"Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" (1976-1978)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 5.9.2021

Die "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erschien von 1976 (Nr. 1) bis 1978 (Nr. 27). Herausgegeben wurde sie in Wiesbaden von einem "Redaktionskollektiv".

In der Nummer 1 hieß es einleitend in "Ansichten einer Geschäftsfrau": "Drei junge Menschen betreten den Laden. Zwei männliche, eine weibliche. Eine Zeitung wollen sie machen, so sagen sie. Bei dem Wort Zeitung verlässt mich meine Energie. Zeitung! Wie viele Leute waren schon in diesem Laden, oder wie viele Briefe landeten hier, die von neuen oder auch alten Zeitungen berichteten, mit dem Wunsch man möchte sie unterstützen, ein paar Exemplare abonnieren. Eine ganze Akte habe ich sonders dafür angelegt. Eine Annonce sollte ich diesmal aufgeben in dieser neuen Zeitung. Lasch antwortete ich mit meinem gut einstudierten Alibi: 'Geht leider nicht. Es handelt sich hier um ein kleines Geschäft, wie ihr seht, und da muss man mit jedem Pfennig rechnen'. Die Leute sind einverstanden, sie sind so gar nicht penetrant. Das läßt mich aufhorchen. 'Was macht ihr denn für eine Zeitung?' frage ich noch gleichgültig aber doch mit einem Untertan von Neugier. 'Nun, es soll eine Zeitung von Wiesbaden, Mainz und Umgebung werden'. Oh, wie langweilig! geht es mir durch den Kopf. Mir fällt der Lokalteil der üblichen Tageszeitungen ein. Weintest in Schierstein, Bürgermeisterwahl in Wehen, Drillingsgeburt im Stadtkrankenhaus von Wiesbaden. Aber eigentlich kann es so eine Zeitung gar nicht werden; denn meine bürgerlichen Klischees hervorholend, stelle ich fest: der eine junge Mann trägt einen Haarschnitt, der solche Artikel nicht zulassen wird. So frage ich weiter: 'Wiesbaden und Umgebung, eine Zeitung über das Kulturgeschehen von Wiesbaden, Mainz und Umgebung soll es sein. Das ist mir einfach zu allgemein. Wisst ihr, da waren schon so viele da'. Also, 'es soll keine Zeitung im üblichen Sinne werden bekomme ich zu hören', sondern sie wird sich außerhalb des bei uns so herrschenden Systems und damit verbundenen Meinungen bewegen' so oder ähnlich habe ich in Erinnerung. Ich lasse meine Gedanken im Unterbewußtsein versinken. Oh, wie schrecklich, schon wieder so etwas. Systemfreundliche, systemfeindliche Zeitungen, wann kommt endlich die Synthese, überlege ich unruhig. Im Geiste zähle ich an den Fingern ab: Politpapers, New Age-Schriften, die von Meditation, Indien, PSI und all so 'nem realitätsfremden Kram berichten, eine neue Zeitung über Erziehungsprobleme, Mutterkomplex, Kastrationsängsten oder anderen sozialen, pädagogischen und psychologischen Problemen. Vielleicht mal wieder die Frauenemanzipation mit ihrem § 218 - nein, das ist einfach schon zu abgeschliffen. Am Ende noch etwas über Ernährungsreformen, das darf einfach nicht wahr sein.

Der Sprecher dieses Dreierteams, das hier vor mir steht, hat mit seinem-Gott sei Dank-nicht verbohrten Problembewußtsein ein offenes, einladendes Wesen. Wie viel Geschäfte-haben diese drei schon um eine Annonce gebeten? Wieviel Zeit und Geld haben sie bereits für ihr Vorhaben investiert? Das sind Fragen eines Menschen aus unserem System. Fragen, die dem zuletzt erwähnten Mitgründer der neuen Wiesbadener und Mainzer Kulturschrift nicht im Wege stehen. Er wirft keine abgedroschenen Phrasen in den Raum, leiert keine einstudierten Werbesätze für Zeitungen herunter. Er hat trotz Hast und Streß ein wenig Zeit. Er lebt ein bißchen im JETZT. Das ist was für mich zählt". (Provinz, Nr. 1, S. 2)

Zum "Ziel der Provinz" hieß es in der Nummer 9: "Das Ziel der 'Provinz' ist, Missstände im regionalen Bereich aufzudecken, Öffentlichkeit zu schaffen in dem man den jeweiligen Betroffenen die Möglichkeit gibt, ihre Probleme darzustellen. Dies geht allerdings nur, wenn wir möglichst viele Informationen bekommen, und das liegt nicht zuletzt an Euch". (Provinz, Nr. 9, S. 2)

Zur Problematik "Zensur und Selbstzensur" gab die Vorbemerkung der Nummer 10 Auskunft: "Eine Zeitung mit politisch-alternativen Inhalten herzustellen, ist zum Lotteriespiel um die staatliche Auffassung von Sprache geworden. Eine Zensur findet zwar nicht statt-dafür ist es aber um so verbotener, unabhängig von staatlichen Meinungsvorschriften zu berichten.(…) Denn hierzulande regiert nicht wie in offenen Diktaturen der Rotstift des Zensors, der mißliebige Texte bereits von Ihrem Erscheinen straflos für null und nichtig erklärt, nein, hier regiert der wirtschaftliche Ruin per Gerichtskasse, der Knast, hat man einmal öffentlich eine Wortwahl getroffen, die nicht den Vorstellungen von Polizei und Staatsanwalt entspricht. Traurige Konsequenz: Wenn du so schlecht und recht 'legal' eine Zeitung machen willst, bedarf es der krassesten Selbstzensur - einer Zensur, bei der du auf Satzstellung und eventuell mißverständliche Wortwahl zu achten hast. Ohne dass wir uns in unserem Pressealltag so recht darüber klar werden, 'zensieren wir uns leider selbst', ob bewußt oder unbewußt. Eine Gegenöffentlichkeit schaffen, heißt aber sich nicht zu zensieren. Wir finden es deshalb richtig von Alternativ-Projekten, menschenunwürdigen Zuständen in Hochhausblocks, Frauenzentrum, hin bis zu gezielten militanten Aktionen von politischen Gruppen über die Darstellung von politischer Repression und ihrer Auswirkungen zu berichten, ohne uns zu zensieren". (Provinz, Nr. 10, S. 2)

Offenbar gab es nach den ersten Ausgaben bereits erhebliche Differenzen unter den Herausgebern. So war der "Bekanntmachung" in Nummer 12 zu entnehmen: "Wieder mal hat es Ärger bei uns in der Redaktion gegeben, nur stand diesmal die Existenz der PROVINZ auf dem Spiel, tatsächlich sah es so aus, als ob die nächste Nummer nicht erscheinen würde. Aber um zu verdeutlichen, warum die Situation sich so zugespitzt hat, muss hier weiter ausgeholt werden und die Geschichte der PROVINZ bzw. der Leute, die die PROVINZ bisher machten verdeutlicht werden:

Anfangs war das Konzept für die PROVINZ, eine Zeitung für Mainz und Wiesbaden mit dem Schwerpunkt Kultur zu machen. Auf dem ersten Plakat hieß es : 'Eine Zeitung für die Leser von den Lesern'. Wir haben gemerkt, dass das wirklich nur teilweise möglich ist, da ganz einfach nicht genug Artikel von unseren Lesern bzw. Gruppen, die hier im Raum Mainz/Wiesbaden arbeiten, kommen. Auch war das feed-back mehr als miserabel. Dadurch ergab sich für uns die Tatsache, dass mehr redaktionelle Arbeit geleistet werden muss, d.h. dass wir uns selbst um Artikel kümmern bzw. selbst Artikel schreiben müssen.

Das ist eine der Hauptschwierigkeiten, die wir immer noch nicht bewältigt haben. Dazu kam dann, dass die Besetzung der Redaktion sich änderte und dadurch natürlich auch andere Inhalte in die Zeitung eingebracht wurden. Anfang September gab es dann eine Auseinandersetzung zwischen 'Kulturfraktion' und 'Politfraktion', die dann leider damit endete, dass drei Leute mehr oder weniger aus der Redaktion ausschieden. Wieder mal wurde der Versuch unternommen ein Konzept für die Zeitung - soweit ein derartiges Konzept möglich ist - zu erstellen. Wir einigten uns darauf, dass überregionale Berichterstattung und lokale Berichterstattung sehr wohl nebeneinander in einer Stadtzeitung möglich sind. (…) Bei dieser Feststellung blieb es dann. Die Leute die in der Redaktion arbeiteten, waren mehr oder weniger funktionalisiert.

Es gab Leute die waren zuständig für den überregionalen Teil, Leute für den regionalen Teil, andere für die Kultur und wieder andere für Gedichte, Lyrik usw. Soweit der inhaltliche Teil der Funktionalisierung, aber auch die technischen Sachen wurden immer weitgehend von den 'dafür zuständigen' Machern erledigt. Somit wurde eine Arbeitsteilung in die Redaktion eingeführt, die wir nie gewollt oder beabsichtigt hatten. Man machte zusammen eine Zeitung, aber die Personen selbst bzw. ihre Inhalte wurden in der Gruppe nie berücksichtigt, konnten in diesem Rahmen auch nie berücksichtigt werden. Treffpunkt war immer die Redaktionssitzung, auf der dann meistens nur über das Technische geredet wurde, eine Diskussion der Artikel gab es immer nur an Punkten, nie wurden die unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen in der PROVINZ transparent." (Provinz, Nr. 12, S. 2)

Auf einer Redaktionssitzung sollte dann eine "Grundsatzdiskussion" helfen, die Probleme zu beseitigen: "Dort entschlossen wir uns, zwei getrennte Redaktionen für Mainz und Wiesbaden zu bilden, die sich dann auf die beiden Städte besser konzentrieren konnten. Weiter wurde beschlossen Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen zu machen, um nicht immer nur über Phänomene zu berichten, sondern auch in der Lage zu sein den Hintergrund der Phänomene darzustellen. Soweit das Konzept, aber praktisch sah es nicht so aus, die Koordination zwischen der Mainzer und der Wiesbadener Redaktion war nicht zu realisieren. Statt das einzelne jetzt mehr entlastet waren, trat das Gegenteil ein, die beiden letzten Zeitungen wurden hauptsächlich von drei bis vier Leuten erstellt. Das bedeutete einen Arbeitsaufwand, der kaum zu bewältigen war.

Dann traten persönliche Schwierigkeiten auf, aufgrund derer sich dann die gesamte Mainzer Redaktion entschloss, nicht mehr mitzuarbeiten. So war dann der Stand vor etwa zwei Wochen, d. h. dass es nunmehr nur noch fünf Leute in der Redaktion gab, die aber absolut nicht in der Lage waren die Arbeit zu bewältigen. Deshalb versuchten wir mit vier Wiesbadener Gruppen, sowie Einzelpersonen die Möglichkeit zu diskutieren, dass die PROVINZ von dort aus weitergetragen wird, d. h. dass die Redaktion eine neue Zusammensetzung haben wird und dass wir im kommenden Monat endlich mal einen Organisationsplan sowie die Umrisse eines Konzeptes erstellen werden. Somit ist jetzt wieder gewährleistet, dass es die PROVINZ weitergibt". (ebd.)

Eine weitere Problematik war wohl darin zu sehen, "dass die Mainzer ihre eigene Redaktion machen wollen, weil eine weitere Auseinandersetzung mit uns nicht möglich ist. Hier müßte man öffentlich diskutieren, was es heißt wenn zwei Alternativzeitungen für das gleiche Gebiet gemacht werden, aber besser wohl problematisieren ob es nicht ne Möglichkeit gemeinsam an einer Zeitung zu arbeiten, gibt!" (ebd.)

