"Kommunist"
Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Wien (1975/76)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 4.10.2019


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Hier werden drei Ausgaben des TO des KB Wien dokumentiert. Wir bitten evtl. um Ergänzungen. "Kommunist" hieß dann nach der Vereinigung auch das TO des KBÖ.

Wir danken Herrn Johannes Zuber (†) für die freundliche Unterstützung.

Liste der als Scans vorhandenen Ausgaben

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

September 1975:
Die Nr. 1 des "Kommunist - Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Wien" erscheint.

Im "Editorial" heißt es dazu: "Mit der Herausgabe eines theoretischen Organs schafft sich der KB Wien ein zusätzliches Instrument zur öffentlichen Entwicklung, Darlegung, umfassenden Begründung seiner Anschauungen in allen Fragen der Ideologie und Politik der Kommunisten. In der gegenwärtigen Zeit, wo die Kommunisten ihre Anstrengungen auf die Herstellung der ideologischen und politischen Einheit und auf den organisatorischen Zusammenschluss aller marxistisch-leninistischen Kräfte richten, stellen wir das theoretische Organ auch in den Dienst dieser Anstrengungen.

Wie unsere Zeitung 'Klassenkampf' wird auch der 'Kommunist' in erstes Linie solche Fragen behandeln, die der Gang des politischen Klassenkampfes selbst aufwirft und in den Vordergrund stellt. Wie der 'Klassenkampf' wird auch der 'Kommunist' diese Fragen so behandeln, dass es der Ausarbeitung der Ideologie und Politik, der Strategie und Taktik dient und fruchtbar gemacht werden kann für die Praxis der Kommunisten. Wie der 'Klassenkampf' wird auch der 'Kommunist' nichts von der übrigen Propaganda, Agitations- und Organisierungsarbeit getrenntes sein, sondern vielmehr zielstrebig als ein Instrument dieser Arbeit von der Leitung des KB-Wien gesetzt werden.

Nicht auf dieser Ebene liegt daher der Unterschied zwischen politischer Zeitung und theoretischem Organ. Der Unterschied liegt vielmehr nur darin, dass im theoretischen Organ alle Fragen, wie sie auch im 'Klassenkampf' behandelt werden, viel umfassender behandelt, ihre theoretisch Grundlagen beleuchtet und umfangreichere Untersuchungen der konkreten Situation durchgeführt werden können. Sie können umfassender behandelt werden, nicht grundsätzlicher oder allseitiger. Im Gegenteil leidet unsere Zeitung gerade noch an dem Mangel, dass die Fragen der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes oft nicht allseitig behandelt werden, sondern seitig und schematisch, und dass das Grundsätzliche an unseren Aussagen weil wir noch nicht gelernt haben, es anhand von lebendigem Anschauungsmaterial darzustellen, entweder verlorengeht oder hinter langatmigen Phrasen verschwindet.

Ein Unterschied zwischen Zeitung und theoretischem Organ liegt auch darin, dass das theoretische Organ mehr als der 'Klassekampf' ein Forum der Diskussion, der Meinungsbildung und des Meinungskampfes sein kann, in dem auch verschiedene Auffassungen innerhalb der kommunistischen Bewegung mehr und breiteren Raum haben, als dies im 'Klassenkampf' dem Wesen der Sache nach sein kann. Mehr und breiter als im 'Klassenkampf', aber auch im 'Klassenkampf' sollte die öffentliche Auseinandersetzung um die Politik der Kommunisten geführt werden. Das gilt für die Auseinandersetzung innerhalb der einzelnen Zirkel ebenso wie für die zwischen ihnen. Das theoretische Organ sollte insbesondere im Zusammenhang mit den Vereinheitlichungsbestrebungen der österreichischen Marxisten-Leninisten allen Organisationen und Genossen als Forum des Meinungskampfes offenstehen, soweit dies im Dienst der Vereinheitlichungsbestrebungen steht. Das theoretische Organ wird statutengemäß von der Leitung des KB-Wien herausgegeben. Die Redaktion liegt in der Hand des Ständigen Ausschuss der Leitung."
Artikel der Ausgabe sind:
- "Editorial"
- "Verstärken wir den Kampf um die politische Einheit und den organisatorischen Zusammenschluss der kommunistischen Bewegung!"
- "Dokumente zu den Bemühungen um ein einheitliches Auftreten der marxistisch-leninistischen Organisationen zu den Nationalratswahlen 1975"
- "Die armen Bauern und Arbeiterbauern für das Bündnis mit der Arbeiterklasse gewinnen"
- "Beschluss des KB Wien: Ausbildung der Arbeiterjugend und ÖGJ-Kongress"
- "Einige Erfahrungen aus dem Kampf gegen die Tariferhöhungen in Wien im Winter 1974/75"
- "Zur Politik der Kommunisten in den parteilosen internationalen Komitees"
- "Über die Wirtschafts- und Finanzkrise der kapitalistischen Welt von Kico Kapedani (aus 'Albanien heute' Nr. 6/1974)"
- "Aderlass des kapitalistischen Währungssystems von Aleko Haxhi (aus 'Albanien heute' Nr. 6/1973)"

