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Marxisten-Leninisten Westberlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 15.4.2006


Materiallage

Hier wird von den Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin selbst nur ein einziges internes Info dargestellt, ein weiteres befindet sich im APO-Archiv. Nicht ausgewertet haben wir bisher zahlreiche Dokumente des APO-Archivs über die Basisgruppen sowie von Betriebsgruppen dieser Zeit, die teilweise der ML nahe standen.

Zahlreiche in der RPK veröffentlichte Beiträge der ML finden sich hier eher am Rande. Diese Darstellung stützt sich ansonsten auf Materialien der konkurrierenden Berliner Gruppen, vor allem der Projektgruppe Elektroindustrie (PEI) und des Initiativausschuß für eine Kommunistische Jugendorganisation (IAfeKJO) Spartacus.

Die Organisationen

Es geht hier nur um die ML Westberlin, ihre Teilorganisationen wie das Proletarierinnen-Zentrum (PROZ/ML) sowie einige studentische Vorläufergruppen. Die Darstellung endet mit der Gründung des Kommunistischen Bundes/Marxisten-Leninisten (KB/ML) Westberlin. Eng befreundet mit den ML Westberlin ist die Ruhrkampagne.

Wichtige Themen und Ereignisse

Die Darstellung beginnt mit einem Überblicksbeitrag (1969), in dem die personelle Verbindung der ML mit dem Republikanischen Club (RC) Westberlin hervorgehoben wird.

Anfänglich sind die ML offenbar vor allem als Fraktionen öffentlich aktiv, ein Papier der ML-Fraktion der Arbeiterkonferenz findet sich in dem Beitrag über die RPK-Arbeitskonferenz, in dem auch die für die Herausbildung der ML zentrale Auseinandersetzung detailliert dargestellt wird. Hier werden dagegen andere Aspekte der ML Westberlin beleuchtet.

Aus dem Vorfeld der RPK-AK erfahren dank der 'Erziehung und Klassenkampf' bereits von der Spaltung in Kreuzberg (vgl. 1.1.1969), die allerdings vermutlich erst weit später erfolgt, und zwar noch nachdem sich die ersten einzelnen studentischen ML-Gruppen zu Wort melden, wie das ML-Studentenkollektiv Wiso (vgl. 26.9.1969), und das Konzept der Studentengewerkschaft als Massenorganisationen gegen das Konzept der Roten Zellen als revolutionäre Kaderorganisationen setzen. Da aber relativ große Teile der studentischen 'Massen' damals lieber selber Führer als Geführte seien wollten, der studentischen 'Gewerkschaft' auch die ökonomischen Druckmittel der Gewerkschaften der Werktätigen fehlten, vermochten sich dieses Konzept nicht durchzusetzen, allenthalben gründen sich damals weitere neue Rote Zellen, auch das SAKO ist dazu zu rechnen (vgl. Okt. 1969, 17.10.1969). Die ML Studentengruppe Romanistik übt später Selbstkritik (vgl. 27.11.1969).

Die ML macht erst einmal eine kleine Schulungspause um ihre Reihen zu festigen (vgl. Okt. 1969).

Eigentlich aber ist die Praxis, vor allem im proletarischen Bereich, wie es auch die ML-Fraktion der Arbeiterkonferenz auf der RPK-Arbeitskonferenz darlegte, das zentrale Anliegen der ML. Eines der wohl wichtigsten Felder dieser Praxis ist das PROZ/ML (vgl. 24.10.1969), in dem sowohl Bestrebungen um Frauenemanzipation als auch um antiautoritäre Erziehung (und gleichzeitig Betreuung eigener Kinder) zusammenfließen mit den Bemühungen um den Aufbau von Betriebsgruppen.

An der FU gründet sich eine ML-nahe Institutsgruppe Rote Publizistik (vgl. Nov. 1969), die ML-Ruppen werden nun auch offiziell an der Redaktion der 'Roten Pressekorrespondenz' (RPK- vgl. 14.11.1969) beteiligt und kurz darauf die RPK-Arbeitskonferenz zur Klärung der durch die ML in ihrem Beitrag aufgeworfenen Fragen einberaumt (vgl. 23.11.1969). Die Auseinandersetzung um die RPK spitzt sich aber, wie hier nur verkürzt dargestellt, noch vor der RPK-Arbeitskonferenz zu.

Einen Überblick über die damalige Tätigkeit der ML Westberlin im Zusammenhang der Westberliner Linken gibt die trotzkistische Konkurrenz von den IKD (vgl. 24.11.1969), die vor allem Tätigkeit der ML-Fraktionen in Arbeiterkonferenz und Sozialistischem Arbeiter- und Lehrlingszentrum argwöhnisch verfolgt (vgl. 27.11.1969).

Ob das angekündigte ML-Schulungsheft (vgl. Dez. 1969) erschien, ist derzeit unbekannt. Auf jeden Fall erschien ein erstes internes 'Info' der ML Westberlin (vgl. Dez. 1969), aus dem zahlreiche Artikel hier wiedergegeben werden. Allein ein längerer Beitrag über die Black Panther Party USA befindet sich allein in dem einschlägigen Artikel.

Das Zentrale Gremium (ZG) lässt sich über die weitere Konsolidierung der politischen Linie und dadurch die Vereinheitlichung der ML Westberlin aus, die es mit einer Kommission zu erreichen hofft, wobei auffällt, dass die Hochschulen als Praxisfeld hierbei nicht erwähnt werden. Dafür wird auf anfängliche Verbindungen der ML mit der KPD/ML verwiesen. Diese aber sind mittlerweile überwunden, auch von der Projektgruppe Elektroindustrie (PEI) bzw. der Betriebsgruppe Elektroindustrie fällt die Abgrenzung offenbar nicht schwer, vernachlässige diese doch die theoretische Seite des dialektischen Widerspruchs von Theorie und Praxis.

Neben dem ZG gibt es offenbar verschiedene Aktivistenkollektive (AK) innerhalb der ML, wobei sich die Frage aufwirft, aus welchem dieser Mitte Januar 1970 innerhalb der Ruhrkampagne berichtet wurde.

Das AK Betriebe (vgl. Dez. 1969) kann von der Verdoppelung der zugehörigen Gruppen berichten und bemüht sich um eine größere Disziplin der eigenen Kader. Auch ein Überblick über den Einfluss der ML Westberlin in den Betriebsgruppen bzw. Branchengruppen wird gegeben.

Auch das PROZ berichtet von seiner Arbeit (vgl. Dez. 1969), die ja teilweise ebenfalls aus Betriebsgruppenarbeit besteht, aber auch die weitgehend durch Frauen dominierten Bereiche des Bildungswesens, des Gesundheitswesen und der Sozialarbeit betreut. Auffällig ist die offenbar mangelnde Berührungsangst gegenüber dem der SEW befreundeten Sozialistischen Lehrerbund (SLB) Westberlin.

Dritter wichtiger Arbeitsbereich der ML Westberlin ist das SALZ (vgl. Dez. 1969), welches offenbar eher allein auf Lehrlingsarbeit ausgerichtet ist, da es ja sonst quer zu den Betriebsgruppen organisieren oder wenigstens einen Führungsanspruch diesen gegenüber postulieren müsste, der ja auch im hier abgedruckten Arbeitsbericht erwähnt wird. Offensichtlich gab es eine Spaltung im SALZ, wobei spätere PEI und spätere KPD/AO in Gestalt der Roten Zelle Germanistik (Rotzeg) sich gemeinsam als 'Harzer' ausgeben. Interessant ist auch, dass IAfeKJO Spartacus unter die 'reformistischen' Jugendorganisationen gezählt wird, was den trotzkistisch-jugendavantgardistischen Spartacisten sicherlich nicht recht gewesen sein dürfet, dünkten diese sich doch selbst durchaus revolutionär. Allerdings ist es wohl durchaus ein gewisser Achtungserfolg, dass die Spartacusgruppe hier in eine Reihe mit den Jugendgruppen der SPD gestellt wird. Die ML-Fraktion plant hier offenbar eventuell eine offensive Umarmungsstrategie der Spartacisten um diese per Kuscheln zum Kommunismus zu bekehren. Mit ähnlichen Plänen befasst sich ja auch die Spartacusströmung oft genug gegenüber der ML bzw. deren Sympathisanten. Die Gräben zwischen Stalinisten und Trotzkisten scheinen also nicht besonders ausgeprägt zu sein.

Die ML-Aktivisten an der FU, an den anderen Hochschulen scheint es also noch keine solchen zu geben, erklären sich einleitend sogleich für eher unwichtig bzw. lediglich als Quelle für betriebliche Kader.

Es wird hier also versucht die eigentlichen Quellen der bisherigen Bewegung, die Hochschulen, mehr oder minder konsequent zu ignorieren.

Zwar sind dort schon noch Kader für die Betriebsarbeit bzw. wohl auch Verteiler für die betriebliche Propaganda anzuwerben bzw. einträgliche Pöstchen zu besetzen, die es mit der Zerschlagung der Verfassten Studentenschaft ja immer noch gibt, wenn auch nicht mehr in Fachschaften oder ASten. Die besten Kader aber werden abkommandiert zur Missionierung der Arbeiterklasse. Allerdings ist die ML Westberlin in dem hier vorgestellten Papier durchaus bereits des großen potentiellen des Überbaus gewahr, versucht sich diesen perspektivisch zu Nutze zu machen bzw. wenigstens zu neutralisieren, wobei die Neutralität nicht im klassischen Kassensinne gemeint wird, sondern innerhalb des eigenen kleinen Konkurrenzkampfes gegen Rotzeg und 'Harzer Front', d.h. spätere PEI und KPD/AO. Auffällig ist, dass die ML-Aktivisten hier nur aus drei Fachbereichen bzw. Instituten der FU berichten, also noch nicht gerade flächendeckend organisiert zu sein scheinen. Allerdings bedeutet dies sicher nicht, dass sie nicht an den Fachbereichen oder Instituten zumindest Sympathien genossen.

Da die RPK-Arbeitskonferenz vom 6./7.12.1969 bereits gesondert behandelt wurde, wird die Darstellung fortgesetzt mit einem Auszug aus dem Bulletin des 'Republikanischen Clubs' (vgl. 18.12.1969), wobei Solveig Ehrler ja bereits einleitend als der ML bzw. dem späteren KB/ML nahe stehend benannt wurde.

Von Spartacus IAfeKJO erfahren wir über die vergleichsweise starke Verankerung der ML in der DruPa-Jugend Berlin (vgl. 21.12.1969, 16.1.1970) und so nebenbei auch über die generelle Zusammensetzung der 'Gewerkschaftsjugend' zu dieser Zeit. Interessant ist allerdings die Abwesenheit sowohl der SEW bzw. ihrer FDJW als auch der Jusos der SPD in der Westberliner DruPa-Jugend bzw. zumindest in dem hier dokumentierten Teil dieser.

Aus dem Januar 1970 erfahren wir von der Auflösung der 'Harzer Front', wobei vermutlich auch die ML gestärkt daraus hervorgingen. Von wohl erst späteren Gesinnungsgenossen wird zur selben Zeit noch der 'Rote Morgen' der KPD/ML geschrieben (vgl. Jan. 1970).

Das SALZ scheint unter dem entbrennenden Fraktionskampf der ML mit der Rotzeg schwer gelitten zu haben (vgl. 18.1.1970), mit der PEI aber ist die ML offenbar noch recht gut befreundet (vgl. 26.1.1970), selbst die IAfeKJO Spartacus berichtet zumindest für den DruPa-Bereich von eher kollegialem Verhalten und auch von dem geplanten Projekt Klassenanalyse (vgl. 28.1.1970). Dies wird gewisse Teile der ML bzw. ihrer Nachfolgeformationen wohl länger beschäftigen.

Zunächst aber ist offenbar angesichts des weitgehenden Zusammenbruchs der Roten Garde aufgrund interner Debatten eine erhebliche Marktlücke im Bereich des Berliner Pop-Mao-Stalinismus entstanden (vgl. 3.2.1970), in der DruPa ist die Rote Garde offenbar noch gemeinsam mit der ML tätig, die ML kann mangels Klassenanalyse auch die Gewerkschaftsfrage noch nicht entscheiden (vgl. 11.2.1970). Um diesem Mißstand abzuhelfen wird Rat aus Italien gesucht und bei der Unione Dei Communisti Italiani (Marxisti-Leninisti) gefunden (vgl. 13.2.1970).

Zwischen befreundeten Mitgliedern der beiden Fraktionen der ehemals einzigen Fraktion des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale werden Einschätzungen über die ML Westberlin abgegeben (vgl. 22.2.1970), die diese als die Revolte innerhalb der Revolte beschreibt, den Aufstand der Basis gegen die Führer der APO und des SDS beschreibt und auch einen raschen Anstieg dieses Flügels der Bewegung vorhersagt, versuchen möchte, sie zu zersetzen, damit keine kommunistischen Kader verschlissen werden.

In der Roten Zelle Ökonomie (Rotzök - vgl. 28.2.1970) existiert vermutlich eine Gruppe, die das ML-Konzept brauchbar für die Betriebs- bzw. Untersuchungsarbeit findet, obwohl die entsprechende Sektion 3 der Rotzök vermutlich mehrheitlich damals der PEI nahesteht, die aber der ML Westberlin evtl. in gewisser Hinsicht bzgl. der Auflehnung gegen die Autoritäten der antiautoritären Revolte verwandt ist, wie zumindest ein PEI-Mitglied es empfindet (vgl. 1.3.1970).

Die ML Westberlin sind damals Teil der drei Berliner Kaderlinien, die für den Hauptstrom der zerfallenden APO und den proletarischen Parteiaufbau maßgeblich erscheinen, wie z.B. von der Roten Zelle Physik (RotzPhys) FU geschildert wird (vgl. 12.3.1970), auch wenn die KPD/ML evtl. noch als vierte Kraft dazu gehört (vgl. 12.3.1970) wohl noch ein bisschen dazu rechnet, nur hat die ja gar kein Konzept zum Parteiaufbau. Dieses braucht sie auch eigentlich, weil sie die Partei ja schon ist. Das erkennt in dieser Darstellung auch nicht sogleich bzw. am nächsten tag (vgl. 13.3.1970), aber später, die KPD/AO. Diese beginnt nun sowohl der maroden und sich fröhlich zerspaltenden Berliner KPD/ML als auch der PEI und der ML Westberlin energische Konkurrenz auf dem Sektor des kommunistischen Parteiaufbaus zu machen. Nachdem zunächst die Redaktion des Zentralorgans der Bewegung, die 'RPK' zumindest teilweise besetzt wurde, bemüht sich die KPD/AO um das Einsammeln von Gruppen, wobei ihr von den den ML Westberlin nahe stehenden Formationen erst einmal nur das PROZ/ML ins Auge sticht (vgl. 20.3.1970).

Die ML überlassen der KPD/AO auch noch die RPK-Redaktion (vgl. Apr. 1970), stärken sich vermutlich durch Teile der Ruhrkampagne (vgl. 4.4.1970) und rufen noch gemeinsam mit der KPD/AO zum 1.Mai auf (vgl. 10.4.1970), erleiden aber in der Rotzeg einen schweren Rückschlag gegen die KPD/AO (vgl. 25.4.1970), obwohl sie sich auf eine nicht unbedeutende Minderheit stützen können. Die Maiveranstaltung (vgl. 29.4.1970) und die Maidemonstration (vgl. 1.5.1971) werden vermutlich von allen Teilen der ML-Fraktion noch gemeinsam mit anderen Linken durchgeführt, im Verlaufe des Mai aber wird der KB/ML Westberlin gegründet, der sich zuerst mit einem theoretischen Organ zu Wort meldet (vgl. Mai 1970) und dem sich ein eigener Artikel widmen wird.


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

1969:  Im Frühjahr bis Sommer bilden die sog. ML-Gruppen der FU West-Berlin. Aus ihnen entstand zunächst die ML Westberlin, dann der KB Westberlin, der sich bereits nach einer Nummer seines theoretischen Organs spaltete. Erst dann entsteht der KB/ML Westberlin. Wichtigste Vertreter waren: Rolf Lindemann (Gründungsmitglied des RC Westberlin), Solveig Erler (Gründungsmitglied des RC Westberlin), Dieter Läpple (später verantwortlich für das Organ "Kommunistische Arbeiterzeitung"). Die Zeitung war das Organ des KB/ML. Das TO des KB/ML: "Kommunist". In den Fraktionsauseinandersetzungen der Berliner ApO war die Ruhrkampagne (deren wichtigster Vertreter wohl Bernd Rabehl, Assistent an der FU und Initiator der Ruhrkampagne war) mit dem KB/ML verbündet.
=Kukuck, Margareth: Student und Klassenkampf,2.Aufl.,Hamburg 1977,S.102ff

01.01.1969:  Vom Berliner Büro für Stadtsanierung und Soziale Arbeit wird ein 'WOHN-INFO' - Informationen zur Wohnungs- und Baupolitik herausgegeben. Diese Nummer 1 erscheint in einer Auflage von ca. 10.000 und wird im Sanierungsgebiet Kreuzberg verteilt. Laut 'Erziehung und Klassenkampf' entstand das Büro aus der Basisgruppe Sanierungsgebiet Kreuzberg (vgl. Aug. 1968). Als erkennbar wird, daß die Agitation nicht zu den organisatorisch erhofften Konsequenzen führt, spaltet sich die Basisgruppe im wesentlichen in eine ML-Gruppe und eine Stadtteilbasisgruppe.
=Erziehung und Klassenkampf,Nr.7,Frankfurt 1972,S.10;
Rote Pressekorrespondenz Nr.4,Berlin 1969,S.9


26.09.1969:  In der 'RPK' Nr.32 (vgl. 19.9.1969, 3.10.1969) erscheint u.a. ein Papier aus der Berliner FU von der Wiso-ad-hoc-Gruppe und vom ML Studentenkollektiv Wiso, welches den Titel "Welche Organisation brauchen die Studenten?" trägt. Darin wird u.a. ausgeführt:"
Es bedarf einer Organisationsform, die nicht nur die erfaßt, die ... auf den Hauptwiderspruch dieser Gesellschaft, zwischen Kapital und Arbeit zu schließen in der Lage sind und schon sozialistische Praxis machen. Vielmehr müssen die Massen der Studenten organisiert werden, die durch den Kampf an der Uni ... antikapitalistisches Bewußtsein ... entwickeln und später zu bewußt sozialistischer Praxis gelangen können. ... Der von den Germanisten und dem INFI ferngesteuerte AStA des letzten Semesters nahm die Auflösung der studentischen Massenorganisation ... faktisch schon vorweg. ... Selbst diese geringfügig zentralisierende Institution (AStA) wurde durch das Hochschuldiktat liquidiert, was den Aufbau einer zentralisierenden, studentischen Massenorganisation auf qualitativ höherer Ebene als bisher notwendig macht. DIESE ORGANISATION KANN KEINE A PRIORI SOZIALISTISCHE SEIN, DA IHRE HAUPTFUNKTION SEIN MUSS, SOZIALISTISCHES BEWUSSTSEIN ERST NOCH ZU ENTFALTEN. ...

Die Aufgabe von sozialistischen Kaderorganisationen ist die Arbeit am Hauptwiderspruch ... . UNIVERSITÄRE KADERORGANISATIONEN WIE DIE ROTZEG SIND DESHALB FÜR SOZIALISTEN EIN UNDING, ... . ... Der adäquate Organisationstyp für die Masse der Studenten muß deshalb eine MASSENORGANISATION sein, die als Kriterium für die Mitgliedschaft lediglich die Unterstützung für allgemein formulierte Ziele und die materielle Unterstützung in Form von Beiträgen vorsieht. ...