Aus der Nummer 13 geht hervor, dass Mainzer Mitglieder aus der Redaktionsarbeit ausschieden und weiter Schwierigkeiten bestanden, die Aufgaben zu stemmen. Außerdem wurden massive Geldprobleme für die Zukunft der Zeitung ins Feld geführt. Abhilfe würde nur die "Zusammenarbeit mit engagierten und interessierten Freunden der PROVINZ" schaffen. Ausgeführt wurde: "Mit dieser Ausgabe stellt sich eine neu zusammengesetzte Redaktion der PROVINZ vor. Nach dem Austritt der Mainzer Mitglieder aus der Redaktion bleibt ein kläglicher Rest von drei Redaktionsmitgliedern und zusätzlich zwei bis drei sporadisch mitarbeitende Redaktionsfreunde. Die Stellungnahme der Wiesbadener Restredaktion zum Austritt der Mainzer Gruppe wurde in der letzten Ausgabe abgedruckt und wird als bekannt vorausgesetzt. Die derzeitige Schwierigkeit der neuen Redaktion ist es, neben der laufenden Arbeit für die nächste Ausgabe neue Grundlagen und Zusammenhänge zu schaffen. (…) Wir leben selber isoliert in dieser Stadt, jeder erlebt selbst nur einen individuellen Ausschnitt, hat keinen Zugang zu interessanten Informationsquellen und meist auch nicht die Zeit, sich leichten und leisen Fußes an die Mauscheleien, Schweinereien unterdrückten Nachrichten und Fakts heranzuschleichen. Soweit das möglich ist, geschieht es. Aber darüber hinaus können wir nur den Anspruch formulieren darüber berichten zu wollen. Ohne die Zusammenarbeit mit engagierten und interessierten Freunden der PROVINZ sind wir eigentlich aufgeschmissen." (Provinz, Nr. 13, S. 2)

Aufgrund verschiedener Kritiken an den Nummern der PROVINZ sah sich die Redaktion genötigt, in der Ausgabe 15/16 ein Statement abzugeben. Dabei ging sie auf zwei Vorwürfe ein. Auf den Vorwurf, dass die PROVINZ "zu einem "Anarchistenblättchen verkommen" sei und die Artikel zur RAF "langweilig" und "fürchterlich" seien. Ferner auf den Vorwurf, dass die Zeitung zu einem "Sprachrohr der militanten Linken geworden sei". Die Redaktion erklärte dazu u. a.: "Die Genossen, die sich zur militanten Linken definieren, nehmen die PROVINZ als das wahr, was sie sein soll, als Alternativzeitung, als Zeitung, in der man unterdrückte Meinungen und Meldungen veröffentlichen kann, indem sie zu jeder Ausgabe mehrere Artikel zur Veröffentlichung einreichen. (…)

Die anderen aber erscheinen eher als Nörgler, als passive Kriteler".

"Was dabei so klar wird, wie wenig aus den Grundsätzen linker Politik bewahrt wurde, Grundsätze, die im letzten Konjunkturhoch westdeutscher linker Bewegung, der Studentenbewegung ihre besondere Bedeutung hatten. Innerhalb von kaum fünf Jahren sind die damaligen Ansätze, Gesellschaft, Politik, Veränderung, also gesellschaftlich relevante verändernde linke Politik als komplexes Handeln zu verstehen, auch wenn man konkret nur im Ausschnittbereich arbeiten kann, haben sich die Ausschnitte verselbständigt, sind sie nicht mehr ein Ansatz, sondern DER Ansatz".

Fragwürdig waren dann folgende Passagen: "Ist es so schwer zu begreifen, dass die RAF-Militanten im Knast und die, die draußen auf den verschiedenen Ebenen mit ihnen zusammenarbeiten, besonders in den Punkten a) BRD-Imperialismus, b) die imperialistischen Zusammenhänge zwischen der USA und der BRD und c) über die Entwicklung der staatlichen Repression und der psychologischen Kriegsführung in der Tat wesentliche theoretische Analysen erarbeitet haben und praktische Erfahrungen weitergegeben haben, mit denen sich die Linke auseinandersetzen muss. Problematisch sind diese Analysen deswegen, weil sie nicht von ihren Produzenten als das angesehen wurden, was sie waren, nämlich Beiträge zur Analyse der gegenwärtigen Situation der westdeutschen Klassengesellschaft basierend auf den Stichpunkten Zusammenhang zwischen US- und BRD Imperialismus, Entwicklung der Repressionsinstrumente, neuer Faschismus, psychologische Kriegsführung, sondern ihrer Praxis als DER Ansatz angewandt werden, an dem sich revolutionäre Politik orientieren muß. (…)

Sie wiederum begreifen nicht, dass neben dem politischen Kampf, die Möglichkeiten der konkreten Veränderungen als Individuum und im Kollektiv genutzt und geprobt werden müssen und weiterhin beide Ebenen für die Gesamtlinke ihre Bedeutung haben. Meist sind beide Ebenen nicht gleichzeitig und im vollem Umfang angehbar." (alle Zitate: Provinz, Nr. 15/16, S. 3)

Stellvertretend für viele andere Kritiken an der Zeitung erwähne ich hier zwei Stellungnahmen. Zum einen erklärte der "Anna-Seghers-Buchladen" aus Mainz im Oktober 1977 zur PROVINZ und den dort veröffentlichten Erklärungen zur ausgeübten Gewalt der RAF und der Revolutionären Zellen, dass man sich ab sofort "nicht mehr an dem Vertrieb ihrer Zeitschrift PROVINZ beteiligen wird. Unsere Entscheidung ist dadurch notwendig geworden, dass wir in den letzten Nummern ihrer Zeitschrift zunehmend einen Hang zur Rechtfertigung und Glorifizierung terroristischer Anschläge feststellen mussten". (Provinz, Nr. 18, S. 3) Zum anderen antwortete wohl ein Teil der Redaktion auf eine Kritik zu einigen Thesen der "Initiative SB Wiesbaden" an der PROVINZ wie folgt: "In der Tat, innerhalb der revolutionären Bewegung hat das SB keine Existenzberechtigung. Diese hat es nur als Funktion für den Staat. Einerseits betreibt es die Ausgrenzung von Militanten und der Guerilla durch eine sogenannte Kritik von links, andererseits versucht es kritisches Bewusstsein und sich entwickelnden Widerstand in die linke Sozialdemokratie zu integrieren, bevor beides als Kampf gegen den Staat wirksam werden kann". (Provinz, Nr. 25, S. 32)

Zur Position der PROVINZ innerhalb dieser Debatte wurde noch einmal ausgeführt: "Noch mal: Die PROVINZ soll nicht nur ein Forum für die verschiedenen Ansätze und Strategien sein, aufgrund der Situation der Linken im allgemeinen - und Wiesbaden macht da keine Ausnahme - muß die PROVINZ das Forum sein, dass die verschiedenen Ansätze und Positionen wenigstens formal zusammenführt. Ob dazwischen dann eine Art Austausch und Auseinandersetzungen stattfinden, liegt außerhalb unserer Möglichkeiten, liegt mehr am Niveau der Scene." (Provinz, Nr. 15/16, S. 4)

Zunehmend berichten die nachfolgenden Nummern von den Schwierigkeiten, den Druck zu besorgen, die PROVINZ zu verbreiten bzw. zu verkaufen. Einen Grund dafür sieht man in "Ermittlungen gegen Redaktionsmitglieder", "Durchsuchungen des Büros" und in den "staatlichen Repressionsorganen". Auch habe man seit dem Sommer "eine ganze Reihe Buchläden verloren", in denen die PROVINZ zum Kauf angeboten wurde. Schließlich musste man den "Handverkauf" organisieren. (Vgl. Provinz, Nr. 20, S. 3)

Das betraf wiederum die Debatte um "Alternativzeitungen", mit denen man sich "auseinandersetzen" wollte. So veröffentlichte die Nummer 26, sozusagen als Bestätigung der eigenen Auffassung, einen Leserbrief, der sich mit "linker Gegenöffentlichkeit" beschäftigte, wobei der Fokus augenscheinlich auf Blättern wie "Revolutionärer Zorn", "BUG-Info", "Pflasterstrand" oder "MOB" lag. Andere, weit verbreitete, Alternativzeitungen wurden gar nicht erwähnt. (Vgl. Provinz, Nr. 26, S. 3).

Im Bericht über das Treffen der Alternativpresse" wurde dann auch von der PROVINZ massive Kritik an Alternativzeitungen geübt: "Was soll eine Alternativzeitung, wenn sie sich den bürgerlichen Medien immer mehr nähert und wo sie nach außen hin noch so wirkt, als gebe es hier in der BRD die Möglichkeit, frei und offen seine Meinung zu äußern". (Provinz, Nr. 26, S. 5)

In der Nummer 21 vom Januar 1978 zeigte sich das ganze Dilemma der "Provinz". Zunächst wurde in "Fragen zum Konzept der Provinz" der Versuch gestartet, die derzeitigen "Alternativzeitungen" vom Gesichtspunkt ihrer politischen Funktion her zu bestimmen. Sie hätten allesamt den Nachteil, nicht über "das missionarische Moment" hinauszugehen. Favorisiert wurde daher eine neue Konzeption der PROVINZ: "Das Konzept als Mainz-Wiesbadener Scene-Zeitung mit schwerpunktmäßig politischer Ausrichtung und als Verbreitungsorgan für unterbliebene und unterdrückte Nachrichten". Gleichzeitig sollte die neue Zeitungsarbeit auch eine "erkenntnistheoretische Angelegenheit" werden. Das sei als "zwangsläufiger Prozess" zu bestimmen: "Gerade eine politische Lokalzeitung, die notwendig mit verschiedenen Positionen zusammenarbeiten muss, kann zu einer solchen Betrachtungsweise erheblich beitragen". (Provinz, Nr. 21, S. 10ff.)

In der Nummer 23 wurde die PROVINZ dann nur noch als "Kreuzungspunkt der verschiedenen politischen Aktivitäten (in) Mainz/Wiesbaden" gedacht. (Provinz, Nr. 23, S. 3)

Damit verabschiedete sich die Zeitung von ihrem einstigen Anliegen: "Das Ziel der PROVINZ ist, Missstände im regionalen Bereich aufzudecken, Öffentlichkeit zu schaffen in dem man den jeweiligen Betroffenen die Möglichkeit gibt, ihre Probleme darzustellen". (Provinz, Nr. 9, S. 2)

Fragt man nach dem Ende der PROVINZ bzw. deren Abgesang, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass dieser ein schleichender Prozess war, der sich mit den letzten Ausgaben des Jahres 1977 und dann mit dem Jahr 1978 immer stärker verfestigte. Als Beispiel wäre noch einmal die Nummer 23 anzuführen. Dort wurde das Thema des Technizismus bei der Arbeit mit der PROVINZ so erklärt: "Wir werden immer weniger. (…) Wir sind geschrumpft, weil die Arbeit an der PROVINZ sich auf Technik reduziert und der Anspruch, den die PROVINZ und die Leute, die daran arbeiten, nämlich ein Diskussionsforum darzustellen und somit politisch wirksam zu sein, nicht erfüllt wird". Außerdem wurde auf folgende Lage hingewiesen: "Finanziell sind wir wieder mal tief in die roten Zahlen gerutscht". (Provinz, Nr. 23, S. 2f.) Das war ein Hilfeschrei, der die Zeitung aber nicht mehr retten konnte.

Vorstellen können wir hier die Nummern 1-16 und 18-26 sowie eine "Sondernummer" aus dem September 1977. Die Nummern 17 und 27 (die wohl letzte Nummer) fehlen noch. Wir bitten um Ergänzungen.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Mai 1976:
Die Nr. 1 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint. Herausgeber ist ein Redaktionskollektiv.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Ansichten einer Geschäftsfrau"
- "Schauspielhaus Wiesbaden"
- "Brecht-Theater in Wiesbaden"
- "Durch den Waschraum zur Freiheit"
- "Ballast-Hotel"
- "Jugendzentrum"
- "Wer ist der Clown?"
- "Von einem der auszog"
- "Zur Person: Peter Paul Zahl"
- "Wir verurteilen die Zeitungsgesetze"

Berichtet wird u. a. vom Schauspielhaus Wiesbaden, über die Gründung des "Forum-Club" im Februar und ein Brecht-Theater, die "erste Freilichtbühne dieser Art im Rhein-Main Gebiet". Rezensiert wird der Film von Miles Forman: "Einer flog übers Kuckucksnest" mit Jack Nicholson. Berichtet wird weiter über das städtische Jugendzentrum 'PUB'. Neben Bildungsarbeit "gibt es auch im PUB die Möglichkeit, seine Freizeit zu verbringen". Das PUB hat "als städtisches Jugendzentrum auf der Jugendszene einen festen Platz". "Wer ist der Clown?" Ein Kommentar "aus Anlass des Films 'Ansichten eines Clowns. Nach dem Roman von Heinrich Böll". Berichtet wird noch von Peter Paul Zahl, der zu 15 Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurde, vom Frauenzentrum, das in Wiesbaden im Oktober 1975 vom "Interessenkreis Frauenemanzipation und Verband alleinstehender Mütter" gegründet wurde. Zurzeit bestehen folgende Gruppen: § 218 Gruppe, Selbsterfahrungsgruppe, Lesbengruppe, Selbstverteidigungsgruppe. "Free-Work" aus Ober-Olm sucht noch Mitstreiter. Verurteilt werden die "Zensurgesetze".
Es fehlen die Seiten 9 bis 16.
Quelle: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 1, Mai 1976 (Fragment).

