Kommunistischer Bund:
"Hamburg - Stadt mit Herz für Faschisten. Dokumentation: Zehn Jahre Begünstigung der NSDAP-Umtriebe" (1978)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 13.2.2019


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Die Broschüre des KB befasst sich laut Vorwort u. a. "mit einer legalen NSDAP" in Hamburg: "Wesentlich ist jedoch, dass hier gezielt die nach 1945 durchgesetzten antinazistischen Gesetze (Verbot der NSDAP und ihrer Wiedergründung, Verbot nazistischer Propaganda, Verbot der Hetze gegen andere Völker, usw.) durchbrochen werden, dass hier der Weg für eine legale 'NSDAP' bereitet wird. Die SPD spielt dabei wieder, wie schon einmal in der deutschen Geschichte, die Rolle des Wegbereiters für den braunen Terror …"

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

April 1978:
Vom KB erscheint die Broschüre "Hamburg - Stadt mit Herz für Faschisten. Dokumentation: Zehn Jahre Begünstigung der NSDAP-Umtriebe".

Im Vorwort der "Antifa-Kommission, KB/Gruppe Hamburg" heißt es dazu: "Hamburgs Senat will offenbar weiter seine Pionier-Rolle bei der Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung spielen: Nach Hamburgs Pionier-Rolle u.a. bei der Einführung der Berufsverbote, des polizeilichen Todesschusses und der 'Trennscheibe' bei Gesprächen zwischen Anwälten und Gefangenen soll Hamburg jetzt auch das erste Bundesland der BRD mit einer legalen 'NSDAP' werden. Widerstand gegen das Wiederauferstehen der NSDAP lässt Hamburgs Senat mit Polizei-Knüppeln niederprügeln.

So geschehen am Sonntag, 26. Februar 78, in Hamburg-Lurup. Dort konnten sich in der Gaststätte 'Lindenpark', 'NSDAP'-Gruppen aus allen Teilen der Bundesrepublik treffen. Ungefähr 800 Gegendemonstranten, die das Nazi-Treffen verhindern wollten, wurden von starken Polizeikräften in Schach gehalten. Mehrfach knüppelte Kloses Polizei den Nazis eine Gasse, damit sie in ihren Versammlungsraum gelangen konnten.

Der Hamburger Senat ermöglichte damit eine Zusammenrottung von Nazis wie:
- Thies Christophersen, Verfasser der antisemitischen Hetzbroschüre 'Auschwitzlüge', ehemaliger SS-Wachmann im KZ Auschwitz
- Erwin Schönborn, Vorsitzender des 'Kampfbund Deutscher Soldaten' gerichtsbekannter Antisemit und Antidemokrat
- Karl-Heinz Hoffmann, Chef der berüchtigten SA-ähnlichen 'Wehrsportgruppe'
- Uwe Rohwer, Ausbilder der Schlägerbanden der 'Wiking-Jugend'
- Die 'Hansa'-Bande, eine kriminelle Vereinigung von 20-30 Jungnazis, die durch Hakenkreuzschmierereien, antisemitische Hetze, Provokationen und direkten Terror gegenüber jüdischen Bürgern in Erscheinung getreten ist. Wie erst kürzlich bekannt geworden ist, hat die Bande in diesem Jahr systematisch die Ausbildung terroristischer und krimineller Kader in sog. 'Wehrsportgruppen' betrieben. Mehrere der Bandenmitglieder sitzen inzwischen wegen Bankraub, Waffenraub u. ä. in U-Haft. Ob tatsächlich die Absicht besteht, sie auch zu bestrafen - wenn nicht öffentlicher Druck das erzwingt - ist allerdings mehr als zweifelhaft.

Es gibt genug Gesetze und genug einwandfreie Beweise, um alle diese 'NSDAP'-Gründer und antisemitischen Mordhetzer hinter Schloß und Riegel zu bringen. Wenn diese Gesetze seit Jahren nicht angewendet werden und wenn jetzt dies Nazi-Banditen gar Polizeischutz erhalten, so dokumentiert dies das Interesse des Staates und speziell des Hamburger Senats an der Existenz dieser Banden.

Die Provokation, die der Hamburger Senat am 26.2.78 gegenüber der antifaschistischen und demokratischen Bewegung gestartet hat, reiht sich ein in eine ganz Kette von ähnlichen Ereignissen, von Nicht-Verfolgung, Duldung und damit Begünstigung derartiger krimineller Umtriebe.

- So konnte der Nazi Wolf Dieter Eckhart acht Jahre lang völlig unbehelligt den Wiederaufbau der "NSDAP" betreiben, bevor er im Herbst '77 zum ersten Mal zu einer geringen Geldstrafe rechtskräftig verurteilt wurde.

