Göttingen - Schülerbewegung bis Mitte 1971

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 6.3.2020


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Aus der Göttinger Schülerbewegung der späten sechziger und frühen siebziger Jahre werden hier fast allein Materialien des Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen bzw. später des Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen vorgestellt.

Die hier anhand von einer fast vollständigen Serie der 'Roten Schule' dargestellte zweite Phase der Göttinger und Südniedersachsener Schülerbewegung (vgl. 20.6.1969) die im Zusammenhang mit der Reorganisation des SDS Göttingen steht (vgl. 1.9.1969) erprobt sich, ausgehend vom Felix-Klein-Gymnasium (FKG - vgl. 8.7.1969, 9.7.1969, 10.7.1969, 11.7.1969) umgehend in der Organisierung eines stadtweiten Schülerstreiks (vgl. 12.7.1969, 13.7.1969, 14.7.1969, 15.7.1969) und veröffentlichen ihre Zeitung, die 'Rote Schule', anfänglich auch noch Bezug auf Lehrer und Lehramtskandidaten nehmend (vgl. 21.7.1969).

Es wird nicht nur in den eigenen Arbeitskreisen die Bildung betrieben (vgl. 1.10.1969, Dez. 1969), sondern auch die Inhalte des Schulunterrichts werden kritisiert (vgl. Okt. 1969), ebenso wie die Bundeswehr (vgl. 1.12.1969) und der US-Krieg in Vietnam (vgl. 8.12.1969, 11.12.1969, 13.12.1969).

Die Ausfälle eines als Nazis bezeichneten Lehrers des Felix-Klein-Gymnasiums (FKG - vgl. Jan. 1970) führen zu einem zweiten stadtweiten Schülerstreik unter Einbeziehung der Realschule, der Personnschule und der Frauenfachschule (vgl. 15.5.1970, 21.5.1970, 22.5.1970, 23.5.1970, 25.5.1970, 30.5.1970, 8.6.1970), in den der ASS und seine Basisgruppen führend verwickelt sind (vgl. 15.6.1970). Auch später noch wird mit Realschülern gearbeitet (vgl. Feb. 1971).

Von den Auseinandersetzungen innerhalb des SDS Göttingen, der immerhin nicht verboten wird, wie der befreundete SDS Heidelberg (vgl. 30.6.1970), bleibt aber auch der ASS nicht verschont (vgl. 21.2.1970, Okt. 1970, 12.12.1970, Feb. 1970), worin vermutlich auch der Grund für den nicht erfolgenden Streik gegen den Numerus Clausus (NC) zu suchen ist (vgl. Apr. 1970). Der ASS ist damals offenbar 'antirevisionistisch' (vgl. 11.5.1970). Erhebliche Sympathien hegt der ASS offenbar für die Black Panther Party (BPP) USA (vgl. 16.11.1970, 18.1.1971, 1.3.1971, 6.3.1971).

Wo sonst noch die vom ASS erarbeitete 'Göttinger Schülerstrategie' mit Bezug auf ihre Urheber angewandt wurde ist derzeit unklar (vgl. Juni 1970, 14.12.1970). Das ASS scheint zwar in aktuelle Auseinandersetzungen wie die Fahrpreiserhöhungen weiterhin einzugreifen (vgl. 26.5.1971, 11.6.1971, 15.6.1971), ohne aber seine Zeitung noch weiter herauszugeben. Eine offizielle Umorganisierung wird in einem weiteren Beitrag zur Göttinger Schülerbewegung dargestellt.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

20.06.1969:
Schüler aus Göttingen und Northeim gründen ein Komitee für SMV (vgl. 8.7.1969).
Quelle: Rote Schule Nr. 3, Göttingen 1970, S. 2

08.07.1969:
Am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen wird die Sechs für den Schüler Fischer im Matheabitur bekannt, es wird ein Protestflugblatt gegen diese ungerechtfertigte Zensur erstellt (vgl. 9.7.1969). Daran ist das Komitee für SMV beteiligt (vgl. 20.6.1969).
Q: Rote Schule Nr. 1 und 3, Göttingen o. J. (1969) bzw. 1970, S. 3 bzw. S. 2

09.07.1969:
Für das Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen (vgl. 8.7.1969, 10.7.1969) wird ein Treffen zum Protest gegen die Zensurengebung durchgeführt.
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

10.07.1969:
Für das Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen (vgl. 9.7.1969, 11.7.1969) werden drei Flugblätter zum Protest gegen die Zensurengebung erarbeitet.
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

11.07.1969:
Im Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen (vgl. 10.7.1969, 12.7.1969) wird ein Teach-In vor dem Zimmer des Direktors zum Protest gegen die Zensurengebung durchgeführt.
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

12.07.1969:
Im Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen (vgl. 11.7.1969, 13.7.1969) wird ein weiteres Teach-In von Schülern aller Göttinger Gymnasien zum Protest gegen die Zensurengebung durchgeführt.
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

13.07.1969:
Für das Max-Planck-Gymnasium (MPG) in Göttingen wird ein Flugblatt zur Solidarität mit dem Protest gegen die Zensurengebung am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) erarbeitet (vgl. 12.7.1969, 14.7.1969).
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

14.07.1969:
Vom Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen (vgl. 13.7.1969, 15.7.1969) wird in der örtlichen Presse vom Protest gegen die Zensurengebung berichtet, am Nachmittag wird die Sechs zurückgenommen, der Schüler nachträglich versetzt.
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

15.07.1969:
Die Sozialistische Schülerkommune Göttingen feiert mit einem großen Besäufnis den Erfolg im Protest gegen die Zensurengebung am Felix-Klein-Gymnasium (FKG - (vgl. 11.7.1969, 13.7.1969).
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen o. J. (1969), S. 3

21.07.1969:
Eventuell in dieser Woche erscheint in Göttingen erstmals die 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler, Lehrer und Lehramtskandidaten (vgl. 1.9.1969, Okt. 1969). Die Verantwortung für die 20 Seiten DIN A 4 trägt die Sozialistische Schülerkommune Weender Landstraße 86.