Berichtet wird u. a von der "1. ordentlichen Delegiertenkonferenz des KB Wien am 15./16. Februar 1975" und "über den Stand der kommunistischen Bewegung im Kampf um die nationale Vereinheitlichung", über eine Konferenz des KB Wien, Anfang Juli, zu den Nationalratswahlen 1975. Anwesend waren u. a.: KG Klagefurt, KB Graz, KB Linz, KB Salzburg/Hallein, KB Tirol, MLB (Tirol), MLPÖ, VRAÖ (ML). Weitere Konferenzen sollen stattfinden am 2./3.8. in Wien und am 16./17.8. in Linz.

Berichtet wird weiter über die Tariferhöhungen in Wien im Winter 1974/75.
Geworben wird für den "Klassenkampf", für KB Wien: "Im Kampf für die Tagesinteressen wie im Kampf für die Umwälzung der Gesellschaft: KPÖ-Keine Alternative", für den "Reisebericht: Ein Besuch in der Volksrepublik China", für die Broschüre: "Kommunistischer Bund Wien. Ergebnisse der I. ordentlichen Delegiertenkonferenz", für: "Dokumente zum Befreiungskampf der indochinesischen Völker (Vietnam, Kambodscha, Laos).
Quelle: KB Wien: Kommunist, 1. Jg., Nr. 1, Wien, September 1975.

April 1976:
Die Nr. 1 des "Kommunist - Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Wien" erscheint.

In der "Einleitung" heißt es u. a.: "Auf zwei Konferenzen, im Dezember 1975 in Wien und im März 1976 in Linz, haben der KB Graz, KB Linz, KB Salzburg/Hallein, KB Tirol, KB Wien, KG Graz und KG Klagenfurt beschlossen, sich in eine einheitliche gesamtnationale demokratisch-zentralistische Organisation aufzulösen, und die Gründung dieser Organisation vorbereitet. Die wichtigsten Dokumente, die der Gründungskonferenz vorliegen werden, sind Programm, Statut und politische Hauptresolution. Wir geben in dieser Nummer des 'Kommunist' einen Bericht über die Ergebnisse der beiden Konferenzen, indem wir Auszüge aus den Protokollen und Beschlüssen wiedergeben, und drucken die Entwürfe von Programm und Statut ab. Beides- Programm und Statut-soll einer intensiven Debatte in der gesamten marxistisch-leninistischen Bewegung unterzogen werden, bevor es der Gründungskonferenz zur Beschlußfassung vorliegen wird. (…) In den Erläuterungen wird auch die Auseinandersetzung mit falschen Positionen innerhalb der marxistisch-leninistischen Bewegung in Österreich geführt. Dabei haben wir uns auf die VRAÖ(ML) beschränkt, mit der die Auseinandersetzung bereits entwickelter ist als mit der MLPÖ und die auch in den meisten Fragen öffentlich Position bezogen hat. Die Programmkommission setzt ihre Arbeit weiterhin fort und führt noch einige Untersuchungen und theoretische Studien durch, um das Programm in verschiedenen Punkten noch mehr zu vertiefen und zu fundieren. In einer der nächsten Nummern des 'Kommunist' wird ferner ein Artikel erscheinen, der das Minimalprogramm und insbesondere die Linie des revolutionär-demokratischen Kampfes näher erläutert. Zuletzt möchten wir uns insbesondere an die VRAÖ(ML) und die MLPÖ wenden, mit der Aufforderung, zu unserem Programmentwurf Stellung zu nehmen. Wir versichern, dass wir diese Stellungnahmen ungekürzt im 'Kommunist' abdrucken werden, wie wir auch alle bedeutenden Stellungnahmen einzelner Genossen abdrucken werden".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Einleitung"
- "Ergebnisse der Wiener und Linzer Konferenz zur Vorbereitung der Gründung einer nationalen Organisation (Dezember 1975 und März 1976)"
- "Programmentwurf"
- "Erläuterungen zum Programmentwurf"
- "Allgemeine Erläuterungen zum gesamten Programmentwurf"
- "Erläuterungen zu Teil I"
- "Erläuterungen zu Teil II"
- "Erläuterungen zu Teil III"
- "Erläuterungen zu Teil IV"
- "Erläuterungen zu Teil V und Teil VI"
- "Statutenentwurf"

