CSSR: Die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts 1968 und die bundesdeutsche Linke

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 17.8.2018


Die Datenbank MAO ist ein
vollständig selbstfinanziertes Projekt.
Unterstützen Sie uns durch:

Es können hier nur wenige Dokumente und Hinweise vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Eine separate Darstellung aus dem Gebiet der CSSR gibt es zu Sudetendeutschland.

Die bundesdeutsche Studentenbewegung pflegte Mitte der 1960er Jahre vor allem den kulturellen Austausch mit der CSSR, auch die Veränderungen in der CSSR aber erfahren Beachtung (vgl. 10.1.1967) und es gibt auch Solidaritätserklärungen mit den Prager Studenten (vgl. 6.12.1967), wobei die Marxisten-Leninisten der späteren KPD/ML (vgl. Apr. 1968) sich ablehnend gegenüber der neuen Prager Führung äußern, im Gegensatz zu den Trotzkisten der GIM (vgl. Juli 1968).

Die Invasion am 21. August 1968 stößt dann auf einhellige Empörung bei den nicht Moskautreuen Linken, es kommt in einer Reihe von Städten zu Protestdemonstrationen und die Linken grenzen sich in der Folge von den Moskautreuen ab, arbeiten aber auch die Entwicklung in der CSSR theoretisch auf.

Zum ersten Jahrestag der Invasion kommt es nur noch zu kleineren Aktionen, an denen sich in Berlin nur die maoistische Rote Garde der KPD/ML und die trotzkistische Gruppe Spartacus beteiligen, aber nicht der SDS und andere APO-Gruppen (vgl. 21.8.1969).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

29.09.1938:
Es beginnt die zweitägige Münchener Konferenz, auf der Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien die sofortige Abtretung des Sudetengebietes von der Tschechoslowakei an Deutschland beschließen.

Die KPD/ML-ZK (vgl. 23.5.1972) berichtet:"
Bis heute wird die Ungültigkeit des Münchner Abkommens nicht von Anfang an anerkannt. (Im Münchner Abkommen von 1938 wurde u.a. dem deutschen Imperialismus ein Großteil der Tschechoslowakei in den Rachen geworfen.)"

Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) berichtet vom deutschen Imperialismus:"
1938 erzwang er Zugeständnisse in der Sudetenfrage mit der Zusage, daß damit seine Gebietsansprüche befriedigt seien, um ein Jahr später in die Tschechoslowakei einzufallen".

Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 1.2.1977), u.a. über die Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen 'BRD' und CSSR (vgl. 26.6.1972).
Quellen: Rote Fahne Nr. 50, Dortmund 5.7.1972, S. 7; Rote Fahne Pressedienst Nr. 2, Köln 1.2.1977;Roter Morgen Nr. 10, Hamburg 23.5.1972, S. 2;Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S. 15

1948:
Laut Schlomann/Friedlingstein eröffnet die chinesische Nachrichtenagentur Hsinhua ihr erstes Auslandsbüro in Prag.
Q: Schlomann/Friedlingstein: Die Maoisten, Frankfurt/M. 1970, S. 74

1954:
Indonesien schließt, laut Einar Schlereth, in diesem und dem nächsten Jahr Handelsverträge mit der DDR, der CSSR und Polen ab (vgl. 1953, 1955).
Q: SC: Info Nr. 3, Frankfurt 1969

Februar 1965:
An der Universität Tübingen erscheint vermutlich im Februar die Nr. 59/60 der 'Notizen' (vgl. Dez. 1964, Feb. 1966) für Januar / Februar mit dem Artikel "Dieter Koniecki bereits vier Jahre in Haft" zum Ostreferenten des LSD, der in der CSSR einsitzt.
Q: Notizen Nr. 59/60, Tübingen Jan. / Feb. 1965, S. 17

Tuebingen_Notizen082


Juli 1965:
Der AStA der Uni Kiel gibt die Nr. 3 der 'Skizze' (vgl. Juni 1965, Nov. 1965) - Studentenzeitung an der Universität Kiel - heraus mit dem Artikel "'Die Einigung Europas' in Mähren" zum Treffen des Jugendverbandes CSM der CSSR und des VDS, von Klaus Figge.
Q: Skizze Nr. 3, Kiel Juli 1965, S. 12

Kiel_Skizze038


Februar 1966:
Der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Heidelberg gibt das 'forum academicum' - Heidelberger Studentenzeitschrift Nr. 1/2 (vgl. Juli 1966) heraus mit dem Artikel "Das Grundrecht auf der Schaukel. Wer erhält bei uns Asyl?" zu einem Kurden aus der Türkei sowie Flüchtlingen aus der CSSR und Polen, von Saint-Loup.
Q: forum academicum Nr. 1/2, Heidelberg Feb. 1966, S. 15f

Heidelberg_Forum_Academicum189

Heidelberg_Forum_Academicum190


10.01.1967:
Der AStA der LMU München gibt seine Zeitschrift 'Information' Nr. 1 (vgl. 15.2.1967) heraus. Enthalten ist der Beitrag "Öffnung zum Westen und ökonomisches Leitungssystem. Fünf Wochen Tschechoslowakei (II)" zur CSSR, von Anselm Faust.
Q: LMU-AStA: Information Nr. 1, München 10.1.1967, S. 8f

Muenchen_Hochschulpolitik449

Muenchen_Hochschulpolitik450


19.05.1967:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität sein 'Info' Nr. 66 (vgl. 5.5.1967, 2.6.1967) heraus mit dem Artikel "WUS vermittelt Besuch der CSSR".
Q: AStA Uni: Info Nr. 66, Heidelberg 19.5.1967, S. 6

Heidelberg_1967_024


Juni 1967:
Es erscheint die Nr. 4 der Zeitung 'Der Kommunist' (vgl. Juni 1967) mit dem Artikel "Die Leser schreiben", u. a. über den CSSR- Film: "Die Liebe einer Blondine".
Q: Der Kommunist - Revolutionäres Arbeiterorgan Nr. 4, Wien Juni 1967, S. 13f

VRA_Der_Kommunist_19670600_04_13

VRA_Der_Kommunist_19670600_04_14


06.12.1967:
An der TU Berlin gibt das Pressereferat der Studentenvertretung (SV) vermutlich heute ein Flugblatt heraus. Dokumentiert wird das heutige Telegramm an die Studenten der Universität Madrid, Spanien, berichtet wird, dass sich der 2. SV-Vorsitzende Borns und der Außenreferent Siebel am 18.11.1967 bei den Internationalen Studententagen in der CSSR mit den Prager Studenten solidarisch erklärten.
Q: SV TU: Die Studentenvertretung… , Berlin O. J. (1967)

Berlin_TU_1967_228


13.03.1968:
An der Universität Heidelberg erscheint, laut AStA-Archiv heute, das Flugblatt "VDS-Politik anno '68…" des NHB zum Beschluß des VDS die DDR anzuerkennen und den Studentendemonstrationen in Warschau in Polen und den Protesten in der CSSR. Gefordert wird die Distanzierung des AStA und des StP vom VDS-Beschluß (vgl. 4.3.1969).
Q: NHB: VDS-Politik anno '68…, Heidelberg O. J. (1968)

Heidelberg_1968_126


April 1968:
Die Aprilausgabe des 'Roten Morgens' (vgl. März 1968, Mai 1968) enthält den Artikel "Wohin geht die CSSR - Eine Clique löst die andere ab".
Q: Roter Morgen, Hamburg Apr. 1968, S. 7f

RM_1968_04_Apr_07

RM_1968_04_Apr_08


05.04.1968:
An der TU Berlin wurde vom Kulturreferat der Studentenvertretung eingeladen zum "Jazz in der TU - Jazz aus der CSSR" mit der Jazz Combo Usti um 20 Uhr in der Studentenstadt Siegmundshof.

