Darmstadt: 'Der Rote Metaller'
Von Kollegen für Kollegen der Firma Carl Schenck, Zeitung der KAB(ML)-Betriebsgruppe (1970-1973)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 13.3.2020


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Von der Zeitung des KAB(ML) für den Metallbetrieb Carl Schenck in Darmstadt können hier bisher nur drei Ausgaben vorgestellt und wenige weitere erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

September 1970:
Die Nr. 3 der 'Roten Fahne' des KAB/ML (vgl. 10.8.1970, Okt. 1970) erscheint, die Betriebsgruppe Schenck Darmstadt hat eine Betriebszeitung 'Der Rote Metaller' herausgegeben.
Quelle: Rote Fahne Nr. 3, Tübingen Sept. 1970

November 1970:
In Saarbrücken gibt die KAB(ML)-Betriebsgruppe Halbergerhütte ihre Zeitung 'Roter Halberg' Nr. 1 (vgl. Dez. 1970) für November heraus mit dem Artikel "Kampf dem BVG" aus 'Der rote Metaller' für MF Schenck Darmstadt.
Q: Roter Halberg Nr. 1, O. O. (Saarbrücken) Nov. 1970, S. 5f

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Dezember 1970:
Die Nr. 12 der 'Roten Fahne' (RF) des KAB/ML (vgl. Nov. 1970, Jan. 1971) geht auf die KAB/ML Betriebszeitung 'Der rote Metaller' bei Schenck Darmstadt ein.
Q: Rote Fahne Nr. 6, Tübingen Dez. 1970

01.12.1970:
Vermutlich bereits in der ersten Woche des Monats gibt in Darmstadt die Betriebsgruppe des KAB/ML bei Carl Schenck ihren 'Roten Metaller' (vgl. Apr. 1971) Nr. 2 für Dezember heraus, auf dessen 6 Seiten auch die RJ/ML (vgl. 19.11.1970, 3.12.1970) zu Wort kommt.

Im Leitartikel "'Weihnachtsgratifikation' - Fröhliche Weihnachten von der Geschäftsleitung - Der Betrug mit dem Weihnachtsgeld" heißt es:"
Vor kurzem wurde bei Schenck die Weihnachtsgratifikation ausgezahlt. Sie beträgt für die meisten Kollegen ungefähr ein Drittel des Lohnes. Das ist ein glatter Witz. Die ungefähr 300 Mark, die natürlich auch versteuert werden, stehen in keinem Verhältnis zu den Ausgaben, die eine Familie zu Weihnachten macht. Bei den ständig steigenden Preisen sind wir erst recht auf das Weihnachtsgeld angewiesen. Neuanschaffungen können wir uns durch den normalen Lohn sowieso kaum leisten. Auch die Zuschüsse für Ehefrau (40 DM) und Kinder (je 35 DM) könne über diese Sache nicht hinwegtäuschen. Die Geschäftsleitung soll uns doch bitte einmal verraten, wie man einem Kind für 35 DM beispielsweise Winterkleidung kaufen kann. Das Geld reicht noch nicht einmal zu einem gescheiten Weihnachtsgeschenk. Kurz und gut, das Weihnachtsgeld ist einfach zu niedrig. Es ist eine ganz billige Abspeisung der Belegschaft gegenüber den Gewinnen, die in der letzten Zeit gemacht wurden. Gerade Schenck hat, wie es in der gesamten Metallbranche der Fall ist, in den letzten Jahren riesige Gewinne verzeichnet. Im letzten Jahr gab es den höchsten Umsatz in der Geschichte des Betriebes. Die Gewinne werden durch die Betriebserweiterung noch weiter steigen. Und da besitzt die Geschäftsleitung die Frechheit, auf dem Zettel am schwarzen Brett zu schreiben, daß sie nicht dafür bürgen kann, daß in den nächsten Jahren Weihnachtsgeld gezahlt wird. … Weil das Weihnachtsgeld nicht tariflich abgesichert ist, wollen sie uns damit erpressen. Wir sollen brav und fleißig sein, viel arbeiten, nicht aufmucken und dann auch noch heilfroh sein, wenn wir wenigstens noch ein Drittel des Monatslohns als Weihnachtsgeld bekommen. Von den Werten, die wir Tag für Tag hart erarbeiten und durch die Unternehmer Riesengewinne scheffeln, wird uns so wenig wie möglich gezahlt. Wir werden so kurz wie nur möglich gehalten. Dazu wird auch noch versucht, die jüngeren gegen die älteren Kollegen auszuspielen. Diejenigen mit längerer Betriebszugehörigkeit bekommen prozentual mehr, als diejenigen mit weniger Betriebszugehörigkeit. Wir wollen hier nicht die älteren Kollegen diffamieren, aber die jüngeren Kollegen haben meistens auch eine Familie zu ernähren. Und alle, ob jung oder, bekommen zu wenig Weihnachtsgeld.

