Frankreich - Renault

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Einleitung

Weitere Darstellungen zu Renault Frankreich liegen derzeit vor für die Tötung Pierre Overneys am 25.2.1972.

Materiallage

Hier werden nur einige wenige Quellen vorgestellt.

Die Organisationen

Neben den Renaultarbeitern treten in dieser Darstellung vor allem die Geschäftsleitung von Renault auf sowie die Gewerkschaften CGT und CFDT.

Wichtige Themen und Ereignisse

Diese Darstellung beginnt zwar mit einer Erwähnung einer bundesdeutschen Renaultniederlassung (vgl. 19.2.1970) und einem Hinweis auf vorbildliche Errungenschaften der Renault-Belegschaft (vgl. 30.4.1970), berührt aber ansonsten, außer einer Erwähnung eines Werkes in Friedrichshafen (vgl. 10.6.1971) und der Bemühungen Renaults in der Sowjetunion (vgl. 28.6.1971), fast ausschließlich die Werke in Frankreich mit ihrem Streik des Jahres 1971 um die Möglichkeit des Ruhestands mit 60 Jahren und die 40-Stundenwoche, von dem in der bundesdeutschen linken Presse vielfach berichtet wurde.

Die politische Auseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften und den Marxisten-Leninisten scheint oft gewaltsam zu verlaufen, wie die KPD/ML-ZB berichtet, die eindeutig die Gewerkschaftsvertreter als die Gewalttäter identifiziert (vgl. 3.5.1971). Auch die Werksbesetzung in Billancourt dürfte kaum nach dem Willen der Gewerkschaften gewesen sein (vgl. Mai 1971, 7.5.1971). Die Kämpfe dehnen sich auf ganz Frankreich aus (vgl. 14.5.1971), es kommt zu einer großen Demonstration (vgl. 16.5.1971).

In Le Mans werden die Kompromißvorschläge der CGT abgelehnt (vgl. 17.5.1971),die KPD/ML-ZB entlarvt diesbezüglich die beschönigende Darstellung der ostdeutschen Parteipresse (vgl. 19.5.1971), reiht die CGT der KPF und die sozialistische CFDT gleichberechtigt neben Faschisten und Staatsapparat ein in die Kräfte des Kapitals (vgl. 22.5.1971).

So organisieren CGT und CFDT erneut Massendemonstrationen (vgl. 26.5.1971), beschwören aber die gesellschaftliche Ordnung und sind nach Ansicht der KPD/ML-ZB auch für den Streikabbruch bei Renault verantwortlich (vgl. 26.5.1971), wovon die DKP, laut KPD/ML-ZB, nur Halbwahrheiten berichtet (vgl. 29.5.1971). Auch bei Daimler-Benz Mannheim scheint die DKP ähnlich genaue Informationen zu verbreiten (vgl. 28.6.1971).

Während die KPD/ML-ZB die Ereignisse in dichter und schneller Folge kommentierte meldet sich nun auch die konkurrierende KPD/ML-ZK zu Wort, allerdings nur aufgrund der Eigeninitiative eines Roter-Morgen-Redakteurs (vgl. Juni 1971, Juli 1971).

Eine chronologische anschließende Darstellung zu Renault behandelt allein die Tötung Pierre Overneys am 25.2.1972.

In den Jahren 1973 (vgl. 21.3.1973, 2.5.1973, 9.5.1973) und 1978 (vgl. 23.6.1978) kommt es dann erneut zu größeren Streikaktionen bei Renault.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

19.02.1970:
Die DKP gibt die Nr. 8 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 12.2.1970, 26.2.1970). Berichtet wird u.a. über Renault Brühl.
Quelle: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 8, Essen 19.2.1970

30.04.1970:
Vermutlich heute geben in Berlin die Sozialistischen Betriebsgruppen von Daimler, Gillette, NCR und SEL die Nr. 3 ihrer 'Die Sache der Arbeiter' (vgl. 27.4.1970, 23.6.1970) datiert auf Mai heraus. Berichtet wird vom Kampf um die Bezahlung des Arbeitswegs, unter Verweis auf Renault-Billancourt und die Proteste gegen die Fahrpreiserhöhungen, u.a. bei der BVG.
Q: Die Sache der Arbeiter Nr. 3, Berlin Mai 1970, S. 4

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29.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet aus Frankreich, u.a. von heute:"
Die Arbeiter des Glaskonzerns BSN haben einen bedeutenden Sieg errungen, der nach Ansicht der großbürgerlichen Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen 'gefährlichen Präzedenzfall' schafft. Sie konnten den Kapitalisten die Abmachung abkämpfen, daß die Arbeiter mit 63 Jahren eine Rente von 80% des letzten Bruttomonatsgehalts erhalten.

Besonders für die Kämpfe der Renault Arbeiter ist der Sieg der Kollegen bei BSN sehr wichtig. Die Arbeiter der Renault-Fabriken, die in der Hand des französischen Staates sind, haben eine lange und kämpferische Tradition.

Seit dem 29.4. streiken die Arbeiter des Renault Werkes in Le Mans. Dieser Kampf der Renault-Arbeiter wurde gegen den ausdrücklichen Willen der revisionistischen CGT-Gewerkschaft begonnen. Als die Spaltungsmanöver der Revisionisten an der geschlossenen Haltung aller Renault-Arbeiter scheiterten, wurden die CGT-Gruppen des Renault-Werkes gezwungen, den Kampf der Arbeiter zu unterstützen.

