Dokumente der Schwarzen Hilfe Hannover und der Schwarzen Hilfe Wolfsburg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen


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Von der Schwarzen Hilfe Hannover und der Schwarzen Hilfe Wolfsburg, die vermutlich seit Herbst 1971 existierten, liegen uns leider bisher nur wenige Dokumente vor. Wir bitten die LeserInnen um Komplettierung. Die hier veröffentlichten Dokumente beschäftigen sich fast ausschließlich mit dem Prozess gegen die sog. "Kommune 3" aus Wolfsburg, der vom 24.2. bis 3.3.1972 vor dem Amtsgericht in Hildesheim stattfand.

Wir danken dem Archiv Schwarzer Stern in Dortmund für die freundliche Unterstützung. Einige Namen in den Dokumenten wurden von uns geschwärzt.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

November 1971:
Von der Schwarzen Hilfe (SH) Hannover und Wolfsburg erscheint die 12-seitige Broschüre "Solidarität mit den Gefangenen - Prozess gegen Wolfsburger Kommunarden im Landgericht Hildesheim, Domplatz" zum bevorstehenden Prozess gegen die sog. "Kommune 3" und andere sowie über die vorhergehende Hausdurchsuchung am 10.6.71 in Wolfsburg. Angeklagt seien die "Genossen" wegen: "Zündelei, Waffenklau, Enteignung & Verteilung von Privateigentum sowie ruhestörenden Lärms (Sprengstoffattentat)". Der Aufruf "Kommt massenhaft" (letzte Seite) gibt noch die ursprünglich geplanten Prozesstermine vom 6. bis 9.12.71 an, der erste Prozesstag wird dann aber auf den 24.2.72 verschoben.

Inhalt der Schrift ist:
- der Haftbefehl als Faksimile;
- "Ilses Brief aus dem Knast an 883" von Ilse Bongartz;
- "Bambule" zu den Angriffen gegen die K 3 in der Breslauer Straße;
- "Aus der Untersuchungshaftvollzugsverordnung:";
- ein Artikel aus der 'Bild'-Zeitung vom 12.6.1971;
- "Wir sind total pleite!", ein Spendenaufruf der SH Berlin / Hannover / Wolfsburg und des Schwarz Kreuz Köln;
- "Einschätzung des Prozesses gegen die Wolfsburger Genossen";
- "Schwarze Hilfe", eine Selbstdarstellung;
- "Verhalten im Gerichtssaal";
- ein Aufruf "Kommt massenhaft" zum Prozess, 6.-9.12.1971, Landgericht Hildesheim, Domplatz. Der Prozessbeginn wurde aber später auf den 24.2.1972 verlegt.

In der Selbstdarstellung der SH heißt es: "Schwarze Hilfe wurde gegründet aufgrund der Erkenntnis, nicht mehr länger zuzusehen, wie immer mehr Genossen von der Klassenjustiz gefangen und in den Knast gesteckt und dort isoliert und kaputtgemacht werden. Da die Solidarität der meisten Genossen gegenüber denjenigen, die stellvertretend für die gesamte revolutionäre Bewegung eingelocht worden sind, an den Gefängnismauern aufhört, bemüht sich die Schwarze Hilfe das zu realisieren, was die Genossen aus dem Knast schrieben:
Wir sind hier drin für Euch - Ihr seid da draußen für uns!
Die SH versteht sich nicht als Caritasverband, sondern als politische Organisation wider die Willkür der Herrschenden, die unliebsame Linke unter fadenscheinigen Vorwänden zu Kriminellen stempelt. Kriminell zu sein heißt jedoch nichts weiter, als das zu tun, was die Erziehung schon kleinen Kindern einbläut, nämlich: daß es erstrebenswert sei, mehr zu besitzen als andere, Eigentum zu raffen, Geld und damit Macht zu haben, Konsum als Statussymbol zu sehen, den anderen geschickt übers Ohr zu hauen. Derart manipulierte Menschen, versuchen sie diese 'Ziele' mit Diebstahl statt mit 'ehrlicher Arbeit' - gemeint ist die tägliche Ausbeutung durch die Unternehmer - zu erreichen, werden sie 'im Namen des Volkes' schuldig gesprochen von einem System, dessen deutlichste Ausprägung sie sind. Der Richter heiligt das Eigentum des Besitzenden, an dem ein nicht Besitzender sich vergriffen hat.