Obwohl die sozialistischen Studenten in Gruppen nach unterschiedlichen ideologischen Linien und damit verbunden in verschiedene Praxisbereiche gegliedert sind, fallen ihnen doch an ihrem universitären Arbeitsplatz gemeinsame Aufgaben zu, die eine zusammenfassende Organisierung möglich machen ("Rote Studentengruppen" als Nachfolgeorganisation der ad-hoc-Gruppen). Diese Organisation kann schon deshalb keine Kaderorganisation sein, weil dadurch Fraktionen sehr bald eine Mitarbeit unmöglich gemacht würde. ... Es folgt, daß diese Organisation die PERMANENTE AKTIONSEINHEIT DER EINZELNEN FRAKTIONEN für den Hochschulbereich ist."
Die studentische Massenorganisation solle eine Studentengewerkschaft sein. Für diese wird u.a. das Folgende geplant: "Mitglied kann nur werden, der bereit ist, sich in die Tradition der Studentenrevolte zu stellen und in Höhe des bisherigen AStA-Beitrags materielle Unterstützung leistet."
=Rote Presse Korrespondenz Nr.32,Berlin 26.9.1969

Oktober 1969:  Am Otto Suhr Institut (OSI) der FU Berlin gründet sich im Wintersemester, laut MLHPol (vgl. Mai 1971), das Sozialistische Aktionskollektiv am OSI (SAKO).
=MLHPol: MLHPol,Berlin o.J. (1971)

Oktober 1969:  Die MLHG (vgl. 5.7.1971) berichtet vermutlich aus dem Oktober, daß sich die ML Westberlin vor der RPK-Arbeitskonferenz (vgl. 6.12.1969) aus der Uni und den Ausläufern der Studentenbewegung in ML-Schulungsgruppen zurückgezogen hätten.
=MLHG Nr.4,Berlin 5.7.1971

17.10.1969:  In Berlin erscheint die 'RPK' Nr.35 (vgl. 10.10.1969, 24.10.1969).

Mit der Auseinandersetzung um die Frage "Welche Organisation brauchen die Studenten?" entstehen in Berlin zwei weitere Rote Zellen, die Rote Zelle Mathematik FU (Rotzmat) und die Rote Zelle Ökonomie FU (Rotzök). Der Gründungsaufruf der Roten Zelle Mathematik wird abgedruckt.

In der Auseinandersetzung lehnt die ROTZEG den Vorschlag der WISO-ML (Aufbau einer Studentengewerkschaft) ab und schlägt u.a. vor, "auf einer Veranstaltung der ad-hoc-Gruppen aller Hochschulen die studentische Massenorganisation als Organisation der 'Roten Zellen' zu diskutieren". Die ROTZEG spricht sich für die Umwandlung der ad-hoc-Gruppen in Rote Zellen aus. Die ROTZEG propagiert desweiteren ein Sozialistisches Zentrum in bewußter Abgrenzunmg gegen die KPD/ML und gegen die ML-Fraktion. Für die ROTZEG gibt es folgende Aufgabenbereiche:
1. Umwandlung der ad-hoc-Gruppen in Mitgliederorganisationen.
2. Verpflichtung zur Agitations- und Rekrutierungsarbeit unter den studentischen Massen.
3. Aufstellung eines "Gegenstudienplanes", der die Funktionalisierung wissenschaftlicher Ressourcen für den Klassenkampf sowie die ökonomische Organisation des Studiums der Genossen gewährleisten soll.
4. Diskussion der außeruniversitären Perspektive, die sowohl die Bereitstellung des erlernten Wissens für die außeruniversitären Gruppen garantiert, wie auch die strategische Bedeutung des Kampfes in den durch die spätere Berufspraxis vorgegebenen Überbauinstitutionen erklärt.

Organe der sozialistischen studentischen Massenorganisationen sollen sein: Vollversammlung aller Mitglieder der Roten Zellen, der Delegiertenrat, der Exekutivausschuß.
=Rote Pressekorrespondenz Nr.35,Berlin 17.10.1969

24.10.1969:  In der heutigen 'RPK' berichtet das:"
PROLETARIERINNEN ZENTRUM (PROZ-ML)

KRITIK UND SELBSTKRITIK DER BISHERIGEN BETRIEBS- UND BASISGRUPPENARBEIT AM BEISPIEL DES BETRIEBSKINDERLADENPROJEKTS UND DER FRAUENBETRIEBSGRUPPE WEDDING.
l. Wie entstand der Gedanke der Frauenbetriebsgruppe und des Betriebskinderladens?

"Die Idee zu einer Frauenbetriebsgruppe entstand in einem studentischen Frauenarbeitskreis, der, nachdem er sich eine Zeitlang mit Theorie beschäftigt hatte, merkte, daß darüber keine wirkliche Emanzipation möglich ist, sondern nur in der Praxis." (Basisgruppen-Info 5 (vgl. **.**.1969,d.Vf.)) Außerdem fiel in Betriebsgruppen auf, daß hier fast ausnahmslos Männer waren, obwohl in den entsprechenden Betrieben vorwiegend Frauen arbeiteten. Den Grund für die mangelnde Mitarbeit der Arbeiterinnen sahen wir darin, daß die Frauen ein noch geringeres Bewußtsein hätten als die Männer. Dies erklärten wir uns durch die doppelte Unterdrückung der Arbeiterinnen in Familie und Betrieb. Wie konnte den Frauen geholfen werden?

Die gleiche Motivation hatte uns schon vorher zur Gründung der anti-autoritären Kinderläden geführt. Die Studentinnen und Studentengattinnen sollten dadurch freigesetzt werden für diejenige politische Arbeit, für die bislang nur ihre Männer Muße hatten. Die zeitraubende Aufzucht der Kinder sollte jetzt kollektiv und arbeitsteilig gemeistert werden. Die Debatten über anti-autoritäre Kindererziehung verschlangen jedoch die freigesetzte Zeit und darüber hinaus. Die Lösung der Probleme der Kindererziehung und der sexuellen Über-Kreuz-Beziehungen der Eltern erschien uns als ein unabdingbarer Schritt zur Revolution. Den allein richtigen und notwendigen Schritt zur Revolution, das Hauptziel, nämlich die Organisierung des Proletariats, verloren wir aus den Augen.

2. Welchen Gewinn haben wir aus unseren Erfahrungen mit den anti-autoritären Kinderläden für die Betriebsarbeit gezogen?

Wir glaubten, daß in den Genuß der antiautoritären Kinderläden, auch die Arbeiter kommen müssen. Wir meinten, daß es sehr schwierig sein würde, das Modell der antiautoritären Kinderläden auf die Arbeiterkinder zu übertragen, weil die Arbeiter ihre Kinder viel repressiver erzögen als wir vor Gründung der antiautoritären Kinderläden unsere eigenen Kinder erzogen hatten. Diese Schwierigkeiten der Übertragung würden, so meinten wir, geringer werden, wenn wir die antiautoritären Kinderläden mit den Betriebsgruppen verknüpften. Wir dachten, die Arbeiter könnten besonders gut anhand der Probleme antiautoritärer Erziehung über ihre eigene Unterdrückung im Betrieb aufgeklärt werden: "Eine kollektive Kindererziehung kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Eltern ihren bisherigen Erziehungsstil problematisiert haben. Das kann nur der Fall sein, wenn sie den Zusammenhang zwischen der Unterdrückung am Arbeitsplatz und repressivem Klima in der Familie erkennen."(Kinderladen-Info 7)

Was folgt daraus für die Arbeiterinnen; Wir meinten, daß das Bewußtsein der Arbeiterklasse da am wenigsten ausgeprägt sei, wo die Unterdrückung am stärksten sei, nämlich bei den Arbeiterinnen. "Deshalb meinten wir, uns speziell um Frauen kümmern zu müssen und innerhalb von Frauenbetriebsgruppen ihnen ihre Unmündigkeit bewußt zu machen."(BG-Info 5) Wir glaubten mit einem Vehikel - dem Betriebskinderladen - in Frauenbetriebsgruppen bei den Arbeiterinnen Einsicht in ihre eigene Unterdrückung erst schaffen zu müssen. Wir forderten also von Telefunken einen Betriebskindergarten und versuchten, über diese Forderung Arbeiterinnen für die Mitarbeit in der Frauenbetriebsgruppe zu gewinnen. Der Entwicklung des Projekts eines Betriebskinderladens in der Basisgruppe Wedding war bei Telefunken eine betriebliche Unterschriftensammlung zur Forderung eines Betriebskindergartens vorausgegangen. Die Aktion wurde durchgeführt von der Betriebsgruppe Telefunken in Verbindung mit einem linken Betriebsrat. Diese Forderung als taktischer Schritt war zweideutig. Einerseits sollte sie zur Organisierung der Arbeiterinnen als Sozialistinnen in Frauenbetriebsgruppen dienen, andererseits wäre die Erfüllung dieser Forderung nicht im Interesse der Arbeiterklasse, weil der Kapitalismus langfristig an Betriebskindergärten interessiert sein kann, um die Unterdrückung der Arbeiterklasse zu verschärfen.

Warum ist der Kapitalismus an Betriebskindergärten interessiert? Ein Betriebskindergarten bedeutet erstens Freisetzung von mehr Frauen für die Arbeit in der Produktion. Zweitens bietet er dem Kapitalisten die Möglichkeit, bei gespannter Lage des Arbeitsmarktes die Frauen an den Betrieb zu binden. Drittens kann der Kapitalist so auch noch die Kindererziehung bestimmen. Telefunken hat unsere Forderung jedoch inzwischen abgelehnt. Die Kapitalisten insgesamt haben im Augenblick Interesse daran, Sozialleistungen auf den Staat abzuwälzen und damit den Reallohn des Arbeiters zu senken, weil der Arbeiter dadurch die Sozialleistungen über die Steuern im Endeffekt selbst bezahlen muß. Im Moment ist die Reserve an Frauen (und an Gastarbeitern) noch hoch genug, die Lage auf dem Arbeitsmarkt noch nicht gespannt, und also kann Telefunken es sich noch leisten, keinen betriebseigenen Kindergarten zu haben.

Als sich abzeichnete, daß unsere Forderung nicht erfüllt werden würde, entwickelte sich in der Basisgruppe eine Diskussion über den Nutzen eines von der Basisgruppe betriebenen Betriebskinderladens. Wir sahen die Möglichkeit, durch Aufgreifen eines Bedürfnisses der Arbeiterinnen (Kindererziehung) an sie "heranzukommen". Über die Arbeit an den Grundlagen der Kindererziehung sollten sie auf den Grundwiderspruch hingeführt und politisiert werden. Eine Genossin - Angestellte bei Telefunken - berichtete von mehreren Arbeitskolleginnen, die ein starkes Unbehagen an den Erziehungsmethoden der staatlichen Kindergärten geäußert hätten. Dies bestärkte unsere Vorstellung von der Richtigkeit unseres Konzepts. Dadurch, daß wir den Arbeiterinnen einen Betriebskinderladen schenkten, wollten wir die Arbeiterinnen an die Betriebsgruppe als einzig mögliche Organisationsform binden, ohne zu überprüfen, ob Betriebsgruppen die richtige und einzige proletarische Organisationsform sein können.

3. Was haben wir für Fehler gemacht?

Schrittweise hatten wir also unser Ziel vergessen. Unser beschränktes Ziel war gewesen, Arbeiterinnen in Frauenbetriebsgruppen zu organisieren. Wie suchten wir das zu ereichen? l. durch Propagierung eines Betriebskindergartens und spätere Politisierung der Frauen über Erziehungsprobleme. 2. Mobilisierung der Frauen zur Durchsetzung von l. Über die Forderung des Betriebskindergartens, über die Schaffung eines Betriebskindergartenkonflikts in Betriebsversammlungen.

Wo die Taktik von keiner Strategie kontrolliert wird, kann sie immer nur wieder Taktik hervorbringen. - Dies gipfelt in folgendem: "Die Arbeit mit den Kindern dient in erster Linie dazu, parallel zur Betriebsorganisation an die Eltern auch im Reproduktionsbereich heranzukommen. Dabei kann uns das starke Interesse der Eltern an einer besseren Zukunft der Kinder behilflich sein."(KL-Info 7) - Wenn also aus Taktik nur Taktik entsteht, wird Taktik schließlich naturwüchsig zum Inhalt der Politik. Diese "Politik der Taktik aus der Taktik" konnte nur entstehen, weil versteckte Motive, die aus der Klassenlage der Studenten resultierten, immer wieder hervorbrachen und zum eigentlichen Ziel wurden: "Auch für die Studentinnen ist es wichtig, sich mit Arbeiterinnen auseinanderzusetzen, weil sie (die Studentinnen) die Unterdrückung zwar verschleiert, aber doch ähnlich erfahren und weil sie dadurch (durch die Auseinandersetzung mit den Arbeiterinnen) sich emanzipieren und lernen, selbständig politische Arbeit zu leisten."(BG-Info 5)

4. Wie ist diese opportunistische Politik zu erklären?

Wir gingen von falschen Vermutungen über die Bewußtseinslage des Proletariats aus. Wir hatten die marxistisch-leninistische Theorie der Klassengesellschaft, ohne sie angeeignet zu haben, ersatzlos verworfen und aus den Erfahrungen der Geschichte der Arbeiterbewegung keine Konsequenzen gezogen. Spätestens nach dem ersten Versuch einer Analyse über die Lage der Arbeiterinnen (s. RPK Nr. 21) hätten wir unsere Anstrengungen für die Organisierung der Proletarierinnen verstärken müssen. Denn das Ergebnis der Analyse war, daß die Arbeiterinnen sich sehr wohl ihrer doppelten Unterdrückung bewußt sind, jedoch resignieren, weil sie mit Recht sich nicht vorstellen können, wie ihre Lage durch eine Politik der Taktik sich entscheidend verändern sollte. (Bei der jetzt stattfindenden Schulung am Kommunistischen Manifest sagte die Genossin M., BG Wedding: "Es war mir nie glaubwürdig, wie das alles, was wir machten, zur Revolution führen soll")

5. Was hat uns davon abgehalten, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen?

Letztlich erklärbar ist das nur aus unserer Vorgeschichte als Kleinbürger. Wir hatten an der Universität gemerkt, daß Studenten allein die Revolution doch nicht machen können. Obwohl wir wußten, daß das Proletariat allein die Avantgarde der Revolution sein kann, gingen wir praktisch so vor, als wären wir auf der Suche nach einem geeigneten Bündnispartner. Da wir davon ausgingen, daß der Spätkapitalismus alle manipuliere, war es für uns so schwierig, das Proletariat zu entdecken. Nachdem wir uns entschlossen hatten, anzunehmen, daß es ein Proletariat zwar gibt, aber ein manipuliertes, mußte unsere Aufgabe sein, "die Macht der Manipulateure" zu brechen. Wir glaubten, das Klassenbewußtsein des Proletariats wieder zum Leben erwecken zu müssen durch Aufklärung. Was wußten wir aber über die Lage der Arbeiter unterm Kapitalismus, daß wir sie hätten aufklären können? Nichts. Deshalb nutzten wir zufällige persönliche Bekanntschaften mit Arbeitern, knüpften neue, sammelten einige der Arbeiter in den ersten Basisgruppen und versuchten, auf Flugblättern unser "Wissen" in ihre "manipulierte" Sprache zu übersetzen. Wir wollten die Arbeiter für unsere Revolte gegen die Konsumgesellschaft und ihren Polizeiterror modeln.

6. Was ist die Rolle der Intellektuellen als Revolutionäre?

"Es werden durch den Fortschritt der Industrie ganze Bestandteile der herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen bedroht." "Ein Teil der Bourgeoisie geht zum Proletariat über und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben. " (Marx-Engels: Kommunistisches Manifest)

Diese objektiven Bedingungen der Proletarisierung der intellektuellen Lohnarbeiter genügen nicht, um die Intellektuellen ihre Aufgaben innerhalb jeder revolutionären Phase erkennen zu lassen. Wir müssen unsere kleinbürgerliche Verachtung des Proletariats und unseren intellektuellen Hochmut kritisieren und zerstören. Das Proletariat ist nicht unser Gehilfe auf dem Weg zur Revolution. Die Diktatur des Proletariats ist nicht die Diktatur der Intellektuellen über das Proletariat. Wenn wir revolutionäre Intellektuelle sein wollen, müssen wir dem Proletariat dienen.

Was heißt das?

Die Intellektuellen haben im noch nicht entfalteten Klassenkampf die Aufgabe, sich mit Hilfe der Arbeiterklasse umzuerziehen und sich gemeinsam mit den Proletariern die Theorie und Praxis der Marxismus-Leninismus und der Mao-Tse-Tung-Ideen anzueignen, um daraus Lehren für die Führung des Kampfes zu ziehen. Die Intellektuellen haben die Aufgabe, ihre Produktivkraft den Interessen des Kapitals zu entziehen und sie dem Proletariat dienstbar zu machen, d. h. sie müssen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in der dem Klassenkampf angemessenen Form vergesellschaften. Sie müssen die Theorie des Proletariats Vermassen durch die Schulung. Durch Schulung wird die Theorie Bestandteil, später Waffe im Klassenkampf, indem sie die ideologische Grundlage für die Organisierung des Proletariats zur Klasse schafft, indem sie der Arbeiterklasse ihre geschichtliche Aufgabe bewußt macht, indem sie schließlich die Arbeiterklasse in die Lage versetzt, in allen Bereichen der geschichtlichen Entwicklung die Führung zu übernehmen.

II. WARUM MÜSSEN WIR DIE PROLETARIERINNEN ORGANISIEREN?

Weil es der nächste Zweck der Kommunisten ist, das Proletariat zur Klasse zu bilden, (s. Kommunistisches Manifest, 58)

Aus dem Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital ergibt sich die Konkurrenz der Arbeiter untereinander. Die Folge davon ist die Spaltung des Proletariats in miteinander konkurrierende Parteiungen. Diese Parteiungen sind: Arbeiter und Arbeitslose, Lehrlinge und der übrige Teil des arbeitenden Proletariats, Facharbeiter und Hilfsarbeiter (Lehrlinge), Arbeiterinnen und Arbeiter, ausländische Arbeiter und deutsche Arbeiter, nicht arbeitende Proletarierinnen und Arbeiterinnen, qualifizierte und dequalifizierte Arbeiter und Arbeiterinnen, Arbeitskinder und erwachsene Proletarier und Proletarierinnen. Diese Parteiungen verhalten sich in unterschiedlichen Graden widersprüchlich zueinander. Die Kommunisten müssen das Proletariat zur einheitlichen Klasse zusammenschweißen, d. h. das Proletariat dazu führen, in kämpferischer Solidarität die Konkurrenz zwischen den Parteiungen des Proletariats zu überwinden. Verschiedene Parteiungen des Proletariats sind bereits geeint: in der Familie. Die Familie eint das Proletariat im Interesse der Stabilisierung der Konkurrenz. Die Familie bietet dem Kapitalisten die Möglichkeit, seinen Profit zu maximieren. Der Lohn des Arbeiters kann gesenkt werden mit der Folge, daß weitere Mitglieder der Reproduktionsgemeinschaft Familie sich verkaufen müssen. Damit gerät der Arbeiter in Konkurrenz zur Arbeiterin, die für einen geringeren Lohn als er arbeiten muß, damit gerät die Arbeiterin in Konkurrenz zur proletarischen Hausfrau. Sind die Arbeiterinnen Lohndrückerinnen für die Arbeiter, so sind die Ehefrauen der Arbeiter Lohndrückerinnen für die Arbeiterinnen.

Die ursprüngliche Funktion der Familie als Produktionsgemeinschaft (z. B. die bäuerliche und handwerkliche Produktionsgemeinschaft) ist zerstört. Die Familie als Reproduktionsgemeinschaft, d. h. die einzige Funktion, die die Familie für das Proletariat je hatte, kann im Kapitalismus nicht aufgelöst werden. Der Kapitalismus braucht die Familie als materielle Interessengemeinschaft. Er sichert sie ab z. B. durch ein Rechts- , Versicherungs-, Steuer- und Krankenkassenwesen, das es dem Proletariat unmöglich macht, unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen die Familie aufzuheben. Die Familienideologie kann ihre Wirkung auf das Proletariat tun, weil der Kapitalismus interessiert daran ist, proletarische Familien zu erhalten, in denen nicht alle Mitglieder in den Produktionsprozeß eingegliedert sind. Wenn die Proletarierin nicht arbeitet, besteht zwischen ihr und dem Arbeiter eine vom Kapitalismus als naturwüchsig interpretierte Arbeitsteilung. Diese Interpretation hilft die tatsächlich durch den ökonomischen Zwang zur Familie aufrechterhaltene Konkurrenzsituation zu verschleiern. Warum ist der Kapitalismus daran interessiert, solche kleinbürgerlichen proletarischen Familien aufrechtzuerhalten? Weil die proletarischen Hausfrauen ein Teil der industriellen Reservearmee sind.