Die Renault-Arbeiter verlangen neben einer Neubewertung der Arbeitsplätze eine Verkürzung der Arbeitszeit sowie eine Verbesserung der Rentenbedingungen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 35, Bochum 8.5.1971, S. 13

Mai 1971:
Die GIM und die RKJ geben die Nr. 5 ihrer 'Was Tun' (WT - vgl. Apr. 1971, Mai 1971) heraus mit dem Artikel "Renault ist besetzt" zu Paris-Billancourt.
Q: Was Tun Nr. 5, Mannheim Mai 1971, S. 11

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Mai 1971:
Es erscheint die Nr. 20 der 'Göttinger Betriebszeitung' (vgl. März 1971, 17.5.1971) mit dem Artikel "Renault - Werksbesetzung" in Le Mans in Frankreich.
Q: Göttinger Betriebszeitung Nr. 20, Göttingen Mai 1971, S. 7

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Mai 1971:
Die SBG Regensburg gibt die Nr. 8 ihrer 'Arbeitersache' (vgl. 21.4.1971, Juni 1971) heraus mit dem Artikel "Streik bei Renault in Frankreich".
Q: Arbeitersache Nr. 8, Regensburg Mai 1971, S. 6

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03.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Frankreich:"
KÄMPFE DER RENAULT-ARBEITER

Die Renault-Arbeiter führen ihren Kampf entschlossen fort. Zunächst hatten, …, die Arbeiter des Werkes in Le Mans (10 000) mit dem Kampf begonnen. Ihnen haben sich nun auch die Arbeiter der Werke in Billancourt (37 000), Flins (18 000), Sadouville (7 000) und Cleon (7 000) angeschlossen.

Von dem Werk in Sadouville wird von der bürgerlichen Presse berichtet, daß es dort den Renault-Herren gelungen ist, die Arbeiter zeitweilig zu spalten. Verschiedene bürgerliche Zeitungen meldeten, es sei zwischen der Mehrheit der Arbeiter, die bereit war, den Kampf aufzunehmen, und einer Gruppe von Streikbrechern zu Schlägereien gekommen.

Durch den Eintritt der Arbeiter von Billancourt wurde der Kampf auf ein neues und höheres Niveau gehoben. Die Niederlage der revisionistischen CGT-Bosse, die bis zum letzten Moment versucht hatten, den Kampf auf Le Mans zu beschränken, wurde offenbar. Die CGT-Bosse wurden durch eine geheime Abstimmung der Billancourt-Arbeiter, die mit großer Mehrheit für den Kampf gestimmt hatten, zum zeitweiligen Rückzug gezwungen.

Auf einer Massenversammlung von 12 000 Billancourt-Arbeitern mußte der Vertreter der örtlichen CGT-Führung kapitulieren und einer Besetzung des Werkes (vgl. 7.5.1971, d.Vf.) zustimmen.

Die Lage der CGT-Revisionisten wird verschlimmert durch den scharfen Konkurrenzkampf, der zwischen ihr und der sozialdemokratischen Gewerkschaft CFDT ausgebrochen ist. Die CFDT versucht durch eine scheinradikale Politik der CGT die Mitglieder abspenstig zu machen. Als die Arbeiter des Werkes von Le Mans mit dem Streik begannen, war es die CFDT, die sofort versuchte, sich an die Spitze zu stellen und so die revisionistische CGT zwang, sich wenigstens nach außen hin mit den kämpfenden Arbeitern zu solidarisieren.

Beide Gewerkschaften versuchen gemeinsam, den Einfluß, den marxistisch-leninistische Gruppen auf die Kämpfe ausüben, zu brechen. Mehrfach wurden Verteiler marxistisch-leninistischer Gruppen von CGT- und CFDT-Leuten von den Werkstoren verjagt und teilweise heftig verprügelt. In Flins sah sich die CGT sogar gezwungen, die Arbeiter in einem Flugblatt vor 'betriebsfremden Kräften zu warnen, die im Auftrag der Kapitalisten Unruhe unter den Arbeitern säen'."

Die KSG des KAB/ML (vgl. Juli 1971) berichten aus Frankreich:"
Die härtesten Arbeitskämpfe lieferten die Renaultarbeiter. Im Zweigwerk Le Mans forderten sie Anfang Mai eine Anhebung der Lohnskala. Als ihre Forderung von den Konzernbossen abgelehnt wurde, besetzten sie die Fabrik. Anderer Zweigwerke traten in den Solidaritätsstreik. Jetzt drohte die (staatliche) Konzernleitung, sämtliche Zweigwerke zu schließen; daraufhin besetzten streikende Arbeiter das Hauptwerk Billancourt. … Belgische Renaultarbeiter unterstützten den Streik ihrer Kollegen in Frankreich, indem sie ihrerseits die Arbeit niederlegten."
Q: Roter Pfeil Nr. 17, Tübingen Juli 1971, S. 24f; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 36, Bochum 12.5.1971, S. 12

07.05.1971:
Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich) berichtet:"
ARBEITER BESETZEN RENAULT WERK