Juni 1976:
Die Nr. 2 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint. Einleitend heißt es: "Wir haben dieses Mal unseren PROVINZIELLEN Rahmen etwas gesprengt durch den Artikel zum Tod von Ulrike Meinhof. Wir hielten es jedoch für notwendig darauf einzugehen, weil dieses Ereignis und vor allem das, was damit verbunden nicht nur in Stammheim von Bedeutung ist. Es ist nur die Spitze des Eisbergs, von verschärfter Repression und der Gegenwehr, nur sichtbar, weil es sich hier um leicht fassbare, konkrete Gewalt handelt, um den Tod eines Menschen, der sich gewehrt hatte (wenn auch vielleicht mit den falschen Mitteln zur falschen Zeit). Der Widerstand gegen um sich greifendes Duckmäusertum und Resignation ist möglich und notwendig. Auch in der PROVINZ. Alternativen suchen und sich gleichzeitig auf der politischen Ebene deren Verwirklichung sichern bzw. erkämpfen, dafür treten wir ein. Wir versuchen eine Synthese der beiden Wege, die häufig genug noch zu sehr getrennt sind. Deshalb auch geben wir die PROVINZ heraus.

Übrigens war die Mai-Ausgabe innerhalb von 10 Tagen vergriffen. Wir haben also dieses Mal die Auflage verdoppelt. Das ist natürlich ein Risiko, aber es ist dadurch abgemildert, dass wir verstärkt Werbeanzeigen aufgenommen haben. Nur deshalb auch können wir bei dem relativ niedrigen Preis von 1 DM bleiben, wir hoffen, ihr versteht das.

Für den Sommer planen wir nur eine einzige Doppelausgabe Juli/August, weil wir Ferien machen wollen. (…)"

Artikel der Ausgabe sind:
- "Provinzbriefkasten"
- "Das Mainzer Lehrstück von Einverständnis"
- "Wo man nicht gleichschalten kann, muss man ausschalten. Zum Tod von Ulrike Meinhof"
- "Erklärung von Jan Carl Raspe. Abgeben am 11.5. in Stammheim"
- "Erklärung der Anwälte zum Tod von Ulrike Meinhof, Sonntag, 9. Mai vor der Pressekonferenz"
- "Erklärung von Erich Fried"
- "Eigentlich wollte ich Wader sehen"
- "Frauenzeitung. § 218-Gruppe"
- "Was ist los?"
- "Papier oder Papier?"
- "Pro Frauenzentrum contra Phrasenzentrum"
- "Kein KKW in Budenheim"
- "Provinz Künstler: Andreas Liebich"
- "Zweiter Bildungsweg. Chance oder Sackgasse"
- "Kurzgeschichte: Klassentreffen"
- "Kongress politische Unterdrückung in der BRD"
- "Buchkritik"

Berichtet wird u. a. über den Tod von Ulrike Meinhof. Dazu werden Erklärungen veröffentlicht, der Anwälte von Meinhof, von Raspe, von Erich Fried, aus dem "ID", weiter vom Frauenzentrum Wiesbaden und der § 218-Gruppe, die sich gegen das Abtreibungsverbot ausspricht, für "Selbsthilfe und Selbstorganisation", "Aufklärung der Öffentlichkeit". "Wir wollen uns handelnd mit den Frauen aus der Bevölkerung solidarisieren, die seit Jahrzehnten zu Hunderttausenden den § 218 durchbrechen, indem sie illegal abtreiben". In "Was ist los?" werden u. a. Konzerttermine und Vorstellungen des Filmclubs veröffentlicht. Berichtet wird noch über den "Schnellen Brüter". Gegen ein "solches AKW" regt sich Widerstand. Es soll nach Budenheim kommen. Berichtet wird noch von Andreas Liebich. Die Fachhochschule Wiesbaden veranstaltet vom 10.-15.5. eine Zeltwoche wozu eingeladen wird. Zu Pfingsten 1976 (5.-7.6.) soll in Frankfurt/M. "eine große Manifestation gegen Unterdrückung" stattfinden. Diese Manifestation (Antirepressions-Kongress, d. Verf.) soll zu einem Solidaritätsfest aller werden". Der Kongress wird vom Sozialistischen Büro veranstaltet. Am 5.6. soll ein Sternmarsch mit Kundgebung stattfinden. Zudem sollen Arbeitsgruppen gebildet werden.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 2, Juni 1976.

August 1976:
Die Doppelnummer 3/4 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint für Juli/August.
Einleitend heißt es: "Auch feste Mitarbeiter brauchen wir noch, besonders Leute die sich um die Mainzer Angelegenheiten kümmern können. Natürlich ist auch das Redaktionskollektiv keine Gruppe ohne Probleme. Einige, die von Anfang an dabei waren haben anscheinend die Lust verloren weil das ganze PROVINZ Projekt in Arbeit ausartet, andere hat das Zirkusfieber erfasst und der helle Wahn.(…) Also wenn noch jemand Zeit und Lust hat bei uns mitzuarbeiten, einfach anrufen oder vorbeikommen…! Auch Leute, die bereit sind, ganz spezielle Aufgaben zuverlässig zu übernehmen sind willkommen. Wir brauche Tipper, Verkäufer, Anzeigenranschaffer etc. Noch ein paar Worte zum Inhalt dieser Ausgabe: Auch die PROVINZ kann es sich nicht verkneifen einige würdigende Seiten zum 200-jährigen Jubiläum der USA zu finden, allerdings nicht so ganz in deren Sinne".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Briefe"
- "200 Jahre Amerika. Eine Collage"
- "Provinz-Hügel-Fest"
- "Informations-Dienst"
- "Selbstdarstellung des Demokratischen Kulturbundes Mainz"
- "KKW'"
- "Projekt Frauenhaus"
- "AAK"
- "Die Fabel vom roten Hasen"
- "Adressen"
- "Was ist los?"
- "Komus-Erfahrungen einer Initiative"
- "Theater"
- "Cinema"
- "Bleibe im Land und wehre dich redlich"
- "Hören, sehen, reden"
- "Sofortige Haftverschonung für K. H. Roth"
- "Wildwuchs und Unkraut"
- "Willkürliche Polizeiaktion in Obdachlosensiedlung"

Berichtet wird u. a. über "200 Jahre Amerika". Der Artikel ist eine "Textcollage" mit einer "unvollständigen Chronologie von CIA-Operationen" (ab 1948-1977, d. Verf.). Der "Demokratische Kulturbund Mainz" stellt sich vor. Der Kulturbund will für eine "humanistische und demokratische Kultur" eintreten. Dazu heißt es u. a.: "Wir wenden uns gegen den Abbau kultureller Einrichtungen. Wir protestieren gegen die Einschränkung der künstlerischen Freiheit z.B. gegen die Ausdehnung der Berufsverbots-Gesinnungsschnüffelei und gegen die Kriminalisierung literarischer Auseinandersetzungen mit dem Problem der Gewalt durch den neuen Paragraphen 88a StGB. Wir halten es für notwendig und vordringlich, das Bildungssystem der BRD in Inhalt und Aufbau zu demokratisieren. Als Ausgangspunkte für die Überwindung des erneut verschärften Bildungsnotstands betrachten wir die Bildungsprogramme des Deutschen Gewerkschaftsbunds, die Vorschläge der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Vereinigten Deutschen Studentenschaften". Das Frauenzentrum setzt sich in Wiesbaden für ein "Projekt Frauenhaus" ein. Die Bürgerinitiative Mainz-Wiesbaden meint: "Kein KKW in Budenheim!" In Mainz soll nach dem Vorbild von Otto Mühl die "Aktion Analytische Kommune" gegründet werden. Kontakte sind in Wiesbaden und Mainz:
- Frauenzentrum
- Verband alleinstehender Mütter
- Bürgerinitiative gegen Kernkraftwerke Mainz-Wiesbaden
- Autonomes Kommunikationszentrum
- DKP
- DFG-VK
- Amnesty International
- AG Drogenhifle e. V.
- Jugendzentrum PUB
In Mainz:
- Afrika Komitee

Die "Kommunikative Musiker-Organisation" (Komus) stellt sich mit dem Bedürfnis vor "Musik zu machen". Sie will "Konzepte" für eine "kommunikative Kreativität schaffen". Zur Mitarbeit wird aufgefordert. Berichtet wird noch von einer Veranstaltung im Mainzer Schloss am 31.5. gegen Berufsverbote. Das Mainzer "Komitee gegen Berufsverbote" ruft zur Unterstützung auf. Berichtet wird noch von der "Initiative gegen die Gesetze zum Schutz des Gemeinschaftsfriedens", die am 2.6. eine Veranstaltung in Mainz oder Wiesbaden durchführte. Berichtet wird noch von einer NPD-Veranstaltung in Mainz am 28.5. und von einer Polizeiaktion in einer Obdachlosensiedlung in Mühltal. Aufgerufen wird zu einem "Provinz-Hügel-Fest" am 4.9. in Wiesbaden. Geworben wird für den "Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" (ID). Geworben wird für die "Materialien zur politischen Repression in der BRD".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 3/4, Juli/August 1976.

August 1976:
Vermutlich Ende August erscheint die Nr. 5 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz".
Einleitend heißt es: "Wie schon in der letzten PROVINZ angedeutet hat sich die Zusammensetzung der Redaktionsgruppe geändert: Die Namen lest Ihr im Impressum. Wer sich dahinter verbirgt, könnt Ihr auf dem PROVINZFEST am 4. September auf dem Neroberg erfahren. (…) Bei der Planung und Organisation dieses Festes haben uns viele und ganz besonders die Leute von der KOMUS (siehe PROVINZ 3) entscheidend geholfen".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Letzte Meldung"
- "Croissant verhaftet!!"
- "Zur Situation weiblicher Arbeitnehmer in der BRD"
- "Forumsdiskussion des VAM im PUB. Information zur Frauenhausinitiative"
- "Amüsante Unterbrechung des Polizeialltags??"
- "Kongress Frauenhäuser in Deutschland"
- "Der historische Irrtum des Herrn Genscher"
- "Bericht über eine Arbeit"
- "Das Treffen der Zeitungsmacher"
- "Info-Aktuell"
- "Schwule Männer"
- "Was ist los?
- "Cinema"
- "Minipressefest. Provinz und andere aus Deutschen Landen
- "Solidaritätsaktionen für K.-H. Roth"
- "Neue Gesetze in der BRD"
- "Offener Brief der CISNU (Conförderation Iranischer Studenten)"
- "Im KKW Biblis sind die Schrauben locker"
- "Männergruppe Wiesbaden"
- "Mainzer Sozialbürokratie macht Jugendwohngemeinschaft kaputt"
- "Lyrisches"

Berichtet wird u. a. über den "Observer", der am 15.8. eine Meldung zum Tod von Meinhof brachte, über die "Aktion Sühnezeichen", über Klaus Croissant. "Nach sieben Monaten der Verteidigung wurde am 3.2.1975 seine Bestellung als Pflichtverteidiger zurückgenommen (zusammen mit Grönewald und Ströbele)". Am 23.6.1975 wurde er erstmalig verhaftet, am 16.7.76 erneut verhaftet. Arndt Müller, der Vertreter der Sektion BRD des Internationalen Komitees zur Verteidigung der politischen Gefangenen in West-Europa, wendet sich mit einer "Erklärung" an die Öffentlichkeit. Berichtet wird weiter von einer Forumsdiskussion im PUB "zwischen Vertretern des Jugend- und Sozialamtes, Vertretern der einzelnen Parteien und Frauen aus dem Verband alleinstehender Mütter". Vom 8.-10.10. findet in Hamburg ein Kongress mit dem Thema: "Frauenhäuser in Deutschland" statt. Berichtet wird noch von "Klenkes" und ID", die ein Treffen in Aachen organisiert hatten. Berichtet wird noch vom Filme "Im Laufe der Zeit" von Wim Wenders. Es schließt sich eine Rezension an. Die "4. Mainzer Mini-Press Messe" findet vom 15.-22.9. im Mainzer Schloss statt. Berichtet wird noch von Solidaritätsaktionen für K.-H. Roth, aus Frankfurt/M., West-Berlin, Würzburg, Tübingen, Braunschweig, Bochum, Köln und Hamburg. Veröffentlicht wird noch ein "Offener Brief der CISNU", der sich gegen die Hinrichtung von "10 iranischen Freiheitskämpfern" wendet. Geworben wir für die Broschüre: "Politische Prozesse ohne Verteidigung?"
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 5, (Ende August 1976).

September 1976:
Vermutlich Ende September erscheint die Nr. 6 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Briefe"
- "Contravinz"
- "Es bleibt eine gewisse Verbitterung"
- "Das stinkt doch zum Himmel"
- "Nur der Regen war Schuld"
- "Filmalternative"
- "3 Jahre faschistische Diktatur"
- "Impression einer Repression"
- "Im FB Sozialwesen ist noch Platz"
- "Antikommunismus in Prosa"
- "Was ist los?"
- "Kino"
- "Franz K."
- "Der Meineid"
- "Neues zu U. Meinhof"
- "Besuch des Staatsschutzes bei Genossen in Wiesbaden"
- "Eine alte Kaserne?"
- "Männer Emanzipation"

Berichtet wird u. a. von der "Initiative für die Wiedereröffnung der Jugendwohngemeinschaft", über die Mainzer "BI Umweltschutz", über das Provinz-Fest, über 3 Jahre faschistische Diktatur in Chile, über Reiner Kunze und sein Buch: "Die wunderbaren Jahre". Berichtet wird weiter vom Filmemacher Martin Scorsese. In Wiesbaden sind jetzt einige Filme von ihm zu sehen, etwa "Hexenkessel" und "Taxi-Driver". Zu Franz Kafka erscheint ein Nachruf. Berichtet wird noch vom Tod der U. Meinhof. Die "Rote Hilfe Wiesbaden" berichtet über einen Besuch des Staatsschutzes bei Genossen. Zur Männer-Gruppe erscheint ein Artikel.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 6, (Ende September 1976).

