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Ford Motor Company UK

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 22.5.2007


Von der Ford Motor Company UK lagen uns zahlreiche Berichte vor, allerdings nur auf Englisch. Hier werden aber nur einige Berichte auf Deutsch wiedergegeben, die meist von der KPD/ML-Zentralbüro verfasst wurden. Berichte über Solidaritätsaktionen in Westdeutschland mit den beiden Streiks bei der Ford Motor Company UK in den Jahren 1971 und 1974 konnten bisher nicht gefunden werden.

Die internationale bzw. amerikanische Ford Motor Company beweist sich angesichts des britischen Streiks 1971 als kühl kalkulierendes Unternehmen, wird das eigentlich für Großbritannien geplante neue Werk doch offenbar im vermutlich weit weniger streikanfälligen bundesdeutschen Ford-Werke in Saarlouis errichtet.


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

01.02.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Großbritannien:"
STREIKS IN ENGLAND

Bei Ford in England ist die gesamte Produktion stillgelegt. Alle 21 Werke werden bestreikt. Insgesamt streiken 50 000 Arbeiter. Der Streik hat auch für die deutschen Fordwerke (IGM-Bereich,d.Vf.) Folgen: Ersatz- und Unterteile werden knapp. Die Gewerkschaftsverbände fordern eine Lohnerhöhung von 50%. Die Kapitalisten wollen nur 10% zahlen."

Später berichtet die KPD/ML-ZB, vermutlich ebenfalls noch aus dieser Woche:"
Der Streik der 50 000 Fordarbeiter geht unvermindert fort."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.10 und 11,Bochum 6.2.1971 bzw. 10.2.1971,S.3 und 9 bzw. S.12

22.02.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Großbritannien:"
FORD-KAPITALISTEN WOLLEN GEPLANTES WERK NICHT IN ENGLAND BAUEN

Das von dem US-Fordkonzern geplante Motorenwerk soll nicht in England gebaut werden. Das haben die Vorstände der britischen und amerikanischen Ford-Werke gemeinsam beschlossen.

Sie wollen der englischen Arbeiterklasse und den streikenden Fordarbeitern eine Lektion erteilen.

Der britische Ford-Vorstand hat seinen US-Herren abgeraten, unter den gegenwärtigen Arbeitsverhältnissen große Erweiterungsinvestitionen vorzunehmen.

William Betty, Chef des gesamten Fordkonzerns, drückte es in aller Klarheit aus: 'Die britische Krankheit ist der plötzlich Streik, und das Heilmittel ist ihn zu stoppen'.

Das Ziel ist klar:
Die amerikanischen und englischen Fordkapitalisten wollen den Streik der Fordarbeiter brechen und diskriminieren. Wenn das Werk, das den Motorenbedarf nicht nur in Europa, sondern auch darüberhinaus, decken soll, nicht in England gebaut wird, werden den englischen Arbeitern zehntausende dringend benötigter Arbeitsplätze vorenthalten werden.

Die Kapitalisten und die Heath-Clique werden das demagogisch nutzen, um der kämpfenden Arbeiterklasse die Schuld für die wirtschaftliche Misere des Landes in die Schuhe zu schieben.
Betty bezeichnete die Forderungen der Fordarbeiter (50% mehr) als 'Einladung zum politischen Selbstmord'. ...

Die Fordarbeiter sind aber entschlossener denn je, ihren Streik mit Erfolg zu beenden.

Der schon drei Wochen andauernde Streik wird noch wochenlang weitergeführt werden, wenn die Kapitalisten starrköpfig bleiben: das beschlossen die Fordarbeiter auf einer Massenversammlung im Werk Halewood bei Liverpool."

Das neue Werk wird in der 'BRD' in Saarlouis im Saarland (vgl. 22.2.1971) errichtet.
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.16,Bochum 27.2.1971,S.11

04.03.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet frühestens von heute aus Großbritannien:"
STREIK DER FORDARBEITER

Nachdem es der reaktionären Heath-Regierung gelungen ist, die Kämpfe der Postarbeiter niederzuschlagen (vgl. 3.3.1971,d.Vf.), versuchen nun auch die Ford-Kapitalisten, die kämpfenden Fordarbeiter zum Nachgeben zu zwingen.

In einer erpresserischen Erklärung warnte die Geschäftsleitung der Ford-England die Gewerkschaft, den Streik weiterzuführen.

Die Geschäftsleitung erklärte, falls der nun 5 Wochen andauernde Kampf nicht sofort abgebrochen werde, seien Massenentlassungen nicht zu vermeiden.

Der Kampf der Fordarbeiter führe zum rapiden Niedergang der Ford-England.

Die Drohung der Ford-Kapitalisten bedeutet für die Fordarbeiter die Drohung mit der Arbeitslosigkeit, da sie bei der derzeitigen Wirtschaftskrise mit keinen neuen Arbeitsplätzen rechnen können.

Die Ford-Kapitalisten starteten ihre Drohung, nachdem der Streikausschuß der Gewerkschaften ein Angebot auf 14,2% ablehnte.

Die Fordarbeiter verlangen Lohnerhöhungen von ca. 50%.