Der Erlös des Konzerts soll an die Witwe Martin Luther Kings gehen.
Q: TU - SV Kulturreferat: Jazz in der TU - Jazz aus der CSSR - zwei Versionen, O. O. (Berlin) o. J. (1968); TU - SV Kulturreferat: Der Reinertrag…, O. O. (Berlin) o. J. (1968)

Berlin_TU_1968_117

Berlin_TU_1968_119

Berlin_TU_1968_120


25.04.1968:
Der AStA der Universität Göttingen gibt seine 'Göttinger Nachrichten' (GN) Nr. 13 (vgl. 29.3.1968, 25.4.1968) heraus mit dem Artikel "Tschechische Studenten. Gn-Interview" zur CSSR.
Q: Göttinger Nachrichten Nr. 13, Göttingen 25.4.1968, S. 3

Goettinger_Nachrichten093


Mai 1968:
An der TU Berlin erscheint von der Fachschaft Chemie 'Der Kocher' Nr. 2 mit dem Text "Touristik" u.a. zur "Austauschreise der Fachschaft nach Prag" in der CSSR.
Q: Der Kocher Nr. 2, Berlin Mai 1968, S. 10

Berlin_FU_1968_Mai_128


Juni 1968:
Der Vorstand des Initiativausschusses zur Gründung einer Sozialistischen Partei (IA) gibt die Nummer 63 des 'Informationsbriefes' (IB) heraus (vgl. Mai 1968, Juli 1968). Er enthält allein den Artikel von Friedrich Zimmermann: Bemerkungen zu den Vorgängen in der CSSR.
Q: Initiativausschuss zur Gründung einer Sozialistischen Partei: Informationsbrief, Nr. 63, Bergisch-Gladbach Juni 1968

IB_1968_63_01

IB_1968_63_02

IB_1968_63_03

IB_1968_63_04

IB_1968_63_05

IB_1968_63_06

IB_1968_63_07

IB_1968_63_08

IB_1968_63_09

IB_1968_63_10

IB_1968_63_11

IB_1968_63_12


24.06.1968:
Es beginnt eine Begegnung zwischen 8 Studenten der TU Berlin und 8 Studenten der TH Prag, CSSR, bis zum 1.7.1968 in Berlin.
Q: N. N.: Programm der Begegnung…, O. O. (Berlin) o. J. (1968)

Berlin_TU_1968_347


Juli 1968:
Es erscheint die 'Was tun' Nr. 2 (vgl. Mai 1968, Sept. 1968) für Juli mit dem Artikel "Prager Frühling" zur CSSR.
Q: Was tun Nr. 2, Mannheim Juli 1968, S. 4f

GIM_Was_tun_1968_02_04

GIM_Was_tun_1968_02_05


21.08.1968:
Truppen des Warschauer Paktes (WP), u.a. aus der SU, intervenieren in der CSSR.

Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) berichten, unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, daß die KP Portugal die Invasion bejubelt habe.

Die KPD (vgl. 5.7.1972) berichtet von der Haltung Castros in Kuba (vgl. 21.8.1968).

Das Innenministerium NRW berichtet 1969 von den Republikanischen Clubs (RC - vgl. Düsseldorf 1.3.1968):"
Die Ereignisse in der CSSR im August vorigen Jahres haben in zahlreichen Clubs zu Krisen geführt, die vielfach bis heute noch nicht restlos überwunden sind und sich teilweise lähmend auf die Tätigkeit der Clubs ausgewirkt haben."
Q: Innenministerium NRW: Extremismusberichte an den Landtag oder Landesbehörden 1969, Düsseldorf 1969, S. 14; Rote Fahne Nr. 50, Dortmund 5.7.1972, S. 7;Frankfurter Marxisten-Leninisten: Marxisten-Leninisten zum 1. und 8. Mai 1975, Bochum 1975, S. 14;Der Druckerei Arbeiter Nr. 2/3, München Juni 1971, S. 18

21.08.1968:
Die KPD (vgl. 5.7.1972) berichtet über die Haltung Castros in Cuba zur heutigen CSSR-Invasion bzw. zur SU:"
Castro hütete sich in seinem schon immer beispiellosem Opportunismus, die Sowjetunion jemals zu kritisieren. Seine Fernsehrede zum Überfall auf die Tschechoslowakei im August 1968 war ein einziger Balanceakt. Einerseits verurteilte er die Gewalt des Einmarschs und bejammerte den Verfall der kommunistischen Moral, andererseits pries er ihn als einen Akt, der notwendig gewesen sei, um die Tschechoslowakei vor dem Zugriff des Imperialismus zu retten. Einerseits fragte er sich vorsichtig, ob vielleicht schon in der Sowjetunion selbst eine Entwicklung eingesetzt habe, die die Restauration des Kapitalismus begünstige (und dies im Jahre 1968, wo diese Entwicklung offensichtlich war), andererseits hielt er das Banner des sozialistischen Lagers und deren Herzstück, die Sowjetunion hoch. …

'In unserem Land', rief er damals aus, 'werden sich solche Bedingungen (wie in der Tschechoslowakei, Red.) nie ergeben. Weil wir glauben, daß es eine grundsätzliche Pflicht und eine grundsätzliche Verantwortung der Führung der Revolution ist, Deformationen dieser Art, die solche Bedingungen ermöglichen, zu verhindern.'"
Q: Rote Fahne Nr. 50, Dortmund 5.7.1972, S. 7

21.08.1968:
Laut 'Rote SDAJ-Opposition' findet eine Demonstration in Mannheim gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in die CSSR ("revisionistische Invasion") und für den Sozialismus statt. Ein großer Teil der SDAJ Mannheim der späteren DKP nimmt unter roten Fahnen teil. Nach der Demonstration kommt es zu einer a.o Mitgliederversammlung der SDAJ Ortsgruppe Mannheim. Eine Resolution gegen den Einmarsch in die CSSR wird von einer Nehrheit der Mitglieder verabschiedet. In ihr heißt es u.a.:"
Die militärische Intervention der UdSSR in die CSSR ist ein Eingeständnis der politischen Schwäche."
Es kommt zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen SDAJ-Anhängern und sogenannten Antirevisionisten, die erst endeten, als die Polizei einschritt. Die in der Opposition stehende Gruppe wird daraufhin aus der SDAJ in Mannheim ausgeschlossen.

