Zu: „Opel Bochum - Materialien zur Analyse von Opposition“ von Jürgen Schröder


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition " (MAO)

b. Materialien des Jahres 1971



Januar 1971: 

Innerhalb der KPD/ML-ZB erscheint das Funktionärsorgan 'Der Parteiarbeiter'

Nr.1 (vgl. Dez. 1971, Feb. 1971).

U.a. heißt es:"

Aber wenn wir unsere

Betriebszeitungen untersuchen, müssen wir feststellen, daß noch eine Reihe

von Fehlern gemacht worden sind, die wir unbedingt korrigieren müssen.

1. Es wurde keine allgemeine Kampagne gegen die Sozialdemokratie geführt. Die

Losung 'Gegen die Verrätereien der SPD-Regierung die geschlossene Front der

Arbeiterklasse' ist nicht genügend beherzigt worden ... Dadurch ist es zu

erklären, daß die richtige Konzentration auf die volle Durchsetzung der 15%

oft in die Gefahr des ökonomistischen Nachtrabs führte. Dies ist der

Hauptfehler und er wurde während der Tarifkämpfe an folgenden Punkten

deutlich: es gelang oft nicht, die betrieblichen und die politischen Kämpfe

zu verbinden. Daher wurden auch keine Kampfprogramme erstellt, die den

betrieblichen, gewerkschaftlichen und politischen Kampf verbinden. Wie

notwendig dies ist, zeigte der OPEL-Streik, der nur durch die Verbindung

betrieblicher und gewerkschaftlicher Forderungen seine große Wucht bekam."

=Der Parteiarbeiter Nr.1,Bochum Jan. 1971



Januar 1971: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in Bochum veröffentlicht

folgenden Beitrag, vermutlich hauptsächlich aus dem Januar:"

KOLLEGINNEN AUS DER KÜCHE SCHREIBEN

ZUR V-LEUTEWAHL:



In der letzten Zündkerze habt ihr geschrieben, daß wir keine Vertrauensfrau

haben. Inzwischen haben wir eine gewählt.

Kurz nach der Belegschaftsversammlung (vgl. 18.12.1970,d.Vf.) kamen die

Kollegin Bodowski und der Kollege Urban vom Betriebsrat in die Küche. Und

zwar zu einer Zeit, in der wir Essensausgabe machen müssen, also kaum Zeit zu

einem ausführlichen Gespräch hatten. Fräulein B. bat sie, doch einmal in der

Pause zu kommen, wenn wir Zeit hätten.

Kollegin Bodowski und Kollege Urban, die viele von uns gar nicht kannten,

weil sie sich so lange nicht hatten blicken lassen, kündigten die Wahl einer

V-Frau für Anfang Januar an und fragten, wer denn kandidieren würde.

Da viele Frauen gesagt hatten, daß sie Fräulein B. wollten, weil diese sich

auf der Betriebsversammlung und in der Küche für uns einsetzte, erklärte sich

Fräulein B. bereit, sich der Wahl zu stellen. Daraufhin erklärte die Kollegin

Bodowski, es können nur gewählt werden, wenn zwei Frauen kandidieren.

Kollegin Bodowski und Kollege Urban beratschlagten dann mit der Obermeisterin

Frau Mersch und Herrn Erben, welche Frau gegen Fräulein B. kandidieren könne.



Es sollte eine der älteren sein, angeblich, weil Fräulein B. erst zwanzig ist

und für die älteren Frauen auch eine Kandidatin da sein müsse. Da einige

ältere Frauen Fräulein B. nicht mochten, erklärte sich eine von ihnen denn

auch bereit. Diese Frauen wollten sich 'nicht von einer Kommunistin führen

lassen'. Trotzdem zog die betreffende Kollegin ihre Kandidatur zurück, weil

sie sich den Ärger ersparen wollte.



DIE MEISTEN WOLLTEN FRÄULEIN B.



Die meisten wollten Fräulein B. wählen, weil sie sich für uns einsetzt. Frau

Mersch wollte das von Anfang an verhindern. Sie versuchte, mehrere Frauen zu

überreden, selbst zu kandidieren. das wurde damit begründet, daß Fräulein B.

links sei und die Geschäftsleitung angegriffen habe, was diese sich einfach

nicht gefallen lassen könne.

Als die Frauen sich trotzdem hinter Fräulein B. stellten, versuchte Frau

Mersch, ihren Liebling, die stellvertretende Vorarbeiterin Frau Weissner, zur

Kandidatur zu überreden. Die erzählte uns allerdings nichts davon!

Fräulein B. gegenüber war Frau Mersch immer freundlich. Sie soll ihr sogar

gesagt haben, sie wolle den Betriebsrat bitten, Fräulein B.'s Kandidatur zu

unterstützen. Aber solche Gespräche führt Frau Mersch grundsätzlich nur unter

vier Augen, so daß wir immer nur einen Teil erfahren.



VERZÖGERUNGSTAKTIK DES BETRIEBSRATS



Der Betriebsrat zögerte die Wahl immer mehr heraus. Er und die Kollegin

Bodowski kamen immer, wenn wir keine Zeit hatten und redeten nur mit Frau

Mersch. Nach der Essensausgabe waren sie meistens schon wieder weg.

Als sie eines Mittags in unserer Pause kamen, dachten wir alle, jetzt würde

gewählt. Aber wie immer hockten sie nur mit Frau Mersch, Herrn Erben und

diesmal auch Frau Weissner zusammen.

Wir wurden allmählich sauer!

Als die feinen Herrschaften nach unserer Pause gehen wollten, rief Fräulein

B. sie zu uns in die Ecke und fragte, wann sie denn auch mal für uns Zeit

hätten. Wir fände es komisch, sagte Fräulein B., daß die Kollegen vom

Betriebsrat nur mit der Mersch zusammenhockten. Darauf wurde ihr entgegnet,

man habe etwas Wichtiges mit Frau Mersch zu besprechen gehabt. Wenn die

Kolleginnen irgendwelche Probleme hätten, solle Fräulein das doch eben

vorbringen, sich aber kurz fassen. Die Zeit des Betriebsrats sei schließlich

knapp bemessen. Fräulein erkundigte sich dann noch einmal nach dem Zeitpunkt

der Wahl, woraufhin wir erfuhren, daß sie am nächsten Montag stattfinden

sollte.



DIE WAHL SCHON VORHER ENTSCHIEDEN?



Den ganzen Nachmittag gingen Gerüchte bei uns herum, Frau Weissner sei jetzt

Vertrauensfrau. Wir konnten das erst nicht verstehen, weil wir Fräulein B.

wollten und doch noch gar nicht gewählt hatten.