Berichtet wird vom Kampf gegen die Zensurengebung am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) und auch eingegangen auf das Leistungssystem allgemein, aber auch auf die entpolitisierende Funktion der Schülervertretung (SV).

Nach eigenen späteren Angaben arbeiten auch Studenten an der Zeitung mit, was zu teils unverständlicher Sprache führt.
Q: Rote Schule Nr. 1 und 3, Göttingen o. J. (1969) bzw. 1970, S. 1ff bzw. S. 2

01.09.1969:
Der Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. Okt. 1969), dem auch Schüler aus umliegenden Orten, wie u.a. Duderstadt, Northeim und Osterode angehören, gründet sich, nach eigenen Angaben (vgl. 6.4.1970), kurz nach den Ferien. Die ASS-Gründung fällt mit der Reorganisierung des SDS Göttingen zusammen. Zunächst bestehen die Bundeswehrgruppe, die Richtliniengruppe sowie Lernkollektive. Von den ca. 10 Mitgliedern arbeiten sechs kontinuierlich.

Das ASS veröffentlicht dann in der ersten Septemberwoche einen 'Zwischenbericht'. Es werden drei Lernkollektive in Klassen, also Klassenkollektive, gebildet und von denjenigen, die allein in ihren Klassen sind, zunächst vier Arbeitsgruppen zu den Themen technokratische Schulreform, Marxistische Wirtschaftstheorie, Septemberstreiks sowie über das Buch 'Schülerselbstbefreiung' von Liebel und Wellendorf. Diese Kollektive und Arbeitsgruppen bereiteten das erste Wochenendseminar vor.
Q: Rote Schule Nr. 3 und 8, Göttingen 1970, S. 2 bzw. S. 53f

Oktober 1969:
Eventuell im Oktober erscheint in Göttingen ein Extra "Neofaschismus in der BRD" der 'Rote Schule' (vgl. 21.7.1969, 8.12.1969), die nun herausgegeben wird vom Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. Dez. 1969) und der Projektgruppe Schule des SDS Göttingen. Kritisiert werden die Schulbücher, u.a. der Seydlitz und der Deutschunterricht, entlarvt die faschistischen Tendenzen in der BRD.
Q: Rote Schule Extra Neofaschismus in der BRD, Göttingen o. J. (1969)

01.10.1969:
Im Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. Okt. 1969, Dez. 1969) intensiviert sich ab Anfang Oktober die Vorbereitung des ersten Wochenendseminars, auf dem ein Text von Ernest Mandel behandelt wird.

Die Arbeitsgruppen arbeiteten danach Arbeitspapiere zum zweiten Wochenendseminar aus, auf dem die Herausgabe der 'Rote Schule' Nr. 2 (vgl. 1.12.1969) beschlossen wurde.
Q: Rote Schule Nr. 3 und 8, Göttingen 1970, S. 2 und 54

Oktober 1969:
Der AStA der Uni Göttingen gibt vermutlich im Herbst seine 'AStA-Materialien' heraus mit dem Text "Ausbildung und Herrschaft" von Martin Baethge über "Die bildungspolitischen Vorstellungen der unternehmerischen Wirtschaft", wobei die Analyse in drei Schritten vorgehe:"
1. ist zu klären, wie sich überhaupt Kapitalinteressen im Ausbildungssystem äußern, wozu ein kurzer Blick auf das System erforderlich ist;
2. sind die ausbildungspolitischen Intentionen der Unternehmer darzustellen;
3. ist die Bedeutung der unternehmerischen Intentionen und ihre Begründung im Lichte einer demokratischen Schulpolitik kritisch zu prüfen."

Analysiert wird neben dem allgemeinbildenden Schulwesen auch die Berufsausbildung.

Der Text wird diskutiert auf dem zweiten Wochenendseminar des Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen.
Q: AStA-Materialien Ausbildung und Herrschaft von Martin Baethge, O. O. (Göttingen) o. J. (1969); Rote Schule Nr. 3, Göttingen 1970, S. 2

Dezember 1969:
Im Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. Okt. 1969, 1.12.1969) beginnt vermutlich im Dezember eine erste Schulung, um die Dominanz der Studenten zu verringern. Die Durchführung geschieht nur zögerlich.
Q: Rote Schule Nr. 3 und 8, Göttingen 1970, S. 2f bzw. 54

01.12.1969:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 2 der 'Rote Schule' (vgl. Okt. 1969, 8.12.1969), herausgegeben vom Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen. Gefordert wird die Abschaffung des Zensurensystems.
Aufgerufen wird zum Vietnam-Teach-In (vgl. 11.12.1969) und zum Palästina-Teach-In (vgl. 15.12.1969). Berichtet wird vom Felix-Klein-Gymnasium (FKG), aber auch vom Mädchengymnasium. Geleistet wird eine theoretische Analyse der Bundeswehr, während es im weiteren um die Praxis der Kriegsdienstverweigerung (KDV) geht.
Q: Rote Schule Nr. 2, Göttingen 1969

08.12.1969:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Göttingen ein Extra der 'Rote Schule' (vgl. 1.12.1969, 6.4.1970) des Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. Jan. 1970) zum Vietnam-Moratorium. Aufgerufen wird zum Vietnam-Teach-In (vgl. 11.12.1969), zur Vietnamdemonstration (vgl. 13.12.1969) und zum Palästina-Teach-In (vgl. 15.12.1969). Anläßlich des Vietnammoratoriums (vgl. 8.12.1969) bildete sich eine Arbeitsgruppe innerhalb des ASS.
Q: Rote Schule Extra Vietnam-Moratorium, Göttingen 1969