Manche werden sagen: 'seien wir doch damit zufrieden, in anderen Betrieben gibt es noch weniger'. Erstens ist dazu zu sagen, daß es in anderen Betrieben auch wesentlich mehr gibt. Beispielsweise bei Merck gibt es den 13. Monatslohn bzw. das 13. Monatsgehalt. Zweitens ist die Situation in anderen Betrieben genauso wie bei uns, daß die Kapitalisten aus den Arbeitern soviel wie möglich Profit herauspressen."

In "Metalltarif '70" heißt es zur MTR der IGM:"
Die Metalltarifrunde ist abgeschlossen. Die Ergebnisse liegen alle unter der 15% Forderung. Darüber können auch die vielen kleinen Zusatzforderungen nicht hinwegtäuschen, die durchgebracht wurden. Die Arbeiter und Angestellten standen geschlossen und kampfbereit hinter ihren Forderungen. In zahlreichen Streiks haben sie die 7% Provokation der Kapitalisten zurückgewiesen. Doch die rechte Gewerkschaftsführung, die Brenner, Fleischer und Co., die vorher alles Blaue vom Himmel herunter versprochen haben, haben die Interessen der Kollegen verraten. Sie besaßen die Frechheit, ihre faulen Kompromisse auch noch als großartige Erfolge hinzustellen. … Gerade die rechten Gewerkschaftsführer und ihre rechten Funktionäre mißbrauchten ihre Stellung in der Gewerkschaft. Beim Aushandeln der Lohnleitlinien in der Konzertierten Aktion bilden sie mit der sozialreaktionären SPD-Regierung eine Gemeinschaft. Unter dem Vorwand, im Rahmen des 'Gemeinwohls' zu handeln, betreiben die rechten Gewerkschaftsführer zusammen mit der SPD einen Kuhhandel um unsere Interessen. Gemeinwohl heißt für sie: Absicherung der Rekordprofite der Kapitalisten, Lohnraub, Arbeitshetze und unsichere Arbeitsplätze, also verstärkte Ausbeutung der Arbeiter. Diese Gewerkschaftsführer sind nichts anderes als Marionetten der Kapitalisten. …

Aber auch jetzt, nach den Abschlüssen, darf unser Kampf in den Betrieben nicht abschwächen. Gerade jetzt sind die SPD und ihre Handlanger in der rechten Gewerkschaftsführung schon wieder dabei uns zu hintergehen. Sie wollen uns durch ein 'neues' Betriebsverfassungsgesetz einmal mehr um unsere Rechte betrügen. Dagegen müssen wir entschlossen vorgehen."

Die RJ/ML meldet sich mit "Arbeiter und Arbeiterjugend - eine Arbeiterklasse!" zu Wort:"
Jungarbeiter und Lehrlinge!
Bei den Metalltarifverhandlungen wurden unsere Interessen überhaupt nicht berücksichtigt. Weder wurde die Altersstaffelung abgeschafft, noch wurde eine wesentliche Erhöhung der Lehrlingsvergütung durchgesetzt. Immer noch müssen viele Jungarbeiter für einen wesentlich geringeren Lohn als ihre älteren Kollegen arbeiten, obwohl sie die gleiche Arbeit verrichten, die gleichen Werte schaffen wie ihre Kollegen. … Wir sind von der rechten Gewerkschaftsführung verraten und verkauft worden. Wir alle sind bei den Tarifverhandlungen nicht nach unserer Meinung gefragt worden. Wir müssen deshalb nach wie vor für unsere berechtigten Interessen kämpfen und für unsere Forderungen eintreten.

Wir fordern eine Angleichung unserer Rechte und Löhne an die der gesamten Arbeiterklasse!

1. Kündigungsschutz für Jugendvertreter
2. Streikrecht für Lehrlinge
3. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
4. Für Arbeit in der Produktion Arbeiter- oder Gesellenlohn
5. 60% vom Ecklohn einheitlich für alle Lehrlinge
6. Einheitliche Tarifverträge für Arbeiter und Lehrlinge."

