Osnabrück:
Wilhelm Karmann GmbH

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Das von der Wilhelm Karmann GmbH Osnabrück aus den späten siebziger Jahren teilweise vorliegende betriebliche Material konnte noch nicht ausgewertet werden.

Während diese wie immer unvollständige Darstellung mit der DKP-Betriebszeitung beginnt (vgl. Dez. 1969), über die auch in eher linkssozialistischen Kreisen berichtet wird (vgl. Apr. 1970), setzen sich die Werkzeugmacher von Karmann Osnabrück kämpferisch für Lohnangleichung ein (vgl. 31.8.1970).

Die politische Orientierung des Firmenchefs wird offenbar (vgl. Nov. 1972), auf der anderen Seite ist mittlerweile der Kommunistische Bund Osnabrück mit seiner damals einzigen Metallbetriebszelle aktiv (vgl. 9.12.1972).

Bei der bundesdeutschen illegalen Streikwelle für Teuerungszulagen mischen die Beschäftigten der Karmann GmbH Werk Osnabrück frühzeitig mit (vgl. 24.4.1973), noch wichtiger aber wird der Streik der ausländischen Beschäftigten für einen längeren Urlaub, von dem hier vor allem vom KBW sowie einer vermutlich operaistisch inspirierten Gruppe berichtet wird (vgl. 3.5.1973, 4.5.1973, 5.5.1973, 7.5.1973, 8.5.1973). Ob die Befürchtungen des KBW wahr wurden, bleibt hier ungeklärt.

Bald schon kommt es erneut zum Ausstand um den Urlaub (vgl. 18.5.1973), wenige Wochen später erneut gegen die Analytische Arbeitsplatzbewertung (AAB – 7.6.1973). Die Wilhelm Karmann GmbH Osnabrück wird so bundesweit zum Beispiel für eine kämpferische Belegschaft (vgl. 11.7.1973), an der sich auch die Ausländerhetze entzündet (vgl. Juni 1973).

Der KBW, dessen Betriebszeitung 'Bohrer' vermutlich relativ beliebt war damals, scheint auch mit seinem Zentralorgan auf Interesse zu stoßen, welches aber von Ausgabe zu Ausgabe zu sinken scheint, wobei allerdings die Ausdehnung des Verkaufes in der Stadt zu berücksichtigen ist (vgl. 11.7.1973, 26.9.1973, 10.10.1973, 7.11.1973, 22.11.1973). Während der KBW weiterhin mit seiner Betriebszelle bei Karmann tätig bleibt (vgl. Juni 1974), berichten andere Gruppen nach unserer lückenhaften Quellenauswertung nur ab und an von Karmann Osnabrück (vgl. 15.9.1976, Apr. 1981).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Dezember 1969:
Bei Karmann Osnabrück gibt die DKP-Betriebsgruppe Ende des Jahres, nach eigenen Angaben, erstmals ihren 'Roten Karmann' - Information der Karmann-Arbeiter (vgl. **.*.1970) heraus.
Q: Unsere Zeit Nr.5,Essen 29.1.1970,S.5

April 1970:
Vermutlich im April erscheint erstmals die 'Sozialistische Betriebskorrespondenz' (SBK), die vom Sozialistischen Büro Offenbach herausgegeben wird, mit einer Nullnummer (vgl. 1.5.1970). Berichtet wird u.a. über die Betriebszeitung 'Roter Karmann' aus Osnabrück.
Q: Sozialistische Betriebskorrespondenz Nr.0,Offenbach 1970

31.08.1970:
In dieser Woche streiken, laut KPD/ML-ZB, die Werkzeugmacher der Karmann GmbH in Osnabrück für eine Lohnerhöhung um 60Pf., womit sie näher an die Löhne bei Ford und Opel, die bis zu 1,50 DM höher liegen, herankommen wollen. Die Kollegen hätten bei Verhandlungen zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und Kapitalisten die Hälfte ihrer Forderung durchgesetzt. Ein Bericht findet sich auch in der 'Westfälischen Rundschau' vom 5.9.1970.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.31,Bochum 9.9.1970,S.3

