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Dortmund-Eving:
Zeche Minister Stein / Zeche Fürst Hardenberg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Von der Zeche Minister Stein / Fürst Hardenberg lagen uns betriebliche Materialien in Form von zwei Serien der Betriebszeitungen der DKP ('Die Kumpel-Post') und der KPD/ML-ZB sowie ihres KJVD ('Die Rutsche' bzw. 'Die Jugend-Rutsche') vor. Aus späteren Jahren kommen Berichte vom KBW, dessen Dortmunder Bergbauzelle ihre Arbeit offenbar von der Zeche Hansa weitgehend auf Minister Stein verlagert. Die Ereignisse auf den Zechen sind oftmals eng verbunden mit denjenigen auf der örtlichen Ebene von Eving, wo auch die Ortsgruppen der IGBE berücksichtigt wurden.

Jugendzeitung Rutsche _ Zeitung der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg des KJVD
Bild vergrößern Zeitung des KJVD

Aus der Vorkriegsgeschichte ist in dieser, wie immer unvollständigen Darstellung, sowohl von der kommunistischen Tradition (vgl. Jan. 1933) als auch von der traditionellen Gefahr durch Grubenunglücke (vgl. 11.2.1925) zu erfahren.

Nicht betroffen ist Minister Stein im hier behandelten Zeitraum von den allfälligen Zechenstillegungen, gegen die 1967 protestiert wurde (vgl. 21.10.1967), auch wenn dies Anfang 1972 angesichts der sieben Feierschichten einmal gemutmaßt wurde, und auch offenbar auch in der Diskussion war.

Es erfolgt vielmehr die Eingliederung in die Ruhrkohle AG (RAG) bzw. konkreter die Bergbau (BAG) Dortmund (vgl. 30.4.1969, Dez. 1969, 1.12.1969).

Die DKP hat bereits kurz nach ihrer Gründung eine Betriebsgruppe und beginnt mit der Herausgabe ihrer Betriebszeitung (vgl. Juni 1969). Der Betriebsrat zeigt sich antifaschistisch (vgl. Aug. 1969).

Bei den Septemberstreiks 1969 stehen Minister Stein und Fürst Hardenberg in vorderster Reihe, vor allem was den Bergbau betrifft (vgl. 4.9.1969, 9.9.1969, 10.9.1969, 11.9.1969). Die DKP greift in den Streik ein (vgl. 9.9.1969), wird dann im Verein mit dem SDS wiederholt von der IGBE attackiert (vgl. 3.10.1969, 17.10.1969), die sich auch äußerst erbost über die körperliche Gewalt gegen ihre Gesandten zeigt (vgl. 16.9.1969), wobei dieser Vorfall später bei Opel Bochum ganz anders erläutert wird (vgl. 10.6.1970).

Von der Ermordung Evinger Bergarbeiter von Minister Stein im Rombergpark bzw. der Bittermark wird hier wiederholt berichtet, zunächst durch die DKP (vgl. 27.3.1970), später auch durch die KPD (vgl. 12.4.1974, 28.3.1975).

Die DKP gibt weiter ihre 'Kumpel-Post' heraus (vgl. 4.5.1970) und berichtet in dieser Darstellung vom erneuten schweren Grubenunglück auf Minister Stein (vgl. 13.8.1970, 31.8.1970), während die IGBE sich in hoffnungsvollen Berichten über die Kokerei ergeht (vgl. Sept. 1970). Die Zukunft der Schachtanlagen scheint ebenfalls sicher, sind sie doch Ziel von Verlagerungen (vgl. 30.9.1970), wobei es offenbar gar zu Entlassungen kommen soll (vgl. 19.10.1970).

Die Belegschaft von Minister Stein greift nun aktiv in die Auseinandersetzungen um die Fahrpreiserhöhungen ein (vgl. März 1971, 10.3.1971, 24.3.1971, 26.3.1971), wozu die DKP aufrief (vgl. 8.3.1971), später dann auch die KPD/ML-ZB (vgl. 17.3.1971, 29.3.1971, 30.3.1971, 12.4.1971).

Die KPD/ML-ZB wird nun ebenfalls bei Minister Stein mit einer Betriebszeitung, der 'Rutsche', aktiv (vgl. 5.4.1971), erzielt dort offenbar auch arg hohe Absatzzahlen ihres Zentralorgans (vgl. Apr. 1971, 16.4.1971, 26.4.1971, 28.5.1971). Die 'Rutsche' erscheint in schneller Folge (vgl. 14.4.1971, 28.4.1971, 27.5.1971, Juli 1971, 2.7.1971, 2.8.1971, 23.8.1971), ergänzt um Extrablätter aller RAG-Betriebsgruppen der KPD/ML-ZB (vgl. 21.4.1971) oder auch der 'Rutsche' allein (vgl. 9.6.1971).

Auch die DKP aber gibt weiter ihre 'Kumpel-Post' heraus (vgl. 26.4.1971, 21.6.1971, 30.7.1971, 23.8.1971), berichtet sowohl von der Pietätlosigkeit auf dem Pütt (vgl. 2.6.1971) als auch von den Lohnkonflikten (vgl. 22.6.1971, 30.6.1971).

Während es nun offenbar zum ersten Belegschaftsabbau kommt (vgl. Sept. 1971) entwickelt sich auch die Auseinandersetzung zwischen den Bergbaubetriebsgruppen der DKP (vgl. 25.10.1971) und der KPD/ML-ZB (vgl. Sept. 1971) bzw. ihres KJVD (vgl. 1.9.1971), greifen letztere doch im Vorfeld der Betriebsversammlung den Betriebsrat an (vgl. 14.9.1971, 20.9.1971, 27.9.1971) und ereifern sich in ihrer Betriebszeitung und ihrem Zentralorgan wiederholt gegen die Ostverträge (vgl. 29.9.1971, 28.10.1971, 11.11.1971).

Sozialdemokratische Vertreter von Minister Stein auf dem #../../DGB/IGBE/IGBE_ausserordentlicher_Gewerkschaftskongress_1971.shtml#IGBE-Tag# offenbar für eine explizit undemokratische Vertrauensleutestruktur ein (vgl. 30.9.1971), was natürlich daheim zum Protest führt (vgl. 4.10.1971, 23.10.1971).

Es drohen nun offenbar Entlassungen (vgl. 27.10.1971), während Minister Stein auch Parlamentariern als Erlebnisstätte dient (vgl. 8.11.1971) und die Auseinandersetzung zwischen DKP und KPD/ML-ZB weitergeht (vgl. 10.11.1971), allerdings erfolgen entsprechende Kontakte einiger DKP-Mitglieder offenbar gegen den Willen der örtlichen und betrieblichen DKP-Führung (vgl. 12.11.1971). Auch die DKP kündet nun von der drohenden Krise (vgl. Dez. 1971, 12.1.1972, 21.1.1972), ebenso wie die KPD und die KPD/ML-ZB (vgl. 13.1.1972, 24.1.1972), die zum Kampf aufruft (vgl. 26.1.1972).

Die Betriebsratswahlen 1972 werden frühzeitig vorbereitet, nicht nur von der IGBE (vgl. Dez. 1971, Jan. 1972, 5.2.1972), sondern auch von der DKP (vgl. 7.2.1972) und der KPD/ML-ZB (vgl. 9.2.1972, 10.2.1972, 23.2.1972, 28.2.1972).

Jugendzeitung Rutsche _ Zeitung der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg des KJVD
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Im Vorfeld der Betriebsratswahl wird einer der wohl wichtigsten Oppositionellen, Günter Jegodowski, unter fadenscheinigen Vorwänden entlassen (vgl. 9.2.1972, 22.2.1972, 23.2.1972), wogegen sich zunächst die DKP empört (vgl. 1.3.1972, 8.3.1972), während KJVD und KPD/ML-ZB noch mit den Betriebsratswahlen (vgl. 1.3.1972, 6.3.1972) und ihrer Irlandkampagne (vgl. 6.3.1972, 7.3.1972) beschäftigt sind, sich dann aber ebenfalls umgehend solidarisieren (vgl. 8.3.1972, 9.3.1972, 20.3.1972, 3.4.1972). Der Aufklärung widmet sich vor allem die DKP gerät gar in Frontstellung zur IGBE (vgl. 13.3.1972) und wird gerichtlich verfolgt (vgl. 13.3.1972), kümmert sich aber weiter um die betrieblichen Probleme (vgl. 20.3.1972).

Der KJVD agitiert auf der Jugendversammlung (vgl. 13.3.1972) und erarbeitet ein eigenes Kampfprogramm (vgl. 24.4.1972), gründet gemeinsam mit der KPD/ML-ZB ein Maikomitee (vgl. 17.4.1972, 23.4.1972, 27.4.1972) während zugleich die alten Betriebsräte wiedergewählt werden (vgl. 18.4.1972, 20.4.1972, 28.4.1972).

Die KPD/ML-ZB befaßt sich nun mit der Bergbautarifrunde (BETR – vgl. 28.4.1972, 8.5.1972) bemüht sich um die Gründung eines Einheitsfrontkomitees (EFK) und agitieren gegen die #../../INT/EU/BRD/BRD_Ostvertraege_Mai_1972.shtml#Ostverträge# (vgl. 24.5.1972), während sich die DKP mit zentralen Extrablättern äußert (vgl. 26.4.1972, 1.5.1972), sich aber auch um die Lohnordnung (vgl. 18.5.1972) und um die Bombenanschläge (vgl. 20.5.1972) kümmert, sich von diesen ähnlich abgrenzend wie die KPD/ML-ZB (vgl. 31.5.1972), die ebenfalls gegen die Lohnordnung auftritt (vgl. 31.5.1972).

Auch die DKP greift in die Bergbautarifrunde ein (vgl. Juni 1972), die KPD/ML-ZB aber stärkt nicht nur ihre örtliche Infrastruktur (vgl. 1.6.1972), solidarisiert sich mit #Dortmund_Dillmann-Prozess.shtml#Klaus Dillmann# und agitiert in den folgenden Tagen intensiv (vgl. 5.6.1972, 7.6.1972, 12.6.1972, 15.6.1972, 16.6.1972) zur Bergbautarifrunde, sondern führt für diese auch eine Urabstimmung auf eigene Faust durch (vgl. 17.6.1972, 19.6.1972, 20.6.1972, 21.6.1972), von der sich zumindest die trotzkistische Konkurrenz beeindruckt zeigt. Minister Stein ist dabei eine der wenigen Zechen, an denen diese Abstimmung organisiert wird.

Kampfbereit zeigt sich auch der Gewerkschaftliche Arbeitskreis bei Minister Stein (vgl. 18.6.1972, 21.6.1972), von dem hier weiter nichts bekannt wird. Auch die Kampfaufrufe der KPD/ML-ZB verhallen offenbar weitgehend ungehört (vgl. 22.6.1972, 26.6.1972).

Neben der KPD (vgl. 29.5.1973, Juni 1973) und ihrem KJV (vgl. 26.1.1974) tritt nun auch der KBW bei Minister Stein auf (vgl. 20.10.1973, 25.10.1973, 26.10.1973, 27.10.1973, 28.10.1974), berichtet auch in seinem Zentralorgan (vgl. 7.11.1973, 4.9.1974, 30.12.1974, 17.4.1975). Der KJB arbeitet unter der Jugend (vgl. 9.5.1974).

Die KPD/ML-ZB sieht sich nun im Fadenkreuz der Fahndung (vgl. 29.6.1972, 30.6.1972, 10.7.1972), die IG Bergbau und Energie versucht sich mit betrieblichen Publikationen, die uns leider noch nicht vorlagen (vgl. Juli 1972).

Während die KPD/ML-ZB bereits einmal von der KPD/ML-ZB auf Minister Stein berichtete (vgl. 20.11.1971, 22.11.1971), berichtet nun auch die KPD/ML-ZK selbst (vgl. 3.7.1972, 17.7.1972).

Die KPD/ML-ZB mag sich mit dem Tarifergebnis nicht zufrieden geben, schwärmt von den chinesischen Zuständen (vgl. 12.7.1972), der KJVD kämpft gegen die Jugendoffiziere Bundeswehr und den Wehrkundeerlass prangert in diesem Zusammenhang auch die Erschießung eines Duisburger Jugendlichen an (vgl. 17.7.1972). Oppositionelle Lehrlinge werden damals offenbar umversetzt (vgl. 26.7.1972).

Die Betriebsgruppen Minister Stein des KJVD und der KPD/ML-ZB beteiligen sich an den regionalen und bundesweiten Aktionen (vgl. Aug. 1972, 17.8.1972), greifen auch in die Parteidebatte ein (vgl. 7.8.1972), agitieren auf der Zeche weiter mit der 'Rutsche' (vgl. 14.8.1972, 19.8.1972), nicht zuletzt unter den Jugendlichen (vgl. 16.8.1972, 21.8.1972, 25.8.1972, 28.8.1972, 5.9.1972), während die Verfahren um den Fall Günter Jegodowski nun akut werden (vgl. 16.8.1972, 18.8.1972).

Von den Ereignissen in München berichtet die KPD/ML-ZB (vgl. 5.9.1972, 18.9.1972, 21.9.1972), die auch weiter die Solidarität mit Klaus Dillmann betreibt (vgl. 25.9.1972, 3.10.1972, 9.10.1972, 16.10.1972, 20.10.1972), dabei selbst erneuten Repressalien ausgesetzt (vgl. 3.10.1972).

Von den Umtrieben der Bundeswehr bei Minister Stein berichte nun auch die KPD/ML-ZK, allerdings nur bei der Zeche Hansa (vgl. Nov. 1972). Eine Betriebsgruppe der KPD/ML-ZK auf der Zeche Minister Stein hat es vermutlich nicht gegeben, obwohl manchmal berichtet wird (vgl. 31.12.1972).

Erneut werden nun verlagerte Kumpel aufgenommen (vgl. Jan. 1973) und die Kokerei erweitert (vgl. März 1973), es kommt erneut zum tödlichen Arbeitsunfall (vgl. 24.9.1973).

Neben der KPD (vgl. 29.5.1973, Juni 1973) und ihrem KJV (vgl. 26.1.1974) tritt nun auch der KBW bei Minister Stein auf (vgl. 20.10.1973, 25.10.1973, 26.10.1973, 27.10.1973, 28.10.1974), berichtet auch in seinem Zentralorgan (vgl. 7.11.1973, 4.9.1974, 30.12.1974, 17.4.1975). Der KJB arbeitet unter der Jugend (vgl. 9.5.1974).

Vorläufig abschließend für diese Darstellung ruft die KPD wiederholt die Erinnerung an die Septemberstreiks 1969 wach (vgl. 8.9.1976, Apr. 1977).


Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

11.02.1925:
Vom heutigen Grubenunglück auf der Zeche Minister Stein Dortmund, bei dem 136 Kumpel sterben, und woraufhin 14 Tage später die erste 'Rutsche' (vgl. Jan. 1933) der KPD und des KJVD erscheint, berichtet die KPD/ML-ZB (vgl. 27.5.1971).
Q: Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.7f

Januar 1933:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund erscheint, laut KPD/ML-ZB (vgl. 27.5.1971), zum letzten Male die 'Rutsche' (vgl. 11.2.1925) der KPD und des KJVD. Nach einer gewissen Pause erscheint unter diesem Titel dann die Zeitung der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 5.4.1971).
Q: Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.8

21.10.1967:
Große Demonstration in Dortmund gegen die Schließung der Zeche Hansa.

Die KPD/ML-ZK berichtet auf der Zeche Hansa (vgl. Aug. 1972):"
1967 - Rote Fahnen in Dortmund! Über 10 000 Kollegen von Hansa, Pluto, Minister Stein, Hoesch demonstrieren unter roten Fahnen gegen das Zechensterben. Das Märchen vom ewig währenden Wirtschaftswunder war schon 1967 in alle Winde zerstoben. Das 'Wunder' hatte schon damals Tausenden von Kumpels nichts als den Rausschmiß gebracht. Da haben die Kumpels mit der roten Fahne die Faust erhoben gegen die Zechenkiller, gegen die Ausbeuterklasse. Die roten Fahnen sagten es allen: die deutsche revolutionäre Arbeiterbewegung lebt und marschiert vorwärts."

Berichtet wird vom Streik bzw. der Stillegung u.a. in:
- NRW in Dortmund durch die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 2.1.1973) und durch die Ortsleitung (OL) der Ortsaufbaugruppe (OAG) des KBW (vgl. 14.12.1973)
Q: KBW-OAG Dortmund-OL:Rundbrief Nr.4,Dortmund 14.12.1973,S.3;
Die Rote Front Nr.1,Dortmund Jan. 1973,S.3;
Schlag zu! Nr.1,Dortmund Aug. 1972,S.5

30.04.1969:
Laut IGBE (vgl. 30.4.1969), gehören nach der Neugliederung des Ruhrbergbaus durch die RAG folgende Schachtanlagen zum Verwaltungssitz Dortmund:
- Gneisenau Dortmund,
- Minister Stein Dortmund,
- Hansa Dortmund,
- Germania Dortmund,
- Waltrop,
- Emscher-Lippe Datteln,
- Victor-Ickern Castrop-Rauxel,
- Achenbach Lünen,
- Kaiserstuhl Dortmund.
Q: Einheit Nr.9,Bochum 30.4.1969,S.3

Juni 1969:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund gibt die DKP vermutlich im Juni erstmals ihre 'Kumpel-Post' (vgl. 9.9.1969) mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Walter Kaufmann heraus:"
Liebe Kollegen!

Ich, DIE KUMPELPOST, bin die erste Ausgabe des Mitteilungsblatts der Deutschen Kommunistischen Partei für die Bergarbeiter von der Schachtanlage 'Minister Stein'. Ich werde von Kumpels geschrieben und möchte Deine Zeitung, Dein Helfer und Kampfgefährte beim Meinungsaustausch über Bergarbeiterfragen werden. Bezahlt werde ich nicht von den Bergbauunternehmern, sondern von Kumpels wie Du. Ich will sagen, was ist, was anders werden muß - wie man es anders machen kann. Ich will eine Arbeiterpolitik machen. Deshalb trete ich für eine starke Gewerkschaft, für ein einheitliches, geschlossenes Handeln der Bergarbeiter ein. Ich bin der Meinung, daß eine starke kommunistische Partei im Interesse der Arbeiter und Angestellten ist.

Jetzt habe ich Dir gesagt, wer ich bin und was ich will. Kumpel jetzt hast Du das Wort! Schreibe oder sage mir, wie Du über mich denkst, was Dich bedrückt, worüber ich in der nächsten Ausgabe schreiben soll.

Auf gute Zusammenarbeit - Glückauf!"

Gefragt wird:"
STIMMT DIE KASSE?

Als die Regierung der großen Koalition vor mehr als zwei Jahren gebildet wurde (vgl. **.**.196*,d.Vf.), wurde uns erzählt: Jetzt geht es vorwärts. Jetzt werden die ungelösten Probleme gelöst. Tatsächlich sind eine Reihe von Maßnahmen in Angriff genommen worden. Stimmt es aber, wenn die Regierung in großen Anzeigen der Tageszeitungen behauptet, die 'Kasse stimme' nun wieder? Ja, es stimmt, wenn man die Kasse der Unternehmer betrachtet. Sie haben in den letzten 2 1/2 Jahren gewaltige, bislang nicht dagewesene Gewinne gescheffelt. Die Gewinne der Unternehmer VERDREIFACHTEN sich 1968 gegenüber 1967.

Die Nettoeinnahmen aus Unternehmertätigkeit stiegen um 29 Prozent. Die Nettoeinnahmen der Arbeiter und Angestellten erhöhten sich im gleichen Zeitraum um nur 2,7 Prozent. Kollegen, diese Angaben sind dem Bericht der Bundesbank 1968 entnommen! Die Gewinnexplosion trifft auch für den Bergbau zu. Die Bergbauunternehmer, auch die von 'Minister Stein', verkaufen restlos die gesamte Kohleförderung. Sie bauen ständig die Halden ab und verkaufen sie für teures Geld, obwohl sie bei der Aufhaldung vom Staat Millionen Steuervergünstigungen erhielten.

Deshalb stimmt die Kasse der Unternehmer!

DIE KASSE DER KUMPEL STIMMT NICHT!

Sicherlich gibt es seit langem bei uns keine Feierschichten. Aber deshalb hat der Kumpel doch nicht mehr in der Kasse. Feierschichten sind doch keine Normalfälle. Feierschichten sind eine Ausgeburt der spätkapitalistischen Mißwirtschaft und des kapitalistischen Gewinnstrebens. Bundeswirtschaftsminister Schiller erklärte, daß für dieses Jahr eine Lohnerhöhung von 5 bis 6 Prozent möglich sei. Verglichen mit der Verdreifachung der Unternehmergewinne 1968 gegenüber 1967 ist das eine recht bescheidene Aussicht für den Kumpel. Aber immerhin... 5 bis 6 Prozent...

Die Erklärung Schillers nützt uns solange gar nichts, wie wir diese 5 bis 6 Prozent nicht in der Lohntüte haben. Wir halten den Bundeswirtschaftsminister nicht für so weltfremd, daß er nicht genau weiß, daß unser Tarifvertrag erst zum 31.12.1969 ausläuft. Bis dahin sind die Bergbauunternehmer aber nicht bereit, einen neuen Tarifvertrag abzuschließen. Diese 5 bis 6 Prozent, die uns die Zechenherren jetzt schon 6 Monate vorenthalten und zusätzlich in ihre sowieso dickgefüllten Taschen stecken, müssen endlich und sofort herausgerückt werden!

Aber durch 'Abwarten und Tee trinken' wird nichts daraus. Es wird etwas daraus, wenn sich die Kumpel von 'Minister Stein' stärker als bisher hinter die IG Bergbau und ihre Betriebsfunktionäre stellen. Unterbreitet Eure Meinung und Vorschläge der Gewerkschaft. Arbeitet dort mit und geht in die Versammlungen. Denkt daran:
Die Unternehmer sind einheitlich, wenn es gegen den Kumpel geht. Wir müssen deshalb einheitlich und geschlossen unsere Forderungen in Gewerkschafts- und Belegschaftsversammlungen vertreten. Geschenkt wird uns nichts. Kumpels, kämpft!

Vielleicht sagen manche: Wir Kleinen können doch nichts dagegen tun. Kollegen, denkt daran, daß durch den Kampf der Bergarbeiter die Schließung der Zechen 'Hansa' (in Dortmund - vgl. 21.10.1967,d.Vf.) und 'Pluto' (in Wanne-Eickel - vgl. **.**.196*,d.Vf.) verhindert werden konnte."

Im zweiten Artikel heißt es:"
BERGARBEITER AN DIE SPITZE DER LOHNSKALA!

Diese Forderung steht schon lange im Raume. Heute muß festgestellt werden, daß der Bergarbeiter weit unten steht. Es ist jedem Kumpel bekannt, daß die Löhne der Bergarbeiter in keinem Verhältnis zu den Löhnen anderer Industriezweige stehen.

Kürzlich hatten wir auf 'Minister Stein' Besuch von sowjetischen Gewerkschaftskollegen (aus der SU - vgl. **.*.1969,d.Vf.). Der Vorsitzende der sowjetischen Bergarbeitergewerkschaft erklärte, daß in der Sowjetunion der Bergarbeiterlohn an der Spitze steht. DIE KUMPELPOST stellt die Frage: Warum ist das so? Liegt das etwa daran, weil es in der Sowjetunion keine Bergbauunternehmer mehr gibt, die sich auf Kosten und Knochen der Arbeiter und Angestellten Riesengewinne einstecken?
WIR MEINEN: DARAN LIEGT DAS!"

Im dritten Artikel heißt es:"
VORBEUGEHAFT !!! VORBEUGEHAFT !!!

...die Betonung liegt auf BEUGEN.
Wer soll gebeugt, mundtot gemacht werden? Nach diesem vorgesehenen Gesetz, das grundgesetzwidrig ist, soll ohne Urteil und Richterspruch auf Verdacht vorsorglich eingesperrt werden können, wenn die herrschenden Kreise in Wirtschaft und Politik es für ratsam halten. Etwa, wenn die Arbeiter und Angestellten echte Mitbestimmung erringen könnten; wenn sie es etwa satt sind, als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden, wenn die arbeitenden Menschen mitregieren wollen.

Vorbeugehaft - das nannten die Nazis damals 'Schutzhaft'. Die Opfer, die in der Steinwache gequält wurden, waren Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen, die es sich damals erlaubten, Widerstand gegen die faschistischen Verbrechen zu leisten.

VORBEUGEHAFT - SCHUTZHAFT - DAS DARF ES NIE WIEDER GEBEN!

Wir rufen die Genossen der SPD-Betriebsgruppe 'Minister Stein', die Schachtgewerkschaftsgruppe, alle Kumpels auf, nicht zuzulassen, daß diese finsteren Pläne durchkommen.

LASST UNS UNS DAGEGEN ZUR WEHR SETZEN!"

Geworben wird für die eigene 'UZ'. Neben einem Button "Macht mal Politik! Wählt ADF." befindet sich der letzte Artikel:"
DIE DKP UND DIE BUNDESTAGSWAHL (BTW - vgl. 28.9.1969,d.Vf.)

Die DKP kämpft als marxistische Partei dafür, daß die arbeitenden Menschen in den Betrieben, in Staat und Gesellschaft den entscheidenden Einfluß erlangen. Die große Koalition und auch die FDP haben bis jetzt eine Politik betrieben, die nicht den Interessen der Arbeiterschaft dient. Sie fördern die Konzentration wirtschaftlicher und politischer Macht zugunsten einer kleinen Gruppe von Großkapitalisten. Diese Politik hat dazu geführt, daß das Volk immer abhängiger und die Reichen immer reicher wurden. Die große Koalition und auch die FDP tritt gegen die Ausweitung der Mitbestimmung auf, wie sie von der Gewerkschaft gefordert wird. Sie verspricht Sicherheit und stabile Demokratie. In Wahrheit verabschiedete sie die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.), betreibt eine Politik der verstärkten Rüstung und verweigert die Anerkennung der DDR. Mit der Einführung der Vorbeugehaft soll die Demokratie weiter ausgehöhlt werden.

Durch diese Politik ist ein Klima geschaffen worden, in dem sich die neofaschistische NPD entwickelt. Offen wird die Abstimmungskoalition NPD-CDU bei der Bundespräsidentenwahl (vgl. 5.3.1969,d.Vf.) praktiziert. Wir Kommunisten sind der Meinung, daß heute das gemeinsame Handeln aller Demokraten und Sozialisten im Interesse des Volkes eine unbedingte Notwendigkeit ist. Deshalb hat sich die DKP zur Durchsetzung der demokratischen Forderungen der Arbeiterschaft mit anderen Parteien, Gruppen und Einzelpersönlichkeiten in der AKTION DEMOKRATISCHER FORTSCHRITT (ADF) zusammengeschlossen. Es ist darum auch nicht richtig, wenn von einigen Kollegen gesagt wird, daß durch unsere aktive Unterstützung der ADF der SPD Stimmen weggenommen würden. Richtig ist vielmehr, daß eine echte Opposition in den Bundestag einziehen muß, um den fortschrittlichen Kräften - auch innerhalb der SPD - im Kampf gegen die reaktionäre Politik der CDU/CSU Unterstützung zu gewähren.

Die DKP als Partner im Bündnis AKTION DEMOKRATISCHER FORTSCHRITT ruft deshalb alle demokratisch gesinnten Menschen auf, die ADF zu unterstützen und zu wählen.

In unserem Wahlkreis kandidiert für die ADF FRAU ELLEN JÄHRLING."
Q: Kumpel-Post Nr.1,Dortmund o.J. (1969)

August 1969:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund wird, laut Demokratischer Aktion, vermutlich im August ein Protestbrief des Betriebsrates gegen die für den 14.9.1969 geplante NPD-Kundgebung abgefaßt, in dem es u.a. heißt:"
Wir sehen in dieser öffentlichen Veranstaltung der NPD ... eine Provokation der Bevölkerung Dortmunds. Bei den bekannten Praktiken der NPD ... befürchten wir ... daß die Ordnung in unserer Stadt erheblich gestört wird. Weiter befürchten wir, daß Bürger unserer Stadt, die in vielen Demonstrationen gute Disziplin gezeigt haben, in Handlungen verwickelt werden, die den Ruf Dortmunds schädigen können. Deshalb bitten wir, diese Kundgebung der NPD in Dortmund zu verhindern.

Der Betriebsrat der Zeche Minister Stein
gez.: Dannhorst"
Q: Demokratische Aktion gegen Neonazismus:Protest und Kampfbereitschaft gegen Thadden-Kundgebung,Dortmund 5.9.1969,S.1f

September 1969:
Bei den Septemberstreiks streiken, laut IMSF, insgesamt mindestens 140 000 Kollegen in 69 Betrieben, wodurch 532 308 Arbeitstage ausgefallen sind. Laut KAB/ML kommt es zu spontanen Streiks von 100 000 Beschäftigten der Stahlindustrie und des Bergbaus. Streiks und Demonstrationen gibt es u.a. in Dortmund bei den Zechen Hardenberg und Minister Stein, wo die Kumpel zum Gewerkschaftshaus demonstrieren, um gegen die Streiksabotage durch die IGBE zu protestieren.
Q: Rebell Nr.14,Mannheim Okt. 1969;
IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

04.09.1969:
Laut IGBE erhält heute der Betriebsrat der Dortmunder Zeche Minister Stein einen anonymen Anruf, daß gleich die Kokerei in die Luft gehen werde. Die IGBE berichtet dies nach einer Vorbemerkung, 'wie die DKP und der SDS wilde Streiks vorbereiten', unterstellt also diesen Gruppen eine Verantwortung bzw. Urheberschaft für diese Drohung (vgl. 8.9.1969).
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969;
Einheit Nr.19,Bochum 3.10.1969,S.3

09.09.1969:
In Dortmund beginnt, laut IMSF, ein dreitägiger Streik von insgesamt 10 000 Bergleuten zunächst auf den RAG-Zechen Minister Stein und Fürst Hardenberg (ca. 4 500 Besch. - vgl. 8.9.1969, 10.9.1969). Den Anfang macht die Hauptwerkstatt von Fürst Hardenberg, deren Arbeiter zu der mit dieser Zeche verbundenen Zeche Minister Stein demonstrieren, deren Belegschaft sich anschloß und wo sich auch die Verwaltung befindet. Deshalb wird dies der Ort der zentralen Streikversammlung. Die 14 Uhr und die 18 Uhr Schicht schließen sich an, so daß heute insgesamt 4 500 streiken. Ziel ist die laufenden Tarifverhandlungen zu beeinflußen (vgl. 10.9.1969). Gefordert wird zunächst eine Lohnerhöhung von 15%, die 5-Tagewoche und ein neues Gedingesystem, später ein Nettolohn von 1 000 DM für Untertagearbeiter (bisher ca. 640 DM). Vor dem Streik waren Flugblätter der DKP verteilt worden, die zur Solidarität
mit den streikenden Saarbergleuten aufriefen.

Laut IGBE (vgl. 3.10.1969) wird "eine Dortmunder Tageszeitung anonym angerufen, daß um 10 Uhr 30 in der Zentralwerkstatt 'Fürst Hardenberg' der Streik beginnt. Vor den Zechentoren in Dortmund wird diskutiert. Selbsternannte Streikposten riegeln den Weg zum Arbeitsplatz ab. Viele Belegschaftsmitglieder, die arbeiten wollen, kommen nicht durch. Gerüchte laufen in Windeseile von Zeche zu Zeche. Immer wieder sieht man Bergbaufremde in die Diskussion eingreifen. Der sogenannte spontane Streik entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine geschickt getarnte, aber für den Kenner durchaus erkennbare organisierte Aktion".

Für die DKP berichtet F. N. (vgl. 18.9.1969) von heute und den folgenden Tagen:"
DIE KUMPEL STREIKTEN WEITER

Die Kumpel der Dortmunder Schachtanlagen 'Hansa', 'Germania' und die Zeche 'Zollern' und 'Minister Stein' mit der Zeche 'Hardenberg', insgesamt 10 000 Bergarbeiter, setzten ihren Streik bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe fort. Der Ausstand, der auf 'Hardenberg' und 'Minister Stein' begann, dann auf die anderen Schachtanlagen übersprang, führte zu Demonstrationen durch Dortmund. Die Streikenden sind mit dem Tarifabschluß im Kohlenbergbau (vgl. *.9.1969,d.Vf.) unzufrieden. Sie fürchten den Verlust der Lohnzulage durch die Gedingeschere.

'Wir haben jahrelang stillgehalten. Uns hatte die Zechenkrise im Griff. Die Leistung stieg. Der Kuchen für die Unternehmer wurde immer größer. Jetzt wollen wir auch einmal reinbeißen.' Der Kumpel von 'Minister Stein', der mit mir spricht, ist skeptisch wie alle anderen: 'Wer garantiert uns, daß nicht schon morgen mit der Gedingeschere am Tarif geschnippelt wird? Wir wollen sichere Garantien.'

Auf den bestreikten Dortmunder Zechen haben die Kumpel folgende Forderungen gestellt:

Bezahlung der Streikschichten! Sechs Mark Zulage pro Schicht, 150 Mark monatliche Miet- und Sozialzulage!

Zu besonderer Verbitterung der Streikenden führte am vergangenen Mittwochmorgen die falsche Information eines Gewerkschaftssekretärs, der den Kumpels auf 'Minister Stein' sagte, 'Hardenberg' arbeite wieder, und auf 'Hardenberg' behauptete, 'Minister Stein' arbeite wieder. Das Gegenteil stimmte. Das wurde bekannt, als die Bergleute von 'Hardenberg' vor 'Minister Stein' erschienen.

Zweifellos provozierte dieses Verhalten eine schädliche antigewerkschaftliche Stimmung und führte zu Demonstrationen vor dem Gewerkschaftshaus. Wir meinen, eine gewerkschaftsfeindliche Haltung kann letztlich nur den Unternehmern dienen, führt zu Aufsplitterung und schadet den eigenen Interessen. Wir meinen aber auch, daß Entscheidungen nicht ohne die Kumpels gefällt werden können, und schon ganz und gar bringen falsche Informationen die Gewerkschaft in Mißkredit.

Dem Streik der Dortmunder Kumpel versicherten am letzten Donnerstag (11.9.1969,d.Vf.) Bergleute aus Hamm ihre Solidarität. Auch dort ist man skeptisch, ob der neue Tarifvertrag genügend abgesichert ist.

Wir meinen die schlechten Erfahrungen mit der Spitzenvereinbarung in der metallverarbeitenden Industrie haben gezeigt, daß auf jeden Fall die Kumpel nach ihrer Meinung zu befragen sind, ehe Tarifabschlüsse erfolgen."

Der 'Spiegel' (vgl. 15.9.1969) berichtet, daß während der Streiks "die Kumpel der Dortmunder Zechen ein 18köpfiges Streikkomitee (bildeten). Zum Wortführer erkoren sie den Schlosser Fred Olschewski, 40, der von einem VW-Bus herunter zu den Streikenden sprach".

Das KPD-RK NRW (vgl. Apr. 1977) berichtet:"
Schon 1969 forderten die selbständigen Streikleitungen von Hansa, Hardenberg und Minister Stein im Auftrag ihrer Kollegen: 'Einheitlicher Mindestlohn für alle ohne Überstunden!'"
Q: KPD-RK NRW:10 Tage Kurzarbeit für 140 000 Bergleute der Ruhrkohle AG, Dortmund o.J. (1977),S.1;
Der Spiegel Nr.38,Hamburg 15.9.1969;
Unsere Zeit Nr.25,Essen 18.9.1969,S.5;
IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969;
Kumpel-Post Extrablatt,Dortmund 9.9.1969;
Einheit Nr.19,Bochum 3.10.1969,S.3 und 11

09.09.1969:
Heute verteilt die DKP-Betriebsgruppe Minister Stein ein Extrablatt ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. Juni 1969, 4.5.1970) in blauem Druck unter Verantwortung von Walter Kaufmann:"
NACH HOESCH - 'MINISTER STEIN' UND 'HARDENBERG'

Heute vormittag (Dienstag, 9.9.1969) haben Kollegen der Schachtanlagen 'Minister Stein' und 'Hardenberg' die Arbeit niedergelegt.
ÜBT SOLIDARITÄT MIT IHNEN!

Die Bergarbeiter der beiden Anlagen fordern:
1 000 DM netto monatlich
4 Wochen Urlaub
Bezahlung der Ausfallschicht
ständige Information über die Verhandlungen mit dem Unternehmensverband Ruhrbergbau

Bis zum 31.12.1969 sollten die Bergarbeiter Lohnpause haben. Dabei bietet sich in der Lohnentwicklung folgendes Bild: Der vorige Lohntarif lief vom 1. Juni 1966 bis zum 1. Juli 1968. In diesen 25 Monaten gab es ganze 4 Prozent. Pro Jahr also nur 2 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Der gegenwärtige Lohntarif läuft seit dem 1. Juli 1968 und reicht bis zum 31.12.1969. Für diesen Zeitraum wurden 5,5 Prozent vereinbart - pro Jahr also nur 3,7 Prozent.

Aus der amtlichen Statistik ist folgende Leistungsentwicklung abzulesen:

1967 stieg die Leistung um 12 Prozent, 1968 um 8 Prozent.
In den beiden Jahren um 20 Prozent.

An Lohnerhöhungen gab es 1967 plus 2,0 Prozent
1968 plus 1,8 Prozent
Also in zwei Jahren ganze ........ 3,8 Prozent

Die Leistung stieg um 20 Prozent. Zieht man die 3,8 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung ab, bliebe allein aus dieser Überlegung ein Nachholbedarf von 16,2 Prozent.

Zudem stiegen bekanntlich die Preise ständig. Ganz klar: das geht den Kumpels über die Hutschnur! Die Unternehmer können zahlen - und sie werden zahlen, wenn alle Bergarbeiter einheitlich und entschlossen um die Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen kämpfen.

Die Stahlarbeiter von Hoesch in Dortmund haben durch ihren beispielhaften Erfolg den Beweis erbracht, daß die da oben nicht machen können, was sie wollen.

Die Kollegen vom Saarbergbau streiken seit gestern. Heute demonstrierten 6 000 von ihnen für ihre Forderungen durch die Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Kumpel gehen davon aus, daß die Arbeiter die Durchsetzung ihrer Forderungen gemeinsam als Gewerkschafter in die Hand nehmen müssen.

SOLIDARITÄT IST GEWERKSCHAFTLICHE PFLICHT!
DARUM SOLLTEN SICH ALLE MIT DEN STREIKENDEN VON 'MINISTER' UND HARDENBERG' SOLIDARISCH ERKLÄREN.

BUNDESREGIERUNG - VERSPRECHEN - TATSACHEN:

Die Regierung beschloß am 29. Januar den Jahreswirtschaftsbericht, darin heißt es:
'Das monatliche Bruttolohn- und Gehaltseinkommen wird damit im Durchschnitt der abhängig Beschäftigten gegen Ende dieses Jahres erstmals die 1 000-DM-Grenze überschreiten.'

KUMPEL, RECHNE SELBST:
WAS VERDIENST DU BEI 22 NORMALSCHICHTEN?
WAS STEHT DIR NACH DEM BESCHLUSS DER BUNDESREGIERUNG NOCH ZU?"
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969;
Kumpel-Post Extrablatt,Dortmund 9.9.1969

10.09.1969:
Heute wird, laut IMSF, das Ergebnis der Tarifverhandlungen für den Ruhrbergbau (3,50 DM pro Schicht für Arbeiter, 80 DM für Angestellte und 50 DM für Lehrlinge) bekanntgegeben, die IGBE läßt gefälschte Berichte über eine spontane Begeisterung der Bergleute verbreiten. In Dortmund demonstrieren 2 000 zum Gewerkschaftshaus mit Parolen wie "Glück auf, Glück auf, wir werden verkauft". Der IGBE Bezirksleiter wird als Arbeiterverräter bezeichnet. Der Streik auf den Dortmunder Zechen Fürst Hardenberg und Minister Stein (vgl. 9.9.1969) weitet sich auch auf die Zechen Hansa (ca. 3 000 Besch.), Germania und Zollern 1 (ca. 1 500) aus (vgl. 11.9.1969), indem Bergleute der streikenden Zechen die noch arbeitenden Zechen besuchen. Damit erreicht der Streik heute seinen Höhepunkt. Eine Ausweitung über die Stadtgrenzen hinaus aber scheitert.
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

11.09.1969:
In Dortmund endet, laut IMSF, der Streik der RAG-Zechen Minister Stein, Fürst Hardenberg, Hansa, Germania und Zollern (vgl. 10.9.1969). Morgens demonstrieren zunächst die Streikenden von Zollern 1 und Germania zu Hansa und von dort zusammen zum Minister Stein. Auf dem zweistündigen Weg werden Streikleitungen durch Zuruf gebildet. Auf dem Versammlungsplatz werden aus den einzelnen Zechen-Streikleitungen eine achtzehnköpfige Gesamtleitung und ein Fünferausschuß gebildet.

Dieser fährt nachmittags zu Verhandlungen mit dem IGBE-Vorstand nach Bochum, kommt aber abends ohne Ergebnis zurück. Zwar wird die ganze Nacht über heftig diskutiert, morgens aber fahren die Schichten wieder ein. Der Hauptvorstand der IGBE erklärt, daß bei dem Streik andere als materielle Ursachen zugrundeliegen müßten, nämlich eine Einmischung der DKP. Das IMSF erklärt die heutige Fortführung des Streiks, trotz des neuen Verhandlungsergebnisses als Unzufriedenheit über dieses Ergebnis und über die Nichtbezahlung der Streikzeit. Erst unter massivem Druck, vor allem von der IGBE-Leitung, sei der Streik abgebröckelt. Die IGBE lehnte eine Bezahlung der Streikschichten ab, da die Streiks nicht durch die Gewerkschaften genehmigt gewesen waren.

In der Nacht ist, laut IGBE, auch der DKP-Vorsitzende Herbert Mies in der Nähe der Zechen, während der SDS-Funktionär Dieter Giesen mit zwei weiteren SDSlern von Zeche zu Zeche gefahren sei, um die dortigen Kumpel zum Streiken zu bewegen. Anlaufstelle für die SDSler sei die Wohnung des Dortmunder Volksschullehrers Rüdiger Beyer gewesen.

Anläßlich der MTR der IGM 1971 in Bayern (vgl. 6.9.1971) berichtet die KPD/ML-ZK, u.a. bei Siemens München (vgl. 20.9.1971):"
Arendt ist dafür verantwortlich, daß 1969 in Dortmund der Streik in zwei Zechen zusammenbrach, weil er den Kollegen der einen Zeche sagte, die Kollegen der anderen hätten die Arbeit wieder aufgenommen. Das war eine gemeine Lüge."
Q: Roter Lautsprecher Nr.1,München Sept. 1971,S.21;
IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

16.09.1969:
Die IGBE gibt ihre 'Einheit' Nr.18 (vgl. 10.9.1969, 3.10.1969) heraus, die vom Tarifabschluß im Steinkohlebergbau (vgl. 9.9.1969) berichtet und u.a. folgenden Artikel enthält:"
KEIN FREIWILD

Was sind das für Arbeiter, die bei dem wilden Streik in Dortmund und Saarbrücken die Sprecher und Funktionäre der IG Bergbau und Energie niederschrien uns sie nicht zu Wort kommen lassen? Was sind das für Arbeiter, die ihre gewählten Männer 'Verräter', 'Schweine', 'Lumpen' und was weiß noch schimpfen und beleidigen? Was sind das für Arbeiter, die mit 20, 30 Mann den Dortmunder Bezirksleiter Franz Neumann auf Minister Stein gewaltsam an die Wand drücken, ihn tätlich bedrohen und dabei anspucken und schreien: 'Du hast genauso eine Verrätervisage wie Walter Arendt.' Was sind das für Arbeiter, die da lauthals erklären: 'Die Gewerkschaft schläft' und dann so tun, als könne man mit wüstem Geschimpfe und Randaliererei die Lage der Arbeiter verbessern. Was sind das für Arbeiter, die nicht einmal das von der Gewerkschaft ausgehandelte Ergebnis kennen, aber es dennoch ablehnen. Das können keine Arbeiter sein, die es ehrlich mit sich selbst und der Gewerkschaft meinen. Das können keine Arbeiter sein, die Anstand und Verstand haben. Wer seine eigenen Kollegen 'Schweine' und 'Lumpen' nennt, stellt sich außerhalb unserer Gemeinschaft. Dafür gibt es keine Entschuldigung! Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Funktionäre der IG Bergbau und Energie sind kein Freiwild! Für niemanden! Auch nicht für Arbeiter, die scheinbar noch nicht begriffen haben, was diese aktiven Männer in der IG Bergbau und Energie Tag für Tag und Jahr für Jahr für die Wahrnehmung der Interessen aller Arbeiter und Angestellten leisten.

Die IG Bergbau und Energie verzichtet lieber auf ein paar Mitglieder, als daß sie jemals bereit wäre, sich in dem Gossenjargon zu unterhalten, den man in Dortmund und Saarbrücken von einigen Arbeitern hören konnte. Wir sind stolze und selbstbewußte Bergarbeiter, aber keine Gassenjungen, die sich gegenseitig beleidigen.

Wir sind eine straff organisierte demokratische Gewerkschaft, aber kein wilder Haufen, in dem jeder machen kann, was und wie es ihm gefällt. Wir kämpfen und verhandeln stets und immer für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber wir jagen mit wilden Streiks unsere Mitglieder nicht ins Unglück.

Wir sind hart und entschlossen, wenn es um die Interessen unserer Mitglieder geht, aber wir machen keine selbstmörderische Politik, indem wir durch wilde Streiks die eigenen Arbeitsplätze gefährden.

Wir, die IG Bergbau und Energie, sind eine Gemeinschaft, in der jeder für jeden eintritt. Mitglieder, Betriebsräte, Funktionäre und Vorstand der IG Bergbau und Energie wissen um ihre Pflichten, die sie dort erfüllen, wo es ihre Aufgabe verlangt. Die Devise aller organisierten Bergarbeiter und Bergbauangestellten kann deshalb nur lauten: Wir bekämpfen uns nicht gegeneinander, sondern wir kämpfen miteinander.

Die Ereignisse von Dortmund und Saarbrücken müssen ein einmaliger Vorgang in der Geschichte unserer Gewerkschaft bleiben, wenn wir uns nicht der Wirkung unseres Kampfinstruments selber berauben wollen."

In einem weiteren Artikel heißt es:"
URSACHEN GENAU PRÜFEN
ZAHLREICHE FRAGEN VERLANGEN EINE EINGEHENDE BEANTWORTUNG

Es gilt, Bilanz zu ziehen. Über die Ereignisse im saarländischen Bergbau ebenso wie über die Arbeitsniederlegungen auf drei Dortmunder Zechen. Denn die wilden Streiks haben nicht nur das Verhältnis Bergbauunternehmer und Belegschaften berührt, sondern ebenso die Organisation belastet. Wo liegen die Ursachen der wilden Streiks?

Diese Frage wird ernsthaft und gewissenhaft zu beantworten sein. Welche Rolle hat das Betriebsklima gespielt und welche Rolle haben radikale Gruppen gespielt? Ist der Informationsfluß der Organisation ausreichend, und welche Auswirkungen hat das Verhalten einiger Unternehmens- und Zechenleitungen, die bewußt oder unbewußt ständig einen Keil zwischen die Belegschaften und ihre gewerkschaftliche Organisation zu treiben versuchten? Das sind nur einige der Fragen, die einer Antwort bedürfen.

So viel läßt sich jedoch heute bereits feststellen: Trotz der Vielzahl unterschiedlicher Forderungen, die man auf Seiten der Wildstreikenden hören konnte, war stets der Hinweis auf ein schlechtes Betriebsklima zu hören. Vor allem die schlechten Erfahrungen der Kumpels mit rigorosen Gedingekürzungen ließ sie befürchten, auch die jetzt von der IG Bergbau und Energie durchgesetzte 3,50 DM Lohnerhöhung werde ihnen über kurz oder lang wieder abgeknöpft.

Und wenn Betriebsleiter oder Vorstandsmitglieder von Zechengesellschaften bereits wenige Stunden nach Abschluß der Tarifverhandlungen bekanntgeben lassen, die 3,50 DM werden auf betriebliche Prämien angerechnet, so muß gefragt werden, ob solche Leute ihr Klassenziel erreicht haben. Denn die Tarifparteien stimmen überein, daß die jetzt vereinbarte Lohn- und Gehaltserhöhung zusätzlich auf die tatsächlich verdienten Löhne kommt. Die 3, 50 DM je Mann und vergütete Schicht dürfen nicht durch Kürzung betrieblicher Leistungen vermindert oder gar aufgesogen werden.

Und noch eins kann schon jetzt gesagt werden: Radikale Gruppen haben zwar dort, wo sie sich offen im Streikgebiet zeigten, bei den Belegschaften keinen Anklang gefunden. Doch daß sie den Streikwillen geschürt und - zumindest in Einzelfällen - den Streik auch ausgelöst haben, läßt sich nicht leugnen. So z.B. auf der Schachtanlage 'Hansa' (in Dortmund,d.Vf.), vor deren Zechentor betriebsfremde Agitatoren abends und nachts die Belegschaft zur Arbeitsniederlegung brachten. Noch am Donnerstag abend versuchten bergbaufremde Personen vor etlichen Schachtanlagen die Belegschaften zum Streik zu bewegen.

Daß bei all diesen und anderen Aktionen Kommunisten ihre Hand im Spiel hatten, ist unbestreitbar. Der Wagen des zweiten Bundesvorsitzenden der DKP, Herbert Mies aus Mannheim, mit dem amtlichen Kennzeichen MA-AZ-853 wurde mehrfach nachts vor den Zechentoren bestreikter Dortmunder Anlagen gesehen. Daß die Insassen des Wagens die Streikenden zur Arbeitsaufnahme bewegen wollten, ist sicher unwahrscheinlich.

Es muß deutlich gesagt werden: Der Streik war nicht nur nach dem Tarifrecht und der Satzung der IG Bergbau und Energie illegal. Sondern er war auch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Jeder vernünftig Denkende konnte deshalb die Streikenden nur aufrufen, möglichst schnell ihre Arbeit wiederaufzunehmen. Damit die Bergleute und ihre Familien vor Schaden bewahrt bleiben. Wer das nicht tat, wie zum Beispiel die Kommunisten, wollte nichts anderes als Unruhe. Wobei es ihnen offensichtlich gleichgültig war, daß die Kumpels dadurch erheblichen finanziellen Schaden erlitten."
Q: Einheit Nr.18,Bochum 16.9.1969

18.09.1969:
Die DKP bringt die Nr.25 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 11.9.1969, 25.9.1969) und berichtet u.a. von den Dortmunder Zechen Minister Stein, Hansa, Germania, Zollern und Hardenberg.
Q: Unsere Zeit Nr.25,Essen 18.9.1969

03.10.1969:
Die IGBE gibt die Nr.19 ihrer 'Einheit' (vgl. 16.9.1969, 16.10.1969) heraus. Auf Seite 3 erscheint der folgende Artikel:"
HINTER DEN KULISSEN ANGEFÜHRT!

Die wilden Streiks von Dortmund und Saarbrücken haben viele Menschen nachdenklich gemacht. Wie konnte es dazu kommen? War es nur Unzufriedenheit über zu niedrige Löhne? Aber: Die Löhne sind eigentlich nie zu hoch gewesen. Jahr für Jahr mußte die IG Bergbau und Energie für höhere Löhne und Gehälter verhandeln und kämpfen.

Dennoch gab es keine wilden Streiks. Wir haben uns deshalb einmal die Entwicklung auf den wild bestreikten Zechen 'Minister Stein', 'Germania'und 'Hansa' in Dortmund etwas genauer angesehen. Wir haben mit den organisierten Bergarbeitern gesprochen, die wild streikten. Wir haben nach Hintermännern und Drahtziehern geforscht. Wir haben sie gefunden. Wir haben nach den Streikursachen gefragt. Wir haben herausgefunden, daß in Dortmund weniges spontan, aber vieles organisiert war. Auf dieser Seite gibt die 'Einheit' einen ersten Bericht. Ungeschminkt und offen. Ohne Rücksicht darauf, ob sich jemand angegriffen fühlt oder nicht. Wir wollen Klarheit schaffen. Weil die Interessenvertretung der Bergleute durch ihre Gewerkschaft nur in klaren Verhältnissen erfolgreich wahrgenommen werden kann. Und nicht durch wilde Streiks, deren Hintermänner im Zwielicht agitieren, aber die Folgen ihrer Agitation nicht tragen.
...
ENTLARVT

Ein wilder Streik ist nicht 'auf einmal da'. Das geht systematisch vor sich, wenn die DKP und der SDS mitmischen. In Dortmund war das so: Am 4. September wird der Betriebsrat von 'Minister Stein' um 14 Uhr 45 angerufen und ihm von anonymer Seite mitgeteilt, daß die Kokerei 'gleich in die Luft geht'. Um 15 Uhr der gleiche Anruf. Doch es geschieht nichts.

Am Freitag, dem 5.September, teilt die Pressestelle der IG Bergbau und Energie mit, daß die Gewerkschaft in der nächsten Woche Tarifgespräche führen wird.

Jetzt werden die Drahtzieher hinter den Kulissen emsig. Die IGBE könnte ihnen mit einem Tarifabschluß zuvorkommen.

Für den Montagmorgen organisieren sie eine Reihe von anonymen Anrufen in den drei Dortmunder Zechen Parolen und Gerüchte werden verbreitet. Die auf 'Minister Stein' sagen, auf 'Germania' wird gestreikt, die von der Zentralwerkstatt 'Fürst Hardenberg' bekommen gesagt, daß auf 'Hansa' was los ist. Am Montagabend erscheinen in der Wohnung des 'Hansa'- Betriebsratsvorsitzenden Heinz Krüger vier Männer. Auf die Frage, wer sie sind, antworten sie nur: 'Namen spielen keine Rolle, den Betriebsratsvorsitzenden von 'Hansa' müßte die Lohnsituation interessieren.' Krüger soll nach Meinung der vier Unbekannten unverzüglich den Streik ausrufen.

Am Dienstag, dem 9.September, wird eine Dortmunder Tageszeitung anonym angerufen, daß um 10 Uhr 30 in der Zentralwerkstatt 'Fürst Hardenberg' der Streik beginnt. Vor den Zechentoren in Dortmund wird diskutiert. Selbsternannte Streikposten riegeln den Weg zum Arbeitsplatz ab. Viele Belegschaftsmitglieder, die arbeiten wollen, kommen nicht durch. Gerüchte laufen in Windeseile von Zeche zu Zeche. Immer wieder sieht man Bergbaufremde in die Diskussion eingreifen. Der sogenannte spontane Streik entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine geschickt getarnte, aber für den Kenner durchaus erkennbare organisierte Aktion."
Q: Einheit Nr.19,Bochum 3.10.1969

09.10.1969:
Die DKP bringt die Nr.28 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 2.10.1969, 16.10.1969) und berichtet u.a. aus Dortmund von der SPD u.a. auf der Zeche Minister Stein.
Q: Unsere Zeit Nr.28,Essen 9.10.1969

17.10.1969:
In der 'Welt der Arbeit' des DGB wird, laut IMSF, der Eindruck erweckt, als ob die DKP für anonyme Drohanrufe beim Betriebsrat der Zeche Minister Stein Dortmund während des Streiks (vgl. 9.9.1969) verantwortlich sei, obwohl der Täter bereits bekannt ist.
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

Dezember 1969:
Laut IGBE sind im Dezember "in den sieben Betriebsführungsgesellschaften (BFG) der Ruhrkohle AG die Gesamtbetriebsräte konstituiert worden". In der Folge "bildete sich die Arbeitsgemeinschaft der Gesamtbetriebsräte für die gesamte Ruhrkohle AG" (RAG). Für den Bereich der Bergbau AG (BAG) Dortmund wurden gewählt als Vorsitzender Heinz Dannhorst von Minister Stein, Dortmund und als Stellvertretender Vorsitzender Erich Haake von Viktor 3/4 Castrop-Rauxel.
Q: Einheit Nr.24,Bochum 15.12.1969,S.2

01.12.1969:
Die IGBE gibt am 15.12.1969 die Betriebsdirektoren für Personal- und Sozialfragen (PS) der RAG bekannt. GRUPPE IV: Bergbau AG Dortmund: Minister Stein: Fritz Kelbassa.
Q: Einheit Nr.24,Bochum 15.12.1969

27.03.1970:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Minister Stein (IGBE-Bereich - vgl. 4.5.1970) berichtet:"
ROMBERGPARK MAHNT - NPD AUFLÖSEN!

Am Karfreitag wurde am Ehrenmal der Opfer des Nationalsozialismus im Rombergpark vor 12 000 Bürgern unserer Stadt eine Gedenkkundgebung durchgeführt. Vor 25 Jahren wurden dort nahezu 300 unschuldige Menschen, Angehörige vieler Nationen, von einem verbrecherischen System ermordet.

Wir gedenken ganz besonders der gemordeten Kollegen, die wie wir auf 'Minister Stein' gearbeitet haben:

GUSTAV BUDNICK, letzte Wohnung Dortmund-Eving, Bayrische Straße 46, Bergarbeiter auf 'Minister Stein'

KARL KLOSE, letzte Wohnung Dortmund-Eving, Bergstraße 102 von 1923 - 1945 Schlosser auf 'Minister Stein'

FRIEDRICH SCHRAMM, letzte Wohnung Dortmund, Hallesche Straße 2 Grubenschlosser und Grubenschweißer auf 'Minister Stein'

Unter den Opfern befinden sich Sozialdemokraten und Kommunisten. Eine Delegation unseres Betriebsrates nahm an der Gedenkveranstaltung in der Bittermark teil und legte dort zu Ehren der Gemordeten einen Kranz nieder.

Wenn wir dieser faschistischen Verbrechen gedenken, können wir nicht umhin, die Frage an Landes- und Bundesregierung zu stellen:

Wann wird endlich die Nachfolgeorganisation der NSDAP - die NPD - aufgelöst? Vor den Bundestagswahlen (BTW - vgl. 28.9.1969,d.Vf.) haben doch prominente SPD-Funktionäre wie z.B. der jetzige Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt klipp und klar erklärt, daß eine SPD-geführte Regierung die NPD verbieten würde.

Es geht also darum, von der jetzigen Bundesregierung die Einlösung eines Wahlversprechens führender Sozialdemokraten zu fordern. Nicht umsonst hat der DGB in diesem Jahr in seinen Mailosungen das NPD-Verbot gefordert. Tausende Arbeiter, vornehmlich der Hoesch-Hüttenwerke (IGM-Bereich,d.Vf.), demonstrierten am 1. Mai in Dortmund auch für diese Forderung. Darum sollten auch die Bergarbeiter mithelfen, die DGB-Losung zu verwirklichen:
'WIR FORDERN NPD-VERBOT'"
Q: Die Kumpel-Post Lohn- und Gehaltsforderungen der IGBE voll durchsetzen,Dortmund o.J. (Mai 1970),S.5

04.05.1970:
Auf der Zeche Minister Stein gibt die DKP vermutlich in dieser Woche eine Ausgabe ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 9.9.1969, 8.3.1971) mit 6 Seiten DIN A 4 zur Tarifrunde im Ruhrbergbau (BETR) unter Verantwortung von Günter Bennhardt heraus:"
LOHN- UND GEHALTSFORDERUNGEN DER IGBE VOLL DURCHSETZEN!

Die ersten Tarifverhandlungen am 21. und 30. April sind ergebnislos verlaufen. Die Forderungen der IGBE sind von den Unternehmern des Ruhrbergbaus bisher rundweg abgelehnt worden mit der Begründung: Die gewerkschaftlichen Forderungen würden Preissteigerungen der Kohle nach sich ziehen. Das ist immer wieder das gleiche Ammenmärchen der Unternehmer, wenn es darum geht, daß der Kumpel ein paar Pfennige mehr verdienen soll. Der Hauptvorstand hat am 3. Mai beschlossen, am 12. Mai eine Urabstimmung durchzuführen. Jetzt kommt es darauf an, bei dieser Abstimmung die Kampfbereitschaft der Bergarbeiter zu demonstrieren.

DIE 'KUMPELPOST' ERKLÄRT:

Die Lohnerhöhung von 3,50 DM pro Mann und Schicht, die von uns Arbeitern und Angestellten in den heißen Septembertagen 1969 erkämpft wurde, ist durch die ständigen Preissteigerungen seit dieser Zeit wieder aufgefressen worden. Mieten, Strom, Lebensmittel, Textilien usw. hatten zum Teil erhebliche Preissteigerungen zu verzeichnen. Die Gewinne der Unternehmer sind durch die weitere Steigerung der pro Mann- und Schichtleistung und nicht zuletzt durch die Preistreibereien gestiegen.

Jedermann gesteht dem Bergmann wegen seines schweren Berufes einen Spitzenlohn zu. Es ist aber kein Geheimnis, daß der Bergmann in der Lohnskala unter 'ferner liefen' steht.

DESHALB: 8,5 % UND KEINEN PFENNIG WENIGER!

So erklärte auch ein Delegierter auf dem letzten Gewerkschaftstag (vgl. 10.4.1970,d.Vf.) in Duisburg: 'Wenn wir 8,5% sagen, müssen wir auch 8,5% meinen. Die Erfüllung dieser Forderung würde dem Bergmann noch keinen Spitzenlohn bringen. Aber gerade deshalb ist es erforderlich, daß sich alle Bergarbeiter für diese Mindestforderung mit aller Kraft einsetzen.' Wir vertreten darüber hinaus die Auffassung, daß sich diese Prozentforderung in einem festen, für alle Lohngruppen gleichen Betrag ausdrücken sollte. 8,5% von dem jetzigen tariflichen Hauerlohn, das sind rund 3,50 DM pro Schicht. Wir sind der Meinung, daß eine Erhöhung der Löhne durch einen festen Betrag aus dem Grunde gerechter wäre, weil dadurch der Abstand der unteren zu den höheren Lohngruppen nicht noch größer würde.

Der Hauptvorstand der IGBE hat in seinem Arbeitsprogramm für das Jahr 1970 (vgl. **.**.1969,d.Vf.) die Nahziele der IGBE erläutert: Außer der bereits angeführten Lohnforderung eine Erhöhung des Urlaubsgeldes und eine tarifliche Absicherung des Weihnachtsgeldes mit einem Stufenplan bis zum 13. Monatsgehalt. So richtig diese Forderungen auch sind, über eines sollte jeder Bergarbeiter sich im klaren sein:
LOHNFRAGEN SIND MACHTFRAGEN!

Diese Forderungen werden sich nicht von selbst durchsetzen, sondern nur in einer harten Auseinandersetzung mit den Unternehmern erreicht werden. Nicht zuletzt hat der September 1969 gezeigt, daß kämpfende Arbeiter auch Erfolge erringen.

VERTRAUENSMÄNNER - AKTIV FÜR 8,5% MEHR LOHN UND GEHALT EINTRETEN!

Gerade weil wir vor einer entscheidenden Lohnbewegung stehen und diese Lohnbewegung voraussichtlich mit aller Härte einschließlich Urabstimmung und Streikvorbereitung geführt werden muß, wird sich unser Vertrauensmännerkörper (VLK,d.Vf.) bewähren müssen.

Jetzt sollte darum auch nicht in erster Linie darüber gestritten werden, daß bei den Metallarbeitern die Vertrauensleute von den Kollegen selbst gewählt, bei den Bergarbeitern die Vertrauensleute jedoch ernannt bzw. bestimmt werden. Die gültige Satzung der IGM ist eine andere Satzung als die Satzung der IGBE. Das bedeutet nicht, daß sie nicht geändert werden kann. Das wäre eine Aufgabe des nächsten Gewerkschaftskongresses, dem Mitgliederversammlungen und Antragstellung vorausgehen.

ARBEITER UND ANGESTELLTE - NICHT GEGENEINANDER, SONDERN MITEINANDER!

Versuche der Unternehmerseite, Uneinigkeit in die Reihen der Kumpels zu bringen und Arbeiter und Angestellte gegeneinander auszuspielen, sind keine neue Erfindung. Wissen die Unternehmer doch, daß in der organisierten Einheit die Stärke der Arbeiter und Angestellten liegt. Am liebsten wäre es ihnen, wenn es gar keine Organisiertheit unter den Kumpels gäbe. Dann könnten sie nämlich machen, was sie wollen, denn jeder einzelne Arbeiter und Angestellte allein wäre nicht in der Lage, auch nur einen Groschen oder nur einen Tag Urlaub mehr durchzusetzen. Die Unternehmer schließen sich im Unternehmerverband zusammen, um höchstmögliche Gewinne auf Kosten der Arbeiter und Angestellten zu erzielen. Arbeiter und Angestellte schließen sich in der IGBE zusammen, um ihre Interessen gegen die Unternehmer wahrzunehmen. Wir halten es deshalb auch nicht für richtig, wenn in letzter Zeit eine Reihe Angestellte aus der IGBE ausgetreten sind, die DAG auf 'Minister Stein' gebildet haben und ihr beigetreten sind. Die betreffenden Kollegen fordern wir auf, sich nochmals zu überlegen, ob sie damit den richtigen Schritt getan haben.

DIE 'KUMPELPOST' MEINT:

1945 war es eine Lehre, nach 12jähriger faschistischer Unterdrückung, daß beim Neuaufbau der Gewerkschaftsbewegung mit den Richtungs- und Standesgewerkschaften, die vor 1933 bestanden, Schluß gemacht werden mußte. Arbeiter und Angestellte gründeten eine Einheitsgewerkschaft, damit der faschismus nocht noch einmal durchkommt und damit EINHEITLICH die Interessen der schaffenden Menschen vertreten werden können. Spaltung ist noch nie von Nutzen der Arbeiter gewesen.

Wir erinnern auch daran, daß die DAG doch immer nur DIE Tarifverträge unterschrieben hat, die die IGBE herausgeholt hat.

FÜR GEMEINSCHAFTSLISTE BEI BETRIEBSRÄTEWAHL (BRW,d.Vf.)

Wir begrüßen es deshalb, daß sich die überwiegende Mehrheit der Arbeiter und Angestellten auf der Kokerei vor einigen Wochen für eine Gemeinschaftsliste bei den bevorstehenden Betriebsrätewahlen entschieden hat.

Eine starke Einheitsgewerkschaft, das ist genau das Richtige, um die Interessen der Arbeiter und Angestellten zu vertreten.

DIE VERTRAUENSLEUTE - EINE WICHTIGE BASIS DER IGBE IM BETRIEB

Mit Beginn dieses Jahres wurde auf unserer Schachtanlage auch der Vertrauensmännerkörper neu aufgebaut. Rund 87% unserer Belegschaft (Arbeiter und Angestellte) sind in der IGBE organisiert. Da der Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit im Betrieb liegen muß, haben die gewerkschaftlichen Vertrauensleute entscheidende Aufgaben zu erfüllen. Sie sollen das Bindeglied zwischen den gewerkschaftlich organisierten Kollegen einerseits und der IGBE-Bezirksleitung sowie dem Betriebsrat andererseits darstellen. Ihre Aufgaben bestehen darin, die Gewerkschaftsmitglieder über die Beschlüsse der Gewerkschaft und den Betriebsrat über betriebliche Probleme zu informieren.

VERTRAUENSLEUTE - AKTIVE GEWERKSCHAFTLER

Voraussetzung ist, daß sich jeder Vertrauensmann selbst aktiv in der Gewerkschaft betätigt und mit seinen Vor- und Ratschlägen der IGBE neue Impulse für ihre Arbeit gibt. So haben z.B. die Vertrauensleute in der IG Metall (IGM,d.Vf.) in den letzten Jahren wiederholt bewiesen, daß ohne ihre tatkräftige Hilfe bei Arbeitskämpfen mancher gewerkschaftliche Erfolg nicht möglich gewesen wäre."

Berichtet wird auch von der Ehrung der Opfer des Nationalsozialismus im Rombergpark (vgl. 27.4.1970).
Geworben wird für die 'UZ' der DKP und aufgerufen bei den Landtagswahlen (LTW - vgl. 14.6.1970) DKP zu wählen:"
HIER SCHREIBT DER KANDIDAT DER DKP IM WAHLKREIS IV

ERNST HINZ
Zur Person:
48 Jahre, geboren in Brambauer. Begann mit 15 Jahren auf 'Minister Achenbach I/II'. War Stadtverordneter in Lünen. Ist heute journalistisch tätig. Verheiratet, 1 Kind.

Zur Politik:
Was nützt es dem einfachen Menschen, wenn die Arbeitsleistung immer höher, sein ANTEIL an den von ihm geschaffenen Werten aber immer kleiner und die Preise immer unverschämter werden?

Was hilft ihm eine neue industrielle Bauweise von Wohnhäusern, wenn die Mieten immer untragbarer werden?

Was soll die Einführung moderner technischer Verfahren Gutes haben, wenn der Arbeiter schon mit 40 Jahren zum alten Eisen gezählt und die Unfallhäufigkeit immer alarmierender wird?

Wo soll das hinführen, wenn die Produktivkraft Wissenschaft auch weiterhin der Verwertung kapitalistischer Profit- und Machtinteressen vorbehalten bleibt?

Weil hier im Lande die Interessen der großen Konzerne ausschlaggebend sind, hat der arbeitende Mensch wenig zu sagen, ist die Zukunft falsch programmiert.

Wir Kommunisten sprechen aus, was andere verschweigen.

Die steigende Produktivität soll für alle zu Buche schlagen, die die Werte schaffen:

Vor allem durch erhöhte Kaufkraft und stabile Preise.

Das heißt in den bevorstehenden Wochen:

Durchsetzung der Lohnerhöhung im Bergbau von 8,5% auf Kosten der Konzerngewinne

und Preisstop durch Gesetz.

Für die Wahrung der Arbeiterinteressen wählt man Kommunisten in den Landtag!

Damit der Verfassungsauftrag erfüllt wird:

Artikel 24 der Landesverfassung: 'Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht das Wohl des Menschen. Der Schutz seiner Arbeitskraft hat den Vorrang vor dem Schutz materiellen Besitzes.'"
Q: Die Kumpel-Post Lohn- und Gehaltsforderungen der IGBE voll durchsetzen,Dortmund o.J. (Mai 1970)

10.06.1970:
Die Nr.2 der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint vermutlich heute für Opel Bochum (vgl. 26.5.1970, 30.6.1970). In einem Artikel geht es um die:"
DREI WÄLLE
...
Die Gewerkschaften haben sich eindeutig von einem Verband der Arbeiter in ein Werkzeug der Kapitalisten verwandelt, in einen Wall gegen die Arbeiter. Das zu vertuschen wäre Augenwischerei. Und die meisten Kollegen wissen das schon seit langem. Man braucht sich doch nur anzuschauen, wer die Gewerkschaftsbeiträge vom Lohn abbehält: die Konzerne haben dies für die Gewerkschaften übernommen, so wie es der Staat bei der Kirchensteuer macht. Und wer kennt nicht die Gewerkschafts- und Betriebsratsbonzen, die bei jedem Streik um ihren Posten zittern, weil sie befürchten müssen, die Kapitalisten würden sie zum Teufel jagen und sie müßten wieder arbeiten gehen. Wer kennt nicht all diese Alpträume dieser Herren a la Perschke, Black und Co.! Eins ist klar: Wenn wir vorwärts wollen, werden wir so oder so zuerst auf den äußeren Wall des Kapitals, den Gewerkschaftsapparat stoßen.

Die meisten Kollegen haben das schon lange erkannt, nur wissen sie nicht recht, was nun zu tun ist. Doch in den Septemberstreiks waren die ersten Ansätze vorhanden, um wirklich vorwärts zu kommen. In vielen Betrieben entstanden bei Streikbeginn sofort Streikkomitees. So in Dortmund bei den Zechen (IGBE-Bereich,d.Vf.), in Bremen auf der Klöcknerhütte usw. Diese Streikkomitees übernahmen sofort die Leitung der Streiks. Sie hatten das Vertrauen aller Kollegen, alle Kollegen standen hinter ihnen. Wie die Gewerkschaftsbürokratie ins Schleudern kam, was sie unternahm, um die Solidarität zwischen den Streikkomitees und den Kollegen zu zerstören, mag folgendes Beispiel aus Dortmund zeigen: Gewerkschaftsbonzen fuhren von Zeche zu Zewche mit dem altbewährten Trick: Bei Minister Stein erzählten sie, die Kumpels von Hardenberg seien eingefahren, dann fuhren sie zu Hardenberg und sagten, die Kumpels von Minister Stein seien eingefahren. Doch einen dieser Bonzen erwischten die Kumpel bei seinem dreckigen Spiel. Sie verabreichten ihm eine gehörige Tracht Prügel.

Die Kollegen wußten allerdings nicht recht, was sie nach dem Streik weiter tun sollten. Die Streikkomitees waren aufgelöst, die GewerkschaftsbÜrokratie entriß den Kollegen Stück für Stück ihrer Errungenschaften. Viele Kollegen wissen heute, daß diese Komitees in anderer Form hätten weiter existieren müssen: in Form einer roten Betriebsgruppe, um beim nächsten Streik gerüstet zu sein. Sie wissen, daß man allein auf sich gestellt nichts gegen die drei Wälle unternehmen kann. Man muß sich mit Gleichgesinnten zusammentun gegen diese drei Wälle. Ein Schlachtplan muß entworfen werden, wie man sie überwinden kann.

Die RBG-Opel hat all dies in Angriff genommen. Wenn ihr einmal sehen möchtet, wie sie das macht, dann setzt euch mit ihr in Verbindung!"
Q: Zündkerze Nr.2,Bochum 1970

13.08.1970:
Die DKP berichtet von der Zeche Minister Stein Dortmund (vgl. 31.8.1970, Dez. 1971):"
13. August 1970, 9 Uhr 30. Schießarbeiten im Flöz Laura. Ungeheure Wassermassen stürzen aus einer alten Strecke und spülen die Kumpels, die vor Ort arbeiten, hinweg. Innerhalb von wenigen Minuten mußten drei Kumpel ihr Leben lassen. Ertrunken oder erstickt unter Schlammassen. Diese Schreckensmeldung lief durch die Reviere. Erschüttert stellten wir die Frage: Wie konnte das passieren? Wer sind die Schuldigen? Wie konnte die Aufsichtsperson da sagen, als die Kumpel immer wiederen stärkeren Wassereinbruch als gewöhnlich meldeten: 'Schießt ruhig ab. Wenn dort etwas dahinter ist, so kann es nur Bier sein!'"
Q: Kumpel-Post Das 'Notprogramm' der Ruhrkohle AG,Dortmund o.J. (1971),S.2

31.08.1970:
Für die DKP berichtet Jochen Mandel vermutlich aus dieser Woche (vgl. 13.8.1970):"
SCHON VOR ZEHN JAHREN GEWARNT

Drei Bergarbeiter starben kürzlich im Flöz Laura der Zeche Minister Stein in Dortmund. Elf weitere Kumpel konnten sich gerade noch retten. Die Untersuchung des Unglücks durch die zuständigen Behörden ergab, wie jetzt veröffentlicht wurde: Die Werksleitung trägt dafür die Verantwortung. Bei der Erstellung des sogenannten Grubenbildes für das Flöz Laura waren einige vor Jahrzehnten stillgelegte Grubenbaue, die sich inzwischen mit Standwasser gefüllt hatten, nicht mit eingetragen worden. Die Kumpel hatten sich also nichts ahnend direkt in die mit Wasser gefüllten Grubenfelder hineingearbeitet.

Der ehemalige KPD-Landtagsabgeordnete Emil Sander hatte bereits vor zehn Jahren - im Zusammenhang mit der Zechenstillegungswelle - vor derartigen Unfallmöglichkeiten gewarnt und wirksame Maßnahmen dagegen gefordert."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr.37,Essen 12.9.1970,S.16

September 1970:
Die IGBE (vgl. 1.10.1970) berichtet vermutlich aus dem September von der RAG:"
MEHR KOKS FÜR DIE WELT

Ruhrkohle baut für 211 Mio. DM neue Koksöfen.
...
25 neue Koksöfen werden auf der Kokerei Minister Stein in Dortmund errichtet.

Mit dieser Kapazitätserweiterung um 2, 5 Millionen Tonnen will die Ruhrkohle AG, wie sie erklärte, 'eine Antwort auf die Anforderungen des Marktes' geben. Allerdings sollen die neuen Koksöfen auf Grund ihrer verbesserten Technik auch zu einer spürbaren Kostensenkung führen, um so die Wirtschaftlichkeit für Ruhrkohle-Kokereien zu verbessern.

Die Inbetriebnahme der neuen Koksbatterien ist für das Winterhalbjahr 1972/73 vorgesehen. Während es sich bei der Kokerei Zollverein und Minister Stein um die Erweiterung der bisher vorhandenen Koksbatterien handelt, werden auf der Kokerei Osterfeld die 200 alten Öfen außer Betrieb gesetzt, wenn die 96 neuen Öfen betriebsfertig sind."
Q: Einheit Nr.19,Bochum 1.10.1970,S.1

30.09.1970:
Aus Dortmund-Marten wird durch die KPD/ML-ZB von der Zeche Germania berichtet, daß diese Woche offiziell deren Schließung bekanntgegeben worden sei, nachdem letzte Woche noch behauptet worden war, daß dies nicht geschehen sollte. Die 3 083 Arbeiter und Angestellten sollen auf die vier Schachtanlagen Minister Stein und Gneisenau in Dortmund, Victor Ickern in Castrop-Rauxel und Minister Achenbach in Lünen verteilt werden. Die Stillegung solle in 14 Monaten abgeschlossen sein. Nachdem dies zu großer Empörung geführt habe, sei heute von den Kapitalisten verkündet worden, daß die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei. Die abschließende Beratung solle Ende Oktober erfolgen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.38,Bochum 3.10.1970

19.10.1970:
Für die DKP berichtet J. M. vermutlich aus dieser Woche:"
FEHLRECHNUNG DER ADREMA?
3 100 BERGARBEITER VON STILLEGUNG BEDROHT

'Jedes betroffene Belegschaftsmitglied der Zeche Germania erhält das Angebot eines Arbeitsplatzes im Bereich der Bergbau AG Dortmund.', heißt es in einem Schreiben des Vorstandes der Bergbau AG Dortmund an die 'lieben Mitarbeiter' der durch Stillegung bedrohten Zeche Germania in Dortmund. Inzwischen verstärken sich die berechtigten Zweifel der Kumpel von Germania an der Glaubwürdigkeit dieses Versprechens.
... In dem Schreiben des Vorstands wird auch angekündigt, auf welche Schachtanlagen die Germania-Kumpel verlegt werden sollen. Es sind die Zechen Gneisenau in Dortmund-Derne, Minister Achenbach in Brambauer (Lünen,d.Vf.), Minister Stein in Dortmund-Eving und Victor Ickern in Castrop-Rauxel.

Nur die vom Vorstand ausgearbeitete Zahl der von den einzelnen aufzunehmenden Germania-Kumpel stimmt bei weitem nicht mit der tatsächlichen Belegschaftsstärke überein. Während die Zahl der auf Germania beschäftigten Arbeiter und Angestellten etwa 3 100 beträgt, sind vom Vorstand nur 1 700 Kumpel zur Verlegung auf die vier Anlagen vorgesehen.

Wie die UZ erfahren konnte, sollen nur 700 Kumpel auf die Zeche Victor Ickern, 300 nach Gneisenau, 400 nach Minister Achenbach und 300 nach Minister Stein verlegt werden. Der Rest der 'lieben Mitarbeiter' soll nach Vorstellungen des Vorstands dann wohl dem 'freien Arbeitsmarkt' zur Verfügung gestellt werden."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr.44,Düsseldorf 31.10.1970,S.17

März 1971:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Fürst Hardenberg Dortmund findet vermutlich im März eine Betriebsversammlung (BV) statt, auf der, laut Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB (vgl. 15.6.1972) auch eine Protestnote an den Stadtrat gegen die Fahrpreiserhöhungen diskutiert wird.
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (Juni 1972),S.8

08.03.1971:
In Dortmund gibt die DKP vermutlich in dieser Woche zweiseitige Extrablätter ihrer Betriebszeitungen im IGM-Bereich (Hoesch) und im IGBE-Bereich (Gneisenau, Hansa und Minister Stein) zu den Fahrpreiserhöhungen heraus:"
KOLLEGEN - REIHT EUCH EIN, LASST DIE JUGEND NICHT ALLEIN!
FORDERT - MIT DER BEVÖLKERUNG UND DER AKTION 'ROTER PUNKT'

DIE SOFORTIGE RÜCKNAHME DER FAHRPREISERHÖHUNGEN UND DEN ÜBERGANG ZUM 50 PFG. EINHEITSTARIF!

DER GESCHÄFTSGRUNDSATZ bei den Stadtwerken heißt: der öffentliche Betrieb DARF KEINEN GEWINN MACHEN.
ABER der Staat kassiert hohe Steuern, die Konzerne diktieren die Preise und machen ihren Gewinn über die Stadtwerke. Beides darf nicht sein.

FORDERT Die Befreiung der Stadtwerke von allen steuerlichen Belastungen, damit die Preise gesenkt werden.

FORDERT Den Einsatz von staatlichen Mitteln gegen den Preiswucher der Konzerne, statt Polizeieinsatz gegen demonstrierende Bürger.

FORDERT Sondersteuern von der Großindustrie und den Kaufhauskonzernen zu erheben, wie es schon die Vertrauenskörperleitung und der Betriebsrat der Westfalenhütte in einem Offenen Brief an den OB forderte (vgl. März 1971,d.Vf.).

DIE KONZERNE DIKTIEREN die Materialpreise für die Stadtwerke, nur von dort und nicht von den Benutzern der Verkehrsmittel kommt die Verschuldung.

GEGEN DIE URSACHEN der Verschuldung muß vorgegangen werden und nicht gegen die Bevölkerung, die Protest erhebt, das ist das legitime Recht jedes Einzelnen.

FORDERT Die Kürzung der Rüstungsmilliarden zugunsten öffentlicher Verkehrsbetriebe in Dortmund und anderen Städten.

Noch gehen die Verantwortlichen der Stadt den Weg des geringsten Widerstandes, das ist der Weg, der zu immer weiteren Belastungen führt. Wird der Preiswucher bei den Stadtwerken JETZT NICHT abgewehrt, werden die Preisdiktatoren noch frecher. Es besteht gar kein Zweifel daran, daß die Stadt Dortmund für eine Politik der Preissenkung die Unterstützung der ganzen Bevölkerung, insbesondere der am meisten belasteten Arbeiterschaft hat. Aber es gibt kein Verständnis dafür, daß ausgerechnet die Dortmunder Stadtwerke die Preise in die Höhe treiben.

Mit der Mehrheit gegen die Minderheit der Mächtigen, die über alle Wege ihren Profit zu machen suchen, das müßte auch die Devise für die Spitzen der Stadt sein.

Bisher werden die Spitzen der Stadt der Forderung der Bevölkerung nicht gerecht. Sie katzbuckeln vor den Konzernen und vor der Regierung - vor jenen also, die die Belastungen bringen.

Wer sich gegen die Mehrheit der Bevölkerung in der praktischen Politik ausspricht und Fahrpreiserhöhungen beschließt, handelt nicht demokratisch, sondern trägt der kleinen Minderheit Rechnung, die leider über viel Macht verfügt.

Mit den Millionen gegen die Millionäre, das ist eine alte Losung der Arbeiterschaft. Sie zahlt die Zeche. Auf jede Weise wird die Kaufkraft gesenkt.

deshalb: WEG MIT DEN LUXUSTARIFEN BEI DER STADT.
deshalb: SCHALTET EUCH MIT EIN, LAAST DIE JUGEND NICHT ALLEIN!

Jetzt müssen sich die Belegschaften und ihre Vertretungen erst recht zu Wort melden - und die Erfüllung der Forderung durchsetzen helfen.

Jeder handelt richtig, der sich dem vorbildlichen Elan der Jugend anschließt, denn es geht um eine gemeinsame Sache - es geht um die Sache der Alten und der Jungen.

An dem solidarischen Verhalten der Hüttenarbeiter nehmen sich alle Arbeiter und Angestellten ein Beispiel.

Die, die die Verschuldung der Stadtwerke herbeiführen, sind im Grund die gleichen Kreise, die uns den Lohn immer wieder verweigern und erst nachgeben, wenn die Belegschaften ernst machen.

So ist es auch bei den Fahrpreisen. Sie werden erst dann zurückgenommen, wenn die Arbeiterschaft mit eingreift."
Q: Heisse Eisen Extrablatt Kollegen - Reiht Euch ein, laßt die Jugend nicht allein!,Dortmund o.J. (März 1971);
DKP-Betriebsgruppe Hansa:Informationen Extrablatt Kollegen - Reiht Euch ein, laßt die Jugend nicht allein!,Dortmund o.J. (März 1971);
Die Kumpel-Post Extrablatt Kollegen - Reiht Euch ein, laßt die Jugend nicht allein!,Dortmund o.J. (März 1971);
Signal Extrablatt Kollegen - Reiht Euch ein, laßt die Jugend nicht allein!, Dortmund o.J. (März 1971)

10.03.1971:
Laut den 'Ruhrnachrichten' begrüßt der Betriebsrat der Kokerei Minister Stein (IGBE-Bereich) in Dortmund vermutlich heute, "die Protestbewegung Roter Punkt" und fordert alle Belegschaftsmitglieder, die einen PKW besitzen, dazu auf, "wartende Fahrgäste mitzunehmen". Gleichzeitig verweist er darauf, daß ein Erfolg dieser Protestbewegung "nicht dadurch entschieden wird, daß von Bonn und Düsseldorf Hilfe erwartet wird. Gerade von dort erfuhren wir in den letzten Tagen, daß Erhöhungen der Mineralölsteuern, der Mehrwertsteuern, der Tabaksteuern usw. zu erwarten sind". Der DGB wird aufgefordert, "sich stärker als bisher für die Zurücknahme der Fahrpreiserhöhungen einzusetzen, indem er seine Mitglieder zu Protestkundgebungen auffordert. Wir würden derartige Aktionen mit allen legalen, uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen".

Davon berichtet auch die KPD/ML-ZB im IGM-Bereich bei Hoesch (vgl. 15.3.1971).
Q: Ruhrnachrichten-Lokalteil Dortmund,Dortmun* 11.3.1971;
Die Rote Westfalenwalze Nr.2,Dortmund 1971,S.4

17.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet u.a. aus dem IGM-Bereich:"
HOESCH-VERTRAUENSLEUTEDEMONSTRATION GEGEN FAHRPREISERHÖHUNG

Am Mittwoch, den 17.März, demonstrieren 200 Vertrauensleute der Hoesch-Westfalenhütte in Dortmund gegen den Fahrpreiswucher bei den städtischen Nahverkehrsmitteln (vgl. 16.3.1971, 18.3.1971,d.Vf.).

Seit zwei Wochen demonstrieren werktätige Jugendliche, Schüler und Studenten, halten Versammlungen ab und blockieren den Verkehr. Hunderte von ihnen wurden vorübergehend verhaftet. Ihre Personalien wurden aufgenommen und Fotos für die Archive der politischen Polizei (K14,d.Vf.) und den Verfassungsschutz gemacht. Aber ihre Protestaktionen waren zu schwach. Dortmunds Oberbürgermeister betonte dann auch, der Stadtrat ließe sich durch die Demonstrationen nicht von seinem Beschluß abbringen.

Nur vereinzelt hatten sich Arbeiter der Hoesch-Werke und Kumpel der Zeche 'Minister Stein' (IGBE-Bereich,d.Vf.) außerhalb ihrer Arbeitszeit spontan den Demonstrationen angeschlossen. Das machte es der Polizei einfach, einzelne von ihnen herauszugreifen und auf die schwarzen Listen zu setzen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.22,Bochum 20.3.1971,S.9f

24.03.1971:
Laut dem 14. Kommissariat wird in Dortmund weiter gegen die Erhöhung der Fahrpreise protestiert (vgl. 23.3.1971, 25.3.1971). Es "wurden ab 16 Uhr 45 zunächst Straßenbahnen auf der Kampstraße und an der Reinoldikirche blockiert. In der Folgezeit kam es zu weiteren Blockaden an der Hansastraße/Westenhellweg ... In der Folgzeit bis 19 Uhr 40 kam es dann noch zu Blockaden an den Haltestellen der Innenstadt. Polizeikräfte ermöglichten den festgehaltenen Straßenbahnzügen die Weiterfahrt. 8 Personen wurden vorläufig festgenommen, die nach Aufforderung den Schienenraum vor den festgehaltenen Straßenbahnzügen nicht verlassen hatten ... Um 20 Uhr 07 fand auf dem Alten Markt wieder eine Kundgebung statt, an der sich lediglich 25 Personen beteiligten ... Zur bevorstehenen Großkundgebung am Freitag, dem 26.3.1971, erklärte Kluthe, daß auch Bergleute der Zeche Minister Stein teilnehmen würden".
Q: Polizei Dortmund-14. Kommissariat:Demonstrationen gegen die Fahrpreiserhöhungen der Dortmunder Stadtwerke AG und Durchführung von Rote Punkt-Aktionen in Dortmund,Dortmund 31.3.1971,S.3

26.03.1971:
Laut KPD/ML-ZB "streikten in Dortmund rund 3 000 Arbeiter der Zeche 'Minister Stein' (IGBE-Bereich,d.Vf.). Sie organisierten einen Demonstrationszug durch die Straßen des Vororts, in dem die Zeche liegt. Ihr Streik und ihre Demonstration richtete sich gegen die Fahrpreiserhöhungen, die der SPD-Stadtrat für die Dortmunder Straßenbahnen und Busse beschlossen hatte. Der Betriebsratsvorsitzende der Zeche erklärte auf einer Kundgebung der Rote-Punkt-Aktion:
'WIR SIND ES LEID, NOCH LÄNGER FÜR DEN SPD-STADTRAT GEWEHR BEI FUSS ZU STEHEN'."

Auch die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (IGM-Bereich - vgl. 29.3.1971) berichtet von der Aktion.

Laut dem 14.Kommissariat (K14), welches heute seine dritte Dokumentation "Demonstrationen gegen die Fahrpreiserhöhungen der Dortmunder Stadtwerke AG und Durchführung von Rote Punkt-Aktionen in Dortmund" mit Berichten über die Ereignisse vom 15. bis 20.3.1971 verfaßt "formieren sich bereits um 15 Uhr 15 vor der Zeche Minster Stein in Dortmund-Eving ca. 80 Personen zu einem Demonstrationszug, der sich zur Innenstadt bewegte und gegen 17 Uhr den Alten Markt erreichte. Gegen 17 Uhr 30 begann auf dem Alten Markt eine Kundgebung, an der sich etwa 400 Personen beteiligten. Es sprach zunächst Alfred Gleim, der 'Rote-Punkt-Aktionen' für den 29.3.1971 in Düsseldorf, Wuppertal und Castrop-Rauxel ankündigte ... Um 17 Uhr 55 bildeten die Teilnehmer der Kundgebung einen Demonstrationszug, der durch die Innenstadt Dortmunds führte und an dem sich maximal 1 000 Personen beteiligten. Der Demonstrationszug erreichte um 19 Uhr 10 wieder den Alten Markt, wo eine Abschlußkundgebung mit ca. 300 Teilnehmern stattfand. In der Zeit von 17 Uhr 10 bis gegen 19 Uhr 30 wurden in der Innenstadt wieder Straßenbahnzüge an der Weiterfahrt gehindert. 12 Personen wurden bei diesen Störungen vorläufig festgenommen".

Laut 'Westfälischer Rundschau' (WR) beteiligen sich an der Großkundgebung mit anschließender Demonstration des Aktionskomitees Roter Punkt ca. 3 000 Menschen:"
Neben den Betriebsräten einiger Dortmunder Unternehmen, erklärte sich auch die Arbeitsgemeinschaft Westfalenhalle der Jungsozialisten (Jusos der SPD,d.Vf.) mit der Aktion in einer Resolution solidarisch. Anschließend formierten sich die Demonstranten zu einem Protestmarsch durch die Stadt."
Q: Westfälische Rundschau-Lokalteil Dortmund,Dortmund 27.3.1971;
Polizei Dortmund-14. Kommissariat:Demonstrationen gegen die Fahrpreiserhöhungen der Dortmunder Stadtwerke AG und Durchführung von Rote Punkt-Aktionen in Dortmund,Dortmund 31.3.1971,S.5;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.10;
Die Presse Nr.3,Bochum Apr. 1971,S.1ff

29.03.1971:
'Die Presse' Nr.3 - Zeitung der Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB in Bochum erscheint vermutlich Anfang dieser Woche, datiert auf April (vgl. Feb. 1971, Sept. 1971), mit dem folgenden Leitartikel (vgl. 26.3.1971):"
KAMPF DER SPD-PREISTREIBEREI
3 000 DORTMUNDER KOLLEGEN WEISEN DEN WEG

3 000 Dortmunder Kollegen der Zeche 'Minister Stein' (IGBE-Bereich,d.Vf.) zogen am Freitag durch die Straßen Dortmunds. Ihr Streik und ihre Demonstration richtete sich gegen den SPD-Stadtrat von Dortmund, der die Preise für die Straßenbahnen und die Busse um 30% erhöht hatte. Der Betriebsrat von 'Minister Stein' erklärte: 'Wir sind es leid, noch länger für den SPD-Stadtrat Gewehr bei Fuß zu stehen!'

Mit ihrer Demonstration haben die Dortmunder Kumpel allen Arbeitern des Ruhrgebiets ein Zeichen gesetzt: das Zeichen, das gegen die Preistreiberei der SPD-Führer in Bund, Land und Stadt die Arbeiterklasse den Kampf aufnehmen muß, denn die Arbeiterklasse ist es, die für die Pläne der SPD-Führer bezahlen soll und die Arbeiterklasse allein ist es, die diese Pläne durchkreuzen kann.

Nicht nur in Dortmund gibt es Preiserhöhungen für die Straßenbahn und den Bus: in Bochum, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bottrop, Gladbeck, Oberhausen, Düsseldorf und vielen anderen Ruhrgebietsstädten haben die SPD-Ratsherren, die auch meist Aufsichtsratsmitglieder der Nahverkehrsunternehmen sind, Preiserhöhungen beschloßen oder wollen sie beschließen. Und diese Tariferhöhungen sind nicht die einzigen, die die SPD-Bonzen im Rathaus ins Auge fassen: sie beraten schon jetzt fast überall die nächsten Erhöhungen für Strom, Gas, Bäder, Kindergarten usw.

Dies ist ein großangelegter Angriff der SPD-Stadträte auf unsere Lebenslage; sie treiben den Lohnraub, den die SPD-Bundesregierung mit der Einführung des 'Konjunkturzuschlags' begonnen hat, den die Kapitalisten mit dauernden Preiserhöhungen ebenfalls betreiben, aktiv voran. So meinte der OBERBÜRGERMEISTER VON BOCHUM, Klaus, der Aufsichtsratsvorsitzender der BoGeStra ist, denn auch zu den Fahrpreiserhöhungen der BoGeStra (vgl. S2.*.1971,d.Vf.):

'IM HINBLICK AUF DIE GESTIEGENEN LÖHNE UND GEHÄLTER IST DIE FAHRPREISERHÖHUNG VERTRETBAR!'

Das ist die Sprache der Kapitalisten, die, wenn wir uns 10% Lohnerhöhung erkämpft haben, uns hinterher über die Preise wieder alles aus der Tasche ziehen.

Diese großangelegten Angriffe der SPD-Stadtparlamente kommen nicht von ungefähr; sie sind ein Zeichen der Finanzkrise des Staates und diese Finanzkrise ist ein deutliches Zeichen für die beginnende Wirtschaftskrise:

Die Steuerkommission der Bundesregierung (vgl. S2.*.1971,d.Vf.) hat errechnet, daß die Steuereinnahmen 1971 lange nicht so schnell ansteigen werden, wie angenommen. Der Grund ist klar: 1970 hatte die werktätige Bevölkerung 30% MEHR LOHNSTEUERN zahlen müssen, und das noch ohne daß der Konjunkturzuschlag berechnet ist.

So hatte die SPD-Bundesregierung die Steuerkassen aufgefüllt mit den mühsam erwirtschafteten Steuergeldern der werktätigen Bevölkerung. Und diese Mittel hat sie auch gleich wieder mit vollen Armen ausgegeben; allerdings nicht für die groß angekündigten Reformen, mit denen sie während der Wahlen auf Stimmenfang ging. Die reichlichen Lohnsteuern floßen als riesige Investitionsspritzen in die Taschen der Kapitalisten:

So mußten die Kapitalisten 1970 weniger Steuern bezahlen als 1969, obwohl ihre Profite in die Höhe geschnellt waren:
8% WENIGER EINKOMMENSSTEUER,
14% WENIGER KÖRPERSCHAFTSSTEUER,
11% WENIGER GEWERBESTEUER!

Hätte die SPD-Regierung der Kapitalistenklasse 1970 auch 30% mehr Steuern aus der Tasche gezogen, hätten die Kapitalisten 9 Milliarden DM mehr bezahlen müssen - allein 9 Mrd. DM, obwohl die Profite der Kapitalisten schneller gestiegen sind als die Löhne der Arbeiterklasse.

Um den westdeutschen Kapitalisten einen immer stärkeren Platz an der Sonne in der internationalen Konkurrenz zu sichern, hat die SPD-Regierung in Bonn 5 Mrd. DM Investitionshilfen locker gemacht;
um die Bundeswehr für einen Krieg vorbereiten, der nur für die Interessen der Kapitalistenklasse bei der Eroberung neuer Märkte geführt werden kann, haben die SPD-Bonzen in Bonn bis 1975 über 100 Milliarden DM eingeplant;
um den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) für eine Bürgerkriegsarmee gegen die Arbeiterklasse umzurüsten, hat die SPD-Regierung 1971 452 Millionen DM bereitgestellt.

DOCH FÜR DIE FINANZIERUNG DES NAHVERKEHRS HABEN DIE SPD-FÜHRER NICHTS ÜBRIG, DENN HIER GEHT ES JA NICHT UM DAS WOHL DER KAPITALISTENKLASSE, SONDERN UM DAS INTERESSE DER WERKTÄTIGEN BEVÖLKERUNG - DESHALB SOLL IM NAHVERKEHR DIE BEVÖLKERUNG DIE ZECHE ZAHLEN!

Gegen diese Politik sind die Kumpel von 'Minister Stein' in Dortmund auf die Straße gegangen. Ihre Forderung lautete:

RÜCKNAHME DER FAHRPREISERHÖHUNGEN! 50 PFENNIG EINHEITSTARIF!"
Q: Die Presse Nr.3,Bochum Apr. 1971

30.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet im 'KND' (vgl. 3.4.1971):"
SPD-REGIERUNG NRW SETZT DEMONSTRATIONSRECHT AUSSER KRAFT

In einem Interview in der Rundfunksendung 'Zwischen Rhein und Weser' am 30.3. hat NRW Innenminister Weyer (FDP,d.Vf.) bekanntgegeben, daß mit sofortiger Wirkung Demonstrationen zur 'Hauptverkehrszeit und auf den Schienen' illegal seien.

Der Erlaß kam genau zu dem Zeitpunkt, wo die Arbeiter der Hoesch-Westfalenhütte (IGM-Bereich,d.Vf.) und die Kumpel der Zeche Minister Stein (IGBE-Bereich,d.Vf.) in Dortmund auf dem Kampfplatz erschienen.

Damit war die Taktik der SPD-Führer durchkreuzt, die Demonstrationen, die von Schülern, Studenten und Lehrlingen getragen wurden, totlaufen zu lassen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.26,Bochum 3.4.1971,S.1f

30.03.1971:
Ein Extrablatt der 'Roten Westfalenwalze' der Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD/ML-ZB (vgl. 22.3.1971, 31.3.1971) erscheint vermutlich heute Abend:"
GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE FRONT DER ARBEITERKLASSE!
Kollegen!
Die Aktion Roter Punkt hat für Donnerstag Mittag zu einem Sternmarsch der Dortmunder Hoesch-Betriebe aufgerufen. Beteiligen wir uns massenhaft!

Treffpunkte für die Demonstrationen:
14 Uhr 15 Westfalenhütte (Haupteingang)
14 Uhr 15 Hörder Hütte (Haupteingang Burgtor)
14 Uhr 15 Union Hütte (Eingang Alte Radstraße)
14 Uhr 30 Rheinstahl Union (Eingang Sunderweg) und Union Hütte
14 Uhr 30 Maschinenfabrik Deutschland (MFD,d.Vf.)

Seit vier Wochen demonstrieren in der Innenstadt Schüler, Studenten, Lehrlinge gegen die Fahrpreiserhöhungen. Auch die Kollegen von Union, Westfalenhütte, Minister Stein (IGBE-Bereich,d.Vf.) haben in der Stadt demonstriert. All das kümmert die SPD-Bonzen im Stadtrat wenig. Sie beschlossen nun auch, die Preise für das Stadtbad, Tierpark, Theater zu erhöhen. Kollegen, das zeigt:

Aktionen nach Schichtende nutzen wenig. Das haben auch vergangenen Montag die Kollegen bemerkt, die das Rathaus besetzten, als der SPD-Stadtrat die eben genannten Preiserhöhungen beschliessen wollte. Die SPD-Ratsherren wollten es zuerst gar nicht glauben, daß vor dem Sitzungssaal Dortmunder Hoesch-Arbeiter standen, die die Zurücknahme der Fahrpreiserhöhungen forderten."
Q: Die Rote Westfalenwalze Extrablatt Gegen die Verrätereien der SPD-Regierung die geschlossene Front der Arbeiterklasse!,Dortmund o.J. (März 1971)

31.03.1971:
In Dortmund streiken, laut 'Kommentar' Heidelberg, 200 auf der Zeche Minister Stein (IGBE-Bereich) und führen eine Straßenbahnblockade gegen die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 30.3.1971, 1.4.1971) durch.
Q: Kommentar,Heidelberg 15.4.1971

April 1971:
Laut KPD/ML-ZB wird auf der Zeche Minister Stein Dortmund nach der zweiten Ausgabe ihrer 'Rutsche', vermutlich im April, durch den SPD-Betriebsrat Wenzelmann eine SPD-Betriebsgruppe gegründet, "deren Hauptziel 'die Zurückdrängung des Einflusses der Kommunisten' war". Dies steht allerdings ein wenig im Widerspruch zum Inhalt der 'Rutsche' Nr.2 (vgl. Apr. 1971).
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.77,Bochum 9.10.1971,S.4

April 1971:
Laut KJVD der KPD/ML-ZB gelingt es auf der Zeche Minister Stein in Dortmund vermutlich im April 300 Exemplare der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB zu verkaufen.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.5,Bochum Mai 1971

05.04.1971:
Erstmals erscheint 'Die Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD, wahrscheinlich Anfang dieser Woche (vgl. 7.4.1971). Der Name 'Rutsche' ist auch der der Betriebszeitung der KPD der 20er und 30er Jahre gewesen (vgl. Jan. 1933). Im Hauptartikel 'Zechensterben bei der RAG. Neues Komplott von Zechenherren, SPD und IGBE-Führern" wird dazu aufgerufen, gegen Stillegung und Entlassungen den Kampf mit der KPD/ML aufzunehmen, sich in der Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML zu organisieren. Informiert wird auch über die neue Lohnordnung (vgl. 1.4.1971).
Q: Die Rutsche Nr.1 und 2,Dortmund o.J. 1971 bzw. Apr. 1971,S.1ff bzw. S.4

07.04.1971:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund gibt die KPD/ML-ZB das heutige Extrablatt ihrer RAG-Betriebsgruppen (vgl. 21.4.1971) unter dem Kopf ihrer 'Rutsche' (vgl. 5.4.1971, 12.4.1971) heraus.
Q: Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.1

12.04.1971:
Es erscheint die Nr.7 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 29.3.1971, 19.4.1971). Auf Seite 8 erscheint folgender Artikel:"
AKTION 'ROTER PUNKT' IM RUHRGEBIET
ANGST VOR DER ARBEITERKLASSE

Der Kampf gegen die Straßenbahntariferhöhungen dauert an. Fünf Wochen lang blockierten Studenten, Schüler und Lehrlinge den Straßenbahnverkehr. In Dortmund gingen sorgar Hoesch-Arbeiter (IGM-Bereich,d.Vf.) und Kumpel von der Zeche Stein (Minister Stein - IGBE-Bereich,d.Vf.) zweimal auf die Straße, um gegen den Lohnraub durch die Preistreiberei der SPD-Stadtregierung zu protestieren. Auch in den anderen Städten des Reviers nimmt die Sympathie der Kollegen für die Demonstrationen zu.

Mit dieser Entwicklung hat die SPD/FDP-Landesregierung nicht gerechnet".
Q: Rote Fahne Nr.7,Bochum 12.4.1971

14.04.1971:
Die Nr.2 der 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 7.4.1971, 21.4.1971) erscheint vermutlich heute mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
HERAUS ZUM ROTEN 1. MAI! DGB-FÜHRER HOLEN ARBEITERVERRÄTER ARENDT!

Kumpel!
Am 1. Mai 1971 wird in Dortmund auf der DGB-Maifeier im Westfalenpark Bundesminister Arendt als Hauptredner sprechen.
Das zeigt uns deutlich, wie sehr die DGB-Führer den Kampftag aller Arbeiter, den 1. Mai, verraten haben. Gerade wir Kumpel kennen Arendt als er noch IGBE-Vorsitzender war und unseren Kampf ständig verraten hat, z.B. im Herbst 1969, wo er einen Streik abwürgte, obwohl 90% von uns für Streik stimmten. Auch bei der Bildung der RAG war Arendt ein Aufsichtsratsposten wichtiger, als die Sicherheit unserer Arbeitsplätze. Schon damals machte Arendt klar, daß er auf der Seite der Zechenherren steht und nicht auf unserer Seite. Für eine solch 'saubere' Politik wurde Arendt ja dann auch von der SPD-Regierung mit einem gutbezahlten Ministerposten belohnt.

Diesen Arbeiterverräter holen die DGB-Führer zu ihrer 1.Mai-Feier. Mit schönen Worten wird Arendt unter dem Motto - Mitbestimmung, der Mensch steht im Mittelpunkt - uns Arbeiter vom Charakter des 1.Mai abzulenken versuchen. Dabei spüren gerade die Kumpel, daß Mitbestimmung unsere Lage nicht verbessert, sondern nur den Gewerkschaftsführern Direktorensessel verschafft.

MAI 1971 - KAMPFTAG GEGEN BEGINNENDE KRISE UNTER FÜHRUNG DER KPD/ML

Uns Arbeiter interessieren am 1.Mai ganz andere Dinge als das Geschwafel von Arendt und Co. Wir müssen in den Kampf treten gegen die beginnende Krise, gegen bevorstehende Entlassungen, Kurzarbeit, Arbeitshetze. Gegen SPD-Lohnraub, den 10%igen Konjunkturzuschlag, die Preiserhöhungen bei Bahn, Bus, Post usw. Gegen das Komplott von Zechenherren, SPD-Regierung und IGBE-Führern bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen.

Aber der erste Mai war auch schon immer ein Kampftag gegen Krieg, gegen Faschismus, an ihm bekundete die Arbeiterklasse ihre Solidarität mit den kämpfenden Arbeitern anderer Länder. Gerade hier in Dortmund gingen die Arbeiter am 1.Mai vor dem Kriege unter der Führung der KPD in diesem Sinne in Massen auf die Straßen. Diese Tradition setzen die KPD/ML und der KJVD fort und veranstalten hier in Dortmund eine eigene 1.Mai-Demonstration (Ort und Zeitpunkt werden noch bekanntgegeben). Das Zentralbüro der KPD/ML ruft in folgendem Schreiben alle Kollegen auf, an dieser Demonstration teilzunehmen und damit Leuten wie SPD-Arendt eine Abfuhr zu erteilen". Es folgt der Maiaufruf der KPD/ML-ZB (vgl. 4.4.1971), aus dem nur der Satz über die KPP Polen ausgelassen wurde, sowie ein:"
BÜNDNISANGEBOT ZUM 1.MAI

Das Ortskomitee und die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML haben dem Ortskartell der IGBE bzw. der DKP- und SPD-Betriebsgruppe Minister Stein zum 1. Mai das Bündnis angeboten.
Damit macht die KPD/ML deutlich, daß ihr an der Einheit aller Arbeiter gelegen ist trotz verschiedener Differenzen in einigen Fragen. Die Bündnisangebot haben den Aufruf des Zentralbüros der KPD/ML (s. vorherigen Artikel) zur Grundlage und wurden am Anfang dieser Woche an die entsprechenden Adressen gesandt.

Kollegen, fordert den Kreisverband der IGBE auf, über dieses Angebot mit uns zu sprechen. Sozialdemokratischen Kollegen, Genossen von der DKP, diskutiert das Bündnisangebot in eurer Betriebsgruppe und nehmt Gespräche mit uns auf.

ES LEBE DIE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!
ES LEBE DER ROTE 1. MAI!"

Zur kommenden Bergbautarifrunde (BETR) heißt es:"
IGBE-TARIFVERHANDLUNGEN

VERTRAUEN WIR AUF UNSERE EIGENE KRAFT
DIE LOHNFORDERUNGEN MÜSSEN JETZT AUF DEN TISCH!

Kumpel!
Die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML informierte euch in der Rutsche Nr.1 (vgl. 5.4.1971,d.Vf.) über die in Geheimverhandlungen zwischen den RAG-Bossen und den IGBE-Führern ausgehandelte neue Lohnordnung (vgl. 1.4.1971). Mit dieser neuen Lohnordnung, die uns gegeneinander ausspielen und die Arbeitshetze verschärfen soll, haben die IGBE-Führer deutlich gemacht, worum es ihnen bei den diesjährigen Tarifverhandlungen geht: HINTER DEM RÜCKEN DER KUMPEL IM KOMPLOTT MIT ZECHENHERREN UND SPD-REGIERUNG DIE LOHNERHÖHUNG SO NIEDRIG WIE MÖGLICH ZU HALTEN.

DIE BEGINNENDE KRISE HAT AUCH DIE RAG ERFASST

Es ist kein Geheimnis mehr, daß die beginnende Krise auf die RAG übergegriffen hat. Die Halden wachsen wieder an, die Zechenherren gehen verstärkt daran, 'Bummelanten' umzusetzen und zu entlassen. So werden z.B. auf der Zeche Blumenthal in Recklinghausen weiße Briefe verschickt, in denen für viele Kollegen, die als Folge der Arbeitshetze öfters krankfeiern mußten, Umbesetzungen mit nachfolgender Lohnkürzung und Entlassungen angekündigt wurden. Die Bergbau AG Oberhausen hat folgendes Programm entwickelt, mit dem die Krise auf Kosten der Bergarbeiter 'gelöst' werden soll: 1. die Belegschaft wird reduziert; 1 000 Mann werden entlassen, 2. die Kumpels, die bisher in jahrelanger Arbeit ihre Gesundheit auf dem Pütt ruiniert haben, und bisher dann in die Tagearbeit übernommen wurden, sollen teilweise entlassen oder 'umgeschult' werden. Doch mit diesem Beispiel nicht genug, vor einigen Wochen (vgl. **.*.1971,d.Vf.) forderte Thyssen-Chef Sohl eine Lohnpause von den Bergarbeitern und die Stillegung von 6 weiteren Zechen. Am 1. April stellte sich Kühns Wirtschaftsminister von NRW, Riemer (FDP,d.Vf.), hinter Sohl: er verlangt, daß dieses 'Anpassungsprogramm', also die Stillegungspläne, die der Kohlebeauftragte von Schiller ausgearbeitet hat, aber noch geheim hält, nicht Ende des Jahres vorgelegt und durchgeführt werden, sondern daß sie schon im Sommer dieses Jahres auf den Tisch kommen. Wie 1966/67 sollen also die Kumpel die Folgen der Kohlenkrise ausbaden und für die Profite der der Zechenherren bluten. Das zeichnet sich schon bei den beginnenden Tarifverhandlungen ab:

IGBE-FÜHRER VERRATEN KUMPEL

Die IGBE-Führer, die durch die Mitbestimmung fest mit der RAG verheiratet sind und ihren sicheren Direktorensessel haben (IGBE-Vorsitzender Schmidt z.B. ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der RAG), helfen dabei gehörig mit. Darüber täuschen auch 'radikale' Forderungen wie z.B. die 13%-Forderung vom Bezirksleiter der IGBE-Ruhr-Nord Homan nicht hinweg. Wie 'radikal' die Forderung von Homan ist, wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie diese 13% zustande kommen sollen: 3% soll die Verdoppelung der Bergmannsprämie wert sein, die neue Lohnordnung ca. 3%; bliebe noch eine Lohnerhöhung von 6%.
Daß die neue Lohnordnung für uns keine Verbesserung bringt, haben wir schon in der Rutsche Nr.1 gezeigt. Die Verdoppelung der Bergmannsprämie ist ein ähnlicher Betrug. Denn diese Prämie zahlen nicht die Zechenherren, sondern die SPD-Regierung 'stiftet' sie aus den Steuern der Kumpel und anderen Arbeiter. Das bedeutet nichts anderes, als daß in der Krise die Arbeiter ihre Lohnerhöhung selbst bezahlen. Außerdem hat die Prämie noch andere Tücken. Bei Krankheit und Urlaub gibt es keinen Pfennig dieses 'Lohns', er wird nur für tatsächlich verfahrene Schichten gezahlt. Die Lohnunterschiede von Unter- und Über-Tage-Arbeitern werden noch vergrößert, da die Prämie nur die Unter-Tage-Arbeiter erhalten.

Hier wird klar:
IGBE-FÜHRER WOLLEN SCHILLERS LOHNDIKTAT DURCHSETZEN

Mit diesen Forderungen wollen die IGBE-Führer die Kumpel hinters Licht führen. Sie wollen sich um eine kräftige Lohnerhöhung drücken und Schillers Lohnleitlinien von 7 - 8% auf halbem Weg durchsetzen. Diesen famosen SPD-Schiller muß man fragen, wie er sich eine Lohnerhöhung von 7 - 8% vorstellt! Die Tariferhöhungen des letzten Jahres sind durch die Preiserhöhungen längst aufgefressen: Die Straßenbahngebühren sind um 33% gestiegen, die Lebensmittelpreise um etwa 4%, die Mieten steigen noch mehr und der 10% Konjunkturzuschlag wird uns immer noch abgeknöpft. Die Lohnleitlinien von Schiller heißen also nichts anderes, als daß wir Arbeiter den Gürtel enger schnallen sollen, um den Herren Kapitalisten die Profite zu sichern.

GEGEN LOHNDIKTAT - LOHNFORDERUNGEN DER RUHRKUMPEL!

Deshalb, Kumpel, gilt es nun schnellstens eigene Forderungen aufzustellen. Wir müssen klar zeigen, daß wir nicht bereit sind, den Karren der Zechenherren aus dem Dreck zu ziehen, indem wir Lohnverzicht üben oder unsere Löhne selbst bezahlen. Und wir dürfen uns nicht auf die IGBE-Führer verlassen, sonst stehen wir wieder vor vollendeten Tatsachen. Deshalb:
KAMPF DEM LOHNDIKTAT!
KAMPF DEM LOHNRAUB!
GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER RUHRKUMPEL!

UNSERE FORDERUNGEN FÜR DIE DIESJÄHRIGE TARIFRUNDE SIND:

WEG MIT DER NEUEN LOHNORDNUNG!
KEIN LOHNVERZICHT IN DER NEUEN KRISE!
VOLLE 15%!
HÖHERE NACHTSCHICHTZULAGE!
13. MONATSLOHN!
WEGEGELD FÜR ALLE KUMPEL!
DIE FORDERUNGEN JETZT AUF DEN TISCH!

STÄRKT DIE KPD/ML UND DEN KJVD!
Diese Forderungen müssen jetzt auf den Tisch. Beredet sie in den Revieren, fordert eure Betriebsräte auf, sie weiterzugeben. Seid entschlossen, für sie in den Kampf zu treten.

Die KPD/ML wird diesen Kampf unterstützen, weil sie für die Interessen der Arbeiterklasse eintritt, weil sie für die Tagesinteressen der Kollegen kämpft und für das Ende von Ausbeutung und Krisen, für einen Arbeiter- und Bauernstaat. Doch die KPD/ML und ihr Jugendverband, der KJVD, sind eine junge Organisation. Deshalb stärkt die KPD/ML und den KJVD!

ORGANISIERT EUCH IN DER MINISTER STEIN DER KPD/ML!"

Geworben wird für die 'RF' Nr. 7 vom 12.4.1971 (vgl. 16.4.1971). Kontakt ist möglich über Kretschmer in der Brunnenstraße 51.
Q: Die Rutsche Nr. 2, Dortmund Apr. 1971

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16.04.1971:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund wirbt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB für den heutigen Verkauf der 'RF' Nr.7 vom 12.4.1971:"
ROTE FAHNE SPRACHROHR DER MASSEN

Kollegen,
ladet ihr freiwillig einen Betrüger in eure Wohnung?
Sicher nicht!
Im Gegenteil; ihr werdet ihn davonjagen und das mit Recht.
Wie ist es aber mit den bürgerlichen Zeitungen?

Täglich kommen sie in euer Haus und verbreiten die Lügenmärchen der Kapitalisten und ihrer Handlanger. Ständig versuchen sie euch die Angriffe der Kapitalisten gegen die Arbeiterklasse als euren Vorteil anzudrehen.

Macht es mit ihnen wie mit dem Betrüger:
SETZT DIR BÜRGERLICHE PRESSE VOR DIE TÜRE!

Holt statt dessen eine wirkliche Arbeiterzeitung ins Haus, die schonungslos alle Betrügereien der Kapitalisten und den verrat der rechten Sozialdemokraten und Kapitalistenfreunde wie Schiller, Schmidt und Brandt und die Zusammenarbeit zwischen den Bonzen in den Gewerkschaften und den Kapitalisten aufdeckt und anprangert; die konsequent die Interessen der Arbeiterklasse vertritt und ihren Kampf gegen Ausbeutung und für die Diktatur des Proletariats unterstützt; die ein wirkliches Sprachrohr der Arbeiterklasse ist.

Diese Arbeiterzeitung ist die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der KPD/ML

Die ROTE FAHNE erscheint 14-tägig zum Preis von 30 Pfg. Die neue ROTE FAHNE Nr.7 wird am Freitag vor und nach allen Schichten vor den Toren verkauft. Sie enthält folgende Artikel:

Ruhrkohle-AG - der große Betrug an den Kumpels
Steuererhöhung - Brandt fordert Opfer
zum 85. Geburtstag Ernst Thälmanns
1. Mai 1971 - gegen die Verrätereien der SPD-Regierung
und vieles mehr".
Q: Die Rutsche Nr.2,Dortmund Apr. 1971,S.8

20.04.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein (IGBE-Bereich) der KPD/ML-ZB in Dortmund in NRW berichtet (vgl. 23.4.1971):"
BELGISCHE KUMPEL STREIKEN GEGEN GEWERKSCHAFTSBOSSE

37 000 belgische Bergarbeiter sind am 20. April, an dem Tag also, als die westdeutschen IGBE-Führer den Tarifverrat beschlossen, spontan in den Streik getreten. Ihre Forderungen sind:
RENTEN FÜR ALLE KUMPEL, DIE UNTER TAGE ARBEITEN, NACH 25 JAHREN!
RENTEN FÜR ALLE KUMPEL, DIE ÜBER TAGE ARBEITEN, NACH 30 JAHREN!
GARNTIERTE MINDESTRENTE VON 10 000 FRANCS IM MONAT (700 DM)!
LOHNERHÖHUNG VON 75 FRANCS PRO TAG (5 DM)!
KEINE WEITEREN ZECHENSTILLEGUNGEN!