Berichtet wird von den Konferenzen vom 6.-8.12.1975 und 6.-7.3.1976 zur "Vorbereitung der Gründung einer nationalen Organisation", an denen der KB Graz, KB Linz, KB Salzburg/Hallein, KB Tirol, KB Wien und KG Klagefurt teilnahmen, "um die Kursnahme und die Auflösung ihrer Organisationen in eine einheitliche gesamtösterreichische Organisation zu beschließen und die Gründung der neuen Organisation vorzubereiten". Dazu wurde auf der Wiener Konferenz im Dezember 1975 die Resolution: "Zur Lage in der marxistisch-leninistischen Bewegung" beschlossen, weiter: "Resolution zur Bildung einer Programmkommission", sowie: "Resolution zur Ausarbeitung eines Statutenentwurfs".

Geworben wird für "Programme der österreichischen revolutionären Arbeiterparteien 1888-1946" und "Revolutionäre Programme. Broschüre der deutschen und russischen revolutionären Arbeiterparteien und der Kommunistischen Internationale".
Q: KB Wien: Kommunist, 2. Jg., Nr. 1, Wien, April 1976.

Mai 1976:
Die Nr. 2 des "Kommunist - Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Wien" erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Zum Kampf gegen das Hegemoniestreben und die Kriegsvorbereitungen der beiden Supermächte und für die Unabhängigkeit Österreichs (Resolution der 2. ordentlichen Delegiertenkonferenz)"
- "Über die Auseinandersetzung um die internationale Lage und die daraus resultierenden Aufgaben der Kommunisten auf der 2. ordentlichen Delegiertenkonferenz (Bericht von G. St. an die Plenarversammlung am 11. 5. 1976)"
- "Anhang 1"
- "Anhang 2"
- "Zur Linie der VRA im Kampf um den Frieden und die Unabhängigkeit Österreichs"
- "Politische Resolution des Partido Comunista Portugues (Reconstruido)"

Berichtet wird über die 2. ordentliche Delegiertenkonferenz des KB Wien und die Resolution "Zum Kampf gegen das Hegemoniebestreben und die Kriegsvorbereitungen der beiden Supermächte" sowie über die "Plenarversammlung" vom 11.5.1976.

Im Artikel "Zur Linie der VRA im Kampf um den Frieden und die Unabhängigkeit Österreichs" wird ihr u. a. vorgeworfen: "Der grundlegende theoretische Fehler der VRA besteht darin, dass sie von einer marxistisch-leninistischen Klassenanalyse des Hauptwiderspruchs in Österreich, der Etappe und des Hauptfeindes der Revolution ebenso abgeht, wie sie die marxistisch-leninistischen Analyse der hauptsächlichen Widersprüche in der Welt von heute durch eine völlig falsche Auffassung der Theorie der drei Welten ersetzt".

Geworben wird u. a. für "Programme der österreichischen revolutionären Arbeiterparteien", "Rechenschaftsbericht der Leitung des Kommunistischen Bundes Wien an die 2. ordentliche Delegiertenkonferenz", "Für die sofortige Einstellung der Prozesse gegen Teilnehmer an der Spanien-Demonstration in Wien am 2. Oktober 1975".
Q: KB Wien, Kommunist, 2. Jg., Nr. 2, Wien, Mai 1976.

Letzte Änderung: 04.10.2019