Österreich: Chilesolidarität

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 4.9.2013

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Aus der Chilesolidaritätsbewegung in Österreich können hier bisher nur wenige Dokumente erschlossen werden, wir bitten um Ergänzungen.

Aus Platzgründen wurden einige Veröffentlichungen aus der österreichischen Solidaritätsbewegung separat dokumentiert und werden hier nur inhaltlich erschlossen. Hierbei handelt es sich um:

- die Dokumentation Nr. 2 - "Chile. Bilanz einer Militärdiktatur" der Arbeitsgruppe Sozialisten für Chile (vgl. Sept. 1974);

- die Nr. 5 der Zeitschrift 'Adelante Chile' des Komitee zur Unterstützung des chilenischen Widerstandes, Wien (vgl. Apr. 1975); sowie

- die Ausgaben Nr. 3 (Sept. 1975), Februar 1976 und Mai 1976 der 'Chilezeitung' des Chilekomitees Wien.

Innerhalb der Chilesolidaritätsbewegung in Österreich bestand in den hier betrachteten Jahren 1974 bis 1976 eine Spaltung in mindestens drei Flügel. Hierbei handelt es sich zum einen um die Chile-Solidaritätsfront mit den Anhängern von KPÖ, SPÖ und christlichen Gruppen (vgl. Apr. 1975), zum zweiten um das Komitee zur Unterstützung des chilenischen Widerstandes, Wien, welches nach einem überfraktionellen beginn offenbar der trotzkistischen Gruppe Revolutionärer Marxisten (GRM) nahestand (vgl. Apr. 1975), und zum dritten um das Chile-Komitee Wien, welches sich am Kommunistischen Bund (KB) Wien orientierte (vgl. 9.12.1974, Sept. 1975, Feb. 1976, Mai 1976).

Zwischen den beiden letztgenannten Komitees kam es offenbar zumindest zeitweilig auch zur Zusammenarbeit, trugen damals doch auch die ihren politischen Mutterorganisationen befreundeten Gruppen GIM und KBW in der BRD die Chile-Komitees gemeinsam.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

September 1974:
Vermutlich Im September gibt in Österreich die Arbeitsgruppe Sozialisten für Chile, die aus Mitgliedern und Funktionären der SPÖ besteht, die Dokumentation Nr. 2 unter dem Titel "Chile. Bilanz einer Militärdiktatur" heraus.

Enthalten sind die Abschnitte:
- "Solidarität hilft siegen! Die Aufgaben der Arbeitsgruppe 'Sozialisten für Chile'";
- "DDr. Bruno Pittermann: Freiheit für Ausbeuter";
- "Aufruf der chilenischen Flüchtlinge in Österreich" vom Komitee der Chile-Flüchtlinge vom Sept. 1974;
- "Wirtschaftspolitik a la Junta: Inflation und Massenarbeitslosigkeit";
- "Schwedens Ministerpräsident Olof Palme fordert Ende der rechtswidrigen Prozesse";
- "'Gesetz und Ordnung' a la Junta: Die Versuche zur Knebelung der chilenischen Arbeiterklasse";
- "Erklärung des chilenischen Gewerkschaftsbundes CUT vom 24. Jänner 1974"; sowie
- "Appell der gesamteuropäischen Solidaritätskonferenz in Paris vom 6. und 7. Juli 1974".

Geworben wird für die Dokumentation Nr. 1, "Materialien zur Konterrevolution in Chile".
Quelle: Arbeitsgruppe Sozialisten für Chile: Dokumentation Nr. 2 Chile. Bilanz einer Militärdiktatur, Wien o. J. (1974)

09.12.1974:
In Wien, Österreich, gibt die Aufbaugruppe für ein Chile-Komitee-Wien vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Für die Einheit der Chile-Solidaritätsbewegung!" heraus, in dem sie auf die Differenzen zur Chile-Solidaritätsfront eingegangen und auf das nur noch aus der Gruppe revolutionärer Marxisten (GRM) bestehende Komitee zur Unterstützung des chilenischen Widerstandes, Wien, mit dem für den 12.12.1974 ein Treffen vereinbart sei.

Hingewiesen wird auf die 'Chilezeitung' vom Dezember, angekündigt wird eine Veranstaltung (vgl. 17.1.1975).
Q: Aufbaugruppe für ein Chile-Komitee-Wien: Für die Einheit der Chile-Solidaritätsbewegung!, Wien o. J. (1974)

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17.01.1975:
In Wien lud die die Aufbaugruppe für ein Chile-Komitee-Wien (vgl. 9.12.1974) ein zur Chile-Solidaritätsveranstaltung im Parrhaus des ÖGB in der Treitlstrasse.
Q: Aufbaugruppe für ein Chile-Komitee-Wien: Für die Einheit der Chile-Solidaritätsbewegung!, Wien o. J. (1974), S. 3

22.03.1975:
In Helsinki beginnt eine dreitägige Tagung der Internationalen Kommission für die Untersuchung der Verbrechen der Militärjunta in Chile.
Q: Chile-Solidaritätsfront: Solidarität mit Chile Nr. 2, Wien o. J. (1975), S. 5f