Bereits vor einem Jahr (vgl. Jan. 1970,d.Vf.) standen die belgischen Kumpel im Streik, um ihre Forderungen durchzusetzen. Sie kämpften damals gegen ihre eigenen Gewerkschaftsführer, die sogar Streikbrecherarbeiten organisierten und sich dabei der bewaffneten Polizei bedienten (katholische Gewerkschaften). Genauso wie die Gewerkschaftsführer damals offen den Streik der Kumpels bekämpften, versuchen sie auch diesmal, die Kampffront der streikenden Kumpel zu brechen und sie zu spalten:
So wollen sie z.B. Untertage- und Übertagearbeiter trennen, indem sie nur die Rentenforderungen der Untertagearbeiter unterstützen. Auch die belgische Regierung ist bemüht, die Kumpel zu spalten: sie wollen die Rente nach 25 Jahren zahlen, aber nur auf den Zechen, die in den nächsten Jahren stillgelegt werden. Doch durch diese Manöver von Gewerkschaften und Regierung haben sich die Bergarbeiter nicht beirren lassen; sie streiken geschlossen weiter.

BELGISCHE MARXISTEN-LENINISTEN UNTERSTÜTZEN KÄMPFENDE BERGARBEITER

Genau wie die KPD/ML in Westdeutschland als einzige Partei den konsequenten Kampf gegen das Komplott von SPD-Regierung, rechten IGBE-Führern und RAG-Bossen aufgenommen hat, werden die belgischen Kumpel in ihrem Kampf auch nur von den Marxisten/Leninisten unterstützt. Sie waren es, die den Verrat von Regierung und Gewerkschaftlern entlarvt haben. Sie sagen in ihren Flugblättern auch ganz klar: Auf diesen Streik wird nach einiger Zeit ein weiterer folgen, denn in einem kapitalistischen Staat werden die Arbeiter immer gegen Lohnraub, Arbeitshetze und Ausbeutung kämpfen müssen. Erst wenn das kapitalistische System vernichtet ist und alle Macht die Arbeiter besitzen, werden die Kumpel nicht mehr für ihre Forderungen kämpfen müssen. Deshalb fordern sie auch:

DER KAPITALISMUS MUSS WEG - ALLE MACHT DEN ARBEITERN!

Der Kampf der belgischen Kumpel geht auch gegen die arbeiterfeindlichen Stillegungspläne der EWG-Herren. Seit Jahren ist der Verlust des Arbeitsplatzes, Entlassung, vorzeitige Pensionierung mit den damit verbundenen Einkommensverlusten eine dauernde Gefahr für die Bergarbeiter: Seit 1958 sind im EWG-Bereich von 1 400 000 im Bergbau Beschäftigten fast 100 000 entlassen worden.

KARL VAN BERK FÜR ZECHENSTILLEGUNGEN IN BELGIEN

Unter dem Vorsitz von van Berk (IGBE) hat eine Kommission der Montanunion, in der Zechenherren, Regierungen und Gewerkschaftsführer aller EWG-Länder sitzen, weitere Stillegungspläne für den belgischen Bergbau beschlossen. Das droht auch den Kumpeln in der BRD. Hier wird die RAG nach Absprache mit der SPD-Regierung noch in diesem Jahr ihr Rationalisierungsprogramm veröffentlichen, nach dem 15 weitere Zechen geschlossen werden und 5 Verbundwerke entstehen sollen. Genau wie beim Streik 1970 werdne sich die RAG und der Saarbergbau auf Kohlelieferungen an die belgischen Stahlbarone einrichten. Wenn der Streik der belgischen Bergarbeiter mehrere Wochen andauert, werden sie dadurch versuchen, die Kampffront der Arbeiter zu brechen.

DESHALB MÜSSEN DIE KUMPEL IN WESTDEUTSCHLAND ENG AN DER SEITE DER BELGISCHEN KUMPEL STEHEN.

SOLIDARITÄT MIT DEN STREIKENDEN BELGISCHEN BERGARBEITERN"
Q: Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.6

21.04.1971:
Die IGBE gibt in einem 'Einheit-Telegramm' (vgl. **.*.1971, **.*.1971) den gestrigen Tarifabschluß in der Bergbautarifrunde (BETR) bekannt.
Q: Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.1;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.31,Bochum 24.4.1971,S.3

21.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der Verteilung ihres 'Extrablatt der RAG-Betriebsgruppen' (vgl. 14.4.1971) in Dortmund bei Minister Stein und Hardenberg, wo dieses mit dem Kopf der 'Rutsche' (vgl. 12.4.1971, 28.4.1971) erschien:"
BERICHT ZECHE MINISTER STEIN

Wir verteilten morgens und mittags vor Minister Stein und Hardenberg. Morgens verteilten auch IGBE-Leute ihr Einheit-Telegramm. Die Kollegen nahmen unser Flugblatt zustimmend auf und schimpften teilweise offen gegen die hinterhältige Taktik der IGBE-Führer. Am Mittag berichteten mehrere Kollegen, daß die Stimmung im Betrieb mies sei, daß der Verrat heftig diskutiert wurde, daß jedoch aus Gründen der fehlenden Organisation ein Streik unwahrscheinlich sei. Zu erwähnen ist, daß es morgens zu keinerlei Auseinandersetzungen zwischen IGBE-Betriebsräten und uns kam, sondern, daß im Gegenteil dort, wo einfache Gewerkschaftsmitglieder die 'Einheit' verteilten, diese sogar die Kollegen ermunterten, das Extrablatt der 'Rutsche' (so heißt die KPD/ML-Betriebszeitung bei Minister Stein) zu nehmen (was sich aber erübrigte, da die Kollegen sowieso interessiert waren) und teilweise sogar mitverteilten."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 31, Bochum 24.4.1971, S. 3; Die Rutsche Kampf dem Lohndiktat!, Dortmund o.J. (21.4.1971)

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26.04.1971:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund gibt die DKP, laut KPD/ML-ZB, spätestens in dieser Woche ein Extrablatt ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 8.3.1971, 21.6.1971) heraus, das uns leider noch nicht vorlag. Laut KPD/ML-ZB wird ein ebensolches Extrablatt auch auf der Zeche Hansa (vgl. 26.4.1971) und bei Hoesch (vgl. 26.4.1971) verbreitet.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.35,Bochum 8.5.1971,S.9f

26.04.1971:
Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Mai 1971) berichtet vermutlich über die heute erscheinende Nr.8 der 'RF' der KPD/ML-ZB:"
Allein bei der Zeche Minister Stein in Dortmund kauften 300 Kumpel die 'Rote Fahne', das Zentralorgan der KPD/ML."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.5,Bochum Mai 1971,Beilage,S.1

28.04.1971:
Eine Ausgabe, vermutlich die Nr. 3 der 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 21.4.1971, 27.5.1971) erscheint nach handschriftlichen Angaben heute mit 8 Seiten DIN A 4 unter der Schlagzeile "Es lebe der der rote 1. Mai". Eingeladen wird zum Filmabend am 30.4.1971 und aufgerufen zur Maidemonstration. Zum Redner der DGB-Kundgebung, Arendt, erscheint der Artikel "'Sozialer Fortschritt' – oder wie ein Arbeitsminister versucht die Arbeiterklasse einzulullen". Von der Maivorbereitung auf der Zeche wird berichtet im Artikel "DKP-Führer lehnen Bündnis ab".

Von der Bergbautarifrunde (BETR) berichtet der Artikel "Tarifverrat im Bergbau". Der Jugendteil des KJVD ruft auf: "Heraus zum roten 1. Mai".
Q: Die Rutsche Es lebe der der rote 1. Mai, Dortmund o.J. (1971)

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27.05.1971:
Die Nr. 4 der 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 28.4.1971, 9.6.1971) erscheint mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
SPD-REGIERUNG PLANT LOHNSTOP!
KAMPF GEGEN DIE NEUE LOHNORDNUNG!

Mit dem 'Einheit-Extrablatt' vom 7. Mai haben die IGBE-Führer jetzt die neue Lohnordnung (vgl. 1.4.1971,d.Vf.) offiziell herausgebracht. Jeder hat es nun schwarz auf weiß, was diese Lohnordnung bedeutet: sie bedeutet Spaltung, Mehrarbeit und für viele Kumpel sogar Lohnstop! Darum erklärt die KPD/ML:

DIESE LOHNORDNUNG MUSS VOM TISCH!

Als wir vor sechs Wochen (vgl. 7.4.1971,d.Vf.) die geheimgehaltene Lohnordnung der IGBE-Führer veröffentlichten, da wollten manche noch nicht glauben, daß die Gewerkschaftsführer einen solchen Verrat durchführen wollen. Kumpels, vergleicht unser Rutsche-Extrablatt von damals mit dem der 'Einheit' und ihr werdet feststellen, daß die Löhne auf den Pfennig genau angegeben wurden, daß die Einstufung in die Lohngruppen fast genau übereinstimmt, auch wenn die äußere Aufmachung etwas anders aussieht.

Kumpels, heute kann jeder feststellen, was für Verrätereien die SPD-Regierung mit Hilfe der IGBE-Führer durchsetzen will. Nachdem Schmidt und Co Schillers Lohndiktat mit dem 7,3% Abschluß (vgl. 20.4.1971,d.Vf.) anerkannten, sollen uns jetzt selbst die billigen 7,3% nicht sicher sein!

Im 'Einheit Telegramm' zum Tarifabschluß (vgl. 21.4.1971,d.Vf.) haben die IGBE-Führer noch getönt: 'Neuer Tarifvertrag - mehr Geld für alle!' Im Extrablatt wollen sie uns vorrechnen, daß die neue Lohnordnung jedem Kumpel seinen alten Lohn sichert und die 7,3% nicht draufkommen. Inzwischen müssen sie zugeben, daß daran nichts wahr ist. So erklärte der IGBE-Bezirksleiter Koprowski, daß längst nicht alle Kumpel mehr Geld bekommen. Für jeden 5. soll es einen Lohnstop geben. Es wird immer deutlicher, daß die neue Lohnordnung für die meisten von uns Nachteile bringt."

Es wird die Lohnordnung erläutert, auf die Zechenstillegungspläne von Sohl (vgl. 1.3.1971) eingegangen und fortgefahren:"
Mit seinen arbeiterfeindlichen Plänen steht der Thyssen-Boss nicht allein. Die SPD-Führer Brandt und Schiller haben in den letzten Wochen eine große Schau abgezogen, daß sie die 'Stabilität' wiedergewinnen wollen. Sie fordern eine 'Konsolidierungspause' bei den Löhnen. Sie wissen, daß sie den Lohnstop am besten durchsetzen können, wenn jeder Angst vor der Arbeitslosigkeit hat. Das ist einer der Gründe dafür, daß sie mit großem Getöse die Wechselkurse freigegeben haben (vgl. EWG - 8.5.1971,d.Vf.). Denn was sind die Folgen einer solchen Freigabe?

Es gibt ein kapitalistisches Land, in dem das seit einiger Zeit gehandhabt wird: Kanada.

In Kanada stiegen die Preise heute nur noch um 1,4%, aber dafür gibt es 6,6% Arbeitslose (das wären bei uns über eine Million Arbeiter) und bei den Jungarbeitern unter 25 Jahren sind sogar 10% arbeitslos in Kanada!

Das sind die Mittel, mit denen uns die SPD-Regierung einschüchtern will! Monopolherren und SPD-Regierung fordern den Lohnstop und die IGBE-Führer haben ihnen das passende Mittel in die Hand gegeben: Das ist die neue Lohnordnung!

Gegen dieses neue Komplott müssen wir uns mit allen Mitteln wehren. Wir können uns dabei nicht damit zufrieden geben, daß einzelne ein paar Mark mehr bekommen oder noch kleine Veränderungen an der Lohnordnung gemacht werden. Das bringt nichts!

Auch dürfen wir uns nicht auf Versprechungen der IGBE-Führer einlassen, der Tarifverrat sei uns ein warnendes Beispiel! Wir müssen auf unsere eigene Kraft vertrauen. Wir müssen klare Forderungen gegen das Komplott von Monopolherren, SPD-Regierung und IGBE-Führern aufstellen. Diese Forderung kann nur heißen:

GEGEN LOHNDIKTAT UND LOHNSTOP!
DIESE LOHNORDNUNG MUSS VOM TISCH!
VERTRAUEN WIR AUF UNSERE EIGENE KRAFT!"

Angekündigt wird der morgige Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) Nr.10 (vgl. 24.5.1971).

Zitiert wird aus dem Interview des IGBE-Vorsitzenden Adolf Schmidt mit dem 'Handelsblatt' (HB - vgl. 3.5.1971) und fortgefahren:"
MACHT DIE GEWERKSCHAFTEN ZU KAMPFORGANISATIONEN DER ARBEITERKLASSE

Nachdem die IGBE-Führer mit dem 7,3% Lohndiktat unsere Interessen verraten haben, wollen sie uns jetzt auch noch beleidigen, wie das oben abgedruckte Gespräch von Adolf Schmidt mit der Kapitalistenzeitung 'Handelsblatt' beweist.

Schmidt protzt in diesem Gespräch damit, daß wir alle seinen Verrat billigen und ein 'ungewöhnlich hohes Maß an Einsicht' hätten. Er ist so überheblich, daß er sogar ausruft: 'Ich kann mich IMMER auf die Solidarität MEINER Bergarbeiter verlassen.'

Jeder Kumpel weiß, daß das eine Lüge ist und daß die meisten von uns es satt haben, von Adolf Schmidt verraten und nachher dann auch noch so beleidigt zu werden; wenn er sagt 'meine Bergarbeiter', dann spricht er schon von uns wie ein mittelalterlicher Fürst von seinen Leibeigenen!

Warum sind wir denn bisher noch nicht in den Streik gegen Lohnordnung und Lohnverrat getreten? Doch nicht, weil wir die 7,3% und die neue Lohnordnung 'billigen', sondern nur, weil uns eine starke Organisation fehlt, die die Einheit der Kumpel herstellt.

IGBE ALS 'MITBESTIMMUNGSORGANISATION' NÜTZT NUR DEN ZECHENHERREN

Eigentlich ist es die Aufgabe einer Gewerkschaft, die Einheit aller Arbeiter eines Betriebes herzustellen. Die IGBE-Führer haben diese Aufgabe schon längst verraten. Warum? Adolf Schmidt gibt dazu in seinem Interview auch die Antwort: sie haben aus der Gewerkschaft schon lange eine 'Mitbestimmungsorganisation' gemacht, eine Organisation, die Pöstchen und Sessel verteilt für einige wenige Funktionäre. Denn was haben wir von der Mitbestimmung in der RAG? Das Ergebnis der Mitbestimmung ist doch nur, daß einige IGBE-Funktionäre Sessel eingenommen haben, die von den Zechenherren bezahlt werden und daß verdiente Betriebsräte … (mehr als eine Zeile unleserlich,d.Vf.) zu Direktoren befördert werden.

Und wenn sie lange genug ihre Posten innehaben, unterscheiden sie sich fast überhaupt nicht mehr von den anderen Direktoren und lassen sich, wie z.B. der Arbeitsdirektor auch von Betriebsräten nur noch mit Direktor anreden.

IGBE ALS KAMPFORGANISATION FÜR ALLE BERGARBEITER

Die KPD/ML erklärt: die Umwandlung der IGBE in eine 'Mitbestimmungsorganisation' nutzt nur den Zechenherren, die sich auf diese Weise einige frühere 'Arbeitervertreter' gekauft haben, um die Gewerkschaft zu schwächen. Aus diesem Grund lehnen wir auch die Politik der D'K'P-Führer (DKP,d.Vf.) ab, die uns einreden wollen, die Arbeiterklasse müsse heute für mehr Mitbestimmung kämpfen.

Die KPD/ML erklärt: eine Gewerkschaft darf keine 'Mitbestimmungsorganisation' für Pöstchenjäger, sondern muß eine Kampforganisation sein für alle Arbeiter. Dafür haben unsere Großväter die Gewerkschaften im Kampf gegen die Kapitalisten und ihre Staatsmacht gegründet und dazu brauchen wir sie auch heute noch. Was Marx vor hundert Jahren über die Gewerkschaften geschrieben hat, ist noch heute richtig:

'Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkt des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachmäßigen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlich Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.'

Das sind nach unserer Meinung die wichtigsten Aufgaben einer Gewerkschaft, die eine Kampforganisation der Arbeiter ist."

Aufgerufen wird zur Solidarität mit dem Streik im belgischen Bergbau (vgl. 20.4.1971).

Im letzten Artikel heißt es:"
RUTSCHE - DAMALS UND HEUTE

Diesen Beitrag schrieb für uns ein älterer Genosse, der vor dem Kriege als Mitglied der KPD und des KJVD in der damaligen Betriebsgruppe Minister Stein mitarbeitete. Auch schon damals hieß die Betriebszeitung der Minister Stein Kumpel Rutsche. Genauso wie heute deckte sie die Verrätereien und Angriffe der Zechenherren und ihrer Handlanger im Betrieb auf, zeigte sie den Kumpeln den Weg für ihren Kampf. Wie viele Genossen der alten KPD hat sich der Schreiber dieses Artikels der KPD/ML angeschlossen, weil er gemerkt hat, daß sie die einzige Organisation ist, die die Interessen der Kumpel konsequent vertritt und somit echte kommunistische Politik betreibt.

Februar 1925

Am Abend des 11. Februar 1925 heulten die Sirenen der Zeche Minister Stein auf: einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal! Dann sekundenlang Stille. Es klang ein Geräusch auf, es war das Geräusch von vielen Stimmen. Es kam aus der Luft, aus den Straßen und Gassen, ja, es schien aus den Mauern der Häuser zu kommen. Dann kamen sie, sie, die dieses Geräusch verursachten aus ihren Häusern. Sie schrien, weinten und riefen und die Angst stand allen in den Augen. Und sie alle liefen, alle in eine Richtung, in Richtung Schacht.

Sie alle wußten, was dieses Heulen der Sirenen zu bedeuten hatte. Katastrophenalarm! Und immer wieder dieser heulende Ton! Einmal, zweimal, dreimal….! Zur gleichen Zeit rückte ein Heer von Helfern an. Auf Lastwagen Männer mit schwarzen Gesichtern, direkt gekommen aus den Schächten von Kaiserstuhl, Gottessegen, aus allen Schächten an der Ruhr kamen sie, Schächten, die heute zugemauert sind und wo sich kein Förderrad mehr dreht. Krankenwagen, Samariter, Feuerwehr und auch die Polizei strömten wie ein endloser Wurm zum Schacht. Jeder Platz war angefüllt mit Menschen, Menschen, die schrien, weinten und mit Angst in den Augen. In diesem Wald von Menschen standen auch eingekeilt dreißig Jungen und Mädchen. Der Walter, der Fritz, der Hans und wie sie alle hießen. Sie waren alle durch einmal, zweimal…. aufgeschreckt aus dem Hinterzimmer eines Lokals auf dem Externberg herausgestürzt und in Richtung Schacht gelaufen. Es waren Mitglieder des KJVD, die dort ihren Gruppenabend hatten. Jetzt standen sie da und dachten wie jeder andere in der großen Menge. Nur einer nicht, es war der Walter. Kommt morgen zu mir, sagte er, denn das Hinterzimmer können wir nicht kriegen. Ich habe eine Idee und darüber muß ich mit euch reden. Am nächsten Abend waren sie alle da. Auch danach, als 136 Kumpel zu Grabe getragen wurden, verbrannt, zerrissen oder erschlagen von einer Schlagwetterexplosion. Über Hunderttausend nahmen an der Beerdigung teil. Doch es war nicht nur eine Beerdigung, es war ein Aufmarsch der Anklage, es war ein Aufmarsch des Protestes, es war ein Aufmarsch für einen Kampf, für einen Kampf für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz, für mehr Lohn, für ein menschenwürdigeres Leben. Entschlossen traten die KPD und der KJVD auf.

14 Tage nach der Katastrophe wurde die erste Rutsche verteilt. Darin wurden diejenigen genannt, die die Schuld daran trugen, am Tod von 136 Kumpels. Und auch, warum es zu dieser Katastrophe kommen mußte: keine Unschuldsbeteuerungen der Bergbaubehörden, keine scheinheiligen Beileidserweisungen von Staat und Parteien haben es bis heute vermocht, das Wissen um die Schuld am Tod von 136 Kumpels zu beseitigen. Und dazu hat die Rutsche mitgeholfen, mitgeholfen, um der Wahrheit willen. Die Rutsche erscheint je nach Bedarf, stand unter dem Kopf der Rutsche. In ihr wurden alle diejenigen, die die Bergleute und Jungbergleute ausbeuten, mißhandeln oder beschimpfen mit Namen genannt, aufgezeigt wurden die menschenunwürdigen Verhältnisse auf dem Schacht. Aber es wurde auch der Weg aufgezeigt, die Notwendigkeit des Kampfes gegen alle Ausbeuter und ihre Handlanger. Die Rutsche erschien zum letzten Mal im Jan. 1933, als bereits Hitlers Raub- und Mordbanditen auf den Straßen patrouillierten. Walter starb in dieser Zeit an Silikose, die rote Sturmfahne der KPD und des KJVD flatterte nur kurz über seinem Grab. Dann wurde sie 12 Jahre nicht mehr gesehen. Fritz und Hans wurden von den Faschisten ermordet und viele andere Kommunisten und Arbeiter starben in den KZ's und im Rombergpark.

Wir klagen und weinen nicht - aber wir machen dort weiter, wo sie aufhören
mußten.

Die Rutsche erscheint wieder wie damals je nach Bedarf und wir warnen alle, die es angeht:

es tut weh, in der Rutsche geschüttelt zu werden!

Bergleute und Jungbergleute von Minister Stein und Hardenberg!

Wir müssen mit euch sprechen, so wie Walter, Fritz und Hans mit ihren Freunden in der Not sprachen. Auch heute drohen wieder Not und Gefahr. Nicht bloß 136 von euch, sondern allen. Diesmal geht es wieder um die nackte Existenz. Lohndiktat, Lohnstop, Entlassungen, Schließung von Schachtanlagen liegen bei der RAG auf dem Tisch. Und dies wird durchgeführt von einer verräterischen SPD-Regierung mit Unterstützung der Bonzen in der IGBE. An diesem schändlichen Treiben tut sich neben den SPD-Führern vor allem der IGBE-Bonze Schmidt hervor, was er auch durch den geheimen Tarifabschluß mit den Zechenherren bewiesen hat. Die Bonzen der Gewerkschaft fürchten die Urabstimmung. Sie wollen auch keine Urabstimmung mehr, denn die Antwort auf diesen Erfolg von Schmidt und Komplizen schadet den 'rosaroten' Machthabern in Bonn. Brandt, Schiller und Co setzen alles daran, in der Krise den Kapitalisten die Profite zu sichern, um ihre Pöstchen zu erhalten. Mit lauwarmen Schmus von Reformen einerseits, in der Tat aber mit harten Maßnahmen wie Lohndiktat, dem neuen BVG, der Drohung, Streiks gegen die Lohnleitlinien für gesetzeswidrig zu erklären, wollen sie euch vom Kampf für eure Forderungen abhalten und euch knebeln für die Zeiten, in denen die Krupps, Thyssen und Abs zuerst die CDU/CSU und dann wie 1933 die Faschisten an die Macht holen.

Wir aber, die KPD/ML und der KJVD wollen mit euch sprechen, mit euch beraten, was wir tun müssen, um die Pläne unserer Ausbeuter zunichte zu machen. Nehmt mit uns Kontakt auf, gebt unseren Verteilern eure Adresse, schreibt uns! Schließt euch der KPD/ML an:

ORGANISIERT EUCH IN DER BETRIEBSGRUPPE MINISTER STEIN DER KPD/ML UND DES KJVD

Zum Schluß eines Bergarbeiters Dichtung Mahnung:
'Eines bist du nur dem Leben schuldig
Kämpfe oder such die Ruh'.
Bist du Amboß sei geduldig,
Bist du Hammer, dann schlag zu!'"
Q: Die Rutsche Nr. 4, Dortmund Mai 1971

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28.05.1971:
Vor der Zeche Minister Stein Dortmund will die KPD/ML-ZB heute ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.10 verkaufen.
Q: Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.4

02.06.1971:
Die DKP berichtet von der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund:"
STAATSTRAUERTAG

Der 2.6., es war ein Mittwoch, wurde in Nordrhein-Westfalen zum Staatstrauertag erklärt, um der Opfer des Zugunglücks von Radevormwald (vgl. 28.5.1971,d.Vf.) zu gedenken. Ob es menschliches oder technisches Versagen war, wird das Gericht klären müssen. Daß jeder Bürger dieses Landes tief erschüttert war, steht wohl außer Frage. Überall im Lande wurde den Toten von Radevormwald die nötige Reverenz erwiesen.
Umso verwunderter sind wir, daß ausgerechnet Minister Stein und Fürst Hardenberg es nicht für nötig hielten, Halbmast zu flaggen oder eine Gedenkzeit einzulegen. Ob daran der Direktorenwechsel schuld war? Oder zählt auf diesen Anlagen nur der, der produktiv tätig sein kann? Natürlich 'muß' es so sein; denn eine Gedenkminute in Akkordminuten umgerechnet ist für den Unternehmer ein großer Batzen Geld. Also läßt man die Staatstrauer sein. Wie wäre es aber bei Flick oder dergleichen oder wie war es bei Adenauer? Zählen denn diese Toten nicht? Oder sind die Verantwortlichen unserer Schachtanlage ohne jeden Skrupel? Wir verlangen, daß die Betriebsleitungen auf den nächsten Belegschaftsversammlungen dazu Stellung nehmen."
Q: Kumpel-Post Unsere Meinung: Betriebsräte mehr in die Revier!,Dortmund o.J. (1971),S.2

09.06.1971:
Ein Extra der 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 27.5.1971, Juli 1971) erscheint laut handschriftlichen Angaben heute mit 2 Seiten DIN A 4 und der Einladung zur Filmveranstaltung und Diskussion: "Was will die KPD/ML?" am 13.6.1971 im Haus Frohning Bergstr. / Evingerstr., für den 11.6.1971 wird eine Kurzkundgebung von 13 bis 15 Uhr an der Deutschen Straße angekündigt.
Q: Rutsche Öffentliche Veranstaltung…, Dortmund o. J. (1971)

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21.06.1971:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP vermutlich in dieser Woche ihre 'Kumpel-Post' (vgl. 26.4.1971, 30.7.1971) mit 4 Seiten DIN A 4 und folgendem Leitartikel heraus:"
UNSERE MEINUNG: BETRIEBSRÄTE MEHR IN DIE REVIERE!

In den letzten Wochen, insbesondere nach Bekanntwerden der neuen Lohnordnung, mehrte sich die Kritik zahlreicher Belegschaftsmitglieder an dem Verhalten einiger Betriebsratskollegen. Kritisiert wird in der Hauptsache, daß einige Betriebsräte zu wenig die Reviere befahren. Auf Fragen der Kumpel zu der neuen Lohnordnung und zu ihrer Einstufung können dann oftmals nur ungenügende Antworten gegeben werden. Bestimmt ist die Erklärung der neuen Lohnordnung auch für unseren Betriebsrat nicht einfach. Aber er hat doch viel eher und besser die Möglichkeit, sich zu informieren. Wenn diese Kollegen dann ihr Wissen in breiterem Umfang an die Belegschaft vermitteln, dann wird die Belegschaft auch die Tätigkeit des Betriebsrats richtig bewerten und nicht jenen Leuten auf den Leim gehen, die die Belegschaft spalten wollen und die Betriebsräte als Verräter bezeichnen (dies richtet sich vermutlich gegen die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB,d.Vf.). Der Betriebsrat ist auch in seinen Verhandlungen nur so stark wie die Belegschaft ihn unterstützt."

Gefordert wird:"
KEINE DIKTATUR AM ARBEITSPLATZ

Die Unfähigkeit und Anmaßung des von der Betriebsleitung 'gemachten' Meisters Eduard Grey hatte zur Folge, daß die Kündigung gegen einen griechischen Kollegen ausgesprochen wurde. Hat die Betriebsleitung bis heute noch nicht erkannt, daß dieser Mann in seiner Stellung als Meister total unfähig ist? Seine mangelhafte Organisation und Kenntnis hat zur Folge, daß die Kollegen aus der Halle 5 unzufrieden und empört sind. Der griechische Kollege Bebies, gegen den die Kündigung ausgesprochen wurde, ist Schlosser und somit nach der neuen Lohngruppierung in der Lohngruppe 8 eingestuft. Er verrichtete sämtliche seiner Schlossertätigkeit entsprechenden Arbeiten. Jedoch - dann wurde dem Kollegen eine Arbeit in der Sandstrahlerei zugewiesen. Diese Tätigkeit ist aber in der Lohngruppe 6 eingestuft. Deshalb und auf Grund seiner körperlichen Verfassung lehnte er diese Arbeit ab. Wir fragen: Ist dieses verlangen des Meisters nicht ein Beweis seiner Unfähigkeit, Arbeitsplätze richtig einzuteilen, ohne die körperliche und gesundheitliche Beschaffenheit des Arbeitnehmers zu berücksichtigen? Der griechische Kollege wurde nicht entlassen. Nur der Entschlossenheit ist es zu verdanken, daß die diktatorische Handlung des unfähigen Meisters Eduard Grey nicht durhcgeführt wurde. Man bedenke, daß diesem Mann 40 Kollegen unterstellt sind. Ist dieser 'gemachte' Meister überhaupt fähig, unseren Kollegen ein Vorgesetzter zu sein? Wann erkennt die Betriebsleitung, daß es eine Zumutung für jeden Kollegen ist, unter diesem Meister gute Arbeit zu verrichten? Oder soll Unruhe unter uns gestiftet werden? Wann kehrt ein gesundes Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Belegschaft ein?"

Neben diesem Artikel findet sich eine Zeichnung, auf der jemand durchs Telefon gefragt wird "Wie lang soll die Schraube sein?" und er darauf antwortet "So lang!", dies mit den Fingern zeigend.

Berichtet wird vom 2.6.1971 auf der Zeche (vgl. dort) und allgemein von:"
VOR 30 JAHREN .....

am 22.6.1941 überfielen faschistische Truppen die Sowjetunion (SU,d.Vf.). Die Rüstung lief auf Hochtouren, die Rüstungsspekulanten machten das große Geschäft. Dafür mußte der kleine Mann mit Hab, Gut und Blut bezahlen. Der Antikommunismus war der Bürgerschreck Nr.1, mit dem Hitler eine Welt in Brand steckte. Als das Massenmorden zu Ende war, kamen die überlebenden Deutschen aus den Trümmern und schauten befreit in den Himmel, von dem keine Bomben mehr fielen.

UND HEUTE .....

30 Jahre nach dem Überfall: Was wird getan, damit von Deutschen nie mehr ein Krieg ausgeht? Ein Anfang zur Aussöhnung ist mit den Verträgen von Moskau und Warschau gemacht. Aber diese Verträge sind solange nicht rechtskräftig, wie sie nicht vom Bundesparlament mit Mehrheit verabschiedet werden.

DIE KUMPEL-POST FORDERT:
Sofortige Annahme der Verträge ohne Vorbehalte und Vorbedingungen im Bonner Parlament! Ein solcher, längst fälliger Schritt, würde dem Frieden mehr dienen als die Tatsache, daß jetzt schon jede 5. DM des Bundeshaushalts in die Rüstungskasse fließt. Statt die Rüstungsausgaben noch in den nächsten Jahren um weitere 2 Milliarden DM zu erhöhen, wie es kürzlich Minister Schmidt vor einem NATO-Gremium in Brüssel versprach (vgl. 28.5.1971,d.Vf.), fordern wir, zusammen mit der IG-Metall (IGM,d.Vf.) den Rüstungshaushalt um 50% zu senken. Unsere Regierung sollte weiter den Vorschlag Breschnews nach BEIDERSEITIGER
Truppenverminderung in Europa (vgl. 1.5.1*71,d.Vf.) aufgreifen und verwirklichen. Auch der heute noch von den Kapitalisten sorgsam gepflegte Antikommunismus ist, wie unsere jüngste Geschichte zeigt, kein geeignetes Mittel, zum Frieden zu gelangen. Stattdessen sollten unsere Regierungsverantwortlichen die Handlungen der US-Truppen in Vietnam als das bezeichnen, was sie sind:
ALS VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT!
Angesichts der verheerenden Wirkung von atomaren Waffen fordern wir umso lauter:
FREUNDSCHAFT und VERSTÄNDIGUNG mit dem ersten und mächtigsten Land des Sozialismus in der Welt - mit der UdSSR - das ist gut für den Kumpel."

Aus den eigenen Werken wird berichtet über die:"
PARKPLATZ-MISERE

Kollegen Autofahrer von 'Fürst Hardenberg'!

Die Kumpel-Post berichtet schon einmal über die katastrophalen Zustände auf unserem Parkplatz. Es wurde gefordert:
1. Einzäunung des Parkplatzes an der Bahnstraße.
2. Der Parkplatz sollte bewacht werden.
Was ist bisher geschehen? Nichts! Die Autos werden weiterhin von spielenden Kindern verkratzt, Antennen umgeknickt, Luft aus den Reifen gelassen usw. Wenn die Betriebsleitung etwas von Einzäunung und Bewachung des Parkplatzes hört, jammert sie das Lied von der armen Ruhrkohle AG (RAG,d.Vf.): 'Kein Geld'. Sie aber haben ihre PKW unter Dach und Fach innerhalb des Werksgeländes. Ja, selbst der kleinste Angestellte darf seinen PKW im Werksgelände parken. Der kleine Arbeiter aber muß zusehen, wo er seinen PKW gesichert abstellen kann. Womit wir keineswegs sagen wollen, daß der Angestellte seine Wagen nicht mehr auf dem Zechengelände abstellen soll. Wir sind vielmher der Meinung, daß der Arbeiter genauso gut ein Recht auf gesicherten Parkplatz hat. Denn Arbeiter und Angestellte haben gleiche Rechte und Interessen! Diese Mißstände müssen schnellstens abgeschafft werden!
Die Kumpel-Post unterstützt die Forderungen der Kollegen:
1. Einzäunung des Parkplatzes.
2. Bewachung des Parkplatzes.
Weiterhin fordern wir:
3. Die Schäden an unseren Wagen sind durch die Betriebsleitung voll zu ersetzen."

Gefordert wird auch:"
VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE DER KOLLEGEN BESSER HONORIEREN

Steht der Unternehmerprofit vor der Gesundheit der Belegschaft? Unter dieser Überschrift berichteten wir in der letzten Ausgabe (lag uns bisher nicht vor, d.Vf.). 160 DM wurden den Kollegen der Panzerinnenwerkstatt für einen Verbesserungsvorschlag geboten, der der Betriebsleitung 28 000 DM einsparte. Heute können wir berichten, daß es den Kollegen der schon genannten Werkstatt gelungen ist, mit Hilfe des Betriebsrates der Z.W. (vermutlich Zentralwerkstat,d.Vf.) Hardenberg die Prämie von 160 DM auf 860 DM zu erhöhen!
Das ist ein Anfangserfolg! Wir sind jedoch der Meinung, daß das ganze Prämiensystem für Verbesserungsvorschläge neu überarbeitet werden müßte. Denn solche Fehlentscheidungen dürfen sich in Zukunft nicht wiederholen!"

In der Witzecke heißt es:"
Die Kumpels Antek und Frantek unterhalten sich:
Antek: 'Hast Du schon gehört? Die Bevölkerung von Essen bekommt in Kürze von der Stadt Essen kostenlos Schwimmgürtel geliefert!'
Frantek: 'Aber sag mal, Antek, warum denn das?'
Antek: 'Weißt Du, wenn der Wasserkopf der Ruhrkohle AG platzt, dann gibts eine große Überschwemmung!'"

Ein zweiter Witz lautet:"
Eine trauernde Witwe steht am Grabe ihres Mannes.
Frage eines Trauergastes: 'Was hat er denn gehabt?'
Antwort: '3 Mark 45 die Stunde!'"

Geworben wird für die 'UZ' und in einem letzten Artikel berichtet über:"
HEKTIK UND UNFALLGEFAHR AM ARBEITSPLATZ!

In der Arbeitswelt herrscht die Meinung, daß durch die Automation und Mechanisierung die körperliche Arbeitskraft des einzelnen weniger beansprucht wird. Aber ist dies nicht ein Trugbild? Der Arbeitsschutzexperte Dr. Hettinger der Eisen- und Stahlindustrie stellte fest, daß 30% der Arbeitnehmer ein übernormales Maß an Kalorienverschleiß haben. Dieser Kräfteaufwand ist in etwa mit dem eines Fußballspielers in einem Finale der Fußballweltmeisterschaft zu vergleichen. Ein Fußballspieler ist dieser Tortur aber nur für 1 1/2 Stunden und vielleicht nur zweimal in der Woche ausgesetzt. Der schwer arbeitende Mensch wird mit diesen Strapazen aber viele Stunden und täglich aufs neue konfrontiert, um den Profit der Monopolherren immer aufs neue zu vergrößern. Hier ist doch die Frage gestattet: Nehmen die Konzernherren den Artikel 1 des Grundgesetzes (GG,d.Vf.) nur für sich allein in Anspruch, in dem es heißt, daß alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind? Werten sie nicht den Arbeiter als Menschen 2. Klasse herab und versuchen sie ihn nicht immer aufs neue zu belasten und auszusaugen?

Hieraus läßt sich doch die logische Schlußfolgerung ziehen, daß diese Hektik wesentlich dazu beiträgt, die Unfallgefahren weiter zu erhöhen. Nach einer Feststellung von Arbeitsminister Arendt lag die Unfallquote 1969 bei 2,9 Millionen; 1970 waren es bereits über 3 Millionen! Eine erschütternde Tatsache ist weiterhin, daß Westdeutschland die Spizte der Arbeitsunfälle im kapitalistischen Westeuropa hält! Wurde diese 'Wohlstandsgesellschaft' nicht auf den Knochen der Arbeiter aufgebaut? Diese jährlich steigenden Arbeitsunfälle in den Griff zu bekommen, ist ein höchst soziales Problem! Aber welcher Kapitalist gibt freiwillig Gelder dafür her, ohne andererseits daraus wieder ein Geschäft zu machen? Also liegt doch hier die Wurzel des Übels! Unsere Frage:
Muß der Arbeiter nicht endlich selbstbewußter werden? Muß das System, in dem wir leben, nicht umstrukturiert werden, da die jetzigen Machtverhältnisse in den Händen einiger weniger, selbstherrlich regierender Großkapitalisten liegen?!
Kumpel! Werde auch Du Mitglied der DKP."
Q: Kumpel-Post Unsere Meinung: Betriebsräte mehr in die Revier!,Dortmund o.J. (1971)

22.06.1971:
Die DKP berichtet von der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund über die heute bekanntgewordenen Einstufungen:"
TROTZ LOHNERHÖHUNG WENIGER GELD ALS VORHER....

Jeder Kumpel hatte erhofft, daß ab 1.6.1971 auch für ihn die Geldbörse voller wird. Für einen Teil der Schichtlöhner trifft das zwar zu, wenn man einmal von den laufenden Preissteigerungen absieht. Bei den Gedingearbeitern, insbesondere bei den Handwerkern, sieht es jedoch anders aus. Diese Gruppe konnte in der Vergangenheit durch verschiedene Zulagen und Prämien ihren Lohn aufbessern. Aber mit der neuen Lohnordnung entfällt diese Prämie und geht höchstens noch in dem Besitzstand auf. DADURCH HABEN DIE MEISTEN DIESER HANDWERKER KEINE 7,3% MEHR LOHN ERHALTEN. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Diese Handwerker vollführten in der Vergangenheit auch Überschichten, um die notwendigen Reparaturen auszuführen. Bei den Sparmaßnahmen der RAG werden diese Überschichten jetzt abgebaut. Ergebnis: DER KUMPEL HAT TROTZ LOHNERHÖHUNG WENIGER LOHN ALS VORHER.

Die 'Kumpel-Post' erklärt hierzu:
Auch wir sind für eine kürzere Arbeitszeit, gegen Überschichten, weil wir der Meinung sind, daß der schwer arbeitende Mensch heute mehr Erholungszeit braucht. DAS DARF ABER NICHT ZU EINER MINDERUNG DES EINKOMMENS FÜHREN! Wenn den Millionären heute Millionen geschenkt werden, so muß dem Kumpel der Lohn garantiert werden. Die Forderung aus dem europäischen Bergarbeiterstatut, das auch von der IGBE anerkannt wird, ist der garantierte Jahresarbeitslohn. Diese Forderung muß auch bei uns in die Tat umgesetzt werden."
Q: Kumpel-Post Die 'goldenen siebziger' Jahre für den Bergmann ??,Dortmund Aug. 1971,S.3

30.06.1971:
Die DKP berichtet vermutlich von heute über die Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund:"
UNPLANMÄSSIGE BETRIEBSVERSAMMLUNG IN DER ZW..... (Zentralwerkstatt,d.Vf.)

Berechtigte Empörung gab es bei der vorletzten Lohnabrechnung in der Z.W. Hardenberg. Einige Kollegen stellten fest, daß sie bis zu 250 DM weniger in ihrer Lohntüte hatten. Ein neues Abrechnungsverfahren, das die Direktion der Z.W. für die Belegschaft ausgearbeitet hatte, war der Grund einer unfreiwilligen Belegschaftsversammlung. Die Abrechnungsart ist so kompliziert, daß offensichtlich selbst die, die sich dieses System ausgedacht haben, nicht damit klar kommen. Sonst müßte ja der Lohn gestimmt haben. Bei dieser Arbeitsniederlegung marschierte die Belegschaft zum Betriebsratsbüro. Dort saß der im Anfang von der Belegschaft hoffnungsvoll erwartete PS-Direktor (Personal-Direktor,d.Vf.) Fricke. Aber wie enttäuscht sah sich die Belegschaft von diesem Kollegen! In der Diskussion um das neue Abrechnungssystem verhöhnte er die Kollegen, als er ihnen vorschlug, ihre 2 m langen und 20 cm breiten Abrechnungsscheine zu Hause nachzurechnen. Oder ob es sich um höhere Lohneinstufungen für benachteiligte Kollegen handelte, immer konnte man nur sein Bedauern hören. Viele Kollegen haben bereits Antrag auf eine höhere Lohneinstufung gestellt, z.B. Dreher, Schlosser und Schweißer. Diese qualifizierten Arbeiter würden draußen in der Metallindustrie auf jeden Fall mehr verdienen, auch würde ihre Zukunft besser gesichert sein.
Kollege Fricke scheint vergessen zu haben, wie es in einem Arbeiterhaushalt aussieht. Aber haben kein dickes Bankkonto. Deshalb brauchen sie am Zahltag ihren vollen Lohn.
Erst durch den Protest der Belegschaft wurde erreicht, daß die Betriebsleitung sofort für alle Betroffenen Vorschußscheine ausschrieb, damit die Kollegen den ihnen zustehenden Lohn bekommen konnten."
Q: Kumpel-Post Die 'goldenen siebziger' Jahre für den Bergmann ??,Dortmund Aug. 1971,S.2

Juli 1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD gibt vermutlich im Juli eine Ausgabe ihrer 'Rutsche' (vgl. 9.6.1971, 2.7.1971) heraus, die uns leider noch nicht vorlag, in der sie sich aber, nach eigenen Angaben, mit den Stillegungsplänen der RAG befaßt, wobei vermutet wird, daß auch in Dortmund Stillegungen anstehen, obwohl dies in den Plänen zunächst nicht auftaucht.

Vorgelegen hat uns vermutlich aus dem Juli eine Ausgabe unter dem Titel "Zechensterben bei der RAG – Neues Komplott von Zechenherren, SPD- und IGBE-Führern". Berichtet wird auch vom Polizeieinsatz bei Minister Stein am 22.6.1971.
Q: Die Rutsche Zechensterben bei der RAG und Das Lohndiktat der SPD-Regierung,Dortmund o.J. (1971) bzw. o. J. (1971),S.1ff bzw. S.8

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02.07.1971:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. Juli 1971, 2.8.1971) erscheint laut handschriftlichen Angaben heute mit 6 Seiten DIN A 4 unter der Überschrift "Lohnordnung soll verschärftes SPD-Lohndiktat durchsetzen!".

Gewürdigt wird der 50. Gründungstag der KP Chinas, eingeladen zur Filmveranstaltung "Das Kanalsystem 'Rote Fahne'" in Bochum (vgl. 3.7.1971), berichtet über die Veranstaltung "Was will die KPD/ML?" am 9.6.1971.
Q: Rutsche Lohnordnung soll verschärftes SPD-Lohndiktat durchsetzen!, Dortmund o. J. (1971)

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30.07.1971:
Die DKP Dortmund ruft auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg mit einem zweiseitigen Extra ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 21.6.1971, 23.8.1972), welches einen für Dortmund zentralen Text enthält zur heutigen Veranstaltung in Dortmund über die Thesen der DKP auf.
Q: Kumpel-Post Extrablatt DKP kontra Großkapital für Frieden demokratischen Fortschritt und Sozialismus,Dortmund o.J. (30.7.1971)

02.08.1971:
In Dortmund gibt die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML und des KJVD vermutlich in dieser Woche ihre 'Rutsche' (vgl. Juli 1971, 23.8.1971) mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
DAS LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG: STÄNDIGER ABBAU UNSERER RECHTE - WEITERER ANGRIFF AUF DIE LAGE DER ARBEITER!

Kumpels,
die ersten Einsprüche gegen die neue Lohnordnung sind zurück, die meisten abgelehnt!

Nachdem viele Kollegen schon durch das umständliche und spalterische Einspruchsverfahren - lange Formulare ausfüllen, einzeln bei der Schlichtungsstelle antanzen - von Beschwerden gegen ihre Einstufungen absehen, bekommen nun die Kollegen, die Einspruch erhoben haben, jetzt zur Vereinfachung die Ablehnung ihrer Anträge auf vorgedruckten Formularen zugestellt.

Damit werden die Versprechungen der IGBE-Betriebsräte, wie z.B. Wenzelmann oder Dannhorst Lügen gestraft, die behauptet hatten, durch die Schlichtung könnte sich mancher Kumpel noch verbessern. Diese Manöver sollten nur vom wahren Charakter der Lohnordnung ablenken, mit der die SPD-Regierung ihr verschärftes Lohndiktat durchsetzen will.

Damit bewahrheitet sich auch das, was die RUTSCHE schon vor zwei Monaten klar sagte, daß diese Lohnordnung nicht durch Schlichtung zurückgewiesen werden kann, sondern nur durch die geschlossene Kampffront der Arbeiterklasse.

Auf dem letzten Lohnstreifen haben dann auch die meisten Kollegen zu sehen bekommen, was die Geheimverhandlungen im April für uns gebracht haben: 7,3% mehr Lohn bei wachsender Lohnsteuer und über 6% höheren Preisen - damit stehen wir uns praktisch noch schlechter als im letzten Jahr. Doch mit Hilfe der Lohnordnung soll selbst dieses Geld noch weiter gekürzt werden, wie wir es euch schon an vielen Beispielen gezeigt haben. Da die IGBE-Führer nicht wagen, bei allen gleichzeitig die Löhne zu kürzen, sollen die Kumpel gespalten und getäuscht werden. Die 4 DM, die die Gedingearbeiter jetzt bekommen, sollen sie nicht behalten. Einige Kumpels glauben noch, daß die 4 DM auch auf die neue Lohnordnung aufgeschlagen werden. Das stimmt nicht. Die neuen Gedingen sollen bei LG 9 z.B. auf der Grundlage von 49 DM aufgebaut werden!

Mit diesen Methoden sollen die billigen 7,3% auf 5-6% gedrückt werden. So wollen die IGBE-Führer uns an Schillers verschärftes Lohndiktat ketten. Was soll dieses Lohndiktat der SPD-Regierung?

DAS LOHNDIKTAT: ANGRIFF AUF UNSERE GEWERKSCHAFTLICHEN RECHTE

Das Lohndiktat bedeutet für die Arbeiterklasse mehr als nur Verzicht auf die nötige Lohnerhöhung. Das Lohndiktat bedeutet, daß die Löhne von der SPD-Regierung festgelegt werden. Schauen wir uns die Tarifverträge in diesem Jahr an: Bau-Steine-Erden (BSE-Bereich - vgl. **.*.1971,d.Vf.) 7,9%, Bergbau 7,3% (BETR der IGBE - vgl. **.*.1971,d.Vf.), Chemie (CTR der CPK - vgl. 3.7.1971,d.Vf.) unter 7%. All diese Abschlüsse entsprechen genau den Lohnleitlinien von Schiller, die jetzt noch verschärft wurden.

Die SPD-Führer wollen im Krisenjahr 1971 die Lohnkämpfe der Arbeiter verhindern, dazu erlassen sie das Lohndiktat.

Die Gewerkschaftsführer, die Handlanger der SPD-Führer, tragen das Ihrige dazu bei, indem sie die innergewerkschaftliche Demokratie immer mehr abbauen: Die IGBE-Führer kümmern sich kein bißchen darum, daß die neue Lohnordnung und das Lohndiktat von der Mehrheit der Kumpel abgelehnt wird, sie hören nur noch auf die Befehle ihrer sozialdemokratischen Minister in Bonn. Dafür sollen sie später belohnt werden, wie z.B. Leber und Arendt. Weil die Gewerkschaften, die unsere Kampforganisation sein sollen, immer mehr an die Beschlüsse der Regierung gekettet werden sollen, sagt die KPD/ML, daß das Lohndiktat der SPD-Regierung ein weiterer Schritt zur Verstaatlichung der Gewerkschaften ist, mit dem unsere Rechte im Kampf gegen die Kapitalisten Stück für Stück abgebaut werden sollen. Aber das Lohndiktat raubt uns nicht nur unsere erkämpften gewerkschaftlichen Rechte:

DIE SPD-REGIERUNG BETREIBT DIE KNEBELUNG DER ARBEITERKLASSE FÜR DIE MONOPOLE

Die SPD-Regierung treibt die Macht der westdeutschen Monopole immer weiter voran: Ausbau der Vorherrschaft in der EWG, 'friedliche' Eroberung neuer Märkte im Osten. Wie friedlich diese Politik aber ist, sagt SPD-Minister Schmidt: 'Ostpolitik ist NATO-Politik' - Ausdehnung und Eroberung um jeden Preis. Und dafür wird für Riesensummen die Bundeswehr zur Aggressionsarmee ausgerüstet. Denn für die Monopole und ihre Regierung gibt es auch dann keinen Halt, wenn die 'friedlichen' Mittel nicht mehr reichen, um andere Länder zu unterwerfen. Dazu braucht die SPD-Regierung aber 'Ruhe an der Heimatfront' (Schmidt) und das bekommen die Arbeiter zu spüren.

- Mit voller Unterstützung der SPD-Führer sind die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.) durchgesetzt worden und auf dieser Grundlage werden die Arbeiter an die Kette gelegt.
- Zwangssparen als 'Vermögensbildung' um den Arbeitern das nötige Geld für die Aufrüstungspolitik abzunehmen.
- Pläne für das noch arbeiterfeindlichere Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.).
- und Umrüsten des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.) vor allem zum Einsatz gegen streikende Arbeiter.

KAMPF DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG

Kollegen, das ist also der Hintergrund, auf dem das Lohndiktat der SPD-Regierung steht. Es ist eines der Mittel, mit dem die Knebelung der Arbeiterklasse vorangetrieben werden soll. Deshalb geht es beim Kampf gegen das Lohndiktat und gegen die Lohnordnung um mehr, als um die notwendigen Lohnerhöhungen. Der wahre Feind der Arbeiterklasse sitzt in Bonn, die Politik der SPD-Regierung ist es, die unsere Löhne drückt und uns den aggressiven Plänen der Monopole ausliefern will.

Gegen diese arbeiterfeindliche Politik müssen wir uns in einer politischen Partei zusammenschließen, die wirklich die Interessen der Arbeiterklasse auf allen Gebieten konsequent vertritt. Diese Partei ist die KPD/ML! Sie hat als einzige in den letzten Monaten an der Seite der Kumpel gestanden - bei der Lohnordnung, beim Lohndiktat und bei den Stillegungsplänen. DIE KPD/ML IST DEINE PARTEI, KUMPEL, IHR ZENTRALORGAN, DIE ROTE FAHNE (RF,.d.Vf.) IST DEINE ZEITUNG, DER DU VERTRAUEN KANNST!

Die KPD/ML ist in Dortmund die einzige Partei, die sich fest auf Betriebsgruppen stützt. Im Betrieb will sie die Arbeiterklasse vereinigen im Kampf um Lohn und Brot, im Kampf gegen Lohndiktat und Aufrüstung, für einen sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat in Westdeutschland!

Die KPD/ML ist eine junge Partei, aber sie steht fest auf der Seite der Arbeiterklasse. Das zeigt sie ganz klar im Kampf gegen das Komplott der SPD-Regierung mit den Kapitalisten und den rechten Gewerkschaftsführern. Deshalb schliessen sich auch immer mehr fortschrittliche Kollegen den Betriebsgruppen der KPD/ML an. Darum Kumpel, fordern wir dich auf:

NIMM KONTAKT AUF MIT DER KPD/ML!
ORGANISIERE DICH IN DER BETRIEBSGRUPPE MINISTER STEIN/HARDENBERG DER KPD/ML!

GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE"

Der zweite Artikel berichtet von der MTR bzw. STR:"
METALL-TARIFRUNDE 1971: DER VERRAT WIRD VORBEREITET

Was SPD-Bosse und Gewerkschaftsführer in der Bergbau- und Chemietarifrunde (BETR bzw. CTR,d.Vf.) geschafft haben, das soll sich nach ihrem Willen auch in der Metalltarifrunde im Herbst wiederholen: Das Lohndiktat der SPD-Regierung soll mit allen Mitteln durchgesetzt werden, Abschluß unter 7% - das ist das klare Ziel, das sich auch die IG-Metall-Führer zu eigen gemacht haben.
Dagegen stehen die Forderungen der Metall-Arbeiter nach 15% Lohnerhöhung. Die Metall- und Stahlarbeiter haben aus der Tarifrunde 1970 gelernt. Schon im vorigen Jahr waren ihre Forderungen mit allen Tricks und Manövern verraten worden. Aber ihre Kampfbereitschaft ist gewachsen. In mehreren Betrieben haben die Kollegen ihre Forderungen aufgestellt. Doch die Front der Kapitalisten, SPD- und Gewerkschaftsführer gegen die Arbeiter hat sich längst fest zusammengeschlossen, ihre Taktik zur Durchsetzung des Lohndiktats ist festgelegt. Die SPD-Regierung verlangt von den Arbeitern Verzicht auf Lohnforderung, um die 'Stabilität der Wirtschaft', die Profite der Unternehmer, zu erhalten. Und die IGM-Führer blaen in das selbe Horn. So IGM-Chef Brenner 'Wir werden natürlich über die im Spätsommer zu stellenden tariflichen Forderungen die Veränderung der Wirtschaftslage in Betracht ziehen.'

WIE DIE BONZEN AN DER WESTFALENHÜTTE DEN KAMPF DER KOLLEGEN VERHINDERN WOLLEN

Ein Beispiel, wie SPD- und Gewerkschaftsführer versuchen, den Kampf der Kollegen in den Betrieben zu verhindern, ist die Hoesch-Westfalenhütte in Dortmund. Der SPD-beherrschte Vertrauensleutekörper und Betriebsrat verhinderten, das auf der Vertrauensleute-Vollversammlung (vgl. 15.6.1971,d.Vf.) und der Belegschaftsversammlung (vgl. 8.7.1971,d.Vf.) die 15%-Forderung gestellt wurde. Ihre 'Ausreden' waren: die Tagesordnung sehe diesen Punkt nicht vor. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage des Betriebes seien 15% zuviel. Die Aufstellung von Forderungen sei Sache der oberen Gewerkschaftsgremien und dazu sei noch Zeit bis Ende August. Dabei wissen sie ganz genau, daß die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen in den Spitzengremien längst laufen und daß es Ende August zu spät ist, überhaupt noch Forderungen aufzustellen. Um die wachsende Unruhe der Kollegen an der Westfalenhütte aufzufangen, um das verlorengegangene Vertrauen wiederzugewinnen, hat der Vertrauensleute-Vorstand jetzt plötzlich die 15%-Forderung selbst aufgestellt (vgl. 23.7.1971,d.Vf.). Dies ist das bisher betrügerischste Manöver, das den Kampf der Kollegen verhindern soll, das verhindern soll, daß die Kollegen selbst die Führung in die Hände nehmen. Die ROTE WESTFALENWALZE, die Betriebszeitung der KPD/ML an der Westfalenhütte (vgl. 2.8.1971,d.Vf.), schreibt dazu: 'Kollegen, fallt nicht auf die 'linken' Manöver der Werskianer (Werski - Vorsitzender des VL-Körpers) in der Vertrauenskörperleitung herein! Sie sind genau wie ihr Parteifreund Pfeiffer (Pfeiffer - BR-Vorsitzender) Streiter für das Schillersche Lohndiktat. Nur noch gefährlicher, weil sie trotz allem noch eine Anhängerschaft haben und lügen und lügen, bis das erreicht ist, was Pfeiffer jetzt schon offen sagen kann: ANERKENNUNG DES LOHNDIKTATS DURCH DIE RECHTEN GEWERKSCHAFTSFÜHRER.'

UNSER KAMPF ZIEL IN DER METALLTARIFRUNDE

Die KPD/ML hat das politische Ziel des Kampfes der Metall- und Stahlarbeiter und die Aufgaben der Kommunistischen Partei in der kommenden Tarifrunde klar genannt. Im Mittelpunkt steht der Kampf gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung, die damit den schärfsten Angriff seit Kriegsende auf die Arbeiterklasse gestartet hat.

LOHNDIKTAT heißt Knebelung des wirtschaftlichen Kampfes. LOHNDIKTAT heißt ein entscheidender Schritt zur Verstaatlichung der Gewerkschaften. LOHNDIKTAT heißt 'Maßhalten' für die Arbeiter, Gelder für das Finanzkapital, Gelder für die Aufrüstung. LOHNDIKTAT heißt für die Eroberungspläne der BRD-Kapitalisten, was Arndt gefordert hat: 'Ruhe an der Heimatfront'. Auf diesen politischen Angriff muß unsere Antwort der politische Kampf gegen die SPD-Regierung und ihre Handlanger in Betrieb und Gewerkschaften sein. Um vom Lohndiktat abzulenken, haben SPD-Regierung und IGM-Führer mehrere Betrugsmanöver parat. Dazu gehören vor allem die 'Vermögensbildung', mit der die Arbeiterklasse gezwungen werden soll, zu sparen, um damit besonders die hohen Rüstungsausgaben zu finanzieren. Und dazu gehört die Steuerreform, die nichts anderes ist, als Steuererhöhung und Lohnraub. Die zentralen Losungen der KPD/ML in der Tarifrunde sind deshalb:
KAMPF DEM LOHNDIKTAT - KAMPF DEM LOHNRAUB!
GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE FRONT DER ARBEITERKLASSE!
Dieser Kampf gegen die Kapitalistenklasse und ihre Handlanger bedeutet schließlich den Kampf gegen die gesamte kapitalistische Ausbeuterordnung, gegen die Diktatur der Kapitalisten und ihres Staatsapparates. Dieser Kampf kann nur erfolgreich sein, wenn er unter der Führung der Kommunistischen Partei steht.
GEGEN DEN KAPITALISMUS - FÜR EINEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT!
STÄRKT DIE KPD/ML!"

Geworben wird für die 'RF' Nr.15 vom 2.8.1971:"
LEST ROTE FAHNE

WARUM WIRD NIXON VON MAO EINGELADEN?
Zeigt die VR China damit ihr Einverständnis mit den kriegslüsternen USA-Imperialisten? Oder ist Nixon plötzlich ein Friedensengel geworden? Will die VR China über die Köpfe der kämpfenden indochinesischen Völker hinweg mit Nixon verhandeln? Oder hält die VR China wie bisher am Grundsatz ds proletarischen Internationalismus fest: der Unterstützung der kämpfenden und sich befreienden Völker?
Darüber lest ihr in ROTE FAHNE Nr.15

Außerdem über das Neueste zur Metalltarifrunde:
ERSTE GEHEIMVERHANDLUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG. Bleicher hat erst als Ablenkungsmanöver eine Fragebogenaktion gestartet. Jetzt sitzt er schon in Geheimverhandlungen mit den Kapitalisten zusammen."

Der letzte Artikel kündigt an:"
DAS KRAFTWERK WIRD STILLGELEGT

Still und heimlich, möglichst ohne großes Aufsehen, haben jetzt auch auf Minister Stein Zechenbosse, IGBE-Vertreter und Betriebsrat eine Stillegungsmaßnahme beschlossen und gebilligt:
Bis Ende März 1972 wird das Kraftwerk der Kokerei geschlossen. Die 130 dort beschäftigten Kollegen fliegen raus und werden auf verschiedene Dortmunder Zechen umgesetzt. Bis Ende des Jahres 46 Kollegen, der Rest bis März. Nur etwa 15 Kollegen werden bleiben, um die beiden Ölkessel für die Kokerei weiter zu bedienen.
In ihrer letzten Ausgabe berichtete die RUTSCHE über die Stillegungspläne der RAG. Sie wies auch nach, daß weitere solcher Pläne für den Dortmunder Raum existieren und schrieb: 'Der Grund, warum in den offiziellen Ankündigungen kein Wort von den Zechen in Dortmund erwähnt ist, ist klar: SPD-, IGBE-Führer und Zechenbosse haben Furcht vor der Kampfstärke der Dortmunder Bergarbeiter. Der Streik der Hansa-Kumpel von 1967 (vgl. 21.10.1967,d.Vf.) gegen die Stillegungspläne von Hansa und Pluto sitzt ihnen noch in den Knochen'. Noch halten sie damit hinter dem Berg, noch hört man nur gerüchteweise von einer Schließung von Achenbach (in Lünen,d.Vf.) u.a.

Aber ein kleiner erster Schritt ist bereits getan. Mit diesem schrittweisen Vorgehen wollen IGBE-Bonzen, SPD-Führer und Betriebsrat verhindern, daß die Dortmunder Kumpels gemeinsam den Kampf dagegen aufnehmen, daß sie sich zur Wehr setzen gegen die von den Kapitalisten bezahlten 'Arbeitervertreter', die die Interessen der Kollegen verraten und ihren Kampf verhindern. Sie wollen damit erreichen, daß die Krise auf dem Rücken der Kollegen ausgetragen wird.

DIE GESCHLOSSENE FRONT DER RUHRKUMPEL

Jeder Kumpel weiß, was Stillegung bedeutet: ältere Kollegen müssen in Rente gehen, und alle anderen werden entlassen oder auf andere Zechen verteilt. Für fast alle bedeutet das: längere Anfahrtzeiten, schlechtere Arbeitsplätze, weniger Lohn und Abstufung in eine niedrigere Lohngruppe. Mehrere Kollegen des Kraftwerkes, die jetzt nach Hansa und Gneisenau kommen, erwartet z.B. eine Abstufung von Lohngruppe 9 auf 8 oder sogar auf 7. Und jeder Kumpel weiß auch, daß sein Arbeitsplatz nicht gesichert ist, daß es ganz im Belieben der Zechenbosse steht, wenn er gehen muß, genau wie jetzt bereits 25 000.

Kollegen.
Jeder Kumpel weiß, daß er von Schmidt, Wenzelmann und ihren Freunden nichts zu erwarten hat. Diese Leute verhindern unseren geschlossenen Kampf.

Kollegen, lassen wir uns nicht spalten: Bilden wir eine geschlossene Kampffront gegen das Komplott von Zechenherren, SPD- und IGBE-Führern! Folgen wir dem Beispiel der Kumpels von Hannover-Hannibal, die den Stillegungsplänen ihren Streik entgegensetzten (vgl. Bochum - **.7.1971,d.Vf.)!"
Q: Die Rutsche Das Lohndiktat der SPD-Regierung, Dortmund o.J. (1971)

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23.08.1971:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP vermutlich in dieser Woche ihre 'Kumpel-Post' für August (vgl. 30.7.1971, 25.10.1971) mit 6 Seiten DIN A 4 und folgendem Leitartikel heraus:"
DIE 'GOLDENEN SIEBZIGER JAHRE' FÜR DEN BERGMANN ??

Es war einmal ein Mann (so beginnen alle Märchen), der versprach allen Bergleuten an der Ruhr wahre Wunderdinge, wenn es erst eine Einheitsgesellschaft für den Bergbau geben würde. Dieser Mann ist seit nunmehr fast 2 Jahren (und das ist kein Märchen, sondern reale Wirklichkeit!) Bundesarbeitsminister. Ach die 'Einheitsgesellschaft' Ruhrkohle existiert seit dem 1. Januar 1970. Immerhin leben wir bereits im 2. Jahr des siebten Jahrzehnts... Die DKP erklärte bereits bei der Gründung der RAG, daß dieser kapitalistische Superkonzern in keinem Fall die Bergarbeiterprobleme lösen würde. Wie recht wir damit hatten, bewies erneut die vergangene Aufsichtsratssitzung der RAG (vgl. 30.6.1971,d.Vf.).

Hier wurde der BESCHLUSS GEFASST, BIS 1975 ZEHN SCHACHTANLAGEN ZU SCHLIESSEN und bei weiteren Schachtanlagen Zusammenlegungen und 'Aufstockungen' vorzunehmen. Jetzt wird also die Katze aus dem Sack gelassen! Zur Zeit werden von rund 110 000 Untertagearbeitern jährlich 80 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Das Ziel der RAG-Bosse ist es, im Jahre 1980 mit nur ca. 40 000 Untertagearbeitern 70 Millionen Tonnen zu fördern.

WAS SOLL BIS DAHIN MIT DEN ÜBRIGEN 70 000 BERGARBEITERN GESCHEHEN?

Man spricht zwar sehr vage von einer möglichen vorgezogenen Rente. Aber es glaubt doch wohl keiner, daß diese 'überzähligen' Kumpel alle eine vorzeitige Rente bekommen werden oder einen anderen Platz im Bergbau erhalten! Das Ziel der RAG ist es doch, weiter zu rationalisieren, mit weniger Arbeitskräften mehr Kohle zu fördern.

Das heißt: DIE LEISTUNG JE MANN UND SCHICHT SOLL AUF 8 TONNEN GEBRACHT WERDEN. ES SOLLEN DANN NUR NOCH SOLCHE ZECHEN MIT EINER TAGESFÖRDERUNG VON MINDESTENS 15 000 TONNEN WEITERARBEITEN.

Vergleichen wir diese Zahlen einmal mit der Förderung und der Leistung auf 'Minister Stein'. Die Tagesförderung liegt seit geraumer Zeit bei etwa 7 000 Tonnen mit einer Schichtleistung von rund 3,5 Tonnen.

DAS BEDEUTET nicht mehr und nicht weniger, ALS DASS AUCH 'MINISTER STEIN' NACH DIESEN PLÄNEN DICHTGEMACHT WERDEN KANN, wenn nicht genügend Profite für die RAG-Bosse erbracht werden!!

Das sind Tatsachen. Kollegen! In letzter Zeit hat man immer wieder versucht, die Belegschaft über die wahren Verhältnisse auf 'Minister Stein' zu täuschen. Man verwies darauf, daß entweder auf der neu aufzufahrenden Sohle bessere Kohlenvorräte vorhanden seien. Auch sagte man uns, daß die Förderung erst dann steigen könne, wenn genügend Arbeitskräfte von der stillzulegenden Zeche 'Germania' vorhanden wären. Beides ist bisher nicht eingetroffen. Und auf der anderen Seite wird Geld verschleudert...
BEISPIEL NR.1:
Die Aktionäre der stillgelegten Zeche 'Graf Bismarck' (in Gelsenkirchen,d.Vf.) erhielten hohe Stillegungsprämien, weil angeblich keine abbauwürdigen Kohlevorkommen vorhanden seien. Die verfüllten Schächte sollen aber jetzt wieder aufgewältigt werden, damit von der Zeche 'Nordstern' die Bismarckfelder ausgekohlt werden. Kostenpunkt: Mehrere Millionen DM!
BEISPIEL NR.2:

Die Eigentümer von 'Emscher Lippe' (in Datteln,d.Vf.) erhalten für die Einbringung in die Ruhrkohle für 20 Jahre Entschädigungen. Jetzt wurde festgestellt, daß weniger Kohle vorhanden ist als die Eigentümer angaben. Der Pütt wird jetzt geschlossen. D.h., auf der einen Seite jongliert die RAG mit angeblichen Verlustzahlen, auf der anderen Seite wird den alten Aktionären das Geld noch nachgeworfen. Diese Beispiele könnten noch beliebig ergänzt werden. Sie beweisen erneut: Das Bergbauproblem kann nicht gelöst werden, wenn nach kapitalistischer Gewinnsucht gehandelt wird. Die versprochenen goldenen siebziger Jahre können keine Wirklichkeit werden, wenn den Unternehmern alles, den Bergarbeitern aber nichts gegeben wird. Nach wie vor steht die Forderung aus der Satzung der IGBE auf der Tagesordnung: Überführung des Bergbaus in Gemeineigentum!"

Berichtet wird von den Löhnen auf der Zeche (vgl. 22.6.1971, 30.6.1971). Gefordert werden:"
LÄNGERE ERHOLUNGSPAUSEN FÜR SCHWEISSER!

Keiner, außer der Kumpel unter Tage, muß so viele Unfallschutzkleidung während der Arbeit tragen, wie der Schweißer. Die bis zum Knie reichenden Gamaschen, Lederschürze, Lederhandschuhe, Helm und dicke Jacke muß er tragen, um sich vor Gesundheitsschäden zu schützen. So ist es nicht verwunderlich, daß Schweißer bei ihrer Tätigkeit viel mehr schwitzen als andere Arbeiter im Übertagebetrieb.

Wissenschaftlich bewiesen ist es, daß ein Arbeiter bei Dauerbelastung in einer 8-Stunden-Schicht bis zu 3,5 l Schweiß verliert. Ist die Wärmeabgabe gestört, z.B. wie beim Schweißer, kann es durch Tragen von Unfallschutzkleidung bis zum Hitzschlag kommen. Und hier sollte sich auch der PS-Direktor (Personaldirektor,d.Vf.) Gedanken machen, daß die Forderungen der Schweißer nach längeren Erholungspausen in den Vorgabezeiten berücksichtigt werden."

Gefragt wird:"
VERKÜRZT DIE ARBEITSHETZE DIE LEBENSERWARTUNG DER ARBEITNEHMER?

Die 'Kumpel-Post' möchte hiermit folgendes feststellen: Durch die unermüdliche Schaffenskraft des Arbeiters konnten die Industriebarone den jetzigen Staat kapitalistischer Prägung aufbauen und dadurch riesige Gewinne erzielen! Unser heutiger Lebensstandard ist das Ergebnis eines ständigen Kampfes der organisierten Arbeiterschaft gegen das ungeheure Profitstreben des Großkapitals. Nur so ist das 'deutsche Wirtschaftswunder' zu erklären. 'Gnädig' durfte der Arbeiter teilhaben an diesem Lebensstandard. Man stellt insbesondere die Urlaubsreisen in den Vordergrund, welche immer länger und in größere Fernen gebucht werden. Bis plötzlich das Organ der IG Metall folgende
Feststellung machte:
- wachsende Krankheitsanfälligkeit und zunehmende Frühinvalidität führt zu einer kürzeren Lebenserwartung - darin drückt sich doch der erbarmungslose Verschleiß aus, dem die arbeitenden Menschen heute ausgesetzt sind. Wir müssen also früher sterben, obwohl die ärztliche Kunst seit Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Die gesundheitsstatistischen Berichte der BRD ergeben in den letzten Jahren eine ständige Abnahme der durchschnittlichen Lebenserwartung für die männliche Bevölkerung vom 30. Lebensjahr ab. Während vor 10 Jahren ein 40-jähriger Mann im Durchschnitt noch die Chance hatte, 72 Jahre und 3 Monate alt zu werden, blüht ihm jetzt nur noch der 72. Geburtstag. Die Lebenserwartung der 55 - 60-jährigen hat innerhalb von 10 Jahren um rund 9 Monate eingebüßt.

Kollegen von Minister Stein und Fürst Hardenberg!

Hier wird doch jedem kritisch denkenden Arbeiter bewußt, daß er einen sehr hohen Preis für seinen kleinen, ach so kargen 'Wohlstand' bezahlt! Vergleichen wir diesen kleinen 'Wohlstand' einmal mit dem Einkommen von Friedrich Flick, dem Superbonzen der Daimler Benz AG und Waffenhersteller (z.B. Panzer vom Typ Leopard, Bau von Geländefahrzeugen usw.). 1970 konnte dieser Großkapitalist einen Reingewinn von 454,3 Mio. DM für sich verbuchen, das sind umgerechnet 218 844 DM pro Stunde bei einer 40-Stunden-Woche!

Kollegen!

Wie erbärmlich gering ist dagegen doch unser Lohn. Aus diesen hier aufgedeckten Tatsachen ist doch zu entnehmen, daß genügend Geld vorhanden wäre zum Wohle der Allgemeinheit. Aber Superreiche wie Flick, Thyssen usw. haben nicht die geringste Absicht, von dem Kuchen, den der kleine Mann für sie gebacken hat, auch nur ein kleines Stückchen mehr abzugeben. Stattdessen stecken sie ihr aufgehortetes Geld lieber in die Rüstung und sprechen mit Hilfe der Springerpresse etwas von einem bösen Kommunismus, gegen den man ankämpfen müsse. Dafür scheut man keine Mittel. Unsere Losung:
DKP KONTRA GROSSKAPITAL

DER DENKENDE ARBEITER GEHÖRT IN EINE ARBEITERPARTEI! DESHALB WERDE MITGLIED DER DKP"

Eingeladen wird zum Sommerfest der DKP Stadtteilgruppe Eving-Brechten- Lindenhorst (vgl. 11.9.1971), aufgerufen wird nach Stukenbrock (vgl. 4.9.1971), geworben wird für die 'UZ'.

Auch den Witz des Monats wollen wir nicht verschweigen:"
'Du sag mal, Kumpel, was ist denn eigentlich soziale Partnerschaft?'
'Soziale Partnerschaft ist, wenn du nach Feierabend auf die Straßenbahn wartest und dein Chef kommt vorbei gefahren und sagt zu dir: 'Aber lieber Mann, Sie brauchen doch hier nicht auf die Straßenbahn zu warten. Ich werde mir gestatten, Sie nach Hause zu fahren.' Und dann im Auto lädt er dich in seine Villa zum Abendbrot ein. Und dann trinkst du Sekt mit ihm, ißt Kaviar und so'n Zeug und dann sagt er zu dir: 'Was wollen Sie denn jetzt nach Hause fahren! Sie können doch bei mir schlafen.' Und am nächsten Morgen läßt er dich dann von seinem Chauffeur wieder ins Werk fahren. Siehst, das ist soziale Partnerschaft.'
'Und ist dir das schon einmal passiert?'
'Mir nicht, aber meiner Schwester.'"
Q: Kumpel-Post Die 'goldenen siebziger' Jahre für den Bergmann ?? und In den Betriebsrat gehören die konsequentesten Belegschaftsmitglieder,Dortmund Aug. 1971 bzw. o.J. (1972),S.1ff bzw. S.2

23.08.1971:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 2.8.1971, 14.9.1971) erscheint vermutlich in dieser Woche mit 6 Seiten DIN A 4 unter der Überschrift "Diese Lohnordnung muß vom Tisch!". Im Artikel "Bundesgrenzschutz ins Zentrum der Klassenkämpfe" wird berichtet vom neuen BGS-Hubschrauberlandeplatz bei der Zeche Gneisenau. Von der MTR der IGM wird berichtet im Artikel "Große Tarifkommission: Durchsetzungstrupp für's SPD-Lohndiktat".
Q: Rutsche Diese Lohnordnung muß vom Tisch!, Dortmund o. J. (1971)

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September 1971:
Der KJVD der KPD/ML-ZB bei Minister Stein Dortmund (vgl. 1.9.1971) berichtet vermutlich aus dem September von der RAG-BAG Dortmund:"
Heinz Harnisch vom Vorstand der Bergbau AG Dortmund hat schon sein Sparkonzept:
'Die Übertagebelegschaft wird so weit wie möglich gesenkt!

Die älteren Kumpels sollen sich vorzeitig pensionieren lassen!

Überstunden werden ab sofort nur noch in besonderen Fällen gestattet!

Übertage werden nur noch Lehrlinge und Jungarbeiter eingestellt!'"
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.11,Bochum Nov. 1971,S.6

September 1971:
Vermutlich im September gibt die DKP-Betriebsgruppe auf der Zeche Holland in Wattenscheid eine Ausgabe ihrer 'Frische Wetter' (vgl. Aug. 1971, Apr. 1972) mit dem Leitartikel "Spalter am Werk - KPD/ML-Hetze erfreut Zechenbosse" heraus, in dem es über die KPD/ML-ZB heißt:"
'Der Betriebrat wird bestochen!' - So versuchen in einem üblen Artikel die Maoisten - die sich dreist und willkürlich den Namen KPD/ML zulegten – einen Keil zwischen den gewählten Betriebsrat und die übrige Belegschaft zu treiben. Als Zweckmittel wurde die Lohnregelung für freigestellte Betriebsräte benutzt. Berechtigter Ärger zahlreicher Kumpel wegen negativer Auswirkungen der neuen Lohnordnung sollte so gegen die Betriebsräte statt gegen die Unternehmer gelenkt werden. 'Teile und herrsche' ist nach wie vor das Prinzip der herrschenden Klasse in diesem Land. Die KPD/ML leistete einmal mehr Handlangerdienste und verteilte vor Zechen des Ruhrgebietes die gleichen Schmähschriften wie vor 'Holland'. Die Zechenbosse konnten sich die Hände reiben. Zielrichtung der Maoisten sind die Betriebsräte – getroffen würden zwangsläufig die Kumpel. Wir meinen, daß jeder Kumpel - und dazu gehören die Betriebsräte - anständig bezahlt werden muß. Ein Betriebsrat muß danach beurteilt werden, was er für die Belegschaft im Rahmen seiner Möglichkeiten gegenüber den Unternehmern für die Bergarbeiter herausholt. Die Kumpel sind nicht daran interessiert, daß ihre gewählten Vertreter niedrig bezahlt werden: sie wollen sich auf ihre Kollegen verlassen können. Wenn ein Betriebsrat sein Geld nicht wert ist, wenn er nichts taugt, kann er spätestens bei der nächsten Wahl abgewählt werden. Das ist aber einzig und allein Sache der Kumpel - auch auf 'Holland'.

Die Schreiberlinge der KPD/ML sind keine Bergarbeiter und haben noch kein Pfund Kohle losgemacht. Diese Leute haben nicht das Recht, die Abwahl von Betriebsräten zu empfehlen. In ihren Schriften entlarven sie sich selbst. So wußten sie in ihrem vorletzten Blatt nicht einmal wie der Betriebsführer auf Holland heißt. Sie degradierten kurzerhand Werksleiter Neidhart zum Betriebsführer. So kann es einem ergehen, wenn man auf dem Pütt nicht Bescheid weiß. Schamlos mißbrauchen diese 'Giftproduzenten' junge Menschen - meist Schüler - zur Verteilung ihrer Käseblätter. Diese 'Kämpfer' sind keine Kommunisten. Mit Lügen, Halbwahrheiten und Hetztiraden versuchen sie die Bergarbeiterschaft zu zersplittern. Die Kommunisten sind in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) organisiert und arbeiten in Betrieb und Gewerkschaft für die Interessen der Arbeiterklasse. Sie sind dabei stets um das Zusammenwirken von kommunistischen, sozialdemokratischen, christlichen und parteilosen Arbeitervertretern bemüht. Sie wollen die Einheit der Arbeiterklasse festigen und nicht zerstören. Die KPD/ML will spalten; sie bekämpft die Gewerkschaften, verunglimpft gewählte Arbeitervertreter und besorgt so praktisch die Geschäfte des Großkapitals."

Auf diesen Artikel antwortet die KPD/ML-ZB auf den Zechen Minister Stein und Hardenberg in Dortmund (vgl. 27.10.1971).
Q: Frische Wetter,Wattenscheid o.J. (Sept. 1971);
Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971),S.5ff

01.09.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund des KJVD der KPD/ML-ZB berichtet in ihrer 'Rutsche' (vgl. 4.10.1971), laut KJVD (vgl. Nov. 1971) von der vermutlich heute beginnenden Ausbildung der neuen Lehrlinge:"
PÜTT LOCKT MIT TOP-JOBS!
AUS DER BETRIEBSZEITUNG DES KJVD 'MINISTER STEIN'

Im 'Kampf der Arbeiterjugend' Nr.10 (KDAJ - vgl. Okt. 1971,d.Vf.) veröffentlichten wir einen Artikel, der zeigte, was hinter der Lehrlingswerbung für die Ruhrkohle AG (RAG in NRW - vgl. 1.9.1971,d.Vf.) steckt. Diesmal drucken wir einen Artikel aus einer Betriebszeitung des KJVD ab, der zeigt, wie diese Betrugsmanöver 'vor Ort' aussehen.

Die Genossen der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein in Dortmund schreiben:
'Mit Pop und Schlagzeilen wie 'Etwas für ganze Kerle, für fixe Jungs, die etwas erreichen wollen' will die Ruhrkohle AG in letzter Zeit neue Kumpels anlocken. Vom 'Superkerl' bis zum 'Schnellschalter' reicht die Skala der angebotenen 'toften Jobs'. - Doch so tofte wie es in den bunten Prospekten beschrieben steht, geht es nur am ersten Tag zu. Genau wie bei den älteren Lehrjahren verfahren die Herren Funke und Niggemann auch in diesem Jahr bei den neuen Kumpels. Da ist nicht mehr lange die Rede von Top-Jobs, da bietet sich den neuen Lehrlingen plötzlich ein ganz anderes Bild. Ein paar ältere Lehrlinge sagten uns:
'In diesem Jahr machen die es ja noch schlimmer als bei uns! Wer nicht spurt, der kann gehen. Aber meistens bieten sie einem vorher noch großzügigerweise an, als Bergjungmann auf dem Pütt bleiben und schuften zu können.'

Und genau so will es die Ruhrkohle AG auch haben. Sie lockt die Jugend mit großen Versprechungen von einer tollen Ausbildung. In Wirklichkeit aber brauchen sie gar keine so große Zahl von gut ausgebildeten Kumpels. Was sie für die Zeche haben wollen, sind junge, tatkräftige Kumpels, die eine schlechte oder gar keine Ausbildungszeit hinter sich haben und dementsprechend hinterher weniger Geld verdienen. Man will die älteren Kumpels, die durch jahrelanges Arbeiten auf der Zeche verbraucht sind, gegen junge kräftige tauschen, die dann auch noch schlecht bezahlt werden.

Das sind nämlich die Hintergründe für die 'neuen Töne' bei den Neuen in den Lehrwerkstätten.

Nur ganz wenige sollen das Ausbildungsziel erreichen. Die meisten aber sollen auf der Strecke bleiben. Wenn man ihnen dann das Angebot macht, Bergjungmann zu werden, müssen die meisten darauf eingehen, da sie woanders kaum noch eine Stelle finden....

Als die SPD-Führer die RAG gründeten, versprachen sie den unruhigen Kumpels in der letzten Krise:
'Mit der RAG wird die Karre wieder aus dem Dreck gezogen.' 'Im Ruhrkohlenbergbau wird es keine Krise mehr geben'. Heute sehen auch wir jungen Kumpels deutlich, wieviel Wahrheit daran war. ie RAG befindet sich in einer schweren Krise. Sie mußte eine Bundesanleihe von fast einer Milliarde DM aufnehmen (vgl. S6.*.197*,d.Vf.). Mit drastischen Maßnahmen will sie der Krise zu Leibe rücken. Heinz Harnisch vom Vorstand der Bergbau AG Dortmund hat schon sein Sparkonzept (vgl. Sept. 1971,d.Vf.):
'Die Übertagebelegschaft wird so weit wie möglich gesenkt!
Die älteren Kumpels sollen sich vorzeitig pensionieren lassen!
Überstunden werden ab sofort nur noch in besonderen Fällen gestattet!
Übertage werden nur noch Lehrlinge und Jungarbeiter eingestellt!'
Feierschichten und Stillegungen sind wieder im Gespräch. Die SPD-Führer zeigen nun erneut ihr arbeiterfeindliches Gesicht. Die Krise im Bergbau soll auf den Schultern der Ruhrkumpels lasten! Und auch diesmal wird gerade die arbeitende Jugend hart davon betroffen. Der Ausbildungsbetrug spricht eine deutliche Sprache. Aber Kumpels, das können sie mit uns nicht machen.

Man will die Jungen gegen die Älteren ausspielen. Wir sollen für die Zechenbarone zu billigen Arbeitskräften werden. Da ist kein Wort mehr von moderner Ausbildung im modernen Bergbau!

Kumpels, die Jugendbetriebsgruppe des KJVD bei Minister Stein und Hardenberg erklärt offen, wogegen sich der gemeinsame Kampf der älteren und jungen Kumpels richten muß:

Gegen die Verrätereien der SPD-Regierung und ihrer Handlanger, die diesen Verrat auf unserer Zeche durchsetzen wollen! Vertrauen wir mit unseren älteren kampferprobten Kumpels auf unsere eigene Kraft und verscheuchen wir alle Verräter und Spalter, die mit ihren Betrugsmanövern gegen uns ihre Pöstchen retten wollen.

Schließen wir uns zusammen in der Jugendbetriebsgruppe des KJVD, die jeden Verrat aufdeckt und uns den richtigen Weg weist.

JUNGE UND ALTE KUMPELS IN EINE KAMPFFRONT - GLÜCKAUF UND ROTFRONT!'"
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.11,Bochum Nov. 1971,S.6

14.09.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD gibt nach handschriftlichen Angaben heute eine 'Rutsche' (vgl. 23.8.1971, 27.9.1971) mit 6 Seiten DIN A4 unter der Überschrift "Kampf der Bestechungspolitik der SPD-Regierung" heraus, in der sie sich mit der Einstufung der Betriebsräte befaßt.
Vom KJVD kommt der Artikel "SPD und IGBE-Führer – Durchsetzungstrupp für den Stufenplan".
Q: Rutsche Kampf der Bestechungspolitik der SPD-Regierung, Dortmund o. J. (1971)

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20.09.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG AUF HARDENBERG
ATSCHKO, FRICKE UND CO.: WIE KATZEN UM DEN HEISSEN BREI

Lange genug haben die Belegschaftsversammlung (BV,d.Vf.) auf Minister Stein und Hardenberg auf sich warten lassen. Während die Minister-Kumpels immer noch damit hingehalten werden, daß es noch Unklarheiten mit Einstufungen gäbe, fand für die Zentralwerkstätten (ZW,d.Vf.) Hardenberg in der letzten Woche eine Versammlung statt.
Betriebsrat Atschko und PS_Direktor (Personaldirektor,d.Vf.) Fricke führten dort das große Wort. Alle Kumpels warteten darauf, was sie zu den Einstufungen und Beschwerden sagen würden.
Doch was sie zur Lohnordnung zu sagen hatten, war nichts als leere Worte. Atschko pries sie als Gewinn für die Kumpels, weil sie angeblich einheitliche Löhne für alle geschaffen habe und Gedinge-, Akkord- und Zeitlöhner unter dieselben Lohnbedingungen stelle.
Dabei weiß jeder Kollege, was die RUTSCHE schon immer gesagt hat: Die Einheit unter den Kumpels wird mit der Lohnordnung gerade verhindert, denn sie spaltet sie in viele Lohngruppen und Prämiensysteme auf.

Fricke blies in dasselbe Horn, als er von den Einstufungen und Beschwerden sprach. Das die Kumpels ganz anderer Meinung sind als ihr 'Vertreter', bewies Fricke selbst, als er berichtete, daß sich von den 180 Werkstatt-Arbeitern 119 beschwert hätten. Und von diesen Einsprüchen sind ganze 8 angenommen worden!
Die meisten davon sind bereits in der übertariflichen Schlichtung. Die Taktik des Verschleppens und Zermürbens wird immer offensichtlicher.

Kumpels, diese Tatsache beweist besser als alles andere das Betrugsmanöver mit dem Beschwerdeverfahren.
Euer Kampf gegen die Lohnordnung ist in ganz ungefährlich Bahnen gelenkt worden: er endet vor den verschlossenen Türen des Betriebsrates, der Gewerkschaftsbonzen und der Werksleitung.

ABER ATSCHKO FÜHLT SICH UNSCHULDIG

Auf der Betriebsversammlung wies er jede Verantwortung von sich und schob alle Schuld der Werksleitung zu: wenn es nach dem Betriebsrat gegangen wäre, wären 69 Einsprüche angenommen worden. Doch der Ausschuß der Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter könne über die Beschwerden nicht entscheiden. Die Entscheidung läge nur bei der Werksleitung, sie habe das letzte Wort.

Kumpel: für ihren Bestechungssold spielen die Bonzen uns Theater vor. Haben sie wirklich getan, was sie konnten? Wissen sie nicht ganz genau, daß ihre 'Empfehlungen' überhaupt keinen Einfluß haben? Wissen sie nicht ganz genau, aß ihr Ausschuß nur deshalb eingerichtet wurde, um den ganzen Schwindel zu verdecken?
Wer dieses Theater mitmacht wie die Betriebsräte, der steht nicht auf eurer Seite. Er kämpft nicht mit den Kollegen an vorderster Front, sondern verhindert den Kampf.
Und warum verlor Atschko kein Wort zu der Einstufung der Betriebsräte, wenn er zur Lohnordnung redete? - Ja, was sollte er dazu auch sagen, ohne sich selbst bloßzustellen?

DAS SIND BRENNENDE FRAGEN

Kumpel, die Betriebsversammlung auf Minister Stein steht bevor (vgl. 23.10.1971,d.Vf.). Dort müssen genau diese Fragen auf den Tisch. Dort müssen die Betriebsräte und Gewerkschaftsbonzen klare Stellung beziehen zu den Betrugsmanövern. Dort müssen sie Rede und Antwort stehen dazu, daß sie eine Schlichtungspolitik betreiben, die für die Kumpel nichts bringt, daß sie nichts tun, um die Beschwerden durchzubringen und daß sie sich mit sicheren Posten und hoher Einstufung bestechen ließen.

DIE SPD-REGIERUNG IST DER HAUPTFEIND

Atschko und seine 'Kollegen' in Betriebsrat und Gewerkschaftsführung sind keine Arbeitervertreter, sondern getreue Gefolgsleute der SPD-Regierung, deren Aufgabe sie erfüllen. Die SPD-Regierung erließ mit Hilfe der Gewerkschaftsführer das Lohndiktat und die Lohnordnung, stellte Rationalisierungsprogramme auf und beschränkt die Rechte der Arbeiter in den Gewerkschaften, um die Ruhe an der Heimatfront zu garantieren. Diese Ruhe an der Heimatfront brauchen sie, wenn ihre Kriegspläne Wirklichkeit werden sollen. Brandts Reise in die Sowjetunion (SU - vgl. **.*.1971,d.Vf.), Schillers Angriff auf den US-Dollar (vgl. **.*.1971,d.S.2) und die jüngsten NATO-Manöver sprechen eine klare Sprache. Je umfangreicher ihre Vorbereitung für eine imperialistische Politik wird, desto schärfer geht sie gegen die Arbeiterklasse vor.
Dazu hat sich die SPD-Regierung ihre Handlanger in jedem Betrieb, in jeder Gewerkschaft geschaffen, dazu nutzt sie jede kleine Gelegenheit, auch jede Betriebsversammlung aus.
Wenn also Atschko und seine Kollegen den Kampf gegen die Lohnordnung verraten, dann ist das ein politischer Angriff auf euch. Deshalb muß auch eure Antwort, Euer Kampf, ein politischer Kampf sein.

NEHMT DEN KAMPF AUF

Nicht das Parlament kann der Ort dieses Kampfes sein. Diese Gremien gehören den Kapitalisten und ihrer SPD-Regierung, dort hat kein Arbeiter etwas zu sagen. Im Betrieb wird der Kampf ausgetragen. Hier werden die Angriffe gegen die Arbeiter durchgesetzt, hier setzt die SPD-Regierung ihre Handlanger ein. Und nicht umsonst bereitet sie Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Polizei auf die gewaltsame Unterdrückung von Streiks vor. Deswegen beginnt im Betrieb der politische Kampf der Arbeiter, der Kampf gegen die SPD-Regierung und ihre Handlanger im Betrieb.

Diesen Kampf führt die KPD/ML. Sie ist die einzige Partei, die die Politik der sozialdemokratischen Verräter von Schiller bis Atschko entlarvt, die zeigt, daß sie die Feinde der Arbeiter sind, gegen die sich der Kampf richten muß. Sie ist die einzige Partei, die in ihren Betriebsgruppen verbunden mit den Kollegen den Kampf beginnt und führt.
Heute ist sie noch eine kleine Partei. Auch ihre Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg ist noch schwach. Aber je mehr Kumpels sie unterstützen und sich in ihr organisieren, desto geschlossener und stärker wird sie den Kampf führen können.

STÄRKT DIE KPD/ML
ORGANISIERT EUCH IN DER BETRIEBSGRUPPE MINISTER STEIN"
Q: Rutsche Belegschaftsversammlung auf Hardenberg,Dortmund o.J. (1971),S.1ff

27.09.1971:
Bei Minister Stein und Fürst Hardenberg Dortmund gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB und des KJVD vermutlich in dieser Woche ihre 'Rutsche' (vgl. 14.9.1971, 4.10.1971) mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald und mit einem Leitartikel zur Betriebsversammlung (BV) in der Zentralwerkstatt (ZW) von Hardenberg (vgl. 20.9.1971) heraus. Angekündigt wird der Verkauf der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 29.9.1971) und gefordert wird:"
HÄNDE WEG VON CHINA

Die Volksrepublik China steht in den letzten Tagen im Kreuzfeuer verschiedener übelster Gerüchte: 'Umsturzgefahr in China' - 'Mao Tse-tung von Tschou En-Lai entmachtet' usw. Das sind die Schlagzeilen, die um die Welt gehen, sowohl in den Zeitungen der kapitalistischen Staaten als auch in den Publikationen der Staaten des Ostblocks, die unter der Knute der neuen Zaren im Kreml, der arbeiterfeindlichen Breschnew-Clique stehen.

Die KPD/ML erklärt:
Das sind Gerüchte, die nur ein Ziel haben: das aufblühende, sozialistische China und seine hervorragende Kommunistische Partei unter Führung des Genossen Mao Tse-tung in den Schmutz zu ziehen.

TAIWAN UND KONSERVATIVE KREISE JAPANS STREUEN GERÜCHTE AUS

Untersucht man die Herkunft der Gerüchte über China, so wird die erzielte Absicht klar. Nachrichtenagenturen aus Taiwan, wo die reaktionäre Tschiang-Kaischek-Regierung ihren Einfluß angesichts der bevorstehenden Aufnahme Volkschinas in die UNO rapide schwinden sieht, oder erzkonservative Kreise Japans, die immer unverhohlener auf das an Bodenschätzen und Industrieanlagen reiche China spekulieren, waren der Ausgangspunkt der Gerüchte.

KREMLFÜHRER RÜSTEN ZUM KRIEG GEGEN CHINA

Noch wichtiger aber ist, um die Absicht der unverschämten Gerüchtemacherei und Verdrehungen zu entlarven, daß die Meldungen in Publikationen des Ostblocks, nämlich von Zeitungen aus Polen und Ungarn, in unverkenntlicher Übereinstimmung zu den obengenannten Krisen unterstützt und angeheizt werden, begleitet von einer wüsten Hetze der Kremlführer gegen China. Nimmt man dazu die Meldungen über die riesigen sowjetischen Truppenaufmärsche an der chinesischen Grenze, die allerdings wahrheitsgetreu sind, so wird der Sinn der Gerüchtemacherei ganz deutlich.

DIE LÄNGST VOM KOMMUNISMUS ABGEWICHENEN UND ZU FEINDEN DES SOWJETISCHEN VOLKES UND DER OSTEUROPÄISCHEN VÖLKER ENTARTETEN KREML-FÜHRER BEREITEN DIE WELTÖFFENTLICHKEIT VOR, EINEN WAHNSINNSPLAN IN DIE TAT UMZUSETZEN: DEN KRIEG GEGEN VOLKSCHINA.

SPD-FÜHRER BRANDT UND BRESCHNEW EINIGEN SICH ÜBER DIE AUFTEILUNG IN EUROPA

In diesem Zusammenhang erscheinen auch das Treffen von Brandt und Breschnew auf der Krim, die Berlinverhandlungen, die geplante 'Sicherheitskonferenz' der europäischen Staaten im rechten Licht: die Kreml-Führer wollen Ruhe in Europa, um den Rücken frei zu haben für einen verbrecherischen Krieg gegen China. Dabei setzen sie sich in ihren Verhandlungen mit den westdeutschen Imperialisten, vertreten durch die SPD-Regierung, über die Interessen der osteuropäischen Völker, insbesondere der DDR, verräterisch hinweg. Sie liefern diese ans Messer der eroberungslüsternen westdeutschen Imperialisten aus, die ihrerseits unter Führung der SPD-Regierung die Bundeswehr zum 'Ritt gen Osten' rüsten, die Arbeiterjugend verstärkt in die Uniform der Bundeswehr zwingen und im Inneren durch Lohndiktat und Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.) die Arbeiterklasse zu knebeln versucht.

DIE KRISE DER IMPERIALISTISCHEN STAATEN VERSCHÄRFT SICH IN DER GANZEN WELT - DIE KRIEGSGEFAHR WÄCHST

Nicht China, sondern die imperialistischen Länder, einschließlich Moskaus, sind in eine schwere Krise geraten. Die Währungskrise ist nur ein Beispiel dafür. Ein gefährliches Gerangel um die Neuaufteilung der Welt unter die Supermächte hat begonnen: die Sowjetführer wollen gen China ziehen, die westdeutschen Imperialisten unter Führung der SPD-Regierung setzen sich in Westeuropa an die Spitze, um die DDR vorerst wirtschaftlich ('friedliche Ostpolitik'), dann auch kriegerisch zu erobern. Die US-Imperialisten, die in Asien durch den heldenhaften Kampf des vietnamesischen Volkes eine Niederlage nach der anderen hinnehmen müssen, verteidigen ihre Vormachtstellung in der Welt.

All das zeigt klar: DIE KRIEGSGEFAHR IN DER WELT WÄCHST. Sie bedroht die Völker und verheizt sie für die Kriegspläne des Großkapitals.

DIE VÖLKER DER WELT SEHEN DIESEN PLÄNEN NICHT TATENLOS ZU UND SIE HABEN DIE MACHT, SIE ZU VEREITELN

Aber die Völker der Welt werden diesen kriegslüsternen Plänen nicht tatenlos zusehen. Insbesondere die Volksrepublik China, das Bollwerk des Friedens und die Vorhut des sozialistischen Lagers, wird weiterhin mutig und erfolgreich unter Führung der KPCh voranschreiten und seine konsequente Friedenspolitik fortsetzen, die unterdrückten Völker bedingungslos unterstützen. Sie wird aber auch - und das sei allen imperialistischen Blutsaugern eine deutliche Warnung - mit aller Entschlossenheit und Tapferkeit jeden militärischen Überfall zurückschlagen. Und die chinesischen Arbeiter und Bauern werden auch in diesem falle siegen, denn sie wissen, was sie verteidigen: den Sozialismus.

Auch die Völker in den osteuropäischen Staaten werden nicht ewig zusehen, wie ihre Führer den Kommunismus verraten, auch sie haben den Kampf aufgenommen. Die Arbeiteraufstände in Polen vor einigen Monaten sprechen die eindeutige Sprache des unversöhnlichen Klassenkampfes.

Für die westdeutsche Arbeiterklasse gilt es gegen die kriegerischen Pläne der SPD-Regierung, gegen die Angriffe der SPD-Führer auf die politischen Rechte und auf die Lebenslage der Arbeiterklasse - konkret gegen Lohndiktat, gegen Steuererhöhungen und Entlassungen - entschlossen den Kampf aufzunehmen. Die KPD/ML wird diesen Kämpfen den erfolgreichen Weg weisen, sowohl in den täglichen Kämpfen als auch im Kampf um den Sturz der Kapitalistenklasse zur Errichtung eines Staates, in dem die Arbeiterklasse die Macht innehat.

GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE FRONT DER ARBEITERKLASSE

GEGEN DEN KAPITALISMUS - FÜR DEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT"

Kontakt zur Betriebsgruppe ist möglich über die KPD/ML-ZB in der Brunnenstr. 51.
Q: Rutsche Belegschaftsversammlung auf Hardenberg,Dortmund o.J. (1971)

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29.09.1971:
Vor Minister Stein und Fürst Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute die 'Rote Fahne' (RF) Nr.19 der KPD/ML-ZB (vgl. 27.9.1971) verkauft werden, für die so geworben wurde:"
WAS SCHREIBT DIE NEUE ROTE FAHNE

SCHWARZE LISTEN GEGEN KRANKE KUMPEL
EIN NEUER SCHLAG DER SPD-REGIERUNG

Die ROTE FAHNE deckt eine Geheimstudie, die Schillers SPD-Stillegungskommissar Woratz im Dezember 1970 den Zechenherren vorlegte, auf.
Dazu die ROTE FAHNE:
'Die Zechenherren der Ruhrkohle-AG klagten 1970 über zu viele Fehlschichten, die die Zahl der geförderten Tonnen Kohle senkten. SPD-Woratz hatte nichts Eiligeres zu tun, als sich dieser Sache anzunehmen...
Die Zechenherren brauchen sich dabei nicht einmal die Hände schmutzig zu machen: die sozialdemokratischen 'Arbeitervertreter' besorgen das für sie. Die Oberaufsicht über die Listen und die letzte Entscheidung führt der PS-Direktor (Personaldirektor,d.Vf.)...'
Auch die Ruhrkohle-AG (RAG,d.Vf.) ist ja von den SPD- und Gewerkschaftsführern erdacht und bei den Kumpels durchgedrückt worden, womit sie den Zechenherren die Arbeit abgenommen haben.
Auch der Zeche Prosper in Bottrop erfuhr die Betriebsgruppe der KPD/ML, daß bereits schwarze Listen angelegt werden, und auch auf Minister Stein und Hardenberg wird es nicht mehr lange dauern.
Die letzte ROTE FAHNE (vgl. 13.9.1971,d.Vf.) berichtete, wie die Kollegen von MSW (Krupp) (IGM-Bereich in Essen,d.Vf.) auf ihre eigene Kraft vertrauten und unter der Führung der KPD/ML entschlossen gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung kämpften. In dieser ROTEN FAHNE könnt ihr lesen, daß auch die V-Leute der Hoesch Maschinenfabrik Deutschland hier in Dortmund einstimmig die verräterische 9%-Forderung der Tarifkommission von NRW ablehnten und weiter auf 15% beharren.
'Mit der Resolution halten die MFD-Kollegen an der selbständig aufgestellten Forderung vom Mai fest. Das ist ein erster Schritt zum selbständig geführten Kampf, zur Loslösung von den sozialdemokratischen Spaltern und Gewerkschaftsfunktionären. Der politische Kampf gegen die SPD-Regierung und ihre Handlanger wird so gefördert.'

Daß die SPD-Regierung die erstarkende Arbeiterklasse fürchtet, ist klar. Deshalb rüstet sie zur brutalen Unterdrückung und Niederhaltung von Streiks, denn ihre Parteifreunde in den Gewerkschaften haben langsam abgewirtschaftet. Unter der Überschrift:
BUNDESGRENZSCHUTZ (BGS,d.Vf.): POLIZEIARMEE FÜR DEN BÜRGERKRIEG GEGEN DIE ARBEITERKLASSE
SPD-REGIERUNG ERLIESS NEUES GESETZ - DER NAME IST NUR TARNUNG
schreibt die ROTE FAHNE:
'Der Ausbau des Bundesgrenzschutzes zur Bürgerkriegsarmee, die den Kampf der Arbeiterklasse blutig und mit der Gewalt des kapitalistischen Staatsapparates unterdrückt, gehört dazu. Daß die SPD-Führer nicht zögern werden, streikende und demonstrierende Arbeiter niederzuschießen, haben sie schon in der Weimarer Republik vorgeführt: SPD-Polizeipräsident Zörgiebel ließ 1929 in Berlin 33 Arbeiter niederschießen, die sich ihr Demonstrationsrecht am 1. Mai von den SPD-Führern nicht nehmen lassen wollten.'

Und warum müssen die SPD-Führer die Arbeiterklasse niederhalten, warum brauchen sie Ruhe an der Heimatfront? Um in Ruhe die Vorbereitungen zur Eroberung der DDR zu treffen. Darüber berichtet die ROTE FAHNE ausführlich in ihrem Hauptartikel:
KRIMREISE UNHEILVOLLER AKT
wo aufgezeigt wird, daß die SPD-Regierung jetzt auf Kosten der Arbeiterklasse entscheidende Schritte auf dem Weg zur Großmacht tut.
Lest dazu auch die Artikel:
HÄNDE WEG VON CHINA
SOWJETFÜHRER PLANEN ATIMKRIEG GEGEN VR CHINA
und den ersten Teil der dreiteiligen Serie zum Westberlin-Abkommen:
MIT DER SPALTUNG DEUTSCHLANDS VERLOREN WESTMÄCHTE JEDES RECHT AUF BESETZUNG DER WESTSEKTOREN

Natürlich kann die DDR nicht auf friedlichem Wege erobert werden. Deshalb läßt die SPD-Regierung auch das militärische Instrument nicht stumpf werden. Vom 2.-10. September übten 18 000 westdeutsche und 7 000 dänische Soldaten beim NATO-Herbstmanöver 'Brickstone' in Schleswig-Holstein den Angriff. Die ROTE FAHNE schreibt in BUNDESWEHR ÜBTE BLITZKRIEG
'Das Manöver 'Brickstone' machte klar, daß das erste Ziel Eroberung der DDR heißt. Nur im kleinen Bundesland Schleswig-Holstein kann am besten der Angriff auf die Ostseeküste und den Nordteil der DDR geübt werden. Im Manöver wurde eine Grenzlinie angenommen, die vom Plöner See über Wahlstedt nach Glashütte verlief und die genau dem Grenzverlauf der DDR nachgebildet war. Ein dänischer Major erklärte zu dieser Grenze nur: 'Der Mensch kann ja denken'...'

Außerdem lest ihr in der neuen ROTEN FAHNE:
SCHILLER GEHT ZUM DIREKTEN ANGRIFF AUF DEN US-DOLLAR ÜBER
STEUERERHÖHUNGEN FÜR DIE BONNER KRIEGSKASSEN
UNTERDRÜCKUNG DER KPD/ML WIRD VORBEREITET
IGM-GEWERKSCHAFTSTAG: MIT DEN SATZUNGSÄNDERUNGEN DIE INNERGEWERKSCHAFTLICHE DEMOKRATIE ZERSTÖRT

Und die Austrittserklärung zweier ehemaliger DKP-Genossen, die erkannt haben, daß die KPD/ML die einzige Partei ist, die kompromißlos und entschlossen für die Arbeiterklasse kämpft und in der Lage ist, den Kämpfen den richtigen Weg zu weisen - mit dem Ziel, einen sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat zu errichten.

Kollegen, am Mittwoch stehen wir morgens und mittags vor den Toren und verkaufen die ROTE FAHNE! Haltet 30 Pfg. bereit."
Q: Rutsche Belegschaftsversammlung auf Hardenberg,Dortmund o.J. (1971),S.3ff

30.09.1971:
In Oberhausen beginnt ein zweitägiger außerordentlicher Kongreß der IGBE (vgl. Apr. 1970, 24.9.1972). Die KPD/ML-ZB berichtet u.a.:"
NEUREGELUNG DER BEITRÄGE

Allein 33 von 99 Anträgen befaßten sich mit der Neuregelung der Beiträge. Ziel aller Antragsteller war die 'Öffnung' der Beiträge nach oben. ... Die IGBE-Führer propagierten nur ein Mittel gegen sinkendes Beitragsaufkommen: sie wollten die Beiträge allgemein erhöhen, so daß sie 'vom steigenden Einkommen profitieren'. ...
Bei der ersten Abstimmung über den Antrag des HV erreichte dieser trotz starker propagandistischer Vorbereitung die erforderliche 2/3 Mehrheit nicht. Die dort genannten erhöhten Sätze wollten viele Delegierte nicht akzeptieren, weil sie befürchteten, daß bei solchen Erhöhungen die Kumpels ihnen die Mitgliedsbücher hinwerfen würden. Sie wollten auf jeden Fall den Einfluß auf die Bergarbeiter behalten und ihre eigene Stellung sichern, da sich der Anteil der Finanzen einer Ortsgruppe am Gesamthaushalt nach der Zahl ihrer Mitglieder richtet. Alle anderen Anträge wurden aber ebenfalls abgelehnt, wobei sich besonders die rechten Führer und ihr treuer Anhang unter den Delegierten in die Bresche warfen, um alle Anträge, die geringere Sätze vorsahen, zu Fall zu bringen.

Der Sprecher der Antragskommission, Meyer, sagte, die 'Auswirkungen wären nicht verkraftbar', und Adolf Schmidt drohte 'wer im Protokoll festhalten will, daß er in diesem Augenblick dem Verbande nicht Kraft gegeben, sondern Kraft genommen hat, der kann diessem Antrag zustimmen!'

Der SPD-Betriebsrat Wenzelmann aus Dortmund-Eving (Gründer der SPD-Betriebsgruppe auf 'Minister Stein' ... (vgl. Apr. 1971,d.Vf.)) ergänzte, es wären 'Buhmacher' hier, die nicht zuhause das vertreten würden, was der Hauptvorstand vorgeschlagen hätte. Auf die Proteste der Delegierten hin sagte er, er spräche einigen Kollegen die Fähigkeit ab, für die Geschicke einer Organisation mit verantwortlich zu sein! Man würde, wenn man nicht dem
Antrag des HV folge, zu 'Totengräbern unserer eigenen Organisation'."

Von diesem Auftritt und seinem Eintreten für die Einsetzung der Vertrauensleute von oben berichtet auch die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund (vgl. 23.10.1971).
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.76 und 77,Bochum 6.10.1971 bzw. 9.10.1971,S.14ff bzw. S.3ff;
Rote Fahne Nr.30 und 35,Berlin 19.11.1971 bzw. 28.1.1972,S.1 bzw. S.9;
Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971),S.4;
Einheit Nr.12, 16 und 20,Bochum 15.6.1971, 15.8.1971 bzw. 15.10.1971,S.1, S.1 und S.8ff bzw. S.1

04.10.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt, nach eigenen Angaben, vermutlich in dieser Woche eine 'Rutsche' (vgl. 27.9.1971, 27.10.1971) zum IGBE-Gewerkschaftstag (vgl. 30.9.1971) heraus, die uns leider noch nicht vorlag.

Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Nov. 1971) berichtet mit Hilfe dieser Ausgabe oder einer weiteren uns nicht vorliegenden über die neuen Lehrlinge (vgl. 1.9.1971).
Q: Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971),S.2;
Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.11,Bochum Nov. 1971,S.6

23.10.1971:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund findet vermutlich diesen Samstag eine Betriebsversammlung (BV) statt, von der die Betriebsgruppe von KPD/ML-ZB und KJVD berichtet:"
Auf der BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG AM SAMSTAG wollte ein Kollege wissen, wie es um die Zukunft von Minister Stein bestellt sei bei der schlechten Lage der RAG und den gesunkenen MS-Leistungen (M********-Leistungen,d.Vf.). Die Antwort des PS-Direktors (Personaldirektors,d.Vf.): 'Um die RAG steht es schlecht, auch bei Minister Stein werden die Weichen gestellt, damit die MS-Leistung wieder hochgeht.'

Jawohl, und die Weichen werden auf Kosten der Kumpels gestellt: Rationalisierungen, verstärkte Arbeitshetze und Entlassungen.

Und was sagte Betriebsrat Dannhorst zu den schwarzen Listen, die dafür eingeführt wurden?

'Es wird von manchen Kollegen behauptet, bei uns auf Minister Stein existieren schwarze Listen. Das ist nicht wahr. Bei uns wird es doch nicht so gehandhabt wie vor dem Krieg, wo die Namen derjenigen, die oft krankfeierten, ans schwarze Brett gehängt wurden. Aber es dürfte wohl jedem klar sein, daß die Kollegen, die mehrere E- und F-Schichten (***********************,d.Vf.) gefahren haben, nicht mehr für die RAG tragbar sind und deshalb MIT ZUSTIMMUNG DER BETRIEBSRÄTE ENTLASSEN WERDEN!'

Kumpels, damit hat sich doch Dannhorst selbst entlarvt, denn welche Funktion haben schwarze Listen sonst? Außerdem hat er damit deutlich zur Funktion der Betriebsräte Stellung genommen, denn gekaufte Betriebsräte werden es nicht wagen, ihre Zustimmung zu verweigern - dann verlieren sie ja ihre Posten. Auf solche Betriebsräte wie Dannhorst, Wenzelmann und Co. können wir verzichten. Sie müssen uns eine Warnung sein für die Betriebsrätewahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) im Frühjahr.

WIR BRAUCHEN BETRIEBSRÄTE, DIE WIRKLICH UNSERE INTERESSEN VERTRETEN

Wir können nur solche Betriebsräte gebrauchen, die tatsächlich unsere Interessen vertreten. Ob sie das tun oder nicht, können wir am besten überprüfen, indem wir sie zwingen, klar Stellung zu beziehen:
Zum Lohndiktat der SPD-Regierung
Zur Lohnordnung
Zur RAG-Krise
Zur Bestechungspolitik der BR
Zu den schwarzen Listen
Dazu, daß wir unsere Vertrauensleute nicht selbst wählen dürfen, sondern daß sie uns von oben vor die Nase gesetzt werden.

Nur wer öffentlich gegen diese Maßnahmen kämpft, der vertritt die Interessen der Kumpels.

Die KPD/ML unterstützt deshalb diese Kollegen."

In einem weiteren Artikel berichtet die KPD/ML-ZB:"
BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG AUF MINISTER STEIN:
BETRIEBSRÄTE STEHEN AUF DER ANDEREN SEITE

Dannhorst und seine Freunde waren gezwungen, zu den brennenden Fragen der
Kumpels, die die RUTSCHE immer offen auf den Tisch gebracht hat, einen
Antwort zu geben.

- SIE VERTEIDIGTEN DIE LOHNORDNUNG.
Wenn hunderte von Kumpels durch sie betrogen wurden, dann sind das für Dannhorst 'Anfangsschwierigkeiten einer neuen Lohnregelung', die aber für die Kollegen insgesamt ein 'Fortschritt' sei. Wenn ein Kollege die Lohnordnung als Schlechterstellung, als spalterisch und ungerecht entlarvt, lenkt Dannhorst demagogisch auf Ausnahmefälle ab, die 15% mehr bekommen (und kann nicht ein einziges Beispiel nennen).

- SIE SAGTEN JA ZU DEN KRISENANGRIFFEN DER RAG.
Aber kein Wort zur Streichung der Überschichten, zur steigenden Arbeitshetze, zu den bevorstehenden Entlassngen älterer Kumpels.

- SIE VERTEIDIGTEN DIE BESTECHUNG DER BETRIEBSRÄTE.
Dannhorst wollte uns weismachen, daß die armen Betriebsräte für ihre Unkosten und Überstunden am Wochenende entschädigt werden müßten! Kollegen, eine dümmere 'Ausrede' fiel ihm wohl nicht ein! Welcher Betriebsrat bekommt nicht sowieso reichliche Spesen? Welcher unserer Betriebsräte hat sich schon mal überarbeitet? Und wer hat schon mal einen Betriebsrat nach Feierabend oder am Wochenende im Betrieb gesehen?

- SIE GABEN UNFREIWILLIG ZU, DASS SCHWARZE LISTEN EXISTIEREN,
wie Dannhorsts Äußerung, die wir schon erwähnten, beweist.

Betriebsrats-'Kollege' Wenzelmann, der vor seinen Freunden auf dem IGBE-Gewerkschaftstag (vgl. 30.9.1971,d.Vf.) so eifrig die Beitragserhöhungen und die Einsetzung der Vertrauensleute verteidigte, wagte es nicht, vor den Kumpels den Mund aufzutun.

Kumpels, mit solchen Leuten haben wir nichts zu tun, und sie wollen auch mit uns nichts zu tun haben, sondern nur ihre sozialdemokratischen Posten.

BEI DEN BETRIIEBSRÄTEWAHLEN FÄLLT DIE ENTSCHEIDUNG

Anfang nächsten Jahres werden die Betriebsräte neu gewählt. Wer unser Mann für die Wahl ist, der muß anders reden und handeln als Dannhorst und Co.

Die KPD/ML hat schon immer - und auch jetzt wieder zu den Betriebsrätewahlen - klare Forderungen aufgestellt, an denen ihr sehen könnt, daß sie ganz entschieden auf eurer Seite steht und den richtigen Weg weisen kann. Aber die Partei ist nichts ohne die Massen und die Massen können nichts erreichen ohne die Kommunistische Partei. was wir brauchen, sind neue Kämpfer, die die Arbeiterklasse unter den Parolen der KPD/ML führen können, die mutig für ihre Klasse und ihren Sieg kämpfen.

Wir sehen ja, von den Betriebsräten über die Gewerkschaftsführer bis hin zu den SPD-Führern ist keiner, der auf unserer Seite kämpft. Warum? Eben weil sie eine Menge zu verlieren haben, ihre Posten und ihr Geld. Nicht sie können unseren Kampf führen. das können nur unsere Kollegen sein, die selber mit uns im Streb stehen, und mit uns arbeiten, die unser Vertrauen besitzen und uns nicht verraten. Und die erkannt haben, daß die Kommunistische Partei die stärkste Kraft und der Wegweiser dieses Kampfes ist. Darum fordern wir alle Kumpels auf:

ORGANISIERT EUCH IN DER BETRIEBSGRUPPE MINISTER STEIN/HARDENBERG DER KPD/ML"
Q: Die Rutsche Belegschaftsversammlung auf Hardenberg und Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (1971) bzw. o.J. (1971),S.2 bzw. S.3ff

25.10.1971:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund gibt die DKP vermutlich diesen Montag, laut KPD/ML-ZB, ihre 'Kumpel-Post' (vgl. 23.8.1971, Dez. 1971) mit 6 Seiten DIN A 4 und einem Leitartikel gegen die KPD/ML-ZB heraus:"
BETRIEBSRÄTE - FEINDE DER ARBEITER??

