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Ceylon / Sri Lanka

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 1.12.2008

Aus Ceylon bzw. Sri Lanka wurde nach unserer, wie immer unvollständigen, Auswertung linker Druckschriften in den siebziger Jahren nur eher selten berichtet.

Plakat: Keine Reisen nach Sri Lanka
Plakat, Datum unbekannt

Von den dortigen Organisationen tauchen hier, neben den teils mitregierenden Trotzkisten (vgl. 6.3.1970, 8.6.1970, 3.7.1970), die Volksbefreiungsfront JVP (vgl. 1964, 6.4.1971) sowie die lange an der VR China orientierte KP Ceylons (vgl. Apr. 1969, 16.5.1977) auf, die später zeitweise an der Herausbildung der maoistischen Tendenz um die RKP Chile, RKP Peru und RCP USA beteiligt ist (vgl. Okt. 1980).

Obwohl die ihnen ehemals verbündeten Trotzkisten an der Regierung beteiligt sind, ist es interessanterweise gerade die GIM bzw. ihre RKJ, die die VR China der Unterstützung des ceylonesischen Regimes anklagt (vgl. Okt. 1971, Aug. 1972). Die Beweggründe dafür dürften nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion zu suchen sein, die offenbar auch in Sri Lanka mit imperialistischer Einflussnahme drohte, zumindest nach Wahrnehmung der China damals freundschaftlich verbundenen KPD (vgl. 25.5.1977).


Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

1964:
In Ceylon bzw. Sri Lanka wird, laut KPD/ML-ZB, die Volksbefreiungsfront (JVP - vgl. 6.4.1971) gegründet.
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.31,Bochum 24.4.1971,S.11

April 1969:
In der Aprilausgabe des 'Roten Morgens' der KPD/ML (vgl. März 1969, Mai 1969) wird auch eingegangen auf den 9.Parteitag der KP Chinas, an den Grüße auch von der KP Ceylon gesandt wurden.
=Roter Morgen,Hamburg Apr. 1969

06.03.1970:
Richard Stephenson von der Revolutionary Communist League (RCL) Großbritannien (vgl. Juni 1969, 28.3.1970) verfaßt "Die Vierte Internationale und unsere Haltung ihr gegenüber". Derzeit gäbe es in den meisten Ländern mehrere trotzkistische Organisationen, in Ceylon 4.
=RCL-Richard Stephenson:Die Vierte Internationale und unsere Haltung ihr gegenüber,o.O. 6.3.1970

08.06.1970:
Die Nr.4 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 21.5.1970, 11.6.1970) erscheint. Aus Ceylon (Sri Lanka,d.Vf.) wird die Bildung einer neuen Regierung unter Beteiligung der prosowjetischen Kommunisten und der Trotzkisten gemeldet.
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.4,Bochum 8.6.1970

22.03.1971:
Die KPD/ML-ZB (vgl. 28.4.1971) berichtet:"
KAMPFHUBSCHRAUBER FÜR DIE BUNDESWEHR

Der Generalleutnant und Inspekteur der Bundeswehr, Schnez, Schützling von Kriegsminister Schmidt, kündigte am 22.3. in einem Vortrag vor der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik in Bonn an, die Bundeswehr werde nach amerikanischem Vorbild mit Kampfhubschraubern ausgestattet. Jedoch solle der Hubschrauber nicht auf 'gegnerischem Gebiet' eingesetzt werden. Vielmehr solle er die Panzerabwehr verstärken.