Es kommt darauf an, daß die Arbeiterinnen, die proletarischer Hausfrauen und die Arbeiter erkennen, daß es nur ein Interesse des ganzen Proletariats geben kann: den Kampf gegen den Kapitalismus gemeinsam aufzunehmen.

III. WIE KÖNNEN WIR DIE PROLETARIERINNEN ORGANISIEREN -UND WO?

Überall dort, wo die Proletarierinnen sind, muß unsere Agitation und Propaganda sie erreichen. Durch Agitation und Propaganda muß bei den Proletarierinnen die Motivation zur Schulung und Organisierung erzeugt werden. Mit der Schulung beginnt die Organisierung.

Unsere Agitation und Propaganda setzt unsere eigene Schulung voraus. Unsere Schulung muß organisiert beginnen. Dieser dialektische Dreischritt von Agitation und Propaganda, Schulung und Organisierung ist nur zentralisiert möglich. Der Prozeß der Zentralisierung unserer politischen Arbeit ist sein Hauptmoment.

l. AGITATION UND PROPAGANDA

Wir haben bei unserer Agitation vor allem in den Betrieben die Erfahrung gemacht, daß wir nicht notwendig die politisch bewußtesten Arbeiter und Arbeiterinnen erreichten, sondern in jedem Fall die kontaktfreudigsten. Wir haben diese Arbeiter und Arbeiterinnen in unsere Betriebsgruppen mitgenommen und vielfach ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen gewonnen. Das positive Moment der individuellen Agitation ist zugleich sein gefährliches. Positiv und unabdingbar ist, daß in der individuellen Agitation ein Stück der Entfremdung zwischen den Arbeitern aufgebrochen wird. Das Mindestmaß an Vertrauen, das Grundlage der gemeinsamen politischen Arbeit ist, kann nur so hergestellt werden. Solange aber die Betriebsgruppen isoliert voneinander bestehen oder nicht mehr als Informationsaustausch zwischen ihnen betrieben wird und solange der politische Inhalt der individuellen Agitation diffus oder nicht kontrollierbar ist, solange droht das, was in der individuellen Überzeugungsarbeit als Grundlage der politischen Arbeit erzeugt wird, zum Hauptgegenstand der Betriebsgruppenarbeit zu werden. Das Betriebsgruppenleben, das dann entsteht, ist gegengesellschaftlich, fällt der illusionären Freiraumpraxis anheim. Voraussetzung für unsere richtige politische Arbeit ist deshalb, daß sie zentralisiert, und das heißt kontrolliert geschieht.

Aber genügt es, daß unsere Betriebskader durch einheitliche Schulung und durch Kontrolle ihrer Arbeit zu besseren Agitatoren werden? Nein. Die Agitatoren in den Betrieben müssen durch Propaganda von außen unterstützt werden. Haben wir eine solche Propaganda bisher schon betrieben? Nein. Wir haben Flugblätter gemacht und Betriebszeitungen. Unsere Flugblätter und Betriebszeitungen waren Herbstblätter im Winde und keine Samenkörner, denn sie waren ungeplant, reaktiv und geschichtslos. Unsere Flugblätter und Betriebszeitungen waren nicht offen und nicht offensiv, sie haben keine Lernprozesse initiieren können. Unsere Flugblätter und Betriebszeitungen waren keine zentral organisierte Vermassung eines einheitlichen politischen Inhalts. Deshalb waren sie keine Propaganda.

Von Beginn unserer Arbeit an müssen Agitation und Propaganda einander ergänzen. Denn Agitation allein hat einen zu hohen Grad an Zufälligkeit und Individualität. In der ersten Etappe unserer Arbeit wird die Agitation noch Schwerpunkt haben müssen und die Propaganda wenige erreichen. Gerade diese wenigen, die durch die Propaganda und nicht in erster Linie durch die Agitation erreicht werden, werden wichtig sein am Anfang, da sie ein relativ hohes Maß an Entschlossenheit und den Willen, nicht mehr allein, sondern organisiert zu kämpfen, schon mitbringen. Bei ihnen wird die Motivation zur Schulung am stärksten sein.

Wo werden wir agitieren?

Überall dort, wo das Proletariat ist: in den Betrieben, in den Wohnvierteln, in den Kneipen, auf den Spiel- und Sportplätzen, in den Krankenhäusern.

Propaganda werden wir machen in einem Massenblatt, in Kinoveranstaltungen und auf proletarischen Kongressen. Was muß der Inhalt unserer Agitation und Propaganda sein? Wir müssen bei der Beantwortung dieser Frage eine unserer wesentlichsten Erfahrungen aus der Betriebsgruppenarbeit berücksichtigen: es geht nicht darum, den Arbeitern und Arbeiterinnen ihre beschissene Situation in Agitation und Propaganda noch einmal plastisch zu verdeutlichen. Wir können davon ausgehen, daß die Proletarier ihre Situation besser kennen als wir. Aufgabe, unserer Agitation und Propaganda ist es, den Kampf des Proletariats zu unterstützen. Was heißt das? Es kann nicht heißen, daß wir die Arbeiter dadurch für ihre Arbeitskämpfe stählen, indem wir sie vorrangig mit Details von Konzernstrategien bekannt machen, indem wir vorrangig die Einzelheiten der Unterdrückungsmaschinerie aufdecken. Beschränken wir unsere Agitation und Propaganda dem Inhalt nach auf Informationen über die Taktik des Kapitals, dann unterstützen wir die Arbeitskämpfe nicht wirklich, sondern machen sie lediglich überschaubarer. Aufgabe unserer Agitation und Propaganda muß es sein, vorrangig den Trade-Unionismus zu durchbrechen. Denn "Trade-Unionismus bedeutet ... ideologische Versklavung der Arbeiter durch die Bourgeoisie." "Das politische Klassenbewußtsein kann den Arbeitern nur von außen gebracht werden, d. h. aus einem Bereich außerhalb des ökonomischen Kampfes, außerhalb der Sphäre der Beziehungen zwischen Arbeitern und Unternehmern. Das Gebiet, aus dem dieses Wissen geschöpft werden kann, sind die Beziehungen aller Klassen und Schichten zum Staat und zur Regierung, sind die Wechselbeziehungen zwischen sämtlichen Klassen."(Lenin, Was tun)

Inhalt unserer Agitation und Propaganda muß die ideologische Erziehung des Proletariats zur Klasse sein. Das Proletariat wird Klasse für sich nur werden können, wenn es lernt, mit den Wechselbeziehungen zwischen sämtlichen Klassen so umzugehen, daß sie seinem Kampf dienen. Sein Kampf aber zielt nicht ab auf einen Putsch im ökonomischen Bereich, erschöpft sich also nicht in Fabrikbesetzungen, sondern steuert hin auf die Umwälzung der ganzen Gesellschaft. Deshalb muß Inhalt unserer Agitation und Propaganda außerdem sein: ideologische Erziehung der Arbeiterklasse zum Sozialismus.

Was heißt das konkret?

Die Agitation und Propaganda unterstützt die Aufhebung der Konkurrenz zwischen den Parteiungen des Proletariats. Ihr Inhalt beantwortet immer wieder die Frage "wie wächst das Proletariat zur kämpferischen Klasse zusammen?" durch Beispiele des solidarischen Kampfes von Proletariern und Proletarierinnen. Wir propagieren die Übernahme von Parolen der Arbeiterinnen und Jungarbeiter (z. B. Forderung nach 500 DM Lehrlingsgehalt) durch das gesamte Proletariat. Wir beschreiben und propagieren den Zusammenhang z. B. zwischen dem Kindergärtnerinnen-Streik und dem BVG-Streik in Berlin. Wir propagieren den proletarischen Internationalismus: der glorreiche Kampf der Chinesinnen, Vietnamesinnen, Palästinenserinnen, Black Pantherinnen wird die Proletarierinnen ermutigen, ihrem Beispiel zu folgen.

2. SCHULUNG

Die Grundschulung, zu der wir in unserer Agitation und Propaganda die Proletarierinnen motivieren wollen, wird der erste Schritt zu ihrer Organisierung sein. Warum? Weil sie dieselbe sein muß für alle Parteiungen des Proletariats. Sie muß einheitlich sein und zentral organisiert. Die Grundschulung wird durchgeführt an klassischen Texten, die von Marx über Lenin bis Mao eine einheitliche politische Linie aufweisen. Es geht darum, die Prinzipien dieser Linie sich anzueignen, sie zu instrumentalisieren für den Kampf des deutschen Proletariats. Nur auf diese Weise wird das Proletariat die seinem Kampf angemessene, aus ihm entwickelte und ihn weitertreibende Theorie als eine seiner Waffen bilden können. Welches sind die Prinzipien, die bei der Aufarbeitung der Kampferfahrungen dem deutschen Proletariat als Kriterien dienen können?

Erstes Prinzip:

Der Grundwiderspruch des Kapitalismus als die grundlegende proletarische Erkenntnis.

Zweites Prinzip:

Die Diktatur des Proletariats muß mit der Zerschlagung des bürgerlichen Staates errichtet werden. Was sind die Methode zu ihrer Sicherung und Entwicklung?

Drittes Prinzip:

Das dialektische Denken als Methode des proletarischen Kampfes und die Selbsterziehung der Massen zum sozialistischen Klassenbewußtsein.

Viertes Prinzip:

Kampf dem Revisionismus als Prüfstein der ersten drei Prinzipien. In der Aufbauschulung wird von den Kadern das erarbeitet werden, was Inhalt der Agitation und Propaganda sein wird. Es wird geleistet werden müssen eine kommunistische Kritik an den revisionistischen Parteien; zweitens das Studium der Geschichte der Arbeiterbewegung, um aus ihren Fehlern und aus ihren Siegen zu lernen; drittens das Studium der Geschichte der Organisierung der Proletarierinnen, die Analyse des internationalen glorreichen Kampfes der Frauen der unterdrückten Völker, das Studium der matriarchalischen Gesellschaft.

Einige der Proletarierinnen, die sich schulen werden, werden zur Unterbringung ihrer Kinder einen Kindergarten brauchen. Dieser Kindergarten wird Beginn einer Kinderorganisation sein, mit deren Aufbau aber nicht die Proletarierinnen primär betraut werden. Dieser Kindergarten wird nicht betriebsspezifisch sein, sondern mitten im Wedding liegen. Er wird ein Kinderhaus sein und eine Vielfalt von Organisierungen der Kinder in weiteren Kinderhäusern, Schülerläden usw. nach sich ziehen. Auf den Aufbau dieser proletarischen Kinderorganisation bereiten wir uns vor.

3. ORGANISIERUNG

Zentrale Organisierung kann nicht heißen Koordination der bestehenden arbeitenden Gruppen. Zentrale Organisierung heißt die Anstrengung auf sich zu nehmen, eine kampffähige und ideologisch gefestigte proletarische Organisation in allen proletarischen Bereichen zu bilden.

Im Augenblick ist eine Gruppe von Arbeiterinnen, Arbeitern, Hausfrauen, Studenten und Studentinnen dabei, sich auf die zur Erfüllung dieses Programms notwendigen Aufgaben vorzubereiten. Die Selbstschulung dieser Gruppe umfaßt das hier beschriebene von ihr entwickelte Grundschulungs- und Aufbauschulungsprogramm. Oberstes Prinzip dieser Selbstschulungsarbeit ist "von den Massen lernen".

Die Aufgaben, die von daher der Gruppe sich stellen, sind:

1. um Marxisten-Leninisten erst werden zu können, Erarbeitung einer Kritik und Selbstkritik der bisher von ihr betriebenen Praxis in den Betriebsgruppen, Frauengruppen und Kinderläden.

2. Hand in Hand damit die Entwicklung und Konkretisierung des hier vorgelegten Programms, d. h. vor allem Vorbereitung der Agitation und des für uns völlig neuen Arbeitsfeldes der Propaganda. Das Prinzip "von den Massen lernen, in die Massen tragen, aus den Massen schöpfen" kommt in dieser ersten Etappe unserer Arbeit so zur Anwendung, daß wir überall dort, wo die Proletarierinnen sind, also auch in den Betrieben, kontrollierte Agitation betreiben nicht zum Zwecke einer Massenorganisierung zu diesem Zeitpunkt bereits, sondern um Analysen und Erfahrungen in der richtigen Argumentation machen zu können, auf denen unsere Propaganda dann aufbauen wird.

3. Sammlung und politische Zentralisierung aller Kräfte, die jetzt schon in der Richtung unseres Programms arbeiten, und zwar auf regionaler und nationaler Ebene."
=Rote Pressekorrespondenz Nr.36,Berlin 24.10.1969

November 1969:  An der FU Berlin wird die Institutsgruppe Rote Publizistik gegründet.
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin Dez. 1969,S.18

14.11.1969:  In der Redaktion der Berliner 'RPK' arbeiten ab der heutigen Nr.39 (vgl. 7.11.1969, 21.11.1969) auch die ML-Gruppen mit.
=Rote Pressekorrespondenz Nr.39,Berlin 14.11.1969,S.1

24.11.1969:  In dieser Woche verfaßt die Berliner Gruppe der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) ihren Bericht für die Nationale Konferenz (NK) der IKD (vgl. 30.11.1969):"
Skizzierung der Berliner Linken und ihrer Gruppierungen

Die Orientierung der Berliner Linken ist kaum definierbar. Außer einer deutlich linksstalinistischen Strömung (KPD/ML, Rote Garde und studentische ML-Gruppen), zeichnet sich allenfalls noch die anarchosyndikalistische Tendenz der Basisgruppen ab. Das Infi, sowie die Roten Zellen an der Uni schwanken zwischen ihren alten antiautoritären Gepflogenheiten und der ebenfalls maoistischen ideologischen Ausrichtung. Während diese Gruppen ideologisch mit der ML-Tendenz ins gleiche Horn stoßen, haben sie in der Organisationsfrage sowie der Praxis starke Gegensätze. Die ML drängt auf eine Übergangsorganisation, hat bei den Wahlen an der Uni eigene Listen aufgestellt, und propagiert für die momentane Phase ein Schulungsprogramm. Infi und RZ sträuben sich dagegen die 'Organisation' schon jetzt zu schaffen, boykottierten die Wahlen an der Uni, wehren sich gegen das Schulungsprogramm der ML und neigen mehr zu der Praxis der Basisgruppen. ...
Von der KPD/ML wissen wir wenig, sie tritt neben Flugblattaktionen nicht in Erscheinung. Wahrscheinlich besteht eine enge Zusammenarbeit mit maoistischen Fremdarbeitern in Berlin. Die ML-Leute von der Uni propagieren eine Studentengewerkschaft und bauen in allen möglichen Gruppierungen Fraktionen auf.

Das SALZ (Sozialistisches Arbeiter- und Lehrlings-Zentrum) ist bisher von der Infi-Tendenz beherrscht. Weiterhin ist eine recht starke ML-Fraktion vertreten. Die dritte Tendenz kommt aus den Basisgruppen, wobei sich diese von den meisten Basisgruppen-Leuten dadurch unterscheidet, daß sie die Arbeit in den Gewerkschaften bejaht.

Die Arbeiterkonferenz zeigt politisch etwa die gleiche Struktur wie das SALZ, wobei hier die anarchosyndikalistische Tendenz der Basisgruppen stark vertreten ist. In beiden Gruppierungen, die kaum ein organisatorisches Gerippe haben, hat es einen Aufstand des ideologisch recht indifferenten proletarischen Teils gegen die Studenten gegeben (Forderung nach gesonderten Sitzungen der Arbeiter ohne die Studenten). Ursache war das Fraktionsgerangel der studentischen Teile.

Arbeit in der Bewegung
...
Unsere Arbeit innerhalb anderer Gruppen ist sehr beschränkt. Die Mitarbeit in den Basisgruppen haben wir schon im Sommer wegen der völligen Ineffektivität aufgegeben. Im SALZ hatten wir zunächst einen Beobachter, der zusammen mit einem Rotgardisten hinausgeschmissen wurde. Daraufhin mußten wir durch einen verdeckten V-Mann die Entwicklung weiterbeobachten. Da die größenwahnsinnigen Praxispläne des SALZ schon in der Diskussion versandeten und daraufhin reine Schulungsarbeit betrieben wird, hatte sich die Intervention unsererseits bisher nicht als akut erwiesen, weil wir den proletarischen Teil auch in Gewerkschaftsseminaren und Betriebsgruppen erreichen konnten. Es zeichnet sich jedoch ab, daß die ML-Leute versuchen das SALZ in ihre entstehende Organisation zu integrieren. Wir werden deshalb im entscheidenden Moment mehr oder weniger offen in das Fraktionsgerangel eingreifen. Die Vorkehrungen für ein massives Auftreten werden getroffen. Die gleiche Frage stellt sich für uns in der Arbeiterkonferenz, deren Existenz wir bisher sträflicherweise ignoriert haben. Auch hier ist die Möglichkeit einer Intervention gegeben.

In den zentralen Aktionen sehen wir uns einem starken maoistischen Block gegenüber. Die organisatorische Führung solcher Aktionen haben die Gruppen um die RPK, d.h. deren einflußreichster Teil, die 'Infi-Strategen' mit ihrem Anhang, den Roten Zellen inne. Auf teach-ins verfolgen sie die Taktik stundenlang Referate zu halten, Diskussionen abzuwürgen, wenn es doch dazu kommt, die Rednerlisten zu manipulieren usw. Die Basisgruppen treten in solchen Diskussionen überhaupt nicht mehr auf, sodaß wir die einzigen sind, die dem Block gegenüberstehen.
=IKD-Gruppe Berlin:Bericht,Berlin o.J. (1969)

27.11.1969:  An der FU übt die ML Studentengruppe Romanistik, laut ML Westberlin, Selbstkritik an ihrem Studentengewerkschaftskonzept.
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin Dez. 1969,S.16

27.11.1969:  In Berlin wird auf der Leitungssitzung von Spartacus - IAfeKJO u.a. über das SALZ und die Arbeiterkonferenz diskutiert:"
Da die Fraktionsarbeit der ML-Genossen, die auf eine eigene ML-Organisation zusteuert jetzt auch im SALZ und in der Arbeiterkonferenz ihre 'Früchte' trägt, wird die Perspektivlosigkeit solcher Gruppen als Bausteine einer künftigen proletarischen Avantgardepartei immer offensichtlicher. Somit hat sich die Möglichkeit effektiv im SALZ für unsere organisatorische Perspektive zu arbeiten entscheidend verbessert, so daß die Leitung beschloß einige Genossen zu beauftragen im SALZ mitzuarbeiten mit der Perspektive, bei den Diskussionen über die Strategie der Arbeiterbewegung und die Organisationsfrage unsere Position offen zu vertreten.

Über die noch relativ ungeklärte Situation in der Arbeiterkonferenz sollen noch Informationen eingeholt werden."
=Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung vom 27.11.69,Berlin 27.11.1969

28.11.1969:  Die Berliner 'RPK' Nr.41 (vgl. 21.11.1969, 5.12.1969) erscheint. Die Ruhrkampagne, die ML-Gruppen, das SALZ, die Arbeiterkonferenz-ML, das PROZ und die Betriebsgruppe Druck und Papier-ML sprechen der Redaktion das Vertrauen aus.