Es ist bekannt, daß die Unternehmerbosse den Betriebsrat als ein notwendiges Übel hinnehmen, Ihn im übrigen aber lieber von hinten als von vorne sehen. Sie wissen nämlich, daß ein starker Betriebsrat mit Unterstützung der Belegschaft ihre arbeiterfeindlichen Pläne zunichte machen kann. Arbeiterfeindlich ist es, wenn mit Hilfe der Gedinge- und Akkordschere die Löhne beschnitten werden, wenn durch Rationalisierung und Stillegungen die Arbeitsplätze in Gefahr sind, wenn durch ein rückschrittliches Betriebsverfassungsgesetz (BVG) die Rechte der Arbeiter im Betrieb eingeschränkt werden und zur Erhöhung der Unternehmerprofite Angriffe auf die Geldbörsen der Arbeiter gestartet werden. Zur Durchsetzung dieser arbeiterfeindlichen Ziele bedienen sich die Unternehmerbosse verschiedener Methoden.

UNTERNEHMER UND RECHTSKARTELL - HAND IN HAND

Sie versuchen, die Arbeiter untereinander zu spalten und gegeneinander auszuspielen. Gleichzeitig werden immer und immer wieder die abgedroschenen Märchen von den bösen Kommunisten und dem 'notwendigen' Kampf gegen sie propagiert. Dabei fließen recht erhebliche Geldbeträge in die Taschen solcher Organisationen wie NPD, Aktion Widerstand (AW), CDU/CSU, der Landsmannschaften usw.
Diese revanchieren sich dann dafür, indem sie faschistische Ideen in der Bevölkerung aufrütteln wollen oder Schlägerkolonnen - wie Aktion Widerstand und NPD - zusammenstellen, die demokratische BÜrger überfallen und zusammenschlagen. Sie revanchieren sich auch, indem sie sich offen jeglicher Politik der Entspannung widersetzen, den Überfall auf andere Völker propagieren, um den Unternehmerbossen durch Kriegsvorbereitung und Krieg noch höhere Profite zuzuschanzen. Dabei muß die Arbeiterklasse ungeheure Opfer bringen.

DIE FEINDE DER ARBEITER SIND ZU SUCHEN BEI DEN UNTERNEHMERN UND IN DEN VON IHNEN AUSGEHALTENEN ORGANISATIONEN.

Gegen diese muß ein einheitlicher, entschlossener und beständiger Kampf geführt werden. Es ist eine alte Weisheit, daß der Arbeiter nur so viel Rechte erhält, wie er sie sich im täglichen Kampf erwirbt. Es ist darum ein Verbrechen an den Interessen der Arbeiterklasse, wenn eine bestimmte Gruppe von Menschen (die KPD/ML-ZB,d.Vf.), die dazu nicht einmal Belegschaftsmitglieder sind, wiederholt versucht, ein gemeinsames Handeln zwischen Betriebsrat und Belegschaft zu verhindern. Sie geben zwar vor, die 'uneigennützigsten Kämpfer' gegen die Unternehmer zu sein. In Wirklichkeit aber unterstützen sie die Haltung der Unternehmerbosse, indem sie einige, immerhin mit Mehrheit von der Belegschaft gewählte Betriebsräte des Verrats an den Kumpels bezichtigen. Es wäre weitaus notwendiger, den Kampf nicht gegen einige Betriebsräte, sondern gegen die Angriffe des Rechtskartells unter Führung von Franz-Josef Strauß (CSU,d.Vf.) und Rainer Barzel (CDU,d.Vf.) zu richten.

DIE KUMPELPOST ERKLÄRT:

Die Feinde der Kumpel sind nicht die Betriebsräte. Sie sind genau wie jeder Kumpel Arbeiter. Das bedeutet nicht, daß an der Arbeit der Betriebsräte keine Kritik geübt werden darf. Wer aber versucht, den gemeinsamen Kampf von Betriebsrat und Belegschaft zu untergraben, stellt sich damit selbst auf die Seite der Feinde der Kumpel."

Im nächsten Artikel heißt es:"
ZUERST STILLEGUNG VON ZECHEN - JETZT STILLEGUNG VON KOKEREIEN!


Die Ereignisse in den letzten Tagen beweisen immer mehr: Der kapitalistische Superkonzern RAG ist nicht in der Lage, das Bergbauproblem zu lösen. Nach wie vor soll der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden, damit der Staat die Bürgschaft für einen Riesenkonzern übernimmt, während die Gewinne in die Taschen der Unternehmer fließen. Nachdem der Aufsichtsrat der RAG seine Zustimmung zur Schließung von Schachtanlagen gegeben hat, wird jetzt auch die Schließung von Kokereien vorbereitet. Für die BAG Dortmund bedeutet das: DIE KOKEREI 'ACHENBACH' (in Lünen,d.V*.) WIRD DICHTGEMACHT! ÜBER DER KOKEREI 'EMSCHER-LIPPE' (in Datteln,d.Vf.) SCHWEBT EIN GROSSES FRAGEZEICHEN. DER GRUND?

Die Unternehmer sagen, die Kosten für den Weiterbetrieb seien zu hoch. Diese Anlagen seien nicht mehr rentabel. Sie wollen natürlich zugeben, daß sie selbst schuld an dieser Misere sind. Es stimmt zwar, wenn behauptet wird, daß zur Zeit wieder riesige Kokshalden vorhanden sind, die täglich größer werden. Wenn bei der BAG Dortmund rund 830 000 Tonnen Koks aufgehaldet sind, so fragt die KUMPELPOST: Was sind die wirklichen Ursachen?
Tatsache ist: Noch vor einem Jahr konnte der Bedarf der Kohlenhändler an Koks nicht befriedigt werden. Von den Kokslagerstätten wurde nicht nur Koks, sondern auch der 'Mutterboden' mit verkauft. Damals war der Koksmangel so groß, daß in Ruhrgebietsschulen und Kindergärten Unterrichtsstunden ausfallen mußten. Und heute haben wir diese großen Halden! Die Ursachen dafür bestehen

1. darin, daß der Bergbau aufgrund der abgeschlossenen Verträge mit den Stahlkonzernen verpflichtet ist, Koksvorräte anzulegen. Die Stahlindustrie ist nicht verpflichtet, bestimmte Koksmengen abzunehmen. Und das tun sie gegenwärtig auch nicht. Die Frage ist: Warum tun sie es nicht? Unsere Meinung: Die Stahlindustrie wurde im Frühjahr dieses Jahres von einem Gericht zur Zahlung höherer Kokskohlenpreise verurteilt (vgl. **.*.1971,d.Vf.). Seit diesem Zeitpunkt geht die Nachfrage nach Kohle und Koks zurück. Bei den Verbindungen der Stahlindustrie zur Bundesregierung - zahlreiche Vertreter der Konzerne sind als Staatssekretäre usw. in Regierungsstellen beschäftigt - ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Stahlindustriellen Subventionen aus dem Steuersäckel für sich beanspruchen. Deshalb also die Kokshalden!

2. darin, daß aufgrund dieses Zwangs, Koksvorräte für die Stahlkonzerne anzulegen, KEINE LANGFRISTIGEN LIEFERVERTRÄGE mit Japan und den nordischen Ländern abgeschlossen wurden. Diese Länder wollten unseren Koks einführen, doch die Unternehmerbosse sagten: 'Nein!' Das ist also die Widersinnigkeit der kapitalistischen Wirtschaft: Man schließt mögliche Handelsverträge nicht ab. Deshalb wachsen die Kokshalden, sollen Kokereien geschlossen werden. Die Benachteiligten sind die Arbeiter und Angestellten. Das muß verhindert werden!

GEMEINSAME INTERESSEN DER BERG- UND STAHLARBEITER

Die Stahl- und Metallarbeiter befinden sich zur Zeit im Lohnkampf. Die Stahlindustriellen versuchen, die Stahl- und Metallarbeiter mit Kurzarbeit, Entlassungen und mit der Drohung der Stillegung von Stahlbetrieben - wie z.B. der Hasper Hütte in Hagen - einzuschüchtern. Unsere Stahlkollegen sollen damit auf den Kampf um ihre gerechten Lohnforderungen verzichten. Ihre Gegner sind auch gleichzeitig unsere Gegner. Denn die Stahlindustriellen sind zu 61% am Aktienkapital der RAG beteiligt!

DIE PROFITE DER UNTERNEHMER SOLLEN STEIGEN!

Die Manager der Konzerne wollen nicht auf ihre Profite verzichten. Die Belastungen sollen von den Berg- und Stahlarbeitern getragen werden. Dieses Mißverhältnis wird solange bestehen bleiben, solange die kapitalistische Wirtschaft existiert. Sie kann nur überwunden werden, wenn den Managern der Konzerne die Verfügungsgewalt über die Betriebe entzogen wird.
DIE DKP UNTERSTÜTZT VOLL UND GANZ DIE FORDERUNG IN DER SATZUNG DER IG B U. E NACH NEUORDNUNG DER BERGBAU- UND ENERGIEWIRTSCHAFT MIT DEM ZIEL DER ÜBERFÜHRUNG IN GEMEINEIGENTUM."

In einem zentralen DKP-Artikel wird berichtet über "Immer mehr Opfer der Profitjagd" (vgl. **.**.1971,d.Vf.). Gefragt wird:"
HEUTE UMWELTVERSCHMUTZUNG - MORGEN ENDE DER ZIVILISATION?

Dieses heikle Thema wird für die nächste Generation lebenswichtig sein. An einigen Beispielen möchte die KUMPELPOST verdeutlichen, in welchem Grad die Umweltverschmutzung bei uns schon ihren Einzug gehalten hat:
Die täglichen Abwässer der Bayer-Werke (CPK-Bereich,d.Vf.) sind gleichzusetzen mit denen der Einwohner der Städte Frankfurt, Mainz, Koblenz, Köln und Düsseldorf. Eine Düsenmaschine läßt beim Start so viel an giftigen Abgasen hinter sich wie 6 850 anfahrende VW. Die Anwohner des Tegernsees können sich rühmen, den saubersten See der Bundesrepublik zu haben. Kein Wunder, denn hier hat die Prominenz ihre Wohnsitze. Das prominentenlose Duhnen bei Cuxhaven (in Niedersachsen,d.Vf.) an der Nordsee nimmt langsam die Gestalt einer Kloake an.

UMWELTVERSCHMUTZUNG AUCH BEI MINISTER STEIN/HARDENBERG

Getreu nach dem Motto: 'Was kümmert uns die Umwelt?', wird auch auf dem Sortierplatz für Minister Stein im Bereich der ZW (Zentralwerkstatt,d.Vf.) verfahren. Altöl von Motoren für Gabelstapler, Kräne usw. wurde bisher in einem Faß mit einem Fassungsvermögen von ca. 2 500 Litern in einer Garage gelagert. Bei einer Untersuchung einer Umweltkommission wurde dieses Faß 'vorsorglich' an einen anderen Platz beordert. Welch taktischer Zug seitens der Betriebsleitung offenbart sich hier, wenn man bedenkt, daß die Kommission nichts zu beanstanden hatte. Aber das Problem der Beseitigung des Altöls war damit noch nicht aus der Welt geschafft. Nach Aussagen von Kollegen erfolgt in letzter Zeit die Altölablagerung zwischen den Eisenbahnschienen....

STAUBBELÄSTIGUNG DURCH KOKEREI!

Durch die Kokerei Minister Stein wird viel Staub entwickelt, der eine ständige Belastung für viele Menschen bedeutet. Die Bändigung des Staubes ist eine wichtige Aufgabe im Interesse der Gesunderhaltung unserer Bevölkerung. Denn es kommt nicht von ungefähr, wenn im Lande NRW der Lungenkrebs um 50 Prozent mehr auftritt als im Bundesdurchschnitt. Lungenkrebs tritt bei uns um ein Vielfaches häufiger auf als auf dem Lande. Spätestens durch den Giftskandal in Bochum-Gerthe (vgl. 4.8.1971,d.Vf.) wurde die Feststellung der DKP bestätigt:
DIE HAUPTSCHULD AN DER UMWELTVERGIFTUNG UND -VERSCHMUTZUNG TRAGEN DIE GROSSEN KONZERNE. SIE WOLLEN IHREN PROFIT NICHT DURCH 'UNRENTABLE' ENTGIFTUNGS- UND´FILTERANLAGEN SCHMÄLERN LASSEN.

Kollegen, hier zeigt sich doch ganz deutlich, mit welch einem verbrecherischen Leichtsinn die Unternehmer die Abfallprodukte der Industrie vor unserer Haustür ausschütten und mit dem Mäntelchen der Gleichgültigkeit zudecken!
Ist es nicht unsere gemeinsame Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Konzerne zur Beseitigung ihres Schmutzes herangezogen und haftbar gemacht werden? Sofort muß vom Bundestag ein ausreichendes Umweltschutzgesetz verabschiedet werden! Die Verantwortlichen für derartige Giftskandale - wie in Bochum - sollten nicht nur wegen Verschmutzung der Umwelt, sondern wegen versuchten Mordes gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden. Unseren Kindern soll es später einmal vergönnt sein, die Natur als eine heile Welt kennenzulernen! Werden sie nicht mit Recht fragen, warum wir es zugelassen haben, daß Seen und Flüsse starben, daß sich die Landschaft in eine Müllhalde verwandelte, daß das Grundwasser verpestet und der Acker vergiftet wurde? Heute ist es noch Zeit! Warten wir nicht, bis es zu spät ist! Darum auch wegen der Umwelt: KONTRA GROSSKAPITAL".

Veröffentlicht wird auch eine:"
LESERZUSCHRIFT

EINES NOCH PARTEILOSEN AN DIE KUMPELPOST

Die Kumpelpost steht immer an der Seite der Forderungen der Kollegen. Sie haßt und ist ein Feind des Großkapitals. Sie will informieren und aufklärend wirken. Sie will über betriebliche und überbetriebliche Dinge berichten, die jeden etwas angehen. Wir wissen, daß viele Kollegen keine große Sympathie zur DKP haben. Aber bei nüchterner Überlegung müssen wir doch zugeben, daß der Weg für uns arbeitende Menschen nur zum Sozialismus führen kann. Denken wir einmal an die Giftskandale, an die oftmals enormen Miet- und Preissteigerungen - z.B. bei den Verkehrstarifen. Das Wirken von Kommunisten im Landtag oder im Dortmunder Rathaus würde für uns nur von Vorteil sein. Schonungslos würden die Kommunisten die Verantwortlichen beim Namen nennen. Die Einstellung und Gedanken vieler Kollegen mögen schon den Zielen der DKP nahekommen, aber dann müssen wir uns auch dazu bekennen. Ich selbst bin noch relativ jung und habe spät, aber nicht zu spät erkannt, daß nur der Sozialismus der einzig richtige Weg für uns sein kann. Was will denn der Kapitalismus von uns? Er will durch uns noch mehr Millionen scheffeln. Viele Kollegen sind der irrigen Auffassung, daß, wenn sie ein Auto haben und einmal im Jahr in Urlaub fahren können, sie zufrieden sein müßten. Daß das aber eine gesteuerte Sache der Großkapitalisten ist, sehen die meisten Kollegen nicht. Kollegen, es kann nicht oft genug gesagt werden, daß wir selbstbewußter werden müssen! Wir dürfen uns nicht länger von den Geldbonzen führen lassen, denn die wollen nur, daß ihr heute schon großes Bankkonto durch uns noch größer wird. Kollegen, wenn wir uns zum Sozialismus bekennen, haben wir ein Ziel vor Augen, für das es sich lohnt zu kämpfen. Kampf dem Großkapital! Bekennt Euch zum Sozialismus!"

Geworben wird für die 'UZ' der DKP und in einem zentralen Artikel wird der Vorschlag der SU für eine Weltabrüstungskonferenz (vgl. Okt. 1*71) dargestellt.
Q: Die Kumpel-Post Betriebsräte - Feinde der Arbeiter??.Dortmund o.J. (Okt. 1971);
Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971),S.7

27.10.1971:
Die DKP berichtet aus Dortmund:"
SPARMASSNAHMEN?

Am 27.Oktober 1971 wurde einer Reihe Kollegen der Zeche 'Minister Stein' auf Hardenberg vor Augen geführt, was unter 'Sparmaßnahmen' zu verstehen ist. Ein Kranfahrer, der die Aufgabe hatte, Schuttwagen zu kippen, die aus der Grube kamen, stellte mit Entrüstung folgendes fest:

Die Wagen galten nur zur Tarnung als Schuttwagen. Oben auf den Wagen lag zwar eine Schicht Schutt, aber 3/4 des Wagens war mit teils neuem, unverdorbenem Material beladen. Es befanden sich darin - am 27.10.1971 - ca. 60 Sack Zement. Aber das ist nicht alles.

Bei näherem Hinsehen stellte der Kranfahrer fest, daß noch mehr Material auf dem 'Schutthaufen' lag, unter anderem:
Eichenunterlagen neu, Panzerkette, ca. 20 m lang, Hochdruckschläuche, Bandböcke und Rollen, Rollen für Einschienenbahn, Kernschrott und eine Menge Material wie z.B. Stempel und Kappen und sonstiges, was in der Grube gebraucht wird. Nach diesen Funden stellte der Fahrer seine Arbeit ein und machte Meldung bei einem Fahrsteiger über Tage. Außerdem benachrichtigte er den Betriebsrat. Dieser konnte sich von der Richtigkeit der oben aufgeführten Tatsachen überzeugen. Dem Wunsche des Betriebsrates, die zuständige Aufsichtsperson aus der Grube zu holen, wurde Folge geleistet. Als der Fahrsteiger mit dem Vorgesetzten von über Tage am Brandhaufen (Schutthaufen) erschien, war er von der beabsichtigten Vernichtung des Materials nicht sonderlich beeindruckt. Es fielen die Worte, daß dies ein minimaler Prozentsatz sei, der ohne weiteres getragen werden könne. Außerdem würde das Material aussortiert. Nachdem 8 Alu-Stempel und ca. 10 Eisenkappen von einem Fahrer aus dem 'Schutt' sortiert waren, wurde aller Schutt und Material auf 4 oder 5 Eisenbahnwaggons verladen und auf die Kippe nach Ellinghausen gefahren. Außerdem wurde in den letzten Wochen von Kollegen beobachtet, daß mehrer Eisenbahnwaggons mit Altholz - zwischen dem sich auch ein Teil Nutzholz befand - auf dem Schutthaufen willkürlich verbrannt wurde. Dieses Holz, das von 'Minister Stein' nach Hardenberg transportiert wurde, war aber zum Zersägen als Brennholz gedacht. Das sind Beobachtungen über 'Sparmaßnahmen', die von Kollegen auf Hardenberg gemacht wurden.

DIE 'KUMPEL-POST' MEINT:
Wenn viele Kollegen von Minister Stein/Hardenberg Einsprüche gegen ihre Lohneinstufungen einlegten, lehnte man sie meistens ab. Wenn die Kollegen z.B. fordern, das Parkplatzproblem an der Bahnstraße zu lösen, sagt man ihnen: 'Es ist kein Geld da.' Diese Werte, die hier verschleudert werden, könnten besser dazu verwandt werden, die Parkplatz-Misere zu beheben."
Q: Kumpel-Post Das 'Notprogramm' der Ruhrkohle AG,Dortmund o.J. (1971),S.5

27.10.1971:
Vermutlich diesen Mittwoch erscheint eine 'Rutsche' (vgl. 4.10.1971, 10.11.1971) der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 24.5.1971, 8.11.1971) mit 7 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
NEUE KRISENANGRIFFE DER RAG
SCHWARZE LISTEN AUF MINISTER STEIN
DANNHORST UND CO. STELLEN BEI MINISTER STEIN DIE WEICHEN

NRW-Wirtschaftsminister Riemer erklärte letzte Woche (vgl. 14.10.1971,d.Vf.) vor dem Kabinett, es seien insgesamt 43 000 Bergarbeiter - also 18 000 mehr als im Gesamtanpassungsplan (vgl. **.*.1971,d.Vf.) angekündigt - bis 1975 'von Stillegungen betroffen'. Und noch in der neuesten 'Ruhrkohle' (vgl. **.**.1971,d.Vf.) kann man lesen:
'Schluß mit dem Gerede - die RAG ist zahlungsfähig, die Arbeitsplätze sind sicher!'

ANGST VOR DER KAMPFKRAFT DER RUHRKUMPEL WÄCHST

Gegen diese Aussagen von FDP-Riemer protestierten SPD- und IGBE-Führer und die RAG-Bosse, aber daß Riemer mit ihrer Zustimmung an die Öffentlichkeit getreten war und die 'Proteste' nur Tarnung sind, sieht man an folgendem: Die RAG erklärte, sie sei darauf angewiesen, 'den Anpassungsprozeß so störungsfrei wie möglich abzuwickeln' und dabei seien Riemers Äußerungen 'nicht nützlich'.

Die IGBE-Führer werfen Riemer vor: wer mit solchen 'leichtfertigen' Äußerungen an die Öffentlichkeit trete, schaffe 'Unruhe und Hektik an der Ruhr'. Damit werde das gerade erst wiedergewonne Vertrauen der Bergarbeiter und ihrer Familien verspielt (WAZ 15.10.) war der Kommentar der IGBE. Schmidt (IGBE) erklärte außerdem, 'er habe große Sorgen, wenn zu einem Zeitpunkt, da das Programm ablaufe, es bereits wieder in Frage gestellt werde. Das müsse zu einem Vertrauensverlust führen, bei dem die LEISTUNGSFÄHIGSTEN LEUTE den Bergbau verlassen würden.' (WAZ 15.10.)

Solche Lügen wie in der 'Ruhrkohle' verbreiten die SPD-Regierung, Gewerkschaftsführer und Zechenbarone, weil ihre Angst vor Kämpfen der Kumpels immer größer wird. Alle Maßnahmen waren bisher darauf gerichtet, die Kampfkraft zu zerstören.

Nachdem diese Herren in der Krise 1966/67 und 1969 zu spüren bekommen haben, daß sie mit uns rechnen müssen, schaltete sich sofort die SPD-Regierung ein.

SPD-REGIERUNG - HAUPTFEIND DER ARBEITERKLASSE

Sie war es, die uns den Betrug mit der RAG verkaufte, die das Lohndiktat erließ, die mit Hilfe IHRER Gewerkschaftsführer und IHRER bestochenen Betriebsräte die neue Lohnordnung (vgl. 1.4.1971,d.Vf.) durchdrückte. Sie war maßgeblich an der Einführung der 'schwarzen Listen' beteiligt, und sie kettet mit Hilfe der Gewerkschaftsführer unsere Gewerkschaft immer mehr an den Staatsapparat der Kapitalisten (wie ihr in der RUTSCHE zum IGBE-Gewerkschaftstag (vgl. 30.9.1971 bzw. 4.10.1971,d.Vf.) lesen konntet).

All diese Manöver hat die RUTSCHE schonungslos entlarvt und immer mehr Kumpel wissen heute, wie der Hase läuft.

Deshalb ist die SPD-Regierung gezwungen, ganz direkt in die RAG einzugreifen. Das kann sie noch - im Gegensatz zur CDU, die gar keinen Einfluß auf die Arbeiterklasse hat - weil die SPD durch tausend kleine Fäden bis hinein in die Betriebe mit den Kumpels verbunden ist.

So sagte Rohwedder, Staatssekretär von SPD-Schiller vor vier Wochen in Recklinghausen (vgl. S.29.1971,d.Vf.): 'Die Bundesregierung wird nicht zusehen, daß Dinge unverändert bleiben, die eigentlich besser sein könnten. Die Bundesregierung prüft, ob sie direkt die Lage der RAG beeinflussen wird, da der Kohlebeauftragte allein nicht ausreicht.'

Kumpels, diese Pläne bedeuten nichts anderes, als daß wir unter Staatskontrolle gestellt werden sollen! Das Lohndiktat der SPD-Regierung und die Kontrolle über die schwarzen Listen sollen jetzt noch weiter ausgedehnt werden.

AUCH IGBE-FÜHRER MACHEN ÜBERWACHUNGSVORSCHLÄGE

Gesamtbetriebsratsvorsitzender der RAG, Mross, erläuterte eine der Überwachungsmethoden zur besseren Kontrolle der Kumpels (vgl. S.2**.1971,d.Vf.):
'Z.B. haben wir einen großen Teil der Ausbilder und Meisterhauer zu Vertrauensmännern GEMACHT (!), weil wir es für notwendig erachten, daß alle Neuangelegten, Auszubildende, Neubergleute und ausländische Arbeitnehmer durch diese, wenn ich mal so sagen darf, gewerkschaftliche Mangel gehen sollen.'

Daß wir unsere Vertrauensleute nicht selber wählen dürfen, zeigt deutlich, wie die innergewerkschaftliche Demokratie weiter abgebaut wird.

SPD-REGIERUNG VERSCHAFFT ZECHENBOSSEN VORMACHTSTELLUNG IN DER EWG

Der Hauptgrund für die weiteren Entlassungen ist laut Riemer die sich verschärfende Krise und die zunehmende IMPERIALISTISCHE KONKURRENZ; die durch den Beitritt Englands (Großbritanniens,d.Vf.) zur EWG entsteht.

Die RAG muß durch und durch rationalisiert werden, denn schon im August 1970 (vgl. Aug. 1970,d.Vf.) war von der EWG-Kommission in Brüssel eine 'Untersuchung über Steinkohleversorgung und -förderung erarbeitet worden, in der festgestellt wurde: der Anteil der westdeutschen Produktion bis 1975 soll auf 75% (1969: 64,7%) gesteigert werden. Auf unsere Kosten also verhilft die SPD-Regierung den Zechenbaronen zur Vormachtstellung in der EWG.

Deshalb heißt es: weg mit den Kumpels, die nicht mehr so ranklotzen können, weil sie durch jahrelanges Schuften für die Zechenherren verbraucht sind."

Berichtet wird von der Belegschaftsversammlung (BV) auf Minister Stein (vgl. 23.10.1971), aufgerufen wird:"
UNTERSTÜTZT DIE ARBEIT DER BETRIEBSGRUPPE

Kumpels, je stärker die Betriebsgruppe von euch unterstützt wird, desto besser wird sie den Kampf führen können. Eine wirkliche Kraft gegen die Angriffe der Kapitalisten und ihrer sozialdemokratischen Handlanger kann die KPD/ML mit ihren Betriebsgruppen nur sein, wenn sie von den Kumpels selbst getragen wird.

Nicht alle sind heute schon bereit, sich fest in ihnen zu organisieren. Aber es gibt viele Möglichkeiten, die Arbeit der Betriebsgruppe kennenzulernen und zu unterstützen.
- Lest und kauft die ROTE FAHNE, gebt sie weiter.
- Nehmt teil am ROTE FAHNE-Lesekreis (RFLK,d.Vf.), in dem die Betriebsgruppe regelmäßig mit interessierten Kollegen über wichtige politische und betriebliche Fragen spricht.
- Beteiligt euch an der RUTSCHE: informiert die Betriebsgruppe über das, was im Betrieb passiert, gebt Berichte, schreibt Leserbriefe, schreibt uns kritisch, was euch nicht gefällt.
- Verteilt die RUTSCHE im Betrieb weiter und sprecht mit den Kollegen über die Artikel.

- Unterstützt die Betriebszeitung auch durch Spenden. Denn wir erhalten keine Zuwendungen von außen, sondern nur finanzielle Hilfe von Mitgliedern und sympathisierenden Kumpels.
- Diskutiert mit unseren Verteilern und Verkäufern über die RUTSCHE und die ROTE FAHNE.
- Nehmt Kontakt auf zur Betriebsgruppe: wendet euch an die Verkäufer oder an unsere Kontraktadresse DORTMUND BRUNNENSTR.51"

Der nächste Artikel stellt fest:"
DKP-FÜHRER UNTERSTÜTZEN BESTECHUNGSPOLITIK

Als die RUTSCHE vor einigen Wochen (vgl. 13.9.1971,d.Vf.) die Einstufung der Betriebsräte veröffentlichte und diese als Bestechungspolitik brandmarkte, war die Empörung der Kumpel berechtigterweise groß. Die Betriebsrätebestechung war Gesprächsthema Nr.1 und viele Kumpels unterstützten die Forderung der KPD/ML:

ZECHENDURCHSCHNITT FÜR BETRIEBSRÄTE

Die DKP-Führer, die - wie zur Lohnordnung - lange Zeit diese Bestechungspolitik verschwiegen hatten, haben in ihrer Betriebszeitung 'Frische Wetter' in Wattenscheid (heute Bochum - vgl. Sept. 1971,d.Vf.) auf der Zeche Holland Stellung bezogen.

'Der Betriebrat wird bestochen! - So versuchen die Maoisten - die sich dreist und willkürlich den Namen KPD/ML anlegten - einen Keil zwischen den gewählten Betriebsrat und die übrige Belegschaft zu treiben. Als Zweckmittel wurde die Lohnregelung für freigestellte Betriebsräte benutzt... Die Zechenbosse konnten sich die Hände reiben. Zielrichtung sind die Betriebsräte ? getroffen würden zwangsläufig die Kumpel.

Wir meinen, daß jeder Kumpel - und dazu gehören die Betriebsräte ? anständig bezahlt werden muß. Ein Betriebsrat muß danach beurteilt werden, was er im Rahmen seiner Möglichkeiten gegenüber den Unternehmern für die Bergarbeiter herausholt. Die Kumpel sind nicht daran interessiert, daß ihre gewählten Vertreter niedrig bezahlt werden: sie wollen sich auf ihre Kollegen verlassen können.'

Soweit die DKP-Führer.

Schauen wir uns ihre Stellungnahme genau an, so wird klar, wie sehr die DKP-Führer die Angriffe der SPD- und IGBE-Führer auf die Kumpel decken und unterstützen, wie sehr sie die Interessen der Arbeiterklasse und die Sache des Kommunismus verraten.

POLIZEIEINSATZ GEGEN KPD/ML

Wenn die KPD/ML den Zechenbossen wirklich in die Hände spielt, wenn diese sich tatsächlich so sehr die Hände reiben, warum haben sie es dann nötig, immer häufiger hier vor Minister Stein und Hardenberg das Verteilen der RUTSCHE und den ROTE FAHNE-Verkauf durch herbeigerufene Polizei unterbinden zu wollen?

Die Betriebsräte sind es, die den Zechenbossen in die Hände arbeiten. Das beste Beispiel für das eng vertraute Zusammenspiel sind die Einstufungen, die die Betriebsräte hinter verschlossenen Türen vornahmen, genauso wie Zechenherren und IGBE-Führer heimlich Lohndiktat und Lohnordnung aushandelten.

Die KPD/ML war die einzige Partei, die dieses Komplott enthüllte.

BETRIEBSRÄTE VERHINDERN EINHEITLICHE KAMPFFRONT

Ähnlich verhält es sich mit dem Vorwurf der Spaltung.

Kumpels, wer spaltet denn hier?

Als die Einstufungen zur Lohnordnung heraus waren, da erklÄrten uns die freigestellten Betriebsräte: ihr könnt ja Einspruch einlegen! Dadurch, daß sie die Kumpels einzeln antanzen ließen, wollten sie ein einheitliches Handeln verhindern.

Die Quittung dafür ist bekannt: fast alle Einsprüche wurden zurückgewiesen, auf der Zeche Waltrop sollten sogar 64 Kumpels entlassen werden (vgl. S6.**.1971,d.Vf.). Sie hatten sich geweigert, nach Ablehnung ihres Einspruches gemäß ihrer Einstufung wieder zu arbeiten. Die KPD/ML hat von Anfang an dieses schmutzige Spiel der Zechenherren und IGBE-Führer entlarvt und an der korrekten Forderung festgehalten:
DIESE LOHNORDNUNG MUSS VOM TISCH

Was taten die DKP-Führer? Sie unterstützten voll die sozialdemokratischen Tricks und lobten in ihrer UZ (vgl. S6.**.1971,d.Vf.) die Einsprüche als gutes Kampfmittel.

DKP-FÜHRER - POSTENJÄGER

Und nun die größte Lüge der DKP-Führer. Sie schreiben:

'Die Kumpels sind nicht daran interessiert, daß ihre gewählten Vertreter niedrig bezahlt werden: sie wollen sich auf ihre Kollegen verlassen können.'

Kumpels, kann ich mich noch auf einen Betriebsrat verlassen, der monatlich 1 800 - 2 000 DM von den Zechenherren geschmiert bekommt?

Nach der Logik der DKP-Führer müßten PS-Direktoren (Personaldirektoren,d.Vf.) wie Fricke und Kelbasser unsere besten Vertreter sein, denn sie bekommen am meisten Geld.

Nein, Betriebsräte sollen nicht mehr und nicht weniger bekommen als jeder normale Kumpel auch.

Die Führer der DKP zeigen mit ihren Verdrehungen und Lügen, daß sie die Verratspolitik der IGBE-Führer unterstützen, daß sie nicht auf Seiten der Kumpel stehen, sondern sich mit den SPD-Führern gegen die KPD/ML verbinden, weil sie als einzige Partei alle Verrätereien enthüllt und bekämpft.

VERBOTSDROHUNG GEGEN KPD/ML

Das beste Beispiel dafür ist, daß die DKP-Führer in mehreren Anträgen von Ortsverbänden zum IGM-Gewerkschaftstag (vgl. 27.9.1971,d.Vf.) das Verbot der KPD/ML aktiv unterstützen, wie in Duisburg (vgl. 4.6.1971,d.Vf.) und Gelsenkirchen (vgl. Juni 1971,d.Vf.). Nicht umsonst ist dieser Antrag auf dem IGM-Gewerkschaftstag angenommen worden.

DKP-FÜHRER VERBIETEN OFFENE DISKUSSION MIT UNSERER BETRIEBSGRUPPE AUF MINISTER STEIN

Auch in ihren eigenen Reihen versuchen die DKP-Führer, jeglichen offenen Kontakt von DKP-Mitgliedern mit der KPD/ML zu unterbinden.

So traten mehrmals einfache DKP-Genossen, die wir teilweise als echte revolutionäre Kämpfer achten, an die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML heran, um mit ihr über strittige Fragen in offener Diskussion fair zu reden. Jedesmal wurden solche Versuche aber von 'einflußreichen' DKP-Mitgliedern abgewürgt. Dies zeigt, wie sehr die DKP-Führer sich ängstigen, in offener Diskussion mit der KPD/ML zu bestehen, wie sehr sie die aufrichtige Bereitschaft ihrer eigenen Mitglieder zur Klärung von strittigen Fragen abwürgen.

Genug der Beispiele!

Wir wissen, daß in der DKP dieser Kurs der Zusammenarbeit mit den sozialdemokratischen Führern und des Kampfes gegen die KPD/ML nicht von allen Mitgliedern geteilt wird, daß es noch ehrliche Kommunisten dort gibt. Darum führen wir unseren Kampf auch gegen die DKP-FÜHRER. Wir sagen dabei klar, daß aus der DKP niemals eine kommunistische Partei wird, weil sie dazu viel zu fest mit den neuen Zaren im Kreml und mit der SPD-Regierung verbunden ist.

Kumpels, die FÜHRER der DKP sind mit ihren Stellungnahmen zur Lohnordnung, zur Betriebsrätebestechung, zu den Verbotsdrohungen gegen die KPD/ML offen auf die Seite der SPD-Regierung übergegangen und haben die Interessen der Arbeiterklasse mit Füßen getreten.

Genau wie die Moskauer Sozialimperialisten haben sie nichts gemein mit wirklichen Kommunisten. Darum ist es notwendig, die wirklichen Kommunisten, die KPD/ML, zu stützen.

Wir fordern alle aufrichtigen Kommunisten der DKP-Betriebsgruppe auf, mit uns in Kontakt zu treten und zusammenarbeiten.

STÄRKT DIE KPD/ML!"

Weiter heißt es:"
Letzte Meldung: am Montag (vgl. 25.10.1971,d.Vf.) verteilte die DKP-Betriebsgruppe Minister Stein ihre 'Kumpelpost'.

Der Artikel 'Betriebsräte - Feinde der Arbeiter?' haut in dieselbe Kerbe wie der Beitrag aus der 'Frische Wetter', den wir im letzten Artikel entlarvt haben.

Die RUTSCHE wird in ihrer nächsten Ausgabe dazu Stellung nehmen."

Im letzten Artikel heißt es:"
DIE ARBEITERKLASSE KÄMPFT UND WIRD SIEGEN

Die SPANISCHE ARBEITERKLASSE kämpft entschlossen gegen den Franco-Faschismus und für die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. An ihrer Spitze stehen die BERGARBEITER. Seit ENDE SEPTEMBER (vgl. 2.10.1971,d.Vf.) streiken über 75 000 Kumpel der staatlichen Gruben in Asturien. das ist nicht der erste Streik für höhere Löhne, 5 Wochen Urlaub und eine 35 Stunden-Woche. 4 400 Arbeiter wurden bisher ausgesperrt, aber der Kampf geht ungebrochen weiter. Aus Solidarität mit den Ausgesperrten sind auch die Bergleute anderer Zechen in den Streik getreten. Ein Bus mit Streikbrechern wurde durch Straßensperren aufgehalten.

Auch die Arbeiter anderer Industrien stehen im offenen Kampf: im September 70 000 Madrider BAUARBEITER, einer von ihnen wurde von der Miliz hinterrücks erschossen (vgl. 13.9.1971,d.Vf.). Im Oktober 18 000 ARBEITER DER AUTOMOBILFIRMA SEAT (vgl. 18.10.1971,d.Vf.), gegen die die Polizei ebenfalls vorging.

DIE SPANISCHEN ARBEITER VERDIENEN IN IHREM KAMPF GEGEN IHRE FASCHISTISCHEN UNTERDRÜCKER UNSERE VOLLE SOLIDARITÄT!"
Q: Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971)

28.10.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD ruft vermutlich für heute bezüglich der Nr.21 (vgl. 25.10.1971) der 'RF' der KPD/ML-ZB auf:"
LEST ROTE FAHNE

Scheel in New York, Schiller in Washington - das waren in der letzten Septemberwoche die entscheidenden Stationen der neuen Großmachtpolitik der westdeutschen Imperialisten. Der Hauptartikel
SOZIALDEMOKRATISCHE GROSSMACHTPOLITIK
enthüllt die Ziele, die die beiden Minister mit ihrer Amerikareise verfolgten. Für seine imperialistische Politik, seine Eroberungspläne, demagogisch als 'Neue Ostpolitik' getarnt, erhält Willy Brandt den Friedensnobelpreis. Lest die Meinung der ROTEN FAHNE dazu.

Der Kampf in den Betrieben wächst immer mehr - je deutlicher sich der Verrat in der Metalltarifrunde abzeichnet. So haben sich die Betriebsräte bei OPEL im Kampf um die Durchsetzung des Lohndiktats als die schlimmsten Spitzel und Verräter gegen die Kollegen erwiesen. Die fortgeschrittenen Kollegen werden mit Unterstützung der Betriebsräte bespitzelt, bedroht oder entlassen.

LEST ROTE FAHNE! Morgen - Donnerstag - wird sie vor den Toren verkauft."
Q: Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971),S.3

03.11.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.84 (vgl. 30.10.1971, 6.11.1971) heraus.
Aus NRW berichten u.a. aus Dortmund die eigene Betriebsgruppe der Zeche Minister Stein ('Die Rutsche') und die dortige Jugendbetriebsgruppe des KJVD, die auch auf der Zeche Hardenberg tätig ist.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.84,Bochum 3.11.1971

06.11.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.85 (vgl. 3.11.1971, 10.11.1971) heraus.
Aus NRW befaßt man sich mit der Ruhrkohle AG, wobei u.a. auf die Zeche Minister Stein Dortmund eingegangen wird.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.85,Bochum, 6.11.1971

08.11.1971:
Die IGBE (vgl. 15.11.1971) berichtet spätestens aus dieser Woche:"
ERFAHRUNGSAUSTAUSCH PARLAMENTARIER TAGEN IN DORTMUND

Ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch über Fragen der Grubensicherheit mit Grubenbefahrungen stand im Vordergrund einer gemeinsamen Sitzung des Unterausschusses Grubensicherheit des Niedersächsischen Landtags mit dem Parlamentarischen Ausschuß für Grubensicherheit des Landtags Nordrhein-Westfalen. Während diese im wesentlichen im Bereich des Steinkohlenbergbaus tätig werden, erstreckt sich die Tätigkeit der Abgeordneten in Niedersachsen auf alle Bereiche außer Steinkohle, insbesondere auf den Braunkohlen-, Kali- und Schwerspatbau.

Die zum Programm gehörende Grubenbefahrung auf der Schachtanlage Minister Stein fand unter der Führung des Vorsitzenden des Parlamentarischen Ausschusses für Grubensicherheit des Landtags Nordrhein-Westfalen, Abgeordneter Karl van Berk (SPD), und des Vorsitzenden des Unterausschusses Grubensicherheit des Niedersächsischen Landtags, Abgeordneter Hermann Schnipkoweit, und auf der Schachtanlage Hansa unter der Führung des stellvertretenden Vorsitzenden des Parlamentarischen Ausschusses für Grubensicherheit des Landtags Nordrhein-Westfalen, Abgeordneter Alfons Klein (CDU), und des stellvertretenden Vorsitzenden des Unterausschusses Grubensicherheit des Niedersächsischen Landtages, Abgeordneter Erwin Reinholz, statt. Hieran nahmen auch der Präsident des Oberbergamtes Clausthal-Zellerfeld, Beisner, und der Präsident des Landesoberbergamtes Dortmund, Coenders, teil."
Q: Einheit Nr.22,Bochum 15.11.1971,S.4

10.11.1971:
Vermutlich heute gibt die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD eine 'Rutsche' (vgl. 27.10.1971, 13.1.1972) mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
WIE DANNHORST UND ATSCHKO IHRE PÖSTCHEN SICHERN

Kollegen,
In der letzten Ausgabe ihrer 'Kumpelpost' (vgl. 25.10.1971,d.Vf.) werfen die DKP-Führer uns, der Betriebsgruppe der KPD/ML vor: 'Sie unterstützen die Haltung der Unternehmerbosse, indem sie einige, immerhin mit Mehrheit von der Belegschaft gewählte Betriebsräte des Verrats an den Kumpeln bezichtigen… Wer aber versucht, den gemeinsamen Kampf von Betriebsrat und Belegschaft zu untergraben, stellt sich damit selbst auf die Seite der Feinde der Kumpel.'

AUCH FÜHRER DER DKP - AUF PÖSTCHENJAGD!

Was die 'Kumpelpost' hier schreibt, ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Die RUTSCHE hat schon oft ausführlich nachgewiesen, daß gerade die Betriebsräte die Aufgabe haben, die immer schärfer werdenden Angriffe der SPD-Regierung in jedem Betrieb durchzusetzen. Diese Aufgabe haben sie glänzend erfüllt, und sie erhalten ja gerade dafür ihren Bestechungssold, um einen geschlossenen Kampf der Kumpel zu VERHINDERN. Wie ist das nun mit den 'mit Mehrheit von der Belegschaft gewählten Betriebsräten'? Wie kommt es, daß immer wieder Leute 'Arbeitervertreter' werden, die schon jahrelang die Kollegen VERRATEN haben? Warum kommen die Dannhorst's und Atschko's immer wieder zu ihren sicheren Posten? Diese Frage ist höchst aktuell, denn obwohl die nächsten Betriebsrätewahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.S2.) erst im April stattfinden, laufen die Vorbereitungen der Betriebsräte in den SPD- und Gewerkschaftsbüros bereits auf Hochtouren. Denn die wissen genau: bei einer offenen Wahl, bei der jeder Kollege die gleiche Chance hat, gewählt zu werden, würden sie diesmal die haushohen Verlierer sein. Schon im letzten Jahr waren es nicht die Kollegen, sondern die SPD-Regierung, die den Betriebsräten die Posten sicherte und die Amtszeit um ein Jahr verlängerte. Denn Leute wie Dannhorst und Atschko wurden gebraucht, um das Lohndiktat der SPD-Regierung im Betrieb durchzusetzen. Sie haben sich bewährt, aber sie werden es immer schwerer haben, sich im Betrieb zu behaupten - gegen eine kampfbereite Belegschaft.

HAUPTSACHE: BETRIEBSFRIEDEN

Doch auch dafür hat die SPD-Regierung vorgesorgt. In diesen Tagen (vgl. 10.11.1971,d.Vf.) wird sie ihr neues Betriebsverfassungs-Gesetz im Bundestag durchpeitschen. Mit gutem Grund hat sie es so eilig: die Krise wird immer schärfer, die Angriffe der SPD-Regierung auf die Arbeiter werden immer unverschämter, die sozialdemokratischen Führer wirtschaften zunehmend ab. Und immer mehr Arbeiter stehen im Kampf gegen ihre Verrätereien!

Das neue BVG, das Minister Arendt geschaffen hat, ist noch schlimmer als das alte Adenauer-Gesetz von 1952 (vgl. **.**.1952,d.Vf.), mit dem damals die Betriebsräte endgültig von Kampforganen der Arbeiterklasse zu Kapitalisten-Gremien gemacht wurden und alle Kommunisten 'herausgesäubert' wurden. Jetzt, mit dem neuen BVG werden die Arbeiter und ihre wirklichen Klassenvertreter noch fester an die Kette gelegt. Außerdem wird die Belegschaft eines Betriebes noch gründlicher gespalten als bisher.

Kollegen, wenn morgen und übermorgen die KPD/ML mit ihrem neuesten ROTE FAHNE-Extrablatt (vgl. 8.11.1971,d.Vf.) vor den Toren steht, dann nehmt auf jeden Fall eins mit! Denn dort könnt ihr selbst nachlesen, wie das neue Gesetz aussieht, das den 'Betriebsfrieden' erzwingen' und die Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.) der SPD-Regierung nun auch im Betrieb verwirklichen soll.

VORWAHLEN IM DEZEMBER

Arendts Betriebsfriedens- und Spaltergesetz räumt den Verrätern unter den Betriebsräten und Gewerkschaftsführern eine entscheidende Rolle ein. Sie sollen ihre Handlangerdienste noch ungehinderter verrichten können.

Aber dazu müssen sie erst einmal gewählt werden! Das ist jetzt die größte Sorge der Betriebsräte. Doch längst sind ihre Freunde aus SPD und Gewerkschaften zur Stelle und halten betrügerische Manöver und Wahlschiebungen für sie bereit. Wie sehen diese aus? Keiner kann auf der Zeche Betriebsrat werden, wenn die Gewerkschaftsbonzen nicht ihr Einverständnis dazu gegeben haben. JETZT SCHON stellen sie streng GEHEIME Listen auf. Kein Kumpel soll wissen, wie er nach dem Willen der sozialdemokratischen Herren nachher wählen soll. Mitte Dezember sind dann gewerkschaftliche Vorwahlen geplant, mit denen die Kollegen in aller Eile mitten im Weihnachtsrubel überrumpelt werden sollen.

Die nächste Ausgabe der ROTEN FAHNE (…) (vgl. 8.11.1971,d.Vf.) entlarvt diese geheimen Vorbereitungen anhand aller Verrätereien, die sich die SPD-Betriebsräte in diesem Jahr schon geleistet haben und schreibt dann: 'Dagegen muß sich der Kampf der Arbeiterklasse richten. Die Betriebsrätewahlen im nächsten Frühjahr müssen zu Kämpfen gemacht werden, in denen die BESTEN VERTRETER DER ARBEITERKLASSE, die gegen Lohndiktat, Lohnordnung und Betriebsrätebestechung auftreten, gewählt werden.'

Wir Kommunisten sagen klar:
Die Aufstellung und Wahl der Kandidaten kann erst erfolgen, wenn jeder eindeutig Stellung bezogen hat zu den entscheidenden Fragen und Forderungen:
KAMPF DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG!
WEG MIT DER LOHNORDNUNG!
WEG MIT DER BESTECHUNG DER BETRIEBSRÄTE!

Das Feld der Betriebsrätewahlen dürfen wir nicht den SPD- und Gewerkschaftsführern überlassen. Deshalb steht die Forderung:

SCHACHTGEWERKSCHAFTSVERSAMMLUNG IM NOVEMBER - KEINE VORWAHLEN IM DEZEMBER!"

Eingeladen wird zur eigenen Veranstaltung (vgl. 12.11.1971), geworben wird für die 'Rote Fahne' (vgl. 11.11.1971, 18.11.1971).
Q: Rutsche Wie Dannhorst und Atschko ihre Pöstchen sichern, Dortmund o.J. (10.11.1971)

11.11.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD will heute mittag vor den Toren das 'Rote Fahne' (RF) Extrablatt (vgl. 8.11.1971) verkaufen (vgl. 12.11.1971), für das so geworben wurde:"
ZWEI ROTE FAHNEN
DAS ZENTRALORGAN DER KPD/ML IN JEDE ARBEITERHAND
Verkauf vor den Toren alle 14 Tage für 30 Pfg.

Kollegen, in dieser Woche hat das Zentralbüro der KPD/ML neben der regulären ROTEN FAHNE Nr.22 ein ROTE-FAHNE-Extrablatt herausgegeben. denn in diesen Wochen und Tagen haben die Klassenauseinandersetzungen einen neuen Höhepunkt erreicht.

- das Schlichtungsdiktat von Stuttgart: 7,5% für 7 Monate - 1972 Lohnstop?
- Arendts Betriebsfriedensgesetz - Durchführung der Notstandsgesetze im Betrieb
- SPD-Schmidt verstärkt Kriegsvorbereitungen - Bundeswehr angriffsstärkste Armee in Westeuropa

Das sind die entscheidenden Maßnahmen der SPD-Regierung, um die Knebelung der Arbeiterklasse weiter zu verstärken. Die fortschreitende Krise, die schrittweise Verwirklichung der imperialistischen Großmachtpläne und die wachsende Kampfbereitschaft der Arbeiter in den Betrieben zwingt die SPD-Regierung, alle Mittel der staatlichen Gewalt gegen die Arbeiterklasse einzusetzen. Tarifverhandlungen und 'Betriebsfrieden' werden noch direkter unter die Aufsicht des Staates gestellt.

Die Mobilmachungspläne der Regierung und die noch nie dagewesene Aufrüstung der Bundeswehr (selbst die Wehrmacht vor dem 2. Weltkrieg war bei weitem nicht so stark!) reißen Willy Brandt seine Friedensmaske schnell vom Gesicht, denn - wie das ROTE FAHNE-Extrablatt schreibt:

'Der Bonner Staat hat die Bundeswehr gut für die Eroberung und für seine Kriegspolitik gerüstet. Die Arbeiterklasse soll dafür bluten, mit ihren Löhnen, mit ihren Steuern und schließlich mit ihren Knochen. Die Arbeiterklasse soll sich dagegen nicht wehren. Deshalb wird sie politisch geknebelt: durch die Notstandsgesetze, durch das Lohndiktat, durch das neue Betriebsfriedensgesetz des Ministers Arendt. Diese Pläne der SPD-Führer im Auftrag der westdeutschen Imperialisten müssen die Arbeiterklasse und alle Werktätigen entschlossen durchkreuzen.'

KOLLEGEN JEDER VON EUCH SOLLTE SICH GENAUER DARÜBER INFORMIEREN!"
Q: Rutsche Wie Dannhorst und Atschko ihre Pöstchen sichern,Dortmund o.J. (10.11.1971),S.2 und 4

12.11.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD will heute früh vor den Toren das 'Rote Fahne' (RF) Extrablatt (vgl. 8.11.1971) verkaufen.
Q: Rutsche Wie Dannhorst und Atschko ihre Pöstchen sichern,Dortmund o.J. (10.11.1971),S.2 und 4

12.11.1971:
In Dortmund führt die Betriebsgruppe Zeche Minister Stein der KPD/ML-ZB eine Veranstaltung für alle Kollegen von Minister Stein und Hardenberg um 19 Uhr im Haus Frohning in der Bergstr., Ecke Evinger Str. durch, zu der so aufgerufen wurde:"
Kollegen von Minister Stein und Hardenberg!

Vor kurzem vereinbarten einige Mitglieder der DKP-Betriebsgruppe mit der Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB, gemeinsam über wichtige Fragen und aktuelle politische Ereignisse zu sprechen und eine offene, ehrliche Auseinandersetzung über strittige Meinungen zu führen. Die RUTSCHE hat in ihrer letzten Ausgabe (vgl. 27.10.1971,d.Vf.) bereits berichtet, was daraus geworden ist: die DKP-Führer in Ortsverwaltung und Betriebsgruppe pfiffen ihre Mitglieder zurück und und verboten ihnen die Teilnahme an einer Veranstaltung mit der KPD/ML!

Das kann doch nur heißen: die DKP-Führer haben Angst vor einer offenen Auseinandersetzung mit den Kommunisten, die ihre verräterische und lügnerische Politik ans Tageslicht zerren könnte. Bei Minister Stein ist es nicht anders als in vielen Betrieben: kein Kollege der DKP darf zur KPD/ML Kontakt haben - schon zu viele haben den Verrat ihrer Führer durchschaut und sind - weil sie überzeugte Kommunisten sind - zur KPD/ML gekommen.

Kollegen, die Betriebsgruppe der KPD/ML ist der Meinung, daß es GERADE JETZT notwendig ist, in einer ÖFFENTLICHEN VERANSTALTUNG mit euch über die neueste Entwicklung der RAG-Krise und die arbeiterfeindlichen Maßnahmen der SPD-Regierung zu sprechen.

Ein Genosse der KPD/ML wird dazu ein Referat halten:
GEGEN DIE KRISENMASSNAHMEN DER RAG - ALLE RUHRKUMPEL IN EINER KAMPFFRONT!

Dabei werden die DURCHSETZUNG DES BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZES (BVG,d.Vf.) und die bevorstehende BETRIEBSRATSWAHL (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) in der anschließenden DISKUSSION zu den wichtigsten Themen gehören. Denn hier werden in den nächsten Monaten die Fronten besonders hart aufeinander prallen und wichtige Klassenschlachten geschlagen werden!

Wir laden alle Kollegen zu dieser Veranstaltung ein. Besonders wenden wir uns an die Kollegen der DKP-Betriebsgruppe, die den Kampf der Arbeiter nicht verraten haben, sondern aufrichtige Kommunisten sind."

Auf der Veranstaltung soll auch die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.22 vom 8.11.1971 verkauft werden.
Q: Rutsche Wie Dannhorst und Atschko ihre Pöstchen sichern und Die wichtigste Waffe für die kommenden Betriebsrätewahlen - Das Kampfprogramm,Dortmund o.J. (10.11.1971) bzw. o.J. (Feb. 1972),S.1 und 3f bzw. S.2

18.11.1971:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD will heute vor den Toren die 'Rote Fahne' (RF) Nr.22 vom 8.11.1971 verkaufen, für die so geworben wurde:"
In dieser Ausgabe könnt ihr über folgende Ereignisse lesen:

ZUM 30. JAHRESTAG DER PARTEI DER ARBEIT ALBANIENS - Unter ihrer Führung hat sich das albanische Volk seine nationale Unabhängigkeit erkämpft und riesige Erfolge beim Aufbau des Landes vom armen Agrarland zum Industriestaat erworben. Albanien ist das 'Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa', sagte Mao Tse-tung, und Albanien war es auch, das unermüdlich für Chinas Rechte in der UNO kämpfte.

VR CHINA IN DER UNO - EIN SIEG DER VÖLKER IN DER WELT
Zur neuesten Entwicklung der KRISE IN DER RUHRKOHLE-EINHEITSGESELLSCHAFT (RAG,d.Vf.) der Artikel SPD-BETRIEBSRÄTE WOLLEN PSOTEN SICHERN SPD UND CDU - KUMPANIE GEGEN DIE ARBEITERKLASSE - 'Viel Lärm, geschickte Augenwischerei und betrügerisches Gerede, um die SPD beim Wähler auszustechen - aber in Wirklichkeit hat die CDU/CSU der SPD-Politik nichts entgegenzusetzen. Obwohl sie Gegner scheinen, verkünden sie nur die gleiche Politik mit anderen Worten.' Außerdem Artikel zur Politik der DKP-Führer, Tarifrunde und BVG."
Q: Rutsche Wie Dannhorst und Atschko ihre Pöstchen sichern,Dortmund o.J. (10.11.1971),S.4

20.11.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.89 (vgl. 17.11.1971, 24.11.1971) heraus. Aus Dortmund berichtet die eigene Betriebsgruppe auf der Zeche Minister Stein über die KPD/ML-ZK.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.89,Bochum 20.11.1971

22.11.1971:
Es erscheint die Nr.23 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 8.11.1971, 29.11.1971). Darin berichtet die KPD/ML-ZB u.a. über ihre Betriebsgruppe auf der Zeche Minister Stein Dortmund, die dort auf die KPD/ML-ZK gestoßen ist.
Q: Rote Fahne Nr.23,Bochum 22.11.1971

Dezember 1971:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund wird, laut KPD/ML-ZB, eine Liste der IGBE (vgl. Jan. 1972) zu den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972) von den jetzigen Betriebsräten 'ausgemauschelt'.
Q: Rutsche Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb. 1972),S.1

Dezember 1971:
In Dortmund gibt die DKP vermutlich Anfang Dezember eine Ausgabe der 'Kumpel-Post' (vgl. 25.10.1971, 7.2.1972) für die Zechen Minister Stein/Hardenberg mit 6 Seiten DIN A 4 und folgendem Leitartikel heraus:"
DAS 'NOTPROGRAMM' DER RUHRKOHLE AG
EIN MITTEL ZUR VERRINGERUNG DER 'VERLUSTE'?

Die 'Kumpel-Post' hat bereits mehrfach nachgewiesen, daß die Überführung des Bergbaus in Gemeineigentum unerläßlich ist, da der kapitalistische Superkonzern RAG das Kohleproblem nicht lösen kann. Die Ereignisse der letzten Wochen haben das erneut bestätigt. Anfang Oktober (vgl. *.10.1971, d.Vf.) verkündete die RAG ein sogenanntes 'Notprogramm', dessen Ziel die 'Verbesserung der Ertragslage' (sprich Profit) sein soll. Gleichzeitig wurde ein 'Sparkommissariat' ernannt, das allen 7 Betriebsführungsgesellschaften gegenüber ein Weisungsrecht hat. Mitte Oktober (vgl. 14.10.1971,d.Vf.) erklärte NRW-Wirtschaftsminister Riemer (FDP,d.Vf.) vor der Presse, daß bis 1975 mehr Zechen stillgelegt würden und mehr Bergarbeiter betroffen wären als im Anpassungsplan der RAG (vgl. **.*.1971, d.Vf.) vorgesehen ist (siehe Artikel 'Zechenvernichtungskrieg der Bergbaubosse' in dieser Ausgabe). Diese Äußerung Riemers soll auf ein Expertengutachten zurückzuführen sein, das in seinem Schreibtisch eingeschlossen ist. Es ist also klar, daß mit Hilfe des 'Notprogramms' das sogenannte 'Anpassungsprogramm' erweitert werden soll.

DIE WICHTIGSTEN PUNKTE DES 'NOTPROGRAMMS' SIND:
- Verstärkte Verminderung der Übertage-Belegschaft.
- Vorzeitige Pensionierung von Arbeitern und Angestellten.
- Ausweitung des Einstellungsstopps für die Übertage-Belegschaft.
- Verminderung des Belegschaftswechsels von Untertage nach Übertage.
- Abbau der Beschäftigtenzahl in allgemeinen und Dienstleistungsbetrieben.
- Einschränkung der Bau- und Veränderungsmaßnahmen.
- Abbau und Einstellung von Unternehmerarbeiten.
- Maßnahmen zur Verminderung der Zahl entgangener Schichten.
- Genehmigungspflicht für alle Investitionen.
- Bewilligung von Ausgaben nur noch zur Aufrechterhaltung der Produktion.
- Zusammenlegung von Abteilungen und Teilverwaltungen.

HIER WIRD DEUTLICH GEMACHT, DASS DIE AUSWIRKUNGEN DER KAPITALISTISCHEN PROFITWIRTSCHAFT VON DEN BERGARBEITERN BEZAHLT WERDEN SOLLEN.

Auch wenn die RAG in ihren neuesten Veröffentlichungen behauptet, daß sie in den Jahren 1969/70 rund 600 Millionen 'Verluste' gemacht hat, so haben wir in den vergangenen Ausgaben der 'Kumpel-Post' bereits nachgewiesen, daß die Ursachen dafür NICHT bei den Bergarbeitern zu suchen sind.

WIR ERKLÄREN NOCH EINMAL:

Diese bilanzmäßigen Verluste sind die Folge von Zahlungen an die Altgesellschaften, die Banken und die Stahlkonzerne. Die RAG würde SOFORT gewinnbringende Bilanzen veröffentlichen können, wenn diese Zahlungen eingestellt würden.

BEIM KUMPEL EINSCHRÄNKUNGEN - BEI DEN MANAGERN NEUE, HOCHBEZAHLTE PSOTEN!

Während der Kumpel vor Ort sein Material und Geräte aus dem Schrott zusammensuchen muß und die Angestellten auf den Büros weder Papier noch Bleistift oder Radiergummi bekommen, weil 'gespart' werden soll, beschloß der Aufsichtsrat der RAG (vgl. **.**.1971,d.Vf.) GEGEN DIE STIMMEN DER ARBEITNEHMERVERTRETER, den ganzen Konzern RAG von bisher 7 Betriebsführungsgesellschaften in 3 Bereiche zu gliedern. Hier soll die Öffentlichkeit getäuscht werden, indem man beweisen will, daß auch in der Konzernführung rationalisiert werden soll. Rationalisiert werden soll hier bei den Angestellten und Arbeitern in den Hauptverwaltungen. Gleichzeitig aber werden neue sogenannte 'Bereichsleiter' benannt, die wiederum Supereinkommen beziehen. Wir stellen uns hier hinter die Forderungen der IGBE und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, daß bei der Ruhrkohle mehr Direktoren eingespart werden.

DIE ROLLE DES 'NEUTRALEN MANNES' IM AUFSICHTSRAT DER RUHRKOHLE...

Herr Poullain, seines Zeichens Manager bei der Zentralbank, ist der sogenannte 'Neutrale' im Aufsichtsrat der RAG. Nach der Abstimmung über die Beschlußvorlage des RAG-Vorstandes erklärte er, daß er dieser Vorlage des Vorstandes seine Zustimmung gegeben habe, weil er von der Sachfrage keine Ahnung habe. Er sei der Auffassung, daß der Vorschlag des Vorstandes richtig sei und er dürfe die Autorität des Vorstandes nicht untergraben. Deutlicher konnte dieser Herr nicht beweisen, auf welcher Seite er steht. Deutlich wurde aber auch, daß kein Kumpel Unterstützung von diesen Top-Managern erwarten darf, ganz gleich, von welchem Konzern sie ihr Einkommen beziehen. Da die RAG ihren gesamten Zahlungsverkehr über die Zentralbank abwickelt, wird auch deutlich, warum dieser feine Herr für den Vorschlag des Vorstandes stimmte."

Gefordert wird (vgl. 13.8.1970):"
SCHWEIGEN UM FLÖZ LAURA BEENDEN!
...
Aus dem Unglück auf Flöz Laura müssen Konsequenzen gezogen werden, damit so etwas in Zukunft verhindert wird!
Uns scheint, daß die verantwortlichen aus dem Unglück noch nicht die nötigen Lehren gezogen haben. Warum denn das große Schweigen um Flöz Laura? Warum werden der Öffentlichkeit immer noch keine Untersuchungsergebnisse der Bergbehörde vorgelegt?
Auf der 5. Sohle, Rötgersbank, wurde von seiten der Betriebsleitung folgende Anordnung gegeben: Erst auf 7 Meter vorbohren, wenn die Gefahr besteht, dass eine alte, unter Wasser stehende Strecke angeschossen wird. Wir sind der Meinung, daß eine soclhe Anordnung nicht genügt, um die Wiederholung eines neuen Unglücks wie auf Flöz Laura auszuschließen. Kollegen, fordert erst Sicherheit, dann Kohle!"

Berichtet wird auch vom:"
ZECHENVERNICHTUNGSKRIEG DER BERGBAUBOSSE

Kumpels! Der Zechenvernichtungskrieg geht weiter!
Die Bergbaubosse gehen über Leichen; denn nicht 25 000 Bergleute sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, sondern mehr als 60 000. Kein Geringerer als der NRW-Wirtschaftsminister Riemer mußte das bestätigen:
'Ich befürchte, es wird mehr stillgelegt werden müssen als bisher vorgesehen', erklärte er kürzlich in Düsseldorf (vgl. **.**.1971,d.Vf.) und die Zahl der betroffenen Kumpels werde 'um einiges größer sein' als die bisher genannten 25 400. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen, 'um nicht zu erschrecken'.
Im Düsseldorfer Landtag sprach man jetzt (vgl. **.**.1971,d.Vf.) von 43 000. Aber es sollen mehr werden. In den Panzerschränken der RAG in Essen liegen Pläne, die weit über das hinausgehen, was man bisher der Öffentlichkeit mitgeteilt hat.
Kumpels! Mehr als die Hälfte von uns soll danach ihren Arbeitsplatz verlieren oder stundenlange Anmarschwege zu neuen Arbeitsplätzen in Kauf nehmen. Auch jetzt gibt es wieder schöne Sprüche: 'Keiner bleibt ohne gleichwertigen Arbeitsplatz' oder 'soziale Härten werden vermieden'.
Doch dies Gewäsch ist alt und verlogen. Kumpels, es ist Zeit, daß Klarheit und reiner Tisch geschaffen werden. Von leeren Versprechungen haben wir nichts!

Aber das ist noch nicht alles!
Der Vorstandsvorsitzende der RAG, Dr. Hans-Helmut Kuhnke, forderte auf dem Steinkohlentag (vgl. **.**.1971,d.Vf.) in Essen höhere Stillegungsprämien. Er sagte: 'Die Periode des Überflusses billiger Energie ist vorbei.' Kuhnke sagte weiterhin, daß angesichts der Bedarfsprognosen bis 1980 mit einem möglichen GESAMTBEDARF ZWISCHEN 80 UND 100 MILLIONEN TONNEN Steinkohle zu rechnen sei. DIE AUFRECHTERHALTUNG EINER WESTDEUTSCHEN STEINKOHLENPRODUKTION IN DIESEN GRÖSSENORDNUNGEN SEI ABER BETRIEBSWIRTSCHAFTLICH NICHT ZU GEWÄHRLEISTEN. Und warum nicht?

DAZU MEINT DIE 'KUMPEL-POST':

Weil die Bergbaubosse lieber Zechen zumachen und sich die hohen Stillegungsprämien in die Tasche stecken ohne Rücksicht darauf, was aus dem Kumepl wird! Denn sie steigen mit den erhaltenen Stillegungsprämien in andere Geschäfte ein, um weiterhin andere Arbeiter auszubeuten. Dieser Zechenvernichtungskrieg der Bergbaubosse bedeutet ein skrupelloses Profitstreben auf Kosten der Kumpel und Steuerzahler und ist volkswirtschaftlich unverantwortlich.

DESHALB FORDERT DIE 'KUMPEL-POST' die Verwirklichung des Artikels 27 der Landesverfassung von NRW, in dem es heißt:
1. Großbetriebe der Grundstoffindustrie und Unternehmen, die wegen ihrer monopolartigen Stellung besondere Bedeutung haben, sollen in Gemeineigentum überführt werden.
2. Zusammenschlüsse, die ihre wirtschaftliche Macht mißbrauchen, sind zu verbieten.

Kumpels! Am 15. Dezember geht der letzte Ofen bei der Kokerei Achenbach aus! Viele Kumpel stellen die Frage: Wann sollen wir bei Minister Stein/Hardenberg dran sein?

Die 'Kumpel-Post' meint: Die geplanten Zechenstillegungen der Bergbaubosse können und müssen verhindert werden! Die Kumpels von Hansa haben uns vor einigen Jahren den richtigen Weg gezeigt."

In einem weiteren Artikel heißt es:"
PARKPLATZ-PROBLEM UNLÖSBAR?

Die 'Kumpel-Post' hat schon mehrfach die Beseitigung der Parkplatz-Misere an der Bahnstraße in Lindenhorst gefordert (Einzäunung oder Bewachung). Bis jetzt hat sich diesbezüglich moch nichts geändert. Der Betriebsrat der ZW (Zentralwerkstatt,d.Vf.) hatte die Verhandlung mit Herrn Maurer geführt. Dieser lehnte jedoch ab mit dem Argument: 'Das ist zu teuer'. Kumpels, es werden meterlange Rohre in den Schrottkübel geworfen. Maschendraht, der noch nie gebraucht war, liegt auch auf unserem Schrottplatz. Das ist nicht zu teuer.
Aber die Absicherung des Parkplatzes für die Kumpels, das ist zu teuer. Unsere Autos können ruhig weiter verkratzt werden. Das macht diesem Herrn nichts aus. Sein Auto steht sicherer als unsere.
Dem Betriebsführer und leitenden Angestellten, die über unseren Parkplatz zu entscheiden haben, werden vom Betrieb Garagen zur Verfügung gestellt. Unsere Kollegen Angestellte (Büroarbeiter) dürfen ihre Autos auf dem Werksgelände auf Bürgersteigen abstellen. Hier versuchen die Herren schon wieder, eine Trennungslinie zwischen Arbeitern und Angestellten zu ziehen.

UNFALLGEFAHR BESEITIGEN!

Die PKWs auf dem Werksgelände stehen so, daß die Staplerfahrer mit ihren Fahrzeugen Slalom fahren müssen, wenn sie zum MOT-Lager wollen. Oder müssen sie absteigen und die Lücke erst ausmessen? Selbst die Kumpels, die mittags zur Kaue gehen, werden von diesen Fahrzeugen, die auf den Bürgersteigen stehen, behindert. Der Betriebsführer von der ZW wurde schon mehrfach von den Fahrern auf diesen Mißstand hingewiesen. Die Antwort darauf war: 'Fahrt doch den anderen Weg'. Aber dieser 'andere Weg' ist eine Schlaglochallee. Das Befahren dieser Schlaglochallee mit beladenen Staplern bedeutet höchste Gefahr für die Sicherheit.

DIE 'KUMPEL-POST' FORDERT:
Sofortige Beseitigung dieser Mißstände - Beseitigung der Parkplatz-Misere durch Einzäunung oder Bewachung!"

Berichtet wird auch über das:"
STIEFKIND PRÄMIE!

Daß die neue Lohnordnung immer noch mit dem Kainszeichen belastet ist, erfuhren wir aus dem Arbeitssektor des Transportwesens auf dem Sortierplatz.

Kollegen, die in diesem Bereich ihrer Beschäftigung nachgehen, werden nach den Bestimmungen der Lohngruppe 7 (45,33 DM) bezahlt. Die Kollegen von der ZW bekommen auf diesen Lohn einen Leistungs-Prämiensatz von 15% pro Schicht, das sind ca. 6,80 DM. Der Prämiensatz ergibt sich dadurch, daß die Kollegen der ZW dem Akkord der einzelnen Hallen angeschlossen sind. DIE KOLLEGEN, DIE AUF DEM SORTIERPLATZ DER ZW ARBEITEN, BEKOMMEN DIESE PRÄMIE NICHT.

Die Empörung dieser Kollegen ist durchaus berechtigt. Man bedenke, daß die Beschäftigten des Sortierplatzes die Verantwortung dafür tragen, daß für den Grubenbetrieb der Arbeitsablauf nicht in Verzug gerät.

Ein Vertrauensmann und ein weiterer Kollege unterbreiteten diesen AKUTEN MISSTAND der Betriebsleitung und dem zuständigen Betriebsrat. Nach späteren Aussagen der beiden Kollegen wurden diese mit GESCHULTEN REDENSARTEN vertröstet mit dem Hinweis, daß diese Angelegenheit Anfang 1972 zur Sprache komme. Da die Kollegen schon des Öfteren vertröstet wurden, macht sich in diesem Arbeitsbereich ein leichtes Unbehagen bemerkbar: Wir fordern 6,80 DM Prämie pro Schicht für die Kollegen des Sortierplatzes!

Enthalten ist auch eine (halbe) Leserbriefseite, zu der es heißt:"
Diese Seite der 'Kumpel-Post' soll in Zukunft für Leserbriefeinsendungen zur Verfügung stehen. Die 'Kumpel-Post' fordert die Arbeiter und Angestellten der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg auf, sich mit Vorschlägen, betrieblichen Problemen und Mißständen an die Adresse des Herausgebers dieser Zeitung zu wenden. Wir möchten darauf hinweisen, daß die Berichte auf dieser Seite nicht immer mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen müssen."

Enthalten ist ein Leserbrief zur KPD/ML-ZB:"
Vor einem halben Jahr wußte ich noch nicht, wie die 'Kumpel-Post' (DKP) zur 'Rutsche' (KPD/ML) stand. Ich stellte mir immer wieder die Frage: ist es ein Kopf mit schwarzen und roten Haaren, die schwarzen Haare rechts und die roten links oder sind es zwei verschiedene Köpfe? Heute weiß ich, daß es zwei verschiedene Köpfe sind. Der eine ist schwarz, gibt aber vor, rot zu sein (die Rutsche - KPD/ML). Die Verleumdungen gegen unseren Betriebsrat beweisen es.

Frage: Was wären viele Kollegen ohne ihren Betriebsrat? Ich will keinen Betriebsrat in den Himmel heben, weder den Untertage- noch den Übertagebetriebsrat. Aber was Recht ist, muß auch Recht bleiben. Dien unwahren, aus der Luft gegriffenen Behauptungen (siehe die beiden letzten Ausgaben der Rutsche) schaden uns sehr und passen der Betriebsleitung und den Kapitalisten gut in ihren Kram. Hätten wir einen Betriebsrat, so wie ihn die Rutsche gern haben möchte, dann sähe es sicher bei vielen in der Lohntüte noch viel schlechter aus. Daß viele ungelernte Schlosser und Schweißer seit langem einen Nutzen von ihrem Betriebsrat haben, sehen sie an ihrer Lohntüte. Das ist auf keinen Fall ein Verdienst der Betriebsleitung!

Wir Arbeiter und Angestellte können nur hoffen, daß unsere Betriebsräte wissen, wer ihre Freunde sind und wer ihre Freunde nicht sind. Was die unwissenden Leute von der KPD/ML schreiben, das ist praktisch Zuhälterei für die Unternehmer und ihre Partei, die CDU/CSU.

Ich frage mich immer wieder: Woher nehmen diese Leute den Mut, des morgens am Zechentor zu stehen und ihre 'Rutsche' anzubieten. Wir kennen doch unseren Betriebsrat und wissen auch, was wir ohne ihn wären. Die KPD/ML sät nur Gift. Was wird sie da wohl ernten?"

Berichtet wird weiter von der eigenen Schachtanlage (vgl. 27.10.1971), geworben wird für die eigene 'UZ', aus der ein Artikel über Flick (vgl. 23.10.1971) übernommen wird.

Im letzten Artikel wird festgestellt:"
LÄRM - EIN ZEICHEN UNSERER ZEIT!

Aus einigen Tageszeitungen der letzten Zeit war zu entnehmen, daß sich die Schwerhörigkeit infolge von Lärmeinwirkung immer schneller zu einer Berufskrankheit entwickelt. Zur Zeit rangiert diese ständig zunehmende Krankheit an vierter Stelle.

Auch die 'Kumpel-Post' hat sich eingehend mit diesem Thema befaßt und möchte hier folgendes dazu sagen:
Drei Millionen Bundesbürger leiden unter Hörschäden, aber nur jeder 6. wird ausreichend ärztlich versorgt. Besonders betroffen sind Bewohner in unmittelbarer Nachbarschaft von Betrieben, verkehrsreichen Straßen und jene, welche ihre Wohnbereiche an Flugplätzen haben. Die Folgen sind nicht nur Hörschäden, sondern auch Nervenschäden sowie Herz-und andere Organkrankheiten.

Wir fordern dazu auf, daß das Bundesverfassungsgericht (BVG,d.Vf.) den Artikel 2 des Grundgesetzes (GG,d.Vf.) (jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit) geltend macht und durch eine Gesetzesneuauflage Bestimmungen trifft, die dazu beitragen, daß der Abbau von Lärm in Betrieben durch Vorschriften erzwungen wird.

Weiterhin muß ein Forschungsprogramm entwickelt werden, welches dazu beiträgt, daß Wohngebiete vom Lärm weitgehend isoliert. Dazu müßte auch gehören, daß Flugplätze aus den Industriezentren verlegt werden. Schließlich sollten im Interesse der Bevölkerung geräuscharme Nahverkehrsmittel entwickelt werden."

Es gibt auch noch eine:"
LETZTE MELDUNG:

Würde man die Schuttberge der BRD auf einer Ebene verteilen, entstünde ein Teppich in der Größe von Luxemburg (2 580 qkm) mit 10 cm Höhe."

Mit dieser 'Kumpel-Post' befaßt sich auch die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 24.1.1972).
Q: Kumpel-Post Das 'Notprogramm' der Ruhrkohle AG,Dortmund o.J. (1971);
Rutsche 'Die Kumpel von Hansa haben uns in den letzten Jahren den richtigen Weg gezeigt',Dortmund o.J. (Jan. 1972),S.1ff

Januar 1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund wird, laut KPD/ML-ZB, die Liste der IGBE (vgl. Dez. 1972, 5.2.1972) zu den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972) auf einer internen Vertrauensleute-Konferenz ergänzt.
Q: Rutsche Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb. 1972),S.1

12.01.1972:
Laut KPD/ML-ZB sollen zwischen dem 21.1. und dem 1.April ca. 180 000 Kumpel der Ruhrkohle AG (RAG) sieben Feierschichten verfahren:"
Durch Lohnraub, verschärfte Ausplünderung sollen die Kumpel die Zeche für die imperialistischen Pläne der westdeutschen Monopole und der EWG-Herren bezahlen. Dies ist das Ergebnis einer Sitzung des Vorstands der RAG mit dem Gesamtbetriebsrat am Dienstag, den 12.1. Sie einigten sich, daß so die Halden von 8 Millionen bei der RAG abgebaut werden sollen. Außerdem teilte der Vorstand der RAG mit, daß neben den Feierschichten noch alternative Maßnahmen zur Einschränkung der Produktion im Gespräch sind." Diese neuen Feierschichten würden den Bergarbeitern zeigen, "daß die Bildung der RAG nur dazu gedacht war, ihnen Illusionen über ihre weitere Zukunft einzubläuen und sie vom Kampf gegen die kapitalistische Rationalisierung und den Bonner Staat gerade während der Krise 1966/67 abzuhalten".

Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 24.1.1972) berichtet:"
GESCHÄFT MIT DER KOHLE

KURZARBEIT FÜR 130 000 KUMPELS

Bis Ende März 1972 hat die Ruhrkohle AG für 130 000 Arbeiter (von 180 000) insgesamt sieben Feierschichten angeordnet. An sieben Tagen soll der Betrieb stillgelegt werden. Damit will die Betriebsleitung die wachsenden Kohlehalden abbauen. Aber die Misere im Bergbau kann nicht durch einen Förderrückgang behoben werden. Denn an dem Geschäft mit dieser Aktiengesellschaft wollen sich ihre Aktionäre, die großen Stahlkonzerne, gründlich gesundstoßen.

1969 wurden alle Zechen, die damals hoch verschuldet waren, an eine Einheitsgesellschaft verkauft. Die Schulden wurden vom Staat gedeckt und der Kaufpreis durch eine Staatsbürgschaft gesichert; die alten Zecheneigentümer sind die Aktionäre dieser neuen Ruhrkohle AG. Sie haben also sich selbst ihre Zechen verkauft. Den Preis bezahlt der Steuerzahler. Diese jetzt unrentable Ruhrkohle AG soll sich auf Kosten der Steuerzahler gesundschrumpfen. Noch vor kurzem wurde der RAG eine weitere Milliarde in den Rachen geworfen (vgl. S4.**.197*,d.Vf.). Wenn die RAG wieder Profit bringen sollte, besitzen die Kapitalisten ein Unternehmen, das sie sich vom kapitalistischen Staat, ihrem geschäftsführenden Ausschuß, haben 'schenken' lassen. Bleibt das Unternehmen trotz der Milliarden DM-Zuschüsse unrentabel, ist den Aktionären der hohe Verkaufspreis sicher. Nach zwanzig Jahren zahlt der Staat ihnen auf jeden Fall den Verkaufspreis.

Damit aber nicht genug. Die gewinnbringenden Kraftwerke und Wohnungsbaugesellschaften wurden von den unrentablen Zechen vor dem Verkauf getrennt. Die Aktionäre der RAG sind die Stahlkonzerne. Sie verkaufen sich die Kohle zu einem billigen Sonderpreis, was stärker in die roten Zahlen treibt als die Halden. Bevor die Stahlkonzerne nicht genug von diesem fetten Geschäft haben, wird die Misere im Bergbau wohl nicht aufhören. Und das kann noch einige Zeit dauern und den Unternehmern einige Milliarden DM bringen, wenn ihnen die Arbeiterklasse nicht das Geschäft verdirbt."
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.1,Mannheim/Heidelberg Jan. 1972,S.4; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.4,Bochum 15.1.1972,S.*

12.01.1972:
Heute findet ein Treffen zwischen Landeswirtschaftsministerium NRW und Staatssekretär Rohwedder aus dem Bundeswirtschaftsministerium zur RAG statt. Davon berichtet auch die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD (vgl. 26.1.1972).
Q: Rutsche Feierschichten,Dortmund o.J. (Jan. 1972),S.1

13.01.1972:
Vermutlich heute soll vor der Zeche Minister Stein Dortmund die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.1 vom 10.1.1972 verkauft werden.
Q: Rutsche 'Die Kumpel von Hansa haben uns in den letzten Jahren den richtigen Weg gezeigt',Dortmund o.J. (Jan. 1972),S.6

13.01.1972:
In Dortmund gibt die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB und des KJVD frühestens heute eine 'Rutsche' (vgl. 10.11.1971, 26.1.1972) unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, unter mit der Schlagzeile "Neue Feierschichten im Bergbau!" heraus.
Q: Rutsche Neue Feierschichten im Bergbau!, Dortmund o. J. (1972)

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21.01.1972:
Die 'UZ' der DKP berichtet heute über die heute beginnenden Feierschichten im Ruhrbergbau (vgl. 12.1.1972):"
WIEDER SIEBEN FEIERSCHICHTEN AUCH IM RUHRKOHLEBERGBAU
FOLGE KAPITALISTISCHER MISSWIRTSCHAFT: WACHSENDE KURZARBEIT UND ARBEITSLOSIGKEIT

Essen. E.R. - Sieben Feierschichten hat die Ruhrkohle AG (RAG) für 130 000 Bergleute bis Ende März verordnet, obwohl noch bis in jüngster Zeit Überschichten gefahren wurden. So bewahrheitet sich die Voraussage der Kommunisten, daß die privatkapitalistische RAG-Einheitsgesellschaft das Kohleproblem nicht lösen kann und außerstande ist, Arbeitsplätze und gesichertes Einkommen für die Kumpel zu garantieren. Die von Bundesarbeitsminister Arendt bei Gründung der RAG (vgl. 1.1.1970,d.Vf.) vorausgesagten 'goldenen 70er Jahre' finden nicht statt.

Wie zu Zeiten der Kohlenkrise, als reihenweise Zechen stillgelegt wurden, Zehntausende Kumpel ihren Arbeitsplatz verloren und Feierschichten die Haushaltskassen der Bergarbeiterfamilien belasteten, türmen sich an der Ruhr schon wieder 8,3 Millionen Tonnen Kohle und Koks zu wahren Halden-Gebirgen: sichtbares Zeichen für den Bankrott privaten Unternehmertums. Hier steht die Notwendigkeit der Überführung der Kohlenbergbaus und der anderen Energieträger als 'Blut der Wirtschaft' unmittelbar auf der Tagesordnung, wobei die Kontrolle der Belegschaften und ihrer Gewerkschaften gesichert sein muß.

Die Mißwirtschaft der kapitalistischen Ordnung, die weder stetige Vollbeschäftigung noch stabile Preise garantieren kann, wird noch aus anderen alarmierenden Zahlen deutlich. So wuchs die Arbeitslosigkeit von Ende November bis Mitte Dezember 1971 um rund 30 Prozent auf 269 810. Zum selben Zeitpunkt wurden 406 000 Kurzarbeiter gezählt. Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Stingl, erklärte, daß diese Daten wegen der milden Witterung im Dezember 'eher ein zu günstiges Bild über die konjunkturelle Lage am Arbeitsmarkt' geben.

Die Bundesbank aber konstatierte in ihrem neuesten Monatsbericht 'weiter bestehende Vollbeschäftigung', denn nach der bürgerlichen Wirtschaftstheorie gilt auch noch eine Arbeitslosenquote von 3 Prozent als 'Vollbeschäftigung'. Das wären in der Bundesrepublik 675 000, die dann die Stempelstellen 'voll beschäftigen' würden. Das bestätigt die marxistische These, daß Arbeitslosigkeit zum Kapitalismus gehört wie der Knüppel zum Polizisten. Mit der Existenz einer 'industriellen Reservearmee' wollen die Unternehmer vor allem Druck auf die Löhne ausüben.

Müssen deshalb die Gewerkschaften angesichts wachsender Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzahlen und dem massenhaften Abbau von Überstunden in den bevorstehenden Lohnbewegungen kurztreten? Das wäre die schlechteste Medizin. Beschäftigtenrückgang bedeutet auch Einkommensrückgang und Beschneidung der Massenkaufkraft. Sinkende zahlungsfähige Nachfrage aber beschleunigt die konjunkturelle Talfahrt.

Um die Arbeitsplätze sicherer zu machen, muß über kräftige Lohnerhöhungen die Massennachfrage gestärkt werden, wie es im Manifest des Düsseldorfer DKP-Parteitages (vgl. 25.11.1971,d.Vf.) heißt."

Diesen Artikel verbreitet auch die DKP-Betriebsgruppe Minister Stein in Dortmund (vgl. 7.2.1972).

Die KPD (vgl. 28.1.1972) berichtet u.a.:"
KURZARBEIT FÜR 130000 RUHRKUMPEL

Ab 21.Januar wird kurzgearbeitet auf allen Zechen des Ruhrgebiets. Die Kurzarbeit findet in Form von Feierschichten statt, im Gegensatz zur Krise 1966/1967, wo die Feierschichten vollständiger Lohnausfall der verlorengegangenen Schichten bedeuteten, versucht nun die RAG-Konzernleitung und IG-Bergbau Kurzarbeitsgeld von den zuständigen Arbeitsämtern zu erhalten. Es ist jedoch immer nicht klar, ab die Feierschichten als Kurzarbeit anerkannt werden, ob die Kumpel also Kurzarbeitergeld erhalten.

Mit einem Sonderdruck der Roten Fahne (RFSD - vgl. **.1.1972,d.Vf.), aus dem wir nachstehend Auszüge abdrucken, ist die KPD einer unter den Kumpel noch verbreiteten Hoffnung entgegentreten, mit dem 7 Feierschichten seien die Schwierigkeiten überwunden. Insbesondere wurde entlarvt, daß die konjunkturellen Verwertungsschwierigkeiten des Monopolkapitals wie schon 1966/1967 für die Ruhrkapitalisten Antrieb und Möglichkeit sind, ihren Angriffsplan auf die Ruhrkumpel zur Überwindung der Strukturkrise voranzutreiben und zu beschleunigen.

Die Propagierung von Forderungen für den Abwehrkampf der Kumpel ist ein weiterer Schritt der Vorbereitung für den Aufbau von Betriebszellen der KPD im Bereich der RAG, der in den nächsten Monaten planmäßig erfolgen wird.

Die Agitation und Propaganda der KPD hat in den vergangenen Wochen die Zechen Minister Stein, Gneisenau (beide Dortmund,d.Vf.), Polsum (Marl, d.Vf.), Westerholt (Herten,d.Vf.) und Katharina (Essen,d.Vf.), die stillgelegt werden, erfaßt. Ein Schwerpunkt der Arbeit war zudem die Zeche Prosper (Bottrop,d.Vf.) - eine der beiden, die die Kumpel aus den stillgelegten Zechen übernehmen soll."
Q: KPD-RK NRW:Feierschichten im Bergbau!,Dortmund o.J. (Nov. 1975),S.1;
Kumpel-Post In den Betriebsrat gehören die konsequentesten Belegschaftsmitglieder,Dortmund o.J. (1972),S.6;
Rote Fahne Nr.35 und 36,Berlin 28.1.1972 bzw. 11.2.1972,S.9 bzw. S.3

24.01.1972:
Bei Minister Stein Dortmund wird, laut KPD/ML-ZB und KJVD, die erste Feierschicht verfahren.
Q: Rutsche Feierschichten,Dortmund o.J. (Jan. 1972),S.1

26.01.1972:
In Dortmund gibt die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB und des KJVD vermutlich heute zwei Ausgaben ihrer 'Rutsche' (vgl. 13.1.1972, 9.2.1972) zusammengeheftet unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus, wozu es heißt:"
Kollegen, weil unsere Dortmunder Druckmaschine ausgefallen ist, kommt die RUTSCHE erst heute, dafür aber doppelt so umfangreich."
Eine Ausgabe, die vermutlich am 12.1.1972 erscheinen sollte, umfaßt 6 Seiten DIN A 4:"
'DIE KUMPEL VON HANSA HABEN UNS IN DEN LETZTEN JAHREN DEN RICHTIGEN WEG GEZEIGT'

Das schrieben die Verfasser der 'Kumpelpost' vor Weihnachten (vgl. Dez. 1971, d.Vf.). Aber sind sie wirklich auf dem Weg der Hansa-Kollegen zu finden? Die Hansa-Kumpel haben vor 5 Jahren gerufen: 'Brandt und Schiller - Zechenkiller'. - In der Kumpelpost der DKP aber steht 'Zechenvernichtungskrieg der Bergbaubosse.'

Die Hansa-Kumpel demonstrierten damals unter schwarzen und roten Fahnen, und immer wieder hörte man die 'Internationale', das Kampflied der Kommunisten - Bei der DKP aber lesen wir: 'Deshalb fordert die Kumpelpost die Verwirklichung des Artikels 27 der Landesverfassung von NRW, in dem es heißt:
1. Großbetriebe der Grundstoffindustrie und Unternehmen, die wegen ihrer monopolartigen Stellung besondere Bedeutung haben, sollen in Gemeineigentum überführt werden.'

Die KPD/ML meint dazu:
Die DKP-Kumpelpost verrät den Kampf der Hansa- und aller anderen Kumpel.

Warum? Weil solche Forderungen und 'Lösungen' so fortschrittlich klingen, in Wirklichkeit aber nichts zu tun haben mit dem Kampf um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen und mit dem Kampf für die endgültige Beseitigung dieser kapitalistischen Ordnung, in der der Arbeiter nur lebt, um das Kapital zu vermehren, wie Karl Marx es ausdrückt.
In der 'Kumpelpost' heißen wir Kommunisten 'Zuhälter für die Unternehmer und ihre Partei, die CDU/CSU'. Doch wir fordern euch, die Kollegen von der DKP und alle anderen auf, lieber sachlich und ehrlich zu entscheiden und zu prüfen, ob die RUTSCHE und die ROTE FAHNE (die sich übrigens in diesen Wochen ausführlicher mit den Meinungen und der Politik der DKP-Führer auseinandersetzt) nicht recht haben.

Die 'Kumpelpost' fordert die Verstaatlichung des Ruhrbergbaus. Aber nicht nur das. Sie verspricht uns das halbe Paradies, wenn wir in verstaatlichten Betrieben arbeiten: die Macht der Zechenherren wird zurückgedrängt. Schutz vor Krisen, sichere Arbeitsplätze und mehr Mitbestimmung.

Haben diese Herren eigentlich schon einmal die Kollegen vom - verstaatlichten - Saarbergbau gefragt, die z.B. kaum mehr als den Tariflohn bekommen, was sie davon halten? Oder die Kumpels der staatlichen Bergwerke in Spanien, Belgien und England (Großbritannien,d.Vf.), die wochen- und monatelang gestreikt haben oder gerade streiken? Oder die Arbeiter und Angestellten im Öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.), die sich in diesem Jahr mit 4% zufrieden geben sollen?

DER STAAT - EIN INSTRUMENT DER HERRSCHENDEN KLASSE

Die 'Kumpelpost' schreibt: 'Die geplanten Zechenstillegungen der Bergbaubosse müssen verhindert werden.'

Aber wie? Auf dem Weg der DKP-Führer? Auf dem Weg, die Regierung um Gesetze zu bitten, wo es doch gerade die SPD-Regierung selbst war, die dem Zechensterben ihren Segen gab und selbst am aktivsten in der RAG tätig ist?

Die vielen Arbeiter, die im vergangenen Jahr im Kampf standen, wissen es besser. Auf einer Veranstaltung in Berlin (vgl. **.S2.1971,d.Vf.) drückte es ein Kollege von AEG am klarsten aus:
'Wenn wir den Feind schlagen wollen, müssen wir seine Armee schlagen. Wenn wir den kapitalistischen Staat schlagen wollen, müssen wir die Einheit der Arbeiterklasse herstellen und gegen die SPD-Führer kämpfen, die mit Hilfe der Gewerkschaftsführer diesen Kampf spalten.'
An der Spitze dieser Kapitalistenarmee steht der Staat und seine Regierung. Ohne ihre Armee-Spitze wäre die Kapitalistenklasse wie ein Richter ohne Gesetzbuch und wie ein Soldat ohne Gewehr. Wo bliebe ihre Macht, wenn sie den Staat nicht hätten, was wären sie ohne ihre Kapitalistengesetze, die die 'Volksvertreter' erlassen, ohne ihre Rechtsprechung durch 'neutrale' Richter, und vor allem ohne ihre bewaffneten Truppen, Polizei und Bundeswehr?

Die DGB-Führer aber leugnen den Staat und seine entscheidende Bedeutung als Instrument der Kapitalistenklasse. Und wenn sie 'Staat' sagen, dann wollen sie uns weismachen, daß er 'neutral' sei, als ob es daran läge, welche Partei gerade am Ruder sei. Aber hat nicht die SPD als Regierungspartei auch dem letzten die Augen geöffnet? Das Instrument Staat liegt nur in einer Hand: in der der herrschenden Klasse!

Und was heißt dann Verstaatlichung? Daß ein Betrieb, der einem einzelnen Kapitalisten nicht mehr gewinnbringend genug ist, an den 'Gesamtkapitalisten' Staat geht und von Steuergeldern finanziert wird. Daß nicht mehr ein (oder einige) Unternehmer alleine entscheidet, sondern der Staat, der zum Ziel hat, das gesamte kapitalistische Wirtschaftssystem ('Volkswirtschaft' genannt) möglichst gut in Gang zu halten.

Wo sollen denn da die großartigen Verbesserungen, der politische Fortschritt, die Zurückdrängung des Kapitals und ein kleines Stückchen Sozialismus sein?

Und mehr Mitbestimmung? Noch ein - zwei Arbeitsdirektoren mehr? Zum Teufel mit dieser Mitbestimmung, die über unsere Köpfe hinweg gemanagt wird. Der Kampf um mehr Mitbestimmung findet nicht per Gesetz statt, sondern dort, wo die Arbeiter sind.

IN CHINA UND ALBANIEN SIND ALLE BETRIEBE VERSTAATLICHT
Kollegen, wir haben im Anschluß an diesen Artikel ein Beispiel gebracht, das von der Arbeit albanischer Bergleute in den staatlichen Kupferminen von Rubik berichtet. Vielleicht werdet ihr jetzt fragen: seid ihr Kommunisten nun für oder gegen die Verstaatlichung?
Es besteht aber gar kein Widerspruch, wenn wir sagen: in einem kapitalistischen Staat, wo die Monopole regieren, bringt Verstaatlichung nichts ein. Denn ein verstaatlichter Betrieb ist hier denselben Krisengesetzen unterworfen wie alle anderen. In einem Land aber, wo der Staat den Arbeitern und dem ganzen Volk gehört, da ist Verstaatlichung die natürlichste und erste Maßnahme.
Der entscheidende Unterschied, die Frage, auf die es ankommt, ist: In wessen Händen liegt der Staat? Wer ist also in Wirklichkeit Herr über die Betriebe?

Weil es um diese Frage geht, sagen wir Kommunisten:

'Der Kapitalistenstaat ist die mächtigste Waffe der Kapitalistenklasse. Darum muß dieser Staat gestürzt und stattdessen ein sozialistischer Staat errichtet werden, in dem nur die Werktätigen die Macht in den Händen halten und sie dauernd kontrollieren. Ein Staat wie das sozialistische China und Volksalbanien - das ist der Ausweg auch für die westdeutsche Arbeiterklasse!" (ROTE FAHNE)

Für diesen Kampf gegen den Bonner Staat muß sich die Arbeiterklasse rüsten. Jeder Kampfschauplatz - seien es die Betriebsrätewahlen (BRW,d.Vf.), der Kampf gegen das BVG oder Lohnkämpfe - ist eine Schule, in der wir Arbeiter lernen, uns enger zusammenzuschließen, zielbewußter voranzugehen und in der wir unseren Gegner besser kennenlernen.

Und jeder Angriff und Gegenschlag der Klassengegner, mit dem sie ihre endgültige Niederlage aufhalten wollen, bringt mehr Arbeiter hervor, die entschlossen und zielbewußt für ihre Klasse kämpfen. Und die sich enger und fester um ihren Kommandostab zusammenschließen: die Kommunistische Partei! Die den Kern bildende Kraft, die unsere Sache führt, ist die Kommunistische Partei.

STÄRKT DIE KPD/ML
GEGEN DEN KAPITALISMUS - FÜR DEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT"

Der nächste Artikel lautet:"
IN DEN KUPFERMINEN VON RUBIK

Der Arbeiter- und Bauernstaat - wie wirkt sich eigentlich für den Arbeiter aus, daß die Arbeiterklasse die Macht hat? Nehmen wir ein Beispiel aus Albanien, das aber für uns ebenso Gültigkeit haben könnte, wenn die Arbeiterklasse unter Führung der Kommunistischen Partei das Kapitalistenpack zum Teufel gejagt hat. In den Kupferminen von Rubik kann wie in allen Betrieben in Albanien jeder Kollege in Form seines 'Blitzblattes' seine Kritik äußern. Ein Kollege, der unbeabsichtigt ein Förderband beschädigte, wurde vom Werksmeister hart zurechtgewiesen und für den Rest der Schicht nach Hause geschickt - mehr konnte er gar nicht, denn einen Arbeiter, selbst für nur 24 Stunden zu entlassen, ist in Albanien ohne eine gemeinsame Entscheidung der gesamten Abteilung nicht möglich. - Auf einem Blitzblatt prangerte der Betroffene Kollege das äußerst harte Vorgehen des Meisters an. Einige Kollegen erinnerten sich nun, daß dieser Meister schon öfters zu hart eingegriffen hatte. Die Kollegen riefen eine Abteilungsversammlung ein. Der Werksmeister, der seine Macht mißbraucht hatte, wurde kritisiert und man beschloß, daß er zurück in die Produktion müsse. Bei größeren Angelegenheiten wird eine Gruppe der Arbeiterkontrolle gebildet. Diese Arbeiterkontrolle reicht weit über den Betrieb hinaus. So begaben sich die Kumpel von Rubik zum Industrieministerium, um die Aufteilung der Kohle unter die verschiedenen Wirtschaftsbranchen zu kontrollieren. So übt die Arbeiterklasse in Albanien ihre Macht aus. Die Partei der Albaniens (PAA) unterstützt unermüdlich die Initiative der Massen. An vielen Tafeln für die Blitzblätter findet man den Satz des Vorsitzenden Enver Hoxha 'Ein Land, in dem ein Mensch Angst hat davor, einen anderen zu kritisieren, ist kein sozialistisches Land'."

Auch der nächste Artikel berichtet über:"
ALBANIEN DER WEG ZUM ARBEITER- BAUERNSTAAT

30 JAHRE PARTEI DER ARBEIT ALBANIENS

Viele Kollegen meinen: Arbeiter- und Bauernstaat, das klingt ja ganz schön, aber wie kommen wir dahin? Und außerdem: Ihr Kommunisten seid ja unter euch selbst zerstritten, werdet euch doch selbst erst mal einig! Kollegen, ähnlich sah es vor 40 Jahren in Albanien aus, und dort hat das Volk unter Führung seiner Kommunistischen Partei trotzdem den Arbeiter- und Bauernstaat errichtet und aus dem früheren armen Agrarland einen modernen Industriestaat gemacht.

Vor 40 Jahren gab es in Albanien drei Gruppen, die sich 'Albanische Kommunistische Partei' nannten. Diese Gruppen kämpften sehr heftig gegeneinander um die richtige Linie zur Befreiung der Arbeiter und aller Werktätigen. 1939 besetzten Mussolinis faschistische Horden das Land. Die Kapitalisten und Großgrundbesitzer verrieten das Land und arbeiteten eng mit den faschistischen Besatzern zusammen. Aber die Arbeiter und Bauern vertrauten auf ihre eigene Kraft und setzten sich gegen die Eindringlinge und ihre Marionetten zur Wehr. Doch die Kämpfe konnten nicht erfolgreich sein, solange sie nicht unter einer einheitlichen Führung standen. der Feind hatte eine ganze Armee mit einer Kommandozentrale - deshalb brauchten auch die Werktätigen gegen den Feind ihre Kommandozentrale: die Kommunistische Partei. Anders konnte der Feind nicht geschlagen werden. In den Kämpfen des Volkes gegen den Faschismus erstarkten die Kommunisten. So konnten 1941 die verschiedenen Gruppen vereinigt und die Partei der Arbeit Albaniens (PAA) gegründet werden. Die Partei der Arbeit wurde der Kommandostab des Volkes zu seiner Befreiung:
- sie vereinigte es in einer breiten nationalen Befreiungsfront
- sie organisierte den bewaffneten Kampf und baute eine Befreiungsarmee auf
- sie errichtete in den befreiten Gebieten Befreiungsräte und festigte so die Volksmacht.

Unter der Führung der Partei der Arbeit jagte das albanische Volk ohne fremde Hilfe die faschistischen Besatzer mit Waffengewalt aus dem Land.

Aber dabei blieb es nicht.
Sollten die Kapitalisten und Großgrundbesitzer, die den Faschisten geholfen hatten, jetzt weiter das Volk ausbeuten?
Dafür hatten die Arbeiter und Bauern nicht gekämpft!
Sie behielten die Waffen und richteten sie auf ihre Unterdrücker: die Ausbeuter, die Kapitalisten und Großgrundbesitzer wurden enteignet - ohne jede Entschädigung. Die Arbeiter und Bauern vertrauten auf ihre eigene Kraft, sie übernahmen selbst die Produktion und errichteten ihren Staat, den Arbeiter- und Bauernstaat. Aber die enteigneten Ausbeuter und die imperialistischen Mächte wollten natürlich den alten Ausbeuterstaat wieder errichten. Deshalb brauchte das Volk weiterhin seine bewaffnete Macht, und für den Aufbau des Sozialismus weiterhin seine Kommandozentrale: die Kommunistische Partei.

Ohne Führung der Kommunistischen Partei, ohne bewaffneten Kampf, ohne gewaltsame Enteignung der Ausbeuter hätten die albanischen Arbeiter und Bauern nie die Ausbeuterordnung beseitigen und ihren Staat errichten können. Dies zeigte sich auch ganz deutlich, als die Chrustschow-Clique nach Stalins Tod den Kommunismus verriet und auch Albanien vom Weg des sozialistischen Aufbaus abbringen wollte. Ein albanischer Genosse berichtete von Chrustschows Plänen:

'Chrustschow war hier und schaute sich um. Ihr sollt die Landschaft nicht mit Industrien zerstören, sagte er. Wir werden eine sozialistische Arbeitsteilung machen. Wir werden uns industrialisieren und ihr werdet Zitronen pflanzen. Und dann werden wir zu euch zum Baden kommen. Aber da sagte unsere Regierung: Genosse Chrustschow, sagte sie, wir denken nicht daran, ein Kurort für sowjetische Funktionäre zu werden. Wir beabsichtigen, dem Rat des Genossen Stalin zu folgen und das Land zu industrialisieren.'

Die Partei der Arbeit erkannte, daß Chrustschow und seine Anhänger Verräter waren und kämpfte deshalb gegen ihre Entstellungen des Marxismus-Leninismus und gegen die Verräter in den eigenen Reihen. Die Antwort der Chrustschow-Clique kam prompt und war echt imperialistisch: Alle Wirtschaftshilfe wurde eingestellt, innerhalb von 48 Stunden wurden alle 'Experten' aus dem Land geholt.
Doch die Arbeiter und Bauern Albaniens dachten nicht daran, klein beizugeben. Sie vertrauten ihrer Partei, der Partei der Arbeit unter Führung des Genossen Enver Hoxha. Unter der Führung der PAA und im Vertrauen auf ihre eigene Kraft bauten sie weiter den Sozialismus auf und erreichten große Erfolge: Aus dem armen Agrarland wurde ein moderner Industriestaat. Weil die Partei der Arbeit den Werktätigen in ihrem Kampf den Weg wies, deshalb ist der Staat in Albanien heute ihr Staat. Dieser Staat ist nicht ein Instrument zur Unterdrückung des Volkes, sondern ein Instrument zur Unterdrückung der Unterdrücker. Deshalb ist es auch richtig, wenn im Arbeiter- und Bauernstaat die Fabriken und die Güter verstaatlicht sind. Denn der Staat vertritt nicht die Interessen einer kleinen Clique von Ausbeutern, wie im Imperialismus, sondern er vertritt die Interessen der Werktätigen. Und die Werktätigen kontrollieren ach diesen Staat. Einmal durch ihre Partei, die PAA, zum anderen durch Kritik und Selbstkritik. Genosse Enver Hoxha, der Vorsitzende der PAA, erklärte: 'Wir müssen lernen, unbedingt die Arbeit der anderen zu kontrollieren, zugleich, ja vor allem sollen wir die 'Eigenkontrolle' ausüben, nämlich die Kontrolle über unsere eigene Arbeit, was Selbstkritik, Berichtigung, Stählung des sozialistischen Bewußtseins bedeutet.' So legen z.B. Partei und Staat die Fünfjahrespläne fest - aber nicht, ohne sich eingehend mit den Arbeitern und Bauern beraten zu haben. Für den im letzten Jahr erfolgreich abgelaufenen Fünfjahresplan wurden über 141 000 Vorschläge von den Werktätigen eingereicht, die auf 174 000 Versammlungen diskutiert wurden - bei einer Bevölkerung von zwei Millionen!! Oder ein anderes Beispiel: Es ist klar, daß es in Staat und Partei Funktionäre geben muß. Aber diese Funktionäre müssen wirklich das bleiben, was sie sein sollen: Vertreter der Arbeiter und bauern. Deshalb müssen sie alle in der Produktion mit anpacken. In den Bergwerken von Pishkash z.B. wollten der Direktor und einige Funktionäre eine leichtere Arbeit haben oder am besten gar keine, weil sie ja so viel am Schreibtisch zu tun hätten. Aber die Arbeiter beriefen eine Versammlung ein und sagten: 'Der Direktor kann nur auf richtige Weise fungieren, wenn er als Lader im Bergwerk arbeitet. Sonst arbeitet er nicht in einer Erzgrube, sondern in einer Papiergrube.' Die Funktionäre sahen ihre Fehler ein und der Direktor arbeitet heute als Lader. So sieht es im Staat aus, wenn die Arbeiter und Bauern die Macht haben. Deshalb haben unsere 'Arbeitervertreter', die Dannhorst und Wenzelmann auch etwas gegen uns Kommunisten und stützen mit allen Mitteln den imperialistischen Staat. Kollegen, das Beispiel Albanien macht uns klar: Wir brauchen nicht Mitbestimmung - denn dann bestimmen letztlich doch die Kapitalisten, wir brauchen nicht Verstaatlichung - denn dieser Staat ist der Staat der Kapitalisten, sondern wir brauchen die Macht im Staat! Und das Beispiel Albanien macht uns auch klar, wie wir dieses Ziel erreichen können: Wir müssen uns selbst befreien, denn niemand anders wird das für uns tun, deshalb müssen wir auf unsere eigene Kraft vertrauen. Und wir werden nur das erreichen, was wir uns holen, deshalb müssen wir einen revolutionären Kampf führen. Aber der Feind, die Kapitalisten und ihre Handlanger, ist gut organisiert. Sie haben die Zwangsmittel dieses Staates: Polizei, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.), Bundeswehr. Und sie haben eine mächtige Stütze in den SPD-Führern, die durch ihre Handlanger im Betrieb die Arbeiterklasse vom entschlossenen Kampf abhalten. Deshalb müssen auch wir uns organisieren - in der Partei der Arbeiterklasse, der KPD/ML! Unter ihrer Führung müssen wir den Einfluß all derer zurückdrängen, die den Staat in der Hand der Kapitalisten lassen wollen, müssen wir die SPD- und DKP-Führer isolieren. Unter der Führung der KPD/ML werden auch wir die Unterdrücker enteignen und zum Teufel jagen und unseren Staat, den Arbeiter- und Bauernstaat, errichten können.

Deshalb: HINEIN IN DIE BETRIEBSGRUPPEN DER KPD/ML UND DES KJVD!"

Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.1 vom 10.1.1972 (vgl. 13.1.1972):"
ALLE REAKTIONÄRE SIND PAPIERTIGER. DEM AUSSEHEN NACH SIND SIE FURCHTERREGEND, ABER IN WIRKLICHKEIT SIND SIE GAR NICHT SO MÄCHTIG. AUF LANGE SICHT HABEN NICHT DIE REAKTIONÄRE, SONDERN HAT DAS VOLK EINE WIRKLICH GROSSE MACHT.

Diese Feststellung Mao Tse-tungs bestätigt sich Tag für Tag. Lest in der neuen ROTEN FAHNE:
Die Dollarabwertung - keine Rettung für den verfaulenden Kapitalismus Demgegenüber stehen die großen Erfolge der Volksrepublik China. Vor 5 Jahren entmachteten die Schanghaier Arbeiter alle, die sich 'Kommunisten' nannten, aber den Weg des Kapitalismus gingen. Heute besucht eine chinesische Tischtennismannschaft die Bundesrepublik."

Die zweite, rechtzeitig erscheinende Ausgabe umfaßt 6 Seiten DIN A 4:"
FEIERSCHICHTEN - DIE 'GOLDENEN SIEBZIGER' SIND BANKROTT

'Der Ruhrkohle wird in ihrer schwierigen Finanzlage geholfen, das ist klar!' verkündete SPD-Kühn am letzten Montag (vgl. 17.1.1972,d.Vf.). In der Tat - ein munteres Treiben setzte ein in diesem Staat. Jeder, der irgendetwas mit Wirtschaftspolitik oder Ruhrbergbau zu tun hatte, traf sich mit jedem, um der RAG in ihrer schwierigen Lage zu helfen.
Bundes- traf sich mit Landesministerium (vgl. 12.1.1972,d.Vf.), schleunigst wurde eine Sitzung des Kohlekabinetts (vgl. 17.1.1972,d.Vf.) einberufen. DGB-Bundesvorstand und IGBE-Vorsitzende (vgl. 17.1.1972,d.Vf.) ließen sich ebenfalls nicht lumpen und meinten, daß ja alles eigentlich gar nicht so wild sei. Schließlich versammelten sich unsere Retter samt Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats Mroß bei Stingl (Präsident der Bundesanstalt für Arbeit) (BfA - vgl. 18.1.1972,d.Vf.). Kurzum, alle waren sehr eifrig und jeder rettete soviel er nur konnte, der eine seine Dividende, der andere seinen Posten, wieder ein anderer seine macht und seinen Einfluß und alle miteinander natürlich die RAG, und für uns Arbeiter kam dabei auch ein bißchen mehr 'Freizeit' heraus. Haben wir doch gerade als Ergebnis dieser Hilfsaktion jetzt am Montag (vgl. 24.1.1972,d.Vf.) unsere erste Feierschicht gefahren. Hier zeigte sich dann spätestens, wer nach Ansicht dieser Leute die Kosten der 'Hilfsaktion' bezahlen soll: wir Ruhrkumpel selber! Für 130 000 von uns sind sieben Feierschichten geplant. Selbst wenn es Kurzarbeitergeld gibt, sind das immerhin 24 bis 32 DM weniger im Monat für Verheiratete und 25 bis 31 DM für Unverheiratete, in Wirklichkeit kann der Verlust auch höher liegen: Mroß mußte zugeben, daß die Mindereinnahme 10 Prozent des Nettolohns nicht übersteigen soll.

Die neueste Ausgabe der ROTEN FAHNE (vgl. 24.1.1972,d.Vf.) schreibt zu den Feierschichten unter anderem:
'Mit dieser Nachricht fiel letzte Woche das Lügengebäude, das die SPD-Führer um die Ruhrkohle AG (RAG) errichtet hatten, mit einem Schlag zusammen. Jetzt droht dem Ruhrkumpel genau wie in der letzten Wirtschaftskrise Lohnraub, Massenentlassungen und sogar Rentenraub.'

Dies wird durch die neueste Maßnahme von Bund und Land NRW bestätigt. Gemeinsam arbeiteten sie einen Sanierungsplan (vgl. 16.1.1972) aus, der - wie sollte es auch anders sein - die Arbeiter mal wieder zur Kasse bitten soll.

In Zukunft sollen die Kosten der BERGSCHÄDENRÜCKSTELLUNG und DEPUTATVERPFLICHTUNGEN von Steuergeldern, also unseren Geldern, gezahlt werden. Die Kosten für diese Rücklagen, zu denen die Bergwerke durch Gesetz verpflichtet sind, können sie dann selbst einstreichen, was jährlich etwa 200 Mio. DM ausmacht. Dasselbe gilt für die Zinsen für die Einbringungsforderungen der Altgesellschaften: 50 Mio. DM aus Steuergeldern.

Dieser neueste Anschlag der SPD-Regierung und der RAG-Bosse gegen uns zeigt, wie weit die Krise im Bergbau bereits fortgeschritten ist: um aus der Krise einigermaßen ungeschoren herauszukommen, müssen sie verzweifelte Angriffe gegen die Arbeiter führen. 'Schlechte Wirtschaftslage' bedeutet für die Kapitalisten, für ihren Staat und ihre betrieblichen Handlanger immer eine Position der SCHWÄCHE. Deshalb kann die ROTE FAHNE auch zuversichtlich schreiben:

'Die Bergarbeiter werden aus diesem verrat ihre Lehren ziehen und den Kampf gegen Feierschichten und Massenentlassungen ohne und gegen SPD- und IGBE-Führer aufnehmen. Sie werden bei den Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.) den Handlangern von Brandt, Kühn und Arendt eine entschiedene Absage erteilen und kampfbereite Kumpels zu ihren Vertretern machen.'

KAMPF DEN KRISENANGRIFFEN!
FÜR DIE VOLLE BEZAHLUNG DER FEIERSCHICHTEN!

GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD- UND GEWERKSCHAFTSFÜHRER - DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER RUHRKUMPEL!"

Der nächste Artikel befaßt sich mit dem Streik bei Hoesch (IGM-Bereich - vgl. 14.1.1972):"
'ABER EINS, DAS IST GEWISS, DASS OTTO BRENNER EIN VERRÄTER IST'

Kumpel,
vor wenigen Tagen nahmen über 8 000 Hoesch-Kollegen den Kampf gegen den 6%-Verrat, gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung auf. NEIN, NICHT STILLHALTEN! Unter dieser Parole begannen die Kollegen von der Westfalenhütte mit einer machtvollen Demonstration durch die Straßen Dortmunds. Sie besetzten die Werke Phoenix und Union und rissen die Kollegen dieser Werke mit in den Kampf: 'Aber eins, das ist gewiß, daß Otto Brenner ein Verräter ist! Die Gewerkschaftsführer haben uns verraten! Nieder mit den Gewerkschaftsbonzen! - Auf zum Gewerkschaftshaus!' Das war die richtige Adresse. Der Kampf gilt den Verrätern, die den 6%-Verrat perfekt gemacht haben und Schillers Lohndiktat durchsetzten. In diesem Streik hat sich die gewaltige Kraft und Kampfentschlossenheit der Arbeiterklasse gezeigt. Dieser Kampf war ein Schlag ins Gesicht derjenigen Leute, (die meinen,d.Vf.) die Arbeiterklasse sei schwach und uneinig. Er ist eine ernste Warnung an die Verräter in unseren Reihen, die den Kampf spalten und
aufhalten wollen. Und er zeigt, wie schwach diese Verräter sind, wenn die Arbeiter geschlossen kämpfen.

KEINE TATEN - NUR VERRATEN

Aber der Streik der Hoesch-Kollegen hat noch mehr gezeigt: WO nämlich die Verräter in den eigenen Reihen der Arbeiterklasse sitzen: 'Auf zum Gewerkschaftshaus!' war die Parole - da konnten auch solche Leute wie Betriebsratsvorsitzender Albert Pfeiffer nichts mehr ausrichten. Er wurde ausgepfiffen, denn jeder wußte: 'Der verrät uns schon seit 25 Jahren, von dem erwarten wir sowieso nichts mehr, der arbeitet doch den Kapitalisten in die Hände.' Doch als der Zug ohne die sozialdemokratischen Herren loszog, da war plötzlich ganz schnell die 'linke' Mannschaft der Westfalenhütte zur Stelle. Werski und seine Kumpanen und die D'K'P-Bonzen: 'Nicht zum Gewerkschaftshaus, sondern zu den Arbeitgebern, von denen müssen wir uns das Geld holen!', lenkten sie ab. Und in dieselbe Sackgasse wollten sie kurze Zeit später die Kollegen führen, als sie sich für den spalterischen Haustarif aussprachen. Die KPD/ML-Betriebsgruppe der Westfalenhütte, die sich am Kampf beteiligt hatte, wies diese Spaltungsmanöver scharf zurück und schrieb". Es folgt ein Zitat aus der 'Westfalenwalze' von "Haustarif heißt für die Hoesch-Kollegen" bis zum Ende der Ausgabe. Fortgefahren wird:"
Kumpel, was die Hoesch-Kollegen uns gezeigt haben - das ist auch unser Weg: entschlossen kämpfen gegen Feierschichten und Stillegungen, gegen Lohnraub und Entlassungen. Die Hoesch-Arbeiter und wir stehen zusammen und haben denselben Feind. Erinnern wir uns an 1966 (? evt. ist 1969 gemeint,d.Vf*), wo wir gemeinsam mit den Hoesch-Arbeitern gekämpft haben. Auf Minister Stein sind Dannhorst, Wenzelmann und Co. die Parteipolitiker für die SPD-Regierung und für den Bonner Ausbeuter-Staat. Und was heißt es, wenn wir, die KPD/ML sagen: Parteipolitik für die Arbeiterklasse? das heißt: Entschlossen die Angriffe auf die Arbeiter abwehren. Die Verräter bekämpfen und die Kampffront zusammenschweißen und erweitern. Den Kampf führen gegen den kapitalistischen Ausbeuter- und Unterdrücker-Staat. Und gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung, das den Kämpfen Fesseln anlegen soll. Das ist die entscheidende Frage: Für den Sozialismus oder für den Imperialismus? Wir sagen: Für die Arbeiter- und gegen die Kapitalistenklasse! Gegen den Kapitalismus - für den Arbeiter- und Bauernstaat!
Das haben auch viele Kollegen erkannt. Genau wie Hansa- und Minister-Kumpel vor einigen Jahren (vgl. **.**.1967,d.Vf.) sangen diesmal auch Hoesch-Kollegen das alte Kampflied der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus: die Internationale!
Die Partei der Arbeiterklasse, die Partei der Bergarbeiter, das ist die KPD/ML.
STÄRKT DIE KPD/ML!
UNTERSTÜTZT DIE BETRIEBSGRUPPE DER KPD/ML MINISTER STEIN!