Am Nachmittag erzählte Frau Weissner am Kaffeetisch, daß Montag die Wahl sein

sollte, die aber nur noch gemacht würde, um zu sehen wie viele Stimmen sie

bekomme. Die Personalabteilung habe schon entschieden, daß sie es machen

solle. Frau Mersch sei ihr zwei Wochen lang hinterhergelaufen, und sie habe

eingewilligt unter der Bedingung, daß sie nichts außerhalb der acht Stunden

Arbeitszeit machen müsse.

Als wir das hörten, waren wir fest entschlossen, uns das nicht gefallen zu

lassen. Wozu sollten wir denn überhaupt noch wählen, wenn sowieso schon

bestimmt ist, daß Frau Weissner es macht? Und ausgerechnet die! Frau Merschs

Liebling und zweite Vorarbeiterin!

Wir haben bisher noch nicht erlebt, daß sie sich für uns einsetzt! Als Frau

Mersch sie gefragt hatte, ob sie zur Belegschaftsversammlung gehen wollte,

hatte sie keine Lust.



WIR WOLLEN  E I G E N E  INTERESSENVERTRETER!



Jetzt war uns klar, warum der Betriebsrat die Wahl so lange hinausgezögert

hatte! Sie mußten erst Frau Weissner überreden!

Wir wollten nicht die Personalabteilung bestimmen lassen, wer unsere

Vertrauensfrau würde. Entweder wollten wir eine, die uns wirklich vertritt,

oder gar keine.

Das alles hatten also der Betriebsrat und Frau Mersch ausgeklügelt, wenn sie

zusammen waren.

Viele von uns resignierten daraufhin schon.

Es würde ja doch mit allen Mitteln verhindert, daß Fräulein B. V-Frau würde!

Sie haben wohl zu große Angst vor ihr, weil sie sich von niemandem

einschüchtern läßt. Auch dem Betriebsrat hatte sie schon oft die Meinung

gesagt.



FRAU MERSCH ZIEHT DIE WAHL ÜBER DIE BÜHNE - GEGEN 'DIE UNRUHESTIFTER'



Montagmorgen wollte Frau Mersch dann während der Arbeit die Wahl über die

Bühne bringen. Jetzt auf einmal reichte eine Kandidatin vollauf. Wer für Frau

Weissner war, sollte die Hand heben, wer gegen sie sie, sollte die Hand unten

lassen.

Wir waren wie vor den Kopf geschlagen! Fräulein B. versuchte immer, etwas zu

sagen, kam aber kaum dazu. Frau Mersch überging sie einfach und fing an zu

zählen. Erst als Fräulein B. nicht nachließ, kam sie zu Wort, wurde aber

ständig von Frau Mersch unterbrochen. Fräulein B. konnte nichts anderes

machen als die Obermeisterin zu überschreien. Frau Mersch fragte daraufhin,

wer denn eigentlich Fräulein B. wolle. Es traute sich keine von uns

aufzuzeigen. Wir hatten alle resigniert. Da Fräulein sich trotzdem nicht

einschüchtern ließ, konnte sie wenigstens eine geheime Wahl durchsetzen. Frau

Mersch schrie sie dann an, sie würde nur Unruhe stiften, seitdem sie in der

Küche sei. Sie hätte schon genug Wirbel gemacht! Es wäre jetzt genug!

Außerdem mache sie ihre Arbeit nicht hundertprozentig! Eine Vertrauensfrau

müsse auch Vorbild sein!



WIR MÜSSEN AUS UNSEREN NIEDERLAGEN LERNEN!



Wir wußten nun gar nicht mehr, was wir tun sollten. Fräulein B. war natürlich

unheimlich sauer auf uns, weil wir so feige gewesen waren. Sie sagte, sie

hätte gar nicht kandidiert, wenn sie das gewußt hätte, denn auch als V-Frau

könne sie nur etwas für uns tun, wenn wir alle dahinterstünden. Aber auch

Fräulein B. hatte inzwischen resigniert.

Frau Mersch würde nie zulassen, daß Fräulein B. V-Frau würde, das war uns

allen klar. Damit handelte sie im Interesse der Geschäftsleitung und des

Betriebsrates.

Frau Weissner hatte natürlich alles abgestritten, was sie am Freitag erzählt

hatte.

Auch in der geheimen Wahl ging es nur um Frau Weissner. Wir sollten nur ja

oder nein auf einen Zettel schreiben. Fräulein wurde einfach übergangen. Sie

sagte auch nichts mehr.

Ein paar von uns hofften, daß jetzt wenigstens alle sich trauten, nein auf

den Zettel zu schreiben. Die meisten trauten sich aber nicht mehr. So wichtig

wäre ja eine V-Frau auch nicht und Fräulein B. würden sie doch nicht nehmen.

Daher stimmten die meisten für Frau Weissner.



Nach der Wahl hat sich bei uns nichts geändert. Die einzige, die den Mund

aufmacht, ist immer noch Fräulein B."



Die RBG zieht folgende Schlußfolgerungen:"

ZUR V-LEUTEWAHL IN DER KÜCHE



Diese 'Wahl' hat uns wieder einmal ganz deutlich gezeigt, daß der Betriebsrat

und mit ihm die IGM-Bonzen zusammen mit den Opel-Bossen gegen uns gemeinsame

Sache machen. Betriebsrat und IGM-Bonzen sollen uns ruhig halten, damit die

Opel-Bosse ungestört ihren Profit einsacken können. Als Vollstreckungsorgane

dieser Politik wollen sie die V-Leute benutzen. Erinnern wir uns noch an das

Ende des letzten Streiks (vgl. 24.9.1970,d.Vf.):

erst über die V-Leute gelang es den IGM-Bonzen und dem Betriebsrat, uns

abzuwiegeln. Erst als die sagten, wir sollten wieder an die Arbeit gehen,

fingen die meisten von uns wieder an zu arbeiten. Zwar waren wir alle

unzufrieden, aber niemand war da, der den Streik jetzt organisiert hätte.



Deshalb müssen wir uns zunächst dafür einsetzen, daß diejenigen Kollegen V-

Leute werden, die wirklich für unsere Interessen kämpfen wollen und die unser

ganzes Vertrauen haben. Dabei sollten wir uns weder vom Meister noch von den

IGM-Bonzen einschüchtern oder spalten lassen, wie es den Frauen in der Küche

noch passiert ist.



