Nordrhein-Westfalen:
Ölkrise und Notstandsmaßnahmen Ende 1973 / Anfang 1974

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 4.5.2020

Vom Protest gegen die Ölkrise und die Notstandsmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen können hier bisher nur wenige Dokumente vorgestellt werden, wir bitten um Ergänzungen.

Eine separate Darstellung gibt es für Dortmund.

Auf besonderes Unverständnis stießen damals in Nordrhein-Westfalen angesichts der offenbar ungesicherten Energieversorgung die beschlossenen Stillegungen der Steinkohlenzechen wie der Zeche Monopol Bergkamen (vgl. 18.11.1973) und der Zeche Emil Fritz in Essen (vgl. 15.12.1973).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

November 1973:
In Düsseldorf führt, laut KPD, vermutlich die LgdI vermutlich im November eine Veranstaltung gegen die Ölkrisenpropaganda durch.
Quelle: Rote Fahne Nr. 46, Dortmund 14.11.1973, S. 6

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10.11.1973:
Die KPD/ML (vgl. 10.11.1973) möchte heute in Recklinghausen eine Veranstaltung zum Nahen Osten, der Energiekrise und dem Bergbau durchführen.
Q: Roter Morgen Nr. 45, Dortmund 17.11.1973

07.11.1973:
In Düsseldorf führt, laut KPD, die LgdI im November eine Veranstaltung gegen die Ölkrisenpropaganda durch. Die Vertretung der PLO in der Schweiz richtet eine Grußadresse an die Veranstaltungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart. ein arabischer Freund richtet einen Brief an die Veranstaltung in Düsseldorf.
Q: Rote Fahne Nr. 46, Dortmund 14.11.1973, S. 6

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18.11.1973:
In Kamen demonstrieren, laut KABD, 3 000 gegen die Schließung der Zeche Monopol (vgl. 7.111973). Laut der KBW OAG Dortmund, die selbst aufrief und teilnimmt, demonstrieren lediglich 2 000. Das meint auch die ebenfalls anwesende KPD, die einen 'Rote Fahne' Sonderdruck unter dem Titel "SPD-Energiekonzept: Die Zeche zahlt der Kumpel!" verteilt.

Die Branchenzelle Bergbau der KBW OAG Dortmund rief auf (vgl. 16.11.1973):"
MONOPOL GEHT VORAN

Der Betriebsrat und der Schachtgewerkschaftsausschuß der Zeche Monopol in Kamen organisiert am 18. November eine Demonstration gegen die geplanten Schließungen der vier Zechen. Der Betriebsrat und der Schachtgewerkschaftsausschuß sind der Meinung, daß das Problem der Zechenschließung nicht das Problem einer Zeche allein ist, sondern daß alle Zechen gemeinsam gegen die Stillegungen kämpfen müssen.

Deshalb fordert er alle Kumpel auf, zu der Demonstration zu kommen. Das ist der richtige Weg! Dagegen halten die Ortsverwaltung und verschiedene Betriebsräte die Demonstration nicht für richtig und unterstützen sie auch nicht. Sie glauben wohl, damit im Sinne des Energieplans zu handeln, der ja leider vom letzten Gewerkschaftstag der IGBE gebilligt worden ist.

Aber das sollte uns nicht davon abhalten, aktiv gegen das neuerliche Zechenmorden aufzutreten. Deshalb: Auf zur Demonstration am 18. November! Kampf gegen die Stillegungen!

HERAUS ZUR DEMONSTRATION GEGEN DIE ZECHENSTILLEGUNGEN AM SONNTAG DEN 18.11.1973 IN KAMEN.
ABFAHRT DER BUSSE: HUCKARDER MARKT, 8.00 UHR.

Die Bergbau Zelle des KBW wird alle Initiativen der Gewerkschaft oder einzelner Kollegen unterstützen, die zu dieser Demonstration aufrufen und selbst einen Bus bereitstellen."

Später (vgl. 28.11.1973) berichtet die Branchenzelle Bergbau der KBW OAG Dortmund:"
MONOPOL KAMEN: 2. 000 GEGEN STILLEGUNG

Am 18. November demonstrierten in Kamen mehr als 2. 000 Menschen gegen die Stillegung von vier Zechen im Ruhrgebiet.

