1. Mai in der Bundesrepublik Deutschland (1977)

Materialien zur Analyse von Opposition

12.03.1977:
Ein Plenum der Verbandsleitung des RJVD des KABD findet statt. Laut MLPD (2) beschloß die ZKK des KABD zuvor "die allgemeine Untersuchung der Tätigkeit der Verbandsleitung seit der Spaltung durch die Jacob-Liquidatoren. Bei dieser Untersuchung merkte die Zentrale Kontrollkommission bald, daß es mit der Untersuchung der Verbandsleitung nicht allein getan war, sondern daß es um Widersprüche im gesamten Verband ging und letztlich um die Politik des KABD gegenüber seinem Jugendverband. … Das Plenum der Verbandsleitung am 12. März 1977 war wohl die bisher längste und härteste Auseinandersetzung. Aber am Ende stand ein neues Sekretariat, und zum politischen Leiter des RJVD wurde Stefan Engel gewählt. Eine Wende in der Leitungstätigkeit wurde eingeleitet. Dies schlug sich praktisch nieder in der Ausrichtung des Verbandes zur 35-Stundenwoche, zum Streikrecht, zur 1. Mai-Kampagne sowie zur Durchführung von Sommerzeltlagern 1977 und zur Erarbeitung des Rechenschaftsberichtes für den Verbandsdelegiertentag."
Q: MLPD-ZK:Geschichte der MLPD, II.Teil, 1.Halbband, Düsseldorf 1986, S. 288

19.03.1977:
In Darmstadt beginnt, laut AB, ein zweitägiges Treffen von über 20 Soldatengruppen:
- aus Baden-Württemberg aus Bruchsal, Großengstingen, Heidelberg, Ludwigsburg, Münsingen, Stetten am Kalten Markt und Stuttgart;
- aus Bayern aus Bad Reichenhall, Mittenwald, München und Regensburg;
- aus Bremen und Hamburg;
- aus Hessen aus Darmstadt und Offenbach;
- aus NRW aus Bochum und Duisburg.
Verabschiedet wird u.a., mit Datum von morgen, ein Aufruf zum 1. Mai.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 109 und 110, München 3.4.1977 bzw. 17.4.1977

25.04.1977:
Der Zentralvorstand (ZV) der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt vermutlich in dieser Woche das folgende Faltblatt mit sechs Seiten von je einer Drittelseite DIN A 4 unter Verantwortung von H. Schmidt heraus:"
1. Mai 1977

Arbeiter und Werktätige!

Der 1. Mai gehört Euch! Wer sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung zur Wehr setzt, wer sich für den Frieden und darum für die Freundschaft und Verständigung unter den Völkern einsetzt - für den ist der 1. Mai ein Kampftag. Seit es die Arbeiterbewegung gibt, sind die roten Fahnen am 1. Mai die Zeichen der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse und des Volkes. Die westdeutsche Regierung, die eine Regierung des Monopolkapitals ist, fürchtet diese Kampfansage. Wieder versuchen ihre Redner gemeinsam mit den Gewerkschaftsführern den Kampftag der Arbeiterklasse zu einem Tag der Klassenversöhnung, zum Regierungsmai zu verwandeln. Dies umso mehr, da sie im vergangenen Jahr erleben mußten, wie ihre von Profitsucht diktierte Politik des Lohnraubs, der Arbeitslosigkeit und der sozialen Demontage überall auf Widerstand gestoßen ist, besonders die Zerstörung der Umwelt nicht mehr hingenommen wurde.

Und die besten Helfer des Regierungsmai sind wiederum die DKP-Führer, die sich als 'konsequenteste Arbeitervertreter' und 'entschiedenste Demokraten' geben, um ihr Mitwirken an der politischen Unterdrückung wie bei Gewerkschaftsausschlüssen (UVB, d.Vf.) und Berufsverboten (BV, d.Vf.) gegen wirkliche Kommunisten und klassenbewußte Arbeiter oder fortschrittliche Lehrer zu vertuschen. Und was diese Leute wollen, ist nichts anderes als die Zuchthäuser und die russischen Panzer wie im anderen Teil unseres Landes.

Die ROTE HILFE ruft Euch zum 1. Mai auf:
Schließt Euch zusammen und macht diesen Tag zu einem Tag des Klassenkampfes und der internationalen Solidarität. Prangert mit uns die zunehmende politische Unterdrückung, Justizverfolgung und Polizeiterror an und beweist Klassensolidarität mit den politisch Verfolgten in beiden Teilen Deutschlands!

