Ludwigsburg: Arbeiterjugend, Berufsschule und Lehrlinge

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 6.10.2018


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Unter der Arbeiterjugend bzw. an der Berufsschule und in der Jugend der IG Metall war in Ludwigsburg zunächst die Marxistisch-Leninistische Lehrlingsgruppe Ludwigsburg und dann die daraus hervorgegangene Revolutionäre Jugend (Marxisten-Leninisten) - RJ/ML des KAB/ML aktiv, die an der Berufsschule ihre Zeitung 'Einheitlich und kampfentschlossen' verteilte, zur Lehrlings-Metalltarifrunde 1972 eine tägliche Agitation vor der Berufsschule betrieb (vgl. Feb. 1972) sowie gegen den Wehrkundeerlass protestierte (vgl. 23.2.1972).

Daneben wurde auch die Ortsgruppe der Freien Sozialistischen Jugend (FSJ - vgl. 27.3.1971) und die aus dieser entstandene Gruppe der Kommunistischen Jugendorganisation (KJO) Spartacus in der Gewerkschaftsjugend (vgl. 4.7.1971, 17.10.1971) aktiv.

Später wird auch in Ludwigsburg gegen die Jugendarbeitslosigkeit protestiert (vgl. 20.2.1975), wobei neben dem KBW auch die KPD eingreift.

Zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung berichtet dann wieder der KBW vom Berufsschulzentrum Ludwigsburg (vgl. 12.12.1977, 23.1.1978).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

20.04.1970:
Der Landesverband Baden-Württemberg der RJ(ML) gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt Nr. 5 zum BBiG unter dem Titel "1. Mai-Aufruf zur Demonstration in Stuttgart" heraus, das uns in einer Version aus Tübingen (vgl. 6.4.1970, 27.4.1970), von wo Busse nach Stuttgart fahren, vorlag.
Die Demonstration und Kundgebung werde vom KAB (ML) gemeinsam durchgeführt mit Lehrlingsgruppen aus Tübingen, Stuttgart (vgl. 6.4.1970), Heilbronn, Karlsruhe, Ludwigsburg, Esslingen, Ulm und Waiblingen.
Quelle: RJ(ML)-LV Baden-Württemberg: Nr. 5 1. Mai-Aufruf zur Demonstration in Stuttgart, Tübingen o. J. (1970)

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Dezember 1970:
Die Marxistisch-Leninistische Lehrlingsgruppe Ludwigsburg gibt vermutlich im Dezember das Flugblatt "Lehrlinge fordern: Freistellung zum Schreiben des Berichtshefts!" in einer Auflage von 3 000 Stück heraus. Diese Forderung sei im letzten Flugblatt erhoben worden. Der Leitartikel gliedert sich in die Abschnitte "Wie müssen wir vorgehen, um diese Forderung durchzusetzen?", "Das Gesetz steht eindeutig hinter uns! Das Gesetz muss eingehalten werden!" und "Wie kann ein Brief an den Betriebsrat aussehen?". Beigefügt ist ein "Gutachten zur Freistellung zum Schreiben des Berichtshefts" von Dr. Klaus Croissant.

In "Frankfurter Lehrlinge streiken" wird berichtet von den städtischen Lehrlingsausbildungswerkstätten (LAW - vgl. 23.11.1970).

Eingeladen wird zu den Treffen mittwochs in der Gaststätte Ludwigslust in Eglosheim.
Q: Marxistisch-Leninistische Lehrlingsgruppe Ludwigsburg: Lehrlinge fordern: Freistellung zum Schreiben des Berichtshefts!, Ludwigsburg o. J. (1970)

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01.02.1971:
Die KPD/ML-ZB (vgl. 3.3.1971) und ihr KJVD (vgl. März 1971) berichten von der Lehrlingsmetalltarifrunde (LMTR) der IGM in Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW), daß trotz deren Abschluß am 26.1.1971 im Bereich der Ortsverwaltung Ludwigsburg diese Woche noch eine Versammlung zur Aufstellung der Forderungen stattfand, da die Ortsverwaltung nichts vom Abschluß wußte.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 3, Bochum März 1971, S. 3; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 17, Bochum 3.3.1971, S. 7

27.03.1971:
Es beginnt die zweitägige erste Vollversammlung der nordwürttembergischen Freien Sozialistischen Jugend (FSJ), an der, laut KJO Spartacus, 70 Personen teilnehmen. Berichtet wird von der bis Anfang 1970 vollzogenen Spaltung der Ludwigsburger Apo in ML (RJ/ML des KAB/ML, d.Vf.) auf der einen und Vorläufer der Freien Sozialistische Jugend (FSJ) auf der anderen Seite.

