Ingelheim

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 24.4.2021

Aus Ingelheim können hier nur wenige Dokumente zur Solidaritätsbewegung mit Vietnam und zum Kampf für die Wiedereröffnung des Hauses der Jugend (HdJ) bzw. ein Jugendzentrum (JZ) vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

In beide Auseinandersetzungen griffen die Anhänger der KPD/ML-ZB und ihres KJVD, die auch bei Boehringer Ingelheim aktiv waren, ein.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

26.05.1972:
Das Vietnam-Komitee Ingelheim gibt vermutlich Ende dieser Woche das Flugblatt "Ingelheim unterstützt den Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes" heraus zu seiner eigenen Gründung am 24.5.1972 mit dem Aufruf zur Mitarbeit.
Quelle: Vietnam-Komitee Ingelheim: Ingelheim unterstützt den Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes, Ingelheim o. J. (1972)

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30.05.1972:
Die Aktion Jugendzentrum Ingelheim rief auf zum Großen Treffen gegen die Schließung des Hauses der Jugend (HdJ) um 17 Uhr vor dem HdJ.
Q: Aktion Jugendzentrum: Wichtig, O. O. (Ingelheim) o. J. (1972)

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02.06.1972:
Das Vietnam-Solidaritätskomitee Ingelheim gibt vermutlich Ende dieser Woche das Flugblatt "Da müßte man doch mal was unternehmen…" heraus mit der Einladung zur nächsten Sitzung am 5.6.1972 im Winzerkeller und dem Aufruf zur Vietnamdemonstration in Rüsselsheim am 10.6.1972.
Q: Vietnam-Solidaritätskomitee Ingelheim: Da müßte man doch mal was unternehmen…, Wiesbaden o. J. (1972)

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02.06.1972:
Die Aktion Jugendzentrum Ingelheim gibt das Flugblatt "Helft mit bei der Entscheidung über das Haus der Jugend" heraus mit dem Aufruf zum Treff am HdJ um 14.30 Uhr von wo eine Delegation zum Rathaus begeleitet werden soll.
Q: Aktion Jugendzentrum: Helft mit bei der Entscheidung über das Haus der Jugend, Ingelheim o. J. (1972)

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12.06.1972:
Das Vietnamkomitee Ingelheim gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Vietnamdemonstration Rüsselsheim: Polizei übt Notstandseinsatz" heraus zum 10.6.1972 mit dem "Bericht des spanischen Kollegen von der Demonstration in Rüsselsheim". Eingeladen wird zum Treffen des Komitees donnerstags in der Winzergenossenschaft.
Q: Vietnamkomitee Ingelheim: Vietnamdemonstration Rüsselsheim: Polizei übt Notstandseinsatz, Ingelheim o. J. (1972)

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28.06.1972:
In der Nr. 13 der 'Roten Fahne' (vgl. 19.6.1972, 10.7.1972) der KPD/ML-ZB werden Ergebnisse der Spendensammlungen veröffentlicht, daran hat sich auch beteiligt die Ortsgruppe Ingelheim.
Q: Rote Fahne Nr. 13, Bochum 28.6.1972

September 1972:
In der Nr. 8 des 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. Aug. 1972, Okt. 1972) des KJVD der KPD/ML-ZB finden sich als Spender auch die KJVD-Ortsgruppe Ingelheim, die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Boehringer Ingelheim und das Einheitsfrontkomitee (EFK) Ingelheim.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 8, Bochum Sept. 1972

26.05.1973:
In Mainz riefen GIM, Iranischer Studentenverein (ISV), die KSV-Sympathisantenorganisation, die ML-Gruppen Ingelheim, Mainz und Rüsselsheim, das MLZ Mainz, das Palästinakomitee Mainz, der SHB/SF und Spartacus-BL (SBL) mit einem Flugblatt "Kampf der politischen Unterdrückung" auf zur Demonstration um 12 Uhr ab Hauptbahnhof.
Q: GIM u.a.: Kampf der politischen Unterdrückung, Mainz o. J. (1973)

