Proteste vor Amerikahäusern in der BRD

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Die in verschiedenen Städten der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin befindlichen Amerikahäuser waren bei zahllosen Protesten, vor allem gegen den Vietnam- bzw. Indochinakrieg, aber auch gegen den US-Imperialismus allgemein oder dessen Rolle in anderen Ländern, wie Griechenland (vgl. 18.11.1973) oder Oman (vgl. Juni 1976) Ziel oder zumindest Zwischenstation von Demonstrationen. Hier kann nur ein kleiner Ausschnitt dieser Proteste geschildert oder erwähnt werden, bei denen es immer wieder auch zu gesetzwidrigen Aktionen kam, die in verschiedenen Städten mit Anlass zu heftigen Repressionen boten, wie u.a.:

Besetzung des Amerika_Hauses 1973 in Heidelberg

Nun zu weiteren einzelnen Amerikahäusern und den uns von dort bekannt gewordenen Protestaktionen.

Aus Westberlin wurden hier zahlreiche Demonstrationen und Kundgebungen erfasst, bei denen es oft zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei oder auch Übergriffen dieser kam, wie bereits einleitend für diese wie immer unvollständige Darstellung (vgl. 27.2.1969), wobei es am 9. mai 1970 bei der Demonstration gegen die US-Invasion in Kambodscha dann auch zum Schußwaffengebrauch der Polizei kam und wenig später zur blitzschnellen Verabschiedung des sog. 'Handgranatengesetzes' (UZwG). Es kam im Vorfeld am 5.5.1970 auch zu einem Brandanschlag auf das Amerikahaus mit späterem Prozeß deswegen (vgl. 28.2.1972, 9.3.1972, 27.3.1972). Andere Demonstrationen führten dann mit oft mehreren Tausend TeilnehmerInnen blieben dann offenbar weitgehend von solcherlei Auseinandersetzungen verschont (vgl. 13.5.1972, 8.7.1972, 28.10.1972), bis die täglichen Proteste gegen die Eskalation der US-Bombenangriffe auf die DR Vietnam (vgl. 27.12.1972, 30.12.1972, 3.1.1973) und die folgende Demonstration (vgl. 20.1.1973) von der Polizei angegriffen werden, was aber weitere Proteste nicht verhindert (vgl. 22.1.1973, 27.1.1973, 24.2.1973, 9.4.1973, 16.10.1973, 25.1.1975), das zentral gelegene Amerikahaus bleibt Bestandteil vieler Demonstrationsrouten. In Westberlin kam es daneben aber auch zu Anschlägen auf das Amerikahaus (vgl. 16.3.1969, 5.5.1970).

In Hamburg gibt es einen Angriff aufs Amerikahaus, was vermutlich Fensterscheiben kostet (vgl. 1.2.1969) und vier Jahre später in ähnlicher Form wiederholt wird (vgl. 7.4.1973).

In Hannover findet eine Belagerung statt (vgl. 21.10.1967), in Heidelberg dagegen wird zunächst für das Amerikahaus geworben, dieses aber dann hartnäckig attackiert.

Während in München gar Universitätsinstitute im Amerikahaus ihre Heimat finden (vgl. 11.2.1969) und dort vermutlich auch später der Protest friedlich bleibt (vgl. 6.2.1971, 4.1.1973, 11.1.1973, 6.8.1973), sich nur der Untergrund militant äußert (vgl. 16.1.1971), kommt es in Stuttgart zu Steinwürfen (vgl. 13.4.1969), aus Ludwigshafen wird die Abgrenzung zwischen DKP und den Linksradikalen geschildert (vgl. 12.3.1971), die auch in Kiel das örtliche Amerikahaus angreifen möchten (vgl. 12.1.1973), während dasjenige in Frankfurt offenbar nicht feuerfest ist (vgl. 20.1.1973).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

21.10.1967:
In Hannover findet eine Vietnamkundgebung auf dem Opernplatz statt. Anschließend wird das Amerikahaus belagert.
Quelle: Hannoversche Studentenzeitung Nr. 1, Hannover 9.11.1967, S. 3

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Februar 1968:
Der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Heidelberg gibt das 'forum academicum' - Heidelberger Studentenzeitschrift Nr. 1 (vgl. Dez. 1967, Juli 1968) heraus. Eine Anzeige wirbt für das Amerika-Haus.
Q: forum academicum Nr. 1, Heidelberg Feb. 1968, S. 20

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05.02.1968:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität sein 'Info' Nr. 76 (vgl. 29.1.1968, 9.2.1968) heraus. Eine Anzeige wirbt für das Amerika Haus.
Q: AStA Uni: Info Nr. 76, Heidelberg 5.2.1968, S. 7

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08.02.1968:
In Tübingen hatte der SDS zur Vietnam-Spaziergangsdemonstration auf, die zum Amerikahaus führt, wo die ca. 400 Teilnehmer einen halbstündigen Sitzstreik durchführen und dann zum Marktplatz weiterziehen. Später kommt es zur Anklage gegen drei Rädelsführer und zum Prozeß am 9.10.1968.
Q: Dokumentation zur Vietnam-Demonstration am 8. Febr. '68 in Tübingen & zum Prozess am 9. Okt. '68 vor dem Amtsgericht gegen Behnken, Winterhagen, Wolf, O. O. (Tübingen) o. J. (1968)

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09.10.1968:
In Tübingen beginnt der Prozeß wegen der Vietnamdemonstration des SDS vom 8.2.1968. In einer Dokumentation von AStA der Universität und SDS werden dokumentiert das Plädoyer des Staatsanwalts, eine Erklärung von Köblitz, der wegen einem Zwischenruf eine Ordnungsstrafe erhalten hatte, und die Schlussworte der Angeklagten.

Die Teilnehmer der Demonstration werden aufgerufen zu Selbstanzeigen.
Q: AStA / SDS: Prozessbericht & Dokumentation zum Prozess gegen Behnken, Winterhagen & Wolf: Plädoyer des Staatsanwalts, Erklärung von Köblitz & Schlussworte der Angeklagten, Tübingen 1968

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25.10.1968:
In Tübingen werden heute, laut SDS, drei Genossen wegen einer Vietnamdemonstration im Februar und einem Go-In nach der Wahl von Nixon und Agnew zu drei Monaten ohne Bewährung wegen Nötigung verurteilt. Aus Protest erfolgt eine "spontane Massenaktion" vor dem Amerikahaus (vgl. 7.11.1968).
Q: SDS-Info Nr. 1, Frankfurt falsches Datum: 4.11.1968, S. 5

07.11.1968:
In Tübingen beschließt das Studentenparlament der Universität heute, laut und auf Antrag des SDS, nicht mehr mit dem Amerikahaus zusammenzuarbeiten (vgl. 25.10.1968, 26.11.1968).
Q: SDS-Info Nr. 1, Frankfurt falsches Datum: 4.11.1968, S. 5

26.11.1968:
In Tübingen findet heute, laut SDS, eine Veranstaltung im Amerikahaus (vgl. 7.11.1968, 27.11.1968) mit dem Journalisten Thilo Koch statt. Der SDS verteilte dazu ein Flugblatt "Jetzt müssen wir endlich mit der Zerschlagung der Amerika-Häuser beginnen!", wobei 500 bis 600 Studenten erscheinen, aber auch Polizei und Burschenschaften bzw. HTS.
Q: SDS-Info Nr. 1, Frankfurt falsches Datum: 4.11.1968, S. 5

27.11.1968:
In Tübingen werden heute, laut SDS, von seiner Projektgruppe 'Zerschlagt das Amerika-Haus!' (vgl. 25.10.1968, 26.11.1968) Flugblätter zur gestrigen Veranstaltung mit Thilo Koch verteilt, die zur heutigen Veranstaltung im Audimax mit Jürgen Horlemann über "Emanzipationsbewegungen in der Dritten Welt" und anschließender Diskussion über die Vorfälle im Amerika-Haus aufrufen.
Q: SDS-Info Nr. 1, Frankfurt falsches Datum: 4.11.1968, S. 5f

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02.12.1968:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität sein 'Info' - Nachrichten für die Studenten der Uni Heidelberg Nr. 85 für Dezember vermutlich in dieser Woche heraus. Eine Anzeige wirbt für das Amerikahaus.
Q: AStA Uni: Info Nr. 85, Heidelberg Dez. 1968, S. 2

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01.02.1969:
In Hamburg besuchen, laut KPD/ML, 1 800 eine Veranstaltung im Audimax gegen Neofaschismus und Imperialismus. Danach werden Amerikahaus, PanAm und US Lines angegriffen.
Q: Roter Morgen Feb. 1969,Hamburg 1969

11.02.1969:
Laut 'apo press' besetzen Studenten des Instituts für Zeitungswissenschaft "das im Amerikahaus untergebrachte Institut und erklärten es zum ersten befreiten Institut der Universität München: Bahman-Nirumand-Institut", womit Bezug auf den Iran genommen wird.
Q: apo press Nr. 6, München 18.2.1969, S. 2

27.02.1969:
In Berlin findet ab 11 Uhr ab Schloß Charlottenburg eine Demonstration gegen den Besuch von USA-Präsident Nixon statt.

