Brasilien

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

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In dieser wie immer unvollständigen Darstellung wird die Geschichte Brasiliens, seiner linken Bewegung sowie der Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu Brasilien allein anhand bundesdeutscher Quellen geschildert.

Brasilien gilt dabei einleitend als eines der Beispiele sowohl für brutalen Faschismus (vgl. 21.4.1967, 30.12.1968) als auch Völkermord (vgl. 15.11.1969).

Die KP Brasiliens ist offenbar zunächst mit der KP Chinas befreundet (vgl. Apr. 1969), wird daher auch von den bundesdeutschen KPD/ML-Gruppen propagiert (vgl. Feb. 1970).

Daneben aber sind in Brasilien auch Guerillagruppen wie um Carlos Marighela (vgl. 17.11.1969, 3.5.1970, 15.6.1970, 18.11.1970, 24.9.1974), die evtl. der PCR nahe stand (vgl. 20.7.1970), aber auch trotzkistische Organisationen tätig (vgl. 6.3.1970), darunter auch die Posadisten (vgl. Mai 1970) aktiv.

Daneben wird offenbar auch ein bewaffneter Kampf von der Brasilianischen Befreiungsfront geführt (vgl. 3.5.1970, 15.6.1970), die evtl. der PCR nahe stand (vgl. 20.7.1970).

Plakat: Solidarität mit Brasilien
Plakat

Das Atomgeschäft mit Brasilien beginnt früh und wird auch sofort angegriffen (vgl. 8.6.1970), ebenso wie die Investitionen der bundesdeutschen Wirtschaft im faschistischen Brasilien (vgl. 25.7.1970, 5.8.1970, 1.9.1970, 7.11.1970, Dez. 1970), welches auch für Chile wieder als warnendes Beispiel für drohenden Faschismus dient (vgl. 6.9.1970), während es in Brasilien selbst offenbar sowohl zu Bauernunruhen (vgl. 7.9.1970) als auch zu sozialen Befriedungsmanövern kommt (vgl. 25.9.1970), wobei offener Terror dann doch das bewährtere Instrument der Wahl gewesen zu sein scheint (vgl. 18.11.1970).

Auffällig ist die Integration Brasiliens in die europäischen Weltraumpläne (vgl. 3.11.1970) sowie geplante südatlantische Militärbündnisse (vgl. 3.4.1971), während die Integration der bundesdeutschen Vertreter ungewiss scheint (vgl. 17.12.1970) und die blutigen Kämpfe weitergehen (vgl. 4.1.1971), was dann auch in Italien Anlass zu Protesten gibt (vgl. 6.2.1971).

Heinemann versucht nun offenbar die Bundesrepublik Deutschland in den Diktaturen Südamerikas beliebter zu machen (vgl. 21.3.1971), wobei vor allem die brasilianischen Faschisten, die auch in Nachbarländern ihre Verbrechen verüben (vgl. Sept. 1971), daheim immer noch als warnendes Beispiel dienen (vgl. 18.10.1971), offenbar die besten Freunde der sozialliberalen Bundesregierung bleiben (vgl. 20.10.1971) so wie Brasilien beliebtes Ziel bundesdeutscher Auslandsdirektinvestitionen und Entwicklungshilfe (vgl. Apr. 1971, Dez. 1971, 24.1.1972, 23.2.1972).

Über Freunde in Brasilien verfügt offenbar das Internationale Komitee, welches damals noch Healyisten und Lambertisten umfasste (vgl. 3.7.1971), die Gruppe nennt sich dann Octubro (vgl. 1.4.1972, 1.7.1972). Die bundesdeutschen Posadisten berichten nicht nur aus Brasilien (vgl. 7.6.1972), sondern organisieren auch im Bündnis die Brasiliensolidarität (vgl. 1.9.1972), von der hier insgesamt nur wenig berichtet werden kann, was nicht nur den Zufälligkeiten unserer Auswertung geschuldet sein mag, sondern wohl vor allem an der relativen Seltenheit solcher Aktionen liegt. Brasilien dient zwar immer wieder als Beispiel für Faschismus und Folter (vgl. 4.9.1972, 21.1.1973) bzw. bundesdeutsche Profitmacherei (vgl. 15.5.1972, Nov. 1972, 13.11.1972, März 1973, 3.5.1973, Juni 1973) und auch über die befreundeten Parteien berichtet die bundesdeutsche Linke immer wieder gern einmal (vgl. 25.9.1972), gehen diese doch auf internationalem Parkett mutig voran (vgl. Juni 1973). Berichte über Brasilien (vgl. 20.6.1973, 27.6.1973, 2.7.1973) scheinen nicht immer gesetzeskonform, in Chile scheinen sowohl die brasilianischen Faschisten Unterstützung anzubieten (vgl. 3.9.1973, 12.9.1973), als auch Flüchtlinge von den faschistischen Schergen verfolgt zu werden (vgl. 1.10.1973), während Brasilien bei den bundesdeutschen Waffenlieferungen an das faschistische Portugal behilflich zu sein scheint (vgl. 1.10.1973). Während es zu Protesten in Belgien kommt (vgl. 10.11.1973) scheinen nun nicht nur Arbeitsplätze nach Brasilien exportiert zu werden, sondern auch Kohle von dort importiert (vgl. 3.1.1974), wobei Fußballspieler sicherlich das bekannteste brasilianische 'Exportgut' bleiben dürften (vgl. 26.6.1974).

Brasilien bleibt attraktiv für die bundesdeutsche Industrie (vgl. 21.8.1974, Sept. 1974, 7.10.1974, 17.3.1975, 10.6.1976, 29.9.1976, 27.1.1977,19.4.1977, 10.12.1979) und dient auch weiterhin als Beispiel für Faschismus (vgl. 23.11.1975, 8.5.1976), wobei auch die DKP die bundesdeutsche Atomkooperation (vgl. Dez. 1976, Apr. 1977, Juli 1977) anprangert.

Die KP Brasiliens schließt sich bei der Spaltung der ML-Bewegung dem albanischen Flügel an (vgl. 5.2.1977, 25.4.1977, 16.5.1977), während die Freunde des KABD vermutlich nicht nur in Ulm, von wo wir es schildern, eine Solidaritätskampagne gegen die Todesurteile durchführen (vgl. März 1977, 14.3.1977, 18.3.1977, Apr. 1977).

Die Kapriolen der politischen Linie der KPD im Gefolge der KP Chinas verleiten diese zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung nun gar zur Befürwortung der bundesdeutsch-brasilianischen atomaren Zusammenarbeit (vgl. 4.9.1978).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

März 1958:
In Hamburg erscheint die 'Information - Anarchistische Gedanken zur Politik, Geschichte und Literatur der Gegenwart' für März / April (vgl. Dez. 1957, Mai 1958) mit einem "Reisebrief aus Mittelamerika" von Augustin Souchy vor allem zu El Salvador und Guatemala sowie zum Tod von José Oiticica aus Brasilien.
Quelle: Information - Anarchistische Gedanken zur Politik, Geschichte und Literatur der Gegenwart, Hamburg März / Apr. 1958, S. 11ff

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21.04.1967:
Der RJVD des KABD (vgl. Jan. 1974) berichtet aus Griechenland (vgl. 1947, 13.11.1973):"
Das Gesicht des Imperialismus ist blutig und seine Blutspur führt von Vietnam bis nach Chile, von Brasilien bis nach Griechenland. Für Macht und Millionen gehen die Imperialisten über Leichen. Wir Kommunisten haben den Kampf gegen das barbarische System des Imperialismus auf unsere Fahnen geschrieben."
Q: Rebell Nr. 1, Tübingen Jan. 1974, S. 11

30.12.1968:

In Berlin erscheint die 'NEUE Aktion' Nr. 3 (vgl. Nov. 1968, März 1969) mit dem Artikel "Zum faschistischen Militärregime – 1968 – eine brasilianische Chronik".
Q: NEUE Aktion Nr. 3, Berlin 30.12.1968, S. 13f

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März 1969:
In Berlin erscheint die 'NEUE Aktion ' Nr. 4 (vgl. 30.12.1968, Mai 1969). Der Artikel "Lateinamerika – Revolutionäres Dokument" berichtet über die Erklärung von 47 Geistlichen, wobei besonders auf den Bischof von Recife, Brasilien eingegangen wird.
Q: NEUE Aktion Nr. 4, Berlin März 1969, S. 10f

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April 1969:
In der Aprilausgabe des 'Roten Morgens' der KPD/ML (vgl. März 1969, Mai 1969) wird auch eingegangen wird auf den 9. Parteitag der KP Chinas, an den auch die KP Brasilien Grüße sandte.
Q: Roter Morgen, Hamburg Apr. 1969

15.11.1969:
Auf der heutigen Vietnamdemonstration in Essen verteilen der IKD-Regionalbeauftragte Ruhrgebiet und die IKD-Gruppe Köln ca. 400 Spartacus Flugblätter.

Diese wurden von der Leitung von Spartacus - IAfeKJO entworfen und
sollten den internationalen Charakter des antiimperialistischen Kampfes
und die Perspektive der Revolutionären Jugendorganisation (RJO) für
Westdeutschland enthalten.

Ziel der Intervention sei die Sammlung von Kontaktadressen, die man nun nach Aufnahme der regionalen Arbeit verwerten könne.

Berichtet wird:"
Es waren nur wenig APO-Leute da; es wurde ein Flugblatt der KPD/ML Bochum verteilt (in der anscheinend doch nur Randelemente des dortigen SDS organisiert sind): Inhalt des Flugblatts ist es, den Beweis zu führen, daß auch kapitalistische Regierungen (Schweden) den US-Krieg verurteilen, daß das von der SPD aber nicht zu erwarten ist. 'Will das die Mehrheit des deutschen Volkes, die der Regierung Brandt in den Sattel verhalf?' '… daß alles Erdenkliche unternommen wird, damit das Gemetzel in Vietnam aufhört!'

Zum Schluß der Demonstration, als wir schon auf dem Weg nach Köln waren, wurde ein Bochumer Schüler von der DKP gehindert, über das Mikrofon zu sprechen."

