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Guinea-Conakry

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 14.2.2005



1. Wichtige Ereignisse und Themen

Guinea-Conakry unter der Parti Democratique de Guinee um Sekou Toure ist zumindest für die China-orientierte Linke ein fortschrittliches Land. Wir erfahren von der Unabhängigkeitserklärung (vgl. 2.10.1958), der Aufnahme diplomatischen Beziehungen zu DDR, Albanien, VR China und DR Vietnam (vgl. 1960). Der Imperialismus aber, hier noch der französische, ist stets bereit, Sekou Toure zu stürzen, um ein willfähriges Marionettenregime zu installieren (vgl. 1965), während die PDG den Befreiungskampf der PAIGC im benachbarten Guinea-Bissau unterstützt, dieser offensichtlich Rückzugsräume bietet (vgl. 1966).

Für die bundesdeutsche Linke wird die PDG u.a. durch ihre Grüße an die KP Chinas bekannt (vgl. Apr. 1969), womit erneut ihr Charakter als anerkanntermaßen fortschrittliche Bewegung unterstrichen wird.

Das eigentliche Thema dieser Darstellung aber ist der 22.11.1970, an dem eine militärische Invasion Guinea-Conakrys erfolgt, an der offensichtlich bundesdeutsche Kreise bedeutenden Anteil haben.

Wer tatsächlich hinter diesen Kräften steckt, ob es sich nur um internationale Terroristen (sog. Söldner, d.h. käufliche Mörder und Schlächter - vgl. 23.11.1970) handelt, die die portugiesischen Kolonialisten unterstützen, oder ob etwa auch bundesdeutsche Geheimdienste oder andere staatliche Stellen ganz offiziell die Initiative ergriffen haben, läßt sich anhand der vorliegenden Informationen bisher nicht abschließend beantworten. Hier wäre eine Akteneinsichtnahme bei den einschlägigen bundesdeutschen Behörden sicherlich recht aufschlußreich.

Der Warschauer Pakt (WP) macht diese Invasion nicht zum Streitfall mit dem Westen, behandelt die Frage nur am Rande (vgl. 30.11.1970). Auch die UNO verweigert Guinea ihre militärische Hilfe (vgl. 2.12.1970), kommt aber bei ihren Untersuchungen immerhin zu der wohl richtigen Erkenntnis, daß der portugiesische Staat hinter dem kriminellen Angriffskrieg steckt (vgl. 4.12.1970).

Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK bietet Hintergrundinformationen (vgl. 7.12.1970), benennt auch bereits die Bundesrepublik als wichtigen, gar wohl wichtigsten, Unterstützer der portugiesischen Verbrechen.

Im Sicherheitsrat der UNO enthält sich der Westen einer Verurteilung der Verbrechen Portugals (vgl. 9.12.1970), zeigt auch keine Bereitschaft die Waffenlieferungen an das faschistische Regime Portugals einzustellen.

Bisher hört sich die Geschichte für die bundesdeutsche Linke so an, wie viele Berichte aus der Dritten Welt, wo die verschiedenen Imperialisten brutal wüten, während die Bundesrepublik sich als stiller Nutznießer übt.
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Besonders brisant aber wird diese Angelegenheit, als durch einen Brief der Regierung Guineas die wichtige Rolle der Bundesrepublik Deutschland bei der Invasion bekannt wird (vgl. 21.12.1970), wobei besonders die Rolle der Entwicklungshelfer des Christlichen Jugenddorfes (CJD) fragwürdig erscheint, sind dort doch scheinbar alte Nazis wie der SS-Offizier Seibold tätig.

Die KPD/ML-ZB rechnet angesichts dieser Verwicklungen sogar die ehrwürdige soziademokratische Friedrich-Ebert-Stiftung, eher ein bieder-behäbiges Instrument weltweiter bundesdeutscher Interessenvertretung, den offenen Faschisten zu (vgl. 29.12.1970).

Das guinesische Volkstribunal (vgl. 18.1.1971) verurteilt schließlich auch zahlreiche deutsche Beteiligte, andere werden nicht bestraft, sondern lediglich ausgewiesen. Dies geschieht unter lautstarkem Protest der deutschen Bundesregierung, die anstatt die faschistische portugiesische Regierung als kriminelle Organisation zu behandeln und die Beziehungen zu ihr abzubrechen, lieber den in die Gewalttaten verwickelten Terroristen offensichtlich öffentlich den Rücken stärkt. Nicht nur die Solidarität der sozialdemokratischen Bundesregierung mit den Massenmördern von Guinea aber beleuchtet die Brandtsche Friedenspolitik dieser Jahre, auch die bundesdeutschen Waffenlieferungen an Portugal nämlich kommen aus diesem Anlaß ans Licht.

Trotz der sozialliberalen Bundesregierung unter Willy Brandt mit ihrem bekanntermaßen allseits so friedliebendem und fortschrittlichen Image bricht die Regierung von Guinea dann die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik ab (vgl. 29.1.1971). Die KPD/ML-ZB erörtert aus diesem Anlaß die Rolle der Entwicklungshelfer genauer:
"Viele von den angeblichen Entwicklungshelfern waren Bundeswehrsoldaten. Ihre Aufgabe war die Ausbildung von guinesischen Armeeeinheiten." (vgl. Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.10,Bochum 6.2.1971,S.9f)

Auch die Fritz Werner Werke (FWW) der Deutschen Industrieanlagen Gesellschaft (DIAG) scheinen in den Putschversuch verwickelt, zumindest begeht ihr Graf von Tiedenhausen ebenfalls scheinbar Selbstmord. Die KPD/ML-ZB untersucht aus diesem Anlaß die Interessen von FWW ebenso wie den bundesdeutschen Waffenhandel mit den portugiesischen Faschisten.

