Der Antikriegstag in München am 1. Sept. 1972

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 12.10.2018


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An der Mobilisierung zum Antikriegstag 1972 in München waren u.a. die Arbeiter-Basis-Gruppen (ABG) beteiligt, die sich von der heutigen kleinen Demonstration der KPD/ML-ZB und der KPD/ML-ZK, aber auch von deren großen Demonstration zum Roten Antikriegstag (RAKT) am 2. Sept. 1972 abgrenzten.

In Freiburg und Heidelberg begrüßten die Gruppen des späteren KBW die heutige Demonstration.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

25.08.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt ein Extrablatt "Der grosse Olympiabetrug" ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 7.7.1972, 4.9.1972) heraus mit dem Artikel "Solidarität mit den Münchener Genossen" zum Antikriegstag (AKT) am 1.9.1972, wozu die Demonstration des DGB begrüßt wird.
Quelle: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Der grosse Olympiabetrug, Mannheim 25.8.1972, S. 2

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01.09.1972:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg gibt seinen 'Klassenkampf' (vgl. 31.7.1972, 7.9.1972) mit vier Seiten DIN A4 als Extra-Blatt heraus unter dem Titel "Olympische Spiele. Kein 'Fest des Friedens'".

Dokumentiert wird eine Solidaritätsresolution von BKA, KJB, IFS, Aktionsrat der Uni-Basisgruppen und AStA der Uni an die heutige Demonstration zum Roten Antikriegstag (RAKT) in München.
Q: Klassenkampf Extra-Blatt Olympische Spiele. Kein 'Fest des Friedens', Freiburg 1.9.1972

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01.09.1972:
In München führen, laut KPD/ML-ZK, sie selbst und die KPD/ML-ZB eine tausendköpfige Demonstration zum Roten Antikriegstag (RAKT) durch.

Laut KPD/ML-ZB findet nachmittags im ehemaligen KZ Dachau bei München eine Kundgebung der KPD/ML's ZB und ZK statt. Gedacht wird durch eine Kranzniederlegung den Opfern des Faschismus. Während der Kranzniederlegung kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Zur heutigen Münchner DGB-Demonstration zum Antikriegstag ab Salvatorkeller zum Marienplatz rufen auch die ABG auf. Die SBG Regensburg chartert einen Bus, weitere nach ABG-Meinung fortschrittliche Teilnehmer kamen u.a. aus Mitterteich, Passau und Weiden. Die Kundgebung auf dem Marienplatz allerdings wird verboten.

Laut ABG beteiligen sich 2 000 an der Demonstration der DGB-Jugend, während KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK allein mit 250 Personen z.T. mit Helmen zum Marienplatz ziehen.

Die KPD/ML-ZK (vgl. 11.9.1972) berichtet u.a. über die DKP:"
In Dachau wurden Antifaschisten, darunter ehemalige KZ-Häftlinge, nach einer Gedenkfeier von der Polizei brutal in das ehemalige Todeslager hineingeknüppelt. Als Genossen der KPD/ML über diese Vorfälle auf dem DGB-Fackelzug darüber berichten wollten, wurden sie von Schlägertrupps der D'K'P und der Gewerkschaftsbürokraten im Verein mit der Polizei tätlich angegriffen."

Die SBG Regensburg berichtet gleichlautend im DruPa- (vgl. Sept. 1972) und im IGM-Bereich (vgl. 25.9.1972):"
EINHEIT ERKÄMPFEN!

Auf den Druck von fortschrittlichen Mitgliedern hin sah sich die Gewerkschaftsspitze heuer gezwungen, am 1.September, dem traditionellen Antikriegstag, wieder eine Demonstration zu machen. Die DGB-Jugend rief dazu auf, und rund 5 000 Kollegen, u.a. aus Regensburg, Passau und Mitterteich kamen nach München.