21.09.1970:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Frankfurt und Offenbach die Rote Arbeiter Gruppe (RAG) ihre 'Rote Arbeiter Zeitung' (RAZ) Nr.5 (vgl. Aug. 1970, 28.9.1970) heraus, in der u.a. berichtet wird von Karmann.
Q: Rote Arbeiterzeitung Nr.5,Frankfurt 1970

November 1972:
Im 'Managermagazin' (MM) Nr.11 erscheint, laut DKP bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich in NRW - vgl. 14.11.1972) folgender Artikel:"
CDU-WIRTSCHAFTSRAT
WAHLKAMPF DER GEHEIM-RÄTE

Diskret, aber wirksam unterstützt der CDU-Wirtschaftsrat die Opposition. mm veröffentlicht erstmals Auszüge aus der vertraulichen Mitglieder-Liste. ...
ERWEITERTER VORSTAND
...
Wilhelm Karmann, G. der Wilhelm Karmann GmbH"
Q: Heisse Eisen Schmiergelder der Unternehmer an CDU/CSU,Dortmund Nov. 1972, S.2, 5 und 6

09.12.1972:
Heute findet eine Versammlung statt, von der uns das folgende, dreiseitige, auf "Dortmund, im Januar 1973" datierte "Protokoll der Beratung zur MTR in Dortmund" vorliegt, darin heißt es vom Kommunistischen Bund Osnabrück (KBO):"
OSNABRÜCK: Eisen und Stahl, Metall, Klöckner hat Haustarif, Kontakte mit Kollegen, bei Karmann arbeitet Betriebszelle mit gewisser Verankerung."
Q: N.N.:Protokoll der Beratung zur MTR in Dortmund,Dortmund Jan. 1973

24.04.1973:
Bei Karmann Osnabrück streiken, laut RJ/ML des KABD, 750 fünf Stunden lang für eine Teuerungszulage (TZL). Laut ABG bzw. AB geht es um 3,5% mehr.
Q: Rebell Nr.5,Tübingen Mai 1973;
Roter Widerdruck o.Nr.(18),Regensburg o.J. (Juni 1973),S.2;
Roter Umschwung Extra Inflation ist Tagesgespräch!,Passau o.J. (Juni 1973),S.2

03.05.1973:
§§§
Die Zelle Karmann Osnabrück des Kommunistischen Bundes Osnabrück (KBO) berichtet (vgl. 4.5.1973):
OSNABRÜCK: DER KAMPF DER GASTARBEITER BEI KARMANN