KLASSENSOLIDARITÄT GEGEN GESINNUNGSJUSTIZ UND POLIZEITERROR

Fast täglich sitzen in der BRD und Westberlin Richter und Staatsanwälte über die Gesinnung von Kommunisten und fortschrittlichen Menschen zu Gericht. 'Im Namen des Volkes' werden Urteile mit Geld- und Gefängnisstrafen gesprochen, die an die finstersten Zeiten der Reaktion, an den Hitler-Faschismus und die Kommunistenverfolgung durch das Adenauerregime anknüpfen und heute nur durch die sozialfaschistische Geheimjustiz in der DDR und Sowjetunion (SU, d.Vf.) übertroffen werden.

Mit Paragraphen, die einzig und allein auf die Kriminalisierung der Gesinnung und die Beseitigung der Meinungsfreiheit abzielen, werden kommunistische und demokratische Redakteure angeklagt, die Flugblattverteiler und Buchhändler gleich mitverurteilt: mit den Paragraphen 185, 186 und 130, 'Beleidigung', 'üble Nachrede' und 'Volksverhetzung' wird angeklagt, wer einen Richter als 'Reaktionär', Urteile als 'Gesinnungsurteile', Todesschüsse der Polizei als 'Morde' bezeichnet, wer die vertuschet Wahrheit über Polizeiverbrechen an die Öffentlichkeit bringt, hat mit Anklage wegen 'Volksverhetzung' zu rechnen! Tatsachen, Wahrheitsbeweise werden von den Gerichten abgelehnt, denn bei diesen Paragraphen kommt es darauf nicht an.

Mit den Staatsschutzparagraphen 89 und 90a 'verfassungsfeindliche Einwirkung auf Bundeswehr und öffentliche Sicherheitsorgane' bzw. 'Beleidigung der BRD' wird jede entschiedene Kritik an den Staatsorganen verfolgt, wird die Kommunistische Partei, obwohl offiziell zugelassen, faktisch verboten, ihre Presse einer Zensur unterworfen und ihre Funktionäre zu Gefängnisstrafen verurteilt. So erhielt der KPD-Funktionär Christian Heinrich ein Jahr Gefängnis ohne Bewährung (vgl. Berlin - S2.**.197*, d.Vf.), weil er für Flugblätter verantwortlich zeichnete, in denen Polizisten zur Einsatzverweigerung gegen die Bevölkerung aufgefordert wurden. Wird nach anderen Paragraphen die politische Betätigung von Kommunisten und Demokraten verfolgt, dann muß die Gesinnung entweder als Beweisersatz herhalten oder sie gilt als 'strafverschärfend'! So wurde aus der Tatsache, daß einer Funktionär der KPD ist und dem 'radikalen Denken verfallen' sei, eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung begründet!

Die Gesinnung wird verfolgt, jeder Widerstand soll mit staatlichen Gewaltmitteln, besonders der Polizei, gebrochen werden. Die Druckarbeiter (DTR der DruPa, d.Vf.) haben vor einem Jahr erfahren, mit welcher Schnelligkeit und brutalen Gewalt die Polizeitruppen eingesetzt wurden, sobald sie begannen, den Streik selbst in die Hand zu nehmen. Den gerechten Kampf der Bürgerinitiativen gegen den Bau von Atomkraftwerken (AKW, d.Vf.) hat die herrschende Klasse mit zügelloser Hetze, mit unbeschreiblichem Polizeiterror, mit dem größten Polizei- und Bundesgrenzschutzeinsatz (BGS, d.Vf.) seit 20 Jahren beantwortet. Während schon in den vergangenen Jahren über 50 Menschen, unter ihnen besonders ausländische und jugendliche Arbeiter durch Schüsse schießwütiger Polizisten ums Leben kamen, schicken sich die herrschende Klasse und ihre Parteien an, diese Polizeimorde zu legalisieren, die Polizei zu einer Bürgerkriegstruppe mit umfassenden Befugnissen, zu einem 'Staat im Staate' zu machen. das geplante 'einheitliche Polizeigesetz', das Schußwaffengebrauch sogar gegen Kinder erlaubt und den Einsatz von Maschinengewehr und Handgranaten gegen Demonstranten, ist ein faschistisches Gesetz!