Die besonderen Eigenschaften des Kampfhubschraubers lassen jedoch deutlich erkennen, welchem Zweck er wirklich dienen soll: die Wendigkeit des Kampfhubschraubers, seine Beweglichkeit und seine Fähigkeit, überall landen und starten zu können, machen ihn besonders für den Einsatz in Großstädten zum 'geeigneten' Instrument zur Zerschlagung revolutionärer Aufstände (seine Vielseitigkeit besonders für den Einsatz auf unwegsamen Gelände demonstrieren die US-Imperialisten in Vietnam oder das Bandaranaike-Regime in Ceylon (Sri Lanka,d.Vf.))."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.32,Bochum 28.4.1971,S.6

06.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet am 24.4.1971 aus Sri Lanka:"
Am 6.4.1971 flehte die ceylonesische 'sozialistische' Ministerpräsidentin Bandaranaike alle Imperialisten um Hilfe an. Rebellen, 'Che-Guevaristen', seien dabei, ihr die Herrschaft zu entreißen und die Insel in ein Chaos zu stürzen. Ihr Alarm wurde von London, Washington, Indien, Pakistan und schließlich auch von der UdSSR mit Waffenlieferungen, darunter vor allem Hubschrauber, beantwortet.

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen - tagelangen Ausgangssperren, Razzien und Mobilisierung sämtlicher Streitkräfte versucht die Regierung die Rebellion zu zerschlagen.

Die Volksbefreiungsfront (JVP,d.Vf*), von der Regierung 'Guevaristen' genannt, besteht seit 1964. Ihre Mitglieder sind zumeist arbeitslose Universitätsabsolventen - in Ceylon gibt es mindestens 80 000 arbeitslose Akademiker, insgesamt nach Regierungsangaben 800 000 Arbeitslose bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 13 Mio. Doch scheint sich die Ausrottungsaktion nicht nur gegen die Studentenbewegung gewandt zu haben. Noch immer finden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Befreiungskämpfern auf dem Lande statt, bei denen die ceylonesischen Bauern die Kämpfer voll unterstützen.

Es gelang aber der kleinen, schlecht bewaffneten Armee (25 000 Mann) überraschend schnell, die Befreiungsbewegung zu zerschlagen.

Doch klärt sich langsam, trotz der schlechten Informationen, die Lage: Die sich ständig verschlechternde Lebenslage der Bevölkerung (die Preise für Lebensmittel stiegen in einem Jahr um 20%) und die steigende Arbeitslosigkeit entzogen der Regierung S. Bandaranaikes immer mehr das Vertrauen der Massen. Die 'sozialistische' Regierungskoalition ist aus der sozialdemokratischen, der trotzkistischen und der revisionistischen Partei gebildet (...). Die Koalition vollbrachte zwar einige sozialistische Gesten, doch führte sie die versprochenen grundlegenden Reformen wie Verstaatlichung von Industrie und Banken nicht durch. Die revolutionären Befreiungsbewegungen gewannen so immer mehr Unterstützung im Volk. Die sozialdemokratische Regierung wurde mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht fertig. Sie nutzt nun auch die Gelegenheit einen 'Wiederaufbau-Ausschuß' zu bilden, der mit umfassenden Vollmachten ausgestattet ist. Er soll die - angeblich durch den Aufstand - schwer angeschlagene Wirtschaft wieder in Gang bringen.

Die Rebellion in Ceylon zeigt auch wieder die Zusammenarbeit aller Imperialisten und der Sozialimperialisten bei der Zerschlagung von Volksbefreiungsbewegungen. Großbritannien, USA und die Sowjetunion lieferten Waffen, die SU aber noch mit der Bitte, die Waffen nicht im Bürgerkrieg einzusetzen. Weshalb hat sie sie denn dann geliefert? Für den verantwortlichen Militaristen, den Oberstleutnant Cyril Ranatunga, ist die Lage klar: 'Sobald wir sicher sind, daß die uns in die Hände Gefallenen Aufständische sind... richten wir sie hin. ...Von Vietnam und Malaysia haben wir gelernt, daß wir sie vernichten müssen.'"
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.31,Bochum 24.4.1971,S.11

03.07.1971:
In Essen beginnt die, vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale organisierte, zweitägige internationale Jugendversammlung, mit, nach eigenen Angaben, 5 000 Teilnehmern, von denen allerdings die übergroße Mehrheit aus dem Ausland stammt.