Aber das wird auf die Dauer nicht genügen. So wie die vom amerikanischen CIA

bezahlten Gewerkschaftsbonzen nach 1945 allmählich alle Kommunisten und

linken Sozialdemokraten aus der Gewerkschaft rausgeschmissen haben, würden

sie auch jetzt wieder verfahren, sobald sie einen kämpferischen Kollegen in

ihren eigenen Reihen wittern sollten. So geschah es dem Kollegen Schütter in

Bremen (bei Klöckner - vgl. **.*.1969,d.Vf.), der für die V-Leutewahl eine

rote Liste organisiert hatte, die auch von der Mehrheit der Kollegen gewählt

wurde. Die IGM hatte verloren und warf ihren Wahl-Gegner, ca. 40 Kollegen aus

der Gewerkschaft, d.h.: die IGM wird sich auf lange Sicht nicht als

Basis 'hergeben' für V-Leute, die für unsere wirklichen Interessen kämpfen.

Dennoch muß dieser Kampf gewagt werden, mit dem Ziel vor Augen, in den Roten

Betriebsgruppen eine neue Basis für diese Kämpfe zu schaffen.



Wir brauchen eine Organisation, die für uns alle da ist, wenn es darauf

ankommt. Wäre z.B. beim letzten Streik die Rote Betriebsgruppe stark genug

gewesen, so hätte sie die Voraussetzungen für die Wahl des Streikrats

geschaffen, der aus organisatorischen Mängeln und durch Sabotage der IGM

nicht zustande kam.



Die Durchsetzung von V-Leuten, die eindeutig unser Vertrauen haben, ist

gegenwärtig eine wichtige vorläufige Abwehrmaßnahme gegen den Verrat der DGB-

Gewerkschaften. Solche V-Leute werden aber nur dann standfest bleiben können,

wenn ihnen eine starke Rote Betriebsgruppe den Rücken stärkt.

Deshalb:

STÄRKT DIE ROTE OPEL BETRIEBSGRUPPE! ORGANISIERT EUCH IN DER RBG DER KPD/

MARXISTEN-LENINISTEN!"

=Zündkerze Nr.7,Bochum März/Apr. 1971,S.5ff und S.14



Januar 1971: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.1 (vgl. Dez. 1970,

Feb. 1971) sowie mindestens ein Extrablatt heraus.

=Roter Kadett Nr.1 und Extrablatt,Bochum Jan. 1971



Januar 1971: 

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl. 22.1.1971) berichtet

vermutlich aus dem Januar:"

V-Leute von Hoesch in Dortmund fordern garantierten Mindestlohn. Garantierten

Mindestlohn auch bei Kurzarbeit (etwa 1 100 DM). Letzter Anstoß ihrer

Forderung: es wurde bekannt, daß die Betriebsratsgehälter von 1 600 auf 1 800

DM erhöht werden sollen."

=Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971,S.2



Januar 1971: 

Vermutlich konstituiert sich spätestens im Januar an der Abteilung Dortmund

der PH Ruhr der KSB/ML der KPD/ML-ZK (vgl. Nov. 1970, 25.1.1971).

Der AStA der Abteilung Dortmund gibt aus diesem Anlaß, vermutlich noch im

Januar, eine Broschüre mit 12 Seiten DIN A 5 sowie einem Hochglanzeinband

unter Verantwortung von Peter Wahl und Heribert Baumann heraus:"

IN SACHEN GEGEN KOMMUNISTISCHER STUDENTENBUND/MAXRISTEN-LENINISTEN ...

Wenn die jüngsten Streiks auf das

Konto von organisierten Arbeitern gehen sollten, dann auf das von DKP und

linken SPD-Betriebsräten. Dort wo ML-Gruppen nachträglich die Führung

usurpieren wollten, konnten diese Betriebsräte die Superlinken manchmal nur

im letzten Moment vor Prügel retten (Sommer 1970 bei Opel in Bochum). Das mag

als Indiz dafür gelten, mit welch seltenem Geschick es den Linkssektierern

gelingt, die von ihnen so oft strapazierte Massenlinie zu verfehlen."

=AStA der PH Ruhr,Abteilung Dortmund:In Sachen gegen Kommunistischer

Studentenbund/Marxisten-Leninisten,Dortmund o.J. (1970/1971);

KSB/ML Dortmund:Zur Polemik des AStA,o.O. (Dortmund) o.J. (1971),S.1



01.01.1971: 

In einem Leserbrief an die 'Zündkerze' (vgl. 27.1.1971) der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK heißt es:"

JETZT STEHEN SIE BESSER! WAS DER 1. JANUAR BEDEUTET:



So informierte Anfang des Jahres die SPD/FDP-Regierung in vielen

Tageszeitungen die deutschen Leser.

Stehen wir uns wirklich besser seit dem 1. Januar? Was bedeutet das Jahr 1971

für uns alle?

Jetzt stehen Sie sich wirklich besser so konnte man die Regierung auch im

vergangenen Jahr tönen hören, als in einer der größten

Industriegewerkschaften die Vermögensbildung eingeführt wurde. Und jener

Trend setzt sich immer mehr durch, auch die Erkenntnis der Regierung, hier

wieder eine neue Quelle indirekter Steuereinnahmen entdeckt zu haben, mit dem

Ergebnis:

An 1. Januar entfällt die Befreiung vermögenswirksamer Leistungen von

Lohnstuer und Sozialbeiträgen. Davon sind alle 22 Mio. Arbeitnehmer in der

BRD betroffen.

Als Trostpflaster soll eine 'Sparzulage' gewährt werden, was die Vermutung

bestätigt, die Vermögensbildung sei ein Zwangssparen, eine Sache, die aus der

Nazizeit bekannt ist, als die kleinen Zwangssparverträge der Arbeiterschaft

die Millionenbeträge für Hitlers Kriege erbrachten.

Die zugleich in Kraft getretene Beseitigung der 40 km Grenze für Fahrten zur

Arbeit dürfte ein schwacher Trost sein. Wer fährt schon noch Auto, bei der

Erhöhung der Haftpflicht und geplanten Erhöhungen der Parkgebühren, der

Mineralölsteuer usw., bei den ständigen Beschädigungen und Diebstählen auf

den werkseigenen Parkplätzen (wo schon in der ersten Woche des neuen Jahres

einem Kollegen vom Rekord sämtliche Räder, einschließlich Felgen abmontiert

wurden).



Aber wer glaubt, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Zukunft billiger

davonzukommen, der wird wohl recht bald enttäuscht werden.

Bei all diesen Taschenspielertricks wird man den Eindruck nicht los, daß sie

immer wieder auf dasselbe hinauslaufen:

auf den Griff in UNSER Portemonnaie..."