Bei dem oben erwähnten Flugblatt handelt es sich um zwei Seiten DIN A 4, unter Verantwortung von Klaus Dillmann, Bochum, wo es unter der Überschrift KPD/ML und ausgeschriebenem Namen der Gruppe u.a. heißt:"
Was hilft schon eine Unterzeichnung von Atombombensperrverträgen, wenn konventionelle Bomben ausreichen, um ein Volk auszurotten? Über die Indianerausrottung in Brasilien läßt sich bequem wehklagen, da man genau weiß, daß denen niemand mehr helfen kann, wenn sie sich nicht selbst der kommunistischen Guerrilla anschließen. In Vietnam jedoch, wo die USA ihren Indianerkrieg des 20.Jahrhunderts führen ('Ein guter Vietnamese ist ein toter Vietnamese'), kann auch die Regierung eines kapitalistischen Landes helfen, wie die Schweden beweisen, die als kleines Land sogar wirtschaftliche Repressalien der USA in Kauf nehmen!"
Q: KPD/ML-Gruppe Bochum: Die 'Friedens'rede Nixons…,Bochum o.J. (15.11.1969); Spartacus - IAfeKJO:Leitungssitzung vom 8.11.69,Berlin 8.11.1969; IKD-Regionalbeauftragter Ruhrgebiet: Bericht über die politische Situation im Ruhrgebiet, o.O. 24.11.1969

17.11.1969:
Es erscheint das 'SDS-Info' Nr. 24 (vgl. 3.11.1969, 1.12.1969) mit dem Artikel "Zum Tode von Carlos Marighela" in Brasilien.
Q: SDS-Info Nr. 24, Frankfurt 17.11.1969, S. 4f

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Februar 1970:
Die Ortsgruppe Freiburg der KPD/ML gibt frühestens im Februar ein Flugblatt heraus:"
Wir sind uns im klaren darüber, daß der Weg zur Errichtung der Diktatur des Proletariats in ganz Deutschland lang, voller Schwierigkeiten und harter Kämpfe sein wird. Dieser Kampf wird von jedem einzelnen Genossen höchsten Einsatz, Mut und Opferbereitschaft erfordern.

Mögen uns dabei die Genossen der Bruderparteien in ihrem heldenhaften Kampf ein Vorbild sein:

- die Genossen der KP Brasiliens (PCB,d.Vf.), die den Kampf gegen den USA-Imperialismus und die faschistische Diktatur im eigenen Land immer mehr verstärken und dabei die Organisierung der Landbevölkerung und ihre Vorbereitung auf den bewaffneten Kampf als ihre Hauptaufgabe ansehen".
Q: KPD/ML-OG Freiburg:In der Welt gibt es heute noch viele Menschen, Freiburg o. J. (1970)

06.03.1970:
Richard Stephenson von der Revolutionary Communist League (RCL) Großbritannien (vgl. Juni 1969, 28.3.1970) verfaßt "Die Vierte Internationale und unsere Haltung ihr gegenüber". Derzeit gäbe es in den meisten Ländern mehrere trotzkistische Organisationen, u.a. in Brasilien 2 Stück.
Q: RCL-Richard Stephenson: Die Vierte Internationale und unsere Haltung ihr gegenüber, o.O. 6.3.1970

Mai 1970:
Die Gruppe revolutionärer Kommunisten (Trotzkisten) der (posadistischen,d.Vf.) Vierten Internationale (GRK) gibt die Nr. 9 ihrer monatlichen 'Arbeiterstimme' (vgl. Nov. 1970) im zweiten Jahrgang heraus. Befreundet ist die GRK(T) in Brasilien mit der POR(T), die die 'Frente Operaria' herausbringt.
Q: Arbeiterstimme Nr. 15, Frankfurt Okt./Nov. 1970

03.05.1970:
In Brasilien erschießt sich, laut KPD/ML-ZB, Juarez Guinarez de Brito, der Bezirksleiter von Rio de Janeiro der Brasilianischen Befreiungsfront, kurz vor seiner Verhaftung, um nicht unter der Folter die Namen seiner Genossen preisgeben zu können.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 6, Bochum 15.6.1970

08.06.1970:
Die Nr. 4 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 21.5.1970, 11.6.1970) erscheint. In einer Serie von Meldungen über westdeutschen Kapitalexport werden u.a. das Kernkraftgeschäft mit Brasilien und die Errichtung von Werken der Siemens AG in Portugal und von Daimler in Indonesien erwähnt.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 4, Bochum 8.6.1970

15.06.1970:
Die Nr. 6 des 'KND' (vgl. 11.6.1970, 18.6.1970) der KPD/ML-ZB erscheint. In Brasilien herrsche, wie jedes Jahr, im Nordosten eine unvorstellbare Hungersnot, die zu Plünderungen von Geschäften führe. Der ehemalige Kapitän Lomarco, der zusammen mit drei LKW voll Waffen, einigen Soldaten und der Kompaniekasse sich der Brasilianischen Befreiungsfront angeschlossen hatte, und heute ihr Leiter sei, habe der Armee, als sie versuchte ihn im Tal Ribeiro im Bundesstaat Sao Paulo einzukreisen, schwere Verluste zugefügt.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 6, Bochum 15.6.1970

22.06.1970:
Vermutlich in dieser Woche gibt die Berliner KPD/AO die Nr.5 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 8.6.1970, 13.7.1970) heraus, die sich u.a. mit Brasilien befaßt.
Q: Rote Fahne Nr. 5 und 27, Berlin Juni 1970 bzw. 8.10.1971, S. 1ff bzw. S. 8

20.07.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche über Brasilien, eine Internationale Juristenkommission habe aufgedeckt, daß dort besonders politische Häftlinge grausamen Folterungen ausgesetzt seien. Auch die Todeskommandos, die in diesem Jahr bereits 200 Menschen ermordet hätten, genössen den Schutz der Regierung. In den letzten Tagen seien wieder 7 Mitglieder der illegalen Kommunistischen Revolutionären Partei (PCR) Brasiliens verhaftet worden.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 19, Bochum 29.7.1970

25.07.1970:
Die Nr. 18 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 22.7.1970, 29.7.1970) berichtet unter anderem über die Direktinvestitionen in Entwicklungsländern, die sich seit 1961 verdreifacht hätten und Ende 1969 insgesamt rund 5,4 Milliarden DM betrugen. Im Maschinenbau sei Brasilien das bevorzugte Investitionsland.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 18, Bochum 25.7.1970

05.08.1970:
Der 'KND' Nr. 21 (vgl. 1.8.1970, 8.8.1970) der KPD/ML-ZB erscheint. Aus Brasilien wird über die dortigen Niederlassungen der westdeutschen Konzerne VW, Daimler, Krupp, Mannesmann und Hoesch berichtet. Die KPD/ML-ZB meint dazu:
"Die westdeutschen Imperialisten und die faschistische Militärdiktatur leisten gute Zusammenarbeit. Dies wird verstärkt durch die vielen nach 1945 aus der BRD geflüchteten Nazis, die in Brasilien in hohen Stellen sitzen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 21, Bochum 5.8.1970

18.08.1970:
An der Universität Tübingen erscheint die Nr. 8 des 'Roten Pfeils' (vgl. 1.6.1970, 18.8.1970) - Organ der marxistisch-leninistischen Gruppen an der Universität Tübingen mit dem Artikel "Ende der Schonzeit für westdeutsche Imperialisten" zu den Angriffen auf Graf Spreti in Guatemala, von Holleben in Brasilien und zwei Techniker in Bolivien.
Q: Roter Pfeil Nr. 9, Tübingen 18.8.1970, S. 13ff

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01.09.1970:
Die Nr. 29 des 'KND' (vgl. 29.8.1970, 5.9.1970) der KPD/ML-ZB berichtet über Interessen des bundesdeutschen Kapitals auch aus Lateinamerika, wo VW und Siemens sich in Mexiko und Brasilien engagieren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 29, Bochum 1.9.1970

06.09.1970:
Laut Freimut Duve gewinnt der Salvador Allende die erste Runde der chilenischen Präsidentschaftswahlen und wird schließlich Präsident von Chile. Die KPD/ML-ZB berichtet u.a.:"
Auch im Rüstungssektor, in der Salpeterindustrie und im Bankensektor haben US-Monopole bedeutende Geldmengen investiert. Der CIA hat in Lateinamerika schon bei geringeren Anlässen Putsche veranstaltet, so in Guatemala (Arbenz) und in Brasilien (Goulart). Auch in Chile hat die Armee unter dem vergangenen Präsidenten Frei zweimal Putschversuche gestartet."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 32, Bochum 12.9.1970, S. 11f; Duve, Freimut: Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986

07.09.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
Im Nordwesten Brasiliens, im Staat Ceara, herrscht eine starke Dürreperiode. Weder die Regierung noch die Großgrundbesitzer sind bereit, den armen Bauern Hilfe zu gewähren. Die Bauern stürmen Züge und Lebensmitteldepots. Bisher hat es bei Auseinandersetzungen mit der Polizei zwei Tote gegeben."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 32, Bochum 12.9.1970, S. 12

25.09.1970:
Der 'KND' Nr. 36 der KPD/ML-ZB (vgl. 23.9.1970, 30.9.1970) befaßt sich auch mit Brasilien. Dort sei jetzt ein Gesetzvorschlag eingebracht worden, der die 'Gewinn- und Umsatzbeteiligung des Arbeitnehmers in der Privatwirtschaft' gewährleisten solle. Für die Kapitalisten würden dabei keine Kosten entstehen, da sie alles von der Steuer absetzen könnten. Ab 1971 sollen in einem Fonds gesammelt werden: 2% der Betriebsgewinne und 0,15% der Umsätze, die in 3 Jahren bis auf 5% bzw. 0,5% steigen sollen. Dieser Fonds werde bei der zentralen Sparkasse eingetragen. Die Arbeiter aber könnten über das Geld nur bei Notfällen oder beim Eigenheimbau verfügen, was sich aber sowieso niemand leisten könne.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 36,Bochum 25.9.1970

November 1970:
Die Gruppe revolutionärer Kommunisten (Trotzkisten) der (posadistischen,d.Vf.) Vierten Internationale (GRK) gibt vielleicht im November die Nr.15 ihrer 'Arbeiterstimme' (vgl. Mai 1970, 25.6.1971) für Okt./Nov. heraus. Berichtet wird u.a. aus der Metallindustrie in Sao Paulo in Brasilien.
Q: Arbeiterstimme Nr. 15, Frankfurt Okt./Nov. 1970

03.11.1970:
Es findet die europäische Weltraumkonferenz statt, an der sich 13 europäische Staaten sowie Kanada, Brasilien und Australien beteiligen. Laut KPD/ML-ZB haben sich dort die 'BRD' und Frankreich als Hauptkonkurrenten der USA in der Weltraumfahrt hervorgetan.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 50, Bochum 14.11.1970, S. 9f

07.11.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet über die Konzentration in der Stahlindustrie u.a.:"
Noch offen sind auch die Bestrebungen der westdeutschen Stahlkonzerne, mit ausländischen Gesellschaften zusammenzugehen, und die Bestrebungen, weitere Investitionen gleich im Ausland zu machen (Kanada, Brasilien).