10.12.1969:
In Göttingen beschließt der Schülerrat des Neuen Gymnasiums (NG) seine Auflösung.
Q: Neues Gymnasium-Schülerrat: Der Schülerrat, Göttingen o. J. (1969)

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11.12.1969:
In Göttingen soll ein Vietnam-Teach-In stattfinden, zu dem auch der Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. 1.12.1969, 8.12.1969) aufruft.
Q: Rote Schule Nr. 2 und Extra, Göttingen 1969 bzw. o. J. (1969)

13.12.1969:
In Göttingen soll eine Vietnam-Demonstration stattfinden, zu der auch der Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. 8.12.1969) aufruft.
Q: Rote Schule Extra, Göttingen o. J. (1969)

13.12.1969:
In Göttingern erscheint vermutlich heute die "Erklärung des ASS Göttingen zum Vietnam-Moratorium" mit dem Aufruf zur Aktion um 16 Uhr am Audimax.
Q: Erklärung des ASS Göttingen zum Vietnam-Moratorium, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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Januar 1970:
Mitte Januar ereignet sich in Göttingen, laut Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. 6.4.1970), der Schinke-Fall am Felix-Klein-Gymnasium, d.h. die Enthüllung der Nazivergangenheit eines Lehrer, in den der ASS mit einem Flugblatt eingreift und ein, nach eigener Einschätzung, mißglücktes Teach-In organisiert.

Über sich selbst berichtet der ASS (vgl. 11.12.1969, 21.2.1970), dass sich in den Mitgliederversammlungen noch bis Januar 1970 die nicht völlig gelungene Überwindung des antiautoritären Bewusstseins aus der USSB-Zeit gezeigt habe, aber auch, "daß wir immer noch dem Leistungsstreben verfallen waren und daß deshalb in unserem Leben die Schule immer noch eine vorrangige Roll spielte." Dies habe zur Auflösung der Lernkollektive bzw. Klassenkollektive geführt. zwei Arbeitsgruppen bereiten das nächste Wochenendseminar vor.
Q: Rote Schule Nr. 3 und 8, Göttingen 1970, S. 3 bzw. 54

21.02.1970:
Das Wochenendseminar des Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen (vgl. Jan. 1970, 6.4.1970) wird von Arbeitsgruppen vorbereitet, die über die Integrationsfunktion der Schule und die "Berufsaussichten der Schüler im Zusammenhang mit der sich ändernden Nachfrage der Wirtschaft" arbeiten. Dazu heißt es auch, "besonders wurde nach dem Stellenwert der einzelnen Berufe für sozialistische Schüler gefragt." Es geht also um die Berufsperspektive.

Es werden Papers zur technokratischen Schulreform und zur Klassenlage der Intelligenz vorgelegt. Die kontinuierlich mitarbeitenden Mitglieder gründen das ASS-Kollektiv.

Beschlossen wird, dass außer den zwei Arbeitergenossen, "die uns mit Information en versorgen und gleichzeitig den Kontakt zur Arbeiterbewegung verbessern", nur noch zwei Studenten im ASS mitarbeiten sollen.

Der ASS bleibt nicht verschont von den Auseinandersetzungen innerhalb des SDS Göttingen (vgl. Apr. 1970): "
Bereits seit Ende 69 kristallisierte sich im SDS eine Linie heraus, die schon bald über den Umweg über 2 Lehrlinge Einfluß im ASS gewinnen sollte, während die maßgebliche andere SDS-Linie von 2 Studenten im ASS-Kollektiv vertreten wurde."
Q: Rote Schule Nr. 3 und 8, Göttingen 1970, S. 3 bzw. 54f

April 1970:
Das Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen berichtet über die internen Auseinandersetzungen (vgl. 21.2.1970, Sept. 1970) vermutlich aus dem April über den Numerus Clausus und die Freunde des späteren KSB Göttingen: "
Die von den Lehrlingen geführte Minderheitsfraktion, die später als 'marxistisch-leninistische' Fraktion bezeichnete, verzögerte die Vorbereitung für den NC-Streik mit der Begründung, daß es nur ein Streik für die Erhaltung der Privilegien der Oberschüler gewesen wäre, der sich nicht gegen das System gerichtet hätte." Der von dieser Fraktion geforderte Aufnahmestop sollte die Liberalen draußen halten.
Q: Rote Schule Nr. 8, Göttingen 1970, S. 55

06.04.1970:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 3 der 'Rote Schule' (vgl. 8.12.1969, 11.5.1970) unter Verantwortung des Realnamens von Stalin, herausgegeben vom Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen. Berichtet wird von der eigenen Geschichte (vgl. 20.6.1969, 21.2.1970) und den Themen, mit denen sich der ASS befaßte, wobei Schwerpunkte die Schulung, die technokratische Schulreform, die Drogen und die Subkultur ("Deutsche Gartenzwerge im Afri-Cola-Rausch: SUBKULTUR"), die Ausbildung im Spätkapitalismus und der Numerus Clausus (NC) darstellen. Eingeladen wird zu den ASS-Treffs im Club für Internationalismus am 13. und 21.4.1970.

Hingewiesen wird auf den neueröffneten Politischen Buchladen (Polibula) in der Weender Str. 78.
Q: Rote Schule Nr. 3, Göttingen 1970

11.05.1970:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 4 der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler und Lehramtskandidaten (vgl. 6.4.1970, 15.6.1970), herausgegeben vom Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) oder vom Aktionszentrum Sozialistischer Schüler Göttingen, denn "das ASS" trifft sich jeden Montag im Club für Internationalismus. Berichtet wird von den Schüssen in Ohio und den Protesten dagegen international sowie in Berlin, Frankfurt, Göttingen und München (vgl. 9.5.1970). Berichtet wird über Indochina und die Black Panther Party (BPP). Gefragt wird: "Sowjetunion - der wahre Kommunismus?", was verneint wird, da es die SU ein Arbeiterstaat mit einer schmarotzenden Herrschaftsschicht sei.

