Kommunistischer Arbeiterbund Saar (KABS):
'Arbeiterzeitung'

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 27.11.2013

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Die hier mit ihren zwei Ausgaben vermutlich vollständig dokumentierte 'Arbeiterzeitung' war mit ihrer ersten Ausgabe eines der frühen Dokumente aus dem Kreis jener, die im Mai 1976 in Hessen und dem Saarland aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) und seinen Massenorganisationen ausgeschlossen wurden oder aus diesen austraten. In der ersten Ausgabe wird dieser Prozess beschrieben, wobei außer auf die bundesweite Entwicklung auch auf diejenige im KABD Saarland eingegangen wird.

Die zweite Ausgabe enthält grundlegendere Kritiken des KABD, aber auch Verweise auf das Organ 'Revolutionärer Weg' Nr. 1 des befreundeten Kommunistischen Arbeiterbundes (RW) in Südhessen und eine Auseinandersetzung mit einer anderen Gruppe aus dem ehemaligen KABD-Umfeld, der MLGS in Saarbrücken.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

1975:
Im Laufe des Jahres 1975 entwickelt sich, laut KAB Saar, im RJVD des KABD eine umfassende Kritikbewegung, die sich im weiteren Verlauf des Jahres zu einer "Kritik-Selbstkritik-Kampagne" (KSK) entwickelt. Erreicht wird die Absetzung des 'Stachel'. Diese umfassende Bewegung wird hauptsächlich von den Frankfurter und Saarländer Genossen getragen. Im RJVD wird eine neue Verbandsleitung infolge der "Kritik-Selbstkritik-Bewegung" gewählt. Einer der Hauptakteure gegen die "Stachelkonzeption", Günter Jacob (Frankfurt), wird in die Zentrale Leitung (ZL) des KABD kooptiert. Der 'Stachel' erschien insgesamt fünf mal. Später erscheint die Zeitschrift 'Rebell' wieder (vgl. 6.12.1975). Die Herausgabe des Jugendmagazins wurde von W. Dickhut vorgeschlagen, was die ZL des KABD durch einen Beschluß bestätigte.
Quelle: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 2

Mai 1975:
Vor allem das Jugendmagazin des RJVD, der 'Stachel', stößt, laut KAB Saar, auf heftige Kritik aus Hessen und dem Saarland, und zwar schon seit der Jahreswende 1974/75. In dieser Situation sieht sich die ZKK nun gezwungen, im RJVD zu einer Kritik-Selbstkritik-Kampagne (KSK) aufzurufen. Der 'Stachel' erscheint jedoch unverändert weiter, ohne daß in ihm der Kampf zweier Linien ausgetragen wird (vgl. Okt. 1975).
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 3

Oktober 1975:
Im RJVD des KABD, wo, laut KAB Saar, bisher kein öffentlicher Kampf zweier Linien im 'Stachel' ausgetragen wurde, ändert sich dies durch die Einsetzung eines neuen Jugendbeauftragten. Eine Kritik-Selbstkritik-Kampagne (KSK) des RJVD wird erstmalig nach außen hin vertreten. Noch für die Demonstration zur Jugendarbeitslosigkeit (8.11.1975) hatte die ZL des KABD geplant, den 'Stachel' breit zu verkaufen.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 3

November 1975:
Das Sekretariat der ZL des KABD gibt in der Organisation eine Broschüre "Was bedeutet der Kampf zweier Linien?" heraus, die sich mit dem Papier der drei Tübinger Ortsleitungen befaßt.