Die allgemeine Krise des Kapitalismus und die kommende aktuelle Krise nicht nur im Stahlbereich werden die Kapitalisten zwingen, Konzentration und imperialistische Expansion zu verstärken, und sie werden die Krise so noch verschärfen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 49, Bochum 11.11.1970, S. 3f

18.11.1970:
Die Nr. 51 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 14.11.1970, 21.11.1970) erscheint. In "Terrorwelle in Brasilien" heißt es, daß dort seit Samstag 4 000 - 5 000 Menschen verhaftet worden seien. Die brasilianische Kompradorenklasse habe 15 000 Polizisten und Soldaten, sowie 5 000 zivile Geheimpolizisten aufgeboten, um "jede subversive Aktion anläßlich des Todestages des revolutionären Führers Carlos Marighela zu verhindern".
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 51, Bochum 18.11.1970

Dezember 1970:
Die DKP gibt, laut KPD (vgl. 24.4.1972), bei Mannesmann (MM) in Düsseldorf-Lierenfeld eine Ausgabe ihres 'Rohrwerkers' (vgl. Jan. 1971) heraus:"
Die Betriebszeitung der DKP bei Mannesmann 'Der Rohrwerker' hatte schon im Dezember 1970 auf einer vollen Seite einen Hilferuf im Stil brasilianischer oder nordirischer Handelsministerien hinausgeschickt: 'Sowjet-Auftrag für Mannesmann läuft 1972 aus! Deshalb, Moskauer Vertrag, sofort ratifizieren!' In der weiteren Begründung heißt es dann auch noch u.a.: 'Unser Land braucht Handel und Wandel. Der Moskauer Vertrag öffnet den Zugang zum krisenfesten sozialistischen Weltmarkt, zu einem Ozean des Absatzes. Das macht die Arbeitsplätze sicherer.'"
Q: Rote Fahne Nr. 42, Dortmund 3.5.1972, S. 4; Der Rohrwerker, Düsseldorf Dez. 1970

17.12.1970:
Eine Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML erscheint mit einem Aufruf zur Spanien-Demonstration in Bochum am 19.12.1970:"
NIEDER MIT FRANCO!

Wie immer auch der Prozeß in Burgos ausgehen mag, es liegt allein in Händen Francos und seiner Hintermänner in Washington und Bonn, ob der westdeutsche Wahlkonsul Beihl nach Burgos zurückkehren kann.

Dies machen ähnliche Fälle in Lateinamerika, z.B. jetzt in Brasilien deutlich.

UNSERE SOLIDARITÄT GEHÖRT DEN SPANISCHEN VÖLKERN"
Q: Zündkerze Nieder mit Franco, Bochum o.J. (17.12.1970)

04.01.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
BRASILIEN

Im Bundesstaat Ceara, im Nordosten Brasiliens lieferten sich Landarbeiter und Polizeitruppen ein schweres Feuergefecht. Die Polizisten ermordeten 3 Landarbeiter, ein Polizist wurde erschossen. Die Landarbeiter hatten sich geweigert, ein Stück Boden zu räumen, das sie schon seit 20 Jahren bearbeiteten, nachdem ein Großgrundbesitzer Anspruch auf das Land erhoben hatte."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 3, Bochum 13.1.1971, S. 11

06.02.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
ANTIFASCHISTISCHE DEMONSTRATION IN ROM

20 000 Arbeiter und demokratische Kräfte demonstrierten am Samstag in Rom gegen die wachsende faschistische Gefahr.

Dabei warfen die Demonstranten nicht nur der christlich-sozialdemokratischen Regierungskoalition vor, sie würden die faschistischen Verbrechen dulden: sie beschuldigten die revisionistische 'K'PI (PCI,d.Vf.), dem Treiben der Faschisten keinen ernsthaften Widerstand zu bieten.

Die Demonstranten gingen gewaltsam gegen die amerikanisch-italienische Bank, gegen die brasilianische Botschaft, die Parteizentrale der Regierungspartei Democrazia Christiana (DC,d.Vf.), die Niederlassung der Gulf-Oil und die Zentralen der faschistischen und monarchistischen Organisationen vor.

Diese Demonstration war der bisher deutlichste Beweis, daß die italienische Arbeiterklasse nicht gewillt ist, den Faschisten und ihren Helfershelfern den Boden kampflos zu überlassen. Sie zeigte, daß sie sich in diesem Kampf weder von den monopolkapitalistischen Parteien noch von der 'K'PI beirren lassen wird, die sich in der revolutionierenden Situation immer lauter als Ordnungspartei beim Kapital anbiedert."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 11, Bochum 10.2.1971, S. 10

21.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
HEINEMANN-BESUCH IN LATEINAMERIKA

Unser Bundespräsident, 'überlegter, wohlmeinender und unparteiischer Friedensstifter', bereiste vom 21.3. bis zum 2.4. die lateinamerikanischen Staaten Ecuador, Venezuela und Kolumbien.

Allen drei Staaten sei gemeinsam, so wurde im Fernsehen und in der Presse immer wieder betont, daß sie demokratisch gewählte Regierungen und 'traditionelle Bindungen' zur BRD hätten. daß die 'demokratisch gewählten Regierungen' auf recht wackeligen Füßen stehen, zeigten die starken Sicherheitsvorkehrungen für Heinemann (SPD,d.Vf.) in Bogota (Kolumbien), das während des Besuches einem Heerlager glich. In Ecuador entbrannte noch während des Heinemann-Besuches ein Machtkampf in der Armee, den der mit diktatorischen Vollmachten (die er sich übrigens selbst gegeben hat) ausgestattete gewählte Präsident nur schwer kontrollieren konnte. Trotzdem meinte Heinemann: 'Ecuador war der Höhepunkt meiner Reise'. Nun nimmt die Bundesregierung es mit der Demokratie in befreundeten Staaten nicht so genau. Die besten Beziehungen in Lateinamerika hat sie zu Brasilien, wo ein offen terroristisches Militärregime herrscht.

Die traditionellen Bindungen, die Heinemann auffrischen wollte, haben auch wenig mit demokratischen Prinzipien zu tun. Sie stammen aus der Zeit des Dritten Reichs, als Deutschland ausgezeichnete wirtschaftliche Beziehungen zu allen drei Staaten unterhielt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die deutschen Imperialisten von den Amerikanern verdrängt, doch hat sich die BRD inzwischen wieder zum zweitwichtigsten Handelspartner aller drei Staaten vorgekämpft. Alle drei Staaten verfügen über noch unerschlossene Erdölquellen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 28, Bochum 14.4.1971

April 1971:
Die Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML geben die Nr. 3 ihres 'Roten Signals' (vgl. März 1971, Mai 1971) heraus. Geschildert wird: "Der westdeutsche Imperialismus auf dem Vormarsch. Weitere Ausweitung der 'Entwicklungshilfe'" wobei u.a. auf Brasilien sowie die chinesische Hilfe für Sambia und Tansania eingegangen wird.
Q: Rotes Signal Nr. 3, Tübingen Apr. 1971, S. 9ff

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03.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet aus Madagaskar (vgl. 1960):"
Am 2./3. April kam es nach Berichten in der bürgerlichen Presse zu KÄMPFEN ZWISCHEN REGIERUNGSTRUPPEN UND ANHÄNGERN DER NATIONALEN UNABHÄNGIGKEITSBEWEGUNG MONIMA (Madagaskar für die Madegassen). Der Regierungspräsident Tsirana erklärte am 3.4. über das Radio, daß bisher 30 Rebellen erschossen worden seien.

DIE VORFÄLLE IN MADAGASKAR MÜSSEN IN ZUSAMMENHANG MIT DER STRATEGIE DER US-IMPERIALISTEN UND IHRER LAKAIEN IM INDISCHEN OZEAN UND IM SÜDATLANTIK GESEHEN WERDEN. Die Imperialisten planen ein festes Militärbündnis, das den Nahen Osten, Afrika, und die Westküste Lateinamerikas vor der 'kommunistischen Gefahr' schützen soll. Die Pläne für dieses Bündnis, das SATO (South Atlantic Treaty Organisation) heißen soll, liegen fertig in der Schublade der NATO. Portugal, Brasilien, Argentinien und die Republik Südafrika werden die wichtigsten Mitglieder. Im persischen Golf sorgt das CIA-Regime des Schah von Persien (Iran,d.Vf.) für 'Ruhe und Ordnung'. Madagaskar würde ein ideales Bindeglied zwischen dem faschistischen Dreieck SATO und dem nicht weniger faschistischen Persien bilden.

Die nationale und sozialistische Opposition hat jedoch den Kampf gegen diese Pläne aufgenommen, mit denen Madagaskar noch enger an die Imperialisten gekettet werden soll."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 29, Bochum 17.4.1971, S. 10

Juli 1971:
Es erscheint die Nr. 7 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Juni 1971, Aug. 1971) mit einem Bericht über das Todesurteil gegen Teodomiro dos Santos in Brasilien".
Q: Befreiung Nr. 7, Mülheim Juli 1971, S. 20

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03.07.1971:
In Essen beginnt die, vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale organisierte, zweitägige internationale Jugendversammlung, mit, nach eigenen Angaben, 5 000 Teilnehmern, von denen allerdings die übergroße Mehrheit aus dem Ausland stammt. Ein Aufrufflugblatt ist unterzeichnet u.a. von der Fraktion BL aus Brasilien.
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 38/39, Eschborn Nov./Dez. 1971; Flugblatt zu Essen, Bochum 1971;Innenministerium NRW: Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landtagsbehörden 1971, o.O. o.J., S. 19

September 1971:
Der KABD (vgl. 7.8.1972) berichtet in der 'RF' vom Militärputsch in Bolivien (vgl. Aug. 1971) und von der KPB/ML:"
BOLIVIANISCHE KOMMUNISTEN IM WIDERSTAND

Die Teilnahme der USA-Imperialisten und der brasilianischen Gorillas (an dem Staatsstreich) war offen und schamlos. Sie finanzierten nicht nur den Staatsstreich, sondern befehligten auch durch die US-Militärmission und die Offiziere der brasilianischen Armee die militärischen Aktionen im Gebiet Santa Cruz. Sogar die US-Presse berichtete über die Anwesenheit des Leiters der Luftwaffen-Mission der USA bei den Operationen in Santa Cruz."
Q: Rote Fahne Nr. 8, Tübingen Aug. 1972, S. 8

11.10.1971:
Es erscheint der Berliner 'Hochschulkampf' Nr. 17/18 (vgl. 13.9.1971, 1.11.1971) der der PL/PI befreundeten Roten Zellen mit dem Artikel "Lamarca: Die Revolution geht weiter" zu Brasilien.
Q: Hochschulkampf Nr. 17/18, Berlin 11.10.1971, S. 20

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18.10.1971:
In Freiburg finden, laut Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA), vermutlich heute die zweiten Antifa-Aktionseinheitsverhandlungen (vgl. 16.10.1971, 21.10.1971) statt. In der vermutlich heute erarbeiteten "Erklärung der Antifaschistischen Aktionseinheit" heißt es u.a.:"
Auf seiner Jagd nach Profiten dringt der Imperialismus in jedes Land ein, unterdrückt die Völker, beutet sie aus und hält sie politisch, militärisch und wirtschaftlich in Abhängigkeit. Um seine Herrschaft vor dem Ansturm der unterdrückten Völker zu sichern, setzt er faschistische Terrorregime ein. Die blutigen Erfahrungen des indochinesischen, indonesischen, griechischen, spanischen, persischen (iranischen,d.Vf.) und brasilianischen Volkes zeigen, daß der Imperialismus vor keinem Massenmord zurückschreckt und die Befreiung dieser Völker nur durch den bewaffneten Kampf erreicht werden kann.