Die Basisgruppe Northeim berichtet vom Selbstmord eines Schülers (vgl. 22.4.1970, 27.4.1970). Es erscheint Teil des Artikels "SUBKULTUR II - gegen den Individual-Anarchismus". Ein Artikel widmet sich der Frauenemanzipation, eingegangen wird erneut auf die technokratische Schulreform.
Q: Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970

15.05.1970:
Heute kehrt, laut Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen, der Lehrer Schinke an das Felix-Klein-Gymnasium (FKG) zurück, woraufhin die Schüler teilweise in den Streik treten. Die Basisgruppen Felix-Klein-Gymnasium, Max-Planck-Gymnasium, Gymnasium für Mädchen und Handelslehranstalt rufen mit einem Flugblatt "Schinke wieder da!" zu einer Versammlung auf dem Markt um 10 Uhr 30 auf.

Laut DKP streiken die Schüler des Felix Klein Gymnasiums (FKG) gegen einen Nazi-Lehrer.
Q: Basisgruppen FKG, MPG, GfM, HLA: Schinke wieder da!, O. O. (Göttingen) o. J. (1970); Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 23;Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 24, Düsseldorf 13.6.1970;

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21.05.1970:
In Göttingen geben das ASS und die Basisgruppen vermutlich heute das Flugblatt "Schulstreik!" zu Schinke am FKG heraus. Bekanntgegeben werden die Termine der Basisgruppen an FKG, Personnschule, Mädchengymnasium und Neuem Gymnasium.
Q: ASS, Basisgruppen: Schulstreik!, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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21.05.1970:
Heute nehmen in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), am Felix-Klein Gymnasium (FKG - vgl. 15.5.1970, 23.5.1970) deutlich mehr Schüler am Streik teil, der auch fortgesetzt wird.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 23

21.05.1970:
Heute beginnt in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), ein Streik am Mädchengymnasium (vgl. 22.5.1970) aus Solidarität mit den Schülern des FKG. Die Beteiligung war aber geringer als an der Personnschule.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 27

21.05.1970:
Heute werden in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), erstmals Flugblätter an der Personnschule (vgl. 22.5.1970) zum Streik am FKG verteilt, knapp 100 Schülerinnen der Personnschule und der Frauenfachschule beteiligen sich an der Demonstration.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 28

22.05.1970:
Heute nehmen in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), am Mädchengymnasium (vgl. 22.5.1970) etwa 70 - 100 am Teach-In aus Solidarität mit den Schülern des FKG vor dem FKG teil. Nachmittags treffen sich Schülerinnen erstmals, um ein Flugblatt zu erarbeiten.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 27

22.05.1970:
Heute nehmen in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), vom Neuen Gymnasium (NG) nur ca. 20 Schüler am Teach-In aus Solidarität mit den Schülern des FKG teil. In Folge des Streiks bildet sich eine Basisgruppe am NG.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 24

22.05.1970:
Heute werden in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), an der Personnschule Flugblätter und die Dokumentation zum Streik am FKG verteilt, 150 Schülerinnen der Personnschule und ca. 100 der Frauenfachschule beteiligen sich am Streik.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 28

22.05.1970:
Heute beginnt in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), ein Streik von Teilen der Schülerschaft an der Realschule Weende (vgl. 23.5.1970) aus Solidarität mit den Schülern des FKG.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 29

23.05.1970:
Heute wird in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), vor dem Mädchengymnasium (vgl. 22.5.1970, 25.5.1970) wegen der Vorabiturienten ruhig demonstriert.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 27

23.05.1970:
Heute werden in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), an der Personnschule erneut Flugblätter verteilt, die zum Teach-In am FKG aufrufen. 300 Schülerinnen der Personnschule und der Frauenfachschule beteiligen sich am Streik, was den Höhepunkt der Streikbeteiligung darstellt. In der Folge bildet sich dann eine Basisgruppe.
Q: Rote Schule Nr. 5 und 1, Göttingen 1970 bzw. 1971, S. 28 bzw. S. 29

23.05.1970:
In Göttingen erscheint vermutlich heute ein Flugblatt "Landtagsmitglied garantiert Amnestie" des ASS und der Basisgruppen mit dem Aufruf zur Demonstration am Montag.
Q: ASS und Basisgruppen: Landtagsmitglied garantiert Amnestie, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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23.05.1970:
Heute beteiligen sich in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), ca. 200 Schüler am Streik an der Realschule Weende (vgl. 22.5.1970) aus Solidarität mit den Schülern des FKG. In der Folge bildet sich eine Basisgruppe an der Realschule Weende.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 29

25.05.1970:
Der SDS Göttingen (vgl. 27.5.1970) berichtet aus dieser und der vorhergehenden Woche:"
Bis zu 1 200 Schüler der Göttinger Gymnasien, sowie von drei Realschulen, streikten letzte Woche und Anfang dieser Woche. Sie forderten die Pensionierung es Studienrates Schinke, Lehrer am Felix-Klein-Gymnasium, dessen Nazi-Vergangenheit als Lehrer an der SS-Junkernschule Braunschweig sich in seinem heutigen Unterricht in vielen faschistischen Äußerungen niederschlägt. Schinke wurde nach einem Schrotschuß auf einen Göttinger Studenten vom Unterricht beurlaubt, kehrte jedoch einen Tag vor den Pfingstferien auf Geheiß von Kultusminister Langeheine ans FKG zurück. In den vom Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS) organisierten Aktionen gelang es, zumindest einen Teil der Schüler soweit zu politisieren, daß der Neuaufbau bzw. die Erweiterung von Schulbasisgruppen erreicht werden konnte."
Q: Roter Kurs Nr. 3, Göttingen 27.5.1970, S. 3

