Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW):
Die Vorbereitung der Gründung in den Jahren 1971 bis 1973

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 14.12.2019


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Die Vorläufergruppen des KBW schlossen sich zunächst in der Aktionseinheit zur Metalltarifrunde (MTR) mit den Vorläufergruppen des Arbeiterbunds (AB) für den Wiederaufbau der KPD und des Kommunistischen Bundes (KB) zusammen. Die Göttinger Konferenz kommunistischer Studentengruppen zum Hochschulrahmengesetz (HRG - vgl. 20.11.1971) stellte dann das erste Treffen allein der KBW-Vorläufergruppen dar.

Nachdem zunächst am 4. März 1972 eine Gemeinsame Erklärung erarbeitet wurde, folgten das Bremer Kommunique (BK) vom 28.5.1972 und die Arbeitstagungen vom 16./17.9.1972 und 16.12.1972.

Eine praktische Zusammenarbeit geschah in der Aktionseinheit für die bundes weite Demonstration gegen die Ausländergesetze in Dortmund am 8.10.1972 sowie in der Vorbereitung der bundesweiten Vietnamdemonstration in Bonn am 14.1.1973, ein letztes Treffen vom 17.3.1973 bereitete dann die Gründungskonferenz ab dem 8.6.1973 vor.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

20.11.1971:
In Göttingen findet eine Konferenz kommunistischer Studentengruppen zum Hochschulrahmengesetz (HRG) statt. Diese 'Göttinger Konferenz' wird am 21.11. fortgesetzt. Organisiert wurde die Konferenz vom KSB Göttingen und dem Hochschulausschuß der KG (NRF) Heidelberg/Mannheim. Eine Resolution gegen diese Art "monopolkapitalistischer Ausbildungsreform", die "Resolution der Konferenz kommunistischer Studentengruppen in Göttingen vom 20./21.11.71 zum Kampf gegen das Hochschulrahmengesetz" ist unterzeichnet von:
- KSB Göttingen,
- Kommunistische Gruppe (NRF) Heidelberg/Mannheim,
- Initiativgruppe zur Gründung der Studentenorganisation des KB Bremen,
- KSV Frankfurt,
- Sozialistischer Bund (SB) Braunschweig,
- Initiativgruppe für eine kommunistische Studentenorganisation Hildesheim,
- Kommunistische Gruppe Köln (KGK),
- KSB Clausthal.
Laut KSB Göttingen war die Konferenz der erste Versuch kommunistischer Studentengruppen, "über zweiseitige Kontakte und unverbindliche Absprachen hinaus die Diskussion und Koordination einer Kampagne an den Hochschulen Westdeutschlands und Westberlins in Angriff zu nehmen". Dem Aufruf zur HRG-Kampagne des KSB Göttingen und der KG (NRF) Heidelberg-Mannheim schließen sich, zusätzlich zu den Resolutionsunterzeichnern, folgende Organisationen an:
- Marxistisch-leninistische Hochschulgruppe Germanistik (MLHG) Berlin,
- Sozialistische Aufbauorganisation (SAO) Bielefeld,
- Hochschulorganisation (HO) Braunschweig,
- Rote Zelle Pädagogik Braunschweig,
- Rote Liste Bremen,
- Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) / Unibasisgruppen Freiburg,
- Kommunistische Studentenorganisation (KSO) Gießen,
- Sympathisanten des Kommunistischen Bundes an den Hamburger Hochschulen (SdKB),
- Gruppe um den AStA der Hfbk Kassel,
- Rote Zellen Münster,
- Kommunistische Hochschulgruppe (KHG) Oldenburg.