Die 'Agit 883' berichtet:"
Gegen 12 Uhr schlugen 4 Bullen den 19-jährigen Schüler Joachim L. … am Amerika-Haus zusammen. Eine eingeworfene Fensterscheibe wurde ihm angelastet. Ihm wurde der rechte Arm drei Mal gebrochen. Eineinhalb Stunden mußte er auf seinen Abtransport ins Krankenhaus warten. Die Bullen, die ihn einlieferten, verschwanden ohne Hinterlassung ihrer Personalien. L … ist Schüler an der Hermann-Hesse-Schule, Klasse 12. Er liegt z.Zt. im Elisabeth-Krankenhaus … . Besucht ihn!! Zeugen und Fotos werden dringend gesucht! Melden im Ermittlungsausschuß (EA,d.Vf.) … . Aussagen NUR an Triem oder Budee. Die Brüche sind äußerst kompliziert und können schwerwiegende Folgen haben."
Q: Agit 883 Nr. 3 und 4, Berlin 27.2.1969 bzw. 6.3.1969, S. 4 bzw. S. 3f

16.03.1969:
In Berlin verfaßt Rolf Ficker folgende Erklärung:"
ERKLÄRUNG

Ich, Rolf Ficker, hatte die Absicht, das 'Amerika-Haus' in West-Berlin, Hardenbergstr., in Brand zu setzen.

Bevor ich zu dem Grund komme, möchte ich feststellen, daß ich Linkssozialist bin. Verehre Che, Castro, Mao, Marx und Engels.

Es reicht nicht, in der Öffentlichkeit etwas gegen den verbrecherischen Krieg der USA in Vietnam zu sagen. Reden allein genügt nicht! Wir haben gelernt, daß Reden ohne Handeln unrecht ist.

Ich gebe zu, daß es Ohnmacht war, die dieser Tat zugrunde lag.

Aber sehr oft steht auf der Seite der Ohnmacht das Recht.

Es sah so aus, als ob die Revolution in der Literatur hängenbleiben würde, ohne an die Praxis heranzukommen.

Ich sah die Gefahr, vom System gefressen und verdaut zu werden, wenn ich nicht zur Gewaltaktion übergegangen wäre.

Es gibt für jede unterdrückte Minderheit das Recht auf Widerstand! Widerstand auch mit außergesetzlichen Mitteln, wenn die gesetzlichen Mittel versagen!

Wir als Deutsche sind verpflichtet, den Krieg der USA in Vietnam nicht nur zu verurteilen, sondern durch gewaltsame Aktionen der Welt zu zeigen, daß es in unserem Land noch Menschen gibt, die aus der schlechten Vergangenheit die Lehre gezogen haben.

Dieses sind wir den hingemordeten unschuldigen Menschen in der ganzen Welt schuldig.

Haben wir alle den Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Westberlin oder den Mordanschlag auf Rudi Dutschke im April 1968 vergessen???

Erkennen wir endlich, wir leben weder in Westberlin noch in Westdeutschland in einer sogenannten Demokratie.

Wir befinden uns auf dem besten Wege zum Neofaschismus!

Denkt an Buchenwald und Dachau!!!"
Q: Agit 883 Nr.6,Berlin 20.3.1969

13.04.1969:
Auf dem Stuttgarter Ostermarsch werden, laut RJ/ML, 1 000 rote Fahnen getragen und 1 000 Sondernummern des 'Rebell' vertrieben. Beim Ostermarsch in Stuttgart kommt es zur Spaltung zwischen einem "militanten Block" und einem "von knapp 200 Leuten … friedlich-koexistenten Block". Rund tausend Demonstranten des "militanten Blocks" ziehen zunächst zum Amerikahaus, wo sie "gegen das Gebäude einen Steinhagel losließen". Das zweite Ziel der Jugendlichen war das Gebäude der SPD-Funktionäre, das mit dem Ruf "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!" angegriffen wurde. Ein weiteres Ziel der Demonstranten war die Deutsch-Überseeische Bank. Nachher versammelte sich der Block zu einem Teach-in. Auch Vertreter des ZAK verteidigen auf diesem Teach-in die militanten Aktionen und vertreten ein "Programm der fortschrittlich und kämpferischen Jugend".
Q: Rebell Nr. 8, Mannheim Apr. 1969

20.11.1969:
Der SDS Tübingen gibt die 'Kommunistische Studentenzeitung' (KSZ - vgl. 12.11.1969, 9.12.1969) Nr. 2 heraus mit dem Leitartikel "Die Entlarvung der DKP als staatserhaltende Kraft" auf der Vietnam-Demonstration am 15.11.1969 in Stuttgart, wo sich ein DKP-Funktionär über die Steine gegen das Amerikahaus, da von der DKP geschützt wurde, beschwerte.
Q: Kommunistische Studentenzeitung Nr. 2, Tübingen 20.11.1969, S. 1

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04.12.1969:
An der Universität Heidelberg geben der SDS und die Basisgruppe Psychologie das Flugblatt "Hübsche Aussicht vom Amerikahaus mit 'Blick in die 70er Jahre'" heraus zur Tagung über Bildungsfragen im Amerikahaus am 5.12.1969, die verhindert werden soll.
Q: SDS, BG Psych: Hübsche Aussicht vom Amerikahaus mit 'Blick in die 70er Jahre', O. O. (Heidelberg) 4.12.1969

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15.12.1969:
In Köln findet, laut 'apo press', eine erste Vietnamdemonstration (vgl. 20.12.1969) statt, die von SDS, GIM, SJD, AUSS, Trikontinentalem Studentenbund, KPD/ML, Rote Garde (RG) Köln und Club International (CI) organisiert ist. Die rund 1 000 Teilnehmer sollen sich u.a., besonders da kaum Polizei zugegen war, mit Steinwürfen gegen das griechische Konsulat und das Amerikahaus befaßt haben. Auch die DKP berichtet von den 'Krawallen' der 'Antiautoritären'.

Im Vorfeld der Aktion kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen der GIM und den IKD (vgl. 12.12.1969).
Q: Apo press Nr. 1, Köln Jan. 1970; Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 4, Essen 22.1.1970, S. 11

18.12.1969:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität sein 'Info' (vgl. 8.12.1969) als Sondernummer heraus mit dem Artikel "Eine Vietnamdemonstration und ihr Nachtrab" zu den Aktionen gegen American Express und das Amerikahaus am 13.12.1969.
Q: AStA Uni: Info Sondernummer, Heidelberg 18.12.1969, S. 2

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22.04.1970:
In Heidelberg findet eine Demonstration des SDS statt. Als diese am Amerikahaus vorbeikommt, entzündet sich dort, nach einem Bericht des Innenministeriums Baden-Württemberg, in einem Bücherregal eine Nebelkerze mit Zeitzünder und verursacht einen Schaden von 300 bis 400 DM.
Q: Innenministerium Baden-Württemberg: Verfügung: Verbot und Auflösung der Hochschulgruppe Heidelberg des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, Stuttgart 24.6.1970, zitiert nach: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.10, Bochum 29.6.1970

Mai 1970:
Die Fachschaft des Dolmetscherinstituts (DI) der Universität Heidelberg gibt die Nr. 8 von 'babylon' - Zeitung für Übersetzer und Dolmetscher (vgl. Nov. 1969, Juni 1970) mit einer am DI, aber auch am Auslands- und Dolmetscherinstitut (ADI) Germersheim und dem Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) der Universität Saarbrücken verteilten Auflage von 2 000 Stück heraus mit dem Artikel "Boykottiert das Amerikahaus, den kulturimperialistischen Ableger des verbrecherischen US-Kapitals!" von der Institutsgruppe Heidelberg.
Q: babylon Nr. 8, Heidelberg Mai 1970, S. 7

