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Nachdem sich im Sommersemester 1972 die Marxistische Gruppe Erlangen-Nürnberg fraktioniert hatte, trägt die der Theoriefraktion ablehnend gegenüberstehende Linie offenbar weiterhin maßgeblich den AStA mit.
Während zu Beginn des Semesters noch gegen das Ausländergesetz bzw. auch das GUPS/GUPA-Verbot protestiert wird (vgl. 4.10.1972) beherrscht offenbar bald der Protest gegen das Bayrische Hochschulgesetz (BGH) die politischen Ereignisse und Publikationen an der FAU (vgl. 6.11.1972), überschattet auch die Wahlen zum Studentenparlament, könnten dies doch die letzten sein (vgl. Dez. 1972, Jan. 1973, 22.1.1973, März 1973). Der Protest erfolgt auch landesweit in München (vgl. 25.1.1973).
Bei den linken Gruppen festigt der KSV der KPD seine örtlichen Strukturen (vgl. 2.2.1973, 7.3.1973, 8.3.1973). Fortgeführt wird der Protest gegen das BGH offenbar auch im Sommersemester (vgl. 18.6.1973), von dem keine weiteren Meldungen gefunden werden konnten, während dann im Wintersemester 1973/74 die Marxistische Gruppe offenbar massiv publizistisch aktiv wird, vor allem in Form der 'Sozialistischen Hochschulzeitung' (SHZ).
04.10.1972:
Der AStA der FAU Erlangen-Nürnberg gibt vermutlich im Dezember eine Sondernummer seiner 'Faust-Informationen' (vgl. 15.5.1972, Dez. 1972) in einer Auflage von 6 000 Stück unter der Schlagzeile "Der Palästinakonflikt" heraus. Ein Artikel äußert sich "Zum Verbot von GUPS und GUPA", geschildert wird auch die Lage der "Gastarbeiter in der Bundesrepublik". Berichtet wird auch "Palästina-Komitee gegründet" und aus Nürnberg: "Abschiebung in letzter Sekunde vereitelt". Dokumentiert werden die "Erklärung der GUPS" vom 14.9.1972 sowie die "Verbotsverfügung gegen die GUPS" vom 3.10.1972.
Quelle: Faust-Informationen Sondernummer,Erlangen o. J. (1972)
06.11.1972:
Spätestens Anfang dieser Woche geben an der FAU Erlangen-Nürnberg der AStA, die Basisgruppen und die Sozialistische Zelle Naturwissenschaft und Technik (SOZNATEK) die Broschüre "Dokumentation zum BHG" über das Bayrische Hochschulgesetz heraus. Den Druck übernahm der Politladen. Enthalten sind die Artikel:
- "Unverändert: Kampf dem BHG";
- "Das Wichtigste vom BHG";
- "Kapitalistische Hochschulreform";
- "SHB-Kauderwelsch";
- "Maier und Dohnany in Erlangen";
- "SPD-Leitlinien"; und
- "Initiativkreis für Hochschulpolitik".
Berufsperspektivenseminare werden angekündigt für die Fächer Chemie sowie für Mathematik-Physik + Technik. Sympathisantentreffs werden angekündigt für die Basisgruppen Germ, Hist, Päd und Soz/Pol. Ein Seminar Sexualerziehung wird angekündigt von der SOZNATEK.
Geworben wird für das Buch "Kapitalistische Hochschulreform" der Marxistischen Gruppe Erlangen-Nürnberg sowie für den Verlag des Politladens und das Buch "Frauen gemeinsam sind stark" des Verlags Roter Stern über die Frauenbewegung in den USA.
Q: AStA, Basisgruppen, SOZNATEK: Dokumentation zum BHG,Erlangen o. J. (1972)
Dezember 1972:
Der AStA der FAU Erlangen-Nürnberg gibt vermutlich im Dezember seine 'Faust-Informationen' Nr.22 (vgl. 4.10.1972) unter der Schlagzeile "Aufruf des ASTA zu den SP-Wahlen" vom 15.-17.1.1973 heraus. Zu den Anhängern von DKP und MSB Spartakus wird gefragt: "Rüstung runter Bildung rauf? Zur Analyse der Staatsfunktionen im Ausbildungssektor und in der Rüstungsproduktion". Enthalten ist ein Jahresrückblick, der bis zum 4. Dezember reicht. Berichtet wird über den "Streik an den Berliner Hochschulen". Der Sozialreferent stammt vom SHB und darf je Ausgabe einen Artikel veröffentlichen. Vorgestellt werden "Die 6 Punkte des VDS für ein demokratisches Hochschulgesetz" und berichtet "Heidelberg: Reaktion auf dem Vormarsch". Von den Professoren der FAU wird vorgestellt Hans Joachim Schoeps, Vorstand des Seminars für Religions- und Geistesgeschichte.