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.11



01.01.1971: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet:"

DER BETRIEBSRAT - WACHTMEISTER DES KAPITALS



Anfang dieses Jahres fand eine Pressekonferenz der Industrie- und

Handelskammer (IHK) in Essen statt. Toni Schmücker,

Rheinstahl-Vorstandsmitglied, vertrat die Ansicht, die Lohnerhöhung 1970 (in

der MTR bzw. STR,d.Vf.) sei ökonomisch nicht vertretbar gewesen, da sie die

'Ertragslage' der Unternehmen entscheidend ungünstig beeinflusse.

Darauf fragten einige Journalisten, weshalb die Unternehmer der Lohnerhöhung

zugestimmt hätten, wo doch Tarifautonomie bestünde.

Die Antwort Schmückers:

ERSTENS handele es sich bei der Lohnerhöhung eigentlich um 'ETHISCHE Löhne'

(wörtlich!),

ZWEITENS ginge es den Unternehmern in der gegenwärtigen Situation und

besonders nach den 'wilden' Streiks darum, die GEWERKSCHAFTEN ZU STÄRKEN, um

DRITTENS die Entwicklung 'noch besser unter KONTROLLE zu halten'; es ist klar,

was da kontrolliert werden soll: Die sogenannten 'Linksextremisten', die in

den Betrieben nicht Fuß fassen sollen!"

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.13f



04.01.1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß bei Opel 3

Sonderschichten für alle Kollegen vereinbart wurden.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.2,Bochum 9.1.1971,S.5



09.01.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt die Nr.2 des 'KND' (vgl. 6.1.1971, 13.1.1971) heraus.

U.a. heißt es:"

In einigen Branchen steigern die Kapitalisten in ihrer Profitgier noch bis

zum letzten Moment die Produktion. So z.B. in der Automobilindustrie, ...;

die Streichung von Sonntagsschichten aber zeigt, daß auch in dieser Branche

die Krise bald beginnen wird. Bei der Automobilindustrie müssen wir

berücksichtigen, daß dort die Konjunkturzyklen schärfer verlaufen als in

anderen Branchen, daß im Boom mehr Überstunden aus den Arbeitern

herausgepreßt werden und daß die Krise dort härtere Folgen hat und sehr

schnell eintreten kann. 1967 wurden z.B. im Opel-Konzern insgesamt 6 000

Arbeiter entlassen! Wir müssen gerade in dieser Branche sehr wachsam sein und

die kleinsten Anzeichen im Betrieb aufmerksam registrieren. Schließlich

können wir dabei berücksichtigen, daß viele Zulieferer der Autoindustrie

schon Kurzarbeit anmelden mußten, weil die großen Konzerne offensichtlich

ihre Lager räumen."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.2,Bochum 9.1.1971



11.01.1971: 

Im heutigen 'Spiegel' Nr.3 erscheint u.a. auch ein Artikel über China, in

dem es, laut Roter Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in Bochum u.a.

heißt, China sei "das einzige sozialistische Land ohne Auslandsschulden.

Seine Außenhandelswährung Renminbi (Volks-Währung) gehört zu den stabilsten

der Welt. Sie ist weitgehend durch Gold- und Devisenreserven gedeckt und

teilkonvertierbar; die China-Banken von London und Hongkong tauschen sie zum

günstigsten Dollarkurs ...



Die Kulturrevolution war der erste Sieg, der in einem sozialistischen Land

über die neue Klasse der Parteifunktionäre erfochten wurde, über jene Schicht

der Apparatschiks, die der Bourgeoise den Garaus gemacht, sich dann aber

selbst mit deren Machtpositionen und Privilegien ausgestattet hatte. Mao

setzte neue Werte gegen sie: Spontaneität, Selbstlosigkeit, Gleichheit ...



Die Bewußtseinsveränderung scheint so weit fortgeschritten, die Spontaneität

so entwickelt, daß die Klasseninteressen einer herrschenden Schicht oder

Partei zurücktreten ...



Denn die Produktionsschlacht vollzieht sich nicht nach den Gesetzen von

Rentabilität und Profit, noch nach den Schemata einer zentralistischen

Planbürokratie. Sie wird - erstmals in einem sozialistischen Land -

ausschließlich von lokalen Revolutionskomitees gesteuert. ...



Deren Mitglieder beziehen den Lohn von Arbeitern und müssen selbst

körperliche Arbeit leisten. Sie erhalten keine Befehle von zentralen

Instanzen und dürfen selbst nicht nach unten befehlen - sie müssen

diskutieren, überzeugen ...



Sie ermuntern das Volk, die Obrigkeit ständig zu kritisieren, Vorgesetzte zur

Selbstkritik zu bewegen, Produktion, Verwaltung und Verteidigung in die

eigene Hand zu nehmen. Im China von heute zahlt kein Bürger mehr Steuern ...



Ein neues Kapitel in der Geschichte menschlicher Träume von einer besseren

Welt?



Wenn es den Chinesen gelingt, in ihrem unterentwickelten Land eine

sozialistische Demokratie zu verwirklichen, wie sie jetzt in Anfängen

sichtbar ist, kann das Reich der Mitte ein neues Modell für die Dritte Welt

abgeben - und nicht nur für sie. Das Experiment, zwischen Obrigkeit und

Untertan in Staat und Betrieb zwischenmenschliche Beziehungen der Gleichheit

herzustellen, würde gleichermaßen die Klassengesellschaften der

Industriestaaten des Ostens und des Westens herausfordern ...



Erkennbar und nachweisbar haben die Masseneinsätze auch die Versorgung der

Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Konsumwaren verbessert.



Dorfläden, bisher bei den Zuteilungen vernachlässigt, bieten Textilien,

Schuhe, Haushaltswaren, aber auch Nähmaschinen, Fahrräder und

Rundfunkempfänger in großer Auswahl an.



Die Metropolen, die in der Vergangenheit häufig unter Lebensmittelknappheit

zu leiden hatten, sind ausreichend mit Obst, Gemüse, Fleisch, Eiern und Fisch

eingedeckt. Aber es gibt keine Luxusläden und keine Nobelrestaurants mehr,

nur Ausländer werden zu Festessen hinter verhängten Fenstern in die sonst

leere, einzige Spezialgaststätte Pekings geführt ...



Die Preise sind seit der Kulturrevolution stabil geblieben - von allen China-

Reisenden der letzten Monate bestätigt. Drastisch gesenkt wurden sie für

einzelne Erzeugnisse der Leichtindustrie, wie Plastikwaren, Baumwollstoffe,

Ersatzteile und primitive Eisenwaren ...



