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Gerd Flatow

Beiträge zur Biographie 1964 bis 1980

Von Jürgen Schröder, Berlin, 11.4.2009

Gerd Flatow war einer der frühesten (vgl. 14.1964, 31.12.1968) und oft auch umstrittensten Persönlichkeiten der bundesdeutschen ML-Bewegung. Vor allem seine Tätigkeit als Stahlgroßhändler bot Zeit seines Lebens, am 31.3.1980 verstarb Flatow zu Beginn einer Reise in die VR China, immer wieder einen beliebten Angriffspunkt (vgl. 30.8.1971), zu dem er sich auch selbst klarstellend äußerte (vgl. 9.7.1979).

Gerd Flatows politischer Weg war lange Jahre eng mit Willy Dickhut verbunden (vgl. 8.3.1970), in den Auseinandersetzungen um die Herausbildung der KPD/ML-Zentralbüro (vgl. 28.3.1970, 12.6.1970) wird die sog. Dickhut/Flatow-Clique zum kategorialen Kampfbegriff der Gründer des Zentralbüros (vgl. 16.7.1970, Aug. 1970, 19.8.1970, Okt. 1970, 1.10.1970, Nov. 1970, 15.12.1970), während Gerd Flatow und Willy Dickhut mit einer Handvoll Getreuer sich schließlich als KPD/ML-Revolutionärer Weg (RW) konstituieren (vgl. 23.8.1970, 11.10.1970), um sich später mit dem süddeutschen KAB/ML zum KABD zu vereinigen. Trennscharf wird dabei zwischen dem 'Agenten' Flatow und dem lediglich abgewichenen Genossen Dickhut unterschieden (vgl. 1.9.1970). Für Außenstehende scheint die Auseinandersetzung makaber gewirkt zu haben (vgl. Jan. 1971).

Der zweite Teil dieser, wie immer unvollständigen Darstellung berührt die Auseinandersetzungen innerhalb des KABD, dem Gerd Flatow in führenden Funktionen angehörte (vgl. März 1976). Die Freundschaft zur VR China mochte er nicht lassen (vgl. Juli 1975, 25.1.1977, 17.3.1977, 7.7.1977), auch als der KABD begann sich von dieser, aufgrund seiner Ablehnung der Dreiweltentheorie, zu distanzieren (vgl. 24.9.1975, 8.8.1975).

Es kommt zum offenen Widerspruch zwischen Gerd Flatow und Willy Dickhut bzw. der Zentralen Kontrollkommission (ZKK - vgl. 12.1.1978, Juli 1978, 1.7.1978) und schließlich zum Ausschluss (vgl. 5.8.1978, Sept. 1978).

Gerd Flatow wird daraufhin zunächst als, vermutlich maßgebliches, Mitglied der Neuen Düsseldorfer Nachrichten (NDN – vgl. 24.11.1978) und danach der Gruppe Ratinger Kommunisten (vgl. Mai 1979) aktiv, von denen sich der KABD offenbar durchaus bedroht fühlt (vgl. 6.4.1979).

Gerd Flatow übernimmt nun auch bundesweit im Kreise der ehemaligen KABD-Mitglieder eine wichtige Rolle (vgl. 16.5.1979), wobei diese bzw. diejenigen aus Aschaffenburg wiederum die Entwicklung seiner Widersprüche zum KABD darstellen (vgl. Juni 1979), bevor er zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung noch einmal selbst zu seiner Person zu Wort kommt.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

01.04.1964:
Laut der LKK der KPD/ML NRW besucht Gerd Flatow, später führendes Mitglied der KPD/ML und des KABD, letztmalig die chinesische Botschaft in Bern. Flatow gehörte mit zu den ersten, die chinesisches Propagandamaterial in die Bundesrepublik brachten.
Quelle: KPD/ML NRW-LKK:Erklärung der Landeskontrollkommission NRW zu den Agenten-Anwürfen seitens der Weinfurth-Gruppe,Bochum 1970,S.2

31.12.1968:
In Hamburg beginnt, nach eigenen Angaben, die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) in der Wohnung von Ernst Aust. Gründungsmitglieder sind u.a. Ernst Aust, Gerd Flatow, G. Ackermann. Ernst Aust wird 1.Vorsitzender der KPD/ML. In das ZK der KPD/ML wird auch Klaus Schaldach gewählt.
Quellen: N.N.:Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972,S.20;
MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.108;
Klassenkampf und Programm Nr.3,Dortmund Apr. 1973,S.39, 41, 46 und 66ff;
Roter Morgen Dez. 1968/Jan. 1969, Nr.10 und 15,Hamburg 1969, 23.5.1972 bzw. 31.7.1972,o.A., S.6bzw. S.9;
Der Parteiarbeiter Nr.8,Bochum Okt. 1971;
ML Dortmund:Den Parteiaufbau bewußt in Angriff nehmen. Ein Beitrag zum ideologischen Kampf gegen revisionistische Auffassungen zum PA,Dortmund o.J. (17.2.1972),S.2f

08.03.1970:
Erste Landesdelegiertenkonferenz (LDK) der KPD/ML NRW. Mit dieser Konferenz sollte u.a. die Anfangsphase des Parteiaufbaus abgeschlossen sein. Die KPD/ML-ZK berichtet u.a. über Willi Dickhut:"
W.D. forcierte die von ihm organisierte fraktionistische Tätigkeit. Auf der ersten ordentlichen Landesdelegiertenkonferenz NRW im März dieses Jahres, die von ihm in typisch bürokratischer Manier vorbereitet wurde - ihm nicht genehme Anträge wurden unter dem Vorwand, sie seien nicht fristgemäß eingereicht, abgewürgt -, gelang es ihm, einen großen Teil jener, die ihm zu Munde redeten, in die neue Landesleitung wählen zu lassen. Vorsitzender in einem Land mit dem stärksten Anteil von Arbeitern im Verhältnis zum Bundesmaßstab wurde G. Flatow, Stahlgroßhändler, ein ehemaliger Direktor des drittgrößten deutschen Stahlkonzerns, der Otto-Wolf-AG, zu der er auch heute noch beste Beziehungen unterhält. Seine Ernennung zum Landesvorsitzenden - gegen die die revisionistische Zeitung 'Facit' (vgl. **.*.1970,d.Vf.) bereits vor seiner Wahl polemisierte (woher hatte sie die Kenntnis?) - zeigt anschaulich die von W.D. propagierte proletarische Linie."
Quellen: =Revolutionärer Weg Nr.4 (weiße Ausgabe) und 5,Solingen 1970 bzw. Solingen 1970,S.2f und 59ff bzw. S.*;
MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.67f und 103ff;
Roter Morgen Nr.7,Hamburg Aug. 1970

28.03.1970:
Laut 'RW' antwortet das Landessekretariat NRW KPD/ML vermutlich heute auf den Beschluß des ZK vom 22.3.1970. Gerd Flatow führt u.a. aus:"
Die Stellungnahme des ZK vom 22.3. (Eingang 24.3.) zur Lage der Partei haben wir gelesen. Wir nehmen mit Bedauern zur Kenntnis, daß das ZK der irrigen Auffassung ist, daß die augenblickliche, äußerst ernste Lage der Partei, durch die Herausgabe der Nr.1 des 'Bolschewik' entstanden ist. Die Sache verhält sich genau umgekehrt: Aufgrund der äußerst ernsten Lage erschien der 'Bolschewik'. Es ist deshalb abwegig mit Formalismus als Werkzeug eine politische Diskussion führen zu wollen, die geführt werden muß und zwar im Interesse der Einheit der Partei. Es ist dabei unerheblich zu untersuchen, ob die Rote Garde dabei 'Funktionen usurpierte', weil sie ihre Meinung sagte, ihren Bericht weitergab, ohne vom ZK 'ermächtigt' worden zu sein. Es ist ein Streit, nicht um die Benennung als 'Pamphlet', oder als 'theoretisches Organ', sondern um die politische Linie unserer Partei.