Freitag, den 4. und Montag, den 7. 5. 1973 streikten die Gastarbeiter bei Karmann Osnabrück für 5 Wochen hintereinander folgenden Urlaub. Der Kampf der zumeist spanischen und portugiesischen Arbeiter war ein Signal im Kampf um die demokratischen und wirtschaftlichen Rechte der Gastarbeiter in der BRD und war ein Signal in der örtlichen Arbeiterbewegung. Die ausländischen Kollegen haben gerade durch ihre schnellen, hartnäckigen und begeisternden Streikmaßnahmen den deutschen Kollegen einen Wegweiser aufgezeigt. Die ausländischen Kollegen haben ohne jegliche Streikleitung bis Montag den 7. 5. 1973 eine geschlossene Streikfront gebildet. Bei Karmann Osnabrück werden Karmann, Ghia,- Porsche- und VW Autos und Werkzeug- und Karosserieteile für andere Autofirmen hergestellt. Karmann hat Zweigwerke in Rheine und Brasilien. Im Werk Osnabrück arbeiten ca. 4. 500 Beschäftigte, davon 1. 600 Ausländer. Viele Teile: Motoren usw. werden vom VW-Werk in Wolfsburg angeliefert. Das Karmann-Werk hat eine sehr enge wirtschaftliche Verbindung mit dem VW-Werk. Zum Streik der zumeist spanischen und portugiesischen Kollegen war es gekommen, nachdem die Geschäftsleitung und Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung getroffen hatten, die einen dreiwöchigen Betriebsurlaub beinhaltete. Den Rest Tarifurlaub müssen die Kollegen zu einem anderen Zeitpunkt nehmen. Die Geschäftsleitung hatte die Möglichkeit des unbezahlten Urlaubs vor und nach dem Betriebsurlaub offen gelassen. Nachdem aber in diesem Jahr sehr viele Kollegen unbezahlten Urlaub angemeldet hatten, lehnten die Geschäftsleitung diese Möglichkeit wieder ab. In den darauffolgenden Tagen gab es rege Diskussionen im Fahrzeugbau. Viele ausländische Kollegen hefteten ihre Meinung geschrieben auf Zetteln an die weiterlaufenden Autos. Am Donnerstag, den 3. Mai legten die ausländischen Kollegen im Fahrzeugbau gegen 20 Uhr die Arbeit nieder. Die deutschen Kollegen arbeiteten auch nicht mehr, das Band wurde abgestellt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag unterhielten sich die Gastarbeiter in ihren verschiedenen Wohnheimen über die nächsten Maßnahmen. Daß die Kollegen zusammenwohnen, ist ein wichtiges Mittel, um ein gemeinsames Vorgehen zu ermöglichen."

Auch die KFR im Ruhrgebiet verbreitet diesen Bericht in Dortmund und Castrop-Rauxel (vgl. 25.5.1973). Das AKKB Harz (vgl. 25.6.1973) berichtet von einem fünfstündigen Warnstreik von 750 Arbeitern für eine DM mehr für alle.
Quellen: Die Rote Front Nr.10,Dortmund Mai 1973,S.2; Kommunistische Arbeiter Nachrichten Nr.3,Clausthal-Zellerfeld Juni/Juli 1973,S.2

04.05.1973:
Die Zelle Karmann Osnabrück des Kommunistischen Bundes Osnabrück (KBO) berichtet (vgl. 3.5.1973, 7.5.1973):"
Am Freitag wurde die Arbeit wieder aufgenommen, die ausländischen Kollegen bildeten kleine Kreise, um 11 Uhr stand das Band wieder. Die Kollegen organisierten kleine Demonstrationen, bestehend aus ca. 200 Mann, die durch das Werk marschierten und die anderen ausländischen Kollegen aus dem Werkzeugbau, Presswerk und den anderen Abteilungen abholten. Als sich gegen Mittag ein Herr der Geschäftsleitung sehen läßt und nichts konkretes zu sagen wußte, wurde er mit Pfiffen und Drohungen gleich wieder weggeschickt.

Die Spätschicht führte den Streik weiter und legte gegen Abend den ganzen Betrieb lahm. In einem Demonstrationszug durch das Presswerk und den Werkzeugbau forderten die Kollegen auf, aktiv und solidarisch den Streik zu unterstützen. Ein Herr vom Konsulat erschien und forderte die Kollegen auf, die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie würden gesetzlich dagegen vorgehen. Die Kollegen erklärten aber, daß der Streik die einzige Möglichkeit ist, ihre Forderungen durchzusetzen. Außerdem wußten die Kollegen, was sie von ihrem faschistischen Regime zu erwarten hatten. Die Attaches versuchten die ganze Zeit mit dem Kapitalisten Karmann den Streik abzuwiegeln, hatten aber auf den Streikverlauf nur sehr geringen Einfluß."
Auch die KFR im Ruhrgebiet verbreitet diesen Bericht in Dortmund und Castrop-Rauxel (vgl. 25.5.1973).

Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 25.6.1973) berichten 'Außenstehende', die evtl. dem Jugendzentrum Osnabrück verbunden sind, von Karmann Osnabrück (vgl. 5.5.1973), wo von 5 000 Arbeitern und Angestellten, darunter viele Frauen, u.a. – hauptsächlich im Fahrzeugbau - 850 aus Portugal und 950 aus Spanien stammen, daß heute um 11 Uhr im Fahrzeugbau der Streik beginnt.

Bei der ab 14 Uhr 15 beginnenden Spätschicht ziehen sich die meisten gleich gar nicht um. Um 18 Uhr findet eine Demonstration vom Fahrzeugbau zu den zwei Werkzeugbauhallen sowie durch das alte und das neue Preßwerk statt, wobei sich alle berührten Betriebsteile sowie die Lehrwerkstatt in den Werkzeugbauhallen dem Streik anschliessen.

Berichtet wird auch durch die RSF München (vgl. Juli 1973) und den KB Göttingen (vgl. 24.5.1973).
Quellen: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 16, Göttingen 24.5.1973, S. 10; Roter Weg Ausgabe München Nr. 7, München Juni/Juli1973, S. 13;Wir wollen alles Nr. 5, Gaiganz Juni 1973;Die Rote Front Nr. 10, Dortmund Mai 1973, S. 2;Wahrheit Nr. 5/6, Bremen Mai/Juni 1973, S. 4

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05.05.1973:
Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 25.6.1973) berichten 'Außenstehende', die evtl. dem Jugendzentrum Osnabrück verbunden sind, von Karmann Osnabrück (vgl. 4.5.1973, 7.5.1973), dass heute der Streik fortgesetzt wird.
Q: Wir wollen alles Nr.5,Gaiganz Juni 1973

07.05.1973:
Die Zelle Karman Osnabrück des Kommunistischen Bundes Osnabrück (KBO) berichtet (vgl. 4.5.1973, 8.5.1973):"
Am arbeitsfreien Wochenende lag der Betrieb bis auf das Presswerk still, in dem einige deutsche Kollegen arbeiteten. In den Unterkünften der Gastarbeiter, wo die Kollegen für teure Mieten meist mit 3 und 4 Personen in einem Raum wohnen, waren die Kollegen sich einig: der Streik muß weitergeführt werden. 'Montag früh wird der Bohrer verteilt', kündigten die Kollegen an, und Montag hat die Spätschicht von Freitag Frühschicht, dann kann der Streik wieder stehen. Und so kam es dann auch: Morgens verteilten unsere Genossen den 'Bohrer', den wir in deutsch und spanisch herausbrachten. Wir forderten die Kollegen zur Fortsetzung ihrer Kampfmaßnahmen auf und von der IGM die Legalisierung des Streiks zu verlangen. Der Werksschutz verteilte ein Schreiben der Geschäftsleitung, mit dem sie die Kollegen durch Drohungen wie Aussperrung, keine Bezahlung der Streikstunden, aufforderte, weiterzuarbeiten. Aber die Kollegen rührten kein Stück Arbeit an und führten um 6. 30 Uhr eine Demonstration durch das Werk durch und sammelten alle ausländischen Kollegen zu einem Streikzug. Diese Aktionen gingen immer vom Fahrzeugbau aus, wo die meisten Ausländer arbeiten. Ein Fehler, der sich durch den gesamten Streik wie ein roter Faden durchzog, war das Fehlen einer Streikleitung, die den Kampf hätte organisieren und auch die Verhandlungen mit dem Direktorium führen können. Diese kam nicht zustande, da sich unter den Gastarbeitern kleine Gruppen gebildet hatten, die zwar nicht verschiedene Forderungen aufstellten, aber die ganze Aktion hemmten. Außerdem hatte sich kein Kollege als Führer im Kampf entwickelt. Die Aktionen der Kollegen waren spontan und konnten schnell umfallen. Außerdem kann ein Teil der Kollegen nicht lesen, sprachliche Schwierigkeiten bestehen ohnehin. Zudem befürchten die Kollegen zu Recht, daß die Streikleitung ausgemacht und als 'Rädelsführer' bestraft wird. Daher fehlte die Bereitschaft, eine solche Funktion zu übernehmen.