Gesinnungsjustiz und Polizeiterror sind nur die Speerspitze, die der staatliche Unterdrückungsapparat gegen die Volksmassen richtet. Sie sind Vorboten der faschistischen Gefahr, die durch die fortschreitende Beseitigung der demokratischen Rechte unter dem Vorwand der 'Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung' (FdGO, d.Vf.) anwächst.

DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER - GEMEINSAM GEGEN ENTRECHTUNG UND UNTERDRÜCKUNG

Die ausländischen Kollegen in der BRD sind besonders scharfer politischer Unterdrückung ausgesetzt. Das Ausländergesetz und die Maßnahmen der Behörden stempeln sie zu Bürgern zweiter Klasse. Die nur formale Zubilligung des Rechts auf eine menschenwürdige Arbeit und Wohnung, auf ein Leben mit ihren Familien, auf Ausbildung für ihre Kinder wird vom Prosperieren der Wirtschaft abhängig gemacht. Ihre gewerkschaftliche und politische Organisierung unterliegt vollständig der Willkür von Polizei und Behörden. Die Grenzen ihrer politischen Bewegungsfreiheit werden immer enger gezogen und Übertritte mit Abschiebung verfolgt.

Wer als politischer Flüchtling in die BRD kommt, erwartet, daß ihm Asyl gewährt wird. Schließlich war unter der Nazi-Herrschaft das politische Asyl für viele von Hitler Verfolgte die einzige Hoffnung auf ein Überleben. Aber gerade in diesen Monaten plant die BRD-Regierung das Asyl-Recht radikal zu beschneiden. Den Asylbegehrenden sollen derart absurde Auflagen gemacht werden, daß von einem Rcht auf politisches Asyl nicht mehr die Rede sein kann, eher schon von einem Abschieberecht. Die Regierung gibt vor, die sog. 'auswärtigen Belange der BRD' zu vertreten und meint doch nur ihre Kumpanei mit Folter- und Mordregimes wie im Iran, in Israel und in Südafrika (Azania, d.Vf.).

Jeder deutsche Arbeiter, der schon mit ausländischen Kollegen gemeinsam im Kampf gestanden hat, weiß, daß sie mutig kämpfen und den Zusammenschluß gegen den gemeinsamen Feind wollen. Darum müssen wir alle Spaltungsmanöver zunichte machen, eine gemeinsame Kampffront aufbauen und uns schützend vor die ausländischen Kollegen stellen, wenn sie diskriminiert, abgeurteilt oder abgeschoben werden sollen.

SOLIDARITÄT MIT DEN POLITISCH VERFOLGTEN IN BEIDEN TEILEN DEUTSCHLANDS

44 Jahre Gefängnis und eine Viertel Million Geldstrafen - das ist die Bilanz der Gesinnungsjustiz im vergangenen Jahr. Hunderte von Kommunisten, Antifaschisten und Demokraten wurden vor Gericht gezerrt, weil sie für die demokratischen Rechte eintraten, sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung zur Wehr setzten. Drei Kölner Antifaschisten mußten diese Tage ins Gefängnis (vgl. S5.*.1977, d.Vf.), weil sie einem Aufmarsch der NPD-Faschisten entgegengetreten waren, sie wurden von demselben Richter Somoskeoy verurteilt, der mit rassistischen Urteilen gegen ausländische Arbeiter vorgeht, so gegen den Streikführer bei Ford/Köln 1973 (IGM-Bereich - vgl. 24.8.1973, d.Vf.), gegen Baha Targün, der jetzt in die Türkei abgeschoben werden soll, wo erneut Gefängnis, Folter und womöglich Tod auf ihn warten. Und immer noch sitzt Horst Mahler im Gefängnis, jetzt sechseinhalb Jahre lang, obwohl eine breite Solidaritätsbewegung seine Freilassung und die Wiederaufnahme seines Prozesses fordert!

In der DDR ist die Lage noch schlimmer! Tausende politische Gefangene in den Zuchthäusern des Honecker-Regimes, weil sie für die Freizügigkeit in ganz Deutschland eintraten und gegen die russische Besetzung auftraten. Es sind Arbeiter und Werktätige, deren Namen keiner kennt, und demokratische Oppositionelle wie der Schriftsteller Jürgen Fuchs oder der Sänger Gerulf Pannach, die seit Monaten den faschistischen Folter- und Verhörmethoden des Stasi ausgesetzt sind.