Es ist möglich, daß das ZK bereits im August 1969 einen Beschluß faßte, 'daß innerparteiliche Diskussionspapiere gemäß dem im Statut bestimmten demokratischen Zentralismus verbreitet werden müssen.' In der Org.-Mitteilung Nr.1 vom 13.9.1969 steht nichts davon. Ohne eine Begründung für diesen Beschluß oder diesen Beschluß zur Hand zu haben, ergibt sich die Notwendigkeit den Ablauf einer innerparteilichen Diskussion auf der Basis des demokratischen Zentralismus nachzuzeichnen:
1. Es wird zwischen Delegierten der RG NRW und dem von der Partei (LL Berlin) 'eingesetzten' Z-Koll am 2.3. in Berlin diskutiert, über Grundsätzliches! Hierbei treten erhebliche politische Differenzen auf, die allerdings schon vorher ihren Niederschlag in einem Protokoll gefunden haben, das ein Gespräch zwischen Ez. (ZK-Mitglied) und dem Genossen Ol. (RG NRW) wiedergab.
2. Da keine Stellungnahme seitens des ZK erfolgt, wird der Sachverhalt im 'Bolschewik' unter Wiedergabe beider Standpunkte der Partei und der Roten Garde zur Kenntnis gebracht.
3. Jetzt muß die innerparteiliche Diskussion beginnen, das ZK MUSS sich ZUR SACHE äußern. Es wurde gemäß Beschluß der LL NRW vom 14.3. dazu aufgefordert.
4. Statt der Aufforderung in dieser kritischen Situation unverzüglich nachzukommen und eine Sitzung (wie vorgeschlagen) einzuberufen, tagt das ZK in Mannheim am 22.3. und schreibt einen Brief, der nichts zur Sache aussagt, keinerlei Beitrag zur politischen Diskussion darstellt, sondern versucht mit bürokratisch-formalistischen Mittelchen eine notwendige Sachdiskussion abzuwürgen! Die LL NRW wird aufgefordert, umgehend zu 'diesen Fragen' Stellung zu nehmen (dieser Satz findet sich nicht in der roten Ausgabe,d.Vf.).
Wir werden zu den politischen Fragen
a) Verhältnis von Theorie und Praxis,
b) Verhältnis der RG zur Partei,
c) Klärung der Berliner Vorgänge (Z-Koll von der LL Berlin eingesetzt und politische Linie des Z-Koll),
d) Klärung der Rolle des vom ZK als provisorischen Bundesleiter eingesetzten ZK-Mitgliedes, Stellung nehmen.
Auch wir halten die Lage unserer Partei für äußerst ernst, ein Grund dafür scheint zu sein, daß unser ZK eine Diskussion abzuwürgen versucht, weil man dort vielleicht die Glaubwürdigkeit eines ZK-Mitgliedes einfach deshalb annimmt, weil er ZK-Mitglied ist. Hier stehen Vorwürfe im Raum, die kritisch und selbstkritisch untersucht werden müssen, ohne Rücksicht auf Person oder Funktion. Wir warten auf Antwort auf unseren Beschluß vom 14.3. und auf sachliche Klärung. Eure augenblickliche Taktik führt zur Verkleisterung von Gegensätzen und schließlich zum Auseinanderbrechen der Partei, deren Einheit wir zu erhalten wünschen."
Quelle: Revolutionärer Weg Nr.4,Solingen 1970 weiße Ausgabe bzw. rote Ausgabe,S.67f bzw. S.87f

12.06.1970:
Laut 'RW' findet in Bochum eine Sekretariats-Sitzung der KPD/ML NRW statt. Vor allem wird hier über den "Rechenschaftsbericht" an die Delegiertenkonferenz (vgl. 13.6.1970) diskutiert. Auf dieser Sitzung soll über die 'Thesen', die auf dieser Konferenz diskutiert werden sollen, nicht gesprochen worden seien. An der Sekretariats-Sitzung nehmen teil: Peter Weinfurth, Richard Claus, Gerd Genger, Oliver Thomkins, wahrscheinlich auch Willi Dickhut (LKK) und der Politleiter von NRW (Gerd Flatow).
Quelle: Revolutionärer Weg Nr.5,Solingen 1970,S.*

16.07.1970:
Rundschreiben des Zentralbüros der KPD/ML-ZB bzw. des Landessekretariats der KPD/ML NRW "Unsere gegenwärtige Lage".
In ihm wird u.a. dazu aufgerufen, den Kampf gegen eine "rechte Clique" in der Partei aufzunehmen. Bei dieser handelt es sich um die Dickhut/Flatow-Gruppe, die spätere KPD/ML-Revolutionärer Weg (RW).
Quelle: KPD/ML-ZB:Unsere gegenwärtige Lage,Bochum 1970

