Landkreis Aichach-Friedberg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 4.11.2018


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Für die bundesdeutsche Linke besaß der Landkreis Aichach-Friedberg vor allem Bedeutung aufgrund der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach, in der u. a. Gefangene aus der RAF einsaßen. Es ist allerdings auch eine Lehrerin von Repressionen wegen vermuteter KPD/ML-Anhängerschaft betroffen und auch die Bauern erfahren Beachtung im Rahmen des Antimilitarismus, aber auch des Protestes gegen das Atomkraftwerk Rehling.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

19.01.1972:
Der AStA der FAU Erlangen-Nürnberg gibt seine 'Faust-Informationen' Nr.15 (vgl. 26.10.1971, 15.5.1972) heraus. Die Knastothek Bayern umfaßt auch JVA Aichach: Margarete Gaier-Czenki.
Quelle: Faust-Informationen Nr. 15, Erlangen 19.1.1972, S. 9

27.03.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin gibt ihre 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr.5 (vgl. 13.3.1972, 17.4.1972) heraus. Berichtet wird über die Pressekonferenz von RA Croissant zu seiner Strafanzeige gegen die Justizbehörden in Bayern wegen versuchten Mordes und Körperverletzung im Amt an Carmen Roll, die in der JVA Aichach in Untersuchungshaft sitzt.
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 5, Berlin 27.3.1972, S. 1

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Juli 1972:
Die Rote Hilfe (RH) München gibt die Nr. 4 ihrer 'Rote Hilfe' (vgl. 6.3.1972) heraus mit einem Brief von Margit Czenki aus Aichach.
Q: Rote Hilfe Nr. 4, München Juli 1972, S. 7

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19.10.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 42 (vgl. 12.10.1974, 26.10.1974) heraus und berichtet über Bauern in Kühbach, die gegen das NATO-Manöver Reforger V protestieren.
Q: Roter Morgen Nr. 42, Dortmund 19.10.1974, S. 8

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23.11.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 47 (vgl. 16.11.1974, 30.11.1974) heraus. Von einer Volksschule in Aindling im Kreis Aichach-Friedberg sowie aus der Nähe von Augsburg wird berichtet von Berufsverboten bzw. Entlassungen aus dem Schuldienst, gegen die die GEW Augsburg nicht protestierte. Grund war KPD/ML-Anhängerschaft des Ehemannes bzw. Auffinden einer Adresse nach Flugblattverteilung zu G. Routhier bei MAN.
Q: Roter Morgen Nr. 47, Dortmund 23.11.1974, S. 8

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11.06.1975:
In Aichach soll ein Prozess gegen eine KPD/ML-Anhängerin beginnen, die bereits als Lehrerin Berufsverbot erhalten hatte und noch nach ihrer Entlassung an einer Elternversammlung in der Schule teilgenommen hatte. Sie erhält 150 DM Geldstrafe.
Q: Roter Morgen Nr. 23 und 26, Dortmund 7.6.1975 bzw. 28.6.1975, S. 7 bzw. S. 7

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06.09.1975:
Der AB gibt die Nr. 69 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ - vgl. 24.8.1975, 21.9.1975) heraus und berichtet u.a. vom Bundeswehrdepot in Aichach-Friedberg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 69, München 6.9.1975, S. 2

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18.10.1975:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 42 (vgl. 11.10.1975, 25.10.1975) heraus und berichtet über die Verlegung von Hubert Lehmann in die JugendJVA Aichach.
Q: Roter Morgen Nr.42,Dortmund 18.10.1975, S. 8

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20.12.1975:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 51 (vgl. 13.12.1975, 27.12.1975) heraus und berichtet durch einen Brief von Hubert Lehmann aus der JVA Aichach.
Q: Roter Morgen Nr. 51, Dortmund 20.12.1975, S. 7