Von Anfang an entlarvten sich die Herren Veranstalter von der SPD- und DKP-Spitze: Häuptlinge der DKP und ihrer Jugendorganisation (SDAJ, d.Vf.) übernahmen das schmutzige, spalterische Geschäft der rechten Sozialdemokratie, allen voran DKP-Hankofer, der kreischte 'Verbrennt die roten Transparente!' Und in der Tat versuchten dafür abgestellte Ordner, mit ihren Fackeln die Transparente anzubrennen, auf denen stand:

'NIE WIEDER FASCHISMUS - NIE WIEDER KRIEG!' und 'DER FEIND STEHT RECHTS!'.

Wieder einmal hängte sich hinten ein Häuflein von Abenteurern an, die aber deshalb gefährlich sind, weil sie den SPD- und DKP-Führern ihre Spaltungsversuche erleichtern.

Leute, die sich 'KPD' und 'KPD/ML' nennen, hatten sich zusammengerottet, beschimpften die Gewerkschaften und provozierten sinnlos Militär- und Polizeieinsatz. Sie hatten sich mit Sturzhelmen 'bewaffnet', zum 'Angriff' gegen die Polizei aufgestellt."

Der KABD (vgl. 11.9.1972) berichtet:"
PROVOKATEURE WIE BESTELLT

Anfang September, am 1., 2. und 3. 9. provozierten die Linkssektierer um Aust und Genger (KPD/ML) am Rande der Olympischen Spiele mehrfach wüste Schlägereien mit Passanten und der Polizei. Diese 'Aktionen' in München und Dachau waren eigenen Angaben zufolge nicht von der Polizei verursacht, sondern mit 'kühlem Kopf und klaren Plan' seit längerer Zeit vorbereitet worden. In einem Sonderdruck der Gengerfahne 18/72 heißt es:
'Das Demonstrationsverbot muß durchbrochen werden, das Karlstor (eine Begrenzung der Olympischen Bannmeile in München, die Red.) muß genommen werden, das war der Auftrag, den ein Redner der KPD/ML allen Demonstranten gab.'
Rückblickend verkünden die wildgewordenen Kleinbürger in maßloser Selbstüberschätzung:
'Mit unseren organisierten Kampftrupps an der Spitze, die mit Helmen bewehrt und mit Schlagstöcken bewaffnet waren', haben wir dem Bonner 'Polizeistaat' einen 'schweren Schlag versetzt und ihn aufgrund unserer Organisiertheit und Entschlossenheit in Angst und Schrecken versetzt'. In Wirklichkeit liefern die ultralinken Sektierer mit ihren wüsten Schlägereien der Bourgeoisie nur neue Munition zur antikommunistischen Hetze. Die Aust/Genger treten damit mehr und mehr in die Fußstapfen der anarchistischen Baader/Meinhof-Bande."

Bei Zündapp berichten die ABG:"
Als die DGB-Jugend am 1. September gegen Krieg und für Frieden demonstrierte, wurde ihr der Marienplatz verboten - wegen der 'Friedens'-spiele.
Als eine Woche später faschistische Grüppchen mit wahren Hitlerparolen 'Sind das noch Menschen?' und 'Raus mit dem Ungeziefer!' durch die Innenstadt zogen, durften die auf den Marienplatz! Das ist die 'Münchner Linie' von Polizei und Stadtrat!"
Quellen: Kommunistische Pressekorrespondenz Nr. 36, Tübingen 11.9.1972, S. 3; Roter Widerdruck Nr. 13, München Aug. 1972, S. 1, 9 und Beilage S. 2;Kämpfende Jugend Flugblatt Nr. 8, München O. J. (1972);Arbeitersache Nr. 23 und 24, Regensburg Aug. 1972 bzw. Sept. 1972, S. 10 bzw. S. 4f;Roter Widerdruck Nr. 9, Regensburg Sept. 1972, S. 7;Rote Optik Nr. 11, München Aug. 1972, S. 6f und Beilage;Zündfunke Nr. 9, München Sept. 1972, S. 4;Roter Aufmucker Nr. 18, München Sept. 1972, S. 12;Kommunistische Arbeiter Zeitung Extrablatt Olympiade-Rechnung, München Sept. 1972, S. 3;Roter Morgen Nr. 18, Hamburg 11.9.1972, S. 1

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Letzte Änderung: 13.10.2018