Bei Schichtwechsel fand eine Versammlung statt. Dicht gedrängt standen die Kollegen im Schettbau zusammen. Als ein spanischer Betriebsrat sprach, herrschte Totenstille. Er verkündete, daß der Tarifurlaub in einem Stück genommen werden kann. Seine Mitteilung, daß die Streikstunden nicht bezahlt werden, quittierten die Kollegen mit einem Pfeifkonzert. Der Streik wurde gleich fortgesetzt mit der Forderung 'Bezahlung der Streikstunden!' Die ausländischen Kollegen führten weitere Demonstrationen durch den Betrieb durch. Die Haltung der deutschen Kollegen war nicht 'mißmutig', wie das einige bürgerliche Zeitungen (Frankfurter Rundschau) schrieben, sondern sie sahen die Aktionen der ausländischen Kollegen als einziges Mittel, die richtigen Forderungen durchzusetzen. Nur wenige streikten mit, weil die Forderungen nicht unmittelbar auf sie übertragbar waren. Im Werkzeugbau sprach man davon, die Forderung von 1 DM mehr pro Schicht aufzustellen, wie es die Kollegen von Karmann/Rheine eine Woche vorher getan hatten, und in den Kampf einzugreifen. Aber es blieb beim Sprechen. Daß die deutschen Kollegen bei Karmann auch um ihre Interessen kämpften, haben sie vor zwei Jahren ihre betriebliche Lohnerhöhung von 30 Pfg. und in der Tarifrunde 72/73 durch eine Unterschriftensammlung für 150 DM linear bewiesen!

Am Montag fanden Verhandlungen zwischen spanischen Kollegen, dem Betriebsrat und der Direktion statt, in denen kein Ergebnis erzielt wurde. Die Geschäftsleitung verkündete noch am Nachmittag, daß sie die Ausländer am Dienstag dreimal auffordern werden, den Betrieb zu verlassen. Bei Weigerung werde sie die Polizei alarmieren, um den Fahrzeugbau abzusperren. Die ausländischen Kollegen beschlossen, am Dienstag früh mit beiden Schichten zu erscheinen."

Auch die KFR im Ruhrgebiet verbreitet diesen Bericht in Dortmund und Castrop-Rauxel (vgl. 25.5.1973).

Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 25.6.1973) berichten 'Außenstehende', die evtl. dem Jugendzentrum Osnabrück verbunden sind, von Karmann Osnabrück (vgl. 5.5.1973, 8.5.1973), dass heute der Streik fortgesetzt wird. Um 6 Uhr früh findet eine Demonstration vom Fahrzeugbau zu den Presswerken statt, die sich mitstreiken. Der Werkzeugbau aber streikt nicht.
Später berichtet die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 27.7.1973), dass heute und morgen 1 500 Portugiesen und Spanier 30 Stunden lang für Wochen Urlaub streiken.
Q: Wir wollen alles Nr.5 und 6,Gaiganz Juni 1973 bzw. 2.7.71973;
Die Rote Front Nr.10,Dortmund Mai 1973,S.2