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10.01.1976:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 2 (vgl. 3.1.1976, 17.1.1976) heraus. In "Schikanen gegen politische Gefangene. Weihnachtsurlaub am 22.12. gestrichen" wird berichtet aus den JVAs Aichach, Dieburg, Ebrach, München-Stadelheim und Münster.
Q: Roter Morgen Nr. 2, Dortmund 10.1.1976, S. 5

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April 1977:
Die Bezirksleitung Oberbayern/Schwaben des KBW gibt vermutlich im April eine Broschüre "Nieder mit Imperialismus und Reaktion. Kein Kernkraftwerk in Rehling" heraus. Berichtet wird auch von den Bauern in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Augsburg.
Q: KBW-Bezirksleitung Oberbayern/Schwaben: Nieder mit Imperialismus und Reaktion. Kein Kernkraftwerk in Rehling, München o. J. (1977), S. 20f

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25.04.1977:
Der Spartacusbund (SpB) gibt sein 'Spartacus' Nr. 36 (vgl. 25.3.1977, 15.6.1977) heraus. Eingegangen wird auch auf die Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach.
Q: Spartacus Nr. 36, Essen 25.4.1977

20.06.1977:
Der KBW Bezirk Oberbayern / Schwaben gibt die 'KVZ-Bezirksbeilage Oberbayern/Schwaben' Nr. 25 (vgl. 13.6.1977, 24.7.1977) heraus mit den Artikeln "Aichach: Landjugend soll Hilfsarbeiterpotential für die Kapitalisten sein" zur Jugendarbeitslosigkeit und "Aichach-Friedberg: Gebührenplünderung für KKW - Zwangsweise Müllabfuhr" zum AKW Rehling.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Oberbayern/Schwaben Nr. 25, München 20.6.1977, S. 3

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07.11.1977:
Der KBW Bezirksverband Schwaben gibt die 'Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Schwaben' Nr. 45 (vgl. 17.10.1977, 28.11.1977) heraus.
Festgestellt wird: "Der Kampf gegen das bürgerliche Schulwesen läßt sich nicht unterdrücken", wobei auch berichtet wird über Eltern auch aus Kühbach und vom Volksbegehren auch aus Wulfertshausen, von einer Schülerin aus Monheim und von der landesweiten Berufschule für Textilfach in Münchberg, Landkreis Hof.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Schwaben Nr. 45, Augsburg 7.11.1977, S. 4

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Dezember 1977:
Vermutlich im Dezember gibt die Regionalleitung Süd des KBW die Broschüre "Der Imperialismus treibt die Ausbeutung der Arbeiter in der Region Augsburg voran, ruiniert die Bauern und zerstört die Lebensbedingungen des Volkes!" heraus. Der Text gliedert sich auch in die Abschnitte:
- "Gesetzmäßig ruiniert der Imperialismus die Bauern" in den Landkreisen Aichach-Friedberg, Augsburg, Dillingen und Donau-Ries;
- "Die Schulen sind Produktionsstätten für billige Lohnsklaven", wobei u.a. Radenzhofen bzw. die Aicher Zeitung erwähnt werden; und
- "Billiger Strom aus Kernkraftwerken bringt weitere Rationalisierungen und ruiniert die Bauern noch schneller" zum AKW Rehling.
Q: KBW-Regionalleitung Süd: Der Imperialismus treibt die Ausbeutung der Arbeiter in der Region Augsburg voran, ruiniert die Bauern und zerstört die Lebensbedingungen des Volkes!, München o. J.

