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Israelische Sozialistische Organisation – Matzpen

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 28.11.2008

Originäres Zentrum des israelischen Linksradikalismus scheint nach unserer, wie immer unvollständigen Quellenauswertung, die Israelische Sozialistische Organisation Matzpen zu sein, die im Folgenden ansatzweise dargestellt wird. Sie war lange Zeit die einzige Formation innerhalb Israels, auf die sich die äußerste deutsche Linke affirmativ zu beziehen pflegte.

Innerhalb der Matzpen wachsen offenbar sowohl 'maoistische' als auch verschiedene trotzkistische Fraktionen heran, wobei hier vorerst keine Einschätzung der jeweiligen Relevanz für die nationale politische Entwicklung gegeben werden kann. Es bleibt also bei dokumentarischen Bruchstücken zur Bildung und Bedeutung sowie zur Fraktionierung der Matzpen Israel.


Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

1968:
In Israel beginnt, laut IKD, die spätere Gruppe Avantgarde ihre Fraktionsarbeit innerhalb der Sozialistischen Organisation Israels – Matzpen (vgl. Jan. 1970).
=IKD:Internes Bulletin Nr.2,o.O. Okt. 1972

11.06.1969:
In der Frankfurter Universität sollte, laut SDS-BV, auf einer Veranstaltung ein Vertreter der israelischen revolutionären Organisation Matzpen sprechen, stattdessen aber "stürmte unter dem Schlachtruf 'Ein Verräter am Judentum' eine organisierte Bande das Podium und schlug mehrere arabische, jüdische und deutsche Kommilitonen zusammen. Auf ihrer Flucht in auf der Straße bereitstehende Autos drohten sie ihnen nachfolgenden Studenten mit Schußwaffengebrauch. Nach dieser Aktion sind dem Staat Israel gegenüber kritische jüdische Studenten mit Mord bedroht worden" (vgl. 16.6.1969).
=SC:Info Nr.6,Frankfurt 21.6.1969

21.06.1969:
In Frankfurt erscheint das 'SC-Info' Nr.6 (vgl. 7.6.1969, 5.7.1969). Vom SDS-BV wird eine Presserklärung (vgl. **.6.1969) zu Israel und dem Nahen Osten bzw. den Vorfällen in Frankfurt (vgl. 9.6.1969, 11.6.1969) und Hamburg (vgl. 9.6.1969) veröffentlicht. Darin heißt es u.a.:"
Da der SDS mit allen nationalen und sozialistischen revolutionären Bewegungen der Dritten Welt solidarisch ist, wird er die palästinensische Befreiungsbewegung ebenso wie die jüdische revolutionäre Organisation Matz-Pen weiter durch aufklärende Aktionen unterstützen."
=SC:Info Nr.6,Frankfurt 21.6.1969

12.07.1969:
Der SC Frankfurt gibt sein 'Info' Nr.8 (vgl. 5.7.1969, 26.7.1969) heraus, in dem u.a. als Informationsquellen über Palästina angeboten werden:
- Literaturliste in 'Neue Kritik' Aug. 1967,
- über Al Fatah: 'Resistentia' c/o GUPS Frankfurt,
- über FPDLP: "Die Spontaneität der Massen und die Theorie des Volkskrieges" über M.S. Odeh, Heidelberg,
- über Matzpen Israel: 'ISRAC' über Maya Cohen Frankfurt Schaumainkai 41.
=SC:Info Nr.8,Frankfurt 12.7.1969

Januar 1970:
In Israel spaltet sich, laut IKD, Ende 1969 bzw. Anfang 1970 die Gruppe Avantgarde mit 4 Mitgliedern in Jerusalem und einem Mitglied in Tel Aviv von der Sozialistischen Organisation Israels - Matzpen (vgl. 1968, Jan. 1972), in der auch zwei Mitglieder des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale arbeiten, ab und wird faktisch zur Sektion des Internationalen Komitees (IK) der Vierten Internationale.
=IKD:Internes Bulletin Nr.2,o.O. Okt. 1972

Juni 1970:
Vermutlich im Juni erscheint 'Al - Djabha - Die Front' Nr.8 (vgl. Apr. 1970, 20.9.1970), die nun nicht mehr herausgegeben wird von den Komitees zur Unterstützung Palästinas in Aachen, Frankfurt und Heidelberg sondern von den Sozialistischen Palästinakomitees (SPK) Heidelberg und Westberlin (vgl. 5.6.1970).
Enthalten sind Dokumente der Palästinensischen und Israelischen Linken, u.a. von FPDLP und MATZPEN.
=Al-Djabha Die Front Nr.8,Heidelberg 1970

Juni 1970:
In Bonn ist die Nr.5/6 der 'Arbeitermacht' (vgl. 22.4.1970, 27.10.1970) auf Juni/Juli datiert. In "Zur Internationalismusarbeit" von Hannes Heer wird u.a. ausgeführt:"
Die Gruppe um Jens Bünnig hat unter verschiedenen organisatorischen Bezeichnungen ... je ein Info zu Lateinamerika, Palästina und Kambodscha herausgegeben. Konkreter Anlaß war jedesmal eine Demonstration, meistens verbunden mit einem Teach-In." Im 'Roten Partisan' - Zeitung für Internationalismus Bonn, welcher von einer Gruppe "Für eine sozialistische Jugendorganisation" herausgegeben worden sei, habe man außer für Hugo Blanco, die Al Fatah und die israelische Matzpen auch noch für die lateinamerikanische Focustheorie geworben.
=Arbeitermacht Nr.5/6 und 7,Bonn Juni/Juli 1970 bzw. o.J. (Juni 1970)

07.11.1970:
In Berlin möchten KJO Spartacus und IKD eine Veranstaltung im Clubhaus der FU mit Gabra Nicola (Mitglied der israelischen Matzpen) durchführen.
=IKD und KJO Spartacus:Ohne Titel,Berlin o.J. (1970)

03.07.1971:
In Essen beginnt die, vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale organisierte, zweitägige internationale Jugendversammlung, mit, nach eigenen Angaben, 5 000 Teilnehmern, von denen allerdings die übergroße Mehrheit aus dem Ausland stammt.