Arbeiter, Werktätige,

die Gesinnungsjustiz und der Polizeiterror in der BRD, die immer neuen Gesetze zur Beseitigung grundlegender demokratischer Rechte wie das faschistische Polizeigesetz, die fast lückenlose Bespitzelung und schrankenlose Unterdrückung in der DDR zeigen, daß die herrschenden Klassen diesseits und jenseits der Grenze durch unser Land zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft keine anderen Mittel als Unterdrückung und Terror haben, wenn ihre Demagogie nicht mehr ausreicht, diese ihre Herrschaft als 'Freiheit' oder 'Sozialismus' auszugeben. Heute gilt es, diesen Herren, den Bourgeoisieklassen in der BRD und der DDR und der russischen Fremdherrschaft in der DDR entgegenzutreten, mit den politisch Verfolgten uneingeschränkte Solidarität zu üben und jeden Fußbreit demokratische Rechte zu verteidigen!"

Es folgt eine Abbildung zweier Spendenmarken des Rechtshilfefonds, wozu es heißt:"
Der Rechtshilfefonds dient der finanziellen Unterstützung der politisch Verfolgten, er wird zur Bestreitung von Prozeß- und Verteidigerkosten, für die zu leistenden Gegenermittlungen und für die Publikationstätigkeit zugunsten der Verfolgten eingesetzt."

In einem Kasten heißt es, "Heraus zu den Roten Mai-Demonstration!", wobei in unserem Exemplar die Kölner Demonstration genannt wird, und "Kommt zu den Kundgebungen vor den Gefängnissen!", wobei in unserem Exemplar eine Kundgebung vor der JVA Remscheid (vgl. 30.4.1977) genannt wird.
Q: RH e.V.-ZV:1. Mai 1977, Köln o.J. (1977)

01.05.1977:
Die KPD/ML bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. Dez. 1977) berichtet aus der Türkei über die Grauen Wölfe bzw. die MHP:"
Am 1. Mai dieses Jahres war es diese faschistische Terrorbande, die in Istanbul unter den 400 000 Arbeitern, die sich dort zu einer Kundgebung versammelt hatten, ein Blutbad anrichtete. 38 Tote und 300 Verwundete wurden Opfer dieses barbarischen Gemetzels."
Q: Zündkerze Nr. 7, Bochum Dez. 1977, S. 6

01.05.1977:
Die Liga gegen den Imperialismus (LgdI) gibt ein Flugblatt ihrer Zeitschrift 'Internationale Solidarität' heraus, welches unter der Überschrift "1. Mai" aufruft zu den Blöcken der LgdI auf den revolutionären Maidemonstrationen in Köln, Westberlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Stuttgart und München sowie zu Spenden für die ZANU Zimbabwe.

Verteilt wird dieses Flugblatt auch in Bochum.
Q: Internationale Solidarität 1. Mai, Köln o. J. (1977)

Bochum_KPD095

Bochum_KPD096


01.05.1977:
Die Gruppe Arbeiterstimme-Mehrheitsgruppe (vgl. 26.6.1977) berichtet, dass sich am diesjährigen 1. Mai insgesamt ca. 30% weniger Menschen beteiligen, außer in Berlin, Bremen und Hamburg.
Q: Arbeiterstimme Nr. 3/4, Nürnberg 26.6.1977

01.05.1977:
Die 'Rote Fahne' des KABD erhält, nach eigenen internen Angaben, baden-württembergische Korrespondenzen über den 1. Mai aus Stuttgart, Pforzheim, Weil der Stadt, Ludwigsburg, Mannheim, Nürtingen, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Tübingen, Göppingen, Konstanz, Biberach, Schwäbisch Gmünd, Waiblingen, Aalen und Ulm.

Bayrische Berichte gehen aus Erlangen, Nürnberg, Augsburg, München, Würzburg, Coburg, Schweinfurt, Aschaffenburg und Regensburg ein.
Q: Lernen und kämpfen Nr. 6, o.O. Juni 1977

01.05.1977:
Die SAG gab ein Extra ihrer 'Sozialistischen Arbeiterzeitung' zum 1. Mai (vgl. 27.4.1977, 25.5.1977) heraus.
Q: Sozialistische Arbeiterzeitung Extra zum 1. Mai, Frankfurt o.J. (1977)