November 1976:
Die Nr. 7 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Briefe"
- "Notizen aus der Provinz"
- "Länge mal Breite mal Geld"
- "Polizeischnüffler in Wohngebieten"
- "Provinz Literaturpreis"
- "Kassel: wieder ein Treffen"
- "Es tut sich was"
- "Was ist los?
- "Cinema"
- "Folterforschung"
- "Contravinz"
- "Berufsverbote"
- "Sozialpartner"
- "Lyrisches"
- "Todesurteile in Irland"
- "Die Leerformel des Karl Delorme"

Berichtet wird u.a. über das Buch von Reiner Kunze: "Die wunderbaren Jahre", über die Mainzer ÖTV, über die Altstadtsanierung in Mainz", über die Verleihung des "Provinz-Literaturpreis", den die Zeitung PROVINZ zusammen mit der "Wohngemeinschaft 100 Blumen" als "alternativen Literaturpreis in der BRD verleihen will. Dazu wird ein Aufruf gestartet: "Was wir von Euch wollen, sind keine Pamphlete, keine großen theoretischen Schriften, keine Meisterwerke deutscher Dichtung. Was wir wollen sind eure Träume, eure aufgeschriebenen Ängste, Wünsche, Gedichte". Berichtet wird noch von einem Treffen der Alternativzeitungen in der BRD, über den Filmemacher Stanley Kubrick, über Rolf Pohle, der am 1.10.1976 an die BRD ausgeliefert wurde, über Berufsverbote und Todesurteile in Irland: "Am 9. Juni 1976 wurden Marie und Noel Murray in der Republik Irland wegen eines vermeintlichen Polizistenmordes zum Tode durch Erhängen verurteilt". Aufgerufen wird zur Solidarität. Protestbriefe sollen gerichtet werden an die Irische Botschaft in Bonn-Bad Godesberg.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 7, November 1976.

Dezember 1976:
Die Nr. 8 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint. Eingangs wird erwähnt, dass man angeregt habe, "so eine Art Redaktionsbüros einzurichten, wo wir uns persönlich kennenlernen und bestimmte Sachen gemeinsam besprechen können".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Briefe"
- "Contravinz"
- "Die Fiktion"
- "Die Realität"
- "Noch mehr KKWs"
- "Frauenkongress"
- "Altstadtsanierung" (II. Teil)"
- "Fata Morgana"
- "Sanierung durch Abbruch"
- "Kampagne zur Abschaffung der Folter"
- "Was ist los?"
- "Libanonkrieg"
- "Hausdurchsuchungen"
- "Sonntagskinder"
- "Irland (Teil 2)"
- "KOMUS"
- "Helft Ihnen"
- "Literaturpreis"

Berichtet wird u. a. über Brokdorf und der Demo vom 15.11., über die BI Umweltschutz Unterelbe, die fordert: "Kein Kernkraftwerk in Brokdorf und auch nicht anderswo!", "Sofortige Räumung des Bauplatzes!", über die WAA, KKW Esensham, Grohnde u. a. Berichtet wird weiter über einen "Frauenkongress", der in Wiesbaden vom 29.10.-31.10. stattfand. Themen waren u. a.: Selbstuntersuchung, Kräutergruppe, Schwangerschaft (Geburt, Kinder), § 218, über die Altstadtsanierung in Mainz, über AI und Informationen über Folter: in Wiesbaden 2.12., 3.12., 5.12., in Mainz, 6.12. Berichtet wird noch über den Libanonkrieg (ab 1975-1990, d. Vf.). Dazu soll im Januar 1977 eine Veranstaltung stattfinden. In Wiesbaden sollen am 2.11. mehrere Hausdurchsuchungen stattgefunden haben. Geworben wird für: "§ 88a. Wie man Bücher verbrennt, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. P.P. Zahl: "Noch immer Modell Deutschland". Berichtet wird noch über Irland und die Musikinitiative KOMUS.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 8, Dezember 1976.

Januar 1977:
Die Nr. 9 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Briefe"
- "Berufsverbote"
- "Zensur. Zwei verschiedene Seiten derselben Medaille"
- "Provinz Literaturpreis"
- "Schulstreik. Ich nehme diesen Preis nicht an"
- "Fachhochschulstreik in Wiesbaden"
- "Alternatives Leben und Arbeiten"
- "Mieterhöhung im Schelmengraben"
- "Was ist los?"
- "Irrlicht"
- "Theater"
- "Klaus der Fiedler. Von der Polizei zusammengeschlagen"
- "Bunte Wehr. Ein Tag in der Schule der Nation"
- "Cinema"
- "K. H. Roth Veranstaltung"
- "Radioaktives Trinkwasser in Mainz?"
- "Die Legende vom Sozialstaat"
- "Die Schlacht von Brokdorf"
- "Neues vom Teufel"

Berichtet wird u. a. von den Berufsverboten. Dazu gibt es einen Bericht zu: "Komisches Trauerspiel über das Hambacher Fest im Oktober 1976", am 14.1. in der ESG, über den DDR-Autor Reiner Kunze, über die Vergabe des 'Provinz'-Literaturpreis, über einen Schulstreik in Wiesbaden am 6.12. und über einen Fachhochschulstreik in Wiesbaden. Berichtet wird weiter über Mieterhöhungen im Schelmengraben, über das Theaterstück von Schiller: "Kabale und Liebe". Berichtet wird noch von Klaus der Fiedler und einem "Pressefest" von "Klenkes" am18.12.1976. Berichtet wird im Artikel "Cinema" über Chaplin und Bertolucci. Am 12.12.1976 fand in Frankfurt/M. eine Veranstaltung zu K.H. Roth statt, auf der zu den Haftbedingungen zu Roth eingegangen wurde. Die BI Umweltschutz Mainz/Wiesbaden, berichtet über das Trinkwasser in Mainz. Berichtet wird noch über Brokdorf am 13.11.1976.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 9, Januar 1977.

Februar 1977:
Die Nr. 10 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
In der Vorbemerkung wird darauf hingewiesen, dass möglicherweise in Mainz "eine Lokalredaktion die Arbeit aufnehmen will". Weiter heißt es in "ZUR INHALTLICHEN KONZEPTION DER PROVINZ": "Eine Zeitung mit politisch-alternativen Inhalten herzustellen, ist zum Lotteriespiel um die staatliche Auffassung von Sprache geworden. Eine Zensur findet zwar nicht statt-dafür ist es aber um so verbotener, unabhängig von staatlichen Meinungsvorschriften zu berichten.(…) Denn hierzulande regiert nicht wie in offenen Diktaturen der Rotstift des Zensors, der mißliebige Texte bereits von Ihrem Erscheinen straflos für null und nichtig erklärt, nein, hier regiert der wirtschaftliche Ruin per Gerichtskasse, der Knast, hat man einmal öffentlich eine Wortwahl getroffen, die nicht den Vorstellungen von Polizei und Staatsanwalt entspricht. Traurige Konsequenz: Wenn du so schlecht und recht 'legal' eine Zeitung machen willst, bedarf es der krassesten Selbstzensur - einer Zensur, bei der du auf Satzstellung und eventuell mißverständliche Wortwahl zu achten hast. Ohne dass wir uns in unserem Pressealltag so recht darüber klar werden, 'zensieren wir uns leider selbst', ob bewußt oder unbewußt. Eine Gegenöffentlichkeit schaffen, heißt aber sich nicht zu zensieren. Wir finden es deshalb richtig von Alternativ-Projekten, menschenunwürdigen Zuständen in Hochhausblocks, Frauenzentrum, hin bis zu gezielten militanten Aktionen von politischen Gruppen über die Darstellung von politischer Repression und ihrer Auswirkungen zu berichten, ohne uns zu zensieren."

Artikel der Ausgabe sind:
- "Contravinz"
- "Als die Bilder nicht mehr laufen durften"
- "Es gibt Möglichkeiten gegen die Korruption der Firma REISS vorzugehen"
- "Ketchup für 10 Pfennig"
- "CE BE EF"
- "Terrorist fotografiert Polizei"
- "AKW nie und nimmer"
- "Der Schah ist ein Mörder"
- "Irrlicht. Zentralorgan für Veranstaltungen"
- "Notizen"
- "Prozesseröffnung gegen K. H. Roth und R. Otto"
- "Revolutionäre Zellen. Aktion und Hintergründe"
- "Rechtsanwalt Heldmann entpflichtet"
- "In Stammheim manifestiert sich die Entwicklung unseres Rechtsstaates"
- "Internationale Untersuchungskommission zur Klärung der Todesumstände von Ulrike Meinhof"
- "Neues vom 'Blatt' aus München"
- "Lyrisches"
- "Kurzgeschichte"

Berichtet wird u. a. über den "Entebbe"-Film und einen Anschlag gegen den Film in Wiesbaden mit Buttersäure, über die Firma REISS-Filmtheaterbetriebe, die dem AStA keine Filme mehr liefern wollen. Daher hat dieser einen Boykott der REISS-Kinos beschlossen. Berichtet wird weiter über McDonalds, weiter über eine Selbstdarstellung des "Comic Club Mainz", über eine "Presseerklärung der BI Umweltschutz-Regionalgruppe Altona" vom 13.1.1977, über "Freiheit für Persien", den Schah und den Geheimdienst SAVAK. Berichtet wird noch über Berufsverbote, über den Prozess von K.H. Roth und K. Otto, der am 17.1. beginnen soll, über die "Revolutionären Zellen", über den RA Heldmann, der am 13.1.1977 von seinen Verteidigerpflichten entbunden (entpflichtet) wurde, über Stammheim, über die Untersuchungskommission zum Tod von Meinhof, die einen Bericht vorlegt. Danach sei es eine offene Frage "ob Ulrike Meinhof am 9. Mai 1976 in ihrer Zelle Selbstmord beging". Die UK will weiteres Material sichten und im Laufe des Jahres 1977 dazu ein Tribunal abhalten. Berichtet wird noch vom "Blatt" aus München. Geworben wird für die "Filmfaust", für den "Mainzer Sozialreport", für den "Pflasterstrand".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 10, Februar 1977.

März 1977:
Die Nr. 11 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Briefe"
- "Russel-Tribunal"
- "Contravinz"
- "Berufsverbote"
- "Schattenseiten des sonnigen Hangs"
- "Letzte Meldung"
- "Psychiatrie"
- "SAVAK in der BRD"
- "Frauen"
- "Schule. Die Wilhelm-Leuchner-Schule kämpft um ihre Oberstufe"
- "Irrlicht. Zentralorgan für Veranstaltungen"
- "Frank Zappa"
- "Kurzmeldungen"
- "Lyrisches"
- "Prozess gegen R. Otto und K. H. Roth"
- "Werkschutz"
- "Neues vom Staatsschutz"
- "Solidarität. Angeklagt!"
- "Projekt Frauenhaus"
- "Irland"

Berichtet wird u. a. über die Einberufung des Russel-Tribunals am 28.11.1976. Es soll sich mit "der Repression in der BRD (…) befassen", über die Berufsverbote, über Mainz (Bodenspekulationen, Bauskandale), über Brokdorf. Am 19.2.1977 soll am Gelände eine Großdemo stattfinden, wozu aufgerufen wird. Berichtet wird weiter über die Zusammenarbeit des persischen Geheimdienstes SAVAK mit dem Verfassungsschutz der BRD. Berichtet wird weiter über die Mainzer Frauengruppe und die Bildung eines Zentrums im Oktober 1975. Ein Frauenfest fand am 5.11.1976 statt. Ein "wöchentliches Plenum" will koordinieren und organisieren. Geplant sind auch gemeinsam Aktionen, u. a. gegen § 218. Berichtet wird noch über den Prozess gegen Roth und Otto, der am 17.1.1977 begann, über die Entwicklung des Werkschutzes (Wachkommando) seit 1951. Geworben wird für die Broschüre des AStA Frankfurt/M.: "Alles unter Verschluss".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 11, März 1977.