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05.05.1970:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Berlin 28.4.1970, Berlin 14.5.1970) aus Berlin:"
Brandanschlag mit Molotow-Cocktail auf das Amerika-Haus."
Q: Funke, Manfred: Terrorismus,Bonn 1977, S. 332

06.05.1970:
In Heidelberg führt der SDS Heidelberg eine Demonstration gegen die US-Invasion in Kambodscha durch, die von Joscha Schmierer angemeldet wurde, und, nach einem Bericht des Innenministeriums Baden-Württemberg, u.a. darin bestand Steine und Metallstücke gegen das Amerikahaus und das Kaufhaus Horten zu schleudern, was einen Schaden von ca. 3 000 DM verursacht haben soll.
Q: AStA Uni: Info Nr. 107, Heidelberg 13.5.1970, S. 1ff; Unsere Zeit Nr. 21, Düsseldorf 23.5.1970, S. *;Innenministerium Baden-Württemberg: Verfügung: Verbot und Auflösung der Hochschulgruppe Heidelberg des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, Stuttgart 24.6.1970, zitiert nach: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10, Bochum 29.6.1970

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09.05.1970:
In Berlin beteiligen sich, laut der selbst aufrufenden KPD/AO, 15 000 an der Kambodschademonstration vom Kreuzberger Mehringdamm durch Schöneberg zum Amerikahaus, dort habe ein Polizist dann einen Schuß abgegeben. Offiziell heißt die Aktion Solidaritätsdemonstration für die "Kämpfenden Völker Vietnams, Laos, Kambodschas".

Laut KPD/ML-ZB demonstrierten 8 000 Studenten, die versuchten das Amerikahaus zu stürmen und dort eine Massenschlägerei mit der Polizei provozierten. Die traurige Bilanz der Aktion seien 250 verletzte Polizisten, 2 angeschossene Menschen und 2 tote Pferde. Dem Proletariat dienten nicht militante Demonstrationen sondern die Bildung von Betriebsgruppen in den wichtigsten Betrieben, diese aufzubauen heiße den Klassenkampf bei uns voranzutreiben.

Wegen der Demonstration kommt es später zu Festnahmen von mindestens 3 Personen (vgl. 29.1.1971). Bei der KPD hat sich die Teilnehmerzahl 1975 schon auf ca. 20 000 erhöht.

Der KJVD der späteren KPD/ML-ZB (vgl. Juni 1970) berichtet:"
In Berlin schossen bei der letzten Demonstration Polizisten auf Demonstranten.

Innensenator Neubauer (SPD,d.Vf.) drohte mit dem Einsatz von Handgranaten und Maschinengewehren."

Von den Schüssen berichtet auch die OG Mannheim der KPD/ML bzw. KPD/ML-ZK (vgl. 14.5.1970).

Laut ASS Göttingen demonstrieren 8 000, die Projektgruppe Information Kreiensen (vgl. Mai 1970) berichtet ausführlich mit Hilfe des 'Extradienst'.
Q: Rote Provinz Nr. 6, Bad Gandersheim Mai 1970, S. 5f; Rote Schule Nr. 4, Göttingen 1970, S. 1;KPD/ML-OG Mannheim: Kampf dem US-Imperialismus!, Mannheim o.J. (Mai 1970), S. 2;KPD-ZK: Vorwärts im Kampf um die Einheit der Marxisten-Leninisten. Kritik an der politischen Linie der KPD/ML, Köln 1975, S. 214;Rote Presse Korrespondenz Nr. 65 und 100, Berlin ***1970 bzw. 29.1.1971;Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 2, Bochum o.J. (1970), S. 9;Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken, Berlin Mai 1970;Rote Fahne Sdr.ausg. und Nr. 16, Berlin bzw. Köln Mai 1970 bzw. 21.4.1976;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 1, Bochum 15.5.1970;Duve,Freimut: Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986,Hamburg 1986

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12.05.1970:
In Köln findet, laut 'apo press', eine zweite Kambodschademonstration (vgl. 8.5.1970) statt, auf der ca. 3 000 Demonstranten von SDS, AStA der Uni, AUSS, AKS, AELA, verschiedenen Basisgruppen, Internationalismus und Spätkapitalismusanalyse Kollektiv (ISKAK), Judo, RC, SHB-PH und Trikont mobilisiert werden konnten. Der SDS gab dazu ein Flugblatt heraus, in dem u.a. die SU als revisionistisch bezeichnet wurde. Hinterher habe man sich zum Amerikahaus begeben. Als die Polizei in die Menge ritt seien Steine geflogen (vgl. 13.5.1970).

Für die DKP berichtet H. W.:"
PFERDE GEGEN DEMONSTRIERER
BEISPIELLOSE BRUTALITÄT DER POLIZEI

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit (vgl. 20.12.1969, d.Vf.) hat sich das berittene Einsatzkommando der Kölner Polizei bei einem Präventiv-Angriff auf Demonstranten durch unerhörte Brutalität 'ausgezeichnet' und seine Blutspur hinterlassen. Die Reiterstaffel und Kölns Polizeipräsident Hochstein, der selbst den Befehl zur Attacke auf Demonstranten und Passanten gab, haben sich in mehrfacher Hinsicht schuldig gemacht.

Gegen sie muß Anklage erhoben werden. Von der Landesregierung muß die sofortige Auflösung der aggressiven und gefährlichen Polizeisondertruppe verlangt werden.

Der Reiterangriff kam ohne zwingenden Anlaß und wie ein Blitz aus heiterem Himmel am Nachmittag des 12. Mai über die Demonstranten vor dem Amerika-Haus am Apostel-Kloster. Zuerst und noch schlimmer kam er aber über unbeteiligte Passanten in der Hahnenstraße, einer nachmittags stark belebten Einkaufs- und Hauptverkehrsstraße. Die Polizeireiter preschten nämlich vom Neumarkt kommend, über die linke Straßenseite heran. Die Pferde wurden dort rücksichtslos dicht an den Hauswänden vorbei über den Bürgersteig gejagt, wodurch Passanten gegen die Schaufensterscheibe eines anliegenden Geschäfts gedrückt wurden und diese entzwei brach. Mehrere Personen fielen in den Laden. Sie erlitten zum Teil schwere Schnittwunden.

'Die Passanten wurden regelrecht in das Schaufenster hineingedrängt', berichtet der Geschäftsinhaber. Weil die Folgen des 'wilden Ritts' der Polizei vorhersehbar gewesen seien, will der Geschäftsmann Strafantrag gegen die Reiterstaffel stellen.

Der ungezügelte Reiterangriff verwandelte das Bild der bis dahin im wesentlichen friedlich verlaufenen Demonstration gegen den US-Krieg in Indochina mit einem Schlag in eine Szenerie des Aufruhrs. Dabei vermischte sich der berechtigte Zorn der großen Mehrheit der Demonstranten, die in friedlicher Absicht gekommen waren, mit militanten Aktionen kleiner anarchistischer Minderheiten, die bis dahin kaum zum Zuge gekommen waren.

Nun flogen Steine, wurden die Polizisten mit Feuerlöschern attackiert, wurde gegen Roß und Reiter zurückgeschlagen, da es kaum einen Fluchtweg gab.

Die Polizei hatte die Gewalttätigkeit in die Demonstration hineingeritten! Sie hatte sinnlos eskaliert. Es gab Verletzte auf beiden Seiten und zahlreiche Festnahmen. Und es wird nachher wieder Anklagen gegen 'Demonstrationstäter' geben, obwohl die Schuldigen Uniform trugen.

Polizeipräsident Hochstein erbat am nächsten Tag auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz Entschuldigungen für seinen unverantwortlichen Reitereinsatz. Hochstein bekam gewünschte Rehabilitierung weder von der Kölner Presse noch von den Veranstaltern der Demonstration.