Seit der Kulturrevolution soll niemand mehr gleicher als gleich sein: Das

einst unter Liu eingeführte Lohngefälle zwischen 40 und 350 Juan, noch

vergrößert durch Prämienzahlung und Profitbeteiligung für die

Betriebsdirektoren, wird auf einen allgemein gültigen Durchschnittslohn von

80 bis 100 Juan (an Kaufkraft: etwa 200 bis 250 Mark) nivelliert ...



Eine chinesische Durchschnittsfamilie, in der mindestens zwei Angehörige

Lohnempfänger sind, kann nach Abzug der Lebenshaltungskosten ungefähr 100

Juan (140 Mark) monatlich für größere Anschaffungen zurücklegen ...



Die früher erheblich überhöhten Preise für Medikamente wurden reduziert.

Stolz meldet ein Pekinger Bericht: 'Eine Ampulle mit 200 000 Einheiten

Penicillin kostete vor der Befreiung den Gegenwert von 25 Kilogramm feinen

Mehls. Eine gleiche Ampulle kostet jetzt weniger als ein halbes Kilogramm.'



Aber der Käufer dürfte für die Ampulle kaum Verwendung haben. Denn: Jede

ärztliche Versorgung, auch das Krankenhaus, ist für die Chinesen kostenfrei,

ebenso wie der Besuch im Theater und Kino, Arbeitskleidung - sogar der

Friseur. Die Mieten in der Stadt betragen ein bis zwei Prozent des

Monatslohns; Kommunebauern wohnen mietfrei ...



Fahrräder werden im Handel je nach Qualität für 135 bis 150 Juan angeboten,

Radios für 120, Lederschuhe kosten 18 bis 25, eine elektrische Kochplatte

zwölf Juan, und für die Familien-Zuteilung von 75 Kilogramm Reis müssen die

Chinesen 20 Juan zahlen".



Ein Kommentar zu diesem Artikel erscheint u.a. im 'Roten Morgen' Nr.2 der

KPD/ML-ZK (vgl. Feb. 1971) und im 'Ruhr Park Info' Nr.5 der Roten Ruhrpark-

Gruppe (RRG) Bochum (HBV-Bereich - vgl. Apr. 1971).

=Ruhr Park Info Nr.5,Bochum Apr. 1971,S.13ff;

Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.20



13.01.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.3 (vgl. 9.1.1971, 16.1.1971) heraus.

Berichtet wird u.a. über die Krise:"

Die kapitalistischen Rationalisierungsmaßnahmen bei Schneider (in Bad

Kreuznach,d.Vf.) wie auch bei Bosch und bei anderen Firmen entlarven die

Lügen der rechten Sozialdemokraten, die behaupten 'Kurzarbeit verhindert

Entlassungen' (so kürzlich noch SPD-Arbeitsminister Hirrlinger). In der

täglichen Agitation können wir dieses Argument auch mit Beispielen aus der

letzten Krise widerlegen: 1967 wurde z.B. bei Opel in Bochum mehrmals

Kurzarbeit eingeführt und gleichzeitig 1 275 Kollegen entlassen. Der

wichtigste Fehler in dieser Argumentation ist jedoch folgender: Durch die

Kurzarbeit werden die gesunkenen Profite der Kapitalisten nicht gebessert.

Die Lohnkosten je Produkt bleiben gleich, solange nicht zugleich die

Ausbeutung intensiviert wird. Da es jedoch darum geht, die gesunkenen

Profite durch die Krise wieder erheblich zu erhöhen, müssen die Kapitalisten

andere Maßnahmen zur Überwindung der Krise einleiten. Sie müssen durch

Massenarbeitslosigkeit die Krisenfolgen umfassend auf das Proletariat

abwälzen und die Ausbeutung der im Betrieb verbliebenen Arbeiter stark

intensivieren.

Dazu werden alle möglichen Maßnahmen zur 'Hebung der Arbeitsmoral'

durchgeführt:

Druck auf Krankfeiernde, Kürzung der Akkordzeiten, Entlassung

oppositioneller Arbeiter usw.

Unter diesen Bedingungen werden die Kapitalisten rationalisieren und wieder

neue Maschinen anschaffen, die mehr Profit bringen als die alten."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.3,Bochum 13.1.1971



15.01.1971: 

In einem Leserbrief eines spanischen Kollegen an die 'Zündkerze' (vgl.

27.1.1971) der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK heißt

es:"

Am 15.1. wurde einer meiner Kollegen von einem ihm unbekannten jungen Mann im

Streit erschossen. Ich glaube, daß die Hauptschuld den deutschen Kollegen

trifft, der sehr betrunken war. Genausowenig finde ich es gerechtfertigt, daß

in dem Streit einer meiner Landsleute mit dem Messer warf.

Was ich aber am schlimmsten finde, ist, daß es überhaupt zu diesem Streit

kommen mußte.

Der Streit ging um ein Mädchen, aber das ist meiner Meinung nach nur die

äußere Ursache. Die eigentliche Ursache ist woanders zu suchen:

Nämlich jene Herren, die uns alle ausbeuten und durch uns Gewinne scheffeln,

benutzen jede Gelegenheit, um uns gegeneinander aufzubringen. Die Zeitungen

dieser Herren haben oft erzählt, daß die Ausländer dreckig sind und Deutsche

Frauen überfallen! In den Betrieben bekommen wir schlechtere Arbeit und

schlechteres Geld. Unsere Kinder können kaum Deutsch lernen, wir überhaupt

nicht, wozu auch.

Das alles soll uns von unseren deutschen Kollegen trennen.

Aber im letzten Streik (vgl. 24.9.1970,d.Vf.) mußten die Opel-Herren sehen,

daß das alles nichts nützt, daß deutsche und ausländische Kollegen

zusammenhalten, wenns drauf ankommt!

Ich glaube, daß wir auch für die Zukunft, die nicht rosig aussieht, diese

Gemeinsamkeit brauchen werden. Deshalb sollte jeder von uns unter seinen

Kollegen alles tun, damit diese Gemeinsamkeit nicht aufs Spiel gesetzt wird."

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.10



15.01.1971: 

Der AStA der Ruhr-Universität Bochum (RUB - vgl. 27.1.1971) berichtet von

den Fahrpreiserhöhungen bei der Bogestra (vgl. 13.1.1971, 28.1.1971) aus

dieser Woche, vermutlich von derem Ende:"

AKTIONSBÜNDNIS GEGEN BOGESTRA-ERHÖHUNGEN ...