August 1970:
Vermutlich Ende des Monats erstellt die KPD/ML-ZB erstmals ihr Funktionärsorgan 'Der Parteiarbeiter' (vgl. Sept. 1970), welches vom Politbüro redigiert wird. Der Artikel "Gegen die Liquidatoren der Partei - Das Zentralbüro der KPD/ML unterstützen", richtet sich vor allem gegen das Aust-ZK der KPD/ML und gegen eine rechte Tendenz innerhalb der KPD/ML-ZB. Die letztere wird hier jedoch noch nicht beim Namen genannt. Dies geschieht allerdings wenig später und meint dann vor allem die sog. 'Dickhut-Flatow-Clique' (die sich später KPD/ML-Revolutionärer Weg nennen und Kontakte zum KAB/ML aufnehmen). U.a. heißt es:"
Im Verlaufe des Kampfes gegen die linken Liquidatoren der Partei, die Aust-Ezra-Clique, hat sich eine rechte liquidatorische Abweichung gezeigt. Diese Abweichler kämpfen mit allen Mitteln gegen das Zentralbüro. Nicht gegen seine Zusammensetzung, sondern gegen das leninsche Prinzip des Parteiaufbaus kämpfen sie ganz offen. Bei diesen Abweichlern handelt es sich um Leute, die die Partei aufgegeben haben. Im Grunde wollen sie die Partei auflösen und durch die Vereinigung mit anderen Organisationen eine sozialdemokratische Partei schaffen. Nur wenn wir alle opportunistischen Tendenzen in der Partei liquidieren, kann die Einheit des Willens und die Einheit des Handelns hergestellt werden; nur eine einheitliche Partei kann zur Führerin des Proletariats werden. ... Aber die rechten Opportunisten in der Partei haben schon längst den Angriff auf die korrekte proletarische Linie begonnen. Um welche Frgen geht es dabei vor allem und wo zeigt sich die rechte Abweichung in der Partei am deutlichsten? Die reche Abweichung zeigt sich am deutlichsten in der Frage des Parteiaufbaus. Es geht um die Frage, ob die Partei vor allem von oben nach unten oder von unten nach oben aufgebaut werden muß. Das ist eine lebenswichtige Frage für die Partei - das ist gerade die Frage nach der Existenz des Zentralbüros. ... Der Aufbau der Partei muß vor allem von oben nach unten geschehen. Deshalb ist ein Zentralbüro der KPD/ML gebildet worden. Der Aufbau der Partei muß vor allem mit Hilfe der Roten Fahne auf nationaler Ebene zentral vorangetrieben werden. Die Kader müssen zentral herangezogen werden. Es müssen von der Zentrale Instrukteure für den Aufbau der Landesverbände und für den Aufbau der Bezirke eingesetzt werden. Das sind alles Selbstverständlichkeiten. Aber einige Genossen haben falsche Lehren aus dem Kampf gegen die Liquidatoren gezogen. Sie meinen, daß das Aust-ZK seine Unfähigkeit gezeigt hat zu leiten, und sie schließen daraus, daß die Partei vor allem und ausschließlich auf Landesebene oder lokaler Ebene arbeiten müsse. Aber das ist grundfalsch.
1. Das Aust-ZK war ein bürgerliches Zentrum in der Partei. Es gab nicht zuviel, es gab zuwenig Zentralismus. Erst als die Berliner Fraktionisten ihre bürgerliche Diktatur über die Partei ausübten, wurde das Stadium der 'unabhängigen Königreiche' abgelöst durch die weitaus wütenderen Angriffe des sogenannten ZK auf die Einheit und Existenz der Partei mittels eben dieser bürgerlichen Diktatur. Erst dort wurde der Zentralismus betont und zur einzigen Seite des demokratischen Zentralismus erklärt.
2. Die Machenschaften der Aust-Ezra-Clique sind nur ein Beweis mehr dafür, daß es nötig ist, eine wirklich zentrale Leitung, ein proletarisches Zentrum in der Partei zu schaffen.
3. Wie will man eine einheitliche Partei aufbauen, wenn nicht eine einheitliche zentrale Leitung besteht? Man kann nicht die verschiedenen Gruppen einfach zusammenwachsen lassen. Läßt man das zu, dann ist die Partei von vornherein durch kleinbürgerliche Elemente gefährdet, denn wer will solche Abweichungen bekämpfen, wenn keine einheitliche politische Linie vorhanden ist?
4. Auch der Aufbau von Landesverbänden ohne nationale Leitung wird die Partei spalten. Man kann nicht so vorgehen, daß man erst die einzelnen Landesverbände aufbaut, ohne einheitliche nationale Leitung, ohne Zentralorgan. Es ist absurd, dann, wenn die Landesverbände genügend ausgebaut sind, diese unabhängigen Königreiche zu vereinigen, einen Parteitag zu machen und dann erst eine nationale Leitung zu wählen. Das würde dazu führen, daß in der Leitung verschiedene Linien vorhanden wären.
5. Es ist absurd, die Vereinigung mit anderen marxistisch-leninistischen Organisationen durchzuführen, ohne einen langwierigen ideologischen Kampf. Noch absurder ist es, mit solchen Organisationen, die in einigen wesentlichen Fragen andere Auffassungen als die Partei vertreten, sich zu vereinigen. Wir brauchen das Zentralbüro der KPD/ML, eine einheitliche politische Linie um unsere Partei zu einer wirklich bolschewistischen Partei zu machen. ... Die linken Abweichungen unterscheiden sich im Resultat von den rechten Abweichungen gar nicht: beide liquidieren die Partei als Vortrupp der Arbeiterklasse. Die einen machen aus ihr eine formlose, unentschlossene sozialdemokratische Partei. Die anderen machen aus ihr eine Sekte von Forschern und Klassenanalytikern.
1. Die Vertreter der rechten Abweichung wollen keinen zentralen Aufbau auf nationaler Ebene, sondern sie wollen viele Zentren auf lokaler oder Landes-Ebene schaffen, die zusammenwachsen zur nationalen Partei. Die Vertreter der linken Abweichung wollen ein bürgerliches Zentrum schaffen, mit dem sie ihre bürgerliche Diktatur über die Partei ausüben können. Die proletarische Linie, die Linie der Partei, ist die der Schaffung einer starken nationalen Leitung, eines proletarischen Zentrums der Partei. So kann die Partei einheitlich aufgebaut werden um die politische Linie der Partei.
2. Die Vertreter der rechten Abweichung verfolgen gegenüber den Massen eine üble Nachtrabpolitik. Sie verstehen es nicht, die Massen zu führen, weil sie die Entwicklungsgesetze der Klassenkämpfe nicht kennen, weil sie die Theorie des Marxismus-Leninismus verachten. Die Vertreter der linken Abweichung verachten die Massen. Sie sind von den Massen isoliert und sind dabei, vom Standpunkt der Kleinbürger, den Marxismus-Leninismus gründlich zu verraten und zu revidieren. Die proletarische Linie der Partei, kämpft um die Führung der Massen. ... Durch die Entfaltung der Massenarbeit, durch den engen Kontakt mit den Massen und durch die Verbesserung der Schulung lernen wir es, an der Spitze der Kämpfe der Arbeiterklasse zu stehen. Damit das gelingt, muß es ein starkes ZB und ein starkes ZO der Partei geben.
3. Die Vertreter der rechten Abweichung propagieren eine grundsätzlich falsche Linie des ausgedehnten Demokratismus. Sie scheinen der Auffassung zu sein, daß jede Frage von der gesamten Partei diskutiert und beschlossen werden muß. Sie sind der Auffassung, daß die Demokratie die einzige Seite des demokratischen Zentralismus sei. Sie sehen nicht, daß gerade in der Zeit des Aufbaus der Zentralismus die wichtigere Seite des demokratischen Zentralismus ist. Die proletarische Disziplin der Organisation wird völlig untergraben durch den übertriebenen Demokratismus der rechten Abweichung. ... Die linke Abweichung in der Partei betont zwar den Zentralismus, sie ignoriert aber völlig die Meinung und Ansichten der Massen. Außerdem handelt es sich um ein bürgerliches Zentrum in der Partei, und man kann die Regeln der proletarischen Disziplin unmöglich auf dieses bürgerliche Zentrum anwenden. Die proletarische Linie der Partei stellt das richtige Verhältnis von Demokratie und Zentralismus her. Wir brauchen starke Leitungen, Leitungen, die die einheitliche Linie der Partei im Klassenkampf garantieren, Leitungen, die selbständige Entscheidungen treffen, Leitungen, die Autorität bei den Parteimitgliedern und den Massen haben. Wir brauchen politische Leitungen, und diese Leitungen müssen von oben nach unten entscheiden. Natürlich sollen die Leitungen, wenn es nötig ist, bei wichtigen Fragen, demokratische Konsultationen durchführen. Es ist aber völliger Unsinn, eine Vielzahl von fragen deren langatmige Behandlung die Schlagkraft der Partei mindern, von der ganzen Partei diskutieren zu lassen. Die Regel muß sein, daß die Leitungen selbständig beschließen, diese Beschlüsse propagieren und sie organisatorisch durchsetzen. Alle Leitungen sollten so schnell es geht gewählt werden.
4. Die Vertreter der rechten Abweichung in der Partei vertreten die Auffassung, daß wir keine Zentrale, kein zentrales Büro, kein ZO und keine zentrale Rekrutierung von Kadern, brauchen, bevor nicht die lokale Praxis sich voll entwickelt hat. Oder sie vertreten die Auffassung, daß man all dies brauche, aber in Wirklichkeit boykottieren sie überall die zentrale Arbeit. Sie sehen nicht, daß nur durch das zentrale Büro die lokale Praxis voll entwickelt werden kann. Die rechte Abweichung will die politische Linie von unten nach oben bestimmen. Die linken Abweichler boykottieren die lokale Praxis und sind unfähig, die Massenarbeit wirklich anzuleiten. ... Die proletarische Linie, die Linie der Partei, wird die Einheit des Willens und des Handelns herstellen durch konkrete, zentrale Anleitung (im Funktionärsorgan 'Der Parteiarbeiter'), durch eine einheitliche politische Linie (in der RF) und durch die Weiterentwicklung der revolutionären Theorie (im Theoretischen Organ). Das zentrale Büro wird Programm und Taktik der Partei entwickeln. Die proletarische Linie, die Linie der Partei, ist die Linie der Stärkung der Führung, insbesondere des zentralen Büros, und es ist die Linie der vollen Entfaltung der Massenarbeit. Es gilt: die rechen und linken Abweichungen in der Partei politisch zu schlagen, die Massenarbeit zu verbessern, eine richtige Kaderpolitik zu verfolgen, die Schulung zu verbessern, die Führungen zu stärken. Gegen die Liquidatoren der Partei das Zentralbüro der KPD/ML zu unterstützen."
Quellen: MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.161;
Der Parteiarbeiter Nr.1,Bochum Aug. 1970