Die konkurrierende KPD/ML-ZK dagegen verschläft den wohl ersten brutalen Angriffskrieg mit bundesdeutscher Beteiligung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wie man diesen blutigen Terroranschlag gegen Guinea überspitzt hätte nennen können, ganz einfach (vgl. Feb. 1971).

Die KPD dagegen übt in Berlin internationale Solidarität (vgl. 4.2.1971), die KPD/ML-ZB stellt die Invasion in einen größeren gesamtafrikanischen Zusammenhang (vgl.28.4.1971).

An der Frankfurter Universität bietet dieser Angriffskrieg den Freunden des KAB/ML Anlaß zu tieferen Überlegungen über den Imperialismus und seine Bekämpfung (vgl. Mai 1971).

Auch die Dortmunder (ex-) KPD/ML-ZK integriert die Guinea-Invasion in ihre Imperialismustheorie, klagt die Bundesregierung des Waffenhandels mit Ländern der Dritten Welt an (vgl. Dez. 1971).

Der KABD (vgl. Juli 1972) rückt das Bild der Bundesrepublik dann wieder zurecht. Sie ist nach seiner Analyse wieder eher der Drahtzieher im Hintergrund, der von den Verbrechen der südafrikanischen und portugiesischen Faschisten profitiert, sich dieser bedient anstatt selbst direkt Killerkommandos aufzustellen

Interessanterweise wird in den von uns ausgewerteten Dokumenten nichts von einer strafrechtlichen Verfolgung der in die Verbrechen verwickelten Bundesbürger, speziell der Bundeswehrangehörigen, durch bundesdeutsche Behörden berichtet. Eventuell hat es eine solche auch gar nicht gegeben.

Angesichts solcher Skrupellosigkeit beim Einsatz von blutiger Gewalt verwundert es nicht, daß auch Klaus Dillmann in Dortmund während des sog. Spreti-Prozeß (vgl. 20.9.1973), für sich, unter Berufung auf die Invasion in Guinea, das Recht der Befürwortung von Gewalt reklamiert.

2. Auszug aus der Datenbank Dietmar Kesten / Jürgen Schröder "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

02.10.1958: 
Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK (vgl. 7.12.1970) berichtet von der heutigen Unabhängigkeitserklärung Guineas, der der Astritt aus der communaute franco-africaine (vgl. **.**.195*) gefolgt sei.
=KSB/ML Freiburg:Militärische Aggression des Imperialismus gegen das Volk von Guinea,Freiburg o.J. (1970),S.1

1960: 
Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK (vgl. 7.12.1970) berichtet:"
Im Jahre 1960 erkennt Guinea die DDR an und nimmt diplomatische Beziehungen mit den Volksrepubliken China, Vietnam und Albanien auf."
=KSB/ML Freiburg:Militärische Aggression des Imperialismus gegen das Volk von Guinea,Freiburg o.J. (1970),S.1

1965: 
Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK (vgl. 7.12.1970) berichtet aus Guinea:"
Die ständigen Versuche der französischen Imperialisten, mittels ihres Geheimdienstes Sekou Toure zu stürzen, führen 1965 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich."
=KSB/ML Freiburg:Militärische Aggression des Imperialismus gegen das Volk von Guinea,Freiburg o.J. (1970),S.1

1966: 
Anläßlich der Unabhängigkeitserklärung von Guinea-Bissao (vgl. 24.9.1973) berichtet der KBW (vgl. 10.10.1973) aus Guinea-Bissau (vgl. 1965, Apr. 1972):"
In Senegal und Guinea-Conakry gründet die PAIGC einige Gymnasien."
=Kommunistische Volkszeitung Nr.4,Mannheim 10.10.1973,S.*

April 1969: 
In der Aprilausgabe des 'Roten Morgens' der KPD/ML (vgl. März 1969, Mai 1969) wird berichtet über den 9.Parteitag der KP Chinas, an den auch die regierende Demokratische Partei Guinea (PDG) von Sekou Toure Grüße sandte.
=Roter Morgen,Hamburg Apr. 1969

22.11.1970: 
Portugiesische Söldnertruppen überfallen, laut SV Prälat Diehl Gymnasium Groß Gerau (PDG), die westafrikanische Republik Guinea, werden allerdings von der Bevölkerung schnell besiegt (vgl. 23.11.1970).
Von der UNO wird der Überfall verurteilt.

Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK (vgl. 7.12.1970) berichtet (vgl. 4.12.1970):"
Am 22. November meldeten Rundfunk und Presse einen Invasionsversuch in den unabhängigen westafrikanischen Staat Guinea. Von Kriegsschiffen aus griffen Truppen mehrmals die Hauptstadt Conakry an. Die Invasionsversuche wurden unterstützt von Truppen, die im Nordwesten des Landes von der portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau her in Guinea einzudringen versuchten. Nach Aussagen eines gefangenen Söldners: Besetzung der strategischen Punkte der Hauptstadt, dann Einsatz von Fallschirmjägern mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen. Es sollte also ein Marionettenregime errichtet werden. ...

Auch der jüngste militärische Überfall der Imperialisten und guinesischen Reaktionäre wurde von den bewaffneten Volksmassen zurückgeschlagen (die Verteilung von Waffen an die Bevölkerung widerlegt die Lügen vom 'inneren Aufstand')."

Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Feb. 1971) berichtet von den Folgen (vgl. 18.1.1971).
=Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.2,Bochum Feb. 1971,S.7;
KSB/ML Freiburg:Militärische Aggression des Imperialismus gegen das Volk von Guinea,Freiburg o.J. (1970),S.1;
SV-PDG:Information Sdr.Nr.1.Mai,Groß Gerau 1971,S.8


23.11.1970: 
Der Präsident von Guinea, Sekou Toure, gibt, laut KPD/ML-ZB, bekannt, daß eine Invasion von ca. 300 portugiesischen und einer unbekannten Anzahl anderer Söldner aus benachbarten Ländern, die von der Küste aus eindrangen, nach heftigen Kämpfen gescheitert sei (vgl. 22.11.1970).