Es erscheint auch der Artikel der ML, über den der Streit ausbrach (vgl. 23.11.1969). Der Artikel ist jetzt unterzeichnet von: Marxistisch-Leninistische Fraktion der Arbeiterkonferenz, PROZ-ML, Sozialistisches Arbeiterkollektiv Druck und Papier-ML, Marxistisch-Leninistische Fraktion im SALZ. Die Marxisten-Leninisten Westberlins erklären zu dem Artikel, daß die ROTZEG und Sympathisanten genau in dem Augenblick mit einem Handstreich vorgingen, "als wir es wagten, die ersten Schritte einer proletarischen Übergangsorganisation in der RPK vorzustellen".
=RPK-Redaktion:Den Kampf zweier Linien führen,Berlin 1969;
ML Westberlins:Die Marxistisch-Leninistische Organisation in Angriff nehmen,Berlin 1969;
Rote Pressekorrespondenz Nr.41,Berlin 28.11.1969


Dezember 1969:  In Berlin kündigte die marxistisch-Leninistische Fraktion der Arbeiterkonferenz (vgl. 26.11.1969) vermutlich für den Dezember das Erscheinen eines 'Schulungsheftes zur chinesischen Revolution' an, in dem u.a. die beiden Texte der KP Chinas: 'Ein Vorschlag zur Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung' und 'Über den Pseudokommunismus Chruschtschows und die historischen Lehren für die Welt' enthalten sein sollen.
=ML-Fraktion der Arbeiterkonferenz: Die Situation der Arbeiterkonferenz,o.O. (Berlin) o.J. (1969),S.8

Dezember 1969:  Innerhalb der Marxisten-Leninisten (ML) Westberlins erscheint das 'Info' Nr.1 mit 37 Seiten DIN A 4 auf Spiritcarbon bzw. Brennmatrize. Auf dem Titelblatt wird das nächste Aktivistenplenum für den 20.12.1969 angekündigt, wobei unser Exemplar eine handschriftliche Korrektur des Termins auf den 1.1.1970 trägt. Berichtet wird von der Betriebsarbeit (vgl. Dez. 1969), von der Arbeit unter Lehrlingen und Jungarbeitern im SALZ (vgl. Dez. 1969) und unter den Frauen im Proletarierinnenzentrum (PROZ - vgl. Dez. 1969) sowie von der FU (vgl. Dez. 1969) und aus den USA (vgl. Dez. 1969).

Enthalten ist auch ein Beitrag über die:"
EINRICHTUNG VON KOMMISSIONEN

Das ZG (Zentrales Gremium,d.Vf.) hat beschlossen, auf dem nächsten Aktivistenplenum als nächsten wichtigsten Schritt der Marxisten-Leninisten Westberlins eine Kommission einzurichten, die

A. unsere nächsten praktischen Schritte zu bestimmen hat
B. die Schwerpunkte unserer praktischen Arbeit festlegt und begründet
C. die praktische Vereinheitlichung der Arbeit der Marxisten-Leninisten in der Betriebsgruppen, im SALZ, im PROZ herstellt
D. ein langfristiges Arbeitsprogramm ausarbeitet.

Die Kommission wird in drei Phasen anfangen zu arbeiten:
1. PHASE: Die bisher angefertigten Arbeitsberichte der Aktivistenkollektive PROZ, SALZ, Betriebsgruppen werden ausgewertet. Wir müssen selbstkritisch rekapitulieren, wie wir bisher THEORETISCH an unsere Praxis herangegangen sind. Fragestellungen für die weitere Arbeit müssen entwickelt werden. Vorstellungen über revolutionäre proletarische Praxis, wie sie bisher insbesondere von der X-Y-Gruppe (PEI,d.Vf.) ausgearbeitet worden sind, müssen gründlich studiert und überprüft werden.

2. PHASE: Beginn der Arbeit an einer materialistischen Analyse des subjektiven und objektiven Faktors. Beginn der praktischen Zusammenarbeit mit den Ruhrkampagne-Genossen, die bereits analytische Vorarbeiten geleistet haben.

3. PHASE: Aufteilung der Kommission nach den Schwerpunkten unserer praktischen Arbeit (wahrscheinlich: Betriebsarbeit, Stadtviertelarbeit, Jugendarbeit).

In die Kommissionsarbeit müßten viele Aktivisten einbezogen werden. Das selbstkritische Studium unserer bisherigen Arbeit und die einheitliche Entwicklung richtiger praktischer Ansätze sollte nicht von einer kleinen Gruppe allein durchgeführt werden. Es wäre sogar möglich, daß sich Sympathisanten an der Kommissionsarbeit beteiligen, wenn sie genügend Fähigkeit und Interesse aufbringen.

Um gute inhaltliche Voraussetzungen für die Agitation zu erarbeiten, werden zwei weitere Kommissionen eingerichtet zu den Themen:
A. DDR
B. Stalinfragen (unter besonderer Berücksichtigung des 'Stalinismus' in der DDR.)

Das ZG hat weiterhin eine Kommission eingerichtet, die die Grundschulungsprotokolle über die Schulung am Kommunistischen Manifest, Lohnarbeit und Kapital und Arbeitsstil der Partei verbessern auswerten und unter den für die weitere Arbeit wichtigsten Fragestellungen systematisieren wird."

Von einer Person unterzeichnet erscheint der Text:"
I. Das Schwergewicht auf die Entwicklung der Demokratie legen, ohne das Prinzip des Zentralismus zu vernachlässigen

Wir befinden uns in der Phase des Aufbaus einer Organisation der Marxisten-Leninisten. Während dieser Phase ist die Gefahr des Dogmatismus, die Gefahr des Kriechertums und die Gefahr der Loslösung der Aktivisten von den Gruppen besonders groß. Weder haben wir uns bisher eine einheitliche ideologische Linie noch eine einheitliche politische Linie erarbeitet. Diejenigen Genossen, die wir gegenwärtig als Aktivisten bezeichnen, sind noch keine Kader. Wohl haben sie eine Reihe von Prinzipien des Marxismus-Leninismus als gemeinsame Grundlage anerkannt und daraus die richtigen organisatorischen Konsequenzen gezogen, sie haben jedoch noch nicht durch praktische politische Arbeit in den Klassenauseinandersetzungen des Proletariats das Vertrauen der Massen erworben.

Gerade in der Phase des Aufbaus der Übergangsorganisation wird es darauf ankommen, diejenigen herauszufinden, die sich wirklich in den Massen verwurzeln und sie auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus im politischen Kampf leiten können, und die anderen abzulösen.

Dennoch ist der Vorgriff, den wir machen, indem wir mit dem Aufbau einer Übergangsorganisation beginnen, berechtigt. Nur auf diese Weise können wir die Voraussetzungen für eine spätere Kaderorganisation - eine einheitliche ideologische und politische Linie, die sich in den Klassenkämpfen als die richtige herausgestellt hat - schaffen.

Um den Gefahren bei dem Aufbau unserer Organisation zu begebnen, werden wir das Schwergewicht auf die Entwicklung der Demokratie legen müssen, ohne das Prinzip des Zentralismus zu vernachlässigen. Das wird unter anderem eine Frage des richtigen Arbeitsstils sein.

Wir müssen zunächst aus den Fehlern, die gemacht wurden, lernen. Ein Fehler war es, den Artikel von der ML-Fraktion der Arbeiterkonferenz zu veröffentlichen, ehe er eingehend in den Aktivistengruppen und verschiedenen Grundschulungsgruppen diskutiert wurde. Viel schlimmer noch war der Vorschlag, diesen Artikel, an dem manches zu berichtigen ist, dessen Beschränktheit und Undeutlichkeit in einigen wichtigen Punkten von den Aktivisten zugegeben wurde, von neuem abzudrucken (in der RPK - vgl. S21**.1969,d.Vf.)). Er wurde jetzt mit einem selbstkritischen Vorspann abgedruckt.

Wir müssen uns fragen, ob die Aktivisten die Kritik, die in den Grundschulungsgruppen an diesem Papier getroffen wurde, überhaupt bei dem Aktivistenplenum und dem ZG vorgetragen haben, und wieso, wenn dies geschah, und die Kritik nicht widerlegt werden konnte (denn hiervon war nichts zu hören), keine Verbesserung des Standpunktes und keine Selbstkritik erfolgte. Für das Papier, daß von den Genossen X, Y und Z als Arbeitsbericht des SALZ ohne vorherige Diskussion in einer SALZ Schulungsgruppe ausgearbeitet worden ist, gleich vervielfältigt und deshalb nicht zufällig öffentlich verbreitet wurde, gilt dasselbe.

Diese Fehler sind umso schwerwiegender, als eine ganze Reihe von Genossen aufgrund dieses falschen Arbeitsstils gezwungen waren, vor anderen diese ML Dokumente zu verteidigen, obgleich sie in manchen Punkten nicht mit ihnen übereinstimmten bzw. die eigentlichen Unterschiede zu den anderen Fraktionen erst ansatzweise begriffen hatten.

Wenn wir weiter diesen falschen Arbeitsstil der Aktivisten in der Arbeit mit den Grundschulungsgruppen anwenden, wird sich schon jetzt bei uns bewahrheiten, was in dem Papier der Arbeiterkonferenz so falsch als das korrekte Verhältnis der Partei zu den Massen beschrieben wurde: die Partei der Kopf, die Massen die Faust - ein zynischer Vergleich, der erinnert an das Gleichnis von dem Haupt und den Gliedern, mit dem die Patrizierhäuptlinge der Stadt Rom die Plebejer ideologisch kastrieren wollten.

Was können wir aus diesen Fehlern für die Verbesserung unseres Arbeitsstils lernen? Der richtige Arbeitsstil ergibt sich aus der umfassenden Anwendung der Methode von Kritik und Selbstkritik. Die Methode von Kritik und Selbstkritik wird richtig angewandt, wenn wir nach dem Prinzip Einheit-Kritik-Einheit verfahren.

Was bedeutet das konkret für uns?

Angenommen, von einigen Genossen werden aus dem Studium und der praktischen Anwendung des Marxismus-Leninismus Prinzipien für die politische Arbeit entwickelt; diese Prinzipien werden von dem ZG als richtig anerkannt. Wäre es nun der richtige Arbeitsstil, wenn diese Prinzipien in einem Artikel allgemein veröffentlicht würden!? Das wäre sicherlich völlig verkehrt! Denn die Demokratie in dem Verhältnis zwischen unseren Gruppen würde dadurch vernachlässigt. Wie müßte stattdessen verfahren werden? Der richtige Arbeitsstil läßt sich in einem Dreischritt beschreiben.

1. Die Prinzipien müssen in die verschiedenen Gruppen getragen werden. Die Gruppen müssen sie anhand der eigenen Erfahrung prüfen, in der politischen Arbeit anwenden, auf ihre Brauchbarkeit hin untersuchen und kritisieren bzw. weiterentwickeln. Die Erfahrungen anhand derer die Prinzipien konkretisiert bzw. weiterentwickelt wurden, also Kritik und Anwendung dieser Prinzipien sollen protokollarisch festgehalten werden.

2. Die Aktivisten vertreten diese Berichte in dem Aktivistenplenum. Vereinheitlichung und Verbesserung der Prinzipien aufgrund ihrer unterschiedlichen Anwendung und Weiterentwicklung in den Gruppen kann nun nicht heißen, daß von den Aktivisten gemeinsam alles auf einen Begriff gebracht und gesagt wird: so und so sind jetzt unsere Prinzipien. Sondern der Lernprozeß muß in die Darstellung der Prinzipien eingehen. Beispiele der unterschiedlichen - auch widersprüchlichen - Anwendung und Weiterentwicklung der zunächst aufgestellten Prinzipien müssen eingearbeitet werden. Auf diese Weise kann allen Genossen die Beziehung zwischen Theorie und Praxis klar werden.

3. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung und Vereinheitlichung müssen einige Genossen in einem Artikel zusammenfassen. Dieser Artikel muß in allen Gruppen studiert werden. Die verbesserten Prinzipien sind jetzt der Prüfstein für die eigene Praxis. Nach der Methode von Kritik und Selbstkritik müssen wir unsere Praxis korrigieren und nach diesen Prinzipien ausrichten.

Es ist nun sehr wichtig, daß wir diesen umfassenden Lernprozeß, der nach dem Prinzip Einheit-Kritik-Einheit verläuft, bei der öffentlichen Darstellung unseres Standpunktes eingehend beschreiben. In dem Artikel der Genossen von der Arbeiterkonferenz hätte zum Beispiel gezeigt werden müssen, wie aus den Fehlern gelernt wurde und wieso das Arbeitspapier das konsequente Ergebnis dieses Lernprozesses ist. Davon war aber wenig zu finden. Um nur eins zu nennen: In keinem Satz wurde ausdrücklich auf das veränderte Verhältnis zur KPD/ML eingegangen, in deren organisatorischem Rahmen nach Bericht des ersten 883 Schulungsprogramms (vgl. S23**,.1969,d.Vf.) die Schulung stattfinden sollte. Wenn es nun in dem Arbeitspapier wie selbstverständlich heißt, die Partei des Proletariats könne nicht am Schreibtisch entwickelt werden, so als sei dies von Anfang an klar gewesen, so ist es nicht allein der Böswilligkeit anderer zuzuschreiben, daß die irrige Ansicht verbreitet ist, wir seien bloß taktisch vorgegangen.

Fehler werden nicht dadurch berichtigt, daß man die falsche Ansicht einfach fallen läßt und die neue Anschauung an ihre Stelle setzt: solche bürgerliche Statement-Politik ist massenfeindlich. Dies ist Ausdruck eines falschen Arbeitsstils, durch den die Loslösung der Aktivisten von den Massen gefördert wird.

Wir müssen uns immer darüber im klaren sein, daß die Anwendung des Prinzips des demokratischen Zentralismus in gewisser Weise eine Antizipation darstellt und einem Gerüst gleicht, das wir erst aufbauen müssen. Damit diese Form der Organisation nicht ein bloßes Gerüst bleibt, müssen wir beim Aufbau unserer Organisation besonderes Schwergewicht legen auf die Entwicklung der Demokratie durch die Vermassung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus und die umfassende Anwendung von Kritik und Selbstkritik, die wirklich auch eine Veränderung des Standpunktes und Umgestaltung der Praxis bewirken müssen.

II. Zur Frage der Schulung und dem Verhältnis von Theorie und Praxis

'Alle echten Kenntnisse stammen aus der unmittelbaren Erfahrung. Der Mensch kann jedoch nicht alles unmittelbar erfahren, und tatsächlich ist der größere Teil unserer Kenntnisse das Produkt mittelbarer Erfahrung, nämlich die in der Vergangenheit und in fremden Ländern erworbenen Kenntnisse! Für unsere Vorfahren und für die Ausländer waren es Produkte der unmittelbaren Erfahrung, und wenn diese Kenntnisse zur Zeit ihrer Erwerbung als unmittelbare Erfahrung jener Bedingung entsprachen , die Lenin 'wissenschaftliche Abstraktion' nannte, und die objektiv existierenden Dinge wissenschaftlich widerspiegelten, dann sind sie zuverlässig, sonst nicht. Darum setzen sich die Kenntnisse eines Menschen aus zwei Bestandteilen zusammen: aus direkter Erfahrung und aus mittelbarer Erfahrung.' Mao: Über die Praxis, Werke I, S.345f

Der Vorwurf des Dogmatismus gegen die ML ist zumindest zum Teil darin begründet, daß in den Köpfen einiger ML Genossen noch unklare Vorstellungen über das richtige Verhältnis von Theorie und Praxis herrschen. Wie könnte es sonst zu der bei einigen Genossen verbreiteten Ansicht kommen, wir müßten uns zuerst durch Schulung die einheitliche marxistisch-leninistische Ideologie erarbeiten, um die dann in die Praxis umzusetzen? Diese Vorstellung ist wirklich ebenso schlimmer Subjektivismus wie der Empirismus der Genossen, die das Harzer Papier geschrieben haben. Die Genossen von der Betriebsgruppe Elektroindustrie (PEI,d.Vf.) gehen aus von dem Satz Maos 'alle echten Erkenntnisse stammen aus der sinnlichen Erfahrung'. Sie folgern, jeder, der sich auf einen proletarischen Standpunkt stellen wolle, müsse ganz von vorn anfangen und könne sich keine Prinzipien des Marxismus-Leninismus aneignen, es sei denn durch die eigenen sinnlichen Erfahrungen im Kassenkampf. Was aber sind die Prinzipien des Marxismus-Leninismus? Die Genossen von der Betriebsgruppe Elektroindustrie werfen sie einfach mit dem ganzen bürgerlichen Bildungskram, mit den leeren, praxisfernen 'Theorien' und 'Erkenntnissen' in einen Topf und kippen alles über Bord. Sie sehen nicht, daß in den Prinzipien des Marxismus-Leninismus die sinnlichen Erfahrungen der Klassenkämpfe aus der Vergangenheit und aus anderen Ländern zusammengefaßt sind. Sie sehen nicht, daß es zwei Arten der Aneignung sinnlicher Erfahrungen gibt, die direkte und die mittelbare.

Die Prinzipien des Marxismus-Leninismus sind Kenntnisse, die entstanden sind aus der unmittelbaren Erfahrung und die sich in der Praxis als richtig erwiesen haben. Sie sind also Anleitungen zum Handeln. Deshalb ist es zum Beispiel falsch, mit diesen Genossen zu sagen, die Arbeiter müßten die richtige Form der revolutionären Organisation erst selbst herausfinden, wenn wir doch aus den Erfahrungen der Klassenkämpfe lernen können, daß eine revolutionäre Organisation des Proletariats nach dem Prinzip des demokratischen Zentralismus aufgebaut sein muß. Wir können dieses Prinzip durchaus schon jetzt organisatorisch wenden und in der Praxis den besonderen historisch-gesellschaftlichen Bedingungen anpassen.

Die Genossen von der Betriebsgruppe Elektroindustrie verstehen den Satz Maos 'alle echten Kenntnisse stammen aus der sinnlichen Erfahrung' falsch, sie verstehen ihn unhistorisch. Sie meinen, sie müßten auch als Intellektuelle, wie bisher die Arbeiter, bei einem Nullpunkt anfangen, nämlich bei den eigenen sinnlichen Erfahrungen. Dabei ist die Tatsache, daß sich die Kenntnisse der Arbeiter gegenwärtig nur aus einem Bestandteil, der direkten Erfahrung zusammensetzen, der andere Bestandteil, die mittelbaren, die historischen Kenntnisse, die Prinzipien des Marxismus-Leninismus, ihnen jedoch fehlen. keineswegs ein Vorzug, sondern Produkt gesellschaftlicher Arbeitsteilung.

Beide Arten von Kenntnissen, die direkten wie die mittelbaren, leiden an Einseitigkeit und Unvollständigkeit. 'Nur ihre Vereinigung kann gute, verhältnismäßig vollständige Kenntnisse ergeben' (Mao, Den Arbeitsstil der Partei verbessern, Werke I, S.42).

Wir können jedoch nicht leugnen, daß solange die Arbeitsteilung zwischen Kopf- und Handarbeit besteht, wir einen von dem der Arbeiter unterschiedenen Erkenntnisprozeß haben, daß sie nämlich anfangen mit der Aneignung mittelbarer sinnlicher Erfahrungen. Sie stellen sich nicht dadurch auf einen proletarischen Standpunkt, daß sie diese mittelbaren Kenntnisse über Bord werfen, sondern dadurch, daß sie sich diese Kenntnisse, Prinzipien durch intensives Studium der Schriften des Marxismus-Leninismus aneignen, um ihr Wissen dem Proletariat zur Verfügung zu stellen. Und das steht also nicht im geringsten im Widerspruch zu dem Prinzip 'alle Kenntnisse stammen aus unmittelbarer Erfahrung'.

Allerdings haben nun einige ML Genossen, die die Notwendigkeit der Schulung erkannt haben, aus dieser richtigen Einsicht eine falsche Konsequenz gezogene. Sie rufen überall aus: durch Schulung die einheitliche marxistisch-leninistische Ideologie ausarbeiten, um sie dann in die Praxis umzusetzen. Kann man denn aus 'einseitigen' und 'unvollständigen' Kenntnissen eine einheitliche ideologische Linie schaffen? Die Herausbildung einer einheitlichen ideologischen Linie ist ein langwieriger Prozeß. Eine Bedingung ist sicherlich die systematische und einheitliche Aneignung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus. Nun treten aber einige auf und meinen, weil sie gute Theoretiker sind, könnten sie Kritik anderer mit Berufung auf ihre 'einheitliche ideologische Linie' einfach abtun. 'Sie sind rechthaberisch, die erste Autorität der Welt', 'Allerhöchstbevollmächtigte', die überall herumrauschen'. (Mao, Unser Studium umgestalten, Werke III, S.20). Wenn man sie darauf aufmerksam macht, daß unsere Kenntnisse noch unvollständig sind, weil ihr zweiter Bestandteil, die sinnliche Erfahrung, den meisten von uns noch fehlt, so geben sie das gern zu, ändern sich aber nicht. 'Sie reden ständig von 'Verbindung', aber in Wirklichkeit heißt das ihnen 'Trennung', denn sie tun nichts für die Verbindung' (S. 43).

Was aber können wir für die Verbindung zwischen Theorie und Praxis tun?