Der 21. August gilt als Gründungstag der nun erscheinenden Zeitschrift 'Rote-SDAJ-Opposition', später 'Rebell' (vgl. 26.8.1968).
Q: Modau, Helmut: Zur Geschichte der KPD/ML und des KABD, o.O. 1979, S. 9af; GRW: Rebell (Reprint), Frankfurt 1978, S. III, S. 1;MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, I. Teil, Stuttgart 1985, S. 37f;Rote-SDAJ-Opposition Nr. 1, Mannheim Aug. 1968

21.08.1968:
Laut 'apo press' München tagen heute die Münchener APO-Basisgruppen (vgl. 14.8.1968, 28.8.1968).
Die Basisgruppe Nord beschäftigt sich u.a. mit den Vorgängen in der CSSR. Weiter will "die Gruppe in Zusammenarbeit mit der SDAJ (der späteren DKP, d.Vf.) … nächste Woche vor den BMW Flugblätter zum Antikriegstag am 1.9. verteilen; außerdem hat die SDAJ ein Flugblatt vorbereitet, das am 1.9. vor den Kasernen verteilt wird … Die anschließende Diskussion über die Vorgänge in der CSSR erbrachte keine Übereinstimmung der Standpunkte".

Auch die Basisgruppe West beschäftigt sich mit der CSSR:"
Die Mehrheit der Anwesenden verurteilte die bewaffnete Intervention und bezeugte mehr oder minder vorbehaltlose Sympathie gegenüber Dubcek und seiner Gruppe; es gab aber auch Kritiker sowohl der Sowjets als auch der Prager Reformer: sie warfen den Sowjets stalinistischen Bürokratismus, Pervertierung oder gar Eliminierung des sozialistischen Internationalismus, Verrat an den Revolutionären in der Dritten Welt - den Prager Reformern Herausbildung einer neuen, wenn auch demokratischeren 'Führungsclique' (Technokraten), keine Bewußtseinsbildung und Selbstorganisation von der Basis her vor. Eine Gruppe befürwortete die sowjetische Intervention vorbehaltslos … Alle Anwesenden waren sich aber einig, daß die APO es jetzt schwerer haben würde, die Bevölkerung dem kapitalistischen System zu entfremden und die Vorteile des Sozialismus ins rechte Licht zu rücken."

Neben dem Thema 'Mitbestimmung' diskutierte die Basisgruppe Ost "die jüngsten Ereignisse in der CSSR".
"Die Anwesenden waren sich einig, daß die Reaktion die Vorgänge in der CSSR zu einer antikommunistischen Kampagne ausnützen wird. Keine Einigkeit wurde erzielt, inwieweit die Aktion der Staaten des Warschauer Paktes vom sozialistischen Standpunkt her gerechtfertigt sei oder nicht. Mangels ausreichender Informationen über die Entwicklung in der CSSR in den letzten Jahren, über die tatsächlichen Vorgänge und Hintergründe, sah sich die Basisgruppe nicht in der Lage, verbindlich für oder gegen die Besetzung der CSSR Stellung zu beziehen."
Q: apo press Nr. 13, München 25.8.1968, S. 11f

21.08.1968:
Laut 'apo press' München findet in Augsburg eine Protestdemonstration der APO gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die CSSR statt. "Die Aktion wurde von den antiautoritären Gruppen der Augsburger APO vorbereitet, unterstützt und durchgeführt. Es beteiligten sich aber auch Mitglieder des SHB, der Jungsozialisten, der Gewerkschaften und Leute, die sich aus humanitären und ähnlichen Gründen spontan dem Demonstrationszug anschlossen. … Folgende Losungen wurden auf Transparenten und Plakaten verwendet:
1. Für Sozialismus, gegen Parteidiktatur,
2. Heute CSSR, morgen Rumänien,
3. CSSR, Vietnam der Sowjetunion,
4. Russen raus aus der CSSR,
5. Für sozialistische Basisrevolution.
Außerdem wurden rote und schwarze Fahnen mitgeführt. … Unsere Aufgabe ist es, die politische Problematik dieser Aggression einiger Warschauer-Pakt Staaten … in der Bevölkerung zu vertreten und zu verbreiten."
Q: apo press Nr. 13, München 25.8.1968, S. 7

21.08.1968:
In Berlin tritt erstmals auf einer Senatsdemonstration gegen die CSSR-Invasion das Anarchosyndikalistische Kollektiv auf, welches sich, laut 'BED' im Sommer gründete. Auch andere APO-Gruppen demonstrieren gegen die Invasion.

Die Asten von FU, Kirchlicher Hochschule (KiHo) und TU, die Falken, der RC, SDS und SHB riefen mit einem gemeinsamen Flugblatt auf zum Teach in um 14 Uhr im Audimax der TU und zur Demonstration von dort um 17 Uhr zum Olivaer Platz.
Q: Berliner Extra Dienst Nr. 68, Berlin ****1968; Asten FU, KiHo, TU, Falken, RC, SDS, SHB: An die Zentralkomitees der Parteien der intervenierenden Staaten, Berlin 21.8.1968

Berlin_TU_1968_375


24.08.1968:
Laut 'apo press' München findet in München wahrscheinlich heute eine Kundgebung gegen den Einmarsch in die CSSR statt, zu der u.a. auch der AStA der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) aufgerufen hat:"
Mitglieder der USG (Unabhängige Schülergemeinschaft) und der ISK (Internationale Studentischer Kriegsdienstgegner) beteiligten sich … an der CSU/SPD/DGB-Kundgebung … auf dem Königsplatz, um den anwesenden Kundgebungskonsumenten die Widersprüchlichkeit im Verhalten der bundesdeutschen Politiker zu verdeutlichen. Mit Flugblättern, in denen das militärische Eingreifen der UdSSR verurteilt wurde, erinnerten die Schüler und Studenten an den mit offenem Beifall der CSU bedachten US-Imperialisten, verwiesen auf die Inkompetenz der Jungen Union (JU, d.VF.) … Um eine Rote Fahne geschart, stellten sie sich in die Menge und forderten in Sprechchören immer wieder nach Diskussion … Um die Fahne entbrannten Kämpfe, Fausthiebe wurden verteilt und Tränengas geworfen … Schließlich wurde versucht, die Fahne in Brand zu stecken … Trotzdem gelang es, die starre, ablehnende und emotional aufgeladene Haltung der meisten Kundgebungsteilnehmer soweit aufzuweichen, daß sich schließlich 20 Diskussionsgruppen bildeten."
Q: apo press Nr. 13, München 25.8.1968, S. 7

25.08.1968:
Es erscheint die 'apo press' München Nr. 13 (vgl. 18.8.1968, 1.9.1968). Die Ausgabe beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Einmarsch der Warschauer Paktstaaten in die CSSR und den Stellungnahmen dazu.

