"Arsen" - autonome Zeitung aus Aachen (1987-1988)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 26.12.2019


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In Aachen fehle eine "autonome Zeitung", so heißt es im Editorial der ersten Nummer der "Arsen". Die Zeitung solle ein "Podium bieten", um den "alltäglichen Frust auszudrücken". Die Zeitung "Arsen" erschien in den Jahren 1987 und 1988 mit fünf Nummern, die wir hier dokumentieren können, sowie einer Sondernummer zu IWF & Weltbank aus dem Sept. 1988 (vgl. dazu die Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA).

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

15.07.1987:
In Aachen erscheint die Nr. 1 der Zeitung "Arsen".
Im "Editorial" heißt es dazu u. a.: "Was hier fehlt ist eine autonome Zeitung.
Was wir mit dieser Zeitung wollen, ist:
- über lokale Themen (…) und Aktionen schreiben, die die bürgerliche Presse (AN, AVZ, Klenkes) unzureichend oder falsch berücksichtigt
- überregionale Perspektiven und Inhalte libertärer Regungen auch in unsere Stadt zu tragen
- fetzige Diskussionen führen, wie es für uns In Aachen weitergehen könnte, um damit die Vereinzelung, in der Mensch gegenüber dem staatlichen Popanz oft steckt, ein Stück weit aufzubrechen
- Ein Podium zu bieten, wo wir ebenso wie ihr (wenn Ihr wollt) den alltäglichen Frust/Lust ausdrücken könnt, sei es poetisch, literarisch oder sonstwie politisch

Letztendlich haben wir noch den Anspruch die Zeitung kollektiv zu machen, was für uns heißt, dass wir (die Redaktion) Spaß miteinander haben. (…) Wir wünschen uns eine konstruktive, kritische Auseinandersetzung und viele Anregungen".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Power, Schluff, Suff, Sumpf"
- "Libertäre Tage"
- "Bei lebendigem Leibe"
- "Chio und Chile"
- "Militanz"
- "Ich kam, ich sah, ich ging"
- "El Salvador"
- "Ende oder Chance"
- "Autonomes Ökoprojekt"
- "Anzeigen sammeln"
- "Solidaritätsanzeigen"
- "Reif für ein gebührenfreies Girokonto"
- "Es herrscht wieder Ruhe im Land"
- "Oh, geht's mir schlecht"
- "Mei, das sind halt Aussätzige"
- "Karl der Große, Gründer des freien und demokratischen Europa"
- "Somnien-Wir träumen"
- "Direkte Aktion-FAU-Interview"
- "Herborn, Anatomie einer mißglückten Katastrophe"

Berichtet wird im Artikel: "Power, Schluff, Suff, Sumpf" über "das Projekt Autonomes Zentrum im Sare Haus", über die Besetzung der "Gördelerstraße". Das Haus sei im Mai besetzt worden im "unmittelbaren Anschluss an die Räumung im Templergraben". Berichtet wird weiter über das Frauencafe "Schwarze Witwe", über das "Schwulen-Referat des Asta", über das Projekt "Frauen helfen Frauen", über die "FAU" und über den Großbrand in Herborn am 7.7.
Geworben wird für "Wildcat", die "Aktion", den "Schwarzen Faden".
Quelle: Arsen, Jg. 1, Nr. 1, Aachen, Mitte Juli 1987.

15.10.1987:
In Aachen erscheint die Nr. 2 der Zeitung "Arsen".
Im "Editorial" wird im Hinblick auf die Nr. 1 erwähnt, dass sie "keine Eintagsfliege geblieben" sei.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Echtes Geld"
- "Anarchie und so"
- "Macker. Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen"
- "§218: Ich habe es so satt, lieb zu sein"
- "Aus dem Vertrauenstrakt Aachener Bullen"
- "Volkszählung"
- "Solianzeigen"
- "NATO-Bunker Linnich-Glimbach
- "Hausbesetzung Roermonder Straße"
- "Karl der Große, 2. Teil: Vom Sachsenschlächter zum Schlächter von Lyon"
- "Gedicht: Loch in der Kette"
- "Bruchlinien"
- "Das autonome Frauenprojekt ist tot. Es leben die autonomen Frauen!"
- "10 Jahre danach"
- "Arsen-Korrespondent besucht Berliner Knäste"
- "Gehirnerschütterung"
- "Die taz lügt"
- "LeserInnenbriefe"
- "Termine"