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25.05.1970:
In Göttingen erscheint vermutlich in dieser Woche eine "Erklärung von 16 ehemaligen Schülern der Klasse 13ML (Klassenlehrer Dr. Holland, Abitur am 1.6.68) des Felix Klein Gymnasiums, Göttingen" zum Streik gegen den Lehrer Schinke am FKG.
Q: Adler u.a.: Erklärung von 16 ehemaligen Schülern der Klasse 13ML (Klassenlehrer Dr. Holland, Abitur am 1.6.68) des Felix Klein Gymnasiums, Göttingen, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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25.05.1970:
In Göttingen erscheint vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt "An die Eltern!" zum Streik gegen den Lehrer Schinke am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) und der Schülerdemonstration dazu. Verwiesen wird auf die Dokumentation der Abiturienten.
Q: N: N.: An die Eltern!, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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25.05.1970:
Heute nehmen in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), am Mädchengymnasium (vgl. 23.5.1970) wegen des Drucks der Eltern und Lehrer weniger Schülerinnen am Streik teil. Eine Lehrerkonferenz beginnt heute und wird morgen fortgesetzt (vgl. 30.5.1970).
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 27

25.05.1970:
Heute wird in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), an der Personnschule erneut zum Teach-In am FKG aufgerufen, was auch befolgt wird.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 28

25.05.1970:
Der DKP-Gebietsvorstand Göttingen gibt vermutlich Anfang dieser Woche das Flugblatt "Keine Nazi-Lehrer an unseren Schulen - jetzt weiterstreiken!" heraus zum Streik gegen Schinke am FKG. Gefordert werden Elternversammlungen. Abgedruckt wird der 'UZ'-Artikel "Ist das ein Lehrer - der auf Schüler schießt?".
Q: DKP: Keine Nazi-Lehrer an unseren Schulen - jetzt weiterstreiken!, Göttingen o. J. (1970)

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26.05.1970:
In Göttingen geben das ASS und die Basisgruppen vermutlich heute das Flugblatt "Das Kultusministerium - ein Lügennest!" zum gestrigen Besuch von Vertretern des KuMi am FKG heraus.
Q: ASS, Basisgruppen: Das Kultusministerium - ein Lügennest!, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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26.05.1970:
in Göttingen geben die Basisgruppen FKG und MPG vermutlich heute ein Flugblatt heraus, in dem davon berichtet wird, dass die Schüler des MPG am Vortag eingeschlossen wurden. Aufgerufen wird zum Teach-In um 12 Uhr im Nikolausberger weg 15.
Q: Basisgruppen FKG, MPG: Als gestern der…, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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30.05.1970:
Heute findet in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), am Mädchengymnasium (vgl. 25.5.1970) eine von der Lehrerkonferenz beschlossene Schülervollversammlung der 8.-12 Klassen statt, auf der der Direktor und Lehrer gegen den Streik argumentieren.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 27

Juni 1970:
Es erscheint die Nr. 7 von 'Rote Provinz' - Sozialistisches Informationsblatt für den Westharz (vgl. Mai 1970, Juli 1970) und berichtet u.a. aus Göttingen vom Schulstreik gegen den Lehrer Schinke.
Q: Rote Provinz Nr. 7, Bad Gandersheim Juni 1970, S. 11

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08.06.1970:
Heute erscheint in Göttingen, laut ASS (vgl. 15.6.1970), u.a. am Mädchengymnasium (vgl. 30.5.1970) ein Flugblatt zum Schinke-Streik.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970, S. 27

15.06.1970:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 5 der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler und Lehramtskandidaten (vgl. 6.4.1970, 31.8.1970), herausgegeben vom Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen. Berichtet wird vom fünftägigen stadtweiten Streik gegen den Lehrer Schinke vom Felix-Klein-Gymnasium (FKG - vgl. 15.5.1970, 21.5.1970). Dieser Streik fand statt an der Realschule Weende (vgl. 22.5.1970, 23.5.1970), am Mädchengymnasium (vgl. 21.5.1970, 8.6.1970), am Neuen Gymnasium (vgl. 22.5.1970), an der Personnschule (vgl. 21.5.1970, 25.5.1970), aber auch am Max-Planck-Gymnasium (MPG). Es handele sich dabei um den größten Schülerstreik bisher in Göttingen, und auch um den ersten reinen Schülerstreik. Es gibt nun sechs Basisgruppen des ASS: FKG, Mädchengymnasium, MPG, Neues Gymnasium, Personnschule und Realschule Weende.

Gemahnt wird: "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen". Berichtet wird erneut aus Northeim vom Corvinianum.
Q: Rote Schule Nr. 5, Göttingen 1970

24.06.1970:
In Göttingen erscheint, laut einer handschriftlichen Datierung heute, vom Aktionskomitee Sozialistischer Internationalismus (AKSI) das Flugblatt "Cabora Bassa 1" mit dem Aufruf zur Demonstration am 30.6.1970 und der Ankündigung weiterer Informationsflugblätter.
Q: AKSI: Cabora Bassa 1, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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26.06.1970:
In Göttingen erscheint das Flugblatt "Solidarität mit dem SDS Kampf dem Imperialismus" zum Verbot des SDS Heidelberg.
Q: N. N.: Solidarität mit dem SDS Kampf dem Imperialismus, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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30.06.1970:
In Göttingen findet heute eine Demonstration gegen das Verbot des SDS Heidelberg in Baden-Württemberg (vgl. 24.6.1970) statt, von der die AGL berichtet:"
FÜR AUFHEBUNG DES VERBOTS DES SDS UND DER KPD!
3 000 demonstrierten in Göttingen …

In Göttingen führten alle progressiven Organisationen eine gemeinsame Protestaktion gegen das Verbot der Hochschulgruppe des SDS in Heidelberg durch. An einer Demonstration durch die Straßen der Stadt beteiligten sich fast 3 000 Studenten, Lehrlinge und Schüler. …

Zu einer Solidaritätsaktion riefen in einem gemeinsamen Flugblatt 11 Jugend- und Studentengruppen, darunter der AStA der Georgia Augusta (Uni, d.Vf.), die Hochschulgruppe der DKP, die SDAJ, der SDS, Spartakus AMS, der SHB, Politikon und andere.