19.08.1970:
Der "Offene Brief der Landesleitung NRW an die Mitglieder der Partei: Die weiße Verschwörung zerschlagen" erscheint in der KPD/ML-ZB. Er ist wesentlich von Peter Weinfurth verfaßt (vgl. 11.7.1970) und soll den Kampf gegen eine "rechte Dickhut-Flatow-Clique" eröffnen. Einzelne Mitglieder der Landesleitung (u.a. Helmut Seidel, Ralf Klagges und Dietmar Kesten) werden von P. Weinfurth instruiert eine Abstimmung über dieses Papier durchzusetzen. In ihm wird u.a. erklärt, daß die "Bourgeoisie Agenten in die Partei eingeschleust" habe, um sie "zu spalten". Sie hatten nur einen Auftrag, "eine Fraktion zu bilden und das Zentralbüro auzuschalten". Die Agitation wird in dem 'Offenen Brief' u.a. auch gegen das Mitglied der Landesleitung, Gerd Flatow, geführt, der als "Stahlkapitalist" und "Oberagent" diffamiert wird und "Spionagetätigkeit gegen die VR China durchgeführt haben soll". Als Beweis dafür wird eine Kopie des Schreibens einer Genossin aus Hamburg (Inge Jahnke) vorgelegt, "die behauptete, Gerd Flatow habe von ihr zu Spionagezwecken gegen die Volksrepublik China Dias für einen Industriellenkreis angefordert" (dieser Vorwurf soll später bei einer Gegenüberstellung beider GenossInnen zusammengebrochen sein,d.Vf.). Es wird der Ausschluß Flatows ohne Verfahren gefordert.

Ein vehementer Schlag wird desweiteren gegen die LKK NRW mit dem Vorsitzenden W. Dickhut an der Spitze geführt:"
Die LKK (Landeskontrollkommission) lieferte der Fraktion die noch fehlende theoretische Plattform. Sie entwarf ein außerordentlich übles Papier, das in unglaublich hinterhältiger und gemeiner Weise die Mitglieder des Zentralbüros und des LSEK (Landessekretariat) angriff. Die Kontrollkommision bzw. korrekter ausgedrückt, die Fraktion, gelenkt von den Agenten, bediente sich der Kontrollkommission, um ihre Linie zu entwickeln." Der LKK wird "fraktionistisches Verhalten" vorgeworfen. Dies ziele darauf ab, "die Partei zu spalten und das Zentralbüro zu liquidieren".
Der "Offene Brief" ruft dazu auf:"
Die Beschlüsse der LKK werden nicht anerkannt, soweit die Parteiverfahren nur deswegen eingeleitet wurden, weil die Genossen die Zentralbüro-Linie vertreten. ... Die Mitglieder, gegen die aus diesen Gründen ein Parteiverfahren eingeleitet wurde, werden in ihre alte Funktion wieder eingesetzt und führen die laufende Arbeit weiter." (vgl. 18.8.1970, 23.8.1970).
Quellen: KPD/ML-ZB-LL NRW:Offener Brief der Landesleitung NRW an die Mitglieder der Partei: Die weiße Verschwörung zerschlagen,Bochum 1970;
MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.169;
Rebell Sdr.Nr.3,Tübingen 1970

23.08.1970:
Laut 'RW' findet eine Landesleitungssitzung der KPD/ML-ZB NRW in Bochum statt. Die Sitzung wurde einberufen, um Probleme der laufenden Parteiarbeit zu diskutieren. Einziger Tagesordnungsordnungspunkt ist der "Offene Brief an die Mitglieder der Partei: Die weiße Verschwörung zerschlagen" (vgl. 19.8.1970). Der Leiter der LKK, Dickhut, warnt davor, über den "Offenen Brief" "Beschluß zu fassen". Dies würde die "Spaltung der Partei" bedeuten. In einer sich anschließenden Abstimmung entscheidet sich eine Mehrheit (3:2 Stimmen) für die Annahme des "Offenen Briefes". Die Mitglieder der LKK verließen daraufhin mit zwei anderen Mitgliedern der LL den Raum. Das Untersuchungsverfahren der LKK gegen die 4 Mitglieder des Zentralbüros wird dadurch eingestellt (vgl. 24.8.1970). In den folgenden Wochen konstituiert daraufhin W. Dickhut mit u.a. Gerd Flatow, Horst Reichhard und Franz Wennig die KPD/ML-Revolutionärer Weg (KPD/ML-RW).
Quellen: Revolutionärer Weg Nr.5,Solingen 1970,S.43f;
MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.167

01.09.1970:
Das Zentralbüro der KPD/ML-ZB verfaßt eine Erklärung, die auf heute datiert ist, aber erst im 'KND' Nr.32 vom 12.9.1970 veröffentlicht wird, obwohl in der Zwischenzeit schon drei Nummern des 'KND' erschienen sind. Dies aber scheint verständlich, da es in der Erklärung um die Spaltung der KPD/ML-ZB geht.
Da es möglich ist, daß diese Erklärung tatsächlich schon am 1.9. oder sofort danach verbreitet wird, haben wir sie hier eingefügt. Unter der Überschrift "Kampf der menschewistischen Verschwörung gegen die KPD/ML" heißt es darin:"
Die Einheit ist eine große Sache und eine große Losung! Nur die Sache der Arbeiter braucht die EINHEIT DER MARXISTEN und nicht die Einheit der Marxisten mit den Gegnern und Verdrehern des Marxismus. (Lenin)

In der letzten Zeit hat sich ein rechter Block zusammengerauft, der sich zur Aufgabe gestellt hat, als Agentur der Sozialdemokratie die KPD/ML zu zerschlagen.
...
Warum sind die Leute, die sich in diesem rechten Block gegen die KPD/ML und die Arbeiterklasse zusammengerauft haben, zu einem solch üblen Verrat, zur Zusammenarbeit mit den rechten Führern der Sozialdemokratie bereit? Die Antwort ist einfach: weil es sich bis auf eine einzige Ausnahme um zwielichtige Figuren, um Agenten und Karrieristen handelt. Es sind folgende Leute, die diesen Block bilden: einmal die Tübinger KAB-Spalter, die seit Bestehen der Partei die KPD/ML mit allen Mitteln bekämpfen. Dann einige Berliner Intriganten, die wiederholt versucht haben, die Partei von innen zu zerstören und nun sich mit Leuten verbünden, die sie selbst noch als trotzkistische Bande beschrieben haben, obwohl nur ihre Führer es sind. Und dann schließlich eine Handvoll Rechter aus der Partei, die unter Führung eines Agenten namens Flatow versucht haben, die Arbeit des ZB zustören. Diese ganze Bande hat einen alten wohlverdienten Genossen der allerdings (immer) (Druckmängel in der Vorlage,d.Vf.) schon etwas nach rechts (tendierte), als Aushängeschild benutzt, um die Partei verleumden zu können. Es handelt sich um den Genossen W. Dickhut."
Quellen: Der Parteiarbeiter Nr.2,Bochum Sept./Okt. 1970;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.32,Bochum 12.9.1970;
Rebell Sdr.Nr.3,Tübingen 1970

Oktober 1970:
Der KJVD der KPD/ML-ZB gibt die Nr.4 seines 'Jungen Bolschewik' (vgl. 15.9.1970, 15.12.1970) heraus. U.a. enthalten sind Berichte und Dokumente über die Auseinandersetzung mit der Dickhut-Flatow-Gruppe (KPD/ML-RW).
Quelle: Der junge Bolschewik Nr.4,Bochum Okt. 1970

