"Rama dama"
Münchner Initiative von Kulturschaffenden zur Wahl der DKP in den Stadtrat von München (1978)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 13.2.2020


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Zur Stadtratswahl am 5.3.1978 erschien vermutlich nur eine Nummer der "Rama dama". Eine weitere Zeitung erschien von der "Initiative Bayerischer Kulturschaffender zur Wahl der DKP bei den Bundestagswahlen am 3.10.1976". Laut Wikipedia bedeutet der Titel in bairischer Mundart auf Hochdeutsch wörtlich "aufräumen tun wir" bzw. sinngemäß "lasst uns aufräumen!".

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Februar 1978:
Vermutlich im Februar erscheint eine Ausgabe der Zeitung der "Münchner Initiative von Kulturschaffenden zur Wahl der DKP in den Stadtrat: "Rama dama", in der zur Wahl der DKP in den Münchener Stadtrat am 5.3. aufgerufen wird.

Artikel der Ausgabe sind:
- "Liebe Münchnerinnen und Münchner"
- "Mut zur DKP"
- "Oskar Neumann: Friede und Abrüstung-Kulturaufgabe Nr. 1 im Rathaus"
- "Walter, 17 Jahre und keine Zukunft"
- "Was bringt ein Kommunist im Rathaus?"
- "Atom-Einmaleins"
- "Zum Beispiel Brigitte Oberhof"
- "Ramadama-Poster"
- "München am Kabel des Kapitals?"
- "Maximilianstraße forever?"
- "Gisela Elsner: Die Exklusiv-Kurzgeschichte: Die Mieterhöhung"
- "Aufruf: Münchner Kulturschaffender zur Wahl der DKP"

Im "Aufruf Münchner Kulturschaffender zur Wahl der DKP", heißt es u. a.: "Mit einer von Wahl zu Wahl wachsenden Hoffnungslosigkeit gehen nicht wenige von uns zu den Urnen und wählen eine der im Parlament vertretenen Parteien. Sie wählen, um das Schlimmere zu verhindern: Denn für die Mehrheit der Bevölkerung steht, statt einer Verbesserung der Situation, nur noch eines zur Debatte, das Tempo, mit dem sie sich verschlechtern wird;
• das Tempo, mit dem die Preise steigen und die Reallöhne sinken;
• das Tempo, mit dem die Steuern und der Rüstungsetat erhöht werden;
• das Tempo, mit dem die demokratischen Rechte abgebaut werden;
• das Tempo, mit dem Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit weiter zunehmen.

Es ist doch offensichtlich, dass CDU/CSU, SPD und FDP untereinander weniger Unterschiede aufweisen. als sie-jeweils vor den Wahlen-der Bevölkerung weismachen wollen. In der Praxis lassen sich die angeblich grundverschiedenen Frontlinien der Wahlkämpfe nicht mehr ausmachen. In Bund, Ländern und Kommunen berufen sie sich, einander in der Verantwortung ablösend, auf ihre vielbeschworene Solidarität der Demokraten. In der Praxis zeigt sie sich in Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, Lehrstellenmangel und Numerus clausus, Preis- und Mietwucher, Abbau der Renten und Sozialleistungen, Berufsverboten und Bespitzelung, Wettrüsten und Umweltvernichtung. Damit dienen diese Parteien nicht den Interessen der Bevölkerung, sondern dem Willen von Aufsichtsräten. Bankiers, Bodenspekulanten, Pressecäsaren. Großaktionären und Rüstungsgewinnlern. (…)

Dabei bleiben die meisten Vorgänge, die den sozialen und kulturellen Besitzstand der Mehrheit angreifen, im Dunkeln. Die Münchner Presse verschweigt die Verflechtung von Kapitalinteressen und Rathauspolitik. Im Stadtrat fehlt eine Kraft. die sich dieser undemokratischen Entwicklung entgegenstellt. Sie fehlt nicht zufällig. Der Antikommunismus. dem sich alle im Stadtrat vertretenen Parteien verschrieben haben, hat dazu geführt. dass jede Alternative zur herrschenden Politik der Verfassungsfeindlichkeit verdächtigt wird. Die Stadtratsparteien brauchen den Antikommunismus, um die Wähler zu betrügen.

Wir geben der DKP die Stimme auch wenn einige von uns mit ihr nicht in allen Fragen übereinstimmen. Prüfen Sie die Vorschläge der DKP! Überzeugen Sie sich davon, dass die Kommunisten in München alle die für ihre Rechte kämpfen aktiv unterstützen: für das Recht auf Arbeit, auf Bildung und Berufsausbildung, für stabile Preise und mietgünstige Wohnungen, für demokratische Freiheiten, für Frieden und Abrüstung. Die Aussicht, eine DKP-Fraktion in den Stadtrat hineinzubekommen ist um so günstiger als es bei dieser Wahl nicht die undemokratische 5-Prozent-Klausel gibt. Wir rufen Münchens Bevölkerung auf im März 1978 sich im eigenen Interesse für eine DKP-Fraktion im Rathaus zu entscheiden".

Geworben wird u. a. für den Dortmunder "Pläne"-Verlag, für Artur Troppmann: "Die Leute aus dem 30er Haus", Hans Stütz: "Kuba. Vom Zuckerrohr zur Zukunft", für die "UZ", den Verlag "Marxistische Blätter", E. A. Rauter: "Vom Faustkeil zur Fabrik".
Quelle: Münchner Initiative von Kulturschaffenden zur Wahl der DKP in den Stadtrat: Rama dama, München, (Februar 1978).

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Letzte Änderung: 13.02.2020