Das Sek der ZL geht dabei von folgenden Gesichtspunkten aus:"
Über diese Frage ist in letzter Zeit viel Verwirrung in allen drei Organisationen entstanden. Die Hauptursache der Verwirrung liegt darin, daß zwei Dinge nicht unterschieden bzw. verwechselt wurden:
1. der Kampf gegen die ideologisch-politische Linie,
2. der Kampf um die ideologisch-politische Linie."
In diesem Kampf käme es auf "die Durchsetzung der richtigen Linie … stets auf den ideologisch-politischen Inhalt an". "Der Kampf um die ideologisch-politische Linie des KABD wird durch den ZDT als höchstes Organ der Organisation entschieden." Alle Mitglieder sind verpflichtet, "sich die politische Linie gründlich anzueignen". "Einen offenen Angriff auf die ideologisch-politische Linie des KABD" würde der "gemeinsame Brief der drei Ortsleitungen von Tübingen" darstellen. Dieser Brief wird in der folgenden Zeit auch als "3 OL-Brief" bekannt. Er habe einen "offenen Angriff auf die ideologisch-politische Linie des KABD zum Inhalt" gehabt, indem der "ideologisch-politischen Linie unterstellt wurde, sie sei 'ökonomistisch', wobei sie ihr Vorgehen als 'Kampf zweier Linien' bezeichneten. Dies sei "kein Kampf um die ideologisch-politische Linie innerhalb der Organisation, sondern ein Kampf gegen die ideologisch-politische Linie von innen heraus, um unsere Linie zu torpedieren. Das Vorgehen war objektiv organisationsfeindlich". "Erst durch das Eingreifen der ZKK wurden die Verfasser und Unterzeichner des 'gemeinsamen Briefes' sich der Folgen bewußt und begannen ihre eigene Kritik und ihr Vorgehen zu analysieren."

Grund für die Herausgabe sind, laut KAB Saar, Angriffe auf die politisch-ideologischen Grundlagen des KABD. In dieser Zeit häufen sich auch Kritiken aus der KSG und der Vereinigung Internationaler Kulturaustausch (VIK).

Laut MLPD (2) war "der gemeinsame Brief der drei Ortsleitungen kein Kampf um, sondern ein Kampf gegen die ideologisch-politische Linie des KABD. … Erst durch das Eingreifen der Zentralen Kontrollkommission wurden sich die Verfasser und Unterzeichner des 'gemeinsamen Briefs' der Folgen bewußt und begannen, ihre eigene Kritik und ihr Vorgehen zu analysieren. Es stellte sich heraus, daß diese Genossen subjektiv nicht organisationsfeindlich auftreten wollten."
Q: MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, II.Teil, 1.Halbband, Düsseldorf 1986, S. 190f; KABD-ZL-Sek: Was bedeutet der Kampf zweier Linien?, o.O. Nov. 1975;Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 6

22.11.1975:
Mit dem heute beginnenden zweitägigen 2. Verbandsdelegiertentag (VDT) des RJVD des KABD wird der 'Stachel' liquidiert. Die Zeitschrift 'Rebell' erscheint wieder.

Zur Zeitung REBELL wird vom KABD u.a. ausgeführt:"
Die Teilung des früheren REBELL in ein Magazin für die breite Masse der Arbeiterjugend und ein Zentralorgan für die fortschrittlichen Kollegen und Genossen zerreißt zwei Aufgaben, die eine Einheit bilden, auf schematische Weise. Die Zeitung muß den Aufgaben einer Organisation für einen bestimmten Zeitabschnitt entsprechen und auf dieser Grundlage ein abgestuftes Spektrum bieten zwischen einer vertretbaren unteren Grenze bis zu einer vertretbaren oberen Grenze. … Ebenso war es bisher falsch, den REBELL als Zentralorgan in dem Zentralorgan erscheinen zu lassen. Der KABD und sein Zentralorgan müssen ständig von sich aus Stellung nehmen zu Fragen der Jugend. Hier eine Arbeitsteilung zu konstruieren, heißt die Aufgabe der Vorhutorganisation zu verleugnen und der Verpflichtung zur Anleitung aus dem Wege zu gehen. Der REBELL in der ROTEN FAHNE war Ausdruck eines falschen Verständnisses innerhalb des KABD. Viele Genossen weisen uns zu Recht darauf hin, daß es nur ein Zentralorgan geben kann, an dem sich alle, auch die RJVD- und KSG-Genossen, orientieren, nämlich die ROTE FAHNE. Aus diesen Gründen wird der KABD regelmäßig zu allen Jugendfragen vom Standpunkt der Parteiorganisation Stellung beziehen. … Der KABD schlägt dem RJVD vor, ab November 1975 ein Magazin herauszugeben unter dem Namen REBELL Magazin des RJVD und den 'Stachel' einzustellen. Warum? Der 'Stachel' ist Ausdruck falscher Vorstellungen über unsere heutigen Aufgaben und einer liberalen Haltung gegenüber der Verflachung unserer ideologisch-politischen Linie im 'Stachel' bei KABD und RJVD. Schon der Name ist ein Versuch, sich an die Arbeiterjugend anzubiedern und mit der Tatsache hinter dem Berg zu halten, daß der RJVD ein kommunistischer Jugendverband ist … wir hoffen, daß die Delegierten unserer Empfehlung folgen. Der KABD kann und muß aber den Charakter, die Stoßrichtung des Namens festlegen. … Mit der Bestimmung des Charakters des RJVD wird auch der Charakter von dessen Zeitungsarbeit festgelegt. … Von daher ist der Name 'Stachel' nicht mit diesen Aufgaben in Einklang zu bringen und muß auf Beschluß des KABD aufgegeben werden. … Die Stoßrichtung und der Charakter des Namens eines RJVD-Magazins unter der heutigen Aufgabenstellung, kommt unseres Erachtens am besten in dem Namen REBELL zum Tragen. … Die Magazinform empfiehlt der KABD beizubehalten, weil sie einem verbesserten Inhalt nicht entgegensteht und durch sie der Unterschied zur ROTEN FAHNE besser betont wird als in einer Zeitungsform. … Das Magazin muß die vom KABD vorgeschlagene Linie in geeigneter Form umsetzen."

