagswahlen (BTW) wird beschlossen, in Oldenburg die DKP zu unterstützen, in Leer aber nicht, da sie dort gar nicht kandidiere. Für Aurich wurde keine Sonderlinie ausgearbeitet. Über die KPD/ML (welche gemeint ist bleibt unklar, d.Vf.) wird behauptet, daß diese Stützpunkte in Oldenburg, Wittmund und Bad Zwischenahn habe.

Der Arbeitskreis Lehrlinge Leer sei mit 15 Mitgliedern die stärkste der Gruppen. Er bestehe hauptsächlich aus Lehrlingen und habe die Schülerarbeit abgelehnt, will aber dafür in den DGB KJA einsteigen.
Q: Sozialistische Basisgruppe Aurich: Bulletin Nr. 2, Aurich Juni 1970

September 1970:
Vermutlich im September erscheint im Raum Weser-Ems ein Flugblatt "Kolleginnen, Kollegen!" von Spartacus KJO Oldenburg und Osnabrück, dem Arbeitskreis Lehrlinge (AKL) Aurich, dem Aktivkreis der DGB-Jugend Oldenburg, den Roten Zellen Oldenburg - Gruppe Proletariat und Schülergruppe I und II sowie dem Aktivkreis der DGB-Jugend Leer, das zu Solidaritätsspenden für die Lehrlinge in Essen aufruft.
Q: Spartacus KJO u.a.: Kolleginnen, Kollegen!, Oldenburg o. J.

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September 1970:
Die Sozialistische Basisgruppe (SBG) Aurich verfaßt die Nr. 3 ihres, vermutlich halbinternen, 'Bulletins', in der u.a. ein Arbeitskreis Lehrlinge (AKL) Leer erwähnt wird.
Q: Sozialistische Basisgruppe Aurich: Bulletin Nr. 3, Aurich Sept. 1970

31.10.1970:
In Dortmund beginnt eine zweitägige nationale Vorkonferenz der Kommunistischen Jugendorganisation (KJO) Spartacus, auf der die Gründung dieser Gruppe vorbereitet werden soll. U.a. werden Berichte über den Stand des nationalen Aufbaus abgegeben.

In der Region Weser-Ems bestünden seit einem Jahr Ortsausschüsse in Oldenburg, Aurich und Leer, Sympathisantengruppen gäbe es in Emden, Bremen und Wilhelmshaven.
Q: Protokoll der Nationalen Vorkonferenz der KJ Spartacus, o.O. 1.11.1970; Spartacus Nr. 25, Bonn Dez. 1971/Jan. 1972

01.01.1971:
Innerhalb der Revolutionär-Kommunistischen Jugend (RKJ) der GIM wird heute berichtet über die Gruppe Hamburg (vgl. 28.1.1971):"
Kontakte bestehen nach Ahrensburg, Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven, Leer, Pinneberg, Hamburg-Harburg und Wolfsburg, wo es auch schon eine RKJ gibt.
Q: RKJ: Info Nr. 11, Hamburg 31.1.1971, S. 1f

31.03.1971:
Auf der Sitzung der Zentralen Leitung (ZL) der KJO Spartacus wird u.a. bekannt, daß das eigene Regionalkomitee Weser-Ems aus einem Delegierten von Aurich, einem aus Leer und einem Beobachter aus Oldenburg besteht.
Q: KJO Spartacus: ZL Sitzung vom 31.3.71, o.O. 31.3.1971

30.04.1971:
In Leer findet, laut KJO Spartacus, die Jugendveranstaltung des DGB zum 1. Mai statt.
Q: KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin Nr. 7, o.O. Juni 1971

01.05.1971:
In Emden findet eine Demonstration statt. Im Jugendblock nehmen auch die Ortsgruppen Aurich und Leer der KJO Spartacus teil.
Q: KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin Nr. 7, o.O. Juni 1971