Ein großer Teil von ihnen war Kumpel auf der Zeche Monopol. Ehefrauen, Kinder, Knappschaftsrentner und die Ortsgruppen Dortmud und Hamm des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands unterstützten solidarisch den Widerstand der Kumpel von Monopol gegen die Stillegung. Unter den Parolen 'Weg mit den Stillegungsplänen' und '4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich' formierte sich der Demonstrationszug, der durch die Kamener Innenstadt zur Zeche Monopol zog. Nicht wenige Kamener reihten sich unterwegs noch ein. Auch Minister Girgensohn marschierte mit, obwohl doch gerade die SPD-Regierung, der er angehört, die Stillegungspläne ausarbeitete und das Dichtmachen mit Steuergeldern prämierte. Deshalb war sein Auftreten auch keine glaubwürdige Solidarität, wahrscheinlich wollte er durch volkstümliches Auftreten nur Stimmen für die nächste Wahl einfangen.

Im Demonstrationszug wurde überall die Lage der Bergarbeiter besprochen. Es waren nicht wenige Kollegen, die feststellten: 'Es ist ein Unding, daß jetzt, wo angeblich eine Energiekrise existiert, der Bergbau weiter stillgelegt wird. Das zeigt, daß durch Stillegungen nicht ein Überschuß abgebaut werden soll. Die Kapitalisten stürzen sich auf das profitablere Erdöl und wir haben darunter zu leiden, daß nicht genug Energie vorhanden ist und unsere Arbeitsplätze auch zum Teufel sind'. Und so mancher Kollege, der für den Autokauf jahrelang Panzerschichten kloppte, dem hat die Regierung jetzt verboten, am Wochenende zur Erholung mit dem Wagen aus der schmutziggrauen Stadt hinaus zu fahren. Und einige Kumpel sagten auch, warum der Kumpel immer noch der 'Dumme' ist. 'Wir sollen auf der Straße liegen, aber das Kapital macht mit Stillegungen und hohen Benzin- und Ölpreisen den goldenen Schnitt. Und das wird sich so lange nicht ändern, wie die Arbeiter es nicht ändern und die Produktion nicht selbst in die Hand nehmen'.

Auf der Zeche Monopol angekommen hielt ein Betriebsratsmitglied noch eine kurze Rede. Er bedankte sich für die breite Solidarität mit den bedrohten Kumpel und forderte, daß sie noch größer werden müsse. Vor allem müsse dieser Kampf aber von allen bedrohten Zechen gemeinsam geführt werden, eine Zeche könne nicht stellvertretend kämpfen. Er forderte deshalb die gewerkschaftlichen Vertreter der anderen Zechen auf, auch dort den Kampf gegen die Stillegung zu organisieren.

Und diesen Widerstand müssen wir schon deshalb selbst organisieren, weil die IGBE-Führung inzwischen klar gezeigt hat, daß ihr Verständnis nicht unserer Sache gilt, sie aber um so mehr Verständnis für die Sicherung der Kapitalprofite hat.

Fragen wir also unsere Vertreter auf Hansa, was sie bisher gegen die Stillegungsabsichten getan haben. Und wir müssen ihnen auch klar sagen, nur wenn die breite Front der Kumpel errichtet wird, können wir einen Sieg erringen und die Stillegung verhindern. Sie müssen sich jetzt als die aktive organisierende Kraft im Kampf um unsere Arbeitsplätze beweisen."

Berichtet wird auch durch KHG und KSB Göttingen (vgl. 12.1.21973).
Q: Gemeinsamer Kampf Nr. 14 / Roter Kurs Nr. 4, Göttingen 12.12.1973, S. 12f; Kommunistische Volkszeitung Nr. 8, Mannheim 5.12.1973;Rote Fahne Nr. 12, Tübingen Dez. 1973;Rote Fahne Nr. 47 und 3,Dortmund 20.11.1973 bzw. 16.1.1974;Rote Fahne Sonderdruck SPD-Energiekonzept: Die Zeche zahlt der Kumpel!, Dortmund o. J. (1973);Roter Kumpel, Dortmund 16.11.1973 bzw. 28.11.1973, S. 1 bzw. S. 3f