Berichtet wird auch durch die SdKB (vgl. Dez. 1971) und die KG (NRF) (vgl. Mai 1972) sowie den KSV Frankfurt (vgl. 25.11.1971).
Quellen: Theorie und Praxis Nr. 8, Köln 1971, S. 58ff; Rote Presse Nr. 2, Hamburg Dez. 1971, S. 3f;Roter Kurs Extra Aktionsprogramm des KSB zum Kampf gegen das HRG und Sdr.Nr. 4, Göttingen 23.11.1971 bzw. 16.12.1971, S. 1 bzw. S. 3f.;Kommunistische Hochschulpresse Nr. 3, Frankfurt 18.5.1972;Neues Rotes Forum Nr. 5 und 2, Heidelberg Nov. 1971 bzw. Mai 1972, S. * bzw. S. 30f;Kampf Kritik Umgestaltung Nr. 3, Frankfurt 25.11.1971, S. 3

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04.03.1972:
U.a. der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) dokumentiert von heute die:"
GEMEINSAME ERKLÄRUNG

Am 4./5. März 1972 haben sich auf Einladung des KBB Genossen der KB Göttingen, Osnabrück und Wolfsburg, der Kommunistischen Gruppe (NRF) Mannheim/Heidelberg sowie einzelne Genossen aus Braunschweig, Berlin und Salzgitter getroffen, um über eine korrespondierende Mitarbeit an der 'Wahrheit' zu beraten. Diskutiert wurde: 1. über die Konzeption der politischen Zeitung als einen Schritt im Parteiaufbau; 2. über Voraussetzungen und konkrete Formen einer möglichen Mitarbeit an der 'Wahrheit'.

Zum ersten Punkt wurde mit den Genossen der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg keine Einigkeit erzielt. Die Genossen der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg sehen im Ausbau eines von verschiedenen Zirkeln getragenen theoretischen Organs den derzeit wichtigsten Hebel zum Vorantreiben der Auseinandersetzung mit dem Ziel der Einheit der westdeutschen kommunistischen Bewegung. Sie erklärten, ihren Standpunkt zu dieser Frage demnächst im 'Neuen Roten Forum' darlegen zu wollen. Die Redaktion der 'Wahrheit' wird sich damit auseinandersetzen. Beide Organisationen sind der Meinung, daß es richtig ist, die Auseinandersetzung um die Bedeutung der Zeitung im Parteiaufbau öffentlich zu führen und in dieser Auseinandersetzung die Bestimmung des Charakters der Zeitung deutlicher herauszuarbeiten.

Die Genossen aus Göttingen und Osnabrück vertraten die Meinung, eine intensivere Mitarbeit an der 'Wahrheit' als einer vom KBB politisch und organisatorisch getragenen Zeitung sei nur möglich, wenn die Redaktion der 'Wahrheit' einen politischen Arbeitsplan vorlege, in dem die brennenden Fragen der westdeutschen kommunistischen Bewegung herausgearbeitet werden und angegeben wird, wie ihre Lösung in Angriff genommen werden soll. Erst auf der Grundlage eines solchen politischen Plans würde die Auseinandersetzung und damit auch die Entscheidung über eine intensivere Mitarbeit möglich. Diese Meinung wurde von allen anwesenden Genossen geteilt. Die KBB-Genossen erklärten, daß vorgesehen sei, einen solchen Arbeitsplan in einer der nächsten Nummern der 'Wahrheit' zu veröffentlichen.

Gemeinsam wurden folgende Regel für eine korrespondierende Mitarbeit an der 'Wahrheit' aufgestellt, die die einzelnen Genossen ihen Organisationen und Zirkeln zur Beratung vorlegen werden:

1. Allen Korrespondenten soll regelmäßig der Redaktionsplan für die nächsten Nummern der 'Wahrheit' zugehen.

2. Die Korrespondenten unterhalten einen über die Einsendung von Artikel- und Berichtseinsendungen hinausgehenden Briefwechsel mit der Redaktion über alle Fragen der kommunistischen Bewegung, insbesondere über die Entwicklung der Arbeit am jeweiligen Ort.

3. Die vom KBB bestellte Redaktion entscheidet über die Veröffentlichung von Artikeln und Berichten. Lehnt sie die Veröffentlichung ab, so begründet sie dies vor den Genossen und macht in besonders beispielhaften Fällen allen Korrespondenten den eingesandten Bericht und ihre Kritik daran zugänglich, um Material für gemeinsames Lernen zu schaffen.

4. Die Korrespondenten verweisen bei ihren Berichten auf die Bedeutung ihres Artikels für die Auseinandersetzung am Ort. Insbesondere machen sie deutlich, ob sie Änderungen seitens der Redaktion zulassen.