In 'Unser Studium umgestalten' hat Mao gezeigt, daß es vor allem darauf ankommt, die marxistisch-leninistische Theorie und Methode mit einem Ziel vor Augen zu studieren. Wenn nun unser langfristiges Ziel die proletarische Revolution zur Errichtung der Diktatur des Proletariats ist, so ist es gegenwärtig unsere Aufgabe, die Agitation und Propaganda unter den Massen voranzutreiben und zugleich mit der Organisierung der Marxisten-Leninisten zu beginnen.

Wir müssen uns also schulen - möglichst unter Anleitung von Aktivisten, die in den Klassenauseinandersetzungen des Proletariats Erfahrungen gesammelt haben - in der praktischen Absicht, die Klassenkämpfe unter Führung des Proletariats zu entfachen. Wir müssen die Prinzipien, die wir in der Schulung anhand der Schriften des Marxismus-Leninismus erarbeiten, umfassend und konsequent anwenden zur Analyse der Klassenwidersprüche in dem Leben der Massen, zur Erarbeitung von Richtlinien für die eigene politische Praxis. Die Prinzipien des Marxismus-Leninismus sind Anleitungen zum Handeln. Die Einseitigkeit und Unvollständigkeit der Kenntnisse, die wir uns durch unser Studium aneignen, werden wir erst dann wirklich aufheben, wenn wir selbst an dem Leben der Massen, an den Klassenauseinandersetzungen des Proletariats teilnehmen, wenn wir unsere mittelbaren Kenntnisse mit eigenen sinnlichen Erfahrungen aus dem Leben der Massen verbinden.

Deshalb müssen diejenigen Genossen, die sich jetzt erst auf die Arbeit in Betrieben etc. vorbereiten, unbedingt in ihre Schulung das Studium der Berichte und Untersuchungen einbeziehen, welche schon von praktisch arbeitenden Marxisten-Leninisten erstellt werden. Sie müssen intensiv die Protokolle studieren, die in Gruppen angefertigt wurden, in denen sich vorwiegend Arbeiter und Lehrlinge schulen. Aktivist sollte bald nur noch derjenige sein, der selbst längere Zeit an der politischen Praxis in den Klassenauseinandersetzungen des Proletariats teilgenommen hat. Nur so können wir der anderen Form des Subjektivismus, dem Dogmatismus, den Garaus machen."
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin Dez. 1969

Dezember 1969:  Innerhalb der Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin berichtet das Aktivistenkollektiv Betriebe vermutlich im Dezember:"
WORIN BESTAND DIE BISHERIGE ARBEIT DES AK BETRIEBE?

Das AK Betriebe war keine von Anfang an aus einem festen Kreis von Genossen bestehende Gruppe. Da sich die Zahl der Gruppen von 3 auf 6 verdoppelte, nahm auch die Zahl der Aktivisten ständig zu. In der Anfangsphase war es daher die Aufgabe des Kollektivs, sich zu einer festen, verbindlich arbeitenden Gruppe zu konsolidieren.

Dazu diente ein ständiger Informationsaustausch über die Arbeit und Probleme der Aktivisten in den einzelnen Gruppen und über die Arbeit des ZG (Zentrales Gremium,d.Vf.). Außer der Information dienten die Berichte aus den einzelnen Gruppen der Kontrolle und Kritik der Arbeit der Aktivisten. Von unseren Erfahrungen ausgehend, sind wir für die Arbeit der Aktivisten zu folgenden Verallgemeinerungen gelangt:

1. Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, Gruppen, die das ML-Schulungsprogramm übernehmen, mit ML-Sympathisanten gleichzusetzen.
2. Die Aktivisten müssen auch in nicht-ML-Gruppen offen auftreten und soviel Informationen wie möglich über unsere Arbeit weitergeben. Nur so kann das weitverbreitete Mißtrauen gegenüber der ML abgebaut werden.
3. Die Aktivisten müssen es nach Möglichkeit vermeiden, mit den Studenten in den Gruppen intellektuelle Streitgespräche zu führen, die über die Köpfe der Arbeitergenossen hinweggehen. Die Fraktionierung sollte vielmehr anhand des Schulungstextes oder der Praxisvorstellungen vorangetrieben werden, wo die verschiedenen Standpunkte einsichtig sind.

Die Berichte litten bisher darunter, daß sie nicht schriftlich vorlagen und oft ungenügend vorbereitet waren. Dies hatte zur Folge, daß sie zuviel Zeit in Anspruch nahmen und zuwenig Platz für andere wichtige Aufgaben ließen.

Zudem konnte die Diskussion über die Berichte nur selten inhaltlich geführt werden, da noch keine Strategie vorliegt. Wir haben daher beschlossen, in den Betrieben, in denen wir arbeiten, Abteilungsspiegel anzufertigen. Es wurde uns außerdem klar, daß wir für die Betriebsarbeit unbedingt eine Einschätzung der Gewerkschaften brauchen, wie das Verhältnis der Arbeiterkollegen zu ihnen ist, welche Bedeutung den Vertrauensleuten und den Betriebsräten zuzumessen ist. Die Einschätzung der Gewerkschaften ist von besonderer Bedeutung für die Druckergruppe (DP-Bereich,d.Vf.), da sie ab Januar ein Gewerkschaftsseminar zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung leiten wird, und für die Fleischer (NGG-Bereich,d.Vf.), da sie an einem Seminar über Fragen wie Mitbestimmung, Arbeitsplatzbewertung usw. teilnehmen.

Weiterhin werden im AK ständig aktuelle Probleme diskutiert. So wurde z.B. der Organisationsartikel zur Arbeiterkonferenz ausführlich diskutiert, Fehler erkannt und Verbesserungsvorschläge gemacht, die auch in den überarbeiteten Text aufgenommen wurden.

Da die obengenannten Aufgaben sehr viel Zeit beanspruchen, war es bis jetzt nicht möglich, mit der Intensivschulung zu beginnen. Wir haben daher einen zweiten Termin für diese Aufgabe angesetzt."

In einem weiteren Text, vermutlich ebenfalls aus dem Dezember heißt es:"
DIE NÄCHSTEN AUFGABEN DES AKTIVISTENKOLLEKTIVS BETRIEBE

VORBEMERKUNG: In diesem Bericht sind die Aufgaben nicht enthalten, zu deren Lösung Kommissionen eingerichtet werden.

Bei der Ausarbeitung von Perspektiven muß man folgende Richtlinien beachten:
1. Man muß von der gegenwärtigen Situation ausgehen.
2. Man muß das Ziel fest im Auge haben.

Diese beiden Gedanken müssen wir so miteinander verbinden, daß wir unserem Ziel, der kommunistischen Kaderpartei, so nahe kommen, wie es aufgrund der jetzigen Lage möglich ist.

Von welchen Gegebenheiten muß die Aktivistengruppe Betriebe ausgehen, welche Aufgaben ergeben sich daraus?

I.
Zu recht haben sich die Aktivisten nie als Kader bezeichnet. Denn welche Voraussetzungen, die ein Kader nach Gen. Dimitroff erfüllen muß, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt gewährleisten?

1. Vollkommene Ergebenheit der Sache des Kommunismus.
Zum Kommunismus gehört aber eine einheitliche Strategie und Taktik, eine klare Ideologie. Davon kann aber bei uns überhaupt noch nicht die Rede sein.

2. Fähigkeit zu Agitation und Propaganda, zu selbständiger politischer
Arbeit. Aufgabe der Aktivisten sollte aber gerade sein, diejenigen Arbeitergenossen, die sich durch ein hohes Maß an verbindlicher Arbeit und die Bereitschaft, ihren Standpunkt zu festigen, auszeichnen, erst in die Lage zu versetzen, selbständig für unsere Ziele zu agitieren und Propaganda zu treiben.

3. Verwurzelung in den Massen.
Wo sind die Massen, in denen wir gegenwärtig arbeiten?

4. Kommunistische Disziplin.
Dies ist der einzige Punkt, auf den zum gegenwärtigen Zeitpunkt Aktivisten verpflichtet werden können.

Es müssen also andere Kriterien gefunden werden, aufgrund derer ein Genosse Mitglied der Aktivistengruppe werden kann. Das AK hat dazu folgenden Vorschlag erarbeitet:
1. Ständige Teilnahme an einer Grundschulungsgruppe und deren Praxis.
2. Disziplin
a) Pünktlichkeit
b) Ist ein Aktivist verhindert, muß er es vorher bekanntgeben und sein Fehlen begründen.
c) Ausführung von Aufträgen
d) Plant der Aktivist Ferien, muß er es rechtzeitig bekanntgeben. Bei der Wahl des Zeitpunktes muß er sich den Bedürfnissen des AK unterordnen.
3. Offenlegung der finanziellen Verhältnisse
4. Jeder Aktivist muß fähig sein, sich selbst zu ernähren, langfristig muß er einen Beruf haben.
5. Bereitschaft und Fähigkeit, den ideologischen Standpunkt zu festigen.
6. Bereitschaft und Fähigkeit zu politischer Initiative.
7. Bereitschaft und Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik.
8. Ständige Information der ML-Sympathisanten in der Grundschulungsgruppe über die Tätigkeit des AK.

Für Studenten gelten zusätzlich folgende Kriterien:
1. Drei Monate Betriebsarbeit pro Jahr.
2. Jeder Student, dem mehr als 450 DM monatlich zur Verfügung stehen, muß die überschüssige Summe an die Organisation abgeben.

II.
Die Betriebsgruppen, in denen die Mitglieder des AK arbeiten, lassen sich in drei Arten unterteilen:
a) Betriebsgruppen, die aus festen ML-Sympathisanten bestehen (DruPa und mit Einschränkungen die Fleischer (NGG-Bereich,d.Vf.)).
b) Betriebsgruppen, in denen es bereits ML-Sympathisanten gibt, in denen aber auch andere Fraktionen arbeiten (BS und T (vermutlich Bosch-Siemens und AEG Telefunken,d.Vf.) .
c) Gruppen, in denen ML-Aktivisten arbeiten, in denen die Fraktionierung aber noch nicht eingesetzt hat (S und SR (vermutlich Siemens und Schering - IGM- bzw. CPK-Bereich,d.Vf.).

Das AK muß in der Lage sein, die Tätigkeit seiner Mitglieder zu kontrollieren. In Gruppen, in denen es ML-Sympathisanten gibt, haben diese das Recht und die Pflicht, die Aktivisten zu kritisieren. Schwerwiegende Kritik, die das Ausscheiden eines Genossen aus dem AK erforderlich macht, muß diesem vorgelegt werden. Das AK trifft dann die Entscheidung über den Verbleib des Aktivisten im Kollektiv.

Da es aber in zwei Gruppen keine ML-Sympathisanten gibt und in anderen diese noch nicht in der Lage sind, den Aktivisten im Einzelnen - besonders im Hinblick auf die Schulung - zu kritisieren, muß das AK eine zusätzliche Kontrollmöglichkeit erhalten. Daher muß jeder Aktivist zusätzlich zu dem Schulungsprotokoll ein weiteres Protokoll über sein Vorgehen in der Grundschulungsgruppe anfertigen. Das Verhalten jedes Aktivisten wird ca. alle vier Wochen anhand des Protokolls diskutiert. Dieses Vorgehen gewährleistet, daß auftretende Probleme nicht nur sporadisch, sondern verbindlich und im Zusammenhang diskutiert werden. Die Diskussion der Schulungsprotokolle erfolgt anhand eines Textes des Schulungsprogramms. Sie dient der Vereinheitlichung der Schulung nach Inhalt und Methode und der Erarbeitung von Schulungsheften."
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin Dez. 1969,S.2ff

Dezember 1969:  Innerhalb der Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin wird vermutlich im Dezember aus dem Proletarierinnenzentrum (PROZ) folgender Bericht verfaßt:"
PROZBERICHT

I Stand der Schulung
PROZ 1 hat das Kommunistische Manifest und Den Arbeitsstil der Partei verbessern abgeschlossen und mit Lohnarbeit und Kapital begonnen. Anhand des zweiten Textes wurde schwerpunktmäßig unter Anleitung der proletarischen Genossen die Rolle der revolutionären Intelligenz diskutiert. PROZ 2 hatte begonnen mit 'Den Arbeitsstil der Partei verbessern' und hier ebenfalls eine ausführliche Diskussion über die Rolle der Intelligenz in der jetzigen Phase unserer Arbeit geführt. Hinzugezogen wurde 'Über die Intellektuellen' von Mao. Im Augenblick wird Lohn, Preis, Profit zusammen mit dem 5. Kapitel aus dem Kapital studiert. Auf Lohnarbeit und Kapital soll zurückgegriffen werden. PROZ 3 studierte anfangs 'Die Hauptsache ist, daß man zu lernen versteht', um sich klarzumachen, daß Schulung nicht bedeutet, Theorie zu akkumulieren. Jetzt wird 'Den Arbeitsstil der Partei verbessern' gelesen. Von allen Schulungssitzungen des PROZ liegen Protokolle vor.

II Die Auseinandersetzungen während der Schulungen konzentrierten sich in allen drei Prozgruppen zunehmend auf die Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis. Wenn Lernen ein Ausdruck von dem Verhältnis von Theorie und Praxis ist, was heißt dann Lernen für uns in der gegenwärtigen Etappe unserer Arbeit?
1. Wir müssen schon jetzt während der Schulung aus der Alltagspraxis der proletarischen Genossen lernen. Beispiel: Die Diskussionen in PROZ 1 über Lohnarbeit und Kapital (s. Protokoll) machten deutlich, daß die Intelligenz immer noch einer Klasse angehört, die dem Proletariat antagonistisch gegenübersteht. Die Studenten hatten bisher, solange sie im wesentlichen Protesthaltung angenommen hatten, geglaubt, sie seien keiner Klasse mehr zuzuordnen. Es wurde klar, daß sie selbst in der Schulung Herrschaftsmechanismen praktizierten, die die Herrschaftsmechanismen ihrer Klasse als Herrschaft über das Proletariat ausdrücken. Die Faszination zum Beispiel der Studenten durch die Berichte der Proletarier ist Ohnmacht, in der sich Herrschaft ausdrückt, solange es nicht gelingt, in die proletarischen Erfahrungen die Theorie so einzubringen, daß sie Eigentum der proletarischen Genossen wird. Die proletarischen Genossen fühlten sich nicht ernstgenommen, wenn diese Widersprüche immer wieder verschleiert wurden, weil man meinte, sie seien dem Aufbau der Organisation hinderlich. Nur wenn wir die Widersprüche aushalten, sie immer wieder gegenübertreten lassen, kann der Führungsanspruch des Proletariats verwirklicht werden, kann unsere Organisation erstarken. Die Notwendigkeit, von den Massen zu lernen, konnte in den beiden anderen Prozgruppen nur auf weniger unmittelbaren Wegen erarbeitet werden.

PROZ 2 kam zunächst zu der Einsicht, daß die Schulung vom ML-Standpunkt aus unkontrolliert verläuft. Notwendigerweise führt das ernsthafte des ML zu der Einsicht, von den Massen lernen zu müssen. PROZ 2 hat in den Diskussionen über die Möglichkeit, organisiert, kontrolliert und systematisch von den Massen zu lernen, Vorschläge erarbeitet, die unter dem Begriff Vorpraxis zusammengefaßt sind. Es wird von jedem Mitglied der Schulungsgruppe verlangt, daß es in einem dieser Bereiche arbeitet (Schularbeitszirkel, Schülerläden, Kinderläden, Betriebe).

In PROZ 3 wurde von den Schulungskadern die Praxisdiskussion von Beginn an geführt, und zwar als Vorantreiben der Bestimmung der praktischen Schritte des PROZ. Der antagonistische Klassenwiderspruch war in dieser Gruppe kaum erfahrbar, auch nicht in der Form des entschieden intellektuellen Studiums von PROZ 2. Diese Schwierigkeit kann nicht allein durch mitmachen in der Praxis überwunden werden. Die Vorstellungen von Stadtteilarbeit, die entwickelt wurden (Untersuchungen über die Häufigkeit bestimmter Kinderkrankheiten, Berufskrankheiten, Wohnsituationen, Verkehrssituationen, unterschiedliche Preise in Arbeitervierteln) bleiben leicht Projektmacherei, solange nicht das Bewußtsein der eigenen Rolle in dieser Arbeit geklärt ist.

III Selbstkritik und Kritik

Hauptfehler:

PROZ 1: Alle Mitglieder der Grundschulungsgruppe identifizieren sich bereits mit der Arbeit der ML, deshalb war es ein Fehler der Schulungskader, die Diskussion über die Arbeit der ML nicht in der Gruppe zu führen. Die proletarischen Genossen verstanden nicht, daß die Diskussionen über die notwendige Praxis der Intellektuellen keine sichtbaren Konsequenzen hatten.

PROZ 2: Die Diskussion über die Rolle der Gruppe innerhalb der Organisation wurde progressiv geführt, weil auch die Möglichkeiten und Notwendigkeiten für jeden einzelnen berücksichtigt wurden. Es wurde jedoch von den Aktivisten der Gruppe nicht genügend darauf bestanden, die Diskussionen aus ihrem Zirkel heraus und in die Aktivistengruppen hinein zu verlegen.

PROZ 3: Der erste Schritt wurde vor dem zweiten gemacht. Die Motivation und der Sinn der Schulung wurden nicht genügend diskutiert und sind immer noch unklar. Die Praxisdiskussion war zu früh und hatte den Charakter 'alles, was uns fehlt, ist Praxis'. Eine ähnliche Struktur gibt es im PROZ 2.

Wir vertreten von jeher den Standpunkt, daß sich die Revolution auf die Volksmassen stützen muß, daß jedermann dabei Hand anlegen soll, und wir treten stets dagegen auf, daß man sich lediglich auf einige wenige Leute stützt, die herumkommandieren. Jedoch in der Tätigkeit mancher Genossen hat sich die Massenlinie noch immer nicht durchsetzen können. Einer der Gründe dafür liegt darin, daß sie, was immer sie unternehmen, nie gewillt sind, den von ihnen geführten Menschen die Dinge klar auseinanderzusetzen, es nicht verstehen, die Initiative und Schöpferkraft der unter ihrer Führung Tätigen zur Entfaltung zu bringen.

Hauptfehler der Aktivistengruppe:

Mangelnde Vorbereitung der Grundschulung. Die Aktivistengruppe hinkte hinter den Erkenntnissen und Einsichten der Grundschulungsgruppen her. Es war schon nach dem Studium des ersten Textes von Mao, 'Den Arbeitsstil der Partei verbessern', klar, daß wir die Theorie nur in dem Maße vermassen können, wie wir von den Massen lernen. Die systematische Vereinheitlichung der Erfahrungen aus den Grundschulungsgruppen im Aktivistenkollektiv und die ideologische Vereinheitlichung im ZG (Zentrales Gremium der ML,d.Vf.), d.h. die Konsolidierung nach innen, wurde verdrängt zugunsten der Auseinandersetzung nach außen. Beispiel: RPK. Die Auseinandersetzung fand statt unter Ausschluß des Proletariats. Die Auseinandersetzung wurde geführt nur von wenigen, die Konsolidierung nach innen blieb aus, weil die Diskussionen an den Genossen der Grundschulungsgruppen vorbeigingen. Der SALZ-Artikel (vgl. S11**.1969,d.Vf.) wurde im Aktivistenplenum nicht diskutiert, obwohl er da schon vorlag, er wurde auch im ZG nicht diskutiert. Dabei war dieser Artikel die erste wichtige Publikation der Organisation. Er entstand individualistisch, die Auseinandersetzung wurde individualistisch geführt.

Der Anspruch unserer Organisation, eine proletarische Linie zu vertreten, war gerade in dieser Auseinandersetzung den Genossen der Grundschulungsgruppen nicht mehr einsehbar. Dadurch, daß die Aktivisten nicht in den Massen verankert waren, konnten sie diese Auseinandersetzung nur im studentischen Stil führen und vermitteln.

Die Folgen waren Schwächung der eigenen Reihen, individualistischer Arbeitsstil, die Genossen in in den Grundschulungsgruppen verloren das Vertrauen. Die nächste Etappe: von den Massen lernen wurde hinausgezögert. Stadien dieser Verzögerung: unangemessene Diskussionen über Propaganda, diffuse Praxisdiskussionen, Metadiskussionen, Diskussionen unpolitischen Stils über persönliche Schwächen.