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19.11.1973:
In Düsseldorf erscheint die 'Kommunistische Arbeiterpresse' der KPD für Vereinigte Drahtindustrie (Klöckner - vgl. 8.10.1973) für November vermutlich in dieser Woche mit dem Artikel "Die 'Ölkrise' - und wer sie bezahlt".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse VDI Belegschaftsversammlung: Viel Lärm um Nichts, Düsseldorf Nov. 1973, S. 4f

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25.11.1973:
Die Zelle Westfalenkaserne Ahlen des KJV der KPD veröffentlicht ihre 'Kommunistische Soldatenpresse' (KSP) Nr. 10 (vgl. Okt. 1973, 1.4.1974), die uns bisher nur teilweise vorlag, mit einem Leitartikel zur Ölkrise.
Q: Kommunistische Soldatenpresse Nr. 10, Ahlen 25.11.1973, S. 1ff

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26.11.1973:
Bei Ford Köln findet, laut KHG und KSB Göttingen (vgl. 12.12.1973), in der Woche vom 26. bis 30.11.1973 Kurzarbeit statt.

Die Berliner Betriebsgruppe Fritz Werner (vgl. Dez. 1973) berichtet über die 'Krise' in der Automobilindustrie" auch:"
Ford-Köln

Kurzarbeit für 7 000 Kollegen in der Woche vom 26.11. bis 30.11. Im Oktober teilte das Vorstandsmitglied Gründe für die Kurzarbeit mit, - die Modelle 'Consul' und 'Granada' seien in den letzten Monaten nicht gerade auf große Gegenliebe bei den deutschen Autofahrern gestoßen - Ford habe die Produktion jetzt der Nachfrage angepaßt - die Kurzarbeit habe sich schon in den letzten Monaten angekündigt - die großen Modelle gingen kaum noch, eine große Zahl (15.000) stehen mittlerweile auf Halde. Damals, im Oktober, war es noch nicht möglich, die Kurzarbeit auf die 'Energiekrise' zu schieben."
Q: Gemeinsamer Kampf Nr. 14 / Roter Kurs Nr. 4, Göttingen 12.12.1973, S. 12; Fritz Werner Informationen Massenentlassung bei Loewe …und FWW?, Berlin Dez. 1973, S. 4

27.11.1973:
Die Kommunistische Hochschulgruppe (KHG) Köln - Mönchengladbach des KBW gibt ihre 'Hochschulfront' Nr. 15 (vgl. 3.7.1973) heraus mit dem Artikel "Das Energiekrisengesetz: Notverordnung der Monopole" zur Ölkrise, aus der 'KVZ'.
Q: Hochschulfront Nr. 15, Köln 27.11.1973, S. 9

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28.11.1973:
In Bochum beschließt die große Tarifkommission (GTK) der IGM, laut GIM in Bochum, Dortmund und Hagen, die Stahltarifrunde (STR) mit einem Ergebnis von 11% und einer Laufzeit von 10 1/2 Monaten abzuschließen.

Die Zelle Hoesch der Ortsaufbaugruppe Dortmund des KBW (vgl. 5.12.1973) berichtet von der STR in NRW (vgl. 19.11.1973):"
GEHEIMTARIFRUNDE BEI STAHL BRINGT REALLOHNABBAU

Als wir selbständig für angemessene Lohnerhöhungen streikten, als wir, ausgehend von unseren Lebens- und Klasseninteressen aktiv kämpften, standen die sozialdemokratischen IGM-Führer praktisch isoliert und einflußlos.
Die Kapitalisten gingen gegen uns massiv vor und wurden dabei durch die Polizei und Appelle der Regierung unterstützt. In der jetzt gelaufenen Tarifrunde spielte die IGM-Führung uns gegenüber die Hauptrolle.
Sie fing im Spätsommer die Unruhe in den Betrieben auf, entwickelte eine solche Hektik in Sachen Lohn- und Tarifverhandlungen, daß die Kollegen nicht nur Besinnung und zu selbständigen Aktivitäten kamen. Und im Schutze einer totalen öffentlichen Diskussion über Öl- und Energiekrise, hervorgerufen durch die künstliche Verknappung der Zufuhr durch die Ölmonopole, gedeckt durch eine wachsende Demagogie vor der Bundesregierung über eine Gefährdung der Arbeitsplätze, wurde dieser Tarifvertrag unter Dach und Fach gebracht.
Doch diese Hektik ist kurzatmig und schwach. Denn sie muß immer neue Scheinprobleme und Widersprüche, immer neue Ablenkungsmanöver erfinden, um uns Stahlwerker, wie jeden anderen Arbeiter von der Frage abzulenken, die sich uns praktisch immer wieder stellt: dient dieses oder jenes unseren Interessen, dient also dieser Tarifvertrag und die dafür verantwortliche sozialdemokratische Gewerkschaftspolitik in unserem Interesse, sichert und verbessert sie unsere Lage als Stahlwerker, als Teil der Arbeiterklasse?"
Q: Roter Hoesch Arbeiter, Dortmund 5.12.1973, S. 1f; Solidarität Extra, Dortmund 29.11.1973, S. 1