Die Ortsgruppe Ludwigsburg der FSJ habe zunächst die auf der Arbeitskonferenz in Hannover am 17.4.70 vorgelegte Fraktionsplattform der Spartacisten angenommen, und nach einem Gespräch mit der KJO eine "Plattform der linken Opposition in der FSJ" erarbeitet.
Q: KJO Spartacus: Internes Diskussions Bulletin Nr. 8/9, o.O. Okt. 1971

04.07.1971:
In Nordwürttemberg führt die Freie Sozialistische Jugend (FSJ) eine außerordentliche Vollversammlung mit, laut KJO Spartacus, 35 Teilnehmern durch. Alle Angehörigen der Linken Opposition, die der KJO Spartacus nahesteht, und u.a. in der OG Ludwigsburg präsent ist, werden bis auf 4 suspendiert, u.a. dadurch verringert sich der Mitgliederbestand der FSJ, laut KJO Spartacus, auf 30, von denen allerdings nur 10 aktiv seien.
Q: KJO Spartacus: Internes Diskussions Bulletin Nr. 8/9, o.O. Okt. 1971

Oktober 1971:
Die RJ/ML gibt die Nr. 2 ihrer Zeitung 'Einheitlich und kampfentschlossen' für den Bezirk Heilbronn, Ludwigsburg, Bietigheim (vgl. Nov. 1971) für Oktober heraus mit den Artikeln "Asperg. Vertreterversammlung" der IGM-Ortsverwaltung Ludwigsburg am 10.9.1971, "Ludwigsburg. Jugendmonat der IGM" und "Ludwigsburg. Wahl des Kreisjugendauschusses" zum DGB KJA, in dem die IGM mit, 6, die GdED mit 3 und die ÖTV mit einem Vertreter repräsentiert sind, wobei bei GdED und ÖTV "die Vertreter bestimmt wurden, da sich beide Jugendgruppen noch im Aufbau befinden".
Q: Einheitlich und kampfentschlossen Nr. 2, Ludwigsburg Okt. 1971, S. 4 und 6f

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06.10.1971:
In Ludwigsburg will die RJ/ML den Film "Lohnkampf ist Klassenkampf" im Haus der Jugend zeigen.
Q: Einheitlich und kampfentschlossen Nr. 2, Ludwigsburg Okt. 1971, S. 9

17.10.1971:
Innerhalb der KJO Spartacus erscheint, nach diesem Tage, das 'Interne Diskussions Bulletin' Nr. 8/9. Die Ortsgruppe Ludwigsburg (17 Personen) arbeite in der IG Metall, wo sie es mit FSJ, RJ/ML und linken Bürokraten zu tun habe. Sympathisantengruppen bestünden an der PH, deren 15 Teilnehmer zum Großteil ex-MLer seien und in Bietigheim. Außerdem gäbe es noch kleinere Schüler- und Lehrlingsgrüppchen in Ludwigsburg, Schorndorf und Marbach. Eventuell wolle man eine IG Chemie bzw. eine DGB-Jugendgruppe aufbauen und in der ÖTV arbeiten. Ein BVG-Komitee gemeinsam mit der RJ/ML sei gescheitert.
Q: KJO Spartacus: Internes Diskussions Bulletin Nr. 8/9, o.O. Okt. 1971

25.10.1971:
Der 'Rote Morgen' Nr. 12 (vgl. 11.10.1971, Nov. 1971) berichtet u.a. aus Ludwigsburg, wo sowohl KPD/ML-ZK als auch RJ/ML des KAB/ML im Metallbereich arbeiten.
Q: Roter Morgen Nr. 12, Hamburg 25.10.1971, S. 7

November 1971:
Die RJ/ML gibt die Nr. 3 ihrer Zeitung 'Einheitlich und kampfentschlossen' für den Bezirk Heilbronn, Ludwigsburg, Bietigheim (vgl. Okt. 1971, Dez. 1971) für November heraus mit dem Artikel "Ludwigsburg 27. Okt. 1971. Zusammenkunft der Betriebsratsvorsitzenden, Vertrauenskörperleitung und Jugendvertreter!".
Q: Einheitlich und kampfentschlossen Nr. 3, Ludwigsburg Nov. 1971, S. 6