Der 2. Verbandsdelegiertentag lehnt den Rechenschaftsbericht der VL des RJVD ab, da er nicht auf die "objektive Entwicklung in der BRD" eingehe und mit keinem Wort von der "Entwicklung des Kampfes der Arbeiterjugend" rede. Der RB sei eine "reine Selbstdarstellung der Verbandsleitung". Er sei kein Spiegelbild der Organisation, sondern ein Erlebnisbericht der Verbandsleitung". Eine neue Verbandsleitung (VL) wird gewählt. Die neue VL soll aus Genossen bestehen, "die sich in der Kritik-Selbstkritik-Bewegung aktiv eingesetzt hatten", die gezeigt haben, daß sie bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen, die Einheit zu wahren und den Marxismus-Leninismus zu studieren. Der REBELL erscheint ab der Nr. 25 als "selbständige Zeitung unter dem Namen REBELL - Organ des Revolutionären Jugendverbandes Deutschlands".

Die MLPD (2) berichtet:
Der 2. Verbandsdelegiertentag war Höhepunkt und Abschluß der Kritik-Selbstkritik-Kampagne. Der Rechenschaftsbericht der Verbandsleitung des RJVD wird von den Delegierten abgelehnt:"
Statt die Arbeit der ganzen Organisation zusammenzufassen, auszuwerten und die Konsequenzen für die weitere Arbeit zu ziehen, war die Selbstkritik der Verbandsleitung nur oberflächlich, und es wurde versucht, die selbstverschuldeten Fehler auf den KABD abzuwälzen. Gleichzeitig wurden Kritik und Selbstkritik auseinandergerissen, so daß einseitig eine Selbstanklage bis hin zur Selbstzerfleischung herauskam. … Mit ihrer unzureichenden Selbstkritik hatte es sich die Verbandsleitung zu einfach gemacht. … Die Delegierten verlangten die gründliche Aufarbeitung der politischen Fehler, zu denen die Ortsgruppen monatelang Kritiken geschrieben hatten, ohne daß die Verbandsleitung darauf reagiert hatte."
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 5; MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, II.Teil, 1.Halbband, Düsseldorf 1986, S. 176f;RJVD-VL: Dokumente des 2. Verbandsdelegiertentages des Revolutionären Jugendverbandes Deutschlands, o.O. 1976

25.12.1975:
Es beginnt eine viertägige Klausurtagung (Winterplenum) der ZL des KABD. 21 "Thesen zum weiteren Parteiaufbau" werden verabschiedet.