29.11.1973:
Der Polizeipräsident von Köln erläßt, laut Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. Juli 1974), die folgende Verbotsverfügung gegen die in Köln geplante bundesweite Iran-Demonstration am 1.12.1973:"
Betr.: Demonstration am 1.Dezember 1973

Für den Fall, daß die Veranstalter angemeldete Versammlung durchgeführt wird, muß damit gerechnet werden, daß diese Versammlung wegen der von ihr propagierten Parolen zu Zusammenstößen mit Teilen der Bevölkerung führt. Zu Zusammenstößen könnte es deshalb kommen, weil das Bewußtsein der Bevölkerung weniger durch die vom Veranstalter behaupteten politischen Zustände geprägt war, als von dem Gefühl, daß der Iran zu den wenigen Staaten zählt, die der Bundesrepublik Deutschland und damit ihrer Bevölkerung angesichts der drohenden Energiekrise durch die uneingeschränkte Weiterlieferung von Erdöl behilflich sind. Angesichts der Tatsache, daß die veranstaltende Liga gegen den Imperialismus offen für die Anwendung revolutionärer Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung eintritt, kann nicht ausgeschlossen werden, daß sie die Konfrontation mit der Bevölkerung sucht.

Neben der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung durch die beabsichtigte Versammlung ist in Anbetracht der angekündigten Parolen auch noch eine Belastung der außenpolitischen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu dem Iran zu befürchten. Dies umso mehr als der Aufruf zu der Versammlung vom 1.12.1973 in den Flugblättern auch von der Föderation iranischer Studenten in der BRD und Westberlin (FIS) mit verantwortet wird.

Die politische Betätigung einer iranischen Studentenvereinigung ist geeignet, die Beziehungen zwischen dem Iran und der BRD zu belasten. Eine Belastung der Beziehungen der BRD und des Iran wäre angesichts der drohenden Energiekrise mit ihren Folgen für die Arbeitsplätze im existentiellen Interesse der Gesamtbevölkerung nicht zu vertreten.

Die Versammlung war gemäß Paragraph 15 Abs.1 Versammlungsgesetz daher zu verbieten.

Die Anordnung der sofortigen Vollziehung war erforderlich, weil die Abwägung der beiderseitigen Interessen ergibt, daß es dem Veranstalter unter den gegebenen Umständen zuzumuten ist, bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die gegen die Verbotsverfügung eingelegten Rechtsmittel von der Versammlung abzusehen. Dagegen ist es der Öffentlichkeit nicht zuzumuten, die erheblichen Gefahren, die im Falle einer Durchführung der Versammlung gegeben wären, hinzunehmen.

RECHTSMITTELBELEHRUNG:

Gegen diese Verfügung kann innerhalb eines Monats nach Zustellung Widerspruch erhoben werden. Der Widerspruch ist schriftlich oder zur Niederschrift bei mir einzulegen.

Falls die Frist durch das Verschulden eines Bevollmächtigten versäumt werden sollte, wird dessen Verschulden dem Veranstalter zugerechnet.

Gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehung kann, ohne daß es eines Vorverfahrens bedarf, unmittelbar beim Verwaltungsgericht in Köln, Blumenthalstraße, der Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung eines evtl. Widerspruchs gestellt werden.

gez. Hosse"
Q: RH e.V.: So wie es ist - bleibt es nicht!, Dortmund o.J. (1974), S. 11f

Dezember 1973:
Wahrscheinlich erscheint im Dezember 1973 von den Marxisten-Leninisten Bochum (ML Bo) und den Marxisten-Leninisten Duisburg (ML Duis) herausgegeben das Flugblatt "Monopole und Staat. Profitmacher der Ölkrise".
Q: ML Bochum, ML Duisburg: Monopole und Staat. Profitmacher der Ölkrise, o. O. o. J.