Seit Freitag, dem 7.5.1971 halten die Arbeiter der größten französischen Automobilfabrik, der verstaatlichten Renault-Werke, das Hauptwerk in dem Pariser Vorort Billancourt besetzt. Dies ist eine weitere Eskalation in dem Kampf, den die französischen Kollegen bei Renault für eine Neugestaltung der Lohngruppen führen. Alles begann eine Woche vorher, als im Zweigwerk von Le Mans, in dem über 10 000 Arbeiter beschäftigt sind, 200 Arbeiter die Brocken hinschmissen. Die revisionistische Gewerkschaft CGT versuchte, den Kampf der Kollegen dadurch abzuwiegeln, daß sie Verhandlungen mit der Geschäftsleitung versprach.

Da solche 'Verhandlungen'; schon seit Jahren ohne Ergebnis geführt werden, ließen sich die Kollegen von der Gewerkschaftsbürokratie nicht in die Irre führen. Der Streik breitete sich schnell aus und sprang über auf andere Renault-Werke. Die Betriebsleitung drohte mit Aussperrung, doch die Kollegen ließen sich nicht einschüchtern, sondern gingen zum Angriff über und besetzten das Hauptwerk. DER CGT-Gewerkschaft blieb nichts anderes übrig, als den Kollegen nachzutraben und zu versuchen, den Kampf doch noch auf ein totes Gleis zu führen.

Um die französischen Kollegen in ihrem Kampf zu unterstützen, hat die Rote Betriebsgruppe Opel der KPD/ML folgendes Solidaritätstelegramm abgesandt:

Liebe französische Kollegen!

Mit Begeisterung verfolgen wir Euren gerechten Kampf gegen die Renault-Bosse. Wir hoffen, daß es Euch gelingen wird, die Front der Betriebsleitung und der Regierung einerseits und der Gewerkschaftsbürokratie andererseits zu durchbrechen, die Euren Kampf abwiegeln wollen. Dies wäre ein Erfolg, der die wachsende Kampfkraft der französischen Arbeiterklasse erneut auf das Beste demonstrieren würde, und der für die deutsche Arbeiterklasse ein ungeheurer Ansporn wäre, ihre Reihen im Kampf gegen das Kapital, den Staat und den DGB-Apparat fester zusammenzuschließen.

Mit kollegialen Grüßen

Rote Betriebsgruppe Opel der KPD/Marxisten-Leninisten"

In Münster berichten die Betriebsgruppen Hamel, Jäger und Winkhaus der KPD/ML-ZB (IGM-Bereich - vgl. 31.5.1971):"
Am 7.Mai besetzten 5 000 Renault-Arbeiter das Hauptwerk in Paris. Sie forderten höhere Löhne."
Q: Roter Metall Arbeiter Nr. 7, Münster o.J. (1971), S. 15; Zündkerze Nr. 8, Bochum Mai 1971, S. 7f

10.05.1971:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Bremerhaven die 'Arbeiterstimme' Nr. 9 (vgl. 1.5.1971, Juni 1971) des SALZ Bremerhaven und berichtet aus Frankreich vom "Streik bei Renault", der in Le Mans begann.
Q: Arbeiterstimme Nr. 9, Bremerhaven Mai 1971, S. 8

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11.05.1971:
Die Berliner Betriebsgruppe AEG Sickingenstr. der KPD/ML-ZB gibt die Nr.13 ihres 'Roten Systems' (vgl. 20.4.1971, 1.6.1971) heraus. Auslandsmeldungen behandeln auch Renault Frankreich.
Q: Das rote System Nr.13,Berlin 11.5.1971, S. 9

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14.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
KÄMPFE DER FRANZÖSISCHEN METALLARBEITER

Der Kampf der Renault-Arbeiter hat sich auf die gesamte französische Metallindustrie ausgedehnt.

Zusätzlich zu den 93 000 Arbeitern der Renault-Werke, sind am Freitag den 14.5. etwa 2,5 Mio. Arbeiter der Metallindustrie in den Kampf um eine 40-Stunden Woche und eine Rentenberechtigung mit 60 Jahren eingetreten."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 38, Bochum 19.5.1971, S. 12

14.05.1971:
Vor oder am 14. Mai erscheint in Berlin die Nr. 11 von 'Der Schwartzkopff Hammer' (vgl. Mai 1971, 7.6.1971) - Zeitung der Betriebsgruppe Schwartzkopff der KPD/ML-ZB. Aus Frankreich wird berichtet von Renault Le Mans.
Q: Der Schwartzkopff Hammer Nr. 11, Berlin Mai 1971, S. 5

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16.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet u.a. von heute aus Frankreich:"
50 000 Metallarbeiter demonstrierten in Paris für ihre Forderungen.

Aufgrund der geschlossenen Haltung der Arbeiter, waren die beiden Gewerkschaften der Renault-Fabriken (CFDT und revisionistische CGT) gezwungen worden, ihre Verhandlungen mit der Direktion der staatlichen Renaultwerke abzubrechen."