Q: Faust-Informationen Nr.22,Erlangen 1972
Januar 1973:
An der FAU Erlangen-Nürnberg erscheint die "Wahlzeitung der Basisgruppen + der Sozialistischen Zelle Naturwissenschaft und Technik" die auf der Liste 1 zu den StPW kandidieren mit dem Leitartikel "Die diesjährigen Studentenparlamentswahlen können die letzten sein!".
Berichtet wird vom BHG: "Bayrisches Hochschulgesetz und SP-Wahlen". Enthalten sind auch "Bemerkungen zur Theoriefraktion" bzw. zur MG/TF, die auf einer eigenen Liste kandidiert sowie das Wahlprogramm der Liste 1 BG/SOZNATEK.
Vorgestellt werden die Kandidaten der BG Pädagogik, der BG Historiker, der BG Soz / Pol, der BG Anglistik / Romanistik, der BG Jura, der BG Medizin, von der SOZNATEK an der Technischen Fakultät vom Arbeitskreis "Technik und Gesellschaft" mit Kandidaten aus der Informatik sowie von ihren Institutsausschüssen (IA) Mathematik / Physik, Chemie und Biologie.
Gezogen wird eine Zwischenbilanz der "Berufsperspektiven-Seminare der SOZNATEK".
Die Nürnberger Sympathisanten werden zur Wahl der Liste 5 - Sozialisten Nürnberg aufgerufen.
Q: Wahlzeitung der Basisgruppen + der Sozialistischen Zelle Naturwissenschaft und Technik,Erlangen o. J. (Jan. 1973)
22.01.1973:
Vermutlich erscheint zu Beginn dieser Woche in NRW eine dreiseitige 'KOV-Information' des KOV der KPD, in der es auch heißt:"
Ende letzten Jahres startete die SPD-Regierung und mit ihr die Länderregierungen eine Reihe von Maßnahmen zur Zerschlagung der Verfaßten Studentenschaft (ASten), wo diese zu einem Ort der fortschrittlichen Interessenvertretung und der Durchsetzung des politischen Mandats geworden waren. So wie an der Westberliner PH mit dem Löffler-Plan, versuchte die Kultusbürokratie auch in Hamburg, Bochum, Bonn, Marburg, Erlangen, Frankfurt, Tübingen, Heidelberg, Düsseldorf außerdem mit der Novellierung der Landeshochschulgesetze den Einfluß reaktionärer Ideologien zu festigen."
Q: KOV:Information,o.O. o.J. (Jan. 1973)
25.01.1973:
In München demonstrieren, laut KPD, 22 000 Studenten aus ganz Bayern gegen das Bayrische Hochschulgesetz (BHG - 18.5.1972).
Laut KPD/ML-ZK und von der AK-Fraktion dominiertem AStA der LMU München (vgl. 4.5.1973) sind es 25 000, laut KHB/ML der ABG und der MLSG Aschaffenburg (vgl. mai 1973) gar 30 000. Laut KHB/ML sind es rund 30 000.
Aufgerufen wurde auch von der RSF (vgl. 22.1.1973). Die RSF bildet, nach eigenen Angaben (vgl. 19.2.1973), eine Aktionseinheit mit dem KHB/ML, der Demokratischen Front Regensburg, dem Vorstand des SBI sowie den auf den KABD orientierten Gruppen KSG/ML Erlangen und Würzburg und Gruppe Roter Pfeil München. laut den MLSG des KABD waren die 22 000 die größte Studentendemonstration seit Gründung der Bundesrepublik, sie erwähnt ebenfalls die drei KABD-Studentengruppen.
Q: Roter Weg Ausgabe München Nr.3 und 4,München Jan. 1973 bz. Feb. 1973,S.15 bzw. S.14; Roter Morgen Nr.4,Hamburg 3.2.1973;Rote Fahne Nr.5,Dortmund 31.1.1973;Roter Fasan Nr.3,Aschaffenburg Mai 1973,S.7;Roter Schrittmacher Nr.9,Regensburg Mai 1973;Rotes Signal Nr.2,Erlangen Feb. 1973,S.9f;Kommunistische Studenten Zeitung Nr.12,München Feb. 1973,S.3ff;Münchner Studentenzeitung Nr.3,München 4.5.1973
02.02.1973:
Laut KSV der KPD (vgl. 7.2.1973) findet vermutlich an diesem Tag in Dortmund "die erste nationale Konferenz der Korrespondenten des Zentralorgans" statt. Dazu wird u.a. ausgeführt:"
Die Korrespondenten kamen aus vielen Universitätsstädten der BRD: aus Stuttgart, Hohenheim, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Nürnberg-Erlangen, Göttingen und Braunschweig."