01.05.1971:
In Leer findet die Maifeier des DGB, laut KJO Spartacus, in einer Halle statt. Für die Rede der Gewerkschaftsjugend ist nur eine Viertelstunde angesetzt. Da es in Leer außer der SDAJ der DKP, die sich im IGM-OJA tummele, keine Jusos der SPD oder andere Gruppen gäbe, habe man nichts auf die Beine stellen können und sei nach Emden gefahren, um dort im Jugendblock zu demonstrieren.
Q: KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin Nr. 7, o.O. Juni 1971

Oktober 1971:
Die Nr. 10 des 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. Sept. 1971, Nov. 1971) des KJVD der KPD/ML-ZB erscheint und berichtet aus Gladbeck von Siemens und von der Partnerschaft der Stadt mit dem 1. Landungsgeschwader der 2. Bundeswehrdivision auf der Insel Borkum.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 10, Bochum Okt. 1971, S. 2

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Oktober 1971:
Vermutlich im Oktober erscheint die Nr. 8 der 'Berliner Arbeiter Zeitung' (vgl. Juli 1971, 1.5.1973) der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA). Berichtet wird auch:"
Olympia-Werke

Seit Anfang des Jahres ist die Belegschaft durch Werkschließungen, Einstellungsstop usw. um 2 000 Kollegen gemindert worden. Am 3. September hagelte es neue Maßnahmen für die verschiedenen Olympia-Werke: Wiesmoor - 240 Entlassungen; Werk geschlossen. Leer: Kurzarbeit bis Weihnachten für 2 000 Kollegen. Freitag als Arbeitstag gestrichen. Kaufbeuren: gleiche Kurzarbeit wie in Leer für 1 600 Kollegen. Hauptwerk Roffhausen: 400 Kündigungen, 300 ausscheidende Kollegen werden nicht ersetzt.

Olympia gehört 100 prozentig zum AEG-Telefunken-Konzern und zahlte ihm 1970 nicht weniger als 16 Prozent Dividende."
Q: Berliner Arbeiter Zeitung Nr. 8, Berlin o.J. (1971)

Mai 1973:
Die 'WWA' (vgl. 25.6.1973) berichtet vom Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range (vgl. 12.6.1973), dass sich im Mai bis zu 50 000 an den Demonstrationen gegen den Bombenabwurfplatz in der Engdener Wüste beteiligen, u.a. Vertreter der 6 000 Werftarbeiter aus Emden, Leer und Papenburg sowie der drei Nordhorner Textilfabriken, Bauern und Jugendliche bzw. Lehrlinge aus Klausheide und Nordhorn.
Die Notgemeinschaft werde u.a. getragen durch die Junge Union (JU) der CDU, einzelne Kapitalisten, die SDAJ der DKP und ein paar Juso/DKP-Gewerkschafter.
Q: Wir wollen alles Nr. 5, Gaiganz Juni 1973

25.05.1973:
Die Kommunistische Schülergruppe (KSG) Oldenburg des KBW (vgl. 18.6.1973) berichtet von den Protesten gegen den Bombenabwurfplatz in Ramsloh im Kreis Cloppenburg, daß heute über 400 Beschäftigte in Aurich sowie im Kreis Leer in Westrhauderfehn und Leer streiken und eine Demonstration zum Regierungspräsidenten in Oldenburg durchführen (vgl. 7.6.1973).
Q: Schulkampf Nr. 4, Oldenburg Juni 1973

29.05.1973:
Die Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg gibt die Nr. 7 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 28.5.1973, 20.6.1973) heraus. Vom Schulkampf wird auch berichtet aus Ostrhauderfehn über den Protest gegen den Bombenabwurfplatz Ramsloh.
Q: Rote Presse Nr. 7, Hamburg 29.5.1973, S. 15