Die KPD/ML-ZB meint:"
Dies war ein weiterer Versuch Portugals, die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Völker Afrikas zu unterdrücken und in kolonialer Abhängigkeit zu halten. In allen Kolonien, die Portugal heute noch in Afrika hat, sind heftige Kämpfe gegen die Besatzer entbrannt. In Mozambique, Angola und Guinea Bissau sind die Kämpfe der Volksbefreiungsorganisationen voll entfaltet. Sie kontrollieren große Teile der Länder.

Die Befreiungskämpfe in Guinea Bissau werden von Guinea aus unterstützt. Dort befinden sich die größten Übungslager für die Guerillas.

Die konsequente Unabhängigkeitspolitik Sekou Toures hat die Kompradorenbourgeoisie in Schrecken versetzt. Nachdem Guinea 1958 die Unabhängigkeit von Frankreich erlangte und sich auch in den kommenden Jahren nicht von den französischen Herren oder den US-Imperialisten knebeln ließ, sind viele Angehörige der Kompradorenbourgeoisie ins Ausland, in die benachbarten portugiesischen Kolonien geflüchtet und versuchen von dort, die Regierung Sekou Toure zu stürzen. Hierbei können sie sich natürlich auf die Unterstützung der portugiesischen Kolonialisten stützen.

Doch die volksrevolutionären Kräfte in Guinea werden die Angriffe dieses reaktionären Blocks weiterhin erfolgreich abwehren."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.54,Bochum 28.11.1970,S.10

30.11.1970: 
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
GIPFELTREFFEN DES WARSCHAUER PAKTS IN DER DDR

... zu den Delegationen der Konferenz gehörten die Partei- und Regierungschefs und die Außenminister der Warschauer Pakt-Staaten. Nach dem offiziellen Kommunique wurde über die Verbesserung der Zusammenarbeit, die Verschärfung der imperialistischen Aggression in Vietnam, die Lage im Nahen Osten und den Überfall auf Guinea gesprochen."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.56,Bochum 5.12.1970,S.9

02.12.1970: 
Die Nr.55 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 28.11.1970, 5.12.1970) berichtet u.a. über Guinea:"
Der Präsident von Guinea, Sekou Toure hat die Weigerung der UNO, eine Streitmacht nach Guinea zu entsenden, scharf kritisiert. Er erklärte, die Staaten müßten aus dieser Weigerung den Schluß ziehen, ihre Souveränität nur allein verteidigen zu können. Die UNO hatte lediglich eine Untersuchungskommission nach Guinea entsandt, als eine von den portugiesischen Kolonialisten unterstützte Streitmacht versuchte, das progressive Regime Sekou Toures zu stürzen" (vgl. 22.11.1970).
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.55,Bochum 2.12.1970

04.12.1970: 
Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK (vgl. 7.12.1970) berichtet von der Invasion Guineas (vgl. 22.11.1970):"
Entgegen den Dementis Portugals und den Darstellungen der internationalen bürgerlichen Presse ('Invasionsspuk', 'interner Machtkampf') ist die Untersuchungskommission der UNO am 4.Dezember gezwungen zu berichten, daß der Angriff von 'Marine- und Armeeeinheiten der portugiesischen Streitkräfte' ausgeführt wurde."
=KSB/ML Freiburg:Militärische Aggression des Imperialismus gegen das Volk von Guinea,Freiburg o.J. (1970),S.1

07.12.1970: 
Der KSB/ML Freiburg der KPD/ML-ZK gibt vermutlich in dieser Woche das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von W. Leimenstoll, Freiburg, Gerberau 7b, heraus:"
MILITÄRISCHE AGGRESSION DES IMPERIALISMUS GEGEN DAS VOLK VON GUINEA

Am 22.November meldeten Rundfunk und Presse einen Invasionsversuch in den unabhängigen westafrikanischen Staat Guinea. Von Kriegsschiffen aus griffen Truppen mehrmals die Hauptstadt Conakry an. Die Invasionsversuche wurden unterstützt von Truppen, die im Nordwesten des Landes von der portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau her in Guinea einzudringen versuchten. Nach Aussagen eines gefangenen Söldners: Besetzung der strategischen Punkte der Hauptstadt, dann Einsatz von Fallschirmjägern mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen. Es sollte also ein Marionettenregime errichtet werden.

Entgegen den Dementis Portugals und den Darstellungen der internationalen bürgerlichen Presse ('Invasionsspuk', 'interner Machtkampf') ist die Untersuchungskommission der UNO am 4.Dezember gezwungen zu berichten, daß der Angriff von 'Marine- und Armeeeinheiten der portugiesischen Streitkräfte' ausgeführt wurde.

DURCH BEHARRLICHEN KAMPF ZUR KONSOLIDIERUNG DER NATIONALEN UNABHÄNGIGKEIT

Guinea ist dem Weltimperialismus seit Beginn seines Kampfes um die nationale Unabhängigkeit ein Hindernis auf dem Weg zur Beherrschung es afrikanischen Kontinents. Der Befreiungskampf des guinesischen Volkes gegen den französischen Kolonialismus war durch die führende Rolle der Arbeiterschaft in diesem Kampf revolutionärer und militanter als in den übrigen westafrikanischen Staaten (Sekou Toure war Generalsekretär der Gewerkschaften). Nach seiner Unabhängigkeit 1958 (vgl. 2.10.1958,d.Vf.) trat Guinea als einziger Staat aus der 'communaute franco-africaine' aus (vgl. S1.**.195*,d.Vf.). Im Jahre 1960 erkennt Guinea die DDR an (vgl. 1960,d.Vf.) und nimmt diplomatische Beziehungen mit den Volksrepubliken China (vgl. 1960,d.Vf.), Vietnam (vgl. 1960,d.Vf.) und Albanien (vgl. 1960,d.Vf.) auf. Die ständigen Versuche der französischen Imperialisten, mittels ihres Geheimdienstes Sekou Toure zu stürzen, führen 1965 (vgl. 1965,d.Vf.) zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich.