April 1975:
In Österreich gibt das Komitee zur Unterstützung des chilenischen Widerstandes, Wien, die Nr. 5 seiner Zeitschrift 'Adelante Chile' für April zum Preis von 3,- ÖS heraus mit den Beiträgen:
- "Der Terror der Militärs";
- "Der Kampf der Gefangenen";
- "Freiheit für die gefangenen Matrosen!";
- "Junta-Agent leugnet Mord an Lumi Videla";
- "Briefe aus Chile" an das Chile-Komitee Westberlin;
- "Interview: Zur Situation der chilenischen Flüchtlinge in Österreich";
- "Junta - Wirtschaft am Ende!";
- "Kein Groschen für die Junta!";
- "Brot - ein Luxusartikel";
- "Ein Gorilla weniger…" zum Tod des Kriegsministers General Bonilla bei einem Hubschrauberabsturz am 3.3.1975;
- "Solidaritätsveranstaltung Freitag 18.4. mit Luis Vitale";
- "Internationale Solidarität" in Großbritannien und Schweden;
- "Gedicht 'In Chile lebt noch…'";
- "Aufruf zur Kampagne: Freiheit für alle politischen Gefangenen!", den auch das Chile-Komitee Wien mitträgt; sowie
- "Unterstützt die politischen Gefangenen !!!".

Aufgerufen wird: "Ein Stundenlohn für Chile1". Geworben wird für die 'Rearme, un solo camino - revolucion socialista'.
Q: Adelante Chile Nr. 5, Wien Apr. 1975

April 1975:
In Österreich gibt die Chile-Solidaritätsfront vermutlich im April die Nr. 2 ihres Bulletins 'Solidarität mit Chile' heraus. Enthalten sind die Beiträge:
- "Verstärkt die Solidarität mit dem chilenischen Volk!";
- "Zur Chile-Solidaritätsbewegung in Österreich" u. a. zur Chile-Ausstellung in Wien, die am 11.3.1975 eröffnet wurde;
- "Die Folgen des Faschismus: das Volk muss bezahlen!";
- "Sollen führende Politiker vor den Prozessen sterben?";
- "Internationales Tribunal in Helsinki klagt Junta an!" (vgl. 22.3.1975);
- "Chilenische Bischöfe gegen Junta";
- "2. Russell-Tribunal tagte in Rom";
- "21 Ärzte von der Junta ermordet";
- "Gefängnisstrafen in Todesurteile 'umgewandelt'" in 20 Fällen;
- "Militärstiefel in Chiles Universitäten";
- "Militäraufseher in den Betrieben eingesetzt";
- "Schandprozesse gegen verfassungstreue Offiziere";
- "Ein Brief aus dem KZ";
- "Finanzspritze für chilenische Junta";
- "Der antifaschistische Kampf in Chile geht weiter"; sowie
- "Unterschriftenaktion 'Solidarität mit dem chilenischen Volk'".
Q: Chile-Solidaritätsfront: Solidarität mit Chile Nr. 2, Wien 1975

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15.04.1975:
In Wien lud die Chile-Solidaritätsfront für 19 Uhr ein zur Chile-Solidaritätsveranstaltung im Amtshaus für den 4. Bezirk, Favoritenstraße 18.
Q: Chile-Solidaritätsfront: Freiheit für Chile!, Wien o. J. (1975)

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September 1975:
In Österreich gibt das Chile-Komitee Wien die Nr. 3 seiner 'Chilezeitung' (vgl. Feb. 1976) für September zum Preis von 5,- ÖS heraus mit den Beiträgen:
- "Die Tätigkeit des Chile-Komitee Wien";
- "Chile-Komitee Klagenfurt", zu dem es auch heißt "Die Chile-Solidaritätsgruppe konnte nach ihrer Veranstaltung an der Hochschule für Bildungswissenschaften (HBW) im März weitere Mitarbeiter, hauptsächlich aus dem Bereich der Hochschule gewinnen.";
- "Für eine breite und einheitliche Demonstration zum 11. September, dem zweiten Jahrestag des Putsches in Chile. Offener Brief des Chile-Komitee Wien";
- "Der 11. September 1973";
- "Hunger, Terror, Widerstand. Die gegenwärtige Lage im Kampf des chilenischen Volkes";
- "Aufruf des Widerstands an die Soldaten" vom MIR, Jan. 1975;
- "2, 2 Millionen Chilenen am Rande des Hungertodes";
- "Die Junta kann die Inflation nicht stoppen";
- "Krise der Industrieproduktion";
- "Sabotageaktionen der chilenischen Arbeiter";
- "Die Lage der politischen Gefangenen";
- "Augenzeugenbericht aus den Folterzentren" von Elba Vergara;
- "119 nicht anerkannte politische Gefangene ermordet?";
- "Was kann man für die nicht anerkannten politischen Gefangenen tun?";
- "Unterstützung der chilenischen Gewerkschaften durch den ÖGB!";
- "Plattform des CUT für die internationale Solidarität";
- "Internationale Solidarität mit Chile" u.a. in Australien, Frankreich und Großbritannien;
- "Gute Beziehungen" zwischen Chile und Österreich;
- "Im Widerstand ist für jeden Ausgebeuteten und Unterdrückten Platz";
- "Widerstand in den Mütterzentren";
- "Bewaffnete Propaganda des Widerstandes";
- "Spendensammlung für die illegale Presse des Widerstandes";
- "Aus einem Reisebericht aus Chile";
- "Der 1. Mai 1975 in Santiago";
- "Gemeinsame Erklärung der UP-Parteien";
- "September - Monat der Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes";
- "Briefaktion für Leda Santibanez"; sowie
- "Fachmann für Verwaltungsreform gesucht".