5. Die Redaktion der 'Wahrheit' wird versuchen, auf wichtige Ereignisse in der unmittelbaren Nähe der Korrespondenten hinzuweisen, so daß diese gezielt Material für Berichte sammeln können.

6. Es finden regelmäßige, durchschnittlich vierteljährliche Treffen der Korrespondenten statt, auf denen neben praktischen Fragen über den politischen Arbeitsplan und die Redaktionsplanung für die nächsten Nummern beraten wird.

Trotz ihrer Differenzen zum Aufbauplan der 'Wahrheit' erklärten die Genossen der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg ihre Bereitschaft, sich am Austausch von Berichten zu beteiligen, um die jeweilige Propaganda- und Agitationsarbeit zu verbessern."
Q: Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S. 18

27.05.1972:
In Bremen beginnt eine zweitägige Tagung der späteren KBW-Gruppen (vgl. 16.9.1972). Die Organisationen KB Bremen, KB Göttingen, KB Osnabrück, BKA Freiburg und KG (NRF) Mannheim/Heidelberg sowie eine Berliner Gruppe unterzeichnen morgen ein Kommunique, aus dem hervorgeht, daß "der aktuelle Stand der kommunistischen Bewegung es möglich und notwendig macht, die Schaffung dieser nationalen Organisation direkt auf die Tagesordnung zu setzen". Einigkeit soll des weiteren erzielt werden in den Fragen der politischen Zeitung als Hebel zum Wiederaufbau der Partei, der Etappenbestimmung der proletarischen Revolution, Parteiaufbau, Gewerkschaftsfrage, Beschlußfassung über ein Statut, die zu wählende Leitung. Wegen diesem Kommunique werden die späteren KBW-Gründer oft auch als Kommunique-Gruppen bzw. Gruppen des Bremer Kommunique (BK) bezeichnet, sofern nicht die Formulierungen Parteiaufbaufront, NRF-Gruppen oder gar Neue Revisionistische Front (NRF) gewählt werden.
Q: Neues Rotes Forum Nr. 3, Heidelberg Aug. 1972, S. 5; Wahrheit Nr. 5/6, Bremen Juni/Juli 1972;Theorie und Praxis Nr. 13, Köln Sept. 1972;Klassenkampf und Programm Nr. 2, Dortmund Feb. 1973, S. 35

28.05.1972:
Die Kommunistischen Bünde (KB) Bremen, Göttingen und Osnabrück, der BKA Freiburg, die KG (NRF) Mannheim-Heidelberg und eine Westberliner Gruppe verfassen das Bremer Kommunique (BK - vgl. 28.5.1972, 16.9.1972), was einen wichtigen Schritt zur Gründung des KBW darstellt. Der KB Wolfsburg schliesst sich später dem BK an (vgl. 6.9.1972).
Q: Arbeiterjugendpresse Nr. 3, Hildesheim Sept. 1972, S. 6; Klassenkampf Nr. 8, Wolfsburg 3.11.1972, S. 5f und 9;Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 11, Göttingen 13.9.1972, S. 5

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16.09.1972:
Es beginnt eine zweitägige Arbeitskonferenz derjenigen Organisationen, die das Bremer Kommunique (BK - vgl. 28.5.1972, 16.12.1972) zum Parteiaufbau vom 28.5.1972 unterzeichnet haben.

Der KB Bremen (KBB) berichtet:
"In diesem Kommunique war vereinbart worden, den Kampf um die Gründung einer im nationalen Maßstab arbeitenden Kommunistischen Organisation zu führen, die auf der Basis eines einheitlichen Programms und Statuts die Auseinandersetzungen um den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei vorantreiben soll."
Die Vertreter des:
- Bundes Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg,
- Kommunistischen Bundes Bremen (KBB),
- Kommunistischen Bundes Göttingen (KBG),
- Kommunistischen Bundes Osnabrück (KBO),
- Kommunistischen Bundes Wolfsburg (KBW)
- und der Kommunistischen Gruppe (NRF) Mannheim/Heidelberg, behandelten u.a. folgende Fragen:
- Organisatorischer Stand der einzelnen beteiligten Organisationen,
- Gliederung des Programms, Stellenwert des Programms,
- Einleitung der Kommissionsarbeit,
- Bildung einer Programmkommission,
- Das Verhältnis der Kommuniqueorganisationen zu anderen kommunistischen Organisationen,
- Erklärung zur Bundestagswahl,
- Metalltarifrunde,
- Vietnam-Kampagne,
- Kampagne gegen die Ausländergesetze."

