Programm der Revolutionären Landvolk-Bewegung (Entwurf)
Programm der Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 10.7.2016


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Im Herbst 1978 stellt die "Revolutionäre Landvolk-Bewegung" (RLB) in einer Sondernummer ihrer Zeitung "Freies Landvolk" den Entwurf ihres Programms zur Diskussion.

Ein Jahr später schreibt das ZK der KPD/ML, von der die RLB initiiert worden war, in einem Bildband: Die RLB wende sich mit dem Programm "an die kleinen und mittleren Bauern, an die Winzer, Gärtner und Fischer, an die Landarbeiter, die Landjugend und die Landfrauen sowie die Arbeiter auf dem Land". Die RLB stelle sich die Aufgabe, "sie in einer ländlichen Kampforganisation (der RLB - d. Verf.) zusammenzuschließen". Und weiter: "Die Resonanz, die der Programmentwurf und die ersten Ausgabe des 'Freien Landvolks' finden, zeigt, dass die Zeit für die Schaffung einer solchen Organisation längst reif ist, dass es eine ganze Reihe von Werktätigen auf dem Lande aus dem Herzen gesprochen ist, wenn es im Programmentwurf der Revolutionären Landvolk-Bewegung heißt: 'Das Kapital und seine Handlanger verstehen nur eine Sprache, die mutigen Kampfaktionen des organisierten Landvolks!'" (ZK der KPD/ML (Hrsg.): Zehn Jahre KPD/ML, Dortmund, 1979, S. 299.)

Am 13. und 14. März 1982 gründet sich dann in Kaufungen bei Kassel die "Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk". Vorangegangen war die Verabschiedung eines Programms und einer Satzung. Das Programm basiert auf dem Entwurf der RLB und den sich daran anschließenden Diskussionen.

Die Originale der Ausgaben der Zeitung liegen zum Teil im "Archiv für alternatives Schrifttum (afas)" in Duisburg. Wir danken Herrn Jürgen Bacia für die freundliche Unterstützung.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Oktober 1978:
Im Herbst erscheint eine Sondernummer der Zeitung der Revolutionären Landvolk-Bewegung, "Freies Landvolk", mit dem Entwurf des "Programms der Revolutionären Landvolk-Bewegung".

Zum Programmentwurf heißt es eingangs: "Vor einiger Zeit trafen aus vielen Regionen der Bundesrepublik Bewohner des ländlichen Raumes zusammen, um auf mehreren Konferenzen die Situation des Landvolks zu analysieren.

Man kam überein, den Kampf gegen die ständig sich weiter verschlechternden Lebensbedingungen auf dem Land aufzunehmen und dazu den Aufbau einer ländlichen Kampforganisation zu unterstützen, den Aufbau der Revolutionären Landvolk-Bewegung (RLB).

Grundlage des Aufbaus der RLB soll dieser vorliegende Programmentwurf sein, der auf diesen Konferenzen in seinen Grundzügen diskutiert und nun der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Zugleich ergeht damit der Aufruf an jeden einzelnen Bewohner des Landes, diesen Entwurf zu lesen und durch seinen Beitrag, durch seine Kritik und Anregung verbessern zu helfen. Zu diesem Zweck wird auch die RLB an vielen Orten Veranstaltungen durchführen, auf denen eine Aussprache über diesen Programmentwurf der RLB erfolgen soll. Dazu ist jeder herzlich eingeladen. Aber auch für schriftliche Stellungnahmen sind wir sehr dankbar."

Mit dem Programm soll auch über "die Kampfform" der RLB Klarheit geschaffen werden. So heißt es: "Das Kapital und seine Handlanger verstehen nur eine Sprache, die mutigen Kampfaktionen des organisieren Landvolks. Deshalb muss unsere neue Organisation ein Kampfverband sein, der nicht in erster Linie Mitgliedsbücher verteilt, sondern jedem einen Kampfplatz gibt, der bereit ist zu kämpfen. Eine solche Organisation will die Revolutionäre Landvolk Bewegung (RLB) sein … Ihr Bauern, Winzer, Gärtner und Fischer, ihr Arbeiter und Kleingewerbetreibenden des Landes, ihr Landfrauen und Landjugend, euer Platz ist in der Revolutionären Landvolk-Bewegung! Ändert Eure trostlose Lage und kämpft gemeinsam in der RLB für eine bessere Zukunft, für ein Deutschland der Arbeiter, Bauern und anderen Werktätigen und ihrer Familien. Hinein die Revolutionäre Landvolk-Bewegung!"