Wiederholte Manöver, Guinea durch wirtschaftliche Erpressung in die neokoloniale Abhängigkeit zu zwingen, scheitern immer wieder an der Kampfentschlossenheit des guinesischen Volkes. Auch der jüngste militärische Überfall der Imperialisten und guinesischen Reaktionäre wurde von den bewaffneten Volksmassen zurückgeschlagen (die Verteilung von Waffen an die Bevölkerung widerlegt die Lügen vom 'inneren Aufstand').

Das guinesische Volk weiß, daß der gemeinsame Feind aller afrikanischen Völker, der Imperialismus und Kolonialismus, nur im gemeinsamen Kampf geschlagen werden kann. Es unterstützt deshalb mit großen Opfern den Befreiungskampf des Volkes von Guinea-Bissau gegen die portugiesische Kolonialherrschaft.

Die immer neuen Angriffe der Imperialisten und Kolonialisten haben das guinesische Volk zudem gelehrt:

SEINE UNABHÄNGIGKEIT KANN ES NUR KONSOLIDIEREN, WENN ES UNABHÄNGIG GEGEN IMPERIALISMUS UND KOLONIALISMUS KÄMPFT!

Immer mehr afrikanische Völker machen sich diese Lehre zu eigen. Der revolutionäre Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus und für die nationale Befreiung erfaßt allmählich den gesamten Kontinent. ...

DIE POLITISCHE MACHT KOMMT AUS DEN GEWEHRLÄUFEN

Immer mehr revolutionäre Völker in Afrika haben zu den Waffen gegriffen, um für ihre nationale Unabhängigkeit zu kämpfen. Den Lügenmärchen der US-Imperialisten und sowjetischen Sozialimperialisten vom 'ruhigen friedlichen Übergang zur Unabhängigkeit' und von der 'Beseitigung des Kolonialismus durch die Vereinten Nationen' stellen sie die Macht ihrer Gewehre entgegen: ...

Dieser Aufschwung der nationalen Befreiungsbewegungen bringt die Imperialisten in immer größere Bedrängnis. Angeführt vom US-Imperialismus betreibt das internationale Kapital in den portugiesischen Kolonien seinen schmutzigen Krieg. Ca. 150 000 portugiesische Kolonialtruppen versuchen zusammen mit Truppen aus dem rassistischen Südafrika (Azania,d.Vf.) die Befreiungsbewegungen in Angola, Mozambique und Guinea-Bissau abzuwürgen.

Das WESTDEUTSCHE MONOPOLKAPITAL und sein Instrument, die SOZIALLIBERALE REGIERUNG (SPD/FDP,d.Vf.), stehen mit an der Spitze bei der Ausführung dieser Verbrechen gegen die afrikanischen Völker. Um die großen Reichtümer dieser Länder ausplündern zu können (u.a. Krupp, GBAG, Siemens, Urangesellschaft Frankfurt/M), stützt sich die westdeutsche Monopolbourgeoisie auf die portugiesischen Kolonialisten und stellt ihnen den größten Teil des Kriegsmaterials zur Unterdrückung der afrikanischen Völker zur Verfügung.

Die Neokolonialisten versuchen ihre Niederlage hinauszuzögern, indem sie ihre imperialistische Aggression auf immer mehr Völker ausdehnen. Aber dennoch können die organisierten Machenschaften des internationalen Kapitals den revolutionären Befreiungskampf der unterdrückten Völker nicht aufhalten.

'Unruhe stiften, scheitern, abermals Unruhe stiften, wieder scheitern und so weiter bis zu ihrem Untergang - das ist die Logik der Imperialisten und aller Reaktionäre in der Welt dem Anliegen des Volkes gegenüber, und sie werden niemals gegen diese Logik verstoßen.

Kämpfen, unterliegen, nochmals kämpfen, wieder unterliegen, erneut kämpfen und so weiter bis zum Sieg - das ist die Logik des Volkes, und auch das Volk wird niemals gegen diese Logik verstoßen.' (Mao Tse-tung)

NIEDER MIT DEM IMPERIALISMU UND ALLEN SEINEN LAKAIEN!

UNTERSTÜTZEN WIR DEN BEFREIUNGSKAMPF DER AFRIKANISCHEN VÖLKER!"
=KSB/ML Freiburg:Militärische Aggression des Imperialismus gegen das Volk von Guinea,Freiburg o.J. (1970)

07.12.1970: 
Vermutlich in dieser Woche gibt die Berliner KPD/AO die Nr.12 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. Nov. 1970, Jan. 1971) heraus, die u.a. über Guinea berichtet.
=Rote Fahne Nr.12,Berlin Dez. 1970

09.12.1970: 
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
PORTUGAL - UNO

Portugal hat am 9.12. den Vorwurf des Sicherheitsrates der UNO, an der Invasion in Guinea (vgl. 22.11.1970,d.Vf.) beteiligt zu sein, zurückgewiesen. Der Sicherheitsrat hat im Zusammenhang mit der Invasion die NATO-Staaten aufgefordert, ihre Waffenlieferungen an Portugal sofort einzustellen. Die Vertreter der imperialistischen Mächte Englands (Großbritannien,d.Vf.), der USA und Frankreichs und das faschistische Spanien hatten nicht einmal den Mut, durch eine Nein-Stimme gegen die offensichtlichen Tatsachen der portugiesischen Aggression zu stimmen. Sie enthielten sich der Stimme. In der gleichen Resolution wird Portugal aufgefordert, seinen Kolonien in Afrika unverzüglich die Selbstbestimmung zu gewähren."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.59,Bochum 16.12.1970,S.12