Die "Thesen zum weiteren Parteiaufbau" haben folgenden Wortlaut:"
1) Die revolutionäre Partei kann nur im Kampf gegen den modernen Revisionismus aufgebaut werden.
2) Um zur echten Vorhut zu werden, müssen die fortschrittlichsten Arbeiter gewonnen werden.
3) In der gegenwärtigen Phase hat die Theorie überragende Bedeutung.
4) Wir brauchen einen neuen Typ von Arbeitermitgliedern.
5) Der Kampf zweier Linien ist das Entwicklungsgesetz der Organisation.
6) Ein grundlegendes Prinzip des marxistischen Arbeitsstils ist die Verbindung von Theorie und Praxis.
7) In der dialektischen Einheit von Agitation und Propaganda bildet in der Phase des Parteiaufbaus im allgemeinen die Propaganda die Hauptseite.
8) Die Entwicklung einer betrieblichen Kampftaktik heißt heute, vor allem mit unserer revolutionären Weltanschauung in Betrieb und Gewerkschaft auf die fortschrittlichsten Kollegen einzuwirken.
9) Kommunistische Betriebszellen erziehen ihre Mitglieder im M. L., behandeln alle Parteifragen und setzen in ihrer praktischen Arbeit die ideologisch-politische Linie der Organisation um.
10) Massenlinie heißt für einen Kommunisten, durch offensives und mutiges Eintreten für seine Weltanschauung, durch kameradschaftliche Auseinandersetzung mit seinen Kollegen und aktives Vertreten der Interessen seiner Klasse Vertrauen und Anerkennung zu gewinnen.
11) Die Kampfkraft des KABD hängt im Wesentlichen davon ab, wie die Kader, vor allem die leitenden, den Marxismus beherrschen und anwenden können. So kann eine kleine Organisation tief in die Bewegung eingreifen, wenn sie es versteht, die drängenden Fragen aufzugreifen und prinzipiell zu klären und die Erfahrungen des Klassenkampfes zu verallgemeinern.
12) Durch prinzipielle Auseinandersetzung mit allem opportunistischen Strömungen wird der KABD einen wichtigen Beitrag für die Einheit aller wahren Marxisten-Leninisten leisten!
13) Zur politischen Führung der Organisation ist ein starkes bolschewistisches Zentrum notwendig, in dem die besten Genossen des KABD zusammengeschlossen sind.
14) Die Heranbildung von erfahrenen und einflußreichen Parteiführern ist eine langwierige, schwere Sache. Die fähigsten Genossen müssen zu Berufsrevolutionären werden, um ihren Führungsaufgaben mit einer höheren Qualität nachkommen zu können.
15) Der kleinbürgerliche Einfluß ist die höchste Gefahr in der marx.-lenin. Bewegung.
16) Dem Liquidatorentum kleinbürgerlicher Elemente muß entschieden entgegengetreten werden.
17) Der KABD muß die Überreste des Zirkelwesens und die Handwerkelei restlos überwinden, um sich zu einer echten Vorhut weiterentwickeln zu können.
18) Alle Ebenen des KABD, vor allem die zentrale Ebene, Abteilung, Redaktion und Apparat müssen für die Aufgaben des Parteiaufbaus ausgerichtet werden.
19) Der RJVD ist das Hauptreservoir des Parteiaufbaus.
20) Kräfte aus den Zwischenschichten können für den Parteiaufbau Unterstützung leisten, wenn sie die Hegemonie des Proletariats anerkennen und sich den Aufgaben des Parteiaufbaus unterordnen.
21) Haupthebel für die Ausrichtung des KABD und den weiteren Parteiaufbau ist das Zentralorgan, die ROTE FAHNE, unter Führung der Zentralen Leitung und Mitarbeit von Arbeiterkorrespondenten und Unterstützung durch Kollektive!"

Die "Thesen" waren, laut MLZ Neu Isenburg, ein Entwurf der ZL, der am 24.1.76 noch einmal diskutiert und beschlossen werden sollte, um dann am 31.1. und 1.2.76 einer Funktionärskonferenz vorgelegt zu werden. Die ZKK in Gestalt von W. Dickhut meldete am 19.1. Bedenken an: "Überprüft alle die von mir angeschnittenen Fragen und handelt nach der Auffassung Yan Feng: 'Lernt die dialektische Auffassung der Einheit der Gegensätze beherrschen.'".

Laut KAB(RW) wird auf dieser Klausurtagung gemeinsam ein Plan entwickelt, der die Einheit der Organisation auf einer höheren Ebene bis zum 3. ZDT herstellen sollte. Diese 'Thesen', die wesentlich mit von Günter Jacob entwickelt worden waren, stellten den Versuch dar, die Diskussion für die Vereinheitlichung des KABD voranzutreiben. Sie verursachten im KABD Spaltungen und heftige Differenzen.

In den Prozeß der Diskussion werden, laut KAB Saar, weder die Mitglieder des KABD noch die seiner Massenorganisationen einbezogen.