In eine Programmkommission werden gewählt:
Johannes Doppstadt (BKA), Benno Ennker (KBG), Joscha Schmierer (KG(NRF)), Wilfried Maier (KBB) und Erik Kühl (KBB).

Zwar wollten schon mehrere Zirkel diesem Kreis beitreten, aber man wollte keine 'opportunistische Sammelbewegung' aufmachen und habe deshalb diese Ansinnen abgelehnt. Nur der KBW, der letztes Mal verhindert durfte noch mitmachen. Die Gruppe aus Berlin dagegen schied wieder aus, da sie mangels politischer Massenarbeit noch nicht reif für die Rolle als Kommunique- Organisation sei. Es handele sich hier lediglich um eine informelle Gruppe, "die gegenwärtig vor der Arbeiterklasse ihrer Stadt" nicht verantwortlich auftreten könne.

Es wird auch ein Aufruf "Solidarität mit den Völkern Indochinas" erlassen.

Zu den Bundestagswahlen (BTW) wird dazu aufgerufen die Stimmzettel durch die Aufschrift 'Weg mit dem KPD-Verbot!' ungültig zu machen.

Von der BTW-Erklärung und der Wahl der Programmkommission berichtet auch intern der KB Göttingen (vgl. 12.2.1973).

Der Bundestagswahlerklärung der Kommuniqueorganisationen schließt sich auch der KB Braunschweig (vgl. 18.10.1972) an.
Q: Rote Arbeiter Zeitung Nr. 2, Braunschweig 18.10.1972; Wahrheit Nr. 9, Bremen Okt. 1972, S. 3;KB Göttingen-ZK: Rechenschaftsbericht des ZK des KB Göttingen für die Delegiertenkonferenz des KBG Feb. 1973, Göttingen o. J. (Feb. 1973), S. B2;Klassenkampf Nr. 8, Wolfsburg 3.11.1972, S. 6 und 9;Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 12, Göttingen 18.10.1972, S. 4;Neues Rotes Forum Nr. 4/5 und Sdr.Nr. , Heidelberg Okt. 1972 bzw. Nov. 1972

Wolfsburg_KBW006

Wolfsburg_KBW009

Wahrheit_1972_09_06

Goettingen_KAZ062


16.12.1972:
Die Kommunique-Organisationen führen eine weitere Arbeitskonferenz durch, auf der eine gemeinsame Erklärung verabschiedet wird.
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 2, Mannheim Feb. 1973, S. *; Klassenkampf Nr. 1, Wolfsburg 12.1.1973, S. 2;Wahrheit Nr. 1, Bremen Jan. 1973, S. *

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17.03.1973:
Von BKA Freiburg, KB Bremen, KB Göttingen, KB Osnabrück, KB Wolfsburg und der KG (NRF) Mannheim / Heidelberg wird ein Treffen durchgeführt:"
Es wurden folgende Punkte beraten:
1. Vorbereitung der Gründungskonferenz der einheitlichen Organisation
2. Taktische Fragen des Tarifkampfes und der Arbeit in den Gewerkschaften
3. Vorbereitung des 1. Mai"

Beschlossen wird zu 1.), bis zum 20. Mai in den Organisationen Delegiertenversammlungen durchzuführen. Verabschiedet werden zu 2.) die "Thesen zur Taktik der Kommunisten in den Tarifauseinandersetzungen und zur Arbeit in den Gewerkschaften" sowie zu 3.) ein Maiaufruf.
Q: Wahrheit Nr. 4, Bremen Apr. 1973, S. 3

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Letzte Änderung: 14.12.2019