Später heißt es (vgl. 17.5.1971):"
Zur gleichen Zeit, als am Sonntag 50 000 Metallarbeiter durch Paris marschierten, um für die, damals noch von der CGT unterstützten Forderungen (40-Stunden-Woche, 1 000 Francs Mindestlohn, Rente ab 60 Jahren) zu demonstrieren, arbeiteten die Spitzenfunktionäre der CGT mit den Renault-Kapitalisten an einem 'vernünftigen Kompromiß'. …

Zur gleichen Zeit, als der verräterische Kompromiß in Paris ausgearbeitet wurde, erklärte Georges Seguy, Generalsekretär der CGT und Mitglied des Politbüros der revisionistischen KPF: 'wir wollen mit der Regierung und dem CNPF (Dachverband der französischen Kapitalisten) über drei Punkte verhandeln: Rente mit 60 Jahren, 40-Stundenwoche, 1 000 Francs Mindestmonatslohn… unsere Forderungen sind sozial fortschrittlich. Wenn die Regierung sie nicht erfüllen kann, so bedeutet das, daß ihre derzeitige Politik mit dem sozialen Fortschritt nicht vereinbar ist.' Seguy äußerte sich auch zu den Mitteln, mit denen die Revisionisten den 'sozialen Fortschritt' erreichen wollen: 'wir wollen keinen neuen Mai. Wir sind bereit, jedem Abenteuer scharf entgegenzutreten, das das Land in Unordnung stürzen würde.' Der Verrat, den die Kollegen Seguy's zur gleichen Zeit an eben den 'fortschrittlichen' Forderungen verübten, zeigt, wie das Geschwätz der CGT-Bosse einzuschätzen ist."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 38 und 39, Bochum 19.5.1971 bzw. 22.5.1971, S. 12 bzw. S. 7

17.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet (vgl. 16.5.1971, 26.5.1971):"
FRANKREICH - KÄMPFE DER RENAULT-ARBEITER

Zum dritten Mal innerhalb von vier Monaten haben die französischen Arbeiter den Verrätern an der Spitze der revisionistischen CGT eine Abfuhr erteilt.

Anläßlich des Streiks der Battignolles-Arbeiter, der Arbeiter von Boulogne Billancourt und am Montag in Le Mans (Renault) haben sich die Arbeiter gegen ein von der revisionistischen Spitze der CGT ausgehandeltes 'Kompromißangebot' ausgesprochen."

Gestern wurde ein Kompromiß ausgehandelt:"
Am Montagmorgen legten die CGT-Spitzen den Arbeitern von Le Mans dann ihren unverschämten Vorschlag vor. Er sah den Verrat der Renault-Arbeiter in drei Hauptforderungen vor: 1. die CGT-Bosse stimmten der Forderung der Renault- Kapitalisten zu, keine Streikentschädigung zu zahlen, auch nicht an die Arbeiter, die offiziell ausgesperrt sind. 2. die Forderung nach der Rente mit 60 Jahren fiel unter den Tisch. 3. auch die Forderung nach der Wiedereinführung der 40 Stunden Woche wurde fallengelassen.

Die Arbeiter von Le Mans gaben den CGT-Bossen auf diesen offenkundigen Verrat die gebührende Antwort: sie stimmten mehrheitlich für die Weiterführung des Streiks bis zum Sieg. Diese Niederlage der CGT-Bosse ist umso wichtiger einzuschätzen, als die CGT in Le Mans bei Betriebswahlen regelmäßig 75% aller Stimmen erhält. Auch ein bedeutender Teil der CGT-Arbeiter ist also nicht länger bereit, den Verrat der Spitze mitzumachen. …

Aber die CGT-Bosse gaben nach ihrer Niederlage, die ihnen die Arbeiter von Le Mans erteilt hatten, nicht auf. Sie gingen sogar noch einen Schritt weiter zurück. Henri Krasucki, Mitglied des Politbüros der KPD schrieb im Zentralorgan, der 'Humanite': 'das einzige Motiv, daß den Konflikt (!) bei Renault noch verlängert, ist der Versuch der Renault-Direktion, die Streikenden von Le Mans zu bestrafen'. Krasucki meint hier die Weigerung der Direktion, den streikenden Arbeitern die Prämie für streikfreie Monate auszubezahlen. (Die Renault-Kapitalisten zahlen den Arbeitern durchschnittlich 200 - 250 Francs halbjährlich, falls in der Zeit nicht gestreikt wurde. Die Auszahlung erfolgt im Juli (allgemeine Ferien) und Dezember (Weihnachten)).

Die Zurücknahme der Weigerung der Renault-Direktion, diese Prämie zu bezahlen, wird nun von den verräterischen CGT-Bossen zur einzigen Bedingung für die Wiederaufnahme der Arbeit gemacht.

Aber die Renault-Direktoren rechnen offensichtlich mit einem vollen Verrat der CGT-Spitze. Als die Verräter mit dieser lächerlichen Forderung bei der Direktion um ein Gespräch nachsuchten, wurden sie vom Sekretariat der Direktion abgefertigt: 'es ist nicht zu sehen, inwieweit eine solche Zusammenkunft zu einer Wiederaufnahme der Arbeit führen könnte'.