IV Wie können wir organisiert von den Massen lernen?

Vorschläge zur Diskussion: Man muß jeden Genossen lehren, die Volksmassen zu lieben, ihrer Stimme aufmerksam zu lauschen, jeder Genosse soll, wohin immer er auch geht mit den Volksmassen an den betreffenden Orten verschmelzen, sich nicht über sie stellen, sondern in ihnen untertauchen. Das heißt, man muß in den Arbeitervierteln wohnen, und sich reproduzieren durch die Arbeit in der Produktion. Wir dürfen uns nicht von den Massen unterscheiden, sondern müssen die bürgerlichen Protestformen ablegen, auch die äußerlichen wie Kleidung usw.

Ausgehend von dem gegebenen Bewußtseinsgrad der Massen soll er sie aufklären und ihr Bewußtsein heben. Dazu müssen wir erst einmal lernen, mit dem Proletariat zu reden, d.h. die beiden häufigsten Formen studentischer Auseinandersetzung mit Arbeitern - Arroganz und Masochismus - ablegen. Er soll ihnen helfen, sich nach dem Prinzip der tiefempfundenen Freiwilligkeit schrittweise zu organisieren und nach und nach alle notwendigen Kämpfe zu entfalten, welche die inneren und äußeren Umstände zur gegebenen Zeit und am gegebenen Ort erlauben. Ob die Massen etwas verstanden haben und bereit sind in Aktion zu treten, kann man nur erfahren, wenn man sich mitten unter die Massen begibt und Nachforschungen anstellt. D.h. wir müssen an Ort und Stelle die Bedingungen untersuchen, unter denen das Proletariat lebt. Vorschläge für diese Untersuchungen:
in der Stadtteilarbeit,
Wohnsituation,
Mieten,
Häufigkeit von Berufskrankheiten,
von Kinderkrankheiten, deren Ursachen
Preisverhältnisse
Verkehrsverhältnisse
Freizeit (Kneipen, Sportplätze)
Schulen und Kindergärten usw.

Kontakte wurden aufgenommen zum Sozialistischen Lehrerbund (SLB der SEW,d.Vf.), zu den Medizinern und Krankenschwestern. Eine Gruppe von Krankenschwestern, eine andere Gruppe von Sozialarbeitern und Heimpflegerinnen wollen die ML-Grundschulung machen.

V Vorschläge zur Organisation

1. Auflösung des ZG, um die Linie der politischen Zentralisierung neu entwickeln zu können. Ein Grund der Arbeitsunfähigkeit des ZG lag in der nichtvorhandenen Verankerung seiner Mitglieder in den Massen. So konnte die falsche Politik entstehen, die bestimmt war von Subjektivismus und individuellem Egoismus, die uns von den Massen entfernte.

2. Einrichtung einer Kommission, zur Erarbeitung, Konkretisierung, Planung und Prüfung der nächsten Etappe, auch zur Theoretisierung dieses praktischen Schrittes. Die Kommission soll aus den jetzt beginnenden Untersuchungen und Erfahrungen die Massenlinie entwickeln, d.h. die Klassenanalyse beginnen, d.h. die Strategie bestimmen. Die Kommission ist Vorbereitung der politischen Führung durch ein späteres ZK der konsolidierten, in den Massen arbeitenden proletarischen Kaderorganisation als Vorbereitung der Partei.

3. Einrichtung eines Organisationsbüros.

Die Meinungen der Massen sammeln, und konzentrieren, sie wieder in die Massen tragen, damit sie konsequent verwirklicht werden, wodurch sich die richtigen Ansichten der Führung herausbilden, das ist die grundlegende Führungsmethode."
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin 1969,S.10ff

Dezember 1969:  Innerhalb der Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin wird vermutlich im Dezember berichtet aus dem Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrum:"
ARBEITSBERICHT DES SALZ

1. SELBSTKRITIK DES SALZ
Die bisherige Arbeit des SALZ durchlief folgende Etappen:
a) der Versuch, aus den Bedürfnissen und Vorstellungen der Lehrlinge ... (unlesbar,d.Vf.) Strategie zu entwickeln.
b) ... (Ebd.,d.Vf.) diesen Ansatz folgte der Versuch, die Grundlage für eine Strategie im Lehrlingssektor aus der Analyse der ökonomischen Situation der Lehrlinge zu gewinnen. Obwohl die angefertigten Analysen im Ansatz materialistisch waren, blieben sie notwendigerweise folgenlos, weil das SALZ keine Massenorganisation war, in der Kader hätten arbeiten müssen, die ideologisch vereinheitlicht hätten sein müssen. Nur unter dieser Voraussetzung wäre es möglich gewesen, die Analysen praktisch in Propaganda, Agitation und Anleitung zum Handeln umzusetzen.
c) Zu diesem Zeitpunkt erkannten wir, daß durch die Analysen die organisatorische und politische Konsolidierung in keiner Weise vorangetrieben worden war, sondern die politische und organisatorische Schwäche des SALZ deutlicher als je zuvor zum Vorschein trat. Bis auf eine konnte keine der damals aufgestellten vierzehn Forderungen propagandistisch umgesetzt werden. Die Forderung nach 500 DM Lehrlingsgehalt wurde auf einem Teach In der Roten Garde (RG,d.Vf.) zum Berufsbildungsgesetz (BBiG - vgl. 19.9.1969,d.Vf.), in der RPK und in der '883' propagiert. Diese Forderung beruht auf der Einschätzung, daß es auf Grund der objektiven Stellung des Lehrlings im Produktionsprozeß als Hilfsarbeiter keine spezielle Lehrlingsstrategie geben kann. Diese Forderung ist ein Angriff auf den Stufenplan, der es auf die Dequalifizierung der Arbeitskraft abgesehen hat, auf die Verschärfung der Leistungsauslese und der daraus resultierenden Zersplitterung und Konkurrenz unter der Arbeiterklasse. Gleichzeitig entspringt diese Forderung den subjektiven Interessen der Lehrlinge nach Unabhängigkeit vom Elternhaus. 500 DM Lehrlingsgehalt ist zwar eine eindeutig antikapitalistische Forderung, - ob sie nicht doch utopisch ist, ist allerdings noch nicht ausgemacht. - Der reformistische oder utopische Charakter der übrigen Forderungen (z.B. Forderung nach zentralen, vom Kapital unabhängigen Lehrwerkstätten) spiegelte deutlich die ideologische Konfusion des SALZ wider. In dieser Situation kam es zur Einrichtung von Schulungsgruppen, die das Kommunistische Manifest bearbeiteten. Die Schulung sollte das Klassenbewußtsein der Lehrlinge in kämpferische Bahnen lenken. In dem Maße, wie es gelang, den Klassenstandpunkt am Kommunistischen Manifest herauszuarbeiten, erwies sich die Unzulänglichkeit dieser Schulung. Aus der Kritik an der bisherigen Praxis im SALZ, die im übrigen nur unsystematisch geleistet wurde, gelang es nicht, organisatorische und praktische Konsequenzen in Zusammenhang mit dem richtigen Ansatz der Schulung zu ziehen. Einer der Haupthinderungsgründe für die organisatorische Konsolidierung des SALZ war die sich durchsetzende Ansicht, daß das SALZ einerseits Massenorganisation, andererseits Kaderorganisation - in Hinblick auf die Umfunktionierung der Betriebsgruppen zu sein hätte. Die organisatorische Verwirrung rührte daher, daß die Auffassung vom SALZ als Kaderorganisation abgeleitet wurde von dem Führungsanspruch den Betriebsgruppen gegenüber, nicht aber durch die Bestimmung des Verhältnisses von Führung und Masse innerhalb des SALZ selbst. Das Plenum aller SALZ-Mitglieder wurde der Ort, an dem der Schein der politischen und organisatorischen Einheitlichkeit des SALZ zerstört wurde. Die tatsächlich vorhandene Differenz von Führung und Masse innerhalb des SALZ wurde, anstatt organisatorisch gefaßt zu werden, im Plenum überspielt. Das Modell der studentischen Vollversammlungen, in denen eine Führungsclique die Massen manipuliert, wurde auch im SALZ angewendet. Der Schein der Einheitlichkeit wurde von den Lehrlingen und Jungarbeitern ... (unlesbar,d.Vf.) timieren versuchte: die Lehrlinge und Jungarbeiter blieben immer mehr dem Plenum fern und beschränkten ihre Aktivität auf die Schulungsgruppen. Folgerichtig breitete sich die Misere des SALZ-Plenums auch auf die Schulungsgruppen aus. Die Lehrlinge begannen, ihre Kritik an der Beschränkung des SALZ auf bloße Schulung durch ihr Fernbleiben und wie am Beispiel der Scheringgruppe ersichtlich, durch Ausweichen auf althergebrachte Betriebsgruppenhandwerkelei auszudrücken. In den Diskussionen innerhalb der Schulungsgruppen kritisieren die Lehrlinge und Jungarbeiter am SALZ 1) den Mangel an 'kommunistischer' Praxis und 2) den damit verbundenen Mangel an organisatorischer Verbindlichkeit. In ihren Augen ist das SALZ zur Zeit nichts weiter als ein Schulungszentrum, dem es nicht gelingt, die politischen Aktivitäten der Lehrlinge zu entwickeln.

Aufgrund der desolaten Situation im Plenum des SALZ und den einzelnen Grundschulungsgruppen sind vor etwa zwei Monaten zwei weitere ML-Genossen ins SALZ hineingegangen. Die insgesamt 4-5 ML-Genossen sollten längerfristig die strategische Diskussion im SALZ bestimmen, kurzfristig die Schulung verbessern helfen. Die im Plenum auf Grund von Individualismus und Subjektivismus herrschende Unfähigkeit zu politischen Diskussionen konnte von den ML-Genossen nicht behoben werden. Das Chaos im Plenum verstärkte sich vielmehr zunächst durch die ständigen Denunziationen, die von der Seite der Anti-ML-Fraktion kamen und denen die ML-Genossen von einem bestimmten Punkt an entgegentreten mußten. Die äußerst heftigen Streitigkeiten führten zu einer weiteren Lahmlegung des Plenums. Die Arbeit ging nur in der Montagsschulungsgruppe voran und im Gewerkschaftsarbeitskreis. In den anderen Schulungsgruppen konnten sich bisher die ML-Genossen nicht durchsetzen. Sie konnten den Arbeitsstil nicht bestimmen und die Vormachtstellung der Anti-ML-Fraktion nicht brechen. Der schlechte Arbeitsstil der Studenten hatte bereits dazu geführt, daß in den beiden anderen Gruppen die Zahl der Lehrlinge und Jungarbeiter auf 2-3 geschrumpft war. Nachdem von der Montagsgruppe aus mehrere Vorstöße im Plenum unternommen waren, den Arbeitsstil zu verbessern und die Voraussetzungen für eine politische Diskussion zu schaffen und nachdem das ergebnislos geblieben war, wurde ein Plenum abgehalten, zu dem die Studenten nicht zugelassen waren. Die unterdessen für den ML-Standpunkt gewonnenen Genossen X und Y schlugen auf dem Lehrlingsplenum das ML-Schulungsprogramm vor, das auch angenommen wurde. Auf der Grundlage dieses Beschlusses wurde nach Abschluß des Kommunistischen Manifestes in der Montagsgruppe mit Lohnarbeit und Kapital begonnen. Man hatte sich vorher geeinigt, zunächst nicht den Arbeitsstil der Partei verbessern zu lesen. Die Aktivisten haben nicht auf der Lektüre dieses Textes zu diesem Zeitpunkt bestanden, weil klar wurde, daß ein Teil der Lehrlinge die behandelten Probleme noch nicht in ihrer Erfahrung vorfinden konnten, zugleich aber ein großes Bedürfnis nach der Lektüre von Lohnarbeit und Kapital hatten. In dem Maße, wie sich die Einschätzung verstärkte, daß die anderen Gruppen verfielen und die Schering-Lehrlinge sich nicht mehr im SALZ, sondern nur noch in der Betriebsgruppe trafen, wurde klar, daß der Aufbau des SALZ von der Montagsgruppe aus zu geschehen habe. Die Arbeit in der Gewerkschaftsgruppe war unterdessen an den Punkt gekommen, daß man neun Thesen aufstellen konnte, die die Grundlage der Diskussion über die Gewerkschaft sein sollten. Ein verbindlicher Standpunkt in der Gewerkschaftsfrage sollte auf dem Plenum für alle Lehrlinge, die in der Gewerkschaft sind, erarbeitet werden.

... (Ebd.,d.Vf.) Lehrlinge auf ihre Seite gezogen. Auf dem letzten Plenum des SALZ erklärten die Rotzeg-Leute und Z, daß für sie dies das letzte SALZ-Plenum gewesen sei, daß sie auf der Grundlage des Harzer Papiers stünden und DESWEGEN es ablehnten, mit der ML weiter politisch zu diskutieren, was bedeutet hätte, die politische Auseinandersetzung überhaupt erst ANZUFANGEN. Eine solche Diskussion wurde besonders vehement von drei politisch schwankenden Lehrlingen aus der Montagsgruppe verlangt, von der die andere Fraktion glaubte, sie sei bereits eine ML-Gruppe. Eine Diskussion mit NUR DREI noch Schwankenden schien aber der anderen Fraktion Zeitverschwendung zu sein. Nach dem Auszug der Wortführer der anderen Fraktion diskutierten die Aktivisten und die anwesenden Mitglieder der Montagsgruppe mit den beiden Lehrlingen aus der Gruppe der anderen Fraktion mit dem Resultat, daß eine politische Auseinandersetzung im SALZ auf breiter Basis begonnen werden müsse, und daß der Ort dafür ein Plenum nach Weihnachten sein müsse.

2. ARBEITSPERSPEKTIVE DES SALZ (VORSCHLAG)

Was für Konsequenzen müssen wir aus der Selbstkritik ziehen? Wir sind der Meinung, daß das SALZ die Massenorganisation für Lehrlinge und Jungarbeiter zu sein hat, bevor diese in die Betriebs-Massenorganisation übergehen. Das SALZ wird tendenziell eine Jugendorganisation sein. Neben der Schulung, die an Hand des marxistisch-leninistischen Schulungsprogramms durchgeführt werden muß, müssen wir folgende Aufgaben in Angriff nehmen:

A) Das SALZ kann alle politischen Aufgaben, die sich ihm als Massenorganisation stellen, nur dann realisieren, wenn es sich eine verbindliche organisatorische Struktur gibt. Die in den einzelnen Gruppen des SALZ arbeitenden fortgeschrittenen Studenten, Jungarbeiter und Lehrlinge müssen sich in Aktivistengruppen zusammenfassen, in denen die zukünftige Theorie und Praxis des SALZ ausgearbeitet wird. Diese Aktivistengruppen können nur nach Abklärung des ML-Standpunktes gebildet werden und sind der marxistisch-leninistischen Übergangsorganisation verantwortlich.

B) Auf der Grundlage der sich vereinheitlichenden Ideologie und im engen Zusammenhang mit den im SALZ vereinigten Massen werden die Aktivistengruppen die Vorbereitung einer einheitlichen Praxis dadurch beginnen, daß sie die materialistische Analyse der Widersprüche, in denen sich die Lehrlinge in Betrieb, Berufsschule, Elternhaus und Freizeit befinden, vorantreiben. Was ist unter materialistischer Analyse zu verstehen? Es kann sich dabei nicht um die Herstellung einer objektivistischen und soziologischen Analyse handeln, die allgemein die spezifische Ausbeutung und Unterdrückung des Lehrlings beschreibt. Materialistisch wird die Analyse nur dann sein, wenn sie in Hinblick auf die zu entwickelnde Praxis in Betrieb, Berufsschule und Freizeit angefertigt wird, wenn sie von der Stellung des Lehrlings im Produktionsprozeß als Hilfsarbeiter ausgeht.

Um die Agitation und Propaganda unter den Lehrlingen beginnen zu können, müssen wir u.a. Fragen wie diese beantworten:

1. In welcher Weise verschleiert die Berufsschule die Arbeitsteilung zwischen Kopf und Hand gerade dadurch, daß sie vorgibt, diese Arbeitsteilung aufzuheben? In welchem Verhältnis steht die theoretische zu der praktischen Ausbildung in den einzelnen Berufen?

... (Ebd,d.Vf.) zu verändern?

3. Wie sehen die Widerstandsformen aus, die die Lehrlinge im Betrieb entwickeln? Wie sind die Autoritätskonflikte innerhalb der eigenen Klasse zu politisieren?

4. Wie ist die Arbeit der Lehrlinge als Jugendvertreter und innerhalb der Gewerkschaften einzuschätzen? Wie treiben wir die Entlarvung der Gewerkschaften voran?

5. In welcher Weise und unter welcher Zielsetzung nehmen wir die Gründung von Lehrlingskommunen in Angriff? Wie knüpfen wir an die Widersprüche im Elternhaus an?

6. Was ist der Ersatz für die politische Organisierung der Lehrlinge und wie können wir eingreifen in diese Ersatzformen?
a) Jugendfreizeitheime ((JFH,d.Vf.) gewerkschaftlich, kirchlich, staatlich)
b) zweiter Bildungsweg (ZBW,d.Vf.)
c) subkulturelle Zusammenschlüsse (Haschrebellen, Rocker usw.)
d) reformistische Jugendorganisationen (Jungsozialisten, Falken, Spartacus (Jusos bzw. SJD der SPD bzw. IAfeKJO,d.Vf.)

7. Aus welchen Gründen nehmen die Lehrlinge an Demonstrationen teil und wie sind diese Aktivitäten organisatorisch zu wenden?

C) Die andere Seite der Propaganda werden politische Veranstaltungen innerhalb des SALZ und nach außen sein, die neben der Schulung die ideologische Klärung vorantreiben. Sie werden von den Aktivisten vorbereitet. Inhalt der Veranstaltungen werden z.B. sein
- proletarischer Internationalismus
- nationale Frage
- Trotzkifrage
- aktuelle Klassenkämpfe (z.B. in Italien)
- Revisionismuskritik

Die Massenlinie in der Agitation kann nur dann entwickelt werden, wenn durch die Analyse der objektiven und subjektiven Bedingungen die Angelpunkte klar werden, das heißt diejenigen materiellen Interessen des Proletariats, deren Realisierung nur als Kampf um die politischen Ziele des Marxismus-Leninismus möglich sein wird.

3. ARBEIT DES AKTIVISTENKOLLEKTIVS SALZ

Nachdem die Initiativgruppe beschlossen hatte, zwei Genossen zur Verstärkung der beiden bereits im SALZ arbeitenden ML-Genossen ins SALZ zu schicken, begann die SALZ-ML-Gruppe mit der kollektiven Vorbereitung der Schulung am Kommunistischen Manifest in zwei SALZ-Gruppen (Montagsgruppe und Scheringgruppe) und der Vorbereitung der politischen Diskussion auf dem SALZ-Plenum. Zwei proletarische Genossen aus dem SALZ waren vorwärtstreibend an der Vorbereitung der Arbeiterkonferenz beteiligt. Sie hatten sich durch diese Arbeit den ML-Standpunkt erarbeitet und dabei auch ihr Mißtrauen gegen die ML-Genossen im SALZ überwunden, das gerechtfertigt war durch eine zu wenig offene Taktik der ML-Genossen im SALZ und den Versuch, die beiden Genossen ohne inhaltliche Vorgespräche für die Mitarbeit an den Zentralisierungsversuchen der ML zu gewinnen. Die Einschätzung der bisherigen Arbeit der Arbeiterkonferenz, die Schlußfolgerungen daraus für die Organisationsfrage wurden von diesen beiden Genossen gemeinsam mit den SALZ-Aktivisten formuliert. (Arbeiterkonferenz-Artikel) Daraufhin wurden die beiden Genossen in die Aktivisten-Gruppe aufgenommen.