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Dezember 1971:
Die RJ/ML gibt die Nr. 4 ihrer Zeitung 'Einheitlich und kampfentschlossen' für den Bezirk Heilbronn, Ludwigsburg, Bietigheim (vgl. Nov. 1971, Feb. 1972) für Dezember heraus mit dem Artikel "Klassenkampf in Ludwigsburg" zur Metalltarifrunde (MTR).
Q: Einheitlich und kampfentschlossen Nr. 4, Ludwigsburg Dez. 1971, S. 7f

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Februar 1972:
Die RJ/ML gibt vermutlich im Februar die Nr. 2 ihrer Zeitung 'Einheitlich und kampfentschlossen' für den Bezirk Heilbronn, Bietigheim, Ludwigsburg (vgl. Dez. 1971) heraus mit den Artikeln "Lehrlingstarife" zur LMTR, wozu die RJ-Ortsgruppen Bietigheim und Ludwigsburg letzten Monat je eine Woche lang einen Infostand vor den Berufsschulen betrieben und zum Abschluß Lehrlingsveranstaltungen durchführten und "Brief an die DKP" zu ihren 44 Thesen, von den RJ (ML) Ortsgruppen Bietigheim und Ludwigsburg am 25.2.1972 eine Veranstaltung durchführen wollen.
Q: Einheitlich und kampfentschlossen Nr. 2, Ludwigsburg 1972, S. 4ff

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23.02.1972:
In Ludwigsburg beteiligen sich, laut MLSG des KAB/ML, ca. 350 Schüler, Studenten und Berufsschüler an einer Demonstration gegen den Wehrkundeerlaß (WKE), die von einer Aktionseinheit Weg mit dem Wehrkundeerlaß aus u.a. KSG/ML, RJ/ML, MLSG, GEW-Mitgliedern und der Schülerinitiative gegen den Wehrkundeerlaß organisiert worden sei.
Q: Rebell Nr. 8, Tübingen Aug. 1972, S. 5; Münchner Schüler Zeitung Nr. 9, München Apr. 1972;Rotes Signal Nr. 2, Tübingen März 1972, S. 9f

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20.02.1975:
In Ludwigsburg beteiligen sich, laut KBW, 1 500 Jugendliche aus Ludwigsburg, Bietigheim, Kornwestheim, Stuttgart und Waiblingen an einer Demonstration gegen die Arbeitslosigkeit, zu der der IGM Ortsverein Ludwigsburg aufgerufen hatte. Der KPD gelingt es, nach eigenen Angaben, 47 'Rote Fahnen' zu verkaufen.
Q: Arbeitslosenzeitung NRW Nr. 2, Dortmund Apr. 1975, S. 2; Rote Fahne Nr. 8, Dortmund 26.2.1975, S. 5;Kommunistische Volkszeitung Nr. 8, Mannheim 27.2.1975, S. 8

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12.12.1977:
Der KBW Bezirk Mittlerer Neckar gibt einen Bezirksteil (vgl. 5.12.1977, 19.12.1977) zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 50 heraus mit dem Artikel "Weg mit dem 100-Punkte-Schlüssel! Weg mit dem Notensystem!" zu den Lehrabschlußprüfungen bzw. der Feuerbacher Berufsschule Kerschensteinerschule, den Kaufmännische Berufsschulen I und II, der Robert-Bosch Berufsschule in Zuffenhausen und der Pestalozzischule in Dürrlewang, sowie den Berufsschulzentren Ludwigsburg und Waiblingen, von der Stadtteilzelle Stuttgart-Nord.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Mittlerer Neckar Nr. 50, Stuttgart 12.12.1977, S. 20

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23.01.1978:
Der KBW Bezirk Mittlerer Neckar gibt einen Bezirksteil (vgl. 16.1.1978, 27.2.1978) zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 4 heraus. Berichtet wird auch in "Der 'Modellversuch Mensa' am Berufsschulzentrum Ludwigsburg: das Essen kann keiner bezahlen".
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Mittlerer Neckar Nr. 4, Stuttgart 22.1.1978, S. 20

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Letzte Änderung: 06.10.2018