Laut MLPD (2) nutzt "der Karrierist Günther Jacob" die allgemeine Ideen- und Ratlosigkeit in der Organisation aus, "um sich als strahlenden Held herauszustellen, der als einziger wußte, wie der Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen war".
"Günther Jacobs 'Neuorientierung' war aber nichts anderes als ein Angriff auf die ideologisch-politische Linie des KABD und der Versuch, eine linksopportunistische Linie mit rechten Fehlern durchzusetzen. G. Jacob soll "die Politik des agitatorischen Sturms" verworfen haben und "statt dessen die Propaganda einseitig in den Vordergrund" gestellt haben. Desweiteren "faßte die Zentrale Leitung folgende Punkte zusammen:
1. Im KABD herrsche die Theorie von' den Kollegen'. Es wird nicht unterschieden zwischen fortschrittlichen Arbeitern, der mittleren Gruppe und rückständigen Arbeitern. Die Aktivitäten sind ausgerichtet auf die mittlere Gruppe, was falsch ist. …
2. Die Theorie von 'den Kollegen' führte dazu, daß Genossen aufgenommen wurden, die sich über die Konsequenzen aus der Mitgliedschaft in einer kommunistischen Organisation gar nicht vollkommen im klaren sind. … 3. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind umfassend und betreffen alle Arbeitsgebiete. Es handelt sich um die Frage der revolutionären Haltung und der Konzentrierung auf den Parteiaufbau entsprechend unseren Kräften. In der ganzen Organisation muß eine Neuorientierung erfolgen, die hauptsächlich über die ROTE FAHNE und die Landesleitungen bzw. Landesaufbaugruppen angeleitet wird und bis zum 3. Zentralen Delegiertentag abgeschlossen sein muß. …
4. Der agitatorische Sturm war nicht richtig. … Er mußte scheitern an der herrschenden Handwerkelei. Die Agitation stand im Vordergrund mit der Illusion, daß wir in der Lage wären, Kämpfe zu führen. In Etappe des Parteiaufbaus als Bund muß die Propaganda im Vordergrund stehen mit dem Ziel der Gewinnung der fortgeschrittensten Arbeiter für die Organisation der Revolutionäre." Diese Linie der Klausurtagung habe "ihren Niederschlag" in den sogenannten 'Thesen zum weiteren Parteiaufbau' gefunden. Für die MLPD (2) bedeuteten sie "eine Revision des Marxismus-Leninismus und waren im wesentlichen durch drei grundsätzliche Fehler gekennzeichnet:
1. Ablehnung der Massenlinie. …
2. Trennung des Parteiaufbaus vom Kampf der Arbeiterklasse. …
3. Zerstörung der dialektischen Einheit von Agitation und Propaganda."

Nach einem Bericht auf der Tagung hat der KABD 268 Mitglieder, 43 Ortsgruppen (davon 16 Stützpunkte), 55 Zellen, 2 Landesverbände, 4 Landesaufbaugruppen. Auflage der 'Roten Fahne': 7 200, des 'Rebell': 6 500, des 'Revolutionären Weges' (RW): 9 000 (1 - 2 Jahre Verkaufszeit).

Ein Mitglied der 'Rote Fahne' (RF) Redaktion des KABD kritisiert am Zentralorgan (ZO - vgl. Dez. 1975, März 1976) die Entwicklung der Verselbständigungstendenzen. Diese seien nur durch "das Strohfeuer der Klausurtagung unterbrochen" gewesen. "Auf der Klausurtagung gab es auch einen formal positiven Beschluß. Es wurde festgelegt, daß jedes Leitungsmitglied alle zwei Monate einen grundsätzlichen Artikel schreibt." Aber auch das sei nicht eingehalten worden.
Q: KABD-RF-Red-1 Mitglied: Das Zentralorgan und Zentrale Leitung, o.O. Feb. 1978; KAB(RW): Arbeitshefte Nr. 1, Frankfurt 1977, S. 36;MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, II.Teil, 1.Halbband, Düsseldorf 1986, S. 200ff;ML-Zirkel Neu Isenburg: Analyse der Spaltung des KABD - 1976, Neu Isenburg März 1977, S. 50f;Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 6

KAB(RW): Vom prinzipienlosen Frieden zum prinzipienlosen Kampf. Dokumente und Materialien zum Kampf zweier Linien im KABD und zur fraktionistischen Tätigkeit der rechten Liquidatoren. 17 Dokumente der ZKK, Frankfurt 1976, S. 9ff

03.01.1976:
Die ZKK des KABD verfaßt den Aufruf "Kampf gegen Liquidatorentum und Liberalismus. Aufruf der ZKK zur revolutionären Wachsamkeit".

