Sowjetunion: Alexander Solschenizyn

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 21.4.2015

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Zu dem Schriftsteller Alexander Solschenizyn in der Sowjetunion können hier einleitend und auch vorläufig abschließend einige Veröffentlichungen der moskaufreundlichen Kräfte vorgestellt werden (vgl. Apr. 1973, Dez. 1973, Feb. 1976), die den Antikommunismus geißeln, für den Solschenizyn zur Galionsfigur werde.

Auch die MLer weisen die Kritik Solschenizyns als antikommunistisch zurück, obwohl sie selbst die Sowjetunion grundsätzlich kritisieren, sei es als revisionistisch oder auch als sozialimperialistisch.

Angegriffen wird vor allem die mediale Aufmerksamkeit für Solschenizyn im Gefolge von dessen Ausweisung aus der Sowjetunion (vgl. 13.2.1974) und seine Propagierung durch die rechten Gruppen (vgl. 21.6.1974).

Die Kritik an Solschenizyn wie an der Sowjetunion wird auch von der Marxistischen Gruppe (MG) geübt (vgl. 20.2.1974, 8.5.1974).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

April 1973:
Der Marxistische Schülerbund (MSB) Lübeck gibt sein 'Info' Nr. 7 (vgl. März 1973, Mai 1973) als zweite Aprilausgabe heraus. Eingegangen wird auch auf Alexander Solschenizyn aus der Sowjetunion.
Quelle: Marxistischer Schülerbund: Info Nr. 7, Lübeck Apr. 1973, S. 3

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Dezember 1973:
Die DKP berichtet vermutlich aus dem Dezember:"
ANTIKOMMUNISMUS AUF SOZIALDEMOKRATISCH

'Vor einigen Wochen wurde in Hamburg ein 'Komitee gegen die Repression in der Tschechoslowakei und Osteuropa' gegründet. Den Gründungsaufruf haben u.a. Ernst Bloch, Peter Brückner, Rudi Dutschke, Hans Magnus Enzensberger, Ernest Mandel, Oskar Negt, Jiri Pelikan, Bernd Rabehl, Peter von Oertzen, Klaus Wagenbach und Jochen Steffen unterschrieben.'

Diese Nachricht geisterte kürzlich durch den bundesrepublikanischen Blätterwald. Eine interessante, eine aufschlußreiche Nachricht: ein solches Komitee, getragen insbesondere von Sozialdemokraten mit linkem Touch, paßt in die Landschaft des verschärften Klassenkampfes von oben.

Im Zusammenhang mit dem starken Aufschwung der Arbeiterbewegung in den letzten Jahren und der umfassenden Stärkung der fortschrittlichen Kräfte in der BRD versucht die Reaktion, mit verschärftem Antikommunismus die progressiven Kräfte zu schwächen und die Bewegung zu spalten. Besonders beliebt: Ablenkung von der Unterdrückung und Ausbeutung im eignen Lande durch Propagierung angeblicher Unterdrückungen im sozialistischen Lager. Wenn er nicht wirklich existierte, hätte ein Solschenizyn erfunden werden müssen, um von der politischen Unterdrückung in der BRD und vom faschistischen Putsch in Chile abzulenken."
Q: Kommunist Zum Ausgang der Kammerwahlen, Hannover o. J. (1974), S. 5

16.01.1974:
In der Nr. 3 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 9.1.1974, 23.1.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit Solschenizyn in der Sowjetunion (SU).
Q: Rote Fahne Nr. 3, Dortmund 16.1.1974, S. 1

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26.01.1974:
Die Rote Schülerfront (RSF) des AB gibt vermutlich in dieser Woche die Nr. 10/11 ihres Organs 'Roter Weg' für Januar/Februar (vgl. Dez. 1973, 3.3.1974) heraus. Solschenizyn wird angegriffen, dafür die illegale Stalin Gruppe aus der SU propagiert.
Q: Roter Weg Nr. 10/11, München Jan./Feb. 1974, S. 18f

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Februar 1974:
An der FU Berlin führt der KSV der KPD vermutlich im Februar eine Solschenizyn-Veranstaltung mit, nach eigenen Angaben, ca. 400 Personen u.a. von SHB, GIM und 'Extradienst', nicht aber von der SEW durch.
Q: Rote Fahne Nr. 9, Dortmund 27.2.1974, S. 8

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Februar 1974:
Die Nr. 3 der 'Bochumer Arbeiter-Zeitung' der Kommunistischen Gruppe Bochum (KGB) erscheint (vgl. Jan. 1974, Apr. 1974) mit dem Artikel "Die Wiederkehr des Zaren" zur SU und Solschenizyn.
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr. 3, Bochum Feb. 1974, S. 15ff