Aufgerufen wird zur Demonstration in Wien (vgl. 11.9.1975) sowie zu Veranstaltungen in Klagenfurt (vgl. 15.9.1975) und Wien (vgl. 12.9.1975).

Geworben wird für den 'Klassenkampf' des KB Wien.
Q: Chilezeitung Nr. 3, Wien Sept. 1975

11.09.1975:
Das Chile-Komitee Wien (vgl. Sept. 1975) rief auf zur Demonstration um 17 Uhr ab Mariahilferstrasse, Kaufhaus, Stafa.
Q: Chilezeitung Nr. 3, Wien Sept. 1975, S. 24

12.09.1975:
Das Chile-Komitee Wien (vgl. Sept. 1975) rief auf zur Veranstaltung um 20 Uhr im Parr-Haus, 4., Treitlstr. 3.
Q: Chilezeitung Nr. 3, Wien Sept. 1975, S. 24

15.09.1975:
Das Chile-Komitee Wien (vgl. Sept. 1975) rief auf zur Veranstaltung in Klagenfurt um 19 Uhr im Volksheim Waidmannsdorf.
Q: Chilezeitung Nr. 3, Wien Sept. 1975, S. 24

Februar 1976:
In Österreich gibt das Chile-Komitee Wien seine 'Chilezeitung' (vgl. Sept. 1975, Mai 1976) für Februar zum Preis von 5,- ÖS heraus mit den Beiträgen:
- "'Lerne leben, ohne zu essen'" zu einer in Santiago von einem kleinen Theater aufgeführten Komödie;
- "Kinderelend in Chile";
- "Erziehung im Faschismus";
- "Pobladores im Widerstand";
- "Die Junta geht gegen die Kirche vor: Auflösung des Friedenskomitees";
- "Staatsrat gebildet";
- "10 Generäle kritisieren die Junta";
- "Die Fabrikskommission";
- "Proteste von Branchengewerkschaften";
- "Österreich - Chile" zu den Wirtschaftsbeziehungen;
- "Patriotischer Septembergesang. Jagd auf den Autor eines Gedichtes";
- "Frauen im Kampf gegen die Junta";
- "Unsere Differenzen zur Chile-Solidaritätsfront", in der christliche Gruppen sowie Anhänger von KPÖ und SPÖ maßgeblich seien;
- "Waffen für die Junta";
- "'Ich erhebe Anklage…'" zu einem gefolterten Polizisten;
- "Chilenischer Polizist gefoltert" aus den Berliner 'Chile-Nachrichten' Nr. 32; sowie
- "Bertolt Brecht 'An die Kämpfer in den Konzentrationslagern…'".

Geworben wird für den 'Klassenkampf' des KB Wien.
Q: Chilezeitung, Wien Feb. 1976

Mai 1976:
In Österreich gibt das Chile-Komitee Wien seine 'Chilezeitung' (vgl. Feb. 1976) zum Preis von 5,- ÖS heraus mit den Beiträgen:
- "Was hat das mit uns zu tun, fragt ihr?";
- "Solidarität mit den inhaftierten chilenischen Landarbeitern" von Panguipulli;
- "Verhaftung von Edgardo Enriquez";
- "Aufruf des MAPU zur internationalen Solidarität";
- "Der Christdemokrat Frei - das geringere Übel für die Chile-Solidaritätsfront";
- "Das Volk hungert - die Kapitalisten exportieren Lebensmittel";
- "Arbeitslosigkeit und Produktionsrückgang";
- "Arbeitskonflikte und Streiks";
- "Verschärfung des Ausgehverbots";
- "Proteste gegen die Reform der Sozialgesetzgebung und die Knebelung der Gewerkschaften";
- "Die Beziehungen zwischen der VR China und Chile" wozu Diskussionsbeiträge erscheinen;
- "Argentinien: Das Militär übernimmt die Macht";
- "Solidarität mit den chilenischen Flüchtlingen in Argentinien";
- "Wir fordern die Einstellung der Verfolgung von Mari0 Munoz";
- "Proteste erreichen Freilassung von Gewerkschafter";
- "Widerstandsaktionen in Konzentrationslagern und Gefängnissen"; sowie
- "Solidaritätsveranstaltung", die am 8.4.1976 im Audimax der Uni Wien stattfand.

Geworben wird für 'Revolutionäres Afrika' vom Komitee Südliches Afrika (KSA) Wien, den 'Klassenkampf' des KB Wien.
Q: Chilezeitung Nr. 2, Wien Mai 1976

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