Ein Aufrufflugblatt ist u.a. unterzeichnet von der Trotzkistischen Fraktion der MATZPEN Israel.
=Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr.38/39,Eschborn Nov./Dez. 1971;
Flugblatt zu Essen,Bochum 1971


Januar 1972:
Die Sozialistische Organisation Israels - Matzpen spaltet sich, laut IKD, erneut (vgl. Jan. 1970) über die Frage des Anschlusses an das Vereinigte Sekretariat der Vierten Internationale.
=IKD:Internes Bulletin Nr.2,o.O. Okt. 1972

August 1972:
In einem Papier von Micha von der OSI(M), d.h. der Sozialistischen Organisation Israels (Matzpen) heißt es über die Geschichte dieser Gruppe, dass sie in der zweiten Hälfte der 30iger Jahre aus drei Gruppen trotzkistischer Provenienz hervorgegangen sei.

Erstens seien aus Deutschland Emigranten der KPD gekommen, deren Mehrheit sich 1937/38 auf trotzkistische Positionen stellte, aber isoliert blieb und nur wenig auf die neuen Bedingungen eingestellt.

Zweitens seien junge Leute aus dem Chujum Marxistion (Marxistischer Zirkel) der Jugendsektion des linken Flügels von Poale Zion der zum Londoner Büro gehörte, hinzu gestoßen. Die Mitglieder seien meist in Israel aufgewachsen und hätten eine autonome Aneignung trotzkistischer Positionen vollzogen.

Zur Zeit führe diese Gruppe eine Diskussion mit den aus Deutschland Kommenden über die Lösung von der Matzpen bzw. den Herausgebern von 'Kol Hammadad' (Stimme der Klasse).

Die dritte Gruppe bestehe aus diversen Anderen, die großteils aus der Hachomer Hatsair (Die Junge Garde), einer linkszionistischen Bewegung für die Kibbuze gekommen seien, aber auch von der Union der revolutionären Kommunisten, die durch die britische Kommunistin Mahapchanim ins Leben gerufen worden war und außerdem noch durch eine trotzkistische Gruppe aus Deutschland, die meinte, dass Trotzkisten in Israel besondere Aufgaben wahrzunehmen hätten.

Inhaltlich sei Matzpen gekennzeichnet durch die Ablehnung des Zionismus. Im Zweiten Weltkrieg seien Kontakte gepflegt worden mit Soldaten der britischen Armee, ansonsten würden diese unterhalten mit ägyptische Trotzkisten in Alexandria und Kairo, mit der Revolutionary Communist Party of Great Britain (RCP) sowie teilweise mit der Socialist Workers Party der USA (SWP).

Matzpen habe in der britischen Armee agitiert, sowie unter den Bahn- und Ölarbeitern. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Mitglieder der Matzpen ausgewandert oder wären inaktiv geworden, der Rest war isoliert.

1951 habe der Seeleutestreik Anlaß zu erneut Aktion geboten.

In der zweiten Hälfte der 60ger Jahre sei Micha in Kontakt mit Paula Haschémit (Gattin des Knessetabgeordneten Uri Avneri) von der semitischen Aktion sowie der Hasmol Hachadasch (Die neue Linke) von Moked gekommen.

Auch habe sich die Matzpen (Kompaß) aus jungen Mitgliedern der KP Israels in Jerusalem und Tel Aviv gebildet, die den Abdruck von Dokumenten nicht nur der KPdSU, sondern auch der KP Chinas sowie eine Demokratisierung der KP Israels forderten, woraufhin vier von ihnen 1962 ausgeschlossen wurden. Zusammen mit Sympathisierenden sei von dieser Vierergruppe dann die Herausgabe der 'Matzpen' in Angriff genommen worden. Ende 1962 erfolgte der Kontakt und der Eintritt von Micha.

Nach 1967 seien die Maoisten ausgetreten, welche allerdings sowohl den generellen politischen Plan als auch die organisatorischen und internationalen Positionen der Trotzkisten zurück weise, weshalb 1971 auch die, auf Pierre Lambert von der französischen OCI orientierte, Trotzkistische Fraktion der Matzpen austrat.

Die verbleibenden Trotzkisten seien dann ebenfalls ausgetreten und hätten die OSI (Matzpen) gebildet.
=OSI (M)-Micha:Internes Papier, O. O. Aug. 1972

Oktober 1972:
In den Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) wird im 'Internen Bulletin' Nr.2 (vgl. Juli 1972, Dez. 1972) auch aus Israel berichtet. In Israel ist die Gruppe Avantgarde (vgl. Jan. 1970) aktiv, die das israelische Proletariat für korrumpiert hält und eine Untersuchungskommission über die Lage der Palästinenser in den besetzten Gebieten gründete. Sie habe ihre Mitgliederzahl seit der Gründung erhöhen können. Seit der letzten Spaltung der Matzpen (Jan. 1972), sei nun die Avantgarde die stärkste trotzkistische Gruppe in Israel.
=IKD:Internes Bulletin Nr.2,o.O. Okt. 1972

März 1973:
Die SAG gibt die Nr.21 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Feb. 1973, Apr. 1973) heraus. Veröffentlicht wird u.a. ein Brief aus Israel von u.a. Matzpen, RKV (?,d.Vf. und Avantgarde.
=Klassenkampf Nr.21,Frankfurt März 1973

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