21.12.1970: 
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
UNTERSTÜTZUNG DER PORTUGIESISCHEN ANGREIFER DURCH DIE WESTDEUTSCHEN IMPERIALISTEN

Am 21.12.1970 sandte die Regierung von Guinea einen Brief an Bundespräsident Heinemann, in dem sie die Abberufung des deutschen Botschafters Lanke fordert. Dieser habe nicht mehr das Vertrauen der guinesischen Regierung, weil er in den portugiesischen Angriff auf Guinea (vgl. 22.11.1970,d.Vf.) verwickelt gewesen sei. Ihm wurde vorgeworfen, mit deutschen Spionagegruppen in Guinea für die portugiesischen Faschisten gearbeitet zu haben. Insgesamt wurden ungefähr 100 Deutsche aus Guinea ausgewiesen. Unter ihnen waren sechs sogenannte technische Instrukteure der Bundeswehr, die an den Kämpfen in Conakry auf der Seite der portugiesischen Angreifer teilgenommen haben sollen. Die guinesische Regierung berichtet auch, daß deutsche Söldner unter Führung des ehemaligen SS-Offiziers Bruno, der unter dem Namen Nazi-Hermann bekannt ist, zusammen mit den Portugiesen in Guinea einmarschiert sind. Ein großer Teil der westdeutschen Entwicklungshelfer hat nach Berichten des Neuen Deutschland (ND der SED der DDR,d.Vf.), die zum Teil von der DPA bestätigt wurden, in Guinea nicht nur 'Entwicklungshilfe' betrieben. Von westdeutschen Entwicklungshelfern wurden vor der Invasion Lichtsignale an die portugiesischen Kriegsschiffe in den Küstengewässern gegeben. Das Interesse der deutschen Imperialisten an Guinea ist nicht verwunderlich. Guinea besitzt nämlich etwa 2/3 aller Bauxitvorkommen der Welt. Bauxit ist der Rohstoff für Aluminium. Außerdem hat es große Chrom-, Kupfer-, Zink-, Kobalt-, Titan- und Manganlagerstätten. Diese Metalle sind zur Veredelung anderer Metalle und für viele Arbeiten von Metallegierungen unbedingt nötig. Sie kommen auf der Welt nur selten vor.

Die Ausbeutung der guinesischen Rohstoffvorkommen steckt noch in den Anfängen. BRD-Konzerne sind aber bereits an einem internationalen Konsortium mit Namen Italco beteiligt, das die Bauxitförderungsgesellschaft FRIA (nach dem Standort benannt) kontrolliert. Gerade in letzter Zeit wird von den deutschen Kapitalistenverbänden betont, wie wichtig gesicherte Bauxitquellen sind. Erst kürzlich haben zwei neue Aluhütten, eine im Besitz der Essener Leichtmetallgesellschaft mbH, die andere zur Kaiser-Preussag-Gruppe (KAPAL,d.Vf.) gehörend, die Produktion aufgenommen.

Auf einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES der SPD - vgl. **.**.197*,d.Vf.) betonten deutsche Kapitalisten erst kürzlich, daß die Alu-Produktion in der BRD mehr und mehr ein lohnendes Geschäft geworden ist. Grund dafür sind vor allem die niedrigen deutschen Strompreise, gewährleistet durch die hohen staatlichen Subventionen. Die Nachfrage nach Aluminium ist außerdem in den letzten Jahren ständig gestiegen. Von daher ist es nur zu verständlich, daß deutsche Monopole auch in Guinea die Hand im Spiel hatten."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.3,Bochum 13.1.1971,S.7f

29.12.1970: 
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
SPD-REGIERUNG: STEIGBÜGELHALTER DES FASCHISMUS

Die SPD-Regierung zieht die Faschistenverbände in der BRD groß; sie unterstützt die revanchistischen und kriegstreiberischen Organisationen in der BRD jährlich mit höheren Mitteln: ... Stärker gefördert werden auch ..., die 'Friedrich-Ebert-Stiftung (FES der SPD,d.Vf.) (die z.B. Forschungsaufträge für die imperialistischen Pläne der BRD und Portugals in Guinea durchführt)".
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.3,Bochum 13.1.1971,S.1f

18.01.1971: 
Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Feb. 1971) berichtet:"
SPD-REGIERUNG WEINT UM SS-OFFIZIER

Am 18.Januar verurteilte das guinesische Volk durch ein Volkstribunal über 90 Angeklagte zum Tode oder zu hohen Haftstrafen. Unter ihnen auch den deutschen Brauereibesitzer Adolf Marx. Ein anderer Deutscher, Seibold, sitzt schon seit längerem im Gefängnis. Weitere 100 Deutsche sind aus Guinea ausgewiesen worden.

Die SPD-Regierung redet von Terror und Mord, sie hält Trauerreden auf Marx und Seibold, der inzwischen in seiner Zelle Selbstmord beging.

Die SPD-Regierung hat allen Grund, so laut zu schreien. Denn das Volkstribunal hat nicht nur über Marx und Seibold sein Urteil gesprochen, sondern auch über die SPD-Regierung selbst. Es hat der ganzen Welt gezeigt und mit Dokumenten belegt, was das für Geschäfte sind, die die SPD-Regierung uns als Entwicklungshilfe verkaufen will.

Was ist in Guinea passiert?

Am 22.November 1970 versuchten portugiesische Söldner, die demokratische Volksregierung Guineas zu stürzen und das Land zu einer Kolonie Portugals zu machen.