Für Hochstein darf es keine Entschuldigungen geben. Eine Eskalation des Polizeieinsatzes und der Anwendung polizeilicher Gewaltmittel gegen Demonstranten bei uns parallel zur Eskalation der USA-Brutalität in Indochina muß unter allen Umständen unterbunden werden."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 21, Essen 23.5.1970, S. 17; Apo press Nr. 5, Köln 1.6.1970

25.05.1970:
In Heidelberg findet eine Veranstaltung mit dem Journalisten Thilo Koch statt, zu deren Durchführung die Polizei Hiebwaffen und Wasserwerfer einsetzt, da die Gegendemonstranten, unter denen sich auch Mitglieder des SDS Heidelberg befunden haben sollen, Steine auf das Amerikahaus und die Polizei werfen und sich zum Teil mit Holzknüppeln ausgerüstet hatten.
Q: Innenministerium Baden-Württemberg: Verfügung: Verbot und Auflösung der Hochschulgruppe Heidelberg des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, Stuttgart 24.6.1970, zitiert nach: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10, Bochum 29.6.1970; Rote Kommentare Die betriebsnahe Tarifpolitik der I. G. Chemie ist vorläufig am Ende - die Chemie-Arbeiter sind's nicht, Heidelberg 10.6.1970, S. 8

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25.05.1970:
An der Universität Heidelberg gibt die Institutsgruppe Anglistik das 'Anglisten-Info' heraus mit dem Leitartikel "Zur Schliessung des Amerikahauses", was am 6.5.1970 von 2 000 Demonstranten gefordert worden sei. Im Amerikahaus sei keine Literatur der BPP vorhanden.
Q: Anglisten-Info, O. O. (Heidelberg) 25.5.1970, S. 1f

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27.05.1970:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität sein 'Info' (vgl. 13.5.1970, 1.6.1970) Nr. 108 heraus mit dem Leitartikel "Nordvietnam im Krieg. Ein Wunder an Selbstdisziplin" von Wilfried Burchett aus 'Le monde diplomatique'. Angekündigt wird: "Die Schließung des Amerikahauses steht kurz bevor Mittwoch 27.5.70 19:30 Uhr Polizeischutz - auf die Dauer ohne Nutz".
Q: AStA Uni: Info Nr. 108, Heidelberg 27.5.1970, S. 1

01.06.1970:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität sein 'Info' (vgl. 27.5.1970, 11.6.1970) als Sondernummer heraus. Berichtet wird:"
Inschriften

Demokratische und anti-imperialistische Parolen standen an der weißen Uniwand kaum länger als einen Tag. Uni-Pedell Stoll vom Alt-Juridicum kämpfte einen langen und hartnäckigen Kampf um den Platz neben dem Kakao-Bunker, wo häufig die Parole: 'Sieg im Volkskrieg' erschien. Jetzt prangt seit der Amerikahaus-Demonstration eine neue Inschrift an der Unifront: SDS-Mörder. Hausmeister Stoll hat sie entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten noch nicht entfernt. Kunststück; er hat sie nämlich selbst angebracht."
Q: AStA Uni: Info Sondernummer Numerus Clausus, Heidelberg 1.6.1970, S. 2

22.06.1970:
In Heidelberg gibt der AStA der Universität gemeinsam mit dem stellvertretenden Parlamentspräsidenten die 'Informationen aus dem 32. Studentenparlament' (vgl. 19.6.1970, 23.6.1970) heraus mit dem Antrag "Verwandelt das Amerikahaus in ein Haus der Jugend!" des AStA vom 3.6.1970.
Q: AStA Uni, StP: Informationen aus dem 32. Studentenparlament, Heidelberg 22.6.1970, S. 3f

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16.01.1971:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Kassel 15.1.1971, München 29.1.1971) aus München:"
Rohrbombe im Amerika-Haus detoniert."
Q: Funke, Manfred: Terrorismus, Bonn 1977, S. 333

06.02.1971:
Laut KSB/ML der KPD/ML-ZK findet in München "eine Massendemonstration gegen die US-Aggression in Indochina und gegen die zunehmende faschistische Unterdrückung der Arbeiterklasse und aller demokratischen Kräfte in den USA selbst statt". Ca. 2 000 Menschen nehmen an der Demonstration teil, auch "Genossen aus Spanien, Persien, der Türkei, Griechenland, Italien und aus den arabischen Ländern". Sie folgen einem Aufruf von 11 Organisationen. Zu diesem Zweck wird auch eine Aktionseinheit gebildet, an der sich, laut Rote Zellen, sie selbst, die ABG, die GUPS Palästina, die Kommunistische Jugend Spaniens (JCE), die PCE Spanien, die RSF, der Türkische Kulturbund, die Türkische Proletarische Gemeinschaft und die AELA Lateinamerika beteiligen. Laut RSF (vgl. 15.2.1971) machen ABG, RZ, RSF, GUPS, PCE, JCE, Palästinakomitee, die HBV-Fachgruppe Buchhandel, die CISNU Iran und das KUPSG (Komitee zur Unterstützung der spanischen politischen Gefangenen) mit. Die RSF richtet wegen der Nichtteilnahme am Bündnis ein Schreiben an den Initiativausschuß 'Freiheit für Angela Davis' München.

Laut ABG beteiligen sich ca. 3 000, darunter ein Arbeiterblock. Die DKP habe mit 150 Leuten, vorwiegend Studenten, eine Kundgebung vor dem Amerikahaus gemacht. Laut Betriebsgruppe Arri der ABG beteiligen sich nur 2 000 und bei der DKP nur 100. Mit der Aktion befaßt sich auch das ZK der ABG (vgl. März 1971). laut der 'Schwabinger Schülerzeitung' demonstrieren ca. 2 500.

Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen KPD/ML-ZK und Roten Zellen (vgl. 8.2.1971).
Die Rote Schülerfront (RSF) bemüht sich um ein Bündnis im Schülerbereich (vgl. 5.1.1971, 13.1.1971), aber auch um das allgemeine Bündnis (vgl. 9.1.1971), verkauft eine Broschüre "Verbrechen des US-Imperialismus" sowie eine weitere Dokumentation und will drei Flugblätter verteilen sowie Infostände durchführen vor dem Wittelsbacher Gymnasium, dem Maxgymnasium und dem Elsa-Brandström Gymnasium (EBG).

Die RSF hält auf der Schlußkundgebung eine Rede, in der sie zu ihrem Marxismuszirkel einlädt und sich als Urheber der Aktionseinheit antiimperialistischer Schüler Münchens bekennt.
Q: RSF: Internes Info Nr. 11, 12 und 13, München 11.1.1971, 26.1.1971 bzw. 15.2.1971; KSB/ML München: Kampf dem Imperialismus, Kampf dem Sozialimperialismus, Kampf den Handlangern des modernen Revisionismus in ABG und Roten Zellen, München O. J. (12.2.1971);Rotes Blatt München Nr. 23/24, München 1.2.1971;Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 8, München Feb. 1971;Rote Optik Nr. 6, München März 1972;Schwabinger Schülerzeitung Nr. 2, München O. J. (1971), S. 13f;ABG: Rechenschaftsbericht des Zentralen Komitees der Arbeiter-Basis-Gruppen für die Zeit von Mai 1970 bis zum März 1971, o.O. (München) O. J. (1971), S. 24

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12.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der DKP:"
D'K'P-WAHLVERANSTALTUNG IN LUDWIGSHAFEN

Am 12.3. sprach Kurt Bachmann, D'K'P-Vorsitzender, auf einer Wahlkundgebung in Ludwigshafen. … Bereits vorher waren Genossen von der KPD/ML und vom KJVD da und wollten die neueste Nummer der ROTEN FAHNE (RF,d.Vf.) verkaufen, auf der Straße vor dem Pfalzbau.

Aber kaum hatten die D'K'Pisten das gesehen, kamen sie angerannt und verlangten, unsere Genossen sollten verschwinden.

Als diese sich weigerten, fingen die Revisionisten an zu prügeln. Einer jungen Genossin verdrehten sie den Arm, einem Genossen zerrissen sie die Jacke. Dabei diffamierten sie die KPD/ML und behaupteten, wir würden die Gewerkschaften bekämpfen, die Arbeiterklasse spalten und die Scheiben am Amerikahaus einschmeißen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 22, Bochum 20.3.1971, S. 6f

28.02.1972:
In Berlin wird der Prozeß gegen Uli Fischer, Renate Sami und Karl Heinz Wierzejewski wegen dem Anschlag das Amerikahaus nach der Invasion in Kambodscha fortgesetzt.
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 1, 2 und 3, Berlin 7.2.1972, 14.2.1972 bzw. 25.2.1972, S. 1, S. 1 bzw. S. 1 und 4

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09.03.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin (vgl. 13.3.1972) berichtet:"
Der Prozeß gegen Uli Fischer, Renate Sami und Karl-Heinz Wierzejewski wegen des Anschlages auf das Amerika-Haus läuft weiter. Die Haftbefehle gegen die Genossen wurden am 9.3.72 aufgehoben."
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 4, Berlin 13.3.1972, S. 6

27.03.1972:
Die Rote Hilfe Westberlin gibt ihre 'Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen' Nr.5 (vgl. 13.3.1972, 17.4.1972) heraus. Vom Amerika-Haus-Prozeß wird berichtet: "Fischer, Sami 1 Jahr wegen Brandstiftung und schwerer Sachbeschädigung. Wierzejewski bekam wegen derselben Sache 1 Jugendstrafe auf 2 Jahre Bewährung."
Q: Rote Hilfe Nachrichten & Mitteilungen Nr. 5, Berlin 27.3.1972, S. 6

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13.05.1972:
Anläßlich der US-Militärparade findet in Berlin eine Vietnam-Demonstration statt. Ein Flugblatt "Aufruf zur Vietnamdemonstration am 13.5." ist von KPD/ML-ZB, KPD/ML-ZK, KJVD, Rote Garde (RG), KSB/ML, KPD, KSV, LgdI, SDA, ML aus der Türkei, der Organisation griechischer Marxisten-Leninisten (OGML) und der Thälmannzelle der PCI/ML Italien unterzeichnet. Laut KPD/ML-ZB besuchten ca. 2 000 Personen die Truppenparade, ca. 6 000 bzw. über 6 000 die Demonstration, die laut dem 'KND' gegen Schluß auf ca. 12 000 angewachsen sei. Der KJVD der KPD/ML-ZB berichtet von 7 000 Demonstranten.