Kollegen, mehr über den Streik der Hoesch-Arbeiter am 14. Januar könnt ihr in der neuesten ROTEN FAHNE lesen, die in dieser Woche verkauft wird."

Berichtet wird auch aus Großbritannien:"
SOLIDARITÄT MIT DEN ENGLISCHEN BERGARBEITERN

Kampf dem Lohndiktat des imperialistischen englischen Staates! Durchbrecht das Antistreik-Gesetz der Heath-Regierung! 283 000 Bergarbeiter stehen in England schon seit Wochen im Streik (vgl. 9.1.1972,d.Vf.) In einer Urabstimmung hatten sie eine 47%ige Lohnerhöhung gefordert, um den Mindestlohn von 160 auf 235 DM pro Woche zu erhöhen und ungefähr soviel zu verdienen wie andere Arbeiter auch. Die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer sind bereits auf 11% heruntergegangen und haben dabei dasselbe Ziel wie ihre deutschen 'Kollegen': das Lohndiktat der britischen Regierung von 8% durchzudrücken. Der Staat, der 'Arbeitgeber' der verstaatlichten Zechen ist, weigert sich seit Streikbeginn zu verhandeln und hat stattdessen Massenentlassungen 'angeboten'. Doch die britischen Kumpel denken gar nicht daran, sich einschüchtern zu lassen. Im Gegenteil, sie kämpfen so entschlossen und umsichtig, daß die Regierung es nicht wagt, ihr Antistreik-Gesetz, das einen Streik durch Gesetz einfach für 60 Tage 'aussetzen' kann, einzusetzen. Und die Gewerkschaftsführer versuchen alles, um den Streik zu bremsen. So haben sie es auch abgelehnt, den Streikenden zu ihrer Arbeitslosen-Unterstützung noch eine finanzielle Hilfe zu geben. Ihre Begründung: die Gewerkschaften wollen sich dadurch nicht 'finanziell schwächen'! Trotzdem haben die Bergarbeiter bisher große Erfolge errungen. In allen Häfen, vor allen elektrischen Kraftwerken und Kohledepots stehen Streikposten, und immer mehr Arbeiter stellen sich mit auf ihre Seite: die Lokomotivführer und Lastwagenfahrer für Kohle und Heizöl unterbinden den Transport und die Hafenarbeitern weigern sich, Auslandskohle zu löschen. Sogar die Bergarbeiterfrauen werden aktiv.

MIT REVIER-KOHLE STREIKSPERREN DURCHBROCHEN

Inzwischen wächst der Druck auf die englische Regierung, denn überall fehlt es an Kohle. Nun soll das Ausland den Streik unterlaufen. Die internationale Bergarbeiter-Föderation hat jedoch weltweite Solidarität zugesichert und die Gewerkschaften aller Länder aufgefordert, den Kohletransport aus ihren Ländern zu verhindern.

Vor einer Woche (vgl. 17.1.1972) gelang es aber einem Frachtschiff aus Duisburg, die Kohleblockade zu umgehen. Es löschte heimlich in einem Privatdock an der Südküste 10 000 Tonnen Kohle aus dem Ruhrgebiet. Kollegen, der entschlossen Streik der englischen Kumpel hat uns ein großartiges Beispiel gegeben. Lernen wir von ihrem Kampf!

STELLEN WIR UNS AUF DIE SEITE DER BRITISCHEN BERGARBEITER!
HELFEN WIR MIT, IHREN STREIK ZU UNTERSTÜTZEN!"

Abgedruckt wird die Grußadresse des ZB der KPD/ML-ZB an die CPB/ML anlässlich des Bergarbeiterstreiks (vgl. 17.1.1972). Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.2 vom 24.1.1972, die auch vor den Toren verkauft werden soll (vgl. 27.1.1972).
Q: Rutsche 'Die Kumpel von Hansa haben uns in den letzten Jahren den richtigen Weg gezeigt' und Feierschichten,Dortmund o.J. (Jan. 1972) bzw. o.J. (Jan. 1972)

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27.01.1972:
Vor der Zeche Minister Stein Dortmund will die KPD/ML-ZB ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.2 vom 24.1.1972 verkaufen, für der im Anschluß an eine Grußadresse an die streikenden britischen Bergarbeiter so geworben wurde:"
Diese Grußadresse an die KÄMPFENDEN BRITISCHEN BERGARBEITER, in der die KPD/ML ihre Solidarität bekundet, ist der neuesten Ausgabe der ROTEN FAHNE entnommen.
Die ROTE FAHNE nimmt außerdem Stellung zu den FEIERSCHICHTEN, die eine neue Bankrotterklärung der SPD-Regierung sind..

Weitere Artikel der ROTEN FAHNE:

KAMPF DEM BONNER POLIZEISTAAT! Die ROTE FAHNE schreibt: 'Die SPD-Regierung schwingt den Polizeiknüppel wie keine Bundesregierung vorher. Der Gegner heißt nicht, wie immer behauptet wird, die zunehmende Kriminalität. Der Gegner heißt 'politischer Radikalismus'. Das beweisen die Tatsachen, angefangen von Großrazzien mit Maschinenpistolen bis zum Verprügeln von Streikposten.

EIN SCHLAG GEGEN DIE VERRÄTER! Die ROTE FAHNE nimmt ausführlich Stellung zum Streik der Hoesch-Arbeiter, von den Ereignissen und Erfahrungen (?,d.Vf.)

Diskussion einiger Betriebsgruppen und der RF-Redaktion über die Fehler der Partei in der Metalltarifrunde: DIE SOZIALDEMOKRATIE BLEIBT DER HAUPTFEIND.

CHRUSTSCHOWS KAMPF GEGEN STALIN - die Entartung des Sozialismus in der Sowjetunion.

Indische Arbeiter schreiben an Indira Gandhi: 'WIR UNTERSTÜTZEN DEN KAMPF DES PAKISTANISCHEN VOLKES!'
Die Front der US-Truppen zerfällt.

Gruß der KPD/ML an die chinesische Tischtennis-Mannschaft."
Q: Rutsche Feierschichten,Dortmund o,J, (Jan. 1972),S.6

05.02.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD berichtet vermutlich von heute über die Vorbereitung der Betriebsratswahlen (BRW - vgl. Jan. 1972, 18.4.1972):"
Kollegen, am letzten Samstag haben uns die Herren von der Gewerkschaft das Ergebnis ihrer fleißigen Vorbereitungs-Arbeit präsentiert: auf der Gewerkschaftsversammlung wurde die Kandidatenliste für die Betriebsräte-Wahlen aufgestellt. Nicht umsonst hatten sie auf eine Belegschafts-Versammlung (BV,d.Vf.) verzichtet, durch die alle Kollegen an den Entscheidungen und Diskussionen hätten mitwirken können. Nein, lieber blieben sie unter sich. Ungefähr 200 waren gekommen, wirkliche Kumpel waren nur wenige darunter. Und so lief denn auch alles ganz glatt von der Bühne. Jeder schlug jeden für die Liste vor, und schließlich waren's 81 (davon 10 Angestellte). Die 'alte Garde', die uns nun schon seit vier Jahren mit ihrer Tätigkeit erfreut hat, steht wie üblich ganz oben auf der Liste."
Q: Rutsche Die wichtigste Waffe für die kommenden Betriebsrätewahlen - Das Kampfprogramm und Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb. 1972) bzw. o.J. (Feb. 1972),S.1 bzw. S.1

07.02.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP vermutlich in dieser Woche ihre 'Kumpel-Post' (vgl. Dez. 1971, 14.2.1972) mit 6 Seiten DIN A 4 und folgendem Leitartikel zu den Betriebsratswahlen (BRW) heraus:"
IN DEN BETRIEBSRAT GEHÖREN DIE KONSEQUENTESTEN BELEGSCHAFTSMITGLIEDER

Die diesjährigen Betriebsratswahlen haben für die im Bergbau beschäftigten Arbeiter und Angestellten eine entscheidende Bedeutung. Die Bosse der Ruhrkohle haben zum Angriff auf den Geldbeutel der Bergarbeiter geblasen. Durch Feierschichten und Kurzarbeit soll unser Einkommen gemindert werden. Gleichzeitig wird immer mehr Leistung gefordert. Obwohl die Kohlenhalden wachsen, wird eine Leistung von 8 Tonnen je Mann und Schicht angestrebt, während gleichzeitig die Belegschaft vermindert werden soll. Langfristige Lieferverträge mit dem Ausland werden nicht abgeschlossen, aber in den Betrieben wird überall der Rotstift angesetzt, um aus den sogenannten 'roten Zahlen' herauszukommen. FÜR DIE UNFÄHIGKEIT DER MANGER IN WIRTSCHAFT UND POLITIK SOLL DER KUMPEL SEINEN BUCKEL WIEDER EINMAL HINHALTEN!
In dieser Situation finden in der Zeit vom 18. bis 20. April 1972 im Bergbau die Betriebsratswahlen statt. Es ist klar: Die Gegensätze zwischen Arbeitern und Unternehmern werden immer größer. Der Kampf der Bergarbeiter um mehr Rechte im Betrieb und um soziale Sicherheit wird immer heftiger. Diesen Kampf kann kein Kumpel allein bestehen. Dazu bedarf es einer Organisation, einer Gewerkschaft, die beharrlich und entschieden den Kampf um die Rechte der Bergarbeiter führt. Das bedeutet aber auch, daß die Kräfte nicht verzettelt werden dürfen. GEMEINSAM SIND DIE ARBEITER IMMER NOCH STÄRKER ALS DIE MILLIONÄRE GEWESEN !
DESHALB: KEINE SPALTERLISTEN!

Es wäre ein großer Fehler, wenn sich bei der Aufstellung der Kandidaten mehrere Listen herausbilden würden. In den Betriebsrat gehören keine Karrieristen oder Leute, die glauben, sich dort ein gutes Leben machen zu können. Mit Schlagworten allein kann man keinen Kampf gegen die Zechenunternehmer führen. Dazu bedarf es einer umfassenden Kenntnis der gesamten Materie. Die Aufgaben des Betriebsrates können sich heute nicht mehr auf die Verteilung von Care-Paketen und Fahrräder konzentrieren. Er muß sich heute mehr denn je einschalten bei der Ausarbeitung vernünftiger Entlohnungsgrundsätze. Seine Aufgabe besteht u.a. darin, die im neuen Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) enthaltenen - wenn auch sehr wenigen - Rechte der Arbeiter voll auszunutzen und zu erweitern. Er muß sich dafür einsetzen, daß die Folgen der kapitalistischen Profitwirtschaft nicht auf die Schultern der Bergarbeiter abgeladen werden. Das sind einige entscheidende Aufgaben für den neu zu wählenden Betriebsrat.

JETZT AKTIV MITBESTIMMEN!

Es ist nicht allein damit abgetan, daß die Belegschaft im April zur Wahlurne geht und ihre Stimme abgibt. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen zur Aufstellung der Kandidaten. Auf unserer Anlage bestehen Vertrauensmännerkörper (VLK,d.Vf.), die bereits bei der Aufstellung der Kandidaten aktiv mitwirken können. Jedes Belegschaftsmitglied sollte darum schon jetzt dem ihm bekannten Vertrauensmann Vorschläge unterbreiten, damit nur solche Kandidaten aufgestellt werden, die willens und auch in der Lage sind, die Bergarbeiterinteressen konsequent zu vertreten. So würde bereits vor der Wahl evtl. Spaltergruppen der Boden für eigene Listen entzogen. Gleichzeitig aber kann die ganze Belegschaft nach demokratischen Grundsätzen bestimmen, wer für die Auswahl ihrer Interessenvertreter benannt werden soll."

Mit diesem Artikel befaßt sich auch die KPD/ML-ZB (vgl. 23.2.1972).

Berichtet wird auch über die:"
UNVERANTWORTLICHKEIT VON VERANTWORTLICHEN

Die Arbeitsstätten, in denen der schaffende Mensch seine tägliche Arbeit verrichtet, obliegen der Führung der Betriebsleitung. Es sei hier der konkrete Aufgabenbereich der Betriebsleitung der Zentralwerkstatt (ZW,d.Vf.) Hardenberg angesprochen. Er besteht aus der Entgegennahme und Verteilung von reparaturbedürftigen Produktions- oder Arbeitsmitteln.
Selbstverständlich sollte in diesem Arbeitszweig eine präzise Arbeitsplanung der Verantwortlichen vorausgesetzt werden. Denn es kann doch nicht gleichgültig sein, ob die Belegschaft ein gesundes Verhältnis zur täglichen Arbeit bekommt oder nicht.

WIE IST DIE WIRKLICHKEIT?

Wie die 'Kumpel-Post' in letzter Zeit erfahren hat, sind an einigen Betriebspunkten Besonderheiten aufgetreten. Uns wurde bekannt, dass verschiedene Kollegen sehr häufig ihre Arbeit wechseln müssen. Erkundigt sich der Betroffene nach dem 'Wieso?' oder 'Warum?', so bekommt er oft die Antwort: Die Arbeit wurde nach auswärts vergeben oder die Konkurrenz ist so groß!

Wir fragen: Warum ist die Betriebsleitung nicht fähig, entgegengenommene Aufträge zu behalten, damit dem einzelnen Kollegen die große, ständige Belastung genommen wird, die sich aus häufig wechselnden Arbeiten ergibt? Um die Glaubwürdigkeit unserer Behauptung zu bekräftigen, möchten wir z.B. hinweisen auf die ungesunden Arbeitsverhältnisse in der Halle 1. Einige Kollegen, deren Arbeitsbereich bislang aus dem Reparieren von Getrieben oder Wasserpumpen bestand, müssen seit jüngster Zeit ständig eine andere Arbeit ausüben, wie z.B. Rahmenausbau oder Reparatur von Abbauhämmern. Hinzu kommt noch der Aspekt, daß an jedem Morgen die Bestellung der Ersatzteile selbst ausgeführt werden muß. D.h. also, Besorgung der Unterschrift des Meisters unter den Materialschein und das Holen der Ersatzteile aus dem Lager. Im allgemeinen dürfte bekannt sein, daß bei der Zeitaufnahme des Kalkulators Ersatzteile generell am Arbeitsplatz vorhanden sind. Bei den ständig wechselnden Arbeiten war bisher von einer EINARBEITUNGSZEIT oder von einer BEZAHLUNG DER AUSFALLSTUNDEN noch keine Rede.

Diese Gegebenheiten führen zwangsläufig zu einem Manko an der täglichen Vorgabezeit. Um dieses Manko wieder zu überbrücken, muß jeder dieser Kollegen erhöhte Anforderungen an sich stellen, was schlechthin zur ARBEITSHETZE führt. (Die 'Kumpel-Post' hat sich schon einmal eingehend mit diesem Thema befaßt.) (vgl. 23.8.1971,d.Vf.) Darum stellen wir die Frage: Hat sich die Betriebsleitung jemals Gedanken darüber gemacht, wie es um die Moral dieser Kollegen bestellt ist, die ihre Arbeit unter diesen extremen Bedingungen ausführen müssen?! Die Pumpen, von denen eingangs die Rede war, werden jetzt auf der Zeche Ickern (in Castrop-Rauxel,d.Vf.) repariert. Das Ersatzteillager ist seltsamerweise noch auf Hardenberg. Wenn jetzt z.B. Pumpendichtungen benötigt werden, wird eigens dazu ein Fahrzeug von Ickern abgestellt, um jene Ersatzteile zu holen. Weiterhin wurde auf Hardenberg eine Prüfanlage für Lüfter gebaut! Eine gute Woche nach Inbetriebnahme dieser Prüfanlage wurde auch die Instandsetzung der Lüfter andernorts vergeben! Auch Kollegen von der HALLE 2 wurden mit der gleichen Situation konfrontiert. So wurde z.B. die Instandsetzung von Schrappern und Haspeln nach Zollverein (in Essen,d.Vf.) vergeben. Daraufhin wurden Kollegen dieser Halle an anderen Betriebspunkten eingesetzt.

Folgerichtig macht sich unter den Kollegen eine bedenkliche Unzufriedenheit bemerkbar, wenn man sieht, daß bei den verlegten Kollegen auch am neuen Arbeitsplatz Engpässe entstehen! Deshalb fordert die 'Kumpel-Post' die Betriebsleitung auf, Schluß zu machen mit dem Dilemma des ständigen Arbeitswechsels. Sie ist dafür verantwortlich, Aufträge zu beschaffen, damit die ständig wechselnden Arbeiten unterbleiben und den betroffenen Kollegen die steigende Arbeitshetze genommen wird. Schließlich ist die Verantwortung in diesem Arbeitsbereich höher als die wirklich überflüssigen Kontrollgänge des Betriebsleiters Eichler kurz vor Feierabend unter dem Gesichtspunkt, daß ein jeder Kollege bis kurz vor dem Gang zur Stechuhr produktiv voll ausgelastet ist!"

Berichtet wird auch:"
AKTUELL...Lohnsteuerausgleich

Mitte Februar erhalten die Kumpel von Minister Stein/Hardenberg ihre Lohnsteuerkarten 1971 vom Lohnbüro zurück.

DEM FINANZAMT KEINE MARK MEHR ALS NOTWENDIG!

Das ist oft leichter gesagt als getan. Denn wer kann schon durch den Dschungel der Steuergesetze usw. hindurchschauen, der beim Auftrag auf Lohnsteuerjahresausgleich beachtet werden muß? ...

DIE STEUERGESETZE SIND FÜR UNS ARBEITER UND ANGESTELLTE EINE LAST - DEN MILLIONÄREN UND MILLIARDÄREN BRINGEN SIE MANCHERLEI SEGEN!"

Nachgedruckt werden die Artikel von Bernt Engelmann, "Yachten, Sekt und tolle Puppen", aus der 'Konkret'?************** und ein Artikel aus der 'UZ' vom 21.1.1972 über die Feierschichten im Ruhrbergbau (vgl. 21.1.1972). Eingeladen wird zur Veranstaltung der DKP-Stadtteilgruppe Eving-Lindenhorst-Brechten (vgl. 15.2.1972).
Q: Kumpel-Post In den Betriebsrat gehören die konsequentesten Belegschaftsmitglieder,Dortmund o.J. (1972);
Rutsche Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb. 1972),S.1

09.02.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund berichtet Günter Jegodowski von dem Unfall, der zu seiner Entlassung führte (vgl. 22.2.1972, 23.2.1972):"
LIEBE KOLLEGEN!

Ich wende mich auf diese Weise an Euch, weil ich keine andere Möglichkeit sehe, damit Ihr die Wahrheit erfahrt. Ich werde beschuldigt, mit der Hand im Blut meines tödlich verunglückten Kollegen Dieter Schnabel gerührt zu haben, um das politisch auszunutzen. Ich möchte Euch die ganzen Vorfälle einmal schildern.

Am Tage des Unfalls, am 9.2.1972, hörte ich von dem Geschehenen. Am Tage vorher war ich noch mit den Kollegen Schnabel und Röllecke zusammen. Ich konnte nicht begreifen, daß Dieter jetzt tot war. Ich wollte aufs Werk gehen, um mich genau zu erkundigen. Ein Kollege hatte schon zwei Reporter einer Dortmunder Tageszeitung angerufen, damit sie über den Fall berichteten. Ich ging zum Holzplatz und sah, daß der Kran schon wieder arbeitete, obwohl er nicht betriebssicher war. Er hatte keine Rückspiegel und abgefahrene Reifen. Ich bat den Fahrer der Mittagsschicht, den Kollegen Kallipke, mich zur Halle 8 zu fahren. Er tat das. An der Unfallstelle hielt er an und sagte: 'Da liegt noch das Blut von Dieter.' Ich wollte das nicht glauben und nahm an, daß es sich um ein Ölpfütze handelte. Dann stieg ich ab und prüfte, ob die Flüssigkeit Öl oder Blut war. Ich war erschrocken, daß es tatsächlich das Blut des Kollegen Dieter war, mit dem ich am Tage vorher noch Karten gespielt hatte. Dem Kollegen Kallipke machte ich den Vorwurf, daß das nicht abgestreut war und sie mit den Fahrzeugen immer durch das Blut fuhren. Ich bat ihn dann, zur Halle 8 weiterzufahren. Dort standen die Reporter am Zaun, um den Kran zu fotografieren. Ich sagte ihm, daß das Reporter einer Tageszeitung waren. Daraufhin bat ich ihn, den Kran so zu stellen, daß sie ihn fotografieren konnten. Er tat es. Danach verabschiedete ich mich und ging.

Zeugen hierfür sind u.a. die Reporter, die jederzeit bereit sind zu bestätigen, daß ich weder, wie behauptet, mit meiner Hand in dem Blut gerührt habe, noch mit einer blutigen Hand fotografiert wurde.

Im übrigen müßt Ihr wissen, daß sowohl die Betriebsleitung, als auch der Betriebsrat darüber informiert sind, daß die Reporter jederzeit in Dortmund befragt werden können."

Laut KPD/ML-ZB (vgl. 8.3.1972) wird Dieter Schnabel Opfer der Arbeitshetze.

Später (vgl. 16.8.1972) kommt es zur Verhandlung vor dem Arbeitsgericht und zur Untersuchung des Vorfalls vor dem Amtsgericht (vgl. 28.8.1972, 31.8.1972).
Q: BAG Dortmund:An das Arbeitsgericht Dortmund,Dortmund 16.8.1972,S.1ff;
Kumpel-Post Extra Liebe Kollegen!,Dortmund o.J. (März 1972),S.1;
Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972),S.1;
Amtsgericht Dortmund:An den DKP-Kreisvorstand Dortmund,Dortmund 31.8.1972,S.1;
DKP-Kreisvorstand Dortmund:An das Amtsgericht Dortmund,Dortmund 28.8.1972,S.1

09.02.1972:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' - Zeitung der Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 26.1.1972, 10.2.1972) erscheint vermutlich heute mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum mit dem Leitartikel "Die wichtigste Waffe für die kommenden Betriebsrätewahlen - Das Kampfprogramm", in dem zunächst von der Aufstellung der IGBE-Liste (vgl. 5.2.1972) zu den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972) berichtet und dann fortgefahren wird:"
KOLLEGEN, MACHT DIESEN FALSCHEN FREUNDEN EINEN DICKEN STRICH DURCH DIE RECHNUNG! Wenn jetzt ihr Werbefeldzug im Betrieb beginnt, dann erinnert euch an ihre 'Verdienste': ihren aktiven Einsatz für Lohndiktat und Lohnordnung, für das Betriebsverfassungs-Gesetz (BVG,d.Vf.) und politischen Druck auf oppositionelle Kollegen und die KPD/ML.

DIE ZWEITE LISTE - EIN BEWÄHRTES KAMPFMITTEL DER KUMPEL

Die fortschrittlichen Kollegen haben zu spüren bekommen, mit welchen Mitteln die zu jedem Verrat bereite sozialdemokratische Garde ihren schwindenden Einfluß noch retten wollen. Sie sparen nicht mit leeren Worten und Versprechungen und bearbeiten jeden, der nicht nach ihrer Pfeife tanzen will, mit massiven Drohungen.
So erging es besonders den fortschrittlichen Kollegen, die sich für die Bildung einer zweiten Liste eingesetzt hatten. Schon im November letzten Jahres (vgl. 12.11.1971,d.Vf.) hatten wir auf einer öffentlichen Veranstaltung der KPD/ML-Betriebsgruppe diesen Plan diskutiert. Auf einer 2. Liste sollten alle diejenigen Kandidaten stehen, die die Kampfforderungen der Kumpel vertreten, sie ist die Liste für alle kampfbereiten Kollegen. Sie ist die Liste, die unter uns die Einheitsfront herstellen kann gegen die verräterischen Führer aus SPD-Betriebsrat und IGBE.

Diesem Kampfmittel der Kumpel haben diese Leute nichts entgegenzusetzen - und das ist ihnen selber nur zu klar. Deshalb haben sie ihre hektische Aktivität entfaltet.
DIE GEWERKSCHAFTSBONZEN UND AUCH DIE DKP-FÜHRUNG HABEN IHREN MITGLIEDERN VERBOTEN, SICH AUSSERHALB DER EINHEITSLISTE ZU STELLEN UND DROHTEN IHNEN DEN AUSSCHLUSS AUS IHREN ORGANISATIONEN AN. Kollegen, sind das denn noch 'Arbeitervertreter', die man gewähren lassen darf? Sind das nicht ganz deutlich die bezahlten handlanger des kapitalistischen Staates, die unter der Fahne der SPD die Stimme der Kumpel zum Schweigen bringen und den geschlossenen Kampf verhindern wollen?
KOLLEGEN, DER DICKE STRICH DURCH IHRE RECHNUNG MUSS DER KLARE TRENNUNGSSTRICH ZU DIESEN ARBEITERVERRÄTERN SEIN!

SOLLEN DIE BETRIEBSRÄTE REGIERUNGSKNECHTE ODER ARBEITERVERTRETER SEIN?

Manche Kollegen meinen, es habe doch keinen Zweck, dagegen anzugehen. 'Uns fehlt die Führung im Kampf', heißt es und 'Wenn einer erst mal oben sitzt, vergißt er seine Kumpel.'
Genau das wollen die SPD- und Gewerkschaftsführer erreichen: die Spaltung der Arbeiter und die Bestechung der Betriebsräte. Aber müssen wir uns damit zufriedengeben, daß die Betriebsräte zu Organen des Betriebsfriedens und zur Schlichtungsstelle für Arbeiter, die ihre Forderungen stellen, gemacht werden? Müssen wir es einfach hinnehmen, daß diese Herren von der Regierung angefangen bis hin zu Dannhorsts und Wenzelmanns ihr letztes Fünkchen Einfluß dazu benutzen wollen, um ihre Nasen und Pfoten in den Betriebsrat zu stecken?

WENN WIR DEN SCHWINDEL DURCHSCHAUT HABEN, DANN GEHT DER KAMPF ERST LOS! Und die Betriebsräte-Wahlen werden für uns eine wichtige Klassenschlacht sein, die alle fortschrittlichen Kumpel zusammen mit der KPD/ML für sich entscheiden müssen.

Obwohl der erste Versuch einer zweiten Liste vorerst an den politischen Einschüchterungen und Zwang gescheitert ist, tritt die KPD/ML weiterhin für dieses hervorragende Kampfmittel ein. Denn WEIL DIE KPD/ML DIE PARTEI IST, DIE FÜR DEN SOZIALISMUS KÄMPFT, UNTERSTÜTZT SIE JEDE ARBEITER-EINHEITSFRONT, JEDE STÄRKUNG DES KAMPFES.

Was sind die Aufgaben der KPD/ML? Kollegen, lest dazu, was die neue ROTE FAHNE in ihrem Artikel zu den Betriebsräte-Wahlen schreibt". Zitiert wird aus dem Artikel "Betriebsrätewahlen 1972: Weg mit den Regierungsknechten! Für klassenkämpferische Betriebsräte" in der 'RF' Nr.3 vom 7.2.1972 von "Wo klassenbewußte Betriebsräte den Tageskampf der Massen führten" bis "Diese Organisation aber ist die Kommunistische Partei." Fortgefahren wird:"
Um diese Einheitsfront unter den Kumpel herzustellen, um die verräterischen Führer zu isolieren, die unseren Kampf spalten und verhindern wollen, dafür müssen wir jetzt alle eintreten.
Aus diesem Grund hat die KPD/ML-Betriebsgruppe in dieser RUTSCHE ein KAMPFPROGRAMM ZU DEN BETRIEBSRÄTE-WAHLEN veröffentlicht. Es enthält die Kampfforderungen aller Kumpel und sollte von allen diskutiert und verbessert werden."

Im Kampfprogramm heißt es:"
Kollegen, 1970 versprach Walter Arendt uns eine sichere Zukunft. Das nach der Krise 1966/67 auflodernde Feuer unter den Bergleuten, die die grundlegende Veränderung der kapitalistischen Wirtschaft forderten, sollte mit der RAG gelöscht werden.
Gleichzeitig machten die SPD- und IGBE-Führer, die schlimmsten Feinde der Arbeiter, weiter Karriere. Als Handlanger des imperialistischen Staates und der Zechenherren spalteten und betrogen sie die Kumpel. Wie damals die Gründung der RAG preisen sie und ihre DKP-Freunde heute die Verstaatlichung als Allheilmittel und versuchen uns damit abzulenken. Doch der Kampf der Arbeiter wächst gegen die Verräter in den eigenen Reihen. Das zeigte uns gerade der Streik unserer Hoesch-Kollegen (IGM-Bereich - vgl. 14.1.1972,d.Vf.). Folgen wir ihrem Beispiel:
GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SOZIALDEMOKRATISCHEN FÜHRER - DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER RUHRKUMPEL!
VERTRAUEN WIR AUF UNSERE EIGENE KRAFT!

Wieder einmal heißt es, der Kumpel soll in der Krise für die Profitgier der Zechenbarone und Großaktionäre zahlen. Die 7 Feierschichten sind noch lange nicht das Ende. Sie sind ein deutliches Zeichen, gegen das wir uns von Anfang an wehren müssen. Die Betriebsräte, die mit ihren 25 bezahlten Schichten gut dran sind, haben ein großes Lügengebäude vor uns errichtet: nicht 95, sondern ca. 60 bis 90 Prozent beträgt das Kurzarbeitergeld!
Wir fordern dagegen:
KAMPF DEN KRISENFOLGEN! KAMPF DEM LOHNRAUB!
VOLLE BEZAHLUNG DER FEIERSCHICHTEN! GARANTIERTER MONATSLOHN!

Von den Rationalisierungsmaßnahmen der RAG sind besonders die älteren Kollegen betroffen. Um der RAG die führende Stellung in der EWG zu schaffen, setzt die SPD-Regierung nun den 'Gesamtanpassungsplan' durch: jede 4. Zeche soll dicht machen, 50 000 Kumpel auf die STRASSE fliegen. Die betroffenen Frührentner müssen enorme Einbußen in der Rente hinnehmen. Wir fordern gegen den arbeiterfeindlichen Gesamtanpassungsplan:
7-STUNDEN-TAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!
HERABSETZUNG DES RENTENALTERS FÜR UNTERTAGE AUF 50 JAHRE, FÜR ÜBERTAGE AUF 55 JAHRE!
VOLLE ANRECHNUNG DER JAHRE BEI DER KNAPPSCHAFT VOM TAG DER ENTLASSUNG BIS ZUM GESETZLICHEN RENTENALTER!

Mit Notstandsgesetzen und Betriebsverfassungs-Gesetz (NSG bzw. BVG,d.Vf.) wird der Staat für die Zeit gerüstet, wo die kampfbereite Arbeiterklasse zur Tat schreitet. Noch perfekter sollen die Betriebsräte zu Organen der verschärften Friedenspflicht und betrieblichen Zwangsschlichtung eingesetzt werden:
Unsere Forderung lautet:
KAMPF DEM BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ!

Im Öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.) ist Anfang des Jahres (vgl. 8.1.1972,d.Vf.) Schillers Lohndiktat von 4% durchgesetzt worden. Im Mai/Juni sind wir im Bergbau davon betroffen. Wir fordern gegen die Knebelung durch den Bonner Staat:
KAMPF DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG! DAS LOHNDIKTAT DURCHBRECHEN!

Nach wie vor spaltet die Lohnordnung die Kollegen und brachte viele Lohnkürzungen. Wir fordern:
DIESE LOHNORDNUNG MUSS VOM TISCH!

Zugleich brachte die spalterische Lohnordnung ihren Geburtshelfern, den verräterischen Betriebsräten, fast 2 000 DM ein. Wir wollen keine gekauften 'Arbeitervertreter':
KEINE BESTECHUNG DER BETRIEBSRÄTE!
BETRIEBSRÄTE BEKOMMEN HAUERDURCHSCHNITTSLOHN!

Offen verteidigt Dannhorst die Schwarze Liste. Fortschrittlichen Kollegen wird mit Gewerkschaftsausschluß gedroht. Die Einschüchterungen durch Entlassungs-Androhungen häufen sich. Dies alles beweist nur eines: wie sehr sie die wachsende Kampfbereitschaft der Kumpel fürchten. An die Adresse geht die Warnung:
KEINE EINSCHÜCHTERUNGSVERSUCHE! SCHLUSS MIT DEM POLITISCHEN DRUCK AUF FORTSCHRITTLICHE KOLLEGEN!
KAMPF DEN POLITISCHEN ENTLASSUNGEN!
Wir fordern:
WEG MIT DER SCHWARZEN LISTE!

In diesen Wochen haben uns die englischen (britischen,d.Vf.) Kumpel ein großartiges Beispiel an Kampfesentschlossenheit und Vertrauen auf die eigene Kraft gegen die verräterische Gewerkschaftsführung und Regierung gegeben. Weltweit ist die Unterstützung der Arbeiter für ihre englischen Klassenbrüder in ihrem Kampf um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.
Umso schärfer müssen die Streikbrecherdienste der westdeutschen Kapitalisten und der SPD-Regierung bekämpft werden, die sich durch umfangreiche Kohlelieferungen einen neuen Aufschwung ihrer imperialistischen Pläne erhoffen, wenn sie nach der belgischen und französischen nun auch die englische Kohle niederzwingen können.

ES LEBE DIE SOLIDARITÄT MIT DEN KÄMPFENDEN ENGLISCHEN BERGARBEITERN!
KEINE STREIKBRECHERKOHLE NACH ENGLAND!"

Aufgerufen wird zur Veranstaltung über das Kampfprogramm (vgl. 11.2.1972).
Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.3 vom 7.2.1972 (vgl. 10.2.1972).
Der letzte Artikel fordert bezüglich des neuen BVG (vgl. 10.11.1971):"
KAMPF DEM BVG

'Das neue BETRIEBSVERFASSUNGS-GESETZ gibt den Betriebsräten mehr Möglichkeiten - mehr Einfluß', behaupteten kürzlich die Gewerkschaftsbonzen in einem Flugblatt (vgl. **.*.1972,d.Vf.). 'Eure Interessen liegen bei der IGBE in guten Händen!' tönten sie lauthals und fragten dann scheinheilig: 'Weißt Du auch… wie vielseitig die Arbeit unserer Betriebsräte ist?'

Doch, wir wissen sehr wohl, wie vielseitig die Arbeit DIESER Betriebsräte vom Schlage eines alten Arbeiterverräters Wenzelmann oder seiner Freunde ist, wenn es gilt, die Kumpel zu betrügen und an die Kapitalisten zu verraten. Mit Kostproben ihres 'Könnens' haben sie ja nicht gespart - was wunder, wenn sie jetzt das neue Betriebsverfassungs-Gesetz (BVG) so über den grünen Klee loben. Denn in der Tat, die Möglichkeiten für Arbeiterverräter sind doch sehr viel besser geworden - dank der SPD-Regierung.

- Paragraph 79 des BVG verpflichtet die Betriebsräte, mit den Kapitalisten gemeinsame Sache zu machen. Betriebsräte und Jugendvertreter dürfen von den Kapitalisten als 'vertraulich' bezeichnete Informationen 'nicht offenbaren und nicht verwerten.' Im Gegensatz zum alten Adenauer-BVG von 1952 (vgl. **.**.1952,d.Vf.) dürfen die Betriebsräte die 'vertraulichen' Informationen nicht einmal für ihre eigene Arbeit verwenden. Die Strafe bei Verstoß hat die SPD-Regierung auf Gefängnis bis zu 2 Jahren und unbegrenzte Geldstrafe festgesetzt, wenn ein Betriebsrat im Interesse der Kollegen von seinem Wissen Gebrauch macht. Eine Kapitalistenlüge dagegen wird lediglich mit einer Ordnungsstrafe von höchstens 2 000 DM bedacht - für die Großkapitalisten eine lächerliche Summe.

- In Paragraph 2 wird das ZUGANGSRECHT für Gewerkschafts-Funktionäre geregelt, die nach vorheriger Anmeldung beim Unternehmer das Recht haben, den Betrieb zu betreten. Doch erfährt man dann sofort, daß damit gar keine neuen Rechte für die Gewerkschaft gemeint sind, nur die 'vertrauensvolle' Zusammenarbeit mit den Unternehmern soll verbessert werden. Farthmann, der Referent des DGB-Vorsitzenden Vetter sagte (vgl. S6.**.197*,d.Vf.):
'Wer allerdings daran interessiert ist, daß die Gewerkschaften echte MITBESTIMMUNGSFUNKTIONEN im Betrieb übernehmen, der muß ihnen dies Minimum einer fairen Mitarbeitungsmöglichkeit in den Betrieben, wo sie sich nun mal betätigen müssen, auch gestatten.'
Und der Kölner Stadtanzeiger (KStA - vgl. S6.**.197*,d.Vf.) meint, die Gewerkschaften müßten dann auch die Verantwortung für 'wilde' Streiks übernehmen.
Mit anderen Worten: die Gewerkschaftsfunktionäre sollen in die Betriebe, um Streikverbot durchzusetzen und müssen vorher beim Kapitalisten zum Befehlsempfang antanzen.

- Reicht dies noch nicht aus, haben die SPD-Führer die ZWANGSSCHLICHTUNG parat. Eine zu gleichen Teilen aus Betriebsräten und Kapitalisten zusammengesetzte 'Einigungsstelle' mit einem 'neutralen' Vorsitzenden an der Spitze. Diese Stelle behandelt fast alle im Betrieb auftretenden Streitfragen. So werden die berechtigten Forderungen der Kollegen am grünen Tisch verraten.

Denn nicht die Kumpel selber sollen für ihre Interessen kämpfen und sie durchsetzen, sondern in Gremien, Ausschüsse, hinter die verschlossenen Türen sollen die Forderungen abgeschoben werden.

'Dieses BVG ist kein Gesetz zur Mobilisierung von Konflikten… sondern es ist es ein Gesetz zur Lösung von Konflikten' bemerkt Farthmann (vgl. S7.**.197*,d.Vf.) sehr richtig - um nämlich den Kampfwillen der Arbeiter zu ersticken.

Dieses Gesetz, das in trautem Einvernehmen von SPD-Regierung und CDU-Opposition erlassen wurde, bedeutet für die Arbeiterklasse Friedenspflicht, Streikverbot und Zwangsschlichtung. Sie selbst soll unter die Knute dieses Staates, ihre Organisationen in Organe dieses Staates umgewandelt und die Arbeiterklasse ihrer Kampfkraft beraubt werden.

Dieses BVG steht in einer alten 'Verrätertradition', denn der Kampf um die Betriebsräte war seit eh und je ein Kampf gegen die sozialdemokratischen Verräter.

VON KAMPFORGANEN ZU ORGANEN DES BETRIEBSFRIEDENS

Schon vor über 50 Jahren, am Ende des ersten Weltkrieges, entstanden die ersten Betriebsräte. Mit großer Entschlossenheit und unter vielen Opfern hatte die Arbeiterklasse sich diese Organe erkämpft. Damals waren es die Betriebsräte, die die Streiks gegen den imperialistischen Krieg und die Handlangerdienste der verräterischen SPD-Führer, die alle Kriegskredite bewilligt hatten (organisierten,d.Vf.).

DER ERSTE VERRAT KAM 1920 (vgl. 13.2.1920,d.Vf.): die SPD war gerade erst an die Regierung gekommen, als sie schon daran ging, die Betriebsräte durch Gesetz zu Handlangern des Kapitalisten zu machen. Die 'Friedenspflicht' wurde eingeführt, ein Gesetz zur Zwangsschlichtung erlassen, mit dem Gerede vom 'gemeinsamen Betriebsinteresse' wurden den Arbeitervertretern Fesseln angelegt. Hunderttausende Arbeiter demonstrierten damals gegen diese Gesetz. Die von der damaligen SPD-Regierung eingesetzten Freikorps-Truppen töteten 42 und verletzten 105 Menschen.

DER VERRAT VON 1952: nach dem zweiten Weltkrieg hatten sich die Arbeiter wieder starke Betriebsräte erkämpft. Doch mit der Aufrüstung des Bonner Staates, mit der Eingliederung Westdeutschlands in die NATO und der Zentralisierung des Staates wurden auch die Betriebsräte an die staatliche Kette gelegt.

Inzwischen ist die Arbeiterklasse kampfbewußter geworden. Die Bonner Imperialisten fürchten um ihre Macht. Deshalb also das neue BVG, das 'Handschellengesetz', mit dem die SPD-Regierung die Forderungen der Arbeiterklasse unter Staatskontrolle stellen will. Eine für ihre Forderungen kämpfende Arbeiterklasse wird zum 'Gesetzesbrecher', wenn sie sich nicht an die Gesetze der Herrschenden hält. Dann bekommt sie den Gummiknüppel der Polizei zu spüren, wie beim Streik der Chemiearbeiter, oder die 'blauen Bohnen' wie in den 20iger Jahren und unter dem Hitlerregime.

NEUES BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ - EINE WAFFE DER KAPITALISTEN

Um die Arbeiterklasse auszubeuten und ihren Kampf ersticken zu können, haben sich die Kapitalisten ihren Staat geschaffen, mit ihrer Justiz, Polizei und dem Heer. In diesem Staat der Kapitalisten gilt als recht, was ihnen nützt und als unrecht, was ihnen schadet. Wer gegen diese Ausbeuterordnung kämpft, der wird dann zum 'Kriminellen', der kein Recht auf die Verbesserung seiner Lage hat.

Deshalb brauchen wir Arbeiter unseren eigenen Staat, in dem WIR bestimmen, was Recht und Unrecht ist. In diesem Staat haben wir UNSERE Polizei, dort gilt UNSER Recht. Dazu müssen wir den Kapitalisten und ihren sozialdemokratischen Handlangern ihre Machtmittel aus der Hand schlagen. Dies wird ein harter und schwieriger Kampf sein, und deshalb müssen die Besten und Erfahrensten von uns diesen Kampf führen und leiten. Diese, unsere echten Führer, schließen sich in der Kommunistischen Partei, der KPD/ML, zusammen und führen uns zum Ziel: dem Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaats. Ohne eine feste, weit vorausschauende Führung, die genau bestimmen kann, was wir jetzt tun müssen, sind wir uneins, werden wir geschlagen, setzen sich falsche Freunde an unsere Spitze. Diese Führung ist keine, die die macht hinter verschlossenen Türen an sich gerissen hat, sondern eine, die sich zusammen mit den Massen, in ihrem vertrauen und unter ihrer ständigen Kontrolle als Führung erweist.

Für unser Ziel, die Staatsmacht zu erringen, ist es jetzt unsere Hauptaufgabe, uns von allen Spaltern und Verrätern in den eigenen Reihen zu befreien und echte Arbeitervertreter an unsere Spitze im Betrieb zu setzen.

Wenn die Verräter und Spalter ihren Einfluß auf die Arbeiterklasse verloren haben, können wir einheitlich und geschlossen den Kampf für unser Endziel rfolgreich führen.

KAMPF DEM BETRIEBSFRIEDENSGESETZ
GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER RBEITERKLASSE

STÄRKT DIE KPD/ML!"
Q: Rutsche Die wichtigste Waffe für die kommenden Betriebsrätewahlen - Das Kampfprogramm, Dortmund o.J. (Feb. 1972)

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10.02.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Zeche Minister Stein ruft mit einer 'Rutsche' (vgl. 9.2.1972, 23.2.1972) von zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, vermutlich heute erneut zu ihrer Veranstaltung auf. Einleitend heißt es:"
KAMPFPROGRAMM

WAHLTAG IST ZAHLTAG

Kollegen, die KPD/ML-Betriebsgruppe fordert euch auf, euch auf diesem Kampfprogramm, das die Forderungen aller fortschrittlichen Kumpel enthält, zusammenzuschließen gegen die verräterischen Betriebsräte, um ihnen ihre wohlverdiente Niederlage zuzufügen."

Anschließend wird noch einmal das Kampfprogramm (vgl. 9.2.1972) abgedruckt.
Q: Rutsche Kampfprogramm - Wahltag ist Zahltag, Dortmund o.J. (10.2.1972)

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11.02.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe auf den Dortmunder Zechen Minister Stein und Hardenberg will eine öffentliche Veranstaltung zum Thema "Kampfprogramm zu den Betriebsrätewahlen" (BRW - vgl. 18.4.1972) um 19 Uhr in der Evinger Lampe in der Preußischen Str. durchführen. Laut KPD/ML-ZB kritisiert die Jugendbetriebsgruppe des KJVD die Nichtbeachtung der Arbeiterjugend im Kampfprogramm.
Q: Rutsche Die wichtigste Waffe für die kommenden Betriebsrätewahlen - Das Kampfprogramm, Kampfprogramm - Wahltag ist Zahltag und Demokratische Wahlen -oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb.1972), o.J. (Feb. 1972) bzw. o.J. (Feb. 1972),S.1 und 4,S.2 bzw. S.3

14.02.1972:
Die DKP gibt auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Extra ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 7.2.1972, 21.2.1972) mit dem zentralen Text "Jetzt ratifizieren" heraus, wie er auch im IGM-Bereich bei Hoesch (vgl. dort) verbreitet wurde sowie mit dem bundesweiten Text über "Die großen Vorteile der Verträge" (vgl. Feb. 1972).
Q: Kumpel-Post Extra Jetzt ratifizieren,Dortmund o.J. (1972)

21.02.1972:
Die DKP gibt auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund vermutlich in dieser Woche eine 'Kumpel-Post' (vgl. 14.2.1972, 1.3.1972) heraus, die uns leider noch nicht vorlag und in der sie die KPD/ML-ZB als 'Schmierfinken' bezeichnet, die die Interessenvertreter der Arbeitnehmer beschimpfen.
Q: Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972),S.2

22.02.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund berichtet Günter Jegodowski von dem Unfall (vgl. 9.2.1972), der zu seiner Entlassung führte (vgl. 23.2.1972):"
Am 22.2.1972 wurde mir dann von den Betriebsräten Heinz Wenzelmann und Paul Kadenbach mitgeteilt, daß wegen des Vorfalls nichts gegen mich unternommen würde."
Q: Kumpel-Post Extra Liebe Kollegen!,Dortmund o.J. (März 1972),S.1

23.02.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund berichtet Günter Jegodowski von der gestrigen Versicherung, daß nichts gegen ihn wegen dem Unfall (vgl. 9.2.1972) unternommen werden würde:"
Am Tage darauf wurde ich von einem uniformierten Werkschutzmann vom Mittagessen weg zum Büro des Fahrsteigers Kamman geholt. Ich ließ den Betriebsrat Wenzelmann dazu holen und öffnete erst dann den Briefumschlag, den mir Herr Hochmut verschlossen übergeben hatte. Der Umschlag enthielt die fristlose Kündigung.

Eine Quittierung der Kündigung lehnte ich ab. Dann fuhr ich zum Büro des Betriebsrates und ging mit den Kollgen L. Kricke und A. Wagner zum Personaldirektor Kelbassa, um Einblick in die Protokolle zu nehmen und dadurch zu erfahren, was mir genau vorgeworfen wurde. Der PS-Direktor las mir vor, was vom Kollegen Kallipke gegen mich vorgebracht wurde. Er sagte, Kallipke habe geschildert, ich hätte in dem Blut meines toten Kollegen 'gerührt'. Der Großteil der Kumpels wolle deshalb nicht mehr mit mir arbeiten. Darum sei ich entlassen worden.

Man hat mich entlassen, ohne mir eine Chance zu geben, mich zu rechtfertigen. Der fahrsteiger Kammann weigerte sich, mich dem Kollegen Kallipke gegenüberzustellen, der die Lügen über mich verbreitete.

Auch der Betriebsrat und die IG Bergbau und Energie (IGBE,d.Vf.), die mir sogar den Rechtsschutz verweigerten, haben sich nicht für mich eingesetzt. Das kann ich als ehemaliger Gewerkschaftsfunktionär nicht verstehen. So, Kollegen, bildet Euch jetzt Eure eigene Meinung und laßt Euch nicht von der Betriebsleitung Lügen auftischen."

Von der Entlassung berichten auch die KPD/ML-ZB Betriebsgruppen Hoesch Westfalenhütte Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 9.3.1972) und Hoesch Phoenix (IGM-Bereich - vgl. 3.4.1972) sowie der KJVD bei Minister Stein/Hardenberg (vgl. 24.4.1972,d.Vf.).

Die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB (vgl. 8.3.1972) allerdings datiert die Entlassung auf den 29.2.1972.
Q: Kumpel-Post Extra Liebe Kollegen!,Dortmund o.J. (März 1972),S.1f;
Die Rote Westfalenwalze Jetzt erst recht,Dortmund o.J. (März 1972),S.5;
Das Rote Schwungrad Schon wieder eine neue Zeitung,Dortmund o.J. (Apr. 1972), S.4;
Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972),S.1;
Jugend-Rutsche Alle Mann hinters Kampfprogramm!,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.1 und 6

23.02.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Zeche Minister Stein Dortmund gibt vermutlich heute eine 'Rutsche' (vgl. 10.2.1972, 1.3.1972) mit 6 Seiten Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
DEMOKRATISCHE WAHLEN - ODER FAULER ZAUBER?

Nachdem die Einheitsliste der Betriebsrats-Kandidaten fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit festgelegt wurde (vgl. 5.2.1972,d.Vf.), stellt sich uns Kumpeln die Frage: sind Betriebsräte-Wahlen in dieser Form demokratisch? Kann, wie die DKP in der 'Kumpelpost' (vgl. 7.2.1972,d.Vf.) behauptet, 'die ganze Belegschaft nach demokratischen Grundsätzen bestimmen, wer für die Auswahl ihrer Interessenvertreter benannt werden soll'? Die Antwort ist ein klares Nein! Schon im Dezember (vgl. Dez. 1972,d.Vf.) mauschelten Dannhorst, Obijou, Wenzelmann und Konsorten eine neue Liste aus. Was für sie bei der Auswahl zählte, war nicht Kampfbereitschaft, sondern Regierungstreue. Dieser erste Vorschlag wurde dann im Januar (vgl. Januar 1972,d.Vf.) durch die von der Gewerkschaft eingesetzten V-Leute auf einer internen Funktionärs-Konferenz mit weiteren parteitreuen Leuten ergänzt. Dann wurde überraschend die Schachtgewerkschaftsversammlung durchgezogen (vgl. 5.2.1972,d.Vf.), auf der nur wenige Kollegen anwesend waren. Ohne Diskussion, ohne breite Mitwirkung der Belegschaft wurden die Kandidaten aufgestellt. Ganz oben natürlich die alte Garde der Regierungsknechte, wenn auch ohne den alten Fuchs Dannhorst. Was soll nun diese Mauschelpolitik bezwecken? Schauen wir uns die Wahlpraktiken der vergangenen Betriebsräte-Wahlen (vgl. S2.**.1968,d.Vf.) an:

Kurz vor der Wahl tauchten im Kasten die Bilder der Kandidaten auf. Hatte ich Glück, so waren einige Kumpel darauf, die ich persönlich kannte und schätzt; war das jedoch nicht der Fall, wie bei vielen, so durfte ich mir die 'schönsten Nasen' heraussuchen. das Ergebnis war dann meist, daß die alten Leute wieder drin waren. Und genau das bezwecken die Herren Betriebsräte, denn sie fürchten klare Fronten. Darum wird vertuscht, darum wird gemauschelt, ja darum wird sogar den oppositionellen Kollegen, die dieses Spiel nicht mitmachen, mit Rausschmiß gedroht. Nein - hier können wir wirklich nicht von demokratischen Wahlen sprechen, wie die DKP es tut. Dies ist faulster Wahlzauber, der zum Himmel stinkt!

WIR FORDERN BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG (BV,d.Vf.)

Kollegen, noch ist die Sache nicht so gelaufen, wie die Bonzen es gerne möchten. Noch besteht die Möglichkeit, klare Fronten zu schaffen.

KOLLEGE! DEINE UNTERSCHRIFT FÜR DIE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG!

Als erstes müssen wir dazu eine Belegschafts-Versammlung noch vor dem letzten Einreichungs-Termin der Liste (am 11.3.1972,d.Vf.) fordern. Dort muß jeder Kandidat Farbe bekennen:
Wie stehst du zum Lohndiktat?
Wie stehst du zu den Feierschichten?
Wie stehst du zur Betriebsräte-Bestechung?

Das sind Fragen, an denen sich entscheiden wird: bist du ein Regierungsknecht oder ein klassenkämpferischer Betriebsrat?

Eine Belegschaftsversammlung kann aber nur einberufen werden, wenn entweder der Betriebsrat dafür ist (und da brauchen wir uns gar keine Hoffnung zu machen) oder wenn sie von der Belegschaft gefordert wird.

WIR RUFEN AUF:

Alle Kandidaten, die sich kompromißlos hinter die Forderungen der Kollegen stellen sammeln UNVERZÜGLICH Unterschriften für die Einberufung einer Belegschaftsversammlung!

Alle Kollegen geben heute mittag ihre Unterschrift und Markennummer für die Einberufung einer Belegschaftsversammlung den ROTE FAHNE-Verkäufern.

Was für einen Betriebsrat wir haben, geht uns alle an! 'Erinnern wir uns', schreibt die ROTE FAHNE 3 (vgl. 7.2.1972,d.Vf.), 'warum hat die Arbeiterklasse Betriebsräte gebildet? Etwa um Staat und Kapitalisten Ruhe im Betrieb zu schaffen? Nein! Die Betriebsräte sind geschaffen worden, damit der Kampf der Arbeiterklasse gegen staatliche Unterdrückung und kapitalistische Ausbeutung wirklich die Millionenmassen der werktätigen Bevölkerung erfaßt.'

Haben unsere Betriebsräte diese Aufgabe erfüllt? Nein - im Gegenteil. Sie spielen sich auf als unsere Verwaltungsbeamten, die uns immer wieder unter die Knute des Bonner Staates preßten und pressen wollen. Sei es bei den Tarifkämpfen, sei es bei den Rationalisierungsmaßnahmen oder sei es jetzt bei den Betriebsräte-Wahlen.

WEG MIT DEN REGIERUNGSKNECHTEN!
FÜR KLASSENKÄMPFERISCHE BETRIEBSRÄTE!
KEINE STIMME FÜR OBIJOU, WAGNER, WENZELMANN UND CO.!

DAS KAMPFPROGRAMM, DIE WICHTIGSTE WAFFE IN DIESEM KAMPF

Kollegen, wirklich klare Fronten können wir nur dann herstellen, wenn wir eine Richtlinie haben, an der wir die Kandidaten messen können. Diese Richtlinie soll das KAMPFPROGRAMM sein.
Bisher ist unser Vorschlag (ihr habt ihn sicher in der letzten RUTSCHE (vgl. 9.2.1972,d.Vf.) gelesen) noch viel zu wenig diskutiert worden. Nur die Jugendbetriebsgruppe des KJVD übte auf der letzten Veranstaltung der KPD/ML-Betriebsgruppe (vgl. 11.2.1972,d.Vf.) Kritik, weil im Kampfprogramm die Arbeiterjugend vollständig unter den Tisch gefallen ist. Die Kollegen haben recht.
Für die Betriebsräte-Wahlen müssen wir unbedingt die EINHEIT DER ARBEITERKLASSE herstellen.
Das Kampfprogramm soll die Forderungen aller Kollegen beinhalten.
Deshalb:
DISKUTIERT DAS KAMPFPROGRAMM!
MACHT ZAHLREICH VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE!
KOMMT ZUR FEIERSCHICHTENVERANSTALTUNG DER KPD/ML!
GEBT DEN 'ROTE FAHNE'-VERKÄUFERN EURE UNTERSCHRIFT FÜR DIE
BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG!"

Gefordert wird die:"
VOLLE BEZAHLUNG DER FEIERSCHICHTEN!

95 Prozent - das war das Versprechen von Dannhorst, Wenzelmann, Obijou und ihren SPD-Parteifreunden in der IGBE-Führung vor den Feierschichten.

Jetzt sind die ersten Lohnscheine heraus und jeder kann sehen, wie das Lügengebäude dieser Verräter zusammenfällt. Sie hatten mit ihrer 95%-Versprechung nur eines im Sinn: die erste Verbitterung der Kumpel dämpfen und verhindern, daß sie für die volle Bezahlung der Feierschichten kämpfen. Das sind die Fakten:

Bei einem Schichtlohn von: ergibt sich als Berechnungsgrundlage ein Stundenlohn von: Für diesen Bruttolohn ergibt sich ein Kurzarbeitergeld von netto pro Stunde von: Das macht einen Nettoschichtlohn von:
LG 5: 42,01 DM5,25 DM2,45 DM - 3,5019,40 DM - 28,-
LG 8 + 10%: 51,70 DM6,45 DM2,97 DM - 4,22 23,76 DM - 33,76
LG 11 + 15%: 63,25 DM7,90 DM3,51 DM - 5,-28,08 DM - 40,-

Auf dem Lohnstreifen sieht das dann so aus:
Da bekommt ein Kumpel z.B. 95 DM pro Schicht, netto 65 DM, und für jede Feierschicht kriegt er 37 DM. Das sind etwa 40% weniger!
Oder zwei andere: brutto ungefähr 65 DM, netto 53 DM, pro Feierschicht gibt es 38 DM. Das sind etwa 25% weniger!
Oder: brutto 55 DM, netto etwa 40 DM, pro Feierschicht nur 27 DM, also 33% weniger!
Oder: brutto 40 DM, netto 30 DM, pro Feierschicht 18 DM. Das sind fast 40% weniger!
Es zeigt sich: DAS KURZARBEITERGELD IST ZWISCHEN 25% (FAMILIENVATER MIT KINDERN) UND 40% (LEDIG) NIEDRIGER ALS DER NETTOLOHN.

Kumpel,
so soll also die Krise der RAG auf uns abgewälzt werden:
- uns Kumpel ziehen der kapitalistische Staat und seine treuesten Helfershelfer, die SPD-Führer, das geld aus der Tasche - obwohl wir das Kurzarbeitergeld durch die Arbeitslosenversicherung selbst bezahlt haben.
- den RAG-Aktionären zahlt der Staat 2,4 Milliarden aus unseren Steuergeldern, die sie in ihre eigene Tasche stecken.

Das zeigt: dieser Staat ist ein Klassenstaat im Dienste der Zechenherren und Stahlbarone. Ihn müssen wir entschieden bekämpfen.

Dem unverschämten Lohnraub muß ein Riegel vorgeschoben werden! Unsere Forderung muß heißen: Volle Bezahlung der Feierschichten! Dabei können wir uns nicht verlassen auf die sozialdemokratischen Regierungsknechte aus dem Betriebsrat - wir brauchen einen echten Kumpelbetriebsrat!

Deshalb gilt für die kommenden Betriebsräte-Wahlen:

WAHLTAG IST ZAHLTAG!

KOMMT ZUR FEIERSCHICHTENVERSAMMLUNG DER KPD/ML AM MONTAG!"

Der letzte Artikel berichtet aus Großbritannien:"
'EINIGKEIT MACHT STARK'!

DIE ENGLISCHEN ARBEITER HABEN EINEN GROSSEN SIEG ERRUNGEN!

Kollegen, sechs Wochen lang stand der Streik der britischen Bergarbeiter im Brennpunkt der politischen Ereignisse. Die bürgerliche Presse berichtete seitenweise darüber, was die Regierung zum Streik sagte und welche Notstands-Maßnahmen sie traf. Doch wie die Kumpel den Kampf geführt und die Einheit der Arbeiter geschmiedet haben - darüber stand kaum ein Wort in den Zeitungen.
Die KPD/ML hat deshalb Genossen nach England geschickt, die uns darüber berichtet sollten. Die RUTSCHE druckt hier einen Augenzeugenbericht von der Belagerung des Kohledepots von Saltley bei Birmingham ab" (vgl. 10.2.1972). Dieser Bericht ist entnommen der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB vom 21.2.1972, die heute und morgen vor den Toren verkauft werden soll.
Q: Rutsche Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb. 1972)

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24.02.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute früh erneut die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.4 vom 21.2.1972 verkauft werden.
Q: Rutsche Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmund o.J. (Feb. 1972),S.6

28.02.1972:
Laut KPD/ML-ZB findet in Dortmund eine öffentliche Veranstaltung ihrer Betriebsgruppe Minister Stein um 19 Uhr in der Gaststätte 'Zum Turm' in der Bergstraße statt, eine sog. 'Feierschichtenversammlung'. Ca. 25 Kollegen, Mitglieder und Sympathisanten der KPD/ML-ZB erscheinen, darunter auch zwei Betriebsratskandidaten. Auf der Versammlung wird auch die Forderung nach einer sofortigen Belegschaftsversammlung (BV) laut.
Q: Rutsche Demokratische Wahlen - oder fauler Zauber?,Dortmmund o.J. (Feb. 1972),S.1 und 3f

März 1972:
In der Märznummer seines 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (vgl. Jan. 1972, Apr. 1972) (KDAJ) berichtet der KJVD der KPD/ML-ZB u.a. von der JBG der Dortmunder Zeche Minister Stein ('Die Rutsche').
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.2,Bochum März 1972

März 1972:
In Dortmund gibt die SDAJ der DKP, laut JBG Minister Stein/Hardenberg des KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. 24.4.1972), vermutlich im März einen 'Kohlenhobel' unter Verantwortung von Karin Faatz heraus, der zumindest für die Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg erscheint.

Gefordert worden sei u.a. 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' und die Abschaffung der Altersabschläge. Uns lag diese Zeitung leider noch nicht vor.
Q: Jugend-Rutsche Alle Mann hinters Kampfprogramm!,Dortmund o.J. (Apr. 1972), S.4f

01.03.1972:
Der DKP-Kreisvorstand Dortmund verfaßt heute zur 'Kumpel-Post' auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg (vgl. 1.3.1972) folgendes Schreiben von einer Seite DIN A 4, das vermutlich an die Presse gerichtet ist:"
Sehr geehrte Damen und Herren.

Als Anlage überreichen wir Ihnen die Sonderausgabe einer Betriebszeitung. Aus dem Inhalt können Sie erste Informationen entnehmen, durch welche die Auffassung der DKP und weiter Kreise des DGB über den Missbrauch wirtschaftlicher Macht durch die großen Konzerne in der Bundesrepublik bestätigt wird.

Die fristlose Entlassung des Bergarbeiters und Familienvaters Günter Jegodowski ist gleichzeitig ein Beweis für das zutiefst unsoziale Verhalten der Verantwortlichen bei der Dortmunder Bergbau AG, einer Gruppe der RAG.

Wir bitten die Öffentlichkeit, sich in dem Sinne einzuschalten, daß der Bergarbeiter Günter Jegodowski wieder eingestellt wird und seine Familie nicht in soziale Not gerät."

Bekanntgegeben werden die Adressen Jegodowskis und der Betriebsleitung.
Q: DKP-Kreisvorstand Dortmund:Sehr geehrte Damen und Herren,Dortmund 1.3.1972

01.03.1972:
Die DKP gibt auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund vermutlich heute eine zweiseitige Ausgabe ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 21.2.1972, 8.3.1972) heraus:"
BRUTALER WILLKÜRAKT GEGEN FAMILIENVATER

FRISTLOSE ENTLASSUNG DES KOLLEGEN GÜNTER JEGODOWSKI AUFGRUND VON LÜGEN!
BETRIEBSRAT VON STEIN/HARDENBERG HAT VERSAGT.
SOLIDARITÄT ÜBEN JEGODOWSKI HELFEN!

Am 23.2.1972 wurde dem Kollegen Günter Jegodowski fristlos gekündigt. Ohne Rücksicht darauf, daß es sich um einen Vater von Kindern handelt, der seit 1952 Mitglied der IGBE ist, gewerkschaftlicher Vertrauensmann war und ein tüchtiger Arbeiter ist, hat die Betriebsleitung von ihrer Macht Gebrauch gemacht und den Kollegen Jegodowski brutal auf die Straße geworfen.

Die offizielle Begründung lautet: 'Störung des Arbeitsfriedens'. So einfach geht das. Der Herr Fahrsteiger Kammann sagt: 'Du störst den Arbeitsfrieden' und schon bist Du in dem freiesten der Länder 'frei' von Arbeit und Geld. Und um sich und ihre Brutalität zu tarnen, um die Kollegen und ihre Vertretung - den Betriebsrat - auf ihre Seite zu bekommen, setzt die Betriebsleitung Gerüchte in die Welt und operiert mit Lügen.

Während die Betriebsleitung nur an Leistung und Profit denkt und keinen Pfifferling um Leben und Gesundheit der Kumpel gibt, versuchen solche Leute wie Herr Kammann, die Ehrfurcht der Kumpel vor Blut und Leben ihrer Kollegen schamlos auszunutzen.

Es wird behauptet, Günter Jegodowski habe sich die Hand mit dem Blut des tödlich verunglückten Kollegen Dieter Schnabel beschmiert und sich dann fotografieren lassen. DAS IST EINE BEWUSSTE LÜGE, mit der die Kumpel gegen Günter Jegodowski aufgehetzt werden sollen.

DASS DIE GESCHICHTE MIT DER BLUTIGEN HAND EINE LÜGE IST, WIRD DER KOLLEGE JEGODOWSKI GERICHTLICH NACHWEISEN.

Der Betriebsleitung ging es darum, einen für sie lästigen Kritiker loszuwerden. In mehreren Fällen hat Günter Jegodowski darauf hingewiesen, dass Unfallverhütungsvorschriften nicht beachtet werden und Arbeitsgeräte sich nicht in betriebssicherem Zustand befinden. Möglicherweise ist das auch die Ursache für den Tod des Kollegen Dieter Schnabel und die fristlose Entlassung von G. Jegodowski ein Versuch, die Ursachen für den Tod Dieter Schnabels zu vertuschen. Oder sollte die Tatsache, daß G. J. Mitglied der DKP ist, der wahre Grund für die Entlassung sein?

DER BETRIEBSRAT SPIELT EINE UNRÜHMLICHE ROLLE

Angesichts des Verhaltens des Betriebsrates muß die Frage gestellt werden, inwieweit der Betriebsrat mit der Direktion unter einer Decke steckt? Denn der Betriebsrat hat weder den Versuch gemacht, Bedenken gegen die fristlose Entlassung anzumelden, noch Anstrengungen unternommen, die Wahrheit - insbesondere über die Lüge von der blutigen Hand - zu erfahren.

Ist den Betriebsratsmitglieder das ungestörte Verhältnis zu den Bossen der DBAG (Dortmunder Bergbau AG,d.Vf.) mehr wert, als der Schutz der Kumpel vor der Willkür der Bosse?

Was ist von Betriebsratsmitgliedern zu halten, die noch nicht einmal willens und in der Lage sind, jene wenigen Rechte für die Arbeiter auszunutzen, die das neue BVG bietet? WIR MEINEN: NICHTS!

Wenn nun auch noch bekannt wird, daß die IGBE in Dortmund ablehnt, den Rechtsschutz für den Kollegen Jegodowski zu übernehmen, dann muß wirklich gefragt werden, ob Betriebsrat und Leitung der IGBE ein ebenso großes Interesse an der Entlassung haben, wie die Bosse der DBAG.

Die Antwort auf diese Frage kann der Betriebsrat und kann die IGBE in Dortmund geben.

MIT DER KRAFT DES BETRIEBSRATES UND DER IGBE UND MIT UNTERSTÜTZUNG DER GESAMTEN BELEGSCHAFT, KANN DIE WIEDEREINSTELLUNG VON GÜNTER JEGODOWSKI ERREICHT WERDEN.

WAS G. JEGODOWSKI HEUTE PASSIERT, KANN JEDEM KOLLEGEN MORGEN PASSIEREN! DARUM SOLLTEN SICH ALLE FÜR DIE WIEDEREINSTELLUNG EINSETZEN!

Das ist notwendig, um die Bosse der DBAG in die Schranken zu verweisen.

Das ist notwendig im sozialen Interesse der Familie Jegodowski.

Das ist notwendig, um das Ansehen der Betriebsratsfunktion und der IGBE nicht noch weiter zu schädigen."

Mit dieser Kumpel-Post befaßt sich auch die KPD/ML-ZB (vgl. 8.3.1972).

Gegen den Verantwortlichen, Günter Bennhardt, wird seitens der Bergbau AG (BAG) Dortmund Strafanzeige erstattet (vgl. 13.3.1972, 18.8.1972) und die BAG bezieht sich auch im Arbeitsgerichtsverfahren (vgl. 16.8.1972) auf die heutige 'Kumpel-Post'.
Q: BAG Dortmund:An das Arbeitsgericht Dortmund,Dortmund 16.8.1972,S.4f;
Kumpel-Post Brutaler Willkürakt der Betriebsleitung gegen Familienvater,Dortmund o.J. (1972);
Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972),S.2;
Staatsanwaltschaft Dortmund:Betrifft Ermittlungsverfahren gegen Sie wegen Verdachts der Beleidigung,Dortmund 13.3.1972,S.1;
Amtsgericht Dortmund:Strafbefehl 81 Cs 287/72 gegen Günter Bennhardt,Dortmund 18.8.1972,S.1ff

01.03.1972:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' - Zeitung der Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 23.2.1972, 8.3.1972) erscheint wahrscheinlich heute mit dem Hauptartikel "Unterschriftenversammlung für eine Belegschaftsversammlung" (BV). Danach wird für den 11.3. eine Belegschaftsversammlung gefordert. Berichtet wird von der letzten eigenen Veranstaltung, aufgerufen zur nächsten (vgl. 28.2.1972, 6.3.1972). Vorgestellt wird das eigene Kampfprogramm.
Q: Die Rutsche Unterschriftenversammlung für eine Belegschaftsversammlung,Dortmund o.J. (1972)

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06.03.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe auf den Zechen Minister Stein und Hardenberg Dortmund will eine weitere Feierschichtenversammlung durchführen (vgl. 28.2.1972, 20.3.1972). Das Thema soll lauten:
1. Betriebsrätewahlen (BRW).
2. Augenzeugenberichte, Lichtbilder vom englischen Bergarbeiterstreik.
Q: Die Rutsche,Dortmund o.J. (29.2.1972)

06.03.1972:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint eine 'Jugend-Rutsche' (vgl. 28.2.1972, 24.4.1972) - Zeitung der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg Dortmund des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland (KJVD) der KPD/ML-ZB mit zwei Seiten DIN A 4 ohne presserechtlich Verantwortlichen:"
FREIHEIT FÜR DAS IRISCHE VOLK

Kumpels,
das ereignete sich im Herbst 1971 in den englischen Kasernen in Brackel: Durch die Wohnviertel der Kasernen gellen Schreie, Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten rennen über die Straßen, dringen in Häuser. Zivilisten werfen den Soldaten Steine entgegen. Leute werden verhaftet, nach Waffen durchsucht und im Laufschritt abgeführt. Es gab Verletzte! Das alles war eine Übung. Eine Übung für die Zerschlagung der Aufstände des irischen Volkes. Die Soldaten aus Brackel werden in die Kampfgebiete, nach Nordirland versetzt.

Kumpels,
das ereignete sich am 30. Januar 1972 in Londonderry, Nordirland: 30 000 Iren demonstrieren in Derry gegen die brutalste Unterdrückung und Ausbeutung durch den englischen Imperialismus und seine Lakaien, die Verräter in den Regierung von Belfast und Dublin. Sie kämpften gegen die Notstandsgesetze, gegen KZ's, Verschleppung und Folter durch britische Besatzungstruppen! 'Britische Truppen raus aus Irland' war der Ruf der Demonstranten. 'Für eine demokratische, sozialistische gesamtirische Republik unter Führung der Arbeiterklasse'. 30 000 Iren standen den Besatzungstruppen gegenüber, die von Westminster geschickt wurden, um den Aufstand des irischen Volkes niederzuhalten. Und die Antwort des Imperialismus auf den Ruf nach Freiheit - 13 blutige Morde und viele Verletzte!!!!!!!!

Kumpels,
wir alle konnten darüber auch in den Dortmunder Tagesblättchen lesen. Und mit welch scheinheiliger Verwunderung war dort zu lesen: daß katholische und evangelische Arbeiter vereint an den Gräbern der 13 durch britische Truppen ermordeten Iren standen! Vereint im Haß gegen die ausländischen Ausbeuter und Unterdrücker. Da gab es keine Unterschiede zwischen evangelischen und katholischen Arbeitern. Da gab es nur eins:
- für oder gegen Arbeitslosigkeit
- für oder gegen Notstandsgesetze und KZ's
- für oder gegen Polizei- und Militärterror
- für oder gegen den Imperialismus
- für oder gegen ein befreites Irland!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Das irische Volk hat die Lehren aus jahrhundertelanger Fremdherrschaft und Unterdrückung gezogen. - Der bewaffnete Befreiungskrieg, der Volkskrieg.

BRITISCHE TRUPPEN RAUS AUS IRLAND!

Dieser Spruch steht an jeder dritten Häuserwand im Arbeiterviertel von Londonderry, Bogside. Das irische Volk ist sich einig in diesem Kampf, die irischen Arbeiter, die Jugendlichen und die Frauen wissen:

IRLAND MUSS FREI SEIN! FREI VON DEN BRITISCHEN TRUPPEN! FREI VON DER
ARBEITSLOSIGKEIT! FREI VON DER UNTERDRÜCKUNG! FREI VON DEN IMPERIALISTEN!

Kumpels,
fast 80% der irischen Industrie ist in ausländischen Händen, in den Händen von englischen, amerikanischen und deutschen Konzernen.
Die große Armut des irischen Volkes, das ertraglos gewordene Land, schufen Heere von Arbeitslosen. Dies war eine Folge des kapitalistischen Systems und die britischen Herren zogen ihren Nutzen daraus. Sie bauten in Irland Fabriken, in denen sie die nach Arbeit Suchenden bei niedrigsten Löhnen ausbeuten. 'Wenn du nicht willst sind noch tausend andere da', dachte sich dieses Gezücht. Doch das irische Volk machte da nicht länger mit. Immer mehr Arbeitslose schlossen sich zusammen. Immer mehr Arbeiter, Frauen und Jugendliche waren bereit die Imperialisten zu verjagen.
Auch die westdeutschen Imperialisten und ihre SPD-Regierung sind an diesem schmutzigen Geschäft beteiligt! Deutsche Konzerne bauen in Irland und schaffen sich durch Arbeitslosigkeit, Hunger und Not große Profite. 'Wir standen vor der Frage, ob ausländische Arbeiter nach Deutschland importiert werden sollen, und nach den westdeutschen Sätzen entlohnt werden, oder ob wir nicht lieber ins Ausland gehen' Und die Olympia-Büromaschinenfabrik, die dies sagte, ging ins Ausland, baute eine Fabrik in der Nähe von Belfast auf. Das bedeutet nicht nur Ausplünderung des irischen Volkes, die westdeutsche Arbeiterklasse ist ebenfalls direkt davon betroffen. Denn durch die 'Profitflucht' ins Ausland erhöht sich auch hier bei uns die Zahl der Arbeitslosen und die Kapitalisten können die Löhne drücken.

SPD-REGIERUNG, DER ÜBELSTE HANDLANGER BEI DIESEM VERRAT!

Ja, Kumpels,
unsere SPD-Regierung betreibt für die Imperialisten in Westdeutschland, die Krupps, Flicks und Thyssens dieses schmutzige Geschäft.
Sie unterstützt die Profitflucht der westdeutschen Monopolherren. Deshalb hat sie nichts dagegen, wenn britische Truppen in Dortmund den Bürgerkrieg proben. In Westdeutschland gibt es die gleichen faschistischen Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.), auch in Westdeutschland probt die Bundeswehr und der Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) die Zerschlagung von Streiks und Aufständen. Denn Westdeutschland ist genauso ein imperialistisches Land wie England.

Kumpels,
der Kampf des irischen Volkes ist eine gerechte Sache und die westdeutsche Arbeiterklasse und ihre Jugend werden diesen heldenhaften Kampf unterstützen. Der Kommunistische Jugendverband Deutschlands ruft deshalb alle Kollegen auf zur Demonstration (vgl. NRW - 11.3.1972,d.Vf.) unter den Parolen:
BRITISCHE TRUPPEN RAUS AUS IRLAND!
NIEDER MIT DEM IMPERIALISMUS!
FÜR EIN FREIES, GEEINTES IRLAND UNTER FÜHRUNG DER ARBEITERKLASSE!
SCHLUSS MIT DEN BÜRGERKRIEGSVORBEREITUNGEN BRITISCHER TRUPPEN IN DORTMUND!
GEGEN DIE AUSPLÜNDERUNG DES IRISCHEN VOLKES DURCH WESTDEUTSCHE KAPITALISTEN!"

Angekündigt wird auch eine Kurzkundgebung vor Minister Stein für den nächsten Tag (vgl. 7.3.1972).
Q: Jugend-Rutsche Freiheit für das irische Volk!,Dortmund o.J. (März 1972)

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07.03.1972:
Die Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg Dortmund des KJVD der KPD/ML-ZB will vermutlich heute mittag eine Kurzkundgebung vor Minister Stein an der Deutschen Straße im Rahmen der Irland-Solidaritätswoche durchführen, auf der auch die Irland-Broschüre des KJVD NRW (vgl. 28.2.1972) verkauft werden soll.
Q: Jugend-Rutsche Freiheit für das irische Volk!,Dortmund o.J. (März 1972),S.2

08.03.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP vermutlich heute ein zweiseitiges Extra ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 1.3.1972, 13.3.1972) mit einem Brief von Günter Jegodowski und einem Brief des Herausgebers Günter Bennhardt an den Betriebsrat heraus. Günter Jegodowski berichtet von dem Unfall (vgl. 9.2.1972), der zu seiner Entlassung führte (vgl. 22.2.1972, 23.2.1972). Im zweiten Brief heißt es:"
AN DEN BETRIEBSRAT

Das für die Herausgabe der 'Kumpelpost' verantwortliche Mitglied der DKP, Günter Bennhardt, wendet sich mit dem folgenden Brief an den Betriebsrat von Minister Stein/Hardenberg:

Werte Kollegen.

Mir ist bekannt, daß die letzte 'Kumpelpost', in der über die Entlassung des Kollegen Günter Jegodowski berichtet wurde, zahlreiche Diskussionen ausgelöst hat. Das ist erfreulich und auch eines der Ziele, die wir mit der Herausgabe der 'Kumpelpost' verfolgen. Solche Diskussionen und Auseinandersetzungen dienen nicht zuletzt der Entwicklung der innergewerkschaftlichen Demokratie, d.h. der massenhaften, aktiven Teilnahme der Belegschaft am betrieblichen und gewerkschaftlichen Geschehen.

Möglich, daß wir mit der 'Kumpelpost' hier und da über das Ziel - den Bergarbeitern, dem Betriebsrat und der IGBE helfen zu wollen - hinausschießen. Aber unsere Absicht war, bleibt und ist, Euren Kampf gegen die Kohlenbosse zu unterstützen! So ist es auch im Fall des Kollegen G. Jegodowski.

Dabei geht es unserer Meinung nach nicht allein darum, einen Bergarbeiter vor Willkür und sozialer Not zu schützen, sondern auch darum, die Angriffe der Zechenleitung auf die Arbeiterrechte zurückzuweisen. Oder hat ein Arbeiter etwa nicht das Recht, ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, was der Betriebsleitung unangenehm ist?

Günter Jegodowski hat einige Male die Betriebsleitung kritisiert und z.B. darauf aufmerksam gemacht, daß es mit der Unfallsicherung nicht zum Besten bestellt ist. Er hat richtig gehandelt, wenn er Reportern der 'Westfälischen Rundschau' dabei behilflich sein wollte, nachzuweisen, daß der tödliche Unfall des Kollegen Dieter Schnabel möglichweise darauf zurückzuführen ist, daß das Unfallfahrzeug sich nicht in einwandfreiem Zustand befand. Daß solche kritischen Kumpel bei der Betriebsleitung nicht gut angeschrieben sind ist kein Geheimnis. Der Betriebsleitung geht es darum, den 'Herrn im Hause Standpunkt' zu verewigen.

Wenn Ihr als Mitglieder des Betriebsrates nun noch mithelft, daß ein solcher Kumpel wie Jegodowski fristlos entlassen wird bzw. nichts gegen die Entlassung unternehmt, dann sollte Euch nicht wundern, daß wir das kritisieren. Denn unsere Haltung wird bestimmt von der Frage: 'Was nutzt den Arbeitern und ihrer Gewerkschaft und was schadet Ihnen?'

Wenn Ihr, Kollegen, von dieser Fragestellung aus die Sache mit Günter Jegodowski untersucht, werdet Ihr ehrlicherweise zugeben müssen, daß Ihr nicht richtig gehandelt habt! Zu dieser Erkenntnis wollten wir Euch und der Belegschaft durch unsere Zeitung verhelfen.

Dabei ist es so, daß weder die DKP noch die 'Kumpelpost' den Mitgliedern des Betriebsrates unterstellen, bewußt oder absichtlich gegen die Interessen der Belegschaft zu verstoßen.

Darum gibt es m.E. auch keinen Grund beleidigt oder empört zu sein. Wir werden nach wie vor den Kampf führen gegen die Zechenherren und jeden unterstützen, der auf der Seite der Kumpel für Ihre Interessen eintritt.

Mit kollegialem Gruß
gez. G. Bennhardt"
Q: Kumpel-Post Extra Liebe Kollegen!,Dortmund o.J. (März 1972)

08.03.1972:
Eine 'Rutsche' der Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 1.3.1972, 17.4.1972) erscheint vermutlich heute mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
SOLIDARITÄT MIT DEM ENTLASSENEN KOLLEGEN JEGODOWSKI!

Am 29.2. (vgl. 23.2.1972,d.Vf.) wurde der Kollege Günter Jegodowski fristlos entlassen. Die offizielle Begründung lautete: 'Störung des Arbeitsfriedens'.

Scharfmacher Kammann an erster Stelle setzte sich für die Kündigung ein, denn dieser Kollege wurde ihm zu unbequem.

Warum?

Günter Jegodowski hat unerbittlich gegen die wachsenden Unfallgefahren gekämpft. Er hatte erkannt, daß Unfälle weniger auf Unachtsamkeit der Kumpel zurückzuführen sind, wie immer erklärt wird, sondern auf die verstärkte Arbeitshetze. Arbeitshetze, die unter dem Namen 'Rationalisierung' immer weiter vorangetrieben wird. Im letzten Quartal ist die kg/MS-Leistung (Mann/Schicht-Leistung,d.Vf.) bei Minister um 5,8% gestiegen, bis 1975 soll sie sogar 8 t pro Mann und Schicht erreichen! Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, und ein Opfer dieser Profitsucht der Zechenherren, die gemeinsam mit der SPD-Regierung die RAG zum führenden Kohlemonopol in der EWG machen wollen, ist der Kollege Dieter Schnabel (vgl. 9.2.1972,d.Vf.). Diese Hintergründe deckte Günter Jegodowski auf, und hier setzte er sich genauso konsequent für die Interessen der Kumpel ein wie schon so oft. Erinnern wir uns bloß an September 1969. Tag und Nacht war der Kollege in der vordersten Streikfront zu finden gewesen. Überall, wo der Kollege Jegodowski für die Interessen aller Kumpel kämpfte - wie viele andere Kollegen auch - stieß er nicht nur mit der Direktion zusammen, sondern hauptsächlich mit unserem Betriebsrat:

- Im September 1969 verkrochen sich die Herren Betriebsräte unter ihre Tische und deckten den üblen Verrat der Gewerkschaftsführer.

- Die Rationalisierungspläne, die hauptsächlich von der SPD-Regierung vorangetrieben werden (Gesamtanpassungsplan) (vgl. S1.**.1971,d.Vf.), bejahten die Betriebsräte uneingeschränkt - womit sie für rechtens erklärten, daß mit dem Blut der Kumpel die RAG aus der Krise geholt wird.

Und Kollege Jegodowski prangerte auch diese Verrätereien an und entlarvte unsere sauberen Betriebsräte als das, was sie sind: REGIERUNGSKNECHTE UND HANDLANGER DER DIREKTION.

Nun wird auch klar, warum der Betriebsrat die Entlassung unterstützte: für ihre Geschäfte brauchen sie Ruhe im Betrieb. Kollegen, die diese Ruhe stören, werden herausgeschmissen oder unter Druck gesetzt (wie bei der Kandidatenaufstellung zu der Betriebsräte-Wahl (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.)).

Das sind die Hintergründe des Falles Jegodowski. DER RAUSSCHMISS IST EINDEUTIG EINE POLITISCHE ENTLASSUNG!

DKP IST VERWIRRT

Davon kein Wort in der 'Kumpelpost' (vgl. 28.2.1972,d.Vf.). Für die 'Kumpelpost'-Schreiber bricht offenbar eine Welt zusammen, denn noch in ihrer letzten Nummer (vgl. 21.2.1972,d.Vf.) hatten sie behauptet: auf den Betriebsrat kann sich die ganze Belegschaft verlassen. Sie griffen in verleumderischer Weise die KPD/ML an als 'Schmierfinken', die die 'Interessenvertreter' der Arbeitnehmer beschimpfen würden und bezeichneten sie als 'Handlanger der Unternehmer und ihrer Partei, der CDU/CSU'.

Der Fall Jegodowski bringt diese Theorie gründlich ins Wanken. Er zeigt, dass gerade die DKP-Führer eine Zuhälterpolitik für die Unternehmer und SPD- Regierung getrieben haben. Wir sagen jetzt bewußt 'DKP-Führer' und nicht DKP, denn der DKP-Kollege Günter Jegodowski hat klar bewiesen, daß er auf der Seite der Kumpel steht. Ihn und viele andere ehrliche Kollegen in der DKP können wir nicht für eine falsche Politik verantwortlich machen. Gerade diese Kommunisten fordern wir besonders auf, jetzt mit der KPD/ML und allen Kumpeln FÜR DIE WEIDEREINSTELLUNG DES KOLLEGEN ZU KÄMPFEN!

Die DKP-Führer aber sind auch nach den jüngsten Vorfällen nicht bereit, ihre falsche Politik zu korrigieren. Sie fordern in der 'Kumpelpost': 'Mit der Kraft des Betriebsrates und der IGBE und mit Unterstützung der gesamten Belegschaft kann die Wiedereinstellung von Günter Jegodowski erreicht werden.'

Damit legen sie den Kampf um die Wiedereinstellung in die Hände derjenigen, die schon für die Entlassung gestimmt haben. Der Belegschaft wird lediglich die Aufgabe zugewiesen, den Betriebsrat zu unterstützen. Das ist nichts weiter als schlimmster Opportunismus:

DER RICHTIGE WEG: EINHEITSFRONT

Unsere Antwort auf den brutalen Rausschmiß von Günter Jegodowski kann nur heißen: KAMPF!

Und es liegt wohl klar auf der Hand, daß dazu ALLE KOLLEGEN stehen müssen, denn schon morgen kann der nächste rausfliegen, weil er der verschärften Ausplünderung und Arbeitshetze nicht mehr schweigend zusehen konnte.

WIR FORDERN DESHALB ALLE KOLLEGEN, OB KOMMUNISTEN, SOZIALDEMOKRATEN ODER CHRISTEN AUF: UNTERSTÜTZT DEN KOLLEGEN JEGODOWSKI!

VERTRAUEN WIR AUF UNSERE EIGENE KRAFT!
SOFORTIGE EINSTELLUNG DES KOLLEGEN!
GEGEN RATIONALISIERUNG UND STEIGENDE ARBEITSHETZE!
7-STUNDEN-TAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH UNTER BEIBEHALTUNG DES VERLÄNGERTEN WOCHENENDES UND LÄNGERER URLAUB!

Und: Lernen wir auch aus dem arbeiterfeindlichen und verabscheuungswürdigen Verhalten des Betriebsrats. Den Kampf um die Wiedereinstellung müssen wir verbinden mit den kommenden Betriebsräte-Wahlen:

KEINE STIMME FÜR OBIJOU, WAGNER, TURNSCHEK, WENZELMANN UND CO.!
WEG MIT DEN REGIERUNGSKNECHTEN - FÜR KLASSENKÄMPFERISCHE BETRIEBSRÄTE!

Kollegen, der Fall Jegodowski ist nicht abgeschlossen. Jeder von uns sollte alles für die Wiedereinstellung in Bewegung setzen! Die KPD/ML-Betriebsgruppe lädt deshalb alle Kollegen ein zur
FEIERSCHICHTENVERSAMMLUNG
am 20. März - 19 UHR - 'ZUM TURM' (BERGSTR.)

Dort werden wir gemeinsam über die praktischen Schritte der Hilfe und Solidarität mit dem entlassenen Kollegen beraten."

Im zweiten Artikel wird gefordert:"
BRITISCHE TRUPPEN RAUS AUS IRLAND!

PROLETARIER ALLER LÄNDER UND UNTERDRÜCKTE VÖLKER - VEREINIGT EUCH!

In Nordirland tobt der Klassenkampf! Das irische Volk will sich endlich befreien von der Ausbeutung und Unterdrückung durch die britischen Imperialisten.

Das Klassenwahlrecht und die seit vier Jahren wieder wachsenden Arbeitslosenzahlen, die Not und das Elend haben den Kampfgeist des irischen Volkes erwachen lassen!

Fast 10% Arbeitslose, steigende Arbeitshetze, sinkender Lohn, Einführung der faschistischen Notstandsgesetze - diese und viele andere Gesichter der imperialistischen Ausbeutung und Unterdrückung ist das irische Volk leid geworden. Das Volk kämpft, und das Geschwafel der britischen Imperialisten und ihrer Lakaienregierungen in Nord- und Südirland von Religionskriegen wird Lügen gestraft.

HIER GEHT ES NICHT UM RELIGION - HIER GEHT ES DARUM, DASS DAS IRISCHE VOLK NICHTS ZU VERLIEREN HAT ALS SEINE KETTEN - ABER EINE WELT ZU GEWINNEN HAT!

Anfangs als Bürgerrechtsbewegung für demokratische Forderungen eintretend hat sich der Befreiungskampf zunehmend radikalisiert und kämpft heute unter der Führung der IRA für ein geeintes sozialistisches Irland mit der Arbeiterklasse an der Spitze. Erst wenn die Arbeiterklasse die Macht hat, ist der Mensch frei, ist es vorbei mit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, mit Not und Elend.

Kollegen, auch die KPD/ML und der Kommunistische Jugendverband KJVD unterstützen diesen Befreiungskampf. Und es ist die Pflicht der westdeutschen Arbeiterklasse, sich mit dem irischen Volk solidarisch zu erklären und das irische Volk zu unterstützen!

SOLIDARITÄT MIT DEM IRISCHEN VOLK!

Wie der Imperialismus gegen das Volk vorgeht, zeigte sich am Blutsonntag des 30. Januar 1972, als in Londonderry bei einer Demonstration von 20 000 Iren gegen das Notstandsgesetz die imperialistischen Truppen 13 Iren ermordeten und Dutzende verletzten. Hier wird allen klar: im Kapitalismus wird immer eine Diktatur der Kapitalisten ausgeübt, und immer, wenn sich der kapitalistische Staat 'bedroht' fühlt, wird seine Diktatur GANZ OFFENSICHTLICH, bleibt als letzter Ausweg nur der Faschismus.

Sieht es nicht in Westdeutschland ebenso aus? Auch der westdeutsche Imperialismus mit seiner Sozialdemokratie an der Spitze hat Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.), eine Armee. Er hat den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) zur Bürgerkriegsarmee gemacht und hat das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungs- Gesetz (BVG,d.Vf.) geschaffen, bespitzelt und bedroht fortschrittliche Kollegen und die KPD/ML.

ZERSCHLAGT DEN IMPERIALISMUS! FREIHEIT FÜR DAS VOLK!

Der westdeutsche Imperialismus greift sogar direkt in den Kampf des irischen Volkes ein. Er finanziert, daß britische Truppen in Westdeutschland ausgebildet werden für den Kampf gegen die irische Befreiungsbewegung. In Dortmunder Kasernen übten die britischen Soldaten den Bürgerkrieg und Straßenschlachten, um dann in Irland das Volk niederzumetzeln.

SCHLUSS MIT DER BÜRGERKRIEGSAUSBILDUNG BRITISCHER TRUPPEN!

KAMPF DEM BONNER POLIZEISTAAT!

Die westdeutschen Imperialisten haben einen glasklaren Grund, ihre britischen 'Kollegen' zu unterstützen: 20% der nordirischen Industrie sind in westdeutschen Händen - und Großbritannien kommt in die EWG!

Kollegen, die KPD/ML und der KJVD wollen ihre Solidarität auch in Taten beweisen: in diesen Tagen führen sie eine SOLIDARITÄTS-KAMPFWOCHE (vgl. 6.3.1972,d.Vf.) mit dem irischen Befreiungskampf durch. Höhepunkt ist eine Kampfveranstaltung und eine Demonstration (vgl. NRW - 11.3.1972,d.Vf.) in Dortmund.

Kollegen kommt zur Demonstration und macht sie zu einem für alle Welt sichtbaren Zeichen der Einheit und Solidarität!"

Angekündigt wird der Verkauf der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 16.3.1972), geworben wird auch für die Sondernummer des 'KND' zum Bergarbeiterstreik in Großbritannien (vgl. 28.2.1972):"
SIEG DER ENGLISCHEN KUMPELS GEGEN DEN KLASSENSTAAT, von der großen Solidarität und Kampfentschlossenheit der englischen Arbeiter. Lernen wir von ihrem Beispiel! (Interessenten können mehr erfahren in einer Broschüre der KPD/ML)"
Q: Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972)

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09.03.1972:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund erscheint vermutlich heute 'Die Rote Westfalenwalze' (vgl. 6.3.1972, 13.3.1972) der KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe u.a. zu den BRW:"
Doch nicht nur der Betriebsrat soll immer weiter unter die Knute des Staates gebracht werden. Mit der wachsenden Kampfkraft der Arbeiterklasse verstärkt sich auch der politische Druck auf fortschrittliche Kollegen. Was in anderen Betrieben bereits auf der Tagesordnung steht, so zuletzt die Entlassung eines fortschrittlichen DKP-Kollegen auf Minister Stein (IGBE-Bereich in Dortmund - vgl. 23.2.1972,d.Vf.) - das wurde auch bereits von den Hoesch-Herren in den blauen Briefen angedroht: Entlassung der 'Rädelsführer' in den Streiktagen. Und auf der V-Leute-Vollversammlung drohte Dieterich unter Zustimmung der V-Leute um Werski und Schrade, daß alle Kollegen, die sich an der 2. Liste beteiligen, mit allen Mitteln bekämpft werden. Was heißt das anderes als politische Entlassungen? Unser Kampf muß sich deshalb richten:

GEGEN POLITISCHE ENTLASSUNGEN!"
Q: Die Rote Westfalenwalze Jetzt erst recht,Dortmund o.J. (März 1972)

13.03.1972:
In Dortmund findet vermutlich Mitte März eine Jugendversammlung auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg statt. Die JBG Minister Stein/Hardenberg Dortmund des KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. 24.4.1972) berichtet u.a.:"
Kumpels, die letzte Jugendversammlung hat gezeigt, daß die Arbeiterjugend bei Minister bereit ist zu kämpfen.

HABT MUT ZU KÄMPFEN - HABT MUT ZU SIEGEN!

Diese Jugendversammlung hat aber auch gezeigt, daß jetzt schon die Verräter am Werk sind, um es erst gar nicht zum offenen Kampf kommen zu lassen. Als ein Kollege die völlig berechtigte Forderung nach Abschaffung der Altersabschläge für Jungarbeiter aufstellte, verwiesen Dieter Bentrath, Friedhelm Nitsch und Hans Buck ihn an die Tarifkommission und an den Kreisjugendausschuß (KJA,d.Vf.) der IGBE. was sich dort dann tut, das konnte man ja im letzten Jahr verfolgen! Sie sagten, diese Forderung bestehe schon seit langem. Ja, aber wenn sie doch schon so lange besteht, warum ist sie dann noch nicht durchgesetzt worden? Doch nur, weil diese sauberen Burschen gar nicht wollen, daß die Kapitalisten aus den Jungarbeitern keine Extra-Profite durch die Altersabschläge mehr verdienen. Oder was meint ihr?"
Q: Jugend-Rutsche Alle Mann hinters Kampfprogramm!,Dortmund o.J. (Apr. 1972),S.4

13.03.1972:
Die DKP gibt auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund vermutlich heute eine Ausgabe ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 8.3.1972, 20.3.1972) mit 4 Seiten DIN A 4 und folgendem Leitartikel heraus:"
EIN PAUL TEMPLE DER RAG?
UNFALLURSACHE NICHT GEFRAGT!
UNFÄLLE BEI KAMMANN BESONDERS HOCH?
FAHRTENBÜCHER OFFENLEGEN!

Den Mattscheiben-Beschauern ist Paul Temple ein Begriff. Entsprungen der Phantasie eines Durbridge. Mit der Erfindung der erschröcklichen Story eines ermittelnden Detektivs wurde der Autor zum Millionär.

In die Fußstapfen eines Temple tritt Horst Niggemeier, verantwortlich für den Inhalt von 'Einheit-Aktuell' (vgl. **.*.1972,d.Vf.), der angeblich die 'wahren Hintergründe des Jego-Skandals' aufdeckte.

Paul Temple in spe ermittelte gegen den Kollegen Jegodowski und frohlockt darüber, daß die Ruhrkohle AG (RAG,d.Vf.) 'gegen die Kumpel-Post gerichtlich vorgehen will'.

Na bitte, wenn das keine Arbeitsteilung ist.

Die Frage sei gestellt, wessen Geschäfte Herr Niggemeier bestellt? Die IGBE ist eine Interessenorganisation der Bergarbeiter. Die Kampfkraft der Organisation der Arbeiter zu schwächen, ist gewerkschaftsfeindlich. Auch der handelt gegen die Gewerkschaft, der das Vertrauen der Mitglieder zur Gewerkschaft untergräbt.

Urteilt selbst, Kollegen.

Günter Jegodowski ist Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie. Im Interesse einer objektiven Berichterstattung wäre es doch nahe liegend gewesen, wenn Horst Niggemeier auch einmal den Kollegen Jegodowski gehört hätte. Nein - das tat er nicht!

Günter Jegodowski war ja ein für allemal von der Ruhrkohle AG verurteilt worden. Wie es scheint war das für H. Niggemeier Gesetz.

Er verliert auch kein Wort über den tragischen Unfalltod von Dieter Schnabel. Im Interesse der Hinterbliebenen des verunglückten Kameraden und im Interesse der Kumpel der Schachtanlage hätte es ihm besser angestanden, die Ursachen zu ermitteln, die zu dem Unfall führten.

Es stimmt doch, daß der Unglückskran keine Rückspiegel hatte! Es stimmt doch auch, daß die Schwarten des Krans so abgelaufen waren, daß jedes Auto mit derartigen Reifen längst aus dem Straßenverkehr gezogen worden wäre! Die Kumpel erzählen sich, daß die Unfälle im Verantwortungsbereich des Fahrsteigers Kammann besonders hoch sind. Vor allem soll es eine große Zahl von Fingerverletzten gegeben haben.

Warum wurde diesen Aussagen der Kumpel nicht nachgegangen? Ob diese Aussagen stimmen oder nicht, läßt sich durch Einsichtnahme in die Fahrtenbücher beweisen. Deshalb die Forderung:

Offenlegung der Fahrtenbücher.

Einsichtnahme in die Krankenbücher des Reviers.

Hier liegen die wahren Hintergründe des 'Jego-Skandals'. Die hat Horst Niggemeier nicht aufgedeckt. Er handelte nicht im Interesse der Belegschaft und Gewerkschaft. Er war ein Temple der Ruhrkohle AG."

Im nächsten Artikel wird zum selben Thema gefragt:"
SIEHT SO EIN 'VERSAGER' AUS?

Die 'Kumpel-Post' mit G. Jegodowski 'unter einer Decke steckend', erfuhr über den 'Versager' folgendes:

- Günter Jegodowski war in der ZW-Versand (Zentralwerkstatt,d.Vf.) gewerkschaftlicher Vertrauensmann. (Hat er dort versagt, Kollegen?)

- Im Winter 1969 erhalten die Staplerfahrer der ZW-Versand Wattejacken. Sie wurden angeschafft, nachdem G. Jegodowski sich energisch dafür eingesetzt hatte. (War das Versagen?)

- Fahrsteiger Kammann lotst G. Jegodowski von der ZW-Versand zum Sortierplatz von Hardenberg, damit G.J. einen neu angeschafften Autokran fahren soll. Das, obwohl G.J. zunächst Bedenken hatte und dem Fahrsteiger Kammann nur zusagte, nachdem dieser versprach, daß G.J. keinem anderen Kollegen den Arbeitsplatz wegnahm. (Herr Kammann, geschah das, weil G.J. versagt hatte?)

- In der ZW-Verladung wurden nach entsprechender Kritik und den Vorschlägen von G.J. die Stapler mit festen Fahrerhäusern versehen, es wird Sicherheitsglas eingebaut und die Unfallsicherheit der Stapler erhöht. (War das Versagen?)

- Fahrsteiger Kammann und Meister Leuhoff ernannten G.J. im vorigen Jahr zum Mitglied eines Unfallsicherheitsausschusses. (Weil er versagt hatte?) - Obwohl dieser Ausschuß einmal monatlich über Unfallsicherheit beraten sollte, wurde er bisher nur ein einziges Mal zusammengerufen. (Wer hat denn hier versagt?)

Bei der einzigen Beratung dieses Ausschusses machten zahlreiche Kollegen und auch G.J. Vorschläge zur Erhöhung der Unfallsicherheit. G.J. macht darauf aufmerksam, daß die Fahrzeuge auf dem Sortierplatz nicht in Ordnung sind. Es fehlten ausreichende Lichtquellen und Signaleinrichtungen. Einige Verbesserungen werden ausgeführt. (Auf Grund des Versagens von G.J.?)

- G.J. macht in der genannten Versammlung darauf aufmerksam, daß die Beplanung der Stapler und die Kunststoffenster ohne Scheibenwischer eine Unfallquelle darstellen und schlägt vor, wie in der ZW feste Fahrerhäuser mit Sicherheitsverglasung zu bauen. Diese Vorschläge wurden bis heute nicht berücksichtigt und die Unfallquellen bestehen nach wie vor. (Weil G.J. versagt hat oder weil die ganze Sache, wie ein Meister zum Ausdruck brachte, zu teuer ist?)

- Hatte der Unfallkran keine Rückspiegel und abgefahrene Schwarten, weil G.J. versagt hat?

- Ist G.J. ein Versager, weil er aufgedeckt hat, daß statt Schrott wertvolles Material vernichtet werden sollte?

Kollegen, urteilt selbst, wer die 'Versager' sind. Die DKP und die Herausgeber der 'Kumpel-Post' geben ehrlich zu, daß sie mit solchen 'Versagern' wie G.J. gerne unter einer Decke stecken. Hundertmal lieber jedenfalls als mit solchen echten Versagern wie den Bossen der RAG, die nicht in der Lage sind, die Zukunft des Bergbaus und damit der Bergarbeiter und ihrer Familien zu sichern."

Auch der dritte Artikel befaßt sich mit dem selben Themenkreis:"
DAS WAHRE GESICHT DER KUMPEL-POST

ANTIKOMMUNISMUS SCHADET KUMPEL - HAND-IN-HAND-GEHEN MIT RAG-BOSSEN SCHWÄCHT KAMPFKRAFT DER GEWERKSCHAFT - DKP FÜR ZUSAMMENWIRKEN VON KOMMUNISTISCHEN - SOZIALDEMOKRATISCHEN - CHRISTLICHEN UND PARTEILOSEN KOLLEGEN - 'KUMPEL-POST' LÄSST SICH NICHT PROVOZIEREN - WEITER WIRKSAM IM INTERESSE DER KUMPEL

Unter dieser Überschrift wird in dem Leitartikel der 'Einheit-Aktuell' an die Bergarbeiter von Minister Stein/Hardenberg behauptet, der DKP-Betriebszeitung 'Kumpel-Post' gehe es 'um Krawall, um Miesmacherei, um billige Polemik'. Weiter wirft man der 'Kumpel-Post' und ihrem verantwortlichen Herausgeber Günter Bennhardt vor, 'Hetztiraden gegen Betriebsräte und IG Bergbau und Energie' vom Stapel zu lassen. Wir Mitglieder der DKP haben Verständnis dafür, wenn wir von unserem politischen Gegner nicht geliebt werden, wenn man uns schlecht macht und uns mit einem primitiven Antikommunismus schikaniert. Wir setzen uns dagegen zur Wehr, nicht nur in unserem eigenen Interesse als kommunistische Partei, sondern auch im Interesse der arbeitenden Menschen. Denn die Arbeiter hatten noch nie einen Vorteil, wenn ihre kommunistischen Kollegen von unserem gemeinsamen Gegner, dem Großkapital und seinen Parteien, CDU/CSU und NPD, verleumdet und verfolgt wurden.

Antikommunismus - das war und ist immer das Mittel der herrschenden großkapitalistischen Klasse, die Arbeiter vom Kampf um ihre eigenen Interessen abzuhalten, damit ihr Weizen blüht.

Wir haben kein Verständnis dafür, wenn jetzt 'Einheit-Aktuell' in dassselbe Horn bläst. Wir Kommunisten gehen davon aus - und das haben wir auch immer in der 'Kumpel-Post' deutlich zum Ausdruck gebracht - daß die Betriebsräte nicht die Feinde der Kumpel sind. Sie sind, wie wir Kommunisten und die Kumpel, Arbeiter.

Wir Kommunisten sehen in der IG Bergbau und Energie eine breite Klassenorganisation der Arbeiter und Angestellten. Starke Gewerkschaften sind notwendig für die erfolgreiche vertretung der sozialen, demokratischen und friedliebenden Forderungen der arbeitenden Menschen. Die kommunistischen Arbeiter sind ein Tel der Gewerkschaften. Sie setzen sich aktiv für das Zusammenwirken von kommunistischen, sozialdemokratischen, christlichen und parteilosen Kollegen ein.

Das war und ist unser Standpunkt.

Wir treten dafür ein, das Ansehen und die Kampfkraft der Gewerkschaft und der Betriebsräte und ihre Glaubwürdigkeit in der Arbeiterschaft zu erhöhen. Dieses Ansehen und diese Kampfkraft werden jedoch durch ein inkonsequentes Verhalten einiger Betriebsräte und Funktionäre der IGBE, ja, sogar durch ein Hand-in-Hand-Gehen mit der Unternehmerseite geschwächt.

Im Falle des Kollegen Jegodowski ist 'Kumpel-Post' der Ansicht, daß die infrage kommenden Betriebsräte nicht richtig gehandelt haben.

Wer den Ungeist des Antikommunismus verbreitet, der schadet - ob er es will oder nicht - den Interessen der Arbeiter. Die lachenden Dritten sind die Unternehmerbosse der RAG. Solche Hetztiraden gegen Kommunisten finden wir doch täglich in der Bild-Zeitung des Milliardärs Springer, in der National- und Soldatenzeitung sowie in den Aussagen von Strauß und Barzel, die damit jeden Schritt einer Entspannung verhindern möchten und die Verträge von Moskau und Warschau (mit der SU bzw. Polen,d.Vf.) torpedieren. Auch diese Rechtskräfte in der Bundesrepublik sind die lachenden Dritten!

Im Interesse der Arbeiter kann es deshalb keine Verbrüderung mit den RAG-Bossen geben, die das Gericht und die Staatsanwaltschaft gegen den Herausgeber der 'Kumpel-Post', Günter Bennhardt, in Bewegung gesetzt haben. Damit will man uns zum Schweigen bringen.

Wir werden jedoch nicht nachlassen, den Bergarbeitern von Minister Stein/Hardenberg Mut zu machen, damit sie im Vertrauen auf ihre eigene Kraft ihre eigenen Interessen mit Erfolg vertreten."

Im letzten Artikel heißt es:"
NACHTIGALL ICK HÖR DIR TRAPSEN

Einheit-Aktuell behauptet, Günter Jegodowski habe auf der ganzen Linie versagt. Dieses 'Versagen' besteht laut 'Einheit-Aktuell' darin, daß G. Jegodowski oftmals an Wochenenden, obwohl bestellt, nicht arbeitete, dann andere Kollegen seine Arbeit mitmachen mußten und man höre und staune, dadurch 'der gefeuerte Kranfahrer seine Aufgabe vernachlässigt habe, die Fahrtüchtigkeit seines Fahrzeuges sicherzustellen'.

Nun, daß Günter J. nicht verrückt danach war, am Wochenende zu arbeiten, sollte ihm eigentlich von einer Gewerkschaftszeitung nicht angekreidet werden. Was die 'Fahrtüchtigkeit seines Fahrzeugs' angeht, kann man nichts anderes sagen als: hier wird mit der Methode gearbeitet 'haltet den Dieb'. Nicht die Betriebsleitung, sondern jene Kollegen, die an Wochenenden nicht arbeiten, wären damit für die Fahrtüchtigkeit oder besser Fahruntüchtigkeit der Fahrzeuge verantwortlich. Womit der schwarze Peter wieder einmal mehr bei den Kumpeln ist. Dagegen protestiert die 'Kumpel-Post' auf das Entschiedenste. Die Beseitigung von Unfallgefahren obliegt der Betriebsleitung. Sie und nicht der Kumpel trägt die Verantwortung dafür, dass sich - wie in diesem Fall - die Fahrzeuge in fahrtüchtigem und vor allem unfallsicheren Zustand befinden."

In einem Leserbrief heißt es:"
ANGST VOR KRITIK

Ein Leser schreibt uns zum Inhalt von 'Einheit-Aktuell'. Aus verständlichen Gründen können wir seinen Namen nicht nennen.

'Rahmenartikel beinhalten zumeist besondere Aspekte, sie werden mit Respekt gelesen, wenn sie den Realitäten entsprechen. Wenn sie aber, wie jener in 'Einheit-Aktuell', aus den trüben Wässerchen des Antikommunismus gekocht sind, um die Resonanz, welche die 'Kumpel-Post' bei vielen Kollegen und Betriebsräten gefunden hat, abzuwürgen und versucht wird, berechtigte Kritik als billige Polemik hinzustellen, wirkt Eingerahmtes eher wie Eingelegtes aus der Adenauer-Ära des Kalten Krieges. Angesichts solcher unsachlicher Attacken entsteht die Frage, ob einige Vertreter unserer Gewerkschaft in Schwierigkeiten geraten, wenn Kommunisten in der Gewerkschaft kritisch auftreten. Macht sich deshalb vielleicht schon ein leichtes Unmutsgefühl auf den Sesseln einige Etablierter bemerkbar? Es hat sich gerade in den Lohn- und Streikkämpfen auf Bundesebene erwiesen, daß die Kommunisten als die konsequentesten Kämpfer für berechtigte Forderungen bekannt sind. Daher stelle ich die Frage: Soll der Rahmenartikel in 'Einheit-Aktuell' die Mitglieder der DKP und viele fortschrittliche Kollegen provozieren, um die Solidarität zu ihrer Gewerkschaft zu zerstören? Ich hoffe, die 'Kumpel-Post' fällt nicht auf diese Provokation herein und schreibt nach wie vor kritisch-sachlich für die Arbeiter und gegen die Bosse.'"
Q: Kumpel-Post Ein Paul Temple der RAG?,Dortmund o.J. (1972)

13.03.1972:
Die Staatsanwaltschaft Dortmund richtet das folgende Schreiben von einer Seite DIN A 4 an Günter Bennhardt, Am Gulloh ..., Dortmund-Brechten:"
BETRIFFT: Ermittlungsverfahren gegen SIE wegen Verdachts der Beleidigung Sehr geehrter Herr Bennhardt!

Die Bergbau AG Dortmund hat mit Schreiben vom 7.3.1972 gegen Sie Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Dieser Strafantrag steht im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Mitteilungsblattes der 'Deutschen Kommunistischen Partei' (DKP,d.Vf.) für die Bergarbeiter von Minister Stein/Hardenberg, 'Die Kumpel-Post', für dessen Inhalt Sie presserechtlich verantwortlich zeichnen.

Beleidigende Äußerungen werden insbesondere darin gesehen, daß die Entlassung als 'brutaler Willkürakt' bezeichnet wird, daß Herr Jegodowski 'brutal auf die Straße geworfen worden sei' sowie in den Formulierungen, die Betriebsleitung versuche 'ihre Brutalität zu tarnen', sie 'operiere mit Lügen', 'denke nur an Leistungen und Profit und gebe keinen Pfifferling für das Leben und die Gesundheit der Kumpel'. Als beleidigend wird ferner die Formulierung 'die Lüge von der blutigen Hand' sowie von der 'Willkür der Bosse' angesehen.

Hiermit gebe ich Ihnen Gelegenheit, sich zu den gegen Sie erhobenen Vorwürfen bis zum 10.4.1972 zu äußern. Falls bis zu diesem Zeitpunkt keine Äußerung eingegangen sein sollte, gehe ich davon aus, daß Sie sich nicht äußern wollen und werde eine Entscheidung nach Lage der Akten herbeiführen."
Q: Staatsanwaltschaft Dortmund:Betrifft Ermittlungsverfahren gegen Sie wegen Verdachts der Beleidigung,Dortmund 13.3.1972

16.03.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.5 vom 6.3.1972 verkauft werden, für die so geworben wurde:"
DAS IST CHINAS REVOLUTIONÄRE AUSSENPOLITIK!

Über Nixons Reise nach Volkschina sind in den letzten Wochen viele Spekulationen aufgetaucht und Legenden gesponnen worden. Fernsehen und bürgerliche Presse berichten von der 'großen Wandlung' und die sowjetischen Führer werfen China 'Großmachtpolitik' vor. Aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: CHINA LÄDT NIXON EIN, WEIL ES DEN FRIEDEN IN DER WELT WILL - NIXON KOMMT, WEIL SOZIALISTISCHE FRIEDENSPOLITIK STÄRKER IST ALS DIE IMPERIALISTISCHE KRIEGSTREIBEREI DER USA.

Zwei Welten stehen sich gegenüber: Nixon als Repräsentant der kriegslüsternsten Imperialisten, des sterbenden Papiertigers USA, der heute so schwach ist, daß er seine kriegerischen Weltmachtpläne teilweise zurückstellen und sich mit der Friedensmacht arrangieren muß - Tschou En-lai als Vertreter des chinesischen Volkes, der auch Nixons Hand ergreift, um Kriege und Kriegsgefahr einzudämmen und den Kampf aller Völker gegen ihre Unterdrücker selbstlos und solidarisch unterstützt. Kollegen, lest in der neuesten Ausgabe der ROTEN FAHNE, welche Ergebnisse der Besuch erbrachte und von welchen Grundsätzen sich die sozialistische Politik Chinas leiten läßt.

LEST WEITER: ÜBER DIE OSTDEBATTE IM BUNDESTAG, das große Schauspiel um kleine Unterschiede. - ZU DEN BETRIEBSRÄTE-WAHLEN 1972 - DIE VERSTAATLICHUNG VON HENSCHEL-HANOMAG. - ÜBER DIE KULTURREVOLUTION IN VOLKSCHINA - ein großartiges und lebendiges Beispiel von wirklicher Demokratie der Massen und der Herrschaft des Volkes in den Betrieben und allen anderen Bereichen des wirtschaftlichen und politischen Lebens."
Q: Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972),S.4

20.03.1972:
Die DKP gibt auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund vermutlich in dieser Woche eine Ausgabe ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 13.3.1972, 26.4.1972) mit 4 Seiten DIN A 4 und folgendem Leitartikel heraus:"
WEISSKAUE ODER SAUNA?

Jeder Kumpel ist froh, wieder eine schwere Schicht hinter sich gebracht zu haben, in der Hoffnung, nicht wieder in Schweiß auszubrechen, wenn der Arbeitsplatz verlassen ist.

Nicht so an manchen Tagen in der Kaue auf Hardenberg. Für die Schwarzkaue könnte noch Verständnis aufgebracht werden, weil hier das naßgeschwitzte Arbeitszeug wieder für den anderen Tag trocknen muß. Aber in der Weißkaue schlägt einem an den schon genannten Tagen im wahrsten Sinne des Wortes eine Affenhitze entgegen, daß man sich sich nach dem Anziehen draußen auf der Straße noch einmal abtrocknen muß. Für manchen von der Knochenmaloche geschwächten Kumpel ist es eine Unverschämtheit, diese Prozedur mitmachen zu müssen, ganz zu schweigen von dem Kauenwärter, der acht Stunden in der Weißkaue seine Arbeit machen soll. Daß diese Kauenwärter öfter mal an die frische Luft gehen müssen, ist nur allzu verständlich, weil ja nicht die gesündesten Kumpels diese Arbeit verrichten. So kommt es vor, dass lichtscheues Gesindel leichtes Spiel hat, dem Kumpel die guten Klamotten, Führerscheine und Autoschlüssel zu klauen (wie vor 14 Tagen geschehen). Die Verantwortlichen für diese Kauen brauchen sich bestimmt nicht darin umzuziehen und so kümmert es sie auch nicht, welche unzumutbaren Temperaturen der arbeitende und sich umziehende Kumpel zu ertragen hat. Ein Leichtes wäre es doch, dafür zu sorgen, daß die zugeschweißten Fenster geöffnet werden können, wenn schon die Heizzentrale durch technischen Defekt nicht in der Lage ist, die Wasserschwaden abzuziehen. Schon vor eineinhalb Jahren hat der 'Versager' Jegodowski auf diese Mißstände hingewiesen und Abhilfevorschläge gemacht. Aber die dafür verantwortliche Person kann wohl nicht einsehen, dass es schon eine winzige Erleichterung für den Kumpel wäre, wenn wenigstens die Fenster geöffnet werden können.

Wenn die Temperaturen schon jetzt unerträglich sind - was steht uns erst noch bevor, wenn der Sommer da ist?"

Gefragt wird auch:"
IST ES SCHON WIEDER SO WEIT?

WEHRET DEN ANFÄNGEN!

In der vergangenen Woche wurde der Betriebspunkt Karoline in der 3. Abteilung von Fahrsteiger M. befahren. Er brachte seinen Unmut über den anscheinend schwachen Auffahrungsfortschritt der Schrapperstrecke 'Karoline' dahingehend zum Ausdruck, daß er zu den vor Ort arbeitenden Kumpels sagte: 'Man sieht es ja, wo Kommunisten arbeiten, fallen auch keine Meter!' Dabei hat der Fahrsteiger M. wohl ganz vergessen, daß auch Kommunisten daran interessiert sind Meter aufzufahren, um ihr Geld zu verdienen. Fahrsteiger M. sollte aber wissen, daß im Bergbau nicht der Leistungswille der Kumpels sondern der geologische Faktor der Hauptgrund für das Mißlingen einer Leistung ist! Was sind denn für den Fahrsteiger M. Kommunisten? Sind das Untermenschen oder Barbaren? Oder denkt Fahrsteiger M. an die glorreiche Zeit, wo russische Kriegsgefangene (aus der SU,d.Vf.) mit Fäusten und anderen Zwangsmitteln an die Leistung herangebracht wurden?