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07.06.1973:
Die Kommunistische Schülergruppe (KSG) Oldenburg des KBW (vgl. 18.6.1973) berichtet von den Protesten (vgl. 25.5.1973) gegen den Bombenabwurfplatz in Ramsloh im Kreis Cloppenburg, daß heute, vermutlich im Kreis Leer die B70 von Bauern gesperrt wird und auf einer Werft 1 500 Beschäftigte streiken.
Q: Schulkampf Nr. 4, Oldenburg Juni 1973

16.06.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 23 (vgl. 9.6.1973, 23.6.1973) heraus und berichtet aus dem Westermoor bei Ramsloh im Kreis Cloppenburg über den Widerstand gegen das Bombenabwurfgebiet, der u.a. getragen werde von Bauern, Schülern, Ärzten, Arbeitern der Kabelfabrik und unterstützt werde von Menschen aus Bremen, Oldenburg, Leer, Wilhelmshaven und Papenburg, u.a. von der Werft.
Q: Roter Morgen Nr. 23, Dortmund 16.6.1973

05.06.1974:
Die KPD/ML (vgl. 22.6.1974) berichtet über den Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK):"
Am 5.6. fand ein Ostfriesland-Treff von Kriegsdienstverweigerern (Gruppen aus Emden, Leer, Norden, Aurich und Wittmund) statt. Die Teilnehmer haben in einer Resolution den Polizeieinsatz gegen Genossen der KPD/ML und des VK Bochum bei der Veranstaltung des VK in Bonn verurteilt."
Q: Roter Morgen Nr. 25, Dortmund 22.6.1974, S. 7

12.08.1974:
In Leer wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche die Möbelfabrik Schulte (GHK-Bereich) stillgelegt.
Q: Rote Fahne Nr. 34, Dortmund 21.8.1974, S. 4

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24.05.1975:
In Emden beteiligen sich, laut und mit KBW (vgl. 29.5.1975), nur ca. 80 Menschen an der für Ostfriesland zentralen DGB-Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit und für bessere Berufsausbildung, die nur von der DGB Jugend Leer aktiv vorbereitet worden sei.

Das Megaphon für die Kundgebung habe sich der DGB bei der Kommunistischen Gruppe (KG) Norden des KBW ausgeliehen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 21, Mannheim 29.5.1975

30.10.1975:
Die GIM gibt ihre 'Was tun' Nr. 88 (vgl. 16.10.1975, 13.11.1975) heraus mit dem Artikel "Erwitte / Leer" zur Solidarität der DGB Kreisjugendkonferenz Leer mit Seibel & Söhne.
Q: Was tun Nr. 88, Frankfurt 30.10.1975, S. 6

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28.01.1976:
Der KB (vgl. 20.3.1976) berichtet vom Aktionstag gegen Unterrichtsausfall aus Leer:"
Zu einer Kundgebung auf dem Denkmalsplatz erschienen 350 Teilnehmer. SPD-MdL Ewald Dreesmann 'mahnte' die Eltern, 'keine Doppelstrategie zu betreiben', sondern 'Prioritäten' anzuerkennen. Wirtschaft stehe an erster Stelle wegen der Arbeitsplätze (13,9 % Arbeitslose im Kreis Leer! - Red.), dann erst könne die Schule kommen. Ähnlich sabbelte der FDP-Vertreter, während der CDU-Macker den Stundenausfall 'bedauerte' und den 'Bankrott der SPD durch bildungspolitische Reformsucht' festzustellen meinte."
Q: Frische Brise Nr. 5, Oldenburg 20.3.1976, S. 10

28.06.1976:
Vor Borkum führt die SU, laut KPD, in dieser Woche ein Seemanöver durch.
Q: Rote Fahne Nr. 27, Köln 7.7.1976, S. 1 und 9

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Juli 1976:
In Leer wird, laut SAG, vermutlich im Juli die Union Wellpappe (50 Besch.) stillgelegt.
Q: Sozialistische Arbeiter Zeitung Nr. 7, Frankfurt 25.8.1976

Letzte Änderung: 15.12.2016