Die Kampagne für Demokratie und Abrüstung (KfDA) "verurteilt den nun erfolgten Einmarsch von Truppen der UdSSR, der DDR und der Volksrepubliken Polen, Ungarn und Bulgarien in die CSSR; sie fordert den Rückzug dieser Interventionstruppe. Die militärische Intervention der Warschauer Pakt-Staaten steht in absolutem Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht der Völker und zu dem Recht sozialistischer Staaten auf den eigenen Weg zum Sozialismus; sie ist unvereinbar auch mit dem wohlverstandenen Interesse des sowjetischen Volkes und des internationalen Sozialismus. Diese Intervention stärkt objektiv jene politischen Kräfte im Westen, die den Antikommunismus und die Rüstungspolitik forcieren und die Demokratie im eigenen Lande abbauen. Die Kampagne für Demokratie und Abrüstung wendet sich zugleich gegen die Rüstungs- und Notstandspolitiker im eigenen Lande … Die Kampagne für Demokratie und Abrüstung sieht durch die jüngsten Vorgänge ihre politischen Forderungen bestätigt: Die Militärsysteme NATO und Warschauer Pakt müssen aufgelöst werden. Die Kampagne für Demokratie und Abrüstung ruft dazu auf, sich der gesamteuropäischen Opposition gegen den Militarismus, für Abrüstung und demokratische Emanzipation anzuschließen. Für den eigenen Weg der CSSR zum Sozialismus - Gegen Stalinismus! Intervention stärkt Antikommunismus - Schluß mit der Intervention - Schluß mit Antikommunismus! Für Demokratisierung der CSSR - Gegen Notstandsgesetze (NSG, d.VF.) in der Bundesrepublik!"

Der Republikanische Club (RC) Augsburg "erklärt sich solidarisch mit der Bevölkerung der CSSR, weil sie jeden Eingriff eine Staates in die Souveränität eines anderen verurteilt; gleich ob es sich um die Intervention der USA in Vietnam und lateinamerikanischen Staaten oder die Besetzung der CSSR durch Truppen der Sowjetunion und ihrer Verbündeten handelt … weil sie den Versuch begrüßt, die erstarrten bürokratischen Formen der Parteidiktatur aufzulockern und die persönlichen Freiheitsrechte des Bürgers zu erweitern … Die außerparlamentarische Opposition wendet sich entschieden gegen die Politik der Sowjetunion, weil sie ihre Satellitenstaaten in militärischer, ökonomischer und politischer Abhängigkeit hält, ihnen vorschreibt, was Sozialismus sei und alle Demokratisierungsversuche im Keim erstickt, weil die Sowjetunion eine Außenpolitik betreibt, die sich kaum von der imperialistischen Großmachtpolitik der USA unterscheidet und damit den Sozialismus diskreditiert."

Der Republikanische Club (RC) München e. V. stellt u.a. fest, daß "der Einmarsch der Truppen von fünf Staaten des Warschauer Paktes in die CSSR inhaltlich wie formal ein Akt klassischer imperialistischer Machtpolitik ist … Das zynische Vorgehen der fünf Staaten des Warschauer Paktes bestärkt die USA in ihrer Völkermord-Politik, es bestärkt generell alle reaktionären Kräfte in ihrem ignoranten Antikommunismus, es bringt alle Bemühungen der Linken in westlichen Ländern in weiteren Mißkredit. Die Chance der Linken - auch in der Bundesrepublik - liegt einzig darin, sich in einem schmerzhaften Klärungsprozeß von all jenen falschen Verbündeten zu distanzieren, denen der Sozialismus zu einem Lippenbekenntnis verkommen ist, das lediglich Tarnfunktion besitzt und eine lebendige Weiterentwicklung des Sozialismus zur Not mit Waffengewalt zu verhindern weiß".

In einer Stellungnahme des SDS ist u.a. festgehalten:"
Der SDS fordert den Abzug der Warschauer-Pakt-Truppen aus der CSSR; wir werden uns aber nicht in die bürgerliche Empörungsfront einreihen und werden es auch nicht wie die westeuropäischen KPs dabei bewenden lassen, die Warschauer-Pakt Intervention zu bedauern. Der Verzicht auf die Kritik am Revisionismus der KPdSU und der anderen osteuropäischen KPs würde den Weg zu einer sozialistischen Praxis in den hochindustriellen Ländern versperren. Die Kritik am Revisionismus muß praktisch werden sowohl durch die Unterstützung des antiimperialistischen Befreiungskampfes in der Dritten Welt als auch in einem durch Selbsttätigkeit und Selbstorganisation der Betroffenen bestimmten konsequenten Kampf in den hochindustrialisierten Ländern."

Der SHB erklärt in einer Stellungnahme an das ZK der SED der DDR u.a.:"
Der Einmarsch der Truppen der DDR, UdSSR und der Volksrepubliken Polen, Ungarn und Bulgarien ist ein historischer Fehler … Genossen, die Korrektur dieses Fehlers schadet nicht dem Kommunismus; im Gegenteil, sie wird die politische Stärke und die moralische Kraft des Sozialismus erhöhen. Die westdeutschen Sozialisten und Kommunisten stehen im harten Kampf gegen den Imperialismus. Gegen alle Widerstände sind wir mit aller Kraft für den Sozialismus und für die Anerkennung und Würdigung der DDR eingetreten. Als Freunde und Genossen beschwören wir Euch, das Gebot der Stunde zu erkennen. Rückzug der Truppen aus der CSSR!"

Berichtet wird auch über Proteste gegen die CSSR-Invasion in München (vgl. 24.8.1968, 26.8.1968) und Augsburg (vgl. 21.8.1968) und die letzten Treffen der APO-Basisgruppen München (vgl. 21.8.1968).
Q: apo press Nr. 13, München 25.8.1968

25.08.1968:
In Berlin erscheint vom Aktionskreis Schüler-Selbsthilfe (ASH) das 'Nachrichtenblatt' Nr. 3 (vgl. 11.7.1968, 1.9.1968). Enthalten ist laut dem Text auch ein Flugblatt zur CSSR-Demonstration am 27.8.1968. Uns lag ein solches - nicht angeheftet - vor von ASH, KSG und NRT (neuer roter turm).
Q: Nachrichtenblatt Nr. 3, Berlin 25.8.1968; ASH, KSG, neuer roter turm: 'Wir wollen nicht, o. O., O. J. (1968)

B_Schuelerbewegung_Nachrichtenblatt_1968_Nr_03

B_Schuelerbewegung_ASH_KSG_1968_CSSR_1

B_Schuelerbewegung_ASH_KSG_1968_CSSR_2


26.08.1968:
In Mannheim erscheint vermutlich in dieser Woche datiert auf August erstmals die 'Rote-SDAJ-Opposition - leninistisch-antirevisionistisch' (vgl. Sept. 1968), später 'Rebell'. Für die nächste Ausgabe wird ein Artikel zur CSSR-Intervention angekündigt.
Q: Rote-SDAJ-Opposition Nr. 1, Mannheim Aug. 1968

26.08.1968:
Laut 'apo press' München findet wahrscheinlich heute in München eine Protestveranstaltung der DFG/IdK e.V. und der USG gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR statt. Die Veranstaltung steht "unter der Forderung nach Abzug der in der CSSR einmarschierten Truppen der Warschauer-Pakt-Armeen".
Q: apo press Nr. 13, München 25.8.1968, S. 7

27.08.1968:
Es erscheint das Flugblatt Nr. 12 der Basisgruppe des SDS Heidelberg (vgl. 10.7.1968, Sept. 1968) zur Invasion in der CSSR.

