Göttingen: Der Unabhängige Sozialistische Schülerbund (USSB)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 6.3.2020


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Von dem in der ersten Phase der antiautoritären Schülerbewegung der späten sechziger Jahre aktiven Unabhängigen Sozialistischen Schülerbund (USSB) Göttingen kann hier bisher nur indirekt berichtet werden. da einige seiner Dokumente durch das AUSS bundesweit verbreitet wurden.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

17.02.1967:
In Göttingen wird, laut 'Erziehung und Klassenkampf', der Unabhängige Sozialistische Schülerbund (USSB) Göttingen gegründet.
Quelle: Erziehung und Klassenkampf Nr. 2, Frankfurt 1971, S. 18

26.02.1967:
Im Frankfurter Walter-Kolp-Heim wird, laut Haug/Maessen, auf einem Treffen von 40 Schülern aus 15 Städten zunächst vorläufig das Aktionszentrum Unabhängiger Sozialistischer Schüler (AUSS) gebildet (vgl. Jan. 1967, 18.3.1967). In einem kommissarischen Vorstand, "der die Kommunikation unter den bereits bestehenden Gruppen und Hilfeleistung bei Neugründungen besorgen sollte", arbeiten die Schüler Michael Lukasik (Berlin), Reinhard Kahl (Göttingen), Karl-Heinz Leonhard (Frankfurt) und W. Otto (Hilden), der später durch Eberhard Haus (Darmstadt) ersetzt wurde, weil Otto politische Erklärungen ohne Berechtigung abgegeben und in der DDR KP-Thesen vertreten habe. Sitz des AUSS sind die Räume des Bundesvorstandes des SDS in Frankfurt, Wilhelm Hauff Str.5.
Laut 'Erziehung und Klassenkampf', nehmen auch Vertreter von USG Berlin (vgl. 2.2.1967) und USSB Göttingen (vgl. 17.2.1967) teil.
Q: Erziehung und Klassenkampf Nr. 2, Frankfurt 1971, S. 18; Langguth, Gerd: Schulkampf als Klassenkampf, Bonn 1975, S. 31f;Haug, Hans-Jürgen, Maessen, Hubert: Was wollen die Schüler?, Frankfurt 1969, S. 32

18.03.1967:
Beginn einer zweitägigen AUSS-Konferenz (vgl. 26.2.1967, 17.6.1967) in Frankfurt. Der Gründungsaufruf des AUSS wird verabschiedet. Er fordert u.a.:
1. Eine demokratische Schule in einer demokratischen Gesellschaft.
2. Einführung demokratischer Kontrollorgane an der Schule.
3. Verwirklichung des Rechtes auf politische Organisierung der Schüler an der Schule selbst.

Die USSG veröffentlichte im Vorfeld u.a. das "Grundsatzreferat des AUSS" von Reinhard Kahl als 'Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler'.
Q: Erziehung und Klassenkampf Nr. 2, Frankfurt 1971, S. 19; USSG Frankfurt: Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler, Frankfurt o. J. (1967)

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02.06.1967:
In Göttingen demonstrieren, laut Haug/Maessen, 1 000 Schüler heute oder in den nächsten Tagen gegen die Erschiessung von Benno Ohnesorg.
Q: Haug, Hans-Jürgen, Maessen, Hubert: Was wollen die Schüler?, Frankfurt 1969, S. 35

17.06.1967:
Im Frankfurter Haus der Jugend findet, laut Haug/Maessen, die 1. DK des AUSS (vgl. 18.3.1967, 18.9.1967) statt, auf der Schüler aus 26 Städten 13 Stunden lang u.a. um Namen und Resolutionen diskutierten, wobei sich die Ruhrgebietsgruppen durch Geschäftsordnungsdebatten auszeichneten.
"Kurz vor 24 Uhr gründeten sie endgültig und offiziell das AUSS und bestätigten den vorläufigen Vorstand in seinem Amt."
Verabschiedet wurden:
- AUSS-Stellungnahme zur SMV,
- Resolution zum Verhältnis zu anderen politischen Gruppen
- Resolution zur Sexualerziehung,
- Resolution zur Notstandsgesetzgebung in der BRD,
- Resolution zur Kriegsdienstverweigerung (KDV) und
- Resolution zum Krieg in Vietnam.

Veröffentlicht wurden diese Beschlüsse durch die USSG Frankfurt als 'Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler' zusammen mit dem "Grundsatzreferat des AUSS" von Reinhard Kahl.

Dem AUSS gehören, laut Hüffel, u.a. folgende Schülergruppen an:
Unabhängige Schülergemeinschaft (USG) Berlin, Unabhängige und sozialistische Schülergemeinschaft (USSG) Frankfurt, Unabhängiger und sozialistischer Schülerbund (USSB) Göttingen, USG Karlsruhe, Arbeitskreis Schüler im Club Overcome in Hilden, AUSS Hamburg, USSB Stuttgart.
Q: Erziehung und Klassenkampf Nr. 2, Frankfurt 1971; Langguth, Gerd: Schulkampf als Klassenkampf, Bonn 1975, S. 31f;Hüffel, Angelika: Schülerbewegung 1967-77, Gießen 278, S. 24ff;Haug, Hans-Jürgen, Maessen, Hubert: Was wollen die Schüler?, Frankfurt 1969, S. 34ff und 67;Schulkampf Nr. 3, Berlin Dez. 1972;USSG Frankfurt: Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler, Frankfurt o. J. (1967)

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18.06.1967:
In Frankfurt beginnt, laut Haug/Maessen, im Anschluß an die gestrige Gründung des AUSS (vgl. 19.6.1967, 18.9.1967) der erste überregionale Schülerkongreß ab 10 Uhr in der Universität, an dem 800 Schüler und Studenten, einige Lehrer und ein halbes Hundert Journalisten teilnahmen. Glückwunschtelegramme seien eingegangen von IG Metall, Internationale der Kriegsdienstgegner (IDK), KfA und Ernst Bloch.

