Biafra

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 20.1.2014

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Der Krieg aufgrund der Unabhängigkeitserklärung der Republik Biafra von Nigeria, der zur Hungerkatastrophe in Biafra führte, war im Jahr 1968 in den bundesdeutschen Medien stark präsent, so dass Biafra zum Synonym für hungernde Kinder wurde.

Linke Gruppen engagierten sich vermutlich nur vereinzelt zu diesem Thema, vor allem im Schülerbereich (vgl. 15.3.1968, 20.7.1968, Nov. 1968), obwohl der Krieg sehr wohl als durch den Imperialismus hervorgerufen analysiert wurde (vgl. Nov. 1968, Dez. 1970, 6.11.1972).

Nicht die imperialistischen Interessen aber, sondern vor allem das Leid der hungernden Menschen bzw. vor allem der Kinder, scheint auch in der Linken das Bild geprägt zu haben, so dass es teilweise sogar zu eher ungewöhnlichen Aktionsgemeinschaften gekommen zu sein scheint (vgl. 30.12.1968).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

15.03.1968:
In Berlin erscheint spätestens heute aufgrund einer Initiative von Oberschülern ein Flugblatt "Das große Schweigen" zum Biafrakrieg.
Quelle: Das große Schweigen, O. o. O. J.

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20.07.1968:
Laut 'apo press' München findet in München ungefähr heute eine Biafra-Aktion der Unabhängigen Schülergemeinschaft (USG) statt.
Q: apo press Nr. 7, München 14.7.1968, S. 4

November 1968:
Mit der Nr. 4 ändert die Zeitschrift 'Rote SDAJ-Opposition' (vgl. Okt. 1968, 27.12.1968) ihren Namen in 'Rebell' (ehemals Rote SDAJ-Opposition) und berichtet in "Biafra: Ein afrikanischer Bruderkrieg vom Neokolonialismus geschürt" aus Nigeria.
Q: Rebell Nr. 4, Mannheim Nov. 1968, S. 4

Rebell438


November 1968:
In Wolfsburg beteiligt sich, laut RKJ der GIM, auch der Unabhängige Schülerbund (USB - vgl. Apr. 1968, Dez. 1968) am Protest gegen den Biafra-Krieg.
Q: RKJ-Info Nr. 9, Mannheim Mitte Jan. 1971, S. 15

30.12.1968:
In Berlin erscheint die 'NEUE Aktion ' Nr. 3 (vgl. Nov. 1968, März 1969) mit dem Artikel "APO-Kehraus unter Mitwirkung kirchlicher Institutionen / Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Schwarze Garde / Wie die Kommune 99 zum Handlanger des Systems geworden ist", denn diese habe als Antwort auf die Rote Garde die Schwarze Garde gegründet, die nun auf ein kirchliches Konto für die "Toten (!) in Biafra" Spenden sammele.
Q: NEUE Aktion Nr. 3, Berlin 30.12.1968, S. 5f

Berlin_Neue_Aktion031

Berlin_Neue_Aktion032


13.01.1970:
Laut Freimut Duve kapituliert die aufständische nigerianische Provinz Biafra. Die dortige Hungersnot geht weiter.
Q: Duve, Freimut: Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986

Dezember 1970:
Die Nr. 11 des 'Roten Morgens' der KPD/ML-ZK (vgl. Nov. 1970, Jan. 1971) erscheint. Im Artikel "Zwei Wege des westdeutschen Imperialismus" wird auch ausgeführt:"
Wenn Stalin 1952 schrieb, imperialistische Kriege zwischen den westlichen imperialistischen Mächten würden in Zukunft unvermeidlich sein, so ist diese These durch den Biafra-Krieg bestätigt worden. Nur handelt es sich dabei um einen imperialistischen Stellvertreterkrieg, in dem auf beiden Seiten Schwarze für ihre weißen Herren kämpften. Frankreich (mit ihm sympathisierte Westdeutschland) versuchte, mit Gewalt das Erdölgebiet Ostnigerias (Biafra) dem Einfluß der amerikanischen und angloamerikanischen Erdölkonzerne zu entreißen. De Gaulle hoffte, auf diese Weise mit Algerien und Biafra zwei wichtige Erdölgebiete unter seinen Einfluß zu bekommen und diese Mitgift in die Ehe mit dem westdeutschen Imperialismus einzubringen."
Q: Roter Morgen Nr. 11, Hamburg Dez. 1970

06.11.1972:
Bei Hoesch Dortmund geben die DKP-Betriebsgruppen vermutlich spätestens in dieser Woche eine zehnseitige Ausgabe ihrer 'Heisse Eisen' (vgl. 18.10.1972, 13.11.1972) heraus, die uns noch nicht vorlag.

Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 13.11.1972) berichten:"
'KOMMENTAR ZUR WAHLAUSGABE VON 'HEISSE EISEN', BETRIEBSZEITUNG DER DKP- BETRIEBSGRUPPEN HOESCH

Wir meinen, daß dahinter die falsche Theorie vom Rechtskartell steckt, die die DKP vertritt. Sie besagt, daß die Kapitalistenklasse sich in zwei Gruppen teilt, eine kriegslüsterne, revanchistische, deren politischer Hebel die CDU/ CSU und die NPD seien, die nach außen Kriege planen und nach innen die faschistische Unterdrückung der Arbeiterklasse - und eine zweite Gruppe, die realistisch und vernünftig ist und für Entspannung und Frieden eintritt. Diese Theorie revidiert die grundlegenden Erkenntnisse des Marxismus-Leninismus, auf den sich die DKP so gerne beruft, deshalb nennen wir diese Theorie revisionistisch. Sie leugnet, daß im Kapitalismus, der sich aus dem Stadium der freien Konkurrenz entwickelt hat in ein monopolistischs, in dem einige wenige riesige Konzerne die Konkurrenz fast vollkommen ausschalten (in der BRD folgende Industriemonopole):
Auto - VW, Daimler, BMW
Elektro - Siemens, AEG, Telefunken
Stahl - Thyssen, Mannesmann, Krupp, Hoesch
Chemie - Bayer, BASF, Hoeschst
Rüstung - Rheinstahl, Klöckner, Messerschmitt, Bölkow-Blohm
Energie - Ruhrkohle, RWE, Veba),
daß diese Monopole notwendig eine imperialistische Politik machen, d.h. auf dem Weltmarkt den Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte aufnehmen mit allen Mitteln der Erpressung, Unterdrückung, Räuberei und mit Krieg. Sie müssen diesen Kampf bis zum letzten führen, um bestehen zu können, um besser und billiger sein zu können, sodaß sie den Markt beherrschen mit ihren Produkten. Deshalb ist der Kapitalismus im Stadium des Imperialismus auch so gefährlich für die friedliebenden Völker (wir haben es in den letzten Jahren allein bei sieben Kriegen erlebt: Vietnam, Biafra, Palästina, Pakistan, Angola/Mozambique, CSSR), deshalb muß er vernichtet werden."
Q: Die Rote Front Nr. 3, Dortmund Nov. 1972, S. 6

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