April 1977:
Die Nr. 12 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
In der "Bekanntmachung" heißt es u. a.: "Wieder mal hat es Ärger bei uns in der Redaktion gegeben, nur stand diesmal die Existenz der PROVINZ auf dem Spiel, tatsächlich sah es so aus, als ob die nächste Nummer nicht erscheinen würde. Aber um zu verdeutlichen, warum die Situation sich so zugespitzt hat, muss hier weiter ausgeholt werden und die Geschichte der PROVINZ bzw. der Leute, die die PROVINZ bisher machten, verdeutlicht werden:

Anfangs war das Konzept für die PROVINZ, eine Zeitung für Mainz und Wiesbaden mit dem Schwerpunkt Kultur zu machen. Auf dem ersten Plakat hieß es: 'Eine Zeitung für die Leser von den Lesern'. Wir haben gemerkt, dass das wirklich nur teilweise möglich ist, da ganz einfach nicht genug Artikel von unseren Lesern bzw. Gruppen, die hier im Raum Mainz/Wiesbaden arbeiten, kommen. Auch war das feed-back mehr als miserabel. Dadurch ergab sich für uns die Tatsache, dass mehr redaktionelle Arbeit geleistet werden muss, d.h. dass wir uns selbst um Artikel kümmern bzw. selbst Artikel schreiben müssen.

Das ist eine der Hauptschwierigkeiten, die wir immer noch nicht bewältigt haben. Dazu kam dann, dass die Besetzung der Redaktion sich änderte und dadurch natürlich auch andere Inhalte in die Zeitung eingebracht wurden. Anfang September gab es dann eine Auseinandersetzung zwischen 'Kulturfraktion' und 'Politfraktion', die dann leider damit endete, dass drei Leute mehr oder weniger aus der Redaktion ausschieden. Wieder mal wurde der Versuch unternommen ein Konzept für die Zeitung - soweit ein derartiges Konzept möglich ist - zu erstellen. Wir einigten uns darauf, dass überregionale Berichterstattung und lokale Berichterstattung sehr wohl nebeneinander in einer Stadtzeitung möglich sind, mehr dass dadurch der Machenschaften unseres Staates viel deutlicher wird. Bei dieser Feststellung blieb es dann. Die Leute, die in der Redaktion arbeiteten, waren mehr oder weniger funktionalisiert.

Es gab Leute die waren zuständig für den überregionalen Teil, Leute für den regionalen Teil, andere für die Kultur und wieder andere für Gedichte, Lyrik usw. Soweit der inhaltliche Teil der Funktionalisierung, aber auch die technischen Sachen wurden immer weitgehend von den 'dafür zuständigen' Machern erledigt. Somit wurde eine Arbeitsteilung in die Redaktion eingeführt, die wir nie gewollt oder beabsichtigt hatten. Man machte zusammen eine Zeitung, aber die Personen selbst bzw. ihre Inhalte wurden in der Gruppe nie berücksichtigt, konnten in diesem Rahmen auch nie berücksichtigt werden. Treffpunkt war immer die Redaktionssitzung, auf der dann meistens nur über das Technische geredet wurde, eine Diskussion der Artikel gab es immer nur an Punkten, nie wurden die unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen in der PROVINZ transparent.

Aus diesem Grunde und aus der Tatsache, dass wieder viele neue Leute in die Redaktion gekommen sind, beschlossen wir wieder mal Anfang Januar eine 'Grundsatzdiskussion' zu machen. Dort entschlossen wir uns zwei getrennte Redaktionen für Mainz und Wiesbaden zu bilden, die sich dann auf die beiden Städte besser konzentrieren konnten. Weiter wurde beschlossen Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen zu machen, um nicht immer nur über Phänomene zu berichten, sondern auch in der Lage zu sein den Hintergrund der Phänomene darzustellen. Soweit das Konzept, aber praktisch sah es nicht so aus, die Koordination zwischen der Mainzer und der Wiesbadener Redaktion war nicht zu realisieren.

Statt das einzelne jetzt mehr entlastet waren, trat das Gegenteil ein, die beiden letzten Zeitungen wurden hauptsächlich von drei bis vier Leuten erstellt. Das bedeutete einen Arbeitsaufwand, der kaum zu bewältigen war. Dann traten persönliche Schwierigkeiten auf, aufgrund derer sich dann die gesamte Mainzer Redaktion entschloss, nicht mehr mitzuarbeiten. So war dann der Stand vor etwa zwei Wochen, d. h. dass es nunmehr nur noch fünf Leute in der Redaktion gab, die aber absolut nicht in der Lage waren die Arbeit zu bewältigen. Deshalb versuchten wir mit vier Wiesbadener Gruppen, sowie Einzelpersonen die Möglichkeit zu diskutieren, dass die PROVINZ von dort aus weitergetragen wird, d. h. dass die Redaktion eine neue Zusammensetzung haben wird und dass wir im kommenden Monat endlich mal einen Organisationsplan sowie die Umrisse eines Konzeptes erstellen werden. Somit ist jetzt wieder gewährleistet, dass es die PROVINZ weitergibt.

Eine Schwierigkeit wird sich sicherlich noch ergeben, nämlich dass die Mainzer ihre eigene Redaktion machen wollen, weil eine weitere Auseinandersetzung mit uns nicht möglich ist. Hier müßte man öffentlich diskutieren, was es heißt wenn zwei Alternativzeitungen für das gleiche Gebiet gemacht werden, aber besser wohl problematisieren ob es nicht ne Möglichkeit gemeinsam an einer Zeitung zu arbeiten, gibt!"

Artikel der Ausgabe sind:
- "Bekanntmachung"
- "Leserbrief"
- "Isolation"
- "Rückblick auf unsere Alternativversuche"
- "Frauenbuchladen"
- "Nieder mit dem Europa der Bullen und der Herren"
- "Pressemitteilung: Internationale Untersuchungskommission zur Aufklärung der Todesumstände von Ulrike Meinhof"
- "BDP/BDJ"
- "Aktion Hessenkolleg"
- "Filmbesprechung"
- "Buchtipp"
- "Irrlicht"
- "Kuba, Afrika und Angola"
- "Der innere Feind"
- "Werden linke Bücher besser bei Springer gedruckt"
- "Interview mit den Gefangenen aus der Roten Armee Fraktion"
- "Zensur"
- "Irland"
- "Frieden um jeden Preis"
- "Unternehmen Entebbe"
- "Arbeitslosenselbsthilfe"
- "Grohnde"

Berichtet wird u. a. über G. Hanisch und seinen Haftbedingungen, über Alternativversuche (z. B. Bäckerei, Folk Club), über den Frauenbuchladen "Sappho", "wie er entstand, was er ist", über eine Demonstration am 26.2.1977 in Colmar "gegen die Auslieferung von Detlef Schulz an die BRD und gegen die Antiterrorismuskonvention", über den Pfadfinderverband BDP/BDJ. Berichtet wird weiter über Kuba, Afrika und Angola, über Interviews mit den Gefangenen aus der RAF-Auszüge aus "Le Monde Diplomatique". Berichtet wird noch über Irland und den Film "Unternehmen Entebbe". Das Zwischenergebnis der UK zum Tode von Meinhof soll "Zweifel an der von offizieller Seite verbreiteten Selbstmordthese" genährt haben.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 12, April 1977.

Mai 1977:
Die Nr. 13 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
In "An die Leser" heißt es u. a.: "Mit dieser Ausgabe stellt sich eine neu zusammengesetzte Redaktion der PROVINZ vor. Nach dem Austritt der Mainzer Mitglieder aus der Redaktion bleibt ein kläglicher Rest von drei Redaktionsmitgliedern und zusätzlich zwei bis drei sporadisch mitarbeitende Redaktionsfreunde. Die Stellungnahme der Wiesbadener Restredaktion zum Austritt der Mainzer Gruppe wurde in der letzten Ausgabe abgedruckt und wird als bekannt vorausgesetzt. Die derzeitige Schwierigkeit der neuen Redaktion ist es, neben der laufenden Arbeit für die nächste Ausgabe neue Grundlagen und Zusammenhänge zu schaffen. (…) Wir leben selber isoliert in dieser Stadt, jeder erlebt selbst nur einen individuellen Ausschnitt, hat keinen Zugang zu interessanten Informationsquellen und meist auch nicht die Zeit, sich leichten und leisen Fußes an die Mauscheleien, Schweinereien unterdrückten Nachrichten und Fakts heranzuschleichen. Soweit das möglich ist, geschieht es, aber darüber hinaus können wir nur den Anspruch formulieren darüber berichten zu wollen. Ohne die Zusammenarbeit mit engagierten und interessierten Freunden der PROVINZ sind wir eigentlich aufgeschmissen. (…)

Es wäre unbedingt nötig, dass Interesse und Bereitschaft bestünde, uns entweder mündlich oder in Form von Artikeln von Vorfällen, Schweinereien oder sonstigen Info's in Gewerkschaft, Betrieben, Stadtteilen, Stadtverwaltung oder über geplante Projekte oder laufende zu informieren, uns anzusprechen oder sonstwie mit uns zusammenzuarbeiten. (…) Wir haben aber nicht nur mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir haben enorme Geldschwierigkeiten".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Leserbriefe"
- "Clowns Mobil"
- "Kinder und Jugendtheater Benjamin"
- "Salonlöwen"
- "FHW Fachhochschule Wiesbaden"
- "Männergruppe Wiesbaden"
- "Alternatives Leben und Arbeiten"
- "Frauen"
- "Pressestimmen"
- "Zensur"
- "Wiesbaden/Israel. Jugendaustausch ist besiegelt"
- "Irrlicht. Zentralorgan für Veranstaltungen"
- "Aktivitäten an Ostern"
- "§ 88a in Aktion"
- "Hungerstreik"
- "Hungerstreik in Portlaoise"
- "Interview mit den Gefangenen aus der RAF"

Berichtet wird u. a. über das Kinder- und Jugendtheater Benjamin, das ein selbst geschriebenes Stück aufgeführt hat, über die Jusos in Wiesbaden, die FHW, die Männergruppe in Wiesbaden. Zum "Internationalen Frauentreffen" in Paris vom 28.-30.5. wird eingeladen. Berichtet wird weiter über Mord an Siegfried Buback am 7.4.77, über die Beschlagnahmung eines INFO-BUG (Nr. 145). Weiter wird berichtet über den Jugendaustausch zwischen Wiesbaden und Israel, über die Osteraktion gegen das Kernkraftwerk Biblis, über Grohnde am 19.3., über die Aktionen der Polizei gegen den Internationalismus Buchladen in Hannover am 23.3. Im Blickpunkt stand die Doku "§ 88a in Aktion". Berichtet wird noch vom Hungerstreik. Veröffentlicht wird dazu eine Erklärung vom 3. HS (29.3.). Dazu werden Infos veröffentlicht, so u. a. über einen Autokorso in Frankfurt/M., West-Berlin, Bielefeld, Hamburg, Koblenz und Köln. Am 7./8.5. soll in Hamburg eine Großveranstaltung im Rahmen der Vorbereitungen für ein Russell Tribunal gegen die BRD stattfinden. Veröffentlicht wird der 2. Teil von: "Interview mit den Gefangenen aus der Roten Armee Fraktion".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 13, Mai 1977.

Juni 1977:
Die Nr. 14 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Leserbriefe"
- "Links zwei drei"
- "Wiedergutmachung"
- "Erklärung des Wiesbadener Schauspiel(s)"
- "Ensemble"
- "Meldungen"
- "Anzeigen"
- "Kein Block in Biblis"
- "Frauen: Wir erobern uns die Nacht zurück"
- "FHW Fachhochschule Wiesbaden"
- "Wiesbaden/Israel"
- "Zu Buback"
- "Warum Klein groß rauskommt"
- "Frauen erhebt euch und die Welt erlebt euch!"

Berichtet wird u. a. über ein Interview mit Michael Schneider und über sein Stück "Wiedergutmachung", das in Wiesbaden am 10.5.1977 aufgeführt wurde, über Resozialisierung, Arbeit mit Gefangenen und die "Aktion Rotes Gitter" aus dem Rhein Main Gebiet. Weiter wird berichtet über das AKW Biblis und über eine Frauenaktion in Wiesbaden (Walpurgisnacht) mit Demonstration. Berichtet wird noch über die Fachhochschule Wiesbaden, wo eine Gesamt VV vom 15.5-23.5. stattfand.
Im Artikel zu "Buback" übernimmt die Zeitung 2 Stellungnahmen: 1. eine Erklärung der "Roten Zellen" aus der Zeitung "Revolutionärer Zorn", 2. der "Buback-Nachruf". Zur Veröffentlichung wird angemerkt: "Wir erhoffen dadurch eine Diskussion über bewaffneten Widerstand und Stadtguerilla in der BRD mit den Lesern". Der "Pflasterstand" veröffentlichte einen Brief von H. J. Klein, in dem sich dieser von der "OPEC-Aktion" distanziert haben soll. Die PROVINZ veröffentlicht gekürzt diesen Brief. Geworben wird für: Petry-Schrempf: "Dokumentation zum Einsatz chemischer Kampfstoffe bei der Polizei", Augustin Souchy: "Sacco & Vanzetti", Arthur Holitscher: "Revanchol und die Pariser Anarchisten".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 14, Juni 1977.