Fahrsteiger M. sollte aber auch wissen, daß die Kollegen in 'Karoline' vor Ort keine Kommunisten sind, sondern fortschrittlich denkende Arbeiter, die sich ihres Standes bewußt sind. Aber wer fortschrittlich ist, ist eben Kommunist.

Wie stolz dürfen da wohl die Kommunisten sein, wenn sie nur fortschrittliche Kollegen in ihren Reihen haben!"

Gefordert wird:"
OSTVERTRÄGE RATIFIZIIEREN!

Strauß und Barzel, die Neonazis und das Rüstungskapital setzen zum Großangriff auf Entspannung und Frieden an. Sie wollen zurück zum kalten Krieg, zu einer Politik, die die Gefahr eines heißen Krieges in sich trägt. Der Angriff auf die Verträge von Moskau und Warschau (mit der SU bzw. Polen, d.Vf.) ist ein Angriff auf die Lebensinteressen unseres Volkes.

Da es Strauß und Barzel an Argumenten mangelt, greifen sie zu den großen Lügen, die schon in den 50er Jahren für Remilitarisierung und Hochrüstung als Alibi dienten. Dieser Rückgriff in das Waffenarsenal des kalten Krieges zeigt deutlich, wohin die CDU/CSU unser Land zurücktreiben will.

Die erste Lüge: Die Sowjetunion mische sich in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik ein, und das eben sei die Folge der Verträge, die Brandt unterschrieben hat.

Tatsache ist jedoch: Das Moskauer Abkommen ist ein Vertrag, der zwischen den Regierungen zweier souveräner Staaten abgeschlossen wurde. Er geht beide Regierungen und beide Völker an. darüber hinaus ist er ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Entspannung zum Frieden in Europa.

Die zweite Lüge: Die Verträge stellten eine 'tödliche Bedrohung' für uns Deutsche dar.

Lautstark verkünden die Strauß und Barzel samt ihrer Springer-Presse: 'Sowjets fordern Unterwerfung des Bundestages.'

Wer bedroht hier wen?

Die Verträge sagen doch folgendes: Verzicht auf Gewalt - Anerkennung der Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen - Bereitschaft zu normalen und gleichberechtigten Beziehungen, zum friedlichen Zusammenleben beider Völker. Das sind vernünftige Regelungen, die beiden Völkern nutzen und von denen beide profitieren.

Stattdessen soll Gewaltverzicht eine Bedrohung sein! Das jedenfalls wollen Strauß und Barzel uns weismachen.

Hoffentlich ist jetzt klar geworden, wer hier wen bedroht!

Die Mobilmachung von Strauß und Barzel gegen die Verträge richtet sich gegen den Frieden, gegen die Entspannung in Europa.

Deshalb wendet sich die DKP an alle, die den Frieden wollen, gemeinsam die Ratifizierung zu sichern und gegen rechts Front zu machen."

Dem selben Thema widmet sich auch der letzte Artikel:"
RECHTS HAT NICHT RECHT - STOPPT DIE CDU/CSU!

Aus aktuellem Anlaß fühlt sich die Kumpelpost verpflichtet, stellvertretend für alle Menschen, die den Frieden wollen, ein paar Gesichtspunkte für die Ratifizierung der Ostverträge - 'Alptraum' der CDU/CSU - aufzuführen. Der Wehrbeauftragte der Bundeswehr - F.R. Schulz, berichtet von der 'Not' der Offiziere, daß das 'Feindbild' der Sowjetunion durch die Ratifizierung verblasse.

Da der Wehrwille in der BRD (man sieht es an der jährlichen Zunahme von Wehrdienstverweigerern (KDV,d.Vf.)) auch nicht absonderlich hoch ist, müsse die Bundeswehr eine Ersatzfunktion übernehmen, etwa den 'staatsbürgerlichen Unterricht' an den Schulen.

Die CDU/CSU beschwört weiterhin den 'drohenden Verfall von Staat und Gesellschaft' und will ihm mit Taten entgegentreten. Sie diskriminiert die SPD als Wachs in den Händen machtbesessener Weltrevolutionäre. Mit der primitivsten antisowjetischen Propaganda hofft sie, die Erfolge der Entspannungspolitik aus dem Bewußtsein der Bürger der BRD zu verbannen. Um die Rolle der CDU/CSU in der Ostpolitik begreiflicher zu machen, sei ein kleiner Rückblick in die Geschichte der BRD gewährt.

Nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 beorderte der damalige Präsident der USA, Kennedy, seinen persönlichen Vertreter General Clay nach Berlin. Clay sollte die damalige Bundesregierung dazu anregen, Verhandlungen mit der DDR aufzunehmen, da Gespräche mit der DDR zwecks Wiedervereinigung mehr Erfolg hätten, als sie einfach zu ignorieren. Diese Anregung wurde von der damaligen Regierung der BRD nicht aufgegriffen. Da sich das Rad der Geschichte unentwegt weiterdreht und es auch keine CDU/CSU anhalten kann, ist es nun eine der Hauptaufgaben, die Verträge unter Dach und Fach zu bekommen. Denn, Kollegen, eines liegt klar auf der Hand: Durch die Anerkennung der Grenzen in Europa wurden die frostigen Beziehungen zwischen Bonn und Osteuropa aufgetaut! So wurde z.B. eine direkte Flugverbindung zwischen der BRD und der Sowjetunion eingerichtet. Weiterhin durften auch die Handelsbeziehungen zwischen Ost und West weiter ausgebaut werden. Denken wir obendrein an die Berlinregelung, die weitgehend den 'Zeitzünder des 3. Weltkrieges' entschärft hat.

Man muß nicht über besonderen Weitblick verfügen, um sich vorzustellen, womit Versuche enden würden, die Außenpolitik der BRD erneut mit der Idee des Nationalismus und der Revanche zu verbinden und damit die Praxis des kalten Krieges zu erfüllen. Aber die kommenden Monate werden ebenso wie die Vergangenheit zeigen, daß die CDU/CSU verantwortungslos jede Friedenssicherung in Europa bekämpfen wird, wie wir es von ihr gewöhnt sind. Sie wird weiter mit allen Mitteln, mit Lügen und Hetze die Ratifizierung der Verträge zu verhindern suchen.

Würden die Ostverträge nicht ratifiziert, wie stünden wir dann da? Diese Frage stellt sinngemäß die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' (FAZ,d.Vf.). Die Antwort lautet: Die BRD wäre aus Osteuropa ausgespannt und im Westen isoliert.

Und das kann ja wohl nicht im Sinne der Bevölkerung der Bundesrepublik sein!"

Aufgerufen wird zur Demonstration der Frühjahrskampagne 1972 in Gelsenkirchen (vgl. 1.4.1972).
Q: Kumpel-Post Weisskaue oder Sauna?,Dortmund o.J. (März 1972)

20.03.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund will eine weitere Feierschichtenversammlung um 19 Uhr in der Gaststätte Zum Turm in der Bergstr. durchführen.
Diskutiert werden soll über die praktische Solidarität mit dem Kollegen Jegodowski (vgl. 23.2.1972, 8.3.1972).
Q: Rutsche Solidarität mit dem entlassenen Kollegen Jegodowski!,Dortmund o.J. (März 1972),S.3

03.04.1972:
Erstmals erscheint eine Ausgabe des 'Roten Schwungrades' - Betriebszeitung der KPD/ML-ZB bei Hoesch Phönix Dortmund (vgl. 20.3.1972, 10.4.1972), vermutlich heute. Im zweiten Artikel heißt es u.a.:"
FÜR DORTMUNDS ROTEN 1. MAI:
ARBEITEREINHEITSFRONT GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK
...
Kollegen, die den Mund aufmachen und sich nicht alles gefallen lassen droht der Rausschmiß - Ein Beispiel dafür ist Minister Stein (IGBE-Bereich in Dortmund - vgl. 23.2.1972,d.Vf.), wo ein Kollege herausgeworfen wurde, weil er die Hintergründe eines tödlichen Unfalls eines Kollegen entlarvte und aufzeigte, daß es mit dem Unfallschutz nicht weit her ist. Außerdem war der Kollege einer der führenden Leute bei den Septemberstreiks.

KAMPF DEN POLITISCHEN ENTLASSUNGEN!
GEGEN UNTERDRÜCKUNG VON FORTSCHRITTLICHEN KOLLEGEN!"
Q: Das Rote Schwungrad Schon wieder eine neue Zeitung,Dortmund o.J. (Apr. 1972)

17.04.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund gründet sich, nach eigenen Angaben, auf einen Aufruf der KPD/ML-ZB in der 'Rutsche' (vgl. 17.4.1972, 23.4.1972) hin in dieser Woche das 1.Maikomitee Minister Stein/Hardenberg (vgl. 27.4.1972).
Q: Mai Zeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg,Dortmund o.J. (1972),S.1

17.04.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund gibt vermutlich in dieser oder der vorigen Woche eine 'Rutsche' (vgl. 8.3.1972, 28.4.1972) heraus, die uns leider noch nicht vorlag. Aufgerufen wird darin zur Gründung eines Maikomitees (vgl. 17.4.1972).
Q: Mai Zeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg,Dortmund o.J. (1972),S.1

18.04.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund beginnen die dreitägigen Betriebsratswahlen (BRW - vgl. **.**.1968, 20.4.1972). Die von der KPD/ML-ZB angestrebte zweite Liste kam nicht zustande, wohl aber wurden, laut KPD/ML-ZB (vgl. 28.4.1972), mehrere klassenkämpferische Kumpel gewählt.
Q: Mai Zeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg,Dortmund o.J.
(1972),S.2;
Rutsche Kampf dem Lohndiktat!, 6 DM mehr pro Schicht für alle! Und Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (28.4.1972), o.J. (Mai 1972) bzw. o.J. (Okt. 1972),S.1f, S.3f bzw. S.5

20.04.1972:
Die IGBE (vgl. 1.5.1972) berichtet vom Ergebnis der heute endenden Betriebsratswahlen (BRW) bzw. vermutlich über die KPD/ML-ZB bei Minister Stein/Hardenberg Dortmund:"
KLARE ANTWORT DER WÄHLER

Die seit Monaten von Linksextremisten als 'Arbeiterverräter' und 'Regierungsknechte' verteufelten Kurt Obijou, Heinz Wenzelmann, August Wagner, Lothar Kricke haben bei den Betriebsratswahlen auf Minister Stein in Dortmund den höchsten Stimmenanteil erhalten. Das ist eine klare Antwort der Belegschaft von Minister Stein auf die von den Linksextremisten gestarteten Schmutz- und Hetzkampagne gegen verdiente Gewerkschafter und fähige Betriebsratsmitglieder."
Q: Einheit Nr.9,Bochum 1.5.1972,S.3

23.04.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg Dortmund richtet folgendes Schreiben an das 1.Maikomitee (vgl. 17.4.1972, 28.4.1972) Minister Stein/Hardenberg:"
Kollegen!
Die Betriebsgruppe Min. Stein/Hardenberg der KPD/ML begrüßt die Gründung des Maikomitees und stellt sich voll und ganz hinter seinen 1.Mai-Aufruf. Wir Kommunisten haben die Aufgabe, jeden noch so kleinen Kampf für die täglichen Interessen der Arbeiter, jede oppositionelle Regung zu unterstützen. Denn jeder Kampf schließt die Arbeiter enger zusammen, in jedem Kampf werden neue Kollegen dazugewonnen, jeder noch so kleine Erfolg macht die Arbeiterklasse stärker und vergrößert die Kluft zwischen Arbeitern und Verrätern und Spaltern am Kampf. Wir Kommunisten sagen: jeder Kampf ist eine Schule für den Kampf der Arbeiterklasse zum Sturz des Kapitalistenstaates und zum Aufbau des Sozialismus.

Wir sehen im 1.Mai-Komitee ein hervorragendes Mittel, um in der Einheit der Arbeiterklasse und der Isolierung der SPD- und Gewerkschaftsführer einen Schritt vorwärts zu tun. Deshalb ist die KPD/ML-Betriebsgruppe an diesem 1.Mai-Komitee beteiligt. Sie hat dort die Pflicht, sich an die vorderste Front auch im betrieblichen Kampf zu stellen und für die Forderungen der Kollegen einzutreten. Aber sie hat auch die Pflicht, die Kollegen zu überzeugen, dass der Kampf hier nicht stehen bleiben kann, sondern nur ein Schritt zum Ziel des Kampfes, der Abschaffung von Ausbeutung und Unterdrückung ist. Die KPD/ML-Betriebsgruppe wünscht dem 1.Mai-Komitee viel Erfolg!"
Q: Mai Zeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg,Dortmund o.J. (1972),S.6

24.04.1972:
Die Jugendbetriebsgruppe (JBG) des KJVD der KPD/ML-ZB auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg in Dortmund gibt vermutlich in dieser Woche eine 'Jugend-Rutsche' (vgl. 6.3.1972, 12.6.1972) mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
ALLE MANN HINTERS KAMPFPROGRAMM!

Kollegen,
wichtige Ereignisse stehen vor der Tür!
Wichtige Erfahrungen haben wir in den letzten Tagen machen können!
Fassen wir es doch einmal zusammen, was jetzt ansteht und worauf wir gefaßt sein müssen:
Da sind zunächst einmal die Jugendvertreterwahlen (JVW - vgl. **.*.1972,d.Vf.). Diese Wahlen müssen jetzt immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Wir haben am Beispiel von Mitsch und Leder ja alle sehen können, was passiert, wenn nicht wahre Vertreter der Kumpels und echte Kämpfer gewählt werden. Es ließe sich hier eine lange Liste anfertigen über das, was Friedhelm und Rainer als Hauptakteure der alten Jugendvertretung gemacht oder besser nicht gemacht haben, und somit die Kumpels im Stich gelassen, ja verraten haben.

Belassen wir es bei den wichtigsten Beispielen:
Noch immer gibt es bei uns die Altersabschläge für die Bergjungarbeiter - mit 16 25%, mit 17 15%!
Noch immer werden die Lehrlinge für die Produktionsarbeiten mit der Ausbildungsbeihilfe abgespeist!
Noch immer gibt es keine Lohnforderungen für alle Lehrjahre, die prozentual an die Löhne der älteren Kumpels gebunden sind.
Genau das ist aber notwendig, damit wir erstens untereinander einig sind und dann auch mit den Kumpels zusammen kämpfen können!
Es gibt für die Lehrlinge immer noch kein Streikrecht!
Auf unserer Schachtanlage weht ein schärferer Wind! Da war zunächst der Rausschmiß des Kollegen G. Jegodowski (vgl. 23.2.1972,d.Vf.). Geht das nicht auch die Jugendlichen etwas an?! Geht es sie etwa gar nichts an, wenn es auf dem Pütt soweit kommen soll, daß niemand mehr etwas sagen darf?! Aber da gibt es ja auch noch ein besseres Beispiel. Die beiden Elektrikerlehrlinge wurden ja auch nur deshalb abgeschoben, weil sie sich wehren wollten. Da hieß es dann 'Werkssabotage angestiftet von der ROTEN FAHNE'.

Und wie sieht es aus mit den Zwischenprüfungen, die den Kumpels das Leben schwer machen und die ihnen ihre Zukunft versauen sollen?! Wir finden unter den Bergjungarbeitern und Berglehrlingen, die schon bei Germania erfahren haben, was Rationalisierungs- und Gesundungsmaßnahmen bedeuten, Kumpels, die jetzt im 'Lehrrevier' arbeiten und die man auspreßt, ihnen Feierschichten serviert und sie nach Strich und Faden verraten und verkauft hat.

Und noch eins. Als kürzlich ein Kollege bei Rotter von einem 'nebenamtlichen' Ausbilder den Helm ins Gesicht geschlagen bekam, ging Rainer Leder mit ihm zu Funke und sah tatenlos zu, wie nicht der Schuldige bestraft wurde, sondern der Kollege einen Anpfiff bekam.

Kumpels,
können wir unter diesen Umständen unsere Stimmen einem Friedhelm Nitsch geben?! NEIN!
Ihr selber könntet diese Liste sicher noch vervollständigen. Daher stimmen wir nicht für Friedhelm Nitsch, daher müssen wir alle Kandidaten prüfen, müssen wir 'die Böcke von den Schafen trennen'. Wie könnten wir das besser, als dadurch, daß wir die Sachen auf den Tisch bringen und die Bedingungen an die Kandidaten stellen, die alle jungen Kumpels, ob Lehrling, Betriebswerker oder Bergjungarbeiter interessieren und fordern. So schaffen wir die Bedingungen, daß wir alle geschlossen kämpfen können, weil wir alle die gleichen Forderungen haben. Die Vorschläge für ein Kampfprogramm, die die Jugendbetriebsgruppe des KJVD macht, sind unserer Meinung nach ein guter Ansatz.

Kollegen,
diskutiert über dieses Kampfprogramm und darüber, wie wir es durchsetzen können. Verbessern wir alle das Programm, kritisiert, was ihr für falsch haltet und fügt das hinzu, was eurer Meinung nach noch hinzu muß. Wahltag ist Zahltag!
DIE KANDIDATEN PRÜFEN!
FÜR KÄMPFERISCHE JUGENDVERTRETER!
ALLE MANN HINTERS KAMPFPROGRAMM!

Glückauf und Rot Front"

Als nächstes folgt das:"
KAMPFPROGRAMM DER ARBEITERJUGEND VOM MINISTER STEIN UND HARDENBERG

KEINE POLITISCHEN ENTLASSUNGEN MEHR! SCHLUSS MIT DER BESPITZELUNG UND HETZE GEGEN FORTSCHRITTLICHE KUMPELS UND MITGLIEDER UND SYMPATHISANTEN VON KPD/ML UND KJVD!

WEG MIT DEM SPALTERISCHEN BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ (BVG,d.Vf.)! FÜR 4 GEMEINSAME JUGENDVERSAMMLUNGEN IM JAHR WÄHREND DER ARBEITSZEIT!

GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT! WEG MIT DEN ALTERSABSCHLÄGEN FÜR DIE BERGJUNGARBEITER! FÜR LEHRLINGSARBEIT IN DER PRODUKTION - 100% VOM FACHARBEITERLOHN! 60% VOM FACHARBEITERLOHN FÜR DIE ZEIT IN DER AUSBILDUNG! STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE! 30 BEZAHLTE URLAUBSTAGE IM JAHR! EINE WOCHE BEZAHLTEN BILDUNGSURLAUB!

SCHLUSS MIT DEM AUSBILDUNGSBETRUG! WEG MIT DER 3-MONATIGEN PROBEZEIT! GEGEN DIE EINFÜHRUNG DES STUFENPLANS DER SPD-REGIERUNG BEI MINISTER STEIN!

VOLLE BEZAHLUNG ALLER WEITEREN FEIERSCHICHTEN!

NEUE MASCHINEN IN DIE LEHRWERKSTATT! GEGEN DEN REDESCHWALL VON JABST UND NIGGEMAN - FÜR EINE VERNÜNFTIGE AUSBILDUNG!
SCHLUSS MIT DEN ZUSTÄNDEN IN DER JUGENDKAUE - SOFORTIGE REPARATUR DER KAPUTTEN DUSCHEN!"

Berichtet wird:"
BEI ROTTER WIRD GEPRÜGELT!

Meldung:
Vor wenigen Tagen bekam ein junger Kumpel, der bei Rotter arbeitet, von einem 'nebenamtlichen' Ausbilder den Helm ins Gesicht geschlagen. Angeblich hat der Kumpel ihn dazu gereizt. der 'Ausbilder' war besoffen! Beide gingen zu Funke. Mit ihnen Rainer Leder. Doch nicht der besoffene 'Ausbilder' bekam einen Anpfiff, sondern der Geschlagene. Früher war es Endler, heute geht's bei Rotter hoch her. Rainer Leder unternahm nichts!"

Im nächsten Artikel heißt es ZUR BETR:"
TARIFVERHANDLUNGEN 1972:
LERNEN WIR AUS DEM VERRAT DES LETZTEN JAHRES!

Der Hauptvorstand der IG-Bergbau und Energie beschloß auf seiner letzten Sitzung in Dortmund (vgl. 12.4.1972,d.Vf.), die Tarife für die 250 000 Beschäftigten des Steinkohlenbergbaus fristgemäß zum 31. Mai 1972 zu kündigen.

Aber bereits am 26. April wird der Hauptvorstand über Höhe und Umfang der Forderungen beraten. der Vorsitzende der IGBE, Adolf Schmidt sagte dazu auf der Veranstaltung 'Für eine bessere Welt', zu der Funktionäre aus allen Bezirken zusammengekarrt wurden, in der Dortmunder Westfalenhalle:
BERGLEUTE WOLLEN NICHT FÜR NIEDRIGEN LOHN DIE SCHWERSTE ARBEIT VERRICHTEN. SIE SOLLEN DURCH UNSERE KRAFT AM ALLGEMEINEN FORTSCHRITT BETEILIGT WERDEN! WIR WERDEN UNS AUF HARTE UND LÄNGER DAUERNDE VERHANDLUNGEN EINRICHTEN, IN DEM GEFÜHL, DASS WIR MITGLIEDER EINER ERNSTEN, ERFOLGREICHEN UND STREIKBEREITEN GEWERKSCHAFT SIND!' (aus 'Einheit' vom 15. April)

Kumpels,
das sind große Worte, Worte von einem Mann, der sich als Interessenvertreter der Bergarbeiter ausgibt. Doch wir alle wissen besser wie es um diesen Mann bestellt ist. Wir kennen ihn und seine Gesinnungsgenossen in der IGBE-Spitze. Oder war es nicht der gleiche Adolf Schmidt und der gleiche Hauptvorstand der IGBE, der die Kumpels 1971 so hinterhältig verraten hat? Waren sie es nicht, die sich letztes Jahr nicht einmal trauten Forderungen aufzustellen, sondern gleich als erste bereit waren das Schillersche Lohndiktat von 7,3% anzunehmen?! Waren es nicht diese Führer und mit ihnen die kleinen 'Führer' von IGBE und SPD, die auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg die Lohnordnung, unter deren Auswirkung die Kumpels zu leiden haben, annahmen und auch noch die Frechheit besaßen, sie vor den Kollegen in den Himmel zu loben?!

GROSSE WORTE - DAHINTER VERRAT!

Verraten und verkauft wurden wir letztes Jahr von Adolf Schmidt, von Kurt Obijou, von Heinz Dannhorst, von Wenzelmann, vom 'Kollegen' Hans Buck, von Jugendvertretern wie Friedhelm Nitsch und Rainer Leder. Sie alle fügten sich, als die SPD-Regierung durch ihren Super-Minister Karl Schiller den Kollegen vorschreiben ließ, wie hoch sie ihre Lohnforderungen zu stellen haben! Und was ist dies anders als Verrat, wenn man die Kumpels im Stich läßt! Die KPD/ML und der KJVD nannten diese Lohnleitlinien der Regierung zu recht staatliches Lohndiktat. Durch dieses Lohndiktat sollten die Staatskassen für die Rüstungsziele des Bonner Staates gefüllt werden, sollten die Zechengesellschaften in der RAG und die anderen Kapitalisten in unserem Lande geschont werden. Die Krise, die durch die Profitwirtschaft der Kapitalisten zustande kam, und immer wieder in dieser 'sozialen Marktwirtschaft' zustande kommen wird, sollte auf den Schultern der Kumpels getragen werden!!!!!!!!!!

Die Gewerkschafter, wohlgemerkt die einfachen Kumpels in der IGBE und nicht die Führer, sollten daran gewöhnt werden, daß nicht mehr sie die Löhne fordern, nach dem, was sie für den Lebensunterhalt brauchen, sondern der Staat mischte sich direkt in das Geschehen ein, um für die Kapitalisten in diesem Lande die Profite zu sichern, um ihre Kriegskassen auf Kosten der Arbeiterklasse und der Jugend zu füllen!

LERNEN WIR AUS DEM VERRAT!

Kumpels,
aus dem Verrat des letzten Jahres können und müssen wir lernen. Zusammen mit den älteren Kollegen stehen wir, die Lehrlinge, die Betriebswerker und die Bergjungarbeiter in einer Reihe, denn es gilt das Lohndiktat der SPD-Regierung zu durchbrechen. In den Chemie- und Stahlbetrieben, so bei den HOESCH-Werken in Dortmund, wurde gegen dieses Lohndiktat der Kampf aufgenommen. Nach dem Verratsabschluß hatten die Kollegen die Nase voll. Nach staatlicher Schlichtung traten sie entschlossen in den Streik (vgl. 14.1.1972,d.Vf.) und demonstrierten für ihre Forderungen. Über 20 000 waren es in Dortmund, nachdem Westfalenhütte, Phoenix und Union von HOESCH auf die Straße gingen. Und die Lehrlinge aus der Lehrwerkstatt der Westfalenhütte streikten entschlossen mit!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Doch dieser entschlossene Kampf konnte abgewürgt werden. Mit fadenscheinigen Tricks gelang es der SPD-Betriebsgruppe, den Betriebsräten, allen voran Werski und Wäscher, die sich besonders radikal gaben, diese einheitliche Front zu durchbrechen. Sie spalteten die Kollegen und gaukelten ihnen die Vorteile eines Haustarifs vor. Und was ist dabei herausgekommen? Pfennige waren es, die die Kollegen bekamen! Die DKP und die SDAJ taten ihr Scherflein dazu bei und verschwiegen diese augenscheinlichen 'linken' Manöver der IGM-und SPD-Führer.

Kumpels, die letzte Jugendversammlung (vgl. 13.3.1972,d.Vf.) hat gezeigt, daß die Arbeiterjugend bei Minister bereit ist zu kämpfen.

HABT MUT ZU KÄMPFEN - HABT MUT ZU SIEGEN!

Diese Jugendversammlung hat aber auch gezeigt, daß jetzt schon die Verräter am Werk sind, um es erst gar nicht zum offenen Kampf kommen zu lassen. Als ein Kollege die völlig berechtigte Forderung nach Abschaffung der Altersabschläge für Jungarbeiter aufstellte, verwiesen Dieter Bentrath, Friedhelm Nitsch und Hans Buck ihn an die Tarifkommission und an den Kreisjugendausschuß (KJA,d.Vf.) der IGBE. was sich dort dann tut, das konnte man ja im letzten Jahr verfolgen! Sie sagten, diese Forderung bestehe schon seit langem. Ja, aber wenn sie doch schon so lange besteht, warum ist sie dann noch nicht durchgesetzt worden? Doch nur, weil diese sauberen Burschen gar nicht wollen, daß die Kapitalisten aus den Jungarbeitern keine Extra-Profite durch die Altersabschläge mehr verdienen. Oder was meint ihr?

Kumpels,
Auch die SDAJ stellte in ihrer Zeitung, dem KOHLENHOBEL (vgl. März 1972,d.Vf.) die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit und nach Abschaffung der Altersabschläge auf. Doch damit allein kann es noch nicht getan sein. Denn es geht um mehr als um das bloße Aufstellen von Forderungen. genau das haben nämlich die 'Linken, die sich in Worten so radikal gaben in der Westfalenhütte, auch gemacht. Sie stellten unter dem Druck der Kollegen die Forderung nach 15% Lohnerhöhung auf, die sie dann nachher doch verraten haben.

Kumpels, es geht darum diesen Verrätern und Spaltern in diesem Jahr den Garaus zu machen, das Lohndiktat zu durchbrechen. Die Lohnforderungen der Kollegen richten sich danach, was sie brauchen und nicht danach, ob es der 'Wirtschaft' schlecht geht und die Regierung es im Auftrag der Kapitalisten si haben will! Und hier müssen Leute her, die den Kollegen diese Feinde zeigen, die ihnen die ganze Verrottung des kapitalistischen Unterdrückersystems zeigen. Diese Leute finden wir nicht in der SPD-Führung, finden wir nicht bei den IGBE-Führern und auch nicht unter den Führern der DKP und der SDAJ. Wir sind bei der SDAJ gewesen. Da sagte uns dann eine Führerin: 'Ja, es stimmt, daß die IGBE-Führer die Kumpels verraten haben, aber das dürfen wir nicht sagen, sonst spalten wir die Gewerkschaft!' Kollegen, eine solche Einheit der Führer kann uns doch gestohlen bleiben, bei der wir zu gut deutsch beschissen werden! Nicht die Betrugseinheit einiger weniger Gewerkschaftsführer brauchen wir, sondern die Einheit aller Gewerkschafter und aller Kumpels für den Kampf.

Die richtige Richtung für diesen Kampf, die Richtung gegen die Verräter und wahren Spalter, gegen staatliches Lohndiktat, gegen Notstandsvorbereitungen und Kriegsmanöver, für die gerechte Sache der Arbeiterklasse weist nur einer: und das sind nicht die SPD-Regierung und auch nicht Jugendvertreter wie Nitsch und Leder, nein auch nicht Führer wie Karin FAATZ von der SDAJ, die verantwortlich für den KOHLENHOBEL zeichnet, sondern das sind die KPD/ML und der KJVD!

Kumpels, Kandidaten für die Jugendvertretung, wenn ihr die gerechte Sache für alle Arbeiter, ob jung oder alt, ob über Tage oder unter Tage im Auge habt, sagt es selbst, könnt ihr dann diesen Führern vertrauen, könnt ihr dann den großen Worten eines Adolf Schmidt noch glauben?

VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT! DURCHBRECHEN WIR DAS LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG! WEG MIT DEN ALTERSABSCHLÄGEN FÜR JUNGARBEITER! FÜR ARBEIT IN DER PRODUKTION - ARBEITERLOHN! FÜR DIE ZEIT IN DER AUSBILDUNG 60% VOM FACHARBEITERLOHN FÜR ALLE LEHRJAHRE!
SOFORTIGES AUFSTELLEN VON EIGENEN FORDERUNGEN ZU DEN TARIFVERHANDLUNGEN!

HERAUS ZU DORTMUNDS ROTEM 1.MAI!
ORGANISIERT EUCH IN DER JUGENDBETRIEBSGRUPPE DES KJVD!"

Der nächste Artikel fordert:"
DORTMUNDS STRASSEN FREI ZUM ROTEN 1.MAI!

Arbeiterjugend von Minister Stein und Hardenberg:
Hinein in die Kampffront zum roten 1. Mai!
Hinein in die Einheitsfront, gegen Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik!
Kumpel, seit jeher war und ist der 1. Mai der Kampftag der Arbeiterklasse. Ein Kampftag gegen die Ausplünderung und Unterdrückung der arbeitenden Menschen durch die Kapitalistenklasse. Ein Kampftag für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, für wirtschaftliche Sicherheit, gegen die Unternehmerwillkür.

Seit über 100 Jahren machen die Arbeiter in der ganzen Welt den 1.Mai zu ihrem Tag. In allen Ländern gingen Arbeiter und alle fortschrittlichen Menschen auf die Straße, um für ihre Forderungen zu demonstrieren und zu kämpfen.

Zu kämpfen für den Frieden in dieser Welt, gegen den Krieg, der von den Imperialisten immer wieder vom Zaun gebrochen wird.

Blutrot waren die Fahnen, die im Kampfe von Demonstranten hochgehalten wurden, rot das Zeichen der Unterdrückung der Werktätigen, aber vor allem als Zeichen des Sieges der Arbeiterklasse. Nicht die Todesschüsse in Chicago, in Charkow oder in Berlin, die hunderte von Demonstranten zum 1.Mai niederstreckten, konnten verhindern, daß die Arbeiter ihren Tag, den 1.Mai, durch Kampfdemonstrationen begingen. Nein, Kollegen, die blutigste Unterdrückung der Kämpfe gab den Arbeitern nur die Kraft, sich noch mehr zusammenschließen, um für ihre Ziele zu kämpfen. So wird es heute der Sozialdemokratie und den verräterischen Gewerkschaftsführern nicht gelingen, die Arbeiter und die Jugend durch ihr Geschwätz einzulullen. Sie, die Brandt und Vetter, die sich in Dortmund zum 1.Mai im Westfalenpark angesagt haben, werden etwas vom 'Kampf für eine bessere Welt' daherreden. Was sie aber unter einer besseren Welt verstehen, das haben sie in der Vergangenheit gezeigt:
- Ist der Tarifverrat im letzten Jahr nicht durch die Kumpanei von Gewerkschaftsführung, Landesregierung und Zechenkapitalisten zustande gekommen?
- Soll nicht im sozialdemokratischen Berufsbildungsgesetz (BBiG,d.Vf.) das heutige Verfahren der Probezeit und Abstufungen des Prüfungsschwindels und der Angstmacherei per Gesetz durchgedrückt, ja, verschlimmert werden?
- War es nicht die SPD-Regierung, die im neuen Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) die Friedenspflicht verschärfte? Die durch die Schweigepflicht, die sie fortschrittlichen Betriebsräten auferlegt, ihre wirksame Arbeit verhindert, ja, ihren Rausschmiß schon im Gesetz festlegt? Um so nur Regierungsknechte im Betriebsrat zu haben.
- Ist es nicht die sozialdemokratische Regierung, die durch die Wehrreform immer mehr Jugendliche in die Bundeswehr pressen will? Ist es nicht SPD-Kriegsminister Schmidt gewesen, der die Mobilmachung für dieses Jahr proklamierte, wo er den Krieg gegen die DDR üben lassen will?
- Ist es nicht die SPD-Regierung und ihre Gewerkschaftsführung, die den Willen des deutschen Volkes nach Frieden für die Ziele des Großkapitals ausnutzt? Ist es nicht Brandt und seine Gefolgschaft die unter großem Gerummel 'Aussöhnung mit dem Osten' rufen, aber damit doch nichts anderes verfolgen, als uns zu täuschen? Uns zu täuschen von ihrer wahren Absicht, die DDR und die Völker Osteuropas zu überfallen. Denn von SPD-Regierungsseite verlautet immer wieder, daß weder die fieberhafte Aufrüstung und der Ausbau der Bundeswehr, noch das erklärte Ziel des westdeutschen Imperialismus, die Eroberung der Ostgebiete im Gegensatz zu den Ostverträgen, dem Kriegspakt, mit den Moskauer Räubern stehe.
- Sind es nicht Brandt, Kühn, Genscher und Konsorten gewesen, die nicht den Eindruck eines schlaffen Kapitalistenstaates erwecken wollen und zur Verfolgung der Kommunisten und aller fortschrittlichen Menschen geblasen haben?
- Ist nicht die Verfolgung von Demokraten und Kommunisten im öffentlichen Dienst (ÖD) von ihnen?
- Waren es nicht sozialdemokratische Betriebsräte, die veranlaßten, daß der kämpferische Kumpel, Günter Jegodowski (Mitglied der D'K'P (DKP,d.Vf.)) von Minister gefeuert wurde, weil er sich für seine Kollegen einsetzte?
- War es nicht der Betriebsrat für Jugendfragen, Hans Buck, der im Verein mit Ausbildungsleiter Funke 2 Kollegen von Minister abschob, weil sie sich weigerten, Produktionsarbeiten für einen Hungerlohn (sprich Ausbildungsbeihilfe) zu machen. War er es nicht, der sie feuern ließ, weil sie von der Roten Fahne angeleitet wurden?
- Sind es nicht die sozialdemokratischen Landes- und Bundesregierungen (in der Koalition mit der FDP), die mit den Kohlebaronen Zechensterben und Feierschichten aushandelten?

Ja, Kumpel, von Minister Stein/Hardenberg, das ist die bessere Welt für die Kapitalisten, für die Herren über Zechen, Fabriken und Banken. Ja, Kollegen, dafür treten sie ein, eine bessere Welt für die Kapitalistenklasse!!! Und für die arbeitenden Menschen? Dafür haben sie Kurzarbeit, Feierschichten und Zechensterben in ihrer besseren Welt. Da haben sie Abstufungen und schlechte Ausbildung für die Jugend. Nein, Kollegen, das ist nichts für uns! Auf diese bessere Welt pfeifen wir! Wir haben nichts gemein mit dieser Bonner Demokratie, für Kapitalinteressen. Wir, der Kommunistische Jugendverband, der diesen Zuständen, dem Kapitalismus und seinen sozialdemokratischen Helfern, dem Bonner Kapitalistenstaat, den Kampf angesagt hat, rufen euch zu: Arbeiterjugend von Minister Stein/Hardenberg, marschiert nicht unter sozialdemokratischen Verräterparolen mit Brandt und Vetter! Kein Kumpel zu dieser Veranstaltung!
Beteiligt euch an der Demonstration des 'Roten Maikomitees Minister Stein/Hardenberg'!
Hinein in die
ARBEITEREINHEITSFRONT GEGEN NOTSTAND AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITK!

NIEDER MIT DEM KRIEGSPAKT BONN-MOSKAU!
KAMPF DER MOBILMACHUNGSÜBUNG!
ARBEITEREINHEITSFRONT GEGEN DEN VERRAT DER SOZIALDEMOKRATIE!

WEG MIT DEM KPD-VERBOT!
FREIHEIT FÜR DIE MARXISTEN-LENINISTEN!
FREIHEIT FÜR DIE KOMMUNISTISCHE PRESSE!
AUFLÖSUNG DES BUNDESGRENZSCHUTZES UND ALLER MILITÄRISCHEN POLIZEIEINHEITEN!
KEINEN GROSCHEN, KEINEN MANN FÜR DIE AUFRÜSTUNGSPOLITIK DER SPD-REGIERUNG!
RAUS MIT DER KRIEGSPROGANDA AUS SCHULEN UND BETRIEBEN!
WEG MIT DEM MAULKORBERLASS!

PROLETARIER ALLER LÄNDER UN DUNTERDRÜCKTE VÖLKER VEREINIGT EUCH!
FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN SIEG DER INDOCHINESISCHEN VÖLKER!
NIEDER MIT DEM USA- UND SU-IMPERIALISMUS!
SOLIDARITÄT MIT DEM KÄMPFENDEN IRISCHEN VOLK!
NIEDER MIT DEM BRITISCHEN BESATZUNGSREGIME!
ES LEBE DER KAMPF DES SPANISCHEN VOLKES!
NIEDER MIT DEM FRANCO-REGIME!
HÄNDE WEG VON CHINA!
VERTEIDIGT VOLKSCHINA, DAS BOLLWERK DES FRIEDENS UND DES SOZIALISMUS GEGEN JEGLICHE AGGRESSION!

WEG MIT DEM ARENDT-BVG UND DEN NOTSTANDSGESETZEN (NSG,d.Vf.) FÜR DEN BETRIEB
WEG MIT DEN REGIERUNGSKNECHTEN!
FÜR KLASSENKÄMPFERISCHE JUGENDVERTRETER!
STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE!

NIEDER MIT DEM BONNER STAAT!
FÜR DEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT!
FÜR FRIEDEN UND SOZIALISMUS!"

Im letzten Artikel wird geworben für den KDAJ des KJVD:"
Kumpels,
seit fast einem Jahr geben die KPD/ML und die KJVD-Betriebsgruppe bei Minister Stein und Hardenberg ihre Zeitungen, die RUTSCHE und die JUGENDRUTSCHE heraus. Von Anfang an haben diese beiden Zeitungen nicht die Namen derer verschwiegen, die sich auf Kosten der Kumpels, der Lehrlinge und Bergjungarbeiter bereicherten! Bereits vor dem 2. Weltkrieg gab die alte KPD, unter Führung des großen Sohns der deutschen Arbeiterklasse, Ernst Thälmann, und ihrer Jugendorganisation, dem KJVD, hier bei Minister die RUTSCHE heraus. Schon damals fürchteten die Verräter ihren Namen in der Zeitung zu finden und vor den Kumpels entlarvt zu werden. Ja, es tut weh in der Rutsche durchgeschüttelt zu werden.

Kollegen, der Kommunistische Jugendverband existiert in ganz Deutschland und Westberlin, überall gibt er zusammen mit der Partei seine Betriebszeitungen heraus. Zeitungen, die Organe des Kampfes, Sprachrohre aller Kollegen sind.

Wichtiger noch als die einzelnen Betriebszeitungen ist unser Zentralorgan, DER KAMPF DER ARBEITERJUGEND. In ihm findet ihr nicht nur Berichte aus vielen Betrieben der BRD und Westberlins, er zeigt diesen Kämpfen in den Betrieben den richtigen Weg, er gibt die zentralen Losungen aus, er ist zentrales Organ der Kämpfe.

So findet ihr in der April-Nummer (Nr.3 - vgl. Apr. 1972,d.Vf.) des KAMPF DER ARBEITERJUGEND folgende Artikel:
Regierung, Parlament und bürgerliche Zeitungen sind bestürzt: 'DISZIPLIN UND ORDNUNG BEI DER BUNDESWEHR SIND GEFÄHRDET!'
WAS IST LOS BEIM BUND ist diesmal der Leitartikel des KdAJ. Hier geht es um Zustände beim Bund, lest ihr Berichte, die Kameraden uns schickten.
Weitere Artikel sind:
DIE DISKUSSION DER OSTVERTRÄGE
KAMPF DEM WEHRKUNDEERLASS
POLIZEIMORD AN EINEM MECHANIKERLEHRLING
5 GRUNDRECHTE DER JUNGEN GENERATION - BETRUG DER SDAJ AN DER ARBEITERJUGEND
DER FREIHEITSKAMPF DES SPANISCHEN VOLKES
WELCHER KLASSE SOLL DER SPORT DIENEN
ROTE GARDEN STÜRMEN VORAN!
Berichte aus folgenden Betrieben findet ihr diesmal im KdAJ:
ZECHE EWALD IN HERTEN!
MINISTER STEIN IN DORTMUND (hier geht es um unsere Jugendversammlung)
FLENSBURGER SCHIFFBAUGESELLSCHAFT
Ein wichtiger Artikel für uns alle ist das zentrale Kampfprogramm des KJVD zum 1.Mai.
ARBEITERJUGEND HINEIN IN DIE KAMPFFRONT DES ROTEN 1.MAI, heißt es auf 2 Seiten im neuen KAMPF DER ARBEIERJUGEND!
ER KOSTET 30 PFENNIG UND WIRD NOCH IN DIESER WOCHE ZUSAMMEN MIT EINEM EXTRABLATT VOR MINISTER VERKAUFT!
HOLT IHN EUCH!"
Ebenfalls aufgerufen wird zum Lesen der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB.
Q: Jugend-Rutsche Alle Mann hinters Kampfprogramm!,Dortmund o.J. (Apr. 1972)

26.04.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP vermutlich heute ein zweiseitiges Extra ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 20.3.1972, 1.5.1972) mit einem für Dortmund zentralen Text (vgl. 26.4.1972) heraus.
Erstmals in den uns vorliegenden Ausgaben wird eine Betriebsgruppe der DKP als Herausgeber genannt.
Q: Die Kumpel-Post Extra Verhindert den Sturz der Regierung Brandt-Scheel!,Dortmund o.J. (26.4.1972)

27.04.1972:
In Dortmund erscheint vermutlich heute die einzige Ausgabe der 'Maizeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg' mit 6 Seiten DIN A 4 unter der Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum und unter Mitarbeit der KPD/ML-ZB:"
ES LEBE DER 1.MAI - KAMPFTAG DER ARBEITERKLASSE
Kollegen, nach einem Aufruf der KPD/ML-Betriebsgruppe in der Rutsche, wurde in der vergangenen Woche das 1.Maikomitee gegründet. Dieses Maikomitee setzt sich zusammen aus Kollegen der KPD/ML-Betriebsgruppe, der Jugendbetriebsgruppe des KJVD und parteilosen Kollegen und Lehrlingen. Weder DKP noch andere Organisationen sind erschienen. Anscheinend sind sie nicht an einer Einheitsfront zum 1.Mai interessiert. Oder meinen sie, Brandt und Vetter würden die Einheit unter den Arbeitern herstellen?

Kollegen von Minister Stein und Hardenberg!
Wir, das 1.Maikomitee treten heute an euch mit der Aufforderung heran, euch alle an der Maidemonstration zu beteiligen. In den vergangenen Monaten haben wir Tarifverrat, Lohnordnung, Feierschichten und die Entlassung eines Kollegen (vgl. 23.2.1972,d.Vf.) erlebt. Jezt muß endlich Schluß mit dem Schweigen sein! Belassen wir es nicht dabei, die Solidarität und Kampfkraft unserer englischen (britischen,d.Vf.) Kumpel zu loben, sondern folgen wir ihrem Beispiel. Unserer Forderungen müssen laut werden - keiner darf sie überhören.

DIE BETRIEBSRATSWAHLEN ZEIGTEN:
WIR HABEN ZU WENIG GEKÄMPFT

Wir haben gerade bei den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) in der vergangenen Woche gelernt, daß Zerfahrenheit unter den Kollegen nur den alten Betriebsräten hilft, die die Kollegen so oft nach Strich und Faden verraten und getäuscht haben. Alle haben wir uns gefragt: wie kommt ein Obijou, ein Wenzelmann, ein Kricke und ein Stollmeier zu den Stimmen? Und jeder Kollege muß erkennen, daß dies so gekommen ist, weil viele keine Alternative gesehen haben. Der Stimmung nach zu urteilen ist eines gewiß: eine 2. Liste, um die sich alle aufrechten und oppositionellen Kumpel zusammengeschlossen hätten, hätte die Obijou, Wenzelmann, Kricke und Stollmeier hinweggefegt. Jetzt, nach den Betriebsräte-Wahlen heißt es: nicht resignieren, sondern heraus zum 1. Mai! Heraus zur Kampfansage gegen den Obijou-Clan! Zeigen wir allen, daß wir mit diesem Wahlergebnis nicht einverstanden sind!

Die Arbeiter können sich nur einig sein, wenn sie sich nicht mehr auf solche Verräter verlassen, die behaupten, sie würden den Arbeitern das Kämpfen abnehmen. Brandt und Vetter ziehen in diesem 1.Mai 'für eine bessere Welt', aber was haben sie in Wirklichkeit denn getan? Und welche Pläne nehmen gerade diese beiden wieder in Angriff? Kämpft man mit Feierschichten und Stillegungen, mit weniger Lohn und mit Hetze gegen Kollegen und Notstandsmaßnahmen für eine bessere Welt??? Nein - keinen 1.Mai mit Brandt und Vetter, die den Kampftag der Arbeiter zu einem Jubeltag für sich selbst ausnutzen wollen. Wir werden unsere eigene Demonstration machen! Wir werden dorthin kommen, wo unsere Forderungen und Parolen zu Wort kommen!

DORTMUNDS STRASSEN FREI - FÜR DEN ROTEN 1.MAI!

Das 1.Mai-Komitee hat sich zum Ziel gesetzt, den 1.Mai zum Kampftag der Arbeiterklasse zu machen, wie es in der Vergangenheit immer gewesen ist. Wir setzen uns dagegen zur Wehr, daß besonders die SPD- und Gewerkschaftsspitzen den 1.Mai verfälschen wollen. Wir wollen unsere Forderungen, die wir als Arbeiter haben, stellen. Wir wollen den 1.Mai dazu nutzen, nicht nur die Forderungen der Minister-Kumpel zu stellen, nicht nur die Einheit in unserem Betrieb herzustellen, sondern wir wollen zusammen mit allen Arbeitern Westdeutschlands und anderer Länder unseren Willen auf der Straße demonstrieren, daß wir den Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse und für die Verbesserungen ihrer Lage führen werden.

Der 1.Mai muß der Tag sein, an dem jeder ehrliche Arbeiter - ganz egal, ob er sich nun Sozialdemokrat, Kommunist, Christ oder parteilos nennt, auf die Straße geht! Es muß der Tag sein, der den klaren Trennungsstrich zieht zwischen uns und den falschen Führern und an dem alle Feinde der Arbeiterklasse die Macht einer einigen Arbeiterklasse zu spüren bekommen.

KEINEN 1.MAI MIT BRANDT UND VETTER

Das 1.Maikomitee fordert alle Kumpel auf, sich am 1.Mai zu einer Demonstration zusammenzuschließen unter folgenden Parolen:

- SOLIDARITÄT MIT DEM KOLLEGEN JEGODOWSKI (vgl. 23.2.1972,d.Vf.)!
- KAMPF DEN POLITISCHEN ENTLASSUNGEN!
- WEG MIT DEN SCHWARZEN LISTEN!
Für die Betriebsräte und die DKP ist der Fall Jego abgeschlossen - für uns aber nicht! Denn Jego ist kein Einzelfall. Da brauchen wir nur in andere Betriebe zu schauen, da können wir sogar in unserem Betrieb bleiben, wo nun schon eine ganze Reihe von Kollegen in die Mühlen der IGBE und des Betriebsrats geraten sind. Unser Kampf soll unterdrückt werden, und da gibt es nur eines: uns noch enger zusammenschließen!

- KAMPF DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG!
- GARANTIERTER MONATSLOHN FÜR ALLE!
- UNSERE FORDERUNG ZUR KOMMENDEN TARIFRUNDE (BETR,d.Vf.) - 120 DM MEHR FÜR ALLE KOLLEGEN!
- WEG MIT DEN ALTERSABSCHLÄGEN FÜR BERGJUNGARBEITER!
- BINDUNG DER LEHRLINGSLÖHNE AN DIE FACHARBEITERLÖHNE: 60% VOM FACHARBEITERLOHN FÜR DIE ZEIT IN DER AUSBILDUNG! FÜR DIE ARBEIT IN DER PRODUKTION - ARBEITERLOHN!

Das Überrumpelungsmanöver der IGBE im letzten Jahr haben wir noch gut in Erinnerung. Diesmal hören wir von Schmidt große Versprechungen, aber schon wieder wird kein Kumpel um seine Meinung gefragt, sondern alles hinter verschlossenen Türen abgemacht. Gegen die 5% der IGBE-Führer müssen wir unsere Forderungen laut stellen und den Betriebsrat verpflichten, dafür einzutreten!

- KAMPF DEM ZECHENSTERBEN!
- GEGEN VERSCHÄRFTE ARBEITSHETZE - 35- STUNDENWOCHE BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!
- 30-STUNDENWOCHE FÜR JUGENDLICHE UNTER 18 JAHREN!
- 30 TAGE URLAUB!
- 5 DM SEILFAHRTPRÄMIE!
- 8 DM NACHTSCHICHTZULAGE!
- EINHALTUNG DER UNFALLVERHÜTUNGSVORSCHRIFTEN BEI GLEICHEM LOHN!
- RGELMÄSSIGE CH4-, STAUB-, TEMPERATUR- UND WETTERMESSUNGEN UNTER KONTROLLE DER KUMPEL!
- 7-STUNDEN-SCHICHT BEI 26 GRAD CELSIUS!

Dies müssen unsere weiteren Forderungen zur Tarifrunde sein. So wie sich vor 40 Jahren die Arbeiterklasse den 8-Stundentag erkämpfte, müssen wir diesen Kampf um menschlichere Arbeitsbedingungen heute fortsetzen!

- KAMPF DEN FEIERSCHICHTEN! FÜR VOLLE BEZAHLUNG DER FEIERSCHICHTEN!
Feierschichten bedeuten weniger Geld, bedeuten Krise, für die der Arbeiter zahlen muß. Rüsten wir uns für die kommenden Feierschichten mit dieser Forderung aus!

- WEG MIT DEM WIRTSCHAFTSFRIEDEN UND ZWANGSSCHLICHTUNG!
- WEG MIT DEM ARENDT-BVG!
Erst vor einer Woche haben wir zu spüren bekommen, für wen das neue BVG mit seiner Wahlordnung ein 'Fortschritt' ist: für die vom Kapitalistenstaat bezahlten Arbeiterverräter im Betrieb. Im Interesse des 'Betriebsfriedens' wurde vom Betriebsrat keine Belegschaftsversammlung (BV,d.Vf.) zu den Wahlen durchgeführt, wurde oppositionellen Kollegen gedroht und ihre Aktivität zerschlagen. Am Freitag (vgl. 28.4.1972,d.Vf.) werden sich die Betriebsräte der SPD-Clique wieder die Pöstchen zuschieben. Dann wird ein Stollmeier wieder freigestellt, obwohl er gerade noch genug Stimmen für Platz 23 bekommen hat, und die oppositionellen Kollegen werden abgeschoben. Doch das BVG verlangt es so. Als neue Bevormundung der Arbeiter wird eine 'Schlichtungsstelle' geschaffen. Kein Kollege kann für das Arendt-BVG sein!

- SCHLUSS MIT DEM AUSBILDUNGSCHWINDEL BEI DER RAG!
- WEG MIT DER PROBEZEIT!
- WEG MIT DEM STUFENPLAN DER SPD-REGIERUNG!
- NEUE MASCHINEN IN DIE LEHRWERKSTATT!
- SCHLUSS MIT DEN SAUIGEN ZUSTÄNDEN IN DER JUGENDKAUE!
- STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE!

Um mit frischen Kräften die M/S-Leistung (Mann/Schicht-Leistung,d.Vf.) zu steigern, lockt die RAG die Jugendlichen mit 'top-jobs'. Doch was die Lehrlinge erwartet, ist keineswegs ihr Berufswunsch. Viele müssen in der Probezeit dran glauben. Es gibt zahlreiche Mittel, um Bergjungarbeiter zu gewinnen, um sich ein Heer von schlechter bezahlten Angelernten zu schaffen. Der Stufenplan fällt darunter, ebenso die vielen Zwischenprüfungen, die vom Betrieb und der IHK beliebig manipuliert werden können.

Kollegen diese betrieblichen Forderungen müssen wir am 1.Mai unter die Hauptparole stellen:

ARBEITEREINHEITSFRONT GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK!

Auf den ersten Blick hat diese Parole vielleicht nichts mit dem Betrieb zu tun. Aber kann es uns egal sein, ob dieser Staat immer mehr aufrüstet und Eroberungspläne vorbereitet, ob er die Politik des Notstands gegen die Bevölkerung betreibt? DIE NOTSTANDSMASSNAHMEN SIND DOCH GERADE DA, UM UNSEREN KAMPF IM BETRIEB IM KEIME ZU ERSTICKEN, UM ZU VERHINDERN, DASS WIR UNSERE FORDERUNGEN ÜBERHAUPT NOCH AUFSTELLEN KÖNNEN! Hier liegt der zentrale Angriff auf die Arbeiterklasse und das ganze Volk durch den Bonner Staat. Die 'hohe Politik' und die Vorgänge im Betrieb gehören eng zusammen. Denken wir an die Entlassungen, an die Drohungen mit Gewerkschaftsausschluß (später aufgrund der UVB,d.Vf.) an Entzug der Knappschaft bei Streik. Oder schlagen wir die Zeitung auf: ein Taxifahrer, der am Steinplatz mit seiner Frau telefoniert, wird festgenommen und brutal behandelt, weil eine Polizeistreife annimmt, er sei ein Verbrecher und den Taxifahrer gar nicht zu Wort kommen läßt. Oder ein Autofahrer, der von Zivilstreife angehalten und mit einer Pistole bedroht wird. Der Fahrer flieht, weil er meint, es handele sich um Gangster. Daraufhin schossen die Polizisten, haarscharf gingen die Kugeln am Kopf des Arbeiters vorbei. Oder die Bespitzelung und Verfolgung von Kommunisten und anderen Kollegen - das bedeutet Notstand, das sind die Befehle des Staates mit seiner SPD-Regierung zur Unterdrückung der kämpfenden Arbeiter.

- KEINE MARK VON UNSEREM LOHN FÜR DIE AUFRÜSTUNG!
- ABZUG ALLER AUSLÄNDISCHEN TRUPPEN VON FREMDEN TERRITORIEN!
- FÜR FRIDEN UND SOZIALISMUS!

Aufrüstung und Revanchepolitik nach Osteuropa, ein Ostvertrag, der friedlich genant wird, um die Menschen in Sicherheit zu wiegen, der aber nur die Stellung der westdeutschen Machthaber ausbauen soll, Milliarden für Aufrüstung und neue Panzer, Befehle an Werften und Stahlbetriebe zur Kriegsproduktion - das alles gab es schon einmal, das alles sehen wir heute in den USA: die Rüstungskonzerne scheffeln Reichtum durch die Kriege, aber die Bevölkerung muß mit Arbeitslosigkeit und Preisinflation und vor allem mit vielen Menschenleben bezahlen. Ist das im Interesse der Arbeiter? Kann uns egal sein, was da oben über uns beschlossen wird?
Kollegen, es ist die Pflicht von uns allen, an diesem 1.Mai unsere Stimme dagegen zu erheben!

KOMMT ZUR MAIDEMONSTRATION".

Berichtet wird auch davon, daß die Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg der KPD/ML-ZB die Gründung des 1.Mai-Komitee Minister Stein/Hardenberg begrüßt (vgl. 23.4.1972).
Q: 1.Mai Zeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg,Dortmund o.J. (1972)

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28.04.1972:
Im Betriebsrat der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund werden, laut 1.Maikomitee und KPD/ML-ZB, die freigestellten Betriebsräte gewählt.
Q: Mai Zeitung des Maikomitees Minister Stein/Hardenberg,Dortmund o.J. (1972),S.4;
Rutsche Kampf dem Lohndiktat!,Dortmund o.J. (28.4.1972),S.2

28.04.1972:
Die KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund gibt eine 'Rutsche' (vgl. 17.4.1972, 8.5.1972) mit 2 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, zur BETR heraus:"
KAMPF DEM LOHNDIKTAT!
120 DM MEHR FÜR ALLE!

Kollegen, die Betriebsräte-Wahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) sind kaum gelaufen, da steht schon die nächste Kampfaufgabe vor uns: die Lohnrunde im Bergbau, die die IGBE-Führer bereits vor einer Woche eingeläutet haben. Genau wie im letzten Jahr erfährt kein Kumpel, was hinter seinem Rücken gespielt wird. Getreu dem in diesem Jahr verschärften Lohndiktat der SPD-Regierung fordern die IGBE-Führer 5 - 6%. Wir alle können uns ausmalen, was dann als 'Lohnerhöhung' schließlich herauskommt, wenn wir jetzt nicht schnellstens unsere eigenen Forderungen dagegensetzen! Um vom mageren Ergebnis abzulenken, plant man die Erhöhung der Seilfahrtsprämie - als ob das ein Ersatz wäre! Diese Beruhigungs- und Spalterpille zwischen über- und untertage wirkt nicht!

Nein - die Forderungen zur Tarifrunde müssen unter uns die Einheit herstellen und das 5 - 6%-Lohndiktat durchbrechen. Das heißt Kampf der SPD-Regierung und den Regierungsknechten in Betrieb und Gewerkschaft.
Die KPD/ML-Betriebsgruppe steht voll hinter den vom 1.Mai-Komitee vorgeschlagenen Forderungen:
KAMPF DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG!
GARANTIERTER MONATSLOHN FÜR ALLE!
UNSERE FORDERUNG ZUR KOMMENDEN TARIFRUNDE: 120 DM MEHR FÜR ALLE!

Kollegen, ihr seid aufgefordert, zu diesen Forderungen und den in der Maizeitung (vgl. 27.4.1972,d.Vf.) gestellten Stellung zu nehmen!

UNTERSTÜTZT DIE KUMPELVERTRETER IM BETRIEBSRAT

Aber haben wir nicht gerade bei den Wahlen gesehen, daß es gar keinen Zweck hat zu kämpfen? Nein, Kollegen, das ist die falsche Richtung. Es stimmt zwar - die Wahlen sind nicht im Sinne der Kumpel ausgefallen. Wie kann es kommen, daß nun Betriebsräte an der Spitze stehen, die von hunderten Kollegen abgelehnt werden?

Denken wir erstens daran, daß das neue BVG noch besser als das alte den Regierungsknechten im Betrieb die Möglichkeit gibt, die Wahlen im eigenen Sinn zurechtzubiegen. So bestimmt z.B. das BVG, daß der Wahlvorstand aus alten Betriebsräten selbst besteht. Gibt es wohl eine bessere Möglichkeit zum Stimmenfang? Zur Hetze gegen andere Kollegen hinter dem gesetzlichen Mäntelchen?

Weiter: Heute sollen die freigestellten Betriebsräte gewählt werden. Eine solche 'Wahl' ist ganz im Sinne der SPD-Clique im Betriebsrat, denn sie hat längst unter sich ausgemacht, wen sie an die entscheidenden Stellen setzt und wie sie die ihr nicht genehmen Vertreter abschiebt.

KAMPF DEM ARENDT-BVG!

Aber es gibt noch einen zweiten Grund, auf den gestern die Zeitung des 1.Mai-Komitees richtig hinwies: die meisten Kollegen haben einfach keine Alternative gesehen zu den Obijou und Wenzelmann. Welche andere Möglichkeit hätte es denn gegeben?
Diese Möglichkeit hat für kurze Zeit bestanden: die 2. Liste. Hier hätte jeder Kollege gewußt, daß er Kumpel wählt, die wirklich das Los ihrer Arbeitskollegen verbessern wollen, Kumpel, die sich nicht einfach der Kontrolle ihrer Kollegen entziehen. DIE 2. LISTE HÄTTE DAS ORGAN DER EINHEITSFRONT ALLER KOLLEGEN WERDEN KÖNNEN - und die Obijous und Wenzelmanns wären in den Sumpf der Verräter gesunken.

Die 2. Liste ist nicht nur am Druck der Bonzen gescheitert, sondern auch an der mangelnden Unterstützung durch alle Kollegen, an einer breiten Solidarität und Bereitschaft, sich gemeinsam für den Kampf um klassenkämpferische Betriebsräte zu rüsten.
Trotzdem hat die Wahl auch Erfolge gebracht: die ehemalige 2. Liste hat genügend Kollegen aufgerüttelt, um mehrere klassenkämpferische Kumpelvertreter in den Betriebsrat zu wählen. Jeder kann sich denken, wie schwer es für diese fortschrittlichen Betriebsräte sein wird, sich gegen die SPD-Clique durchzusetzen. Es wird ihnen nur gelingen, wenn sie von der Mehrheit der Kollegen unterstützt werden.

Kollegen, wir alle haben aus den letzten Wahlen die Lehre gezogen: der beste Weg für unseren Kampf ist die feste Einheitsfront. Es gab einmal eine 2. Liste. Es gibt jetzt eine 1.Mai-Komitee. Und für die kommende Tarifrunde gilt es, DAS EINHEITSFRONT-KOMITEE (EFK,d.Vf.) ZUR TARIFRUNDE ZU BILDEN!

Kollegen, die KPD/ML-Betriebsgruppe fordert euch auf, euch unter diesen Forderungen zusammenzuschließen! Wir fordern die Kumpelvertreter im Betriebsrat auf, für diese Forderungen einzutreten und sich an der kämpferischen Einheitsfront zu beteiligen!"

Aufgerufen wird zur Maidemonstration und zur Maiveranstaltung der KPD/ML-ZB (vgl. 30.4.1972).
Q: Rutsche Kampf dem Lohndiktat!,Dortmund o.J. (28.4.1972)

30.04.1972:
Laut KPD/ML-ZB soll in Dortmund eine Mai-Veranstaltung der KPD/ML-ZB und des KJVD stattfinden, auf der der Film "Das Kanalsystem Rote Fahne" aus der VR China gezeigt werden soll.
Im IGBE-Bereich wurde aufgerufen durch die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein (vgl. 28.4.1972):"
Kollegen, die KPD/ML Dortmund lädt am Vortag der Maidemonstration ein zu einer öffentlichen Veranstaltung. In einer Rede wird darauf eingegangen, welches die Aufgaben der Kommunistischen Partei zum 1.Mai sind, welche Erfahrungen die KPD/ML bei der Arbeit zum 1.Mai gesammelt hat. Die Kommunistische Partei hat gerade am 1.Mai die Aufgabe, Führerin der Arbeiterklasse zu sein, sich an vorderster Front am Kampf zu beteiligen. Die Führung der Kommunistischen Partei - das heißt am 1.Mai:
- den Kampftag der Arbeiterklasse zum Tag der Einheit und Stärke, zum Tag der internationalen Solidarität zu machen.
- den klaren Trennungsstrich zu ziehen zwischen der Arbeiterklasse und ihren verräterischen falschen Führern in SPD und Gewerkschaften und der DKP.
- den Kampf unter den Hauptparolen zu führen, die jedem Arbeiter den Weg bewußt machen, der schließlich zum Sturz des Bonner Staates und zum Aufbau eines sozialistischen Deutschland führt. EINHEITSFRONT GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK - unter dieser Parole muß der Kampf geführt werden, der die Arbeiterklasse einen Schritt weiter führt, zum revolutionären Ziel des Klassenkampfes. Das ist die Parole der KPD/ML und aller fortschrittlichen Kollegen!

Vor dieser Rede wird die KPD/ML den chinesischen Film KANALSYSTEM ROTE FAHNEN zeigen, der anschaulich zeigt, wie ein Arbeiter- und Bauernstaat im praktischen Leben aufgebaut wird."
Q: Rutsche Kampf dem Lohndiktat!,Dortmund o.J. (28.4.1972),S.2

01.05.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP Betriebsgruppe vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Extra ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. 26.4.1972, Juni 1972) mit einem für den DKP-Bezirk Ruhr-Westfalen zentralen Text zur Bergarbeiterkonferenz (vgl. 1.5.1972, 11.5.1972) heraus.
Die Verantwortung übernimmt deshalb diesmal auch Peter Klein für den Bezirk Ruhr-Westfalen.
Q: Die Kumpel-Post Extra Millionen im Eimer,Dortmund o.J. (1972)

08.05.1972:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' - Zeitung der Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 28.4.1972, 24.5.1972) erscheint vermutlich heute mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum mit einem Leitartikel zur BETR:"
6 DM MEHR PRO SCHICHT FÜR ALLE!

Kollegen, was haben wir von der kommenden Tarifrunde zu erwarten?

9 Prozent und Verdoppelung der Bergmannsprämie - so hören wir von A. Schmidt und Konsorten. Daß sie die Tarife überhaupt gekündigt haben, so berichten sie stolzgeschwellt, geschah trotz der schwierigen Lage der RAG.

Wie schnell sind diese Herren doch zu durchschauen! Da setzen sie sich in der Bonner 'Konzertierten Aktion' mit Schiller und den Zechenherren zusammen, setzen ein neues Lohndiktat von 6 Prozent fest, fordern dann, um den Schein zu wahren, 9 Prozent, um dann in 'zähen Verhandlungen' und 'hartem Ringen' ganze 6 Prozent zu präsentieren!

Nein, Kollegen! Diese Leute haben nicht das Recht, für uns zu handeln!

Ein Kumpelvertreter - der würde anders reden. Der würde sagen: von unserem Lohn können wir uns von Monat zu Monat weniger kaufen. Allein im März 72 stiegen die Preise um 6,6 Prozent (siehe auch in der ROTEN FAHNE). Und was noch entscheidender ist: daß wir für unser Geld immer mehr arbeiten müssen. Die Zahl der Untertagearbeiter ging von März 1971 bis März 1972 um 5 671 zurück - in derselben Zeit stieg die Förderleistung pro Mann und Schicht von 3 930 auf 4 038 Kg. Diese Zahlen zeigen doch wohl eindeutig, daß mit jeder neuen Entlassung, mit jeder weiteren Rationalisierung mehr aus dem Kumpel herausgepreßt wird! Unsere Forderung muß deshalb lauten:

6 DM MEHR PRO SCHICHT FÜR ALLE!

Das ist das mindeste, was wir in diesem Jahr fordern und durchsetzen müssen!

Diese Forderung ist zugleich eine Kampfansage an das Lohndiktat der SPD-Regierung, das die Arbeiterklasse und ihre Organisationen an die Kette legen soll. Kampf dem Lohndiktat - das heißt Kampf dem Staat der kapitalistischen Ausbeuter, der den Arbeitern ihre Lohnforderungen und Löhne aufzwingen will. Im Auftrag der Kapitalistenklasse unterdrückt die SPD-Regierung den Kampf der Arbeiter, beraubt sie ihrer politischen Rechte. Doch das vergangene Jahr hat es gezeigt, und dies Jahr wird es wieder zeigen: die Arbeiterklasse kämpft gegen das Lohndiktat. Wie die Lohnforderungen der Kumpel gestellt werden müssen, das haben uns am besten unsere englischen Kumpel gezeigt. Ihr entschlossener Streik hat alle diese Herren am grünen Tisch aus dem Konzept gebracht. Ihre Einigkeit war tausendmal stärker als die Staats- und Gewerkschaftsführer.

Wer meint: das schaffen wir nie, der weicht zurück, statt einen Schritt vorwärts zu tun. Gerade die deutschen Arbeiter haben bewiesen, wie mächtig sie für ihre Interessen streiten können. Unsere Forderung nach 6 DM mehr wird im Winde verwehen, wenn wir den Methoden der IGBE-Führer trauen, Sie wird zur Kampfparole, wenn wir den englischen Kumpel folgen! Wer heute sagt, wir könnten und sollten nicht kämpfen für 6 DM mehr, der fällt sich und seinen Kollegen in den Rücken, der spielt ungewollt das Spiel der Kapitalisten und Bonzen mit. Wer sich selbst zurückhält und es 'den anderen' überläßt, für die Forderungen der Kollegen einzutreten, braucht sich über ausbleibende Erfolge nicht zu wundern. Nein - wir brauchen Kollegen, die den Anfang machen, die kämpfen und die Stärke der Arbeiterklasse zeigen! An der Spitze dieser Kämpfe steht die KPD/ML. Wir Kommunisten sagen: der Kampf für 6 DM mehr hat nicht nur das Ziel, den bisherigen Lebensstandard zu halten, sondern er schließt die Kollegen enger zusammen. Die KPD/ML hat die Aufgabe, jeden Kollegen davon zu überzeugen, daß es Wohlstand und Freiheit erst geben kann, wenn die Arbeiterklasse die Macht im Staate erkämpft hat. Für dieses Ziel braucht sie eine starke kommunistische Partei, die die Arbeiter zum endgültigen Kampf gegen das kapitalistische System führen kann. Jeder Arbeiter muß deshalb die KPD/ML stärken!"

Zur Betriebsratswahl (BRW - vgl. 18.4.1972) wird erneut der Text "Unterstützt die Kumpelvertreter im Betriebsrat", der bereits in der 'Rutsche' (vgl. 28.4.1972) veröffentlicht wurde, mit kleinen Veränderungen abgedruckt bis zur Stelle, wo gefordert wird, ein Einheitsfront-Komitee (EFK) zur Tarifrunde' zu bilden. Fortgefahren wird dann:"
Wer gehört in diese Einheitsfront-Versammlung hinein? Jeder Kumpel, ob Kommunist, Sozialdemokrat, DKP-Mitglied, Christ oder Gewerkschafter. Jeder Kumpel, der von sich sagen kann, daß er für folgende Forderungen eintritt:
GARANTIERTER MONATSMINDESTLOHN FÜR ALLE!
6 DM MEHR PRO SCHICHT FÜR ALLE!
WEG MIT DEN ALTERSABSCHLÄGEN FÜR BERGJUNGARBEITER!
60% VOM FACHARBEITERLOHN FÜR DIE ZEIT IN DER AUSBILDUNG!
FÜR DIE ARBEIT IN DER PRODUKTION - ARBEITERLOHN!
30 WERKTAGE URLAUB!
5 DM SEILFAHRTSPRÄMIE!
6 DM NACHTSCHICHTZULAGE!

Kollegen, die KPD/ML-Betriebsgruppe fordert euch auf, euch unter diesen Forderungen zusammenzuschließen! Wir fordern die Kumpelvertreter im Betriebsrat auf, für diese Forderungen einzutreten und sich an der kämpferischen Einheitsfront zu beteiligen!

KAMPF DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG!
DAS LOHNDIKTAT DURCHBRECHEN!"

Der zweite Artikel lautet:"
FÜR DEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT

Im nebenstehenden Kasten wird beschrieben, mit welchen 'wissenschaftlichen' Märchen die Kollegen vom Lohnkampf abgehalten werden sollen. Doch die Erfahrung lehrt jedem, daß Preistreiberei und Krisen allein Folgen der kapitalistischen Wirtschaftsweise sind.

Wie das Beispiel des sozialistischen China zeigt, ist das im Sozialismus anders. Wie kommt es, daß in China die Preise für wichtige Lebensmittel fallen, die Löhne ständig steigen? Wie kommt es, daß in China reichlich Gelder für Krankenpflege und Sozialleistungen fließen, während unsere Steuergelder in die Taschen der Panzer- und Raketenbauer, in Polizei und in die Taschen der Abgeordneten wandern? Wie kommt es, daß es in China keinen einzigen Funktionär aus Staat oder Partei gibt, der nicht regelmäßig an der Werkbank steht oder auf Feldern arbeitet, während bei uns Bundestags-Abgeordnete gekauft werden wie Bundesliga-Spiele.

In China herrschen nicht Kapital, sein Staat und ihre Handlanger, sondern die Arbeiter und Werktätigen. Das Ziel muß auch für uns in Westdeutschland sein: Schluß mit Ausbeutung, Krise, Lohnraub, Arbeitslosigkeit und politischer Unterdrückung! Sturz des ganzen kapitalistischen Staates! Weg mit den Verrätern aus SPD, DKP und Gewerkschaften, die die Mannschaft der Kapitalisten bilden! In der neuen ROTEN FAHNE (vgl. 1.5.1972,d.Vf.) findet ihr einen Artikel, der schreibt, was SOZIALISMUS und DIKTATUR DES PROLETARIATS eigentlich bedeuten. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:

Der Sozialismus schafft die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ab. In ihm gehören die Fabriken den werktätigen Massen, die nicht für den Profit der Kapitalisten arbeiten, sondern für den Fortschritt der Gesellschaft, die Befriedigung der Bedürfnisse der Massen. das ist der grundlegende Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Der Sozialismus bedeutet die Befreiung der Werktätigen von Ausbeutung und Unterdrückung. Für dieses Ziel tritt die KPD/ML ein. Das soll die Zukunft der westdeutschen und Westberliner Arbeiterklasse sein."

Im angesprochenen Kasten heißt es:"
DIE LÜGE VON DER LOHN-PREIS-SPIRALE

Immer wieder behaupten 'Wirtschaftsfachleute' und Politiker, 'im Interesse der Volkswirtschaft' müßten die Arbeiter auf Lohnforderungen verzichten, denn sonst würden die Preise steigen , die Inflation angeheizt werden, Krise und Arbeitslosigkeit entstehen. Diese Theorien sind nichts weiter als Märchen, von den Kapitalisten in die Welt gesetzt.

Die berühmte Lohn-Preis-Spirale gibt es nicht. Der Preis eines Produktes hängt von seiner Marktlage ab: wird es häufig verlangt, treiben die Unternehmer den Preis in die Höhe. Bleiben sie auf ihrer Ware sitzen, müssen sie den Preis senken. Lohnerhöhungen haben damit nichts zu tun. Sie nehmen den Kapitalisten, den Großaktionären und wie sie sich alle nennen, nur einen winzigen Teil ihres Profites. Auch an den Krisen sind angeblich die bösen Arbeiter schuld. In Wirklichkeit gehören Krisen zum Kapitalismus wie das Ei zur Henne. Da nicht nach den Bedürfnissen des Volkes, sondern für immer mehr Profit produziert wird, kommt es immer wieder zur Überproduktion. Der Unternehmer stürzt sich in ein Geschäft, an dem er besonders viel verdienen kann. Schließlich hat er soviel produziert, daß er auf seiner Ware sitzen bleibt. Ein uns allen bekanntes Beispiel sind die Kohlenhalden der RAG. Die Stahl- und Kohlebarone und alle anderen Kapitalisten schränken ihre Produktion ein, rationalisieren. Für die Arbeiter heißt das: Entlassungen oder Kurzarbeit, Stillegungen, Lohnraub. Solange es den Kapitalismus gibt, werden die Arbeiter die Krisen nicht verhindern können. Was wir HEUTE tun müssen, ist:
- Kampf den Krisenfolgen, Kampf gegen die Verschlechterung unserer Lage!
und: - Kampf dem Kapitalismus, Kampf für den endgültigen Sieg der Arbeiterklasse, für ein sozialistisches Deutschland!
- Aufbau und Stärkung der festesten Organisation der Arbeiterklasse, der KPD/ML!"

Angekündigt wird der Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.9 vom 1.5.1972 (vgl. 11.5.1972). In einer letzten Notiz heißt es:"
MENSCHENHANDEL

Vor einiger Zeit entschloß sich die RAG, ihre Kindergärten samt 'totem und lebendem Inventar' an den Staat zu verschenken. So sehen die Rationalisierungsmaßnahmen der RAG aus! Für die Putzfrauen hatte dies besonders schlimme Folgen: sie erhalten nur noch 4 Stunden Arbeit am Tag. Wer soll wohl davon leben? Und der Betriebsrat stimmte diesem Menschenhandel ohne weiteres zu!"
Q: Rutsche 6 DM mehr pro Schicht für alle!,Dortmund o.J. (Mai 1972)

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11.05.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute Mittag die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.9 vom 1.5.1972 verkauft werden, für die so geworben wurde (vgl. 8.5.1972):"
WAS BRINGT DIE NEUE ROTE FAHNE?

DORTMUNDS STRASSEN FREI FÜR DEN ROTEN 1. MAI!

Diesem Ruf der KPD/ML und anderer marxistisch-leninistischer Gruppen waren ca. 1 500 Werktätige und Jugendliche gefolgt. Ihre Parole EINHEITSFRONT GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK war eine Kampfansage gegen die Politik der Bonner Herren und ihre Kriegspläne. Es war zugleich eine Kampfansage an die Jubelfeier von Brandt und Vetter im Westfalenpark. Die ROTE FAHNE schreibt in ihrer neuesten Ausgabe:
'Die Demonstration des DGB war ein Staatsfeiertag für Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik - die Demonstrationen der Marxisten-Leninisten waren Demonstrationen für Sozialismus und Frieden, für die Diktatur des Proletariats, den Arbeiter- und Bauernstaat.'
Lest, was die ROTE FAHNE in ihrer neuesten Ausgabe zu diesen Ereignissen schreibt. lest die Berichte über die Demonstrationen der Marxisten-Leninisten in Dortmund, Hannover, München, Hamburg, Westberlin, Mannheim und Stuttgart. Dieser 1.Mai war ein großer Erfolg für alle Marxisten-Leninisten und die Arbeiterklasse: zum ersten Mal bereitete die KPD/ML gemeinsam mit anderen marxistisch-leninistischen Organisationen den 1.Mai vor und demonstrierte mit ihnen unter einheitlichen Losungen. Wir konnten damit unserem Ziel ein Stück näher kommen, die Einheit aller Marxisten-Leninisten herzustellen. Jedoch konnte unser Ziel nicht ganz verwirklicht werden: eine Organisation hat sich an der Aktionseinheit nicht beteiligt. Wie ihr sicher schon bemerkt habt, ist in der letzten Zeit eine Gruppe vor den Toren aufgetaucht, die sich selbst widerrechtlich 'KPD' nennt (bekanntlich wurde die KPD 1956 verboten. Wer sich jetzt so nennt, sabotiert den Kampf gegen das KPD-Verbot). Diese Gruppe verkauft ebenfalls eine Zeitung 'Rote Fahne' zum Preis von 40 Pfg., die mit dem Zentralorgan der KPD/ML ROTE FAHNE nichts zu tun hat. Durch Plakate und Flugschriften hatten sie für eine Demonstration zum 1.Mai unter der Parole 'Gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit - KPD' geworben. Zum Schaden der Arbeiterklasse und der marxistisch-leninistischen Bewegung spaltete dadurch diese Organisation in unverantwortlicher Weise die Kampffront zum 1.Mai. Auch zu den vorbereitenden Bündnisverhandlungen sind sie nicht erschienen. Lest hierzu die Stellungnahme des Zentralbüros der KPD/ML zur spalterischen Tätigkeit der 'KPD'-Führer.

Während unsere Demonstration durch die Arbeiterviertel Dortmunds zog, fand nur einige Kilometer davon entfernt die Brandtsche Jubelveranstaltung statt, auf der der ehrliche Friedenswille der Bevölkerung schamlos ausgenutzt wurde. Mit ihrem Gerede von einer besseren Welt und den angeblichen Friedensverträgen wurde dem kleinen Mann kräftig Honig ums Maul geschmiert und die Tatsachen übertüncht. Die Wahrheit über die Politik und die tatsächlichen Verhältnisse in diesem Staat erfahrt ihr in der ROTEN FAHNE.
Weitere Artikel:
TERROR IN DER CHEMIE! PHRASEN IM BERGBAU!
Die ROTE FAHNE berichtet über die Tarifrunde-Vorbereitungen.
NIEDER MIT DEM BONNER KUHHANDEL!
WAS ZEIGEN DIE MOSKAUER PROTOKOLLE?
GEGEN AKKORDHETZE UND POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG
KRIEG DEM IMPERIALISTISCHEN KRIEG (Zum DKP-Parteitag)
SCHLIESST DIE REIHEN ZUM KAMPF GEGEN DEN AUSSCHLUSSTERROR
SPD-SCHLÄGERTRUPPS FÜR DIE OSTVERTRÄGE
SPEERSPITZE DER NATO IN EUROPA

LEST DIE ROTE FAHNE!
SPENDET FÜR DIE ROTE FAHNE!

VERKAUF DER ROTEN FAHNE AM DONNERSTAG MITTAGS!"
Q: Rutsche 6 DM mehr pro Schicht für alle!,Dortmund o.J. (Mai 1972),S.5f

18.05.1972:
Die DKP veröffentlicht auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund (vgl. Juni 1972) folgenden Leserbrief:"
ÜBERBETRIEBLICHE SCHLICHTUNGSKOMMISSION VERÄRGERT KUMPELS VON MINISTER STEIN/HARDENBERG

LOHNORDNUNG MIT ERHEBLICHEN MÄNGELN

Am 18.Mai tagte auf Minister Stein die überbetriebliche Schlichtungskommission für unter Tage. Ihre Besetzung war paritätisch. Die Arbeitgeberseite war vertreten durch Obersteiger Schmitt und seine Mannen. Auf der Arbeitnehmerseite waren der IGBE-Rechtsschutzsekretär Krause und andere. Die Aufgabe bestand darin, Einsprüche von Kumpels aus der 2. Instanz zwecks Höhergruppierung zu prüfen und darüber zu entscheiden. Bereits eine Woche früher, am 12. Mai, entschied die überbetriebliche Schlichtungskommission über Einsprüche der Übertagebelegschaft. Schon bei der Beurteilung der Übertagebeschäftigten, die relativ zu den Untertagebeschäftigten noch glimpflich ausging, machte sich bei abgewiesenen Kumpels Enttäuschung und tiefe Resignation bemerkbar. Das sollte jedoch nur der Vorgeschmack dessen sein, was eine Woche später, am 18. Mai, für die Untertagekumpels folgen sollte. Obwohl die Einsprüche der Kumpels berechtigt waren, fegte die Arbeitgeberseite unter Vorsitz von Obersteiger Schmitt fast alles vom Tisch. Ihnen kam es anscheinend darauf an, reinen Tisch zu machen, und ihren Erfolg in der ABLEHNUNG der Einsprüche zu sehen; was ihnen auch vorzüglich gelang. FAST ALLE EINSPRÜCHE DER KUMPELS VON UNTER TAGE WURDEN ABGELEHNT! Merkwürdigerweise war die Arbeitnehmervertretung unter Vorsitz von Rechtsschutzsekretär Krause nicht in der Lage, sich gegen derartige Galoppentscheidungen der Arbeitgeberseite durchzusetzen. Verständlicherweise machte sich bei den Kumpels, die fast ein Jahr auf das Zustandekommen der überbetrieblichen Schlichtungskommission warten mußten, der Zorn und die Verärgerung erst recht bemerkbar, als sie den schriftlichen Bescheid der Ablehnung ihrer Einsprüche bekamen. Wörtlich heißt es darin:

'Sie haben am ...1971 gemäß Paragraph 7 des o.g. Tarifvertrages die überbetriebliche Schlichtungsstelle angerufen.

Die Schlichtungsstelle hat einstimmig die Entscheidung der Werksleitung vom ...1971 gutgeheißen.

Gemäß Paragraph 7 Abs. 4 des o.g. Tarifvertrages können Sie nunmehr das Arbeitsgericht anrufen.'

Mit Berechtigung fragt sich nun der Kumpel: 'Hat es denn überhaupt noch einen Sinn, dort hinzugehen? Oder sollte man sich lieber gleich die Papiere nehmen?!'

Denn in den meisten Fällen haben ja beide Seiten gegen die Einsprüche entschieden und somit das letzte Urteil schon vorweggenommen. Der Arbeitnehmervertretung hätte es aber besser zu Gesicht gestanden, die Einsprüche der Kumpels zu verteidigen und das letzte Uretil der letzten Instanz zu überlassen. Für die einstimmig abgelehnten Kumpels bleibt allenfalls die Privatklage offen. Es wird ein Weg nach Canossa.

Warnend sollte man diesen unüberlegten Verantwortlichen von der überbetrieblichen Schlichtungskommission ins Gedächtnis rufen: 'Habt Ihr den Septemberstreik von 1969 schon vergessen, wo anschließend viele junge Kumpel von Minister Stein ihre Papiere nahmen, weil sie in der übrigen Industrie mehr verdienen konnten?!'

Eins aber sollten sich die Verantwortlichen hinter die Ohren schreiben: Der türkische Kumpel ist teurer als der deutsche Kumpel! Der Neger aus dem Kongo wird noch teurer sein!

Anmerkung der Redaktion: Leserbriefe bringen nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion zum Ausdruck."
Q: Die Kumpel-Post,Dortmund Juni 1972,S.6

20.05.1972:
Die DKP berichtet auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg in Dortmund (IGBE-Bereich - vgl. Juni 1972):"
DKP VERURTEILT TERRORISTISCHE BOMBENANSCHLÄGE

Aus einer Stellungnahme des Parteivorstandes der Deutschen Kommunistischen Partei:

Die DKP erklärt: Es hat nichts mit dem Kampf der demokratischen und sozialistischen Kräfte unseres Landes zu tun, wenn abenteuerliche Elemente terroristische Akte verüben und dies mit angeblich politischen Motiven begründet wird.
Die Geschichte kennt viele Fälle, da Reaktionäre im Kampf gegen die fortschrittlichen Kräfte zum Terror und zur Provokation griffen. So war es beim Mord an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, so war es beim Reichstagsbrand. Die Ziele und Methoden sektiererischer Abenteurer und Provokateure haben nicht das geringste mit der Arbeiterbewegung gemein und werden von uns entschieden verurteilt. Sie schaden dem Kampf für die Interessen des Volkes und dienen ausschließlich den ultrareaktionären Kräften um die CDU/CSU. Diesen bietet sich die willkommene Gelegenheit, die Öffentlichkeit zu verwirren, ihre demagogische Verleumdung und Hetze gegen Sozialisten und Kommunisten zu verstärken und damit auf die Isolierung der progressiven Kräfte hinzuwirken. Abenteuerliche Terrorakte spielen ihrer Absicht, die demokratischen Grundrechte weiter einzuschränken und das Eintreten für gesellschaftlichen Fortschritt zu kriminalisieren und zu unterdrücken, direkt in die Hände.

Die DKP erklärt in dieser Situation: Es kommt darauf an, daß die Kommunisten und alle anderen fortschrittlichen Kräfte unbeirrt und verstärkt ihre Anstrengungen darauf richten, die Arbeiterklasse, die Jugend, breiteste Massen der Bevölkerung für das aktive politische Handeln, für demokratische Kampfaktionen zur Durchsetzung ihrer Interessen zu gewinnen. Es darf und wird den Strauß, Barzel und Springer nicht gelingen, den Kampf des Volkes aufzuhalten.

Düsseldorf, 20. Mai 1972"
Q: Die Kumpel-Post,Dortmund Juni 1972,S.4

24.05.1972:
Laut KPD/ML-ZB veröffentlichen die Bergbaubetriebsgruppen der KPD/ML-ZB und des KJVD im Ruhrgebiet eine Dokumentation, aus der hervorgeht, "daß der Bonner Staat die Bergarbeiter als erste für die Folgen der Ostverträge zahlen lassen will, daß ein Kumpelstreik von vornherein durch Streikverbot abgewürgt werden soll".
In Dortmund erscheint diese Dokumentation auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg unter dem Kopf der 'Rutsche'.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.40,Bochum 7.6.1972;
Rutsche Kumpels, aufgepaßt: 'Tarifwahrheit bedeutet Lohnabbau'!,Dortmund o.J. (1972),S.1;
Extrablatt der RAG-Betriebsgruppe der KPD/ML Jetzt reicht's - Urabstimmung und Streik!,Bochum o.J. (19.6.1972),S.1

24.05.1972:
In Dortmund erscheint die Dokumentation der Bergbaubetriebsgruppen der KPD/ML-ZB (vgl. NRW - 24.5.1972) auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg unter dem Kopf der 'Rutsche' (vgl. 8.5.1972, 31.5.1972).
Q: Rutsche Gegen Notstandskurs und Streikverbot, Dortmund o.J. (1972)

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31.05.1972:
In Dortmund gibt die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB vermutlich heute früh eine 'Rutsche' (vgl. 24.5.1972, 5.6.1972) mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
KUMPELS, AUFGEPASST:
'TARIFWAHRHEIT BEDEUTET LOHNABBAU'!
- DAS SOLL UNS DIE TARIFLOHNERHÖHUNG 1972 BRINGEN!

In der vorigen Woche (vgl. 24.5.1972,d.Vf.) veröffentlichte die KPD/ML-Betriebsgruppe in der Rutsche einige Dokumente, die zeigten:
DIE LOHNORDNUNG DES LETZTEN JAHRES WAR UND IST HEUTE ERST RECHT DER ECKSTEIN FÜR LOHNRAUB UND RATIONALISIERUNG!

Ihre 'Tarifwahrheit' besteht darin, nach und nach die Löhne auf Tarifniveau herabzudrücken.

Der Lohnordnung werden weitere Schritte folgen:
Die neue Leistungsentlohnung, die bereits heute auf Rheinpreußen und anderswo erprobt wird. Sie besteht aus Grundlohn und Prämie und soll erbringen:
- eine weitere Angleichung an den Tariflohn
- Bezahlung nach ArbeitsERGEBNIS, statt nach Arbeitsleistung und dementsprechend:
- bis zu 10% Lohnabzug bei Betriebsstörungen, die das Arbeitsergebnis vermindern

Was steht in der Lohnordnung, im Paragraph 4, Absatz 3?

'Soweit in den Fällen des Absatzes 1 der Unterschiedsbetrag zwischen dem Durchschnittslohn des Bezugszeitraums und dem neuen Tarifschichtlohn den in Absatz 2 genannten Prozentsatz (20%) übersteigt, wird er als 'übertarifliche Zulage' ausgewiesen. Die übertarifliche Zulage wird auf Tariflohnerhöhungen oder Höhergruppierungen angerechnet.'

DAS SOLL UNS DIE TARIFLOHNERHÖHUNG 1972 BRINGEN!!

Glückauf 24. Juni 1971
'Die Voreilung der Effektivlöhne vor den tariflichen Lohnsätzen beweist, daß die Betriebe diesen Zusammenhang kennen und ihm Rechnung tragen. Diese Entwicklung bringt die überbetriebliche Tarifpolitik allerdings in eine zwiespältige Lage; nicht nur, weil die Gewerkschaften die aktiv treibende Kraft der Lohnentwicklung bleiben wollen, sondern vor allem auch, weil die Ordnungsfunktion der Tarifverträge wirksam erhalten werden sollte.'

In unzweideutigen Worten hatten die Zechenherren gesagt, welches Ziel dahinter steht:
- mehr Arbeitshetze
- Konkurrenz der Kollegen untereinander
- Lohnraub.

Klar wurde auch ihre große Furcht davor, daß die Kumpels selbst diese hinterhältigen Pläne vereiteln könnten.
Kollegen, erinnern wir uns, WER die für die Zechenherren so entscheidend wichtige Lohnordnung durch seine Zustimmung und seine Manöver erst möglich gemacht hat: Es waren 'unsere' IGBE-Führer, die im letzten Jahr mit Geheimverhandlungen uns überrumpelt haben. Wir wissen inzwischen, daß die Lohnordnung schon 1969 vorlag aber ganz tief in der hintersten Schublade verborgen bleiben mußte für einen günstigeren Moment: denn wir standen streikbereit!! Einzig und allein durch Geheimdiplomatie konnten die IGBE-Führer sie überhaupt durchbringen und 'Besitzstandsgarantien' sollten recht und schlecht über die Abstufungen, niedrigeren Gedingeabschlüsse hinwegtäuschen!

Aber die Lohnordnung ermöglicht nun die nächsten Schritte, sie ermöglicht Abschmelzung der Zulagen, ihre Anrechnung auf Tariferhöhung. Von der Sicherung des Effektivlohns und seiner Erhöhung ist bezeichnender Weise in IGBE-Kreisen nicht die Rede.
Dafür aber von 'Streikbereitschaft', 'harter Lohnrunde' und so weiter. Das ist die Furcht vor den Kumpel, die das Spiel, das auf ihrem Rücken gespielt wird, durchschauen, die ihre englischen Kollegen vor Augen haben und deren Fäuste, wenn's drauf ankommt, kämpfen können!!
Deshalb, '9%' soll kämpferisch klingen, ist aber für die IGBE-Führer wahrhaftig kein Risiko. Denn selbst wenn in der Bergbautarifrunde (BETR,d.Vf.) einige Prozente mehr herausspringen sollten als für den Stahl- oder Chemiearbeiter - die Lohnordnung macht alles wieder zunichte, sie wird's auf 2 - 3% drücken.

DER AUSWEG FÜR DIE PROFITE DER ZECHENBARONE: STILLEGUNGEN UND BILLIGE IMPORTKOHLE!

Aber nicht nur in der Bergbautarifrunde werden fieberhaft 'Lösungen' gesucht.

Was haben die 'Konzertierte Kohleaktion' in Bonn, die Gespräche und Abmachungen der Politiker und Stahlbarone in Polen, Persien (Iran,d.Vf.), Südafrika (Azania,d.Vf.) und anderswo zu bedeuten? Daß die westdeutschen imperialistischen Profitjäger und die Regierung, die ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen durchführen soll, sich die Köpfe zerbrechen, wie die Gewinne erhöht werden können, ohne dafür zu zahlen.

Einerseits lecken sich die Stahlbosse die Finger nach ausländischer Kohle, denn die kommt billiger trotz der Millionen, die ihnen der Staat in den Rachen wirft. Andererseits brauchen sie die westdeutsche Kohle. Ohne eigene Kohle sehen die Imperialisten ihre Kriegs- und Aufrüstungspläne in Gefahr. Trotz Ostverträgen - die eigene Energie ist immer noch die sicherste. Umso mehr müssen SPD- und Gewerkschaftsbosse den Kampf der Kumpel, ihren Widerstand gegen die Pläne der westdeutschen Imperialisten fürchten!

Trotzdem - größer als ihre Furcht ist die Profitsucht. Deshalb Kohleverträge mit Polen, Aufkauf von Mineralien in Australien usw. Deshalb wird die RAG 'saniert' und 'saniert': nämlich rationalisiert und stillgelegt. Auf Kosten des Steuerzahlers, besonders aber auf Kosten der Kumpel. IHRE Knochen, IHR Arbeitsplatz und IHRE Existenz werden als erste geopfert. Und für was? Wer die politische Entwicklung verfolgt hat, der kann es sich leicht zusammenreimen:

Für die westdeutschen Aufrüstungspläne und die westdeutsche Revanchepolitik - Für Kuhhandel mit Polen und anderen Ländern, um auch dort die Kumpel auszupressen - Für Notstandspolitik in den Betrieben, für die Durchsetzung des Lohndiktats in der Bergbautarifrunde!

Kollegen, die SPD-Regierung und die IGBE-Bosse sind mit schlotternden Knien in die Bergbautarifrunde gegangen. Ihr Streikgetöne verdeckt die Vorbereitung zum Streikverbot und 'außer Kraft setzen der Tarifautonomie'. Wir Kumpel aber gehen in die Bergbautarifrunde mit erhobener Faust!

Der Kampf, den die KPD/ML gegen Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik führt, heißt in der Tarifrunde 1972:

DIE EINHEITSFRONT ALLER KUMPEL herstellen unter folgenden Forderungen:
(Anmerkung zur 7-DM-Forderung: Warum ist die KPD/ML-Betriebsgruppe von ihrer ursprünglichen Forderung von 6 DM abgegangen? Weil die Konferenz der Bergbaubetriebsgruppen (vgl. NRW - 22.5.1972,d.Vf.) für alle Zechen eine einheitliche Forderung aufgestellt hat, um auch die Einheitsfront ALLER RUHRKUMPEL herzustellen)

GEGEN NOTSTANDSKURS UND STREIKVERBOT!
WEG MIT DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG!
7-DM PRO SCHICHT FÜR ALLE AUF DEN EFFEKTIVLOHN!
MONATSMINDESTLOHN VON 1 000 DM NETTO FÜR ALLE!
13. MONATSLOHN VON 1 000 DM NETTO FÜR ALLE!
WEG MIT DER LOHNORDNUNG! SCHLUSS MIT DEN ABSTUFUNGEN!
KAMPF DEM BONNER STILLEGUNGSPLAN! SCHLUSS MIT DEM ZECHENSTERBEN!
7-STUNDENSCHICHT FÜR ALLE BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!
EINHEITSFRONT GEGEN LOHNDIKTAT, LOHNORDNUNG UND BONNER STILLEGUNGSPLAN!"

Aufgerufen wird zur Veranstaltung am 7.6.1972, auf der die Einheitsfront gebildet werden soll:"
Kollegen, lernen wir aus den Betriebsrätewahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.)!
Schließen wir uns fest zusammen hinter diesen Forderungen!"

In einem Kasten heißt es:"
SO SIEHT DIE ABSCHMELZUNG AUS

Angenommen, eine Lohnerhöhung um 6% kommt durch. Der Grundlohn der LG 6
steigt damit auf rund 46,40 DM
dazu persönliche Zulage 8,14 DM
________
neuer Schichtlohn 54,54 DM
alter Schichtlohn mit übertariflicher Zulage - 53,43 DM
2,2% Lohnerhöhung gleich 1,11 DM
die übertarifliche Zulage von 1,62 DM würde abgeschmolzen werden!"

In einem weiteren Artikel heißt es:"
RUNTER MIT DER MASKE!

KEIN FRIEDEN DURCH OSTVERTRÄGE!

Eine Reihe von Euch hat neulich (vgl. 27.4.1972,d.Vf.) bei der Abstimmung im Bundestag über den Regierungssturz an den Radios und Fernsehern gehangen und hat gehofft: 'Hoffentlich schafft es unser Willy!' Kollegen aus anderen Betrieben haben zu Tausenden die brocken hingeworfen und gefordert: 'Generalstreik!', weil sie von der Aussicht, die Reaktionäre Strauß und Barzel (CSU bzw. CDU,d.Vf.) an der Regierung zu wissen überhaupt nichts hielten. 'Wir sind für Friede und Völkerverständigung' sagen viele von euch, 'wir wollen endlich einen Ausgleich mit unseren Nachbarn im Osten. Schluß mit dem kalten Krieg! Diese Politik macht die SPD-Regierung. Auch wenn sie oft gegen uns Arbeiter handelt, wie wir das an den Feierschichten und am Lohndiktat sehen können, so macht sie doch in der Außenpolitik Friedenspolitik. Wenn schon, dann doch lieber SPD als CDU! Die SPD ist dann doch das kleinere Übel!'

Nun, Kollegen, wir von der KPD/ML sagen euch: 'Ihr habt recht, wenn ihr bereit seid, aktiv für den Frieden zu kämpfen und auf die Straße zu gehen, wenn ihr politische Streiks führen wollt. Für dieses Ziel, den wirklichen Frieden kämpfen wir gemeinsam. Kampf für Friede bedeutet aber Kampf gegen alle Kriegstreiber, Militaristen und Revanchisten.'

Wie kommt dann aber die KPD/ML dazu, die Ostverträge abzulehnen und sie als Kriegspakt zu bezeichnen? Sind wir vielleicht die kalten Krieger auf der anderen Seite, die immer nur schüren und jede Annäherung verhindern wollen? Sind wir ein paar Wirrköpfe, die grundsätzlich gegen alles sind, die immer nur stänkern und gegen die Ostverträge sind, weil die SPD dafür ist? Macht die KPD/ML nicht mit den Reaktionären Strauß und Barzel gemeinsame Sache, die ja schließlich auch gegen die Ostverträge waren und von denen ja kaum jemand annimmt, daß sie übermäßig vom Friedenswillen geplagt werden?

WELCHE VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN FÜR DEN FRIEDEN IN EUROPA GESCHAFFEN WERDEN?

Kollegen, oben wurde erwähnt, daß Kampf für Friede Kampf gegen die Kriegstreiber, Militaristen und Revanchisten bedeutet. Umgekehrt muß man sehen, daß ihre Stärkung die Kriegsgefahr erhöht. Das leuchtet ein. Solange jemand offen erklärt, daß er andere überfallen will, und Ansprüche auf Gebiete erhebt, die ihm nicht gehören, solange kann es keinen gesicherten Frieden geben. Wirklichen Frieden kann man nur erhalten, wenn man diese Kriegstreiber in die Knie zwingt und sie an ihrer Kriegspolitik hindert. Solange die westdeutschen Imperialisten Anspruch auf Teile Polens und die DDR erheben, kann es keinen Frieden in Europa geben. Im Gegenteil, je mehr diese Revanchisten Morgenluft wittern, desto mehr wächst die Kriegsgefahr. Der Imperialismus ist wie ein reißendes Raubtier, je mehr man ihm anbietet, umso mehr steigert sich seine Habgier ins Unermeßliche und er wird nicht eher Ruhe geben, als er nicht die ganze Welt unterjocht und versklavt hat.
Friedensicherung in Europa, das heißt:
VOLLE VÖLKERRECHTLICHE ANERKENNUNG DER DDR UND DER BESTEHENDEN GRENZEN IN EUROPA! ANNULLIERUNG DES MÜNCHNER ABKOMMENS VON ANFANG AN! SOFORTIGER ABZUG ALLER AUSLÄNDISCHEN TRUPPEN VON FREMDEN TERRITORIEN!

OSTVERTRÄGE - FRIEDENSVERTRÄGE?!

'Die Verträge bringen den Frieden', werden die Herren im Kreml und SPD-Regierung samt ihrem Troß, den DKP-Führern, nicht müde zu behaupten: 'Weil sie die Realität in Europa anerkennen.' 'So nicht!' tönt Barzel und half so seinen Spießgesellen in der SPD-Regierung, den SU-Imperialisten noch ein Zugeständnis abzutrotzen. Welche Realitäten werden hier eigentlich anerkannt?

'Die Grenzen in Europa!' werden jetzt viele von euch sagen. Was sollte man denn sonst von Friedensverträgen erwarten. 'Keineswegs!' beeilen sich die Herren SPD-Führer ihren Freunden Strauß und Barzel zu versichern. Und in der tat: Die einzige Realität, die in den Verträgen anerkannt wird, ist die Revancheforderung der westdeutschen Kriegstreiber. Im Vertrag selbst heißt es ausdrücklich, daß die von einer Seite vorher geschlossenen Verträge nicht berührt werden. Also auch nicht der Deutschlandvertrag, den die Adenauer-Regierung mit den Westallierten schloß (vgl. S5.**.19**,d.Vf.), in ihm wird ausdrücklich die Einverleibung der DDR und der ehemaligen Ostgebiete als Ziel der gemeinsamen Außenpolitik verankert. Es kommt aber noch besser: Die gemeinsame Entschließung von allen im Bundestag vertretenen Parteien (vgl. S5.**.197*,d.Vf.) wurde von den Kremlherren voll akzeptiert. In ihr heißt es: 'Die Verträge nehmen eine friedensvertragliche Regelung für Deutschland nicht vorweg und schaffen keine Rechtsgrundlage für die heute bestehenden Grenzen.'

'Eingliederung der Bundesrepublik in den Westen, das Ende der deutschen Spaltung, den Zusammenschluß des freien westlichen mit dem vom Bolschewismus befreiten östlichen Europa - bis zum Ural.' So umriß Staatssekretär Hallstein 1954 die Ziele der westdeutschen Außenpolitik. Von 'Wiedervereinigung mit siegreichem Einzug der Bundeswehr durchs Brandenburger Tor unter klingendem Spiel' schwärmte 1961 die Hochfinanz im Industriekurier. Wer nun noch immer glaubt, die SPD-Regierung habe diese Ziele aufgegeben, der wird von Walter Scheel eines besseren belehrt: 'Weder werden materielle Lösungen ersetzt, noch werden die Gegebenheiten definitiv (endgültig) fixiert. Es werden keine Ansprüche aufgegeben.'

'Aber in dem Vertrag wird doch zugesichert, daß die bestehenden Grenzen nicht gewaltsam verändert werden, auch wenn sie noch nicht anerkannt werden, das ist doch immerhin besser als bisher', werden vielleicht jetzt einige einwenden. 'Nicht umsonst haben doch die CDU-Reaktionäre diese Verträge so bekämpft.' Nun, Kollegen, was soll man von den Friedensbeteuerungen einer imperialistischen Regierung halten, wenn sie die Bundeswehr, den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und die Polizei aufrüstet wie noch keine vor ihr? Was soll man von dem Friedenswillen dieser Regierung halten, wenn sie selbst erklärt, daß sich NATO- und Ostpolitik ergänzen? Warum probt die Bundeswehr im Manöver 'Brickstone' (vgl. S5.**.1971,d.Vf.) die Eroberung der DDR und warum werden heute von der SPD-Regierung in 1 1/2 Tagen soviel Gelder in Rüstung gesteckt wie noch vor einigen Jahren in einem ganzen Jahr, wenn man doch angeblich gar nicht daran denkt, andere Länder zu überfallen? Die DKP-Führer, die nicht müde werden, den SPD-Bonzen in den Hintern zu treten und die Ostverträge großartig als Friedensverträge zu verkaufen, sollten sich einmal klarmachen, daß es ihre vielgepriesene SPD-Regierung ist, die den bisher größten Rüstungsetat aller Regierungen hat, daß die Bundeswehr unter dieser Regierung zur drittstärksten Armee der Welt ausgebaut wurde, die die Schlagkraft der ehemaligen Wehrmacht vor Kriegsbeginn weit übertrifft. Diese 'Friedensregierung' plant in diesem Herbst eine Mobilmachungsübung von noch nie dagewesenem Ausmaßen (vgl. **.S5.1972,d.Vf.). Wer wie die DKP-Führer diese imperialistische Aggressionspolitik uns als Friedenspolitik aufschwätzen will - und dafür noch Unterschriften sammelt - der treibt die schmutzigen Geschäfte der Imperialisten und ist ein Feind des Friedens und der Arbeiterklasse. Wen wundert es da noch, wenn sie den Monopolherren die Verträge durch die Aussicht auf Höchstprofite schmackhaft machen wollen. Oder so zählten sie in der UZ (vgl. S5f*.1972,d.Vf.) als Vorteil der Verträge auf: 'Unser Land braucht Handel und Wandel... Der Moskauer Vertrag öffnet den Zugang zum krisenfreien sozialistischen Weltmarkt, zu einem Ozean des Absatzes. Das macht die Arbeitsplätze sicherer.' Das, Genossen von der DKP-Führung, ist allerdings neu in der Geschichte, daß eine imperialistische Eroberungspolitik die Arbeitsplätze sichert und ist ein Hohn auf die unzähligen Leiden der Völker Europas, mit denen sie für die Hitlersche Eroberungspolitik bluten mußten. Auch Hitler erklärte die Unantastbarkeit der Grenzen in Europa, bevor er die Völker Europas überfiel.

Volkschina an der Spitze der Weltrevolution wird für die Verräter am Kommunismus im Kreml zusehends zu einer ernsten Gefahr. Dort hat die Arbeiterklasse die Macht, die in der proletarischen Kulturrevolution die revisionistischen Agenten Moskaus vertrieben hat. Volkschina, das den konsequentesten Kampf gegen den USA- und SU-Imperialismus führt, ist ein leuchtendes Beispiel für die gesamte Arbeiterklasse: das fürchten gerade die SU-Imperialisten, an deren Fingern das Blut der tschechoslowakischen (CSSR,d.Vf.) und polnischen Arbeiter klebt. Sie zittern davor, daß die Arbeiterklasse der UdSSR und der übrigen osteuropäischen Länder sich an den chinesischen Brüdern ein Beispiel nehmen und die Kremlherren davonjagen. Deshalb werden auch immer mehr sowjetische Truppen an der Grenze zu Volkschina zusammengezogen (44 Divisionen, im Westen nur 31). Deshalb brauchen sie Rückendeckung im Westen und hierfür sind sie auch bereit, die Souveränität der DDR stückweise oder als Ganzes an die westdeutschen Imperialisten zu verkaufen und ihnen ein Zugeständnis nach dem anderen zu machen. Deshalb haben sie auf die Anerkennung der DDR und der bestehenden Grenzen verzichtet und haben die Friedensvertragsregelung, die der DDR zugesichert war, fallengelassen. Ihre Politik heißt: Ruhe im Westen - Krieg im Osten! Für dieses Ziel sind sie bereit, den größten Kriegstreibern Europas den Rücken zu stärken.

Kollegen, kämpfen wir gemeinsam für den Frieden, führen wir einen unerbittlichen Kampf gegen alle Kriegstreiber und ihre Lakaien. Unser Kampf kann sich deshalb nur gegen diesen Bonner Staat selbst richten, denn er ist das Machtinstrument, mit dem die Monopolherren die Arbeiterklasse ausplündern und knebeln, mit dem sie fortschrittlichen Menschen Berufsverbot (BV,d.Vf.) erteilen und die Marxisten-Leninisten mundtot machen wollen, mit dem sie letztlich andere Völker überfallen. Den wahren Frieden werden wir deshalb nur dann sichern können, wenn die Arbeiterklasse und die Volksmassen den Bonner Staat beseitigen, die Flick, Krupp und Thyssen enteignen und samt ihren politischen Führern vertreiben und auch in Westdeutschland den Sozialismus aufbauen.

FÜR SOFORTIGE UND BEDINGUNGSLOSE ANERKENNUNG DER DDR UND DER GRENZEN IN EUROPA!
KAMPF DER FRIEDENSHEUCHELEI DER SPD- UND DKP-FÜHRER!
KRIEG DEM IMPERIALISTISCHEN KRIEG!
SOFORTIGER ABZUG ALLER AUSLÄNDISCHEN TRUPPEN AUS FREMDEN TERRITORIEN!
NIEDER MIT DEM BONNER REVANCHISTENSTAAT - FÜR DIE DIKTATUR DES PROLETARIATS!
FÜR FIRDEN UND SOZIALISMUS!"

Gefragt wird auch:"
WARUM IST DER IMPERIALISMUS AGGRESSIV ?!

'Ihr schreibt hier dauernd, daß die Imperialisten so kriegslüstern sind und immer nur andere Völker überfallen wollen' werden sicher eine Reihe von Euch sagen und 'daß die Ostverträge nicht gerade den Frieden garantieren, na schön, das geben wir ja zu, aber man kann doch nicht gleich von Krieg deswegen reden. das sagt ihr doch nur, weil ihr immer alles mies machen wollt, deshalb übertreibt ihr so.' Nun, Kollegen, daß die Imperialisten zum Krieg rüsten, ist keine Behauptung von uns, sondern ein GESETZ DES IMPERIALISMUS selbst.

Wir sehen doch tagtäglich, daß die Entwicklung immer mehr dahingeht, daß die Kleinkapitalisten sich nicht mehr halten können. Sie können die Konkurrenz mit den 'großen' nicht mehr mitmachen und werden von ihnen geschluckt. Was übrigbleibt sind ein paar wenige Großkonzerne, die Monopole, die den gesamten Markt beherrschen. das heißt aber nun keineswegs, daß die Konkurrenz deswegen ausgeschaltet wäre, im Gegenteil, der Konkurrenzkampf zwischen den Monopolen nimmt noch viel größere Ausmaße an: wenn die Kleinkapitalisten in Größenordnungen von ein paar hunderttausend Mark oder auch noch ein paar Millionen rechnen und ihr Konkurrenzkampf sich hauptsächlich im Inland abspielt, so geht es bei den Monopolen um Milliardenbeträge, ihr Konkurrenzkampf tobt rund um den gesamten Erdball. Die Monopolherren wollen sich nicht hier und da nur einen neuen Kunden erobern, nein, sie wollen sich ganze Absatzmärkte erobern, in denen sie konkurrenzlos dastehen und den Preis diktieren können. Sie brauchen billige Rohstoffquellen, die fest in ihrer Hand sind, die ihnen sicher zur Verfügung stehen. Hierzu können sie aber keine selbständigen unabhängigen Geschäftspartner gebrauchen, die ihre Rohstoffe möglichst teuer verkaufen wollen und die die Waren der Monopole nur kaufen, wenn sie preisgünstig sind. Wenn nicht, kaufen sie halt bei der Konkurrenz, sie sind ja nicht darauf angewiesen. Nein, die Monopole brauchen ABHÄNGIGE MÄRKTE die ihre Rohstoffe billig an die Monopolherren verkaufen MÜSSEN und die seine Erzeugnisse teuer einkaufen MÜSSEN. Kurz, der Monopolkapitalist ist gezwungen, andere Länder wirtschaftlich und politisch zu erobern und zu beherrschen. Hierbei begnügen sie sich nicht mit einem Teil der Welt, sondern es ist ihr Bestreben, die anderen Imperialisten aus dem Felde zu schlagen und praktisch die Weltherrschaft zu erobern. Zu diesem Ziel setzen sie den Staat ein, hier ihr brauchbarstes und treustes Instrument, wie auch im eigenen Hinterland: gegen die arbeitende und werktätige Bevölkerung. Imperialistische Länder entwickeln sich sprunghaft und ungleichmäßig, das zeigt uns die Erfahrung. Länder, die gestern noch ziemlich unbedeutsam waren, drängen heute mächtig nach vorn und beanspruchen ihren 'Platz an der Sonne'. Schauen wir uns doch die Bundesrepublik an! Gestern noch am Boden zerstört und schwach, hat sie eine so rasche und steile Entwicklung durchgemacht, daß sie heute den 'alten' Großmächten das Feld streitig macht. Hier in Europa haben sie bereits die Vorherrschaft errungen. Sie fühlen sich wieder stark. Da aber die Welt bereits aufgeteilt ist, richtet sich ihr Streben auch gegen die anderen 'besitzenden' Imperialisten, der Kampf um die Neuaufteilung der Welt beginnt.

Krieg - das ist die Logik der Imperialisten.

Ihre Großmachtgelüste, besonders auch die der westdeutschen Imperialisten sind eine akute Kriegsgefahr, da sie ihr Ziel nach eigenen Absatzmärkten und Einflußgebieten nur gewaltsam gegen die anderen imperialistischen Staaten durchsetzen können. Solange es auch nur einen imperialistischen Staat gibt, muß er diesem Gesetz folgen und wird wahnwitzige Kriege anzetteln. Deshalb:

WER FÜR DEN FRIEDEN KÄMPFT, MUSS DIE URSACHE DES KRIEGES, DEN IMPERIALISMUS BEKÄMPFEN!"

Angekündigt wird für mittags der Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB (vgl. 31.5.1972).
Q: Rutsche Kumpels, aufgepaßt: 'Tarifwahrheit bedeutet Lohnabbau'!,Dortmund o.J. (1972)

31.05.1972:
In Dortmund gibt die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB vermutlich heute früh eine 'Rutsche' (vgl. 24.5.1972, 5.6.1972) mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
KUMPELS, AUFGEPASST:
'TARIFWAHRHEIT BEDEUTET LOHNABBAU'!
- DAS SOLL UNS DIE TARIFLOHNERHÖHUNG 1972 BRINGEN!

In der vorigen Woche (vgl. 24.5.1972,d.Vf.) veröffentlichte die KPD/ML-Betriebsgruppe in der Rutsche einige Dokumente, die zeigten:
DIE LOHNORDNUNG DES LETZTEN JAHRES WAR UND IST HEUTE ERST RECHT DER ECKSTEIN FÜR LOHNRAUB UND RATIONALISIERUNG!

Ihre 'Tarifwahrheit' besteht darin, nach und nach die Löhne auf Tarifniveau herabzudrücken.

Der Lohnordnung werden weitere Schritte folgen:
Die neue Leistungsentlohnung, die bereits heute auf Rheinpreußen und anderswo erprobt wird. Sie besteht aus Grundlohn und Prämie und soll erbringen:
- eine weitere Angleichung an den Tariflohn
- Bezahlung nach ArbeitsERGEBNIS, statt nach Arbeitsleistung und dementsprechend:
- bis zu 10% Lohnabzug bei Betriebsstörungen, die das Arbeitsergebnis vermindern

Was steht in der Lohnordnung, im Paragraph 4, Absatz 3?

'Soweit in den Fällen des Absatzes 1 der Unterschiedsbetrag zwischen dem Durchschnittslohn des Bezugszeitraums und dem neuen Tarifschichtlohn den in Absatz 2 genannten Prozentsatz (20%) übersteigt, wird er als 'übertarifliche Zulage' ausgewiesen. Die übertarifliche Zulage wird auf Tariflohnerhöhungen oder Höhergruppierungen angerechnet.'

DAS SOLL UNS DIE TARIFLOHNERHÖHUNG 1972 BRINGEN!!

Glückauf 24. Juni 1971
'Die Voreilung der Effektivlöhne vor den tariflichen Lohnsätzen beweist, daß die Betriebe diesen Zusammenhang kennen und ihm Rechnung tragen. Diese Entwicklung bringt die überbetriebliche Tarifpolitik allerdings in eine zwiespältige Lage; nicht nur, weil die Gewerkschaften die aktiv treibende Kraft der Lohnentwicklung bleiben wollen, sondern vor allem auch, weil die Ordnungsfunktion der Tarifverträge wirksam erhalten werden sollte.'

In unzweideutigen Worten hatten die Zechenherren gesagt, welches Ziel dahinter steht:
- mehr Arbeitshetze
- Konkurrenz der Kollegen untereinander
- Lohnraub.

Klar wurde auch ihre große Furcht davor, daß die Kumpels selbst diese hinterhältigen Pläne vereiteln könnten.
Kollegen, erinnern wir uns, WER die für die Zechenherren so entscheidend wichtige Lohnordnung durch seine Zustimmung und seine Manöver erst möglich gemacht hat: Es waren 'unsere' IGBE-Führer, die im letzten Jahr mit Geheimverhandlungen uns überrumpelt haben. Wir wissen inzwischen, daß die Lohnordnung schon 1969 vorlag aber ganz tief in der hintersten Schublade verborgen bleiben mußte für einen günstigeren Moment: denn wir standen streikbereit!! Einzig und allein durch Geheimdiplomatie konnten die IGBE-Führer sie überhaupt durchbringen und 'Besitzstandsgarantien' sollten recht und schlecht über die Abstufungen, niedrigeren Gedingeabschlüsse hinwegtäuschen!