Ein Aufrufflugblatt ist u.a. unterzeichnet von der Jugend der Kommunistischen Revolutionäre Ceylon.
=Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr.38/39,Eschborn Nov./Dez. 1971;
Flugblatt zu Essen,Bochum 1971


Oktober 1971:
Vermutlich erscheint im Herbst 1971 ein dreiseitiges Flugblatt der RKJ (Revolutionär-Kommunistische Jugend der GIM) Dortmund:"
VON DER STUDENTENBEWEGUNG ZUR REVOLUTIONÄREN ORGANISATION

Die erste Phase der Studentenbewegung war gekennzeichnet durch eine breite Mobilisierung der Studentenschaft zu Themen der Solidarität mit der kolonialen Revolution, angeführt von breiten einheitlichen Organisationen wie der UNEF in Frankreich, dem SDS in Deutschland. Diese Phase mußte zuende gehen, als sich die Studentenbewegung soweit entwickelt hatte, daß sie in direkte Konfrontation mit der Staatsmacht geriet - und dabei versagte. Die Strategielosigkeit des SDS verdeutlichte sich im Versickern der Anti-Springer-Kampagne und des Kampfes gegen die NS-Gesetze. Denn in diesem Moment stellte sich das Problem des politischen Kampfes, der politischen Organisierung, die Frage einer längerfristigen politischen Strategie. Und hier beginnt das Auseinanderbrechen der Studentenbewegung in ebenso viele Strömungen, wie in der internationalen Arbeiterbewegung vorhanden sind.

Dazu gehören der traditionelle Reformismus, der sich damit begnügt, einige Schönheitsfehler des kapitalistischen Systems kosmetisch zu korrigieren. Dazu gehört auch der an Moskau orientierte Revisionismus, der die Illusionen eines parlamentarischen Weges zum Sozialismus nährt und so vom revolutionären Kampf ablenkt. Mit den sogenannten 'Marxisten-Leninisten' (Maoisten) trifft sich diese Strömung in der kritiklosen Unterstützung der Bürokratie der jeweiligen Arbeiterstaaten, auf die sie sich berufen. Sie treffen sich gleichzeitig im Verrat am proletarischen Internationalismus und an den Zielen der revolutionären Bewegungen. Man denke an den Einmarsch der Sowjets in die CSSR, an die blutige Unterdrückung der polnischen Arbeiter durch die polnische Bürokratie; man denke an die verräterische finanzielle und politische Unterstützung der Unterdrückerregimes in Ceylon (Sri Lanka,d.Vf.), in Pakistan, im Sudan etc. durch die chinesische Bürokratie."
=RKJ Dortmund:Von der Studentenbewegung zur revolutionären Organisation,Dortmund o.J.

August 1972:
Vermutlich im August gibt die RKJ der GIM die Nr.7/8 ihrer 'Was Tun' (WT) (vgl. Juni 1972, Okt. 1972) heraus. Berichtet wird über die KPD/ML-ZB:"
WELCHE SORGEN SICH DIE KPD/ML (ROTE FAHNE) UM VIETNAM MACHT

Kürzlich verteilte diejenige KPD/ML, deren Zentralorgan eine der diversen 'Rote Fahne' ist, bei einer Indochina-Demonstration im Südwesten, ein Flugblatt an die Bevölkerung, das wert ist, festgehalten zu werden...

Angesichts des gerade erreichten Höhepunkts der US-Eskalation mit der Verminung der Häfen, Bombardierung von Hanoi und Haiphong, Pulverisierung der Landschaft und den Angriffen auf die Deiche, angesichts der völlig unadäquaten und viel zu geringen Reaktion der westdeutschen Linken auf diese Ereignisse, angesichts der zunehmenden Sympathie in den Betrieben mit dem heroischen Widerstand der Vietnamesen, angesichts dieser zugespitzten und entscheidenden Situation traf diese 'Partei der Arbeiterklasse' natürlich genau den Nagel auf den Kopf, indem sie das Flugblatt überschrieb: 'Solidarität mit Vietnam heißt vor allem Klassenkampf im eigenen Land.' Bekanntlich besteht bei der deutschen Arbeiterklasse ja immer die Gefahr, daß sie sich so sehr in die internationale Solidarität verrennt, daß sie darüber ihre eigenen Interessen vergißt...