01.05.1977:
Über den 1. Mai in Baden-Württemberg berichtet der KB, daß die Dominanz von KABD und KBW geblieben sei, "wenn auch der letztere im Vergleich zum Vorjahr viel Federn lassen mußte. Resignation und Entpolitisierung ist die Haupttendenz unter den Spontis, v.a. in den Uni-Städten Heidelberg, Tübingen und Freiburg. Die KB-Sympathisantengruppen sind immer noch zu schwach, um dieser Entwicklung Nennenswertes entgegenzustellen. In mehreren Städten versuchten die KB-Sympathisanten unter Einbeziehung der örtlichen Linken Aktionseinheiten herzustellen, es gelang aber - mit Ausnahme des bescheidenen Erfolges in Freiburg - nirgendwo."
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 10

01.05.1977:
In Hessen hat der KB, nach eigenen Angaben, "verschiedene kleinere Aktivitäten entfaltet (z.B. in Wetzlar, Gießen, Marburg) und eigenständig oder in Aktionseinheit mit örtlichen Gruppierungen in drei Städten Kundgebungen oder Veranstaltungen durchgeführt. Insgesamt haben sich daran 1 400 bis 1 500 Personen beteiligt."
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 10

01.05.1977:
In Schleswig-Holstein gab es, laut KB, u.a. eine Reihe "kleinerer Veranstaltungen, die entweder von örtlichen KB-Gruppen, oder Jugendzentren und Bürgerinitiativen, in denen KB-Sympathisanten mitarbeiten, veranstaltet wurden."
Mai-Veranstaltungen des KB gab es im Schleswig-Holsteiner Raum u.a. in: Mölln (35 Teilnehmer), Eutin (60 Teilnehmer), in Niebüll (mit 35 Teilnehmern), und in Neustadt (mit 30 - 40 Teilnehmern). "Insgesamt haben etwa 1 600 bis 1 700 Leute aus Schleswig-Holstein an Mai-Veranstaltungen des KB bzw. an Aktionseinheiten, die von uns mitgetragen wurden, teilgenommen. Das sind gegenüber 750 - 800 Leuten im letzten Jahr etwas mehr als doppelt soviele."
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 9

01.05.1977:
Zum 1. Mai in NRW meint der KB:"
Die Positionen der Linken haben sich gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verbessert … Der politische Einfluß des KB hat sich gegenüber dem Vorjahr auf recht viele Städte im Ruhrgebiet ausdehnen können, die einzelnen örtlichen Gruppen und Sympathisanten-Kollektive sind aber noch sehr schwach und können noch nicht als wesentlicher politischer Faktor in Erscheinung treten. Gewachsen ist unser Einfluß vor allem im Norden dieses Bundeslandes und der Mobilisierungserfolg in Bielefeld ist dabei hervorstechendes Merkmal; demgegenüber stagnierte unser Einfluß in Bochum, unserer ältesten NRW-Ortsgruppe. An von uns mitgetragenen Mai-Veranstaltungen in NRW haben wenig mehr als 1 500 Menschen teilgenommen."
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 11

Juni 1977:
In Ulm hat der RJVD des KABD eine auf Juni datierte Ausgabe seiner Berufsschulzeitung 'Der Rotstift' (vgl. Apr. 1977) erstellt, die aber, nach Angaben des RJVD, nicht verteilt wurde. Neben Berichten über den 1. Mai wird darin u.a. eine Solidaritätserklärung der Ortsgruppe Ulm des RJVD mit den Toten und den Überlebenden des 1. Mai in Istanbul veröffentlicht.
Q: Der Rotstift, Ulm Juni 1977

09.06.1977:
Vermutlich frühestens heute erscheint das von der Ortsleitung (OL) Dortmund der KPD herausgegebene Flugblatt:"
6 TÜRKISCHE PATRIOTEN VERHAFTET!
SOFORTIGE FREILASSUNG!

Die Türkei ist vor allem für die neuen Zaren heute ein begehrtes Objekt. Versperrt ihnen dieses Land, besonders mit seinen Hoheitsrechten über die Dardanellen (Meeresenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer) doch den Auslauf seiner Kriegsflotte aus dem Schwarzen Meer. Die russischen Sozialimperialisten mischen sich deshalb in der letzten Zeit immer offener und unverschämter in die inneren Belange der Türkei ein. Die wichtigste Stütze ist ihnen dabei die revisionistische 'Kommunistische' Partei. Sie bildet ebenso wie die faschistischen 'Grauen Wölfe' bewaffnete Banden. Sie unterscheiden sich von diesen nur dadurch, daß sie ihre Verbrechen im Namen des 'Kommunismus' begehen. So sind sie mit für das Flugblatt verantwortlich, das die herrschende militärfaschistische Clique auf der 1. Mai Kundgebung in Istanbul (vgl. S2.*.1977, d.Vf.) anrichtete. 50 Arbeiter wurden bei diesem Massaker getötet und über 200 schwer verletzt. Die revisionistische 'kommunistische' Partei unterstütze dieses Massaker voll und ganz. Schon vor dem 1. Mai redete sie laut davon, daß sie die 'Maoisten zerschlagen würde' und das 'Blut der Maoisten' trinken wollten. Diese sozialfaschistischen Elemente arbeiten auch hier in der BRD offen mit der politischen Polizei zusammen."
Q: KPD-OL Dortmund:6 türkische Patrioten verhaftet! Sofortige Freilassung!, Dortmund, o.J. (Juni 1977)