08.05.1973:
§§§
Die Zelle Karmann Osnabrück des Kommunistischen Bundes Osnabrück (KBO) berichtet (vgl. 7.5.1973), u.a. über ihre eigene Betriebszeitung 'Der Bohrer':"
Am Dienstag früh verteilten wir unseren neuesten Bohrer, in dem wir auf die fünf Wochen Urlaub noch einmal in Deutsch und Spanisch eingegangen sind: Die Produktion kann mehr oder weniger ungehindert weiterlaufen, weil die Geschäftsleitung den Urlaubstermin des einzelnen von der Produktion abhängig macht.
Durch diese Vereinbarung wird es möglich gemacht, die ausländischen Kollegen nach und nach aus dem Betrieb zu entfernen und damit für die Geschäftsleitung einen gefährlichen Unruheherd auszulöschen. Praktisch wird das so aussehen, daß diese ausländischen Kollegen während ihres Urlaubs ganz einfach von neu angeforderten ausländische Kollegen ersetzt werden. Dies war den deutschen und ausländischen Kollegen vorher nicht klar gewesen. Nun verstanden sie den Hintergrund des schnellen Nachgebens der Geschäftsleitung sehr wohl. Die ausländischen Kollegen winkten und jubelten den Fotografen unserer Organisation mit unserer Betriebszeitung zu. Durch die Streikmaßnahmen und die Unterstützung unserer Organisation ist es uns gelungen, eine Verbindung mit den Arbeitern herzustellen und unser Kontakte zu erweitern. Auch die deutschen Kollegen griffen die Argumente des 'Bohrers' auf. Unsere Betriebszeitung ist bei Karmann ein Begriff für alle Kollegen geworden.

Auf einer erneuten Versammlung am Dienstag morgen fiel der Streik auseinander. Ein spanischer Kollege, der an den Verhandlungen mit dem Direktorium teilgenommen hatte, verkündete, daß kein Grund mehr zum Streiken bestünde, den Urlaub hätten wir ja bekommen. Ein Portugiese sagte: 'Wir Portugiesen werden zeigen, was wir sind, wir werden die Arbeit wiederaufnehmen.' Darauf herrschte ein Durcheinander. Keiner sagte etwas, Gruppen bildeten sich, in denen diskutiert wurde. Langsam wurde die Arbeit aufgenommen. Um 10 Uhr lief das Band wieder. Die Aufgabe unserer Betriebszelle besteht in den nächsten Tagen darin, den Fortschritt im Kampf der Kollegen und die Fehler es Streiks aufzuzeigen."

Auch die KFR im Ruhrgebiet verbreitet diesen Bericht in Dortmund und Castrop-Rauxel (vgl. 25.5.1973).

Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 25.6.1973) berichten 'Außenstehende', die evtl. dem Jugendzentrum Osnabrück verbunden sind, von Karmann Osnabrück (vgl. 7.5.1973, 7.6.1973), dass heute der Streik bis 9 Uhr fortgesetzt wird. Berichtet wird auch durch den KB in Kiel (vgl. Okt. 1973).
Q: Metaller Nr.5,Kiel Okt. 1973,S.4; Wir wollen alles Nr.5,Gaiganz Juni 1973;Die Rote Front Nr.10,Dortmund Mai 1973,S.2f.

18.05.1973:
Der BKA Freiburg gibt ein Flugblatt auf Italienisch und Spanisch unter dem Titel "Erfolgreicher Streik bei Karmann" Osnabrück (vgl. 18.5.1973) heraus.
Q: Klassenkampf Nr.33,Freiburg 24.5.1973

18.05.1973:
Bei Karmann Osnabrück treten, laut BKA Freiburg, in der Abteilung Fahrzeugbau 200 Spanier und Deutsche in den Streik für 5 Wochen zusammenhängenden Urlaub. An eine Demonstration durchs Werk schließt sich ein Streik über 30 Stunden an. Vom Streik berichten auch die ABG.
Q: Klassenkampf Nr.33,Freiburg 24.5.1973;
Roter Aufmucker Nr.28,München Juli 1973;
Roter Weichensteller Nr.10,München Juli 1973;
Roter Widerdruck Nr.24,München Juli 1973;
Auf Draht Nr.6,Regensburg Mai 1973

18.05.1973:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg gibt einen 'Klassenkampf' (vgl. 18.5.1973, 24.5.1973) heraus, der uns nur auf Italienisch, beigeheftet zum 'Klassenkampf für die Kollegen der Druckindustrie' vom 19.5.1973, vorlag und unter der Überschrift "La lotta degli operai spagnoli e portoghesi alla Karmann" aus Osnabrück berichtet.