Eingeladen wird zur Arbeiterversammlung am 30.8.1968 im Cafe Roma in der Hauptstrasse.
Q: Basisgruppe des SDS Heidelberg: Flugblatt Nr. 12, Heidelberg 27.8.1968

Heidelberg_SDS030

Heidelberg_SDS031

Heidelberg_SDS032


27.08.1968:
Laut 'apo press' München findet in München ein Koordinationstreffen der APO statt. Das Treffen wurde von den "Ereignissen in der CSSR überschattet". "Vor allem die anwesenden Vertreter der Kampagne (KfDA, d.VF.), des Arbeitskreises für Fragen des Zeitgeschehens sowie der Mehrheit der Basisgruppen waren der Meinung, daß das für den 1.9. vorbereitete Flugblatt 'Wird die Bundeswehr auf Sie schießen?' nicht ohne einen auf die Ereignisse in der CSSR bezogenen Zusatz verteilt werden könne. Die Mehrheit einigte sich auf einen Zusatztext, der für die angekündigte Diskussion auch das Thema CSSR in Aussicht stellt … Nach langen, heftigen Debatten schloßen die Organisationsvertreter einen Kompromiß. Ebenso einstimmig beschloß man, die Aktion zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in vollem Umfang durchzuführen."
Q: apo press Nr. 14, München 1.9.1968, S. 4

27.08.1968:
Auf der Berliner Schülerdemonstration gegen den CSSR-Einmarsch verteilt vermutlich die Rote Garde ihre Solidaritätsadresse an die Tschechoslowakische revolutionäre Jugend.

Ein gemeinsames Flugblatt wird von ASH, KSG und neuer roter turm (NRT) verteilt, welches auch auf den Vietnamkrieg hinweist.

Zum Ablauf der Veranstaltung gibt die Rote Garde Berlin später ein Flugblatt heraus, welches sich u.a. gegen die 'Bürokraten' richtet, die dort redeten.

Das Solidaritätskomitee (manchmal: Köln-Kalk) Freispruch im Kölner Vietnamprozeß (vgl. 30.9.1975) berichtet über Horst Mahler (später RAF) vermutlich von heute:"
Im August 1968 rief er zusammen mit Genossen des SDS zur Solidaritätsdemonstration mit dem Volk der Tschechoslowakei vor dem Westberliner Konsulat auf, unter den Parolen: AMIS RAUS AUS VIETNAM, RUSSEN RAUS AUS PRAG!"
Q: Solidaritätskomitee Freispruch im Kölner Vietnamprozeß: Nachrichtendienst Vietnamprozeß Nr. 4, Köln O. J. (1975), S. 5; Schlomann/Friedlingstein: Die Maoisten, Frankfurt 1970, S. 255;ASH, KSG, neuer roter turm: 'Wir wollen nicht, o. O., O. J. (1968);RG Berlin: Solidaritätsadresse an die Tschechoslowakische revolutionäre Jugend, Berlin O. J.;RG Berlin: Wollten wir die Veranstaltung…, Berlin O. J.

B_Schuelerbewegung_RG_Solidaritaetsadresse_CSSR_1

B_Schuelerbewegung_RG_Solidaritaetsadresse_CSSR_2

B_Schuelerbewegung_RG_Wollten_wir_die_Veranstaltung_1

B_Schuelerbewegung_RG_Wollten_wir_die_Veranstaltung_2


28.08.1968:
Laut 'apo press' München finden in München Treffen der Basisgruppen der APO (vgl. 21.8.1968, 4.9.1968) statt.

Vom Treffen der Basisgruppe West wird berichtet:"
Die Mehrheit der Basisgruppe war der Auffassung, daß die APO nicht zu den Ereignissen in der CSSR schweigen dürfe, die Diskussion über die Okkupation der CSSR erbrachte auch diesmal keine einhellige Meinung."

In der Basisgruppe Nord wird von einem Teil der Basisgruppe "heftige Kritik an der Flugblattaktion zum Antikriegstag" geübt:"
Angesichts der Ereignisse in der CSSR hielt es diese Gruppe für taktisch äußerst ungeschickt, ein Flugblatt zu verteilen, daß vor der Besetzung der CSSR entworfen wurde. Um die Einheit der APO jedoch nicht weiter zu gefährden, erklärten sich die Kritiker der Aktion bereit, bei der Flugblattverteilung mitzuwirken. Fast alle Anwesenden waren sich einig, daß die Veranstaltung am 1. September nicht stattfinden sollte, da diese nach ihrer Meinung zu einem Fiasko für die weitere Arbeit der APO ausarten würde. Die Basisgruppe beschloß, sobald als möglich eine Flugblattaktion zu starten, mit der die Bevölkerung auf die heuchlerische Aktion der westlichen Staaten auf die Besetzung der CSSR hingewiesen werden soll."
Q: apo press Nr. 14, München 1.9.1968, S. 6ff

28.08.1968:
Der AStA der FU Berlin gibt seine 'Materialien zur CSSR' Nr. 1 (vgl. 28.8.1968) heraus mit dem Text "Auszüge aus dem Teach-in zur Invasion der CSSR am 21.4.68", der sich gliedert in die Abschnitte:
- "Verteidigung der privilegierten Stellung der Bürokratie" von Klaus Meschkat;
- "Alternative zum Stalinismus und Rückkehr zum Kapitalismus" von Christian Semler;
- "Ökonomischer Revisionismus" von Peter Strotmann;
- "Ende des Anspruchs der Sowjetunion" von Wolfgang Lefevre;
- "Prag ist nicht gleich Vietnam" von Ekkehard Krippendorf; sowie
- "Offener Brief an die Zentralkomitees der 5 Staaten" vom 21.8.1968.
Q: AStA FU: Materialien zur CSSR Nr. 1, Berlin 28.8.1968

Berlin_FU_1968_035

Berlin_FU_1968_036

Berlin_FU_1968_037

Berlin_FU_1968_038

Berlin_FU_1968_039

Berlin_FU_1968_040


September 1968:
Vermutlich im September erscheint die 'Was tun' Nr. 3 (vgl. Juli 1968, Sept. 1968) für August/September mit dem Artikel
"Gegen die Intervention in der CSSR" und der "Plattform des Prager Clubs (Vereinigung der marxistischen und leninistischen Linken)" in der CSSR.
Q: Was tun Nr. 3, Mannheim Aug./Sept. 1968, S. 2f und 15f