Als der CGT-Sekretär der Renault-Werke, Silvain, versuchte, den Arbeitern der Fabrik Billancourt einzureden, die ausgehandelten Kompromisse seien 'sehr akzeptabel' und es sogar wagte, die unverschämte Formel von der Arbeitsaufnahme nach Garantie der Auszahlung der Anti-Streik-Prämie auszusprechen, wurde er von 5 - 6 000 Arbeitern niedergeschrien."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 39, Bochum 22.5.1971, S. 7f

19.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet u.a. von heute über die Darstellung des Renault-Streiks durch das 'Neue Deutschland' (ND) der SED der DDR, sie selbst habe "ausführlich über den Verrat der CGT-Bosse berichtet, die mit der Regierung einen 'vernünftigen Kompromiß' ausgehandelt haben und die Forderungen der Arbeiter von Renault aufgegeben haben. Die Arbeiter hatten diesen Kompromiß zurückgewiesen, mehrheitlich für die Weiterführung des Streiks gestimmt und auch weiter gestreikt.

Wie haben die SED-Führer diese Kämpfe unterstützt?

In den Meldungen des 'Neuen Deutschland' steht kaum etwas von den Kämpfen der Arbeiter. Dafür wird regelmäßig die 'führende Rolle' der CGT-Führer hervorgehoben und die Forderungen, die die CGT-Führung aufgestellt hat. Die SED-Führer propagieren nicht die Notwendigkeit der Führung der zunehmenden Klassenkämpfe durch die Kommunistische Partei. Zusammen mit den revisionistischen Führern der KPF und der CGT rufen sie auf zur Vereinigung aller 'Linksparteien und Gewerkschaften', 'ein gemeinsames Aktions- und Regierungsprogramm aufzustellen' (ND 19.5.). Diese Vereinigung mit den sozialdemokratischen Organisationen hat kein anderes Ziel, als den Revisionisten eine Regierungsbeteiligung zu verschaffen und die Kämpfe der Arbeiter stärker zu spalten und zu unterdrücken. Das ND zitiert dazu offen die 'Warnung' des CGT-Führers Seguy vor 'irrealistischen, fieberhaften und romantischen Aktionen, die die Arbeiterklasse teuer bezahlen müßte'."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 43, Bochum 5.6.1971, S. 7f

19.05.1971:
In Berlin bringt die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe NCR die Nr. 6 ihres 'NCR-Arbeiters' (vgl. 28.4.1971, 7.6.1971) heraus und berichtet auch aus Frankreich von Renault mit demselben Artikel, der zuvor bereits bei Schwartzkopff erschien.
Q: Der NCR Arbeiter Nr. 6, Berlin 19.5.1971, S. 8

22.05.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr. 39 (vgl. 19.5.1971, 26.5.1971) heraus und berichtet aus den USA (vgl. 17.5.1971), aus Frankreich aus dem Metallbereich (vgl. 16.5.1971) und von Renault (vgl. 17.5.1971) sowie aus Spanien (vgl. 17.5.1971), wozu es in einer gemeinsamen Vorbemerkung heißt:"
Entsprechend dem jeweiligen Stand der internationalen Krise, wehrt sich die Arbeiterklasse der einzelnen Staaten gegen Krisenfolgen, Verrat der Gewerkschaftsspitze und gegen die direkten Angriffe der Kapitalisten.

An den drei aufgeführten Beispielen erkennen wir, wie die Arbeiter in Frankreich, Spanien und den USA sich entsprechend dem jeweiligen Stand der Klassenkräfte gegen verschiedene Formen des Angriffes verteidigen.

In Frankreich führt die Kapitalistenklasse ihre Schläge gegen die Arbeiter hauptsächlich mit Hilfe der verräterischen Gewerkschaftsspitze, in den USA ist es der Staatsapparat, der den Kapitalisten als wichtigstes Angriffsmittel dient, in Spanien ist es die faschistische Unterdrückung der Arbeiterklasse."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 39, Bochum 22.5.1971

26.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich u.a. von heute (vgl. 17.5.1971):"
FRANKREICH: RENAULT-STREIK DURCH GEWERKSCHAFTSSPITZE GEBROCHEN

Wie bereits .. geschildert, sind die Renault-Kapitalisten durch die verräterische Politik der Gewerkschaftsspitzen ermutigt worden, den Kampf der Renault-Arbeiter zu brechen.

Der Generalsekretär der staatlichen Renault-Werke, Ouin, erklärte: 'die Geister müssen reifen und die Leute nachdenken, sie müssen sich daran gewöhnen, daß der Streik eine ernste Sache ist, … , man kann hoffen, daß für viele Arbeiter… die Lehre aus diesem Streik sein wird, daß man eine solche Bewegung nicht in Gang setzt, ohne vorher darüber lange nachgedacht zu haben.'

Anschließend lobt der Kapitalistenvertreter Ouin die Rolle der Gewerkschaftsspitze im Kampf gegen die Renault-Arbeiter: 'Die Gewerkschaften haben aufgrund des Kompromisses vom Sonntag versucht, die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, aber sie haben es nicht geschafft': die Renault-Arbeiter zwingen die Kapitalisten damit zu rechnen, daß sie sich nicht mehr unbegrenzt von der Gewerkschaftsspitze an die Kapitalisten werden verkaufen lassen. Dazu Ouin: 'In Le Mans gibt es 2 000 Arbeiter, die auf niemand hören, weder auf die Gewerkschaften, noch auf die Direktion, noch auf die öffentliche Meinung.'