In dem gemeinsamen Flugblatt heißt es unter anderem:
'Die westdeutsche Linke hat ihre Erfahrungen mit dem KPD-Verbot. Auch dieses Verbot traf nur scheinbar diese eine Organisation. Es stellte alle organisierte politische Arbeit von Sozialisten und Kommunisten unter permanente Verbotsdrohung. Solange nicht die Aufhebung des KPD-Verbots erkämpft ist, werden Sozialisten in der BRD 'Verhaftete auf Urlaub' sein.

Deshalb demonstrieren heute alle Demokraten und Sozialisten unter folgenden Parolen: Gegen das Verbot des SDS Heidelberg. Wir fordern die Absetzung des Heidelberger OB (Oberbürgermeister, d.Vf.) Zundel und des baden-württembergischen Innenministers Krause. Gegen das Verbot der KPD. Für die Solidarität aller Demokraten und Sozialisten im Kampf gegen Reaktion und Imperialismus.'

Auf der Kundgebung auf dem Marktplatz in Göttingen sprach neben Vertretern des SDS, des Spartakus AMS, des SHB auch das Bezirksvorstandsmitglied der DKP und Funktionär der Hochschulgruppe der DKP, Ullrich Piepkorn."

Aufgerufen zur Vietnam- und Cabora Bassa-Demonstration wurde auch von der Aktionsgruppe Göttinger Lehrlinge und Jungarbeiter (AGL - vgl. 22.6.1970).

Auf der Demonstration verteilen SDS, SHB, AMS, DKP-Hochschulgruppe, ASS, AGL, SDAJ, KJVD, AStA Göttingen, Politikon, Aktion Dritte Welt und AKSI ein gemeinsames Flugblatt.
Q: AGL Lehrlings-Zeitung Nr. 5, Göttingen O. J. (1970), S. 6; DKP Informationen Nr. 11, Hannover 10.7.1970, S. 1;SDS, SHB u.a.: In den letzten Tagen wurde…, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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31.08.1970:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 6 der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler und Lehramtskandidaten (vgl. 15.6.1970, 16.11.1970) mit dem Leitartikel "Formale Gleichberechtigung + Ausbeutung = Emanzipation der Frau?".

Weitere Artikel sind:
- "Der Nahe Osten ist rot!";
- "Ein machtpolitisches Exempel" am Gymnasium Kirn in Rheinland-Pfalz, wo einem linken Schüler die Erziehungsbeihilfe gestrichen wurde;
- "Friedliche Koexistenz - Fluch oder Segen?";
- "Betriebsnachrichten: Die Kollegen lassen sich bei Tarifverhandlungen nicht verscheissen!!" zur Metalltarifrunde (MTR) zu der die IGM-Vertrauensleute aus Göttingen, Hannoversch-Münden, Northeim und Uslar 15% fordern;
- "Land grab movement - rote Fahne auf Indiens Äckern";
- "Black Panther Party";
- "FRELIMO: Offensive abgewehrt!" zu Mosambik;
- "Oertzen Kultusminister!";
- "Betrifft: Theoretische Arbeit" zur Schulung in den Basisgruppen.

Eingeladen wird zu den Basisgruppen am Felix-Klein-Gymnasium (FKG), Mädchengymnasium, Max-Planck-Gymnasium (MPG), Neuem Gymnasium und Personnschule. Geworben wird für den PoliBula in der Weender Str. 78.

Aufgerufen wird zum Prozeß gegen Schinke vom FKG am 4.9.1970, wozu am Donnerstag noch ein Flugblatt erscheinen soll.
Q: Rote Schule Nr. 6, Göttingen 1970

Oktober 1970:
Im Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS) Göttingen herrscht, nach eigenen Angaben, im Herbst 1970 ein durch intensive Schulung erreichter Zustand relativer Stabilität. Die Strategiediskussion aber stockt.

Die Minderheitsfraktion versucht einen KSB-Studenten ins ASS zu holen. Bald wird der vorübergehende Ausschluss aller Arbeiter und Studenten beschlossen.

Vermutlich im Herbst wird im ASS im Rahmen der Strategiedebatte das Papier "Wie sieht die Ausbeutung des Proletariats durch die Bourgeoisie aus?" verfaßt, wobei anläßlich eines Besuchs von Genossen aus Mellendorf auch auf die Bedingungen linker Arbeit in der Provinz bzw. auf dem Dorf eingegangen wird.
Q: Rote Schule Nr. 8, Göttingen 1970, S. 54; N. N. (ASS): Wie sieht die Ausbeutung des Proletariats durch die Bourgeoisie aus?, O. O. (Göttingen) o. J. (1970)

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Oktober 1970:
Vom SDS Göttingen spaltet sich, laut ASS, der Kommunistische Studentenbund (KSB) Göttingen ab.
Q: Rote Schule Nr. 8, Göttingen 1970, S. 55

16.11.1970:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 7 der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler Göttingen (vgl. 31.8.1970, 14.12.1970).
Berichtet wird über die Black Panther Party (BPP) USA, über Kuba und vom Felix-Klein-Gymnasium (FKG), wo die Basisgruppe derzeit vier Arbeitsgruppen unterhält.
Eingeladen wird zur Vollversammlung der Basisgruppen am 21.11.1970.
Q: Rote Schule Nr. 7, Göttingen 1970

21.11.1970:
In Göttingen soll eine Vollversammlung der Basisgruppen des ASS stattfinden.
Q: Rote Schule Nr. 7, Göttingen 1970, S. 51