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13.02.1973:
Innerhalb des KPD/ML-ZB Landesverbandes Hessen berichtet Ew. über eine Sitzung des alten "LAKE" (Landesaufbaukomitee Hessen - vgl. 12.2.1973) in Mainz am 13.2.1973:"
Thema: erste Vorschläge für die Neuorganisierung des Landesverbandes
In meiner Ortsgruppe hat sich die Ortsleitung und die ehemalige Betriebsgruppe mit der Leitungsfrage am Ort befaßt und hierbei auch Lenins 'Brief an einen Genossen' (Bd.6) hinzugezogen. Wir zogen die Lehre, daß es falsch war, die Betriebsgruppe als die Leitung des jeweiligen Ortes als Leitung einzusetzen, da sie dadurch weder die Betriebsarbeit noch die anderen Gruppen am Ort (Unterstützungsgruppe, Jugendverband (UG bzw. KJVD, d. Vf.)) anleiten konnte. Je mehr ist es notwendig, die fünf, sechs besten Genossen am Ort in einem leitenden Komitee zusammenzufassen, und von dort aus die einzelnen Gruppen und Zirkel anzuleiten. Für diese gibt es kein festes Schema. Sie sind vielmehr den örtlichen Bedingungen angepaßt, wobei natürlich Schwerpunkte (Betrieb usw.) gesetzt werden müssen.

Dies zum einen. Aufgrund dieser Diskussion und der Situation, wie sie sich auf der letzten Landesdelegiertenkonferenz gezeigt hat, kam ich zu folgendem Vorschlag, dem im Groben vom alten LAK zugestimmt wird. Der Landesverband ist im Augenblick nicht in der Lage, eine starke und mit dem LV verbundene Landesleitung aufzustellen. Die Genossen werden in kurzer Zeit vollkommen verheizt. Den Gedanken, uns selbst zu einer Wiederwahl zu stellen, schlugen wir auch sofort aus. Deshalb muß eine starke Leitung planvoll von unten her aufgebaut werden. Dazu gehört, daß jetzt vor allem drei starke Ortskomitees aufgebaut werden und zwar 1. Rüsselsheim, 2. Mainz / Wiesbaden / Ingelheim, 3. Darmstadt und Umgebung. Dann eine kleine Ortsleitung in F./M. (Frankfurt, d. Vf.) die die drei Gruppen (Betriebsgruppe, Unterstützungsgruppe und Jugendverbandsunterstützungsgruppe) anleitet, bzw. neu aufbaut. Hinzu kommen die Einzelgruppen Mannheim/Weinheim, ein Teil von Hoechst ((CPK-Bereich in Frankfurt, d. Vf.) wenn er noch will), die Jugendverbandsgruppe von Hoechst und Stützpunkt Neuwied (wenn er noch existiert). Die Frage, ob ein Teil von Hoechst sich an den Aufbau von Wiesbaden macht, muß noch geklärt werden.

Diesen Ortskomitees fällt die Aufgabe zu, die Beschlüsse der Konferenz zu verwirklichen, an ihren Orten die Diskussion weiterzutreiben und die Praxis anzuleiten. Gleichzeitig muß es auch die Organisation neu umbilden und auch wieder wesentlich strenger auf die konspirativen Fragen und die Fragen der Illegalität achten.

Zum anderen haben sie aber auch durch je einen Vertreter eine provisorische Leitung zu bilden und diese planmäßig zu verstärken und aufzubauen. Nur so können wir langsam, aber sicher, die Diskussion im Landesverband wieder zentralisieren und von den weiteren politischen und organisatorischen Zerfall wegkommen. Der Landesverband des Jugendverbandes wird aufgelöst (einige Gruppen haben dem schon zugestimmt) und örtlich eingegliedert. Wobei es hier die Aufgabe der Ortskomitees ist, für die passende Organisationsform der Arbeiterjugend zu sorgen.

Soweit einmal, ich hoffe, daß die Ortsleitung von Rü (Rüsselsheim, d. Vf.), die diesen Vorschlag mündlich mitgeteilt bekommen hat, noch Ergänzungen und Korrekturen bringen wird. Die zwei Genossen aus meiner Grundorganisation, mit denen ich gesprochen habe, würden dem auf den ersten Blick zustimmen, haben aber dabei noch ein ungutes Gefühl."
Q: Klassenkampf und Programm Nr. 3, Dortmund Apr. 1973, S. 30f

Letzte Änderung: 24.04.2021