Der Imperialismus und seine faschistischen Handlanger unterdrücken die Völker, wie in Persien (Iran,d.Vf.), Brasilien, Vietnam. Aber jede Verschärfung der Unterdrückung verstärkt die Entschlossenheit des Kampfes der Unterdrückten und Ausgebeuteten um ihre Befreiung vom Imperialismus."
Q: BKA Freiburg, KJB Freiburg, KPD/ML-ZK, RG, KPD/ML-ZB, KJVD: Nieder mit dem westdeutschen Imperialismus und seinen faschistischen Banden!, Freiburg o.J. (1971); Klassenkampf Extrablatt, Freiburg 21.10.1971

20.10.1971:
Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) erhält den Friedensnobelpreis. Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl. 1.11.1971) berichtet im Zusammenhang mit der Mobilmachung (vgl. 30.10.1971) und den Ereignissen in Spanien (vgl. 18.10.1971) bzw. dem Besuch des spanischen Außenministers in der 'BRD' (vgl. 25.10.1971):"
LATEINAMERIKA:

'Die gewerkschaftseigene Neue Heimat (NH), Europas größter Wohnungs- und Städtebaukonzern, sucht Kontakt zu rechten Partner. Der Finanzchef der Neuen Heimat, Dr. Harro Iden, bereits kürzlich zusammen mit dem DGB-Vorsitzenden Vetter auf einer Südamerika-Tournee auch Brasilien. Zweck der Visite: Die NH will auch in dem von Militärs beherrschten Land Häuser bauen. Auf mögliche Widersprüche zwischen linker Ideologie und rechten Bauplänen angesprochen, erklärte NH-Reisemarschall Josef Bayer in Rio: Wenn in Brasilien geeignete Partner gefunden werden, würde sich die Neue Heimat an dem politischen System nicht stören; denn so ganz demokratisch ließen sich diese Länder ja doch nicht regieren. Auf einem Gartenfest in der ehemaligen Botschafterresidenz in Rio, auf dem die deutschen Gewerkschafter auch mit - gleichgeschalteten - brasilianischen Kollegen zusammentrafen, feierten linke und rechte Gewerkschaftler die neue Freundschaft. Anschließend baten die NH-Manager alle anwesenden Journalisten, über das Renkontre Stillschweigen zu bewahren.'

- Wem nützen die Millionen DM an 'Entwicklungshilfe' und die Waffenlieferungen an die portugiesischen Kolonialisten? Wem nützt der Bau des Cabora Bassa Staudamms in der portugiesischen Kolonie Mocambique, an dem die Deutsche Bank und Siemens mitmischen? Brandt: 'Die deutsche Industrie kann hier wertvolle Hilfe leisten, wenn sie die Anlage von Produktionsstätten in Entwicklungsländern intensiviert'. Für wen, für die portugiesischen Kolonialisten, die Ausbeutung, Versklavung, Ermordung der Völker Afrikas?

- Wem nützt 'unsere' Gewerkschaft, die in Brasilien, ungeachtet des dortigen Terrorregimes Apartment-Häuser baut - den ausgehungerten Menschen in den 'Favelas', den Coca-Cola-Kisten-Städten?"
Q: Zündkerze Nr. 12, Bochum Nov. 1971, S. 12ff

Dezember 1971:
Vermutlich im Dezember wird vermutlich innerhalb der KPD/ML-ZK in Dortmund oder bereits in der Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML RM ein Papier verfaßt:"
KRISENZEICHEN: ENTLASSUNGEN UND BANKROTTE

Während nun die Importsteuer der deutschen Produktion die Marktchancen erschwert, werden zugleich die amerikanischen Autoindustriellen mit einer Sondersubvention bedacht, die ihnen die Konkurrenz gegen die westdeutschen und japanischen Autos erleichtern soll. Die Folgen für die westdeutsche Autoindustrie, die z.Z. mit der japanischen Konkurrenz um den Osteuropamarkt und den sowjetischen Markt ringt, sind noch nicht absehbar. Das Gerede der VW-Aufsichtsräte, daß VW pro verkauften Wagen sogar noch ein halbes Prozent zusätzlichen Gewinn mache, ist pure Augenwischerei, zumal die westdeutschen Kapitalisten noch die Aufwertung der DM, deren Floating noch nicht zu Ende ist, zu verkraften haben. Vielleicht denkt der VW-Konzern an Volkswagen do Brasil, damit wären jedoch die Arbeitsplätze in Westdeutschland nicht zu sichern. VW hat auch schon die Zufuhr von italienischen Arbeitern nach Wolfsburg beschränkt, angeblich wegen Mangels an Wohnraum."
Q: N.N.: Ohne Titel(Krisenzeichen: Entlassungen und Bankrotte…,o.O. o.J. (1971)

24.01.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 24.1.1972) berichtet vermutlich in dieser Woche von der Politik der 'BRD' gegenüber der SU:"
BRANDT'S 'FRIEDENSPOLITK' - EIN GRANDIOSES ABLENKUNGSMANÖVER

DIE AUSSENPOLITIK SICHERT DIE ERFOLGREICHE AUSWEITUNG DES WESTDEUTSCHEN KAPITALS

Wenn wir die Ostpolitik der Regierung untersuchen, dann müssen wir zunächst davon ausgehen, daß die BRD in den letzten Jahren dabei ist, sich eine neue politische Weltmachtstellung zu erobern. Diese Macht der BRD beruht auf der Stärke des westdeutschen Kapitals; sie ist nur der politische Ausdruck der erfolgreichen Expansion des westdeutschen Kapitals. Dieses Kapital, das den Arbeitern in Deutschland abgepreßt wird, sucht überall nach neuen Märkten und Anwendungsmöglichkeiten, um sich zu erneuern und zu vermehren: in Afrika, Amerika und Asien. Die Kapitalistenklasse macht Außenpolitik mit Hilfe ihrer jeweiligen Regierung gerade zu dem Zweck, ihr Kapital auch im Ausland, und sei es in den fernsten Kontinenten, durch riesige Geschäfte und durch Auspressung auch der dortigen Arbeiter zu vermehren. Da werden Arbeiter in Indonesien, Hongkong, den portugiesischen Kolonien, Südafrika (Azania,d.Vf.), Brasilien und Venezuela durch deutsches Kapital nicht weniger ausgebeutet als in der BRD, und niemand wird die Kumpanei der deutschen Regierung mit den meist faschistischen Regierungen dieser Länder für 'Friedenspolitik' halten."
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 1, Mannheim/Heidelberg Jan. 1972, S. 7

05.02.1972:
Die KPD (vgl. 11.2.1972) berichtet von ihrer heute und morgen angeblich in Berlin stattfindenden vierten Parteikonferenz (vgl. Nov. 1970), die sicherlich woanders und zu einem anderem Zeitpunkt stattfand. In der 'RF' heißt es am 19.4.1972:"
RECHENSCHAFTSBERICHT DES 3.ZK AN DIE 4.PARTEIKONFERENZ

10. Seit der Veröffentlichung der Programmatischen Erklärung haben sich die Auseinandersetzungen zwischen den lateinamerikanischen Völkern und dem USA-Imperialismus verschärft. Die USA-Imperialisten haben das kleinbürgerlich-nationalistische Regime in Bolivien gestürzt und versuchen, die faschistischen Regime, vor allem in Brasilien, zu stabilisieren."
Q: Rote Fahne Nr.36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 47, 50, 11, 15 und 17,Berlin bzw. Dortmund 11.2.1972, 25.2.1972, 10.3.1972, 7.4.1972, 19.4.1972,3.5.1972, 17.5.1972, 24.5.1972, 31.5.1972, 14.6.1972, 5.7.1972, 14.3.1973,11.4.1973 bzw. 25.4.1973, S. 1f, S. 2, S. 8, S. 2, S. 2, S. 2 und 8ff, S. 2 und 8, S. 2, S. 2 und 5, S. 5, S. 2, S. 5, S. 2, 5 und 7, S. *, S. 2 bzw. S. 8

23.02.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg gibt seinen 'Klassenkampf' Nr.18 (vgl. 18.2.1972, 2.3.1972) heraus:"
BRANTDS 'FRIEDENSPOLITIK' - WAFFE DES BRD-IMPERIALISMUS

DIE AUSSENPOLITIK SICHERT DIE ERFOLGREICHE AUSWEITUNG DES WESTDEUTSCHEN KAPITALS

Wenn wir die Ostpolitik der Regierung untersuchen, dann müssen wir zunächst davon ausgehen, daß die BRD in den letzten Jahren dabei ist, ihre politische Stellung auf dem Weltmarkt auszubauen. Diese Macht der BRD beruht auf der Stärke des westdeutschen Kapitals; sie ist nur der politische Ausdruck der erfolgreichen Expansion des westdeutschen Kapitals. Dieses Kapital, das den Arbeitern in Deutschland abgepreßt wird, sucht überall nach neuen Märkten und Anwendungsmöglichkeiten, um sich zu erneuern und zu vermehren: in Afrika, Amerika und Asien. Die Kapitalistenklasse macht Außenpolitik mit Hilfe ihrer jeweiligen Regierung gerade zu dem Zweck, ihr Kapital auch im Ausland, und sei es in den fernsten Kontinenten, durch riesige Geschäfte und durch Auspressung auch der dortigen Arbeiter zu vermehren. Da werden Arbeiter in Indonesien, Hongkong, den portugiesischen Kolonien, Südafrika (Azania,d.Vf.), Brasilien und Venezuela durch deutsches Kapital ausgebeutet, und niemand wird die Kumpanei der deutschen Regierung mit den meist faschistischen Regierungen dieser Länder für 'Friedenspolitik' halten."
Q: Klassenkampf Nr. 18 und 21,Freiburg 23.2.1972 bzw. 17.5.1972, S. 1ff bzw. S. 10