... (unleserlich,d.Vf.) Montagsgruppe die Aktivisten A, B, C, D und E. Hier wurden die Thesen zur Gewerkschaftsfrage ausgearbeitet. F, G und H sind dabei Lehrlinge und Arbeiter zu kontaktieren, die aus Gründen der Fraktionsauseinandersetzung und der bisher sehr geringen praktischen Perspektive des SALZ weggeblieben waren oder Lehrlinge, deren Adressen wir aus anderen Quellen haben. X und A versuchen in der Schering-Betriebsgruppe, die bisher zur Hälfte aus BG-Wedding-Studenten besteht, einen politischen Kern aus den fortgeschrittensten Lehrlingen und Arbeitern zu bilden durch eingehende Einzelgespräche besonders mit den proletarischen Genossen, die bis vor kurzem im SALZ Schulung am KM gemacht haben. Anfang des Jahres werden X und A anfangen, bei Schering zu arbeiten. X hatte vor einem halben Jahr seine Lehre bei Schering abgebrochen und wird ab Februar langfristig als Schichtarbeiter bei Schering arbeiten. E schult sich im PROZ (Proletarierinnenzentrum,d.Vf.) 1 und hat sich bis vor kurzem außerdem im SALZ geschult. Er wird Anfang des Jahres wieder in die Produktion gehen, in seinem ersten Beruf als Feinmechaniker und nicht als Ingenieur. Seine Arbeit im SALZ und im PROZ ist daher nur ein Übergangsstadium.

Das Aktivistenkollektiv hat zwei Termine in der Woche. Zu Beginn jeder Sitzung findet eine zweistündige Schulung statt, am Dienstag Intensivschulung, am Freitag Aufbauschulung (Geschichte der KPdSU-B). Danach werden der Stand der Arbeit der SALZ-Aktivisten in den Gruppen und die für die Organisation wichtigen politischen Fragen und Probleme diskutiert. Außerdem wird in jeder Sitzung ein Bericht vom ZG gegeben. Durch diese Methode der Arbeit war es möglich, in der SALZ-Aktivistengruppe in der Auseinandersetzung einheitliche Standpunkte zu bestimmten Fragen und Problemen zu gewinnen. Dadurch war das Aktivistenkollektiv in der Lage, die ZG-Mitglieder aus dem SALZ mit präzisen Aufträgen zu versehen und dadurch die Klärung von Fragen im ZG und damit in der Organisation vom SALZ her voranzutreiben. Diese Unterstützung des ZG durch das gesamte Aktivistenkollektiv SALZ scheiterte an den Widersprüchen innerhalb des ZG und der einzelnen Aktivistenkollektive, die nicht ausgetragen wurden."
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin Dez. 1969,S.5ff

Dezember 1969:  Innerhalb der Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin wird vermutlich im Dezember der folgende Text verfaßt:"
Bericht der ML-Aktivisten an der FU

In der gegenwärtigen Etappe ist die Hauptaufgabe der Marxisten-Leninisten das Vorantreiben der Organisierung im proletarischen Bereich. Alle anderen Aufgaben werden durch dieses vordringliche Ziel bestimmt.

Was heißt das für die Marxisten-Leninisten an den Hochschulen?
1. Die fähigsten Aktivisten müssen ihre Arbeitskraft direkt dem Proletariat zur Verfügung stellen; sie müssen als Schulungskader kurzfristig und wenn sie in der Lage sind, ihre Klasse zu verlassen, auch langfristig im proletarischen Bereich arbeiten.
2. Die meisten Aktivisten werden die Prinzipien des Marxismus-Leninismus an den Hochschulen durch Schulung von Genossen und 'Potentiellen' verbreiten und langfristig die politische Organisierung der Überbaubereiche (Universität, Berufe) vorbereiten. Diese Vorbereitung kann von uns insofern in Angriff genommen werden, als wir mit den Kenntnissen des Marxismus-Leninismus die Analyse der je spezifischen Fächer und Berufe, ihre objektive und subjektive Rolle im Klassenkampf beginnen können.

Warum ist die Organisierung der Überbaubereiche notwendig?

Ziel der Organisierung muß die Schwächung der Schlagkraft des bürgerlichen Lagers sein durch das Aufreißen und Vorantreiben der Widersprüche, einerseits zwischen dem Kleinbürgertum und den Kapitalisten, andererseits innerhalb des Kleinbürgertums. Strategie und Taktik dieser Organisation können noch nicht inhaltlich bestimmt werden, weil die Analyse der Bündnisfähigkeit bestimmter kleinbürgerlicher Berufe erst begonnen wird und weil sie von der proletarischen Organisation wesentlich mitbestimmt werden müssen. Die Organisation der Überbauberufe darf nicht vor der proletarischen Organisation begonnen werden, da erst durch den Einfluß bzw. die Kontrolle der proletarischen Organisation über die Überbauorganisation deren Verselbständigung verhindert und ihr Charakter, daß sie dem proletarischen Kampf dient, erst so gesichert werden kann.

Welches sind die nächsten Aufgaben der Marxisten-Leninisten an der FU?

Wir müssen die Hochschulpolitik in diesem Sinne schon jetzt aktiv mitbestimmen,
1. weil wir davon ausgehen, daß nur ein geringer Teil der Studenten befähigt ist im proletarischen Bereich zu arbeiten
2. und weil der Organisierungsprozeß der politisierten Studenten bereits stark eingesetzt hat, der sich zu verselbständigen droht und damit die Arbeit im proletarischen Bereich negativ beeinflussen kann (Konzept Rotzeg, Harzer Front).

Gegen die Verselbständigungstendenzen der studentischen Organisationen haben wir noch keine konkrete Strategie und Taktik entwickelt. Soweit sie bestehen gehen wir als Individuen, Gruppen oder Fraktionen hinein und nehmen den Kampf gegen die falsche Ideologie der Rotzeg mit den Prinzipien des Marxismus-Leninismus auf.

Die Macht im Staat dem Proletariat

Aktivistengruppe Universität (FU)

Am Ende des letzten Semesters bildeten sich ansatzweise an verschiedenen Fakultäten ML-Gruppen. Ohne zu beachten, daß die Organisation im Überbau erst geschaffen werden kann, wenn die proletarische Organisation besteht, versuchten diese ML-Gruppen, das Gewerkschaftskonzept im Gegensatz zur Mehrheit der sozialistischen Studenten durchzusetzen, und sogar an weiteren Fachschaften zu initiieren. Dieses Konzept mußte schon aus arbeitstechnischen Gründen scheitern. Es wäre vielmehr notwendig gewesen, die Marxisten-Leninisten zentral in einer Aktivistengruppe zu organisieren und die ideologische Auseinandersetzung zu führen. (vgl. auch Selbstkritik der Romanisten vom 27.11.1969). Diese Organisierung ist jetzt in Angriff genommen worden. Die Aktivisten in der Universität sind nur als potentielle Kader der Übergangsorganisation zu betrachten. Das Gremium ist mehr zufällig zusammengesetzt, aus denjenigen, die einigermaßen konsequent den marxistisch-leninistischen Standpunkt an der FU vertreten haben, sich individuell oder in Gruppen im Marxismus-Leninismus geschult haben und als Aktivisten jetzt an Grundschulungsgruppen teilnehmen. Sie haben jedoch nicht im proletarischen Bereich gearbeitet, wollen jedoch später diese Erfahrung nachholen.

Die Intensivschulungsgruppe, die mit der Aktivistengruppe personell nahezu identisch ist, tagt getrennt von der Aktivistengruppe und hat ihre Arbeit gerade am Arbeitsstiltext aufgenommen. Die Trennung in Mitglieder und Kandidaten wird in der Aktivistengruppe Universität sinnvoll sein, da es eine Reihe fester Sympathisanten gibt, bei denen der marxistisch-leninistische Standpunkt oder die Zugehörigkeit zur Organisation nicht klar ist.

Eine bedeutende Gruppe, die ML-Studentengruppe Romanistik verhält sich abwartend gegenüber unserer Übergangsorganisation und nimmt nicht an der Aktivistengruppe teil.

Die Marxisten-Leninisten organisieren sich bislang getrennt von der FU und entsenden bislang nur einen Beobachter in die Aktivistengruppe.

ML-Mathematik

Innerhalb der Rotzmat existiert mit einem Aktivisten und mehreren Sympathisanten eine starke Minderheitsgruppe. Sie führt ein Grundschulungsprogramm zusammen mit einigen hochschulpolitisch aktiven Anfängern durch. Der Theorie AK der Rotzmat, dem ein modifiziertes ML-Programm zugrundelag, scheiterte an dem Gegensatz von Vertretern der ML und des Rotzeg-Flügels und endete mit dem Ausstieg der anderen Fraktion.

Einige Mitglieder der Rotzmat versuchen momentan den außerhalb der Rotzmat laufenden Schulungskreis mit einem Monopolanspruch der Rotzmat zu destruieren und ein teils linkskommunistisch, teils das Problem der technischen Intelligenz behandelndes Schulungsprogramm durchzusetzen. Die ML-Fraktion versucht momentan durch solidarische Mitarbeit und Agitation den ML-Standpunkt durchzusetzen. Es ist geplant eine Art Aufbauschulung in Angriff zu nehmen, die marxistisch-leninistisch die Frage der technischen Intelligenz in Angriff nimmt.

Bericht zur Lage am Institut für Publizistik

Die Mitglieder (25) der im November gegründeten Institutsgruppe Rote Publizistik verpflichten sich auf global bestimmte politische Ziele und begreifen sich als Teil einer zu gründenden Massenorganisation. Die Organisierung in dieser Form ermöglicht, die verschiedenen, sich herausbildenden Fraktionen zusammenzufassen. Sie hat zum Ziel, die bisher geleistete politische Arbeit am Institut für Publizistik aus ihrer Isolierung in einen politischen antirevolutionären (?,d.Vf.) Gesamtzusammenhang zu stellen und sie stärker politisch auszurichten als bisher. Dieses Ziel ist u. a. durch einen höheren Verbindlichkeitsgrad der Arbeit ermöglicht worden (siehe Paper RPK-AK) Der bisherige 'Motor' der früheren ad-hoc-Gruppe Publizistik - eine Gruppe von 10 Studenten - begann nach der Gründung der Institutsgruppe die ML-Grundschulung, um sich gemeinsam auf die anfallenden wichtigen Aufgaben (Berufspraxisdiskussion, Organisationsfrage) vorzubereiten und die studentische Politik weiter voranzutreiben. Durch die Ereignisse (RPK-Putsch, Arbeitskonferenz) und die starke Zusammenarbeit von 5 Genossen aus der Schulungsgruppe mit anderen Uni-ML-Gruppen und der Ruhrkampagne wurde von diesen Genossen bereits die Entscheidung für die stärkere Zusammenarbeit mit der ML-Organisation getroffen, während die anderen Genossen aufgrund unterschiedlicher Motivationen Ressentiments gegen die ML entwickelten. Dieser Abstand zwischen den beiden Teilen der Gruppe wurde noch verschärft durch den schlechten Arbeitsstil der Gruppe. Die Schulungsgruppe konnte daher auch keine einheitliche Politik mehr innerhalb der Institutsgruppe vertreten, obwohl die inhaltliche Kritik an den Vorstellungen des ML-Kerns noch nicht geleistet wurde. Die Selbstkritik des ML-Kerns hat die Einsicht, die Grundschulung zu beginnen, aber weiterverbreitet, sodaß wir angefangen haben, neue Schulungsgruppen aufzubauen (2), vorrangig mit jüngeren Studenten.

Die nächste Aufgabe des ML-Kerns in der Institutsgruppe wird also sein: Seine Vorstellungen für die nächsten Schritte der Institutspolitik und ihrer Verbindung zum Basisbereich ausführlich darzustellen und zu diskutieren, um sie (Schulung und notwendige Analysen) einleiten zu können.

ML-Medizin

Bei den Medizinern gibt es zur Zeit bereits eine ML-Fraktion, die durch verschiedene Umstände (Medizinerstreik zu Anfang dieses Semesters) gezwungen wurde, offen den ML-Standpunkt zu vertreten. Seit dieser Zeit werden die Diskussionen im Plenum der Medizinerorganisation (keine Rote Zelle) weitgehend von der Auseinandersetzung zwischen ML-Studenten und den Vertretern des Rotzeg Standpunktes bestimmt. Zum offenen Bruch innerhalb der Organisation ist es noch nicht gekommen, da beide Fraktionen etwa gleichstark sind. Alle Mitglieder der Hochschulgruppe absolvieren das ML Grundschulungsprogramm, erweitert durch 'Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus'. Die Hochschulgruppe ist etwa 120 Leute stark. Davon nehmen die meisten regelmäßig an der Schulung teil.

Die Arbeit im außeruniversitären Bereich (Medizinerladen in Kreuzberg, Krankenschwestern) konnte nicht koordiniert werden. Im Moment arbeitet ein Teil der Mediziner mit der KPD/ML auf dem Gebiet der Stadtteilagitation (Bethanien-Krankenhaus in Kreuzberg) zusammen. Eine grundsätzliche Bereitschaft der Mediziner mit der ML bei der Betriebs- und Stadtteilagitation zu arbeiten ist vorhanden."
=ML Westberlin:Info Nr.1,Berlin Dez. 1969,S.14ff

06.12.1969:  In Berlin beginnt die zweitägige RPK-Arbeitskonferenz, auf der von einer Reihe Berliner und bundesdeutscher Gruppen die Organisationsfrage diskutiert wird.
=Rote Pressekorespondenz Nr.43/44/45,Berlin ****1969

18.12.1969:  Im Westberliner 'RC-Bulletin' Nr.12/69 erscheint u.a. ein Beitrag von Solveig Ehrler "Zu den fraktionellen Auseinandersetzungen in der Linken und um die ROTE PRESSE KORRESPONDENZ" (RPK), in dem u.a. die Rede ist von "der von allen Gruppen als notwendig anerkannten Transformation der sozialistischen Bewegung von einer studentischen in eine sozialistisch-proletarische Bewegung ... . ... Die ... einsetzende Fraktionierung, die bisher mit ideologischem Anspruch von der ML begonnen worden ist, ist als Folge der so naiv und spontan eingeleiteten und durchgeführten Narodniki-Bewegung zu verstehen. Die Schwierigkeit und Unsicherheit der Studenten an der Uni rührt daher, daß sie die Naivität verloren haben, ihren Kampf schon für Klassenkampf zu halten. Dem dadurch eingetretenen Verlust an Spontaneität und Heftigkeit studentischer Aktionen ging parallel eine Phase verzweifelter Organisationsanstrengungen im vergangenen Sommersemester mit dem Ziel, Praxis und Aktion von Hochschule und Basis aufeinander abzustimmen und zu vereinheitlichen. ... Die Kritik an der Arbeit der Basis- und Betriebsgruppen, die ideologisch und organisatorisch am konsequentesten von der aus den Basisgruppen entstandenen ML-Fraktion geführt worden ist" zeichne sich positiv aus gegenüber der "Gruppe Elektroindustrie, die die theoretisch konsequenteste Ausformung des Basisgruppenkonzepts darstellt. ... Aufgabe der studentischen Genossen sollte es sein, dem Proletariat bei seiner Selbstfindung behilflich zu sein durch Entwicklung einer ... Konfliktstrategie. Diese Strategie ..., bot jedoch aufgrund des Ausbleibens proletarischer Kämpfe ein unkontrollierbares Feld studentischer Hausmachtpolitik."
=RC-Bulletin Nr.12,Berlin 18.12.1969

21.12.1969:  In Berlin findet das 14.Plenum von Spartacus - IAfeKJO (vgl. 2.11.1969, 7.1.1970) statt.
Die Projektgruppe (PG) DruPa des Lehrlings- und Jungarbeiterkomitees (LJAK) 'Rest' kann über die Zentrale Schulungsgruppe der DruPa-Jugend bekanntgeben, daß diese aus 10 MLern, 6 Rotgardisten (RG der KPD/ML), 5 Spartacisten und ein paar Unabhängigen bestehe.
=Spartacus - IAfeKJO:Protokoll 14.Plenum,Berlin o.J. (1969);
Spartacus - IAfeKJO:Bericht der PG D+P,Berlin o.J. (1969)


Januar 1970:  Die KPD/AO erklärt später zu Ereignissen, die vermutlich im Januar oder Februar in Berlin stattfanden bzw. zur Herausbildung der ML Westberlin und der Projektgruppe Elektroindustrie (PEI):"
Die Roten Zellen befanden sich mitten in einem Fraktionierungsprozeß, durch den sie auf die Grenzen ihrer Politik und Organisationsformen stießen, ohne daß sich schon klare Linien herausgebildet hatten. Die Koalition der 'Harzer Gruppen' war schon wenige Wochen nach der Arbeitskonferenz (der 'RPK' am 6.12.1969,d.Vf.) im Kampf zwischen der marxistisch-leninistischen Linie und spontaneistischen Positionen vollständig auseinandergebrochen."
=Rote Presse Korrespondenz Nr.96/97,Berlin 8.1.1971

Januar 1970:  Vermutlich im Januar erscheint die Nr.1 des 'Roten Morgens' der KPD/ML (vgl. 15.12.1969, Feb. 1970). Der Leitartikel des ZK der KPD/ML ist: "Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf!"

Laut der späteren Bolschewistischen Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM) aus Dortmund (vgl. 10.1.1972) landen die Verfasser des Artikels später im "praxislosen Sumpf des KB/ML", vermutlich in Westberlin.
=N.N.:Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972,S.12f;
Roter Morgen Nr.6,Hamburg Jan./Feb.1970


16.01.1970:  Innerhalb von Spartacus-IAfeKJO Berlin berichtet die Projektgruppe Druck und Papier (vgl. 14.1.1970, 21.1.1970) über die Zentrale Schulungsgruppe (ZSG) der DruPa-Jugend (vgl. Nov. 1969, 13.3.1970):"
Die Zentrale Schulungsgruppe konstituierte sich am 16.1.1970. Sie hat die Geschichte der Arbeiterbewegung auf ihr Programm gesetzt. Sie setzt sich aus 10 ML-Leuten, 6 Rotgardisten (Rote Garde der KPD/ML,d.Vf.), 5 Spartacisten und ein paar politisch ungebundenen Leuten zusammen."
=Spartacus-IAfeKJO Berlin:Bericht der Projektgruppe Druck und Papier,o.O. o.J. (1970)

18.01.1970:  In Berlin wird auf der Leitungssitzung von Spartacus - IAfeKJO u.a. festgestellt, daß das SALZ momentan, wegen dem Fraktionskampf der ML gegen die Roten Zellen, nur noch 15 Mitglieder habe. Praxisbereiche des SALZ seien u.a. DPG, DruPa und Siemens.
=Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung 18.1.70,Berlin 18.1.1970

26.01.1970:  In der Berliner Projektgruppe Elektroindustrie (PEI) findet eine studentische Plenumssitzung mit 10 Teilnehmern statt, auf der u.a. über das Schneider/Bubenzer-Papier diskutiert wird.
Neben dem Unionekonzept werden darin die Thesen, "Die Klassenanalyse ist untrennbar von der Kaderorganisation" und über die Phasen der Gruppenbildung, für die zentralen gehalten. Die ML Westberlin haben angefragt, ob sie durch Beobachter an der Arbeitskonferenz am 31.1.1970/1.2.1970 teilnehmen dürfen, was unter der Bedingung der Teilnahme von PEI-Beobachtern auf dem Aktivistenkollektiv der ML befürwortet wird.
=PEI:Protokoll der studentischen Plenumssitzung vom 26.1.70,Berlin (o.J.) 1970

28.01.1970:  Innerhalb von Spartacus-IAfeKJO Berlin berichtet die Projektgruppe Druck und Papier über die Zentrale Gruppe (ZG) der DruPa-Jugend (vgl. 21.1.1970, 11.2.1970) auf deren letzter Sitzung nur wenig Unorganisierte anwesend waren:"
Zur 3.ZG kamen einige mehr, es gab keine Tagesordnung - das Referat über das Berufsbildungsgesetz (BBiG,d.Vf.) hätte gehalten werden müssen - jedoch man begnügte sich einen Funktionär zu wählen, den stellvertretenden Fahrtenleiter, sodann verschwanden die unpolitischen Kollegen. Zwischen den Maoisten und uns wurde übereingekommen, die Diskussion über die Haltung zur Gewerkschaft und zum ersten Mai möglichst bald auf die Tagesordnung zu setzen, und vorher im internen Kreis mit uns darüber zu sprechen. das Verhältnis der Maoisten in der DruPa zu uns ist nicht von dem motzerischen Ton bestimmt wie im Apo-Milieu. Das liegt unter anderem sicher an der Ratlosigkeit, mit der sie ihrer gewerkschaftlichen Praxis gegenüberstehen. Sie scheinen zu allgemeiner Mitarbeit bereit zu sein. Doch nach allem, was von ML und Roter Garde (der KPD/ML,d.Vf.) bekannt ist, steht dies in krassem Widerspruch zu ihrer generellen, gewerkschaftsfeindlichen Linie. Über den ersten Mai haben sie in ihren Organisationen noch nicht gesprochen. Die letzte Neuigkeit von ML ist, daß sie ihre Stellung zu den Gewerkschaften und zum 1.Mai von einer grundlegenden Klassenanalyse abhängig machen werden. Zur Zeit stehen sie auf dem Standpunkt, daß die Gewerkschaftskundgebung am 1.Mai sich nicht von einer Freiheitskundgebung unterscheiden werde. Die ML-Leute erscheinen zu den Sitzungen nie mit einem Konzept. Sie scheinen ihre politische Linie nicht zu reflektieren. Es ist sicher, daß sie ihre Entscheidung über den 1.Mai nur als ML-Fraktion, nicht als Druckerkollektiv fällen werden.