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Dezember 1973:
Die Nr. 1 der 'Bochumer Arbeiter-Zeitung' (BAZ) - Politische Zeitung der Kommunistischen Gruppe Bochum (KGB) erscheint in Bochum mit dem Artikel "Energiekrise" bzw. "Wer ist für die Erdölkrise verantwortlich?".
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr. 1, Bochum Dez. 1973, S. 7ff

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Dezember 1973:
In Aachen gibt das Sozialistische Schülerkollektiv (SSK) der GIM seine 'Was tun in der Schule', ehemalige 'Schülerpresse', Nr. 10 (vgl. Mai 1973, Jan. 1974) heraus mit dem Artikel 'Oelkrise'".
Q: Was tun in der Schule Nr. 10, Aachen Dez. 1973, S. 15f

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04.12.1973:
In Aachen erscheint die Nr. 25 der 'Aachener Studentenzeitung' - Zeitung des sozialistischen AStA der RWTH Aachen (ASZ - vgl. 14.11.1973, 21.1.1974) mit dem Artikel "'Energiekrise' - ein Angriff auf den Lebensstandard" zur Ölkrise.
Q: Aachener Studentenzeitung Nr. 25, Aachen 4.12.1973, S. 1 und 4

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08.12.1973:
Im Bezirk Westliches Westfalen der Jusos der SPD findet eine Bezirkskonferenz in Sprockhövel statt. Im Juso UB Dortmund (vgl. 4.2.1974) wird auch verbreitet ein:"
BERICHT ÜBER DIE BEZIRKSKONFERENZ AM 8.12.1973

Eine längere Diskussion gab es hauptsächlich über die Anträge zur 'Ölkrise'. Auch hier konnte sich der Dortmunder Antrag durchsetzen."
Q: SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos: Juso Information Die Dortmunder Jungsozialisten nach der UB-Konferenz und Nr. 1, Dortmund o. J. (1973) bzw. 1974, S. 8 bzw. S. 19 und 21ff

08.12.1973:
In Hamm verteilt der KBW vermutlich heute Flugblätter gegen die Notstandsmaßnahmen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 9, Mannheim 19.12.1973

08.12.1973:
In Paderborn führen, laut KBW, die Kommunistische Arbeiterinitiative(KAI), Kommunistischer Studentenbund (KSB) und das Initiativkomitee/Kommunistische Schülergruppe Paderborn vermutlich heute Aktionen gegen die Notstandsmaßnahmen durch.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 9, Mannheim 19.12.1973

08.12.1973:
In Krefeld verteilt der KBW vermutlich heute Flugblätter gegen die Notstandsmaßnahmen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 9, Mannheim 19.12.1973

08.12.1973:
In Köln demonstrieren laut und mit KBW vermutlich heute ca. 15O Menschen gegen die Notstandsmaßnahmen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 9, Mannheim 19.12.1973

08.12.1973:
In Münster verteilt der KBW vermutlich heute Flugblätter gegen die Notstandsmaßnahmen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 9, Mannheim 19.12.1973

12.12.1973:
Die KPD gibt ihre Rote Fahne Nr. 50 (vgl. 5.12.1973, 19.12.1973) heraus mit den Artikeln zur Ölkrise "Köln - Die Arbeiter von Bauer: 'Unser Krisenplan heißt Streik!'" und "Aachen: 'Wer zuletzt zittert…'" zur Rhein-Nadelfabrik.
Q: Rote Fahne Nr. 50, Dortmund 12.12.1973, S. 8

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15.12.1973:
Für den KBW berichtet U.B. vom KVZ-Lesekreis (KVZ LK) Essen:"
ZECHE EMIL FRITZ STILLGELEGT - DKP RIEF ERST ZUR DEMONSTRATION AUF, ALS LETZTE SCHICHT GEFAHREN WURDE

Essen, 15.12.
Liebe Genossen,
anbei einen kurzen Bericht über eine DKP Demonstration heute früh. Anlaß war die Schließung der Zeche Emil Fritz. Wir haben in dem betreffenden Stadtteil (Altenessen) so gut wie noch nicht gearbeitet und erfuhren daher nur kurzfristig von der angesetzten Demonstration. Daher beschränken wir uns auch darauf, vom Verlauf der Demonstration und warum die Kumpel nicht demonstrierten zu berichten.

