Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33

17.08.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 33 (vgl. 10.8.1974, 24.8.1974) heraus. Ein Artikel lautet "5 Ausgaben des ROTEN MORGEN beschlagnahmt, Parteibüros durchsucht, Verkäufer festgenommen… - 'Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht!'"

Berichtet wird vom FIS Iran-Kongreß in Frankfurt (vgl. 2.8.1974).

Aus Baden-Württemberg wird berichtet von Daimler Sindelfingen im Artikel: "Genosse Volker widerlegt Lügen der Daimler-Benz Kapitalisten." Darin heißt es:"
Vor zwei Jahren, am 2. September 1972, demonstrierten in München 6.000 Menschen unter Führung der KPD/ML am Roten Antikriegstag gegen den imperialistischen Krieg. Zwei Jahre später, am 8. Mai 1974, kommt die politische Polizei zu Daimler-Benz nach Sindelfingen. Sie holen Genossen Volker N. von der Vesper (Brotzeit, d. Vf.) weg, drohen ihm mit gewaltsamer Festnahme und schleppen ihn zur erkennungsdienstlichen Behandlung ins Kripolabor nach Böblingen.

Dort werden ihm Fotos gezeigt, die beweisen sollen, dass er an der Antikriegstagsdemonstration teilgenommen hat. Zwei Wochen später versuchen die Daimler-Kapitalisten, den Genossen aus dem Betrieb zu ekeln. Ein Gespräch wird geführt, er bekommt eine Verwarnung. Aber Genosse Volker und die Partei führen sofort den Kampf.

"Das Rote Band", die Betriebszeitung der KPD/ML, veröffentlicht einen Offenen Brief des Genossen, in dem er jedes einzelne Argument der Kapitalisten widerlegt: Er schreibt u. a: … Die drei wesentlichen genannten Begründungen waren: 1. Die schlechte Konjunkturlage, 2. Zu häufiges Kranksein, 3. Mehrfache Unpünktlichkeit und mangelndes Interesse an der Arbeit. Zum ersten ist festzustellen, es ist eine Tatsache, dass vom 20, bis 24. Mai etliche Leute neu eingestellt worden sind. Sie aber klagen am 20. über schlechte Konjunktur. Die Abteilung Kantine ist knapp an Fahrern, was sich besonders in der Woche vom 17. bis 22. Juni bemerkbar macht.

Zum zweiten ist klar, dass Fehlzeiten wegen Krankheit nicht offiziell als Begründung für innerbetriebliche Disziplinierungsmaßnahmen oder sogar für die mir angedrohte fristlose Entlassung genannt werden dürfen- das verstieße sogar gegen die Gesetze dieses kapitalistischen Staates. Das aber als eine Begründung für die Versetzung überhaupt zu nennen und mich dann in die Lackiererei zu versetzen, einen Arbeitsplatz mit bekanntermaßen hohem Krankenstand und entsprechend gesundheitsschädigender Arbeit - das zeigt, wie herbeigesucht und zynisch diese Gründe waren.

Zum dritten: Unzureichende Arbeitsleistung - befragen sie einmal meine Kollegen aus der Abteilung Kantine, dann können Sie dieses Argument streichen. Und weil die Kapitalisten die angebliche Unpünktlichkeit nicht beweisen können, haben sie stattdessen die Krankenfehlzeiten von 1973 hervorgekramt …

Als Kommunist hat Genosse Volker allerdings gegen die Abschaffung des Achtstundentags und die Dauerüberstunden gekämpft. Sein revolutionärer Kampf, die Tatsache, dass er Kommunist ist, das ist der wirkliche Grund für seine Entlassung, für die Anklage durch die Bourgeoisie. Aus Angst vor dem Kommunisten Volker, verhängten die Daimler-Kapitalisten Hausverbot. Der Genosse ließ sich aber dadurch nicht einschüchtern. 'Das Rote Band' berichtet:  Fast 2 Stunden konnte Genosse Volker mit seinen Kollegen in 3d (Betriebsabteilung, d. Vf.) reden, auch der Tross von schleimig freundlichen bis offen mit der Polizei drohenden Bütteln der Kapitalisten konnte daran nichts ändern. Im Gegenteil: Nachdem sie vergeblich versucht hatten, Volker von seinen Kollegen fernzuhalten, mussten sie sogar jeden einzelnen Kollegen von allen drei Spritzanlagen der Reihe nach ablösen lassen, damit er Gelegenheit habe, sich von Volker zu verabschieden."

Eingegangen wird auch auf die JVA Mannheim. Angekündigt eine Thälmann-Veranstaltung in Mannheim (vgl. 18.8.1974).

An den 6 Veranstaltungen des Landesverbandes Südwest gegen die verschärfte politische Unterdrückung, die vom 19.7.1974 bis 28.7.1974 in Gießen (vgl. 19.7.1974), Marburg (vgl. 20.7.1974), Kassel (vgl. 21.7.1974), Frankfurt (vgl. 26.7.1974) und Wiesbaden (vgl. 27.7.1974) in Hessen und in Baden-Württemberg in Mannheim (vgl. 28.7.1974) durchgeführt wurden, beteiligten sich zusammen ca. 250 Personen.

Aus Hessen wird berichtet von der Entlassung des KPD-Landtagskandidaten Heribert Planz bei der Gießener Allgemeinen Zeitung und die Haltung von DruPa OV und DGB KV dazu.

Aus NRW wird u.a. berichtet von Siemens Witten über Frauen und die Mattenlegerei, in der ein KPD/ML-Mitglied tätig ist. Aus Dortmund wird berichtet von der Zeche Gneisenau (vgl. 17.8.1974).
Q: Roter Morgen Nr. 33, Dortmund 17.8.1974


Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 1

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 2

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 3

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 4

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 5

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 6

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 7

Roter Morgen, 8. Jg., 17. August 1974, Nr. 33, Seite 8