August 1977:
Die Nr. 15/16 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint als "Sommerausgabe" für Juli/August.
Einleitend wird hervorgehoben, dass einige Leser bemängeln, dass die PROVINZ zu einem "Anarchistenblättchen verkommen" sei. Die Artikel über die RAF findet man "langweilig" und "fürchterlich". Die Redaktion erklärt dazu u. a.: "Die Genossen, die sich zur militanten Linken definieren, nehmen die PROVINZ als das wahr, was sie sein soll, als Alternativzeitung, als Zeitung, in der man unterdrückte Meinungen und Meldungen veröffentlichen kann, indem sie zu jeder Ausgabe mehrere Artikel zur Veröffentlichung einreichen". Andere wollen eher den "Nörgler" geben und seien "passive Kritiker". Dazu meint die Redaktion: "Was dabei so klar wird, wie wenig aus den Grundsätzen linker Politik bewahrt wurde, Grundsätze, die im letzten Konjunkturhoch westdeutscher linker Bewegung, der Studentenbewegung ihre besondere Bedeutung hatten. Innerhalb von kaum fünf Jahren sind die damaligen Ansätze, Gesellschaft, Politik, Veränderung, also gesellschaftlich relevante verändernde linke Politik als komplexes Handeln zu verstehen, auch wenn man konkret nur im Ausschnittbereich arbeiten kann, haben sich die Ausschnitte verselbständigt, sind sie nicht mehr ein Ansatz, sondern DER Ansatz.

Ist es so schwer zu begreifen, dass die RAF-Militanten im Knast und die, die draußen auf den verschiedenen Ebenen mit ihnen zusammenarbeiten, besonders in den Punkten a) BRD-Imperialismus , b) die imperialistischen Zusammenhänge zwischen der USA und der BRD und c) über die Entwicklung der staatlichen Repression und der psychologischen Kriegsführung in der Tat wesentliche theoretische Analysen erarbeitet haben und praktische Erfahrungen weitergegeben haben, mit denen sich die Linke auseinandersetzen muss.

Problematisch sind diese Analysen deswegen, weil sie nicht von ihren Produzenten als das angesehen werden, was sie sind, nämlich Beitrage zur Analyse der gegenwärtigen Situation der westdeutschen Klassengesellschaft basierend auf den Stichpunkten Zusammenhang zwischen US- und BRD Imperialismus, Entwicklung der Repressionsinstrumente, neuer Faschismus, psychologische Kriegsführung, sondern ihrer Praxis, als DER Ansatz angewandt werden, an dem sich revolutionäre Politik orientieren muss. (…) Sie wiederum begreifen nicht, dass neben dem politischen Kampf, die Möglichkeiten der konkreten Veränderungen als Individuum und im Kollektiv genutzt und geprobt werden müssen und weiterhin beide Ebenen für die Gesamtlinke ihre Bedeutung haben. Meist sind beide Ebenen nicht gleichzeitig und in vollem Umfang angehbar. (…)

Noch mal: Die PROVINZ soll nicht nur ein Forum für die verschiedenen Ansätze und Strategien sein, aufgrund der Situation der Linken im Allgemeinen-und Wiesbaden macht da keine Ausnahme-muss die PROVINZ das Forum sein, dass die verschiedenen Ansätze und Positionen wenigstens formal zusammenführt. Ob dazwischen dann eine Art Austausch und Auseinandersetzungen stattfinden, liegt außerhalb unserer Möglichkeiten, liegt mehr am Niveau der Scene. (…)

Allerdings wird ein Forum erst- dann zum Forum, wenn die Kritik ihre reale Umsetzung findet, was einerseits heißt, dass bei den Genossen der bewaffneten Linken hinsichtlich ihrer Öffentlichkeitsarbeit das Verhältnis von Form zu Inhalt und Ziel weiterentwickelt werden musste, d. h. dass sie sich einmal bemühen mussten, ihre Artikel mitunter historischer, verständlicher und bezogener zu gestalten und zum anderen sich von ihren Ausgangspunkten kritisch und solidarisch mit anderen Ansätzen linker Politik auseinanderzusetzen".

Artikel der Ausgabe sind:
- "An die Leser"
- "Nicht hinters Licht führen lassen"
- "Bi-Info. Bürgerinitiative Mainz-Wiesbaden informiert"
- "Gespräch mit Rüdiger, Anne (…) aus Wiesbadens Alternative Bäckerei"
- "3. Russell-Tribunal zur Repression in der BRD"
- "Das Modell der Free Clinic Heidelberg ist gefährdet"
- "Interview mit dem Verband alleinstehender Mütter"
- "Es wird gewagt: Männerbeiträge zur Diskussion über die Frauenbewegung"
- "Krabbelstube"
- "G. Hanisch"
- "Mordversuch und Folter. Zur Situation der politischen Gefangenen"
- "Kommt Klein zu groß raus?"
- "Theater Hearing"
- "2. Juni"
- "Die Hunde bellen. Die Karawane zieht weiter"
- "Nazis raus"
- "FHW"
- "Letzte Meldung: Zum Streik der FHW"
- "Argentinien"
- "Spanien"
- "Kalender vom 7. Juli-30. August"
- "Kontakte"

Berichtet wird u. a. über Alternativzeitungen, über die BI Umweltschutz Mainz-Wiesbaden, über ein Internationales Sommercamp der Kernkraftgegner in Gartow vom 16.7.-13.8.1977, über das 3. Russell-Tribunal "über die Verstöße gegen die Menschenrechte in der BRD und West-Berlin". Es schließt sich ein Interview mit dem "Verband alleinstehender Mütter" an. Aufgerufen wird zu einem Alternativen Basar am 30.7. Berichtet wird noch über H. J. Klein, über ein Theater Hearing, über den 2. Juni 1967 und was danach kam. Berichtet wird noch von einer Nazi-Demo am 17.6. in Frankfurt/M. und über die FHW, wo gegen die Bildungspolitik in Hessen gestreikt wurde. Artikel gibt es noch zu Argentinien und Spanien.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 15/16, Juli/August 1977.

September 1977:
Vermutlich noch im September, spätestens im Oktober, erscheint eine "Sondernummer" der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz". Herausgeber: "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz". Redaktion und Inhalt: "Russell-Initiative Wiesbaden".

Artikel der Ausgabe sind:
"4. Hungerstreik
Pressemitteilung vom 30.4.1977
Anwendung der Genfer Konvention auf alle Gefangenen aus bewaffneten kämpfenden antiimperialistischen Gruppen
Die Entwicklung nach dem 30.4.
Versuch der 'Endlösung'
Zur Entwicklung nach Pontos Tod
Anhang zu: Versuch der 'Endlösung'
Zwangsernährungsbericht von Gudrun Ensslin
Wiedergabe eines telefonischen Berichts von Roland Mayer
Bericht von K. H. Dellwo zur Zwangsernährung
Protokoll des Überfalls vom 8.8.77
Erklärungen, Telegramme
Presseerklärungen des IVK VOM 29.8. und 30.8.77
Jürgen Ponto: Kriegsverbrecher und Kollaborateur
Dokumentarteil
Beschluss des BGH zu den Haftbedingungen politischer Gefangener am Beispiel Verena Becker
Auszüge aus den ärztlichen Gutachten von 1975 aus den neuen Stellungnahmen der Ärzte von 1977
Rebmanns Justizpressekonferenz vom 27.7.77
Presse als Mittel der psychologischen Kriegsführung
Toby der Bär und die Breppelzitsche (Spiegel Nr.32)
Pressekampagne gegen das Anwaltsbüro in Stuttgart und die deutsche Sektion des IVK
Betreiben die Terroristen in diesem Land eine Strategie der verbrannten Erde? (FAZ. 2.8. 1977)
Wie Croissant die neue Zentrale Terroristen schuf (Welt, 2.8.1977)
Auszug aus dem Interview mit Rebmann (14.8.1977)
Psychologische Kriegsführung gegen Gudrun und Andreas
Zur Indoktrination nach Stammheim (Süddeutsche, 5.8.1977)
Angeblich Bekennerbrief bei Croissant entdeckt (Stuttgarter Nachrichten, 5.8.1977)
Zum Bombenanschlag auf das Stuttgarter Büro
Verübten Linksextremisten Anschlag auf Croissant-Büro (Rheinische Post, 20.8.1977)
Psychologische Kriegsführung gegen den Durststreik
Justiz-Zweifel am Hungerstreik von Baader, Ensslin, Raspe (Welt, 31.8.1977)
Erklärung von Jan Carl Raspe für die Gefangenen aus der RAF zur Unterbrechung des Hunger- und Durststreiks vom 3.9.1977".
Die Ausgabe beschäftigt sich primär mit der RAF, ihren Aktionen (Hungerstreik), den Haftbedingungen, Stellungnahmen, Presseerklärungen, den Einlassungen von Bundesanwalt Rebmann, Dokumente (Presse, u. a. "FAZ", "Süddeutsche Zeitung") und RAF-Anwälten.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Sondernummer (September 1977).

Oktober 1977:
Die Nr. 18 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
In "An die Leser" wird über die leidliche Erhöhung des Verkaufspreises für die PROVINZ berichtet. Danach sei das die einzige Möglichkeit, "von dem Schuldenberg runter zu kommen. Zudem wurde über die Verkaufsaktion der Zeitung in Wiesbaden berichtet. Durch die Polizei seien einige Ausgaben "beschlagnahmt" worden. Im Artikel "Von uns: Zu Schleyer und bewaffnetem Kampf" wird erneut auf der Welle des sog. "bewaffneten Kampfes" geritten und dazu aufgefordert, endlich "Farbe zu bekennen". Zwei der veröffentlichten Beiträge seien aber "nur eine Tendenz" und würden nicht der Meinung der "Provinz-Redaktion" entsprechen.

Artikel der Ausgabe sind:
- "An die Leser"
- "Der linke Buchladen Anna Seghers schreibt uns"
- "Leserbriefe"
- "Durchsuchung beim ID und Druckladen"
- "Verhaltensregeln für den erkannten Linken"
- "Großveranstaltung der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft Wiesbaden"
- "Kalkar"
- "Grohnde: Angeklagt sind Wenige. Gemeint sind alle!"
- "Veranstaltungen"
- "Veranstaltungen in Wiesbaden"
- "Wiesbaden 77: Den Sumpf trocken legen"
- "Von uns: Von Schleyer und bewaffnetem Kampf"
- "Schleyer: Kein Nachruf"
- "Ein Post-Scriptum zum Buback-Verfahren.
- "Die Provinz-Seite für die Frau"
- "Forschungsprojekt natürliche Verhütung"
- "Abtreibung in Lindenfels"
- "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre. 1. Folge"
- "Mobiles Theater"
- "Der alte und der neue Faschismus"
- "Eine Zensur findet nicht statt"
- "ETA-Mitglied soll an Spanien ausgeliefert werden"
- "80.000 trafen sich im warmen Süden"

Berichtet wird u. a. über den Buchladen Anna Seghers, der sich am Vertrieb der PROVINZ nicht "mehr beteiligen wird". Als Grund wird die "Rechtfertigung und Glorifizierung terroristischer Anschläge" genannt. "Ihre Zeitschrift passt somit nicht in das Sortiment unserer Buchhandlung, weil sie unseren Zielen diametral entgegenläuft", weiter über eine Durchsuchung beim Druckladen am 30.8. in dem auch der "ID" gedruckt wird. Berichtet wird weiter von einer "Großveranstaltung der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft Wiesbaden", die am 14.10. durchgeführt werden soll, über den "Schnellen Brüter" in Kalkar und die Großdemo (24.9.19777), über Grohnde am 19.3., über eine kommende Veranstaltung zu psychologischen Kriegsführung der Russell-Initiative Wiesbaden in Zusammenarbeit mit der PROVINZ. Berichtet wird noch über Schleyer-Kein Nachruf" (ohne Autor) und über ein Buback-Verfahren. Eingeführt wird eine "Provinz-Frauenseite" mit Artikeln zur Verhütung und Abtreibung. In "Ereignisse der letzten 10 Jahre", sollen die "Geschichtsdaten über Ereignisse der letzten 10 Jahre" behandelt werden. Die AG "Neonazismus in der BRD" legt Thesen zum alten und neuen Faschismus in der BRD vor. Berichtet wird noch von einem ETA-Mitglied, dessen Prozess am 14.10. Stattfindet, über einen Kongress in Italien "gegen Repression" vom 23.-24.9. Geworben wird u. a. für das "Info Hamburger undogmatischer Gruppen", für den Merve-Verlag, für Walter Simon: "Macht und Herrschaft der Unternehmerverbände BDI, BDA, DIHT", für die "Autonomie".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 18, Oktober 1977.