EMIL FRITZ WIRD DICHTGEMACHT

Die Zeche 'Emil Fritz' im Norden von Essen wurde am 15. Dezember geschlossen. Die Zeche, auf der 1965 noch 6 500 Kollegen arbeiteten, hatte zum Schluß noch 2 350 Mann Belegschaft. Der Großteil der verbliebenen Belegschaft wurde auf Zechen in Gelsenkirchen und Wanne-Eickel (Herne, d.Vf.) umgesetzt. Die zwei bis drei Stunden Fahrzeit, die jetzt täglich zur Arbeit dazukommen, werden den Kumpel nicht bezahlt. Die Schließung erfolgte, obwohl die Zeche immer besonders hochwertige Kohle förderte und obwohl 60 Millionen Tonnen noch nicht abgebaut sind.

Erst als alles zu spät war, nämlich am Tag, an dem die Zeche die letzte Schicht fuhr, rief die DKP zu einer Protestdemonstration auf. Kein Kumpel folgte. Nur etwa 60 DKP-Mitglieder, durchweg keine Bergleute, formierten sich auf dem Zechenvorplatz zum Demonstrationszug. Auf Schildern trugen sie Parolen wie 'Stoppt die falsche Energiepolitik' und 'Verstaatlicht die Ölkonzerne'. Die Kollegen, mit denen wir sprachen, meinten: 'Vor zwei Jahren hätte man demonstrieren müssen, als die Stillegung beschlossen wurde. Jetzt ist es zu spät. Jetzt sind die Anlagen schon seit Monaten verrottet.' Sie wiesen uns darauf hin, daß es der DKP noch nicht einmal gelungen sei, ihr eigenen Leute, die in der Bergmannssiedlung wohnen, zu mobilisieren. Die Bergleute haben zum großen Teil ihr Leben lang auf der Zeche gearbeitet, jetzt werden sie Opfer der kapitalistischen Rationalisierungspolitik. 'Irgendwie muß man es in den Griff kriegen, daß die Unternehmer nicht einfach ihr Geld aus dem Bergbau ziehen und woanders reinstecken können. Aber es ist alles Politik. Auch die Regierung in Düsseldorf und Bonn hat es nicht anders gewollt', sagten die Kollegen. Tatsächlich! Man muß die Regierung, die Staatsmacht, 'in den Griff kriegen', damit die Wirtschaft dem Volke dient und nicht einer kleinen Zahl von Geldsäcken."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 1, Mannheim 9.1.1974, S. 4

22.12.1973:
Die Ortsaufbaugruppe (OAG) Hamm des KBW berichtet:"
NICHT EINSCHÜCHTERN LASSEN! - ANGRIFFE VON POLIZEI UND STADTVERWALTUNG AUF KVZ-VERKAUF ABGEWEHRT

Hamm. Am Samstag, 22.12.1973, stellte die Ortsaufbaugruppe des KBW in der Weststraße von Hamm einen Informationsstand über die Ursachen und Auswirkungen der Krise auf. Dieser Stand war nicht angemeldet, da die Stadt 14 Tage zuvor den Stand in der Innenstadt verboten hatte. Das war ein Angriff auf die demokratischen Rechte und steht in einer Reihe mit den Notstandsmaßnahmen und der verschärften Unterdrückung des Volkes durch den bürgerlichen Staat.

Ab 10 Uhr informierten sich viele Menschen am Stand. Es wurden zahlreiche Diskussionen über die Verschärfung der internationalen Krise des Imperialismus geführt und die Kommunistische Volkszeitung verkauft. Als gegen Mittag dann ein Beamter vom Ordnungsamt erschien, um den Informationsstand wegräumen zu lassen, blieben viele Passanten stehen. Die KVZ-Verkäufer wandten sich an die Bevölkerung und erklärten diesen Angriff auf die demokratischen Rechte. Über hundert Menschen sammelten sich in kurzer Zeit und empörten sich über diese Maßnahmen. Der hilflose Ordnungsbeamte rief darauf die Polizei zu Hilfe, die aber angesichts der vielen empörten Menschen schnell wieder verschwand. Als er dann selbst den Versuch machte, den Stand abzureißen, wurde das von den Umstehenden verhindert. Nach einer Weile verschwand er dann sang- und klanglos unverrichteter Dinge.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 1, Mannheim 9.1.1974, S. 3