01.04.1972:
Es beginnt die viertägige 2.Vorkonferenz des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, an der, neben der entschuldigten bolivianischen POR u.a. teilnehmen die Octubro Brasilien.
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 40/41, Eschborn Jan. 1973

15.05.1972:
Die Sozialistische Aufbauorganisation (SAO) Bielefeld gibt ihre 'Revolutionäre Politik' Nr. 1 heraus. Berichtet wird u.a. aus Brasilien.
Q: Revolutionäre Politik Nr. 1, Bielefeld 15.5.1972, S. 27ff

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07.06.1972:
Die Gruppe revolutionärer Kommunisten (Trotzkisten) Deutsche Sektion der (posadistischen,d.Vf.) Vierten Internationale (GRK) gibt die Nr.26 ihrer 'Arbeiterstimme' (vgl. 25.6.1971, 30.7.1972) heraus. Berichtet wird u.a. aus der Metallindustrie in Sao Paulo in Brasilien.
Q: Arbeiterstimme Nr. 26, Frankfurt 7.6.1972

01.07.1972:
Die zweite Vorkonferenz des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IK - vgl. Juni 1970), die bis zum 4.7.1972 dauert, beginnt heute laut und mit IAK, anwesend ist auch Octubro Brasilien.
Q: Internationale Arbeiterkorrespondenz Nr. 40/41, Frankfurt 1973

01.09.1972:
Die Gruppe revolutionärer Kommunisten (Trotzkisten) Deutsche Sektion der (posadistischen,d.Vf.) Vierten Internationale (GRK) führt, nach eigenen Angaben, in Frankfurt gemeinsam mit Amnesty International (AI) einen Infostand gegen die Unterdrückung der Menschenrechte in Brasilien durch.
Q: Arbeiterstimme Nr. 28, Frankfurt 12.9.1972

04.09.1972:
Vermutlich Anfang dieser Woche gibt in Dortmund das Vorbereitende Komitee Huckarde Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung - Mitglied des Dortmunder Komitees 'Kampf dem reaktionären Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung' ein Flugblatt heraus:"
AUFRUF ZUM KAMPF GEGEN DAS REAKTIONÄRE AUSLÄNDERGESETZ
IN ALLER STILLE EINSCHNEIDENDE GRUNDGESETZÄNDERUNGEN VORBEREITET!

In allen Ländern der Erde, in denen noch nicht die breiten Volksmassen unter der Führung der Arbeiterklasse die Macht ergriffen haben, sind es ähnliche, meist noch grausamere Maßnahmen, mit denen die herrschende Klasse ihren unvermeidlichen Untergang herauszuzögern versucht: Sei es die Ermordung von demonstrierenden Studenten in den USA (vgl. 4.5.1972,d.Vf.), seien es die Foltermethoden in brasilianischen Gefängnissen, die Verhaftung tausender Patrioten in Spanien, die Todesurteile gegen revolutionäre Jugendliche in der Türkei, die in einer Reihe stehen mit der Verschärfung der politischen Unterdrückung bei uns in Westdeutschland, dem 10-Jahre-Urteil gegen Werner Hoppe (vgl. S4.**.197*,d.Vf.), der Ermordung von Petra Schelm (vgl. Hamburg - 15.7.1971,d.Vf.) und anderen."
Q: Vorbereitendes Komitee Huckarde: Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung: Aufruf zum Kampf gegen das reaktionäre Ausländergesetz, Dortmund o.J. (Sept. 1972)

25.09.1972:
Der 'Rote Morgen' Nr. 19 (vgl. 11.9.1972, 9.10.1972) erscheint. Aus Brasilien wird die PC do Brasil und ihr Zentralorgan 'A classe operaria' vorgestellt.
Q: Roter Morgen Nr. 19, Hamburg 25.9.1972, S. 11f

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November 1972:
In Herne gibt die Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Schüler (ASS) Herne ihre 'Herner Schülerpresse' (vgl. Mai 1972, 19.2.1973) heraus. Mit Hilfe des Spiegels vom 18.9.1972 wird berichtet über Brasilien.
Q: Herner Schülerpresse, Herne Nov. 1972, S. 23ff

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13.11.1972:
Der KJV der KPD gibt im Raum Dortmund vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Flugblatt seiner 'Kämpfenden Jugend' zu seiner Veranstaltung in Dortmund am 15.11.1972 über Willy Brandt unter Verantwortung von Maria Bergmann in Dortmund heraus, in dem es heißt:"
ZUFÄLLE?

- Der mit Abstand größte Teil deutscher Direktinvestitionen in 'Entwicklungsländer' geht nach Brasilien.

Hoesch, Mannesmann, VW, Daimler Benz und andere deutsche Großkonzerne haben riesige Zweigwerke in Brasilien.

1970 verdienten 64,5% der Werktätigen Brasiliens weniger als 200 DM monatlich.

ODER DIE VERSCHIEDENEN SEITEN DES BRD-IMPERIALISMUS?"
Q: KJV: Kämpfende Jugend - Zufälle oder die verschiedenen Seiten des BRD-Imperialismus, Dortmund o.J. (1972)

01.12.1972:
Vermutlich Anfang Dezember gibt der KB Bremen die Nr. 11 seiner 'Wahrheit' (vgl. 9.11.1972, 21.1.1973) heraus. Berichtet wird auch über "Sklavenhandel in Brasilien".
Q: Wahrheit Nr. 11,Bremen Dez. 1972, S. 12

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21.01.1973:
In der 'Wahrheit' des KB Bremen (KBB - vgl. 21.1.1973), dem quasi Zentralorgan des späteren KBW erscheint vermutlich frühestens heute folgender Artikel von Christine Bucher zur KPD/ML-ZB:"
DIE KRISE DER KPD/ML
WIE SICH DAS LINKSSEKTIERERTUM SELBST ZU GRABE TRÄGT

Unterziehen die Kommunisten sich nicht geduldig der Mühe, an den wirklichen Erscheinungsformen der Aggression, z.B. am Völkermord in Indochina, an der gewaltsamen Unterdrückung der Völker in Angola und Mozambique, in Bolivien und Brasilien das Wesen des Imperialismus aufzuzeigen und immer wieder an diesen Erscheinungen klarzumachen, daß keine bürgerliche Regierung, keine Verhandlung und kein Vertrag, sondern nur der Kampf der Massen den Frieden erhalten kann, so gelingt es ihnen nicht, die Arbeiterklasse auf die verschärften Klassenauseinandersetzungen und auf die Verhinderung eines möglichen Krieges vorzubereiten."
Q: Wahrheit Nr. 1, Bremen Jan. 1973, S. 12ff

01.02.1973:
In der Universität Münster findet eine Veranstaltung "Brasilien auf dem Weg zum sozialen Industriestaat" mit dem jesuitischen Prorektor der Universität Recife statt. Laut der Rotzeg wird der Film aufgrund des Publikumsprotests abgebrochen, danach redetet der Referent und auch der Lateinamerika-Arbeitskreis der Antiimperialistischen Liga hält einen kurzen Beitrag.
Q: Rote Germanistik Nr. 1, Münster 1973, S. 7f

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März 1973:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Bochum geben vermutlich im März die Broschüre "Schlag zu schon geht es los - Die KPD/ML und der Klassenkampf in der BRD" heraus. Im Text heißt es u.a.:"
Die Stabilität des westdeutschen Imperialismus hatte einen weitgehend anderen Charakter als daß, was man gemeinhin unter 'relativer Stabilisierung' versteht, und womit z.B. die KPD die Situation im Deutschen Reich in den Jahren 1924 - 1927 bezeichnete. Die Komintern und die KPD unterschieden damals sehr wohl zwischen DER relativen Stabilisierung, wie sie in Deutschland 1927 auftrat und dem neuen Aufstieg des Kapitalismus, wie er sich damals in den USA abzeichnete (vergl. Ernst Thälmann, Ausgew. Schriften Bd.1, S. 455).

Ähnlich muß man auch die Entwicklung der BRD als Wiederaufstieg des Kapitalismus bezeichnen. Dieser Aufstieg war gekennzeichnet durch rasche Konzentration des Kapitals im Inland und eine ungeheure Offensive des Warenexports. Gleichzeitig begann der westdeutsche Imperialismus schon vor 1955 mit dem Kapitalexport in die Länder der Dritten Welt (an erster Stelle damals Brasilien). Dies war jedoch nicht entscheidend."
Q: ML Bochum: Schlag zu und schon geht es los. Die KPD/ML und der Klassenkampf in der BRD, Bochum o.J. (1973)

03.05.1973:
Die Zelle Karmann Osnabrück des Kommunistischen Bundes Osnabrück (KBO) berichtet (vgl. 4.5.1973):
OSNABRÜCK: DER KAMPF DER GASTARBEITER BEI KARMANN

Freitag, den 4. und Montag, den 7. 5. 1973 streikten die Gastarbeiter bei Karmann Osnabrück für 5 Wochen hintereinander folgenden Urlaub. Der Kampf der zumeist spanischen und portugiesischen Arbeiter war ein Signal im Kampf um die demokratischen und wirtschaftlichen Rechte der Gastarbeiter in der BRD und war ein Signal in der örtlichen Arbeiterbewegung. Die ausländischen Kollegen haben gerade durch ihre schnellen, hartnäckigen und begeisternden Streikmaßnahmen den deutschen Kollegen einen Wegweiser aufgezeigt. Die ausländischen Kollegen haben ohne jegliche Streikleitung bis Montag den 7. 5. 1973 eine geschlossene Streikfront gebildet. Bei Karmann Osnabrück werden Karmann, Ghia,- Porsche- und VW Autos und Werkzeug- und Karosserieteile für andere Autofirmen hergestellt. Karmann hat Zweigwerke in Rheine und Brasilien."
Q: Die Rote Front Nr. 10, Dortmund Mai 1973, S. 2

Juni 1973:
Laut KG Ulm wird die früheste Stellungnahme der internationalen ML-Bewegung zur Drei-Welten-Theorie, von der KP Brasiliens bekannt. In 'A Classe Operari' wendet sie sich gegen die Behandlung der Dritten Welt als Einheit.
Q: KGU: Eine Tendenz verdeckt die andere. Kritik der Broschüre der Zentralen Leitung des KABD zur Drei-Welten-Theorie, Ulm 198*

Juni 1973:
Es erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr. 6 (vgl. Apr. 1973, Sept. 1973). Berichtet wird auch: "Brasilien: Eldorado des deutschen Imperialismus".
Q: Rotes Signal Nr. 6, Erlangen Juni 1973, S. 21ff