Dezember 1977:
Die Nr. 7 der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der KPD/ML für Opel-Bochum (vgl. 21.6.1976, 7.5.1984) erscheint. In einem Artikel heißt es:"
TÜRKISCHER FASCHIST IM BETRIEBSRAT
EIN SPRICHWORT…

Muza Gücer ist Faschist. Er unterstützt die türkische faschistische Terrorbande 'Graue Wölfe'. Auf ihr Konto gehen zig Morde, brutale Überfälle und die Terrorisierung türkischer Kollegen. Sein Vorbild wie das seiner faschistischen Bande ist Hitler. So eifert er ihm auch nach, stolziert wie ein KZ-Aufseher in den Wohnheimen herum, trägt frech das Abzeichen der Grauen Wölfe zur Schau. Wenn er kommt, verstummt so manches Gespräch, eine Atmosphäre wie im Faschismus macht sich breit, denn die türkischen Kollegen wissen: Die Grauen Wölfe bleiben nicht bei Drohungen.

Neset Danis, fortschrittlicher Arbeiter in Hamburg, wurde mit dem Ruf 'Wer Allah liebt, tötet die Kommunisten' erschlagen (in Norderstedt - vgl. 5.5.1974, d.Vf.), in Hilden ein türkischer Arbeiter erstochen (vgl. S5.**.197*, d.Vf.) Unzählige Terrorüberfälle wurden von dieser Organisation verübt, die mit ihrer Partei, der MHP - Partei der nationalistischen Bewegung, die auch in Bochum, Dorstener Straße 8 jetzt ein Büro unterhält - danach strebt, 'einen nationalen Staat zu gründen, der für ein paar Haare eines Türken die ganze Welt opfern wird'. Am 1. Mai dieses Jahres war es diese faschistische Terrorbande, die in Istanbul unter den 400 000 Arbeitern, die sich dort zu einer Kundgebung versammelt hatten, ein Blutbad anrichtete. 38 Tote und 300 Verwundete wurden Opfer dieses barbarischen Gemetzels.

Sollten diese Tatsachen der IGM und ihren Funktionären bei Opel etwa nicht bekannt sein? Kennen sie, die doch sonst an alle Flugblätter herankommen, ausgerechnet nicht das Flugblatt, wo diese Terrorbande mit ihrem Wolfsemblem versehen ihre faschistische Ideologie verbreitet? - Das ist unvorstellbar. Vielmehr ist es so, daß die IG Metall und ihre Spitzenfunktionäre bei Opel sehr wohl Bescheid wissen, was es mit Muza Gücer auf sich hat."
Q: Zündkerze Nr. 7, Bochum Dez. 1977

12.12.1977:
Die KPD-OL Düsseldorf (vgl. 12.12.1997) gibt vermutlich Anfang dieser Woche ein Flugblatt heraus:"
GEGEN DIE POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG IN BEIDEN DEUTSCHEN STAATEN!
ZUM KONZERT VON G. PANNACH UND CH. KUNERT IN DÜSSELDORF!

Pannach und Kunert tragen Lieder vor, die sie in der DDR nur unter der Gefahr der Verhaftung singen konnten. Viele Lieder haben eine eigene Geschichte wie z.B. das Lied 'Plauderei zum 1. Mai', das Pannach 1973 im Friedrichstadtpalast sang und in dem er das Heraushängen der roten Fahnen und der Revolution nur für diesen einen Tag und die Lügen der DDR-Leitung anprangerte. Für dieses Lied erhielt er starken Beifall. Der 'Stasi' wartete schon hinter der Bühne. Doch nicht er, sondern klatschende Zuschauer wurden nach Konzertende verhaftet."
Q: KPD-OL Düsseldorf:Gegen die politische Unterdrückung in beiden deutschen Staaten!, Düsseldorf o.J. (1977)