Zu diesen Aktionen mobilisiert u.a. auch ein 'Extrablatt der KPD/ML', welches von der KPD/ML-ZB herausgegeben wird und sich auch noch mit den Gewerkschaftsausschlüssen befaßt.

Die KPD/ML-ZB berichtet:"
Der Westberliner LV der KPD/ML forderte … alle marxistisch-leninistischen und fortschrittlichen Organisationen Westberlins zu einem Aktionsbündnis gegen die Militärparade und zu einer Demonstration auf. Nachdem eine Einigung mit der Gruppe Roter Morgen (KPD/ML-ZK, d.Vf.) und den Organisationen der ausländischen Marxisten-Leninisten erzielt war, schlossen sich dem Aktionsbündnis noch die KPD/AO, die Gruppe SDA an. Ein gemeinsamer Aufruf zu Aktionen gegen die Truppenparade und für eine Demonstration wurde vor den Westberliner Betrieben, in den Stadtteilen und an den Universitäten verteilt. Ihre Unterstützung für die Aktion kündigten die Generalunion palästinensischer Arbeiter (GUPA), die GUPS (-Studenten), die CISNU (Iran, d.Vf.), sowie die marxistisch-leninistischen Hochschulzellen (diese Gruppe blieb uns bisher unbekannt - wir kennen ML Hochschulgruppen und ML-Zellen, d.Vf.) und das Vietnam-Solidaritätskomitee an."

Die KPD berichtet, daß 7 000 bzw. gar über 7 000 dem Aufruf von ihr selbst, KSV und LgdI zur antiimperialistischen Demonstration folgten. Über die Hälfte davon rechnet sie zu ihrem eigenem Anhängerkreis. Bei der Parade seien 1 000 gewesen.

Die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet neben einem Bild der Parade:"
WESTBERLINER ANTIIMPERIALISTEN HALTEN DEN PARADIERENDEN USA-TRUPPEN DAS BANNER DES KÄMPFENDEN VIETNAM ENTGEGEN.

Während überall in der Welt die breite Front der Solidarität der Arbeiter, Werktätigen und aller fortschrittlichen Menschen mit dem Volkskrieg des vietnamesischen Volkes und dem entschiedenen Kampf gegen die Verbrechen des USA-Imperialismus ständig wächst, versuchten die USA-Imperialistenam 13. Mai in Westberlin erneut, sich auf der Truppenparade der 'alliierten Truppen' durch vom Senat 'eingeladene' Jubler als 'Schutzmacht' feiern zu lassen, die sich im Interesse des Friedens in Westberlin aufhalte.

Doch selbst die Tatsache, daß die Zuschauerbühnen nur mit Eintrittskarten zugänglich waren, die vom Senat gezielt wurden, daß die Tribünen mit dichtem Stacheldraht umgeben waren, und daß tausende von zivilen und uniformierten Neubauer-Polizisten aufgeboten waren, konnte nichts daran ändern, daß die Parade statt zu einem Fest der Imperialisten zu einer Demonstration des antiimperialistischen Kampfes wurde.

Weit mehr als 1 000 Arbeiter, Werktätige und andere fortschrittliche Menschen, die einem Aufruf mehrerer Organisationen, unter anderem der KPD, des KSV und der Liga gegen den Imperialismus gefolgt waren, säumten die Straßen. Nicht Beifall scholl den Truppen des USA-Imperialismus und den anderen Besatzermächten entgegen, sondern die entschiedene Verurteilung seiner Verbrechen, unter anderem mit den Forderungen und Parolen:

Schluß mit dem Bombenterror in Vietnam
US get out of Vietnam
Yankees raus aus Vietnam
Sieg im Volkskrieg

Nicht amerikanische Fahnen säumten die Paradestrecke, sondern hunderte von Transparenten und Fahnen der nationalen Front für die Befreiung Südvietmams (FNL). Selbst einige einfache Soldaten der besatzungsarmeen bekundeten mit erhobener Faust ihre Solidarität mit den Forderungen, die am Straßenrand erhoben wurden."

Die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet auch:"
Die ungeheure Verschärfung der Terrormaßnahmen des USA-Imperialismus in Vietnam machte die Organisierung einer machtvollen Massendemonstration der Solidarität mit dem kämpfenden Vietnam notwendig. Dies besonders angesichts eines Versuchs, sich in Westberlin mit der alliierten Truppenparade weiterhin als starke Friedensmacht aufzuspielen.

Aus diesem Grund organisierte das Regionalkomitee Westberlin mit allen Organisationen, die für den endgültigen Sieg des kämpfenden Vietnam gegen die USA-Aggression eintreten, eine einheitliche Solidaritätsdemonstration.

Wie bei jeder Aktionseinheit - auch im antiimperialistischen Kampf - lehnte das Regionalkomitee auch in diesem Fall die opportunistische Linie 'Einheit der Aktionen - Freiheit der Losungen' in den Beziehungen der mit marxistisch-leninistischem Anspruch auftretenden Organisationen ab. Erfolgreich erkämpfe es die Zustimmung zu den richtigen Positionen, daß es Aktionseinheit nur auf der Grundlage vollständiger Klarheit und Einheit über die politische Stoßrichtung der Aktion geben kann. In zähen, aber solidarischen Verhandlungen wurden vor allem die falschen Positionen der KPD/ML-Zentralbüro zum antiimperialistischen Kampf widerlegt:

- Die scheinbar 'linke' Position, die sich in der fehlenden Unterstützung des 7-Punkte-Vorschlags der Provisorischen Revolutionären Regierung (PRR, d.Vf.) Südvietnams äußert, deren Grundlage das Unverständnis der revolutionären Linie 'Kriegführen und Verhandeln' ist.

- Besonders aber die revisionistischen Parolen gegen den Frontstadtcharakter Westberlins und 'Nieder mit dem Kriegspakt Bonn-Moskau'. In diesen Parolen zeigt sich nicht nur der Übergang dieser Organisation auf revisionistische Positionen im nationalen Klassenkampf, sondern auch, daß damit untrennbar eine völlig falsche Linie des antiimperialistischen Kampfes verbunden ist. Wer den Kampf gegen die Ostverträge zur zentralen Aufgabe des antiimperialistischen Kampfes erklärt, der verkennt den von den chinesischen Genossen auf ihrem 9. Parteitag analysierten gegenwärtigen Hauptwiderspruch in der Welt und bewegt sich in die gefährliche Nähe der Agenten des Sozialimperialismus, die dem Kampf der Völker gegen Imperialismus und Sozialimperialismus in den Rücken fallen.

Die Vertreter der KPD/ML-ZB verließen ihre Positionen zwar nicht, ließen an der Durchsetzung jedoch eine einheitliche Demonstration nicht scheitern. So gelang es, eine einheitliche Plattform zu erstellen, der sich neben der KPD, KSV und Liga, die KPD/ML-ZB, KPD/ML-Roter Morgen, die revolutionären griechischen Organisationen EKKE, ETA, SDU und ASP und andere griechische Marxisten-Leninisten, Marxisten-Leninisten aus der Türkei und Italien anschlossen. An der Demonstration beteiligten sich auch eine Reihe weiterer fortschrittlicher Organisationen.