Juni 1973:
Der KHB/ML der ABG gibt seine 'Kommunistische Studentenzeitung' (KSZ) Nr.15 für Juni (vgl. Mai 1973, Juli 1973) heraus. Berichtet wird auch "Brasilien - Bewaffneter Kampf der Bauern".
Q: Kommunistische Studentenzeitung Nr.15,München Juni 1973,S.26f

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20.06.1973:
Die KHG Heidelberg/Mannheim/Karlsruhe, ex KHG (NRF), gibt heute die Nr. 26 ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (vgl. 31.5.1973, 6.7.1973) heraus. Das Lateinamerika-Komitee Heidelberg veröffentlicht eine Erklärung zu Brasilien.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 26, Heidelberg/Mannheim/Karlsruhe 20.6.1973

27.06.1973:
Der AStA der Uni Freiburg gibt, laut AStA PH Dortmund (vgl. 17.10.1973), sein 'Info' (vgl. 22.5.1973) heraus. Der darin enthaltene Artikel über Brasilien wird gerichtlich (vgl. Juli 1973) als Anmaßung eines allgemeinpolitischen Mandates angesehen.
Q: DOS Nr. 22, Dortmund 17.10.1973, S. 12

02.07.1973:
Die Aktion Lateinamerika (ALA) Freiburg gibt vermutlich Anfang dieser Woche erstmals ihre 'Aktion Lateinamerika' heraus. Einleitend heißt es u.a.:"
Die terroristische Taktik, die in der lateinamerikanischen Form entwickelt wurde, ist von den Franzosen in Algerien und den Amerikanern in Vietnam vervollständigt worden. Seit Anfang der 60er Jahre wird der Terror auf die Methoden ausgerichtet, mit denen der Imperialismus sich der wachsenden Befreiungsbewegung des lateinamerikanischen Volkes entgegenstellt. Nachdem dieser Terror bereits seit 1966 in Guatemala in großem Maße ausgeübt wurde, trat er in Brasilien, Bolivien, Uruguay, der Dominkanischen Republik, Argeninien und neuerdings auch in El Salvador auf. Diese Taktik unterscheidet sich von den herkömmlichen Methoden der politischen Kontrolle, wie sie von den traditionellen Diktaturen (Paraguay, Nicaragua) ausgeübt wird."
Q: Aktion Lateinamerika Nr. 1, Freiburg 1973

03.09.1973:
Für den KBW berichtet F.H. vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
DIE VOLKSMACHT AUFBAUEN
DIE TAKTIEREREI ALLENDES HINTER DEM RÜCKEN DER VOLKSMASSEN

Die brasilianische Militärregierung, die über ausgearbeitete Pläne zur Besetzung eines großen Teils von Lateinamerika verfügt, kündigte an, daß sie eine Straße von Santos nach Nordchile bauen wird."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 2, Mannheim 12.9.1973

12.09.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW führt heute intern zum gestrigen Putsch in Chile aus:"
ÄUSSERE RESERVEN DER KONTERREVOLUTION

Obwohl es eher so ist, daß die inneren Kräfte der Konterrevolution als Reserven des US-Imperialismus zu betrachten sind, denn umgekehrt (vgl. ITT-Komplott etc.) und obwohl die USA und der CIA zweifellos maßgeblich bei der Vorbereitung und Durchführung des Putsches beteiligt sind, behandeln wir die USA hier als Reserven der inneren Konterrevolution. Die USA werden jetzt vor allem dafür sorgen müssen, daß die Kräfte der Konterrevolution mit der akuten Versorgungskrise fertig werden, in die die Boykottmaßnahmen der imperialistischen Länder und der Fuhrunternehmerstreik sowie die Sabotageaktionen der faschistischen Terrorbanden das Land gestürzt haben. Offen werden sie vor allem in dieser Rolle auftreten. Sollte es, was wahrscheinlich ist, zu einem Bürgerkrieg kommen, dann würden die USA eine offene Intervention vermeiden wollen und sich stattdessen auf die konterrevolutionären Regime von Bolivien und Brasilien stützen, wenn eine Intervention nötig erscheint. Schon heute besteht ein wichtiger Beitrag der internationalen Solidarität darin, auf die drohende Intervention dieser Mächte hinzuweisen und den eigentlichen Drahtzieher, den US-Imperialismus, zu entlarven. Als solcher Drahtzieher sind auch die BRD-Imperialisten zu entlarven, die in Südamerika einen gewaltigen Einfluß ausüben."
Q: KBW-ZK-StA: Rundbrief, Mannheim 12.9.1973

20.09.1973:
Laut einem anonymen Protokoll "Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik" (vgl. 29.8.1973), welches vermutlich für die Rote Hilfe (RH) Dortmund der KPD/ML verfaßt wurde, wird Klaus Dillmann "am 20. September erneut vor Gericht stehen, diesmal in Bochum in 2. Instanz wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' (Paragraph 140 StGB). Zusammen mit 2 weiteren ehemaligen Redakteuren der Bochumer Studentenzeitung (BSZ) soll er sich für zwei Artikel verantworten, in denen die Erschießung des westdeutschen Botschafters Spreti als notwendig für die Befreiungsbewegung Guatemalas vom Joch des Imperialismus dargestellt wurde. Sie waren im März und April 1970 in der BSZ erschienen. In der Verteidigungsrede von Klaus Dillmann heißt es u.a.:"
Wenngleich man sagen muß: Guatemala ist keineswegs das Hauptbetätigungsfeld des westdeutschen Imperialismus in Lateinamerika, sondern Brasilien, wo ja engste Zusammenarbeit zwischen der westdeutschen und der brasilianischen Polizei besteht und von Scheel auch öffentlich gepriesen wurde, gegen 'Mörder' wie die FAR oder welche der Gruppierungen den Botschafter Spreti ganz gewiß aus höchst 'niedrigem Motiv' erschossen hat! Gegen Carlos Marighela und andere 'Mörder', die sich so unsittlich gegen Botschafter wie Holleben betragen, um ein paar 'Halunken' freizukaufen!"
Q: Dillmann, Klaus: Verteidigungsrede des Angeklagten Klaus Dillmann im Verfahren 16 Ms 2/71 wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' vor der II. Strafkammer Bochum am 20.September 1973,o.O. 20.9.1973

Oktober 1973:
Die Redaktion der Zeitschrift 'Der lange Marsch' gibt vermutlich im Oktober eine Broschüre zu Chile heraus.

Enthalten sind als Leitartikel Auszüge aus der Ansprache von Fidel Castro in Havanna am 28.9.1973 auf der Großkundgebung des Komitees zur Verteidigung der Revolution anläßlich des 13. Jahrestages von dessen Schaffung, auch mit dem Abschnitt "Strategische Offensive des Imperialismus" zu Argentinien, Brasilien, Peru und Uruguay.
Q: Der lange Marsch - Chile-Broschüre, Kopenhagen 1973, S. 19f

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01.10.1973:
Der KBW (vgl. 10.10.1973) berichtet (vgl. 24.9.1973):"
BRD-REGIERUNG UND PORTUGIESISCHER KOLONIALISMUS

Die gegenwärtige Weigerung der SPD/FDP-Regierung, die Republik Guinea-Bissau diplomatisch anzuerkennen, macht klar, daß sie weiterhin das Selbstbestimmungsrecht der Völker mit Füßen tritt. Obgleich sie überall lauthals für das Selbstbestimmungsrecht eintritt wie kürzlich Brandt und Scheel vor der UNO, mißachtet sie es da, wo es gegen ihre Interessen geht. Eine besonders schädliche Rolle spielt dabei die SPD-Führung, wenn es darum geht, den imperialistischen Charakter des westdeutschen Staates zu verschleiern, wie sie es im August bei dem Besuch einer Delegation der Front zur Befreiung Mozambiques (Frelimo) getan hat.

So verurteilt sie u. a. die Waffenlieferungen an Portugal, und weigert sich gleichzeitig, die Bundesregierung zur Einstellung der Waffenlieferungen zu erzwingen. Die Bundesregierung wird auch weiterhin im Rahmen des NATO-Paktes oder über Drittländer wie Israel, Brasilien oder Südafrika Waffen an Portugal liefern, die gegen den gerechten Kampf der Völker in den Kolonien eingesetzt werden."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 4, Mannheim10.10.1973,S.*; KFR-OG Dortmund: Veranstaltung: Guinea-Bissau ist unabhängig! Es spricht ein Vertreter der Befreiungsbewegung (PAIGC),Dortmund o. J. (1973),S.2.

01.10.1973:
Die französische Ligue Communiste (LC - vgl. 5.10.1973) des VS veröffentlicht ein vermutlich Anfang dieser Woche mit MIR-Führern geführtes:"
GESPRÄCH MIT CHILENISCHEN UNTERGRUNDKÄMPFERN

WAS DIE ATMOSPHÄRE IN BEZUG AUF DEN AUSLÄNDERHASS BETRIFFT, DEN DIE JUNTA ZU ENTWICKELN VERSUCHT, SO ÜBERSCHREITET DAS EINFACH DIE VORSTELLUNGSKRAFT. AUCH DARÜBER MUSS IM AUSLAND MOBILISIERT WERDEN: UNSERE GENOSSEN, DIE ALS POLITISCHE FLÜCHTLINGE ODER EINFACH ALS AUSLÄNDER HIER SIND, HAUPTSÄCHLICH DIE BRASILIANER UND BOLIVIANER, RISKIEREN IHR LEBEN IM AUGENBLICK. SIE SIND DIE JUDEN DER JUNTA GEWORDEN!

Nur weil sie mit ihren Akzent sprechen, werden sie von ihren Nachbarn denunziert. Auf einfache Denunziation hin werden sie verhaftet, ins Stadion geführt, um dort oft zu verschwinden.

Man muß sagen, man muß all das schreien. Es ist notwendig, eine Kampagne zu organisieren. Sonst besteht die Gefahr, daß eine Mauer des Schweigens um uns geschlossen wird. Gerade heute Nacht hat die Junta jedem Journalisten, jeder Person mit schweren Waffen gedroht - und man sieht, was das heißt im Mund solcher Henker - der außerhalb von Chile 'alarmierende Nachrichten' über die Repression und die Situation der Ausländer in Chile verbreitet."
Q: DOS Nr. 23, Dortmund 31.10.1973, S. 8ff

10.11.1973:
Ca. 15 000 Demonstranten versammeln sich, laut Frankfurter 'ID' (vgl. **.1*.1973), in Brüssel in Belgien, um gegen die dortige Brasil-Export- Handelsmesse zu protestieren.
Q: Frankfurter Informationsdienst Nr. 13, Frankfurt ****1973, S. 11

03.01.1974:
Der 'Rote Kumpel' - Branchenzeitung der Branchenzelle Bergbau der OAG Dortmund des KBW für die Kumpel der Bergbau AG Dortmund (vgl. 12.12.1973, 18.1.1974) erscheint vermutlich heute. Im Leitartikel heißt es u.a.:"
1974 - IMMER TIEFER IN DIE KRISE!