Berichtet wird über die Volkszählung, über den NATO-Bunker in Linnich-Glimbach, über die Hausbesetzung in der Roermonderstraße 246, über die FAP-Aachen, die sich am 18.1.1988 zu einem "Reichsgründungsgedenkmarsch" in Würselen treffen will, über autonome Frauen in Aachen. Geworben wird für den "Buchladen 39", über die "Vereinigung der Großkraftwerksbetreiber" am 27./28.10., die sich in Dortmund versammeln wollen, "um zu beraten, wie sie den Hochtemperaturreaktor, besonders das Mini-Modul-Modell der 3. Welt schmackhaft machen". Geworben wird u. a. für "883", "Revolutionärer Zorn", "RadiAktiv", für den "Schwarzen Faden", für den "Atom-Express", "Wildcat".
Q: Arsen, Jg. 1, Nr. 2, Aachen, Mitte Oktober 1987.

Dezember 1987:
In Aachen erscheint die Nr. 3 der Zeitung "Arsen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Uni Streik"
- "Blutnacht an der Startbahn"
- "Kann denn Sprühen Sünde sein"
- "Einige Anmerkungen zum 'Artikel Anarchie & So' aus der 'Arsen Nr. 2"
- "Männer und Gesetz"
- "Widerstandstage in Wackersdorf"
- "Stressfrei durch den Alltag"
- "Atompfalz. WAA Hintergrund"
- "Medien. Alles Lüge"
- "Hafenstraße Hamburg"
- "Lommel 87"
- "Sanierung und Sozialkontrolle"
- "Kontokündigungskampagne"
- "Strahlung kennt keine Grenzen. Unser Widerstand auch nicht"
- "Alle Vögel sind nicht da"
- "Anarchie und Sinnlichkeit. Ein Treffen schwuler Anarchisten"

Berichtet wird über den Streik an der RWTH in Aachen, über die Startbahn-West in Frankfurt/M., wo es bei Aktionen die ersten Toten gegeben hat, über die WAA Wackersdorf vom 8.10.-11.10.1987, über Frauen gegen WAA, über die Oberpfalz, die Maxhütte, die UAA in Gronau, über den Pachtvertrag zwischen BesetzerInnen der Hafenstraßenhäuser und dem Senat der Stadt Hamburg, über den Friedhof für Kriegsgefallene in Belgien, über Robert Ley, sozialdemokratische Stadtplanung und Stadtzerstörung, Sozialfürsorge und Regionalstrategien, über AKW-Gruppen, über Vogelfang in Belgien, über ein Treffen von Schwulen und Anarchisten vom 12.-17.2.1988 in West-Berlin, über die Gerichtsverhandlung gegen einen FAP-Vorsitzenden, der wegen "Körperverletzung" angeklagt ist.
Q: Arsen, Jg. 1, Nr. 3, Aachen, (Dezember) 1987.

März 1988:
In Aachen erscheint die Nr. 4 der Zeitung "Arsen".
Im "Editorial" wird drauf verwiesen, dass "Arsen" jetzt im "2. Jahrgang" erscheint. Und: "Nach diesem Eigentumsvorbehalt ist diese Zeitschrift solange Eigentum der Redaktion bis der Solidaritätsbeitrag von mindestens 2,- DM entrichtet ist".