- So konnte Christophersen im November 74 im "Haus der Sports" schon einmal eine Versammlung unter der Hakenkreuzfahne durchführen.

- So fand Anfang 76 eine "Reichsgründungsfeier" vorwiegend der "Jungen Nationaldemokraten" und der "Wiking-Jugend" statt, die in Uniform durch Hamburgs Stadtviertel zogen. Die Polizei griff nicht ein. Begründung: Es seien keine 'Störungen' (gemeint: antifaschistischer Protest!!) zu erwarten;

- So erklärte der Hamburger Innensenator anläßlich des NPD-Kongresses "Kongreß der nationalen Kräfte Europas" im August 76: "Wir werden die Veranstaltung zu schützen wissen" und ließ die Polizei auf antifaschistische Demonstranten einknüppeln.

Seit einem Jahr treibt nun die 'Hansa'-Bande in Hamburg und Umgebung unter den Augen der Polizei ihr Unwesen. Trotz der in der Presse groß vom Innensenator herausgestrichenen 'Verhaftungen' einiger Mitglieder der Bande und seinem 'Aufruf', gegen die Nazi-Kriminellen vorzugehen besitzt die Bande gleichzeitig die Frechheit, unter dem Namen 'Aktionsgemeinschaft nationaler Sozialisten' (ANS) ihre Kandidatur zur Bürgerschaftswahl anzumelden.

Dass sie jetzt schon ihre Kandidatur zurückgezogen haben, ist allein das Verdienst der antifaschistischen Kräfte, die die Politik der Legalisierung dieser offen als 'NSDAP' auftretenden kriminellen Nazi-Bande nicht hingenommen haben.

Es scheint sich die Entwicklung der zwanziger Jahre zu wiederholen: Auch damals, als die aufkommende 'nationalsozialistische Bewegung' noch so schwach war, dass sie von der Arbeiterbewegung ohne weiteres hätte zerschlagen werden können, war es der Staat, der mit Hilfe der Polizei das Überleben und Erstarken der Nazis sicherte …"

Artikel der Dokumentation sind:
- "Vorwort"
- "Wer wurde am 26.2.78 geschützt"
- "Thies Christophersen"
- "Karl-Heinz Hoffmann"
- "Erwin Schönborn"
- "Uwe Rohwer"
- "Die 'Hansa'-Bande"
- "Weitere Mitglieder"
- "Die Propaganda der 'Hansa'-Bande"
- "Schon seit Jahren: Hamburg-Tummelplatz für militante Faschisten"
- "16./18.1.71: 'Reichsgründungsfeier' mit Goebbels Adjudanten Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe"
- "Wolf Dieter Eckart-10 Jahre ungehindert in Hamburg"
- "10.11.74: Nazi-Provokation im 'Haus des Sports"
- "Michael Borchardt"
- "18.1.76: 'Reichsgründungsfeier' der 'Aktion 2000"
- "7.8.76: NPD-'Kongress der nationalen Kräfte"
- "15.5.77: DVU-Veranstaltung in Hamburg verhindert"
- "Ein Jahr 'Hansa'-Bande"
- "Weitere Aktionen (Kasten)"
- "9.8.77: Erste Anfrage in der Bürgerschaft"
- "1.9.77: der Senat verschafft sich ein Alibi"
- "Polizeibericht vom 1.9.77"
- "Hansa'-Bande breitet sich aus"
- "26.11.77: Die Wahl-Provokation wird angekündigt"
- "Gründung der 'ANS"
- "Februar 78: 'Hansa'-Bande erneut in der Bürgerschaft zur Sprache gebracht"
- "Und wieder: Nach der Anfrage ein erneutes Alibi des Senats"
- "21.2.78: 'ANS' zur Wahl zugelassen?"
- "25./26.2. 78: 'Hansa'-Bande unter Polizeischutz"
- "26.2.78: Hamburgs Polizei knüppelt den Faschisten den Weg frei"
- "Presse-Echo"
- "Der Innensenator meldet sich zu Wort"
- "Neueste Entwicklung"
- "Hansa'-Bande und NPD"
- "Das Lied vom Sack (Biermann)"

Geworben wird für das "Rotbuch zu den Gewerkschaftsausschlüssen", für die Schrift: "Sollen Nazi-Verbrecher begnadigt werden?", für den "Arbeiterkampf".
Quelle: KB: Hamburg - Stadt mit Herz für Faschisten. Dokumentation: Zehn Jahre Begünstigung der NSDAP-Umtriebe, Hamburg, April 1978.

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Letzte Änderung: 13.02.2019