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06.02.1974:
Von der KHG Heidelberg wurde aufgerufen zum Teach-In "Solschenizyn - Ein Produkt des Revisionismus" zur Sowjetunion.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Extra Streik am IPW - Kein Berufsverbot für Riehle, Heidelberg 5.2.1974, S. 1

13.02.1974:
Aus der Sowjetunion berichtet der KBW von der Ausweisung Solschenizyns.
Q: Der Rote Wecker Nr. 1, Braunschweig o.J. (1974), S. 6

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18.02.1974:
Die Vögele-Aufbauzelle der Ortsgruppe Mannheim des KBW gibt ihren 'Kommentar für die Kollegen der Vögele AG' (vgl. 22.1.1974, 5.3.1974) heraus mit dem Artikel "Solschenizyn" zu dessen Ausweisung aus der Sowjetunion.
Q: Kommentar für die Kollegen der Vögele AG Gegen die 8,5 % Provokation jetzt den Kampf aufnehmen!, Mannheim 18.2.1974, S. 3f

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18.02.1974:
In München gibt die BMW-Betriebsgruppe des AB ihren 'Motor' Nr. 14 (vgl. 11.2.1974, März 1974) für Februar vermutlich in dieser Woche heraus. Eingegangen wird auch auf Solschenizyn.
Q: Der Motor Nr. 14, München Feb. 1974, S. 6

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20.02.1974:
Der AStA der LMU München gibt seine 'Münchner Studentenzeitung' (MSZ) Nr. 2 (vgl. 23.1.1974, 2.5.1974) heraus. Zu Solschenizyn in der SU wird in "Alexander Solschenizyn und andere: Probleme eines Sowjetbürgers" die Unterstützung der Roten Zellen/AK für die CSSR-Invasion 1968 betont und auf Seite 3 u.a. ausgeführt:
"War es nach der Revolution und im Bürgerkrieg noch gewußt, daß die Beziehung auf den kapitalistischen Weltmarkt Mittel zur Erreichung des Ziels war, so ist im Laufe der Stalin-Ära eine VERKEHRUNG DIESES VERHÄLTNISSES zu konstatieren: Der mit den kapitalistischen Ländern eingegangene KOMPROMIß wurde als die Überwindung des Kapitalismus selbst begriffen".
Q: Münchner Studentenzeitung Nr. 2, München 20.2.1974, S. 1 und 3f

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22.02.1974:
Bei VW Braunschweig gibt die Betriebszelle des KBW Ortsgruppe Braunschweig die Nr. 2 der 'Zündkerze' (vgl. 8.2.1974, März 1974) heraus mit dem Artikel "Zur Ausweisung Solschenizyn" aus der KVZ.
Q: Zündkerze Nr. 2, Braunschweig 22.2.1974, S. 6

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25.02.1974:
Bei Brinkmann Bremen gibt die Zelle des KBW ihren 'Drescher' Nr. 1 (vgl. Aug. 1973, 11.3.1973) vermutlich Anfang dieser Woche heraus mit dem Artikel "Der Rummel um Solschenizyn" in der Sowjetunion (SU).
Q: Der Drescher Nr. 1, Bremen Feb. 1974, S. 7f

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28.02.1974:
In Göttingen gibt die Kommunistische Schülerfront (KSF) Göttingen heute die Nr. 3 ihres 'Schulkampfs' (vgl. 12.2.1974, 11.3.1974) heraus. In einem Artikel über Solschenizyn aus der Sowjetunion wird auch Bezug genommen auf den Prozess gegen Redakteure der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB.
Q: Schulkampf Nr. 3, Göttingen 28.2.1974, S. 9ff

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März 1974:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 3 (vgl. Feb. 1974, Apr. 1974) heraus. Aus Berlin wird berichtet von der Peter A. Silbermannschule (PAS), von wo aus dem 'Roten Kompass' der KOV-Zelle ein Artikel zu dem SU-Schriftsteller Solschenizyn übernommen wird.
Q: Schulkampf Nr. 3, Dortmund März 1974, S. 12

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März 1974:
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr. 33 (vgl. Feb. 1974, Apr. 1974) heraus, in der sie sich mit Solschenizyn befaßt.
Q: Klassenkampf Nr. 33, Frankfurt März 1974

März 1974:
Vermutlich im März erscheint in Köln das 'Rote Schülerforum' (RSF) Nr. 1/2 (vgl. Okt. 1972) für März / April mit dem Artikel "Solschenizyn - ein Produkt des Revisionismus in der Sowjetunion".
Q: Rotes Schülerforum Nr. 1/2, Köln März / April 1974, S. 6f