01.10.1970:
Das Zentralbüro der KPD/ML-ZB gibt eine "Erklärung des Zentralbüros vom 1.Oktober 1970: Der Revolutionäre Weg 5/70 - Die fraktionistische Plattform der Dickhut-Flatow-Clique" heraus, in der es u.a. heißt, daß vor einigen Tagen der 'Revolutionäre Weg' (bisher das theoretische Organ dieser Gruppe) Nr.5 erschienen sei. Dieser werde von der rechten Dickhut/Flatow-Clique herausgegeben, wobei der Stahlgroßhändler Flatow der Anführer sei. Die Eigenschaft Gerd Flatows, ein Kapitalist zu sein, fällt allen Gruppen, in denen er mitarbeitete, allerdings immer erst nach dem Zerwürfnis auf, macht sich aber dann stets hervorragend als Argument. Willy Dickhut sei für die Durchführung einer Bundesdelegiertenkonferenz gemeinsam mit dem KAB/ML eingetreten, auf der Landesdelegiertenkonferenz NRW aber hütten nur zwei Delegierte nicht ihre Unterstützung für das ZB bekundet. U.a. führt die KPD/ML-ZB noch aus:"
Nachdem der Kampf gegen die 'linken' Liquidatoren der Partei zu großen Erfolgen geführt hat, machte sich innerhalb der Partei eine rechte Abweichung bemerkbar, die bereits im Kampf gegen den Linksradikalismus des Aust-ZK entstanden war. Es handelt sich hierbei um Leute, die die Partei aufgegeben haben. Sie verbreiten Konzepte des Parteiaufbaus, die eine tatsächliche Liquidierung der Partei bedeuten. Sie gehen davon aus, 'daß der Aufbau der Partei auf nationaler Ebene durch Vereinigung von verschiedenen Gruppen und Organisationen noch vor uns steht'. ... Die rechten Fraktionisten werfen dem ZB eine Verletzung des demokratischen Zentralismus vor. Das ZB der KPD/ML ist der Ansicht, daß das Prinzip des Demokratischen Zentralismus auf jede besondere Situation, die eine Partei im Verlaufe ihrer Entwicklung durchläuft, angewendet werden muß. Es ist ohne Schwierigkeiten einzusehen, daß die ersten Schritte der Schaffung der Partei auf nationaler Ebene die Durchführung des breiten demokratischen Prinzips unmöglich machen. Der Parteiaufbau vollzieht sich vor allem von oben nach unten auf der Grundlage der programmatischen, taktischen und organisatorischen Ansichten der Partei."
Das ZB wirft dem Autor des 'Revolutionären Weges' (Willi Dickhut) vor, daß er
- ein rechtsopportunistisches Konzept des Parteiaufbaus in Organisationsfragen vertrete,
- in Worten Demokratischen Zentralismus und Einheit vertrete, jedoch Fraktionismus und Spaltertum propagiert.
Eine "rechtsopportunistische Vereinigungsprojektmacherei" soll sich an "einer Vereinigung mit den Tübinger KAB/ML-Leuten" festmachen lassen:"
Der KAB/ML (die ehemalige Rebell-Gruppe) betreibt seit jeher eine üble Spalterpolitik. ... Der Vorschlag mit dem KAB/ML einen Vereinigungsparteitag durchzuführen ... bei dem sämtliche zentralen Organe der erträumten VKPD/ML (V gleich Vereinigte) gewählt werden sollen, mußte demzufolge scharf verurteilt werden ... In seinem gesamten Konzept zum Parteiaufbau ist der ideologische Kampf überhaupt nicht enthalten. Rechtsopportunisten wie W. Dickhut gehen davon aus, daß alle zu vereinigenden Organisationen sich von alleine, sozusagen im Selbstlauf auf die richtige Linie hin entwickeln ... Die rechten Fraktionisten um W. Dickhut entlarven sich als waschechte Sozialdemokraten in Organisationsfragen. Die Frage der Einheit wird als rein organisatorisches Problem angesehen. ... In NRW hatte sich eine Fraktion zusammengeschmiedet mit dem Agenten Flatow, Stahlgroßhändler, an der Spitze. Es handelt sich um ein Häuflein von Rechtsopportunisten, Ökonomisten und üblen Revisionisten. Sie haben nur das Ziel, die Partei auf ihrem Wege aufzuhalten und das Zentralbüro zu bekämpfen. Dieser Fraktion gelang es, den Genossen Dickhut vor ihren weißen Karren zu spannen. Dadurch war es für sie leichter, ihre fraktionistische Tätigkeit auszuweiten, weil W. Dickhut Vorsitzender der Landeskontrollkommission in NRW war. ... Die Dickhut-Flatow-Clique hat sich von der Partei losgesagt. Sie hat sich mit den übelsten Feinden der Arbeiterklasse verbündet, die bisher keinen Versuch unterlassen haben, die Partei zu zerstören. ... Im Mittelpunkt der Angriffe der Dickhut-Flatow-Fraktion steht das Zentralbüro der KPD/ML. ... In ihrem Haß gegen die richtige Linie des ZB versuchen die Dickhut-Leute glaubhaft zu machen, das ZB sei Feind jeglicher Demokratie und habe ein Kommandoregime errichtet. Das Gegenteil ist der Fall. Überall wo es bereits möglich ist, wird gewählt. ... Überall wo noch nicht gewählt werden kann, werden dafür schnellstmöglich die Voraussetzungen geschaffen. ... Für die gesamte Partei wird mit aller Kraft der erste Parteitag vorbereitet. ... Zusammengefaßt kann man die Ansichten des ZB zu dieser Frage im Parteiarbeiter 1 und im Bolschewik 5 studieren. In ihrer Quintessenz sind die Angriffe der Dickhut-Flatow-Clique die gegen die politische Linie des ZB gerichtet sind, Angriffe gegen die Erfahrungen der Arbeiterbewegung, die Kommunistische Internationale und den Marxismus-Leninismus."
Quellen: Der Junge Bolschewik Nr.4,Bochum Okt. 1970,S.7ff;
KPD/ML-ZB-ZB:Erklärung des ZB der KPD/ML 1. Oktober 1970,Bochum 1.10.1970;
Arbeitshefte (Zur Vertiefung des Verständnisses über die rechte Gefahr und zur Förderung selbständiger schriftlicher Ausarbeitungen) Nr.14,Frankfurt 1977,S.13

11.10.1970:
Laut der Landeskontroll-Kommission (LKK) NRW der KPD/ML-ZB wird die vom Zentralbüro der KPD/ML-ZB so bezeichnete "rechte Dickhut-Flatow-Fraktion", ausgeschlossen. Diese u.a. in der LKK vertretene Gruppe bildet fortan die KPD/ML-RW nach dem von Dickhut kontrollierten theoretischen Organ 'Revolutionärer Weg'. Tätigkeiten der KPD/ML-RW wurden uns bisher nur aus NRW, und zwar aus Düsseldorf, Duisburg und Köln bekannt, sowie evt. aus Solingen, wo Willi Dickhut wohnt, es aber vermutlich keine Gruppe der KPD/ML-RW gab.
Quelle: KPD/ML-ZB-LKK NRW:Rechenschaftsbericht der Landeskontrollkommission der KPD/ML-NRW an die Landesdelegiertenkonferenz der KPD/ML NRW,Bochum 1971,S.2

November 1970:
Der 'Bolschewik', das theoretische Organ der KPD/ML-ZB erscheint erstmalig in Bochum mit einer Nr.5 (vgl. Jan. 1971), es ist jedoch die erste Ausgabe dieses Organs überhaupt, da die Zählweise des 'Revolutionären Weges' (vgl. 15.6.1970) übernommen wird. Inhalt der Anfang des Monats erscheinenden Nummer ist u.a.:
- Der 'Revolutionäre Weg 5/70' - Die Fraktionistische Plattform der Dickhut-Flatow-Clique.
Quellen: Bolschewik Nr.5 und 8,Bochum Sept. 1970 bzw. Sept. 1971,o. S. bzw. S.67;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.48 und 58,Bochum 7.11.1970 bzw. 4.8.1971,S.4 bzw. S.10