Vorgelegt wird eine leicht überarbeitete Fassung des "Grundsatzreferat des AUSS" von Reinhard Kahl als 'Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler'. Später erscheint dieser Text noch einmal als Nummer 5 des 'Arbeitsmaterials'.
Q: AUSS: Arbeitsmaterial 1. Schülerkongreß des AUSS, Frankfurt, 18. VII. 1967 und Nr.5, Frankfurt o. J.; Haug, Hans-Jürgen, Maessen, Hubert: Was wollen die Schüler?, Frankfurt 1969, S. 40

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Juli 1967:
Vermutlich im Sommer erscheinen die Nummern 1 und 2 des 'Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler' (AUSS - vgl. 18.3.1967) mit den Texten "Kann die SMV unsere Interessen vertreten?" von Hans-Jürgen Haug vom USSB Göttingen (Nr. 1) und "Der Deutsch- und Geschichtsunterricht an unseren Schulen - Politik aus zweiter Hand?" von Joachim Vock vom USSB Göttingen (Nr. 2).
Q: Arbeitsmaterial des Aktionszentrums Unabhängiger sozialistischer Schüler Nr. 1 und 2, Frankfurt o. J. (1967)

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18.09.1967:
In Frankfurt beginnt, laut Haug/Maessen, die 2. DK des AUSS (vgl. 18.6.1967, 3.6.1968), auf der 52 Schülerbünde mit über 2 000 Mitgliedern vertreten waren: "
Die Bedingungen beispielsweise, die ein Schülerbund in einer abgelegenen Kleinstadt wie Michelstadt im Odenwald (ODW) antraf waren weit ungünstiger als die in einer kleiner Großstadt mit Universität wie Göttingen. Für Michelstadt war allein schon die Existenz eines politischen Schülerbundes, der sich sozialistisch nannte, ein Skandal. Die Öffentlichkeitsarbeit wie die theoretische Arbeit waren mühsam. Im abgelegenen Michelstadt ist der Bücherbestand der Stadtbücherei unzureichend, im Buchhandel sind wichtige Bücher oft erst auf Bestellung zu haben, die Schüler können sich auch die notwendige Literatur nicht immer kaufen - dazu reicht ihr Taschengeld nicht auS. Für Referate sind kompetente Wissenschaftler selten zu gewinnen."
So sei es kein Wunder, daß der USSB Göttingen und nicht die Gruppe in Michelstadt die Resolution zur Schulreform erarbeitet habe, die beschlossen wurde.
Q: Haug, Hans-Jürgen, Maessen, Hubert: Was wollen die Schüler?, Frankfurt 1969, S. 53; Erziehung und Klassenkampf Nr. 2, Frankfurt 1971, S. 20

Dezember 1967:
In der Dezemberausgabe der 'Blätter für deutsche und internationale Politik' erscheint der Beitrag von Hans-Jürgen Haug: "Demokratisierung der Schule durch politische Schülerorganisationen. Kritik, Praxis und Pläne des AUSS", der auch als Sonderdruck Argumente zur Zeit Nr. 44 für 1 DM vertrieben wird. Es handelt sich um das überarbeitete Referat "Kann die SMV unsere Interessen vertreten?" vom 18. Juni 1967. Berichtet wird durch die Redaktion im Vorspann von der Entstehung der Schülerbewegung aus Berlin und Göttingen.
Q: Blätter für deutsche und internationale Politik Sonderdruck Argumente zur Zeit Nr. 44, Köln 1967

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08.02.1968:
Der AStA der Universität Göttingen berichtet von den Fahrpreiserhöhungen:"
Sitzstreik vor Stadtbussen

Tritte und angeblich auch Schläge benutzte die Göttinger Polizei, um am Donnerstag, dem 8.2., 17.30 Uhr, die Kreuzung Weender Tor von demonstrierenden Schülern und Studenten zu räumen. Zuvor hatten 50 Schüler den Verkehr blockiert, indem sie sich vor Linienbussen der Stadt auf die Straße setzten. (…). Die vorbereitete Polizei brauchte 45 Minuten, um den Bussen einzeln den Weg freizuräumen. - Die der Gewaltanwendung beschuldigten Polizisten weigerten sich, AStA-Mitgliedern ihren Namen zu nennen. Polizei-Chef Fritz: 'Ich habe Gewaltanwendung untersagt.'"
Q: Göttinger Nachrichten Nr. 11, Göttingen 9.2.1968, S. 2

09.02.1968:
Der AStA der Universität Göttingen gibt seine 'Göttinger Nachrichten' (GN) Nr. 11 (vgl. 18.1.1968, 29.3.1968) heraus mit dem Artikel "Auch in Göttingen: Schüler gegen Busse!" zum Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen.
Q: Göttinger Nachrichten Nr. 11, Göttingen 9.2.1968, S. 1

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29.03.1968:
Der AStA der Universität Göttingen gibt seine 'Göttinger Nachrichten' (GN) Nr. 12 (vgl. 9.2.1968, 25.4.1968) heraus mit dem Artikel "Solidarität, das war alles" zum Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen, in dem sich allein der USSB aktiv engagierte.
Q: Göttinger Nachrichten Nr. 12, Göttingen 29.3.1968, S. 2

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Letzte Änderung: 06.03.2020