Um die Vietnamesen steht es zwar schlimm, aber letztlich kann nichts schiefgehen: 'Seit Wochen bombardieren die US-Aggressoren die lebenswichtigen Deiche so, daß sie mit Beginn der Regenzeit zusammenbrechen müssen (da steht tatsächlich MÜSSEN!). Die US-Völkermordstrategen rechnen mit MILLIONEN von Toten und hoffen dadurch die Kampfmoral des vietnamesischen Volkes untergraben zu können. Aber der Wille des Volkes, für seine Befreiung zu kämpfen, kann nicht ausgerottet werden, weil das vietnamesische Volk nicht ausgerottet werden kann.' Die Deiche MÜSSEN brechen, es gibt Millionen Tote (15 von 20 Mio. Nordvietnamesen leben in dem auf Deichschutz angewiesenen Delta), aber das vietnamesische Volk erhebt sich von der irdischen Last seiner Körper und erringt als reine Inkarnation des Willens den Sieg im Volkskrieg. Tja, da bleibt ja für uns als Aufgabe eigentlich nur noch: 'Klassenkampf im eigenen Land.'

'Diesen Kampf (der Vietnamesen;Red.) unterstützt die VR China vorbehaltlos. Denn die VR China unterstützt den Kampf ALLER (im Original unterstrichen!) Länder um Unabhängigkeit, aller Nationen um Befreiung und aller Völker für die Revolution.' Wir möchten konkretisieren: so den Kampf der Bengalen um Unabhängigkeit, den Kampf der Kameruner und Eritreer um Befreiung und den Kampf der Ceylonesen für die Revolution. 'Deshalb will die VR China durch Waffenlieferungen und andere Hilfe keinen Einfluß nehmen', und um nicht in den Geruch des Bösen zu kommen, hält sie sich mit Waffenlieferungen für Vietnam bescheiden zurück, und damit andere nicht durch Waffenlieferungen Einfluß nehmen, behindert sie ab und zu mal etwas den Nachschub aus der Sowjetunion."
=Was Tun Nr.7/8,Mannheim 1972

16.05.1977:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.104 (vgl. 29.4.1977, 31.5.1977) heraus. Dem Artikel "ML-Internationale: Ein totgeborenes Kind!" folgend soll es angesichts der Differenzen zur chinesischen Außenpolitik zu einer Blockbildung im ML-Lager gekommen sein. Eine Sonderstellung soll der "Block asiatischer Parteien" einnehmen. Zu ihnen soll auch gehören die KP Ceylons.
=Arbeiterkampf Nr.104,Hamburg 16.5.1977

25.05.1977:
Laut KB hielt die KPD Ende Mai in Westberlin eine Konferenz "zum Thema 'Die Sowjetunion heute - eine imperialistische Supermacht' ab.
Eingeladen hatte die von der KPD herausgegebene Zeitschrift 'Befreiung' ... Gäste waren ... R. Hensman (Sri Lanka/GB)".
=Arbeiterkampf Nr.107,Hamburg 27.6.1977,S.59

Oktober 1980:
Im Herbst 1980 verabschieden 13 ML-Organisationen aus der ganzen Welt eine gemeinsame Plattform. Ausgehend von der zersplitterten ml-Weltbewegung, wird der Versuch unternommen, eine Bewegung zur Vereinheitlichung der Marxisten-Leninisten in Gang zu setzen. U.a. ist diese Plattform unterzeichnet von Ceylon Communist Party, Partido Communista Revolucionario de Chile (RKP), - Reorganization Committee, Communist Party of India (Marxist-Leninist) (CPI/ML Indien) und der Revolutionary Communist Party (RCP USA).
Diese Plattform wird von keiner westdeutschen Organisation unterzeichnet.
=KGB/E:Zur internationale Lage,Bochum 1980,S.1ff

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