In "Betriebsversammlung - Märchenstunde" heißt es u.a.:"
Auf der letzten Betriebsversammlung bekamen wir wieder einmal alte Geschichten zu hören. Einmal Karcher von der Geschäftsleitung, der uns weismachen wollte, daß die Firma kein Geld hätte, und der Gewerkschaftsfunktionär Flach, der begreiflich machen wollte, daß der 10%-Abschluß bei den Tarifverhandlungen richtig war. … Die Jugendvertreter forderten eine Jugendversammlung. Herr Karcher behauptete (wie auch bei anderen Forderungen) davon zum ersten Mal zu hören. Das ist eine Unverschämtheit! Es wurde schon mehrmals eine Jugendversammlung gefordert. Jedesmal wurde sie von ihm ohne Begründung abgelehnt. … Jede Forderung der Belegschaft stößt auf energischen Widerstand der Geschäftsleitung. Alles wird so lange wie möglich hingezogen. … Herr Flach behauptete, der 10%-Tarifabschluß wäre richtig gewesen. Er selbst habe dafür gestimmt. Für ihn wäre es klar gewesen, daß man Kompromisse dabei eingehen mußte. Damit hat sich die rechte Gewerkschaftsführung wieder einmal selbst entlarvt. Vorher groß tönen, daß man von dieser Forderung auf keinen Fall abginge, obwohl er da schon genau wußte, daß man einen Kompromiß eingehen muß. Das heißt, daß uns Sand in die Augen gestreut worden ist. Vorher auf Flugblättern schreiben, daß 15% der wirtschaftlichen Entwicklung angepaßt sei und danach behaupten, daß die 10% richtig seien und einen Erfolg darstellten. Das ist eine glatte Verdrehung der Tatsachen und eine Unverschämtheit von Flach und Konsorten, uns solche Behauptungen vorzusetzen. Die rechte Gewerkschaftsführung hat gezeigt, daß sie nicht auf Seiten der Arbeiter steht. Sie hat die Arbeiterklasse und damit auch die Belegschaft bei Schenck verraten."

Neben einer Kritik über "Unser Mittagessen", welches für 1 DM einen Hundefraß bzw. Schweinefutter für die Wirtschaft des Kantinenpächters darstelle, wird in "Akkordspitzenarbeiter Kurt Gaydoul:" auf die Lohnetwicklung des Betriebsratsvorsitzenden eingegangen:"
Im 'Roten Metaller' Nr. 1 schrieben wir, daß Kollege Gaydoul von den Unternehmern mit dem bescheidenen Stundenlohn von 9, 12 DM (alter Tarif) bedacht wird, um wirksam unsere Interessen vertreten zu können. Er hatte daraufhin nichts besseres zu tun, als überall herumzuerzählen, daß das sein alter Akkordlohn sei.

Dann muß er wohl vor 8 Jahren der beste Akkordarbeiter Deutschlands gewesen sein. Nach den gestiegenen Löhnen kommt er heute auf einen Tariflohn von 5 DM (Lohngruppe 6/8), eine Leistungszulage von 0, 68 DM und übrige Zulagen von 3, 44 DM! Seltsamerweise kommt heute keiner seiner ehemaligen Kollegen auf mehr als 6, 50 DM. Der Durchschnitt liegt bei 5 DM (alter Tariflohn).

Wenn Kurt Gaydoul dazu eine Erklärung gibt, dann soll sie doch auch der Wahrheit entsprechen. Denn das was er bisher darüber gesagt hat, läßt vermuten, daß dies nur eine Schutzbehauptung ist. Es ist vollkommen berechtigt, danach zu fragen, wie er zu diesem Stundenlohn kommt. Wenn Kurt Gaydoul das vor der Belegschaft nicht klipp und klar erklären kann, bleibt der Verdacht bestehen, daß er sich mit der Geschäftsleitung sehr gut versteht. Es ist doch zumindest etwas außergewöhnlich, wenn ein Betriebsrat einen so hohen Stundenlohn bekommt.

Kollegen, wir brauchen Interessensvertreter, die immer überall die Belegschaft vertreten und auch nach dem Willen der Kollegen handeln und keine, die die Interessen der Geschäftsleitung vertreten. Gegen Unternehmerbetriebsräte muß ein scharfer Kampf aufgenommen werden, denn sie sind Diener der Kapitalisten und tragen mit dazu bei, die Belegschaft einzulullen, abzuwiegeln und Profit aus ihr herauszupressen.

FÜR EINE STARKE INTERESSENVERTRETUNG IM BETRIEBSRAT!"

Auf der letzten Seite erscheint eine "Erklärung des KAB(ML)" über die Herkunft der Geldmittel:"
Rote Fahne, Flugblätter, Roter Metaller, woher hat der KAB(ML) das Geld dazu?

