Marxisten-Leninisten Deutschland (MLD):
Briefe an die KPD/Rote Fahne (1978)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 18.7.2016


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Im Februar 1978 schrieb das Politbüro der Marxisten-Leninisten Deutschlands (MLD) einen "Offenen Brief an die KPD/Rote Fahne" mit dem Titel: "Marxismus-Leninismus oder moderner Trotzkismus". Im Wesentlichen rief die MLD die KPD dazu auf, eine "wirkliche Korrektur" der politischen Linie vorzunehmen und sich "einzureihen in die Front gegen den Sozialimperialismus". Das würde aber verlangen, "dass die Führung der KPD/RF die nichtmarxistische, neotrotzkistische Generallinie, die seit der Gründung, über den 'I. Parteitag' und den 'II. Parteitag' bis heute besteht, aufgibt". Die Gründung der ML-Partei würde erst noch anstehen. Das könne nur eine solche Partei sein, "die sich vom Marxismus-Leninismus und der Mao Testung-Ideen und nicht vom Revisionismus oder Trotzkismus leiten lässt, die sich auf die Arbeiterklasse und nicht auf die radikalen Kleinbürger und die neue Bourgeoisie orientiert". Die Marxisten-Leninisten in der BRD wurden von der MLD aufgerufen, sich "mit Linie und Politik unserer Organisation auseinanderzusetzen"; die Mitglieder der KPD wurden aufgerufen, "den Kampf gegen die neotrotzkistische Generallinie" ihrer Partei aufzunehmen. (Vgl. 8. Feb. 1978)

Mitte Mai 1978 erschien dann ein Brief des ZK der MLD "An das Zentralkomitee der KPD" unter dem Titel: "Gespräche zwischen KPD und MLD sind notwendig". Einleitend betonte das ZK darin, dass man auf "Beschluss der III. Plenartagung des 2. Zentralkomitees der Marxisten-Leninisten Deutschland (MLD) an die KPD mit dem Wunsch nach Gesprächen zwischen den Führungen unserer beiden Organisationen" herantrete. Die MLD verfolge dabei das Ziel, "den Revisionismus und insbesondere den modernen Trotzkismus zu kritisieren und die Einheit der Marxisten-Leninisten herzustellen".

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

08.02.1978:
Am 8. Februar schreibt das Politbüro des Zentralkomitees der Marxisten-Leninisten Deutschlands einen achtseitigen "Offenen Brief an die die KPD/Rote Fahne" mit der Überschrift "Marxismus-Leninismus oder moderner Trotzkismus".

Einleitend heißt es darin: "Die KPD/RF stellt den Anspruch, die Vorhutpartei des deutschen Proletariats zu sein, sich von den Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung leiten zu lassen, die Theorie von der Dreiteilung der Welt anzuwenden, im sowjetischen Sozialimperialismus den Hauptfeind der Völker zu sehen und eine Politik der 'antihegemonistisch-demokratischen Einheitsfront' zu betreiben. Viele Genossen glauben diesem Anspruch. Offene Agenturen des Sozialimperialismus wie der KB bekämpfen die KPD/RF, nur weil sie diesen Anspruch stellt …". Im Folgenden will die MLD die "neotrotzkistische Linie" der KPD widerlegen.

Im "Offnen Brief" geht es um folgende Fragen/Unterthemen:
- "Woher kommt die große Kluft zwischen Eurem Anspruch (dem der KPD, d. Verf.) und der Realität?"
- "Auf welcher Seite der Barrikade steht die KPD eigentlich?"
- "Korrigiert die KPD/RF in der jüngsten Zeit ihre Linie?"
- "Die Politik der KPD nutzt dem Hauptfeind"
- "Die Pseudo- KPD führt nicht den Klassenkampf"
- "'Sozialistischer' Charakter der Revolution"
- "Gegen die Theorie der Revolution in Etappen
- "Wie die sozialfaschistische Gefahr für die Bundesrepublik Deutschland geleugnet wird"
- "Die Einheitsfront mit der nationalen Bourgeoisie verhindern"
- "Gegen die Anwendung und Beherrschung von Kernenergie und moderner Technik"
- "Gegen die demokratischen Gewerkschaften"
- "Spaltung - für 'oppositionellen Zusammenschluss'"
- "Auch der Bürgerkrieg soll heute vorbereitet werden"
- "Größenwahn der der Superrevolutionäre: Die zwei Supermächte, die Alte und die Neue Bourgeoisie in Deutschland auf einmal niederschlagen"
- "Bekenntnis der Zugehörigkeit zum 'Linken Lager', zum Lager des kleinbürgerlichen Radikalismus"
- "Trotzkistische Verdrehungen gegen den Kurs der Marxisten-Leninisten Deutschlands auf Vaterlandsverteidigung"
- "Wie die Möchtegern- KPD ihre neotrotzkistische Linie beschönigt und einem Bruch mit ihrer opportunistischen Vergangenheit ausweicht"
- "Fehler der programmatischen Erklärung"
- "Schwere Fehler in internationalen Beziehungen"
- "1. Parteitag: Fehler in wesentlichen Kernfragen"
- "Das Programm ist in der Hauptseite ein marxistisch-leninistisches Programm … Aber es hat Schwächen und am Besten: Vergesst es!"
- "Die KPD/RF macht nur Lippenbekenntnisse zur Theorie der 3. Welten"
- "Wie die KPD/RF gegen die Politik Sadats Front machte und welche Haltung die KP Chinas einnimmt"
- "Ist zu erwarten, dass die KPD/RF eine wirkliche korrekte Linie vornimmt?"
- "Die Gründung der wirklichen kommunistischen Partei ist absolut notwendig"