22.12.1973:
Der KBW berichtet über seine Anhänger in Mönchengladbach:"
Die Stadt hatte vor kurzem mit folgender Begründung den Genossen die Aufstellung von Ständen verboten: 'Die Fußgängerzone in der Hindenburgstraße ist gemäß Planung der Stadt Mönchengladbach so ausgebaut, daß die Zulassung von weiteren Ständen wegen Sondernutzung nicht vertretbar ist.'

Am Samstag, dem 22.12.1973, wurden die KVZ-Verkäufer von der Polizei überprüft. Zunächst begründeten die Polizisten ihr Vorgehen damit, daß für den KVZ-Verkauf ein Gewerbeschein notwendig sei. Sie riefen dann aber über Funk das K 14 (politische Polizei) (PoPo, d. Vf.) an, das, wie sie sagten, die Zeitungen auf ihre Verfassungsfeindlichkeit untersuchen werde. Freie Meinungsäußerung, erklärten sie, sei nur so lange erlaubt, 'wie sie nicht gegen unsere demokratische Grundordnung (FdGO, d. Vf.) verstößt'."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 1, Mannheim 9.1.1974, S. 3

Januar 1974:
Auf der Zeche Westfalen in Ahlen gibt die DKP ihr 'Grubenlicht' (vgl. Dez. 1973, März 1974) heraus mit dem Leitartikel "Trotz Energiekrise weiterhin Zechensterben!".
Q: Das Grubenlicht Trotz Energiekrise weiterhin Zechensterben!, Ahlen Jan. 1974, S. 1f

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07.01.1974:
Bei Mannesmann (MM) Duisburg gibt die DKP ihren 'Roten Punkt' (vgl. Dez. 1973, 11.1.1974) vermutlich Anfang dieser Woche heraus unter der Schlagzeile "Konzernbosse schlagen wieder zu!" zu den Heizkostenerhöhungen in den Mannesmann-Werkswohnungen in Düsseldorf und den Erhöhungen der Grundmieten wegen Heizungsbau in den Thyssen-Werkswohnungen der RWAG bzw. zur Ölkrise.

Zur 1. Verhandlung über die Entlassungen vor dem Arbeitsgericht am 14.1.1974 wird aufgefordert: "Übt Solidarität durch Schreiben und auch zahlreiches Erscheinen.
Q: Roter Punkt Konzernbosse schlagen wieder zu!, Duisburg O. J. (1974)

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Februar 1974:
Der Kommunistische Arbeiterjugend (KAJB) Köln gibt sein Organ 'Arbeiterjugend' Nr. 1/2 (vgl. Juni 1973, Apr. 1974) heraus mit den Artikeln "In der Krise keine Einheit mit den Kapitalisten!" zur Ölkrise und "So spart die Bourgeoisie… und so läßt sie uns sparen" zur Kaufmännischen Berufsschule Wesseling und "Wer sind unsere Feinde?" zur Ölkrise.
Q: Arbeiterjugend Nr. 1/2, Köln Feb. 1974, S. 3ff und 20f

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Februar 1974:
Bei Mannesmann (MM) Duisburg gibt die DKP ihren 'Roten Punkt' (vgl. 11.1.1974, März 1974) heraus mit dem Artikel "Die DKP hat wieder recht!" zur Ölkrise.
Q: Roter Punkt Rationalisierung nach Rezept Overbeck!, Duisburg Feb. 1974, S. 4

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20.05.1974:
Bei der August Thyssen Hütte (ATH) in Duisburg-Ruhrort gibt die DKP-Betriebsgruppe ihre Zeitung 'Heisser Stahl' (vgl. März 1974, Sept. 1974) für Mai vermutlich in dieser Woche heraus mit dem Artikel "Ölkonzerne - Höchstprofite" zur Ölkrise.
Q: Heisser Stahl Ruhrort 6 500 Kantinen-Esser werden um 1 Million DM geschröpft, Duisburg Mai 1974, S. 4

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Letzte Änderung: 04.05.2020