Aber die Lohnordnung ermöglicht nun die nächsten Schritte, sie ermöglicht Abschmelzung der Zulagen, ihre Anrechnung auf Tariferhöhung. Von der Sicherung des Effektivlohns und seiner Erhöhung ist bezeichnender Weise in IGBE-Kreisen nicht die Rede.
Dafür aber von 'Streikbereitschaft', 'harter Lohnrunde' und so weiter. Das ist die Furcht vor den Kumpel, die das Spiel, das auf ihrem Rücken gespielt wird, durchschauen, die ihre englischen Kollegen vor Augen haben und deren Fäuste, wenn's drauf ankommt, kämpfen können!!
Deshalb, '9%' soll kämpferisch klingen, ist aber für die IGBE-Führer wahrhaftig kein Risiko. Denn selbst wenn in der Bergbautarifrunde (BETR,d.Vf.) einige Prozente mehr herausspringen sollten als für den Stahl- oder Chemiearbeiter - die Lohnordnung macht alles wieder zunichte, sie wird's auf 2 - 3% drücken.

DER AUSWEG FÜR DIE PROFITE DER ZECHENBARONE: STILLEGUNGEN UND BILLIGE IMPORTKOHLE!

Aber nicht nur in der Bergbautarifrunde werden fieberhaft 'Lösungen' gesucht.

Was haben die 'Konzertierte Kohleaktion' in Bonn, die Gespräche und Abmachungen der Politiker und Stahlbarone in Polen, Persien (Iran,d.Vf.), Südafrika (Azania,d.Vf.) und anderswo zu bedeuten? Daß die westdeutschen imperialistischen Profitjäger und die Regierung, die ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen durchführen soll, sich die Köpfe zerbrechen, wie die Gewinne erhöht werden können, ohne dafür zu zahlen.

Einerseits lecken sich die Stahlbosse die Finger nach ausländischer Kohle, denn die kommt billiger trotz der Millionen, die ihnen der Staat in den Rachen wirft. Andererseits brauchen sie die westdeutsche Kohle. Ohne eigene Kohle sehen die Imperialisten ihre Kriegs- und Aufrüstungspläne in Gefahr. Trotz Ostverträgen - die eigene Energie ist immer noch die sicherste. Umso mehr müssen SPD- und Gewerkschaftsbosse den Kampf der Kumpel, ihren Widerstand gegen die Pläne der westdeutschen Imperialisten fürchten!

Trotzdem - größer als ihre Furcht ist die Profitsucht. Deshalb Kohleverträge mit Polen, Aufkauf von Mineralien in Australien usw. Deshalb wird die RAG 'saniert' und 'saniert': nämlich rationalisiert und stillgelegt. Auf Kosten des Steuerzahlers, besonders aber auf Kosten der Kumpel. IHRE Knochen, IHR Arbeitsplatz und IHRE Existenz werden als erste geopfert. Und für was? Wer die politische Entwicklung verfolgt hat, der kann es sich leicht zusammenreimen:

Für die westdeutschen Aufrüstungspläne und die westdeutsche Revanchepolitik - Für Kuhhandel mit Polen und anderen Ländern, um auch dort die Kumpel auszupressen - Für Notstandspolitik in den Betrieben, für die Durchsetzung des Lohndiktats in der Bergbautarifrunde!

Kollegen, die SPD-Regierung und die IGBE-Bosse sind mit schlotternden Knien in die Bergbautarifrunde gegangen. Ihr Streikgetöne verdeckt die Vorbereitung zum Streikverbot und 'außer Kraft setzen der Tarifautonomie'. Wir Kumpel aber gehen in die Bergbautarifrunde mit erhobener Faust!

Der Kampf, den die KPD/ML gegen Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik führt, heißt in der Tarifrunde 1972:

DIE EINHEITSFRONT ALLER KUMPEL herstellen unter folgenden Forderungen:
(Anmerkung zur 7-DM-Forderung: Warum ist die KPD/ML-Betriebsgruppe von ihrer ursprünglichen Forderung von 6 DM abgegangen? Weil die Konferenz der Bergbaubetriebsgruppen (vgl. NRW - 22.5.1972,d.Vf.) für alle Zechen eine einheitliche Forderung aufgestellt hat, um auch die Einheitsfront ALLER RUHRKUMPEL herzustellen)

GEGEN NOTSTANDSKURS UND STREIKVERBOT!
WEG MIT DEM LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG!
7-DM PRO SCHICHT FÜR ALLE AUF DEN EFFEKTIVLOHN!
MONATSMINDESTLOHN VON 1 000 DM NETTO FÜR ALLE!
13. MONATSLOHN VON 1 000 DM NETTO FÜR ALLE!
WEG MIT DER LOHNORDNUNG! SCHLUSS MIT DEN ABSTUFUNGEN!
KAMPF DEM BONNER STILLEGUNGSPLAN! SCHLUSS MIT DEM ZECHENSTERBEN!
7-STUNDENSCHICHT FÜR ALLE BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!
EINHEITSFRONT GEGEN LOHNDIKTAT, LOHNORDNUNG UND BONNER STILLEGUNGSPLAN!"

Aufgerufen wird zur Veranstaltung am 7.6.1972, auf der die Einheitsfront gebildet werden soll:"
Kollegen, lernen wir aus den Betriebsrätewahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.)!
Schließen wir uns fest zusammen hinter diesen Forderungen!"

In einem Kasten heißt es:"
SO SIEHT DIE ABSCHMELZUNG AUS

Angenommen, eine Lohnerhöhung um 6% kommt durch. Der Grundlohn der LG 6
steigt damit auf rund 46,40 DM
dazu persönliche Zulage 8,14 DM
________
neuer Schichtlohn 54,54 DM
alter Schichtlohn mit übertariflicher Zulage - 53,43 DM
2,2% Lohnerhöhung gleich 1,11 DM
die übertarifliche Zulage von 1,62 DM würde abgeschmolzen werden!"

In einem weiteren Artikel heißt es:"
RUNTER MIT DER MASKE!

KEIN FRIEDEN DURCH OSTVERTRÄGE!

Eine Reihe von Euch hat neulich (vgl. 27.4.1972,d.Vf.) bei der Abstimmung im Bundestag über den Regierungssturz an den Radios und Fernsehern gehangen und hat gehofft: 'Hoffentlich schafft es unser Willy!' Kollegen aus anderen Betrieben haben zu Tausenden die brocken hingeworfen und gefordert: 'Generalstreik!', weil sie von der Aussicht, die Reaktionäre Strauß und Barzel (CSU bzw. CDU,d.Vf.) an der Regierung zu wissen überhaupt nichts hielten. 'Wir sind für Friede und Völkerverständigung' sagen viele von euch, 'wir wollen endlich einen Ausgleich mit unseren Nachbarn im Osten. Schluß mit dem kalten Krieg! Diese Politik macht die SPD-Regierung. Auch wenn sie oft gegen uns Arbeiter handelt, wie wir das an den Feierschichten und am Lohndiktat sehen können, so macht sie doch in der Außenpolitik Friedenspolitik. Wenn schon, dann doch lieber SPD als CDU! Die SPD ist dann doch das kleinere Übel!'

Nun, Kollegen, wir von der KPD/ML sagen euch: 'Ihr habt recht, wenn ihr bereit seid, aktiv für den Frieden zu kämpfen und auf die Straße zu gehen, wenn ihr politische Streiks führen wollt. Für dieses Ziel, den wirklichen Frieden kämpfen wir gemeinsam. Kampf für Friede bedeutet aber Kampf gegen alle Kriegstreiber, Militaristen und Revanchisten.'

Wie kommt dann aber die KPD/ML dazu, die Ostverträge abzulehnen und sie als Kriegspakt zu bezeichnen? Sind wir vielleicht die kalten Krieger auf der anderen Seite, die immer nur schüren und jede Annäherung verhindern wollen? Sind wir ein paar Wirrköpfe, die grundsätzlich gegen alles sind, die immer nur stänkern und gegen die Ostverträge sind, weil die SPD dafür ist? Macht die KPD/ML nicht mit den Reaktionären Strauß und Barzel gemeinsame Sache, die ja schließlich auch gegen die Ostverträge waren und von denen ja kaum jemand annimmt, daß sie übermäßig vom Friedenswillen geplagt werden?

WELCHE VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN FÜR DEN FRIEDEN IN EUROPA GESCHAFFEN WERDEN?

Kollegen, oben wurde erwähnt, daß Kampf für Friede Kampf gegen die Kriegstreiber, Militaristen und Revanchisten bedeutet. Umgekehrt muß man sehen, daß ihre Stärkung die Kriegsgefahr erhöht. Das leuchtet ein. Solange jemand offen erklärt, daß er andere überfallen will, und Ansprüche auf Gebiete erhebt, die ihm nicht gehören, solange kann es keinen gesicherten Frieden geben. Wirklichen Frieden kann man nur erhalten, wenn man diese Kriegstreiber in die Knie zwingt und sie an ihrer Kriegspolitik hindert. Solange die westdeutschen Imperialisten Anspruch auf Teile Polens und die DDR erheben, kann es keinen Frieden in Europa geben. Im Gegenteil, je mehr diese Revanchisten Morgenluft wittern, desto mehr wächst die Kriegsgefahr. Der Imperialismus ist wie ein reißendes Raubtier, je mehr man ihm anbietet, umso mehr steigert sich seine Habgier ins Unermeßliche und er wird nicht eher Ruhe geben, als er nicht die ganze Welt unterjocht und versklavt hat.
Friedensicherung in Europa, das heißt:
VOLLE VÖLKERRECHTLICHE ANERKENNUNG DER DDR UND DER BESTEHENDEN GRENZEN IN EUROPA! ANNULLIERUNG DES MÜNCHNER ABKOMMENS VON ANFANG AN! SOFORTIGER ABZUG ALLER AUSLÄNDISCHEN TRUPPEN VON FREMDEN TERRITORIEN!

OSTVERTRÄGE - FRIEDENSVERTRÄGE?!

'Die Verträge bringen den Frieden', werden die Herren im Kreml und SPD-Regierung samt ihrem Troß, den DKP-Führern, nicht müde zu behaupten: 'Weil sie die Realität in Europa anerkennen.' 'So nicht!' tönt Barzel und half so seinen Spießgesellen in der SPD-Regierung, den SU-Imperialisten noch ein Zugeständnis abzutrotzen. Welche Realitäten werden hier eigentlich anerkannt?

'Die Grenzen in Europa!' werden jetzt viele von euch sagen. Was sollte man denn sonst von Friedensverträgen erwarten. 'Keineswegs!' beeilen sich die Herren SPD-Führer ihren Freunden Strauß und Barzel zu versichern. Und in der tat: Die einzige Realität, die in den Verträgen anerkannt wird, ist die Revancheforderung der westdeutschen Kriegstreiber. Im Vertrag selbst heißt es ausdrücklich, daß die von einer Seite vorher geschlossenen Verträge nicht berührt werden. Also auch nicht der Deutschlandvertrag, den die Adenauer-Regierung mit den Westalliierten schloß (vgl. S5.**.19**,d.Vf.), in ihm wird ausdrücklich die Einverleibung der DDR und der ehemaligen Ostgebiete als Ziel der gemeinsamen Außenpolitik verankert. Es kommt aber noch besser: Die gemeinsame Entschließung von allen im Bundestag vertretenen Parteien (vgl. S5.**.197*,d.Vf.) wurde von den Kremlherren voll akzeptiert. In ihr heißt es: 'Die Verträge nehmen eine friedensvertragliche Regelung für Deutschland nicht vorweg und schaffen keine Rechtsgrundlage für die heute bestehenden Grenzen.'

'Eingliederung der Bundesrepublik in den Westen, das Ende der deutschen Spaltung, den Zusammenschluß des freien westlichen mit dem vom Bolschewismus befreiten östlichen Europa - bis zum Ural.' So umriß Staatssekretär Hallstein 1954 die Ziele der westdeutschen Außenpolitik. Von 'Wiedervereinigung mit siegreichem Einzug der Bundeswehr durchs Brandenburger Tor unter klingendem Spiel' schwärmte 1961 die Hochfinanz im Industriekurier. Wer nun noch immer glaubt, die SPD-Regierung habe diese Ziele aufgegeben, der wird von Walter Scheel eines besseren belehrt: 'Weder werden materielle Lösungen ersetzt, noch werden die Gegebenheiten definitiv (endgültig) fixiert. Es werden keine Ansprüche aufgegeben.'

'Aber in dem Vertrag wird doch zugesichert, daß die bestehenden Grenzen nicht gewaltsam verändert werden, auch wenn sie noch nicht anerkannt werden, das ist doch immerhin besser als bisher', werden vielleicht jetzt einige einwenden. 'Nicht umsonst haben doch die CDU-Reaktionäre diese Verträge so bekämpft.' Nun, Kollegen, was soll man von den Friedensbeteuerungen einer imperialistischen Regierung halten, wenn sie die Bundeswehr, den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und die Polizei aufrüstet wie noch keine vor ihr? Was soll man von dem Friedenswillen dieser Regierung halten, wenn sie selbst erklärt, daß sich NATO- und Ostpolitik ergänzen? Warum probt die Bundeswehr im Manöver 'Brickstone' (vgl. S5.**.1971,d.Vf.) die Eroberung der DDR und warum werden heute von der SPD-Regierung in 1 1/2 Tagen soviel Gelder in Rüstung gesteckt wie noch vor einigen Jahren in einem ganzen Jahr, wenn man doch angeblich gar nicht daran denkt, andere Länder zu überfallen? Die DKP-Führer, die nicht müde werden, den SPD-Bonzen in den Hintern zu treten und die Ostverträge großartig als Friedensverträge zu verkaufen, sollten sich einmal klarmachen, daß es ihre vielgepriesene SPD-Regierung ist, die den bisher größten Rüstungsetat aller Regierungen hat, daß die Bundeswehr unter dieser Regierung zur drittstärksten Armee der Welt ausgebaut wurde, die die Schlagkraft der ehemaligen Wehrmacht vor Kriegsbeginn weit übertrifft. Diese 'Friedensregierung' plant in diesem Herbst eine Mobilmachungsübung von noch nie dagewesenem Ausmaßen (vgl. **.S5.1972,d.Vf.). Wer wie die DKP-Führer diese imperialistische Aggressionspolitik uns als Friedenspolitik aufschwätzen will - und dafür noch Unterschriften sammelt - der treibt die schmutzigen Geschäfte der Imperialisten und ist ein Feind des Friedens und der Arbeiterklasse. Wen wundert es da noch, wenn sie den Monopolherren die Verträge durch die Aussicht auf Höchstprofite schmackhaft machen wollen. Oder so zählten sie in der UZ (vgl. S5f*.1972,d.Vf.) als Vorteil der Verträge auf: 'Unser Land braucht Handel und Wandel… Der Moskauer Vertrag öffnet den Zugang zum krisenfreien sozialistischen Weltmarkt, zu einem Ozean des Absatzes. Das macht die Arbeitsplätze sicherer.' Das, Genossen von der DKP-Führung, ist allerdings neu in der Geschichte, daß eine imperialistische Eroberungspolitik die Arbeitsplätze sichert und ist ein Hohn auf die unzähligen Leiden der Völker Europas, mit denen sie für die Hitlersche Eroberungspolitik bluten mußten. Auch Hitler erklärte die Unantastbarkeit der Grenzen in Europa, bevor er die Völker Europas überfiel.

Volkschina an der Spitze der Weltrevolution wird für die Verräter am Kommunismus im Kreml zusehends zu einer ernsten Gefahr. Dort hat die Arbeiterklasse die Macht, die in der proletarischen Kulturrevolution die revisionistischen Agenten Moskaus vertrieben hat. Volkschina, das den konsequentesten Kampf gegen den USA- und SU-Imperialismus führt, ist ein leuchtendes Beispiel für die gesamte Arbeiterklasse: das fürchten gerade die SU-Imperialisten, an deren Fingern das Blut der tschechoslowakischen (CSSR,d.Vf.) und polnischen Arbeiter klebt. Sie zittern davor, daß die Arbeiterklasse der UdSSR und der übrigen osteuropäischen Länder sich an den chinesischen Brüdern ein Beispiel nehmen und die Kremlherren davonjagen. Deshalb werden auch immer mehr sowjetische Truppen an der Grenze zu Volkschina zusammengezogen (44 Divisionen, im Westen nur 31). Deshalb brauchen sie Rückendeckung im Westen und hierfür sind sie auch bereit, die Souveränität der DDR stückweise oder als Ganzes an die westdeutschen Imperialisten zu verkaufen und ihnen ein Zugeständnis nach dem anderen zu machen. Deshalb haben sie auf die Anerkennung der DDR und der bestehenden Grenzen verzichtet und haben die Friedensvertragsregelung, die der DDR zugesichert war, fallengelassen. Ihre Politik heißt: Ruhe im Westen - Krieg im Osten! Für dieses Ziel sind sie bereit, den größten Kriegstreibern Europas den Rücken zu stärken.

Kollegen, kämpfen wir gemeinsam für den Frieden, führen wir einen unerbittlichen Kampf gegen alle Kriegstreiber und ihre Lakaien. Unser Kampf kann sich deshalb nur gegen diesen Bonner Staat selbst richten, denn er ist das Machtinstrument, mit dem die Monopolherren die Arbeiterklasse ausplündern und knebeln, mit dem sie fortschrittlichen Menschen Berufsverbot (BV,d.Vf.) erteilen und die Marxisten-Leninisten mundtot machen wollen, mit dem sie letztlich andere Völker überfallen. Den wahren Frieden werden wir deshalb nur dann sichern können, wenn die Arbeiterklasse und die Volksmassen den Bonner Staat beseitigen, die Flick, Krupp und Thyssen enteignen und samt ihren politischen Führern vertreiben und auch in Westdeutschland den Sozialismus aufbauen.

FÜR SOFORTIGE UND BEDINGUNGSLOSE ANERKENNUNG DER DDR UND DER GRENZEN IN EUROPA!
KAMPF DER FRIEDENSHEUCHELEI DER SPD- UND DKP-FÜHRER!
KRIEG DEM IMPERIALISTISCHEN KRIEG!
SOFORTIGER ABZUG ALLER AUSLÄNDISCHEN TRUPPEN AUS FREMDEN TERRITORIEN!
NIEDER MIT DEM BONNER REVANCHISTENSTAAT - FÜR DIE DIKTATUR DES PROLETARIATS!
FÜR FIRDEN UND SOZIALISMUS!"

Gefragt wird auch:"
WARUM IST DER IMPERIALISMUS AGGRESSIV ?!

'Ihr schreibt hier dauernd, daß die Imperialisten so kriegslüstern sind und immer nur andere Völker überfallen wollen' werden sicher eine Reihe von Euch sagen und 'daß die Ostverträge nicht gerade den Frieden garantieren, na schön, das geben wir ja zu, aber man kann doch nicht gleich von Krieg deswegen reden. das sagt ihr doch nur, weil ihr immer alles mies machen wollt, deshalb übertreibt ihr so.' Nun, Kollegen, daß die Imperialisten zum Krieg rüsten, ist keine Behauptung von uns, sondern ein GESETZ DES IMPERIALISMUS selbst.

Wir sehen doch tagtäglich, daß die Entwicklung immer mehr dahingeht, daß die Kleinkapitalisten sich nicht mehr halten können. Sie können die Konkurrenz mit den 'großen' nicht mehr mitmachen und werden von ihnen geschluckt. Was übrigbleibt sind ein paar wenige Großkonzerne, die Monopole, die den gesamten Markt beherrschen. das heißt aber nun keineswegs, daß die Konkurrenz deswegen ausgeschaltet wäre, im Gegenteil, der Konkurrenzkampf zwischen den Monopolen nimmt noch viel größere Ausmaße an: wenn die Kleinkapitalisten in Größenordnungen von ein paar hunderttausend Mark oder auch noch ein paar Millionen rechnen und ihr Konkurrenzkampf sich hauptsächlich im Inland abspielt, so geht es bei den Monopolen um Milliardenbeträge, ihr Konkurrenzkampf tobt rund um den gesamten Erdball. Die Monopolherren wollen sich nicht hier und da nur einen neuen Kunden erobern, nein, sie wollen sich ganze Absatzmärkte erobern, in denen sie konkurrenzlos dastehen und den Preis diktieren können. Sie brauchen billige Rohstoffquellen, die fest in ihrer Hand sind, die ihnen sicher zur Verfügung stehen. Hierzu können sie aber keine selbständigen unabhängigen Geschäftspartner gebrauchen, die ihre Rohstoffe möglichst teuer verkaufen wollen und die die Waren der Monopole nur kaufen, wenn sie preisgünstig sind. Wenn nicht, kaufen sie halt bei der Konkurrenz, sie sind ja nicht darauf angewiesen. Nein, die Monopole brauchen ABHÄNGIGE MÄRKTE die ihre Rohstoffe billig an die Monopolherren verkaufen MÜSSEN und die seine Erzeugnisse teuer einkaufen MÜSSEN. Kurz, der Monopolkapitalist ist gezwungen, andere Länder wirtschaftlich und politisch zu erobern und zu beherrschen. Hierbei begnügen sie sich nicht mit einem Teil der Welt, sondern es ist ihr Bestreben, die anderen Imperialisten aus dem Felde zu schlagen und praktisch die Weltherrschaft zu erobern. Zu diesem Ziel setzen sie den Staat ein, hier ihr brauchbarstes und treustes Instrument, wie auch im eigenen Hinterland: gegen die arbeitende und werktätige Bevölkerung. Imperialistische Länder entwickeln sich sprunghaft und ungleichmäßig, das zeigt uns die Erfahrung. Länder, die gestern noch ziemlich unbedeutsam waren, drängen heute mächtig nach vorn und beanspruchen ihren 'Platz an der Sonne'. Schauen wir uns doch die Bundesrepublik an! Gestern noch am Boden zerstört und schwach, hat sie eine so rasche und steile Entwicklung durchgemacht, daß sie heute den 'alten' Großmächten das Feld streitig macht. Hier in Europa haben sie bereits die Vorherrschaft errungen. Sie fühlen sich wieder stark. Da aber die Welt bereits aufgeteilt ist, richtet sich ihr Streben auch gegen die anderen 'besitzenden' Imperialisten, der Kampf um die Neuaufteilung der Welt beginnt.

Krieg - das ist die Logik der Imperialisten.

Ihre Großmachtgelüste, besonders auch die der westdeutschen Imperialisten sind eine akute Kriegsgefahr, da sie ihr Ziel nach eigenen Absatzmärkten und Einflußgebieten nur gewaltsam gegen die anderen imperialistischen Staaten durchsetzen können. Solange es auch nur einen imperialistischen Staat gibt, muß er diesem Gesetz folgen und wird wahnwitzige Kriege anzetteln. Deshalb:

WER FÜR DEN FRIEDEN KÄMPFT, MUSS DIE URSACHE DES KRIEGES, DEN IMPERIALISMUS BEKÄMPFEN!"

Angekündigt wird für mittags der Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB (vgl. 31.5.1972).
Q: Rutsche Kumpels, aufgepaßt: 'Tarifwahrheit bedeutet Lohnabbau'!,Dortmund o.J. (1972)

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Juni 1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP ihre 'Kumpel-Post' (vgl. 1.5.1972, 11.9.1972) mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Günter Bennhardt zur BETR heraus:"
9% MEHR LOHN UND GEHALT KANN NUR DIE MINDESTFORDERUNG SEIN

Seit dem 1.Juni besteht im Ruhrbergbau ein tarifloser Zustand. Nach langem Zögern formulierte die IGBE ihre Forderung: 9% mehr Lohn und eine stufenweise Erhöhung des Tarifurlaubs ab 1973. Die Antwort der Zechenherren: Zunächst kein Angebot, dann ganze 5,2% für Arbeiter und 3% für Angestellte ab 1. September 1972. Ihre Begründung: Die Ruhrkohle sei nicht in der Lage mehr zu zahlen, im Bergbau gäbe es keinen Nachholbedarf, man müsse sich an der allgemeinen tariflichen Entwicklung orientieren.

Dazu meint die 'Kumpel-Post': Bis jetzt hat es noch nie eine Lohnbewegung gegeben, in der die Unternehmer nicht jedesmal erklärt haben, daß sie in Wirklichkeit am Ende ihrer Zahlungsfähigkeit stehen. Die berechtigten Forderungen konnten in der Regel nur dann durchgesetzt werden, wenn sie mit dem notwendigen Nachdruck verfolgt wurden. Bis jetzt ist noch kein Beispiel bekannt, daß ein Unternehmer wegen Lohnforderungen seinen Betrieb schließen mußte.

SO LÜGEN SIE AUCH DIESES MAL WIEDER FRECH DRAUFLOS

Der Spitzenlohn der Bergarbeiter ist schon seit langem eine Legende. Noch 1971 waren in der amtlichen Landesstatistik von NRW die Bergarbeiter von 32 Berufsgruppen an 26. Stelle aufgeführt. Diese Stellung hat sich auch nach der Lohnerhöhung im vergangenen Jahr nicht verändert. Verändert hat sich aber gewaltig die Anzahl der Belegschaftsmitglieder. Waren es im Jahre 1957 noch 494 000, so sind es heute noch rund 180 000. Im gleichen Zeitraum stieg die Leistung je Mann und Schicht von 1 599 kg 1957 auf 4 063 kg im ersten Quartal 1972 ('Ruhrkohle' Nr.5/1972 (vgl. S.1*1972,d.Vf.)).

Der Selbstkostenpreis für die Bergbauunternehmer liegt nach offiziellen Angaben bei einer geförderten Tonne Kohle bei 60 DM. Der Landabsatzpreis für die Tonne Fett-Nuß 3 beträgt zur Zeit 110,45 DM. Und dabei erklären die Bergbau-Bosse, es sei kein Geld vorhanden.

NACH WIE VOR MACHT DIE RAG PROFITE

Die 'Ruhrkohle' Nr.5/72 schreibt in einem Artikel: 'Die Untertageleistung der gesamten RAG stieg erstmals über die lang anvisierte 4-Tonnen Grenze und weist in der Statistik nach, daß im 1. Quartal 1972 gegenüber dem Vorquartal sich die Belegschaft um 2,4% vermindert hat, während die Leistung um 3,5% stieg.'

Noch deutlicher wird dieser Unterschied in einer anderen Statistik desselben Blattes. Danach verringerte sich die Untertagebelegschaft unserer Schachtanlage in diesem Zeitraum um 3,6%, während die Leistung der Untertagebelegschaft um 14,2% anstieg. Gemessen an diesen Beispielen ist eine 9%ige Lohnerhöhung noch sehr bescheiden. Der DGB forderte für das Jahr 1972 eine Reallohnerhöhung von 4% und betonte dabei, daß sich diese Forderung nicht an der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens zu orientieren hat. Berücksichtigt man, daß nach amtlichen Angaben die Lebenshaltungskosten im vergangenen Jahr um 5% gestiegen sind und für das laufende Jahr eine Preissteigerung von 4% zu erwarten ist, so bleibt für eine Erhöhung des Realeinkommens nichts mehr übrig. Das Gegenteil ist der Fall. Eine Lohnerhöhung von 9% bedeutet auch eine Erhöhung der Steuern und Versicherungsbeiträge von 2 - 2,5%. Das bedeutet, daß eine Lohnerhöhung von 11 - 12% gerechtfertigt wäre. Hierbei ist die Leistungssteigerung noch nicht berücksichtigt.

Bei der Lohnrunde im vergangenen Jahr erklärte man den Bergarbeitern, die schwierige wirtschaftliche Lage der RAG könne nicht unberücksichtigt bleiben. Beide Tarifpartner verpflichteten sich zu einem 'konjunkturpolitischen Wohlverhalten'. Das Ergebnis ist bekannt.

Darum darf sich heute die IGBE auch nicht darüber wundern, daß die Bergbaubosse es nicht wahrhaben wollen, daß die Bergbau-Löhne in den vergangenen Jahren erheblich hinter der allgemeinen Einkommensentwicklung zurückgeblieben sind (Einheit-Telegramm vom 6.6.1972 (vgl. NRW,d.Vf.)).

JETZT GILT ES, DIE VOM HAUPTVORSTAND BESCHLOSSENE FORDERUNG VOLL DURCHZUSETZEN.

Im Interesse eines gemeinsamen, einheitlichen und entschlossenen Kampfes vertritt die 'Kumpel-Post' die Meinung, daß unterhalb dieser Forderung Verhandlungen nicht möglich sind. Es muß Schluß gemacht werden mit der Vorstellung, daß bei einer einmal aufgestellten Lohnforderung nur ein Verhandlungsspielraum nach unten gegeben ist. 9% ist eine Mindestforderung, bei der es nur einen Verhandlungsspielraum nach oben geben darf. Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Artikels waren Beschlüsse des Hauptvorstandes IGBE zur Durchsetzung der berechtigten Forderung noch nicht bekannt. Trotzdem fordert die 'Kumpel-Post' alle Bergarbeiter auf, sich mit Nachdruck hinter diese Minimalforderung zu stellen und wenn notwendig, den Arbeitskampf zu organisieren und aktiv zu unterstützen. Es ist eine Binsenwahrheit, daß 180 000 entschlossen handelnde Bergarbeiter stärker sind als Millionäre."

Der zweite Artikel richtet sich u.a. gegen die KPD/ML-ZB und fordert:"
VERTRÄGE VON MOSKAU UND WARSCHAU MIT LEBEN ERFÜLLEN

Frieden und Entspannung, das ist der Inhalt der Verträge. Die DKP hat sich von Anfang an dafür eingesetzt. Die letzten Wochen beweisen: Von der Aktivität des Volkes hängt alles ab.

- Über 100 000 Dortmunder Bürger gaben ihre Unterschrift für die Verträge.
- Auf der machtvollsten Kundgebung zum 1.Mai im Westfalenpark demonstrierten 90 000 Teilnehmer für die Ostverträge.
- Zehntausende Dortmunder Kollegen gaben in den Betrieben in Warnstreiks ihren Willen klar zum Ausdruck.

So konnten die reaktionären Rechtskreise zunächst einmal zurückgedrängt werden. Durch diese Aktionen wurde mehr erreicht, als durch die zahmen Reden der aufgeschreckten Parlamentarier der Regierungskoalition.

Kollegen! Wir, die DKP, haben, wie Ihr wißt, unseren eigenen Beitrag im Kampf für die Ratifizierung der Verträge geleistet. Eine stärkere DKP hätte noch mehr für eine stärkere Volksbewegung tun können. Auch die Auseinandersetzung im Bundestag wäre anders verlaufen, wenn Abgeordnete der DKP dort als Sprecher des Volkes die Machenschaften der reaktionären Rechtskreise hätten entlarven können. Deshalb: STÄRKT DIE REIHEN DER DKP!

Kollegen! Die Feinde des Friedens wurden zwar zurückgedrängt, aber ihr verderblicher Einfluß ist nicht überwunden. Wachsamkeit bleibt das Gebot der Stunde. Die revanchistischen Kräfte der CDU/CSU wollen die bestehenden Grenzen, vor allem zwischen der BRD und der DDR, nicht anerkennen. Sie wollen verschärfte Spannungen zum Schaden unserer Bevölkerung. Sie sind aggressiv und gefährlich. Mit diesen Feinden der Verträge und des Friedens darf es keine Gemeinsamkeiten geben!

Die Verträge eröffnen die große Chance, daß Europa ein Kontinent des dauerhaften und stabilen Friedens, der Zusammenarbeit und der Sicherheit wird.

Die reaktionären Rechtskreise können nur zurückgedrängt, die Verträge können nur mit Leben erfüllt werden, wenn die demokratischen und fortschrittlichen Kräfte unseres Volkes in ihrem Kampf nicht nachlassen!

DIE GEFAHR KOMMT VON RECHTS!

Es gibt aber auch Leute, die sich Kommunisten nennen, die auch häufig vor den Toren von Minister Stein und Hardenberg stehen und behaupten: 'Die Verträge von Moskau und Warschau sind Kriegsverträge!'

In Wirklichkeit blasen damit diese leute doch in dassselbe Horn wie Strauß und Co. und die hinter ihnen stehende Rüstungsindustrie, die bei einer möglichen Entspannung ihre Felle davonschwimmen sieht. Diese Leute vertreten - ob sie es wollen oder nicht - mit ihren entspannungsfeindlichen Parolen die Interessen der Feinde des Friedens. Sie verfolgen das Ziel, die Belegschaften zu spalten, sie aktionsunfähig zu machen. Es war auch ihre erklärte Absicht, bei der letzten Betriebsratswahl (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) eine Spalterliste gegen die IGBE auf die Beine zu bringen. Wir wenden uns entschieden gegen solche Machenschaften und begrüßen das Verhalten der Kollegen von Minister Stein/Hardenberg, die den Spaltern nicht auf den Leim gegangen sind."

Ein Leserbrief berichtet von der Schlichtungskommission (vgl. 18.5.1972), weitere Beiträge sind zentrale Artikel u.a. zum Besuch von Nixon in Moskau und Auszüge aus einer Erklärung des DKP-PV zu den Bombenanschlägen (vgl. 20.5.1972).
Q: Die Kumpel-Post,Dortmund Juni 1972

01.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB (IGBE-Bereich - vgl. 15.6.1972) berichtet vermutlich von Anfang Juni:"
VOR WÄRTS IM GEISTE MARX, ENGELS, LENINS, STALINS UND MAO TSE-TUNGS!

BUCHLADEN ERÖFFNET!
BUCHLADEN BISTRAM DORTMUND OESTERHOLZSTR.103
Öffnungszeiten Mo, Di, Do, Frei 10 Uhr 30 - 18 Uhr 30
Sa: 10 Uhr 30 - 14 Uhr

Kollegen, Genossen!

In Dortmund ist ein MARXISTISCH-LENINISTISCHER Buchladen eröffnet worden! Dort gibt es:
- keinen 'Faden zur Mitbestimmung'!
- keine Anleitung zur 'Errichtung einer Zwischenetappe'!
- keine Theorien von 'Über Reformen zum Sozialismus'!
denn: diese 'Theorien' zerren die Arbeiterbewegung auf den bürgerlichen Weg zurück und spielen sie ihren Feinden aus. Hat etwa je ein Kapitalist sein 'Hab und Gut' freiwillig mit den Kollegen geteilt? Nein! Wir sagen klar: 'der Sozialismus ist keine Liebe, sondern ein Hammer, der den Klassenfeind schlägt!', wie der Genosse Stalin es uns gelehrt hat. Dieser Buchladen steht fest auf dem Boden des Marxismus-Leninismus und der Mao Tse-tung-Ideen. Sein Ziel ist es, die marxistisch-leninistische Literatur, die Waffen in der Hand eines jeden Kollegen und Genossen in der Arbeiterklasse und unter allen fortschrittlichen Menschen zu verbreiten. Und er geht dabei den einzig richtigen Weg: er unterstützt durch seine Arbeit die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse, die KPD/ML. Kaufen können wir dort:
- sämtliche Organe und Schriften der KPD/ML
- sämtliche Werke der Klassiker und unseres großen Führers und Lehrers Mao Tse-tung (beispielsweise: 'Kurzer Lehrgang der Geschichte der KPdSU (B),
Pflichtlektüre in der KPD, damals wie heute!)
- eine große Auswahl von packenden, beispielhaften Arbeiterromanen, so 'Brennende Ruhr' von K. Grünberg, 'Maschinenfabrik N&K' von Bredel)

KOMMT VORBEI UND SCHAUT IHN EUCH AN!"
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (Juni 1972),S.9

05.06.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund geben KPD/ML-ZB und KJVD, laut KJVD (vgl. 12.6.1972), vermutlich in dieser Woche eine 'Rutsche' (vgl. 31.5.1972, 15.6.1972) heraus, die uns leider noch nicht vorlag.
Q: Jugend-Rutsche Unser der Sieg - Durch Einheit im Kampf,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.2

07.06.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund führt um 19 Uhr im Haus Göbbeln in der Schützenstr. eine öffentliche Veranstaltung zur BETR durch, von der sie selbst berichtet:"
BERGBAUTARIFRUNDE: 'JETZT RECHNEN - JETZT HANDELN!'

Kollegen, am Mittwoch letzter Woche führte die KPD/ML-Betriebsgruppe eine öffentliche Veranstaltung durch, deren Thema war:
EINHEITSFRONT GEGEN LOHNDIKTAT, LOHNORDNUNG UND BONNER STILLEGUNGSPLAN ZUR BERGBAUTARIFRUNDE 1972

Die beiden Reden wurden anschließend diskutiert und es wurde überlegt, welche ersten praktischen Schritte nun übernommen werden können."

In der ersten Rede heißt es:"
Kollegen, Genossen,
die Tarifrunde 1972 ist im vollen Gange. Die IGBE-Führer haben im Gegensatz zum vorigen Jahr ihre Forderungen früh auf den Tisch gelegt, denn sie wissen, daß sie bei einer weiteren Geheimverhandlung mit dem Widerstand der Kumpel rechnen müssen. Ihre Forderung nach 9% scheint radikal. Radikal sind aber auch die Töne zur Durchsetzung der Forderung. Die Gewerkschaftsführer haben die Verhandlungen für gescheitert erklärt (vgl. 6.6.1972,d.Vf.) und drohen mit Streik und Arbeitskampf.

Vom sogenannten 'neutralen' Mann im RAG-Aufsichtsrat und wirtschaftlichem Berater Kanzler Brandts hörte man indes andere Töne: Poullain (vgl. 16.5.1972,d.Vf.) erwartet von den Tarifpartnern, daß sie 'die lohnpolitische Expansion auf ein vertretbares Maß' zurückführen. Gehe das nicht, müßten 'Teile der Tarifautonomie vorübergehend außer Kraft gesetzt werden.' Derselbe Mann, der mehr Stillegungen, dafür aber billige Kohle aus Polen fordert, will dann auch noch 10% Steuererhöhung. Was also, Kollegen, haben wir von den 9% und solchen Äußerungen, wie wir sie eben gehört haben, zu halten?

AUS 9% WERDEN 2%

Sehen wir uns doch hierzu die letzte Tarifrunde und die neue Lohnordnung an. Paragraph 4, Absatz 3 besagt:
'(3) Soweit in den Fällen des Absatzes 1 der Unterschiedsbetrag zwischen dem Durchschnittslohn des Bezugszeitraums und dem neuen Tarifschichtlohn den in Absatz 2 genannten Prozentsatz übersteigt, wird er als 'übertarifliche Zulage' ausgewiesen. Die übertarifliche Zulage wird auf Tariflohnerhöhungen oder Höhergruppierungen angerechnet.'

Das bedeutet: die Lohnordnung teilt den Lohn in drei Teile:
1. Tariflohn
2. persönliche Zulage, die höchstens 20% des Tariflohns betragen darf, die aber bei neuen Tariferhöhungen nicht mit erhöht wird,
3. die übertarifliche Zulage, von der in dem eben genannten Absatz die Rede ist. Sie soll den Unterschied zwischen dem früheren Lohn und dem Lohn nach der Lohnordnung ausgleichen und wird auf künftige Lohnerhöhungen angerechnet!

Das heißt nichts anders als:
der bisherige Besitzstand wird bei Tariferhöhungen abgeschmolzen. Der Lohnstreifen wird uns das in einigen Monaten zeigen.

Nehmen wir einmal ein Beispiel:
Ein Transportarbeiter verdiente 1971 auf einer Zeche 51 DM. Nun tritt die Lohnordnung in Kraft, und er wird in Lohngruppe 6 eingestuft:
Grundlohn LG 6 40,70 DM
persönliche Zulage 8,14 DM (Höchstens 20%)
________
48,84 DM
Die Differenz zwischen 51.- DM und 48,84 gilt als übertarifliche Zulage:
2,16 DM
Nun folgte die Lohnerhöhung im letzten Jahr von 7,3%:
neuer Grundlohn 43,67 DM
persönliche Zulage 8,14 DM (wird nicht miterhöht)
übertarifliche Zulage 1,62 DM (gleich 75% der übertariflichen Zulage)
________
53,43 DM - das sind nicht einmal 5%!

Die übertarifliche Zulage wird aufgrund der Rundschreibenformulierung der Lohnordnung S.35 nur mit einem Viertel der Tariferhöhung berücksichtigt.

Kommen wir nun zur Tarifrunde 1972:
Wir haben bereits gesehen, daß die übertarifliche Zulage auf kommende Lohnerhöhungen angerechnet wird. Und die Rundschreibenformulierung besagt:
'Über die Anrechnung bei zukünftigen Tariflohn- und -gehaltserhöhungen werden wir zu gegebener Zeit Empfehlungen aussprechen.'

Die 'Ordnungsfunktion' und 'Tarifwahrheit' der Lohnordnung sieht so aus, daß der Lohn ständig weiter abgeschmolzen wird!
Nehmen wir an, es gibt 6%. Der Grundlohn der LG 6 steigt dann um 2,73 DM auf 46,40 DM:
Grundlohn 46,40 DM
persönliche Zulage 8,14 DM
________
54,54 DM
Da die übertarifliche Zulage geringer ist als die Lohnerhöhung (übertarifliche Zulage: 1,62 DM, Lohnerhöhung: 2,73 DM), fällt sie ganz weg. Was übrig bleibt ist eine Lohnerhöhung von etwa 2,2%!

Für die Leistungslöhner sieht die Sache nicht so übersichtlich aus. Die Betriebsgruppe muß hier selbstkritisch feststellen, daß sie dies nicht genügend untersucht hat.
Wir wollen euch alle an dieser Stelle bitten, uns hierbei durch eigene Beispiele zu unterstützen.
Auf jeden Fall kann man aber feststellen, daß in der neuen Lohnordnung eine Neufeststellung nach dem Motto: Wiederherstellung der Tarifwahrheit im Gedinge durchgeführt werden soll. Wir wissen von der Zeche Blumenthal (in Recklinghausen,d.Vf.) daß in den Baustellen im Januar nicht der leistungsmäßig erzielte Lohn von über 60 DM gezahlt wurde, sondern nach Absprache nur 58 DM - sonst müsse das Gedinge gekündigt werden. Die Kumpel, die zum Teil darauf eingegangen waren, erhielten drei Monate später die Quittung: die Gedinge wurden vom Revier von 7 auf 8 Kubikmeter erhöht.

WEG MIT DEM GRUNDLOHNGEDINGE!

Sehr wichtig für uns ist, daß bereits eine neue Leistungsentlohnung über der RAG schwebt, die bereits auf Rheinpreußen (in Moers,d.Vf.) und Blumenthal erprobt wird: der Lohn steigt nicht entsprechend der Arbeitsleistung im Verhältnis 1:1, denn der Lohn zerfällt in Grundlohn und Prämie, und der Anstieg der Prämie verläuft viel flacher als die Leistung."
Zitiert wird hierzu aus dem 'Stempel' der KPD/ML-ZB bei Blumenthal (vgl. Mai 1972) und fortgefahren:"
Doch die größte Sauerei ist, daß man bei dieser neuen Leistungsentlohnung die Störungen aus eigener Tasche bezahlen soll! So heißt es im Sondertarifvertrag der Rheinpreußen AG:
'Störungszeiten im Betriebsablauf, die im Bereich bis zur Übergabe vom Streckenpanzer auf das Gummiband verursacht werden, gelten im Sinne des Paragraphen 20 Absatz 3 Ziffer 1a der Arbeitsordnung grundsätzlich als im Wesen und der Art des Gedinges begründet.
Wird jedoch in einem Monat das beim Gedingeabschluß zugrunde gelegte durchschnittliche Soll-Arbeitsergebnis infolge von Betriebsstörungen um mehr als 10% unterschritten, so wird in diesem Monat ein Ausgleichsbetrag in Höhe der Differenz zwischen dem tatsächlich verdienten und einem Leistungslohn-Anteil gezahlt, der sich bei 90% des Soll-Arbeitsergebnisses ergeben hätte.'

Auf Deutsch heißt das: jede Betriebsstörung wird vom Lohn abgezogen - allerdings ist man so freundlich, immerhin wenigstens 90% des Tariflohns abzusichern. Kein voll abgesicherter Tariflohn - das dürfte einmalig in der Tarifgeschichte sein! Das ist ein einmaliger Verdienst der IGBE-Wohltäter!

Kollegen, die genannten Beispiele zeigen, wie in diesem Jahr der Hase laufen soll, und sie entlarven das scheinbar so kampfbereite Gesicht der IGBE-Führer. Adolf Schmidt, Gelhorn und Konsorten sprechen von Streik – aber worum es in dieser Lohnrunde wirklich geht - davon kein Wort. Davon auch kein Wort in der 'Einheit'. Das Streikgetöne sollte uns auch nicht ablenken von den Vorbereitungen, die in nächster Zeit für ein Streikverbot laufen – die Worte Poullains, die wir zu Beginn hörten, sind kein Spaß.

Aber was nun? Was können die Kumpel nun tun? Wie muß der Kampf aussehen, wie müssen unsere Forderungen lauten, um Lohnraub und Abschmelzung, weitere Anpassungspläne und Streikverbot zu verhindern? Was müssen wir der Verzögerungstaktik der Gewerkschaftsführer entgegensetzen?

Das muß die Einheitsfront der Kumpel sein! Die Einheit, die die vielen unzufriedenen, enttäuschten und kampfbereiten Einzelnen zusammenschweißt zu einer starken Macht im Betrieb. Die Einheitsfront gegen die, die den Kumpel Tag für Tag ausbeuten und gegen jene, die ihre Posten dazu ausnutzen, um gegen die Kollegen gemeinsame Sache mit RAG-Bossen und SPD-Regierung zu machen.
Die zentrale Forderung gegen die Politik der RAG, der SPD-Regierung und der IGBE-Führer muß sein:

EINHEITSFRONT GEGEN LOHNDIKTAT, LOHNORDNUNG UND BONNER STILLEGUNGSPLAN!

Gegen die 9% der IGBE-Führer stellen wir eine lineare Lohnerhöhung, die alle Kollegen gleichstellt, statt ihre Löhne weiter zu spalten:

7 DM MEHR PRO SCHICHT FÜR ALLE AUF DEN EFFEKTIVLOHN!
MONATSMINDESTLOHN VON 1 000 DM NETTO FÜR ALLE!
WEG MIT DER LOHNORDNUNG! SCHLUSS MIT DEN ABSTUFUNGEN!

Gegen steigende Arbeitshetze und Unfallgefahr:

7-STUNDENSCHICHT BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH! 6 STUNDEN AB 27 GRAD!

Die KPD/ML-Betriebsgruppe hat heute zu dieser Veranstaltung eingeladen, um das Einheitsfront-Komitee (EFK,d.Vf.) ins Leben zu rufen. Ohne eine entschlossene und starke Führung wird aber auch das Komitee bedeutungslos bleiben. Und ohne klare Forderungen wird der Kampf zersplittert sein. Deshalb fordern wir alle Kollegen auf: diskutiert diese Forderungen!
Beteiligt euch am Komitee zur Tarifrunde und macht es zu einer starken Kampfwaffe!
Wir fordern die fortschrittlichen, oppositionellen Betriebsräte auf, zu diesen Forderungen Stellung zu beziehen und für sie zu kämpfen. Denn ihr seid mit den Stimmen der Kollegen gewählt worden, die in euch ihre Vertreter und Kämpfer sahen. Jetzt ist die Zeit, um das in euch gesetzte Vertrauen unter Beweis zu stellen!
ALLE KUMPEL UND KUMPELVERTRETER IN EINE KAMPFFRONT!
MIT DER KPD/ML GEGEN LOHNDIKTAT, LOHNORDNUNG UND STILLEGUNGSPLAN!"
Q: Rutsche Kumpels, aufgepaßt: 'Tarifwahrheit bedeutet Lohnabbau'! und Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (1972) bzw. o.J. (Juni 1972),S.3 bzw. S.1ff

12.06.1972:
Vermutlich in dieser Woche erscheint eine Ausgabe der 'Jugend-Rutsche' (vgl. 24.4.1972, 10.7.1972) - Zeitung der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg Dortmund des KJVD der KPD/ML-ZB mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, und einem Leitartikel zur BETR:"
UNSER DER SIEG - DURCH EINHEIT IM KAMPF!

'KEINE TONNE KOHLE AUS DEM SCHACHT, UND KEIN KILO VON DEN HALDEN!'
'WIR MACHEN UNS AUF EINEN LÄNGER ANDAUERNDEN STREIK GEFASST!'
'ES WIRD ENGLISCHE ZUSTÄNDE GEBEN KÖNNEN!'
So konnten wir alle, Kollegen, noch vor einigen Tagen großspurig IGBE-Führer Schmidt reden hören! Dann wurden die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt (vgl. 6.6.1972,d.Vf.)! Anstatt nun sofort Kampfmaßnahmen einzuleiten, war nun seitens der IGBE die Rede von Ruhe und Besonnenheit. 5,25% hatten die Kapitalisten angeboten. Kein Wort fiel über die Forderungen der jungen Kumpels! Wenn die IGBE wirklich englische (britische,d.Vf.) Zustände haben wollte, soll sie sie bekommen. Die Kumpels nämlich, ob alt oder jung, ob Bergjungarbeiter oder Lehrling, haben die Nase gestrichen voll und wollen nicht länger zusehen wie durch die allseitigen Preissteigerungen, Steuererhöhungen, durch Feierschichtenbetrug und Lohnabbau der verräterischen Lohnordnung ihnen der ohnehin schon mickrige Lohn aus der Tasche gezogen wird. Nicht noch einmal kann die IGBE-Spitze wie im letzten Jahr versuchen uns übers Ohr zu hauen. Kumpels, der Streik der englischen Kollegen gegen das staatliche Lohndiktat hat bei uns allen doch große Solidarität genossen! Und von einem solchen heldenhaften und standfesten Kampf redeten Adolf Schmidt, Gelhorn und die anderen Führer der IGBE! War es ihnen denn ernst mit diesen Worten?! Wohl kaum!!!!! Denn in England standen junge und alte Kumpels in einer Front zusammen wie ein Mann. Das machte sie stark und nur durch die breite Einheit konnten sie erfolgreich sein. Wo aber sollen wir nach dem Willen der IGBE in dieser Tarifrunde stehen?! Nun, wir brauchen uns ja nur einmal anzuschauen, was von der IGBE an Forderungen für die Arbeiterjugend da ist. Kumpels, da ist nichts!!! Da ist nirgends die Vorbereitung auf eine Einheitsfront der jungen und alten Kumpels. Und das wundert uns auch gar nicht, denn die ganzen großen Worte, die da geschwungen wurden, waren nur dazu da um uns ruhig zu halten. Wir sollten alle unseren lieben IGBE-Führern vertrauen, die werden das schon machen! Wie sie das machen, haben wir ja erlebt. Im letzten Jahr bei den Geheimverhandlungen, oder bei den Streiks 1969! Als unsere Kumpels vorm Tor standen, blieben zwar einige von uns mit draußen, doch die Mehrheit gerade der Lehrlinge mußte weiterarbeiten. Da sagten uns die Meister: 'Bei uns wird voll weitergearbeitet, der Streik geht euch junges Gemüse gar nichts an!' So wurden wir abgespalten, und so versuchen sie es auch in diesem Jahr, denn wo sind die Forderungen für uns junge Kumpels?!!!!!!!!!!!!!!!!!" Es folgen einige Zitate aus dem 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) Nr.5 (vgl. Juni 1972), wobei aus dem Artikel "Nieder mit der Bergbausanierung im Dienste der Revanchepolitik" die Absätze "Für die Arbeiterjugend ...", "Die Arbeiterjugend ...", "Das ist die Auswirkung ..." und und die beiden letzten Absätze nachgedruckt werden.
Fortgefahren wird unter Bezug auf eine 'Rutsche' der KPD/ML-ZB und des KJVD bei Minister Stein/Hardenberg, die uns noch nicht vorlag (vgl. 5.6.1972):"
Was jetzt unsere Aufgaben sind, das hat die letzte Ausgabe der RUTSCHE deutlich gesagt: 'WER IN DER TARIFRUNDE RUHIG ZUSIEHT UND NUR EINEN AUGENBLICK AUF DIE IGBE-BONZEN VERTRAUT, DER BRAUCHT SICH NICHT ZU WUNDERN ÜBER SEINEN LOHNSTREIFEN IN DEN KOMMENDEN MONTAEN! JETZT MÜSSEN DIE VORBEREITUNGEN FÜR KAMPFMASSNAHMEN GETROFFEN WERDEN! EINHEITSFRONT AUS JUNGEN UND ALTEN KUMPELS! WÄHLEN WIR EINE STREIKLEITUNG IN DER AUCH JUNGE KUMPELS SITZEN! URABSTIMMUNG AUF ALLEN ZECHEN!'

JETZT EINE JUGENDVERSAMMLUNG!

Jugendvertreter, ihr wurdet erst vor kurzem von den Kumpels gewählt (JVW - vgl. S2.5.1972,d.Vf.). Sie haben euch gewählt, weil sie an ihrer Spitze kämpferische Vertreter sehen wollen. Bis jetzt habt ihr jedoch noch nichts gemacht um eure Aufgaben zu erfüllen. Wir fordern euch im Namen aller jungen Kumpels auf: TREFFT VORBEREITUNGEN FÜR KAMPFMASSNAHMEN! BERUFT SOFORT EINE JUGENDVERSAMMLUNG EIN, AUF DER WIR ALLE ÜBER UNSERE FORDERUNGEN UND MASSNAHMEN ZU DEREN DURCHSETZUNG REDEN KÖNNEN! LASST EUCH NICHT VON DEN OBIJOUS UND BUCKS ABWIMMELN UND EINSCHLÄFERN!
Wir vom KJVD machen folgende Vorschläge über die auf der Jugendversammlung diskutiert werden sollte:
EINHEITSFRONT GEGEN LOHNORDNUNG, LOHNDIKTAT UND STILLEGUNGSPLAN!
GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT! WEG MIT DEN ALTERSABSCHLÄGEN!
100% DES ARBEITERLOHNS FÜR ARBEIT IN DER PRODUKTION! 7 DM MEHR PRO SCHICHT GLEICH 150 DM IM MONAT MEHR FÜR ALLE LEHRLINGE! PROZENTUALE ANGLEICHUNG AN DIE FACHARBEITERLÖHNE VON 60% ÜBER TAGE UND 80% UNTER TAGE! DAS HEISST VORWEGANHEBUNG FÜR ALLE LEHRJAHRE AUF 500 DM! WEG MIT DER LOHNORDNUNG! KEINE EINFÜHRUNG DES STUFENPLANS! STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE! 7 STUNDENTAG FÜR ALLE BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH! 6 STUNDENTAG FÜR DIE ARBEITERJUGEND UNTER 18 JAHREN

ALTE UND JUNGE KUMPLES IN EINER FRONT!!!!!!!!!!!!!!!"

Der nächste Artikel ruft auf zur:"
SOLIDARITÄT MIT K. DILLMANN!

Die Empörung der Dortmunder Bevölkerung war groß, als im vergangenen Jahr (vgl. 1.3.1971,d.Vf.) die Fahrpreise im Nahverkehr durch die SPD-Stadtverwaltung von 30 auf Pfg. pro Teilstrecke erhöht wurden! Tausende gingen auf die Straßen, machten ihrem Unmut Luft und kämpften gegen die ungeheure Verteuerung der Tarife. Viele von uns waren mit dabei! Denn das war eindeutig Lohnraub. Heute steht einer der aktivsten Kämpfer unter Anklage vor Gericht wegen Nötigung usw. Aber müßte es denn nicht vielmehr umgekehrt sein? Muß nicht Preistreiberei und Lohnraub angeklagt und verurteilt werden!!! Ist es vielleicht ein Verbrechen sich gegen diesen offenen Lohnraub zu wehren und die Bevölkerung aufzurufen sich an diesem Kampf zu beteiligen?! Keiner von uns wird ja sagen! Aber für die Herren vom SPD-Stadtrat und für die Justiz ist es ein Verbrechen! Für sie ist der Genosse Klaus Dillmann ein 'Angeklagter', weil er sich für die Interessen der Bevölkerung einsetzte. Was hier vor Gericht stehen muß, ist nicht Klaus Dillmann und sein Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen, sondern die Tariferhöhungen und die dafür Verantwortlichen. Aber der Justiz dieses Staates sind solche Leute wie der Genosse Dillmann ein Dorn im Auge. Denn dieser Staat legt keinen Wert auf Kämpfer für die Interessen des Volkes, könnten sie doch die Macht dieses Staates, könnten sie doch die Macht der Monopolherren gefährden und erschüttern. UND DARUM STEHT DER GENOSSE DILLMANN VOR GERICHT!!!!!!!!!
Hinzu kommt noch, daß der Genosse Dillmann an der Seite der KPD/ML für die Befreiung von der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung eintritt! Da ist es für die Justiz natürlich ein 'Festessen' ihn abzuurteilen. Dieser Prozeß bedeutet viel mehr: Er richtet sich gegen alle fortschrittlichen Menschen und besonders gegen die KPD/ML! Er bedeutet eine weitere Verschärfung der Verfolgung von Demokraten und Kommunisten! Dieser Prozeß ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die gegen die Fahrpreiserhöhungen demonstriert und gekämpft haben!
Unterstützen wir den Genossen Klaus Dillmann!
Schluß mit der Verfolgung und Bespitzelung von Kollegen und Genossen!
Freiheit für Klaus Dillmann!
Freiheit für die KPD/ML und den KJVD!
Kumpel, gib auch du deine Unterschrift!
Der Prozeß findet am Mittwoch den 21.6., um 12 Uhr im Saal 105 des Amtsgerichts statt! Vorher am Dienstag den 20.6.1972 machen wir noch eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Prozeß, wo Klaus Dillmann selber anwesend sein wird! Den Ort geben wir euch allen noch bekannt! Füll den untenstehenden Abschnitt aus und gib ihn den Verkäufern und Verteilern!"
In dem Abschnitt kann der Text "Ich unterstütze den Antrag auf Freispruch des Angeklagten Klaus Dillmann!" unterschrieben werden.

Im nächsten Artikel heißt es:"
'UMWELTSCHUTZ'... AUF KOSTEN DER KOLLEGEN!

Hinter den Phoenix-Werken der HOESCH AG (IGM-Bereich,d.Vf.) in Hörde liegt im Ortsteil Schüren die Meinberg-Siedlung. In ihr wohnen viele Kollegen von Phoenix und von der Westfalenhütte. Diese Siedlung gehörte früher der Emscher-Genossenschaft, die sich allerdings nie um die Zustände in der Siedlung gekümmert hat. So griffen die etwa 1 200 Bewohnern, darunter ca. 400 Jugendliche, zur Selbsthilfe und renovierten die alten Wohnungen und Gärten. So wie die Siedlung heute aussieht, wurde sie durch die Arbeit der Kollegen, die dort wohnen. Durch diese gemeinsame Arbeit sind sich die Bewohner sehr nahe gekommen und haben eine große Einigkeit unter sich. Seit 1964 steht direkt neben der Siedlung die amerikanische Firma Heckett. Diese Firma leistet für die HOESCH-Hüttenwerke Entschlackungsarbeiten. Dabei verursacht sie für die Bewohner der Siedlung unzumutbaren Lärm und Schmutz. In etwa 6 Jahren soll die Firma dichtgemacht werden, weil dann große Teile der Dortmunder Stahlproduktion durch die Fusion HOESCH-HOOGOVENS nach Holland (in die Niederlande,d.Vf.) gehen. Die Stadt Dortmund, die von der SPD regiert wird, will sich nun als Umweltschützer aufspielen. Sie schloß einen Vertrag ab mit Heckett und HOESCH und kaufte die Meinberg-Siedlung von der Emscher-Genossenschaft auf! Doch in diesem Vertrag steht nichts davon, daß die Lärm- und Dreckmacher gezwungen werden, mit Rücksicht auf die Siedlung, wirklichen Umweltschutz zu betreiben. Nein, im Gegenteil! Die Stadt Dortmund will die Siedlung abreißen lassen und die Bewohner in teuere Wohnungen, weit entfernt vom Arbeitsplatz der HOESCH-Kollegen verfrachten! Sie besaß sogar die Frechheit in der Presse Umfrageergebnisse zu veröffentlichen, in denen steht, daß die Leute aus der Siedlung mit den Plänen der Stadt einverstanden wären! Kumpels, davon ist kein Wort wahr! Die Bewohner der Meinberg-Siedlung haben eine Riesenwut im Bauch. Sie selbst haben aus der Siedlung das gemacht, was sie heute ist und jetzt sollen sie vertrieben werden.
UMWELTSCHUTZ NICHT AUF KOSTEN DER LUFTVERPESTER SONDERN AUF DEM RÜCKEN DER BEVÖLKERUNG - DAS SIND DIE PLÄNE DER STADT DORTMUND!
Inzwischen ist unter den Kollegen eine breite Kampagne eingeleitet zur Rettung der Siedlung! Denn die Stadt will das Gelände haben, um neue Firmen errichten zu können, von denen sie dann mehr Steuern beziehen kann, als durch die Siedlung! Kumpels, bekunden wir unsere breite Solidarität mit den Bewohnern der Meinberg-Siedlung!

DIE MEINBERG-SIEDLUNG BLEIBT BESTEHEN!"

Zur RAF heißt es:"
ERKLÄRUNG DES KJVD-MINISTER STEIN/HARDENBERG ZU DEN BOMBENANSCHLÄGEN UND ZUR JAGD AUF BAADER/MEINHOF!

Die Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg des KJVD verurteilt die Bombenanschläge der anarchistischen Gruppierung um Baader/Meinhof! Sie dienen keineswegs der Befreiung des westdeutschen Volkes von der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung. Den Sozialismus, den diese Gruppe vorgibt erkämpfen zu wollen, erreicht man nicht, indem man durch die Straßen schleicht und Bomben legt! Der Sozialismus, die Macht der Arbeiter und Bauern, der Jugend und des ganzen Volkes wird einzig und allein von uns allen, vom Volk, von den Massen der Arbeiter und Werktätigen erkämpft. Die Bombenanschläge erreichen aber eins:
DIE VERFOLGUNG UND ABSTEMPELUNG ZU KRIMINELLEN VON ALLEN FORTSCHRITTLICHEN MENSCHEN, BESONDERS ABER DER KOMMUNISTEN DER KPD/ML UND DES KJVD!
Die SPD/FDP Regierung sowie die erzreaktionäre CDU/CSU betonten schon immer, wie notwendig die Verfolgung aller revolutionären Kräfte sei, um die Macht der Monopolherren und ihres Bonner Staates zu erhalten. Heute sind die Bombenanschläge den bürgerlichen Parteien willkommener Anlaß, um unter dem Vorwand der Jagd auf Baader-Meinhof die Polizei bis an die Zähne zu bewaffnen und neue Gesetze gegen den politischen Radikalismus zu erlassen!"
Zitiert wird noch der erste Absatz aus dem Leitartikel des neuen KDAJ Nr.5 (vgl. Juni 1972), für den unter nochmaliger Zitierung des selben Absatzes, so geworben wird:"
Das schreibt der neue KAMPF DER ARBEITERJUGEND!
GEGEN NOTSTANDSPOLITIK UND POLIZEITERROR
RUHE AN DER HEIMATFRONT? OHNE UNS!!!!!!!!!!

Was wollte Nixon in Moskau? Den Frieden?
GEIMDIPLOMATIE GEGEN DIE VÖLKER DER WELT!

Was wollen Bundeswehroffiziere an den Schulen?
Warum müssen die Soldaten Haare lassen?
LEST DEN NEUEN KAMPF DER ARBEITERJUGEND!

OSTVERTRÄGE - KIREG ODER FRIEDEN?

WEITERE ARTIKEL:

DAS FDJ-VERBOT WAR VORBOTE DER WIEDERAUFRÜSTUNG!
INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!
FREIHEIT FÜR JOSE CUMPLIDO!
WESTDEUTSCHE UND TÜRKISCHE ARBEITERJUGEND MUSS ZUSAMMENHALTEN!
IM KAMPF GEGEN DEN AUSSCHLUSSTERROR DES DGB!
LEHRLINGE AN DER WASSERKANTE IM KAMPF GEGEN DEN TARIFVERRAT!
JUGENDVERTRETERWAHL BEI BOSCH REUTLINGEN!
BERLINER JUGENDZENTRUM GEGEN POLIZEITERROR!

Für alle Kumpel besonders wichtig der Artikel des KAMPF DER ARBEITERJUGEND:
NIEDER MIT DER BERGBAUSANIERUNG IM DIENSTE DER REVANCHEPOLITIK
WARUM IST DIE SOWJETUNION GENAUSO IMPERIALISTISCH WIE DIE USA?!
DAS GESICHT DER NATO: KRIEG UND FASCHISMUS!
DIE JUGEND UND DER SOZIALISMUS: ERBAUER EINER NEUEN WELT!

DER KAMPF DER ARBEITERJUGEND
Verkauf: Morgen früh! Bringt 3 Groschen mit!"
Q: Jugend-Rutsche Unser der Sieg - Durch Einheit im Kampf,Dortmund o.J. (Juni 1972)

15.06.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute mittag die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.12 vom 12.6.1972 verkauft werden, für morgens so geworben wurde:"
HALTE HOCH IM KAMPF DIE ROTE FAHNE

KAMPF DEM BONNER NOTSTANDSKURS
Der Hauptartikel der ROTEN FAHNE berichtet über die jüngsten Maßnahmen der SPD-Regierung zur 'inneren Sicherheit'. Die Sprache des Bonner Staates heißt: Gewalt und Unterdrückung. Doch er wird seine Antwort von der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei, der KPD/ML erhalten!

VON DIMITROFF LERNEN
Die ROTE FAHNE gedenkt G. Dimitroffs, eines der großen kommunistischen Führer. Selbst der Gerichtssaal war für diesen Kämpfer eine Tribüne - lernen wir heute von G. Dimitroff und folgen wir seinem Beispiel!

'MENSCHLICHE ERLEICHTERUNGEN' ODER UNTERWANDERUNG?
'Endlich', so jubelt man hüben und drüben, 'gibt es den Verkehrsvertrag' zwischen der BRD und der DDR. Die ROTE FAHNE aber zeigt: Reiseerleichterungen und ähnliches - so begrüßenswert sie für den einzelnen sind - sollen für die räuberischen Imperialisten nur der Köder sein.

WIR SIND STÄRKER GEWORDEN
Lest über die Erfolge fortschrittlicher Kollegen, zweiter Listen und der KPD/ML in DAIMLER UNTERTÜRKHEIM, OPEL RÜSSELSHEIM, SIEMENS GLADBECK UND BLUMENTHAL RECKLINGHAUSEN!

6 000 SAAR-KUMPEL DURCH KRIEGSPOLITIK ARBEITSLOS
Kollegen, dieser Artikel ist die klare Antwort auf die Verherrlichung der 'Verstaatlichung' durch die DKP-Führer. Wie es unseren Kollegen an der Saar geht, die bereits unter dem 'Generalplan II' stehen, geht gerade uns an!

LEHRLINGSSTREIK IN BREMER RÜSTUNGSBETRIEBEN
Die Bremer Lehrlinge haben den Anfang gemacht: vorigen Monat zogen sie durch die Stadt, nachdem sie ihre Arbeitsplätze unter den Parolen: '50 DM sind ein Hohn - wir fordern 100 Mark mehr Lohn!' und 'Streikrecht' für Lehrlinge
(verlassen hatten,d.Vf.)

DIE WAHREN HELDEN SIND DIE MASSEN
Dieser Artikel ist ein weiterer Kommentar zu der Tätigkeit der Anarchisten.

LEST ROTE FAHNE VERKAUF HEUTE MITTAG
SPENDET AUF DAS KONTO ... (M. SCHULTE)

Kollegen, die ROTE FAHEN enthält noch eine Reihe weiterer Artikel. Sie ist in dieser Woche 16 Seiten stark - und kostet weiterhin nur 30 Pfennig! Macht durch euren Kauf die ROTE FAHNE stark!"
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (Juni 1972),S.2

15.06.1972:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' (vgl. 5.6.1972, 17.6.1972) Zeitung der Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD erscheint vermutlich heute früh unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, mit 10 Seiten DIN A 4 und dem Leitartikel "Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!', in dem von der eigenen Veranstaltung am 7.6.1972 berichtet wird.
Eingegangen wird auch auf die angekündigte Belegschaftsversammlung (BV) auf Minister Stein (vgl. 17.6.1972).
Mit der RAF und der Verhaftung von Andreas Baader (vgl. Frankfurt - 1.6.1972) befaßt man sich so:"
DIE BAADER-MEINHOF-GRUPPE
DESPERADOS ODER REVOLUTIONÄRE?

Wer von uns hat nicht neulich das Bild in der Zeitung gesehen: Der nackte Andreas Baader, angeblicher 'Chef' der 'Roten-Armee-Fraktion' oder auch 'Baader-Meinhof-Gruppe' genannt, wird in Frankfurt von mehreren Beamten zum Polizeiwagen geschleift.

Die Jagd nach Baader-Meinhof wurde groß angelegt als sensationelle Schau in Szene gebracht und sollte eine Kommunistenhatz von noch nie dagewesenen Ausmaßen einläuten, ein Klima für den weiteren Abbau der Rechte des Volkes schaffen. Die Mordhetze gegen die RAF und die Inszenierung der Bombenanschläge sollen den Vorwand für die Notstandsdiktatur liefern und der Arbeiterklasse einreden, dies sei ihr Staat. Der Kampf der Anarchisten hat sich niemals gegen die Arbeiterklasse gerichtet, wie man ihr einreden will, sondern gegen die amerikanischen Kriegsverbrecher, die Nazirichter und Volksverhetzer.

Die neue ROTE FAHNE (RF - vgl. 12.6.1972,d.Vf.) schreibt:
'Die sozialdemokratischen Führer, die in ihren Reihen genügend Naziverbrecher wie Schiller und Carlo Schmid haben, und die CDU/CSU wollen die unnützen Taten der RAF und anderer Anarchisten dazu benutzen, ihre konterrevolutionäre, gegen das Volk gerichtete Gewalt, ihren eigenen Terror zu rechtfertigen. Aber das ist schwer. Wenn Bundeswehr, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Polizei Streikbrecher schützen und streikende Arbeiter niederknüppeln, dann wird klar, gegen wen aufgerüstet wird: gegen die Arbeiterklasse, gegen die Volksmassen.'

Kollegen, wir wollen hier Stellung nehmen zum Kampf der Anarchisten. Wir sagen klar: der Weg der Anarchisten ist nicht der Weg der Arbeiterklasse. Doch die Antwort des Bonner Staates - Pogromhetze und Pistolenkugeln – das kann nicht die Antwort der Arbeiterklasse sein!

Der Widerstand der Bevölkerung gegen die Ausplünderung durch die Kapitalisten und ihren Bonner Staat nimmt sprunghaft zu. Nicht nur die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse nimmt zu, sondern auch der Widerstand anderer Schichten der werktätigen Bevölkerung: die Bauern kämpfen gegen die Agrarpolitik der SPD-Regierung, die Schüler und Studenten erkennen immer klarer, daß auch ihr Feind der Bonner Kapitalistenstaat ist, einzelne Leute und kleine Gruppen, die den Kampf gegen diesen Staat aufnehmen wollen, geraten jedoch mit Sicherheit vom revolutionären Weg ab, wenn sie nicht unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei kämpfen, und versacken leicht in Putschismus und Abenteurertum: in Anarchismus - wie uns die Geschichte lehrt.

Die Anarchisten, die auf den ersten Blick am radikalsten und entschlossensten gegen die Kapitalisten und ihre Knechte vorgehen, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als echte Feinde der Arbeiterklasse. Selbst ein Produkt der unversöhnlichen Klassenwidersprüche und so alt wie die Arbeiterbewegung selbst, bleiben sie doch im bürgerlichen Fahrwasser hängen. Die modernen Anarchisten übernehmen ungeprüft die lateinamerikanische Guerrillataktik und behaupten, am entschiedensten die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, da sie ja den bewaffneten Kampf gegen die schlimmsten Feinde der Arbeiterklasse aufgenommen haben.

'Alles für den Einzelnen', das ist ihr oberstes Prinzip. Hieraus ergibt sich
auch ihre Kampfform: wer als einzelner erkannt hat, daß dieser Staat nur
gewaltsam gestürzt werden kann, nun, der muß nach dieser Logik Bomben legen -
was das genaue Gegenteil von REVOLUTIONÄRER Gewalt ist.

Wir Kommunisten haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß dieser Ausbeuterstaat nur gewaltsam gestürzt werden kann. Doch wir sagen klar, daß nicht der Kampf des Einzelnen das Entscheidende ist, sondern der Kampf der Arbeiterklasse und des ganzen werktätigen Volkes. Nicht der Arbeiter Franz Meier steht als Einzelner den Kapitalisten gegenüber und wird von ihnen ausgebeutet, sondern die gesamte Arbeiterklasse und alle Werktätigen. Deshalb kann REVOLUTIONÄRER Kampf nur heißen:
KLASSE GEGEN KLASSE!

Genau das ist die richtige Kampfform, die die Einheit der gesamten Arbeiterklasse und ihr Bündnis mit den anderen unterdrückten Schichten herstellt, die die Arbeiterklasse im täglichen Kampf schult und so letzlich die Mehrheit des ganzen Volkes erfaßt.

Die Anarchisten lassen nur eine Kampfform gelten: den Terror.

Die Arbeiterklasse und ihre kommunistische Partei kennen eine Reihe von revolutionären Kampfformen, sei es das Auftreten in einer Versammlung, der Streik der Kollegen bis hin zum bewaffneten Aufstand der Mehrheit des Volkes gegen ihre Unterdrücker. Unsere Kampfformen richten sich danach, wie stark die Arbeiterklasse und ihre kommunistische Partei ist. Erinnern wir uns, als die Hoescharbeiter in den Septemberstreiks 1969 das Verwaltungsgebäude stürmten oder wie die Chemiearbeiter gewaltsam gegen Streikbrecher vorgingen. DAS war REVOLUTIONÄRE GEWALT, die nicht von einigen isolierten Einzelkämpfern ausging, sondern vom entschlossenen Kampfwillen der Kollegen.

Unser Weg und der Weg der Arbeiterklasse heißt: Aufbau einer starken kommunistischen Partei, die in der Lage ist, die gesamte Arbeiterklasse zusammenzuschließen, im Kampf zu erziehen und das Bündnis mit anderen unterdrückten Schichten herzustellen, um sie so an den bewaffneten Kampf gegen den Bonner Kapitalistenstaat heranzuführen. Dimitroff umriß die Grundsätze kommunistischer Taktik vor den Schranken der Naizgerichte so:
'MASSENARBEIT, MASSENKAMPF, MASSENWIDERSTAND, EINHEITSFRONT, KEINE ABENTEUER - DAS IST DAS ABC DER KOMMUNISTISCHEN TAKTIK.'"

In einem weiteren Artikel heißt es:"
ROTER-PUNKT-AKTIONEN: GENOSSE KLAUS DILLMANN SOLL VON DER KLASSENJUSTIZ ALS 'RÄDELSFÜHRER' ABGEURTEILT WERDEN:

REICHT IHM DIE HAND!

Am 21.Juni 1972 um 12 Uhr findet vor dem Schöffengericht in Dortmund (Gerichtsstr.22, Zimmer 100) ein politischer Prozeß statt, der sich als Strafprozeß tarnen will und das Ziel hat, das DEMONSTRATIONSRECHT EINZUSCHRÄNKEN. Es geht um die Protestaktionen gegen die Erhöhung der Straßenbahnfahrpreise vom März/April 1971 im Ruhrgebiet. Damals hatte Innenminister Weyer (FDP,d.Vf.), inzwischen besonders hervorgetreten durch die Großrazzia Ruhrschiene (vgl. NRW - 13.10.1971,d.Vf.) und seinen Ausspruch 'Die Bevölkerung muß sich an bewaffnete Polizeikontrollen ebenso gewöhnen wie ans Steuerzahlen' (vgl. S7.**.197*,d.Vf.), einfach das Demonstrationsrecht aufgehoben und damit der Polizei die Möglichkeit gegeben, mit Terrormethoden gegen die Demonstranten vorzugehen.

Allein in Dortmund wurden über 500 Menschen festgenommen und z. Teil unter Faustschlägen und Fußtritten erkennungsdienstlich (ED,d.Vf.) behandelt. Diese Maßnahmen sollen in dem Prozeß für rechtens erklärt werden, der Widerstand dagegen zum Gewaltdelikt erklärt werden.

WAS IST DAS 'VERBRECHEN'?

Angeklagt ist ein Angehöriger der KPD/ML, der als 'Rädelsführer' hauptverantwortlich gemacht werden soll für die Schienenblockade, die in Dortmund über 5 Wochen lang täglich durchgeführt wurde. Die Anklage lautet auf Nötigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung, Aufforderung zu strafbaren Handlungen. Als Zeugen treten ausnahmslos Polizisten und Geheimpolizisten gegen ihn auf, die ja in den bisherigen Rote-Punkt-Prozessen vom Gericht als besonders glaubwürdig eingestuft wurden. Als Beweismaterial wird ein Bericht der politischen Polizei (K14,d.Vf.) zugrunde gelegt, in dem es heißt, die Blockaden seien von der KPD/ML angeleitet worden, während sich die DKP darum bemüht habe, die Demonstranten von den Schienen wegzuhalten. NatÜrlich wird in diesem Bericht das Vorgehen der Polizei, insbesondere der Bereitschaftspolizei der Polizeischule Bork, beschönigt. es wird behauptet, vorher seien die Demonstranten vor Übergriffen der Polizei gewarnt worden. Von den brutalen Übergriffen, wie z.B. Wegnahme von Transparenten und roten Fahnen, Verprügeln von Demonstranten und Zuschauern, Einsatz von Spitzeln und zivilen Greiftrupps, kein Wort.

Das Gericht maßt sich hier ein Urteil über die Dortmunder Bevölkerung an und will einen Einzelnen stellvertretend zu Gefängnis verurteilen. Das heißt doch nichts anderes, als daß in diesem Prozeß die berechtigten Aktionen der Bevölkerung als Verbrechen verurteilt werden. Und das im Namen des Volkes!

Hier zeigt sich wieder einmal, daß die Justiz mit ihren Gerichten nicht Recht für die Arbeiterklasse und die werktätige Bevölkerung spricht, sondern das Recht der Ausbeuterklasse, das Volk auszubeuten, mit allen Mitteln verteidigt.

DIE WAHREN FEINDE DES VOLKES

Verurteilt wird nicht etwa der Monopolbetrieb Öffentlicher Nahverkehr, der tatsächlich die Fahr'gäste' zu erhöhten Preisen genötigt hat. Verurteilt wird nicht etwa der SPD-Stadtrat Samtlebe, der die volksfeindlichen Maßnahmen beschlossen hat, und damit den Widerstand herausgefordert hat. Verurteilt wird nicht SPD-Sondermann, der die Bereitschaftspolizei einsetzte und, als er deswegen kritisiert wurde, heuchlerisch erklärte: 'Der Ältestenrat wünscht keine Eskalation der Gewalt. Er lehnt es allerdings auch ab, der Polizei Vorschriften zu machen, mit welchen Mitteln sie ihren Einsatz durchführt', und der damit der Polizei ausdrücklich freie Hand gab. Angeklagt wird erst recht nicht die SPD/FDP-Landesregierung, deren Minister Weyer sich zynisch über die Empörung des Volkes hinwegsetzte und die SPD-Stadträte ermutigte, gewaltsam den Protest zu zerschlagen, denn sie dürften jeder Unterstützung durch das Land gewiß sein. Angeklagt also werden nicht diejenigen, die die Bevölkerung ausplündern und gewaltsam unterdrücken.

Kollegen, auf die Anklagebank gehören die profitgierigen Monopolkapitalisten. Auf die Anklagebank gehören die sogenannten Volksvertreter, die bestochen und gekauft sich nicht scheuen, den ganzen kapitalistischen Machtapparat gegen das aufbegehrende Volk einzusetzen, die sich auch nicht scheuen werden, den Kampf in der Bergbautarifrunde mit Gewalt abzuwürgen. (...) Und auf die Anklagebank gehören auch Leute wie Obijou, Wenzelmann und Konsorten, die der Kampfbereitschaft der Kumpel gegen die Fahrpreiserhöhungen in den Rücken gefallen sind. Erinnern wir uns nur an die Protestnote auf der Belegschaftsversammlung (BV - vgl. März 1971,d.Vf.) an den SPD-Stadtrat.

SOLIDARITÄT MIT KLAUS DILLMANN

In diesem Prozeß soll jemand, der täglich zu den anwesenden Demonstranten und Zuschauern gesprochen hat, der sich in Diskussionen und Taten im Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen hervorgetan hat, zum Gewaltverbrecher erklärt werden. So versucht die herrschende Klasse jede demokratische Regung zu unterdrücken. Mit Hilfe ihrer Klassenjustiz wollen sie vor allen Dingen die Führer der Bewegungen vernichten.

Kollegen, angeklagt und getroffen in diesem Prozeß ist nicht nur der Genosse Klaus Dillmann, sondern die gesamte Dortmunder Bevölkerung, besonders die, die sich im Kampf damals aktiv beteiligt haben. Lassen wir deshalb jetzt den Genossen Dillmann nicht allein. Setzen wir der Klassenjustiz unsere Solidarität entgegen.

Macht mit uns den Gerichtssaal zur Tribüne des Klassenkampfes; zeigt dem Gericht, daß es nicht im Namen des Volkes sprechen kann; kämpft mit uns um das demokratische Recht zu demonstrieren! Zwingen wir das Gericht, Farbe zu bekennen!

Freispruch für Klaus Dillmann!"

Angekündigt wird eine Rede Dillmanns vor den Toren (vgl. 20.6.1972). Berichtet wird auch von den 'Blauen Briefen' auf Essener Zechen (vgl. 29.5.1972) als Folge der neuen RAG-Sanierung (vgl. 30.5.1972).

Geworben wird für den neuen Dortmunder Buchladen der KPD/ML-ZB (vgl. 1.6.1972) und für den heutigen Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB.
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (Juni 1972)

15.06.1972:
Eine Ausgabe der 'Rutsche' (vgl. 5.6.1972, 16.6.1972) Zeitung der Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD erscheint vermutlich heute früh unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, mit 10 Seiten DIN A 4 und dem Leitartikel "Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!', in dem von der eigenen Veranstaltung am 7.6.1972 berichtet wird.
Eingegangen wird auch auf die angekündigte Belegschaftsversammlung (BV) auf Minister Stein (vgl. 17.6.1972).
Mit der RAF und der Verhaftung von Andreas Baader (vgl. Frankfurt - 1.6.1972) befaßt man sich so:"
DIE BAADER-MEINHOF-GRUPPE
DESPERADOS ODER REVOLUTIONÄRE?

Wer von uns hat nicht neulich das Bild in der Zeitung gesehen: Der nackte Andreas Baader, angeblicher 'Chef' der 'Roten-Armee-Fraktion' oder auch 'Baader-Meinhof-Gruppe' genannt, wird in Frankfurt von mehreren Beamten zum Polizeiwagen geschleift.

Die Jagd nach Baader-Meinhof wurde groß angelegt als sensationelle Schau in Szene gebracht und sollte eine Kommunistenhatz von noch nie dagewesenen Ausmaßen einläuten, ein Klima für den weiteren Abbau der Rechte des Volkes schaffen. Die Mordhetze gegen die RAF und die Inszenierung der Bombenanschläge sollen den Vorwand für die Notstandsdiktatur liefern und der Arbeiterklasse einreden, dies sei ihr Staat. Der Kampf der Anarchisten hat sich niemals gegen die Arbeiterklasse gerichtet, wie man ihr einreden will, sondern gegen die amerikanischen Kriegsverbrecher, die Nazirichter und Volksverhetzer.

Die neue ROTE FAHNE (RF - vgl. 12.6.1972,d.Vf.) schreibt:
'Die sozialdemokratischen Führer, die in ihren Reihen genügend Naziverbrecher wie Schiller und Carlo Schmid haben, und die CDU/CSU wollen die unnützen Taten der RAF und anderer Anarchisten dazu benutzen, ihre konterrevolutionäre, gegen das Volk gerichtete Gewalt, ihren eigenen Terror zu rechtfertigen. Aber das ist schwer. Wenn Bundeswehr, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Polizei Streikbrecher schützen und streikende Arbeiter niederknüppeln, dann wird klar, gegen wen aufgerüstet wird: gegen die Arbeiterklasse, gegen die Volksmassen.'

Kollegen, wir wollen hier Stellung nehmen zum Kampf der Anarchisten. Wir sagen klar: der Weg der Anarchisten ist nicht der Weg der Arbeiterklasse. Doch die Antwort des Bonner Staates - Pogromhetze und Pistolenkugeln – das kann nicht die Antwort der Arbeiterklasse sein!

Der Widerstand der Bevölkerung gegen die Ausplünderung durch die Kapitalisten und ihren Bonner Staat nimmt sprunghaft zu. Nicht nur die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse nimmt zu, sondern auch der Widerstand anderer Schichten der werktätigen Bevölkerung: die Bauern kämpfen gegen die Agrarpolitik der SPD-Regierung, die Schüler und Studenten erkennen immer klarer, daß auch ihr Feind der Bonner Kapitalistenstaat ist, einzelne Leute und kleine Gruppen, die den Kampf gegen diesen Staat aufnehmen wollen, geraten jedoch mit Sicherheit vom revolutionären Weg ab, wenn sie nicht unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei kämpfen, und versacken leicht in Putschismus und Abenteurertum: in Anarchismus - wie uns die Geschichte lehrt.

Die Anarchisten, die auf den ersten Blick am radikalsten und entschlossensten gegen die Kapitalisten und ihre Knechte vorgehen, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als echte Feinde der Arbeiterklasse. Selbst ein Produkt der unversöhnlichen Klassenwidersprüche und so alt wie die Arbeiterbewegung selbst, bleiben sie doch im bürgerlichen Fahrwasser hängen. Die modernen Anarchisten übernehmen ungeprüft die lateinamerikanische Guerillataktik und behaupten, am entschiedensten die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, da sie ja den bewaffneten Kampf gegen die schlimmsten Feinde der Arbeiterklasse aufgenommen haben.

'Alles für den Einzelnen', das ist ihr oberstes Prinzip. Hieraus ergibt sich
auch ihre Kampfform: wer als einzelner erkannt hat, daß dieser Staat nur
gewaltsam gestürzt werden kann, nun, der muß nach dieser Logik Bomben legen -
was das genaue Gegenteil von REVOLUTIONÄRER Gewalt ist.

Wir Kommunisten haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß dieser Ausbeuterstaat nur gewaltsam gestürzt werden kann. Doch wir sagen klar, daß nicht der Kampf des Einzelnen das Entscheidende ist, sondern der Kampf der Arbeiterklasse und des ganzen werktätigen Volkes. Nicht der Arbeiter Franz Meier steht als Einzelner den Kapitalisten gegenüber und wird von ihnen ausgebeutet, sondern die gesamte Arbeiterklasse und alle Werktätigen. Deshalb kann REVOLUTIONÄRER Kampf nur heißen:
KLASSE GEGEN KLASSE!

Genau das ist die richtige Kampfform, die die Einheit der gesamten Arbeiterklasse und ihr Bündnis mit den anderen unterdrückten Schichten herstellt, die die Arbeiterklasse im täglichen Kampf schult und so letztlich die Mehrheit des ganzen Volkes erfaßt.

Die Anarchisten lassen nur eine Kampfform gelten: den Terror.

Die Arbeiterklasse und ihre kommunistische Partei kennen eine Reihe von revolutionären Kampfformen, sei es das Auftreten in einer Versammlung, der Streik der Kollegen bis hin zum bewaffneten Aufstand der Mehrheit des Volkes gegen ihre Unterdrücker. Unsere Kampfformen richten sich danach, wie stark die Arbeiterklasse und ihre kommunistische Partei ist. Erinnern wir uns, als die Hoescharbeiter in den Septemberstreiks 1969 das Verwaltungsgebäude stürmten oder wie die Chemiearbeiter gewaltsam gegen Streikbrecher vorgingen. DAS war REVOLUTIONÄRE GEWALT, die nicht von einigen isolierten Einzelkämpfern ausging, sondern vom entschlossenen Kampfwillen der Kollegen.

Unser Weg und der Weg der Arbeiterklasse heißt: Aufbau einer starken kommunistischen Partei, die in der Lage ist, die gesamte Arbeiterklasse zusammenzuschließen, im Kampf zu erziehen und das Bündnis mit anderen unterdrückten Schichten herzustellen, um sie so an den bewaffneten Kampf gegen den Bonner Kapitalistenstaat heranzuführen. Dimitroff umriß die Grundsätze kommunistischer Taktik vor den Schranken der Naizgerichte so:
'MASSENARBEIT, MASSENKAMPF, MASSENWIDERSTAND, EINHEITSFRONT, KEINE ABENTEUER - DAS IST DAS ABC DER KOMMUNISTISCHEN TAKTIK.'"

In einem weiteren Artikel heißt es:"
ROTER-PUNKT-AKTIONEN: GENOSSE KLAUS DILLMANN SOLL VON DER KLASSENJUSTIZ ALS 'RÄDELSFÜHRER' ABGEURTEILT WERDEN:

REICHT IHM DIE HAND!

Am 21.Juni 1972 um 12 Uhr findet vor dem Schöffengericht in Dortmund (Gerichtsstr.22, Zimmer 100) ein politischer Prozeß statt, der sich als Strafprozeß tarnen will und das Ziel hat, das DEMONSTRATIONSRECHT EINZUSCHRÄNKEN. Es geht um die Protestaktionen gegen die Erhöhung der Straßenbahnfahrpreise vom März/April 1971 im Ruhrgebiet. Damals hatte Innenminister Weyer (FDP,d.Vf.), inzwischen besonders hervorgetreten durch die Großrazzia Ruhrschiene (vgl. NRW - 13.10.1971,d.Vf.) und seinen Ausspruch 'Die Bevölkerung muß sich an bewaffnete Polizeikontrollen ebenso gewöhnen wie ans Steuerzahlen' (vgl. S7.**.197*,d.Vf.), einfach das Demonstrationsrecht aufgehoben und damit der Polizei die Möglichkeit gegeben, mit Terrormethoden gegen die Demonstranten vorzugehen.

Allein in Dortmund wurden über 500 Menschen festgenommen und z. Teil unter Faustschlägen und Fußtritten erkennungsdienstlich (ED,d.Vf.) behandelt. Diese Maßnahmen sollen in dem Prozeß für rechtens erklärt werden, der Widerstand dagegen zum Gewaltdelikt erklärt werden.

WAS IST DAS 'VERBRECHEN'?

Angeklagt ist ein Angehöriger der KPD/ML, der als 'Rädelsführer' hauptverantwortlich gemacht werden soll für die Schienenblockade, die in Dortmund über 5 Wochen lang täglich durchgeführt wurde. Die Anklage lautet auf Nötigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung, Aufforderung zu strafbaren Handlungen. Als Zeugen treten ausnahmslos Polizisten und Geheimpolizisten gegen ihn auf, die ja in den bisherigen Rote-Punkt-Prozessen vom Gericht als besonders glaubwürdig eingestuft wurden. Als Beweismaterial wird ein Bericht der politischen Polizei (K14,d.Vf.) zugrunde gelegt, in dem es heißt, die Blockaden seien von der KPD/ML angeleitet worden, während sich die DKP darum bemüht habe, die Demonstranten von den Schienen wegzuhalten. Natürlich wird in diesem Bericht das Vorgehen der Polizei, insbesondere der Bereitschaftspolizei der Polizeischule Bork, beschönigt. es wird behauptet, vorher seien die Demonstranten vor Übergriffen der Polizei gewarnt worden. Von den brutalen Übergriffen, wie z.B. Wegnahme von Transparenten und roten Fahnen, Verprügeln von Demonstranten und Zuschauern, Einsatz von Spitzeln und zivilen Greiftrupps, kein Wort.

Das Gericht maßt sich hier ein Urteil über die Dortmunder Bevölkerung an und will einen Einzelnen stellvertretend zu Gefängnis verurteilen. Das heißt doch nichts anderes, als daß in diesem Prozeß die berechtigten Aktionen der Bevölkerung als Verbrechen verurteilt werden. Und das im Namen des Volkes!

Hier zeigt sich wieder einmal, daß die Justiz mit ihren Gerichten nicht Recht für die Arbeiterklasse und die werktätige Bevölkerung spricht, sondern das Recht der Ausbeuterklasse, das Volk auszubeuten, mit allen Mitteln verteidigt.

DIE WAHREN FEINDE DES VOLKES

Verurteilt wird nicht etwa der Monopolbetrieb Öffentlicher Nahverkehr, der tatsächlich die Fahr'gäste' zu erhöhten Preisen genötigt hat. Verurteilt wird nicht etwa der SPD-Stadtrat Samtlebe, der die volksfeindlichen Maßnahmen beschlossen hat, und damit den Widerstand herausgefordert hat. Verurteilt wird nicht SPD-Sondermann, der die Bereitschaftspolizei einsetzte und, als er deswegen kritisiert wurde, heuchlerisch erklärte: 'Der Ältestenrat wünscht keine Eskalation der Gewalt. Er lehnt es allerdings auch ab, der Polizei Vorschriften zu machen, mit welchen Mitteln sie ihren Einsatz durchführt', und der damit der Polizei ausdrücklich freie Hand gab. Angeklagt wird erst recht nicht die SPD/FDP-Landesregierung, deren Minister Weyer sich zynisch über die Empörung des Volkes hinwegsetzte und die SPD-Stadträte ermutigte, gewaltsam den Protest zu zerschlagen, denn sie dürften jeder Unterstützung durch das Land gewiß sein. Angeklagt also werden nicht diejenigen, die die Bevölkerung ausplündern und gewaltsam unterdrücken.

Kollegen, auf die Anklagebank gehören die profitgierigen Monopolkapitalisten. Auf die Anklagebank gehören die sogenannten Volksvertreter, die bestochen und gekauft sich nicht scheuen, den ganzen kapitalistischen Machtapparat gegen das aufbegehrende Volk einzusetzen, die sich auch nicht scheuen werden, den Kampf in der Bergbautarifrunde mit Gewalt abzuwürgen. (…) Und auf die Anklagebank gehören auch Leute wie Obijou, Wenzelmann und Konsorten, die der Kampfbereitschaft der Kumpel gegen die Fahrpreiserhöhungen in den Rücken gefallen sind. Erinnern wir uns nur an die Protestnote auf der Belegschaftsversammlung (BV - vgl. März 1971,d.Vf.) an den SPD-Stadtrat.

SOLIDARITÄT MIT KLAUS DILLMANN

In diesem Prozeß soll jemand, der täglich zu den anwesenden Demonstranten und Zuschauern gesprochen hat, der sich in Diskussionen und Taten im Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen hervorgetan hat, zum Gewaltverbrecher erklärt werden. So versucht die herrschende Klasse jede demokratische Regung zu unterdrücken. Mit Hilfe ihrer Klassenjustiz wollen sie vor allen Dingen die Führer der Bewegungen vernichten.

Kollegen, angeklagt und getroffen in diesem Prozeß ist nicht nur der Genosse Klaus Dillmann, sondern die gesamte Dortmunder Bevölkerung, besonders die, die sich im Kampf damals aktiv beteiligt haben. Lassen wir deshalb jetzt den Genossen Dillmann nicht allein. Setzen wir der Klassenjustiz unsere Solidarität entgegen.

Macht mit uns den Gerichtssaal zur Tribüne des Klassenkampfes; zeigt dem Gericht, daß es nicht im Namen des Volkes sprechen kann; kämpft mit uns um das demokratische Recht zu demonstrieren! Zwingen wir das Gericht, Farbe zu bekennen!

Freispruch für Klaus Dillmann!"

Angekündigt wird eine Rede Dillmanns vor den Toren (vgl. 20.6.1972). Berichtet wird auch von den 'Blauen Briefen' auf Essener Zechen (vgl. 29.5.1972) als Folge der neuen RAG-Sanierung (vgl. 30.5.1972).

Geworben wird für den neuen Dortmunder Buchladen der KPD/ML-ZB (vgl. 1.6.1972) und für den heutigen Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB.
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!', Dortmund o.J. (Juni 1972)

16.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt eine 'Rutsche' (vgl. 15.6.1972, 17.6.1972) mit 2 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus unter der Schlagzeile: "Belegschaftsversammlung abgesetzt?!".
Q: Rutsche Belegschaftsversammlung abgesetzt?!, Dortmund o.J. (Juni 1972)

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17.06.1972:
Laut KPD/ML-ZB sollte eine Belegschaftsversammlung (BV) auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg in Dortmund stattfinden, die aber abgesetzt wird, um den 'Lohnbetrug' nicht zu gefährden. Dort soll es darum gehen, die Forderungen für die kommende Tarifrunde (BETR) auf den Tisch zu bringen. Diese sind für die KPD/ML-ZB:
- Keine Schlichtung!
- Sofortige Urabstimmung!
- Gegen die verräterische 9% Forderung,
- Streik für 7 DM mehr auf den Effektivlohn!
Aufgerufen wird auch:"
MACHEN WIR DIE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG ZU UNSEREM KAMPFFORUM!"
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!', Urabstimmung keine Schlichtung! und Kumpelfront,Dortmund o.J. (Juni 1972), o.J. (17.6.1972) bzw. o.J. (Juli 1972),S.1, S.1 bzw. S.2

17.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt eine 'Rutsche' (vgl. 16.6.1972, 19.6.1972) mit 2 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
URABSTIMMUNG
KEINE SCHLICHTUNG!

Kollegen von Minister Stein und Hardenberg!

Das sind die neuesten Tatsachen:
- Der Betriebsrat hat die für heute angesetzte Belegschaftsversammlung (BV,d.Vf.) abgeblasen, nachdem ihm - bereits vor einigen Tagen – mitgeteilt wurde, daß der IGBE-Hauptvorstand am Freitag (vgl. 16.6.1972) vermutlich die Urabstimmung beschließen würde.

- Und in der Tat: 'Urabstimmung' lautete der Beschluß der IGBE-Führer, und Schmidt: 'Noch nie war ein Streik so nahe.' Heute, einen Tag später, lassen sich diese 'radikalen' Herren auf keiner Belegschaftsversammlung sehen, trommeln nirgendwo die Kumpel zusammen. Nein - sie statten Minister Figgen einen Besuch ab. Figgen, der 1970 die Forderungen der Stahlarbeiter mit Unterstützung der IG Metall-Führer vom Tisch geschlichtet hatte, will sein Können erneut beweisen. Was der Zweck dieses Treffens ist, verriet Niggemeier, Herausgeber der IGBE-Zeitung 'Einheit': Sollten sich die Tarifparteien morgen bei Figgen einig werden, wird die Urabstimmung abgeblasen! Der nebenstehende Zeitungsausschnitt von Freitag (aus der '***' - vgl. NRW 16.6.1972) zeigt, welches abgekartete Spiel hier von Anfang an geplant ist. Schon jetzt weiß die Presse, wie es nach Vorstellung von Schmidt und Gelhorn und nach Wunsch von RAG-Bossen und Figgen laufen soll!

Vorne zeigen die IGBE-Bonzen die Fäuste, reden von Streik und Urabstimmung. Hintenherum versuchen sie gerade dies zu verhindern. Der Kumpel soll von ihnen zum Spielball gemacht werden, er soll betrogen werden, und dann auch noch Ja und Amen sagen! Nicht Streik, sondern Schlichtung ist ihr Zauberwort!

KOLLEGEN, WENN ES DOCH ZUM STREIK KOMMT - DANN NUR DURCH EUCH!

Auf allen Zechen stehen die Kumpel bereit zum Streik - nun heißt es: keinen Schritt zurück, sondern: Kampf!
Und das heißt:
SCHLUSS MIT DEN VERHANDLUNGEN!
SCHLUSS MIT DEM SCHLICHTUNGSBETRUG!
WIR FORDERN URABSTIMMUNG!

Aber wir dürfen nicht abwarten. Die räuberischen Stahlbosse hamstern jetzt schon eifrig Kohle von den Halden, wie der Zeitungsausschnitt zeigt. Zum erfolgreichen Streik gehört eine starke Führung! Wir brauchen schon heute - nicht erst, wenn es zu spät ist - eine STREIKLEITUNG, die den Kampf führen und organisieren kann. Die sich nicht auf Schlichtungen und Verhandlungen einläßt, die Halden und Schächte bewachen läßt und die Kumpel aller Ruhrzechen zur unüberwindlichen Arbeitermacht zusammenschließt. Deshalb: die besten und aktivsten Kumpel in die Streikleitung!

WAHL EINER STREIKLEITUNG!

Wir fordern weiter: auch die Lehrlinge in eine Kampffront mit den älteren Kollegen!

URABSTIMMUNG AUCH FÜR LEHRLINGE!

Kollegen, jetzt wird sich zeigen, wie einig und geschlossen wir sein können! Jetzt müssen auch die oppositionellen Betriebsräte beweisen, daß sie auf der Seite der Kumpel stehen, denn deshalb wurden sie ja gewählt.

Die KPD/ML steht fest auf der seite der Kollegen. An vorderster Front wird sie im Kampf stehen und ihm jede Unterstützung gewähren!

WIR SIND BEREIT ZUM STREIK!"
Q: Rutsche Urabstimmung keine Schlichtung!,Dortmund o.J. (17.6.1972)

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18.06.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein Dortmund verfaßt der Gewerkschaftliche Arbeitskreis heute das folgende zweiseitige Flugblatt zur Bergbautarifrunde (BETR), welches unter eigener Verantwortung verbreitet wird:"
AUFRUF EINER GRUPPE GEWERKSCHAFTLER VON MINISTER STEIN
WIR SIND BEREIT !!

KOLLEGEN,

Heute hat der Hauptvorstand der IGBE beschlossen, die für Dienstag geplante Urabstimmung zu verschieben. Im Einvernehmen mit der Landesregierung und der RAG will man in der kommenden Woche zu einem Schlichtungsergebnis kommen. Und von den Worten Schmidts: 'Keine Tonne aus dem Schacht. Kein Kilo von der Halde' bleibt nichts mehr übrig. Jetzt ist Herr Schmidt nur noch der 'zivilisierte Mitteleuropäer', wie er sich am Freitag im Fernsehen bezeichnete.

Kollegen, die Sache stinkt zum Himmel. Genau wie in den letzten Tarifrunden versucht der IGBE-Hauptvorstand uns übers Ohr zu hauen und unsere Forderungen unter den grünen Verhandlungstisch fallen zu lassen.

Kollegen, der Bergmann sinkt bei schwerer werdenden Arbeitsbedingungen immer tiefer in der Lohnskala. Als Beispiel wäre ein Streb im Flöz Dickebank zu nennen, wo bei Verringerung der Belegschaft die Arbeitsleistung so weit gesteigert worden ist, daß sie jetzt 50% über der Solleistung liegt, wobei der Lohn der Kumpel sich nur um Pfennige erhöhte. Oder nehmen wir Flöz Finefrau, wo bei 34 Grad noch Schwerstarbeit geleistet wird. Jeder von uns kann bestimmt noch zig Beispiele anfügen!

Dieser Entwicklung müssen wir Einhalt gebieten, sonst nagen wir bei den ständig steigenden Preisen am Hungertuch.

Kollegen,

aus diesem Grund haben wir - eine Gruppe Gewerkschaftler von Minister Stein uns heute am Sonntag zusammengesetzt und Möglichkeiten diskutiert, wie wir in dieser Tarifrunde zu unserem Recht kommen.

Wir meinen, daß die Forderung des IGBE-Hauptvorstandes nach einer Lohnerhöhung um 9% auf den Tariflohn (Lohngruppe) in keinem Verhältnis zu unserer Arbeitsleistung und den ständig ansteigenden Preisen entspricht. Zumal man sich ausrechnen kann, daß die tatsächliche Lohnerhöhung auf unserem Lohnstreifen nur 2 - 3 % beträgt.

Unsere Forderung muß lauten:
LINEARE ERHÖHUNG DER LÖHNE UND GEHÄLTER
7 DM MEHR PRO SCHICHT FÜR ALLE ARBEITER AUF DEN EFFEKTIVLOHN!
150 DM MEHR PRO MONAT FÜR ANGESTELLTE UND LEHRLINGE!
30 ARBEITSTAGE TARIFURLAUB!
7-STUNDENSCHICHT BEI 26 GRAD!
VERDOPPELUNG DER BERGMANNSPRÄMIE AUF 5 DM!
ERHÖHUNG DER NACHTSCHICHTZULAGE AUF 8 DM!
GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!

Kollegen, nur diese Forderungen entsprechen einer tatsächlichen Verbesserung unserer Lage.

Für diese Forderungen, so meinen wir, müssen wir in den Kampf treten.

URABSTIMMUNG NOCH IN DIESER WOCHE!
STREIK UNTER FÜHRUNG EINER VON DER BELEGSCHAFT GEWÄHLTEN STREIKLEITUNG!
KEINE TONNE KOHLE AUS DEM SCHACHT! KEIN KILO VON DER HALDE!

Kollegen, obwohl wir zum größtenteil gewerkschaftlich organisiert sind, macht es uns die Gewerkschaftsführung unmöglich gemeinsam unsere Forderungen aufzustellen. Wir werden stattdessen von ihr regelrecht bevormundet und in die Pfanne gehauen, wie im letzten Jahr.

Wir sind bis jetzt noch zu wenig. Um endlich unsere Sache selbst in die Hand zu nehmen, müssen wir Gewerkschaftler uns zusammentun. Einigkeit macht stark!

Schaffen wir diese Einigkeit auf einer Versammlung" (vgl. 21.6.1972).
Q: Gewerkschaftlicher Arbeitskreis:Wir sind bereit !!,o.O. (Dortmund) o.J. (Juni 1972)

18.06.1972:
Vermutlich heute erscheint das Flugblatt "Wir sind bereit!" der KPD/ML-ZB zur Bergbautarifrunde (BETR). Dies geschieht vermutlich u.a. auf den Zechen Prosper Bottrop, Hannover/Hannibal Bochum, Ewald Herten, Minister Stein Dortmund, General Blumenthal Recklinghausen, Westerholt Polsum und Holland Wattenscheid (heute Bochum).
Q: KPD/ML-ZB: Wir sind bereit!, Bochum o.J. (1972)

19.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt das heutige 'Extrablatt der RAG-Betriebsgruppen der KPD/ML' unter dem Kopf ihrer 'Rutsche' (vgl. 17.6.1972, 26.6.1972) heraus.
Q: Rutsche Jetzt reicht's - Urabstimmung und Streik!,Dortmund o.J. (19.6.1972)

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19.06.1972:
Laut KPD/ML-ZB haben ihre Ruhrbergbaubetriebsgruppen vor allen Zechen im Ruhrgebiet ein 'Extrablatt der RAG-Betriebsgruppen der KPD/ML' mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, verteilt, welches den Aufruf des Landessekretariat (LSEK) der KPD/ML-ZB enthält:"
JETZT REICHTS!
URABSTIMMUNG UND STREIK!
WIR LASSEN UNS NICHTS VERBIETEN!

Kumpels!
KEINE KOHLE AUS DEM SCHACHT, KEINE KOHLE VON DER HALDE Das war und ist unsere Parole im Kampf zur Durchsetzung unserer Forderungen. Auch der IGBE-Vorsitzende Schmidt führte diese Parole im Mund. Bis gestern mittag!
Und jetzt?
IGBE-HAUPTVORSTAND SETZT URABSTIMMUNG AB!
Stattdessen sitzen sie mit den Herren der Regierung und der RAG hinter verschlossenen Türen und schlichten unsere Forderungen herunter. Das sind die Taten der IGBE-Führer. Sie wollen unter allen Umständen einen Streik auf den Zechen verhindern.

Zur gleichen Zeit werden in Bonn in fieberhafter Eile Gesetze durchgepeitscht (vgl. 22.6.1972,d.Vf.), die wie z.B. das Bundesgrenzschutz den bewaffneten Einsatz dieser Truppe gegen Streiks möglich machen (Lest dazu das ROTE FAHNE Extrablatt (vgl. 19.6.1972,d.Vf.) und unsere Dokumentation (vgl. Bergbau NRW - 24.5.1972,d.Vf.)!)

Verbot der Urabstimmung - Streikverbot - politische Schlichtung - Gesetze zur bewaffneten Niederschlagung von Streiks, diese Kette müssen wir durchbrechen! Wir machen diesen Herren einen Strich durch die Rechnung! Wir sind stark genug! Wir führen die Urabstimmung selber durch!
MORGEN URABSTIMMUNG TROTZ ALLEDEM!

So sieht der Stimmzettel aus:
Ich bin für Streik ja nein

SO WERDEN WIR MORGEN DIE URABSTIMMUNG DURCHFÜHREN.
DIE ANTWORT IST: JA ZUM STREIK

Kumpels!
Diese Urabstimmung muß noch einmal den Beweis liefern: Wir sind bereit zum Streik!
Diese Urabstimmung ist der erste Schritt. Ist sie erfolgreich, so werden wir noch morgen mittag einen Sternmarsch nach Düsseldorf organisieren. Dort werden wir den IGBE-Führern bei ihrer politischen Schlichtung mit der Regierung und den Zechenherren das Ergebnis auf den Tisch knallen. Schluß mit der politischen Schlichtung! Wir wollen Geld und keine Almosen - keine Pfennige, sondern 7 DM pro Schicht!

Kumpels!
Jetzt kommt es auf jeden an! Gemeinsam werden wir siegen!
DIE SOLIDARITÄT DER BERGARBEITER IST STÄRKER ALS DER VERRAT DER IGBE-FÜHRER!

Die KPD/ML wird die Urabstimmung an folgenden Schachtanlagen durchführen: Minister Stein, Hansa, Hannover-Hannibal, General Blumenthal, Ewald, Westerholt, Holland und Prosper."

Ob das Flugblatt wirklich vor allen Zechen verteilt wurde ist zweifelhaft, zumindest dürfte dies aber geschehen sein bei den Zechen Prosper Bottrop, Hannover/Hannibal Bochum, Ewald Herten, Minister Stein/Hardenberg und Hansa Dortmund, General Blumenthal Recklinghausen, Westerholt Polsum und Holland Wattenscheid (heute Bochum).

Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund erscheint dieses Extrablatt unter dem Kopf der 'Rutsche'.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.42,Bochum 21.6.1972;
Extrablatt der RAG-Betriebsgruppe der KPD/ML Jetzt reicht's - Urabstimmung und Streik!,Bochum o.J. (19.6.1972)

20.06.1972:
Laut KJVD JBG Minister Stein/Hardenberg Dortmund (IGBE-Bereich - vgl. 12.6.1972) soll heute eine Veranstaltung gegen den morgigen Roter-Punkt-Prozeß gegen Klaus Dillmann stattfinden.
Q: Jugend-Rutsche Unser der Sieg - Durch Einheit im Kampf,Dortmund o.J. (Juni 1972),S.3

20.06.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund stimmen bei der von der KPD/ML-ZB durchgeführten Urabstimmung über Streik in der Bergbautarifrunde (BETR), nach eigenen Angaben, in der Frühschicht 105 für Streik und niemand dagegen.

Abends sollen Versammlungen stattfinden.

Die Betriebsgruppe Minister Stein von KPD/ML-ZB und KJVD berichtet im Zusammenhang mit Verkaufsbehinderungen der 'Roten Fahne' vor Hardenberg (vgl. 29.6.1972):"
Auch als die Gewerkschaftsführer die Urabstimmung wieder absetzten, war die Polizei zur Stelle, um teils durch offene Gewalt, teils durch Bespitzelungen und Provokationen, das Bemühen der Partei und der Kumpelschaft, eine Streikfront zu organisieren, zu behindern. Aber das alles konnte die Kumpel nicht hindern, ihre Stimme für den Streik abzugeben. Eine Stimme für den Kampf um mehr Lohn, mehr gewerkschaftliche Demokratie, gegen Zechensterben und Lohnabbau."

Vom Polizeieinsatz und den Folgen berichtet auch die Jugendbetriebsgruppe (JBG) des KJVD (vgl. 24.7.1972) sowie die KPD/ML-ZB selbst (vgl. 12.7.1972).
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Weiter so!,o.O. o.J. (20.6.1972),S.1;
Rutsche Das Gesicht des Bonner Staates!, Kumpelfront und Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (1972), o.J. (Juli 1972) bzw. o.J. (Okt. 1972),S.1, S.5 bzw. S.5;
Jugend-Rutsche Bundeswehrwerber in Betrieb und Schulen - Raus!,Dortmund o.J. (Juli 1972),S.7f

20.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB kündigte zum Roter-Punkt-Prozeß gegen Klaus Dillmann (vgl. 21.6.1972) an:"
Kollegen, am Dienstag, 20.6.1972 um 14 Uhr 15 - 14 Uhr 30 spricht Klaus Dillmann vor dem Haupttor und vor Hardenberg über seinen politischen Prozeß zu euch. Gleichzeitig werden Unterschriften für seinen Freispruch gesammelt.

HÖRT DEN GENOSSEN DILLMANN! GEBT EURE UNTERSCHRIFT FÜR SEINEN FREISPRUCH!"
Q: Rutsche Bergbautarifrunde: 'Jetzt rechnen - jetzt handeln!',Dortmund o.J. (Juni 1972),S.8

20.06.1972:
Auf der Zeche Hardenberg Dortmund soll, laut KPD/ML-ZB um 12 Uhr eine Belegschaftsversammlung (BV) stattfinden.
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Weiter so!,o.O. o.J. (20.6.1972),S.1

20.06.1972:
Die KPD/ML-ZB beginnt heute ihre Urabstimmungsaktion für einen Streik im Ruhrbergbau. Diese findet u.a. statt an den Zechen Minister Stein / Hardenberg Dortmund, Prosper 2, 3 und 4 in Bottrop, Ewald 3/4 in Herten, General Blumenthal in Recklinghausen und Hannover/Hannibal in Bochum. Die Aktion soll den "Schlichtungsverrat in der Bergbautarifrunde" (u.a. 7% mehr Lohn) ablehnen. Dazu heißt es u.a.:"
Die KPD/ML hatte diesem Verrat nicht tatenlos zugesehen. Wir fragten uns - wie kann der Protest gegen die undemokratischen Machenschaften organisiert werden? Wie kann die Kumpelschaft ihre eigene Kraft erkennen? Die Antwort hieß: die von den IGBE-Führern abgesetzze Urabstimmung wird durchgeführt. Wir lassen uns die Urabstimmung nicht verbieten. Am Dienstagmorgen organisierte die KPD/ML an 7 Zechen die Urabstimmung - nicht als eine ersatzgewerkschaftliche Maßnahme, sondern als Protestaktion gegen das Urabstimmungsverbot der IGBE-Führer, das das Streikverbot vorbereiten sollte ... So wurde die Urabstimmung zu einem großen Erfolg: Über 2 200 Kumpels an 7 Anlagen beteiligten sich daran, 95% stimmten für den Streik ... Diese Urabstimmung hatte den Kumpels gezeigt: die Kumpelschaft steht geschlossen hinter dem Streik. Die KPD/ML ist die Organisation, die in der Lage ist, den Kampf der Kumpels zu organisieren und ihnen die richtigen Ziele zu zeigen. Sie kann die Einheitsfront gegen Lohndiktat, Lohnordnung und Stillegungsplan schmieden."

Innerhalb von Spartacus BL wird anonym von der eigenen Intervention in die Bergbautarifrunde (BETR) im Ruhrbergbau (vgl. 19.6.1972) über die Urabstimmung der KPD/ML-ZB berichtet:"
Weit über 2 000 Kumpels nahmen an dieser Urabstimmung teil. Besonders starke Resonanz fand die KPD/ML in den Betrieben Prosper, Hannover/Hannibal, Ewald und Minster Stein. Als wir davon erfuhren, staunten wir nicht schlecht. Sicherlich war es falsch, ihre Aktion als Urabstimmung auszugeben. Eine Abstimmung um der IGBE-Führung Feuer unterm Arsch zu machen, wäre auf eine vielleicht größere Resonanz gestoßen. Doch zeigte sich, daß diese Aktivitäten der ML ihnen große Sympathien unter den Kumpels eingebracht haben. Hier zeigte sich, wie jämmerlich wir den Maos gegenüberstanden. Selbst wenn wir auch auf diese Idee gekommen wären, so wären wir auf Grund von technischen Mitteln und der individuellen Einsatzbereitschaft niemnals in der Lage gewesen, etwas ähnliches auf die Beine zu bringen. Auf Grund der genannten Vorkommnisse setzten wir uns dann mit den Maos in Verbindung und trafen eine kleine Aktionsabsprache mit ihnen.

Beide Organisationen waren der Meinung, daß es am wichtigsten sei, vor möglichst vielen Betrieben zu intervenieren, um einen Streik zu erzeugen. Darum einigte man sich auch auf gemeinsame Parolen:
1. Sofortige Kauenversammlung
2. betriebliche Gremien, die den Streik vorbereiten und sich mit anderen Schachtanlagen in Verbindung setzen.
Aufgrund der bei uns nur gering zur Verfügung stehenden Genossen einigte man sich darauf, dass BL in Duisburg und Essen Flugblätter verteilt und die ML in Bottrop, Westerholt, Bochum, Wanne-Eickel und Dortmund."
Q: Spartacus BL-Internes Bulletin Nr.4,o.O. 23.1.1973;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.42,Bochum 21.6.1972;
Rote Fahne Nr.13,Bochum 28.6.1972,S.1ff

20.06.1972:
Vermutlich in Bochum geben die KPD/ML-ZB und der KJVD zur Mittagsschicht ein Flugblatt mit einer Seite DIN 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
WEITER SO!

Die von der KPD/ML organisierte Urabstimmung entwickelt sich zu einer machtvollen Protestaktion gegen das Urabstimmungsverbot der IGBE-Führer! Hier die ersten Zwischenergebnisse von der Frühschicht:
ja nein
Prosper (in Bottrop,d.Vf. 328 19
Hannover/Hannibal (in Bochum,d.Vf.) 260 2
Ewald (in Herten,d.Vf.) 167 12
Minister Stein (in Dortmund,d.Vf.) 105 -
Blumenthal (in Recklinghausen,d.Vf.) 46 1
Westerholt Polsum 32 2
Holland (in Wattenscheid, heute Bochum,d.Vf.) 3 -

Kumpels! Weiter so!
Schon diese ersten Ergebnisse sind ein harter Schlag gegen die Pläne der Gewerkschaftsbonzen. Die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zu Ende bringen - das geht nicht mehr! Schon heute morgen haben fast 1 000 Kumpels von den 7 Schachtanlagen gezeigt: Wir sind bereit dagegen zu kämpfen, daß es uns immer dreckiger geht! Wir sind bereit gegen Lohnabbau und Gedingediktat eine echte Lohnerhöhung im Kampf durchzusetzen!

WIR SIND BEREIT ZUM STREIK!