Zum Schluss heißt es: "Die Marxisten-Leninisten Deutschlands rufen alle Marxisten-Leninisten und Revolutionäre auf, sich mit Linie und Politik unserer Organisation auseinanderzusetzen. - Wir rufen auch die Genossen in der 'KPD', ob sie Mitglieder oder Funktionäre sind, auf, den Kampf gegen die neotrotzkistische Generallinie dieser Partei aufzunehmen. - Marxisten-Leninisten organisiert Euch in der Vorhutorganisation der Marxisten-Leninisten Deutschlands, arbeitet aktiv an der Gründung der Kommunistischen Partei des deutschen Proletariats mit!"

Geworben wird für das TO "Der Maoist" (Nr. 1, 2 und 3) sowie das ZO "Die Neue Welt". Angekündigt werden die Schriften: "Die Polemik um die Theorie der drei Welten. Dokumente der KPCh und der PdAA" sowie: "Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst des Anti-Sozialimperialismus. Manifest des Bundes Demokratischer Kommunisten Deutschlands".
Quelle: Politbüro des ZK der MLD: Offener Brief an die KPD/Rote Fahne: Marxismus-Leninismus oder moderner Trotzkismus, Frankfurt/M., 8. Februar 1978.

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18.05.1978:
Es erscheint ein Brief des ZK der Marxisten-Leninisten Deutschlands an das ZK der KPD (Rote Fahne) mit der Überschrift: "Gespräche zwischen KPD und MLD sind notwendig".

Der Brief gliedert sich in die Punkte:
- "Was sind die gemeinsamen Grundlagen zwischen KPD und MLD, die fruchtbare Gespräche möglich machen?"
- "Was sind die wichtigsten Widersprüche in der Linie und Politik zwischen KPD und MLD?"
- "Soll man die 1968 von dem politischen Schwindler Ernst Aust aufgestellte Losung: 'Für ein vereinigtes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland' übernehmen, oder soll man für die demokratische und nationale Etappe (oder Periode) der Revolution die Losung: 'Für ein vereinigtes, unabhängiges und demokratisches Deutschland' und für die sozialistische Etappe 'Für ein sozialistisches Deutschland' aufstellen?"
- "Soll man zwischen bürgerlicher Demokratie und dem Sozialismus unterscheiden, oder soll man vor der 'faschistischen Gefahr durch die westdeutsche Monopolbourgeoise' warnen?"
- "Soll man zur Verteidigung der bürgerlichen Demokratie und zur Unterdrückung der 5. Kolonne aufrufen, oder soll man zum Kampf 'gegen die Unterdrückung in Ost und West' aufrufen und 'uneingeschränkte demokratische Freiheiten' fordern?"
- "Soll man die Landesverteidigung durch die bürgerliche Armee bejahen, oder soll man 'zur Zersetzung der bürgerlichen Armee' aufrufen und die Landesverteidigung nur bejahen, wenn eine Volksarmee besteht?"
- "Soll man die friedliche Nutzung der Kernenergie zur Brechung des Kernmonopols der Supermächte und im Interesse der nationalen Wirtschaft und der nationalen Energieversorgung bejahen, oder soll man vom 'volksfeindlichen Atomprogramm der Bundesregierung' sprechen, die Anwendung der Kernenergie grundsätzlich ablehnen und an einer neuen Maschinenstürmerei teilnehmen?"
- "Soll man für die Stärkung der demokratischen Einheitsgewerkschaften eintreten, aktiv in ihnen arbeiten und den Hauptschlag gegen die 5. Kolonne im DGB richten, oder soll man die 'Einheitsgewerkschaft ablehnen', von der 'Arbeitsgemeinschaftspolitik' und dem 'Vorantreiben der faschistischen Gefahr' und alle 'Bestrebungen nach oppositionellem Zusammenschluss gegen die Bonzen und Revisionisten' unterstützen?"
- "Soll man eine Politik der offenen Tür gegenüber den Feinden der Demokratie, der Unabhängigkeit und der nationalen Einheit, der Einheit Europas und des Zusammenschlusses von Dritter Welt und Zweiter Welt betrieben, und soll man eine Politik der verschlossenen Tür gegenüber der demokratischen und patriotischen Bourgeoisie betreiben, oder soll man den breitestmöglichen Zusammenschluss mit allen nationalen Klassen und Parteien, die vom sowjetischen Sozialimperialismus schikaniert und bedroht sind, anstreben?"
- "Von der ''Führung des Proletariats' reden oder die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der kommunistischen Partei praktizieren?"

Zum Schluss erklärt die MLD, dass der Kampf gegen "den sowjetischen Sozialimperialismus … die Marxisten-Leninisten in Deutschland vor große Bewährungsproben" stelle. Zudem sei eine "Wende in den Beziehungen zwischen KPD und MLD" notwendig, um den "Aufbau der Kommunistischen Partei zu beschleunigen".
Q: ZK der MLD: An das Zentralkomitee der KPD: Gespräche zwischen KPD und MLD sind notwendig, Frankfurt/M., 18. Mai 1978.

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Letzte Änderung: 18.07.2016