Q: Dem Volke Dienen Nr.5,Dortmund 7.2.1973,S.2
März 1973:
In Erlangen gibt die MLSG-Schulzelle am Fridericianum - Humanistisches Gymnasium ihre Schulzeitung 'UK' (Unser Kreis) Nr. 8 (vgl. Nov. 1972, Juli 1973) heraus. Von der FAU wird berichtet: "Solidarischer Kampf der Erlanger Studenten gegen das BHG!".
Q: UK Nr.8,Erlangen März 1973,S.17ff
07.03.1973:
Die KPD berichtet allgemein, u.a. von heute:"
KOMMUNISTISCHER STUDENTENVERBAND: ZWEI WEITERE REGIONALKOMITEES GEGRÜNDET!
Am 7. und 8. März hat der KSV zwei neue Regionalkomitees in Hessen und Bayern eingerichtet, die mit Zellen an den Hochschulen in München, Nürnberg/Erlangen, Marburg und Frankfurt die Arbeit aufgenommen haben. Wir beglückwünschen unseren Studentenverband zu diesem Schritt, mit dem eine Phase im nationalen Aufbau des KSV erfolgreich abgeschlossen ist.
Die Gründung der beiden RKs in Hessen und Bayern zeigt, daß unser Studentenverband in revolutionärer Weise die doppelte Aufgabe angepackt hat: Das Prinzips des Aufbaus von oben nach unten - nach einem strategischen Plan - von einem führenden Zentrum aus durchzuführen und zugleich die besten und entschiedensten Genossen der vorhandenen lokalen fortschrittlichen Bewegungen für diesen Plan zu gewinnen.
Beide RKs stützen sich wesentlich auf die Arbeit von Genossen, die entweder wie in München und Nürnberg/Erlangen aus den Roten Zellen - den lokalen Organisationsformen der fortschrittlichen Studenten am Ende der Studentenbewegung - stammen oder wie in Frankfurt aus Studentenzirkeln gewonnen werden konnten.
Beide RKs des KSV arbeiten in Regionen, in denen bisher weder die Partei, noch der KJV organisiert arbeiten. Wir haben diesem Aufbauplan, der sich an dem Plan zum nationalen Aufbau der Partei orientiert zugestimmt. Denn anders als die KPD/ML (gemeint ist vermutlich die KPD/ML-ZK,d.Vf.) z.B., die aus sympathisierenden Studentengruppen Partei-Landesverbände machte, achten wir den eigenständigen bündnispolitischen Kampfauftrag des KSV, achten wir seine organisatorische Selbständigkeit. Anders aber auch als die verschiedenen Zirkelorganisationen, die auf lokaler Ebene die Bedingungen zum Parteiaufbau schaffen wollen, indem sie Parteiansätze aus den Studentenzirkeln ausschlüpfen lassen, gehen wir davon aus, daß die Kommunistische Partei mit national gültigen programmatischen Richtlinien, mit einem wissenschaftlich begründeten Plan für den nationalen Parteiaufbau existiert und arbeitet. Wir gehen davon aus, daß die Kommunistische Partei und ihre Massenorganisationen nicht erst lokal wiedergeboren werden müssen, um sich dann national zu vereinheitlichen, sondern daß wir schon jetzt auch dort KSV-Regionalkomitees anleiten können, wo wir selbst noch nicht organisiert arbeiten. Zugleich aber werden die beiden neuen Regionalkomitees des KSV wichtige Stützpunkte sein auch für den Aufbau der Partei selbst. Gemeinsam mit den Sympathisantengruppen der Partei werden sie durch den planmäßigen Verkauf der Roten Fahne (RF,d.Vf.), durch die Mitarbeit in Bündnisorganisationen wie Liga (LgdI,d.Vf.), Vietnam-Ausschüssen (VA des NVK,d.Vf.), sowie dem Aufbau von Rote-Fahne-Freundeskreisen (RFFK,d.Vf.), auch außerhalb der Universitäten dazu beitragen, daß der ideologischen und organisatorische Einfluß der KPD wächst."
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.2
08.03.1973:
Der KSV der KPD gründet ein Regionalkomitee (RK) Bayern mit Zellen in Nürnberg/Erlangen (ex-Rote Zellen) und München (ex-Zentralverband der Roten Zellen - ZVROZ).
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 4.4.1973,S.2
18.06.1973:
An der Universität Erlangen-Nürnberg soll, laut SSG Hamburg (vgl. 25.6.1973), von heute bis zum 22.6. ein Streik gegen das BHG stattfinden.
Q: Rote Presse Nr.8,Hamburg 25.6.1973,S.6
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