Die Genossen von ML und RG scheinen entgegen unseren früheren Einschätzungen fest in ihren Organisationen verankert zu sein. Die Differenzierung in ML-RG vorantreiben zu wollen, würde das Fortbestehen der Zentralen Gruppen, diesen noch auf schwachen Füßen stehenden Vorposten des EGJS (Eigenständiger Gewerkschaftsjugendsektor,d.Vf.), aufs äußerste gefährden."
=Spartacus-IAfeKJO Berlin:Bericht der Projektgruppe Druck und Papier,o.O. o.J. (1970)

03.02.1970:  Ein Mitglied der IKD berichtet über die Rote Garde (RG) Berlin:"
Die Berliner 'Rote Garde' ist seit einigen Wochen wie vom Erdboden verschluckt! ... Das Kapital, das sie das ganze Jahr lang monopolisiert hatte, war ihr folkloristischer Hurra-Maoismus, der alle Leute anzog, die auch gern ein bißchen revolutionär sein wollten, ohne sich dabei aber in geistige Unkosten stürzen zu müssen, und die vor allem einen Horror vor politischen Verbindlichkeiten hatten. Auf dem Gebiet ist der 'R.G.' indessen in den letzten Wochen eine großmächtige Konkurrenz erwachsen - INFI und 'ML' versuchen, sich gegenseitig in hysterischem Volkskriegs- und Maotsetung-Gekreisch zu überbieten. Das ganze unernste Volk, auf das die 'R.G.' bei Demonstrationen hatte zählen können, findet jetzt bei INFI und 'ML' vollen Ersatz. Der Entschluß, sich der 'KPD/ML' als deren 'Jugendorganisation' anzuschließen, dürfte ein beschleunigendes Moment im Niedergang der 'R.G.' gewesen sein."
=IKD-1 Mitglied:An ...(1 GIM-Mitglied),o.O. 3.2.1970

11.02.1970:  Innerhalb von Spartacus-IAfeKJO Berlin wird vermutlich von der heutigen Sitzung der Zentralen Gruppe (ZG) der DruPa-Jugend (vgl. 28.1.1970, 11.3.1970) berichtet:"
ML und Rote Garde (der KPD/ML,d.Vf.) haben auf eigene Rechnung ein DruPa-Informationsflugblatt hergestellt und an den Berufsschulen verteilt, ohne daß Lehrlinge darauf reagiert hätten. In der Diskussion um die Zukunft der DruPa-Gruppe konnten nur WIR in Richtung auf den 1.Mai eine Perspektive aufweisen. ... Die ML hat überhaupt noch keine Meinung zur Gewerkschaftsfrage."
=Spartacus - IAfeKJO:Protokoll Leitungssitzung 13.2.70,Berlin 13.2.1970

13.02.1970:  In der 'RPK' Nr.52 erscheint ein Artikel "Die Durchführung einer Betriebsuntersuchung" von der Unione Dei Communisti Italiani (Marxisti-Leninisti).
=Rote Presse Korrespondenz Nr.52,Berlin 13.2.1970

22.02.1970:  In einem Brief eines IKD-Funktionärs an ein Mitglied der GIM wird aus Berlin berichtet:"
In Berlin ist die 'ML'-Fraktion jedenfalls ziemlich eindeutig ein Produkt der Rebellion der 'Basis' gegen die einstigen Koryphäen der 'Bewegung' - deshalb wird ihnen ja auch von letzteren vorgeworfen, nichts als die unbestimmte Negation des Antiautoritarismus und seiner Organisationsfeindlichkeit zu sein (was in gewissem Maße sogar stimmt). Es fällt auf, daß Köpfe der 'ML'-Fraktion fast durchweg bislang ziemlich unbekannte Leute gewesen sind, während die etwas ranzige Creme des seligen SDS sich auf die Seite der 'Roten Zellen' schlägt. Diese Koalition - SDS-Altherren, Institutspolitiker und Betriebsbasisökonomisten - ist die Reaktion der 'altbewährten Taktik' auf die respektlose Herausforderung seitens ihres einstigen Fußvolks, das sich heute in der 'ML-'Fraktion gruppiert. Gegenüber dem von der 'ML' postulierten 'radikalen Bruch' mit der antiautoritären, pluralistischen APO-Vergangenheit vertritt die 'Rote Zellen'-Fraktion in jeder Hinsicht die Kontinuität der Bewegung. Da die 'theoretische' Auseinandersetzung nur das schmückende Lametta an ganz realen Machtinteressen ist - Zank um die bürokratischen Instanzen der Ex-APO, wie RPK, RC-Kassen und -Vorstände, usw. - kommt es auf die Inhalte der Polemik gar nicht so sehr an, und so reicht es folglich aus, sich gegenseitig Mao- und Stalin-Zitate an den Kopf zu werfen. Indem die 'RZ'-Fraktion inklusive Rattenschwanz, die ja politisch in der Defensive sind, ständig versuchen, die 'ML' an 'Radikalität' und 'Orthodoxie' zu übertreffen, verlagerte sich das ganze Terrain der Auseinandersetzung immer mehr in Richtung auf Ultralinks-Stalinismus, womit sich die 'RZ'-Mischpoke natürlich das Wasser abgräbt und auf längere Sicht der 'ML' in die Hände spielt. Es kann meiner Ansicht nach kein Zweifel bestehen, daß die nächsten Monate von einem raschen Anwachsen der 'ML'-Strömung geprägt sein werden. Ich habe schon im vorigen Herbst behauptet, daß sich der Trend in diese Richtung bewegen wird, und das war der Grund dafür, daß wir in den letzten Wochen verstärkt in Antistalinismus gemacht haben. Die allerjüngste Entwicklung bestätigt meiner Meinung nach meine damalige Prognose. Unsere Aufgabe kann nun nicht sein, der Entwicklung tatenlos zuzusehen und Verwünschungen gegen den Stalinismus auszustoßen, sondern wir müssen aktiv versuchen, alle inneren Widersprüche dieser Strömung zum Aufbrechen zu bringen bzw. wenn möglich sogar neue hineinzutragen. Die Gefahr, daß diese Tendenz eine beachtliche Anzahl gutwilliger und an sich durchaus wertvoller potentieller Kader an sich zieht und verschleißt, ist nicht zu unterschätzen. Wenn ich das richtig beurteilen kann, so findet man heute schon die brauchbarsten Elemente der proletarischen Jugend in Hamburg beispielsweise im SALZ/ML und in Kiel (hier kann ich mich allerdings irren) in der 'Roten Garde'. Es hängt nun von uns ab, ob diese Leute der revolutionären Bewegung auf längere Frist erhalten bleiben."
=IKD-1 Mitglied:An ...(1 GIM-Mitglied),o.O. 22.2.1970

28.02.1970:  Vermutlich heute werden in der Berliner Rotzök Durchschläge eines 'Pariser Papieres' als Entwurf (vgl. 21.3.1970) erstellt. Zu den Studentengewerkschaften heißt es u.a., gerade gegen dieses Konzept sei die Rotzök gegründet worden, deren Sektion 3 als Betriebsprojektgruppe (BPG) arbeiten solle.

"Einige Genossen vertraten den Standpunkt, eine brauchbare Untersuchung sei nur bei ausreichender Quantität des U-Trupps durchzuführen. Da diese nicht vorhanden sei, wäre es vordringlicher mit der ML gemeinsam eine proletarische Übergangsorganisation zu schaffen; ... ."
=Rotzök:Pariser Papier (Entwurf),Durchschlag 4 Seiten,Stempel 28.2.70,Berlin 1970

01.03.1970:  In der Berliner PEI wird vermutlich Anfang März ein Papier "Die Kommunistische Partei des Proletariats und die korrekte Methode des Parteiaufbaus (Internes Diskussionsmaterial)" von einem Mitglied verfaßt bzw. verbreitet, in dem es u.a. heißt:"
Aber die Abkehr von den alten Autoritäten wurde zur Intellektuellenfeindlichkeit, zur schieren Feindseligkeit ohne politischen Inhalt.
...
Bei der ML war das nicht anders, ... . Im Kampf gegen die Autoritäten fanden wir auch zur ML. Auf der Arbeitskonferenz der RPK machten wir gemeinsam mit ihnen Front gegen die Thesenpapierleute - ... .
...
Als die alten Autoritäten sich als KPD/AO konstituierten, wollten wir abermals mit der ML gegen sie Front machen."
=PEI:Die Kommunistische Partei des Proletariats und die korrekte Methode des Parteiaufbaus (Internes Diskussionsmaterial),Berlin o.J. (1970)

12.03.1970:  In Berlin befaßt sich der Hauptausschuß der PEI heute mit der Roten Zelle Physik:
"Eine konkrete Zusammenarbeit zwischen der Zelle und einer der Organisationen (AO-ML-PEI) ist noch nicht möglich. Sie wollen sich überall umhören."
=PEI:Protokoll der Hauptausschußsitzung vom 12.März,Berlin o.J. (1970)

12.03.1970:  Von der Berliner PEI-Schulungssitzung wird u.a. folgendes protokolliert:
"Es wurde gesagt, daß die augenblickliche Konkurrenz zwischen diesen vier Organisationen (KPD/AO, ML Westberlin, KPD/ML, PEI, d.Vf.) gerechtfertigt sei, weil sie zur Zeit noch keine einheitliche Linie ... entwickeln könnten. Diese vier Organisationen sollten aber nicht vertikal, sondern horizontal arbeitsteilig arbeiten, ...; nur gegenüber der Bevölkerung müsse ein einheitliches Auftreten, z.B. zum 1.Mai, gewährleistet sein."
=PEI:Protokoll der Schulungssitzung vom 12.3.70,Berlin o.J. (1970)

13.03.1970:  In der 'RPK' Nr.56/57 (vgl. 6.3.1970), wird die "Vorläufige Plattform für die Aufbauorganisation der Kommunistischen Partei Deutschlands" (KPD/AO) abgedruckt. Mit dieser Nummer besteht die Redaktion nun aus den Gruppen: KPD/AO, PEI, ROTZEG, ROTZING, ROTZÖK, ML, Ruhrkampagne, Geschäftsführung, Vertrieb.
=Rote Presse Korrespondenz Nr.56-57,Berlin 13.3.1970;
Weg der Partei Nr.3,Dortmund 1975,S.46


20.03.1970:  In Berlin werden auf einer Sitzung der Stadtteiluntersuchungsgruppe der KPD/AO, Berichte über arbeitende Gruppen besprochen, mit denen man vielleicht in's Geschäft kommen könnte.

Vom Wedding findet man u.a. das Proletarierinnen Zentrum - Marxisten-Leninisten (PROZ-ML), welches aus vier Gruppen besteht, davon eine "Medizinergruppe, die Proz 4, die im Virchow-Krankenhaus arbeitet", interessant.
=KPD/AO:P.d.S. am 20.3.70,o.O. (Berlin) o.J. (1970)

April 1970:  Die 'ML Westberlin' (später: KB/ML) treten, laut den Freunden der KPD/AO (vgl. 8.1.1971), im April aus der Redaktion der 'RPK' aus.
=Rote Presse Korrespondenz Nr.96/97,Berlin 8.1.1971

04.04.1970:  Die Berliner Ruhrkampagne beginnt eine zweitägige Diskussion über die Frage, "ob die einzige marxistisch-leninistische Organisation im Ruhrgebiet, die KPD/ML Nordrhein-Westfalens" (spätere KPD/ML-ZB,d.Vf.) zu unterstützen ist. Der Diskussion vorausgegangen waren Gespräche mit KPD/ML- und RG-Vertretern aus NRW (vgl. 3.2. 1970):"
Im Laufe der Diskussion kommt ein Teil der Genossen zu dem Ergebnis, daß die KPD/ML und Rote Garde im Ruhrgebiet zu unterstützen sind, da ihre prinzipiellen Positionen korrekt erscheinen. Ein erheblicher Teil der Genossen, vorrangig vertreten von Mitgliedern der M. L. Westberlin, ... hatten prinzipielle Einwände. Diese Genossen erklärten ihren Austritt aus der Ruhrkampagne und ihre Bereitschaft, mit der ML Westberlin Gespräche bezüglich Mitarbeit zu führen."
=Rote Presse Korrespondenz Nr.61,Berlin ******1970,S.13

10.04.1970:  Folgende Gruppen und Organisationen rufen in der heutigen 'RPK' Nr.60 (vgl. 3.4.1970) zu einer Großveranstaltung am 1. Mai und zu einer gemeinsamen Demonstration am 1. Mai in West-Berlin auf:
Betriebsgruppe Tempelhof/Neukölln, Betriebsgruppe Zehlendorf, Basis- und Betriebsgruppe Spandau, Projektgruppe Elektroindustrie (PEI), Rote Kollektive proletarische Erziehung (Rotkol), Schülerläden Witzlebener Str. und Naunynstraße, Aktionsrat zur Befreiung der Frauen (Gruppe Dernburgstraße), Rote Zelle Ökonomie, Rote Zelle Soziologie, Sozialistische Assistentenzelle (SAZ), Sozialistische Arbeitskollektive am OSI (SAKO).

Ein weiterer Aufruf ist von der KPD(AO) und den Marxisten-Leninisten (ML) Westberlin unterzeichnet.
=Rote Presse Korrespondenz Nr.60,Berlin 10.4.1970

25.04.1970:  Vermutlich an diesem Wochenende findet die 2. Arbeitskonferenz (vgl. 14.11.1970) der Berliner ROTZEG statt. Dort verabschiedet sie die vorläufigen "Hochschulthesen" der KPD/AO als "Leitlinie der Hochschulpolitik der Rotzeg" (vgl. 1.5.1970).

Die MLHG (vgl. Dez. 1970) berichtet, daß über die PEI bzw. PL/PI, die ML Westberlin bzw. den KB/ML Westberlin und die KPD/AO (vgl. 28.2.1970) diskutiert worden sei. Unterstützt worden sei in der Folge die Arbeit der KPD an Haupt- und Realschulen (vgl. Mai 1970).
=Rote Presse Korrespondenz Nr.63,Berlin 1970,S.1ff;
MLHG: Die MLHG als Organisation sozialistischer Studenten aufbauen,Berlin o.J.


29.04.1970:  Heute soll in Berlin eine Großveranstaltung in der Hasenheide zum 1.Mai stattfinden, zu der die KPD/AO aufruft. Laut Spartacus - IAfeKJO stört der Anarchistische Kampfbund alle Reden auf der 'roten' Großveranstaltung von KPD/AO, ML Westberlin und KPD/ML-ZK.
=Spartacus Nr.14/15,Berlin Juni/Juli 1970;
Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe AEG Telefunken Nr.1,Berlin Apr.-Mai 1970;
Rote Fahne Nr.1,Berlin Apr.-Mai 1970


Mai 1970:  Der KB/ML Westberlin gibt erstmals sein theoretisches Organ 'Kommunist' (vgl. dez. 1971) heraus, welches die Plattform des KB/ML enthält, die sich u.a. abgrenzt von KPD/AO, KPD/ML-ZK, KPD/ML-ZB und PEI.
Gleichzeitig wird mit der Herausgabe des 'Kommunist' die Gründung des aus den ML Westberlin entstandenem KB/ML bekanntgegeben.

Die MLHG Berlin (vgl. 5.7.1971) berichtet im Zusammenhang mit der Gründung der KPD/AO (vgl. 28.2.1970) und der PL/PI (vgl. 10.7.1970).

Laut GIM (vgl. Feb. 1972) vollzieht der KB/ML in der Folge einen Rückzug aus der organisatorischen Praxis und gewährt den Hochschulgruppen eine relative Autonomie. Später führte die Bildung eines Ausschusses von MLHG und KB/ML zur Erarbeitung von Hochschulthesen zur radikalen Infragestellung der KB-Plattform.
=GIM: Zur Intervention im Hochschulbereich,Berlin o.J. (1972);
Kommunist Nr.1,Berlin Mai 1970;
MLHG Nr.4,Berlin 5.7.1971


01.05.1970:  In Berlin mobilisieren, laut Bergedorfer Lehrlingszentrum, die Linken 20 000 Demonstranten zum 1.Mai, während es DGB und SEW auf 6 000 bringen.

In Berlin ruft die KPD/AO zur Demonstration ab Karl Marx Platz in Neukölln auf. An dieser revolutionären Demonstration sollen sich 20 000 beteiligt haben, während die DGB-Kundgebung in der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' nur 2 000 Zuhörer gefunden habe, während es in der 'Roten Fahne' 6 000 von SEW und z.T. APO waren. Laut 'RPK' waren es 15 000 bis 20 000 auf der linken Demonstration.

In einem internen Bericht der IKD (bzw. Spartacus - IAfeKJO) heißt es:"
Unerwarteter Erfolg; hatten in unserm Block zum Schluß rund tausend Leute. Der Versuch, in die Apo die 'Differenzierung hineinzutragen', ist ebenfalls ganz gut gelaufen: Eine Abspaltung der Roten Garde und eine Abspaltung der 'ML-Fraktion' sind bei uns mitgelaufen, außerdem ein ganzer Schwung FDJler; die 'Falken' und die Jusos hatten sogar offiziell zu unserm Block aufgerufen, haben aber natürlich kaum was auf die Beine gebracht. Darüberhinaus sieht es so aus, als herrschte allenthalben eine beträchtliche Malaise wegen des 1.Mai. In der ML hat es wohl heftige und chaotische Auseinandersetzungen gegeben, ob man sich beim DGB oder beim Roten Mai beteiligen soll. Ein paar Tage danach sieht es so aus, als wenn die Malaise auch auf die Studenten übergreift (Rote Zellen). Im Gegensatz zu unserm Auftreten vor dem Rathaus war nämlich der Rote Mai ein sterbenslangweiliges Ritual - keine Sprechchöre, keine Lieder, nicht mal mehr Ketten im Laufschritt; die Reden waren so einschläfernd, daß riesige Massen die Kundgebung schon zu Beginn wieder verließen, um sich durch Steineschmeißen am Kudamm über ihre Frustration hinwegzutrösten. Auf dem Kennedyplatz dagegen stellten die Linken - erkenntlich an den roten Fahnen - MINDESTENS die Hälfte der ca. 20 000 Anwesenden und beherrschten vollkommen das Bild der Kundgebung – auch akustisch übrigens. Die SEW hatte ein Mammut-Aufgebot angeschleppt – sie haben fast sämtliche Demonstrationszüge der Einzelgewerkschaften aufgesaugt und einkassiert. Der IGM-Zug beispielsweise bestand - abgesehen von höchstens 50 Bürokraten - aus über 2 000 SEW- und FDJ-Anhängern, was man unzweifelhaft an ihren Transparenten ablesen konnte."
=Rote Presse Korrespondenz Nr.60,Berlin ****1970;
Lehrlingsinfo Nr.3/Puperzke,Hamburg Juni 1970;
Kommunistische Arbeiterpresse - AEG Telefunken Nr.1 und 3,Berlin Apr.-Mai 1970 bzw. 3.6.1970;
Rote Fahne Nr.1 und Sdr.ausgabe,Berlin Apr.-Mai 1970 bzw. Mai 1970;
Roter Morgen Nr.6,Hamburg Juni 1970;
IKD-Leitung-1 Mitglied:An Oldenburg,Berlin o.J. (4.5.1970)


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