Eine weitere Ausgabe erschien laut BKA auf Spanisch.
Q: Klassenkampf La lotta degli operai spagnoli e portoghesi alla Karmann und Nr. 33, Freiburg 18.5.1973 bzw. 24.5.1973, S. 1f bzw. S. 1

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24.05.1973:
In Freiburg gibt der BKA seinen 'Klassenkampf' (vgl. 3.5.1973, 30.5.1973) heraus mit dem Artikel "Erfolgreicher Streik ausländischer Kollegen bei Karmann", eine Übersetzung der Ausgaben des 'Klassenkampf' auf Italienisch und Spanisch zum Streik bei Karmann Osnabrück (vgl. 18.5.1973).
Q: Klassenkampf Nr. 33, Freiburg 24.5.1973, S. 6f

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24.05.1973:
Die Kommunistische Gruppe (KG) Hamburg gibt die Nr. 2 ihrer 'Hamburger Arbeiterzeitung' (HAZ – vgl. 21.5.1973, 28.6.1973) heraus mit dem Artikel "Der Kampf der ausländischen Kollegen bei Karmann" in Osnabrück.
Q: Hamburger Arbeiterzeitung Nr. 2, Hamburg 24.5.1973, S. 6

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Juni 1973:
Der KB/Gruppe Hamburg gibt die zweite Nr. 27, also vermutlich die Nr. 28, seines 'Chemiearbeiters' (vgl. 11.5.1973, Juli 1973) heraus und berichtet in "Karmann-Ghia: Ausländerhetze gegen streikende Kollegen!" von Karmann Osnabrück sowie einer Straßenschlacht in Aschaffenburg.
Q: Der Chemiearbeiter Nr. 27b, Hamburg Juni 1973, S. 12

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07.06.1973:
Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 25.6.1973) berichten 'Außenstehende', die evtl. dem Jugendzentrum Osnabrück verbunden sind, von Karmann Osnabrück (vgl. 8.5.1973, 8.6.1973), dass heute im Werkzeugbau 500 Beschäftigte der Frühschicht und 150 der Spätschicht gegen die Analytische Arbeitsplatzbewertung (AAB) und für eine lineare Lohnerhöhung, nicht allein für diese, wie der KB Osnabrück dachte, gestreikt hätten. Die Forderung lautete "'Wir fordern 1 Mark, alles andere ist Quark', wobei die Parole in dieser Reinform zwar wohl über den 'Bohrer' (Betriebszeitung des KB Osnabrück mit dem Untertitel: Tief bohren – die Wahrheit erkennen) in den Betrieb hineingetragen wurde, andererseits aber die Notwendigkeit einer linearen Lohnforderung dort ziemlich verankert zu sein scheint." Bis zum 8.6.1973 habe der Streik wieder aufgehört.

Laut KBW streiken heute ca. 850 im Werkzeugbau.
Q: Wir wollen alles Nr.5,Gaiganz Juni 1973; Kommunistische Volkszeitung Nr.1,Mannheim Juli 1973, S. 6

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11.07.1973:
Die Kommunistische Gruppe (KG) Frankfurt/Offenbach gibt zum letzten Mal ihre 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. Mai 1973) heraus. Im Leitartikel wird ausgeführt:"
AUS DEN STREIKBEWEGUNGEN LERNEN!
NIEDERLAGEN IN SIEGE VERWANDELN!