Die Hauptparolen der gemeinsamen Plattform waren:
- Für den vollständigen Sieg der vietnamesischen Revolution, Sieg im Volkskrieg,
Die Haupttendenz in der Welt ist Revolution,
Hände weg von Nordvietnam
Sofortiger und bedingungsloser Abzug aller US- und Marionettentruppen aus Vietnam, Laos und Kambodscha

So kam eine mächtige und eindrucksvolle Demonstration zustande. Die Spitze bildeten revolutionäre Ausländer unter der Parole Sieg im Volkskrieg! Danach folgten die Blöcke der verschiedenen Parteien und Organisationen.

Sie war der lebendige Ausdruck des Wunsches aller Marxisten-Leninisten und Antiimperialisten, geschlossen und wirkungsvoll das vietnamesische Volk zu unterstützen, gleichzeitig auch das Spiegelbild der Fähigkeit der einzelnen Organisationen, die Massen für den antiimperialstischen Kampf zu mobilisieren und zu gewinnen.

An der Demonstration, die vom Steinplatz in ein Arbeiterviertel Schönebergs zog, beteiligten sich über 7 000 Menschen, von denen sich weit mehr als die Hälfte dem Block der KPD, des KSV und der Liga gegen den Imperialismus anschlossen.

Sie bekundeten während der Demonstration und auf einer Zwischenkundgebung vor dem von Hunderten von Neubauer-Polizisten bewachten Amerikahaus ihre volle Solidarität mit dem vietnamesischen Volk, in der klaren Einsicht, daß dessen Kampf gegenwärtig mit Riesenschritten dem endgültigen Sieg entgegengeht.

In der klaren Einsicht aber auch, daß der USA-Imperialismus im Angesicht seiner endgültigen Niederlage vor keinem Verbrechen zurückschreckt, um seine Niederlage hinauszuzögern, und daß es darauf ankommt, daß die Arbeiter, Werktätigen und alle fortschrittlchen Menschen in der Welt ihre ganze Kraft einsetzen, um dem USA-Imperialismus rechtzeitig in den Arm zu fallen und seine blutbefleckten Hände aufzuhalten."

Mobilisiert wurde u.a. von der LgdI intern und durch durch ein Flugblatt "Sieg im Volkskrieg", welches allerdings irrtümlicherweise für morgen aufruft. Laut KB kamen gestern 2 000 Leute, obwohl das Initiativkomitee für eine Vietnamdemonstration erst ab vorgestern dazu aufrief.

In einem Brief teilte die Ortsleitung der KJO Spartacus ihren Anhängern zuvor mit, daß die KPD und die KPD/ML's ihre Demonstration gern ohne Trotzkisten durchführen möchten.

Berichtet wird auch durch den KSV (vgl. 5.6.1972) und in:
- Berlin durch die KPD bei Borsig (vgl. 15.5.1972).
- Hamburg durch das NVK (vgl. 16.10.1972).
- NRW in Dortmund durch die KPD bei der Hoesch Westfalenhütte (IGM-Bereich - vgl. 31.5.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Borsig Nr. 13, Berlin 15.5.1972, S. 5; Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 13, Dortmund 31.5.1972, S. 4;KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: ohne Titel, Berlin O. J. (Mai 1972);Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972;LgdI-LV Berlin: Rundbrief Nr. 2, Berlin 11.5.1972;Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 36, Berlin Mai 1972;Rote Fahne Nr. 11, Bochum 29.5.1972;KPD/ML-ZB: Extrablatt der KPD/ML ohne Nr. (13.5.1972), Berlin O. J. (1972);KPD/ML-ZB, KJVD, KPD/ML-ZK, RG, KSB/ML, KPD, KSV, LgdI, SDA, ML aus derTürkei, Organisation Griechischer Marxisten-Leninisten, Thälmannzelle der PCI/ML: Aufruf zur Vietnamdemonstration am 13.5., Berlin O. J. (Mai 1972);Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 36, Bochum 17.5.1972;Rote Presse Korrespondenz Nr. 168, Berlin 1972;Rote Fahne Nr. 43 und 17, Dortmund 17.5.1972 bzw. 25.4.1973, S. 1 und 6 bzw. S.8;LgdI: Sieg im Volkskrieg, Berlin O. J. (1972);Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 5, Bochum Juni 1972;NVK-Regionalbüro Hamburg: Solidarität mit der amerikanischen Antikriegsbewegung, Hamburg Okt. 1972, S. 36;Dem Volke dienen Nr. 8, Berlin Juni 1972, S. 1 und 6f

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28.10.1972:
In Berlin nehmen, laut KPD, über 3 000 an einer Vietnamdemonstration des NVK teil, an der Kundgebung gar 4 000. Die Route führt ab 11 Uhr von der Turmstraße Ecke Stromstraße durch Moabit und Charlottenburg zum Amerikahaus. Von der KPD wurde diese Aktion u.a. im Rahmen ihrer Wahlkampagne angekündigt, vom NVK in dessen Zeitung (vgl. 16.10.1972).

Aufgerufen wurde auch durch den KSV der KPD (vgl. 25.10.1972) und durch den KJV (vgl. 23.10.1972).
Q: Dem Volke dienen Nr. 1, Dortmund 25.10.1972, S. 1; NVK: Alles für den Sieg des kämpfenden Volkes - Zeitung, Bonn Okt. 1972;Rote Fahne Nr. 64, 65, 66 und 67, Dortmund 11.10.1972, 18.10.1972, 25.10.1972 bzw. 31.10.1972, S. *, S. *, S. * bzw. S.*;Kämpfende Jugend Aufruf zu den Demonstrationen des Nationalen Vietnam-Komitees in Westberlin und Frankfurt, O. O. O. J. (1972);Afrika kämpft Nr. 3, Berlin 1972, S. 5

20.12.1972:
In Köln beteiligen sich, laut KPD, 400 an einer Vietnamdemonstration, in deren Verlauf Steine u.a. gegen die Niederlassungen von IBM und Pan Am und das Amerikahaus geworfen werden. Später wird, im Zusammenhang mit acht Strafverfahren (vgl. 27.6.1973) von über 500 Teilnehmern einer spontanen Vietnamkundgebung berichtet. Angeklagt werden mindestens zehn Teilnehmer (vgl. 12.12.1973, 3.9.1975), u.a. auch Thomas Luczak (vgl. 10.6.1974).

Von den Polizeiangriffen berichten auch die Vietnamausschüsse (VA) Dortmund.

Berichtet wird auch in:
- NRW durch das KPD-RK NRW und die RH e.V.-LV NRW (vgl. 6.10.1975).
Q: KPD-RK NRW, RH e.V.-LV NRW: Freiheit für Horst Mahler!, Dortmund o.J. (1975), S. 2; VAs Dortmund: Sofortige Unterzeichnung des 9-Punkteabkommens durch die USA-Regierung, Dortmund o.J. (Jan. 1973), S. 2;Rote Fahne Nr. 1, 26, 51/52 und 25, Dortmund 3.1.1973, 27.6.1973, 19.12.1973 bzw. 19.6.1974

21.12.1972:
In Bremen rief die Politische Arbeitsgruppe an der GfSS (vgl. 21.12.1972) für heute auf zur Vietnam-Kundgebung und Demonstration um 17.50 Uhr ab Amerika-Haus.
Q: Politische Arbeitsgruppe GfSS: Nixons Worte heuchelten Frieden. Seine Absicht ist Völkermord, Bremen o. J. (1972), S. 2

27.12.1972:
Die 'Bambule' (vgl. 3.1.1973) berichtet aus Berlin:"
In den belebten Mittagsstunden des 28. macht sich eine Gruppe kaltblütigster Untergrundkämpfer zum Amerika Haus auf, um dort einige Attacken zu reiten. Einige von ihnen gingen ins Haus um sich dort in die Kondolenzliste zum Tode Trumans einzuschreiben. Sie unterschrieben ganz einfach mit: DIE TOTEN VON HIROSHIMA wodurch die Listen wohl ganz für die Empfänge verunziert worden sind. Übrigens war Truman der Präsident, der den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima befahl.

