Bochum:
"Dokumentation über Gewerkschaftsarbeit und politische Entlassungen!" am KKL (1974)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 17.1.2019


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Von der Bochumer "Initiative für eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe" erscheint eine Dokumentation, die sich laut Vorbemerkung mit dem "Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer" (KKL) und der Entlassung eines Krankenpflegers und eines Arztes beschäftigt, die beide "aktive Gewerkschafter" seien. Die Broschüre will u. a. die "Ursachen solcher Entlassungen anhand von Beispielen aufdecken".

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

September 1974:
Vermutlich Anfang September erscheint von der Bochumer "Initiative für eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe" die "Dokumentation über Gewerkschaftsarbeit und politische Entlassungen!"

Im Vorwort heißt es dazu: "Am Knappschafts-Krankenhaus Bochum-Langendreer (KKL) wurden inmitten der Diskussion um die Durchsetzung der 40-Std.Woche bzw. der 5-Tage-Woche ein Krankenpfleger und ein Arzt, beide aktive Gewerkschafter, entlassen. Der Personalrat nahm die Entlassungen 'zur Kenntnis', ohne einzuschreiten. Die ÖTV, zuständige Gewerkschaft der im Krankenhaus Beschäftigten, verweigerte den Entlassenen Rechtschutz und schwieg ansonsten.

Nun ist es etwa nicht so, dass das KKL von Personal überquillt. Man kann sich ständig im Anzeigenteil der Ruhrgebietszeitungen vom Personalnotstand dieses Krankenhauses überzeugen.

Was brachte also die Knappschaft, die angeblich eine ausreichende medizinische Versorgung zu ihrem vornehmsten Ziel erhebt, dazu zwei Beschäftigte zu entlassen?

Noch näher liegt die Frage, warum sich die Vertreter der Beschäftigten im Krankenhaus, der Personalrat, nicht rührten.

Auf völliges Unverständnis muss vor allem das unsolidarische Verhalten der ÖTV-Kreisverwaltung gegenüber den Gewerkschaftskollegen stoßen. Tatsächlich sind diese Entlassungen und ihre Begleitumstände keine Einzelfälle. Während allgemein die schlechten Arbeitsbedingungen, die auch auf Grund von Personalmangel entstehen, beklagt werden und die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sich als immer unzureichender erweist, werden fortschrittliche Kollegen auch andernorts von ihren Arbeitsplätzen gefeuert, gerade, wenn sie versuchen, diese Mißstände zu beheben.

In dieser Dokumentation versuchen Gewerkschaftskollegen ihre Erfahrungen mitzuteilen und die Ursachen solcher Entlassungen anhand von Beispielen aufzudecken!"

Abschnitte der Broschüre sind:
- "Vorgeschichte"
- "Entlassungen"
- "Stärkt die ÖTV am KKL. Für eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe"
- "Fachliche Gründe scheiden aus"
- "Die Kollegen und Patienten fordern Wiedereinstellung von Arzt und Pflegern"
- "Stellungnahme der Patienten"
- "Verschärfte Unterdrückung am Krankenhaus, ÖTV-Kreisverwaltung. Bundesknappschaft und SPD-Polizei arbeiten Hand in Hand"
- "Hetzkampagne oder nicht"
- "Gerüchteküche"
- "Keine Gerüchte sondern Tatsachen"
- "Polizei beschlagnahmt Flugblätter"
- "Schlussfolgerungen"

Aufgerufen wird zum Treffpunkt der Initiative für eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe der ÖTV am KKL, jeden Mittwoch im Rotthaus. Die Initiative ruft zudem für den 10.9.1974 zu einer Veranstaltung "zu den Entlassungen" auf. Themen sollen u. a. sein: "Krankenhausreform", "Entwicklung der Bundesknappschaft", "Kampf für die Wiedereinstellung". Parolen sind: "Für ausreichende medizinische Versorgung!", "Für die Interessen der Kollegen!", "Arbeitet mit in der Initiative für eine betriebliche Gewerkschaftsgruppe der ÖTV am KKL".
Quelle: Initiative für eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe: Dokumentation über Gewerkschaftsarbeit und politische Entlassungen (KKL), Bochum, (September 1974).

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Letzte Änderung: 17.01.2019