15.12.1970:
Der KJVD der KPD/ML-ZB gibt die Nr.5/6/7 von 'Der junge Bolschewik' (vgl. Okt. 1970, 15.2.1971) - Organ für Theorie und Praxis des KJVD heraus. Im Artikel "Zur Jugendpolitik der KPD/AO" heißt es u.a.:"
War es nicht Weinfurth gewesen, der aufgrund ständiger Abweichungen von der korrekten Linie die Arbeit des LSeK fast unmöglich gemacht hat. Oder sind etwa über Nach die Faschisten zur sozialen Hauptstütze geworden? Wir sehen, daß die Politik dieser Leute die Politik der Lüge und des Betrugs an den Arbeitern ist ... Sie reihen sich, wie sollte es auch anders sein, in de rechte Front der Organisationen ein, denen die KPD/ML ein Dorn im Auge ist. Diese Front reicht von der SEW über die DKP, den KAB/ML, den KB/ML, die Dickhut-Flatow-Clique hin zur AO und ihren trotzkistischen Kumpanen Rabehl und Co. Die Einheit besteht bei ihnen im Kampf gegen die KPD/ML, die proletarisch revolutionäre Organisation."
Quelle: Der junge Bolschewik Nr.5/6/7,Bochum 15.12.1970

Januar 1971:
Vermutlich konstituiert sich spätestens im Januar an der Abteilung Dortmund der PH Ruhr der KSB/ML der KPD/ML-ZK (vgl. Nov. 1970, 25.1.1971). Der AStA der Abteilung Dortmund gibt aus diesem Anlaß, vermutlich noch im Januar, eine Broschüre heraus, die sich wesentlich auf Frankfurter Vorlagen stützt:"
IN SACHEN GEGEN KOMMUNISTISCHER STUDENTENBUND/MAXRISTEN-LENINISTEN
...
8. Innerorganisatorische Praxis

Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Unfähigkeit, kommunistische Praxis nach außen zu entfalten, stehen die Gepflogenheiten des 'Parteilebens'. Hervorstehendes Merkmal ist die allgemein verbreitete Freude an der Jagd auf 'innere Feinde'. So gibt es nirgendwo so viele 'Trotzkisten, Erzrenegaten und versteckte Kollaborateure' wie gerade in den Reihen der ML-Gruppen. Die Verschwörer- und Agententheorien und in deren Gefolge Ausschlüsse und Spaltungen gehören zum täglichen Brot, ja oft werden sie zur Hauptbeschäftigung (der Genosse Manfred Krüger wurde vom KSB/ML der PH wegen 'trotzkistischer Umtriebe' ausgeschlossen).

Die schönste Blüte trieb unlängst der Verfolgungswahn in der KPD/ML-KJVD, als sie den Häuptling einer Fraktion (Gerd Flatow,d.Vf.) wegen 'Wirtschaftsspionage an der Volksrepublik China' aus der Partei hinaussäuberte, nachdem sie ihm selbstverständlich vorher 'wuchtige Schläge' versetzt hatte.

Die Ursachen für solche Praktiken liegen auf der Hand. Die permanente Frustration durch Mißerfolge und angespanntes Betriebsklima veranlassen dazu, die Schuld an Fehlschlägen auf Sündenböcke zu projizieren, die nicht hundertprozentig angepaßt sind; politisch rationalisiert als Kampf gegen Opportunismus und Abweichungen enthebt dieses Verfahren die Gruppe der Aufgabe, die Ursachen möglicherweise im eigenen ideologischen Konzept zu suchen. Hinzu kommt, daß durch Anpassungsdruck an das Normensystem und die Phraseologie gerade Karrieristen sehr schnell an höhere Pöstchen kommen, die diese dann zur Austragung persönlicher Rivalitäten ausnutzen, was z.B. ganz offensichtlich bei der Spaltung der KPD/ML in Hamburger und Bochumer Linie der Fall war."
Quellen: AStA der PH Ruhr,Abteilung Dortmund:In Sachen gegen Kommunistischer Studentenbund/Marxisten-Leninisten,Dortmund o.J. (1970/1971);
KSB/ML Dortmund:Zur Polemik des AStA,o.O. (Dortmund) o.J. (1971),S.1

30.08.1971:
Bei Hoesch Dortmund gibt der Arbeitskreis Hoesch-Lehrlinge der SDAJ der DKP vermutlich in dieser Woche eine Ausgabe seines 'Hoesch Lehr links Info' (vgl. 9.8.1971, 21.2.1972) heraus:"
IG Metall Tarifkommission tagte in Bochum - Beschluß:
LEHRLINGSLÖHNE 'ANGEMESSEN' ERHÖHEN!
...
DIE BOSSE KÖNNEN ZAHLEN!

Während die Stahlproduktion in diesem Jahr in der BRD um 47 000 t gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, sprechen die Stahlbosse von Kurzarbeit und einer Krise.

In dieses Horn blasen auch die ultralinken Gruppen wie Rote Garde (RG der KPD/ML-ZK,d.Vf.), KJVD (der KPD/ML-ZB,d.Vf.), KPD/ML, die in roter Kriegsbemalung vor der Lehrwerkstatt ihr Unwesen treiben. Sie schreiben in ihren Flugblättern: 'Die Wirtschaftslage ist gar nicht so gut.' Das zeigt, daß die Anhänger dieser Gruppen, an deren Gründung sich auch der Stahlgroßhändler Flatow beteiligt hat, sich von ihren Führern auf die falsche Seite bringen lassen. Sie müssen auf die SPD schimpfen und die CDU schonen. Sie haben noch niemals die Gewinne der Stahlbosse nachgewiesen, die die Arbeiter und Lehrlinge jetzt in Angst um ihren Arbeitsplatz versetzen wollen."
Quelle: Hoesch Lehr links Info Lehrlingslöhne 'angemessen' erhöhen!,Dortmund o.J. (1971)

Juli 1975:
Seit Juli 1975 versucht Gerd Flatow (Internationalismus-Verantwortlicher des KABD) über die Landesleitung (LL) NRW und die ZL des KABD Vorschläge zu weiteren Kontakten mit der VR China zu machen.
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.60

24.09.1975:
Mitglieder der Auslandskommission des KABD treffen einen Direktor der staatlichen chinesischen Buchvertriebsorganisation "Guozi Shudian" in Peking und diskutieren mit ihm über die Theorie der drei Welten. Fazit der Diskussion ist, laut Ehemaligen des KABD: Die chinesische Seite betont, daß "die Aufteilung in 'drei Welten' eine strategische Aufteilung" sei.