Kollegen! Richtig so! Jetzt kommt es darauf an, daß auch die übrigen zeigen: wir machen mit! Urabstimmung ist der erste Schritt. Je mehr mitmachen, je größer unsere Einheit ist, desto besser können wir die nächsten Schritte organisieren. Der Hauptvorstand der IGBE hat die Urabstimmung abgesetzt und geht heute mit der Regierung und den Zechenherren in die politische Schlichtung. Diesen Herren müssen wir das Heft aus der Hand nehmen! Denn mit diesen Herren setzen wir unsere Forderungen nicht durch. Ihre Handlanger in den Betriebsräten zogen heute morgen entweder wie geprügelte Hunde an den Urnen vorbei (wenn die Kumpels dabei waren) oder versuchten teilweise mit Gewalt, die Urabstimmung zu verhindern (wenn die Kumpels nicht dabei waren).

Wie geht es weiter?
JETZT ALLE WÄHLEN!!!
JETZT DEN STREIK VORBEREITEN!!!
Wir werden das Ergebnis dem Hauptvorstand auf den Tisch knallen. Dazu schlagen wir vor, daß morgen Delegationen von den verschiedenen Schachtanlagen nach Bochum fahren. Kumpels! Über diese und weitere Maßnahmen müssen wir heute Abend noch gemeinsam beraten. DESHALB WIRD DIE KPD/ML HEUTE ABEND VERSAMMLUNGEN DURCHFÜHREN! Weiter: die KPD/ML wird die Bevölkerung über diesen Kampf informieren und zur Solidarität aufrufen. Dazu werden wir noch heute ein Spendenkonto einrichten. Auch dazu näheres auf den Versammlungen.
JETZT LIEGT ES AN UNS! VORWÄRTS KOLLEGEN!

Kollegen, nehmt Euch die Kumpels von Hardenberg (in Dortmund,d.Vf.) zum Vorbild!
Sie führen heute mittag um 12 Uhr eine Belegschaftsversammlung durch.

HEUTE ABEND, 21 UHR: Öffentliche Auszählung der Urabstimmung
Bericht über die Lage an den anderen Ruhrzechen!
Treff: Vor dem Vereinshaus St. Barbara"
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Weiter so!,o.O. o.J. (20.6.1972)

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21.06.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein Dortmund rief der Gewerkschaftliche Arbeitskreis (vgl. 18.6.1972) für heute um 18 Uhr zu einer Versammlung zur Bergbautarifrunde (BETR) in die Gaststätte Tüttelmann in die Bergstraße 90 ein.
Q: Gewerkschaftlicher Arbeitskreis:Wir sind bereit !!,o.O. (Dortmund) o.J. (Juni 1972),S.2

21.06.1972:
Die KPD/ML-ZB verteilt vermutlich heute an verschiedenen Zechen des Ruhrbergbaus ein Flugblatt "Der Schlichtungsverrat: 7%!", in dem auch die Ergebnisse der Urabstimmung bekanntgegeben werden:

 janeinungültig
Prosper Bottrop 578 30 5
Hannover/Hannibal Bochum 5.190 6 --
Minister Stein Dortmund 368 22 18
Ewald Herten 316 15 --
Blumenthal Recklinghausen 165 4 1
Westerholt/Polsum 114 4 --
Holland Wattenscheid 73 2 --

Aufgerufen wird:"
Sofort: Kauenversammlungen!
- Streikleitung wählen!
- Streikposten bestimmen!"
Q: KPD/ML-ZB: Der Schlichtungsverrat: 7%!, Bochum o.J. (1972)

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22.06.1972:
Die KPD/ML-ZB verteilt vermutlich heute an verschiedenen Zechen des Ruhrbergbaus ein Flugblatt "Auf den Pütts geht es los!". Aufgerufen wird zur Demonstration gegen "Die neuen Notstandsgesetze" am 24.6.1972 in Bochum sowie:"
Die Sache selbst in die Hand nehmen! Kauenversammlungen abhalten!".
Q: KPD/ML-ZB: Auf den Pütts geht es los!, Bochum o.J. (1972)

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26.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt in dieser Woche ihre 'Rutsche' (vgl. 26.6.1972, 306.1972) mit sechs Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, unter der Schlagzeile "Schlichtungsverrat: das sind unsere Feinde" heraus. Berichtet wird über "Polizeiterror gegen Urabstimmung!". Aus Castrop-Rauxel wird berichtet über die Kokerei Victor Ickern.
Q: Rutsche Schlichtungsverrat: das sind unsere Feinde, Dortmund o. J. (1972)

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29.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD berichtet vom Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB vom 28.6.1972:"
DAS GESICHT DES BONNER STAATES!

POLITISCHE POLIZEI WILL GENOSSIN DEN VERKAUF DER 'ROTEN FAHNE' VOR HARDENBERG VERBIETEN!

Am 29.6.1972 steht eine Genossin kurz nach 5 Uhr vor Hardenberg, um die Rote Fahne zu verkaufen. Da taucht der gelbe Polizeiwagen auf, der schon während der letzten Woche öfter bei Minister Stein/Hardenberg zu sehen war und fährt auf Werksgelände. Die Zivilpolizei K14), politische Polizei, springt aus dem Auto und verlangt von der Genossin den Gewerbeschein. Sie zwingen die Genossin in den Wagen zu steigen, notieren ihre Adresse und Personalien, versuchen sie über weitere Genossen auszuhorchen.

Dann beordern sie sie in das Pförtnerhäuschen, um ihr hinterrücks die Roten Fahnen zu entreißen. Die Zeitung, die den Kollegen immer wieder zeigt, daß gerade die SPD-Regierung den Bonner Staat immer mehr gegen die Arbeiter ausbaut. Die Zeitung, die der Arbeiterschaft den Weg zum Sozialismus weist. Eilfertig riefen die Polizeischergen in ihrer Zentrale an, ob die Genossin dort schon registriert ist (ob man sie schon nach dem neuen Vorbeugehaftgesetz einlochen wollte?). Kumpel, hier zeigte dieser 'soziale und demokratische Staat' sein wahres arbeiterfeindliches Gesicht: Brutalität und Terror gegen die Partei der Arbeiterklasse, die KPD/ML."
Q: Rutsche Das Gesicht des Bonner Staates!,Dortmund o.J. (1972),S.1

30.06.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt vermutlich heute ihre 'Rutsche' (vgl. 19.6.1972, 5.7.1972) mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus. Berichtet wird von Polizeirepressalien vor Minister Stein/Hardenberg am 29.6.1972 und bei der Urabstimmung (vgl. 20.6.1972). Fortgefahren wird:"
Aber die Kapitalisten und ihre Bonner Parteien haben Angst vor einer kämpfenden Arbeiterklasse. darum setzen sie auch alle Mittel und Hebel in Bewegung den Streik zu verhindern. Falls es die Gewerkschaftsführung nicht schaffen sollte die Kollegen zu beruhigen, sollte im Sinne der Stabilitätsgesetze ein Streikverbot für die Bergarbeiter ausgesprochen werden. Diese Androhung dokumentiert die Angst der Herrschenden vor der Kumpelschaft. Besonderer Ausdruck dieser Angst sind die in der letzten Woche (vgl. 22.6.1972,d.Vf.) verabschiedeten Gesetze zur inneren Sicherheit dieser Ausbeutungs- und Unterdrückungsordnung". Es folgt ein Auszug aus der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.13 vom 28.6.1972, gefolgt von den Parolen:"
SCHLAGT GENSCHER, BARZEL, STRAUSS UND BRANDT DEN NOTSTANDSKNÜPPEL AUS DER HAND!
FREIHEIT FÜR DIE MARXISTEN-LENINISTEN!
FREIER VERKAUF DER ROTEN FAHNE VOR ALLEN WERKSTOREN!"
Q: Rutsche Das Gesicht des Bonner Staates!,Dortmund o.J. (1972)

Juli 1972:
Die IGBE (vgl. 1.8.1972) berichtet vermutlich aus dem Juli:"
DIREKT AUS DEM BETRIEB

Unter dem Titel 'Nachrichten' wurde auf einigen Schachtanlagen die erste Ausgabe einer neuen Betriebszeitung verteilt. Herausgeber sind jeweils die Schachtgewerkschaftsausschüsse. Und so stellten sich die neuen Zeitungen vor: 'Die 'Nachrichten' sollen über alle betrieblichen und gewerkschaftlichen Vorgänge innerhalb des Betriebes informieren und mit dazu beitragen, alle Belegschaftsmitglieder auf dem laufenden zu halten. Die 'Nachrichten' sind kein Ersatz für unsere Gewerkschaftszeitung 'Einheit' und auch kein Ersatz für Betriebsversammlungen und Gewerkschaftsversammlungen, sondern sie sollen eine Ergänzung zu den bisherigen Informationsquellen darstellen.'

Auf den Schachtanlagen Victor III/IV und Ickern (beide Castrop-Rauxel,d.Vf.) und Minister Stein (Dortmund,d.Vf.) wurden die ersten 'Nachrichten' bereits verteilt, auf anderen Schachtanlagen sind sie in Vorbereitung."
Q: Einheit Nr.15,Bochum 1.8.1972,S.1

03.07.1972:
Der 'Rote Morgen' Nr. 13 (vgl. 19.6.1972, 17.7.1972) berichtet u.a. über die Tätigkeit der DKP auf der Dortmunder Zeche Minister Stein.
Q: Roter Morgen Nr. 13, Hamburg 3.7.1972, S. 7

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05.07.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt ihre 'Rutsche' (vgl. 30.6.1972, 12.7.1972) heraus:"
HOESCH-KOLLEGEN IM STREIK!

heute mittag sind die Stahlwerker von Hoesch vor die Hauptverwaltung gezogen. Sie streiken gegen die unverschämten Pläne der Hoesch-Herren, den Bau des neuen Stahlwerkes zu streichen. Die Aufrechterhaltung der alten SM-Öfen bedeutet: Massenentlassungen und Stillegungen werden vorbereitet! Die Dortmunder Zechen liefern den Koks für Hoesch. Entlassungen für die Stahlwerker bedeuten auch Entlassungen für die Kumpelschaft!

Darum: Erinnern wir uns an den September 1969! Damals folgten die Dortmunder Kumpels ebenfalls den Hoesch-Kollegen!

GEMEINSAME STREIKFRONT ALLER KUMPEL UND STAHLWERKER
AUF ZU HOESCH!!"
Q: Rutsche Hoesch-Kollegen im Streik!,Dortmund o.J. (5.7.1972)

10.07.1972:
Die Jugendbetriebsgruppe des KJVD der KPD/ML-ZB auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt vermutlich in dieser Woche eine 'Jugend-Rutsche' (vgl. 12.6.1972, 17.7.1972) zu Umsetzungen von Lehrlingen bzw. besonders eines Schlosserlehrlings heraus, die uns leider noch nicht vorlag. Später (vgl. 17.7.1972) wird daran Selbstkritik geübt.
Q: Jugend-Rutsche Bundeswehrwerber in Betrieb und Schulen - Raus!,Dortmund o.J. (Juli 1972),S.4ff;
Rutsche Wer gut schmiert - der gut fährt,Dortmund o.J. (Juli 1972),S.2

10.07.1972:
Vermutlich in dieser Woche wird in Dortmund, laut JBG Minister Stein/ Hardenberg des KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. 17.7.1972), Anzeige gegen einen derjenigen erstattet, die am 20.6.1972 vor Minister Stein die Urabstimmung der KPD/ML-ZB zur BETR durchführten.
Q: Jugend-Rutsche Bundeswehrwerber in Betrieb und Schulen - Raus!,Dortmund o.J. (Juli 1972),S.7f

12.07.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt vermutlich heute ihre 'Rutsche' (vgl. 5.7.1972, 26.7.1972) mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
KUMPELFRONT BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG

GEGEN LOHNRAUB UND GESINNUNGSTERROR
STATT 7% AUF DEM PAPIER - 7 DM AUF DIE HAND

40 DM hat es für Juni gegeben - und manch ein Kollege fragt sich, ob er für Juli überhaupt noch so viel bekommt. Wer mal zusammenrechnet, was er sich vor einem Jahr für sein Geld kaufen konnte und wie es heute steht, der wird es nicht wagen, von einer 'Lohnerhöhung' zu sprechen!

Nur die 'Einheit' der Gewerkschaftsbonzen bringt das fertig. Nur sie kann selbstzufrieden von 'Erfolg' reden. Aber, Kollegen - was die Bonzen ein 'fertiges Ergebnis' nennen, das ist für uns noch lange keins! Denn NOCH HAT KEIN KOLLEGE SICH MIT DEM ERGEBNIS ZUFRIEDENGEGEBEN!

Der Betriebsrat, dem die Aufgabe zufällt, den Tarifverrat nun in die Tat umzusetzen, hat eine klare Taktik: die Kumpel sollen auf kalten Wege 'zustimmen', indem man sie gar nicht erst zu Wort kommen läßt! Es ist ganz eindeutig:
DER BETRIEBSRAT KONNTE ES NICHT WAGEN, EINE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG ABZUHALTEN!

Aus Furcht vor einem offenen Kumpelwort gegen Tarifverrat und Lohnraub, hat der Betriebsrat die für jedes Quartal VORGESCHRIEBENE Versammlung diesmal ausfallen lassen. Erinnern wir uns: am 17.6. sollte sie stattfinden – und wurde abgesetzt, um den Lohnbetrug nicht zu gefährden. Dasselbe passierte dann mit der Urabstimmung. Überall, wo der Kumpel zu Wort kommen konnte, überall, wo man über Kampfmaßnahmen hätte sprechen können, da wurde er ausgebootet, denn die Stimmung auf allen Pütts stand auf Sturm - für Streik!

Kollegen, NOCH IST DAS ROTE TARIFVERTRAG-HEFTCHEN FÜR UNS NICHTS WEITER ALS EIN FETZEN PAPIER! In jede Kaue, auf die Seilfahrt, beim Buttern und in jedes Revier gehört jetzt die Frage: WIE DIESES PAPIER ZERRISSEN WERDEN, WIE DIE KUMPELSCHAFT DES RUHRGEBIETS SICH IHREN LOHN ERKÄMPFEN KANN!"

In einem Kasten heißt es:"
WIRTSCHAFTSKRISE

Zu diesem Thema - Wirtschaftsaufschwung oder Rezession? nimmt die neue ROTE FAHNE (vgl. 10.7.1972,d.Vf.) anhand der wirtschaftlichen Entwicklung Stellung. Unter anderem haben wir entnommen:
WAS GESTIEGEN IST:
Lebensmittelpreise 5%
Mieten 6%
Posttarife 70%
Bundesbahn ab 1973 30%

Arbeitslosigkeit 280 000 (ohne Kurzarbeiter)
in Dortmund 4 816 (ohne Kurzarbeiter)
davon Stahl- und Bergarbeiter 3 800 (ohne Kurzarbeiter)

Rüstungsetat offiziell 32,7 Milliarden

Steigen sollen weiter:
die Massensteuern um 4 Milliarden DM

Gesunken sind:
die Produktionsaufträge (besonders im Maschinen- und Bergbau)
der Handels-Umsatz
die Löhne und Gehälter".

Berichtet wird von der Zeche Prosper Bottrop (vgl. 26.6.1972) und im Zusammenhang damit fortgefahren:"
VERSAMMLUNG IN JEDEM REVIER

Kumpels auf Minister und Hardenberg, ihr seid doch dieselben wie auf Prosper! Pohl und Ketteler, die gibt's hier mit anderem Namen genauso! Haben die Prosper-Kumpels nicht die richtige Antwort auf die Versuche des Lohnraubs und die Versuche, sie zum Schweigen zu bringen, gegeben? Gemeinsam sind wir stark - auf der Belegschaftsversammlung (BV,d.Vf.), auf Revierbesprechungen und Gedingeversammlungen!

Organisieren wir sie in jedem Revier! Fordern wir sofort Belegschaftsversammlung! Dort kann ein Kumpel den anderen hören, ein Revier das andere.
GEMEINSAM KANN ÜBER KAMPFMASSNAHMEN BERATEN WERDEN!
Dort werden wir auch Rechenschaft verlangen von den gewählten Betriebsräten. Fragen wir jeden, was ER getan hat - besonders diejenigen, die als oppositionelle Betriebsräte vor drei Monaten eingezogen sind."

Berichtet wird auch vom:"
BETRUG AN DEN TRANSPORTARBEITERN

Was die 'Einheit' verschwieg:
Lohnabbau auf kalten Wege für die Transportarbeiter:
bisher gab es zwei Lohngruppen für Transportarbeiter:
LG 066 und LG 091 (Hauer im Streckenausbau und Transport). Im neuen Tarifvertrag ist eine neue Lohngruppe für Transportarbeiter 2 eingeführt: LG 080 (siehe S.5).
Die 'Erläuterungen' hierzu sehen folgendermaßen aus:
bei LG 6 bleibt alles beim alten (Transportarbeiter 1)
Transportarbeiter 2 übernehmen jetzt im wesentlichen die Arbeiten, die sie früher in LG 9 verrichtet haben. In LG 9 bleibt nur:
- Einbringen von Ankerausbau
- Ausrauben einer Strecke
- Transportarbeiten im Ausbau oder in der Aus- und Vorrichtung für FORCIERTE Abbaubetriebe oder Raubbetriebe mit UMFANGREICHEN Materialmengen VON HAND oder unter BESONDERS SCHWIERIGEN Bedingungen.
Transportarbeiter - setzt euch dagegen zur Wehr! Kämpft gemeinsam gegen diesen Lohnraub! Kumpels, solidarisiert euch mit diesem Kampf!"

Im nächsten Artikel heißt es:"
AUF JEDER ZECHE:

Auf der Belegschaftsversammlung, in den Revieren, beim Betriebsrat: da geht es darum, daß wir unser demokratisches Recht auf Meinungsfreiheit, auf eigene Forderungen und auf Kampfmaßnahmen und Streik mit aller Kraft verteidigen!

Im Betrieb, im ganzen Land werden Schritt für Schritt die demokratischen Rechte der werktätigen Bevölkerung abgebaut. Nicht von Bombenlegern etwa, sondern vom Bonner Kapitalistenstaat selber!
Das Recht auf Meinungsfreiheit, auf 'parteipolitische' Betätigung im Betrieb, das Recht, Gesetze zu machen, aufzuheben, zu umgehen, das Recht Unterdrückung und Gewalt gegen die kämpfende Arbeiterklasse und ihre Partei einzusetzen - dieses Recht und diese Freiheit besitzen die herrschenden Kapitalistenklasse und alle, die auf ihrer Seite stehen. Der 'demokratische Rechtsstaat' ist der größte Feind jedes klaren Kumpelwortes und jeder zum Kampf erhobenen Arbeiterfaust!

Nicht umsonst waren sich alle Parteien in Bonn einig, als es um die 'innere Sicherheit' der Geldsäcke und Finanzherren, der Betriebsräte und Minister ging.
Ein Staatsfeind ist heute, wer sich für die demokratischen Rechte einsetzt. Die schärfste Verfolgung aber gilt der KPD/ML, die nicht nur zum entschlossenen Kampf um Meinungsfreiheit, gegen Polizeiterror und Streikverbot aufgerufen hat, sondern die FÜR DIE WIRKLICHE DEMOKRATIE DES GANZEN WERKTÄTIGEN VOLKES, DEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT, KÄMPFT.

Wie weit die Verbotsvorbereitungen gegen die KPD/ML und anderen revolutionäre Organisationen wirklich sind - dazu bietet die neue ROTE FAHNE (vgl. 10.7.1972,d.Vf.) neues Tatsachenmaterial.

NIEDER MIT DEM BONNER NOTSTANDSSTAAT!

Das heißt heute: entschlossener Kampf der Kumpels auf Minister und Hardenberg und aller Ruhrkumpel.

SOFORT BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG!
GEGEN LOHNRAUB UND GEDINGEABBAU 7 DM MEHR FÜR ALLE!
GEGEN NOTSTANDSKURS UND STREIKVERBOT!"

Aus der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.** vom **.*.1972 wird folgender Artikel übernommen:"
DAS BEISPIEL CHINA

In den sozialistischen Ländern, in Volkschina z.B., gibt es keine bewaffneten Polizeibüttel, um Geld einzutreiben, zu bespitzeln, um zu verhaften, einzusperren und der Justizmaschinerie auszuliefern. Hier ist das gesamte Volk bewaffnet, um die Minderheit der enteigneten Reichen niederzuhalten und jeden Angreifer zurückzuschlagen! Das ist eine wichtige Garantie, daß die Arbeiterklasse die Macht fest in der Hand behält.

Mao Tse-tung sagt: 'Die Armee muß mit dem Volk zu einem Ganzen verschmelzen, so daß sie vom Volk als seine Armee angesehen wird. Eine solche Armee wird unbesiegbar sein.'

Im Bonner Staat werden Polizei, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Bundeswehr geholt, wenn die Kumpelschaft streikbereit ist. Im sozialistischen Staat wird die Armee geholt, um der Arbeiterklasse im Produktionskampf zu helfen. Hier ein Bericht von der Kohlengrube Tangschan in Nordostchina:

Die Zeche Tangschan gehörte zu den ersten Zechen in China. Die britischen Imperialisten plünderten sie vor der Befreiung mit den Methoden des Raubbaus aus. Nach der Revolution konnten für kurze Zeit bürgerliche Machthaber in Partei und Staat einige Posten erobern und der Arbeiterklasse schaden: sie setzten den Raubbau fort und führten Teilstillegungen durch.

Aber in der Großen Proletarischen Kulturrevolution rebellierten die Bergarbeiter gegen die bürgerlichen Machthaber und setzten sie ab. Die Kumpelschaft begann, die stillgelegten Strecken wieder aufzufahren. Das war eine gefahrvolle Arbeit: loses Hangendes (?,d.Vf*), hohe Temperaturen und Grubengas behinderten die Arbeit. Die Kumpelschaft brauchte Verstärkung: Soldaten der Volksbefreiungsarmee, revolutionäre Techniker und die Kumpels kämpften Schulter an Schulter gegen die Schwierigkeiten unter Tage. Heute fördert die Grube Tangschan 2,8 Mio. t Kohle im Jahr, was einer Spitzenzeche im Ruhrgebiet entspricht.

So haben sich die Verbindungen von Arbeiterklasse und Volksbefreiungsarmee gefestigt, die Arbeiterklasse weiß, daß sie im sozialistischen Staat auf die bewaffnete Macht vertrauen kann, daß dies feste Bündnis von Arbeitern und Soldaten einen starke Waffe gegen die alten Herren und jeden ist, der es wagen sollte, China anzugreifen.

Die volksfeindlichen Polizeimaßnahmen der SPD-Regierung sind für die Kumpelschaft eine große Lehre: der Notstandskurs wird nur ausgerottet, wenn der Notstandsstaat gestürzt wird. Die Zahl der Kumpels, die bereit sind, mit der KPD/ML diesen Weg zu gehen, wächst."

Berichtet wird auch von den Folgen der eigenen Urabstimmung (vgl. 20.6.1972):"
STRAFANTRAG GEGEN GENOSSEN VOR MINISTER

Zwei Genossen, die während und kurz nach der Urabstimmung durch ein Megaphon zu den Kollegen gesprochen hatten, erhielten jetzt eine Strafanzeige. Wir fragen: wem haben diese Genossen geschadet? Wer wollte ein Strafverfahren? War es ein Vergehen gegen die Kumpel? Oder gegen die Kapitalisten und ihre Handlanger? Urabstimmung und Streik - das war in den Augen der SPD- und IGBE-Knechte ein Verbrechen gegen die Kapitalistenklasse und gegen sich selbst. Und in diesem Fall steht der Kapitalistenstaat mit seinen Gesetzen und seiner Polizei bereit.

KAMPF DEM BONNER NOTSTANDSSTAAT!
FÜR DEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT!
KEINE STRAFVERFOLGUNG DER GENOSSEN!"

Gefragt wird:"
MEINUNGSFREIHEIT IM BETRIEB?

'Parteipolitische Tätigkeit ist im Betrieb verboten', bekam ein Kumpel zu hören, der laut und vernehmlich die Schweinereien der IGBE-Bonzen bei der Lohnrunde angeprangert hatte.
So ist das nämlich: wenn einer sagt, was alle denken, ist es verboten. Wenn aber Betriebsräte in das Loblied der IGBE-Bonzen über den einmaligen 7%-Erfolg und eingebaute Sozialzulage einstimmen - wenn aber Betriebsräte und IGBE-Blätter ein Loblied nach dem anderen auf SPD-Schlichter Figgen, dem alle Kumpel für seine aufopferungsvolle Schlichtungstätigkeit dankbar sein müßten, auf den 'aufrichtigen Freund' Willy Brandt, auf Schiller, Schmidt und die ganze SPD-Mannschaft singen - so ist das natürlich keine Wahlpropaganda, sondern erlaubt!
Wir fordern: FREIES REDERECHT FÜR ZALLE IN BETRIEB UND GEWERKSCHAFT!
Wir fordern: WEG MIT DEM ARBEITERFEINDLICHEN BVG!
Denn dieses Bonzengesetz verbietet", vielleicht auch das, was hier in unserem Exemplar nicht mehr mitgedruckt wurde.

Berichtet wird von den Westfälischen Wohnstätten in Altenbochum (vgl. Juni 1972), geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.14 vom 10.7.1972:"
KAUFT ROTE FAHNE

NEUWAHLEN, WARUM?
Die SPD-Regierung beschloß, im November Neuwahlen für den Bundestag durchzuführen. Was ist der Hintergrund für diesen Beschluß? Welche Stellung hat die KPD/ML zu den Bundestagswahlen (BTW,d.Vf.)? Welche Aufgaben ergeben sich aus dem Beschluß für die KPD/ML?

Weitere Artikel über:
- Was hat es mit dem neuen Arbeitsförderungsgesetz auf sich?
- Die völlige Entrechtung der Ausländer in Westdeutschland
- Der Kampf der Ruhrkumpel auf den Pütts
- Verbot der KPD/ML wird vorbereitet
- Der Kampf gegen Ausschlußterror in Betrieben und Gewerkschaften
- Arbeiter und Bauern errichten den Sozialismus in Nordvietnam
- Stellungnahme der Volksrepublik China zur 'Abrüstrung' der Supermächte"

Aufgefordert wird auch, das "Spendenkonto 'Kumpelsolidarität', das die KPD/ML für einen Streik oder auch für den Kampf gegen Maßregelungen einzelner Kumpels eingerichtet hat und auf das schon über 2 000 DM eingegangen sind, zu unterstützen", das auf den Namen von Norbert Osswald läuft.
Q: Rutsche Kumpelfront,Dortmund o.J. (Juli 1972)

17.07.1972:
In Dortmund erscheint vermutlich in dieser Woche eine 'Jugend-Rutsche' (vgl. 10.7.1972, 14.8.1972) der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg des KJVD der KPD/ML-ZB mit 8 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
BUNDESWEHRWERBER IN BETRIEB UND SCHULEN - RAUS!

Immer häufiger werden Meldungen laut, daß Werber für die Polizei und Bundeswehr ihre Tätigkeit verstärken. In der Tat ist das der Fall. Aber die Werbung für Armee und Polizei bleibt nicht nur auf die Zeitungsanzeigen beschränkt. Das Fernsehen ist vor kurzem dazu übergegangen, vor Fußballspielen Werbung für die Bundeswehr zu machen!

In letzter Zeit verstärkten sich die Besuche von Werbeoffizieren in Schulen, Lehrwerkstätten und auf anderen Versammlungen. Ja, sogar Hausbesuche stehen auf ihrem Programm.

Die Herren dieses Staates und der Armee sind hinter der Jugend her, wie der Teufel hinter den armen Seelen. Mit allen Mitteln wollen sie die Jugend in ihre Armee locken.

Dabei nutzen sie schamlos die elende Lage der arbeitenden Jugend aus. Sie hoffen darauf, daß die Jugend in der Armee einen Ausweg aus der täglichen Schinderei des Arbeitstages erblickt. Nicht zuletzt um das voranzutreiben, wird die militärische Erziehung in den Schulen verstärkt. So haben schon zwei Bundesländer das Fach Wehrkunde in den Lehrplan aufnehmen lassen. Auch für NRW steht das auf dem Programm.

Nur sollen hier, nach den Worten des Kultusministers (KuMi,d.Vf.) 'keine schlafenden Hunde geweckt werden'. Der sogenannte Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) soll also klammheimlich durchgesetzt werden, da die Landesregierung den offenen Widerstand der arbeitenden und lernenden Jugend fürchtet. Die Palette der erzieherischen Maßnahmen geht aber noch weiter: es wurde angekündigt, daß die Lehrpläne und Schulbücher durchgeforstet und ausgerichtet werden sollen. Ausgerichtet auf den Kurs der 'neuen' Kriegspolitik.

Auch hier auf Minister Stein/Hardenberg erleben wir, das Drill und Schinderei in der Lehrwerkstatt und Berufsschule ihren Platz haben. Da gibts dann Liegestütze - wie auf Kasernenhöfen - wenn's den Ausbildern gegen den Strich geht.

Wer seine Meinung sagt wird strafversetzt - man hat eben nicht aufzumucken, sondern zu gehorchen.

Wir, der KJVD, meinen, daß mit solchen Maßnahmen aufgeräumt werden muß. Denn die Jugend hat keinerlei Interesse daran, in militärischem Gehorsam erzogen zu werden. Die Jugend hat auch kein Interesse daran, sich in die Armeen der Herrschenden pressen zu lassen, um in ihren Kriegen zu verbluten.

Immer schneller wird die Bundeswehr aufgerüstet. Immer mehr Steuergelder fließen in den Kriegshaushalt. Immer größere Rüstungsaufträge werden an die Kapitalisten verschoben. Denn für die lohnt sich das Geschäft mit dem Krieg. Für sie bedeutet Aufrüstung eine sichere Profitquelle. Für sie bedeutet die Armee, sich mit Säbelrasseln Einflußgebiete zu verschaffen. Aber auch, das eigene Volk in Schach zu halten.

Für die Herrschenden dieses Staates ist die Armee, der Bundesgrenzschutz (kurz: BGS) und die Polizei, der wichtigste Faktor ihrer 'inneren Sicherheit'. Mit diesen Waffen hoffen sie die Kämpfe der Volksmassen ersticken zu können. Hoffen sie, die Errichtung des Sozialismus zu verhindern. Die Lage in Nordvietnam und Nordirland sind Beispiele dafür. Aber auch die deutsche Arbeiterschaft hat die Gewehre der Mächtigen zu spüren bekommen. Auch heute schon werden BGS und Polizei massenhaft aufgefahren, bei Streiks und Demonstrationen.

Aber der Blick und die Sehnsüchte der Kapitalisten stehen nach höherem. Wehmütig gedenken sie alter Macht und Herrlichkeit. Gedenken ihrer ehemaligen Fabriken, Ländereien und Schachtanlagen in der DDR, Polen und der Tschechoslowakei (CSSR,d.Vf.). Sie sehen in der Aufrüstung ihr Ziel näher kommen: die Wiedereroberung dieser Gebiete.

Die 'neue' Ostpolitik öffnet ihnen dabei die Tore. Der Handel und die Unterwanderung der osteuropäischen Nachbarn erleichtert natürlich die Kriegsvorbereitungen.

KRIEGSKURS, KEIN WEG DER JUGEND!

Der Weg der Aufrüstung zu neuen Kriegen kann nicht der Weg der Jugend sein. Für die Jugend kommt es vielmehr darauf an, diesen Umtrieben entschieden entgegenzutreten.

Sie muß ihrer militärischen Erziehung, den Verführungskünsten der Werber, den Kampf ansagen. Kein Bundeswehroffizier darf zu Wort kommen, wenn er etwas schönes vom 'Landserleben' in der Schule erzählen will (laut Wehrkundeerlaß).

Die Jugend muß sich gegen Zwangsrekrutierung, gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung stemmen.

Aber wenn wir zur Bundeswehr gehen, dann mit der Gewißheit, die Waffen nicht für die Herrschenden zu gebrauchen. Sondern zu lernen, sie für den Kampf der Arbeiterschaft einzusetzen. Um das Kapital zu verjagen - für den Sieg des Sozialismus. Nur die Kraft des gesamten Volkes kann den Krieg verhindern.

Nur durch die Abschaffung des Kapitalismus wird der Frieden gesichert.

Der Kommunistische Jugendverband Deutschland wird zur 33. Wiederkehr des Ausbruchs des 2. Weltkrieges einen Antikriegstag (AKT,d.Vf.) in München abhalten.
Der Kongreß steht unter der Losung:
JUGEND GEGEN AUFRÜSTUNG UND IMPERIALISTISCHEN KRIEG!
FÜR SOZIALISMUS UND FRIEDEN!
Jeder ist aufgerufen, sich daran zu beteiligen!"

Es wird zitiert ("Antikriegstag - Warum in München?") aus und geworben für das Extrablatt des 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ - vgl. Juli 1972), das auch bei Minister Stein/Hardenberg verkauft werden soll (vgl. 24.7.1972).

Der Artikel schließt mit den Parolen:"
KÄMPFT GEGEN DIE ALLGEMEINE DIENSTPFLICHT!
KEINE EINFÜHRUNG DES MILITÄRISCHEN ARBEITSDIENSTES! HÄNDE WEG VON DER KRIEGSDIENSTVERWEIGERUNG (KDV,d.Vf.)!
SCHLUSS MIT DER RÜSTUNGSPRODUKTION!
SCHLUSS MIT STEUERERHÖHUNGEN UND STAATLICHER PREISTREIBEREI ZUR FÜLLUNG DER KRIEGSKASSEN!
HÄNDE WEG VON CHINA!
VERTEIDIGT DEN SIEG DES SOZIALISMUS!
FÜR DEN SIEG IM REVOLUTIONÄREN BEFREIUNGSKAMPF DER VÖLKER INDOCHINAS!"

In einem Kasten heißt es:"
TOP JOB bei der Bundeswehr? Als Gefreiter oder Hauptmann endlich mal was zu sagen haben? Feines Leben gegen die Scheißmaloche am Pütt? - Klar, daß diese Versprechungen der Bourgeoisie sich in unserem Kopf irgendwie festhaken! Wenn man sich die tagtägliche Arbeit unter Tage mal so richtig anguckt, überlegt, daß man das vielleicht sein ganzes Leben lang machen soll! - Klar, daß man über die herrlichen Versprechungen über das Leben beim Bund nachzudenken beginnt und dann den 1. Oktober (den Einziehungstermin) herbeisehnt.

WIDERLICH SCHAMLOS NUTZEN SIE DIE ELENDE LAGE BESONDERS BERGJUNGARBEITERN AUS UM SIE IN IHRE ARMEE HINEINZULOCKEN!!!!!!!

Und dann die Wirklichkeit: unmenschlicher, faschistischer Drill, ein physisches Kaputtmachen, tagelang Bau und Schikaniererei, wenn einer das Maul mal aufreißt, Hetze und militaristische Verseuchung - um uns widerstandslos eines Tages auf unsere ausländischen Kollegen zu hetzen, damit wir uns für IHRE Ziele, IHR Geld schlagen!

NEIN! - KEINEN GROSCHEN, KEINEN MANN FÜR DEN BONNER RÜSTUNGSPLAN!"

Es folgt eine:"
SELBSTKRITIK!

'ES IST UNSERE PFLICHT, DEM VOLKE GEGENÜBER VERANTWORTLICH ZU SEIN. JEDES WORT, JEDE HANDLUNG, JEDE POLITISCHE RICHTLINIE MUSS DEN INTERESSEN DES VOLKES ENTSPRECHEN; WENN FEHLER AUFTRETEN, MÜSSEN SIE KORRIGIERT WERDEN - DAS EBEN HEISST DEM VOLKE VERANTWORTLICH SEIN.' MAO TSE-TUNG

'DEM VOLKE DIENEN' - das ist oberster Grundsatz jeder kommunistischen Partei. Sie muß alle Hebel in Bewegung setzen, um immer mit den Volksmassen in engster Verbindung zu sein, um nichts zu tun, was den Interessen der Massen entgegenläuft. Nur so kann sie wirklich eine Partei des Volkes werden. Es ist aber klar, daß auch eine kommunistische Partei Fehler begeht, daß einzelne Genosse ihre Verantwortung vor dem Volk vergessen und Selbstsucht und eigene Vorteile in den Vordergrund schieben. Fehler, die sind unvermeidlich - entscheidend dabei ist, WIE MAN AUS DIESEN FEHLERN ZU LERNEN VERSTEHT, wie man die Erfahrung, die man gemacht hat, nutzt, um nicht mehr in die gleiche Fallgrube zu schliddern. Das Wichtigste ist, daß JEDER Kollege, der Fehler sieht, uns darauf aufmerksam macht. Einzig und allein wenn wir WISSEN, dort haben wir Mist gebaut, können wir die Sache auch korrigieren und alle erkannten Mängel zum Teufel jagen.

DAS HABEN EINIGE KOLLEGEN AN UNS KRITISIERT:
In der letzten Woche haben uns einige Kollegen von Minister entschieden weitergeholfen. Sie haben ehrlich gesagt: 'Da habt ihr Unsinn geschrieben, so wie ihr die Sache darstellt, ist das gar nicht gelaufen!' Ganz besonders kritisierten sie, daß wir den Friedhelm immer so runterputzen. Ihr Argument: 'Der Friedhelm setzt sich wirklich für uns ein, besonders bei dem Schlosserlehrling hat er es getan. Er hat nicht 'geschickt laviert', um sich nach beiden Seiten Wohlgefallen zu sichern!' Gut, daß diese Kollegen das sagen! Wir müssen uns das zu Herzen nehmen und schnellstens überlegen, was war falsch und was war richtig.

Wir meinen, diese Kollegen haben recht! Wir haben Fehler gemacht - welche? Einmal haben wir die Sache mit der Umversetzung nicht genau überprüft, bevor wir darüber berichteten (Ein ganz ausführlicher Bericht darüber kommt in der nächsten Rutsche, wenn alle Lehrlinge zurück sind). Zum anderen haben wir ein grundlegendes kommunistisches Prinzip verletzt. Der Genosse Mao Tse-tung lehrt uns, daß jedes Ding zwei Seiten hat, schlechte und gute und daß man, wenn man Kritik übt, beides im Augen haben muß. So ist es falsch, einfach jemandem vor den Kopf zu knallen 'Du bist ein Saukerl'. Man muß sich wirklich gut überlegen, wo hat dieser Mensch Schwächen und Fehler, wo aber liegen seine Stärken. Genau das aber haben wir immer versäumt. Wir haben besonders den Kollegen Nitsch einseitig und oberflächlich kritisiert. DAS MUSS JETZT ANDERS WERDEN!

WAS IST RICHTIG, WAS IST FALSCH AN DER KRITIK?

Packen wir die ganze Sache einmal grundsätzlich an. Fragen wir uns, was sind die Aufgaben einer kämpferischen Jugendvertretung und messen wir daran unsere eigenen Vertreter. Jungarbeiter und Lehrlinge eines jeden Betriebes haben ganz klare Forderungen, die sich richten gegen wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdrückung im Betrieb, Forderungen wie:
- GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT
- ABSCHAFFUNG DER ALTERSABSCHLÄGE
- STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE
- FREIES REDERECHT IN BETRIEB UND GEWERKSCHAFT
- WEG MIT DER FRIEDENS- UND SCHWEIGEPFLICHT IM BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ (BVG,d.Vf.)
- JUGENDVERSAMMLUNG OHNE 'AUFISCHT' UND REDESCHWALL DES BETRIEBSRATS
Die JugendVERTRETUNG, die wir aus unseren Reihen wählen, hat nun die Aufgabe, sich ernsthaft für diese Forderungen einzusetzen und zwar nicht im Alleingang, durch persönliche Beratungen mit dem Betriebsrat und der Ausbildungsleitung, sondern so: sie muß es verstehen JEDEN Jugendlichen für diese richtigen Forderungen zu begeistern, sie muß es erreichen, daß wir alle geschlossen dafür eintreten, sie muß mit uns diskutieren, wie wir für unsere Forderungen kämpfen können (daß man uns nichts schenkt, ist ja wohl klar!) und dann die Organisierung dieses Kampfes in die Hand nehmen. Wie es z.B. die ehrlichen Jugendvertreter in Bremen, Kiel und Flensburg gemacht haben: sie haben ein Streikkomitee gebildet, überregional, das einen breiten Streik der Lehrlinge dieser Metallbetriebe gegen den Abschluß von 50 DM organisiert hat (in der Lehrlingsmetalltarifrunde - LMTR - vgl. S5.**.1972,d.Vf.).

Sie darf weiter sich nicht scheuen, Mauscheleien aus der Betriebsratsversammlung, Beschlüsse der Werksleitung, die ihr zu Ohren kommen, SOFORT den Kollegen mitzuteilen. SOFORT muß geplant werden durch breite Diskussion mit den Jugendlichen, wie man dagegen kämpfen kann - und nicht abwarten, bis der Beschluß, daß z.B. der Schlosserlehrling fliegt, auf dem Tisch liegt. Die Sache muß angepackt werden, wenn sie AM GÄREN ist! Das heißt natürlich sich ganz konsequent gegen das Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) wenden, das uns die Friedens- und Schweigepflicht vorschreibt, das die Jugendvertreter zur 'Zähmung' der Jugendlichen einsetzen will. Doch dieses Gesetz ist nicht unser Gesetz, keiner von uns will sich ducken und treten lassen mit Hilfe der Jugendvertretung. Also muß dieses Gesetz genau wie das Streikverbot im Kampf DURCHBROCHEN werden.

FÜR EINE KÄMPFERISCHE JUGENDVERTRETUNG!

Wie hat sich nun unsere Jugendvertretung verhalten? Gehen wir besonders auf den Kollegen Nitsch ein, da viele neue Kollegen jetzt dabei sind, die wirklich noch beweisen müssen, was sie für uns tun. Einmal müssen wir da herausstellen, daß er sich bemüht, Probleme einzelner Jugendlicher zu lösen, wenn z.B. sich im Lohn beschissen fühlt, wenn er Schwierigkeiten wegen Fehlschichten hat etc. oder daß er eine Fußballmannschaft organisiert, für die Spesen sorgt - das alles ist gut und muß noch viel weiter gehen. Aber das allein ist nicht das Entscheidende. Berechtigte Forderungen, die WIR ALLE haben, gegen die sich natürlich die Werksleitung und einige unternehmer- und regierungstreue Betriebsräte mit Händen und Füßen sträuben, - die gilt es durchzusetzen. Und wie steht es damit?
- Unsere Forderung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit hat er abgetan mit der Bemerkung: Undurchsetzbar!
- über die Prüfungsschiebereien, über Abschaffung der Altersabschläge, hat er kein Wort in seinem Rechenschaftsbericht verloren.
- zur Tarifrunde hat er nicht mit uns diskutiert, welche Forderungen WIR aufstellen müssen.
- wie er zur Friedens- und Schweigepflicht steht, hat er bewiesen in der Sache mit der Umversetzung. Er steht auf dem Standpunkt: wenn etwas in der Jugendvertretung diskutiert wird, muß es geheim bleiben, bis ein Beschluß gefaßt ist.
Einige Kollegen aus dem Betrieb haben uns sofort, als sie Wind von der Schweinerei mit der Umversetzung kriegten, davon erzählt, damit wir darüber in der 'Jugendrutsche' berichten. Ihr Vorgehen findet Friedhelm schädlich und will mit aller Macht versuchen, sie 'ausfindig' zu machen , um sie auf der Jugendversammlung vor dem Betriebsrat (!) zur Rede zu stellen. Er bezeichnet diese Kollegen sogar als 'Spitzel' des KJVD!
WIR MEINEN: das Verhalten der jungen Kollegen war RICHTIG, wenn so eine Sauerei im Gange ist, muß nichts Dringenderes getan werden, als augenblicklich ALLE Kollegen darüber zu informieren, damit wir gemeinsam dem betroffenen Kollegen helfen können. Wie aber sah es so aus? Die allerwenigsten wußten überhaupt von der Umversetzung - und so konnte sie ruckzuck durchgesetzt werden.
- weiter ist es ein ernster Fehler, daß er unsere Genossen und Kollegen, die Vertrauen zu uns haben, mit uns diskutieren, uns von betrieblichen Angriffen erzählen, weil sie wissen, daß wir uns ehrlich dafür einsetzen, daß er die als 'Spitzel' bezeichnet. Sind denn Obijou, Kricke, Buck etc. etwa 'Spitzel' der SPD im Betrieb? Nein, es sind Kollegen, die die Politik der SPD im Betrieb vertreten - eine Politik, die den Kollegen Lohnabbau, Rationalisierung, Stillegung und Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.) bringt, die WIR deswegen bekämpfen.

Alle Jugendlichen wie auch der KJVD müssen die guten Ansätze in der Arbeit der Jugendvertretung voll unterstützen, müssen aber gleichzeitig ohne Zaudern Fehler auf den Tisch bringen und öffentlich kritisieren, Ständig müssen wir der Jugendvertretung 'auf die Bude rücken' mit unseren Forderungen und Belangen und müssen kontrollieren beispielsweise über die Jugendversammlung, was sie dafür getan hat. Es muß eine LEBENDIGE Verbindung da sein zwischen der Jugendvertretung und allen jungen Kollegen! Wir vom KJVD wissen, daß die Jugendvertretung für den Kampf im Betrieb eine große Bedeutung haben kann, aber wir wissen auch, daß wir allein bei Minister nichts ausrichten können. Und das ist ja gerade unsere Stärke: daß wir eine kommunistische Jugendorganisation der ganzen Jugend Westdeutschlands sind, die ein KLARES ZIEL hat: DEN SOZIALISMUS. Für Arbeiter und Werktätige gibt es in diesem Staat letztendlich nichts zu holen.

Wirkliche Demokratie, Freiheit und Zufriedenheit kann es nur im Sozialismus geben, wo die ARBEITERKLASSE die Macht hat. Dafür kämpfen wir und dafür setzen wir uns schon heute mit aller Kraft ein für die wirtschaftlichen und politischen Rechte der Arbeiterjugend. Wir KÄMPFEN (und ob das ein Kampf ist, ihr Herren Ausbilder!!) gegen jede Maßnahme zum Abbau der demokratischen Rechte, gegen Meinungsterror und Gewerkschaftsausschluß, gegen Lohnabbau und Preistreiberei, gegen den Versuch, uns in die Armee der Bonzen reinzupressen und für den Krieg zu begeistern!

Jeder Jugendliche in Betrieb, Schule und Armee gehört in den KJVD! Der KJVD muß stark werden, damit er immer gewaltiger gegen die arbeiterfeindliche Politik der Unternehmer, ihrer Regierung und der Gewerkschaftsführer kämpfen kann.

HINEIN IN DEN KJVD!"

Berichtet wird auch von der Urabstimmung der KPD/ML-ZB zur BETR (vgl. 20.6.1972):"
NIE WIEDER POLIZEI AUF'M PÜTT!

Viele von uns haben es vor vier Wochen mit eigenen Augen gesehen:
Am Tage der Urabstimmung kreuzten gleich 9 Bullem vor'm Tor an der Deutschen Straße auf. Drei von ihnen kamen schon um 5 Uhr 15 vom Zechengelände marschiert. Sie hatten dort auf der Lauer gelegen. Die übrigen 6 kamen etwas später dazu und hielten mit ihrem VW-Bulli auf dem Parkplatz die Stellung - KPD/ML und KJVD sollte der Mund verboten werden - uns allen sollte die Urabstimmung kaputt gemacht werden. Ein Polizist sagte klar und deutlich, wer sie auf KPD/ML und KJVD angesetzt hatte: die Zechenbosse.

In der letzten Zeit passiert laufend dieser Terror. Meist hat sich die Polizei in Zivil geschmissen, damit wir ihren Einsatz nicht so schnell mitbekommen. Jetzt wußte sich die Staatsmacht vor lauter Muffensausen vor einem Streik der Ruhrkumpel gegen den Verrat an den Lohnforderungen, gegen das staatliche Lohndiktat, mit Tätlichkeiten, Umstoßen der Abstimmungsurnen, Beschlagnahme von ROTE FAHNEn und einem Megaphon allein nicht mehr zu helfen; letzte Woche starteten die Bullen den neuesten Terror: der Genosse, der über Mega die Kumpel zur Urabstimmung aufgefordert hatte, kriegte eine Anzeige ins Haus. Die Polizei rückte seinen Eltern auf die Bude, um den Genossen zu verhören.

Anzeige wegen Verkehrsbehinderung, ruhestörendem Lärm und Ungehorsam gegen die Polizei !!!!

Ja Kumpel, die Ruhe wurde gestört. Aber nicht die Ruhe der Kumpel: die Ruhe der Zechenbosse wurde gestört. Diese Ruhe brauchten sie, um mit dem Herrn Minister und der IGBE-Führung gemeinsam die Lohnforderungen der Kumpel mit Füßen zu treten. Sie hatten lausige Angst vor einem Streik der Kumpel und der Urabstimmung, die gegen das Verbot der IGBE-Führung von KPD/ML und KJVD durchgeführt wurde.

Und siehe da: alle schönen Worte von 'Demokratie' und 'Meinungsfreiheit' oder ähnliches sind 'vergessen'! Dann wird die Polizei geholt, wenn es den Herren an den Kragen geht, dann wird geprügelt. Dafür sind die Grünen ja da, oder habt ihr schon mal Polizisten gesehen, die den Arbeitern beim Kampf gegen die Schweinereien der Bosse zu Hilfe kommen?

Die Kommunisten werden vors Gericht geschleppt, damit die Geldsäcke in Ruhe weiter auf uns rumtrampeln können, damit wir nicht eines Tages die Kapitalisten und ihrer Schieberstaat in Bonn zum Teufel jagen.

Ähnlich bekam auch kürzlich ein Kollege in der Lehrwerkstatt die 'Demokratie' der Geldsäcke und ihrer Kofferträger zu spüren: weil er offen seine Meinung sagte, wurde er auf Gneisenau ins 'Strafbataillon' versetzt und sollte erst sogar entlassen werden!

Hinter diesem Terror steckt die pure Angst der Kapitalisten, daß uns der Kragen einmal platzt. Sie wissen genau, wie stark wir sind, wenn wir uns einig sind.

POLIZEI - RUNTER VOM PÜTT!

Kollegen, die Verteiler und Verkäufer von KPD/ML und KJVD vorm Tor leisten Widerstand gegen Polizei und Werkschutz, wenn sie von ihnen verjagt werden sollen! Unterstützt sie dabei! Stellt euch zu den Genossen, wenn die Bullen was wollen. Die Polizei darf bei uns kein Bein an die Erde kriegen!

Mit der Anzeige soll KPD/ML und KJVD der Mund verboten werden! Mit der Anzeige sollen die Forderungen der Kumpel unterdrückt werden!!

Jungarbeiter, Lehrling!
SOLIDARITÄT MIT DEM ANGEZEIGTEN GENOSSEN S.!
RÜCKNAHME DER ANZEIGE!"

Im letzten Artikel heißt es:"
700 NRW-POLIZISTEN SCHIESSEN JETZT BESSER
ABSOLVENTEN DER 'INTENSIV-AUSBILDUNG'
Meldung vom 28.6.1972 aus den 'RUHR-NACHRICHTEN'

KOLLEGEN,
- 'BILD' jubelt: 'Endlich 15 000 Polizisten mehr!'
- Weyer (FDP,d.Vf.), Innenminister von NRW, brüstet sich stolz: '700 NRW-Polizisten schießen jetzt besser.'

Oh ja, fragen wir uns für wen tausende von Polizisten mehr, für wen die ausgezeichnete Scharfschützenausbildung? Die Antwort zeigt uns brutal genug:

THEOS ERMORDUNG

Theo D., ein junger Arbeiter aus Duisburg wurde kürzlich (vgl. S8.*.1972,d.Vf.) aus 6 Meter Entfernung von einem Polizisten erschossen. Warum? Weil er bei ROT über die Ampel gefahren war und Schiß kriegte, als die Bullen hinter ihm herbrausten. Er versteckte sich im Hafen, wurde aufgespürt und mußte mit hoch erhobenen Armen vortreten. Natürlich hat er das auch gemacht, weil er vielzuviel Angst hatte - was aber tat der Polizist? Aus ein paar Schritten Entfernung knallte er ihn einfach über den Haufen!

Die Wut der Duisburger Arbeiterschaft dagegen ist riesengroß. Die Beerdigung Theos mußte von mehreren Polizeispitzeln in Zivil (!) bewacht werden, weil die Duisburger Staatsgewalt Unruhe befürchtete. Zu recht: Nach der Beerdigung brachten die Kameraden Theos ein großes schwarzes Kreuz gegenüber dem Polizeirevier an, auf dem stand:"

DIE POLIZEI - DEIN FREUND UND HELFER (Freund und Helfer sind durchgestrichen und stattdessen eingefügt FEIND UND MÖRDER.
Q: Jugend-Rutsche Bundeswehrwerber in Betrieb und Schulen - Raus!,Dortmund o.J. (Juli 1972)

17.07.1972:
Der 'Rote Morgen' Nr.14 (vgl. 3.7.1972, 31.7.1972) berichtet u.a. über die Dortmunder Zechen Germania und Minister Stein.
Q: Roter Morgen Nr. 14, Hamburg 17.7.1972, S. 3

RM_1972_14_05
RM_1972_14_06


24.07.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund soll vermutlich in dieser Woche das Extrablatt des 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) des KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Juli 1972) vor den Toren verkauft werden.
Q: Jugend-Rutsche Bundeswehrwerber in Betrieb und Schulen - Raus!,Dortmund o.J. (Juli 1972),S.3

26.07.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD gibt vermutlich heute ihre 'Rutsche' (vgl. 12.7.1972, 14.8.1971) mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
WER GUT SCHMIERT - DER GUT FÄHRT: DAS DARF NICHT SO BLEIBEN!

Kollegen, die schon etliche Jahre bei Minister auf dem Buckel haben, erinnern sich sicher noch an die Zeit vor 20 Jahren, als ihre Zeche als 'Polizeipütt' in aller Munde war. Treffend war dieser Ausdruck: Kumpels, die sich zur Wehr setzten gegen Lohnraub, gegen gesundheitsgefährdende Arbeitsplätze, gegen Tritte von oben - Kumpels, die zum Kampf aufriefen, um für sich und ihre Kollegen einen Fortschritt zu erzielen - flogen vom Pütt oder wurden auf kaltem Wege ausgeschaltet, z.B. durch Umversetzung in ein anderes Revier, an Arbeitsplätze, die einen Menschen am schnellsten kaputt machen.

Und ist es heute anders?
Nach dem Streik 1969 gab es für so manchen kämpferischen Kollegen die Papiere, seitdem wurden meist klammheimlich, manchmal aber auch vor den Augen vieler Kollegen, Kumpel auf die Straße gesetzt oder abgeschoben.

AUCH HEUTE NOCH: POLIZEIPÜTT

Erst vor wenigen Wochen wurde dem alten Namen wieder volle Ehre gemacht: ein Schlosserlehrling - bereits der dritte Lehrling innerhalb kurzer Zeit - wurde nach Gneisenau abgeschoben. Die JUGEND-RUTSCHE, Zeitung des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVD,d.Vf.), berichtete bereits darüber (vgl. 10.7.1972,d.Vf.): Der betreffende Lehrling gab beim Ausbilder sein Werkstück ab. Als der das nachmaß, beobachteten einige Lehrlinge, daß er den Meßschieber nicht richtig anhielt. Erbost rannten einige Lehrlinge zum Ausbilder, der aber wollte nur einen empfangen. Der Lehrling sagte dem Ausbilder, der nicht zum ersten mal falsch gemessen hatte, seine Meinung: er solle doch mal einen Meßlehrgang mitmachen, wenn er nicht mal richtig messen könne. Da Lehrlinge für viele Ausbilder keine Menschen sind, mit denen man vernünftig reden kann, sondern Untertanen, die sich grundsätzlich nicht beschweren dürfen, wurde der betreffende am nächsten Arbeitstag von Ausbildungsleiter Niggemann mit den Worten empfangen: was willst du denn hier, du bist doch entlassen! Schließlich wurde die Umversetzung beschlossen wie damals bei den beiden Elektrikerlehrlingen.

Zusammen mit Lehrlingen und Jungarbeitern hat die Jugend-Betriebsgruppe den Kampf aufgenommen gegen derartige Methoden, Kritik zu unterdrücken, gegen diese Ausbilder-Willkür, gegen Ausbilder, die Beschwerden unterdrücken. Viele der Lehrlinge und Jungarbeiter machen jetzt die Erfahrung eines jeden Arbeiters: Nur gemeinsam sind wir stark! Wo einer alleine kämpft, wird er ausgeschaltet.

Die älteren Kumpel sind aufgerufen, diesen Kampf gegen Umversetzung und Meinungsterror zu unterstützen!

GEMEINSAMER KAMPF GEGEN UMVERSETZUNG!
KAMPF DER SPALTERTAKTIK: GEGEN LOHNORDNUNG UND PRÄMIENWILLKÜR!

Kann den Älteren egal sein, was da im Lehrrevier passiert? Kann ihnen egal sein, daß jeder fliegt, der den Mund aufmacht? Warum gelingen denn den Zechenbossen und ihren Leuten in den Revieren immer wieder solche Schläge gegen einzelne? Weil sie fürchten, daß die Kumpels sich zur Wehr setzen und entschlossen für ihre Interessen eintreten, ja. Aber doch auch gerade deshalb, weil wir Kumpel nicht zusammenstehen! Gerade deshalb, weil jeder meint, der andere sei ihm Feind.

Spaltung der Kollegen untereinander - kein besseres Mittel kennen die Kapitalistenknechte, um den gemeinsamen Kampf der Kumpel zu verhindern! Jeder Kollege weiß inzwischen, daß gerade zu diesem Zweck die Lohnordnung geschaffen wurde, geschaffen von IGBE-Fürsten. Jeder weiß, wie sehr Steigerprämien die Kumpel auseinanderbringen. 'Wer gut schmiert, der gut fährt' heißt es. Nach diesem Motto kriechen viele Kollegen dem Steiger in den Arsch, heucheln gute Kameradschaft, betätigen sich als Spitzel, bestechen ihn mit Kaffee, spielen Chauffeur, verbringen Stunden des Wochenendes mit ihm. Und warum? Weil Revier- und Schichtsteiger nach Lust und Laune und Gnaden Prämien verteilen können. Wer seinen Steiger an der Jacke zieht, der tut das bestimmt nicht gerne. Denn ist das nicht eine Erniedrigung? Sind einfache Arbeiter denn keine Menschen? Wir aber werden gezwungen, uns vom freien Menschen zum Arschkriecher zu machen. Wer braucht nicht das Geld? Wer hält nicht dafür lieber den Mund und schimpft auf seine Kumpel statt auf den Steiger?

Hinter dieser Prämienwillkür steckt System: das System der kapitalistischen Herren, Ausbeutung und Macht in den Händen zu behalten.

KAPITALISMUS HEISST: EINZELNE SOLLEN HERAUSGEHOBEN UND BESTOCHEN WERDEN!

Die Kumpels sollen sich untereinander bekämpfen und uneinig sein statt sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbünden. Um so ihre Herrschaft zu sichern, opfern die Kapitalisten lieber einen kleinen Teil ihres Profits als Bestechungsgeld. Nicht nur Betriebsräte, nicht nur ehemalige Arbeiter in SPD und Gewerkschaft, nicht nur die Steigerhierarchie werden mit Geld und Posten so zu Arbeiterfeinden. Schon am Arbeitsplatz eines Kumpels beginnt dieses System!

KAPITALISMUS HEISST: DER EINZELNE WIRD GEDUCKT UND IST NICHTS WERT

Der Arbeiter soll arbeiten, damit die Kapitalisten die Profite scheffeln - und nicht, um nach einem besseren, freieren Leben zu streben.

WER NICHT AMBOSS SEIN WILL, DER MUSS HAMMER SEIN

Kumpels, dieses Ausbeutersystem muß jeder ehrliche Arbeiter bekämpfen! Auf längere Sicht gesehen, hat auch der größte Schmierer nichts davon. Steigergunst kann wechseln, und der Steiger selbst auch. Noch mehr schadet es der Kumpelschaft insgesamt. Höheren Lohn, bessere Arbeitsbedingungen, 8-Std.-Tag, solche Fortschritte für die Arbeiter sind niemals durch Schmeichelei und Verbeugung erreicht worden, und nicht mal durch harte Verhandlungen allein. Nein - jedesmal waren harte und schwere Kämpfe notwendig! Es gibt keine einzige Verbesserung für die Arbeiter, die nicht durch EINHEIT UND GESCHLOSSENHEIT UND ANGRIFF errungen wurde!

Deshalb kann kein klassenbewußter Kollege die Schmierer-Methode billigen und praktizieren! Deshalb ist der richtige Weg: in jedem Revier sich zusammenschließen, um mehr Lohn und bessere Arbeit kämpfen, alle die schützen, die abgeschoben und entlassen werden sollen!

Jeder Kumpel verbünde sich mit dem anderen. Arbeiten wir alle solidarisch zusammen!

Wie muß der Kampf gegen die Steigerwillkür mit den Prämien aussehen?

Der Vorschlag der RUTSCHE ist:
1. OFFENLEGUNG DER LOHNZETTEL
2. GEGEN STEIGERWILLKÜR - ABGESICHERTE PRÄMIEN, IN DER HÖHE DER HEUTE HÖCHSTEN GEZAHLTEN PRÄMIE
3. ALLE HEBEL IN BEWEGUNG SETZEN, DASS DIE KUMPEL EINER ARBEITSGRUPPE DIE PRÄMIEN SELBER UNTER SICH AUFTEILEN KÖNNEN - STRENG NACH LEISTUNG EINES JEDEN
4. AUCH BESSERE UND SCHLECHTERE ARBEITSPLÄTZE WERDEN NICHT MEHR NACH STEIGERS GNADEN, SONDERN REIHUM VERGEBEN (WOBEI DIE UNTERSCHIEDLICHE LEISTNGSFÄHIGKEIT BERÜCKSICHTIGT WIRD).

Kollegen, diskutiert diese Vorschläge! Nehmt dazu Stellung, wie man sie im einzelnen verwirklichen könnte!

IN CHINA HABEN DIE ARBEITER UND BAUERN DIE MACHT IM STAAT!

In einem sozialistischen Land sind die Kumpels Herren der Grube. Niemand bekleidet einen Posten, niemand hat zu bestimmen, der nicht das Vertrauen der Kumpel genießt. Deshalb braucht niemand ein System der Bestechung, um sich an der Macht zu halten. Die Kumpels arbeiten nicht für den Profit einiger Millionäre, sondern bauen mit ihren Händen ihr Land auf, schaffen Wohlstand für das ganze Volk. Jeder leistet, was er kann und ist stolz darauf. Deshalb wird kein Arbeiter geduckt und mißachtet, sondern als Mensch anerkannt und in seinen Fähigkeiten gefördert.

Diesen Sieg haben die chinesischen Arbeiter und Bauern unter Führung der kommunistischen Partei erkämpft."

Abgedruckt wird auch der Artikel "Wer sind die Grubenherren?" aus der 'Peking Rundschau' (PR) Nr.8/1971 (vgl. 22.2.1971).

Ein zweiter Leitartikel berichtet aus Großbritannien**:"
STREIKFRONT IN ENGLAND

Nachdem der britische Staat 5 Vertrauensleute der Hafenarbeiter ins Gefängnis warf, weil sie sich wie Millionen anderer Arbeiter nicht an das Antistreikgesetz der Regierung halten, legten über 40 000 Hafenarbeiter sofort die Arbeit nieder. Schon am nächsten Tag schlossen sich Hunderttausende Arbeiter anderer Industriezweige an. Immer breiter wird die Streikfront, ein Generalstreik ist in Sicht. Heute treten 35 000 walisische Bergarbeiter in den Solidaritätsstreik, am Montag folgen 250 000 Kumpels aus Südwestengland. 'Die Hafen- und Transportarbeiter sind uns bei unserem Kampf zur Seite gestanden, da ist es doch eine Selbstverständlichkeit, daß wir nun mit ihnen kämpfen', sagten die Kumpels. Auch im Ausland finden die englischen Arbeiter Solidarität: die französischen Hafenarbeiter löschen keine britischen Schiffe mehr, andere Nationen wollen dasselbe tun.
VON NEUEM HAT DIE ENGLISCHE ARBEITERKLASSE UNÜBERHÖRBAR IHRE STIMME ERHOBEN! EINIGKEIT UND SOLIDARITÄT SIND STARKE WAFFEN DER ARBEITER - WAFFEN GEGEN DEN BRITISCHEN AUSBEUTERSTAAT. SOLIDARITÄT MIT DEN ENGLISCHEN KLASSENBRÜDERN!"

Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) Nr.15 der KPD/ML-ZB vom 24.7.1972, die heute mittag und morgen mittag verkauft werden soll.
Q: Rutsche Wer gut schmiert - der gut fährt,Dortmund o.J. (Juli 1972)

August 1972:
Von der KPD/ML-ZB und dem KJVD erscheint ca. Mitte August in Dortmund eine "Gemeinsame Erklärung der Betriebsgruppen der KPD/ML und des KJVD Westfalenhütte, Phönix (Hoesch,d.Vf.), Minister Stein: Auf nach München". Die Erklärung ruft dazu auf, am 2.9. in München am Roten-Antikriegstag (RAKT) teilzunehmen sowie an einer Veranstaltung in Dortmund (vgl. 29.8.1972).
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Gemeinsame Erklärung der Betriebsgruppen der KPD/ML und des KJVD Westfalenhütte, Phönix, Minister Stein:Auf nach München,Dortmund Aug. 1972

07.08.1972:
Es erscheint die Nr.16 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 24.7.1972, 21.8.1972). Zu der im Juli 1972 begonnenen Diskussion um eine Beteiligung der KPD/ML-ZB an den Bundestags-Neuwahlen wird aus NRW aus Dortmund aus dem IGBE-Bereich eine "Stellungnahme der KPD/ML-Betriebsgruppe Minister Stein zur Taktik der Partei bei den Neuwahlen" veröffentlicht. Dabei wird zunächst dargelegt, daß sich nach der 'Roten Fahne' Nr.14 vom 10.7.1972 "eine Diskussion über die Frage der Wahlbeteiligung entwickelt" habe. Dazu wird von der Redaktion bemerkt: "Wir müssen den Notstandskurs, die Aufrüstung und Revanchekurs lebendig vor den Massen enthüllen. Wir müssen gegen das Parteiverbot, gegen die Faschisierung und Militarisierung einen konkreten Kampf führen. Auf dem Hintergrund dieser Aufgaben muß die Frage der Wahlbeteiligung oder des Wahlboykotts diskutiert werden."

Die Stellungnahme der Betriebsgruppe Minister Stein erklärt u.a.:"
Welche Mittel dienen dem Kampf der Arbeiterklasse am besten bei den Neuwahlen im Winter: der Wahlboykott oder die Aufstellung eigener Kandidaten als Partei, oder als Wahlbündnis? Diese Frage stellt die ROTE FAHNE Nr.14 an die Partei und an den Jugendverband. Wir beantworten die Frage zunächst spontan und ausgehend von den Erfahrungen unserer täglichen politischen Arbeit ... Die Massen haben sich noch nicht vom Parlamentarismus gelöst, obwohl sie bereits auf dem Weg dazu sind ... Sicher würden viele einen Wahlboykott der Partei als 'Drückebergerei', als Furcht vor einer offenen Auseinandersetzung mit den Bundestagsparteien auffassen ... Also Boykott? Nein, diesem Argument begegnen wir am besten durch einen aktiven Wahlkampf, wo wir am offensivsten Propaganda für die proletarische Demokratie, für den Staat der Arbeiter und Bauern betreiben können. Selbst, wenn keine Wahlen anstehen, ergibt sich aus der Diskussion mit vielen Kollegen, daß sie eine Wahlbeteiligung der KPD/ML als selbstverständlich ansehen ... Wahlbeteiligung - das hieße, die Illusionen über die proletarische Demokratie zu zerstören. Der (politische) Kampf, der mit allen Mitteln vom Staat und seinen Parteien gegen uns geführt werden würde, würde die Einsicht der Massen in den Charakter dieses Notstandsstaates vergrößern. Und weiter: Indem wir uns nicht danebenstellen und schimpfen, sondern unsere Politik und Ansichten vor die breiteste Öffentlichkeit tragen ... . Ein Boykott hieße Verzicht auf die wirkliche Alternative für die Arbeiterklasse, nämlich die Partei, die den Massen nicht vorgaukelt, das Parlament sei ein Instrument des Volkes, sondern die auf allen Ebenen den Kampf für die proletarische Rätedemokratie, die Diktatur des Proletariats aufgenommen hat. ... Eine KPD/ML, die sich zur Wahl stellt, ist für die Kollegen eine wirkliche Alternative, stellt sie ganz praktisch und zwingend vor die Frage: Spreche ich mit meiner Stimme dieser Partei mein Vertrauen aus, unterstütze ich ihr Programm, wende ich mich bewußt von den anderen Parteien ab? Wir bejahen also voll und ganz die Beteiligung an den Wahlen. Es ist klar, daß dies in agitatorischer Hinsicht von der Partei soviel fordert wie noch nie. Denn die Illusionen über Parlamentarismus und Wahlen und über eine Beteiligung der KPD/ML an den Wahlen, dazu die Bedenken vieler Arbeiter gegen unsere Partei sind stark und erfordern größte Anstrengungen, um sie zu zerstören. Das gilt vor allem auch für die Frage: Wir sind grundsätzlich gegen das parlamentarische System und den kapitalistischen Staat und wollen dort trotzdem Einfluß erringen ... Eine weitere Frage, die zu klären wäre, ist die nach den Kräften und organisatorischen und technischen Möglichkeiten der Partei ... In diesem Zusammenhang gibt es noch einen wichtigen Grund für eine Wahlbeteiligung: Die dazu notwendige Vorbereitung und Arbeit der Partei würde entscheidend zur Konsolidierung, zur ideologischen Stärkung der Partei beitragen, sie würde die Partei enger zusammenschließen durch diese für sie große politische Aufgabe - allerdings nur dann, wenn die ideologische Vorbereitung und Ausrichtung der Partei vorher ausreichend war. Zusammenfassung: Die Betriebsgruppe ist der Meinung, die Partei solle sich an den Wahlen beteiligen.

1. Der Hauptgrund ist, daß die Arbeiterklasse, soweit sie uns kennt, bei der Wahl nicht vor der Frage steht: Welche Partei ist das kleinste Übel, sondern eine wirkliche Alternative! Indem wir uns zur Wahl stellen, bilden wir solange eine Alternative, wie die Massen nicht praktisch die Frage nach der proletarischen Demokratie stellen - nur in diesem Falle wäre eine Wahlbeteiligung sinnlos, falsch. Die Partei hat durch die Durchführung der Urabstimmung im Bergbau bereits eine ähnliche Erfahrung gemacht. Wer damals ein Kreuzchen machte, gab uns sein Vertrauen, sah in uns die Alternative ...
2. Die Wahlbeteiligung bedeutet auch in den Augen der Massen eine offensive Politik. Wenn wir es verstehen, die Wahl richtig zu nutzen, wird unser Programm als Kampfprogramm gegen die Bonner 'Demokratie' vor den Massen deutlich werden, haben wir ferner die Möglichkeit, praktisch zu erläutern, was die revolutionäre Alternative zum Kapitalistenstaat ist.
3. Die Anstrengungen, die der Partei im Falle einer Wahlbeteiligung in ideologischer und organisatorischer Hinsicht bevorstehen, sind riesig groß. Aber die Partei sollte ihre Kräfte weiter steigern und zusammenstehen, dann wird der Wahlkampf auch die Partei festigen und stärken."
Q: Rote Fahne Nr.16,Bochum 7.8.1972;
Rutsche KPD-Verbot muß weg!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.1 und 3f

14.08.1972:
In Dortmund gibt die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB vermutlich in dieser Woche ihre 'Rutsche' (vgl. 26.7.1972, 18.9.1972) mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
16 JAHRE KPD-VERBOT - 17.Aug. 1956

KPD-VERBOT MUSS WEG!

Viele ältere Kollegen werden sich noch daran erinnern: Am 17.August vor 16 Jahren wurde nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht (BVG,d.Vf.) in Karlsruhe die KPD verboten. Viele werden sich auch daran erinnern, daß in der Folgezeit eine Welle von Verhaftungen und Prozessen begann, kurz der Polizeiterror wieder aufglühte."
Es folgt ein Abschnitt aus dem Leitartikel der 'Roten Fahne' (RF) Nr.16 der KPD/ML-ZB vom 7.8.1972, von "Bis 1963" bis "hatten freie Hand für jede Willkür erhalten." Selber formuliert wird sodann:"
Heute hat das KPD-Verbot wieder besondere Aktualität gewonnen. Warum? Ungeheure Rüstungsanstrengungen, Mobilmachungsübungen zur Wiedereroberung der DDR und die restlose Einbeziehung der Jugendlichen sprechen eine deutliche Sprache.

Alle bundesrepublikanischen Notstandsparteien sind sich darin einig: 'Unsere Gebietsforderungen gehen bis weit hinter die Oder-Neiße-Linie. Wir wollen die alten deutschen Herrschaftsgebiete wiederhaben.' tönte Kai-Uwe von Hassel 1961 (CDU - vgl. **.**.1961,d.Vf.). Heute tritt man nur leiser auf.

Doch die Taten zerreißen das Friedensmäntelchen, hinter dem die SPD-Regierung ihre wahren Absichten verstecken will: im Interesse der Monopolherren Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik!

Der Widerstand gegen die Rüstung und Revanchepolitik wächst. KPD/ML und KJVD und andere Marxisten-Leninisten kämpfen entschlossen in der antimilitaristischen Front. Genau wie die KPD und die FDJ gegen die Wiederaufrüstung unter Adenauer. Und genau wie mit KPD- und FDJ-Verbot jeglicher Widerstand gegen die Wiederaufrüstung zerschlagen werden sollte, so versucht der Bonner Staat heute mit Verbotsvorbereitungen gegen die KPD/ML und den KJVD den Kampf gegen Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik im Keim zu ersticken. Beispiele gibt es genug:

- Juni 1972 (vgl. 20.6.1972,d.Vf.) kommt es vor einigen Zechen zu zahlreichen Übergriffen der Polizei gegen die KPD/ML. Bespitzelung, Anzeigen, Verleumdung, ja sogar offene Gewalt sind die Methoden um eine Urabstimmung im Bergbau zu verhindern.

- Am Morgen des 17.Juli dringen Polizisten mit gezogener Pistole ohne Durchsuchungsbefehl in das Bremer Büro der KPD/ML ein. Ohne Haftbefehl verschleppen sie den Anwesenden in eine Zelle. Diese Aktion ist nicht die erste ihrer Art.

- In Westberlin wird ein Erlaß des Innenministers Genscher und des Innensenators Neubauer (vgl. S2.*.1972,d.Vf.) bekannt, der die KPD/ML und die KPD/AO als verfassungsfeindlich ansieht.

- Der Herausgeber der ROTEN FAHNE sitzt auf der Anklagebank (vgl. Bochum - 25.8.1972,d.Vf.).

- Nicht nur vor Minister Stein und Hardenberg wird das Verteilen und Verkaufen der kommunistischen Presse durch Polizei behindert. Im ganzen Bundesgebiet häufen sich derartige Vorfälle.

Die ROTE FAHNE zeigt die Zusammenhänge und Parallelen". Es folgt erneut ein Abschnitt aus dem obigen Artikel und zwar von "Adenauer macht Westdeutschland" bis "um den Massenwiderstand zu verhindern." Der Artikel endet dann:"
Wir sehen, der Kampf gegen das KPD-Verbot ist aktueller denn je. Er ist eng verknüpft mit dem Kampf gegen Militarismus, Aufrüstung und Kriegsvorbereitung; er ist ein Teil des Kampfes gegen die Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.); und vor allem schiebt er den Bestrebungen des Bonner Staats, das KPD-Verbot auf die KPD/ML und andere Marxisten-Leninisten anzuwenden, einen Riegel vor. ALLE FORTSCHRITTLICH GESINNTEN KRÄFTE IN EINE KAMPFFRONT GEGEN DIE REAKTIONÄRE POLITIK DES BONNER STAATES!

KAMPF GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK!
FÜR FRIEDEN UND SOZIALISMUS!
FREIHEIT FÜR DIE KOMMUNISTISCHE PRESSE!
KPD-VERBOT MUSS WEG!"
Aufgerufen wird zur Bochumer Demonstration gegen das KPD-Verbot am 17.8. bzw. zum Dortmunder Treffpunkt dafür.
Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) Nr.16:"
Außer dem Leitartikel, den wir auf Seite 3 in Auszügen veröffentlicht haben, berichtet die ROTE FAHNE weiter über
- den englischen Dockerstreik
- am 2./3.Sept. Antikriegstag (RAKT,d.Vf.) in München
- wie sieht es in der chinesischen Volksarmee aus?
- Demonstrationen gegen das Ausländergesetz
- Streik bei Krupp
- Bummelstreik bei Opel gegen Arbeitshetze
- Gewerkschaftsausschluß bei Daimler in Mannheim
- Diktatur des Proletariats heißt Demokratie für die werktätige Bevölkerung
- Betriebsgruppe Minister Stein nimmt Stellung zur Wahlbeteiligung
- Irland in irische Hände!
- hinterhältiger Völkermord in Vietnam
- Gericht bestätigt - antifaschistischer Widerstandskämpfer darf Mörder genannt werden
- ROTE FAHNE Prozeß"

Angekündigt wird die Belegschaftsversammlung (vgl. 19.8.1972), gefordert wird ein:"
ZWEITES TOR AN DER ÜBERTAGEKAUE!

Seit längerer Zeit ist das Gerangel um einen zweiten Eingang neben der Übertagekaue im Gange. Die Kollegen sagen sich mit Recht, wenn kein offizielles Tor, so tut's ein Loch im Zaun auch. (Was ich im Kopf habe, brauche ich nicht zu laufen!) Vom Parkplatz bis zur Übertagekaue sind es ein paar Meter. Von uns verlangt man, daß wir einmal um's Karo rennen, was sich auf fast 1 km beläuft. Nicht mit uns!

Bisher lief auch immer alles glatt. Wenn der Werkschutz mal wieder das Loch im Zaun flickte, dann öffnete sich einige Stunden später direkt daneben ein neues Loch (ausgleichende Gerechtigkeit).

Vor ein paar Tagen jedoch saß ein Werkschutzmann in seinem Wagen - er war's einfach leid. Vom dauernden Zäunereparieren hatte der arme schon ganz kaputte Hände - und lauerte auf die 'Übeltäter'.

Die Kollegen waren natürlich zu Recht über diesen ungebetenen Aufpasser sauer.

Wir meinen, wenn der Werkschutz dafür einen Mann entbehren kann, kann man auch das zweite Tor mit eben dieser Bewachung offiziell öffnen."

Aus der 'Roten Fahne' (RF) Nr.** vom **.*.197* wird auf Seite 6 noch der folgende Artikel zitiert:"
KEIN ZECHENSTERBEN IN DER VR CHINA

Zechensterben im Kapitalismus - Verdoppelung der Kohleproduktion in sozialistischen Ländern!

Das ist ein klares Beispiel, wie nur im Sozialismus der Wohlstand der breiten Massen gesichert ist und nicht nur für eine kleine Clique.

Wie sieht es in der Volksrepublik China aus? Als 1949 die chinesischen Arbeiter und Bauern unter Führung der Kommunistischen Partei mit dem Vorsitzenden Mao Tse-tung an der Spitze die Revolution durchführten, war das ganze Land verwüstet und die Wirtschaft lag am Boden.

Im Kohlebergbau hatten die Kapitalisten immer erklärt: In Südchina lohnt es sich nicht, die Kohlevorkommen abzubauen, das ist unwirtschaftlich. Jetzt ließen sich die Volksmassen nicht mehr von dieser Lüge abhalten: eine Massenbewegung wurde in Südchina entfaltet und bald gab es eine Reihe großer und kleiner Zechen, die dort Kohle abbauen und zeigen, was das Volk kann, wenn es frei seine Kräfte entfalten kann, ohne Blutsauger und Antreiber. Schön, werden jetzt viele Kumpel sagen, aber wer gibt uns die Garantie, daß ein sozialistischer Staat nicht auch entarten kann, so wie es in der Sowjetunion (SU,d.Vf.) und der DDR der Fall ist, wo man heute nicht mehr von Sozialismus sprechen kann?

Auch darauf geben die Erfahrungen aus der Volksrepublik China eine klare Antwort. Nach 15 Jahren sozialistischer Herrschaft hatten sich auch in China eine Reihe von Parteimachthabern und Bürokraten gebildet, die den sozialistischen Aufbau beseitigen und ihre Privilegien für eine neue Bonzenherrschaft ausbauen wollten. Sie fingen an, die alten kapitalistischen Theorien nachzuplappern: so erzählten sie in Südchina, daß die Kohlevorkommen doch nicht so gut seien und zwangen viele Zechen zur Stillegung. Sie unterschieden sich also kaum noch von den SPD-Herren wie Kühn und Schiller, die mit großen 'sozialen Worten' die Kumpels auf die Straße setzen.

Aber die chinesischen Arbeiter und Bauern setzten sich unter Führung der KP China mit dem Vorsitzenden Mao Tse-tung erfolgreich gegen die Parteimachthaber und Bürokraten zur Wehr. Die Massen wurden mobilisiert und führten einen zähen Kampf gegen die Bonzen. In den Betrieben wurden Revolutionskomitees gebildet, die Bürokraten vertrieben, und die Massen an der Leitung der Produktion beteiligt. In Wandzeitungen und Betriebsversammlungen wurde eine große Massenkritik entfaltet: jeder Arbeiter konnte dort öffentlich die Fehler der Bonzen aufdecken und Vorschläge machen, wie die Produktion organisiert werden sollte.

Nach erbitterten Auseinandersetzungen und Demonstrationen, in denen sich besonders die chinesische Jugend, die Roten Garden, hervortaten, wurden die alten Machthaber aus dem Staatsapparat und aus den Betriebsleitungen entfernt. Das waren wichtige Erfolge der KULTURREVOLUTION.

Die Kapitalisten und Revisionisten erschraken, als sie diese Aktivität der chinesischen Millionenmassen sahen und verbreiteten solche Lügen, daß die Kulturrevolution ein großes Chaos gewesen sei, bei dem die ganze Wirtschaft fast kaputtgegangen wäre. Aber wie war es wirklich, zum Beispiel im Kohlebergbau in Südchina? Vor der Kulturrevolution hatten die Bonzen Stillegungen erzwungen: jetzt wurden die Massen mobilisiert und berieten die besten Möglichkeiten, Kohle schnell und wirtschaftlich abzubauen. Sie machten Stillegungen rückgängig, teuften neue Schächte ab. Das Ergebnis: Schon 1970 war die Kohlegewinnung doppelt so hoch wie 1965, dem Jahr vor der Kulturrevolution.

Hier noch ein besonderes Beispiel von einer Zeche, die von den Bonzen dichtgemacht worden war:

'Die Kohlengrube Fuschan, im Kreis Döan, Provinz Kiangsi, war bereits vor Jahren von Liu Schao-tschi und seinen Agenten geschlossen worden. Was noch übrigblieb, waren lediglich eine Bracke, ein alter Dieselmotor und ein aufgegebener Schacht. Im Jahre 1968 kam Wang Hsing-ming, ein Mitglied der Kommunistischen Partei, an der Spitze einer 40-köpfigen Gruppe zu dieser Grube. Sie stellten Lehmziegel her und brachten Holz über die Berge, um einfache Schuppen zu bauen. Dann wurden alte Stollen wiederhergestellt und Kohle gefördert. Damit wurde das Problem von Geldmitteln zur Erweiterung der Produktion gelöst. So wurde von dieser Gruppe diese aufgegebene Kohlengrube wiederaufgebaut. Später, durch die Einführung vieler technischer Neuerungen, wurde die Produktion halbmechanisiert. Der Wert der in den vergangenen zwei Jahren geförderten Kohle übertraf um das 8,5-fache die Gesamtinvestitionen.' (Peking Rundschau) (PR Nr.** vom **.**.197*,d.Vf.)

Das Beispiel der chinesischen Arbeiter und Bauern und ihrer revolutionären kommunistischen Partei zeigt ns, was die Arbeiterklasse als einige Krat leisten kann, wenn sie im Vertrauen auf die eigene Kraft handelt. Es zeigt uns, daß die Arbeiterklasse unter Führung der Kommunistischen Partei stark genug ist, den Kapitalistenstaat zu stürzen und eine Entartung des Sozialismus wie in der UdSSR zu verhindern."
Q: Rutsche KPD-Verbot muß weg!,Dortmund o.J. (Aug. 1972)

14.08.1972:
In Dortmund erscheint vermutlich in dieser Woche eine 'Jugend-Rutsche' (vgl. 17.7.1972, 14.8.1972) der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg des KJVD der KPD/ML-ZB mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum unter der Schlagzeile: "Schluß mit den Umversetzungen! Wir fordern: Freie Meinungsäußerung im Betrieb!" heraus. darüber müsse auf der Jugendversammlung (vgl. 16.8.1972) diskutiert werden. Gefordert wird auch: "Grössere Kauen, mehr Brausen!"

Aufgerufen wird auch zum roten Antikriegstag in München (RAKT – vgl. 2.9.1972).
Q: Jugend-Rutsche Schluß mit den Umversetzungen!, Dortmund o. J. o.J. (Aug. 1972)

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16.08.1972:
Die Bergbau AG (BAG) Dortmund verfaßt einen folgenden Schriftsatz für das Arbeitsgericht Dortmund im Prozeß wegen Günter Jegodowski (vgl. 9.2.1972), in dem es u.a. heißt:"
1. Der Zeuge W. hat etliche Tatsachen bekunden müssen, die gerichtliches Interesse an einem für den Kläger günstigen Ausgang des Prozesses deutlich machen.

a) Er hat zunächst das Interesse gehabt, einen Zeitungsbericht mit fotografischen Darstellungen zu redigieren, der - was insbesondere die in der Wirtschaft vor der Ortsbegehung gemachten Aufnahmen beweisen - offensichtlich reißerisch angelegt werden sollte ('Unheimliche Niedergeschlagenheit des Kläger - Tränen in den Augen; keine Freude über die gerade erfolgte Geburt des eigenen Kindes angesichts des durch die Fahrlässigkeit des Arbeitgebers zu Tode gekommenen Arbeitskollegen - schriftliche Aussagen des Zeugen W. über die Situation in der Gaststätte).

b) Er machte sich angeblich vor der Besichtigung der Örtlichkeit über das Recht- oder Unrechtmäßige seines Vorgehens Gedanken ('Das Gelände der RAG wollten wir nicht betreten, wir wußten, daß wir damit Hausfriedensbruch begehen würden, ich hatte schon Bedenken, ob wir Jegodowski, der ja Urlaub hatte, veranlassen durften, das Gelände zu betreten. Für das Betreten des Geländes der Bundesbahn (DB,d.Vf.) hatten wir besondere Bahnpassierscheine', die zeigen, daß er sich mit seiner Reportage bewußt bis an die Grenze der Kriminalität vorwagen wollte und diese Grenze durch die mit dem Kläger getroffene und von diesem dann verwirklichte Abrede, das Unfallfahrzeug in die Nähe des Bahndamms zu bugsieren, auch in strafbarer Weise (Paragraphen 123 II, 47 StGB).

(Die vorstehend wiedergegebenen Aussagen des Zeugen W. sind zwar im einzelnen nicht protokolliert worden, der Herr Vorsitzende versprach aber, den Gesamtzusammenhang der Aussagen des Zeugen in seiner Erinnerung zu behalten.)

c) Der Zeuge gab zu, am 25.2.1972 bei der Beklagten vorgesprochen und sich für den gerade fristlos entlassenen Kläger eingesetzt zu haben. (Offensichtlich fühlte er sich für diesen verantwortlich. Möglicherweise hat er ihm entsprechende Zusagen geben müssen.)

d) Er gab ferner zu, bis zu seiner Ablösung in dieser Sache durch den Chef der Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau (WR,d.Vf.) an der ausführlichen Veröffentlichung der Angelegenheit Jegodowski interessiert gewesen zu sein. Auch daraus darf ja wohl ein Interesse des Zeugen abgeleitet werden, diejenige Seite, mit der er sympathisierte, nicht unnötig in Schwierigkeiten zu bringen. Er hat (oder hatte) also ein berufliches Interesse daran, den Kläger sympathisch zu schildern, was kaum möglich gewesen wäre, wenn er bekunden müßte, der Kläger habe sich so verhalten, wie er sich gemäß der Aussage des Zeugen K. tatsächlich verhalten hat. - Die Tatsache seiner Ablösung legt im übrigen den Verdacht nahe, daß auch der Vorgesetzte von Herrn W. im vorliegenden Falle mit der vom Zeugen gezeigten journalistischen Arbeitsweise keineswegs einverstanden war und daß Herr W. nun nachträglich bestrebt sein muß, schon allein aus beruflichen Gründen, seinem Vorgehen den Anstrich der Objektivität und des sauberen Journalismus zu geben.

2. Auch in inhaltlicher Hinsicht bedürfen die Aussagen des Zeugen W. einer kritischen Würdigung:

a) Der Zeuge bekundete, er habe 100 m vom Kran entfernt auf dem Bahnsteig gestanden. Erst auf nachdrückliches Befragen durch den Herrn Vorsitzenden räumte er ein, daß es evtl. nur 50 m gewesen sein könnten, er könne nämlich nur schlecht schätzen. Dies beweist, wie schlecht der Zeuge beobachten kann und daß ihm angesichts dieser krassen Beobachtungsschwäche zuzutrauen ist, auch die vom Zeugen K. bezeugte ... (Tat übersehen,d.Vf.) zu haben. (Der wirkliche Abstand betrug nur etwa 20 m).

b) Die vom Zeugen W. nachdrücklich bekundete Aussage, er habe ausschließlich vom Kran, nicht aber von Kran und Kläger Aufnahmen machen wollen und gemacht, steht im Widerspruch zu der Tatsache, daß in der Gaststätte vom Kläger und seinen Freunden in ihrer 'Niedergeschlagenheit' bereits Fotos gemacht wurden. Es kam damit den Reportern eindeutig auf die 'menschliche Seite' des Falles an. Dies ist unvereinbar mit seiner Aussage, bei dem Kran habe lediglich dessen Aussehen interessiert.

c) Auf die krassen Widersprüche in der Aussagen der vom Kläger gestellten Zeugen W., B. und O. bezüglich der blutverschmierten Hand wird hingewiesen. Dadurch sind die diesbezüglichen 'Unterstellungen' (so der Klägervertreter) im Schriftsatz vom 4.7.1972 eine zusätzliche Bestätigung. - Wir erwarten nicht, daß das Gericht uns Unterstellungen macht, sondern erwarten, daß es klare und widerspruchslose Zeugenaussagen (K. und demnächst Kn.) als das nimmt, was sie sind und widersprüchliche, von dubiosen Interessen geführte Aussagen nicht als deutlichen Beweis des Gegenteils wertet. In diesem Zusammenhang wird sicherlich der Tatsache, daß der Kläger nach der Aussage des Zeugen W. Mitglied der DKP ist, ein beachtliches Gewicht beizumessen sein.

d) Bei den Unterlagen, die dem Prozeßvertreter der Beklagten Ende Februar 1972 von der Betriebsleitung zur Vorbereitung des zu erwartenden Prozesses übersandt wurden, befindet sich ein von dem Werksschutzleiter H. gefertigtes Protokoll über die Einlassung des Klägers bei seiner werksseitigen Vernehmung am 18.2.1972, dem Zeitpunkt seiner Rückkehr aus dem Urlaub. In diesem Protokoll wird als eigene Einlassung Jegodowskis bezeugt: 'Jegodowski ließ das Fahrzeug wieder anhalten und hob noch am Fahrzeug stehend den rechten Arm, um anzuzeigen, daß dies das Unfallfahrzeug sei.'

Damit sind die Aussagen der Zeugen O. und W. widerlegt, die beide 'ganz genau wußten' (so wörtlich O. ), daß Jegodowski in keinem Augenblick den rechten Arm oder die rechte Hand hochgehoben habe. Die ladungsfähige Anschrift des Herrn H. lautet:
...

Da die Vernehmung des Klägers durch den Werkschutzleiter in Anwesenheit des Fahrsteigers K. durchgeführt wurde, kann auch dieser die vorgenannte Tatsache bezeugen. Die Anschrift des Fahrsteigers K. lautet:
...

3. Die Sache ist längst in unserem Sinne entscheidungsreif, da es auf die Einzelheit mit der hochgehobenen Hand sicherlich nicht entscheidend ankommt. Der Kläger benutzte bei seinem Vorgehen, das von kommunistischem Gedankengut inspiriert und darauf angelegt war, die 'Willkür der Bosse' und die 'Brutalität der Betriebsleitung', die nur 'an Profit denkt und keinen Pfifferling um Leben und Gesundheit der Kumpel gibt' (vgl. die anliegende Kumpel-Post mit der Überschrift 'Brutaler Willkürakt der Betriebsleitung gegen Familienvater' (vgl. 1.3.1972,d.Vf.)), anzuprangern, einen vom Arbeitgeber eindeutig nicht zu verantwortenden Unfall zur vorsätzlichen Schädigung des Ansehens der Beklagten in der Öffentlichkeit. Ferner stellt das Betreten unseres Werksgeländes durch den Kläger unter den gegebenen Umständen einen schweren, nämlich in Mittäterschaft begangenen Hausfriedensbruch dar. Angesichts dieser Sachlage kann der Beklagten die Umwandlung der außerordentlichen Kündigung in eine fristgerechte Kündigung nicht zugemutet werden, will man nicht den Bogen dessen, was für einen Arbeitgeber zumutbar ist, kraß überspannen. Die vom Kläger als DKP-Mitglied mitgetragene 'Kumpel-Post', von der wir noch zwei weitere auf den Fall Jegodowski bezogene Ausgaben in Kopie beifügen, würde mit größtem Genuß ein Urteil als Triumph der DKP-Strategie feiern, in dem ein die politischen Implikationen des Falles verkennendes Gericht die Wahrheit mehr bei den notorisch auf Verdrehungen ausgehenden Kommunisten sucht als bei einem ehrlichen, an den politischen Verwicklungen uninteressierten Arbeitnehmer. Daß im übrigen Herr K. weder vom Betriebsrat noch vom Arbeitgeber in irgendeiner Weise 'programmiert' worden ist, können wir durch die Aussage seines Meisters L. erhärten, dem er, nachdem ihm wegen des Vorgefallenen Bedenken gekommen waren, gleich alles so erzählte, wie er es auch dem Gericht berichtet hat, ohne zuvor mit dem Betriebsrat oder sonstigen Stellen über die Sache gesprochen zu haben. Die ladungsfähige Anschrift des Herrn L.
...

Schließlich ist noch anzumerken, daß Arbeitgeber (Zeuge: Personaldirektor Kelbassa, ...) und Betriebsrat (Zeuge: Betriebsratsvorsitzender Obijou, ...) von der DKP-Mitgliedschaft des Klägers erst erfahren haben, nachdem ihnen die Ereignisse des 9.2. über die Herren K. und L. bekannt geworden sind. Von einer lange herbeigesehnten passenden Gelegenheit den Kläger loszuwerden, kann daher weder beim Arbeitgeber noch beim Betriebsrat die Rede sein."
Q: BAG Dortmund:An das Arbeitsgericht Dortmund,Dortmund 16.8.1972

16.08.1972:
Auf der Zeche Minister Stein Dortmund findet, laut KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. 21.8.1972), eine Jugendversammlung statt:"
MISSLUNGENE JUGENDVERSAMMLUNG? - AUS FEHLERN LERNEN!

Wie? Der Betriebsrat Buck bricht die Jugendversammlung ab? Wie kommt er denn dazu? Was hat er denn den Jugendlichen vorzuschreiben? Soll ma sich von ihm sagen lassen, was man tun darf und was nicht? Er, Buck, kommt hin und ruft: Abbruch! Abbruch!

Und die Jugendvertretung? Auch sie ließ sich vom Betriebsrat vorschreiben, was zu geschehen hat und schritt nicht gegen Buck ein.

Klar, Kollegen, die Störung und Unruhe auf der Jugendversammlung waren keine gute Sache, das weiß jeder. Aber damit muß die Arbeiterjugend selbst fertig werden, ohne Kommando des Betriebsrats. Und Überlegen wir mal, wie es zu der Unruhe kam: da erzählt erst der Jugendsekretär so richtig zum Einschläfern und dann, wenn sich Kollegen zu Wort melden, wird alles mit 'unwichtig, nicht zuständig, mehr kann man nicht machen' abgetan. Da ist es dann auch kein Wunder, daß Unruhe und Unaufmerksamkeit sich breit machen.

Aber das alles ist kein Grund, die Jugendversammlung einfach abzubrechen. Das ist ein Angriff des Betriebsrats auf die Jugend! Der Betriebsrat hat die Jugendversammlung nicht zu bevormunden!! Und dann auch noch die Drohung, keine Jugendversammlung mehr in der Arbeitszeit abzuhalten. Darum die Forderungen:

FORTSETZUNG DRE JUGENDVERSAMMLUNG!

KEINE JUGENDVERSAMMLUNGEN AUSSERHALB DER ARBEITSZEIT!

- Wie sah's nun auf der Versammlung aus? Nach dem Rechenschaftsbericht der Jugendvertretung (ein Fortschritt!) und dem langweiligen Gerede des Jugendsekretärs, meldeten sich Kollegen zu Wort. Sie waren der Ansicht, die PROBLEME müssen auf den Tisch. Es muß etwas geschehen. Und was geschah? F. Nitsch tat das Rauchverbot als Lappalie ab, die auf den Sprechstunden geregelt werden könne. Aber sowas gehört doch auf der Jugendversammlung auf den Tisch! Und solche Fragen, Friedhelm, sind zwar Unruhestifterei (wie du sagst!), aber Unruhe, die man braucht, um etwas gegen die Kapitalisten durchzusetzen. Denn durch - 'Ruhe ist die erste Bürgerpflicht' - ist noch nie etwas für die Arbeiterklasse durchgesetzt worden.

Auf der Jugendversammlung hätte klar gesagt werden müssen: Keiner hält sich in Zukunft an das Rauchverbot. So wird das Rauchen in allen Ausbildungsbetrieben durchgesetzt. Und wenn's Schwierigkeiten gibt, werden in den Pausen weitere Maßnahmen besprochen. So etwas muß aber ganz klar gesagt werden. Mit Übergehen ist da nichts getan.

- Desweiteren meinte Peter Baus, die Berufsschule sei kein Thema für die Jugendversammlung. Aber gerade hier hätte das Fegen in der Berufsschule geschlossen abgelehnt werden müssen.

- Und wie steht's mit der Umversetzung? Kein Ton! Erst hinterher, als der Großteil der Kollegen weg war, wagte Peter Baus zu sagen: er sei 'leider' an die Friedens- und Schweigepflicht gebunden, und im übrigen hätte der Schlosserlehrling zweimal ENTLASSEN werden können. Da fragt man sich, spricht hier ein JugendVERTRETER oder die Zechenleitung persönlich.

- Oder da erzählt dann F. Nitsch, daß die Jugendvertretung Brieflein an alle x-beliebigen Stellen geschrieben habe wegen der neuen Maschinen in der Lehrwerkstatt. Aber herausgekommen sei nichts. Heißt das denn dann, daß die Hände in den Schoß gelegt werden können? Doch wohl keineswegs! Die Jugendversammlung ist doch gerade dazu da, weitere Maßnahmen zu beschließen.

Die Jugendlichen haben kein Interesse daran, Monate, oder gar jahrelang geduldig auf Antwortschreiben zu warten, die doch nichts bringen, als klare Absagen, in Süßholz verpackt. Das kann nur im Sinne der Geschäftsleitung sein, die sich freut, wenn wir brav warten und nicht kämpfen.

- Und wie verhält es sich mit der Forderung: GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!?

Zwar hat die Jugendvertretung für EINEN Jugendlichen über Tage durchsetzen können, daß er den gleichen Lohn wie siene älteren Kollegen erhält - das ist ein Fortschritt. Aber was ist denn mit den anderen? Gilt für sie nicht: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Hier muß etwas für alle gleichermaßen erreicht werden. Aber das geht nur im gemeinsamen Kampf. der Jugendsekretär und der Betriebsrat halten davon nichts. Das hat das Abbrechen der Versammlung gezeigt. Und F. Nitsch und P. Baus lassen sich auch noch vor ihren Karren spannen.

Solche Leute, wie der Jugendsekretär der IGBE, haben es natürlich nötig, Leute, die die Rutsche schreiben, als 'Irre' zu bezeichnen. Er weiß genau, der KJVD hat von Anfang an gesagt, wozu die Jugendversammlung da ist: Um sich gegen die Angriffe der Zechenleitung und ihrer Helfer zusammenzuschließen und den kampf zu organisieren. Und DAS, Kollegen, ist kein irres Gewäsch, sondern schlicht und einfach eine Notwendigkeit! Aber sozialdemokratische Führer zeigen eben, daß sie nichts mit den Interessen der Arbeiterjugend am Hut haben. Ihnen kommt es darauf an, die Jugendlichen im Unklaren zu lassen, sie vom Kampf abzuhalten. Diejenigen, die klar den Weg aufzeigen, verleumden sie als Spinner. Aber auch die übelste Hetze und Verleumdung kann gegen die Wahrheit nicht anstinken.

Wir, der KJVD, sind der Ansicht: alle Jugendlichen müssen aus der letzten Versammlung die Lehre ziehen und die Jugendversammlungen wieder zum Kampforgan machen.

Wir schlagen deshalb vor:
FORTSETZUNG DER JUGENDVERSAMMLUNG!
Diskutiert in den Pausen, wie das durchgesetzt werden kann. Vielleicht ist eine Unterschriftensammlung das gegebene."
Q: Jugend-Rutsche Mißlungene Jugendversammlung? - Aus Fehlern lernen!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.1f

17.08.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund (IGBE-Bereich - vgl. 14.8.1972) lud ein:"
DEMONSTRATION GEGEN DAS KPD-VERBOT

Wir laden Euch alle herzlich ein zur Demonstration am
DONNERSTAG, DEN 17.AUG. UM 19 UHR IN BOCHUM.

Wehren wir uns gemeinsam gegen die Einschränkung unserer demokratischen Rechte. Zeigen wir den Herren, daß die Kollegen von Minister Stein weder KPD-Verbot noch KPD/ML-Verbotsvorbereitungen kampflos hinnehmen.

Treffpunkt in Dortmund: UM 18 UHR AM STAHLWERKPLATZ"

Ebenfalls aufgerufen wurde durch die KPD/ML-ZB im IGM-Bereich bei Hoesch (vgl. 14.8.1972).
Q: Rutsche KPD-Verbot muß weg!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.2;
Die Rote Westfalenwalze/Das Rote Schwungrad Aufruf: Demonstration gegen das KPD-Verbot,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.1

18.08.1972:
Das Amtsgericht Dortmund erläßt den folgenden Strafbefehl gegen Günter Bennhardt:"
STRAFBEFEHL

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie, zu Dortmund Ende Februar/Anfang März 1972 in Beziehung auf andere eine nicht erweislich wahre Tatsache behauptet und verbreitet zu haben, welche dieselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wobei die üble Nachrede durch Verbreitung von Druckschriften begangen wurde..

Ihnen wird zur Last gelegt, in einer Ende Februar/Anfang März 1972 vor der Schachtanlage der Bergbau AG (Minister Stein der BAG,d.Vf.) Dortmund in Dortmund verbreiteten Druckschrift der DKP, genannt 'Die Kumpel-Post' (IGBE-Bereich - vgl. 1.3.1972,d.Vf.), für deren Inhalt Sie presserechtlich verantwortlich zeichnen, der Wahrheit zuwider behauptet zu haben, die Betriebsleitung habe bei der Entlassung des Belegschaftsmitgliedes Günter Jegodowski zur Tarnung ihrer Brutalität Gerüchte in die Welt gesetzt und mit Lügen operiert. Die Betriebsleitung denke nur an Leistung und Profit und gebe keinen Pfifferling um Leben und Gesundheit der Kumpel. Es sei eine Lüge, dass der Zeuge Jegodowski sich die Hand mit dem Blut des tödlich verunglückten Kollegen Dieter Schnabel beschmiert und sich dann fotografieren lassen habe.

VEREGEHEN nach Paragraphen 186, 194, 200 StGB.
...
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird gegen Sie eine GELDSTRAFE VON 300 DEUTSCHE MARK und für den Fall, daß diese nicht beigetrieben werden kann, für je 30 DM ein Tag Freiheitsstrafe FESTGESETZT.

Der Bergbau AG Dortmund in Dortmund wird die Befugnis zuerkannt, die Verurteilung (Schuld- und Strafausspruch) auf Ihre Kosten durch einmaliges Einrücken in der Lokalausgabe Dortmund der Zeitung 'Westfälische Rundschau' (WR,d.Vf.) innerhalb eines Monats nach Mitteilung der Rechtskraft des Strafbefehls bekanntzumachen."

Zusätzlich werden Günter Bennhardt die Gerichtskosten in Höhe von 17,50 DM auferlegt."
Q: Amtsgericht Dortmund:Strafbefehl 81 Cs 287/72 gegen Günter Bennhardt, Dortmund 18.8.1972

19.08.1972:
Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund (IGBE-Bereich - vgl. 14.8.1972) bereitete die vermutlich heutige Versammlung (BV) vor:"
BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG: ABRECHNEN MIT ALLEN UNTERNEHMERFREUNDEN

Vor Wochen schon war auf dem Pütt die Forderung nach Belegschaftsversammlung
laut und deutlich gestellt worden. Jetzt, zwei Monate nach dem Tarifverrat der Gewerkschaftsbonzen, sieht sich der Betriebsrat in der Lage, vor die Kumpelschaft zu treten. Zeit genug, so meint er, daß Gras über die Verratspolitik und über Polizei vor den Toren während der Urabstimmung (vgl. 20.6.1972,d.Vf.) gewachsen ist. Aber so schnell vergessen wir nicht - der Betriebsrat wird am Samstag Rede und Antwort stehen müssen!

Kollegen, gerade die Belegschaftsversammlung ist der Ort, den Kampf GEMEINSAM zu führen! Wer jedesmal das Feld den Bonzen überläßt, der braucht sich nicht zu wundern über die Selbstherrlichkeit, mit der oppositionelle Kollegen aus der Gewerkschaft ausgeschlossen werden (ein Fall, der auch auf Minister mehrmals angedroht wurde), wenn Meinungsfreiheit unterbunden wird, wenn der Reallohn immer weiter sinkt und wenn willkürlich festgesetzte Steigerprämien den Kumpel zum Kriecher machen sollen.

Kollegen, erinnern wir uns an die Prosper-Kumpel (in Bottrop,d.Vf.), die die Belegschaftsversammlung durch ihre Fragen und Forderungen den Betriebsräten völlig aus der Hand nahmen!

STATT 7% AUF DEM PAPIER - 7 DM IN DIE HAND!

Das war zur Tarifrunde die Forderung, und sie ist noch längst nicht vergessen: bringt alle Eure letzten Lohnzettel zur Versammlung mit, damit wir vergleichen und gemeinsam rechnen können, damit wir erfahren, was aus den 7% wirklich geworden ist!
Stellen wir dagegen unsere Forderung auf!

KAMPF GEGEN DIE STEIGERWILLKÜR!

Wie muß der Kampf gegen die Steigerwillkür mit den Prämien aussehen?

Der Vorschlag der RUTSCHE ist:
1. OFFENLEGEN DER LOHNZETTEL
2. GEGEN STEIGERWILLKÜR - ABGESICHERTE PRÄMIEN, IN DER HÖHE DER HEUTE HÖCHSTEN GEZAHLTEN PRÄMIE
3. ALLE HEBEL IN BEWEGUNG SETZEN, DASS DIE KUMPEL EINER ARBEITSGRUPPE DIE PRÄMIEN SELBER UNTER SICH AUFTEILEN KÖNNEN - STRENG NACH LEISTUNG EINES JEDEN 4. AUCH BESSERE UND SCHLECHTERE ARBEITSPLÄTZE WERDEN NICHT MEHR NACH STEIGERS GNADEN, SONDERN REIHUM VERGEBEN (WOBEI DIE UNTERSCHIEDLICHE LEISTUNGSFÄHIGKEIT BERÜCKSICHTIGT WIRD)

KAMPF DEN RATIONALISIERUNGEN, ENTLASSUNGEN, STILLEGUNGEN!
FÜR SICHERE ARBEITSPLÄTZE!

KAMPF DER EINSCHRÄNKUNG DER MEINUNGSFREIHEIT AUF DEM PÜTT: SCHLUSS MIT UMVERSETZUNGEN - FREIES VERTEILEN UND VERKAUFEN VOR DEN TOREN!

Kollegen, fordern wir vom Betriebsrat Rede und Antwort!
Samstag muß der Tag der Abrechnung mit allen sein, die sich auf die Seite der Unternehmer und ihrer Regierung in Bonn geschlagen haben. Fragen wir aber auch die Betriebsräte, die als 'Oppositionelle' in den Betriebsrat gewählt worden waren, wie sie für die Kumpels eingetreten sind! Wir können keinen Betriebsrat brauchen, der nicht DURCH DIE TAT bewiesen hat, daß er ein Kumpelvertreter ist."
Q: Rutsche KPD-Verbot muß weg!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.4f

21.08.1972:
Vermutlich in dieser Woche erscheint morgens in Dortmund eine 'Jugend-Rutsche' der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg des KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. 14.8.1972, 28.8.1972) unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, mit einem Leitartikel zur Jugendversammlung (vgl.16.8.1972), der sich auch ein Leserbrief und der Kommentar des KJVD widmen:"
Dortmund, 16.8.1972

Liebe Kollegen!

Also so geht's nicht! Warum nützt ihr eure Rechte nicht, die euch zustehen? Nun hat man die Gelegenheit, seine Meinung zu sagen, und ihr schert euch nicht drum. Anstatt Probleme vorzubringen, die uns betreffen, redet ihr alle durcheinander. Und wenn dann mal ein Kollege seine Meinung sagen will, unterbrecht ihr ihn einfach. So erreichen wir nichts! Wir wissen doch, nur Einheit macht stark. Deshalb, Kollegen, wäre es besser gewesen, ihr hättet euch vorher untereinander beraten und dann ruhig, sachlich und gemeinschaftlich die Probleme vorgebracht.

SO hätte die Jugendversammlung wirklich einen Sinn gehabt. Jedoch so wie am Mittwoch hat sie uns nichts genützt, im Gegenteil, sie hat unsere Lage nur verschlechtert.

Der Betriebsrat hat somit einen Grund, die Jugendversammlung außerhalb der Arbeitszeit zu verlegen!

Seht ihr, wenn man uneinig ist, erreicht man nichts, sondern schadet nur sich selbst. Deshalb, Kollegen, auf der nächsten Jugendversammlung werden wir sachliche Probleme und Mißstände im Betrieb, die uns unmittelbar betreffen, diskutieren.

Ich schlage deshalb vor, daß wir daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

EUER.....

(Wir werden den Namen NICHT veröffentlichen, da wir gerade erst erlebt haben, wie F. Nitsch gegen Kollegen vorgeht, die - sei es im oder vorm Betrieb - mit uns Kontakt haben. Denken wir an den Jugendvertreter, der jetzt den übelsten Drohungen seitens des Betriebsrats und Jugendsekretärs ausgesetzt ist.

MEINUNG DER 'JUGENDRUTSCHE'

Wir sind der Ansicht, daß dieser Kollege unbedingt recht hat, wenn er sagt, daß man mit Zerfahrenheit, Uneinigkeit und Desinteresse keinen Schritt vorwärtskommt - im Gegenteil, den Angriffen unserer Gegner Tür und Tor öffnet - denken wir daran, wie der Betriebsrat Buck gleich die Chance ergriff und uns die Jugendversammlung während der Arbeitszeit nehmen wollte. Wo ER doch wohl mit UNSERER Jugendversammlung gar nichts am Hut hat. DORT ENTSCHEIDEN WIR! Wenn's zu laut ist, stauchen WIR unsere Kollegen zurecht und sorgen für Ruhe. Der Betriebsrat hat sich da fein rauszuhalten!!!

Ja, Uneinigkeit in den Reihen der Arbeiterschaft, das war früher ist heute der größte Hemmschuh für einen entschlossenen Kampf der Kollegen für ihre RECHTE. Unsere älteren Kollegen haben das genau erkannt und lehren uns deshalb durch ein altes beliebtes Arbeiterlied:

SOLIDARITÄTSLIED

WOLLEN WIR ES SCHNELL ERREICHEN, BRAUCHEN WIR NOCH DICH UND DICH!
WER IM STICH LÄSST SEINESGLEICHEN, LÄSST JA NUR SICH SELBST IM STICH.

UNSRE HERRN, WER SIE AUCH SEIEN, SEHEN UNSERE ZWIETRACHT GERN,
DENN SOLANG SIE UNS ENTZWEIEN, BLEIBEN SIE DOCH UNSRE HERRN.

Vorwärts und nicht vergessen, worin unsre Stärke besteht!
Beim Hungern und und beim Essen, vorwärts und nicht vergessen,
DIE SOLIDARITÄT!

LERNEN WIR DARAUS FÜR DIE NÄCHSTE JUGENDVERSAMMLUNG!

Woher kommt denn unsere Unruhe und Uneinigkeit? Doch nur, weil wir bis jetzt immer schlechte Erfahrungen gemacht haben mit einer Jugendversammlung. Nie ist was dabei rumgesprungen, außer schönen Reden und Bittbriefen. Dann aber auch, weil es genau die sozialdemokratischen Führer sind, die uns immer wieder mit Vertröstungen auf den 'legalen' Weg des Briefeschreibens, Anfrage machens und Anträge stellens zurückzerren. Sie wissen genau, daß das Illusionen nährt - UND UNS VOM KAMPF, beispielsweise einem Warnstreik abhält! Und genau das wollen sie nur - damit sie man ja ihre Pöstchen behalten."

Im nächsten Artikel heißt es:"
'EIN LAND, IN DEM EIN MENSCH ANGST DAVOR HAT, EINEN ANDEREN ZU KRITISIEREN, IST KEIN SOZIALISTISCHES LAND.'
(Enver Hoxha, Vorsitzender der Partei der Arbeit Albanien)

Im sozialistischen Albanien ist die Arbeiterkontrolle überall stark genug, um zu verhindern, DASS SICH EIN REIZBARER VORGESETZTER, WIE HIER BEI MINISTER DER AUSBILDER DES SCHLOSSERLEHRLINGS, RÄCHT, WEIL ER KRITISIERT WORDEN IST. Was ist das, 'Arbeiterkontrolle'?
Kurz einen Ausschnitt aus dem Buch von G. Mury, 'Mensch und Sozialismus in Albanien', einem Franzosen, der über seine Erlebnisse in Albanien berichtet.

''Das Volk, allein das Volk ist Schöpfer der Geschichte', sagen Mao Tse-tung und Enver Hoxha. Wie wird dieses Prinzip in der Fabrik angewandt? ...jeder albanische Arbeiter kann zu jeder beliebigen Zeit seine Meinung über jeden beliebigen Menschen oder jede beliebige Sache äußern. Er muß sie nur aushängen. 'Die Blitzblätter' sind besonders zahlreich innerhalb der Betriebe; aber überall sind dafür Anschlagflächen reserviert - vor den Rathäusern, den Behörden, Läden usw. Die offen und lebendig geführte Diskussion fällt dem ausländischen Besucher sofort auf. Jedermann benutzt das 'Blitzblatt', um seine Kritik oder seltener sein Lob für Gleichgestellte oder Vorgesetzte zu veröffentlichen. ...Im Werk Mao Tse-tung müssen die Transportfahrer ihre Wagen an der äußersten Begrenzung der Maschinen anhalten. Ein Arbeiter hatte dabei die zulässige Linie überquert und dabei eine Maschine, die Baumwollfäden herstellte, beschädigt. Niemand bestritt, daß er einen Fehler gemacht hatte. Aber der Abteilungsleiter nahm ihm gegenüber 'keine korrekte Haltung' ein. Das heißt, in den Augen der anwesenden Kollegen sprach er in unannehmbaren Ton mit ihm. Vor allem verbot er ihm, für den Rest der Schicht zu arbeiten.

Mehr konnte er gar nicht machen, denn einen Arbeiter, selbst für nur 24 Stunden zu entlassen, ist in Albanien ohne eine kollektive Entscheidung nicht möglich. Kurz, er gebrauchte alle Macht, die ihm zustand, um diesen Arbeiter fühlen zu lassen, daß er hier einen Fehler gemacht hatte.

Der Werkmeister, der hier so aggressiv war, hatte schon öfter so gehandelt. Dieser Verhalten wurde stark kritisiert, ohne daß ihm im übrigen jemand seine Verantwortung oder sein Recht und seine Pflicht, für die Beachtung der Vorschriften zu sorgen und zu verhindern, daß die Maschinen beschädigt werden, bestritt. Aber jeder nahm ihm sein brutales Verhalten übel.

Auf der Abteilungsversammlung wurde beschlossen, daß der Werkmeister, der seine Macht mißbraucht hatte, seine Position verlor, um in der täglichen Arbeit mit Hilfe seiner Kollegen sein aggressives Verhalten abzulegen. Er bleibt dort nicht für immer, sondern bis seine Kollegen der Meinung sind, daß er die Vorschriften, die eine technische Notwendigkeit sind, und die MENSCHEN achten wird.'

Kollegen, wir bringen das Buch mittags zum KDAJ-Verkauf (Nr.7 vom Aug. 1972,d.Vf.) mit. Es kostet zwar 7,80, ist aber ein unwahrscheinlich schönes, lebendiges Dokument über das Leben in einem sozialistischen Staat, das allen Lügen bürgerlicher Zeitungen voll den Wind aus den Segeln nimmt.

ES LEBE DIE DIKTATUR DER ARBEITERKLASSE!
FÜR SOZIALISMUS UND FRIDEN!

HINEIN IN DEN KJVD!"

Angekündigt wird auch der Verkauf des KDAJ-Extrablatts (vgl. 25.8.1972).

Der letzte Artikel mobilisiert für den RAKT am 2.9.1972:"
ANTIKRIEGSTAG
KOMMT MIT NACH MÜNCHEN!

Jungarbeiter, Lehrling!

Olympiade - das liegt in der Luft! In jeder Zeitung, im Fernsehen, auf Reklamesäulen, im Schaufenster, überall: Olympiade!!
Die 'Jugend der Welt' wird mobilisiert. Sportlichkeit, Fairness, Freude und ehrlicher Wettstreit - das soll die Olympiade zeigen.
Womit? Mit 'Doping', getricksten Aufputschmitteln, mit nahezu grausamem Training bis zur körperlichen totalen Erschöpfung?
'Olympischer Friede?' - wo Rhodesien (Zimbabwe,d.Vf.) zugelassen wird, ein Land, in dem an die 400 000 Rassisten das 4 Millionen Negervolk blutig unterdrücken und ausplündern? Wo den amerikanischen schwarzen Sportlern, die aus Solidarität mit ihren afrikanischen unterdrückten Brüdern, den Start verweigern, angedroht wird: sie sollten gut überlegen - sonst müßten sie nach Vietnam. Wo 2 Milliarden verschleudert werden für 16 Tage 'Olympische Spiele', besser: 'Propaganda'? 2 Milliarden - wo Kindergärten, Schulen und Parkplätze für büßen müssen?

