Koreanische Krankenschwestern in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 19.4.2013

Zu den Krankenschwestern aus Südkorea in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, als einer der wichtigsten Gruppen aus Südkorea in Deutschland, der können hier bisher nur wenige Hinweise erschlossen werden. Einleitend für diese Darstellung wird anläßlich des Ärztestreiks die Anwerbung der koreanischen Krankenschwestern als eine Maßnahme der Kostendämpfung im Gesundheitswesen angegriffen, die aber, wie in Westberlin (vgl. Nov. 1971) München (vgl. Nov. 1974) und Göttingen (vgl. 23.5.1975) kritisiert wird, auch der Spaltung der Beschäftigten dient, sind die Koreanerinnen doch dem Ausländergesetz unterworfen (vgl. 28.11.1973) und von Abschiebung bedroht, wogegen zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung in Würzburg protestiert wird (vgl. 17.10.1977).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

13.09.1971:
Die KPD (vgl. 8.10.1971) berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche von Krankenhausärztestreik:"
SPALTUNG DER EINHEITLICHEN KAMPFFRONT AM KRANKENHAUS - GEFÄHRDUNG DER MEDIZINISCHEN VERSORGUNG DER MASSEN - DIE FORDERUNGEN DER KPD

LEHREN AUS DEM ÄRZTESTREIK

In der zweiten Septemberhälfte fand die ständische Kampfbewegung der am Krankenhaus angestellten Ärzte unter Führung des 'Marburger Bundes' durch die 'totale Arbeitsniederlegung bei Aufrechterhaltung eines Notdienstes für Patienten in Lebensgefahr' in einigen Krankenhäusern in Westberlin, Hamburg und Bremen seinen vorläufigen Höhepunkt.

Zugleich ist eine riesige Zahl von Planstellen (Schätzungen gehen bis 50 000!!) unbesetzt. Da die Bundesregierung zudem die Kosten für die Ausbildung der Pflegekräfte z.B. durch die Schaffung neuer 'billigerer' Schichten wie die Pflegehelferinnen und den Import koreanischer Krankenschwestern senkt, gibt sich der Staat selbst die Mittel verstärkter Spaltung einer einheitlichen Kampffront aller Werktätigen am Krankenhaus in die Hand."
Quelle: Rote Fahne Nr. 27, Berlin 8.10.1971, S. 8f

November 1971:
In Berlin erscheint die 'Sozialistische Krankenhaus Presse' - herausgegeben von medizinischen Arbeitern der Berliner Krankenanstalten Nr. 10 für November (vgl. Okt. 1971) mit den Artikeln "Koreanerinnen. Schwesternmangel - auch in Südkorea!" und "Im Interesse unsere ausländischen Kollegen?" zum Personalvertretungsgesetz (PVG), welches die Kandidatur der ausländischen Beschäftigten zu den Personalratswahlen (PRW) untersagt.
Q: Sozialistische Krankenhaus Presse Nr. 10, Berlin Nov. 1971, S. 14ff

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14.02.1973:
Die KPD gibt die Nr. 7 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 7.2.1973, 21.2.1973) heraus. Aus Berlin wird auch anläßlich des Besuchs des südkoreanischen Außenministers in der BRD (in Hamburg, Bonn und Berlin) auf die bei AEG, KWU, Osram und in der Krankenpflege beschäftigten Koreaner eingegangen.
Q: Rote Fahne Nr. 7, Dortmund 14.2.1973

28.11.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 48 (vgl. 20.11.1973, 5.12.1973) heraus. Auf die Ausländergesetze wird eingegangen u.a. anhand der koreanischen Krankenschwestern.
Q: Rote Fahne Nr. 48, Dortmund 28.11.1973

09.01.1974:
In der Nr. 2 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 3.1.1974, 16.1.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit SüdkoreanerInnen in Berlin, die studieren oder in der Krankenpflege arbeiten.
Q: Rote Fahne Nr. 2, Dortmund 9.1.1974