Laut MLD wird Mao als Urheber dieser Konzeption angegeben.
Quellen: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.60;
Die neue Welt Nr.18/19,Frankfurt **** 1978,S.12

März 1976:
Laut KABD ZKK unterbreitet Willi Dickhut (Leiter des Redaktionskollektivs Revolutionärer Weg des KABD) Gerd Flatow (KABD) den Vorschlag, am 'Revolutionären Weg' Nr.16 mitzuarbeiten.
Quelle: KABD-ZKK:Mitteilung Nr.5,o.O. 8.1.1979,S.2

25.01.1977:
Gerd Flatow und ein weiterer Genosse des KABD besuchen aus eigener Initiative Genossen von der chinesischen Hsinhua (vgl. 17.3.1977):"
Die Genossen von Hsinhua begrüßen unsere Bemühungen um engere Kontakte und gegenseitige Information und waren an der Fortsetzung solcher Gespräche interessiert."
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.60

17.03.1977:
Brief von Gerd Flatow an die ZL des KABD. Flatow macht den Vorschlag, den Kontakt mit den chinesischen Genossen (vgl. 25.1.1977, 13.4.1977) "im Ein- oder Zweimonatsrhythmus laufend zu bearbeiten". Der Besuch der chinesischen Botschaft in Bern sei vorzubereiten.
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.61

13.04.1977:
Unter Federführung des KABD-Mitgliedes G. Flatow (vgl. 17.3.1977) wird der Versuch unternommen, schriftlich "einige Fakten zur Vorgeschichte der ultra-linken Fraktion in China zu geben".
Quelle: Ehemalige des KABD:Beiträge zur Diskussion,o.O. Juni 1979,S.61

07.07.1977:
Brief Gerd Flatows an die ZL des KABD (vgl. 29.10.1977). Er kritisiert u. a. das Vorgehen der albanischen Regierung gegenüber chinesischen Beratern (und anderen) in der VR Albanien, die ultimativ aufgefordert wurden, das Land zu verlassen.
Quelle: Ehemalige des KABD:Beiträge zur Diskussion,o.O. Juni 1979,S.62

03.08.1977:
Im KABD reicht Gerd Flatow reicht einen Artikel zur "Wirtschaftspolitik Chou En lais" der RF-Redaktion ein.
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.62

08.08.1977:
Rundbrief des Politleiters der ZL des KABD:"
Zur Entwicklung des Klassenkampfes in der VR China". Die Mitglieder werden von der von der gestrigen Sitzung der ZL und den Bemühungen um einen Besuch in der VR China unterrichtet. Der Brief an die chinesische Botschaft (vgl. 27.6.1977) sei bis heute nicht beantwortet (vgl. 1.8.1977). Die ZL gibt bekannt, daß sie eine Erklärung "zur Rehabilitierung Deng Hsiao-Pings" veröffentlichen will.
Quellen: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.61;
KABD-ZL-SEK:Zur Entwicklung des Klassenkampfes in der VR China,o.O. 8.8.1977

29.10.1977:
Erneuter Brief G. Flatows an den Politleiter der ZL des KABD (vgl. 7.7.1977).
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.62

12.01.1978:
Treffen von G. Flatow, W. Dickhut und anderen Mitgliedern des KABD. Positionen aus der ersten 'China-aktuell'-Broschüre des KABD und die Widersprüche Flatows dazu werden diskutiert.
Quellen: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979,S.62;
KABD-ZKK:Mitteilung Nr.5,o.O. 8.1.1979,S.8

Juli 1978:
Im KABD wird, laut seiner ZKK, Gerd Flatow Anfang Juli von der ZKK aufgefordert, zu seiner politischen Einstellung zu China und zu seinem Verhalten bezüglich der Differenzen zum KABD Stellung zu beziehen.
Quelle: KABD-ZKK:Mitteilung,o.O. 8.1.1979

01.07.1978:
Nach einem "Beschluß der ZKK des KABD" wird auf einer ZKK Sitzung die Angelegenheit Flatow behandelt. Auf dieser Sitzung soll er "Angriffe auf die Linie und die Führung des KABD" gestartet haben:"
Er vertritt den Standpunkt der '3-Welten-Theorie', aber nicht sachlich, ideologisch-politisch begründet, nicht als Beitrag zur Klärung, als Ringen um prinzipielle Einheit, sondern als polemischer und demagogischer Angriff gegen die Linie des KABD." Flatow wird bezichtigt, ein "wildgewordener Kleinbürger" zu sein, "der sich gegen Disziplin und Zentralismius unserer proletarischen Organisation auflehnt, weil er sich in seinem kleinbürgerlichen Unabhängigkeitsbestreben getroffen sieht, greift Ge. das Statut und die ZL des KABD an".
Quelle: KABD-ZKK:Beschluß,o.O. 5.8.1978

05.08.1978:
Durch einen Beschluß der ZKK des KABD wird das Mitglied der Zentralen Revionskommission (ZRK) des KABD und ehemaliger Leiter der Internationalen Abteilung der ZL, Gerd Flatow, "wegen Angriffe auf die Linie des KABD in der Einschätzung Chinas und wegen bewußten und ständigen Bruchs der Organisationsdisziplin aufgrund von Paragraph 8 Statut aus dem KABD ausgeschlossen". Erklärt wird von der ZKK, daß damit "eine über anderthalbjährige Auseinandersetzung, die von ZL und ZKK und in Abstimmung mit ihnen insbesondere vom Leiter der RW-Redaktion mit Ge. um die China-Einschätzung
des KABD geführt wurde", beendet ist. Flatow, so die ZKK, entfaltete "schrittweise einen offenen Kampf gegen die Linie des KABD (und) mißachtete bewußt die Disziplin". "Als Deng rehabilitiert wurde und damit die Führung Chinas im Wind von rechts segelte, steuerte auch Ge. diesen Kurs". Die ZKK lastet Flatow desweiteren an, daß er "seine abweichende Meinung zu China mit Heuzeroth von der KPD/ML aus Siegen/Olpe" diskutierte. Auch seine Internationalen Kontakte werden ihm angelastet. So soll er gegen Paragraph 6 des Statuts verstoßen haben, weil er "gegenüber Prof. Thomson, England" seine abweichende Meinung darlegte.
Quellen: KABD-ZKK:Beschluß,o.O. 5.8.1978;
MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,II.Teil,2.Halbband,Düsseldorf 1986,S.395

September 1978:
Bis Anfang September wird, laut MLD, der bisherige presserechtlich Verantwortliche der 'Roten Fahne' des KABD, Gerd Flatow, abgelöst.
Quelle: Die Neue Welt Extrablatt Nr.17,Frankfurt 1978

24.11.1978:
Laut MLD erscheint ein Offener Brief der in Düsseldorf aus dem KABD Ausgeschlossenen u.a. auch Gerd Flatow, die später als 'Neue Düsseldorfer Nachrichten' (NDN) bekannt werden. Vor allem um Flatow bildete sich mit der ersten China-Broschüre des KABD ("Die Führung Chinas segelt im Wind von rechts", August 1977) eine Opposition, die in den folgenden Monaten feste Formen annahm. U.a. erklärte Flatow: "Ich bin nicht in der Lage und gewillt, in der China-Frage den Standpunkt der Organisation nach außen zu vertreten."

In dem "Offenen Brief an die Mitglieder und Anhänger des KABD" wird u.a. erklärt, daß die Genossen "wegen abweichender Meinungen zur Theorie über die Dreiteilung der Welt aus dem KABD ausgeschlossen" wurden. Die Genossen kritisieren, daß der KABD in seinem gesamten Organisationsverhalten "mehr und mehr bürgerliche Methoden anwendet, Wahrheiten und Unterstellungen vermischt und damit die eigenen Mitglieder und die Leser der KABD-Presse zu verdummen versucht".

Kritisiert wird u.a.:
- bürgerliche Methoden der Führung des KABD,
- die bewußte Falschdarstellung der 'Theorie der drei Welten',
- die Einstellung des Vertriebs sämtlicher chinesischer Materialien,
- Verschweigen einer Kritik an der Politik der PdAA,
- Verschweigen der albanischen Angriffe auf die Theorie der drei Welten.