Wie wir aus zahlreichen Briefen von Genossen aus dem Bau erfuhren, fehlt es ihnen insbesondere an Büchern, Briefmarken, Geld, Tabak usw."
Quelle: Schwarze Hilfe 6.12.71 Prozess gegen Wolfsburger Kommunarden im Landgericht Hildesheim, Domplatz, o. O. o. J. (1971)

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06.12.1971:
Die Nummer 86 der 'Agit 883' erscheint mit einem Artikel der Schwarzen Hilfen Hannover und Wolfsburg zum bevorstehenden Prozess gegen die "Genossen der Wolfsburger Kommune 'Antiautoritäre Erziehung'" (sog. "Kommune 3") und andere.
Q: Agit 883 Nr. 86, West-Berlin 6.12.1971, S. 3

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24.02.1972:
Heute soll vor dem Landgericht Hildesheim der Prozeß gegen die Kommune 3 Wolfsburg beginnen.
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 2, Berlin 14.2.1972, S. 1

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13.03.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin gibt ihre 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr. 4 (vgl. 25.2.1972, 27.3.1972) heraus. Berichtet wird: "Der Prozeß gegen die Kommune Wolfsburg dauert an."
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 4, Berlin 13.3.1972, S. 6

27.03.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin gibt ihre 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr. 5 (vgl. 13.3.1972, 17.4.1972) heraus. Berichtet wird vom Prozess "Wolfsburger Kommune wird fortgesetzt in der Woche vom 27.3. bis 1.4.1972".
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 5, Berlin 27.3.1972, S. 6

April 1972:
Die Rote Hilfe (RH) Frankfurt gibt vermutlich im April das Flugblatt "Heraus zum 1. Mai" heraus, in dem von den Gefangenen Larry Jackson (BPP), sowie Eric Grusdat, Ilse Bongartz, Heinrich Jansen und Brigitte Asdonk bzw. der RAF berichtet wird.
Q: RH: Heraus zum 1. Mai, Frankfurt o. J. (1972)

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17.04.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin gibt ihre 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr. 6 (vgl. 27.3.1972, 1.5.1972) heraus. Dokumentiert werden ein Brief von Ilse Bongartz sowie ein Zeitungsartikel zum Prozeß gegen die Wolfsburger Kommune.
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 6, Berlin 17.4.1972, S. 2

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Mai 1972:
Das 'Schwarze Hilfe Info' Nr. 1 der Schwarzen Hilfe Hannover, von dem uns die Seiten 31 bis 35 nicht vorlagen, erscheint unter der Schlagzeile "Freiheit für alle Gefangenen". Es beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Prozess gegen die Wolfsburger "Kommune 3" vor dem Amtsgericht Hildesheim vom 24.2. bis 3.3.1972.

Inhalt des Infos ist:
- "Justizterror gegen die Kommune III Wolfsburg";
- "Die Vorgeschichte des Prozesses";
- "Briefe aus dem Knast";
- "Wir sind total pleite!", ein Spendenaufruf der Schwarzen Hilfe Hannover und der Roten Hilfe Berlin;
- "Zum Prozessverlauf gegen die K 3 in Hildesheim";
- "Brief des Genossen Bodo";
- "Erklärung eines Angeklagten der K 3 vor dem Landgericht Hildesheim";
- "Schlußwort Ilse Bongartz Gruppenmitglied der K 3";
- eine Auflistung der Urteile gegen die Angeklagten in Hildesheim;
- eine Erklärung der Roten Hilfe Hildesheim, der Roten Hilfe Wolfsburg und der Schwarzen Hilfe Hannover zum Urteil;
- "'Freiheit ist Ordnung'" zum Plädoyer der Anklage mit der Schlußfolgerung: "Ordnung führt nach Auschwitz";
- "Die Justiz wird solange in Wasser schlagen, bis sie in ihren eigenen Wellen ertrinkt!" ein Beitrag von Fritz Teufel zur Wolfsburger Kommune
- Margarete Czenki (30) 6 1/2 J., Rolf Heißler (23) 8 Jahre" mit dem Schlußwort von Margit Czenki zur Anklage Bankraub in München;
- Kindergärtnerin Margit (Brief).
Q: Schwarze Hilfe Info, Nr. 1, Hannover o. J. (1972) [Fragment]

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Juni 1972:
Es erscheint die 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Apr. 1972, Juli 1972) für Juni mit dem Artikel "Der Staat liebt keine Kommunen" zur Kommune Antiautoritäre Erziehung in Wolfsburg.
Q: Befreiung, Mülheim Juni 1972, S. 12f

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Januar 1973:
Es erscheint die 'Rote Hilfe' Zeitung Nr.17 (vgl. Dez. 1972, März 1973). Zu Wolfsburg erscheint der "Brief von Ilse Bongartz im Dezember 1972".
Q: Rote Hilfe Nr. 17, Hamburg Januar 1973, S. 17

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Letzte Änderung: 13.12.2019