DAS IST KEIN FEST DER FREUDE FÜR DAS BREITE VOLK

Aber, 'die Olympiade ist ein Fest der Völkerverständigung!' rufen die bürgerlichen Parteien und laden den Völkermörder NIXON (USA,d.Vf.) herzlich ein. Verständigung mit dem, der die Befehle gibt, mit Millionen Tonnen Bomben das vietnamesische Volk zu meucheln, ihr Land zu einzigen Kratern zu machen?

DAS IST KEIN FEST DER VÖLKERVERSTÄNDIGUNG

Aber, 'die Olympiade ist das Fest der Entspannung', ruft die SPD-Regierung. Entspannung? - wo sie gerade in herrlichster Eintracht mit FDP und CDU/CSU die 'Gesetze zur Inneren Sicherheit' (vgl. 22.6.1972,d.Vf.) verabschiedet hat?
GESETZE, DIE
- den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) beauftragen, 'rechtmäßig' gegen streikende Arbeiter vorzugehen, auf sie zu schießen, wie es die Truppen in Spanien schon geprobt haben.
- durch die 50 000 Jugendliche jährlich mehr durch den Drill und die faschistische Schule der Bundeswehr geschleust werden sollen ('Wehrreform').
- das Recht auf Kriegsdienstverweigerung (KDV,d.Vf.) verbieten und alle 'Verweigerer' zur Feuerwehr, zum Zivilschutz, zur Post und Bahn schicken. Und Feuerwehr und Zivilschutz unterstehen im Kriegsfall direkt dem Rüstungsministerium! MILITÄRISCHER ARBEITSDIENST wird hiermit eingeführt - genau wie wir ihn von Hitler kennen!
- durch den 'Wehrkundeerlaß' (WKE,d.Vf.) tausende Jugendliche in Schule und Betrieb für den Militarismus und die 'Vaterlandsverteidigung' VERziehen sollen.
- die Vorbeugehaft legalisieren, womit Kollegen, die sich schon als Streikführer gezeigt haben, bei 'drohenden' Kampfaktionen der Arbeiter vorsorglich für ein Jahr in Haft genommen werden können.

GIFTGAS 'ENTSPANNUNG' - DAMIT DIE VÖLKER DER WELT VERNEBELT WERDEN UND DIE TATEN DER WESTDEUTSCHEN REGIERUNG VERGESSEN.

Aber, 'Die Olympiade ist das Fest des Friedens', 'sie ist nur durch die Unterstützung der Bundeswehr möglich', erzählen uns Brandt, Schmidt, Leber und wie sie alle heißen. OLYMPIADE - TEST DER STÄRKE UND DISZIPLIN DER TRUPPEN! 24 000 Mann von der Bundeswehr, Bundesgrenzschutzstaffeln und sorgsam ausgewählte Elitetruppen der Polizei stehen während der Olympiade bereit! Sie werden dargestellt als 'freundliche Helfer', die stets sprungbereit sind, wenn's darum geht, Siegerehrung abzuhalten, Erbsensuppe zu kochen oder Chauffeuer zu spielen. BER KEINE ZEITUNG, KEIN FERNSEHEN SPRICHT DAVON, DASS DIE SPD/FDP-REGIERUNG STREIKS UND DEMONSTRATIONEN WÄHREND DER OLYMPIADE GESETZLICH VERBOTEN HAT, DASS DIESES GESETZ BIS ZUM 31.12. GILT, WO ZWAR KEINE OLYMPIADE MEHR STATTFINDET, WO ABER DIE METALLTARIFRUNDE (MTR,d.Vf.) BEGINNT!!!

STRASSE FREI FÜR MÜNCHEN!
VERTEIDIGEN WIR UNSER RECHT AUF DIE STRASSE!

Das ist ein Vorstoß der herrschenden Klasse und ihrer SPD/FDP-Regierung gegen die Arbeiterklasse, ein Angriff auf die werktätige und lernende Jugend. Die herrschende Klasse weiß genau: 'Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft'! Und IHRE Zukunft, die heißt KRIEG nach außen: Unterdrückung und Ausplünderung anderer Völker, um ihren Reichtum und Profit zu mehren, heißt für uns: eine Kugel durch den Kopf, die Lungen voll Giftgas, heißt sterben und vermodern für die Profitinteressen des westdeutschen Kapitals - denken wir nur an die Tausenden von amerikanischen Soldaten in Vietnam! - IHRE Zukunft heißt: KRIEG nach innen, um sich zu schützen gegen den Ansturm der Kollegen, wenn sie sich nicht länger Arbeitshetze, Rationalisierung LohnRAUB, Abbau aller erkämpften demokratischen Rechte gefallen lassen.
Für diese Zukunft braucht sie UNS, die JUGEND. Wer soll sonst die Gewehre tragen, die Panzer fahren? - DESHALB DIE 'GESETZE ZUR INNEREN SICHERHEIT'!

NEIN! UNSERE ZUKUNFT heißt: auf der Seite der kämpfenden Arbeiterklasse stehen, gegen die Angriffe der herrschenden Klasse und ihres Staates. Und wenn sie die Arbeiter mit GEWALT zum Stillhalten zwingen wollen, wenn sie uns, die Jugendlichen losschicken wollen, um einen Streik zu zerschlagen:
DREHEN WIR DIE GEWEHRE UM! SCHLAGEN WIR DIE HERRSCHENDE KLASSE MIT IHREN EIGENEN WAFFEN! LERNEN WIR DAS WAFFENAHNDWERK IN DER BUNDESWEHR! NUR ZU! ABER KÄMPFEN WIR AUF DER EINZIG RICHTIGEN SEITE:
DER SEITE DER ARBEITERKLASSE UND DES WERKTÄTIGEN VOLKES GEGEN DIE HERRSCHENDE KLASSE! KÄMPFEN WIR FÜR UNSEREN STAAT: DEN SOZIALISTISCHEN ARBEITER- UND BAUERNSTAAT!

KRIEG DEM IMPERIALISTISCHEN KRIEG!
ENTWAFFNUNG DER BOURGEOISIE - BEWAFFNUNG DER ARBEITERKLASSE!
GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK -
FÜR SOZIALISMUS UND FRIEDEN!

Wir, die westdeutsche Jugend, haben eine VERANTWORTUNG vor den Völkern der Welt! Wir müssen verhindern, daß ein drittes Mal von westdeutschem Boden ein blutiger und mörderischer Krieg ausgeht. Lassen wir uns nicht vor den Todeskarren der herrschenden Klasse spannen, bekämpfen wir das Wiedererstarken der westdeutschen militärischen Macht - das die Völker der Welt mit Besorgnis beobachten!
ZIEHEN WIR IN SCHAREN NACH MÜNCHEN!
Schwören wir vor den Völkern der Welt:
WIR, DIE JUGEND, KÄMPFEN GEGEN AUFRÜSTUNG UND IMPERIALISTISCHEN KRIEG!
Gegen den Militarismus, den Würgeengel aller Kultur, der - das Volk aussaugend - alle Mittel frißt, die einem wahren Fortschritt dienen könnten. Gegen den Militarismus, der die werktätige und lernende Jugend in Scharen aufsaugt, der ihre Köpfe mit kriegslüsternen Gedanken verseuchen will.

KÄMPFT GEGEN DIE ALLGEMEINE DIENSTPFLICHT!
KEINE EINFÜHRUNG DES MILITÄRISCHEN ARBEITSDIENSTES!
HÄNDE WEG VOM RECHT AUF KRIEGSDIENSTVERWEIGERUNG!
FREIE POLITISCHE UND GEWERKSCHAFTLICHE BETÄTIGUNG DER SOLDATEN!

AUF NACH MÜNCHEN! FAHRKARTEN (40 DM) GIBT'S BEI DEN KDAJ-VERKÄUFERN VORM TOR!
WER'S NICHT SCHAFFT, 40 DM ZUSAMMENZUKRATZEN, WIR FINDEN SCHON WEGE, UM DAS ZU REGELN!"
Q: Jugend-Rutsche Mißlungene Jugendversammlung? - Aus Fehlern lernen!,Dortmund o.J. (Aug. 1972)

21.08.1972:
In Dortmund will der KJVD der KPD/ML-ZB bei Minister Stein/Hardenberg am Erscheinungstag der 'Jugend-Rutsche' (vgl. 21.8.1972) zur 'mißlungenen Jugendversammlung' seinen 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) Nr.7 vom August 1972 verkaufen.
Q: Jugend-Rutsche Mißlungene Jugendversammlung? - Aus Fehlern lernen!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.4

25.08.1972:
In Dortmund will der KJVD der KPD/ML-ZB bei Minister Stein/Hardenberg vermutlich diesen Freitag das August-Extrablatt seines 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) vom Aug. 1972 verkaufen.
Q: Jugend-Rutsche Mißlungene Jugendversammlung? - Aus Fehlern lernen!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.4

28.08.1972:
In Dortmund gibt der KJVD der KPD/ML-ZB bei Minister Stein/Hardenberg vermutlich in dieser Woche ein Extrablatt seiner 'Jugend-Rutsche' (vgl. 21.8.1972, 5.9.1972) mit zwei Seiten DIN A 5 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
ZAGORNY ZERREISST UNTERSCHRIFTENLISTE!

Jungarbeiter, Lehrlinge, Kumpels!
Gestern gingen in mehreren Abteilungen die Unterschriftenlisten rund mit der klaren Forderung: Fortsetzung der abgebrochenen Jugendversammlung (vgl. 16.8.1972,d.Vf.)! Und zwar IN DER ARBEITSZEIT!

Garantiert zwei sind bis unten hin voll gewesen, nach Berichten der Kollegen. Vorm Tor wurden von KJVD-Genossen noch weitere 32 gesammelt. Die meisten Kollegen hatten aber schon am Vormittag im Betrieb unterschrieben. Nur wenige waren gegen eine Unterschrift - die meisten davon aus Angst vor der Zechen- und Ausbildungsleitung.

WAS GESCHAH MIT DEN LISTEN?
Ausbilder Zagorny entriß einem Kollegen eine bis unten hin volle Liste und zerfetzte sie in Stücke!! - so berichteten Kollegen.
Damit stellte er sich klar genug auf die Seite der Kapitalisten und solcher Regierungsknechte wie Buck. Anders als mit Gewalt wissen sich diese Herren nicht mehr zu helfen! Sie, die sonst so gern von 'Freiheit' und 'Demokratie' reden, zeigen hier deutlich genug ihre Fratze, offen und brutal! SIE TRETEN DIE DEMOKRATIE MIT FÜSSEN! Nicht mal mehr durch eine Unterschrift, ein demokratisches Mittel der Meinungsäußerung, sollen die Arbeiter ihren Willen und ihre Forderungen ausdrücken dürfen! Eitel Ruhe im Betrieb - für die Kapitalisten, das ist ihre Devise.

Und da fährt ihnen gewaltig der Schreck in die Glieder, als sie sehen 'mußten', daß sich so viele Kollegen an der vom KJVD organisierten Unterschriftenaktion beteiligten. EINIGKEIT MACHT STARK - das wissen sie. Da können sie nämlich mit ihren vertrauten Methoden, EINZELNE fertig zu machen, gar nichts mehr ausrichten! Zehn, fünfzehn Kollegen, die, meinen sie, sind schnell weggeputzt, aber bei 100 bis 200 Unterschriften, da rennen sie gegen eine starke, festgefügte Front!

JETZT ERST RECHT! WIR LASSEN UNS NICHT UNTERKRIEGEN!
Darum muß es jetzt heißen: GERADE! Diese hilflose Reaktion, den demokratischen Willen der Arbeiterjugend auf Minister mit Füßen zu trampeln, muß uns nur noch mehr anspornen. Sie zeigt doch klar, daß wir am längeren Hebel sitzen!!!

Wir fordern:
FREIE MEINUNGSÄUSSERUNG IM BETRIEB!
FREIES SAMMELN DER UNTERSCHRIFTEN FÜR DIE FORTSETZUNG DER JUGENDVERSAMMLUNG!

DIE UNTERSCHRIFTENAKTION MUSS WEITERGEHEN!
Sammeln wir weiter Unterschriften - gegen die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung! Morgen mittag werden die Genossen des KJVD und der KPD/ML wieder vorm Tor stehen. Kollegen, auch wenn ihr eure Unterschrift schon gegeben habt, UNTERSCHREIBT NOCH EINMAL. Das ist der einzig sichere Weg, wenn volle Unterschriftenlisten zerrissen werden. Wir werden die Listen fotokopieren und die Originale dann der Jugendvertretung geben. So hat die Arbeiterjugend auf Minister immer noch den festen Beweis in der Hand, daß so und soviel Kollegen unterschrieben haben (besonders die Kollegen, die gestern Berufsschule hatten, fordern wir auf, heute zu unterschreiben, da wir sie nicht rechtzeitig erreichen konnten).

Und die Kollegen, die gestern so entschlossen rumgelaufen sind und Unterschriften gesammelt haben! Bringt die Listen mit vors Tor, sie dürfen nicht einzeln irgendwo liegenbleiben oder verkommen, sie müssen alle zusammen auf einen Haufen, fotokopiert werden und DANN zur Jugendvertretung. Jungarbeiter, Lehrlinge! Gebt morgen noch einmal eure Unterschrift!
Die, die gestern noch zögerten, gebt eure Unterschrift! Wir haben doch auf der Jugendversammlung erlebt, was Uneinigkeit und Schwanken einbringt! Das darf nie wieder passieren! Jeder Kollege, der zurückweicht, schadet der einheitlichen Kampffront der Arbeiter und stärkt die Position der Kapitalisten und ihrer Handlanger.

FÜR DIE FORTSETZUNG DER JUGENDVERSAMMLUNG MORGENS UM ZEHN!"
Q: Jugend-Rutsche Extrablatt Zagorny zerreißt Unterschriftenliste!,Dortmund o.J. (1972)

29.08.1972:
In Dortmund soll eine Filmveranstaltung der OG Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD stattfinden unter dem Motto "Nie wieder Krieg!".
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Gemeinsame Erklärung der Betriebsgruppen der KPD/ML und des KJVD Westfalenhütte, Phönix, Minister Stein: Auf nach München,Dortmund Aug. 1972

05.09.1972:
Frühestens heute erscheint die letzte uns vorliegende 'Jugend-Rutsche' (vgl. 28.8.1972) der Jugendbetriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg Dortmund des KJVD der KPD/ML-ZB mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
ERFOLGREICHE UNTERSCHRIFTENSAMMLUNG! - JETZT MUSS DIE JUGENDVERSAMMLUNG EINBERUFEN WERDEN!

Die Unterschriftensammlung für die Fortführung der vom Betriebsrat Buck abgebrochenen Jugendversammlung (vgl. 16.8.1972,d.Vf.) war ein wirklicher Erfolg für die Arbeiterjugend von Minister Stein und Hardenberg! 69 gültige wurden abgegeben! Insgesamt waren es 81, davon waren aber 7 doppelt und 5 waren von Gneisenau-Kollegen, die spontan die Unterschriftensammlung unterstützten, als sie von den Vorfällen bei der Jugendversammlung und den Forderungen der Jugendlichen hörten.

Obwohl ein Ausbilder eine volle Unterschriftenliste zerriß, obwohl einige andere Ausbilder mit Drohungen wie Entlassung etc. arbeiteten und einige Jugendvertreter unüberlegt einen falschen Weg, nämlich Fortsetzung der Jugendversammlung AUSSERHALB der Arbeitszeit, angaben - haben fast GENAU EIN DRITTEL DER ARBEITERJUGENDLICHEN AUS MINISTER unterschrieben.

Obwohl einige im Betrieb ausgefüllt Listen einfach 'verschwanden' (sind auch sie von Ausbildern gekascht worden? Oder waren hier einfach einige Kollegen nachlässig?), obwohl also nur EINE der im Betrieb ausgefüllten Unterschriftenlisten der Jugendbetriebsgruppe des KJVD übergeben wurde - die Unterschriftensammlung ist ein Erfolg!

Gerade wegen der vielen Behinderungen, wegen der geschürten Angst durch die Ausbilder; denn diese beeinträchtigten das Ergebnis erheblich. Wir können mit Sicherheit sagen, daß wohl über die Hälfte der Jugendlichen aus Minister unterschrieben haben - wenn wir die zerrissene Liste und die 'verschwundenen' berücksichtigen! Das, obwohl sicher nicht mal alle auf eine Unterschrift hin angesprochen worden sind.

DIESE JUGENDLICHEN HABEN MIT IHRER UNTERSCHRIFT KLAR GESAGT:

- wir verurteilen das Vorgehen des Betriebsrats und des Jugendsekretärs und das Zurückweichen der Jugendvertretung!

- wir sind gegen eine Jugendversammlung, wo Betriebsrat und Jugendsekretär das Wort haben, wo F. Nitsch und P. Baus die Fragen und Forderungen der Arbeiterjugend vom Tisch wischen. Wir wollen eine Jugendversammlung, wo wir wirklich alle Beschwerden und Forderungen vorbringen können und wo es dann nicht bei schönen Worten bleibt, sondern wo auch festgelegt wird, was wir jetzt dafür TUN!

- wir fordern in diesem Sinne entschieden die Fortsetzung der Jugendversammlung innerhalb der Arbeitszeit, also morgens um 10 Uhr!

Das ist ein klarer Auftrag und damit eine Verpflichtung für die Jugendvertretung, sofort die Fortsetzung der Jugendversammlung anzusetzen. Sie muß sich für die Interessen und Forderungen der Jugendlichen einsetzen, auch und gerade wenn sie auf harten Widerstand bei der Zechen- und Ausbildungsleitung, beim Betriebsrat Buck stoßen. Die Mehrheit der Arbeiterjugend entscheidet! Sie bildet das feste Rückgrat der Jugendvertretung! Und mit der Unterschriftensammlung ist ja wohl klar, wie die Fronten stehen:

FÜR DIE FORTSETZUNG DER JUGENDVERSAMMLUNG INNERHALB DER ARBEITSZEIT!

Wir vom KJVD meinen, daß der nächste Termin für die Jugendversammlung am günstigsten in der übernächsten Woche wäre, da ja dann die Kollegen aus dem ersten Lehrjahr von ihrem Werkslehrgang wieder zurück sind. Diskutiert diesen Vorschlag!

69 UNTERSCHRIFTEN - TROTZ EINSCHÜCHTERUNG UND TERROR!

69 Unterschriften klar auf der Hand! Das ist ein Erfolg, eben weil sie trotz erheblicher Behinderungen zustandegekommen sind. Wir wissen genau, wäre die Unterschriftensammlung wirklich frei durchgeführt worden - es wären eine Menge mehr Unterschriften da!

Aber wir haben auch gesehen, daß einige Kollegen sich gar nicht erst beteiligt haben - weder im noch vorm Betrieb. Woran liegt das?

- einige Jugendliche haben ganz ehrlich gesagt, daß sie zwar die Forderungen unterstützen, aber echte Angst hätten, ihre UNTERSCHRIFT zu geben. Sie hatten Angst um ihre Lehre.

- andere haben sich lustig gemacht über die Unterschriftensammlung, sie nicht beachtet oder einfach aus Jux andere Namen hingeschmiert.

- ein ganzes Lehrjahr, darunter zwei Jugendvertreter, haben nicht unterschrieben, weil sie zwar die Forderung nach Fortsetzung der Jugendversammlung unterstützten, aber AUSSERHALB der Arbeitszeit.

Wir vom KJVD meinen, daß diese Kollegen ernsthaft kritisiert werden müssen. Warum?

- Drohung und Schikane sind beileibe kein Zeichen für die Stärke der Ausbilder und des Betriebsrats! Ihre wütenden Reaktionen zeigen uns doch im Gegenteil, daß wir auf dem richtigen Weg sind: EINIGKEIT MACHT STARK! Der Ausbilder zerriß nicht etwa eine leere Liste, nein, eine bis unten hin volle! 5 oder 10 Kollegen, die im Alleingang was organisieren, die sind wahrhaftig leicht fertigzumachen. Aber, kann etwa die Zechenleitung 100 - 200 Jugendliche entlassen oder terrorisieren? NEIN, weil dann eben diese Masse eng zusammensteht und jeden Angriff geschlossen abwehren kann. Die Kollegen, die sich da immer noch ängstlich raushalten zeigen ganz schöne Feigheit - und dienen damit nur ihren Gegnern: die wollen doch genau DAS mit ihrer Drohung erreichen!!

- Gleichgültigkeit und Unsolidarität sind ebenfalls nicht weit von der Feigheit entfernt! Sind die Kollegen, die mit den Listen so dämlich rumalberten etwa für Rauchverbot, für Umversetzungen, die die Arbeiterjugend einschüchtern sollen, für ausgeleierte Maschinen etc.??? Doch wohl nicht! Alos, Kollegen! Ihr habt doch auf der Jugendversammlung erlebt, was so ein Verhalten einbringt: 'Unsre Herrn, wer sie auch seien, sehen unsre Zwietracht gern, denn solang sie uns entzweien, bleiben sie auch unsere Herrn!' lehren uns unsere älteren Kollegen! Und genau! Solang wir uns nicht zusammentun, um gegen alle Angriffe anzukämpfen, ist die Arbeiterklasse immer auf verlorenem Posten und muß stillschweigend einstecken.

- und die Kollegen, die gegen eine Jugendversammlung innerhalb der Arbeitszeit waren, auch sie haben der einheitlichen Kampffront der Arbeiterjugend geschadet und sie zersplittert. Die Gründe, die sie dafür angegeben haben, meinen wir, sind falsch. Sie sagen, eine Jugendversammlung außerhalb der Arbeitszeit sei besser, weil dann nur die Interessierten kommen. Sicher, Kollegen, ihr seid zurecht enttäuscht über eure eigenen Kameraden, aber fragt euch doch mal: können wir zu zehn, zwanzig Mann im Kampf was erreichen? Nein! Es kommt doch GERADE darauf an, JEDEN Jugendlichen für die richtige Sache zu gewinnen und wo können wir das besser, als auf einer Jugendversammlung, wo wirklich alle da sind, alle unsere Argumente hören? Es ist ein sehr hochmütiger und unsolidarischer Standpunkt, wenn man sich isoliert, weil man meint, die anderen seien gleichgültig und unkämpferisch.

Kollegen, so spalten wir uns ja selbst! Da werden sich unsere Gegner sehr freuen, weil wir uns selbst den Weg zum Erfolg im Kampf mit Steinen verbauen. Zehn, zwanzig Leute, die Sturm laufen, um was durchzusetzen, wie schnell sind sie weggeputzt! Die MASSE der Kollegen, die entscheidet über Niederlage oder Sieg im Kampf!

Wir vom KJVD müssen da sagen, daß auch wir zu diesen Fehlern beigetragen haben. Wir hätten unsere Vorschläge und Forderungen noch klarer formulieren und gegen alle falschen Anschauungen abgrenzen müssen! So haben wir der Gleichgültigkeit Vorschub geleistet, indem wir nicht deutlich genug gemacht haben, daß dieser Angriff auf die Jugendversammlung nicht irgendein 'Einzelfall', irgendeine 'Sauerei' ist, sondern daß sie genau in das System sozialdemokratischer Irreleitung und Knebelung der Arbeiterklasse sich einfügt und DESHALB AUFS SCHÄRFSTE BEKÄMPFT WERDEN MUSS. Was heißt es denn, wenn der Jugendsekretär der IGBE seitenlange Reden hält, die dazu noch ziemlich hochgeschraubt sind? Was heißt es denn, wenn die Jugendversammlung um 12 Uhr 30 angesetzt wird, wo doch ohne Frage die Busfahrer um 14 Uhr gehen müssen? Was heißt es denn, wenn alle Beschwerden, Forderungen, Fragen zur Kontrolle der Arbeit der Jugendvertretung abgewürgt und abgewehrt werden?

DOCH NICHTS ANDERES, ALS DASS WIR DURCH LANGATMIGE VORTRÄGE, DURCH VERTRÖSTUNG AUF BITTBRIEFE ODER VERWEIS AUF SPRECHSTUNDEN VON EINER DIREKTEN, OFFENEN UND GEMEINSCHAFTLICHEN DISKUSSION UNSERER FORDERUNGEN, VON EINEM DEMOKRATISCHEN BESCHLUSS ÜBER MÖGLICHE KAMPFFORMEN ABGEHALTEN WERDEN SOLLEN!

Die Jugendversammlung als eine enorme Möglichkeit, die ganze Arbeiterjugend auf Minister unter einen Hut zu bringen, auf eine gerade Linie im Kampf auszurichten gegen die Angriffe der Zechen- und Ausbildungsleitung, gegen den Verrat einiger regierungstreuer Betriebsräte und Jugendvertreter, soll auf kaltem Wege umgemodelt werden in ein nettes 'Unterhaltungsstündchen'. Jugendversammlung, ja, um die Arbeiterjugend nicht gegen die Betriebsräte und Zechen- und Ausbildungsleitung aufzubringen - aber um Gottes willen keine kämpferische - das ist ihr Leitsatz!!

Weiter hätten wir ausführlicher begründen müssen, warum wir entschieden für die Jugendversammlung in der Arbeitszeit eintreten als Kommunisten, warum eine Verlegung nur der Arbeiterklasse ernstlich schadet.

DIE JUGENDVERTRETUNG KONTROLLIEREN!

Jungarbeiter, Lehrlinge!

TROTZ ALLEM! Wir können wirklich sagen, daß diese Unterschriftensammlung ein Erfolg war, gerade wegen der Behinderungen und einiger Fehler! Die Unterschriftenlisten sind von uns gestern fotokopiert und in einem Einschreibebrief an die Jugendvertretung geschickt worden.

Es ist die Aufgabe eines jeden Kollegen, jetzt zu kontrollieren, ob die Jugendvertretung wirklich darangeht, die Forderungen der Arbeiterjugend zu erfüllen. Der Jugendvertretung muß in den Sprechstunden die Tür eingelaufen werden. Montag von 13 Uhr bis 15 Uhr müssen ganze Gruppen von Jugendlichen hochmarschieren und Rechenschaft fordern, was die Jugendvertretung schon direkt für die Forderung:

FORTSETZUNG DER JUGENDVERSAMMLUNG IN DER ARBEITSZEIT! getan hat.

Und wenn sie sich noch nicht gerührt hat, ihnen kräftig auf die Füße treten. Diesmal steht die Mehrzahl der Jugendlichen voll hinter der Forderung. SIE MUSS DURCHGESETZT WERDEN!

(Die Kollegen, die sich noch zur Unterschrift entschließen, sollten fordern, daß in der Sprechstunde eine weitere Liste ausliegt, wo sich noch die Nachzügler eintragen können)."

Der letzte Artikel berichtet vom Roten Antikriegstag (RAKT) in München am 2.9.1972:"
ZEITUNGSMELDUNGEN!

'Schlägertrupps stören olympischen Frieden' SZ 4.9.1972
'Maoisten-Demonstration löst blutige Krawalle aus
STRASSENSCHLACHTEN IN DER OLYMPIASTADT!
Mit Schlagstöcken gegen Münchner Polizei - Über 100 Verletzte' WAZ 4.9.1972

'DER 'HARTE' KERN
von 150 Demonstranten, ausgerüstet mit Schutzhelmen, wattierten Anoraks, Eisenrohren und zugespitzten Fahnenstangen, versucht die Polizeisperre am Stachus zu durchbrechen!' WAZ 4.9.1972

'Bei dem bewaffneten Überfall kommunistischer Demonstranten auf die Münchner Fußgängerzone...' FAZ 4.9.1972

NICHTS ALS:
WÜTENDE VERZWEIFELTE HETZE DER REAKTIONÄRE - UM DIE WAHRHEIT ZU VERTUSCHEN!

Jungarbeiter, Lehrlinge, Kollegen!

WIR SAGEN:
Wahr ist, daß die friedliebenden, antimilitaristischen Jugendlichen jedes Jahr am 1.September, dem Tag des Ausbruchs des 2.Weltkriegs, den Kampf führen gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen. Wahr ist, daß der Bonner Staat rüstet wie nie zuvor, daß er die Jugend zu Massen in seine Kriegsarmee holt. Wahr ist, daß dieselben Leute, die damals das deutsche Volk in einen blutigen Krieg getrieben haben, die Abs, Krupp und Thyssen heute wieder an der Spitze von Staat und Wirtschaft stehen. Wahr ist, daß sie die Olympiade als friedliches Aushängeschild benutzen, um ihre Kriegspläne und -vorbereitungen vor den Völkern der Welt zu verbergen. Wahr ist, daß wir, die Jugend Westdeutschlands, auf unserer Demonstration diesen Kriegstreibern die Maske vom Gesicht reißen wollten, daß wir uns NIE WIEDER in einen grausamen Krieg für die Profite der herrschenden Klasse hetzen lassen werden. Und wahr ist, daß die SPD/FDP-Regierung diese Demonstration für die Münchner Innenstadt VERBOTEN hat. Wir aber, der KJVD und die anderen demokratischen Jugendorganisationen haben uns diesem Verbot in München nicht gebeugt, sondern es mit der GERECHTEN GEWALT DER UNTERDRÜCKTEN DURCHBROCHEN - gegen Tausende von Polizisten und den massenhaften erstmaligen Einsatz von BGS-Truppen nach innen! Wir, die antimilitaristischen Kämpfer haben das Recht aller Werktätigen auf FREIE DEMONSTRATIONEN kraftvoll verteidigt, unter der Führung der KPD/ML sind wir keinen Zentimeter vor dem Verbot und dem Polizeiterror des Bonner Staates zurückgewichen.

DAS WAR RICHTIG UND NOTWENDIG!

In der neuen ROTEN FAHNE (RF,d.Vf.) und im neuen KAMPF DER ARBEITERJUGEND (KDAJ,d.Vf.) werden wir in einem Extrablatt ausführlich über die Demonstration berichten. Außerdem wird eine Dokumentation (Fotos, Augenzeugenberichte etc.) erscheinen. Wir werden mit allen Kollegen, die Fragen und Kritiken haben, diskutieren. Alle, die mit dieser Aktion nicht einverstanden waren, laden wir herzlich ein zu einer offenen Veranstaltung in den nächsten Tagen (vgl. 21.9.1972,d.Vf.). Termin und Ort werden in der RUTSCHE und JUGENDRUTSCHE bekanntgegeben."
Q: Jugend-Rutsche Erfolgreiche Unterschriftensammlung!,Dortmund o.J. (Sept. 1972)

11.09.1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP, laut einem Papier ihres Kreisvorstandes (vgl. 18.9.1972), vermutlich spätestens in dieser Woche eine Ausgabe ihrer 'Kumpel-Post' (vgl. Juni 1972, Okt. 1972), die uns leider noch nicht vorlag, in einer Auflage von 800 Exemplaren heraus.
Q: N.N. (DKP-Kreisvorstand Dortmund) Kurzinformationen Stand Bundestagswahlkampf Dortmund - 18.9.1972,o.O. (Dortmund) o.J. (Sept. 1972),S.1

18.09.1972:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Dortmund eine 'Rutsche' der Betriebsgruppe Zeche Minister Stein der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 12.8.1972, 16.10.1972) mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum und beigeheftet der Erklärung des ZB der KPD/ML-ZB zum Massaker von München (vgl. 12.9.1972). In der 'Rutsche' heißt es:"
SPD-REGIERUNG OHNE MEDAILLENCHANCE: LÜGEN HABEN KURZE BEINE

Kumpel!

Die XX. Olympischen Spiele in München sind beendet. 'Heitere und fröhliche Spiele', 'Friedens'show, 'Darstellung des friedlichen, neuen und demokratischen Deutschlands' - mit diesen und ähnlichen Losungen hatten die herrschenden Kreise Westdeutschlands, die Brandt, Heinemann, Genscher, Barzel, Strauß, Daume und Co., allesamt Vertreter des Großkapitals, das Interesse der Weltöffentlichkeit auf die Bundesrepublik gerichtet.

Nun gut - sicherlich wird sich keiner von uns, zuletzt KPD/ML und KJVD, gegen fairen sportlichen Wettkampf, gegen friedliche Spiele und erst recht nicht gegen einen friedliebenden und tatsächlich demokratischen, d.h. Arbeiter- und Bauernstaat, richten - wenn die Tatsachen, die politische Wirklichkeit in unserem Land nur so wären... Daß sie nicht so sind, wissen die fortschrittlichsten Menschen, an erster Stelle die Arbeiter und Werktätigen, hierzulande schon längst. Zwei Ereignisse jedoch im Rahmen der Olympischen Spiele rissen den Bonner Herren ihre 'friedliebende' und 'demokratische Maske' noch deutlicher vom Gesicht:

- Die Demonstration der KPD/ML und des KJVD gemeinsam mit anderen marxistisch-leninistischen und fortschrittlichen demokratischen Organisationen am 2./3. September, dem Antikriegstag, in München und und Kiel (RAKT in Bayern bzw. Schleswig-Holstein,d.Vf.).

- Die Aktion des 'Schwarzen September' im Olympischen Dorf und ihre Folgen. (Siehe dazu die Stellungnahme des Zentralbüros der KPD/ML in dieser Rutsche.)

Nehmen wir die Demonstration zum Antikriegstag: Mehrere tausend Teilnehmer, nicht wie die bürgerliche Presse berichtete 700 oder gar nur 150, ziehen hinter dem riesigen Anfangstransparent 'Roter Antikriegstag 1972' durch die Münchener Arbeiterviertel in die Innenstadt. Den scheinheiligen olympischen Friedensparolen der Brandt, Strauß und Co. hielten die Demonstranten die politischen Tatsachen entgegen, die allerdings ein ganz anderes Bild ergeben als es die Bonner Machthaber dem westdeutschen Volk und den in München versammelten Völkern der Welt weismachen wollen.

Statt Frieden und Demokratie:

- 30 Milliarden Rüstungsetat. Zur Füllung der Bonner Kriegskassen werden sie zu Lasten der Werktätigen ständig erhöht.

- Die sogenannte 'Wehrreform' von SPD-Schmidt soll die Kriegsregimenter des westdeutschen Großkapitals weiter vergrößern. Schon heute ist die Bundeswehr größer als Hitlers Naziarmee vor dem Angriff auf die Sowjetunion (SU,d.Vf.).

- Der sogenannte 'Ersatzdienst' wird mehr und mehr zu einer allgemeinen Dienstpflicht umgebaut. Schon heute können die Ersatzdienstleistenden (EDL bzw. KDV,d.Vf.) für militärische Hilfsdienste (Post, Bahn und in der Bundeswehr selbst zwangseingezogen werden.

- Durch sogenannte 'Wehrkundeerlässe' (WKE,d.Vf.) soll die militaristische Verhetzung in die Schulen getragen werden.

- Mit der angeblich 'neuen' Ostpolitik, die Aussöhnung mit den osteuropäischen Völkern und Entspannung in Europa bringen soll, haben die SPD-Führer ein abscheuliches Betrugsschauspiel mit Hilfe der sowjetischen Führer gestartet. In Wirklichkeit aber haben die Bonner Herren weder die Grenzen in Europa noch die DDR völkerrechtlich anerkannt.

- Im Innern des Landes bauen die Bonner Parteien in trauter Eintracht den Staatsapparat, Polizei, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.), Justiz zum Kampf gegen die aufbegehrende Arbeiterklasse aus. Die Kommunistishe Partei, die KPD/ML, soll verboten werden.

Das sind die wirklichen Taten der Bonner Herren, die jeder, der in den letzten Monaten und Wochen die politische Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, ohne Mühe erkennen konnte. Und genau diese Tatsachen sollten den Völkern der Welt unter verlogenen olympischen Friedensparolen verborgen bleiben.

Übrigens orientierte man sich an den Spielen von 1936, den nicht umsonst liefen Leni Riefenstahls Filme 'Fest der Freude' und 'Fest der Völker' in Münchener Kinos. Denn auch Hitler hatte es 1936 verstanden, die Völker über seine wahren Absichten zu täuschen...

Die Antikriegstagsdemonstration in München zeigte, daß ein Fest der Freude für die Völker der Welt erst dann möglich ist, wenn die Imperialisten und Kriegstreiber beseitigt sind.

Die Bonner Herren hatten allen Grund, diese Wahrheit zu fürchten. So verbieten sie die Abschlußkundgebung der Demonstration auf dem Münchener Marienplatz. Sehr demokratisch! Sie verwandeln die Münchener Innenstadt in eine Polizeihochburg, 2 000 Polizisten sind im Einsatz, weitere 10 000 und Bundesgrenzschutzeinheiten stehen in Bereitschaft! Am Stadtrand von München warten während der Demonstration mehrere Schützenpanzer der Bereitschaftspolizei - Grenzschutzhubschrauber kreisen über der Demonstration. Die Demonstranten selbst werden ständig von Polizeispitzeln belästigt, am Sonntag leitet Polizeiminister Genscher die Aktion teilweise selbst!

Dieser ungeheuren Provokation des Bonner Staates mußten sich die Demonstranten um der Wahrheit willen entgegenstellen. Diszipliniert und geschlossen durchbrachen die Demonstranten die Sperrketten der Polizei, den brutal zuschlagenden Polizisten lieferten sie einen tapferen Kampf. Dennoch gelang es dem in einer Übermacht versammelten Polizeiaufgebot, die Abschlußkundgebung zu verhindern:

Unzählige Demonstranten wurden festgenommen, gegen 11 wurden von den Schergen des Bonner Staates Haftbefehle erlassen.

Eine Reihe von Teilnehmern wurden von der Polizei mißhandelt und schwerverletzt. Nur den Ordnungskräften der Partei gelang es, die Polizei teilweise zu bändigen, die in der bürgerlichen Presse unverschämt als Schlägerbanden tituliert wurden.

Kumpel!

Die Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg ruft Euch alle auf, diesen Notstandsmaßnahmen muß der entschiedene Kampf angesagt werden:

Gestern waren es die Rot-Punkt-Demonstranten die von der Bonner Polizei zusammengeschlagen wurden, heute ist es die Demonstration zum Antikriegstag, die der Bonner Staat zu ersticken versucht, morgen sind es die Minister Stein Kumpel, die gegen Stillegung und Arbeitshetze in den Kampf treten."

Unter der Schlagzeile "Das rote Dortmund liest seine Rote Fahne" wird erstmals zum Abonnieren der 'Roten Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB aufgerufen. Eingeladen wird zur Veranstaltung zur Olympiade bzw. der RAKT-Demonstration (vgl. 21.9.1972).
Q: Rutsche Lügen haben kurze Beine,Dortmund o.J. (Sept. 1972)

21.09.1972:
In Dortmund rief zu einer Veranstaltung der KPD/ML-ZB über den Roten Antikriegstag (RAKT) (vgl. 2.9.1972) und dessen Unterdrückung in München zumindest die Betriebsgruppe Minister Stein (IGBE-Bereich - vgl. 18.9.1972) auf:"
'OLYMPIADE DER UNWAHRHEIT'
Veranstaltung der KPD/ML und des KJVD
- Die Demonstration zum Antikriegstag der KPD/ML und des KJVD
- Das Attentat im olympischen Dorf
- Solidarität mit den politischen Gefangenen!
- Solidarität mit dem palästinensischen Volk!

Donnerstag, 21.9.1972, Gaststätte 'Gut Glück', 19 Uhr, Deutsche Str.
FREIE AUSSPRACHE!"

Angekündigt wurde die Veranstaltung auch durch den KJVD bei Minister Stein/Hardenberg (vgl. 5.9.1972).
Q: Jugend-Rutsche Erfolgreiche Unterschriftensammlung!,Dortmund o.J. (Sept. 1972),S.4;
Rutsche Lügen haben kurze Beine,Dortmund o.J. (Sept. 1972),S.1

25.09.1972:
Von den Ortsverbänden Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD herausgegeben erscheint die Broschüre "Freiheit für den Roten Punkt" zum Prozeß gegen Klaus Dillmann wegen der Fahrpreiskämpfe im März 1971. Im Artikel "Kampf dem bürgerlichen Klassengericht! Zum Rote-Punkt-Prozess am 11.10. um 11 Uhr gegen den Genossen Klaus Dillmann" wird u.a. berichtet:"
All diese Maßnahmen des offenen Kampfes hatten jedoch zur Folge, daß sich im Verlauf der Wochen immer mehr Menschen mit den Demonstranten und auch mit den Marxisten-Leninisten solidarisierten und die Kampffront auf den Schienen von Tag zu Tag stärker wurde. Nur mit Drohungen und Lügen seitens einiger Betriebsratsbonzen gelang es, die Arbeiter von Hoesch (IGM-Bereich,d.Vf.) und Minister Stein (IGBE-Bereich,d.Vf.) davon abzuhalten, die Arbeit geschlossen niederzulegen und sich massenhaft an den Aktionen zu beteiligen. Dabei taten sich besonders der damalige IG-Metall-Ortsbevollmächtigte Troche sowie der Betriebsratsvorsitzende der Westfalenhütte Pfeiffer hervor, die von kriminellen Aktionen, Provokateuren und dergleichen mehr redeten. Insbesondere Pfeiffer erklärte sich damals mit den Fahrpreiserhöhungen voll einverstanden ... Auch Tebbe, Betriebsratsvorsitzender von Phoenix, stellte sich auf einer Belegschaftsversammlung von Phoenix und Union (vgl. **.3.1971,d.Vf.) auf den Standpunkt, es sei illegal, sich an den Rote-Punkt-Aktionen zu beteiligen. Ähnlich war es bei Minister Stein, ja auch bei den Stadtwerken (ÖTV-Bereich,d.Vf.) selbst war die Streikstimmung groß ... Trotz dieser Abwürgungsmaßnahmen haben viele Kollegen von Hoesch, Minister Stein, Hansa und einigen Kleinbetrieben sich an der Blockade beteiligt. Etwa hundert Kollegen haben beispielsweise eines Morgens auf eigene Faust an der Dorstfelder Brücke für mehr als 3 Stunden sämtliche Bahnen gestoppt. Als der Unmut in den Betrieben kaum noch zu bändigen war, durften einige hundert Vertrauensleute der Westfalenhütte ersatzweise auf den Schienen demonstrieren und zum Stadthaus ziehen. Sie dachten nicht daran, die übrigen Kollegen zum Mitgehen aufzufordern ... Die Polizei, die sonst immer drauflosgeknüppelt hatte, benahm sich dann, wenn viele Arbeiter auf den Schienen standen, äußerst zurückhaltend und sogar höflich, aus lauter Angst, die Stahlwerker oder Bergleute könnten streiken. Auch die Zeitungen waren bemüht, zwischen den sonstigen Demonstrationen und denen, wo die Arbeiter auf den Schienen standen, einen Unterschied zu machen, indem sie den Arbeitern besondere Disziplin bescheinigten."
Q: KPD/ML-ZB und KJVD Dortmund:Freiheit für den Roten Punkt,Dortmund 25.9.1972

Oktober 1972:
Auf der Zeche Minister Stein/Hardenberg Dortmund gibt die DKP Betriebsgruppe vermutlich im Oktober ihre 'Kumpel-Post' (vgl. 11.9.1972, Jan. 1974) heraus, in der sie sich, laut KPD/ML-ZB, u.a. mit dem Prämienpunktesystem befaßt.
Uns lag diese Ausgabe leider noch nicht vor.
Q: Rutsche Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.1

02.10.1972:
Laut einem IGBE-Bericht (vgl. 15.10.1972) hat vermutlich in dieser Woche "das Landesarbeitsgericht (LAG,d.Vf.) Hamm die Beschwerde der DAG gegen einen Beschluß des Arbeitsgerichtes Dortmund abgewiesen. Damit steht fest: Die Konstituierung des Betriebsrates der Schachtanlage Minister Stein erfolgte einwandfrei".
Q: Einheit Nr.20,Bochum 15.10.1972,S.4

03.10.1972:
In Dortmund wird vermutlich heute im IGM-Bereich bei Hoesch und im IGBE-Bereich bei Minister Stein ein Flugblatt der KPD/ML-ZB mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, verteilt:"
FREIHEIT FÜR DEN ROTEN PUNKT - KAMPF DEM BÜRGERLICHEN KLASSENGERICHT! ZUM ROTE-PUNKT-PROZESS IN DORTMUND AM 11.10. UM 11 UHR GEGEN DEN GENOSSEN KLAUS DILLMANN

BÜNDNISPLATTFORM

Am 11. Okt. um 11 Uhr findet im Amtsgericht Dortmund der Prozeß gegen den Genossen Klaus Dillmann (KPD/ML) statt. Der Genosse ist als Haupträdelsführer angeklagt, die Aktionen gegen die Fahrpreiserhöhungen der Dortmunder Stadtwerke maßgeblich angeleitet zu haben und damit angeblich strafbare Handlungen begangen zu haben. Die unterzeichnenden Organisationen und Einzelpersonen stellen dazu fest:
Der Genosse Klaus Dillmann hat in mutigem Einsatz für die berechtigten Interessen der Dortmunder Arbeiter und Werktätigen gekämpft. Tausende Arbeiter und Werktätige waren sich einig: Die Fahrpreiserhöhungen waren und sind ein Anschlag auf die Lebensinteressen der werktätigen Bevölkerung. Das staatlich verordnete Lohndiktat der SPD-Regierung, die ständig steigenden Ausgaben für die Kriegsvorbereitungen des Bonner Staates, Steuererhöhungen, der Abbau des Realeinkommens, Inflation und Preissteigerungen auf breitester Ebene - das war es, wogegen sich der berechtigte Protest der Dortmunder Bürger wandte. Der Bonner Staat, allen voran die rechten SPD-Führer, fürchteten und fürchten bis auf den heutigen Tag diese Proteste und Kämpfe der Massen. Zur Absicherung der ständig anwachsenden Militarisierung aller Lebensbereiche, zur Durchführung der revanchistischen Kriegsvorbereitungen bedient sich die Kapitalistenklasse ständig sich verschärfender Maßnahmen gegen die Arbeiter und Werktätigen und alle fortschrittlichen Kräfte. Im Sommer wurden die verschärften Notstandsgesetze (NSG - vgl. 22.6.1972,d.Vf.) und das faschistische Ausländergesetz (vgl. S1.*.1972,d.Vf.) verabschiedet. Ein ständig anwachsendes reaktionäres Klima der Hetze gegen alle fortschrittlichen und revolutionären Kräfte ist die schauerliche Begleitmusik der bürgerlichen Parteien bei der Durchführung dieser Maßnahmen. Demonstrations- und Streikverbote wie in München am Antikriegstag (RAKT - vgl. 2.9.1972,d.Vf.) stehen auf der Tagesordnung - Polizeiüberfälle auf Parteibüros, Ausweisung revolutionärer und demokratischer ausländischer Kollegen und Genossen häufen sich, die Zusamenarbeit mit den faschistischen Geheimdiensten ihrer Länder wird immer offener und unverfrorener. Verbotsdrohungen gegen kommunistische und fortschrittliche Organisationen nehmen zu. Kommunistische Widerstandskämpfer wie Fiete Schulze dürfen bereits offen als Mörder beschimpft werden, Nazigerichte werden als 'ordentlich' anerkannt. Das ist die die Situation, in der der Genosse Klaus Dillmann vor Gericht gezerrt wird! Durchgesetzt werden soll hier, daß der Polizeietrror gegen die Dortmunder Bevölkerung und das Demonstrationsverbot des NRW-Polizeiminister Weyer (FDP,d.Vf.) als rechtens anerkannt wird, der Widerstand dagegen soll zum Verbrechen erklärt werden.

Wir aber sagen es den herrschenden Kräften ins Gesicht: Vor Gericht gehört nicht der Genosse Klaus Dillmann, ebensowenig wie andere Roter-Punkt-Demonstranten, ebensowenig wie auch z.B. die in München am Antikriegstag verhafteten Kollegen und Genossen! Vor ein Gericht des Volkes gehört die westdeutsche Klassenjustiz, die die Unterdrückung des demokratischen Rechtes auf Demonstrations- und Streikfreiheit mitverantwortet. Vor Gericht gehören Polizeiminister Weyer und Polizeiherr Sondermann (SPD,d.Vf.). Vor Gericht gehören 'Volksvertreter' wie Samtlebe (SPD,d.Vf.) und Ladage (***,d.Vf.), die den Knüppeleinsatz in Dortmund befürwortet haben. Abgeurteilt werden muß der reaktionäre, volksfeindliche Bonner Staat, der die arbeitenden Menschen schröpft, um seine Kriegskassen zu füllen! Frieden, Demokratie und soziale Sicherheit - das versprachen die reaktionären SPD-Führer bei ihrem Machtantritt! Rationalisierungsmaßnahmen in den Betrieben, Inflation, Lohnabbau, verstärkte Kriegsvorbereitungen, Erhöhung des Rüstungshaushalts, Knebelung des Volkes und Verbot fortschrittlicher und kommunistischer Organisationen, Polizeiterror, Faschisierung - das ist die Bilanz von 3 Jahren SPD-Regierung. Widerstand und Kampf - das muß die Antwort der werktätigen Bevölkerung sein! Im Falle dieses Rote-Punkt-Prozesses heißt das: Verhandeln kann man mit den herrschenden Kräften nur von einer Position der Stärke aus, nicht hinter verschlossenen Türen, sondern unter den Augen der Werktätigen, die jeden Verrat zurückweisen werden. Die werktätige Bevölkerung hat auf den Schienen gekämpft. Nun muß dieser Kampf im Gerichtssaal fortgesetzt werden. Es darf nicht, wie in bisherigen Roter-Punkt-Prozessen, zurückgewichen werden. Wir müssen schon heute daran denken, daß demnächst erneut Rote-Punkt-Aktionen notwendig werden können. Pläne zur erneuten Fahrpreiserhöhung werden im Dortmunder Stadtrat schon diskutiert.

Die unterzeichnenden Organisationen und Einzelepersonen verpflichten sich, im Geistes dieser Plattform, alles zu unternehmen, um der Klassenjustzi den Freispruch für Klaus Dillmann abzutrotzen. Sie werden im gemeinsamen Vorgehen in Flugblättern und auf mündlichem Weg die Dortmunder Bevölkerung über den Versuch, den Genossen abzuurteilen und ins Gefängnis zu werfen, aufklären. Sie werden ihre Solidarität durch Spenden unter Beweis stellen. Sie werden am Tage des Prozesses der Klassenjustiz in gemeinsamer, solidarischer Aktion zeigen, auf welcher Seite die Dortmunder Bevölkerung steht. Sie werden auch dort fordern, daß die in München inhaftierten Kollegen und Genossen freigelassen werden, und versichern sie ihrer vollen Solidarität.

- FREISPRUCH FÜR KLAUS DILLMANN!
- NIEDER MIT DER REAKTIONÄREN KLASSENJUSTIZ!
- SCHLUSS MIT DEN ROTER-PUNKT-PROZESSEN!
- ENTSCHÄDIGUNG DER VERURTEILTEN!
- KAMPF DER AUSHÖHLUNG UND BESEITIGUNG DER DEMOKRATISCHEN RECHTE!
- FÜR VOLLE STREIK- UND DEMONSTRATIONSFREIHEIT!
- FÜR FREIE POLITISCHE BETÄTIGUNG IN BETRIEB UND SCHULE!
- WEG MIT DEM KPD-VERBOT!

Diese Plattform wird als Bündnisangebot an folgende Organisationen gerichtet, deren Mitglieder wir auffordern, sie zu diskutieren. Alle sollten dafür sorgen, daß das demokratische Recht auf freie Straße verteidigt wird und damit verräterischern Führern ein Schlag versetzt wird. Kollegen der Dortmunder Betriebe und andere Werktätige, KPD/ML (Roter Morgen), (KPD/ML-ZK,d.Vf.), KPD, KJV, Liga gegen den Imperialismus (LgdI,d.Vf.), KSV, Marxisten-Leninisten (ML,d.Vf.) Dortmund, Lehrlingsgruppe Hörde, AStA Bochum (RUB,d.Vf.) und von PH und Uni Dortmund, SMV Berufsschulen, Betriebsgruppen der DKP, SDAJ, Spartakus (MSB,d.Vf.), ESG, CAJ, Jusos (der SPD,d.Vf.), Jungdemokraten (Judos der FDP,d.Vf.), V-Leute-Körper, VVN, VK, IdK, GEW, Gewerkschaftsjugend (DGB-Jugend,d.Vf.)."

Aufgerufen wird zur Bündnisveranstaltung am 4.10.1972.

Angekündigt wird auch ein Verkauf von Dokumenten zum Preis von 10 Pfg. in der nächsten Woche vor allen Toren.

Im DKP-Büro verweigert Rudi Skott, laut Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB (vgl. 16.10.1972), die Annahme des Aktionseinheitsaufrufs.
Q: KPD/ML-ZB:Freiheit für den Roten Punkt - Kampf dem bürgerlichen Klassengericht,Dortmund o.J. (1972);
Rutsche Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.3

03.10.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB verbreitet vermutlich von heute folgenden Bericht:"
Am Dienstag mittag verteilte ich vor Minister zwei Flugblätter: zur Demonstration (vgl. 8.10.1972, bei dem Flugblatt handelt es sich vermutlich um das bundesweite Flugblatt der Aktionseinheit - vgl. 2.10.1972,d.Vf.) in Dortmund, auf der über 10 000 gegen die Ausländergesetze protestierten und zum ROTER-PUNKT-Prozeß gegen Klaus Dillmann (vgl. 3.10.1972,d.Vf.). Es dauerte nicht lange, als ein Polizist auf einem Moped angefahren kam und ein Flugblatt verlangte. Während bei früheren Angriffen der Polizei angeblich immer das Verkaufen der ROTEN FAHNE verboten war, sollte diesmal das Flugblatt-Verteilen verboten sein, behauptete der Polizist. Das war jedoch eine glatte Lüge, denn ich weiß, daß diese Drohungen nur den Vorwand bieten sollen, die Personalien für die 'Verbrecherkartei' des K14 (Politische Polizei) festzustellen - meine hat er natürlich gleich aufgeschrieben. Und siehe da: gleich war ein Ziviler von K14 zur Stelle, der 'rein zufällig' mit seinem Wagen in der Nähe war. Der versuchte es auf die Anbiederungstour mit 'Guten Tag' und 'Wer wird denn gleich von Verbot reden'. Das zog aber bei mir nicht, und ich verlangte sofort das schriftliche Verbot für Verteilen zu sehen. Der Zivile stellte befriedigt fest, daß er meine Personalien ja hätte und zog ab. Inzwischen hatte ich die Kumpel durch laute Rufe auf den Vorfall aufmerksam gemacht und sie aufgefordert, mir zu helfen, denn Verteiler-Verbot ist ein Angriff auf alle Kollegen und auf das Recht, seine Meinung frei zu äußern und sich politisch zu betätigen. Das aber paßte dem Uniformierten gar nicht. 'das richtet sich nicht gegen diese Leute hier, sondern der KPD/ML soll's ans Leder!' schrie er und scheute auch nicht vor der Lüge zurück, er habe nichts von Verbot gesagt, sondern er wolle sich bei seinem Vorgesetzten erkundigen, ob Verteilen erlaubt sei. Schnell verzog er sich, denn mehrere Kumpels waren gekommen, die das Vorgehen der Polizei und ihrer Hintermänner verurteilten, weil die demokratischen Rechte des Volkes hier mit Füßen getreten werden sollen. Sie waren auch bereit, die Beschlagnahme zu verhindern, wenn es dazu kommen sollte. Doch erst als ihr Bus kam und die Kumpels abgefahren waren, wagte sich der Polizist wieder her. Er brüllte herum, ich solle mit 'Polemisieren' und 'Reklame gegen die Polizei' aufhören, sonst wäre Feierabend. Und er spielte sich als Unschuldsengel auf. Ich ließ mir das nicht gefallen, klärte die neu hinzugekommenen Kumpel über diesen Angriff auf. Dem gemeinsamen Protest aber fühlte er sich nicht gewachsen. Mit der Bemerkung, daß meine Personalien an K14 gehen, brauste er wutschnaubend davon."
Q: Rutsche Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.6

09.10.1972:
In Dortmund will die KPD/ML-ZB in dieser Woche zumindest im IGBE-Bereich bei Minister Stein und im IGM-Bereich bei Hoesch vor allen Toren eine Broschüre (vgl. 25.9.1972) zum Roter Punkt-Prozeß gegen Klaus Dillmann (vgl. 5.10.1972, 11.10.1972) verkaufen.
Q: KPD/ML-ZB, KJVD, ML Dortmund:Freiheit für den Roten Punkt - Kampf dem bürgerlichen Klassengericht - Gemeinsame Erklärung,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.1

16.10.1972:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Dortmund die Betriebsgruppe Minister Stein der KPD/ML-ZB ihre 'Rutsche' (vgl. 18.9.1972) mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, sowie einem beigehefteten vierseitigen Flugblatt zum Roter-Punkt-Prozeß gegen Klaus Dillmann (vgl. 20.10.1972) heraus.
Hierbei handelt es sich um die letzte uns bekanntgewordene 'Rutsche':"
PRÄMIENPUNKTSYSTEM? NEIN!

GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!

Das neue Prämienpunktesystem für Handwerker ist jetzt probeweise angelaufen. Jeder konnte sich nach der vom Steiger vorgenommenen Punktebewertung ausrechnen, ob er besser oder schlechter steht und seine Entscheidung zwischen altem und neuem System treffen. Auf den ersten Blick scheint es für junge und Übertage-Handwerker Vorteile zu bringen, während sich Untertage- Handwerker, die oft eine höhere persönliche Zulage besitzen, dagegen ausgesprochen haben.

Eine faire Sache? Eine neue Reform für die Kumpel? Ein 'Jein', wie es die DKP-Kumpelpost (vgl. Okt. 1972,d.Vf.) schrieb?

Oder ein neues Machwerk, um die Kollegen auszuplündern und zu spalten?

DAS NEUE PUNKTESYSTEM BEDEUTET: ARBEITSHETZE, KONTROLLE UND DEN VERSUCH, KRITIK UND OPPOSITION ZU UNTERDRÜCKEN - KURZ:

EIN SCHRITT ZUM BETRIEBSFASCHISMUS!

Hat schon die Lohnordnung der Steigerwillkür Tür und Tor geöffnet, so soll es jetzt erst recht nach dem Prinzip 'schöne Nase' gehen.

Aber noch mehr: Jetzt soll jeder mit barer Münze zu 'gutem Arbeitsverhalten' gezwungen werden. Das scheint den Zechenherren wichtiger zu sein als die Leistung des einzelnen, die in der Punktbewertung nur 1/4 ausmacht.

Der Steiger, der bisher ihm unliebsame Kumpel unter der Hand durch Prämienabzug zu gängeln versuchte, der darf es jetzt 'ganz offiziell'.

Und welches Mittel eignet sich besser, um die Arbeitshetze noch mehr zu verschärfen?

DAS NEUE PUNKTSYSTEM BRINGT: SPALTUNG UND LOHNRAUB!

Sind die Kumpel sich uneinig, reiben sich die Zechenherren die Hände. Gegen die Stärke der Arbeiterklasse, die Einigkeit, setzen sie Spaltung durch's Prämienpunktesystem. Nicht nur, daß jeder unterschiedlich bezahlt wird und dem anderen Kollegen nicht mehr über den Weg traut - jetzt sollen ältere gegen jüngere Kumpel ausgespielt werden.

Die Jungarbeiter sollen mit Punkten überhaupt noch auf dem Pütt gehalten werden - auf Kosten nicht etwa der Unternehmerprofite, sondern der Älteren, die kaum noch woanders Arbeit finden können.

Je mehr sich heute für die Punktebewertung entscheiden, desto leichter fällt es den Bossen in wenigen Monaten, diese Lohnform unter dem Vorwand 'Die meisten sind dafür' zwangsweise einzuführen wie auf anderen Zechen.

Schon vor der Tarifverhandlung in diesem Jahr hatte die RUTSCHE gewarnt: vor der Abschmelzung der übertariflichen Zulage - was dann zum größten Teil auch durchgeführt wurde - und vor der Abschmelzung der persönlichen Zulage durch Einführung einer neuen Leistungsentlohnung. 'Glückauf', die Zeitung der Zechenkapitalisten, sprach am 24.6.1971 davon, daß mit der neuen Lohnordnung die 'Tarifwahrheit' wiederhergestellt werden soll. Und genau da haben wir diese 'Wahrheit'!

EIN 'NEIN' DIESEN KAPITALISTEN-REFORMEN!

Denn die füllen nur ihre eigenen Taschen: sie halten junge Arbeitskräfte, ohne selbst einen Pfennig zu zahlen. Durch Leistungsentlohnung und Arbeitshetze und Abschmelzung verdienen sie sogar noch Unsummen.

Bedenken wir, daß die Durchschnittshöhe der persönlichen Zulage in Dortmund bei 6 DM liegt und ein Handwerker bei 32 Punkten (von uns geschätzt Durchschnittsbepunktung) in LG 9 nur 3,12 DM über seinen Tariflohn bekommt!

Kollegen, für uns kann es deshalb nur eine Antwort geben: Nein!

WEG MIT DER PRÄMIENPUNKTEBEWERTUNG!

EIN 'NEIN' DER ILLUSIONSPOLITIK VON DKP UND BETRIEBSRAT!

Die 'Jein'-Lösung der Betriebsräte und DKP ist eine Täuschung und setzt Illusionen für Kampf. Sie sagen: wer im Moment durch die Punktebewertung einige Pfennige mehr bekommt, der soll zustimmen. Doch: wer heute zustimmt, der ist gegen eine Abschmelzung machtlos. Wer heute zustimmt, der stellt sich selbst vor die Wahl: Mund halten und sich ducken - oder zahlen. Wer heute zustimmt, der fördert selbst die Spaltung der Kumpel!

Wir haben natürlich nichts dagegen, daß Jungarbeiter und Kollegen ohne persönliche Zulage mehr bekommen. Im Gegenteil: REALE LOHNERHÖHUNG NACH DEM GRUNDSATZ: GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!

Die Metallarbeiter Westdeutschlands haben ihre Erfahrungen mit ähnlichen Punktesystemen bereits gemacht und ihnen den Kampf angesagt. Vor einem Jahr (vgl. S2.**.1971,d.Vf.) waren es z.B. die Bochumer Opel-Kollegen, die statt klein beizugeben gekämpft und in einem geschlossenen Streik den Kapitalisten Zugeständnisse abgerungen haben.

Das ist auch der Weg der Minister-Kumpel!

DAS ERSTE: GEMEINSAME FORDERUNG AUFSTELLEN! Der Tariflohn mUß für alle um die durchschnittliche persönliche Zulage bei Minister angehoben werden - kein Stillhalten bis zum nächsten Jahr, sondern jetzt!

Welche Forderung ist die richtige? Einige Kollegen meinten: 6 DM, andere: 9 DM.

Kollegen, überlegt euch selbst, wie diese Forderung lauten muß, für die ihr kämpft!

DAS ZWEITE: SCHACHTGEWERKSCHAFTSVERSAMMLUNG, um die einheitliche Forderung aufzustellen und die Schritte zu ihrer Erkämpfung zu tun.

Die KPD/ML-Betriebsgruppe steht in diesem Kampf auf eurer Seite und wird ihn nach ihren Kräften unterstützen."

Enthalten ist auch ein:"
OFFENER BRIEF AN DIE DKP-BETRIEBSGRUPPE!

Genossen!

Vor zwei Wochen (vgl. 3.10.1972,d.Vf.) richtete der Ortsverband Dortmund der KPD/ML einen Aufruf zur Aktionseinheit an die Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg der DKP sowie an weitere Betriebsgruppen Eurer Partei, an SDAJ und Spartakus (MSB,d.Vf.) und an marxistisch-leninistische, fortschrittliche und demokratische Organisationen in Dortmund. Die KPD/ML rief Euch auf, Eure Solidarität mit dem Genossen Klaus Dillmann unter Beweis zu stellen, der als 'Rädelsführer' der Roter-Punkt-Aktionen vor Gericht gezerrt worden ist.

Dieser Aufruf sollte Euch in Eurem Büro am Borsigplatz zugeleitet werden. Kommentar von Rudi Skott:

'Nehmt den Kram doch gleich wieder mit!' - Genossen, wir von der KPD/ML meinen: So wie sich führende Kreise Eurer Partei gegenüber der Frage der Einheit im Kampf gegen die Klassenjustiz verhalten, so verhalten sich keine Kommunisten!

Der SDAJ-Führer Gleim (ebenfalls DKP-Mitglied) erklärte: 'Für Klaus Dillmann können wir nichts tun!' Dies sagt derselbe Gleim, der während der Roter-Punkt-Aktionen gemeinsam mit dem gegenwärtigen DKP-Bundestagskandidaten Kluthe das Herunterreißen und Verbrennen von roten Fahnen, die die KPD/ML mitführte, billigte und unterstützte (vgl. 15.3.1971,d.Vf.)! Damals platzte selbst dem DDR-Fernsehen der Kragen, das dazu kommentierte:

'Antikommunistische Elemente versuchten, den Kommunisten die roten Fahnen zu entreißen.' Herr Gleim dagegen 'argumentierte': 'Ihr lockt mit euren roten Fahnen nur die Polizei her!' - Allerdings, Herr Gleim, auch wenn es ihnen unangenehm ist: Wir Kommunisten wissen, daß die rote Fahne das Symbol der unversöhnlichen Feindschaft zum Bonner Staat der Monopolkapitalisten und Kriegstreiber ist!

Genossen! Die Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg der KPD/ML fordert Euch auf, zu diesen, eines jeden Kommunisten unwürdigen Haltungen Stellung zu nehmen! Ferner meinen wir, daß in diesem Zusammenhang ein klärendes Wort auch zu anderen Fragen notwendig ist:

Am Antikriegstag (RAKT - vgl. 2.9.1972,d.Vf.), dem Kampftag gegen den imperialistischen Krieg, führten die KPD/ML und ihr Jugendverband gemeinsam mit anderen Organisationen - auch eine ganze Reihe von SDAJ-, Naturfreunde- (NFJ,d.Vf.) und IdK/DFG-Mitgliedern marschierten mit - in München eine große Kampfdemonstration durch. Entgegen dem Demonstrations- und Streikverbot, das gemeinsam von der SPD-Regierung in Bonn, der CSU-Regierung in Bayern und der Münchener SPD-Stadtspitze erlassen worden war, erkämpften sich die demonstrierenden Antimilitaristen das Recht auf freie Straße, machten sie deutlich, daß sie den weiteren Abbau der demokratischen Rechte des Volkes nicht hinnehmen wollen! Die UZ, Euer Zentralorgan, hatte für diesen gerechten Kampf in ihrem Extrablatt (vgl. S3.9.1972,d.Vf.) nur antikommunistische Hetze übrig. Sie schrieb, 'maoistische Krawallmacher' hätten den 'olympischen Frieden' gestört und forderte verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. Ist das die Sprache von Kommunisten? Ist es die Sache von Kommunisten, die imperialistische Reaktion, ihren Todfeind, aufzufordern, die 'Sicherheits'organe zu verstärken? Genossen, wir fordern alle ehrlichen Kommunisten in Euren Reihen auf, zu diesen konterrevolutionären Positionen der UZ Stellung zu nehmen! Es kommt weiter darauf an, die Verantwortlichen in Eurer Betriebsgruppe zur Rechenschaft zu ziehen, die diese Stimmungsmache billigen und aktiv vorantreiben! Denn wie kommt es sonst, daß seitens einiger Eurer Leute bei Minister und Hardenberg damit hausiert wird, die KPD/ML werde von Strauß (FJS - CSU,d.Vf.) ausgehalten? Dies ist eine billige und unverschämte Lüge, die ebenfalls eines Kommunisten unwürdig ist!

Doch vielleicht wollen wir uns näher anschauen, wer dem Faschisten Strauß wirklich in die Hände arbeitet:

Bekanntlich ist es die sozialfaschistische SPD-Führung gewesen, die gemeinsam mit dem Adenauer-Regime das Verbot der KPD forderte. Angesichts der von der KPD organisierten Volksabstimmung gegen die Wiederaufrüstung, bei der sich 9 Millionen Arbeiter und Werktätige für Frieden und Entmachtung der Rüstungsmagnaten aussprachen, erklärte der 'Antifaschist' und schwedische Achtgroschenjunge Wehner im Bonner Bundestag (vgl. 26.4.1951,d.Vf.): 'Dies ist illegal - dies muß verboten werden.' Bekanntlich billigten die sozialfaschistischen SPD-Führer die Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden - zusammen mit Adenauer und Strauß. Bekanntlich peitschten Brandt und Wehner - zusammen mit Kiesinger und Strauß - die faschistischen Notstandsgesetze (NSG - vgl. S4.5.1968,d.Vf.) im Bundestag durch. Bekanntlich verabschiedeten Brandt und Wehner zusammen mit Barzel und Strauß die verschärfenden neuen Notstandsgesetze diesen Sommer (vgl. 22.6.1972,d.Vf.) im Bundestag. Es ist ebenfalls bekannt, daß die Bonner SPD-Regierung unter dem Beifall von Strauß das Ausländergesetz, ein durch und durch faschistisches Gesetz anwendet: GUPS und GUPA wurden verboten (vgl. 3.10.1972,d.Vf.)! Das alles und noch viel mehr ist bekannt. Das alles hindert Kurt Bachmann aber nicht daran, in Mannheim (vgl. S4.*.1972,d.Vf.) zu verkünden: 'In dieser Situation erklärt die DKP ihre Bereitschaft ALLE Meinungsunterschiede im Interesse des gemeinsamen Kampfes gegen Barzel und Strauß zurückzustellen.'(laut UZ Nr.14 (vgl. S4.*.1972,d.Vf.)). Und zu wem sollen alle Meinungsverschiedenheiten zurückgestellt werden? Zu derselben SPD der Wiederaufrüster, Notstandspolitiker und Verbotseinpeitscher! Der SPD, die mit Barzel und mit dem Faschisten Strauß in einer Front marschiert! Mit dieser SPD, einschließlich ihrer Kumpane Barzel und Strauß, möchte Herr Bachmann liebend gern unter einer Decke stecken! Genossen, könnt Ihr das als Kommunisten gutheißen? - Hören wir dazu Ernst Thälmann, den unbeugsamen Kämpfer gegen Faschismus und Sozialfaschismus: 'Unser Kampf um die Eroberung der Mehrheit des Proletariats..., diese strategische Hauptaufgabe kann nur gelöst werden, wenn wir es verstehen, der Sozialdemokratie die Maske vom Gesicht zu reißen, wenn wir es verstehen, die sozialdemokratischen Betrugsmanöver zu zerschlagen, wenn wir es verstehen, den wirklichen Charakter der bürgerlichen, kapitalistischen, FASCHISTISCHEN Politik der SPD vor den Massen klar zu enthüllen.' (Thälmann, Der revolutionäre Ausweg und die KPD, S.39).

Wer steckt also wirklich mit Strauß unter einer Decke? Wer den Weg der sozialfaschistischen SPD-Führer gehen will, oder wer dagegen kämpft? Herr Bachmann oder die KPD/ML - wer spielt dem Faschisten Strauß wirklich in die Hände?

Wer wird von Strauß ausgehalten? Derjenige, der gegen das KPD-Verbot kämpft? Oder derjenige, der nicht im entferntesten mehr daran denkt? - Tatsache ist, daß die KPD/ML am diesjährigen Jahrestag des KPD-Verbotes (vgl. 17.8.1972,d.Vf.) die einzige Partei war, die zu Demonstrationen gegen dieses faschistische Verbot aufgerufen hat. Tatsache ist, daß die rechten DKP-Führer keinen Finger dafür gekrümmt haben! Und eine Tatsache ist weiter, daß die KPD/ML verboten werden soll - mit der Billigung der rechten DKP-Führer! So unterstützte das DKP-Mitglied Lukrawka zusammen mit anderen DKP-Mitgliedern den Antrag zum Verbot neonazistischer UND 'MAOISTISCHER' Organisationen auf dem IG-Metall-Tag (vgl. 27.9.1971,d.Vf.), der mehrheitlich angenommen wurde! Genossen, kein ehrlicher Kommunist kann solch eine konterrevolutionäre Politik unterstützen!

Genossen! Auch auf betrieblicher Ebene kann kein aufrechter Kommunist dem Treiben rechter Kräfte in der DKP mehr tatenlos zuschauen. Wo ist die Unterstützung der von der KPD/ML geforderten 2. Liste (zur Betriebsratswahl, BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.), einer wirklichen Liste des Klassenkampfes geblieben - und wer hat diese Unterstützung bei Euch unterbunden? Wer hat die Urabstimmung (in der BETR - vgl. 20.6.1972,d.Vf.) nicht unterstützt - und wer hat Euch davon abgehalten? Aus wessen Munde komt ein klägliches JEIN zu dem neuen spalterischen und arbeiterfeindlichen Punktesystem - wer würgt bei Euch, wie unlängst auf Eurer Veranstaltung (vgl. S5.**.1972,d.Vf.), die Diskussion darüber ab?

Genossen, das sind Fragen, die beantwortet werden wollen! Wir fordern Euch hiermit zu einer öffentlichen Stellungnahme dazu auf!

Genossen! In der DKP gärt es! Viele Genossen fragen sich, ob das die Partei Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, die Partei Ernst Thälmanns ist. Unsere Haltung ist klar: Die rechten DKP-Führer haben den Marxismus-Leninismus längst verraten. Diese Einsicht setzt sich gerade jetzt angesichts des schamlosen Verhaltens von Gleim und anderen im Falle Klaus Dillmann bei so manchem aufrichtigen Genossen durch. Noch im Gerichtssaal (vgl. 11.10.1972,d.Vf.) warf ein DKP-Genosse sein Parteibuch hin. Weitere Genossen verurteilten klar diesen verräterischen Kurs.

Auch in Bremen (vgl. 7.4.1972,d.Vf.) verließen proletarische Revolutionäre die DKP. In ihrer Austrittserklärung rufen sie Euch zu:

'Die KPD/ML und der KJVD - das sind die marxistisch-leninistischen Organisationen der westdeutschen Arbeiterklasse und ihrer Jugend, die den Kämpfen der Arbeiterklasse Ziel und Richtung geben, die konsequent und unbeirrbar den Kampf um die Tagesforderungen führen und sie mit dem Ziel, dem sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat verbindet. - Die KPD/ML und der KJVD sind nicht wie die DKP- und SDAJ-Führer den SPD- und Gewerkschaftsführern und damit dem imperialistischen Staat verpflichtet, sondern ausschließlich den Interessen der Arbeiterklasse und ihrer Jugend!'

Verlaßt die DKP!

Stärkt die KPD/ML!

ROTFRONT!

BG Minister Stein/Hardenberg der KPD/ML"

Eine Anzeige wirbt für die eben erwähnte Austrittserklärung:" 'Sozialdemokratie oder Kommunismus' Austrittserklärung einer Gruppe von Kommunisten aus der DKP und der SDAJ. Preis 1,50 DM. Erhältlich bei:

BUCHHANDLUNG BISTRAM
Oesterholzstr./Nähe Haupttor Westfalenhütte".

Illustriert ist dieser Artikel mit Bildern von Hans Kluthe, der in einer Sprechblase feststellt: "Rote Fahnen brennen besser! Wählt DKP!" und von Kurt Bachmann, zu dem es heißt: "Kurt Bachmann erinnert sich..." und der in einer Sprechblase sagt: " Ernst Thälmann? Das war doch so ein Linksradikaler,gell?"

Angekündigt wird ein China-Film im Fernsehen (vgl. 19.10.1972).

Zum beigehefteten Flugblatt und einem Verteilerbericht über einen Polizeieinsatz vor Minister Stein (vgl. 3.10.1972) heißt es:"
SCHON WIEDER POLIZEI VOR MINISTER!

Kollegen! Wer den folgenden Bericht über den ROTER-PUNKT-Prozeß gegen den Genossen Klaus Dillmann liest, der sieht, wie die Kapitalistenklasse und ihre Staats- und Justizmacht darangehen, jede Opposition im Land zu zerschlagen und die Marxisten-Leninisten, auch die KPD/ML, als 'kriminelle Vereinigung' zu verbieten. Innenminister Genscher kündigte vor vier Wochen (vgl. S6.*.1972,d.Vf.) den Ausbau des Verfassungsschutzes an, der 'die nötigen Informationen besorgen' soll. Schon längst sind diese Worte Wirklichkeit geworden. Hier der Bericht eines Flugblattverteilers bei Minister Stein". Fortgefahren wird im Anschluß:"

Kollegen! Verbot und Verfolgung der KPD/ML treffen nicht nur uns Kommunisten. Sie treffen Euch alle, Arbeiter und Werktätige, Kumpels! Die Staatsbüttel wollen 'Rädelsführer', um den Widerstand und Kampf in den Betrieben und auf der Straße zu brechen. Aber wir werden uns nicht verkriechen. Im Gegenteil -wir werden tun, was diese Herren am meisten fürchten: neue Mitkämpfer gewinnen für den Kampf zur Erhaltung der demokratischen Rechte, gegen Ausplünderung und Kriegsvorbereitungen, FÜR SOZIALISMUS UND FRIEDEN! KUMPELS, ÜBT PRAKTISCHE SOLIDARITÄT! KOMMT AM NÄCHSTEN FREITAG, D. 20.10. um 19 Uhr zur VERANSTALTUNG DER KPD/ML

Ort: HAUS GOEBBELN, Schützenstraße"
Q: Rutsche Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (Okt. 1972)

19.10.1972:
Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund der KPD/ML-ZB (IGBE-Bereich in NRW - vgl. 16.10.1972) kündigte vermutlich für heute an:"
'TREFFPUNKT PEKING'
Bericht über das chinesische Bildungssystem von Roshan Dhunjiboy (Pakistan). Kollegen, auch wenn es im bürgerlichen Fernsehen ist, seht Euch die Sendung an und diskutiert darüber. Donnerstag, 19 Uhr 20, I. Programm" (ARD).
Q: Rutsche Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.5

20.10.1972:
In Dortmund riefen KPD/ML-ZB und KJVD zu einer Veranstaltung "Solidarität mit Klaus Dillmann" um 19 Uhr im Haus Goebbeln in der Schützenstr. mit einem Flugblatt von 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, auf, das zumindest bei Hoesch Phoenix im IGM-Bereich, nach eigenen Angaben, erst heute verteilt wurde. Im IGBE-Bereich bei Minister Stein wurde es der 'Rutsche' (vgl. 16.10.1972) beigeheftet. Berichtet wird darin vom Prozeß gegen Klaus Dillmann am 11.10.1972 und am Schluß heißt es:"
Wir fordern alle fortschrittlichen und demokratischen Menschen in Dortmund auf, sich mit Klaus Dillmann zu solidarisieren und für seinen Freispruch zu kämpfen. Meldet euch als Zeugen, spendet auf das Konto Stadtsparkasse Dortmund, Konto-Nr. ... (Roter Punkt), schreibt eure Meinung an Klaus Dillmann, 463 Bochum, Blankensteiner Str. 28, kommt zur Veranstaltung am Freitag, 20. Oktober um 19 Uhr... !

FREISPRUCH FÜR KLAUS DILLMANN!

SCHLUSS MIT DEN ROTER-PUNKT-PROZESSEN!
AUFHEBUNG ALLER URTEILE GEGEN ROTER-PUNKT-DEMONSTRANTEN UND ENTSCHÄDIGUNG DER VERURTEILTEN!
HÄNDE WEG VOM DEMONSTRATIONS- UND STREIKRECHT!
WEG MIT DER ANWENDUNG DER NOTSTANDSGESETZE (NSG,d.Vf.) IM BETRIEB UND AUF DER STRASSE!
DEM VOLK DAS RECHT AUF FREIE STRASSE!
FREIE POLITISCHE BETÄTIGUNG!
WEG MIT DEM KPD-VERBOT!
FREIHEIT FÜR DIE MARXISTEN-LENINISTEN!

STELLT DER KLASSENJUSTIZ DER MONOPOLE DAS URTEIL DES VOLKES ENTGEGEN"
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Freiheit für den Roten Punkt - Polizisten leisten Meineid - Gerichtsverhandlung geplatzt,Dortmund o.J. (Okt. 1972);
Das Rote Schwungrad Der Kampf um höhere Löhne in der Tarifrunde,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.3;
Rutsche Prämienpunktsystem? Nein!,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.6

November 1972:
Auf der Zeche Hansa Dortmund berichtet die KPD/ML-ZK (vgl. **.12.1972) vermutlich aus dem November:"
NIEDER MIT DER BUNDESWEHR

Es passierte vor wenigen Tagen auf 'Minister Stein'. Die Kumpels trauten ihren Augen nicht. Krochen da plötzlich 24 Unteroffiziere in Schacht IV herum. Was wollten die Grauen auf der Zeche?
Die DAG-Betriebsgruppe hatte sie eingeladen! Und nicht genug damit, bekam Oberfeldwebel Groß auch noch einen Ehrenhäckel überreicht!
Geschenke für die, die unsere Jungs in den Kasernen durch den Dreck schleifen und sie auf den nächsten Krieg drillen!
Aber es glaube keiner, sowas gäbs nur bei der Angestelltengewerkschaft. Wenns drum geht, sich für die 'Verteidigung des Vaterlands' stark zu machen, sind die sauberen IGBE-Bonzen keinen Deut besser.
Karl-Heinz Zydek zum Beispiel, freigestellter Betriebsrat auf Prosper III/IV (in Bottrop,d.Vf.), macht nicht nur Werbung für das Militär, er sitzt sogar selbst im Musterungsausschuß des Kreiswehrersatzamtes! Diese Stiefelknechte sollen bloß nicht glauben, sie könnten mit solchen Sachen uns Arbeitern die Bundeswehr 'näherbringen'. Wir hassen diese Kapitalistenarmee wie eh und je. Und wenn wir eines Tages mit dem Gewehr in der Hand unsere Unterdrücker zum Teufel jagen, dann werden wir mit Sicherheit auch noch eine Kugel für das Bonzenpack bereithaben."
Q: Schlag zu Extrablatt Schluß mit den unbezahlten Überstunden!,Dortmund 1972, S.3

24.11.1972:
Heute findet in Dortmund eine erweiterte Kreisvorstandssitzung der DKP statt, zu der eingeladen wurde am 20.11.1972. Vermutlich von dieser Sitzung lag uns eine handschriftliche Teilnehmerliste vor. Es waren u.a. vertreten die Betriebsgruppe Minister Stein sowie die Dortmunder Stadtteilgruppe Eving/Brechten.
Q: DKP Dortmund:Erweiterte Kreisvorstandssitzung,Dortmund o.J. (1972);
DKP Kreisvorstand Dortmund:An alle Gruppenvorstände,Dortmund o.J. (1972);
DKP Kreisvorstand Dortmund:Liebe Genossinnen und Genossen!,Dortmund 20.11.1972;
DKP Kreisvorstand Dortmund:Eingeladen zur erweiterten KV-Sitzung, Freitag 24.11.1972,o.O. (Dortmund) o.J. (Nov. 1972)

31.12.1972:
Die KPD/ML-ZK gibt ihren 'Roten Morgen' Nr.26 (vgl. 18.12.1972, 14.1.1973) heraus und befaßt sich u.a. mit der Zeche Minister Stein Dortmund.
Q: Roter Morgen Nr. 26, Hamburg 31.12.1972, S. 3

RM_1972_26_05
RM_1972_26_06


Januar 1973:
Die IGBE (vgl. 1.1.1973) berichtet von der Stillegung der Zeche Victor-Ickern in Castrop-Rauxel (vgl. Sept. 1972, Okt. 1973), es solle ab Januar für alle Beschäftigten ein Betreuungsbüro eingerichtet werden. Ziel dieses Büros soll es sein, "allen verlegungswilligen Belegschaftsmitgliedern die notwendigen Entscheidungshilfen" zu gewähren, "um sich zur Verlegung nach hier oder dort entschließen zu können".
Die aufzunehmenden Zechen für die Verlegung sollen sein: Gneisenau, Hansa, Minister Stein (alle Dortmund), Achenbach (Lünen), Waltrop und Haus Aden (Oberaden):"
Die erste größere Verlegung soll bereits im Frühjahr mit 180 bis 200 Beschäftigten erfolgen. Von diesen Verlegungen besonders hart betroffen sind die ehemaligen Belegschaftsmitglieder von der früher stillgelegten Zechen Germania in Dortmund und Emscher-Lippe in Datteln."
Q: Einheit Nr.1,Bochum 1.1.1973,S.5

März 1973:
Die IGBE (vgl. 1.4.1973) berichtet vermutlich aus dem März vom BAG:"
BESCHWERDE OHNE ERFOLG
BETRIEBSRAT DER ZECHE 'MINISTER STEIN' HANDELTE KORREKT

Der Betriebsrat der Schachtanlage 'Minister Stein' in Dortmund hat sich korrekt konstituiert und seine Aufgabenverteilung einwandfrei vorgenommen. Das hat jetzt der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichtes in Kassel nachdrücklich bestätigt. Neun Monate lang hatte sich die DAG bemüht, die Aufgabenverteilung und Nominierungen im Betriebsrat anzufechten. Doch der lange Marsch durch alle Rechtsinstanzen blieb ohne Erfolg. Die Rechtsbeschwerde der DAG wurde zurückgewiesen. In seiner mündlichen Begründung machte das Gericht deutlich, daß der stellvertretende Vorsitzende aus der Mitte des Betriebsrates zu wählen sei und daß an seine Qualifikation dieselben Merkmale anzulegen sind, die für die passive Wahlberechtigung vorgesehen sind.

Zurückgewiesen wurden auch die anderen Beschwerdepunkte der DAG. Die Bildung eines Betriebsausschusses unter zuvor festgelegter Aufgabenverteilung, die Wahl der Mitglieder des fahrenden Ausschusses sowie Betriebsratsbeschlüsse über Freistellungen wertete das Gericht als interne Angelegenheit, die von den Betroffenen selbst zu regeln seien. Die DAG habe hier kein Antragsrecht."
Q: Einheit Nr.7,Bochum 1.4.1973,S.5

März 1973:
Laut IGBE (vgl. 1.2.1973) wird vermutlich Ende März eine neuerstellte Batterie Koksöfen auf der RAG-Kokerei Minister Stein in Dortmund in Betrieb genommen, "die mit modernsten Einrichtungen für den Umweltschutz ausgerüstet ist. Mit den neuen Öfen sollen täglich 600 Tonnen Koks mehr erzeugt werden als bisher".
Q: Einheit Nr.3,Bochum 1.2.1973,S.5

29.05.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.22 (vgl. 23.5.1973, 6.6.1973) heraus. Die Ortsleitung Dortmund gab einen Sonderdruck zur Bergbautarifrunde (BETR) heraus, in dem u.a. auf die Zeche Minister Stein, die RAG-Wohnungen, die Handwerker und die Lehrlinge und Jungarbeiter eingegangen wurde.
Q: Rote Fahne Nr.22,Dortmund 29.5.1973

Juni 1973:
Die Gewerkschaftsabteilung beim ZK der KPD gibt die Nr.4 ihrer 'Revolutionären Gewerkschaftsopposition' (RGO - vgl. Mai 1973, Aug. 1973) heraus. Anläßlich der Bergbautarifrunde (BETR) wird vom wilden Streik 1969 in NRW auf den Zechen Germania, Hansa und Minister Stein in Dortmund berichtet.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.4,Dortmund Juni 1973

24.09.1973:
In Dortmund berichtet die KFR des KBW bei Kokerei und Zeche Hansa (vgl. 3.10.1973) vermutlich aus dieser Woche von Minister Stein:"
TÖDLICHER ARBEITSUNFALL AUF MINISTER
Vor einer Woche gab es auf Minister den ersten tödlichen Arbeitsunfall in diesem Jahr. Ein Kumpel (Steiger) wurde von einem Stempel zerquetscht, der bei einem Bergrutsch nicht gehalten hat. Jetzt sind dort dreimal stärkere Stempel eingebaut worden. Wären sie vorher montiert worden, lebte der Kumpel noch."
Q: Roter Kumpel: Gewerkschaftstag der IGBE: Sanierung für wen? Dortmund, o. J. (1973)

20.10.1973:
Zur heutigen Mitgliederversammlung der Ortsaufbaugruppe (OAG) Dortmund des KBW, ehemals OG Dortmund der KFR (vgl. 13.10.1973) wurde der folgende Textentwurf datiert auf Oktober verbreitet:"
POLITISCHER BERICHT
...
Arbeitsplan Bergbauzelle

BERGBAUZELLE

1. Wesentliches Merkmal unserer Untersuchungs- und Agitproparbeit im Bergbaubereich war, daß wir uns die grundlegende Bedeutung kommunistischer Massenarbeit im Betrieb und Gewerkschaft für die Entfaltung der kommunistischen Politik auf der Grundlage von Betriebszellen erst erarbeiten mußten.

Im Rahmen der Auseinandersetzung unserer gesamten Organisation mit dem Programm und der politischen Linie des KBW konnte die ideologische Verworrenheit beseitigt werden, ein fester Kern für die Zellenarbeit geschaffen und die Untersuchungs- und Agitproparbeit im Betrieb und in der Gewerkschaft praktisch aufgenommen werden.

Auch weiterhin müssen Programm und die Ausführung zur Taktik im Mittelpunkt für den ideologischen und politischen Aufbau unserer Zelle stehen.

2. Wichtigste Aufgabe der Bergbauzelle im nächsten Halbjahr ist die Verbesserung und der Ausbau unserer Untersuchungs- und Agitproparbeit bei der Zeche Hansa, der Kokerei Hansa und Minister Stein.

Dort arbeitet die Zelle als Branchenzelle, weil die verschiedenen Zechen und Kokereien in der Bergbau AG zusammengefaßt sind, über die verschiedene Stillegungen und Rationalisierungsmaßnahmen die Belegschaften stark miteinander zusammenhängen und die Entfaltetheit unserer Arbeit selbst keinen anderen Ansatz zuläßt.

Wir verfolgen bei dieser Arbeit das Ziel, die politischen und sozialen Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß ein bewußtes kommunistisches Zentrum für die Bewegung unter den Bergarbeitern geschaffen wird, das in der Lage ist, diese Bewegung mit dem Kampf für den Sozialismus zu verbinden.

3. Unsere Untersuchungs-, Propaganda- und Agitationsarbeit umfasst:

3.1. Auseinandersetzung mit der Bergbausituation allgemein, Energieproblem

Hier müssen wir die Frage studieren, wie sich der Bergbau historisch entwickelt hat (Verbund von Kohle und Stahl), welche Rolle die Bergarbeiter hier gespielt haben und welche Forderungen die Arbeiterklasse für die weitere Zukunft des Bergbaus hat (Agitation gegen kapitalistische Rationalisierung und die Vernichtung eines ganzen Berufszweiges, Propaganda des Sozialismus. Eintreten für die Lösung des Kohle- und Energieproblems, die im Interesse der Bergarbeiter liegt).

3.2. Untersuchung der Sozialpläne

Hier müssen wir die praktizierten und die geplanten Sozialpläne untersuchen um die Forderung der Kumpel nach Erwerbssicherung bei Stillegungen und Rationalisierungen praktisch vertreten zu können.

3.3. Betriebliche Situation in der Zeche Hansa, der Kokerei und Minister Stein.

Hier liegen die Dinge z.Zt. noch so, daß wir bei Minister Stein mit einem Zellenmitglied im Betrieb sind. Die geringen Möglichkeiten über Sympathisanten und Kontakte direkt über die Vorgänge im Betrieb informiert zu werden, müssen deshalb sehr sorgfältig behandelt werden. (Möglichkeit: Lehrlinge von Hansa aus Mengeder Jugendgruppe, interessierter Jugendvertrauensmann von Hansa, DKP-Mitglied und Überprüfung der KJVD-Adressen.)
...
3.6. Auseinandersetzung mit anderen politischen Gruppen im Betrieb und Stadtteil

Hier gibt es ein Angebot eines DKP-Genossen, Rentner, ehemals Minister Stein. Er hat uns mehrmals zu Gewerkschaftssitzungen eingeladen und uns die Einheit vorbeigebracht, will uns für seine Organisation gewinnen. Unsere Aufgabe ist es, auf dieses Angebot mit dem Ziel einzugehen, unsere Kritik am Programm und der Politik der DKP diesem und insbesondere anderen DKPisten von der Zeche klarzumachen.


Daneben müssen wir die Auseinandersetzung mit den Huckarder Jugendlichen, insbesondere den Jusosympathisanten (der SPD,d.Vf.) aufnehmen (Programm und Politik der Jusos).

Im Rahmen der Gruppe junger Gewerkschaftler sind wir mit Leuten des Sozialistischen Büros (SBü,d.Vf.) konfrontiert. Auch hier müssen wir größere Klarheit in der Abgrenzung gewinnen.

Mit unserer Untersuchungs-, Agitations- und Propagandaarbeit verfolgen wir das Ziel, die sozialen Konflikte aufzudecken und die Forderungen aufzustellen, die es uns ermöglichen, die Kampfkraft der Kumpel gegen ihre verschärfte Ausbeutung durch Arbeitsplatzunsicherheit und Reallohnabbau zu stärken und ihnen die Perspektive des Kampfes für den Sozialismus aufzuzeigen.

4. Schulung und Ausbildung im wissenschaftlichen Sozialismus

Die Diskussion der Zelle muß sich davon leiten lassen, die Prinzipien unseres Programms anzuwenden und die beschlossene Ausrichtung der Taktik unserer Organisation zu beherzigen.

Die Zelle wird die von der Ortsleitung vorbereitete Schulungsbewegung aufnehmen und in besonderen Sitzungen gemeinsam mit einzelnen Sympathisanten die Schulungsaufgaben durchführen.

5. Zentralorgan und Betriebszeitung

Das Zentralorgan wird vor den Betrieben Zeche Hansa, Kokerei, Zeche Minister Stein und in den Siedlungen Huckarde und Mengede verkauft. Außerdem besuchen wir eine Reihe von Kollegen und bringen ihnen die Zeitung vorbei.

Als Branchenzeitung für die Zechen Hansa und Minister Stein gibt die Zelle den Roten Kumpel heraus. Der Rote Kumpel erscheint mindestens alle 14 Tage.

Die Branchenzeitung hat die Aufgabe, unsere Auffassungen unter den Kumpel bekannt zu machen, in die Diskussion in Betrieb und Gewerkschaft einzugreifen und sie vom kommunistischen Standpunkt aus zu beeinflussen.

Der Rote Kumpel muß gleichzeitig unser Untersuchungsinstrument sein. Unsere Aufgabe im nächsten halben Jahr muß sein, die Forderungen der Bergarbeiter im Roten Kumpel in einer Weise aufzugreifen, daß die Zeitung als Sprachrohr der Kommunisten ihren Einfluß unter den Bergarbeitern vergrößern und im Betrieb ein wichtiger Faktor werden kann.

6. Unser Ziel bei der Lösung der genannten Aufgaben ist es, fortschrittliche Arbeiter für das kommunistische Kampfprogramm zu gewinnen und in der Bergbauzelle zu organisieren.

Ein wichtiger Schritt hier voran zu kommen, muß unser ständiges Bemühen sein, interessierte Arbeiter und Sympathisanten für eine kontinuierliche Auseinandersetzung zu gewinnen und an den Aktivitäten der Zelle zu beteiligen.

Arbeiterrunden und ähnliche Versuche, eine größere Zahl von Sympathisanten zu organisieren, müssen immer als Mittel verstanden werden, solche Arbeiter als Genossen unserer Zelle zu gewinnen!

7. Nachtrag:

Im Bergbau herrschen gegenüber anderen Branchen andere Voraussetzungen und Bedingungen.

So ist das Bewußtsein der Bergarbeiter stark von dem Abbau großer Teile ihres ganzen Berufsstandes bestimmt. Ein Teil der Arbeiterklasse, der im Nachkriegsdeutschland im Kampfniveau und im Einkommen an der Spitze stand, ist nahezu völlig in die Resignation gedrängt. Die Bergleute waren in viel stärkerem Maße als andere Arbeiter mit ihrem besonderen Beruf verbunden. Sie haben mit der Kohle in Bergwerkssiedlungen über Generation hinweg gelebt und stehen nun in einer Situation, wo ihnen diese Grundlage genommen wird. Die Belegschaften sind aufgeteilt auf zahlreiche Zechen. Ständig lebt der Kumpel in der Angst, daß auch sein Betrieb zumacht. Viele schulen um. Ein sehr großer Teil ist schon frühzeitig Rentner.

1967 war die letzte große gemeinsame Aktion der Dortmunder Bergleute. Die Zeche Hansa sollte damals zugemacht werden. Aus Protest dagegen zogen alle Bergarbeiter unter roten und schwarzen Fahnen auf den Huckarder Markt (vgl. S18*.1967,d.Vf.). Diese Aktion ist noch bei vielen in Erinnerung.

Im Bergbaubereich arbeitet (nach unserer Kenntnis) keine politische Gruppe. Die Gewerkschaft ist völlig in der Hand von SPD-Leuten und wird vielfach nur noch als Verein der Passiven (auf Ortsgruppenebene) verstanden. Jedenfalls sieht man dort nur selten einen aktiven Kumpel."
Q: KBW-OAG Dortmund:Politischer Bericht der provisorischen Ortsleitung an die Mitgliederversammlung am 20.10.1973,Dortmund Okt. 1973

25.10.1973:
Es erscheint ein Flugblatt des 'Roten Kumpel' (vgl. 18.10.1973, 29.10.1973), der Branchenzeitung der Branchenzelle Bergbau der Ortsaufbaugruppe Dortmund für die Kumpel der Bergbau-AG Dortmund, welches auf zwei Seiten DIN A4 fordert: "Solidarität mit den Saarkumpeln!" (vgl. 24.10.1973).
Angekündigt wird die Betriebsversammlung von Minister Stein (vgl. 27.10.1973).
Q: Roter Kumpel Solidarität mit den Saarkumpeln!,Dortmund o.J. 1973

26.10.1973:
Die Branchenzelle Bergbau der Ortsaufbaugruppe (OAG) Dortmund des KBW (vgl. 29.10.1973) berichtet von der Zeche Minister Stein über die "außerordentliche VL-Sitzung am Freitag ..., die ja wohl über den Saarstreik handelte."
Q: Roter Kumpel Lange war der Bergmann still, jetzt zeigt er, daß er kämpfen will,Dortmund o.J. (1973)

27.10.1973:
In Köln findet eine Demonstration gegen Jugendvertreterentlassungen statt.

In Dortmund berichtet die Branchenzelle Bergbau der Ortsaufbaugruppe (OAG) des KBW (vgl. 29.10.1973):"
VOLLER KÜNDIGUNGSSCHUTZ FÜR JUGENDVERTRETER
VIERTAUSEND DEMONSTRIEREN IN KÖLN

'Von den Kollegen gewählt, von den Bossen gefeuert', - unter dieser Hauptparole waren am Samstag über 4000 Gewerkschafter, hauptsächlich jüngere Kollegen in Köln zu einer Demonstration zusammengekommen. Der DGB hatte zu dieser Demonstration aufgerufen: Über 600 Jugendvertreter waren im Laufe eines Jahres nach Beendigung ihrer Ausbildung nicht in ein Arbeitsverhältnis übernommen worden oder wurden sofort zur Bundeswehr eingezogen, was beides einer faktischen Kündigung gleichkommt.

Die Kundgebung und die Demonstration bot ein klares Bild: In den meisten Blocks wurden rote Fahnen getragen und die Parolen, die gerufen wurden, drückten die Kampfentschlossenheit der jugendlichen Kollegen aus:

'Für freie politische und gewerkschaftliche Betätigung in der Ausbildung und am Arbeitsplatz!'

'Wenn unsere Vertreter fliegen - Solidarität hilft siegen!'und 'Junge und erwachsene Kollegen - eine Kampffront!'

Oft wurden auch Parolen gerufen, die die weiteren Ziele der Arbeiterklasse zum Inhalt hatten, wie z.B. 'Mitbestimmung hilft nicht viel, Sozialismus ist unser Ziel!'

Im ganzen war die Demonstration ein Schritt voran; zum ersten Mal nach langer Zeit wurde die Kampfkraft der jungen Gewerkschafter in Nordrhein-Westfalen zusammengefaßt, konnten sich fortschrittliche Auffassungen ausdrücken, und nicht zuletzt sind einige Parlamentarier, wie Hans Urbaniak, veranlaßt worden, der Entlassungspraxis fortschrittlicher junger Gewerkschafter ein paar Paragraphen in den Weg zu legen.

Aber auf der Negativseite darf man nicht vergessen:
- daß viel zu wenig für diese Demonstration mobilisiert worden ist (aus Dortmund sind noch nicht einmal alle Jugendvertreter erschienen und von den ursprünglich 10 Bussen konnten nur 4 gefüllt werden),
- daß in der Einheit, der Gewerkschaftspresse, die alle Kumpel lesen, kein Wort von dieser Demonstration zu finden war,
- daß sich gewisse Gewerkschaftsfunktionäre um die Sache nicht gekümmert haben und, wie z. B. auf Minister Stein, zum gleichen Zeitpunkt eine Betriebsversammlung ansetzten!

Das muß anders werden! Denn: 'Junge und erwachsene Kollegen - eine Kampffront!"
Roter Kumpel: 50 Arbeitsunfälle pro Schicht und Lange war der Bergmann still, jetzt zeigt er, daß er kämpfen will, Dortmund o.J. (1973) bzw. o.J. (1973),S.2 bzw. S.6

27.10.1973:
Zur Belegschaftsversammlung (BV) auf der Zeche Minister Stein in Dortmund rief die Branchenzelle Bergbau der Ortsaufbaugruppe (OAG) des KBW im Zusammenhang mit den Streiks im Saarbergbau (vgl. 24.10.1973) auf:"
SOLIDARISIEREN WIR UNS MIT DEN SAARKUMPELN!

Was für das Revier an der Saar gilt, das gilt auch für das Revier an der Ruhr. Die Stahlarbeiter und die Metaller haben in den vergangenen Monaten erfolgreich den selbständigen Lohnkampf aufgenommen und bestimmte Verbesserungen durchgesetzt. Auch wir müssen die teuren Preise bezahlen. Doch weder die letzte Tarifrunde hat die notwendige Lohnerhöhung gebracht, noch hat es wie in den anderen Branchen irgendwelche Zuschläge gegeben. Sollen wir bis 1974 warten bis der Tarifvertrag abläuft? Lernen wir besser von den Saarkumpeln. Fordern wir die Kündigung der Tarifverträge und stellen wir Lohnforderungen auf, die unsere Existenz sichern.

Am Samstag muß diese Sache unbedingt auf der Belegschaftsversammlung auf Minister Stein angesprochen auf den Tisch.

FÜR DIE VORZEITIGE KÜNDIGUNG DER TARIFVERTRÄGE!"

Später berichtet die Branchenzelle Bergbau der Ortsaufbaugruppe (OAG) des KBW (vgl. 29.10.1973):"
BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG MINISTER STEIN!

Am Samstag war um 10 Uhr eine Betriebsversammlung von Minister Stein. Von den ca. 4000 Kumpeln, die auf Minister Stein angelegt sind, waren etwa 300 erschienen. Der Saal, der gleiche wie immer, war genau auf diese Zahl abgestimmt. Da ist doch zu fragen, warum immer so wenig zur BV erscheinen. Liegt das etwa an unserer Faulheit? Oder liegt es vielleicht daran, daß der Termine auf Samstag vormittag gelegt wurde, wo viele von uns einfach nicht können, wo man einkaufen muß usw.

Warum kann die BV nicht an einem Werktag stattfinden, z. B. am Ende der Früh -oder am Anfang der Mittagschicht, wo die meisten Kumpel da sind? Warum wurde nicht mehr Werbung gemacht? Zwei Plakate, eins in der Kantine von Minister Stein, eins auf Fürst Hardenberg, genügt da nicht! Warum wurde die BV gerade dann angesetzt, als der DGB zur Demonstration für Kündigungsschutz für Jugendvertreter nach Köln aufrief? Deshalb konnten mehrere jüngere Kollegen nicht erscheinen! Bleibt die Frage offen, ob vielleicht der Betriebsrat nicht möchte, daß alle Kollegen erscheinen?

Oder fürchtet er vielleicht Produktionsausfall, wenn die BV während der Schichtzeit stattfindet?

Oder rücken ihm 4.000 Kumpel zu sehr auf den Pelz? Wir müssen jedenfalls vom BR fordern, daß die nächste BV während der Schichtzeit stattfindet und daß mehr Werbung dafür gemacht wird. Und wir selber müssen dafür sorgen, daß die Dinge besprochen werden, die tatsächlich alle angehen.

WAS WURDE AUF DER BV DISKUTIERT?

Zuerst hielt MdB Hans Urbaniak ein Referat über das Energieprogramm der Bundesregierung. Ich will darauf nicht weiter eingehen: wir haben darüber schon sehr viel geschrieben. Nur soviel: die Bundesregierung erkennt die Leistungen der Bergarbeiter an. Offensichtlich nur, solange die Anerkennung nichts kostet. Oder hatten etwa die Kumpel an der Saar etwas von dieser 'Anerkennung'?! Als nächstes soll das Ibbenbürener Revier dichtgemacht werden, während die RAG weiterbestehen soll. Ob Urbaniak das den Ibbenbürener Kumpels genauso offen erzählen würde, wie uns?

Oder handelt es sich hier um die berühmte Salamitaktik. Hier ein Scheibchen, dort ein Scheibchen, und am Ende sind alle auf der Straße! Die Frage der Sozialpläne, also unserer elementaren Existenzsicherung wude wieder nicht angesprochen.

Der Bericht des Betriebsrates erläuterte kurz die neuen Tarife und die Urlaubsregelung und gab bekannt, daß am 20. November das Urlaubsangebot der RAG rauskommt, sodaß es dann kein Problem sei, wohin man in Urlaub fährt.

Die Urlaubsregelung wurde hart kritisiert, aber der BR meinte, wir sollten die Regelung nicht kritisieren, bevor wir sie nicht kennen. Leider war sie schon im Aushang. Auf Kritik stieß ebenfalls die Punktbewertung, weil sie manchen weniger Geld einbringt die persönliche Zulage.

Über das brennendste Thema, den Streik im Saarbergbau wurde nicht diskutiert, auch wurde nichts über die außerordentliche VL-Sitzung am Freitag berichtet, die ja wohl über den Saarstreik handelte."
Q: Roter Kumpel Solidarität mit den Saarkumpeln! und Lange war der Bergmann still, jetzt zeigt er, daß er kämpfen will,Dortmund o.J. (1973) bzw. o.J. (1973)

07.11.1973:
Der KBW gibt die Nr.6 seiner 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - 24.10.1973, 22.11.1973) heraus. Berichtet wird aus Dortmund von der Betriebsversammlung auf Minister Stein.
Quelle: Kommunistische Volkszeitung Nr.6,Mannheim 7.11.1973, S. 7

KVZ1973_06_14


07.11.1973:
Die OAG Hamm des KBW verkauft von der heutigen 'KVZ' Nr.6 bei der Zeche Radbod 37 Exemplare. dazu heißt es in einer Anmerkung:"
Dadurch, daß in der Nr.6 einige Artikel über den Bergbau standen, konnten wir den Verkauf dort erheblich steigern."

Gleichzeitig wird jedoch kritisiert:"
ZU DEN ARTIKELN AUS DEM BERGBAU:

Die drei Artikel '50 000 auf die Straße setzen', 'Zeche Minister Stein' und 'Wird Ibbenbüren stillgelegt?' haben alle eins gemeinsam: sie bieten dem Kumpel nichts Neues, denn die Informationen hat er auch aus den bürgerlichen Blättern bekommen. Es werden in allen drei Artikeln keine Aussagen darüber gemacht, welche Politik der KBW zu den Stillegungen betreibt."
Q: KBW-OAG Hamm:KVZ-Verkaufsstatistik Nr.4-6,Hamm 13.11.1973

07.11.1973:
Die Branchenzelle Bergbau der KBW OAG Dortmund (vgl. 16.11.1973) berichtet von Zechenstillegungen:"
Thyssen und Werne sollen stillgelegt werden, weil die Schichtleistung nicht ausreichend sei (3,6 t. bzw. 3, 9 t. pro Mann und Schicht). Die Durchschnittsleistung bei der RAG liegt bei 4,2 t. Aus diesem Grund war Minister Stein schon einmal in der Stillegungsdiskussion. Beide Zechen liefern auch nicht so gute Kohle. Aber alle diese Argumente zeigen nur, daß es der RAG um ihren Profit geht. Und der bei einer Zeche nicht reicht, verlieren die Kumpels ihre Arbeitsplätze.

Die Stillegungsgründe der RAG sind einzig und allein an ihrem Profit orientiert. Die Reaktion der Kumpel von Monopol ist die einzig richtige Antwort: Mit allen Mitteln gegen die Stillegung kämpfen."

Berichtet wird auch durch die KPD (vgl. 14.11.1973).
Q: Roter Kumpel, Dortmund 16.11.1973,S.2;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 14.11.1973

Januar 1974:
Die DKP Betriebsgruppe Minister Stein/Hardenberg Dortmund der DKP gibt vermutlich im Januar ihre 'Kumpel-Post' (vgl. Okt. 1972) heraus.
Q: Die Kumpel-Post GRÖBAZ,Dortmund o.J. (1974)

26.01.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD rief zum ersten bundesweiten Kongreß oppositioneller junger Gewerkschafter auf. Später wird für regionale Versammlungen in Duisburg, Hannover, Geislingen und am 27.1. in Berlin mobilisiert und von diesen über 200 Teilnehmer gemeldet.

In Duisburg kamen diese u.a. aus Dortmund, u.a. von der Zeche Minister Stein.
Q: Kämpfende Jugend Nr.11, 1und 2,Dortmund Dez. 1973, 15.1.1974 bzw. 1.2.1974,S.3, S.1 bzw. S.1f

12.04.1974:
Am antifaschistischen Mahnmal in der Dortmunder Bittermark legt die KPD, nach eigenen Angaben, einen Kranz nieder. Die Ortsleitung Dortmund der KPD gibt dazu ein Flugblatt heraus:"
NIEDER MIT FASCHISMUS UND IMPERIALISMUS

Dortmunder Bürger,

am Karfreitag 1945 ermordeten die Faschisten im Rombergpark und in den Wäldern der Bittermark 200 Widerstandskämpfer deutscher und ausländischer Nationalität. Unter den Ermordeten waren Angehörige der Widerstandsgruppen, die um den kommunistischen Bergmann von Zeche Minister Stein (heute IGBE-Bereich,d.Vf.), Budnik, den kommunistischen Hochofenarbeiter Mainusch und den kommunistischen Arbeiter Kanwischer organisiert waren. Außerdem wurden hunderte von russischen (sowjetischen,d.Vf.) und französischen Arbeitern erschossen, zu einem Zeitpunkt, als die englischen (britischen,d.Vf.) Truppen bereits kurz vor Dortmund standen."
Q: KPD-OL Dortmund:Nieder mit Faschismus und Imperialismus,Dortmund o.J. (12.4.1974);
Rote Fahne Nr.16,Dortmund 17.4.1974

09.05.1974:
Für den KJB Dortmund (vgl. 13.5.1974) berichtet die Bergbauzelle des KBW Dortmund vermutlich von heute:"
JUGENDVERTRETERWAHLEN AUF MINISTER STEIN

Am Donnerstag und am Freitag waren auf Zeche Minister Stein Jugendvertreterwahlen. Sie sind ungefähr so ausgegangen, wie zu erwarten war. Die ganze Wahl war dadurch vorbereitet, daß auf der letzten regulären Jugendversammlung Wein (Jugendsekretär der IGBE) erzählte, welche Gesetze es zu Jugendvertretung gibt. Vor kurzem war dann eine außerordentliche Jugendversammlung, auf der die Liste für die Wahl aufgestellt worden ist. Am Anfang hatte Nietsch, Jugendsprecher auf Minister Stein, ein paar Namen aufgezählt, danach hatten die Jugendlichen dann noch die Möglichkeit, selber ein paar Kollegen vorzuschlagen. Eine Diskussion über die Kollegen, die vorgeschlagen wurden, wurde nicht geführt. So stellte sich dann auch die alte Jugendvertretung zur Wahl. Es wurde aber überhaupt nicht darüber geredet oder aufgezeigt, was der einzelne in der alten Jugendvertretung gemacht hatte. Wäre das gemacht worden, wäre wahrscheinlich auch keiner aus der alten Jugendvertretung gewählt worden, die so gut wie gar nichts gemacht hatte. Nach dieser Vorbereitung war es dann auch nicht verwunderlich, daß die meisten der 270 wahlberechtigten Kollegen den Großteil der 27 aufgestellten Kandidaten nicht kannte. Die meisten wählten denjenigen, den sie aus dem Kollegenkreis kannten. Und das war es, was Nietsch erreichen wollte. Er hatte nämlich vor der Wahl dafür gesorgt, daß die meisten Kollegen ihn kannten. Dadurch hatte er es erreicht, daß er 144 Stimmen erhalten konnte. Aus dieser Wahl muß man eine Lehre ziehen, nämlich daß man die jetzt gewählte Jugendvertretung ganz klar kontrolliert und klar fragt, was sie gemacht hat und was sie vorhat. Und man muß bei der nächsten Wahl verlangen, daß die Leute, die sich aufstellen lassen, auch ganz klar sagen, was sie vorhaben."
Q: Kommunistische Jugendnachrichten Nr.4,Dortmund Mai 1974,S.4

04.09.1974:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.18 (vgl. 21.8.1974, 18.9.1974) heraus. Die Bergbauzelle Dortmund berichtet von den Schachtanlagen Minister Stein.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.18,Mannheim 4.9.1974

28.10.1974:
Der KBW Dortmund berichtet über sich selbst:"
ORTSAUFBAUGRUPPE DORTMUND DES KOMMUNISTISCHEN BUNDES WESTDEUTSCHLAND DISKUTIERT IHRE AUFGABEN
...
Die Ortsaufbaugruppe hat 25 Mitglieder, davon 8 Kandidaten. In Form von Zellen, Aufbauzellen, Einzelbeauftragten arbeitet die Ortsaufbaugruppe seit mehreren Monaten kontinuierlich in Neu-Scharnhorst, bei HOESCH (IGM-Bereich,d.Vf.), in der Schachtanlage Minister Stein (IGBE-Bereich,d.Vf.), in Eving, in der Nordstadt, in Hombruch, im Stadthaus (ÖTV-Bereich,d.Vf.), in Mengede, in Lütgendortmund und an den Dortmunder Hochschulen.

Grundsätzlich gibt es hier trotz vieler Schwierigkeiten gute Voraussetzungen, Stadtteil- und Betriebszellen aufzubauen."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Dortmund Nr.22,Dortmund o.J. (30.10.1974),S.2

30.12.1974:
Der KBW (v gl. 9.1.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß sich die KBW Zelle Minister Stein in Dortmund in einem Flugblatt gegen Stillegungsbeschlüsse der Zechen Werne, Thyssen in Duisburg, Hansa in Dortmund und Monopol in Kamen wendet.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.1,Mannheim 9.1.1975,S.4

28.03.1975:
Laut KPD demonstrieren in Dortmund mit ihr 80 Personen für die im Rombergpark Ermordeten.

Die KPD Ortsleitung (OL) Dortmund rief dazu mit einem Flugblatt auf, welches einige Parallelen zum letztjährigen Flugblatt der OL zum selben Anlaß ("Nieder mit Faschismus und Imperialismus" - vgl. 12.4.1974) aufweist:"
DIE ANTIFASCHISTISCHEN KÄMPFER SIND UNVERGESSEN!

Kurz vor dem Zusammenbruch des Naziregimes, in den Tagen um Ostern 1945 , wurden in den Wäldern der Bittermark 240 Widerstandskämpfer deutscher und ausländischer Nationalität von den Faschisten ermordet. Die Gestapo-Henker trieben die mit Draht gefesselten antifaschistischen Kämpfer in die Bombentrichter, mordeten sie mit Genickschuß und verscharrten sie dort.

Unter den Ermordeten waren vor allem Angehörige der kommunistischen Widerstandsgruppen, die sich um den kommunistischen Bergmann von der Zeche Minister Stein (heute IGBE-Bereich,d.Vf.) Budnik, den kommunistischen Hochofenarbeiter Mainusch und den kommunistischen Arbeiter Kanwischer organisiert hatten. Gleichzeitig wurden hunderte von russischen (sowjetischen,d.Vf.) und französischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen erschossen."
Q: Rote Fahne Nr.13,Köln 2.4.1975;
KPD-OL Dortmund:Die antifaschistischen Kämpfer sind unvergessen!,Dortmund o.J. (März 1975)

17.04.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.15 (vgl. 10.4.1975, 24.4.1975) heraus. Aus NRW wird u.a. berichtet durch die OAG Dortmund aus dem IGBE-Bereich von Minister Stein (4 000 Besch.).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.15,Mannheim 17.4.1975

08.09.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.36 (vgl. 1.9.1976, 15.9.1976) heraus. Berichtet wird u.a. von den Septemberstreiks 1969 u.a. auf den Dortmunder Zechen, besonders Minister Stein.
Q: Rote Fahne Nr.36,Köln 8.9.1976

April 1977:
Das KPD-RK NRW gibt vermutlich im April ein Flugblatt zur Kurzarbeit im Ruhrbergbau (vgl. Apr. 1977) heraus:"
10 TAGE KURZARBEIT FÜR 140 000 BERGLEUTE DER RUHRKOHLE AG

Bergarbeiter, Kollegen!

Die Kurzarbeit für zehn Schichten in diesem Jahr ist beschlossene Sache. Finanzielle Verluste sollen, so versichern es die Betriebsräte, für die Bergarbeiter nicht entstehen. Also nur eine 'kurzfristige Durststrecke', wie der RAG-Chef Bund es nennt?

Können die Bergarbeiter also unbesorgt die 'Feierschichten' hinnehmen?

Wir meinen: NEIN! Die Kurzarbeit ist ein heftiger Angriff der RAG-Kapitalisten auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kumpel.

- Überschichten werden abgebaut und damit das Realeinkommen der Kumpel gesenkt. Kein Kollege wird den Überstunden nachtrauern, denn sie zerstören die Gesundheit und rauben die Freizeit. Schon um die Jahrhundertwende schrieb der Bergmannsdichter Heinrich Kämpchen:
'Vermeidet doch die Überschichten, von denen es im Volksmund heißt: Überstunden sind Gerichte, in denen man sich selbst verspeist.'

Aber das Geld fehlt und kein Kollege kann bei den steigenden Preisen und den lächerlichen Tariferhöhungen der letzten Jahre so einfach darauf verzichten. Schon 1969 (vgl. Dortmund - 9.9.1969,d.Vf.) forderten die selbständigen Streikleitungen von Hansa, Hardenberg und Minister Stein im Auftrag ihrer Kollegen: 'Einheitlicher Mindestlohn für alle ohne Überstunden!'

Das muß auch heute wieder die Parole aller Bergarbeiter werden."
Q: KPD-RK NRW:10 Tage Kurzarbeit für 140 000 Bergleute der Ruhrkohle AG, Dortmund o.J. (1977)

Letzte Änderungen: 25.5.2011

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