Die Kreisverbände der ÖTV und des DGB sowie die Hauptversammlung der IG Druck

und Papier (DP - vgl. **.*.197*,d.Vf.) sprachen sich entschieden gegen die

geplanten Tariferhöhungen der BOGESTRA aus. Ebenso protestierten die

Jugendvertretungen der Stahlwerke Bochum (SWB - IGM-Bereich,d.Vf.) sowie der

Opelwerke, SDAJ und DKP, die Jungsozialisten und Jungdemokraten (Jusos der

SPD bzw. Judos der FDP,d.Vf.), die SMV's verschiedener Bochumer Schulen sowie

die Asten der Ingenieurschule, der Bergbauschule sowie der RUB gegen die

bevorstehenden Entscheidungen.



Die Vertreter der oben angeführten Organisationen trafen sich in der

vorletzten Woche zu einem ersten koordinierenden Gespräch."

=Bochumer Studentenzeitung Nr.72 und 73,Bochum 27.1.1971 bzw. 11.2.1971,S.4

bzw. S.1



17.01.1971: 

In Dortmund führt die KPD/ML-ZB eine nationale Demonstration unter dem

Motto 'Sozialdemokraten und Kommunisten - Eine Front gegen die Faschisten!"

durch.

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (IGM-Bereich - vgl. 22.1.1971)

berichtet:"

ARBEITEREINHEIT SCHLÄGT FASCHISMUS!



Am Sonntag, den 17.Januar 1971, haben die KPD/ML und ihre Jugendorganisation,

der Kommunistische Jugendverband Deutschlands (KJVD), in Dortmund eine

antifaschistische Demonstration veranstaltet. Am 17.1.1971, weil an diesem

Tag überall in der Bundesrepublik und in Westberlin die Faschisten Feiern zum

hundertsten Jahrestag der Reichsgründung abhielten, weil sich an diesem Tag

neue faschistische Organisationen gründeten, die als Söldnertruppen der

Großkapitalisten die brutalste Unterdrückung der Arbeiterklasse vorbereiten

wollen.



Unter der zentralen Losung 'Arbeitereinheit schlägt Faschismus!' nahmen an

der Demonstration der KPD/ML und des KJVD ungefähr 1 000 Mitglieder und

Sympathisanten der KPD/ML und des KJVD teil. Sie zogen drei Stunden lang

durch Dortmund, vor allem durch die Wohnorte der Hoesch-Arbeiter. Über

Lautsprecher wurden die Faschisten und ihre Hintermänner entlarvt.

Kampflieder wurden abgespielt. Es wurden Flugblätter an die Arbeiter und

Arbeiterfrauen verteilt, es wurde das Extrablatt der ROTEN FAHNE, das

Zentralorgan der KPD/ML, in großen Mengen verkauft. Aus den Fenstern der

Wohnhäuser hörten viele Kollegen den Reden der KPD/ML und des KJVD zu.



Warum wurde die Demonstration veranstaltet?



Überall in der Bundesrepublik und Westberlin rühren sich die Faschisten. Am

17.Januar wurden zwei neue Gruppen gebildet: die 'Deutsche Union' (NLA) und

die 'Deutsche Volksunion' ((DU bzw. DVU,d.Vf.) Gründer ist Frey von der

Nationalzeitung).



Alle Gruppen haben untereinander gute Beziehungen, so daß sie sich zu einer

großen Sammelbewegung zusammenschließen können. Die Fäden laufen von der CDU,

der CSU, über NPD, NLA, Witikobund, Aktion Widerstand, Deutsche Volksunion,

Zeitschrift 'MUT', Aktionsgemeinschaft Oder-Neiße (AKON,d.Vf.) bis zu den

Vertriebenenverbänden und ihren Jugendorganisationen.



Seit den Kämpfen der Arbeiterklasse in der Krise 1966/1967, vor allem seit

den Septemberstreiks 1969, rühren sich die Faschisten wieder offen aus ihren

Löchern. Sie wittern ihre Chance. Äußerte doch schon Kapitalistensprecher

Fritz Berg (vgl. S7f**.1971,d.Vf.): 'Die wilden Streiks vor zwei Jahren

(1969) haben uns in eine Situation gebracht, die für unser Vaterland noch

sehr bedauerlich werden könnte.'



Deshalb beginnen die Kapitalisten wieder, Gelder zu diesen Gruppen fließen zu

lassen:



Die NLA erhielt 150 000 DM vom Kaufhaus-Konzern Horten (HBV-Bereich,d.Vf.).

140 000 von Oetker (NGG-Bereich,d.Vf.), weitere Gelder von Melitta (NGG- bzw.

CPK-Bereich,d.Vf.) und vom Raketen- und Luftwaffenkonzern Messerschmitt-

Bölkow-Blohm (MBB - IGM-Bereich,d.Vf.). Die Zeitschrift 'MUT' hat große

Anzeigen von Quelle (HBV-Bereich,d.Vf.), die sie bestimmt auch nicht umsonst

veröffentlicht.



Die Kapitalisten bezahlen mit dem von den Arbeitern erwirtschafteten Profit

die schärfsten Feinde der Arbeiterklasse, die Faschisten. Sie wollen sich

neue Stoßtrupps gegen die Arbeiterklasse schaffen, die die Arbeiter am

Arbeiten halten sollen, wenn die SPD das mit ihren Versprechungen nicht mehr

schafft.



Und die SPD?



Kühn sagt, die Sozialdemokraten gehen auf die Straße, wenn die Faschisten

wieder marschieren, doch bei Demonstrationen gegen die Faschisten war er

bisher nicht zu finden. Dagegen unterstützen die SPD-Bonzen die

faschistischen und revanchelüsternen Organisationen ganz offen.

Organisationen wie der Witikobund, die Landsmannschaften und viele andere

Organisationen erhalten heute auf legalem Wege von der Bundesregierung 839

700 DM, 300% mehr als im vorigen Jahr - alles aus Steuergeldern, die die

Arbeiter und Angestellten massenhaft blechen müssen.



Gegen diese Politik der SPD, gegen die Bezahlung der Faschisten durch die

Kapitalisten, gegen die Kriegstreiberei der Faschisten, veranstaltete die

KPD/ML und der KJVD die Demonstration. Deshalb trug sie Spruchbänder mit den

Losungen 'Faschismus bedeutet Hunger und Krieg', 'Wir wollen keinen neuen

Krieg - Kampf den Militaristen, Kampf den Faschisten', 'Kapitalisten bezahlen

Faschisten', 'Mit der KPD/ML gegen die Faschisten', 'Arbeitereinheit schlägt

Faschismus'."

=Die Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971,S.7f



20.01.1971: 

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl. 22.1.1971) berichtet:"

Am Mittwoch konnten wir in der WAZ lesen, daß statt 1,24 Millionen

Neuanschaffungen von PKWs - 1970 - für dieses Jahr nur noch 600 000

Neuanschaffungen zu erwarten sind."