November 1977:
Vermutlich Anfang November erscheint die Nr. 19 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Leserbrief"
- "An die Leser"
- "Anti-Repressionswoche"
- "Bullen in unseren Wohnungen"
- "Kampf um eine Wandzeitung nach den Hausdurchsuchungen"
- "Veranstaltungen, Adressen"
- "Wir glauben nicht an Selbstmord! Von Wiesbadener Genossen"
- "Offener Brief an Irmgard Möller"
- "Erklärung zu dem Anschlag in Zweibrücken"
- "Abtreibung diesmal eine positive Erfahrung"
- "Wallraff"
- "Wir bringen 's in Gang"
- "Schafft in jeder Stadt Lokalradios"
- "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre! 2. Folge 1968"
- "Autokorso mit Demo am 8.10."
- "Aktionsanalytische Organisation: Die Familie. Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln"
- "Vorläufige Gedanken zu Mogadischu, Guerilla, Flugzeugentführungen und Stammheim"

Berichtet wird u. a. von der "Anti-Repressionswoche", die vom 7.-12.11. in Mainz stattfinden soll, vom "Russell-Tribunal-Unterstützungskomitee Mainz". Dort wollen sich auch die PROVINZ und MOTZKOPP bekannt machen. Mit dabei sollen auch sein: BI Umweltschutz Mainz-Wiesbaden, SB, Initiativgruppe Südliches Afrika Mainz, Radioaktiv, Komitee gegen Berufsverbote, politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse, GIM, KJVD der KPD, Komitee gegen den § 218. Berichtet wird weiter über Stammheim und den Tod der Häftlinge mit Reaktionen aus dem Ausland (kleine Chronik), über die Trauerfeier (27.10.). Frauen aus dem Frauenzentrum und Lesbenzentrum Bochum richten einen "Offenen Brief an Irmgard Möller". Berichtet wird noch über eine "Erklärung zu dem Anschlag in Zweibrücken" am 18.10., über Abtreibung und G. Wallraff. Berichtet wird noch über alternative Lokalradios und den Verein "Alternatives Lokal-Radio Zürich". Veröffentlicht wird auch die 2. Folge von: "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre 1968", über die Verbotsdemo am 8.10. in Bonn, über die "Aktionsanalytische Organisation" (AAO). Geworben wird für: Peter Brückner: "Die Mescalero-Affäre. Ein Lehrstück für Aufklärung und politische Kultur", für "Courage", für den "Metzger".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 19, (November 1977).

Dezember 1977:
Die Nr. 20 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
In "Genossen, sie wollen uns austrocknen!" wird auf die Schwierigkeiten des PROVINZ-Verkaufs hingewiesen. Die soll mit der "großen Presse- und Fernsehhetze" zusammenhängen. Daher habe man "eine ganze Reihe Buchläden verloren" und man musste zum "Handverkauf" übergehen.

Artikel der Ausgabe sind:
- "Aufruf zum internationalen Aktionstag"
- "Presseerklärung"
- "Maßhalten, Maulhalten, Daumen druff"
- "Zur Lage der Nation"
- "Es gibt keine Neutralität gegenüber dem US-Imperialismus"
- "Leserbrief"
- "Blatt. Stadtzeitung für München"
- "Was ist die AA Kommune?"
- "Im Namen des Anti-Terrorismus: Sie erhalten Berufsverbot"
- "27 Antifaschisten sollen vor Gericht"
- "Termine"
- "Es werden kommen leiser Regen"
- "Unsere Kulturseite"
- "Die Ereignisse der letzten 10. Jahre! 3. Folge"
- "Mai 68"
- "Sumpf"
- "Selbstverbrennung in Hamburg"
- "Sicherheitsverwahrung"
- "Mit einer Monatskarte durch das ganze Jahr"
- "Regionale Anti-Repressions-Demonstration in Frankfurt und Aktionstag zu Irmgard Möllers Freilassung"

Berichtet wird u. a. über Schwierigkeiten beim Vertrieb der PROVINZ, über einen "Aufruf zum internationalen Aktionstag für die Freilassung Irmgard Möllers und für die Zusammenlegung der politischen Gefangenen zu interaktionsfähigen Gruppen" am 10.12., über eine "Presseerklärung" von RA Böddeling am 21.11. zur Gefangenen Inga Hochstein, über eine Anti-Repressionsveranstaltung am 11.11. in Gosensheim, in der ESG Mainz am 11.11. In "Zur Lage der Nation" wird altbekanntes wiederholt und u. a. erklärt, dass sich in der BRD die "Entwicklung des neuen Faschismus" vollzieht. Berichtet wird weiter über das "Blatt. Stadtzeitung für München", über die Aktionsanalytische Aktion, über Berufsverbote in Mainz, über einen Prozess gegen Antifaschisten, über den "Autonomen Kunstverein". Veröffentlicht wird der Beitrag: "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre! 3. Folge 1968". Berichtet wird noch über den Mai 1968, über eine "Selbstverbrennung in Hamburg" und über einen Beitrag aus dem "Extra-Dienst" zur "Sicherheitsverwahrung". Berichtet wird noch von einem Aktionstag für Irmgard Möller am 11.11. in Darmstadt, wozu ein "Aufruf" veröffentlicht wird. Folgende Gruppen haben diesen unterzeichnet:
- AStA FHS
- Lili
- Basisgruppen FHS
- KB
- Provinz
- Wehrt Euch Initiative
- GAD-
- GIM
- SAG
- Spartacusbund
- Pflasterstrand

Geworben wird für James Carr: "Die Feuer der Freiheit.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 20, Dezember 1977.

Januar 1978:
Vermutlich im Januar erscheint die Nr. 21 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Interview mit drei Straßenmusikern"
- "Maßhalten, Maulhalten, Daumen druff. Mit uns nicht"
- "Fragen zum Konzept der Provinz"
- "Provinz-Leserbrief"
- "Warnung vor Heinz V. P."
- "Verhaftung"
- "Strauß in Chile"
- "Veranstaltungen"
- "Modell Deutschland in Holland"
- "Knut Folkerts"
- "Anwendung der Genfer Konvention. Zur Situation der Gefangenen aus der RAF"
- "Papier zum CIA. Ingrid Schubert"
- "Texte der RAF"
- "Arbeiterzeitung des Kommunistischen Bundes"
- "Freund und Helfer: Schläger in Uniform"
- "Kleinanzeigen"
- "Nachrichten aus Spanien"
- "ETA"

Berichtet wird u. a. über eine Stellungnahme des Mainzer Russell-Tribunal Unterstützungskomitee und über die "Anti-Repressionswoche" vom 7.-11.11.1977, über die Konzeption der PROVINZ, über Verhaftungen von Leuten aus der Gruppe "Antifaschistischer Kampf Kaiserslautern", weiter über Strauß in Chile, über das "Modell Deutschland", über eine "Presseerklärung" von Knut Folkerts vom 7.12.1977.
Berichtet wird noch von einer Palästina-Woche in Frankfurt/M. vom 23.1.-29.1.1978. Zum Abschluss soll ein "Palästina-Fest" stattfinden. Veröffentlicht werden auch "Texte der RAF". Der Artikel zum "Arbeiterkampf" beschäftigt sich mit dem KB. Im Artikel zu "Spanien" wird auch zur ETA Stellung bezogen. Geworben wird u. a. für die Kulturkneipe "Courage", "Wir wollen alles" und "Die Andere Zeitung".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 21, Januar 1978.

Februar 1978:
Die Nr. 22 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint. Erklärt wird u. a. dass man zum Konzept der Zeitschrift in einer der nächsten Ausgaben Stellung beziehen wolle.

Artikel der Ausgabe sind:
- "Häuser, Straßen, Menschen. Sanierung im Berg-Kirchenviertel"
- "Projekt: Saalgasse"
- "Abteilung: Aus Stadt und Land"
- "AKW News"
- "Straßenmusik. Interview 2"
- "Berufsverbot"
- "G. Hanisch fordert Umschlussaufhebung der Isolation"
- "Modell Deutschland auch für Ausländer"
- "Antifaschistische Kämpfer wieder frei"
- "Kind von politischen Gefangenen soll ins Heim"
- "Prozess Johannes R./Detlev S."
- "Leserbrief"
- "Kleianzeigen"
- "Russell-Tribunal soll verboten werden"
- "Veranstaltungen"
- "Zur Rebmann-Offensive"
- "Erklärung vom Kommando Holger Meins zu den Morden"
- "Hungerstreikerklärung (Monika Berberich/Ilse Jandt)"
- "Starb Ulrike vor dem Selbstmord? Neue Ergebnisse der Untersuchungskommission"
- "Irland. Politischer Status für politische Gefangene"
- "Spanien"
- "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre. 4. Folge 1968"
- "Notstandsgesetze"

Berichtet wird u. a. über die Sanierungen im Bergkirchenviertel, über eine "Presseerklärung der PUB-Initiativgruppe Wiesbaden" zu aufgehängten Plakaten einer Jugendgruppe, die entfernt werden sollen, was als "Zensur" bezeichnet wird, über eine Veranstaltung er Gruppe Umweltschutz am 10.3. im Bürgerzentrum Bergkirchenviertel, über Straßenmusik und G. Hanisch. Berichtet wird noch von Prozessen gegen Johannes Roos/Detlev Schulz. Berichtet wird weiter über das Russell-Tribunal, zu Rebmann. Veröffentlicht wird eine Erklärung des Kommandos Holger Meins, eine zum Hungerstreik von Monika Berberich/Ilse Jandt. Berichtet wird noch von den "Ergebnissen der Untersuchungskommission zum Tod von U. Meinhof", über die Irlandgruppe Wiesbaden, über Spanien und über die politischen Ereignisse der letzten 10 Jahre. Geworben wird für die Kulturkneipe "Courage".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 22, Februar 1978.

März 1978:
Die Nr. 23 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
Eingangs heißt es u. a. in "Wie sieht es aus?": "Die Redaktionsarbeit der PROVINZ wird nur noch von wenigen Leuten gemacht (wir werden immer weniger). Dies ist auf Dauer nicht möglich, das heißt konkret: die PROVINZ kann nur weiter bestehen, wenn Leute sich entschließen, mitzuarbeiten oder wenn Gruppen kontinuierlich ihren Beitrag zur Zeitung leisten.

Wir sind geschrumpft, weil die Arbeit in der PROVINZ sich auf Technik reduziert und der Anspruch, den die PROVINZ und die Leute, die daran arbeiten, haben, nämlich ein Diskussionsforum darzustellen, und somit politisch wirksam zu sein, nicht erfüllt wird. (…) Was trotz allem gemacht werden muss, ist die ganze technische Arbeit (Tippen, Layout, Büro, Finanzen usw.), die bei dem ständigen auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Realität stark in den Vordergrund tritt, und daher selten Spaß macht. Kein Wunder, dass manche das Handtuch werfen. Diese Verhältnisse führten meist zu Diskussionen, die denen unter politisch arbeitenden Gruppen in Mainz und Wiesbaden entsprechen: Meinungen prallen aufeinander, werden nicht ausdiskutiert. (…)

Diese Verhältnisse, die in der Sommernummer 1977 in unserer Botschaft an die Leser ausführlich beschrieben wurden (…), haben sich seitdem nur noch verschlechtert. (…) So ist die PROVINZ mit der zaghaften Konzeption, die sie hat eigentlich zu idealistisch". (…) Die Zeitung inhaltlich tragen zu wollen, können wir auch nicht".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Wie Richter Wawak den öffentlichen Frieden stört"
- "Verfahren gegen alternative Zeitungen, linke Buchläden und Druckereien"
- "Weinverkauf als politischer Kampf"
- "Leserbriefe"
- "Das Wohngebiet. Was wird aus der Eberbacherstraße"
- "Politisches Theater: Maxim Gorki"
- "Der Club Behinderter und ihrer Freunde e. V."
- "Urteil im Bullenprozess"
- "Interview mit der SB Initiative Wiesbaden"
- "HBV Landesbezirk plant Kündigung eines aktiven Gewerkschaftssekretärs"
- "Arbeitslos-Schüler-Student"
- "Mitteilungen zur Zigeunerkunde: Eine Kleinstzeitschrift und ihr Mainzer Macher"
- "Prozesserklärung von Verena Becker"
- "Veranstaltungskalender"
- "Russell-Tribunal"
- "Zur bisherigen Geschichte des Russell-Tribunals"
- "Einige Überlegungen zum III. Russell-Tribunal"
- "Protokoll einer schleichenden Krankheit"
- "Prozess gegen Bewegung 2. Juni"
- "Spanien"
- "Verfahren gegen Schondorfer Blättle"
- "Den Täter haben wir. Die Tat brauchen wir noch"
- "Ereignisse der letzten 10 Jahre! 5. Folge 1968"
- "Sozialdemokratismus und DKP"

Berichtet wird u. a. über den "Verein zur Förderung der deutsch-okzitanischen Freundschaft e. V.", über die Premiere des Maxim Gorkis Stück: "Die Feinde", über den "Club der Behinderten", über die SB-Initiative Wiesbaden, über "Mitteilungen zur Zigeunerkunde" von Michael D. Reinhard". Weiter wird berichtet über die "Prozess-Erklärung" von V. Becker, über das Russell-Tribunal" und "Über die Verletzung der Menschenrechte in der BRD", über den "Prozess gegen die Bewegung 2. Juni", Berichtet wird noch über Spanien und die internationale Sozialdemokratie, über das "Schondorfer Blättle", gegen das ein Verfahren anhängig ist. In der 5. Folge über "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre", wird in der Folge 5 das Jahr 1968 behandelt. Geworben wird für die "Autonomie".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 23, März 1978.