Bereits in der Kritik-Selbstkritik-Kampagne hätten "Bestrebungen" der "Liquidierung unserer Organisation" bestanden. Einmal mehr in der Frage der "dialektischen Einheit des demokratischen Zentralismus", wogegen sich bestimmte "Bestrebungen in allen drei Organisationen" gerichtet hätten. "Die ZKK hat durch die Untersuchung des Gesamtkomplexes beider Jugendorganisationen die dialektische Einheit des demokratischen Zentralismus und der Kritik und Selbstkritik, die durch die ZL/KSG und VL/RJVD zerstört waren, wiederhergestellt und die Leitungsmitglieder zur Verantwortung gezogen. Sie hat eingreifen müssen, als durch hemmungslose Kritik die ideologisch-politische Linie des KABD angegriffen und alles in Frage gestellt wurde. Die ZL des KABD hat die Gefahr die unseren Organisationen drohte nicht rechtzeitig und nicht in voller Bedeutung erkannt, trotz Warnungen und Alarmrufen der ZKK. Als in Tübingen die Angriffe auf die ideologisch-politische Linie offen ausbrachen, war die ZKK gezwungen, schnell und hart einzugreifen, was mit ihrem Rundbrief vom 22.9. eingeleitet wurde." Gedanken einer "ökonomistischen Linie" tauchten bereits in den Zeltlagern des RJVD 1975 auf:"
Statt diese schädliche Entwicklung zu bekämpfen, griff die VL/RJVD diese Diskussion auf. Um von sich abzulenken verbreitete sie die Idee von der 'ökonomistischen Linie der VL', wohl wissend, daß der RJVD und damit auch die VL keine eigene Linie haben, sondern verpflichtet sind, die ideologisch-politische Linie des KABD in die Praxis umzusetzen. Das Verhalten der damaligen VL erschwerte der ZKK die Untersuchung nach den wirklichen Urhebern des Angriffs auf die ideologisch-politische Linie des KABD. Die Angriffe verstärkten sich von der "ökonomistischen Linie" allgemein zur Behauptung einer 'falschen Linie' des KABD. … Die Mitglieder bis hin zur ZL waren sich über die Bedeutung des Angriffs auf die ideologisch-politische Linie nicht klar. … Zerstörung dieser Linie bedeutet Liquidierung der Organisation."

Heftig wird der sog."3-OL-Brief-Tübingen" kritisiert, der "objektiv organisationsfeindlich" gewesen sei. Dieser "Gemeinsame Brief" wird zum Anlaß genommen, um zu erklären:"
Das Liquidatorentum hat also eine reale Ursache, es ist umso gefährlicher, weil es in verschiedenen Formen auftritt und von den meisten Genossen nicht erkannt wird. Warum wird es nicht erkannt? Weil die revolutionäre Wachsamkeit der Mitglieder schwach entwickelt ist, weil die dialektische Einheit von
Vertrauen und revolutionärer Wachsamkeit noch ein unbekannter Begriff in allen drei Organisationen ist. … Statt das Liquidatorentum zu bekämpfen, tritt man ihm liberal gegenüber." Eine weitere" Erscheinungsform des Liquidatorentums" wird in diesem Zusammenhang von der ZKK kritisiert: der Liberalismus. Der Liberalismus tritt "Organisationsfeinden gegenüber loyal auf", so z.B. in Schweinfurt (vgl. Aug. 1975). Durch all diese Vorgehensweisen seien "weitere Organisationsfeinde aus ihren Löchern herausgelockt" worden. So sei in Würzburg ein Papier mit dem Titel "Wohin geht unser Weg?" erschienen. Auch dieses Papier würde die "ideologisch-politische Linie des KABD" angreifen. Schlimmer noch: in ihm würde die "Liquidierung der KSG" gefordert. Ein weiteres Beispiel des "Liquidatorentums" sei Fraktionierungsarbeit in der OG Erlangen der KSG seit Sommer 1975 gewesen. Diese Fraktionierungsarbeit hatte zur Folge, daß erst eine vierköpfige Fraktion entstand, dagegen eine fünfköpfige und ein einzelner Genosse hervorgetreten sei, bis am Ende "die Ortsgruppe in drei Gruppen zerfiel", sie sei "als Jugendmassenorganisation des KABD praktisch" aufgelöst. Die KABD Ortsleitung bemühe sich um den Aufbau einer neuen KSG. Ausgeführt wird auch, daß aus der KSG/ML Tübingen ein Mitglied ausgeschlossen wurde.
Desweiteren wird noch aus den Dokumenten des 1.ZDT des KABD (vgl. 5.8.1972) zitiert und selbst formuliert:"
Die ZKK ruft zur äußersten revolutionären Wachsamkeit, zum unerbittlichen Kampf gegen alle Abweichungen von unserer ideologisch-politischen Linie und vom Marxismus-Leninismus auf! Führt einen ständigen und konsequenten Kampf gegen das Liquidatorentum und den Liberalismus, die gefährlichsten kleinbürgerlichen Erscheinungen in unserer Organisation!"