Gefordert wird:
- Offenlegung der Kritiken und öffentliche Beantwortung auf diese Fragen,
- Die Führung des KABD muß bezüglich ihrer bürgerlichen Methoden zur
Rechenschaft gezogen werden.
Quellen: KABD-Düsseldorfer Ausgeschlossene:Offener Brief an die Mitglieder und Anhänger des KABD,Düsseldorf 24.11.1978;
Die neue Welt Nr.18/19,Frankfurt 1978,S.12;
Die Achtziger Jahre Nr.5,Frankfurt 6.3.1979,S.11

08.01.1979:
Die ZKK des KABD gibt ihre 'Mitteilung' Nr.5 (vgl. Jan. 1979, 31.1.1979) heraus, in der sie sich u.a. mit Gerd Flatow (vgl. März 1976, 12.1.1978) befaßt.
Quelle: KABD-ZKK:Mitteilung Nr.5,o.O. 8.1.1979

Februar 1979:
ZL und ZKK des KABD verfassen eine Broschüre "Über den Kampf zweier Linien", die sich u.a. mit der OG München, der KSG Bonn und den Ausschlüssen wegen der China-Position des KABD befaßt. In der Broschüre wird davon ausgegangen, daß "die gegenwärtige Entwicklung in der VR China ... immer rascher zu einer Restauration des Kapitalismus treibt." Dieser Kampf sei "der Kampf zwischen den Verteidigern des Marxismus-Leninismus und den Liquidatoren des Marxismus-Leninismus". Die Broschüre führt einen heftigen Stoß gegen das Ex-KABD Mitglied, G. Flatow, der u.a. wegen seiner abweichenden Haltung zur "China-Frage" aus dem KABD ausgeschlossen wurde. Flatow sei ein "Liquidator" im eben genannten Sinne gewesen.
"Mit der Entwicklung des Klassenkampfes in der VR-China, die mit dem Sieg der Elemente um Deng Hsiao-ping, den Sieg des Windes von rechts über den Wind der proletarischen Kulturrevolution brachte, fühlten sich GLF (Flatow) und S. E. spontan zum politischen Kurs der neuen Führung der KP Chinas hingezogen. Als diese im November 1977 in der 'Peking Rundschau' Nr.45 ihre rechtsopportunistische Linie in Gestalt einer 'Theorie der drei Welten' veröffentlichte, griffen GLF und S. E. diese Theorie gierig auf und machten sie zu ihrer eigenen. Damit brach im KABD der Kampf zweier Linien, der aus dem Kampf um die Linie hervorgegangen war, offen aus."

Laut MLPD (2) geben "in dieser Situation des Liquidatorentums" die ZL und die ZKK des KABD neben der Broschüre auch gemeinsam "vertrauliche Mitteilungen" heraus.
Quellen: MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,II.Teil,2.Halbband,Düsseldorf 1986,S.414;
KABD-ZL und ZKK:Über den Kampf zweier Linien,o.O. Feb. 1979;
Beiträge zur Diskussion Nr.1,o.O. Feb. 1981,S.11

06.04.1979:
Innerhalb des KABD erscheint die 'Mitteilung' der ZKK Nr.13 (vgl. 22.3.1979, 17.4.1979). In dieser wird das langjährige KABD-Mitglied, Auslandsverantwortlicher des KABD (u.a. auch presserechtlich für die 'Rote Fahne' verantwortlich), Gerd Flatow, von ZL und ZKK beschuldigt, einen "Generalangriff auf den KABD vorzubereiten". Dieser "wird in einer Form durchgeführt, die diesen Schülern Deng Hsiao-pings alle Ehre macht".
Quelle: KABD-ZKK:Mitteilung Nr.13,o.O. 6.4.1979

Mai 1979:
Eine Abspaltung vom KABD, die sich Gruppe Ratinger Kommunisten (GRK) nennt, gibt die Schrift "Über den Kampf zweier Linien" heraus. Verantwortlich ist der seit Frühjahr aus dem KABD ausgeschlossene G. L. Flatow. Aufgabe der Broschüre ist es, herauszuarbeiten, "wie die Linie einer kommunistischen Organisation erkämpft und wie die Widersprüche innerhalb einer Organisation bzw. auch innerhalb der kommunistischen Bewegung ausgetragen und gelöst werden müssen".

Diese Broschüre ist als Gegenbroschüre zur gleichlautenden Broschüre des KABD zu verstehen (vgl. Feb. 1979). Vor allem wird die Methodik der KABD-Führung, die hinter ihrem "Kampf zweier Linien" steht, kritisiert:"
Versteht man es richtig, den ideologischen und politischen Kampf um den richtigen Kurs ständig mit den richtigen Methoden zu führen, so wird die Bewegung hinter der gesellschaftlichen Entwicklung zurückbleiben, statt sie voranzutreiben."
Quelle: Gruppe Ratinger Kommunisten:Über den Kampf zweier Linien,Ratingen Mai 1979

16.05.1979:
Der ehemalige Internationalismus-Verantwortliche des KABD, Gerd Flatow, aus Ratingen verfaßt einen Brief, in dem er sich gegen die Einladung von Gruppen und Personen, die nicht dem Kreis der Ehemaligen KABD-Mitglieder angehören, ausspricht. Flatow wurde u.a. mit der Begründung aus dem KABD ausgeschlossen, daß er ein "Agent" und "Regisseur Deng Hsiao Pings" sei.
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.1,o.O. Feb. 1981,S.10ff

Juni 1979:
Die Nr.2 der 'Beiträge zur Diskussion' (BzD) (vgl. Mai 1979, Juli 1979), herausgegeben von Ehemaligen des KABD, erscheint in Aschaffenburg.
Berichtet wird u.a. von der eigenen Nr.1 (vgl. Mai 1979), von den Komitees für Demokratie und Sozialismus (vgl. 13.4.1979) sowie aus dem KABD und den Kreisen seiner Ehemaligen von:
- der Sitzung des Sekretariats der Zentralen Leitung (ZL) (vgl. 6.4.1979),
- dem Ausscheiden von Willi Dickhut aus der ZKK (vgl. 21.4.1979),
- der letzten ZKK 'Mitteilung' (vgl. 1.6.1979),
- dem Besuch von KABD-Vertretern in der VR China (vgl. 24.9.1975),
- den Kontakten von Gerd Flatow nach China (vgl. Juli 1976),
- dem Brief Flatows an Dickhut (vgl. 29.10.1977),
- der Diskussion zwischen u.a. Flatow und Dickhut (vgl. 12.1.1978),
- der Großen Initiative des KABD (vgl. Okt. 1978),
- der 'Roten Fahne' (RF) des KABD (vgl. 15.3.1979)
und von der zweiten Konferenz der Ehemaligen (vgl. 24.5.1979).
Quelle: Beiträge zur Diskussion Nr.2,Aschaffenburg Juni 1979

09.07.1979:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' Nr.157 (vgl. 25.6.1979, 23.7.1979) heraus. Auf Seite 55 erscheint ein Leserbrief von Gerd Flatow (KPD/ML-Mitbegründer und Mitglied des KABD), in dem es u.a. heißt:"
Von befreundeten Genossen wurde mir mitgeteilt, daß ihr meine Gegnerschaft zur neuen politischen Linie des KABD zu China damit erklärt, daß ich als China-Kaufmann tätig sei. Ihr macht es euch etwas zu einfach: Ich habe zwar den größten Teil meines bewußten Lebens in China zugebracht und als 'China-Kaufmann' bis zum Jahre 1965 dort und anschließend (seit 1956) auch teilzeitlich in der BRD gearbeitet.
Seit ich 1965 diese Tätigkeit aufgab, habe ich kein Chinageschäft mehr gemacht oder mich auch nur darum bemüht. Zunächst hatte ich von der Firma, für die ich tätig war, eine fünfjährige Sperrfrist. Danach fehlten mir die Möglichkeiten. Die Gründe für die kritische Sympathie, die ich der VR China, dem chinesischen Volk und seiner Führung gegenüber empfinde, beruhen auf einer langjährigen persönlichen Erfahrung in diesem Land. Eine solche Sympathie mit kommerziellen Interessen erklären zu wollen, ist kein Beitrag zur politischen Auseinandersetzung mit einem Problem, das rund ein Viertel der Menschheit angeht."
Quelle: Arbeiterkampf Nr.157,Hamburg 9.7.1979

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