April 1978:
Die Nr. 24 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint. Herausgeber ist ein "Redaktionskollektiv und freie Mitarbeiter".
Einleitend heißt es: "ln der Provinz stehen jede Menge Artikel, die sich mit dem bewaffneten Kampf beschäftigen. (…) Setzt man voraus, dass die Diskussion über Politik der Guerilla über Analysen der Guerilla , dass die Problematiken, die um und mit dem bewaffneten Kampf sichtbar werden für uns, in der Legalität Lebenden und Arbeitenden Leuten, mehr Relevanz haben, als das oft genug hörbare Jammern und Manipulations-Argument, dass die Guerilla dem Staat den Vorwand bietet, die Repression zu verschärfen dann muss sich einiges an der Art und Weise wie die Auseinandersetzung über die bewaffnete Politik und ihre Auswirkungen geführt wird, ändern. Dass es bei der Behandlung, Diskussion des bewaffneten Kampfes eines genauen Stils bedarf, ist klar, sind die Sinne vieler von dem ständigen Bombardement, der an den psychologisch ausgekundschafteten Schwächen und Unsicherheiten auch des Gutwilligsten , ansetzenden Massenmedien, getrübt. Die Provinz, bzw. diejenigen, die die Diskussion tragen leisteten dies bisher in nur seltenen Fällen ansatzweise. Bei der Brisanz und Gefährlichkeit, die die Diskussion des bewaffneten Kampfes durch die Bedrohung des Staates hat (88a, 130a, 129a, Mescalero), läuft dabei die Diskussion oft Gefahr, dass ihr Zweck ins Gegenteil verkehrt wird: dass sie Unsicherheit verstärkt und Ablehnung produziert. Die Grenzen zwischen denen, denen die Materialien, die die Provinz anbietet, nicht über ihre inhaltlichen Unklarheiten hinweghelfen, und denen, bei denen die Hetze gegen den bewaffneten Kampf zu ihrem politischen Kalkül gehört (…) wird dabei verwischt. (…) In diesem Heft sind zum ersten Mal Ansätze vorhanden, die ermöglichen könnten, dass sich die Diskussion um die Problematik, die um die Guerilla und ihre Politik existiert, verbreitert."

Artikel der Ausgabe sind:
- "III. Internationales Russell-Tribunal. Zur Situation der Menschenrechte in der BRD"
- "Vorläufiger Bericht der Jury des 3. Russel-Tribunals"
- "Zum Hungerstreik der politischen Gefangenen"
- "Wiesbadener Zivildienstleistende werden aktiv"
- "Einige Bemerkungen zum Druckerstreik"
- "Zigeuner Justiz"
- "Ultrazentrifuge"
- "Frauen"
- "Arbeitsplätze"
- "Kultur"
- "Klauen ist billiger"
- "Wiesbadener Jusos"
- "Veranstaltungskalender
- "Erklärung der Revolutionären Zellen"
- "21 Thesen zur Gewalt"
- "Diese Seite gehört dem Russell-Komitee"
- "Differenzen zwischen Russell-Initiative Wiesbaden und Russell-Unterstützungskomitee Mainz"
- "Kritik der Stadtguerilla. Diskussionspapier des Russell-Unterstützungskomitee Mainz"
- "Begins Traum-Groß-Israel"
- "Zimbabwe-1. Mai 1978"
- "Fußball Ja, Folter Nein!"
- "Hungerstreik. Presseerklärung"
- "Hat Spanien eine revolutionäre Zukunft, oder wird es der internationalen Sozialdemokratie zum Opfer fallen?"
- "Jugendwoche der PUB-Initiative"
- "Prozess gegen Bewegung 2. Juni"
- "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre. 6. Folge. 1968"

Berichtet wird u. a. über das III. Internationale Russell-Tribunal vom 28.3.-4.4.1978. "Während dieser Sitzungsperiode ist allein die Frage der Berufsverbote untersucht worden, nämlich: wird Bürgern der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin aufgrund ihrer politischen Überzeugung das Recht verwehrt, ihren Beruf auszuüben? (…) Das Tribunal stellt nachdrücklich fest, dass in den Bereichen des öffentlichen Dienstes, die es untersucht hat, die dort aufgrund des Festhaltens an nicht genehmen Meinungen oder der Zugehörigkeit zu nicht genehmen Organisationen verhängten Berufsverbote mit den Menschenrechten nicht vereinbar sind".

Berichtet wird weiter vom "Hungerstreik der politischen Gefangenen" (Hamburg, Köln-Ossendorf, Straubing, Stammheim, West-Berlin, Hannover), über die "Hungerstreikerklärung" vom 10.3.1978, über Wiesbadener-Zivildienstleistende, den Druckerstreik, über die Brennstoffversorgung der westdeutschen AKWs, über das "Komitee gegen den § 218" in Mainz, das sich mit einem "Straßentheater" am 18.4. vorstellt. Am 27.4. soll in Mainz-Wiesbaden eine Großveranstaltung zum Russell-Tribunal stattfinden. Veranstalter ist die "Russell-Unterstützungsgruppe Mainz/Wiesbaden". Veröffentlicht wird auch eine "Erklärung der Revolutionären Zellen" zu Ausländerbehörde in Frankfurt/Main. Das "Anarchistische Forum Wiesbaden" verurteilt in einer Erklärung den Anschlag. Für die Gruppe ist er "unverantwortlich".

Berichtet wird noch über Differenzen zwischen der Russell-Initiative Wiesbaden und dem Russell-Unterstützungskomitee Mainz. Am 1. Mai will der KBW für die Unterstützung des "Befreiungskampfes in Zimbabwe" werben. Dazu führte er eine Veranstaltung durch. Für den 30.4. ist eine Zimbabwe-Veranstaltung im Raum Main/Wiesbaden vorgesehen. Informationen können über das KBW-Büro eingeholt werden. Am 26.4. soll im PUB eine Veranstaltung des "Chile Solidaritätskomitees" stattfinden, am 28.4. eine Veranstaltung der Umweltschutzgruppe. Ein Prozess gegen die "Bewegung 2. Juni" soll am 11.4. in West-Berlin beginnen. In "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre" wird in Folge 6 das Jahr 1968 behandelt. Geworben wird für den "ID", für die "Befreiung", den "Hessischen Landboten", "Arbeiterkampf", "Was tun?", "Pflasterstrand", "Roter Stern".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 24, April 1978.

Mai 1978:
Die Nr. 25 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz" erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "III. Russell-Tribunal. Meldungen"
- "Verfassungsschutz in Büchereien"
- "Verfassungsschutz. Sehen wir uns in der Bücherei?"
- "Berufsverbot in Mainz"
- "Arbeitsgericht bestätigt: Berufsverbot gegen S."
- "Exorzisten in Sachen Berufsverbot"
- "Arbeitskreis Umweltschutz Wiesbaden nimmt Stellung"
- "Grüne Liste. Nee, Danke"
- "Sonnenkollektor in Do It yourself"
- "Antifaschistische Demo (in) Köln"
- "1. Wandzeitung: Argentinien 1978: Fußball ist eine Sache, Folter eine andere!"
- "Info-Kneipe inhaltlich"
- "Kampftag 1. Mai in Wiesbaden"
- "Frauenärzte in Hagen. Menschliches Versagen als Beruf?"
- "Walpurgisnacht in Wiesbaden"
- "Neues aus den Schließfächern"
- "Queen Elizabrit in Mainz"
- "Mord"
- "Rolf Löchel verhaftet"
- "Veranstaltungskalender"
- "Zur Situation der Gefangenen aus der RAF (G. Sonnenberg)"
- "Baskenland-Baskische Gruppe OSKORRI"
- "Die Diskussion. Wieder RAF? Anleiern, intensivieren, auf ein höheres Niveau bringen. Zu den 21 Thesen der Initiative SB Wiesbaden"
- "Bemerkungen zum Diskussionspapier des Mainzer Russell Unterstützungskomitees"
- "Die Wiesbadener Russell-Initiative hat das Wort. Zum Hungerstreik"
- "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre. 7. Folge 1969"
- "Erklärung Ronald Fritzsch zum Prozess"
- "Prozess, Bewegung 2. Juni"

Berichtet wird u. a. vom Verfassungsschutz, der jetzt auch in Büchereien aktiv geworden sein soll, über das III. Russell Tribunal. Das "Russell-Tribunal" Wiesbaden, gründete eine Unterkommission "gegen Verfolgung von Russell-Unterstützern", über Berufsverbote in Mainz, über den Wiesbadener AK Umweltschutz, der an der Diskussion über eine Wahlbeteiligung der Umweltschutzbürgerinitiativen an der hessischen Landtagswahl am 11.3. beteiligt war, über die Grüne Liste und "Vorschlag für eine Stellungnahme des Arbeitskreises Umweltschutz zur möglichen Beteiligung Grüner Listen an der Landtagswahl".
Berichtet wird weiter über eine antifaschistische Demo in Köln am 22.4. Zur Demo hatte die "Internationale Organisation der Opfer des Nazi-Regimes". Veröffentlicht wird die "1. Wandzeitung: Argentinien 1978. Fußball ist eine Sache, Folter und Mord die andere!" Berichtet wird noch über den 1. Mai in Wiesbaden, wo der KBW-Stand von der Polizei überfallen worden sei. Zur Walpurgisnacht in Wiesbaden kamen "300-500 Frauen" zusammen und demonstrierten durch die Stadt. Zum Artikel der Königin aus England in Mainz, werden Aktionen der IRA seit dem 12.12.1977-16.3.1978 chronologisch aufgeführt. Berichtet wird noch über Sonnenberg, über die baskische Gruppe OSKORRI. In der Diskussion über die RAF etc. wird zu "21. Thesen der Initiative SB Wiesbaden" Stellung bezogen. Die "Wiesbadener Russell Initiative" erklärt sich zum Hungerstreik von Gefangenen. In der 7. Folge von: "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre", wird das Jahr 1969 behandelt.
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 25, Mai 1978.

Juni 1978:
Vermutlich Anfang Juni erscheint die Nr. 26 der "Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Zur Situation linker Gegenöffentlichkeit"
- "Treffen Alternativpresse. Zensur geht um"
- "Alternativpresse und linke Tageszeitung"
- "Zum Film: Deutschland im Herbst"
- "An die Gleichgeschalteten"
- "4 Drucker verhaftet"
- "Abendroth-Veranstaltung"
- "Musik deutscher Zigeuner"
- "Anzeigen"
- "Queen Elizabrit in Mainz"
- "Anschlag auf das Yankee-Offiziers Hotel Wiesbaden"
- "Doris Braune und Dorit Bröcher verhaftet"
- "Erklärung von H. Krabbe, Gefangene aus der RAF zu ihrem Durststreik"
- "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre. 8. Folge 1969"
- "Erklärung von Gerald Klöpper"
- "WM: Argentinien 1978"

Berichtet wird u. a. über Alternativzeitungen, über ein Treffen der alternativen Presse und linker Tageszeitungen, über Tageszeitungen und Zensur, über den Film: "Deutschland im Herbst", über die Verhaftung von "Agit"-Druckern, über eine Abendroth-Veranstaltung. Weiter wird berichtet über den Queen-Besuch in Mainz (14.5.1978) und Aktionen der Irlandgruppe Wiesbaden. Berichtet wird noch über einen Bombenanschlag auf ein Offiziers-Hotel von US-Amerikanern in Wiesbaden am 31.5. Eine "Erklärung von H. Krabbe" zu ihrem Durststreik wird veröffentlicht. Berichtet wird noch über die Festnahme von Wisniewski am 11.5. in Paris und K. H. Dellwo, der sich im Hunger- und Durststreik befindet. Die 8. Folge von: "Die Ereignisse der letzten 10 Jahre", behandelt das Jahr 1969. Am 10.6.1978 soll eine Veranstaltung zur Fußball WM in Argentinien stattfinden. Dazu wird ein Aufruf der "Argentiniengruppe Wiesbaden", der "Liga gegen den Imperialismus" und des AStA der FH Wiesbaden veröffentlicht. Geworben wird für die "Schwarzen Protokolle", "Pädagogik extra" und für die Kulturkneipe "Courage".
Q: Provinz - Zeitung für Wiesbaden und Mainz, Wiesbaden, Nr. 26, (Juni 1978).

Letzte Änderung: 08.09.2021