12.12.1970:
Im Vorfeld der heutigen Basisgruppenvollversammlung des ASS Göttingen hatte die am KSB orientierte ML-Fraktion am 8.12.1970 ein eigenes Strategiepapier angekündigt, in dem sie die andere Fraktion als funktionslos erklärt, woraufhin morgen die Trennung erfolgt. Spaltungen hatte es zuvor bereits in SDS und Aktionsgruppe Göttinger Lehrlinge und Jungarbeiter (AGL) gegeben. Während eine Gruppe weiterhin ASS heisst, geht aus der ML-Fraktion später die Kommunistische Schülerfront (KSF - vgl. 23.11.1971) hervor.
Q: Rote Schule Nr. 8 und 1, Göttingen 1970 bzw. 12.12.1971, S. 55 bzw. S. 2

14.12.1970:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Göttingen die Nr. 8 der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler Göttingen (vgl. 16.11.1970, Feb. 1971) mit einer Auflage von 3 500 Exemplaren. Vorgestellt wird neben dem Schulungsprogramm auch die "Schülerstrategie des ASS" bzw. die "Göttinger Schülerstrategie (Aktionszentrum Sozialistischer Schüler und Schulbasisgruppen)", wobei auch die Geschichte des USSB und des ASS reflektiert (vgl. 1.9.1969, Okt. 1970) und dergestalt die Spaltung des ASS (vgl. 12.12.1970) erklärt wird. An den Hauptschulen wolle man nicht aktiv werden, da diese Lehrlinge und Jungarbeiter hervorbringen. Daher wird die Kooperation mit der Aktionsgruppe Göttinger Lehrlinge und Jungarbeiter (AGL) angestrebt. Man arbeite weiter mit dem SDS Göttingen zusammen sowie mit Schülergruppen in Berlin, Duderstadt, Frankfurt, Köln, Osterode und Stadthagen. Ein Artikel der Arbeitsgruppe Klassenschule widmet sich dem "Klassencharakters des Schulsystems". Eine Anzeige wirbt für das Restaurant Z-Sorbas, "Ein Stück vom freien Griechenland im Herzen Göttingens".

Basisgruppen bestehen an FKG, Mädchengymnasium, Max-Planck-Gymnasium, Neuem Gymnasium und Personnschule, die Basisgruppe Realschule Weende wird nicht mehr erwähnt. Auch eine Schulungsgruppe trifft sich wöchentlich.
Q: Rote Schule Nr. 8, Göttingen 1970

18.01.1971:
In Göttingen geben der Arbeitskreis Sozialistischer Schüler (ASS) und die Basisgruppen vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Free Angela !!! - Fuck Nixon !!!" heraus mit dem Aufruf zur Demonstration am 21.1.1971.
Q: ASS und Basisgruppen: Free Angela !!! - Fuck Nixon !!!, O. O. (Göttingen) o. J. (1971)

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Februar 1971:
Vermutlich im Februar erscheint in Göttingen die Nr. 1 der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler Göttingen (vgl. 14.12.1970, 1.3.1971) vom Aktionszentrum Sozialistischer Schüler mit einer Auflage von 3 500 Exemplaren.

Eingegangen wird auf die Emanzipation der Frau, auf die Wirtschaftskrise und die vom ASS abgelehnte psychedelische Revolution mittels Drogen.

Berichtet wird über die am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) erschienene Schülerzeitung 'res', sowie den nach den Weihnachtsferien am FKG durchgeführten Streik.

Basisgruppen bestehen an FKG, Mädchengymnasium, Max-Planck-Gymnasium, Neuem Gymnasium und Personnschule. Arbeitsgruppen bestehen zu Berufsperspektiven, Ideologiekritik, Sozialisation, Frauenemanzipation und zur Technokratischen Schulreform. Berichtet wird "Realschulen: zur Berufserwartung der Realschüler", in der u.a. von der Personnschule berichtet wird (vgl. Juni 1970) und Realschüler zu den Basisgruppentreffen eingeladen werden.
Q: Rote Schule Nr. 1, Göttingen 1971

Februar 1971:
In Göttingen entsteht, laut KSF (vgl. 23.11.1971), ungefähr im Februar aus dem SDS Göttingen heraus der Kommunistische Studentenbund Göttingen (KSB). Andere Quellen verweisen auf den Oktober 1970.
Q: Programmatische Erklärung der Kommunistischen Schülerfront 1. Fassung, Göttingen 23.11.1971

März 1971:
In Göttingen werden vermutlich im Frühjahr vom Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS) die "Basisgruppenmaterialien zur Ideologiekritik der Unterrichtsinhalte" erarbeitet mit den Abschnitten:
- "Was ist Ideologie?";
- "Ideologiekritik des Deutschunterrichts";
- - "Didaktik im Deutschunterricht";
- - "Erste Konsequenz: Alte Inhalte erscheinen in einem neuen Gewand";
- - "Zweite Konsequenz: Sprachbetrachtung wird zum Mittel der gesellschaftlichen Integration";
- - "Dritte Konsequenz: Die Sprachbetrachtung bewirkt ein verschärftes Ausleseverfahren";
- "Der Geschichtsunterricht";
- "Der Sozial- und Gemeinschaftskundeunterricht".
Q: N. N.: Basisgruppenmaterialien zur Ideologiekritik der Unterrichtsinhalte, O. O. (Göttingen) o. J. (1971)

01.03.1971:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Göttingen ein Extra der 'Rote Schule' - Zentralorgan der sozialistischen Schüler Göttingen (vgl. Feb. 1971, 12.12.1971) vom Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS), bei dem es sich um einen Nachdruck des Informationsbriefes Nr. 2 des Black Panther Party-Solidaritätskomitee (BPP-SK) mit dem "Aufruf!!" zum Treffen in Zweibrücken am 6.3.1971 handelt.
Q: Rote Schule Extra Aufruf!!, Göttingen o. J. (1971)

06.03.1971:
Das Black Panther Party-Solidaritätskomitee (BPP-SK) hatte einen Aufruf zur heutigen Demonstration in Zweibrücken veröffentlicht, der u.a. auch in Göttingen durch das Aktionszentrum Sozialistischer Schüler (ASS - vgl. 1.3.1971) verbreitet wurde.
Q: Rote Schule Extra, Göttingen o. J. (1971)

April 1971:
In Göttingen werden vermutlich im Frühjahr von der Basisgruppe Felix-Klein-Gymnasium (FKG) die "Materialien 'Berufsperspektiven'" erarbeitet für die Berufsperspektivenaktion des Schülerrats, wobei auf die Notwendigkeit der Information zu diesem Thema schon in einem Extra der 'Roten Schule' hingewiesen worden sei, mit den Abschnitten:
- "Lehrerausbildung";
- "Jura";
- "Psychologie";
- "Sozialwissenschaften".