Wie noch kein Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik beginnt das Jahr 1974 in einer Zeit extremer Teuerung, steigender Arbeitslosigkeit, zunehmender Rohstoffverknappung und internationaler Krise in allen Ecken der Welt.

Die Hoffnung vieler Bergarbeiter, daß die Energiekrise den Bergbau wieder aufwerten würde und damit auch die Arbeitsplätze sichern würde, ist rasch wieder verflogen. Das Stillegungsprogramm der RAG wird unverändert durchgeführt und um der Abhängigkeit durch das Erdöl zu entgehen, ist nicht etwa die Steigerung der westdeutschen Kohleförderung in der Diskussion, sondern der Import billiger brasilianischer und südafrikanischer Kohle."
Q: Roter Kumpel: 1974 - Immer tiefer in die Krise, Dortmund o.J. (1974)

Februar 1974:
Der KB gibt die dritte geänderte und Auflage der Broschüre "Chile vom 'friedlichen Übergang' zur faschistischen Militär-Diktatur" heraus mit dem "Interview mit Rene de Carvalho, führender Genosse der PCBR (Brasilianische Revolutionäre Kommunistische Partei), der in Chile im Exil lebte" aus 'Die Internationale' Nr. 2 vom 6.2.1974.
Q: KB: Chile vom 'friedlichen Übergang' zur faschistischen Militär-Diktatur, Hamburg 1974, S. 42ff

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Mai 1974:
Vermutlich im Mai erscheint der 'Rote Pfeil' Nr. 3 (vgl. Apr. 1974, Juni 1974) der KSG des KABD mit dem Artikel "Know-how für deutsches Kapital am Amazonas" zu Brasilien.
Q: Roter Pfeil Nr. 3, Tübingen 1974, S. 30

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26.06.1974:
Der AStA der LMU München gibt seine 'Münchner Studentenzeitung' (MSZ) Nr. 5 (vgl. 1.6.1974, 18.7.1974) heraus. Zur Männerfußball-Weltmeisterschaft (WM) heißt es u.a.:"
IV. DER FUßBALL ALS IDEOLOGIE: OPIUM FÜRS VOLK?

'Die Brasilianer begingen den Triumph ihrer Mannschaft mit einem zweiten Karneval. Auch die ärmsten der Armen fühlten sich als Brasilianer.'

D. Kronzucker im 'Weltspiegel'

Dient der Fußball als Träger der Projektionen vom besseren Leben, so resultiert daraus seine Wirkung auf diejenigen, die an ihn glauben. Die Ideologie wirkt zurück auf die sie hervorbringende Gesellschaft. Hier haben ideologiekritische Versuche über den Fußball ihr Recht, die darauf hinweisen, daß Erfolge der deutschen Mannschaft das Staatsvolk mit seiner Regierung versöhnen, deren Wahlchancen steigern, den sozialen Frieden stabilisieren helfen, das Selbstbewußtsein stärken u. a. m. Nachweisen ließe sich auch, daß in den Ländern, die dem imperialistischen System subsumiert sind ohne selbst eine nationale Kapitalakkumulation und die Ausbildung bürgerlicher Verkehrsformen nachvollzogen zu haben, der Fußball als synthetische Form der nationalen Identität, als Ersatz für die mangelnde Staatlichkeit herhalten muß. Brasilien als Nation repräsentieren die Nationalspieler eindringlicher als die Reißbrettstadt Brasilia. Noch augenscheinlicher und auch gefährlicher wird das Ideologische, Falsche am Fußball, wenn Baby Doc Duvalier eine haitianische Fußballmannschaft aus den besten seiner Totons Macoutes aushebt, die prompt zum 'Liebling des Münchner Publikums' (SZ) wird."
Q: Münchner Studentenzeitung Nr. 5, München 26.6.1974

21.08.1974:
In der Nr. 34 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 14.8.1974, 28.8.1974) berichtet die KPD u.a. über die Umtriebe des BDI in Brasilien.
Q: Rote Fahne Nr. 34, Dortmund 21.8.1974

September 1974:
das Lateinamerika-Komitee Heidelberg gibt die Nr. 1 seiner Zeitschrift 'Lateinamerika im Kampf' heraus mit dem Beitrag "Die 'neue' brasilianische Regierung bringt für das Volk keine Änderung".
Q: Lateinamerika im Kampf Nr. 1, Heidelberg Sept. 1974, S. 8f

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September 1974:
Bei Holstein und Kappert (H+K) Dortmund findet vermutlich im September eine Betriebsversammlung statt, zu der die Ortsleitung (OL) Dortmund der KPD einen 'Rote Fahne' (RF) Sonderdruck herausgibt:"
HEUTE BETRIEBSVERSAMMLUNG!

KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Auf der letzten Betriebsversammlung berichtete Direktor Krohn, daß es keine Probleme bei H+K gäbe, der Tochterfirma Rosista in Unna und dem Zweigwerk in Brasilien ginge es gut!"
Q: KPD-OL Dortmund: Rote Fahne Sonderdruck Heute Betriebsversammlung!, Dortmund o.J. (1974)

24.09.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.17 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 13.9.1974, 9.10.1974) heraus. Es erscheint auch ein Interview mit Ex-Guerilleros aus Brasilien.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 17, Dortmund 24.9.1974, S. 8

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07.10.1974:
In Dortmund gibt die KPD frühestens in dieser Woche das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 und einer Einladung zum RFLT unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, Zimmerstr.17 (?), heraus:"
IM SOZIALISMUS GIBT ES KEINE ARBEITSLOSIGKEIT!

Während Ford hier Kurzarbeit einführt, beginnt er mit dem Aufbau eines Werkes in Spanien. VW läßt immer größere Teile in Mexiko herstellen.

'Bevor ich hier eine Mark verdient habe, sind es in Brasilien schon fünf!' erklärte VW-Chef Leiding (vgl. S1.**.197*,d.Vf.). Während der Manager vom Bauer-Verlag im Jahr 3,5 Mio., d.h. pro Stunde 1 682 DM (!) verdient, müssen hier fast 600 000 mit 60% und weniger ihres früheren Lohnes auskommen.

Das ist die Krise im kapitalistischen System: Bereicherung der Monopole und ihrer Handlanger auf Kosten der Werktätigen!"
Q: KPD: Im Sozialismus gibt es keine Arbeitslosigkeit!, Dortmund o.J. (1974)

17.03.1975:
Die KPD, vermutlich ihr Parteibüro Bielefeld, gibt vermutlich in dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, als 'KPD-Sonderdruck Kalldorf' (vgl. 3.2.1975, 24.3.1975) heraus:"
STILLEGUNG IN KALLDORF - 200 ENTLASSUNGEN IN NÜRNBERG - DAMIT DIE PROFITE VON MANNESMANN STIMMEN!

Gleichzeitig wurden die Investitionen im Ausland, vor allem in Brasilien und der Türkei wesentlich vergrößert. Beides sind faschistische Länder, in denen der Kampf der Arbeiterklasse blutig unterdrückt wird, in denen die Arbeiter für 40 - 50 Pfg. in der Stunde schuften müssen. Allein in Brasilien hat MM Produktionsanlagen, hauptsächlich Röhrenwerke, mit einem Grundkapital von 150 Mio. DM und einem Umsatz von rund 500 Mio. DM pro Jahr.

Kollegen, man sieht:
Überall, wo das Kapital und der Profit herrschen, sieht es so aus: Die Profite werden benützt, um Produktionsanlagen zu errichten, die hunderte, tausende von Arbeitern überflüssig machen."
Q: KPD-Sonderdruck Kalldorf Stillegung in Kalldorf - 200 Entlassungen in Nürnberg - damit die Profite von Mannesmann stimmen!, o.O. o.J. (1975)

23.11.1975:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW gibt seine 'Hamburger Militärzeitung' (vgl. 19.10.1975, 14.12.1975) Nr. 9 heraus mit dem Artikel "Westdeutsche Waffen in aller Welt! Die Unterstützung der chilenischen Militärjunta durch die Ausbildung des chilenischen Offiziers Kraushaar ist kein Einzelfall" mit Berichten aus Brasilien, Iran und Indonesien.
Q: Hamburger Militärzeitung Nr. 9, Hamburg 23.11.1975, S. 11ff

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08.05.1976:
In der JVA Stuttgart-Stammheim stirbt in der Nacht von heute auf morgen Ulrike Marie Meinhof (RAF). Die KPD und ihre Rote Hilfe (RH) e.V. verfassen dazu eine gemeinsame Erklärung.

Die KPD/ML berichtet:"
TOD NACH JAHRELANGER ISOLATIONSHAFT

Längst ist von eigens bezahlten Forschern herausgefunden: Eine solche Behandlung führt schon nach wenigen Tagen zu schweren gesundheitlichen Schäden. Wer auf die Dauer in Isolation bleibt, ist zum Tode verurteilt. Im faschistischen Brasilien sind bereits Hunderte politische Gefangene durch diese Isolationsfolter, durch die völlig Isolierung von der Umwelt ermordet worden."

Verbreitet wird dieser Text von der KPD/ML u.a. in NRW bei Opel Bochum (IGM- Bereich - vgl. 21.6.1976).
Q: Zündkerze Nr. 4, Bochum Juni 1976, S. 7; Rote Fahne Pressedienst Nr. 19, Köln 11.5.1976;Rote Fahne Nr. 19 und 20, Köln 12.5.1976 bzw. 19.5.1976

10.06.1976:
Die Kommunistische Gruppe Düsseldorf gibt ihre Ortsbeilage (vgl. 3.6.1976, 17.6.1976) zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 23 heraus mit dem Artikel "Mannesmann Vorzugsaktien: Griff nach den Spargroschen der Arbeiter und Angestellten" womit u.a. das Werk in Brasilien ausgebaut werde.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Düsseldorf Nr. 23, Düsseldorf 1976, S. 3f

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11.06.1976:
Das Soldaten- und Reservistenkomitee (SRK) Hamburg des KBW gibt seine 'Hamburger Militärzeitung' (vgl. 11.4.1976, 25.7.1976) Nr. 5 heraus mit einem Bildbericht zum Flottenbesuch aus Brasilien.
Q: Hamburger Militärzeitung Nr. 5, Hamburg 11.6.1976, S. 5

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29.09.1976:
In Ludwigshafen gibt die BASF-Zelle des KBW ihren 'Chemiearbeiter' Nr. 15 (vgl. 8.9.1976, 16.11.1976) heraus mit dem Artikel "BASF-Information: 'BASF in Lateinamerika'. Kapitalexport für en Profit" zu den Produktionsstätten in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Venezuela.
Q: Chemiearbeiter Nr. 15, Ludwigshafen 29.9.1976, S. 3f

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Dezember 1976:
Die DKP Ahrensburg gibt ihre Zeitung 'Die Linke' (vgl. Okt. 1976, Apr. 1977) heraus. Eingegangen wird u.a. auf den Kampf gegen AKWs, u.a. in Brokdorf. U.a. heißt es:"
MIT DER 'CHEMISCHEN KEULE' FÜR MEHR ARBEITSPLÄTZE?