Nach eigenen Angaben belaufen sich die bisherigen Verluste der Kapitalisten auf ca. 50 Mio. Pfund."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.19,Bochum 10.3.1971,S.13

14.03.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet aus Großbritannien:"
Nachdem die Mehrheit der Ford-Arbeiter am 14.3. bei einer Abstimmung beschlossen hat, ihren Kampf weiterzuführen, haben die Ford-Kapitalisten zu einem Gegenschlag ausgeholt.

Henry Ford II., derzeitiger Repräsentant der Ford-Kapitalisten, besuchte England.

Bei einem Gespräch mit Premierminister Heath teilte er mit, die Ford-Kapitalisten würden alle Investitionen in England stoppen, falls Heath nicht schnellstens für 'soziale Ruhe' sorgen würde."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.22,Bochum 20.3.1971,S.11f

15.03.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Großbritannien:"
KÄMPFE DER VAUXHALL-ARBEITER

Die Arbeiter der Vauxhall Autofabriken haben sich den Forderungen der Ford-Kollegen angeschlossen.

Die Vauxhall-Arbeiter verlangen von den Kapitalisten der General Motors (GM,d.Vf.), in deren Besitz Vauxhall ist, eine Anhebung der Löhne auf das Niveau der britischen Automobilfabriken.

Anstatt der verlangten 40 - 50% haben die GM-Kapitalisten den Arbeitern 14% geboten.

Die Vauxhall-Arbeiter wollen sich dem Streik der Fordarbeiter anschließen."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.23,Bochum 24.3.1971,S.3

29.03.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Großbritannien:"
GROSSBRITANNIEN - FORDSTREIK BEENDET

Den Ford-Kapitalisten ist es im Verein mit den rechten Gewerkschaftsführern gelungen, die Kampfbereitschaft der Kollegen bei Ford zu zermürben und den Streik mit einem üblen 'Kompromiß' vorläufig zu beenden.

Das Ergebnis, das die rechten Bonzen ausgehandelt haben, sieht folgendermaßen aus: Lohnerhöhung um 32%, die stufenweise erfolgen soll; die Hälfte, etwa vier Pfund die Woche, erhalten die Kollegen rückwirkend ab 1. März, den Rest in zwei Raten ab 1. Dezember 1971 und ab 1. August 1972. Die am niedrigsten bezahlten Ford-Arbeiter werden nach dieser Lohnerhöhung (im August 1972) einen Grundlohn von 28 1/2 Pfund (das sind ca. 250 Mark) bekommen.

Als 'Gegenleistung' für diese miese Lohnerhöhung haben die Gewerkschaftsbonzen die Arbeiter an die Kapitalisten verschachert: sie haben ihnen zwei streikfreie Jahre zugesichert!

Die Ford-Arbeiter haben nur zu einem kleinen Teil diesem üblen 'Kompromiß' zugestimmt: nur die Hälfte der Kollegen ging zur Abstimmung; von diesen 25 000 Arbeitern stimmten 18 000 dafür und 7 000 dagegen. Die 10 000 Arbeiter in den Werken Swansea (Wales) und Halewood bei Liverpool stimmten dagegen. Dort wurde der Streik auch am Montag (5.4.1971,d.Vf.) weitergeführt.

Ob die anderen Kollegen sich dadurch erneut in ihrer Kampfbereitschaft bestärken lassen und den Streik auch fortführen, ist im Moment noch unklar."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.27,Bochum 7.4.1971,S.12

05.04.1971:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Großbritannien:"
FORD-STREIK

Den rechten Gewerkschaftsführern ist es noch immer nicht gelungen, den Streik der Fordarbeiter völlig zu zerschlagen.

Als einige hundert Arbeiter im letzten bestreikten Werk, Halewood, gegen die Wiederaufnahme der Arbeit unter den von Kapitalisten und Gewerkschaftsbonzen ausgehandelten Bedingungen (...) protestierten, wurden sie ausgesperrt.

Daraufhin solidarisierten sich die Auslieferungsfahrer und die Arbeiter der Lackiererei mit ihnen und verhinderten, daß die Produktion in Gang gesetzt wurde.

Aus den Meldungen der bürgerlichen Presse wird deutlich, daß die Streikfront durch den Verrat der Gewerkschaftsführung zwar gebrochen werden konnte, nicht aber die Kampfbereitschaft der Fordarbeiter (FAZ 10.4.: 'Nicht alle Fordarbeiter sind voll befriedigt über die neue Lohnregelung'.).

Der Vorsitzende der britischen Metallarbeitergewerkschaft, Scanlon, drohte angesichts dieser Tatsache, 'seine' Gewerkschaft werde in den zwei Jahren des laufenden Tarifvertrages keine Lohnstreiks mehr dulden.

Die Niederlage der Fordarbeiter (und anderer Teile der britischen Arbeiterklasse) trotz der ungebrochenen Kampfbereitschaft und der gewachsenen Radikalisierung zeigt, wie notwendig die organisatorische Führung durch die revolutionäre Partei ist. Das ist auch die Erklärung dafür, warum keiner der vielen machtvollen Streiks in den letzten Monaten in England der Arbeiterklasse des Landes einen wirklichen Sieg gebracht hat."
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.29,Bochum 17.4.1971,S.8f

02.10.1974:  In der Nr.40 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 25.9.1974, 2.10.1974) berichtet die KPD Zelle Ford Köln vom Fordstreik in Großbritannien.
=Rote Fahne Nr.40,Dortmund 2.10.1974

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