Liebknecht-Vereinigung:
Deutschland - ein Spießermärchen. Zur Kritik des Programms bzw. der politischen Linie der KPD/ML (1977)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von D. Berger, Berlin, 16.3.2019


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Im August 1977 erschien eine weitere Broschüre der Liebknecht-Vereinigung zur Kritik der politischen Linie der KPD/ML, die, so die LV, ebenso wie KBW, KPD usw., "niemals wirklich radikal mit dem modernen Revisionismus gebrochen" hätte. Aber selbst die bisherigen und aktuellen eigenen Kritiken seien unzulänglich, denn die "wirkliche Verteidigung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus gegen den Opportunismus" könne nur heißen, den Nachweis zu führen, dass die opportunistischen Theorien falsch seien, weil sie mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmten (vgl. Vorbemerkung).

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Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

August 1977:
Von der Liebknecht-Vereinigung erscheint die Broschüre "Deutschland - ein Spießermärchen. Zur Kritik des Programms bzw. der politischen Linie der KPD/ML". Druck und Verlag: Liebknecht-Vereinigung, Berlin. Umfang: 110 Seiten.

In der Vorbemerkung dazu heißt es: "Im August 1975 gab eine Gruppe von vormaligen Mitgliedern und Sympathisanten der KPD/ML die Broschüre "Sozialchauvinismus im Gewände des Marxismus-Leninismus - Zur Linie der KPD/ML und der KPD im Kampf gegen die Kriegsgefahr" heraus. Noch betrachtete diese Gruppe die KPD/ML mehr oder weniger als marxistisch-leninistische Partei, wenn auch auf dem Wege einer schweren Verirrung. Der Sozialchauvinismus erschien uns als eine "drastische Änderung" der politischen Linie der KPD/ML, obgleich es Hinweise darauf gab, daß die Vaterlandsverteidigung im imperialistischen Krieg schon durch den bürgerlichen Nationalismus der ZK-Erklärung "Deutschland dem deutschen Volk!" vorbereitet worden war. Im Verlauf einer weitergehenden und allmählich die Entwicklung der politischen Linie der KPD/ML seit ihrer Gründung umfassenden Untersuchung mußten wir erkennen, daß der Sozialchauvinismus der "Kieler Rede" Ernst Austs und einiger nachfolgender Grundsatzdokumente nur vorläufiger Höhepunkt einer Entstellung des Marxismus und des Leninismus waren, die sich mit der Gründung der KPD/ML als ideologisch-politische Linie dieser Partei entwickelt und seit ihrer Spaltung 197o gesteigert hat.

Die "Grundsatzerklärung" und das neue Programm der KPD/ML bestätigten alle unsere bis dahin erstellten, noch unsystematischen Untersuchungen zur Linie; eine Kritik dieser Linie kann sich daher in fast allen wesentlichen Punkten auf die wichtigsten programmatischen Dokumente der KPD/ML gleichermaßen beziehen. Trotz zahlreicher Schwankungen in Einzelfragen (man denke nur an die Gewerkschafts-"Linie"!) hat die KPD/ML-Führung in den Kernpunkten ihrer Programmatik relativ feste (wenn auch nicht auf die Prinzipien des Marxismus-Leninismus verpflichtete) Positionen entwickelt. Diese Hauptfragen bestimmen auch den Gang unserer Kritik, die dabei neben den ideologisch-politischen auch methodische Aspekte aufzugreifen versucht.