Bereits wenige Tage später hatten die verräterischen Spitzen der CGT und CFDT einen neuen Versuch gestartet, den Kampf der Renault-Arbeiter erneut zu brechen.

Die FAZ schildert ihn folgendermaßen:
'Nur unter massivem Druck der Gewerkschaften haben die Renault-Arbeiter in Le Mans in einer zweiten Urabstimmung auf die Fortsetzung ihres Streiks verzichtet'. So beschreibt die bürgerliche 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' das Ende des Kampfes der Renault-Arbeiter am 26.5.

Die Spitzen der CGT und CFDT hatten, nachdem am letzten Montag ihr Versuch, den Streik zu stoppen abgewiesen worden war, am 22.5. erneut mit der Direktion der staatlichen Renault-Werke verhandelt. Die neuen 'Ergebnisse' unterschieden sich beinahe überhaupt nicht von denen der letzten Woche.

Damals hatten die CGT- und CFDT-Spitzen einen 'Kompromiß' ausgehandelt, der den Arbeitern neben dem Versprechen, die Lohnskala zu überdenken, reale Lohnerhöhungen von ca. 50 Francs im Jahr brachte!

Zusätzlich zu den bisherigen Ergebnissen sollten:
1. die angelernten Arbeiter nach drei, statt bisher fünf Jahren in die nächsthöhere Lohngruppe gestuft werden. 2. Bei Arbeitsplatzwechseln im Werk werden nach acht, bisher zehn Jahren, die Löhne garantiert.

Zusätzlich wurde für die Arbeiter in Le Mans, die sich als die kampfstärksten gezeigt hatten, kleinere Vergünstigungen angeboten. So erhalten sie z.B. trotz ihres Streikes die Anti-Streikprämie in Höhe von 200 - 250 Francs ausgezahlt. Die Forderungen der Arbeiter waren: 1. Reduktion der acht Lohngruppen auf vier. 2. Senkung des Rentenalters von 65 auf 60 Jahre. 3. 40-Stundenwoche bei 1 000 Francs Mindestmonatslohn."

Berichtet wird auch durch den KB/ML Flensburg (vgl. Juni 1971).
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 2, Flensburg Juni 1971, S. 9; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 42, Bochum 2.6.1971, S. 12f

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26.05.1971:
Bei Hadir - Arbed St. Ingbert gibt die Rote Fahne Organisation (RFO) Saarland bzw. die Sozialistische Betriebsgruppe (SBG) der Hadir die Nr. 4 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. Jan. 1971, 21.7.1971) heraus mit dem Artikel "Streik bei Renault" in Frankreich.
Q: Rote Fahne - Hadir o. Nr. (4), St. Ingbert 26.5.1971, S. 2

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27.05.1971:
In Heidelberg erscheint ein sechsseitiger 'Kommentar' (vgl. 13.5.1971, 8.6.1971). Aus Frankreich wird berichtet über den "Streik bei Renault".
Q: Kommentar Krisenpolitik, Heidelberg 27.5.1971, S. 4f

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28.05.1971:
In Berlin erscheint vermutlich Ende dieser Woche die Nr. 14 des 'Klassenkampf - Ausgabe Spinne' für Mai als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 26.4.1971, 21.6.1971) für das Spinnstoffwerk Zehlendorf ohne Nummerierung.

Berichtet wird auch über Renault in Frankreich.
Q: Klassenkampf - Ausgabe Spinne o. Nr., Berlin Mai 1971

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29.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtete von der Berichterstattung des 'Neuen Deutschland' (ND) der SED der DDR zum Renault-Streik in Frankreich (vgl. 19.5.1971) und fährt über die DKP fort:"
Ähnlich ist es in der UZ vom 29.5.:

Hier wird betont, daß 70% der Renault-Arbeiter bisher für die CGT gestimmt haben - aber nicht, daß sie sich jetzt mehrheitlich gegen den verräterischen Kompromiß der CGT-Führer gestellt haben.

Hier werden die 'klassenbewußten Gewerkschaften, in erster Linie die mächtigste von ihnen, die CGT' als 'unüberwindliches Hindernis' gegen die Angriffe des Staates bezeichnet: aber hier werden Gewerkschaft und Gewerkschaftsführer gleichgesetzt, die Kollaboration der CGT-Führer mit der Regierung wird verschwiegen.

Das ist keine internationale Solidarität der Arbeiterklasse, sondern Verdrehung der wirklichen Tatsachen und Irreführung der Arbeiterklasse bei uns durch bewußt falsche Darstellung der Kämpfe und der Organisationen der internationalen Arbeiterklasse.