Maßgeblich beteiligt an diesem Putschversuch waren die Deutschen Seibold und Marx. Vorbereitet war das Ganze von einem Spionagering, der sich von Conakry, der Hauptstadt Guineas über Lissabon bis Bonn spann. Für den ehemaligen SS-Offizier Seibold war diese Aufgabe nichts Neues. Er war auch unter Hitler schon im Geheimdienst tätig - in der Abteilung Afrika. Diesmal hatte ihn die SPD-Regierung nach Afrika geschickt - als Entwicklungshelfer. Offiziell war der SS-Offizier Seibold Leiter eines 'Christlichen Jugenddorfes' (CJD,d.Vf.), in dem sich eine Ausbildungsstätte für Lehrlinge befand.

Aber die SPD-Regierung schickte nicht nur die Leute, die am Putsch beteiligt waren, sie lieferte auch die Waffen dazu.

Auf dem Weg über Portugal und mit direkten Waffenlieferungen. Insgesamt für rund 47 Mio. DM hat die BRD militärische Ausrüstungsgegenstände, Militärwerkstätten und Fahrzeuge nach Guinea geschickt.

Das ist ihre Entwicklungshilfe.

Alte Nazis sind die Helfer, das Ziel ist die Herrschaft des faschistischen Regimes in Portugal in Afrika auszuweiten und zu festigen - denn der Terror, den die portugiesischen Herren in Afrika ausüben, der nützt auch den deutschen Kapitalisten, die immer mehr in Afrika investieren, weil Afrika die Bodenschätze hat, die sie brauchen, weil da, wo die faschistischen Regime die Bevölkerung niederhalten, die Arbeitskräfte so billig sind wie nirgendwo - die Profite aber darum umso höher. Die SPD-Regierung zeigt mit ihren Klageliedern über den Tod ihrer 'Entwicklungshelfer', mit den Lügen, die sie über die Ereignisse in Guinea verbreitet, auf welcher Seite sie steht: Auf der Seite der Kapitalisten und Faschisten."
=Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.2,Bochum Feb. 1971,S.7

22.01.1971: 
In Berlin erscheint die 'RPK' Nr.99 (vgl. 15.1.1971, 29.1.1971) mit Berichten aus Guinea-Bissau und Guinea-Conakry. Bei ersterem Guinea wird die PAIGC, bei letzterem die Parti Democratique de Guinee (PDG) propagiert (vgl. 4.2.1971).
=Rote Presse Korrespondenz Nr.99,Berlin 22.1.1971

29.01.1971: 
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
GUINEA

Am 29.1. gab der Sender 'Stimme der Revolution' in Conakry bekannt, daß die Republik Guinea ihre diplomatischen Beziehungen zur BRD abbricht. Als Grund wird die Beteiligung von deutschen Staatsangehörigen an dem portugiesischen Überfall auf Guinea (vgl. 22.11.1970,d.Vf.) angegeben.

Angeblich sind - wie die Bundesregierung und die bürgerlichen Zeitungen immer wieder beschwören - diese Deutschen ganz harmlose Entwicklungshelfer. Aber der Deutsche Entwicklungsdienst hat erklärt, daß keiner von den nun ausgewiesenen Deutschen Mitarbeiter des DED ist oder den drei anderen BRD-Entwicklungshilfeorganisationen angehört.

Die Wahrheit sieht so aus: Hermann Seibold, angeblich Entwicklungshelfer war früher Offizier in der SS und gehörte zum Sicherheitsdienst der Nazis. Er war schon damals im SD Spezialist für Auslandsspionage und Zersetzung. Angeblich leitete Seibold in Guinea ein Ausbildungszentrum. In Wirklichkeit war er Chef einer Spionagezentrale. Bei der Durchsuchung seiner Büros wurden Spezialwaffen, eine Funkausrüstung, Pläne für Bürgerkriegsaktionen und Unterlagen über umfangreichen Devisenschmuggel gefunden. Alle diese Beweisstücke können in einer öffentlichen Ausstellung in Conakry besichtigt werden. Am Tag als die portugiesischen Angreifer landeten, stand Seibold genau an der Landestelle und gab mit den Autoscheinwerfern Blinkzeichen. Viele von den angeblichen Entwicklungshelfern waren Bundeswehrsoldaten. Ihre Aufgabe war die Ausbildung von guinesischen Armeeeinheiten. Von daher hatten sie ein gründliches Spezialwissen in allen militärisch-technischen Fragen der Republik Guinea.

Außerdem arbeitete in Guinea die sogenannte Werner Gruppe (Fritz Werner Werke, FWW - IGM-Bereich,d.Vf.). Ihr Chef, Graf von Tiedenhausen, beging inzwischen wie Seibold Selbstmord. Die Werner GmbH Westberlin wurde gegründet, um mit Hilfe der Bundesregierung und des Westberliner Senats die Berliner Maschinenbauindustrie vor der Pleite zu retten. Sie gehört seit 1966 zusammen mit anderen Westberliner Firmen wie Borsig, Schwartzkopff und Typograph zur Deutschen Industrieanlagen GmbH (DIAG,d.Vf.). Diese Gesellschaft ist zu 90% in Bundesbesitz.

Die Werner GmbH hat in Guinea vor allem Munitions- und Waffenfabriken gebaut, außerdem militärische Anlagen, die z.T. von der Bundesregierung finanziert wurden. Das bedeutet, daß ihr Chef alle militärischen Anlagen in Guinea genau kannte und auch einen Überblick über die wichtigsten Industrieanlagen hatte.