Unsere ganze Kritik hat allerdings enge Grenzen, die durch die bisherige Entwicklung der revolutionären Bewegung in Westdeutschland und Westberlin mitbestimmt sind. Ebenso wie KPD, KBW usw. hat auch die KPD/ML niemals wirklich radikal mit dem modernen Revisionismus gebrochen, was unsere Kritik u.a. beweisen wird. Eine marxistisch-leninistische Theorie der Revolution für Westdeutschland - also die Verbindung der allgemeingültigen Prinzipien des Marxismus-Leninismus mit den konkreten (west-)deutschen Bedingungen - konnte sie also schon deswegen nicht hervorbringen, weil sich ihre Führung niemals den Marxismus-Leninismus wirklich angeeignet und zur Grundlage ihrer Arbeit gemacht hat. Aber auch außerhalb der genannten opportunistischen Organisationen sind bisher größere und befriedigende Beiträge zu einer solchen Theorie der Revolution, die immer Hand in Hand mit der Widerlegung der Theorien des modernen Revisionismus gehen muß, noch nicht geleistet worden. Wenn wir hier von der Theorie der Revolution und der Widerlegung der Theorien des modernen Revisionismus sprechen, so meinen wir nicht eine Aneinanderreihung allgemeiner Prinzipienerklärungen, die doch noch nichts aussagen über die konkrete Wirklichkeit des westdeutschen Imperialismus, seinen besonderen Charakter, seine Geschichte, die Klassen der westdeutschen Gesellschaft, die Wechselbeziehungen dieser Klassen im Unterschied zu anderen imperialistischen Ländern, die konkrete Ausformung der Front zwischen Revolution und Konterrevolution im Weltmaßstab usw. usf. Wirkliche Verteidigung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus gegen den Opportunismus kann nur heißen, den Nachweis zu führen, daß die opportunistischen Theorien falsch sind, weil sie mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Was Marx in Bezug auf eine einzelne Wissenschaft formulierte, gilt heute mehr denn je für alle Teilbereiche der Theorie der Revolution in Westdeutschland und Westberlin:

"Nur dadurch, daß man an die Stelle der conflicting dogmas (der widersprüchlichen Dogmen, d.V.) die conflicting facts (die widersprüchlichen Tatsachen, d.V.) und die realen Gegensätze stellt, die ihren verborgenen Hintergrund bilden, kann man die politische Ökonomie in eine positive Wissenschaft verwandeln." (Marx an Engels, lo. Oktober 1868, MEW Bd. 32, S. 18o)

Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß unsere eigenen Veröffentlichungen bisher in keiner Weise diesem Anspruch genügen, daß auch sie sich größtenteils auf der Ebene der prinzipiellen Argumentation bewegen; der Rest sind Hypothesen, auf eine beschränkte Anzahl von Tatsachen und Beobachtungen gegründet. Diese Hypothesen haben zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich, sind aber beileibe noch keine "konkrete Analyse der konkreten Situation", wie Lenin sie verlangt. Durch sie kann höchstens der Gang zukünftiger Untersuchungen vorgeschrieben werden. Nur so kann auch eine wirkliche Aneignung des Marxismus-Leninismus nach Inhalt und Methode erfolgen - indem dieser schrittweise auf die Untersuchung der heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit angewendet wird. Gerade, auf diese Aufgabe der Marxisten-Leninisten in Westdeutschland und Westberlin will die vorliegende Kritik die Aufmerksamkeit ihrer Leser lenken." (S. 3f.)

Inhaltsverzeichnis der Broschüre:
I. Vorbemerkung

II. Wie entsteht das Programm der Kommunistischen Partei?
 1. Das Parteiprogramm - Ergebnis eigener wissenschaftlicher Einsicht oder Kopie eines historischen Vorbildes?
 2. Lenin und die Kommunistische Internationale über das Parteiprogramm
 3. Welche Anforderungen sind an ein revolutionäres Programm für Westdeutschland zu stellen?

III. Über Weg und Ziel der Revolution in Westdeutschland
 1. Zum marxistisch-leninistischen Begriff der Diktatur des Proletariats
 2. Zur Bündnisfrage
 3. Zur nationalen Frage
  Volk und Nation
  Die betrügerische Losung der "nationalen Interessen"
  Zur Frage der Wiedervereinigung
  "Nationale Bewegung" und "nationale Front" gegen "nationalen Verrat"?
  Propaganda im Dienste des Revanchismus
  "Nationalbewußtsein" und nationale Kultur
  Noch einmal zum Sozialchauvinismus der KPD/ML
  Eine entwickelte nationalistische Linie

IV. Spontaneismus - eine grundlegende Linie des Programms und der Politik der KPD/ML
 1. Was ist und wie entsteht das revolutionäre Klassenbewußtsein des Proletariats?
 2. Was ist revolutionärer Klassenkampf?
 3. Verfälschungen der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung
 4. Unterschätzung von Reformismus und Revisionismus

V. Zur politischen Ökonomie der KPD/ML
 1. Kapitalismus und Mehrwerttheorie
 2. Wer hat den Reichtum der Bundesrepublik erzeugt?
 3. Die Lage der Arbeiter im Sozialismus

VI. Schluß

Quelle: Liebknecht-Vereinigung: Deutschland - ein Spießermärchen. Zur Kritik des Programms bzw. der politischen Linie der KPD/ML, Berlin: Liebknecht-Vereinigung, August 1977.

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Letzte Änderung: 16.03.2019