=Presse Nr.1,Bochum (22.1.1971,S.2



22.01.1971: 

'Die Presse' - Zeitung der Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB Nr.1 erscheint

in Bochum (vgl. 27.10.1970, Feb. 1971) mit acht Seiten DIN A 4 unter

Verantwortung von Hans-Dieter Weber, Bochum, mit folgendem Leitartikel:"

DAS NEUE PUNKTESYSTEM FÜR ZEITLÖHNER:



HINTERHÄLTIGER SPALTUNGSVERSUCH!



In einigen Abteilungen - besonders in Werk 2 - der Betrug schon begonnen: ab

sofort erhalten alle Zeitlöhner einzeln die Leistungszulage nach einem neuen

Punktesystem. Nur spärlich sickern die Informationen durch; nur wenige V-

Leute wurden von den Meistern klar informiert; vom Betriebsrat keinerlei

Anzeichen von Abwehrmaßnahmen.



Nach vier Gruppen wie 'Leistung', 'sauberes Arbeiten', 'unfallfreies

Arbeiten' sollen die Meister jeden Kollegen mit insgesamt höchstens 32

Punkten bewerten. Keiner hat das Recht, seine Bewertung genau zu erfahren.

Mit Lohnunterschieden von mehr als 50 Pfennig pro Stunde für die gleiche

Arbeit sollen wir uns abfinden.



Paßt dem Meister deine Nase nicht, willst du dich gegen die ständige

Antreiberei wehren: dein Punktkonto sinkt...



Den Opel-Bossen geht es darum, jeden einzelnen Kollegen auf die Jagd nach

Punkten anzusetzen, um ihn bis aufs Blut auszunehmen. Ihnen geht es um

schärfere Disziplinierung, sie wollen uns zu Radfahrern bei den Meistern

machen, sie wollen uns gegeneinander aufhetzen und ausspielen.



Warum ist das gerade jetzt für die Kapitalisten so wichtig? Warum gerade

jetzt neue Akkordzeiten und damit Verschärfung der Richtzeiten am Band?



Warum gerade jetzt der verstärkte Versuch, die Arbeitshetze in der

Lackiererei noch zu erhöhen, um damit diesen Engpaß in der Produktion zu

beseitigen und in den folgenden Abteilungen die Bandgeschwindigkeiten

abermals zu beschleunigen?



Kollegen!

Auch die Opel-Herren bereiten sich auf die Wirtschaftskrise vor. (Am Mittwoch

konnten wir in der WAZ lesen, daß statt 1,24 Millionen Neuanschaffungen von

PKWs - 1970 - für dieses Jahr nur noch 600 000 Neuanschaffungen zu erwarten

sind.)



Die Vorbereitungen der Opel-Herren: verschärfte Ausbeutung - um die Profite

zu sichern, Spaltungsversuche - um den einheitlichen Abwehrkampf gegen

Lohnkürzung, Kurzarbeit und Entlassungen zu verhindern.



Angriffe auf unsere Lage und Spaltungsversuche - das ist auch genau die

Politik der SPD-Regierung zur Rettung der Profite der Kapitalisten.



Auch wenn wir in der Automobilindustrie die Krise noch nicht direkt zu spüren

bekommen, so richten sich doch auch die geplanten Angriffe der SPD-Regierung

gegen jeden von uns:



SPD-Finanzminister Möller (vgl. 18.1.1971,d.Vf.) kündigte an, daß die

Zurückzahlung der 10%-Lohnraubsteuer mit den Tarifforderungen zu verbinden.

In der Konzertierten Aktion der SPD-Regierung, der Gewerkschaftsführer und

der Kapitalisten wurde in 'Lohnleitlinien' (vgl. S2.**.197*,d.Vf.)

beschlossen, daß die Arbeiter in diesem Jahr höchstens 7% mehr bekommen

sollen. Jetzt soll auch noch die 10%-Lohnraubsteuer in den Tarifforderungen

verrechnet werden.



Die KPD/ML hat zu Recht von Anfang an die sofortige Zurückzahlung dieser

Steuer gefordert. Doch wir blechen weiter.



Dazu kommen jetzt noch massive Preiserhöhungen für Post und Bahn und zum

Beispiel 10%-Erhöhung des Milchpreises.



In der Stahlindustrie sind die Kollegen bereits direkt betroffen: der

Bochumer Verein (Krupp,d.Vf.) plant nach Zwangsurlaub Kurzarbeit für

zahlreiche Kollegen, bei SWB (vgl. 11.1.1971) flogen erst vor wenigen Tagen

etwa 50 Kollegen auf die Straße.



In der Zuliefererindustrie der Automonopole gibt es massive Entlassungen und

Kurzarbeit. So plant Bosch, 800 Kollegen rauszuwerfen (vgl. Stuttgart - Jan.

1971,d.Vf.). Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen wurden vorige Woche 300

Kollegen entlassen. Die Lügen von Brandt und Brenner, 1971 seien die

Arbeitsplätze nicht in Gefahr, sind längst durch Tatsachen entlarvt.



In zahlreichen Betrieben haben die Kollegen energisch den Kampf aufgenommen:



- V-Leute von Hoesch in Dortmund (vgl. Jan. 1971,d.Vf.) fordern garantierten

Mindestlohn. Garantierten Mindestlohn auch bei Kurzarbeit (etwa 1 100 DM).

Letzter Anstoß ihrer Forderung: es wurde bekannt, daß die

Betriebsratsgehälter von 1 600 auf 1 800 DM erhöht werden sollen.



- Bei Mannesmann streikten die Kollegen von zwei Werken (im Regierungsbezirk

Düsseldorf - vgl. 7.12.1970,d.Vf.). Sie antworteten auf die

Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen und den Versuch, aus den

übriggebliebenen Kollegen noch mehr herauszuschinden mit der Forderung: 5%-

Lohnerhöhung!



- In allen betroffenen Betrieben fordern die Betriebsgruppen der KPD/ML: bei

Kurzarbeit voller Lohnausgleich!



Es kommt darauf an, daß auch wir bei uns jedem Angriff der Kapitalisten

entgegentreten. Ab Februar fallen die Sonderschichten weg; für viele Kollegen

schon eine Lohneinbuße von mehr als 10%. Höchste Wachsamkeit ist also

geboten.



Informiert uns über alle Versuche der verschärften Ausbeutung!



WEG MIT DEM PUNKTESYSTEM; EINHEITLICHE LEISTUNGSZULAGE FÜR ALLE ZEITLÖHNER!