Die BRD-Imperialisten haben die Angriffe der portugiesischen Faschisten nicht nur direkt in Guinea unterstützt. Schon seit Jahren liefern sie große Mengen von Waffen aller Art an das faschistische Regime. Ohne die Hilfe der NATO und vor allem ohne die Waffengeschenke der BRD-Imperialisten könnte Portugal seine Kolonien, die 20 mal größer sind als sein eigenes Territorium, gar nicht besetzt halten. Es hätte den Kampf gegen die revolutionären Befreiungsbewegungen in seinen Kolonien schon längst verloren. Der BRD-Botschafter in Portugal, Schmidt-Horix, war der Mittelsmann für den Waffenhandel zwischen der BRD und den portugiesischen Faschisten. In den Archiven Seibolds wurde ein Geheimdokument über ein Gespräch zwischen dem BRD-Botschafter und Vertretern der portugiesischen Regierung gefunden. Darin heißt es: 'Die portugiesische Regierung hat die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Fakten, die bereits veröffentlicht wurden, gelenkt, die dazu dienen, offiziell ihre Teilnahme an den Ereignissen zu leugnen. Sie bittet, diese Haltung vertraulich zu respektieren. - Die portugiesische Regierung bedauert es außerordentlich, daß das Vorhaben nicht zum Ziel geführt hat. Unglücklicherweise haben die oppositionellen Kräfte in Guinea die günstige Gelegenheit, das Regime zu stürzen, nicht erkannt, und deshalb konnte man keine Koordinierung der Handlungen erreichen... Wenn man schon die Lieferung von Waffen aus der BRD an Portugal im Rahmen unserer Bündnisverpflichtungen nicht verdecken kann, liegt es im deutschen Interesse, öffentlich eine Beteiligung Portugals an den Ereignissen in der Republik Guinea zu dementieren.' (Rückübersetzung aus dem Französischen)

Trotz dieser Beweise leugnen die BRD-Imperialisten und die portugiesischen Faschisten hartnäckig ihren Versuch, das Volk von Guinea zu versklaven. Die Tatsachen beweisen ihre Verlogenheit. Aber auch die US-Imperialisten sind an der Aggression beteiligt. Seit 1951 besteht zwischen Portugal und den USA ein 'Abkommen über gegenseitige Verteidigungshilfe'. Seitdem haben die portugiesischen Faschisten Militärhilfe im Wert von mehr als 320 Mio. Dollar von den US-Imperialisten bekommen. Dazu gehören über 100 schwere Bomber. Außerdem sind mehr als 2 000 US-Militärspezialisten in Portugal stationiert, um die faschistischen Truppen für den Krieg gegen die Völker Afrikas auszubilden. Warum die BRD-Imperialisten und die US-Imperialisten die portugiesischen Faschisten an der Macht halten, ist klar: Sie sind auf die reichen Bodenschätze in den portugiesischen Kolonien aus (...). Um sie auszubeuten, ist ihnen jedes Mittel recht. Die portugiesischen Faschisten versuchen als Handlanger der NATO-Imperialisten schon seit Jahren, die Befreiungsarmeen der afrikanischen Völker zu vernichten. Doch ihre Niederlage ist gewiß.

Übersicht über die wichtigsten Waffenlieferungen der BRD an Portugal:
1961: 50 Leichtflugzeuge DO-27
1966: 40 Kampfflugzeuge Fiat G 91
1968: 12 Militärflugzeuge Noratlas
1970: 3 Korvetten an die portugiesische Marine."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.10,Bochum 6.2.1971,S.9f

Februar 1971: 
Die Nr.2 des 'Roten Morgens' der KPD/ML-ZK (vgl. Jan. 1971, März 1971) erscheint.

Von der Redaktionssitzung für diese Nummer berichtet der Landespresseverantwortliche NRW (vgl. Jan. 1971, März 1971):"
Nicht erschien ein Artikel über Guinea. Während ich für die Notwendigkeit eines solchen Artikels plädierte, wurde eingewandt, daß wegen der monatlichen Erscheinungsweise Aktualität sowieso nicht zu verwirklichen sei. Wir können nicht hinter den Ereignissen hinterherlaufen, sondern müßten die Redaktionsarbeit planen."
=KPD/ML-ZK-LPV NRW:Bericht des LPV NRW (K) und RM-Redkoll-Mitglied über seine Tätigkeit im RM-Redkoll von Dezember 1970 bis November 1971,o.O. o.J.,S.3f;
Roter Morgen Nr.2,Hamburg Feb. 1971


04.02.1971: 
In Berlin wollen heute die Studentenkommission der KPD/AO und die Projektgruppe Afrika eine Veranstaltung zu den Beziehungen zwischen Portugal und Afrika, mit Schwerpunkt auf Guinea-Bissau und Guinea-Conakry, durchführen (vgl. 22.1.1971).
=Rote Presse Korrespondenz Nr.99,Berlin 22.1.1971

28.04.1971: 
Die KPD/ML-ZB berichtet über die RSA - Azania:"
HALTUNG DER AFRIKANISCHEN STAATEN ZU SÜDAFRIKA

Vor über 100 Journalisten, die auf Staatskosten aus aller Welt nach Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, eingeflogen worden waren, hielt der Staatspräsident des Landes, Houphouet-Boigny am 28.4. eine fünfstündige Pressekonferenz ab. Er erklärte, daß die schwarzafrikanischen Staaten in einen friedlichen Dialog mit der faschistischen Republik Südafrika treten müßten, um den Frieden des Kontinents und seine politische Neutralität zu wahren. Frieden und Neutralität würden nämlich durch die 'kommunistische Gefahr', die größer sei als die der Rassendiskriminierung und der wirtschaftlichen Abhängigkeit, bedroht.

Diese Erklärung ist ein weiterer Schritt der Imperialisten und ihrer weißen und schwarzen Lakaien in Afrika zur Vernichtung der revolutionären Befreiungsbewegungen gegen den portugiesischen Kolonialismus und der progressiven Politik von Staaten wie Guinea, Tansania und Sambia.