Eine Welle von heftigen Arbeitskämpfen geht durch die Betriebe in Westdeutschland. Hoesch, Mannesmann, John Deere, Vulkan, Karmann, AEG und Klöckner - diese Namen stehen jeweils für kraftvolle Streikaktionen tausender Kollegen, die auch von der Unternehmerpresse nicht totgeschwiegen werden konnten."
Q: Arbeiter-Zeitung Extra,o.O. (Frankfurt) 11.7.1973

11.07.1973:
Von der ab heute erscheinenden 'KVZ' Nr.1 verkauft die OG Osnabrück des KBW bei Karmann, wo nur zu einer Schicht verkauft wird, 44 Exemplare.
Q: KBW-OG Osnabrück-OL:KVZ Verkaufsbericht,Osnabrück 8.8.1973

August 1973:
Die DKP berichtet vermutlich von Ende August/Anfang September aus Osnabrück vom Kampf für Teuerungszulagen (TZL):"
Zur Unterstützung ihrer Forderung nach einer Teuerungszulage legten die Kollegen von Karmann für eine Stunde die Arbeit nieder."
Q: DKP Informationen Nr.9,Hannover 13.9.1973,S.8

12.09.1973:
Frühestens heute gibt die SAG die auf September datierte Nr.27 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Juli 1973, Okt. 1973) heraus, in der u.a. eingegangen wird auf Karmann Osnabrück.
Q: Klassenkampf Nr.27,Frankfurt Sept. 1973

26.09.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.3 verkauft die OG Osnabrück des KBW 500 Exemplare. Im örtlichen 'Mitgliederbrief' Nr.2 (vgl. 1.10.1973) heißt es dazu u.a.:"
Folgende Tendenzen. Der Betriebsverkauf ist bei Karmann (IGM-Bereich,d.Vf.) seit Nummer 1 rückläufig".
Q: KBW-OG Osnabrück:Mitgliederbrief Nr.2,Osnabrück 1.10.1973,S.4;
KBW-OG Osnabrück-OL:Verkaufsbericht KVZ 3,Osnabrück 6.10.1973

Oktober 1973:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten gibt seinen 'Spartacus' Nr.8 (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus und berichtet u.a. von Karmann Osnabrück.
Q: Spartacus Nr.8,Mainz Okt. 1973

Oktober 1973:
Die SAG gibt die Nr.28 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus, in der man sich mit der Nachlese zur Streikwelle in der Metallindustrie befaßt, die u.a. als Aufstand der ungelernten bzw. angelernten ArbeiterInnen verstanden wird, wobei u.a. näher eingegangen wird auf Karmann Osnabrück.
Q: Klassenkampf Nr.28,Frankfurt Okt. 1973

10.10.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.4 verkauft die OG Osnabrück des KBW bei Karmann 18 Exemplare.
Q: KBW-OG Osnabrück:Mitgliederbrief Nr.3,Osnabrück 15*10.1973,S.6

07.11.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.6 verkauft die OG Osnabrück des KBW bei Karmann 12 Exemplare.
Q: KBW-OG Osnabrück-OL:Verkaufsmeldung Osnabrück KVZ Nr.6,Osnabrück 19.11.1973

22.11.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.7 verkauft die OG Osnabrück des KBW bei Karmann 7 Exemplare.
Q: KBW-OG Osnabrück-OL:KVZ-Verkaufsstatistik Nr.7,Osnabrück 28.11.1973

Juni 1974:
Der KBW (vgl. 26.6.1974) berichtet vermutlich aus dem Juni von Karmann Osnabrück über eine Ausgabe seiner Betriebszeitung 'Der Bohrer', die u.a. von der Parti Socialista Portugues (PSP) berichtet.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.13,Mannheim 26.6.1974

20.02.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.7 (vgl. 13.2.1975, 27.2.1975) heraus und berichtet aus Osnabrück von Karmann.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.7,Mannheim 20.2.1975

15.09.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.37 (vgl. 8.9.1976, 22.9.1976) heraus und berichtet von Karmann (IGM-Bereich - 5 750 Besch.) Osnabrück, u.a. über die Preßwerke.
Q: Rote Fahne Nr.37,Köln 15.9.1976

April 1981:
Laut KB werden bei den Betriebsratswahlen (BRW) bei Karmann Osnabrück vermutlich im April vier oppositionelle Kandidaten gewählt.
Q: Arbeiterkampf Nr.204,Hamburg 22.6.1981,S.19

Letzte Änderungen: 16.3.2013

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