Die Zentrale Leitung (ZL) des KABD entschied sich, laut MLPD (2), "diesen Aufruf unter Verstoß gegen die Organisationsdisziplin zurückzuhalten. Sie verhinderte seine rechtzeitige Veröffentlichung."

Der Aufruf richtet sich, laut KABD-ZL, gegen liquidatorische Tendenzen innerhalb der ZL des KABD, wie sie auf der erweiterten Plenumssitzung der ZL (vgl. Sept. 1975) zum Ausdruck gekommen sein sollen. So soll von der ZL in entscheidenden Punkten "der Marxismus-Leninismus" revidiert worden sein. Es sei das Verdienst der ZKK gewesen, "daß sie prinzipiell und mit aller Härte den Kampf in der ZL aufnahm und gegenüber den Mitgliedern die Publizität herstellte".
Q: MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, II.Teil, 1.Halbband, Düsseldorf 1986, S. 192, 198 und S.208; Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 8;KABD-ZKK: Kampf gegen Liquidatorentum und Liberalismus, o.O. 1976;KABD-ZL: Rechenschaftsbericht für den 3. ZDT (Entwurf), o.O. 1976, S. 54f

März 1976:
Fortdauer der schweren Krise im KABD. Versuche, den Marxismus-Leninismus und die Mao-Tsetung-Ideen auf die realen Verhältnisse anzuwenden, werden, laut KAB Saar, als "liquidatorisch" und"linksopportunistisch" gebrandmarkt.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 8

21.04.1976:
Im KABD erscheint eine "Mitteilung der ZKK an alle Leitungen zur Information der Mitglieder - Aufruf zur Kritik-Selbstkritik-Bewegung".

Dieser Aufruf wird als Fortsetzung des Aufrufs "Kampf gegen Liberalismus und Liquidatorentum" bezeichnet. Die ZKK des KABD gibt auch bekannt, daß gegen das ZL-Mitglied und Jugendbeauftragten G. Jacob ein Untersuchungsverfahren eingeleitet wurde. Laut KAB Saar hatte Jacob die Stellungnahme des KABD zu KSG und RJVD erarbeitet und auf eine selbstkritische Untersuchung des KABD gedrängt. Der Landesinstrukteur Saar protestiert in einem Brief an die ZL gegen die Absetzung von Jacob.
Q: KABD-ZKK: Mitteilung, o.O. 21.4.1976; Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 8;KABD Frankfurt: Dokumente Nr. 1, Frankfurt 1976, S. 1;ML-Zirkel Neu Isenburg: Analyse der Spaltung des KABD - 1976, Neu Isenburg März 1977, S. 77

01.05.1976:
Kundgebung des KABD Saar in Völklingen.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 9

09.05.1976:
Laut KAB Saar findet ein Überfall der ZKK des KABD auf das Büro der Verbandsleitung des RJVD statt. Dies sei ein Versuch, durch Eingriff in die organisatorische Selbständigkeit das Verschicken angeblich linksopportunistischer Rundbriefe zu verhindern.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 9

11.05.1976:
Das Sekretariat der Verbandsleitung des RJVD und ein weiteres gewähltes Verbandsleitungsmitglied werden, laut KAB Saar, von der ZKK aus dem KABD ausgeschlossen. Weitere Ausschlüsse und Diffamierungen folgen.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 10