Zwei andere Kämpfer waren vor dem Haus geblieben, schlichen sich zum Fahnenmast, kappten blitzschnell das Tau, holten die Fahne runter und tränkten sie in wunderschönem Ochsenblut. Schnell wurden noch einige Ochsenblutbeutel an Scheibe und Mauer geklatscht, und sich dann pfeifend aus dem Staube gemacht. Die Bullen bemerkten diesen 'Sachschaden' erst fünf Minuten später."
Q: Bambule Nr. 2, Berlin o. J. (1973), S. 9

30.12.1972:
In Berlin nehmen, laut KPD, an die 2 000 an einer Vietnamdemonstration durch Charlottenburg teil.
Die 'Bambule' (vgl. 3.1.1973) berichtet:"
Am Sonnabend, den 30.12. fand eine Demonstration, veranstaltet von KSV mit seinen verschiedenen Unterabteilungen zum Amerikahaus statt. An ihr beteiligten sich 700 Genossen."
Q: Bambule Nr. 2, Berlin o. J. (1973), S. 19; Rote Fahne Nr. 1, Dortmund 3.1.1973, S. 6

Januar 1973:
Es erscheint die 'Rote Hilfe' Zeitung Nr. 17 (vgl. Dez. 1972, März 1973) mit dem Beitrag "1973 wird gut" zu Anschlägen vor allem gegen das Amerikahaus Heidelberg, aber auch gegen das US-Hauptquartier in Frankfurt, das Polizeipräsidium Augsburg, das Landeskriminalamt München, den Bundesrichter Buddenberg in Karlsruhe sowie in Portugal.
Q: Rote Hilfe Nr. 17, Hamburg Januar 1973, S. 26

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03.01.1973:
Vor dem Berliner Amerikahaus, wo seit Beginn der Bombardierung der DR Vietnam (DRV) ständig demonstriert wird, beginnt die Polizei, laut KPD, Mitte der Woche mit der Verhaftung bzw. Festnahme von Demonstranten.
Q: Rote Fahne Nr. 2, Dortmund 10.1.1973

04.01.1973:
In München beteiligen sich, laut und mit KHB/ML der ABG, 500 an einer Kundgebung des Vietnamkomitees für Frieden und Befreiungskampf (VKfFuB) vor dem Amerikahaus und an einer Demonstration zum Sendlinger Tor Platz.
Q: Kommunistische Studenten Zeitung Nr. 11, München Jan. 1973

11.01.1973:
In München beteiligen sich, laut und mit KHB/ML der ABG, 3 000 an einer Vietnamdemonstration, die aufgrund einer Initiative der Jusos der SPD zustandekam. Hierzu hätten diese eine "völlig korrekte Erklärung ihres Bundesvorstandes" gehabt, was sie aber nicht daran gehindert habe, sich zu Beginn der Demonstration über Lautsprecher von den ABG zu distanzieren.

Laut KB Bremen demonstrieren 1 600 zum Amerikahaus.
Q: Wahrheit Nr. 1, Bremen Jan. 1973; Kommunistische Studenten Zeitung Nr. 11, München Jan. 1973

12.01.1973:
In Kiel beteiligen sich, laut KPD/ML-ZK, rund 700 an einer Vietnam-Demonstration durch Gaarden und die Innenstadt. Die Hauptmasse sei von einem selbst gestellt worden, die Leitung hätten aber der AStA der Uni und die Roten Zellen Kiel (RZK) gehabt, die gegen einen Sturm auf das Amerikahaus waren, ganz im Gegensatz zur KPD/ML-ZK.
Q: Roter Morgen Nr. 3, Hamburg 27.1.1973

20.01.1973:
Die KPD/ML-ZK gibt die Nr. 2 ihres 'Roten Morgens' (vgl. 14.1.1973, 27.1.1973) heraus und berichtet u.a. über das brennende Amerikahaus in Frankfurt.
Q: Roter Morgen Nr. 2, Hamburg 20.1.1973

20.01.1973:
Zur heutigen Amtseinführung von US-Präsident Nixon betreibt in Berlin, nach eigenen Angaben, das Nationale Vietnamkomitee (NVK) der KPD zunächst Agitation und Propaganda und organisiert danach eine Demonstration vom Wittenbergplatz zum Amerikahaus, an der sich, laut KPD, 1 500 beteiligen. Laut KPD wird die Demonstration von der Polizei überfallen (vgl. 22.1.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse SEL Nr. 9, Berlin Jan. 1973; Rote Fahne Nr. 4, Dortmund 24.1.1973

22.01.1973:
In Berlin veranstalten, laut KPD, 500 Personen eine Kundgebung vor dem Amerikahaus, um einerseits gegen die US-Politik in Vietnam und andererseits gegen den Überfall der Polizei auf die Demonstration vom 20.1.1973 zu protestieren.
Q: Rote Fahne Nr. 4, Dortmund 24.1.1973

27.01.1973:
In Berlin führt, laut KPD, u.a. ihr Nationales Vietnam Komitee (NVK) eine Kundgebung vor dem Amerikahaus durch, aus der sich eine spontane Demonstration mit ca. 1 000 Teilnehmern durch die Innenstadt zur TU entwickelt.
Q: Rote Fahne Nr. 5, Dortmund 31.1.1973

24.02.1973:
In Berlin findet, laut und mit KPD, an diesem Wochenende eine Indochina-Demonstration zum Amerikahaus statt.
Q: Rote Fahne Nr. 9, Dortmund 28.2.1973

07.04.1973:
Die KPD berichtet aus Hamburg von einer Vietnamdemonstration gegen den Thieu-Besuch:"
Am Samstagabend protestierten im Anschluß an eine Versammlung der Liga (LgdI, d.Vf.) die Teilnehmer gegen den Thieu-Besuch, indem sie zum Amerika-Haus zogen und bei dieser Einrichtung des amerikanischen Kulturimperialismus die Scheiben einwarfen."
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 6

09.04.1973:
In Heidelberg führen die NRF-Gruppen und das Vietnamkomitee eine Demonstration mit Kundgebung zur Vorbereitung auf die morgige Demonstration gegen den Thieu-Besuch durch. Im Rahmen dieser Demonstration wird die Fassade des Amerikahaus besetzt.
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 5, Mannheim/Heidelberg Mai 1973; Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 24, Heidelberg o.J. (Mai 1973), S. 3

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09.04.1973:
Die KPD berichtet aus Berlin von der Vietnamdemonstration gegen den Thieu-Besuch:"
Über 2 000 Menschen beteiligten sich an der Demonstration des Regionalen Büros des NVK.

Die Demonstranten zogen vom U-Bahnhof Kurfürstenstraße zum Amerikahaus. Sie riefen:
Thieu - Henker aus Saigon, raus aus Bonn!
Nixon - Mörder, Thieu - Henker, Brandt - Komplize!

Da die massenhaft aufgebotene Neubauer-Polizei wieder gedroht hatte, den Lautsprecherwagen zu beschlagnahmen, wenn Staatsoberhäupter beleidigt würden, zogen sich die Demonstranten nach der Kundgebung geschlossen zur Technischen Universität zurück und machten es der Polizei unmöglich, eine Provokation zu landen."
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 6; KPD-RK Westberlin: Maizeitung Nr. 2, Berlin 1973

10.04.1973:
Die KG(NRF) Mannheim/Heidelberg gibt gemeinsam mit dem KAJB (NRF), der KHG (NRF) und der KSG (NRF) ein Extrablatt "Alle sofort zum Amerikahaus! Kundgebung!" ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 10.4.1973, 11.4.1973) heraus, in dem von der Besetzung des Amerikahaus aus Protest gegen den Thieu-Besuch aus Vietnam berichtet wird.
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Alle sofort zum Amerikahaus! Kundgebung!, Mannheim o. J. (10.4.1973)

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06.08.1973:
Das NVK gibt die Nr. 7 seiner Zeitung 'Alles für den Sieg des kämpfenden vietnamesischen Volkes' (vgl. 4.6.1973, 3.9.1973) für August vermutlich in dieser Woche heraus mit dem Artikel "Vietnam-Ausschuß im Amerika-Haus München: Kampf dem amerikanischen Kulturimperialismus!" zum VA im Zeitungswissenschaftlichen Institut der LMU, das sich im Amerika-Haus befindet.
Q: Alles für den Sieg des kämpfenden vietnamesischen Volkes - Zeitung Nr. 7, Bonn Aug. 1973, S. 3

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16.10.1973:
In Berlin nehmen, laut KPD, über 1 000 an ihrer Vietnam/Kranzusch/Nahost-Demonstration (vgl. 14.10.1973) ab U-Bahn Kurfürstenstraße und der Kundgebung vor dem Amerikahaus teil. Aufgerufen wurde auch durch die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 10.10.1973).
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 3; Rote Fahne Nr. 40, 41 und 42, Dortmund 3.10.1973, 10.10.1973 bzw. 17.10.1973;Kommunistische Arbeiterpresse Krone Nr. 6, Berlin 10.10.1973