Erst im November letzten Jahres überfielen portugiesische Söldner, die aus der BRD unterstützt wurden, den westafrikanischen Staat Guinea, der die Befreiungsbewegung im benachbarten Portugiesisch-Guinea tatkräftig unterstützt, und versuchten ein Marionettenregime zu etablieren. ...

Mit der Politik des 'Dialogs zwischen Schwarz und Weiß' versuchen jetzt die Imperialisten mit Hilfe afrikanischer Marionetten wie Busia in Ghana, Amin in Uganda und Houphouet-Boigny in der Elfenbeinküste die progressiven Regierungen Sambia, Tansania und Guinea, die den Befreiungsbewegungen großzügig helfen, zu isolieren und sie schließlich zu stürzen. Dann, so hoffen sie, können sie unbehindert die Bodenschätze und Arbeitskräfte Afrikas ausbeuten."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.34,Bochum 5.5.1971,S.11f

Mai 1971: 
In Frankfurt erscheint erstmals eine 'ML Hochschulpresse' (vgl. Juni 1971) als Organ der Gruppe Marxistisch-Leninistischer Studenten (MLS), die mit dem KAB/ML bzw. dessen KSG/ML sympathisiert. In der Zeitung zum Thema "Antiimperialistischer Kampf an der Hochschule!" heißt es u.a.:"
Die Analyse der BRD als imperialistische Macht, die mit den Methoden der ökonomischen Infiltration, des politischen Zwanges und auch der militärischen Unterstützung und Intervention (Guinea!) ihre Herrschaft sichert und ausbaut, stellte die Frage nach der praktischen Solidarität mit den ausgebeuteten Völkern."
=ML Hochschulpresse Nr.1,Frankfurt Mai 1971

Dezember 1971: 
Vermutlich im Dezember wird vermutlich innerhalb der KPD/ML-ZK in Dortmund oder bereits in der Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML RM das folgende Papier verfaßt, wobei wir handschriftliche Korrekturen und Ergänzungen soweit lesbar in den Text eingearbeitet haben:"
KRISENZEICHEN: ENTLASSUNGEN UND BANKROTTE ...

 Die 'Friedens'regierung Brandt, ..., hat mit Entwicklungsminister Eppler und dessen Vorgänger 'Ben Wisch' (H.J. Wischnewski,d.Vf.) zahlreiche Möglichkeiten ausgeknobelt, das Handicap, nicht selbst verkaufen zu dürfen, zu umgehen. Von Zeit zu Zeit wie im Guineakonflikt muß sie dann offiziell einen Rückzieher machen. Und wenn Schmidt äußert, die Bundesregierung betreibe keine Waffengeschäfte in Länder der Dritten Welt, so weist das gerade auf solche hin."
=N.N.:Ohne Titel(Krisenzeichen: Entlassungen und Bankrotte...,o.O. o.J. (1971)

Juli 1972: 
Der KABD (vgl. 7.8.1972) berichtet vermutlich u.a. aus dem Juli:"
DEUTSCHE IMPERIALISTEN MACHEN SICH WIEDER IN AFRIKA BREIT ...

Der westdeutsche Imperialismus verfolgt eine geschickte Doppeltaktik gegenüber Afrika. Mit der einen Hand versucht er, in möglichst viele Länder friedlich einzudringen, unter dem Mantel der 'Entwicklungshilfe' die Wirtschaft dieser Länder unter seine Kontrolle zu bekommen und die Regierungen einiger Länder durch Bestechung und Betrug auf seine Seite hinüberzuziehen. Aber mit der anderen Hand baut er gleichzeitig seine politischen und militärischen Beziehungen zu den portugiesischen und südafrikanischen (Azania,d.Vf.) Terrorregimes aus. Ihnen ist die Rolle des Büttels des Imperialismus in Afrika zugedacht, wie die verstärkten bewaffneten Provokationen der portugiesischen und südafrikanischen Faschisten gegen Sambia, Guinea und andere unabhängige Länder Afrikas beweisen."
=Rote Fahne Nr.8,Tübingen Aug. 1972,S.9

20.09.1973: 
Laut einem anonymen Protokoll "Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik" (vgl. 29.8.1973), welches vermutlich für die Rote Hilfe (RH) Dortmund der KPD/ML verfaßt wurde, wird Klaus Dillmann "am 20. September erneut vor Gericht stehen, diesmal in Bochum in 2. Instanz wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' (Paragraph 140 StGB). Zusammen mit 2 weiteren ehemaligen Redakteuren der Bochumer Studentenzeitung (BSZ) soll er sich für zwei Artikel verantworten, in denen die Erschießung des westdeutschen Botschafters Spreti als notwendig für die Befreiungsbewegung Guatemalas vom Joch des Imperialismus dargestellt wurde."

In der Verteidigungsrede von Klaus Dillmann heißt es u a.:"
Erinnert sei hier auch an die recht eigenartige 'Entwicklungshilfe', die vor zwei Jahren (vgl. 22.11.1970,d.Vf.) ruchbar wurde, als die Regierung Sekou Toure in Guinea rund 80 westdeutsche 'Entwicklungshelfer' festnahm und einige davon zum Tode verurteilte: es handelte sich um Bundeswehrsoldaten, die zugleich einen Überfall portugiesischer Kolonialtruppen auf Conakry und den Regierungspalast unterstützen, mit dem die fortschrittliche Regierung beseitigt werden sollte."
=Dillmann, Klaus:Verteidigungsrede des Angeklagten Klaus Dillmann im Verfahren 16 Ms 2/71 wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' vor der II. Strafkammer Bochum am 20.September 1973,o.O. 20.9.1973;
N.N.:Protokoll: Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik,o.O.o.J. (Aug. 1973)

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