GIM_Was_tun_1968_03_02

GIM_Was_tun_1968_03_03

GIM_Was_tun_1968_03_15

GIM_Was_tun_1968_03_16


September 1968:
Die Septemberausgabe des 'Roten Morgens' (RM - vgl. Aug. 1968, Nov. 1968) erscheint. Im Leitartikel "Die marxistisch-leninistische Bewegung wächst und erstarkt." wird u.a. ausgeführt:"
Die letzten Wochen, der letzte Monat brachten ein verstärktes Anwachsen, eine zunehmende Aktivierung der Arbeit der marxistisch-leninistischen Gruppen in Westdeutschland. Der totale Bankrott des modernen sowjetischen Revisionismus, seine völlige Entlarvung als 'sozial-imperialistisches System' durch den Überfall auf die CSSR, stärkten die Reihen der marxistisch-leninistischen Weltbewegung und vergrößerten die Zwietracht, die Widersprüche im revisionistischen Lager. In mehreren westdeutschen Großstädten fanden Demonstrationen statt und wurde in Flugblättern das Vorgehen der Sowjetrevisionisten und ihrer Satelliten gegen die CSSR scharf verurteilt. In einer Flugschrift der 'GRUPPE ROTER MORGEN MANNHEIM und der MARXISTEN/LENINISTEN TÜBINGEN zur Lage in der CSSR' wird der Kampf der beiden revisionistischen Linien Novotny und Dubcek in der CSSR aufgezeigt und anhand zahlreicher Fakten bewiesen, daß … die Diktatur des Proletariats abgeschafft und ihre Liquidierung mit hohlen Phrasen überdeckt wurde … In einer vorläufigen Erklärung der GRUPPE ROTER MORGEN MANNHEIM zur Besetzung der CSSR durch die Sowjetrevisionisten und ihre Handlanger heißt es:
'Wir Kommunisten sind empört, daß die durch die sowjetrevisionistische Renegatenclique und ihrer Handlanger erfolgte Besetzung der CSSR unter dem Vorwand geschah, die leninschen Prinzipien wiederherzustellen' … In einer Sonderausgabe der FREIHEIT (Kommunistische Monatszeitschrift für Rhein und Ruhr) wird die Annexion der CSSR durch die Truppen der sowjetischen Revisionisten und ihrer Satelliten voller Abscheu verurteilt … Die FSP/ML schreibt in ihrer Erklärung: 'Besonders bestürzt sind wir darüber, daß deutsche Soldaten an diesem Aggressionsakt beteiligt sind. Wir deutschen Kommunisten verurteilen dies auf das allerschärfste. Die Ulbricht-Clique hat damit wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt … Doch nicht nur anläßlich des Überfalls auf die CSSR, auch zu anderen Anlässen verstärkten die Marxisten-Leninisten in Westdeutschland ihre politische Aktivität.
Q: Roter Morgen, Hamburg Sept. 1968

September 1968:
Vermutlich im September erscheint das Flugblatt Nr. 14 der Basisgruppe des SDS Heidelberg (vgl. 27.8.1968) unter der Schlagzeile "Was die revolutionären Sozialisten aus der Politik der KPdSU lernen!" zur Invasion in der CSSR.
Q: Basisgruppe des SDS Heidelberg: Flugblatt Nr. 14, Heidelberg O. J. (1968)

Heidelberg_SDS034

Heidelberg_SDS033


September 1968:
Die Nr. 2 der 'Roten SDAJ-Opposition' (vgl. 26.8.1968, Okt. 1968) erscheint in Mannheim mit dem Leitartikel "Hat die Invasion in der CSSR etwas mit Stalinismus zu tun?" und dem Artikel "Spaltung der 'SDAJ-Ortsgruppe' Mannheim durch Revisionisten, Rowdys, Renegaten".
Q: Rote SDAJ-Opposition Nr. 2, Mannheim Sept. 1968, S. 1ff

Rebell424

Rebell425

Rebell426

Rebell427


September 1968:
An der TU Berlin wird von Eberhard Udem vermutlich im September der Text "Die Intervention in der CSSR" verfasst.
Q: Udem: Die Intervention in der CSSR, O. O. (Berlin) o. J. (1968)

Berlin_TU_1968_376

Berlin_TU_1968_377

Berlin_TU_1968_378


September 1968:
In Berlin erscheint vermutlich im September die Nr. 5 der 'Linkeck' (vgl. 24.6.1968, Nov. 1968) mit dem Artikel "Es lebe die Sowjet-Union" zur CSSR-Invasion.
Q: Linkeck Nr. 5, Berlin O. J. (1968), S. 2

Linkeck045


September 1968:
In Frankfurt erscheint die 'Arbeiter Schüler Studenten Zeitung' Nr. 5 als Extrablatt des 'Diskus' (vgl. Juli 1968, 1.10.1968) mit der Schlagzeile "Cohn Bendit: Wer über Vietnam nicht reden will, soll über die Intervention der Sowjets schweigen" zur CSSR und den Artikeln:
- "Geheuchelte Entrüstung" von H. Lohaus;
- "Scheinkompromiß";
- "Wir müssen unseren eigenen Weg gehen" von Klaus Meschkat;
- "Wirtschaft in der Tschechoslowakei" von Brigitte Heinrich;
- "Wandlung des Antikommunismus";
- "Autoritärer Obrigkeitsstaat"; sowie
- "Die sowjetische Intervention in der CSSR. Fragen und Antworten" von Helmut Dehmer.
Q: Diskus Extrablatt Arbeiter Schüler Studenten Zeitung Nr. 5, Frankfurt Sept. 1968

11.09.1968:
Laut 'apo press' München soll heute in München ein Podiumsgespräch der Arbeitsgemeinschaft für politische Bildung zum Thema 'Die Intervention in der CSSR und die Folgen für die europäische Linke' stattfinden. Gesprächsteilnehmer sollen sein: Carl Amery, Jörg Högemann, Heinz Huber, Yaak Karsunke, Gernot Schubert.
Q: apo press Nr. 14, München 1.9.1968, S. 13

11.09.1968:
Der AStA der FU Berlin gibt seine 'Materialien zur CSSR' Nr. 2 (vgl. 28.8.1968, 15.11.1968) heraus mit dem Text "Fidel Castro zur CSSR", der sich gliedert in die Abschnitte:
- "Wirtschaftsbeziehungen zum Westen";
- "Die Rolle der Partei";
- "Der Standpunkt der Intellektuellen";
- "Analyse der Ursachen";
- "Internationalismus"; sowie
- "Friedliche Koexistenz".
Q: AStA FU: Materialien zur CSSR Nr. 2, Berlin 11.9.1968