Damit stehen UZ und 'Neues Deutschland' an der Seite der bürgerlichen Presse, der Presse der Bourgeoisie: sie berichten in ihrem Sinn und verfälschen die Wahrheit wie die bürgerliche Presse."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 43, Bochum 5.6.1971, S. 8

Juni 1971:
Die Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML geben die Nr. 5 ihres 'Roten Signals' (vgl. Mai 1971, Juli 1971) heraus, aus Frankreich wird berichtet vom "Streik bei Renault".
Q: Rotes Signal Nr. 5,Tübingen Juni 1971, S. 15

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Juni 1971:
Es erscheint die Nr. 6 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Apr. 1971, Juli 1971) mit dem Beitrag "Wilde Streiks bei Renault" in Le Mans.
Q: Befreiung Nr. 6, Mülheim Juni 1971, S. 14

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Juni 1971:
Die Nr. 6 des 'Roten Morgens' (RM) der KPD/ML-ZK (vgl. Mai 1971, Juli 1971) erscheint.
Von der Redaktionssitzung für diese Nummer berichtet der Landespresseverantwortliche NRW (vgl. Mai 1971, Juli 1971):"…
RENAULT: RENAULT-ARBEITER BESETZEN HAUPTWERK. Von mir aus 'Humanite rouge' übersetzt und durch Einzelheiten aus ZÜNDKERZE ergänzt. Nach Redaktionsschluß fertiggestellt."
Q: KPD/ML-ZK-LPV NRW:Bericht des LPV NRW (K) und RM-Redkoll-Mitglied über seine Tätigkeit im RM-Redkoll von Dezember 1970 bis November 1971,o.O. o.J., S. 6f; Roter Morgen Nr. 6, Hamburg Juni 1971, S. 4

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Juni 1971:
Der KB/ML Westberlin gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' (KAZ - vgl. Apr. 1971, Juni 1971) Nr. 9 heraus mit dem Artikel "Frankreich: Streik bei Renault".
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 9, Berlin Juni 1971, S. 11

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02.06.1971:
In Heidelberg gibt der Hochschulausschuss der Kommunistischen Gruppe (NRF) Heidelberg die Nr. 4 der 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (KHZ - vgl. 24.5.1971, 11.6.1971) heraus mit dem Artikel "Der Streik bei Renault. Die angelernten Arbeiter fordern Abschaffung des differenzierten Lohnsystems" zu Frankreich.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 4, Heidelberg 2.6.1971, S. 8

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15.06.1971:
In Berlin gibt die KPD/AO spätestens heute die auf Juni datierte Nr. 21 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken' (vgl. 18.5.1971, 17.7.1971) heraus. Bilder kommen auch von Renault Frankreich.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 21, Berlin Juni 1971, S. 3

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22.06.1971:
Der KB Göttingen gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr. 2 (vgl. 25.5.1971, 13.7.1971) heraus mit dem Artikel "Fabrikbesetzung bei Renault" in Paris-Billancourt, wobei der Streik in Le Mans begann.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2, Göttingen 22.6.1971, S. 3

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28.06.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche über die DKP:"
Die Krisenangriffe der Kapitalisten sind dazu gedacht, die Krise auf dem Rücken der Arbeiterklasse zu lösen. Auch in der BRD merken dies mit dem Schärferwerden der Krise immer mehr Arbeiter. So schreibt auch die Betriebszeitung der D'K'P für die Daimler-Benz-Werke in Mannheim, der Benzler: 'Jedermann weiß, daß heute die Arbeitsplätze nicht mehr so sicher sind wie vor einem Jahr. Schiller sagt selbst, daß die Zeit, in der die Vollbeschäftigung oberstes Gebot der Wirtschaftspolitik war, vorbei ist.'

Was setzt der D'K'P-Kreisvorstand Mannheim, der die Betriebszeitung herausgegeben hat, gegen die drohenden Krisenangriffe? Fordert er die Benz-Arbeiter zur Wachsamkeit und Geschlossenheit gegen mögliche Krisenangriffe auch bei Daimler, wo heute das Geschäft noch einigermaßen geht, auf?

Rät er alles zu tun, damit die Krisenfolgen nicht wieder die Arbeiter ausbaden müssen, daß gemeinsam die Krisenangriffe bekämpft werden?

Nein, der D'K'P-Kreisvorstand meint: 'Und gerade in einer solchen Situation ist es doch besonders wichtig, mit einem Handelspartner feste Verbindung zu haben, bei dem das Wort Krise nur noch im Lexikon unter der Rubrik 'Kapitalistische Mißstände' eine Rolle spielt.' Gemeint mit diesem 'krisenfesten Handelspartner' ist die Sowjetunion. Unter der Überschrift: 'Renault bootet Daimler-Benz aus! - Weg ist das Geschäft mit der Sowjetunion' beklagen sich die Herren vom D'K'P-Kreisvorstand darüber, daß '…der Vorstand der Daimler-Benz AG solange gegenüber dem Verhandlungspartner aus der Sowjetunion auf dem hohen Pferd geritten (hat), bis es dem zu bunt wurde und er kurzerhand mit der französischen Firma Renault das Geschäft abschloß.' (die Information ist nicht richtig: die Sowjetführer wollen den Vertrag nicht mit Renault sondern mit einer US-Firma abschließen.)"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 52, Bochum 10.7.1971, S. 8f