Die BRD betreibt seit einiger Zeit ein sehr ausgedehntes Exportgeschäft mit Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungsanlagen (Brasilien, Iran, Südafrika?), daß insofern besonders gefährlich ist, weil es diesen Ländern den Grundstoff für die Herstellung von Atomwaffen an die Hand gibt, wobei diese Länder nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten sind.

Hier wird diese Abhängigkeit der Bundesregierung von der Atomindustrie zu einer ernstzunehmenden Gefahr für den Weltfrieden."
Q: Die Linke, Ahrensburg Dez. 1976

26.01.1977:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 4 (vgl. 19.1.1977, 2.2.1977) heraus. Aus dem Ausland wird u.a. berichtet über die KP Brasiliens.
Q: Rote Fahne Nr. 4, Köln 26.1.1977

27.01.1977:
Der KBW gibt frühestens heute seine 'Informationen für die Kollegen der Betriebe in Kaiserslautern' Nr. 1 (vgl. März 1977) heraus mit dem Artikel "Pfaff-AG: Kapitalexport auf dem Rücken der Arbeiter" nach Brasilien.
Q: Informationen für die Kollegen der Betriebe in Kaiserslautern Nr. 1, Kaiserslautern 1977, S. 4

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05.02.1977:
Auf dem 3. ordentlichen Parteitag der KPD/ML sind, laut KB, auch Vertreter der Parteien anwesend, die sich um die Schaffung einer albanien-orientierten Internationalen (vgl. 30.1.1977, 14.3.1977) bemühen. Grußbotschaften übermittelt u.a. die Delegation der Kommunistischen Partei Brasiliens.
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 58; KPD/ML-ZK: Dokumente der öffentlichen Abschlußveranstaltung des III. ordentlichen Parteitages der KPD/ML am 5.Februar 1977, Dortmund 1977

März 1977:
Bei KHD Ulm erscheint eine zweiseitige Sondernummer der KABD Betriebszeitung 'Das rote Band', welches auf die Brasilienkampagne vom 14. bis 18.3.1977 hinweist, also wohl vor dem oder am 14.3. erscheint.
Q: Das rote Band Sdr.Nr. März, Ulm März 1977

14.03.1977:
Der KABD Ulm beginnt heute seine Solidaritätskampagne gegen die 12 Todesurteile in Brasilien mit der Durchführung von Infoständen, die auch noch die nächsten drei Tage betrieben wird (vgl. 18.3.1977).
Q: Das rote Band Sdr.Nr. März, Ulm März 1977

18.03.1977:
In Ulm führt der KABD eine Veranstaltung gegen die 12 Todesurteile in Brasilien durch, u.a. mit einem Abgesandten der KP Brasiliens. Zur Vorbereitung wurden vom 14. bis 17.3.1977 Infostände betrieben.
Q: Das rote Band Sdr.Nr. März, Ulm März 1977

April 1977:
In Ulm fordert die Maiausgabe der RJVD Berufsschulzeitung 'Der Rotstift' u.a. "Heraus zum 1.Mai!", erscheint also vermutlich noch im April, da auch noch zur Veranstaltung am 29.4.1977 aufgerufen wird. Berichtet wird über die Brasiliensolidaritätswoche des KABD Ulm vom 14. bis 18.3.1977, bei der Unterschriften gesammelt, Infostände vor Betrieben und in der Stadt aufgebaut und eine Solidaritätsveranstaltung durchgeführt wurde. Der KP Brasilien habe man 743,50 DM Spenden übergeben können.
Q: Der Rotstift Nr. 3, Ulm Mai 1977

April 1977:
Der KBW gibt gegen Ende April die Broschüre "Antwort auf die Propaganda der Kraftwerkunion (KWU). Nieder mit dem Kernenergieprogramm der Kapitalisten und Bundesregierung!" heraus mit dem Abschnitt "Das Brasiliengeschäft ist Ausdruck der Expansion des westdeutschen Imperialismus".
Q: KBW: Antwort auf die Propaganda der Kraftwerkunion (KWU). Nieder mit dem Kernenergieprogramm der Kapitalisten und Bundesregierung!, Nürnberg o. J. (1977), S. 37ff

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19.04.1977:
Die Hamburger Bürgerinitiative Angestellte gegen AKWs (BUU) veröffentlicht ihre "Dokumentation Kriminalisierung eines AKW-Gegners: Ausschluss aus Betriebsrat und Gewerkschaft?" zur Auseinandersetzung bei der Dresdner Bank im HBV-Bereich, mit dem Abschnitt "Das Dresdner-Bank-Milliardengeschäft mit Brasilien!".
Q: Bürgerinitiative Angestellte gegen AKWs: Dokumentation Kriminalisierung eines AKW-Gegners: Ausschluss aus Betriebsrat und Gewerkschaft?, Hamburg 19.4.1977, S. 29

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25.04.1977:
In Frankfurt beginnt, laut KPD/ML, der 17.Kongreß der CISNU, der bis zum 29.4.1977 dauert und auf dem auch anwesend sind die PCE/ML Spanien, KEN/ML Niederlande, PCP (R) Portugal, KP Argentinien/ML, KP Brasilien, RKP Chile, KP Griechenland/ML, die PLO Palästina und die KPD/ML.
Q: Roter Morgen Nr. 18, Dortmund 6.5.1977

16.05.1977:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr. 104 (vgl. 29.4.1977, 31.5.1977) heraus. Der Artikel "ML-Internationale: Ein totgeborenes Kind!" geht zunächst davon aus, daß Enver Hoxha auf dem 7.Parteitag der PAA erklärte, daß "eine Situation eintreten (kann), in der man sogar zu einer großen Beratung der Vertreter aller marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien gelangt", und folgert daraus:"
Das ständige Ensemble dieser internationalen Wanderbühne besteht vor allem aus den Parteivorsitzenden der folgenden Organisationen:
- Die KPD/ML, 1969 gegründet.
- Die portugiesische PCP (r), 1975 gegründet,
- Die italienische PCD'I (ml), 1966 gegründet.
- Die spanische PCE (ml).
- Die griechische KKE (ML), im November 1976 aus der OMLE entstanden.

- Ferner einige lateinamerikanische ML-Parteien, nämlich die KP Argentiniens (ML), die Revolutionäre Kommunistische Partei Chiles, und die KP Brasiliens, die bei keiner der bisherigen internationalen Großkundgebungen gefehlt haben …".
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977

Juli 1977:
Die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) gibt die Nr. 27 ihrer 'Bochumer Arbeiterzeitung' (BAZ - vgl. 25.5.1977, Sept. 1977) heraus mit dem Artikel "Es geht um das Atomgeschäft mit Brasilien".
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr. 27, Bochum Juli 1977, S. 14ff

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12.12.1977:
Die Bezirksleitungen Mittelfranken/Oberfranken und Unterfranken des KBW geben eine Bezirksbeilage der 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 50 (vgl. 5.12.1977, 19.12.1977) heraus. Berichtet wird aus Schweinfurt von der Verlagerung von Preh Zweigwerk Schweinfurt ins Ausland, wo Werke in Brasilien, Österreich und Singapur eröffnet wurden, während die Werke Kassel, Wülfershausen und Bischofsheim im Kreis Rhön-Grabfeld stillgelegt wurden.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Mittelfranken/Oberfranken und Unterfranken Nr. 50, Nürnberg/Würzburg 12.12.1977, S. 3

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Mai 1978:
Der Arbeitskreis gegen Atomkraftwerke im Wattennmeer und auf dem Festland, Niebüll, gibt vermutlich im Mai seine 'Kilowattenmeer - Zeitung für Umweltfragen aus Nordfriesland' Nr. 3 heraus mit dem Artikel "Brasilien: Mysteriöse Küstenverseuchung nimmt immer schlimmere Ausmaße an", aus dem 'Nordfriesland Tageblatt'.
Q: Kilowattenmeer Nr. 3, Niebüll 1978, S. 7

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04.09.1978:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.137 (vgl. 21.8.1978, 18.9.1978) heraus. Nach dem Artikel "Mit der Bunten Liste für die Vaterlandsverteidigung?" soll der KPD-Vorsitzende Semler erklärt haben, "welche Ziele sie mit ihrer Beteiligung an Bunten/Grünen Listen verfolgen. … 'Wir glauben, daß sich für einen längeren historischen Zeitraum ein historischer Block der Demokraten, Sozialisten und Kommunisten herausbilden wird, der unter der Führung der Arbeiterklasse die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes erstreiten wird. … Dieser Block wird unserer Auffassung nach auch unter der Diktatur des Proletariats fortwirken.'"

Dazu meint der KB:"
Die KPD sieht sich in letzter Zeit sogar zunehmender Kritik in den alternativen Listen ausgesetzt. Daß sie für den Atomvertrag BRD – Brasilien und für AKW's in China eintritt, wurde ihr beispielsweise vorgeworfen. Auch ihr Bündnis mit CDU-Leuten auf der 'Lissaboner Konferenz' geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Die KPD reagierte darauf mit Rückzugsmanövern. So wandte sie sich plötzlich gegen den Atomvertrag. … Hier gilt es, immer wieder öffentlich die tatsächlichen Absichten und die Worte der KPD miteinander zu konfrontieren, um Klarheit auch in den Wahlbündnissen zu schaffen."
Q: Arbeiterkampf Nr. 137, Hamburg 4.9.1978

10.12.1979:
Die Zelle Schweinfurt des KBW gibt eine Flugschrift der 'Kommunistischen Volkszeitung für die Belegschaft bei Fichtel & Sachs und Star' Kugelhalter zur Metalltarifrunde (MTR) der IGM heraus. Berichtet wird auch über "Fichtel & Sachs vor der Automobilkrise: Kapitalexport und Verschärfung der Ausbeutung" bzw. über: "Was das Sachs-Kapital so lockt – nach Brasilien, Nigeria, Indien…"
Q: Kommunistische Volkszeitung für die Belegschaft bei Fichtel & Sachs und Star – Flugschrift, Schweinfurt 10.12.1979, S. 10f

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Letzte Änderungen: 5.4.2014

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