Angekündigt werden weitere Materialien zu den Fächern Medizin, Mathematik, Physik und Chemie.
Q: Basisgruppe FKG: Materialien 'Berufsperspektiven', O. O. (Göttingen) o. J. (1971)

26.05.1971:
Die SDAJ Göttingen der DKP berichtet vom Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 1.6.1971): "
Kundgebung gegen die geplante Fahrpreiserhöhung auf dem Marktplatz. Es kommt zu einer 15 Min. Warnblockade."

Über die Vorgeschichte heißt es: "
Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend gehörte mit zu den Gründern des Initiativkreises gegen die Fahrpreiserhöhungen, der sich gleich nach Bekanntwerden der Fahrpreiserhöhungen konstituierte. … Je weiter das Bündnis ist, je schwieriger ist es, Einigkeit zu erzielen. In einem Punkt waren sich jedoch alle einige, ob Jungdemokraten (der FDP, d.Vf.), KSB (Kommunistischer Studentenbund des KB Göttingen, d.Vf.), ob DKP, SHB, Spartakus (AMS, d.Vf.), ob Jungsozialisten (Jusos der SPD, d.Vf.) ASS (Arbeitskreis bzw. Aktionszentrum Sozialistischer Schüler, d.Vf.) oder SDAJ. Alle waren sich einig, daß man dem Lohnraub - und nichts anderes sind auch die Fahrpreiserhöhungen - endlich den Kampf ansagen muß. So kam es doch trotz vieler Meinungsverschiedenheiten zu solch starken Aktionen, die 'unseren Stadtvätern' das Fürchten lehrten."
Q: SDAJler Nr. 4, Göttingen Juli 1971, S. 1

11.06.1971:
Die SDAJ Göttingen der DKP berichtet vom Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 10.6.1971, 14.6.1971): "
Die Aktion erreicht ihren Höhepunkt. Über 3 500 Göttinger Bürger demonstrieren und fordern vor dem Freizeitheim vom Rat der Stadt die sofortige Rücknahme der Fahrpreiserhöhungen. Sie fordern eine Stellungnahme des StadtrateS. Die Herren des Rates weigern sich aber entschieden und sind zunächst nicht einmal bereit, eine 12köpfige Delegation des Initiativkreises zur Ratssitzung, die ja öffentlich ist, zuzulassen. Erst nach 1 1/2 Std. erklärten sie sich dazu bereit, weil alle Demonstranten vor dem Freizeitheim immer wieder diese Forderungen erheben. Man gewährt der Delegation jedoch nur eine Redezeit von 2 Minuten. Die CDU stimmt gegen die Zulassung der Delegation mit der Begründung, daß dies der Terror der Straße sei. Wir sagen: Besser konnten sich 'unsere Stadtväter' nicht entlarven."

Laut DKP berichtet die 'Göttinger Allgemeine' heute von den Fahrpeiserhöhungen u.a., "Rot-Punkt-Verkehr lief". Weiter heißt es von der DKP: "
Auch die Demonstranten sind keine 'linken Radikalinskis' mehr, sondern 'Schüler, Studenten und (man höre uns staune) Arbeiter (GT (Göttinger Tageblatt, d.Vf.) 11.6.1973)."

Laut Kommunistischem Arbeiterjugendbund (KAJB) Göttingen (vgl. 14.6.1971) demonstrieren 3 000 Menschen.
Q: Kommunist Nr. 7, Göttingen Juni 1971, S. 1; Proletarischer Kurs Nr. 6, Göttingen Juni 1971, S. 1;SDAJler Nr. 4, Göttingen Juli 1971, S. 2f

15.06.1971:
Laut DKP erscheint im 'Göttinger Tageblatt' vom Stadtrat "abermals eine recht kostenspielige Anzeige: 'Verkehrsterror durch kommunistische Splittergruppen'. darin 'informiert' er über die Zusammensetzung des Initiativkreises, wobei er geflissentlich alle Organisationen, die nichts kommunistisches in ihrem Namen haben (wie Jusos (der SPD, d.Vf.) und SHB und andere) wegläßt, dafür aber die KPD/ML (KPD/ML-ZK, d.Vf.), der Abschreckung wegen, obwohl sie nicht im Initiativkreis vertreten ist, darinnen beläßt.
Nun ja! Schlagende Polizisten anstatt schlagender Argumente, Lügen statt Information. Jeder kämpft wie er kann.
Während die Zeitungen von Schülern, Studenten und Arbeitern als Träger der Aktion sprechen, versucht der Stadtrat sie als rein studentische hinzustellen. Während noch im Artikel über der Anzeige des Stadtrats der Sprecher der DKP der Arbeiter und Betriebsrat Reinhard Neubauer ist, zieht der Stadtrat den Studenten Joachim Vock vor, und hofft dabei darauf, daß die Bevölkerung schon weiß, was von diesen Studenten zu halten ist. Lange genug wurden sie ja in den Zeitungen im Fernsehen als bloße Radaumacher dargestellt."
Q: Kommunist Nr. 7, Göttingen Juni 1971, S. 1f; SDAJler Nr. 4, Göttingen Juli 1971, S. 3

Letzte Änderung: 06.03.2020