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05.12.1977:
Der KBW Bezirksverband Schwaben gibt zur KVZ den 'Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Schwaben' Nr. 49 (vgl. 28.11.1977, 12.12.1977) heraus. Aus Aichach wird berichtet von der Grundschule, die aufgelöst und deren Lehrerin nach Adelshausen versetzt werden sollte, was durch den Protest der Eltern verhindert wurde.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Schwaben Nr. 49, Augsburg 5.12.1977, S. 2

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20.02.1978:
Der KBW Bezirksverband Schwaben gibt die 'Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Schwaben' Nr. 8 (vgl. 13.2.1978, 20.3.1978) heraus. In "Nicht das Wetter ist schuld…" wird berichtet über die Bauern im Landkreis Aichach-Friedberg.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Schwaben Nr. 8, Augsburg 20.2.1978, S. 17

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März 1978:
Es erscheint das 'Info Hamburger Undogmatischer Gruppen' (Info-HUG - vgl. Juni 1977) Nr. 19 mit dem Text "Angriff des Staates auf Öffentlichkeitsarbeit zu politischen Gefangenen" zu Rosemarie Prieß in der JVA Aichach.
Q: Info Hamburger Undogmatischer Gruppen Nr. 19, Hamburg März 1978, S. 22ff

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18.10.1900:
Der 'Kurdistan-Rundbrief' berichtet heute aus Passau:"
RETTET MERAL AKYOL!
KURDISCHE JOURNALISTIN VON FOLTER UND TOD BEDROHT

Nur wenn auf der Stelle alles in unseren Kräften stehende unternommen wird, kann die Journalistin Meral Akyol vor Gefahr an Leib und Leben noch geschützt werden.

Frau Akyol befindet sich seit Anfang Juni in Abschiebehaft in Aichach, nachdem die Passauer Ausländerbehörde zuvor Sicherheitshaft angeordnet hatte. Die Festnahme wurde damit begründet, Akyol habe keine Erkennungsdokumente und auch versäumt, auf einen Abschiebebeschluß mit Widerspruch zu reagieren. Akyol hatte in Deutschland politisches Asyl beantragt. Den behaupteten Abschiebebeschluß jedoch nie erhalten. Schließlich wurde sie festgenommen, als sie korrekt ihre Aufenthaltserlaubnis in Passau verlängern wollte.

Im Falle der bevorstehenden Abschiebung in die Türkei droht ihr akute Lebensgefahr.

Meral Akyol war lange Zeit als freie Mitarbeiterin für die Tageszeitung 'Özgür Politika' tätig. Sie hatte Interviews produziert und dabei auch Gespräche mit deutschen Politikern geführt. Ihr Bruder, Hüseyn Akyol, wurde am 23. August abgeschoben und eine Zeit lang vermißt. Nach einem intensiven Verhör, Folter und Drohungen seitens der türkischen Behörden wurde er freigelassen.

Meral Akyol hat in der Abschiebehaft Aichach mit einem Hungerstreik begonnen. Frau Akyol, die den Streik nach 22. Tagen aufgab, befindet sich gesundheitlich in einem äußerst schlechten Zustand. Erst nach längerem Kampf konnte sie von ihrer Mutter besucht werden. Die Abschiebebehörde Passau hat die Haft nun bis zum 1. Dezember verlängern lassen und beabsichtigt, sie während des kurzen verbleibenden Zeitraumes an die Folterer in der Türkei zu übergeben.

Nur mit nationalen und internationalen Protesten, Appellen und Aktionen kann die hochgefährdete kurdische Journalistin noch gerettet
werden.

Für Auskünfte, Aktionen, Appelle und notwendige Adressen wenden Sie sich bitte an: Özgür Politika, Herrn Cemal Ucar, Tel. 0049 - 6102 - 2073 oder Email: cemalucar@rojonline.com

(Quelle: Medico international/Appell von Hannover, 2.10.00)

*Adressen für Protestbriefe und Faxe:*
Stadt Passau, Ausländeramt, Herr Linseisen, Fax: (0851) 934180; Verwaltungsgericht Regensburg, 13. Kammer, Herr Richter Ettner, Heidplatz, 93047 Regensburg;

Der Rechtsanwalt von Meral Akyol: Andreas Hermann, Tel.: (0851) 31140,
Fax: (0851) 2950."
Q: Kurdistan-Rundbrief Nr. 21, Berlin 18.10.2000

Letzte Änderung: 04.11.2018