"Revolutionärer Weg - Probleme des Marxismus-Leninismus - Theoretisches Organ der KPD/ML", Nr. 4/1970: Der Kampf um die proletarische Linie

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 22.2.2022

Der "Revolutionäre Weg" 4/1970 kann als Dokument der Spaltung der KPD/ML verstanden werden. Kein Geringerer als Willi Dickhut saß hier in einem Boot mit den sog. "Liquidatoren" und wetterte gegen das ZK der KPD/ML um Ernst Aust, seinem damaligen Widersacher.

Im Kampf gegen das ZK sah er seine Verbündeten vor allem in der Roten Garde NRW, die in ihren "Dazibaos" eine Frontstellung gegen die bereits "Hauptseite Theorie" des ZK aufbaute und in der "Praxis" und der "Leitung von Massenkämpfen" wiederum ihre "proletarische Linie" favorisierten. Schnell ließ Dickhut diese Kämpen wieder fallen, nachdem sie sich auf die Seite des Zentralbüros geschlagen hatten.

Davon berichtete der RW 4. Das wiederum war nicht die ganze Wahrheit. Die Krone der Ausgabe war die Wiederentdeckung der "Kleinbürgerei", die bereits im RW 3 rauf- und runtergebetet wurde. Hier war die Terminologie bereits relativ weit fortgeschritten: Die "kleinbürgerliche Linie" wurde für alles verantwortlich gemacht. Um seinen Schlachtplan zu untermauern, die KPD/ML zu einer "Arbeiterpartei" umzufunktionieren, beschloss das ZK auf seine Anweisung hin, den berühmten "Aufnahmestopp für Intellektuelle", ein Witz sondergleichen, der auch kurze Zeit später vom ZK wieder aufgehoben werden sollte (vgl. S. 12ff.).

Die "kleinbürgerliche Überwucherung" und die Phrase "Die Intellektuellen sollen die Führung haben" (S. 51ff.) geben Auskunft darüber, was den "proletarischen Charakter" einer Partei ausmachen solle: Man müsse irgendeiner unausgewiesenen "proletarischen Linie" folgen und (nur) das "Eindringen weiterer kleinbürgerlicher Elemente verhindern" (S. 2ff.).

So war der RW 4 nichts anderes als ein persönlicher Rachefeldzug gegen all diejenigen, die nicht Dickhuts "proletarischer Linie" folgen wollten. Er war nur Dickhuts persönliche Auffassung über die Spaltung. Der Wahrheitsgehalt des RW ist selbst nach mehr als 50 Jahren äußerst zweifelhaft und bebildert nur eine reine Selbstdarstellung.

Angemerkt sei noch, dass Dickhut seinerzeit den Nachdruck des RW durch den Landesverband NRW rügte. Dieser hätte keinen "roten Einband".

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

15.06.1970:
Vermutlich in dieser Woche erscheint der "Revolutionäre Weg - Theoretisches Organ der KPD/ML" Nr. 4 mit dem Titel: "Der Kampf um die proletarische Linie". Er berichtet von der Spaltung der KPD/ML.

Inhalt:
Einleitung
I. Die Septemberbeschlüsse des ZK als Sicherung des proletarischen Charakters der KPD/ML und der Durchsetzung der proletarischen Linie in der Partei
II. Die Herausschälung zweier Linien in der KPD/ML und die Rolle des Zentralkomitees
III. Die Jugendorganisation der Partei, die Rote Garde, kämpft um die organisatorische Selbständigkeit und um das Prinzip des demokratischen Zentralismus
IV. Die kleinbürgerliche Linie des Zentralorgans "Roter Morgen". Über die führende Rolle der Intellektuellen und die Frage von Theorie und Praxis
V. Die kleinbürgerliche Linie des ZK und des Zentralorgans "Roter Morgen" treibt zur Spaltung der Partei und ihrer Jugendorganisation".

Von der KPD/ML-Zentralbüro wird diese Ausgabe als die letzte legitime anerkannt. Das ZB gibt fortan ihren "Bolschewik" als eigenes theoretisches Organ heraus. Eine erste Ausgabe erscheint im November 1970 und nennt sich: "Bolschewik - früher Revolutionärer Weg: Der Kampf gegen die Sozialdemokratie".
Quellen: Revolutionärer Weg - Probleme des Marxismus-Leninismus - Theoretisches Organ der KPD/ML, Nr. 4, 1970; Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 7, Bochum, 18.6.1970; Bolschewik - früher Revolutionärer Weg: Der Kampf gegen die Sozialdemokratie, Bochum, November 1970.

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Letzte Änderung: 23.02.2022