Diese Frage wurde von vielen Kollegen im Betrieb gestellt. Diese Frage ist berechtigt und muß beantwortet werden, denn nicht jede Organisation, die mit 'großartigen' Zeitungen und Flugblättern vor den Betrieben auftritt, ist eine kommunistische Organisation. Die DKP zum Beispiel wird von der revisionistischen Ulbrichtclique finanziert.

Wir, der Kommunistische Arbeiterbund, haben uns zum Ziel gesetzt, gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen die Kapitalistenklasse einen aufrechten, konsequenten Kampf für den Sozialismus zu führen. Dieser Kampf ist verbunden mit dem Kampf für kleine, aber keineswegs unbedeutende Verbesserungen unserer Lage: für mehr demokratische Rechte im Betrieb, für bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Wir führen diesen Kampf mit ganzer Kraft. Die Kollegen, die unsere Zeitungen kaufen, die Kollegen, die Spenden für unsere weitere Arbeit machen, die Mitglieder unserer Organisation, die Betriebs- und Stadtteilgruppen, tragen und finanzieren unsere Arbeit. Wir bekommen und wollen auch keine Hilfe von Leuten bzw. Organisationen, die unseren Kampf für die Interessen der Werktätigen nicht für berechtigt halten. Wir vertrauen auf die eigene Kraft, auf die Kraft der Arbeiterklasse!"

Geworben wird für die Nr. 26 des 'Rebell' der RJ/ML (vgl. Dez. 1970) und auch die 'Rote Fahne' des KAB/ML wird diese Woche vor dem Betrieb verkauft. Aus dem 'Rebell'-Inhalt wird angekündigt:"
- Aktion Widerstand - Sturmabteilung der Faschisten,
- Westdeutsch-polnischer Vertrag,
- Metalltarifrunde 70,
- Einheitlicher Tarifvertrag für Arbeiter und Lehrlinge,
- Kampf dem Militarismus,
- Internationale kommunistische und Arbeiterbewegung"
Q: Der Rote Metaller Nr. 2, Darmstadt Dez. 1970

April 1971:
In Darmstadt gibt die Betriebsgruppe des KAB/ML bei Carl Schenck ihren 'Roten Metaller' (vgl. 1.12.1970, 11.12.1971) heraus mit dem Leitartikel "Gegen die Neuauflage des arbeiterfeindlichen BVG".

Weitere Artikel sind:
- "Unternehmerblatt Werk und Leben";
- "Zustände in den Lehrwerkstätten" von der Jugendbetriebsgruppe der RJ(ML);
- "Schenck-Lehrlinge fordern: Freistellung zum Berichtsheftschreiben" von der Jugendbetriebsgruppe der RJ(ML).
Q: Der Rote Metaller Gegen die Neuauflage des arbeiterfeindlichen BVG, Darmstadt Apr. 1971

11.12.1971:
In Darmstadt gibt der KAB/ML vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Extra 1 seines 'Roten Metallers' - Von Kollegen für die Belegschaft der Carl Schenck GmbH - Betriebszeitung des KAB/ML (vgl. Apr. 1971, Juni 1972) heraus, welches den Leitartikel der ersten Dezemberausgabe des Darmstädter 'Metallarbeiters' (vgl. Dez. 1971) für Urabstimmung und Kampfmaßnahmen nahezu wortgetreu wiederholt. Lediglich das Wort 'gestern' wurde durch 'Donnerstag' ersetzt.
Q: Roter Metaller Extra 1, Darmstadt Dez. 1971

März 1972:
Die Nr. 3 der 'Roten Fahne' des KAB/ML (vgl. Feb. 1972, Apr. 1972) berichtet über Schenck Darmstadt ('Roter Metaller).
Q: Rote Fahne Nr. 3, Tübingen März 1972

Juni 1972:
In Darmstadt erscheint durch den KAB/ML die Nr. 6 des 2. Jahrganges seiner Betriebszeitung 'Der Rote Metaller' (vgl. 11.12.1971, 28.6.1973) für Schenck.
Q: Rote Fahne Nr. 9, Tübingen Sept. 1972

28.06.1973:
In Darmstadt gibt die Betriebsgruppe Schenck des KABD eine Ausgabe ihres 'Roten Metallers' (vgl. Juni 1972) heraus, die sich u.a. mit den letzten Streiks bei Schenck (vgl. 22.6.1973, 26.6.1973) befaßt.
Q: Rote Fahne Nr. 7, Tübingen Juli 1973

Letzte Änderung: 13.03.2020