Tagung von marxistisch-leninistischen Gruppen am 27./28. April 1968 in Niederschelderhütte bei Siegen

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 24.8.2022

Die sogenannte Siegener Tagung am 27./28. April 1968 gilt als bedeutsam im Hinblick auf die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) zur Jahreswende 1968/1969. Erstmals trafen sich in Niederschelderhütte (bei Siegen) einige marxistisch-leninistische Gruppen aus der BRD, um gemeinsam zu beraten, ob die Gründung einer marxistisch-leninistischen Partei für die BRD für sie in Frage komme.

Von den Gruppen, die an dem Treffen teilnahmen, sprang die FSP (ML) alsbald wieder ab, konstituierte sich 1969 als "KPD/ML-Kreisverband Siegen-Olpe" und hatte mit der Gründung der KPD/ML nichts mehr zu tun. Auch Delegierte aus Hamburg und Mannheim waren bei der Gründung der KPD/ML nicht mehr dabei.

Die Beratung hatte zur Zielsetzung:

- Erwiderung auf das KPD-Programm

- Vorstellungen über einen vorbereitenden Ausschuss zur Gründung einer marxistisch-leninistischen Partei

- Pressemitteilung über die baldige Gründung einer ML-Partei

- Bildung einer Redaktionskommission mit einem Ausschuss

- Aufgabenverteilung (Politische Leitung, Finanzen, Schriftführung, Kaderpolitik, Arbeit und Soziales, Organisationsfragen, Jugend- und Gewerkschaftsarbeit) (siehe unten)

Das "Zusammenfassende Protokoll" gibt den damaligen Stand der Beratung wieder, zeigt aber auch die Schwierigkeiten, wie man auf den "Programmentwurf der KPD" antworten sollte. Ob der Entwurf zur "Erwiderung" vom 10. Juni noch einmal intensiver diskutiert wurde, ist unklar.

Eine zusammenfassende "Erwiderung auf den Programmentwurf der KPD" erschien dann in der August-Sonderausgabe des "Roten Morgen" 1968, wobei der Entwurf eines Delegierten zu einem erheblichen Teil dort seinen Niederschlag fand.

Das "Diskussionsprotokoll" gibt u. a. im 1. Teil den damaligen Stand der Debatte um den Programmentwurf der KPD mit den Einlassungen der Delegierten wieder, während der 2. Teil der Ressortverteilung gewidmet ist. (vgl. 28. April 1968)

Als ein wichtiger Erfolg "wurde der Beschluss der politisch-organisatorischen Zusammenarbeit dieser Gruppen und die Wahl einer gemeinsamen Leitung als eine wichtige Voraussetzung für die Gründung einer revolutionären marxistisch-leninistischen Partei gewertet". Zudem wolle man die "Bildung einer revolutionären Front" vorantreiben. Diese solle "die Förderung des Zusammenschlusses aller revolutionären Kräfte und ein energisches Gegenwirken gegen die Bestrebungen der Revisionisten sein". (vgl. 10. Juni 1968)

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

27.04.1968:
Am 27./28. April findet ein Treffen von ML-Gruppen und der FSP/ML in Niederschelderhütte bei Siegen statt. Darüber wird ein Protokoll angefertigt, das u. a. den Weg zur Gründung der KPD/ML verdeutlicht. Während der Punkt "Erwiderung auf das KPD-Programm" zurückgestellt wird, wird im Verlauf der Beratung der Punkt "baldige Gründung einer ML-Partei" zum Hauptthema der Debatte. Schließlich einigt man sich auf die Formulierung, eine alsbald zu gründende "deutsche revolutionäre marxistisch-leninistische Partei zu koordinieren". Das Organ der Debatte soll der "Rote Morgen" sein.
Inhalt:
- Ergebnisprotokoll/Zusammenfassendes Protokoll
- Delegierte (Hamburg, Karlsruhe, Köln, Mannheim, Siegerland)
- Gründung einer revolutionären marxistisch-leninistischen Partei
- Bildung einer Redaktionskommission mit einem Gremium
- Beauftragung (Politische Leitung, Finanzen, Schriftführung, Kaderpolitik, Arbeit und Soziales, Organisationsfragen, Jugend- und Gewerkschaftsarbeit)
- Pressemitteilung
- An Alle
Quelle: Protokoll und Ergebnisprotokoll über die Zusammenkunft der Delegierten von vier marxistisch-leninistischen Gruppen Westdeutschlands und der Freien Sozialistischen Partei (FSP) am 27./28. April 1968 in Niederschelderhütte, 27./28. April 1968 / Zusammenfassendes Protokoll, Siegen, 27./28. April 1968 [Fragmente].

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28.04.1968:
Es erscheint das "Diskussionsprotokoll" der sogenannten Siegener-Tagung vom 27./28. April 1968. Die Anfertigung des Protokolls besteht aus zwei Teilen. Teil 1 beschäftigt sich u. a. mit dem Programmentwurf der KPD und der sich anschließenden Debatte durch die Delegierten. Teil 2 spiegelt die Beschlussfassungsprozedur zur Beratung über die Aufgabenverteilung wider.
Q: Diskussionsprotokoll, Siegen, 27./27. April 1968 [Fragment].

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10.06.1968:
Ein Teilnehmer (Knut) der Tagung am 27./28.4.1968 in Niederschelderhütte bei Siegen schreibt an einen anderen Teilnehmer (Werner) einen Brief, in dem er erklärt wie der erste Entwurf einer "Erwiderung" auf den Programmentwurf der KPD zustande kam und warum er einen neuen Entwurf der "Erwiderung" geschrieben habe. Der neue (vierseitige) Entwurf liegt dem Brief bei.

Dazu wird festgehalten: "Dieser Entwurf endet mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der bewaffneten Machtergreifung, macht also zusätzliche 'Schlussfolgerungen' eigentlich überflüssig. Nach meinen Vorstellungen sollte diese vierseitige Geschichte, zusammen mit einem fünfseitigen Artikel zur internationalen Arbeiterbewegung herausgegeben werden als Sondernummer des Roten Morgen". Teile des Entwurfs werden in der August-Sondernummer des "Roten Morgen" 1968 veröffentlicht.
Q: Brief von Knut an Werner und Entwurf zur Erwiderung des Programmentwurfs der KPD, Hamburg, 10. Juni 1968.

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Letzte Änderung: 24.08.2022