Berlin_FU_1968_029

Berlin_FU_1968_030

Berlin_FU_1968_031

Berlin_FU_1968_032

Berlin_FU_1968_033

Berlin_FU_1968_034


12.09.1968:
Es beginnt in Frankfurt die 23. ordentliche Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Sie dauert bis zum 18.9.1968. Laut 'apo press' München wird u.a. von den Gruppen Frankfurt und Berlin ein CSSR-Antrag vorgelegt, der versucht, den Eingriff der UdSSR als "sozialimperialistischen Eingriff der Sowjetunion" darzustellen:"
Dieser Begriff provozierte Genossen, insbesondere aus der Marburger Gruppe zur Verleugnung der Ausbeutung aller Satellitenstaaten über ungleiche Handelsverträge durch die UdSSR … Im übrigen wurde in der Diskussion die Einschätzung der Liberalisierung in der CSSR unter dem Aspekt einer revolutionären Entwicklung behandelt".
Q: apo press Nr. 18, München 30.9.1968, S. 2ff

14.09.1968:
Laut 'apo press' München beginnt in Offenbach eine zweitägige Zentrale Ausschußsitzung der Kampagne für Demokratie und Abrüstung. "Auf der Tagesordnung stand eine Erklärung zur CSSR … sowie der Krieg in Nigeria, die geplanten Aktionen gegen die Militärblöcke, die Haltung der Kampagne zur Bundestagswahl 1969 und allgemeine organisatorische Probleme. Einen großen Teil der Zeit nahmen die Debatten zur CSSR ein. Hierbei wurde die grundsätzliche Haltung der Kampagne … bestätigt. Die schließlich verabschiedete Erklärung, in der das Verhalten der UdSSR und der übrigen fünf sozialistischen Staaten verurteilt wird, erschien vielen (die sich bei der Abstimmung der Stimme enthielten bzw. opponierten) nicht ausreichend."
Q: apo press Nr. 16, München 16.9.1968, S. 16

15.11.1968:
Der AStA der FU Berlin gibt vermutlich Ende dieser Woche seine 'Materialien zur CSSR' Nr. 3 (vgl. 11.9.1968, 20.11.1968) heraus mit der "Abschrift eines Briefes des Aktionskomitees 17. November CSSR" an den SDS vom Nov. 1968 und der Antwort des AStA FU und des SDS vom 14.11.1968.

Angekündigt wird eine CSSR-Veranstaltung, u.a. mit Elmar Altvater, Erlangen, am 21.11.1968 im Audimax der FU.
Q: AStA FU: Materialien zur CSSR Nr. 3, Berlin o. J. (1968)

Berlin_FU_1968_046

Berlin_FU_1968_047


18.11.1968:
Der AStA der FU Berlin gibt vermutlich Anfang dieser Woche seine 'Materialien zur CSSR' Nr. 3 (vgl. 15.11.1968) heraus mit dem Text "Diskussion in einer ad hoc-Gruppe", der sich gliedert in die Abschnitte:
- "I. Rekapitalisierung des Wirtschaftssystems in der CSSR";
- "II. Ablösung von Führungseliten oder sozialistische Entwicklung?"; sowie
- "III. Imperialistische Globalstrategie".

Angekündigt wird die CSSR-Veranstaltung am 21.11.1968 im Audimax der FU.
Q: AStA FU: Materialien zur CSSR Nr. 3, Berlin o. J. (1968)

Berlin_FU_1968_048

Berlin_FU_1968_049

Berlin_FU_1968_050

Berlin_FU_1968_051


11.03.1969:
In Berlin soll, laut 'Agit 883', im Jugendfreizeitheim (JFH) am Friedrich Wilhelm Platz um 19 Uhr 30 eine Veranstaltung "Intervention in der CSSR" stattfinden.
Q: Agit 883 Nr. 4, Berlin 6.3.1969, S. 3

18.04.1969:
Die Nr. 9 der 'RPK' (vgl. 11.4.1969, 20.4.1969) erscheint mit dem Artikel "Maikampagne", ein Brief an die SEW, der für das Sozialistische Maikomitee von Tilman Fichter, Hans Jürgen Grune, Jürgen Horlemann, Dietrich Kreidt, Peter Neitzke, Bernd Rabehl, Christian Semler und Dieter Sturm unterzeichnet und der SEW am 17.4.1969 überreicht worden war. Dazu heißt es auch, die SEW habe "keine Theorie und Praxis des europäischen Klassenkampfes". Sie meine, "während die NATO als Bürgerkriegsarmee sich auf die Zerschlagung von westeuropäischen Befreiungsbewegungen umgestellt hat", im "Verein mit den prosowjetischen kommunistischen Parteien einen unverbindlichen Internationalismus der Tat propagieren zu müssen". Die SEW beschränke sich auf "nichtssagende Solidaritätserklärungen, haltlose Beschimpfungen der Volksrepublik China und auf Wiederholung der sowjetischen Ansichten zur Intervention in der CSSR".
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr. 9, Berlin 18.4.1969, S. 2

27.06.1969:
Es erscheint die Berliner 'RPK' Nr. 19 (vgl. 20.6.1969, 4.7.1969). Im Artikel "Einheit auf Kosten des Klassenkampfes. Kommentar zum Moskauer Weltkongress" von Bernd Rabehl werden zunächst die Positionen der Sowjetunion und der SEW dargestellt. Argumentiert wurde zur Frage der "Einheit der kommunistischen Weltbewegung" mit der chinesischen "Polemik" und mit Stalin. Rabehl missbilligt die Invasion von 1968 in der CSSR, die mit "militärischer Gewalt" durchgeführt wurde. Der "internationale Klassenkampf" sei durch die "Einheit des Revisionismus" diffamiert worden.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr. 19, Berlin 27.6.1969, S. 3ff

RPK_1969_019_03

RPK_1969_019_04

RPK_1969_019_05


18.08.1969:
In Berlin gibt Spartacus-IAfeKJO vermutlich Anfang dieser Woche ein Flugblatt heraus mit dem Aufruf zur CSSR-Demonstration am 21.8.1969.
Q: Spartacus - IAfeKJO: Als vor einem Jahr…, O. O. (Berlin) O. J. (1969)

Berlin_Spartacus_112


18.08.1969:
In Berlin unterrichtet die Leitung von Spartacus - IAfeKJO ihre Mitglieder davon, daß am 20.8.1969 ein Teach-In '1 Jahr CSSR Invasion' in der TU stattfinden soll. Am 21.8.1969 soll eine Demonstration aus dem selben Anlaß vom Hermannplatz zum Alliierten Kontrollrat durchgeführt werden.
Q: Spartacus - IAfeKJO: 18.8.69, Berlin 18.8.1969

20.08.1969:
Die Rote Garde (RG) West-Berlin veranstaltet ein Teach-in '1 Jahr CSSR-Invasion' in der TU, auf dem zu einer Demonstration für den 21. August vom Hermannplatz in Neukölln bis zum Alliierten Kontrollrat aufgerufen wird. Teach-in und Demonstration stehen unter folgenden Parolen: "Unterstützt den revolutionären Kampf des tschechoslowakischen Volkes! Gegen das Komplott des Sowjetimperialismus mit dem US-Imperialismus!".