19.04.1974:
In Dortmund findet, laut und mit KPD, eine Veranstaltung der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft statt, bei der es zu einem Polizeieinsatz kommt, da u.a. Mitglieder von KPD und KOV anwesend sind und sich auch sonst um die koreanischen Krankenschwestern und Bergmänner kümmern.
Q: Rote Fahne Nr. 17, Dortmund 24.4.1974

November 1974:
Die Projektgruppe Medizin München (PGM) des AB gibt ihre 'Aktuelle Gesundheitspresse' Nr. 5 (vgl. Okt. 1974, Dez. 1974) für November heraus. Berichtet wird auch über südkoreanische Krankenschwestern.
Q: Aktuelle Gesundheitspresse Nr. 5, München Nov. 1974, S. 10f

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23.05.1975:
Die Zelle Unikliniken des KBW Ortsgruppe Göttingen und die Zelle des KAJB geben den 'Schrittmacher' Nr. 41 (vgl. 30.4.1975, 12.6.1975) in einer heraus mit dem Artikel "Neue Sparmassnahmen", der auch einen Abschnitt "Koreanische Kollegen sollen gegen die deutschen Kollegen ausgespielt werden" zu den erwarteten ca. 60 koreanerischen Krankenschwestern enthält.
Q: Der Schrittmacher Nr. 41, Göttingen 23.5.1975, S. 3

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21.06.1975:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 25 (vgl. 14.6.1975, 28.6.1975) heraus und berichtet:"
Ausländische Kolleginnen - 'billige ' Ware für den Staat

Wie ich erfahren habe, sind im Bundeswehrkrankenhaus in Gießen jetzt ca. 10 - 15 koreanische Krankenschwestern eingestellt worden. In Gießen herrscht zur Zeit genau wie anderswo eine starke Arbeitslosigkeit. Im Moment sind allein 3 000 Jugendliche arbeitslos, und es gibt viele, die gerne Krankenpfleger erlernen würden. Der Staat hat die koreanischen Krankenschwestern eingestellt, weil er sie niedriger bezahlen kann als die deutschen Jugendlichen und er nutzt ihre Unkenntnis über die Gesetze, über die Lebensgewohnheiten usw. aus und versucht damit auch gleichzeitig einen Keil zwischen die deutschen und die ausländischen Kollegen zu treiben. In diesem Krankenhaus herrscht der Kommandostil der Bundeswehr auch bei den Zivilangestellten. Der Staat erhofft sich, daß die Koreanerinnen, gerade weil sie Ausländer sind und noch viel weniger Rechte haben als die deutschen Kollegen, sich das eher gefallen lassen.

Es stimmt eben, was die KPD/ML im letzten Extrablatt des ROTEN MORGEN schreibt: Arbeitslosigkeit ist ein Grundübel des Kapitalismus. Die Kapitalisten interessiert nur ihr Profit und dafür behandeln sie unsere ausländischen Kollegen wie 'billig Ware'.

Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Klasse, eine Kampffront! Rot Front!"
Q: Roter Morgen Nr. 25, Dortmund 21.6.1975, S. 3

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21.01.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 3 (vgl. 14.1.1976, 28.1.1976) heraus. Berichtet wird aus Berlin vom südkoreanischen Nationalballett (vgl. 17.1.1976) bzw. den in Krankenhäusern arbeitenden Koreanerinnen.
Q: Rote Fahne Nr. 3, Köln 21.1.1976

17.10.1977:
Der Bezirk Unterfranken des KBW gibt eine Bezirksbeilage zur 'KVZ' Nr. 42 (vgl. 25.9.1977, 23.10.1977) heraus. Am Mozart-Gymnasium Würzburg protestierten 107 Schüler gegen die Abschiebung koreanischer Schwesternschülerinnen von den Unikliniken.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Unterfranken Nr. 42, Würzburg 16.10.1977, S. 1

Letzte Änderungen: 23.4.2013

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