12.05.1976:
Eine Landesmitgliederversammlung des KABD Saarland beschließt die organisatorische Trennung vom KABD. Denselben Schritt vollziehen mehrere hessische Ortsgruppen des KABD und RJVD.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 10

13.05.1976:
Eine Landesfunktionärskonferenz des RJVD Landesverbandes Saar beschließt, der Landesmitgliederversammlung (vgl. 14.5.1976) den Austritt aus dem RJVD des KABD vorzuschlagen.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 10

14.05.1976:
Die Landesmitgliederversammlung des RJVD-Saar beschließt, laut KAB Saar, einstimmig die Trennung vom KABD. Der ZL und der ZKK des KABD wirft sie vor, die "Restauration der alten Zustände" zu betreiben.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 10

22.05.1976:
KABD Saar und RJVD Saar schließen sich zusammen und bilden den Kommunistischen Arbeiterbund Saar (KABS). Eine provisorische Leitung wird gewählt.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 11

23.05.1976:
Eine provisorische Leitung des KAB Saar konstituiert sich und beginnt eine enge Zusammenarbeit mit dem KAB(RW) und der RJ(ML) in Hessen, die ebenfalls aus der organisatorischen Trennung vom KABD hervorgegangen sind.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976, S. 12

Juni 1976:
Der Kommunistische Arbeiterbund Saar (KABS) gibt erstmals seine 'Arbeiterzeitung' (vgl. Aug. 1977) heraus. Verantwortlich zeichnet Rudi Seiler, Erscheinungsort ist Völklingen.

Berichtet wird von der Spaltung des KABD (vgl. 1975, Mai 1975, Okt. 1975, Nov. 1975, 22.11.1975, 25.12.1975, 3.1.1976, März 1976, 21.4.1976, 9.5.1976, 11.5.1976) und der dabei erfolgten eigenen Herausbildung (vgl. 12.-14.5.1976, 22.5.1976, 23.5.1976) sowie vom 1. Mai in Völklingen.
Q: Arbeiterzeitung Nr. 1, Völklingen Juni 1976

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August 1977:
Der Kommunistische Arbeiterbund Saar (KABS) gibt seine 'Arbeiterzeitung' Nr. 2 (vgl. Juni 1976) heraus zum Preis von 2 DM. Im Impressum heißt es: "Die ARBEITERZEITUNG erscheint alle vier Monate".

Enthalten sind die Beiträge:
- "Einleitung zu dieser ARBEITERZEITUNG";
- "Proletarischer Internationalismus und Chauvinismus sind unvereinbar";
- "Vom Mitglied eines Jugendverbandes an die Front des Parteiaufbaus" zum eigenen Austritt aus dem RJVD und der Bildung des KAB Saar vor einem Jahr;
- "'…daß die Arbeiter in diesen Auseinandersetzungen und Kämpfen die Notwendigkeit einer kommunistischen Organisierung erkennen.'", eine Antwort auf den dokumentierten Brief des KABD - Neunkirchen vom 15.6.1977;
- "Die Kommunistische Arbeiterzeitung des Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD 'begründet' allen Zweifelnden, 'warum jede Frage, jeder Tageskampf der Arbeiter mit dem Wiederaufbau der KPD zusammenhängt'. Die KAZ meint wohl, der Scheinangriff gegen den Ökonomismus sei die beste Verteidigung des Ökonomismus…" mit einer Dokumentation eines Artikels aus der 'KAZ' Nr. 107, wobei auch Abbildungen des 'Widerstand', der Berufsschulzeitung der RJVD-Sympathisantengruppe Westberlin und ein Auszug aus 'Der Hobel' des KABD Neunkirchen erscheinen";
- "Über einige philosophische Anschauungen der Pseudomarxisten im KABD";
- "Die Theorie der 'Verschmelzung von zwei in eins' ist eine reaktionäre Philosophie zur Restauration des Kapitalismus" aus der 'Peking Rundschau' Nr. 19/1971;
- "Über die moralisierende Kritik des RJVD im antifaschistischen Kampf";
- "Broschüre der Marxistisch-leninistischen Gruppe Saarbrücken über 'Die ökonomistische Linie des KABD'" zur MLGS; sowie
- "Revolutionärer Weg Nr. 1 des Kommunistischen Arbeiterbundes (RW) erschienen" (vgl. Apr. 1977).
Q: Arbeiterzeitung Nr. 2, Völklingen Aug. 1977

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