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01.03.1974:
Am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hamburg-Ohlsdorf erscheint vermutlich heute der 'Zünder' Nr. 8 (vgl. Jan. 1973) mit einem Artikel "Solschenizyn".
Q: Zünder Nr. 8, Hamburg 1.3.1974, S. 10

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24.04.1974:
Der KSB Braunschweig gibt seine 'Rote Hochschulzeitung' Nr. 14 (vgl. Apr. 1974, 21.5.1974) heraus. Berichtet wird über "Solschenizyn – ein Vertreter bürgerlicher Literatur" in der Sowjetunion (SU).
Q: Rote Hochschulzeitung Nr. 14, Braunschweig 24.4.1974, S. 4f

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06.05.1974:
Die Rote Schülerfront (RSF) des AB gibt vermutlich erst in dieser Woche die Nr. 13/14 ihres Organs 'Roter Weg' für April/Mai (vgl. 3.3.1974, 27.5.1974) heraus. Solschenizyn greife China ebenfalls an.
Q: Roter Weg Nr. 13/14, München Apr./Mai 1974, S. 10

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08.05.1974:
In Erlangen-Nürnberg erscheint die Nr. 4 der 'Sozialistischen Hochschulzeitung' (SHZ – vgl. 24.1.1974, 21.6.1974) herausgegeben von der Marxistischen Gruppe (MG), deren Institutsausschuss Soz/Pol sowie der Basisgruppe Germanistik und der Sozialistischen Hochschulgruppe (SHG) Nürnberg. Zur SU und Solschenizyn äußert sich die MG in "Bürgerliche Opposition in der Sowjetunion".
Q: Sozialistische Hochschulzeitung Nr. 5, Nürnberg 8.5.1974, S. 5ff

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21.06.1974:
Der RBJ und der SSB Hamburg geben die Broschüre "Den Reaktionären an der Schulen keinen Fussbreit! Zur Politik der Jungen Union/Schüler und anderer Reaktionäre" heraus. Enthalten sind auch die Abschnitte:
- "Dokument: Zur Solschenizyn-Kampagne der reaktionären Schüler" und
- "Die Solidaritätskampagne um Solschenizyn & Co" aus 'Kämpfende Jugend - Bezirksausgabe Hamburg-Fuhlsbüttel' Nr. 1/74.
Q: RBJ/SSB: Den Reaktionären an der Schulen keinen Fussbreit! Zur Politik der Jungen Union/Schüler und anderer Reaktionäre, Hamburg 21.6.1974, S. 19ff

07.12.1974:
In Essen kommt es, laut und mit Spartacusbund (SpB), bei der heutigen Uraufführung eines Theaterstückes von Alexander Solschenizyn zu Protesten.
Q: Spartacus Nr. 12, Essen Jan. 1975

Februar 1976:
Vermutlich in den ersten Tagen des Februar finden Studentenparlamentswahlen (StPW) an der Uni Kiel statt.
Die DKP Hochschulgruppe Kiel meint:"
BETRACHTUNGEN ZUR WAHL AN DER UNIVERSITÄT

Ein Gespenst ging durch diesen Wahlkampf - das Gespenst des Antikommunismus. Es geisterte deutschnational von den RCDS-Plakaten (der CDU, d.Vf.) auf dem Campus und warnte furchteinflößend: 'Wer nicht wählt, wählt kommunistisch!' Kommunistisch - das ist im Zweifelsfalle der so etikettierte politische Gegner. Analog dem CDU-Wahlkampf zu Zeiten der illegalen KPD, als man SPD-Wähler schreckte: 'Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!' So wie die CDU gegen die SPD mit Antikommunismus zu Felde zog, so nutzte der RCDS die KBW-AStA-Politik zum Feldzug gegen alle demokratischen Gruppen an der Uni.

Der Antikommunismus mußte immer herhalten als Allheilmittel, wenn die Herrschenden und ihre politischen Vertreter Veränderungen fürchteten, wenn sie selbst den Wählern nichts mehr anzubieten hatten. Wie sich zeigte, war die Furcht des RCDS nicht unbegründet. Denn womit sollen RCDS und GGler (Studenten für das Grundgesetz - StfdGG, d.Vf.) uns für dieses System erwärmen? - Mit Akademikerarbeitslosigkeit und BAFÖG-Schwund, mit Ordnungsrecht und tausendfacher Überprüfung von Demokraten, mit steigenden Mensapreisen und Wohnheimmieten? Nein! Da flieht man vor der kapitalistischen Realität lieber in den Antikommunismus: Im GG-Info Solschenizyns Rede zur 'freien Welt', 10. Folge, auch wenn in den Bücherregalen der Spießbürger schon die Archipel Gulags ungelesen schmoren."
Q: Kommunist Nr. 2, Kiel 1976, S. 8

Letzte Änderung: 28.08.2015

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