Juli 1971:
Die Nr. 7 des 'Roten Morgens' der KPD/ML-ZK (vgl. Juni 1971, Aug. 1971) erscheint. Von der Redaktionssitzung für diese Nummer berichtet der Landespresseverantwortliche NRW (vgl. Juni 1971, Aug. 1971):" …
Der Rahmen, den die Redaktion zu Beginn des Jahres sich für ihre Arbeit gesteckt hatte, hatte sich längst als ungenügend erwiesen. So wurde von mir bemängelt, daß z.B. über die Vorgänge in Westeuropa nichts im RM zu lesen war. Ich hielt eine Auswertung unserer Bruderorgane für unbedingt erforderlich. Handwerklerisch hatte ich auf eigene Faust seinerzeit den Renault-Artikel übersetzt."
Q: KPD/ML-ZK-LPV NRW: Bericht des LPV NRW (K) und RM-Redkoll-Mitglied über seine Tätigkeit im RM-Redkoll von Dezember 1970 bis November 1971, o.O. o.J., S. 7f; Roter Morgen Nr. 7, Hamburg Juli 1971

25.02.1972:
Die GIM Berlin gibt ihre 'Permanente Revolution aktuell' Nr. 2 (vgl. 1.2.1972) heraus mit einem Bild von der Besetzung von Renault Frankreich.
Q: Permanente Revolution aktuell Nr. 2, Berlin 25.2.1972, S. 22

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21.03.1973:
Die KPD berichtet aus Frankreich von Renault (vgl. Feb. 1973, 27.3.1973) u.a.:"
EINHEITLICHE KAMPFFRONT FRANZÖSISCHER UND AUSLÄNDISCHER ARBEITER: RENAULT-ARBEITER KÄMPFEN!

Anfang des Jahres wurde im staatlichen Automobilkonzern Renault ein neuer 'Betriebsvertrag' abgeschlossen. Gleichermaßen von der Regierung wie von der revisionistischen Gewerkschaft CGT als Erfolg der Politik der 'Fortschrittsverträge der Regierung' bzw. als 'Sieg der Arbeiterklasse' gefeiert, soll dieser Vertrag der kampfstarken Belegschaft von Renault für zwei Jahre die Hände fesseln. Gegen die Forderungen der Arbeiter nach einheitlicher Lohnerhöhung und Einführung der 40-Stunden-Woche, ist eine Lohnerhöhung von zwei Prozent über der offiziellen Inflationsrate jährlich und eine Frühberentung im Alter von 62 Jahren vereinbart.

Schon im Februar streikten zwei Abteilungen. Am 21.3. traten 400 mehrheitlich ausländische Hilfsarbeiter des Karosseriebaus in den Streik. Sie forderten einheitliche Anerkennung ihrer besonders harten Arbeitsbedingungen durch die Qualifikation als Facharbeiter. Trotz der Einschüchterungsversuche der Werksleitung, die mehrmals Streikbrechertrupps aus höheren Angestellten schickte, den für die Ermordung des Renault-Arbeiters Pierre Overney (vgl. 25.2.1972,d.Vf.) bekannten Werkschutz ostentativ Waffen tragen ließ, ist die Kampfbereitschaft heute größer als je zuvor."

Die Kommunistische Gruppe (KG) Hamburg gibt die Nr. 1 ihrer 'Hamburger Arbeiterzeitung' (HAZ - vgl. 18.4.1973) berichtet:"
Am 21. März haben 400 hauptsächlich ausländische Hilfsarbeiter einer Abteilung von Renault Billancourt (Paris) den Streik aufgenommen. Sie fordern eine Anerkennung als Facharbeiter und höhere Löhne. Da die revisionistische Gewerkschaftsführung der CGT einem Angebot der Betriebsleitung von 0,45 f pro Std. zustimmte, setzten die Arbeiter ihren Kampf fort. Sie besetzten das Gebäude ihrer Abteilung; andere Abteilungen der Renaultwerke von Paris, Le Mans und Sandouville traten in den Solidaritätsstreik. Die Betriebsleitung schloß daraufhin 7 000 Arbeiter der Pariser Werke aus. Aber die Kollegen ließen sich nicht einschüchtern. Neue Verhandlungen Anfang April zwischen Betriebsleitung, Gewerkschaftsführung und der von den streikenden Arbeitern gebildeten Streikleitung verliefen ergebnislos."
Q: Hamburger Arbeiterzeitung Nr. 1, Hamburg 11.4.1973, S. 20; Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 7

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02.05.1973:
Die SSG Hamburg gibt die Nr.6 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 19.4.1973, 28.5.1973) heraus und berichtet auch aus Frankreich von Renault.
Q: Rote Presse Nr. 6, Hamburg 2.5.1973, S. 13

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09.05.1973:
Es erscheint die Nr. 20 der 'Aachener Studentenzeitung' (ASZ - vgl. 11.4.1973, 29.5.1973) mit dem Artikel "Arbeitskampf in Frankreich" bei Renault.
Q: Aachener Studentenzeitung Nr. 20, Aachen 9.5.1973, S. 4

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23.06.1978:
Die Betriebszelle Anlagen- und Reaktorbau / Kraftanlagen Heidelberg (ARB/KAH) des Bezirks Unterer Neckar des KBW gibt die 'Kommunistische Volkszeitung - Betriebsausgabe ARB / KAH' Nr. 5 (vgl. 13.4.1978) heraus mit dem Artikel "Fortsetzung der Streiks und Besetzungen bei Renault" in Frankreich.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Betriebsausgabe ARB / KAH Nr. 5, Heidelberg 23.6.1978, S. 3

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Letzte Änderung: 14.10.2016