Artikel der Ausgabe sind:
- Von Dreien, die auszogen das Fürchten zu lehren, oder aus dem Brett vor dem Kopf eine Waffel machen"
- "Zum Beispiel Faschisten. Prozess gegen Ober-Fascho Wolter. BRD Justiz contra Faschisten"
- "Zum Beispiel an Schulen"
- "Von der Schwierigkeit, Dummheit aus den eigenen Reihen von Bullendreck zu unterscheiden"
- "Aus aller Welt. Atommülltransporte"
- "Es herrscht wieder im Land"
- "Frauenbefreiung sprengt jede Nation. Liebe und Kraft für Ulla und Ingrid und alle kämpfenden Gefangenen"
- "Unheimliches"
- "El Salvador. Die Revolution"
- "Brief eines italienischen Genossen"
- "Kriminalisierung einer Stadtteilzeitung aus Hamburg"
- "Anarchie find ich gut"
- "Tips für ihre Gesundheit. Produktneuheiten für Verbraucher"
- "Psychologischer Test: Können sie Politik?"

Berichtet wird über eine §218-Demo, über den Prozess gegen den FAP-Vorsitzenden von Aachen, Reinhardt Wolter, und einem Gespräch am 'Geschwister-Scholl-Gymnasium' das "zwischen dem Dezernenten für politische Straftaten und Oberstaatsanwalt Vedder, Richter Menzel und SchülerInnen der Jahrgangsstufe 12 und 13" stattfand, über Atommülltransporte in Jülich, über Ost-West Transporte zum französischen La Hague, weiter über eine bundesweite Demo am 19.3. in Gorleben, über die Einsitzenden Ingrid Strobel und Ulla Penselin, über eine Durchsuchung des 'Buch- und Spielzeugladen 'Die Druckerei' am 18.12.1987 im Hamburger Schanzenviertel. Im Fokus stand die Zeitung "Schanzenleben". Dazu heißt es u. a.: "Fakt ist, dass derzeit reihenweise Verfahren nach §129a gegen Buchhändler wegen des Verlaufs von bestimmten Publikationen eingeleitet worden sind (…) sehen wir darin auch einen massiven Versuch, die Verbreitung linker Gegenöffentlichkeit zu behindern". Berichtet wird noch über "Baskischen Rock", Sonntag, 17. April im Jakobshof".
Geworben wird für die Buchhandlung Backhaus.
Q: Arsen, Jg. 2, Nr. 4, Aachen, März 1988.

Juni 1988:
In Aachen erscheint die Nr. 5 der Zeitung "Arsen".
Im "Editorial" heißt es: "Diese Ausgabe soll nun also endlich den Dialog eröffnen. Mit der Beantwortung von Fragen, die nicht an uns gerichtet werden, hoffen wir, euch animieren zu können, Fragen an uns zu stellen, die wir dann nicht beantworten können".

Artikel der Ausgabe sind:
- "In eigener Sache 1-3"
- "Walpurgisnacht"
- "Anarchie find ich gut. Statt Fortsetzung, ein Leserbrief"
- "Der Angriff des Kapitals"
- "Bayern ist weit weg"
- "Kräuterverhütung und Menstruationsbeschwerden, Teil 1"
- "1. Mai: FAP-Faschisten gründen Gewerkschaft"
- "Mai 1968. Eindrücke aus Paris. 20 Jahre später"
- "Utopien werden wahr"
- "Scheiß-Arbeit"
- "Gesamt-RAF-Konstrukt. Verfahren gegen Leute aus Duisburg"
- "Clause 28"
- "Termine"

Berichtet wird über die "Plakatgruppe Eifflerstraße", über die "Aktion - Anarchistisches Magazin", über Verhütung und Menstruationsbeschwerden", über den 1. Mai, über die Gründung einer 'Freien Betriebszellenorganisation' am 1. Mai durch die FAP. Weiter über die 1.-Mai-Demo in Duisburg Rheinhausen mit Beteiligung der KPD, der SDAJ, der FAU, VSP, MLPD, Motorradclub Kuhle Wampe. Geworben wird für die "Direkte Aktion. Magazin der Freien Arbeiterunion", für "Auf-Ruhr. Autonome Zeitung aus dem Ruhrgebiet".
Q: Arsen, Jg. 2, Nr. 5, Aachen, Juni 1988.

Letzte Änderung: 26.12.2019