18.11.1973:
In Berlin beteiligen sich, laut KPD, 2 500 Personen an einer Griechenland Demonstration durch die Innenstadt zum Amerikahaus. Laut und mit KBW sind es 2 000 bis 3 500 (vgl. 21.11.1973).
Q: Rote Fahne Nr. 47, Dortmund 20.11.1973; Kommunistische Volkszeitung Nr. 8, Mannheim 5.12.1973

25.01.1975:
In Berlin will u.a. die KPD eine Vietnam-Demonstration zum 2. Jahrestag
des Pariser Friedensabkommens ab Klausener Platz und eine Veranstaltung
zum selben Thema in der TU durchführen. An der Demonstration beteiligen
sich, laut KPD, anfangs 4 000 zum Ende 5 000. Eine Kundgebung wird vor
dem Amerikahaus abgehalten.
Q: Rote Fahne Nr. 2, 3, 4 und 5,Dortmund 15.1.1975, 22.1.1975, 29.1.1975 bzw.5.2.1975, S.*, S.*, S.* bzw. S. 8;

09.09.1975:
Das Solidaritätskomitee (manchmal: Köln-Kalk) Freispruch im Kölner Vietnamprozeß der RH e.V. der KPD (vgl. 10.9.1975, 15.9.1975) verbreitet zum Vietnamprozeß wegen der Demonstration vom 20.12.1972 den folgenden:"
BERICHT ÜBER DEN VERLAUF DER ZWEITEN WOCHE IM VIETNAMPROZESS (9. u. 11.9.)

Die Zeugenvernehmung der Staatsanwaltschaft

Zuerst trat ein Herr Jonas vom Stadtbauamt Köln auf. Er hatte die Schäden am stadteigenen Amerikahaus zu beheben. Es kam bei der Befragung heraus, daß erst eine Woche vor der Demonstration die Scheiben des Amerika-Hauses durch nicht-splitterndes Sicherheitsglas ersetzt worden seien. Er hatte die Unverschämtheit zu behaupten, er wisse nicht mehr, warum damals das Amerika-Haus angegriffen worden ist, mußte aber zugeben, daß seit Jahren immer wieder das Amerikahaus in Köln das Zentrum der Aktivitäten von Demonstranten war, die gegen den Krieg in Indochina protestiert haben. Diese Schäden sind auch dann stets aus den Steuergroschen der Kölner Bürger bezahlt worden. Dies war für den Zeugen Jonas eine Selbstverständlichkeit, während an diesem Punkte die Angeklagten darauf hinwiesen, daß das schon eine freche Parteinahme der Stadt für die US-Aggressionen ist, wenn sie dieser Völkermörderbande ein Haus vermietet un auch noch nicht einmal verlangt, daß sie sich selber versichern.

Der Richter meinte noch, 'das würde doch auch geschehen bei einem Haus, das der VR China zur Verfügung gestellt würde.' Nur, 'ein solches Haus gibt es ja nicht zufällig nicht in der Stadt Köln', erwiderte ein Angeklagter, 'weil eben die BRD voll auf der Seite des US-Imperialismus in diesem Krieg gestanden hat.'

Weiter trat auf der Leiter der polizeilichen Demonstrationsbegleitung Gaensicke. Er will Rüdiger Müller und v.d.Lancken beim Steinewerfen gesehen haben. Bei ihm ergab sich infolge der veränderten politischen Lage eine Wandlung in seiner Aussage, auf die Angeklagte wie Verteidiger nicht eingestellt waren. Während er beim ersten Prozeß noch offen antikommunistisch auftrat (Müller habe einen 'Stalinbart') empfand er nun angeblich die Demonstrationsabsicht als 'moralisch voll gerechtfertigt' und versuchte sich als den aufrechten Polizeibeamten herauszustellen. Er erklärte die amerikanischen Bombenwürfe zur 'Barbarei', im nächsten Satz aber die Steinwürfe zur 'gleichen Barbarei', womit er voll und ganz den Wünschen des Gerichts entgegenkam.

Die Taktik des Gerichts scheint nunmehr klar: Es gibt nach, wo es nichts mehr zu gewinnen gibt (das Amerika-Haus dann unbestritten als 'krimineller Untermieter der Stadt Köln' bezeichnet werden) und versteift sich auf die Steinwürfe und sonstige 'Gewalttaten', deren Feststellung hinreicht, um das Urteil zu bestätigen.

Für den weiteren Verlauf des Prozesses bedeutet das: Die Frage der revolutionären Gewalt muß klarer als bisher vor den Massen und im Gericht beantwortet werden, zunächst in der Weise, daß die Steinwürfe auf IBM, Amerika-Haus und PanAm aus deren spezieller Funktion begründet werden."

Veröffentlicht wird auch ein:"
AUSZUG AUS DEN EINLASSUNGEN DER ANGEKLAGTEN

Nicht die Gewaltanwendung der US-Imperialisten wird etwa verurteilt, sondern den Demonstranten wird untergeschoben, daß sie diesen Anlaß benutzten um endlich wieder mal Krawall machen zu können. Also der
Schluß liegt dann doch auf der Hand: die Demonstranten sind die wirklichen Schuldigen. Mit dem weiteren Hinweis darauf, daß im Grundgesetz (GG,d.Vf.) jegliche Anwendung von Gewalt seitens der Volksmassen abgelehnt wird, wird gleichzeitig deutlich gemacht, daß wir zum damaligen Zeitpunkt auch gar kein Recht gehabt hätten, Steine gegen das Amerikahaus zu werfen. Die gewählte Regierung vertritt den öffentlichen Willen - wie sich Richter Kaumanns ausdrückte - also muß dieser auch respektiert werden. Auf welcher Seite allerdings die Brandt-Regierung (SPD/FDP, d.Vf.) im Dezember 1972 gestanden hat bewies sie durch ihr Schweigen zur Bombardierungspolitik. Dies rief selbst in der US-hörigen deutschen Presse einen milden Sturm der Empörung hervor - was aber bei unserer Presse an diesem Punkte schon eine gewaltige Tat darstellte."
Q: Nachrichtendienst Vietnamprozeß Nr. 2, Köln o.J. (Sept. 1975), S. 2ff

04.10.1975:
Das Solidaritätskomitee (manchmal: Köln-Kalk) Freispruch im Kölner Vietnamprozeß (vgl. 3.10.1975, 7.10.1975) rief in seinem 'Nachrichtendienst Vietnamprozeß' (vgl. 30.9.1975) auf zum Solidaritätsfest in Köln-Süd, Unter den Eichen, ohne eine Uhrzeit anzugeben. Beigeheftet allerdings war ein Flugblatt der Vereinigung Sozialistischer Kulturschaffender (VSK) der KPD, in dem es u.a. heißt:"
Das Komitee 'Freispruch für die Angeklagten im Kölner Vietnamprozeß' und die VSK (Vereinigung sozialistischer Kulturschaffender) laden ein zum SOLIDARITÄTSFEST

SAMSTAG, 4.10. 15 UHR AN DER EICHE

Seit dem 3.September findet vor der 6.Strafkammer des Kölner Landgerichts die Berufungsverhandlung gegen zehn Antiimperialisten und Kommunisten statt. Sie waren im Prozeß erster Instanz wegen ihrer Beteiligung an einer Demonstration der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegen die erneute Bombardierung der Städte Nordvietnams zu Haftstrafen von insgesamt sieben Jahren und neun Monaten - zum größten Teil ohne Bewährung - verurteilt worden.

Am 20.Dezember 1972 hatte die KPD zu einer Protestdemonstration aufgerufen, in deren Verlauf einige Steine gegen das Amerika-Haus und das IBM-Haus geworden wurden.

WEG MIT DIESEM SCHANDURTEIL"
Q: Indochinahilfe, KPD, KJVD, KSV, KOV, LgdI, RH e.V.:Laos ganz befreit - Spendet für den Wiederaufbau,Bochum o.J. (1975),S. 2; Solidaritätskomitee Freispruch im Kölner Vietnamprozeß: Nachrichtendienst Vietnamprozeß Nr. 4, Köln o.J. (1975);VSK: Solidaritätsfest, Köln o.J. (1975)

Juni 1976:
Nach einem Bericht des KBW (vgl. 24.10.1976) führt anläßlich des 11. Jahrestages der Aufnahme des bewaffneten Befreiungskampfes unter der Führung der Volksfront für die Befreiung Omans (PFLO) das Nahost-Komitee Westberlin eine Solidaritätskundgebung vor dem Amerikahaus und dem British Center durch.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 25, Mannheim 24.10.1976, S. 12

Letzte Änderung: 08.02.2018