Spartacus-IAfeKJO vertreibt dort seine Flugschrift "CSSR 69 - Krise des Stalinismus".
Q: Spartacus - IAfeKJO: CSSR 69 - Krise des Stalinismus, Berlin 20.8.1969; Rote Pressekorrespondenz Nr. 27/28, Berlin 21.8.1969, S. 7f

RPK_1969_027_028_07

RPK_1969_027_028_08


20.08.1969:
In Berlin gibt Spartacus-IAfeKJO die Flugschrift "CSSR 69 - Krise des Stalinismus" zum Preis von 20 Pfennig heraus, mit den Abschnitten:
- "Zur ökonomischen Krise in den bürokratisch degenerierten Arbeiterstaaten";
- "Von der ideologischen Krise zum Zusammenbruch des Monolithismus der SU";
- "Zur Rolle der Studenten";
- "Der technokratisch-'demokratische' Weg";
- "Politische Revolution und Weltrevolution".
Q: Spartacus - IAfeKJO: CSSR 69 - Krise des Stalinismus, Berlin 20.8.1969

21.08.1969:
In Berlin findet, laut KPD/ML, "aus Protest gegen den sozial-imperialistischen Überfall durch die Truppen des Warschauer Paktes auf die CSSR" eine Demonstration statt, " die allein auf Initiative und unter Leitung der Roten Garde zustande kam und an der sich über 300 Genossen und Rotgardisten beteiligten" (vgl. 20.8.1969). Neben einem Flugblatt zur Mobilisierung verteilt Spartacus - IAfeKJO dort allerdings auch ein Flugblatt 'CSSR 69 - Wen wir unterstützen', so daß wir annehmen, das auch Spartacus zugegen war. In einer Erklärung zur Demonstration der Roten Garde (RG) sprechen sich die Gruppen Rote Zelle Germanistik (Rotzeg), INFI im SDS, AStA-Kollektiv der FU, Sozialistisches Arbeiter- und Lehrlingszentrum (SALZ), Beirat und Redaktion der RPK gegen eine Teilnahme an der Demonstration aus.

Aufgerufen wurde auch durch die Basisgruppe Zehlendorf (vgl. 20.8.1969).
Q: Informationen für die Arbeiter und Angestellten in den Zehlendorfer Fabriken, Berlin 20.8.1969; Spartacus - IAfeKJO: 18.8.69, Berlin 18.8.1969;Spartacus - IAfeKJO: CSSR 69 - Wen wir unterstützen, Berlin 21.8.1969;Roter Morgen, Hamburg Sept. 1969, S. 4;Rote Presse Korrespondenz Nr. 27/28, Berlin 21.8.1969, S. 7f und 13;H.Modau: Zur Geschichte der KPD/ML und des KABD, o.O. 1979, S. 52;Rote Garde: Solidarisiert Euch mit dem Befreiungskampf des tschechoslowakischen Volkes!, Berlin O. J. (1969)

Berlin_Rote_Garde083

Berlin_Rote_Garde084

Berlin_Spartacus_113

Berlin_Spartacus_114


21.08.1969:
Die IKD-Gruppe Frankfurt berichtet:"
Zum Jahrestag der CSSR-Intervention veranstalteten wir gemeinsam mit dem SB (Sozialistisches Büro - SBO, d.Vf.), eine Kundgebung vor 700 Teilnehmern."
Q: IKD-Gruppe Frankfurt: Bericht der Frankfurter Gruppe, Frankfurt 17.11.1969, S. 1f

29.08.1969:
Die Nr. 27/28 der 'RPK' (vgl. 5.8.1969, 5.9.1969) erscheint. Zur Roten Garde Westberlin, die im August 1968 auf einer Schülerdemonstration Flugblätter gegen den CSSR-Einmarsch verteilt und ein gutes Jahr später (am 20. August 1969) ein Teach-In in der TU veranstaltet, auf dem zu einer Demonstration für den 21. August unter den Parolen "Unterstützt den revolutionären Kampf des tschechoslowakischen Volkes!" und "Gegen das Komplott des Sowjetimperialismus mit dem US-Imperialismus" aufgerufen wird, nimmt der Artikel "Die Rote Garde Berlin und der 21. August" von Tilman Fichter und Jürgen Werth Stellung.

Eingangs wird betont, dass es das Verdienst der RG Berlin sei, die "nationale Frage und die Stalin-Frage" wieder in die theoretische Diskussion eingeführt zu haben. Die Autoren kritisieren die Herangehensweise der RG Berlin, die zur KPdSU meint, dass "die revisionistische Politik nach dem Tode Stalins begann, als Chruschtschow die Macht in Staat und Partei an sich riss und damit begann, im ganzen Land den Kapitalismus wiederherzustellen".

"Damit, dass die ROTE GARDE die Geschichte der revolutionären Epoche der KPdSU mit dem Tode Stalins enden lässt", begehe sie "den gleichen Fehler wie diejenigen, die den Revisionismus in der CSSR mit dem Sturz Novotnys und dem Machtantritt Dubceks beginnen lassen".

Weiter wird kritisiert, dass die RG Berlin nicht den Versuch unternimmt, "die Innen- und Außenpolitik Stalins zu analysieren". "Der Kern dieser Analyse" hätte zur Frage vordringen müssen, "welchen Einfluss Stalin auf die Entwicklung der KPdSU und der Kommunistischen Internationale in der Etappe der Entwicklung des Sozialismus in einem Land genommen hat". Die "falsche Behandlung der Stalin-Frage" führe dazu, dass "das antikommunistische Stalin-Syndrom verstärkt wird und jede rationale Auseinandersetzung mit den Fehlern, Verbrechen und Verdiensten Stalins verhindert wird".

Zudem sei die Parole der Unterstützung des "revolutionären Kampfes des tschechoslowakischen Volkes" falsch. Sie unterscheide nämlich nicht "zwischen dem nationalen Widerstand und den Bedingungen eines unterentwickelten Landes und denen eines hochindustriellen Landes im Comecon". Sie verkenne somit, "dass das Klassenbewusstsein in einer durch den Imperialismus ausgebeuteten Kolonie und in einem Land des Warschauer Pakts … nicht miteinander gleichgesetzt werden kann". Heute gäbe es in der CSSR keine "revolutionäre Avantgarde". Diese müsse "erst wieder aufgebaut werden".

Enthalten ist auch ein "Bericht zweier Augenzeugen über die Vorgänge in Prag am 21. August 1969".
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr. 27/28, Berlin 29.8.1969, S. 7f und 13

RPK_1969_027_028_07

RPK_1969_027_028_08

RPK_1969_027_028_13


Letzte Änderung: 17.08.2018