Forderungen sind u. a:
- "Zurücknahme der Gebietsreformen, Volksabstimmungen in den einzelnen früheren Gemeinden darüber!"
- "Keine Schließung von Krankenhäusern auf dem Land! Staatliche Maßnahmen zur Ansiedlung von Landärzten und Apotheken!"
- "Subvention der Energieträger für das Land!"
- "Kein Bau von Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungsanlagen!"
- "Verbot aller faschistischen Organisationen! Gegen Reaktion und Faschismus!"
- "Deutschland dem deutschen Volk! Besatzertruppen raus aus ganz Deutschland! Austritt aus der NATO und dem Warschauer Pakt!"
- "Sofortiger Austritt aus der EG"
- "Der Boden darf keine Handelsware und kein Spekulationsobjekt sein! Die Erträge dem, der den Boden bebaut!"
- "Keinerlei Pachtzahlungen an die Großgrundbesitzer und die Kirchen!"
- "Verbot der untertariflichen Entlohnung!"
- "Subventionierung der Energieträger für das Land!"
- "Für selbstverwaltete Jugendzentren"
- "Einrichtung von Dorfgemeinschaftshäusern mit angegliederten Sozialstationen!"
- "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!"
Quelle: Freies Landvolk - Zeitung der Revolutionären Landvolk-Bewegung, Jg. 1, Sondernummer (Programm der RLB), Nordenham (Nds.), (Herbst 1978)

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14.03.1982:
In Kaufungen bei Kassel wird auf einer Versammlung am 13 und 14. März 1982 die "Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk e. V." gegründet. Sie wählt einen Vorstand und gibt sich ein Programm und ein Statut.

Im Programm wird u. a. ausgeführt: "Die Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk ist Bestandteil der freien Landvolkbewegung und möchte zu ihrem weiteren Aufbau beitragen. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist die Organisierung und Gründung einer starken und einigen freien Landvolkbewegung, Grundlage für die erfolgreiche Verteidigung des ländlichen Raumes und der bäuerlichen Landwirtschaft. Die Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk möchte die Verbindung mit allen Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen aufnehmen und deren Zusammenschluss fördern. Die von der Arbeitsgemeinschaft herausgegebene Zeitung 'Freies Landvolk' soll diesem Ziel dienen und stellt die Berichterstattung auf die Grundlage dieses Programms … Gemeinsam muss ein Verband der freien Landvolkbewegung geschaffen werden, der im nationalen Maßstab das organisierte Vorgehen seiner Mitglieder und Anhänger gewährleistet. Ein Verband, der innerhalb und außerhalb des Deutschen Bauernverbandes eine starke Opposition zum Wohle der bäuerlichen Landwirtschaft schafft …"

Als Überschrift trägt das Programm die Parolen:
- "Verteidigt den ländlichen Raum!"
- "Erhaltet die bäuerliche Landwirtschaft!"
- "Baut die freie Landvolkbewegung auf!"

Das Programm ist gegliedert in die Abschnitte:
- "Das größte Bauernlegen der Geschichte"
- "Wir Bauern werden ausgeplündert"
- "Die bäuerliche Landwirtschaft muss erhalten bleiben"
- "Staatliche 'Hilfen'"
- "Der Deutsche Bauernverband muss die bäuerliche Landwirtschaft vertreten"
- "Hilfen auch für die Küstenfischer, Gärtner und Winzer"
- "Gegen Arbeitslosigkeit und Lohnraub"
- "Die Dörfer drohen sozial und kulturell zu veröden"
- "Das Land wird Mülldeponie und katastrophenanfällig"
- "Für eine einheitliche freie Landvolkbewegung"
- "Wir wollen die stolze Tradition des Landvolks fortführen"
- "Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk"
Q: Programm der Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk e. V., Kaufungen (bei Kassel), 14. März 1982.

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Letzte Änderung: 20.05.2017