Die V-Leute müssen uns sofort genauestens über das Punktsystem informieren!



Unsere Kampfbereitschaft haben wir bereits im Tarifkampf und im

Preßwerkstreik im Mai (vgl. 22.5.1970,d.Vf.) bewiesen.



Die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML wird wichtige Informationen sofort mit

Flugblättern an alle weitergeben und jede Kampfmaßnahme unterstützt!"



Berichtet wird von den letzten Betriebsversammlungen (BV - vgl. 18.12.1970)

und anläßlich dieser auch eingegangen auf (vgl. 3.12.1970):"

DAS NEUE BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ:



'VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE' ZUR UNTERDRÜCKUNG DER ARBEITERKLASSE!



Auf der letzten Betriebsversammlung pries der SPD-Betriebsratsvorstand in

lauten Tönen die Reformen der SPD/FDP-Regierung, vor allem den neuen Entwurf

des BVG.



Kein Wunder!



Die SPD/FDP-Regierung hat als Vorgeschmack für das neue BVG die Amtszeit der

jetzt noch amtierenden Betriebsräte um ein Jahr, bis zum 30.April 1972

verlängert (vgl. S3.**.197*,d.Vf.). Die Betriebsräte, die jetzt im Frühjahr

eigentlich neu gewählt werden sollten (BRW,d.Vf.), haben von der SPD-

Regierung ein Jahr Schonfrist bekommen. Das bedeutet für sie: wieder ein Jahr

länger einen gesicherten Posten, ein Jahr länger keine Knochenmühle. Gerade

nach den Tarifkämpfen können viele Betriebsräte diese Schonfrist gebrauchen,

um ihre verräterische Mauschelei in Vergessenheit zu bringen.



So propagieren die 'geretteten' Betriebsräte eifrig das neue BVG. Sie heben

jetzt vor allem hervor, daß jetzt mehrere kleine Abteilungsversammlungen im

Jahr stattfinden sollen und nur noch zwei Belegschaftsvollversammlungen

anstatt bisher vier.



Das kann Perschke und seinen Kollegen nur recht sein. Gerade auf unserer

letzten Betriebsversammlung wurden die sogenannten Interessenvertreter im

Betriebsrat von allen Kollegen durchschaut und ausgepfiffen.



Und das ist doch gerade die Aufgabe der Belegschaftsversammlungen, daß wir

alle gemeinsam den Verrat von Betriebsräten an unseren Forderungen angreifen

und gemeinsam Kampfmaßnahmen organisieren.



Nur wenn allen die Teilnahme möglich ist, können die Unterdrückungsmethoden

der Opel-Bonzen in den verschiedenen Abteilungen sofort allgemein bekannt

gemacht werden, so daß ein gemeinsamer Kampf sofort möglich ist.



Von den Kollegen konnten wir bisher in der Aussprache Nachrichten aus anderen

Werksteilen erhalten, die der Betriebsrat uns bis dahin vorenthalten hatte.



Aber gerade dem wachsenden Kampfgeist der Kollegen, gerade dem wachsenden

Einfluß der Kommunisten bei der Organisierung des gemeinsamen Kampfes will

die SPD-Regierung einen Riegel vorschieben, eben deswegen plant sie die

Einschränkung der Belegschaftsversammlungen!



Betriebsräte wie Perschke und Co. sind natürlich froh darüber: sie wollen die

Abteilungsversammlungen ausnutzen zur weiteren Spaltung unserer einheitlichen

Kampfkraft.



So soll es zum Beispiel möglich gemacht werden, daß erst ein halbes Jahr nach

einer Akkordkürzung etwa in der Fertigmontage D4 alle darüber informiert

werden. Die betroffenen Kollegen brauchen aber unsere Solidarität sofort,

wenn eine derartige Verschärfung der Ausbeutung verhindert werden soll. Die

rechten Betriebsräte aber werden uns dann achselzuckend erklären: 'Jetzt ist

es leider zu spät, die Würfel sind gefallen...'



Weiterer Verrat an den Arbeitern im neuen BVG:



Gewerkschaftsvertreter dürfen nur 'im Benehmen mit der Unternehmensleitung'

den Betrieb betreten.



Die SPD-Regierung schafft hiermit den Kapitalisten ein Ausleseverfahren:

'Gewerkschaftsvertreter' wie Loderer z.B., der uns beim Protestmarsch zum

IGM-Haus (vgl. 25.9.1970,d.Vf.) empfahl, möglichst schnell wieder an die

Arbeit zu gehen, könnten natürlich jederzeit in den Betrieb kommen. Echte

Gewerkschaftsvertreter, die uns zum Durchhalten auffordern, die uns

Unterstützung und nicht Streikbruch bringen, müßten draußen bleiben.



Also auch hier: Alles für den Frieden der Kapitalisten im Betrieb, alles

gegen die Kampfkraft der Arbeiter. So geht es auch weiter: 'Politische

Betätigung' im Betrieb soll erlaubt werden - natürlich nur, wenn sie den

Arbeitsfrieden und den Produktionsablauf nicht stört.



Was dabei für uns herauskommt, ist klar:



Nehmen wir nur ein Beispiel: als die Kollegen vom BV in Bochum (Krupp - vgl.

5.6.1970,d.Vf.) im Juni für eine Mark mehr streikten, erklärte die SPD-

Betriebsgruppe sofort: 'Man kann mit einem Streik im Moment der SPD nur

schaden'. Sie wiegelte den Streik ab. Statt der geforderten einen Mark kamen

deshalb auch nur 5 bis 17 Pfennig heraus. Die Betriebsgruppe der KPD/ML beim

BV hatte die Forderung nach einer Mark mit Flugblättern immer wieder

unterstützt.



Nun sollen die SPD-Betriebsgruppen, aber auch CDUler und NPDler noch mehr

'Freiheit' bekommen, im Betrieb gegen die Kommunisten zu hetzen. Denn wir

Kommunisten stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, sich den

'Betriebsfrieden' der Kapitalisten nicht aufzwingen zu lassen.



Bei der Vorlage des ersten BVG-Entwurfs 1952 (vgl. 1952,d.Vf.) streikten in

der Bundesrepublik über zwei Millionen Kollegen gegen das reaktionäre

Adenauer-Gesetz. Der BVG-Entwurf von Arendt bringt nicht viel anderes: Alles

zur Sicherung des 'Betriebsfriedens', alles gegen die Kampfkraft der

Arbeiter. Da die Gewerkschaftsspitze heute fest in der Hand der SPD ist, kann

die SPD diesen Spitzen auch ein paar mehr 'Rechte' geben, denn sie kann

sicher sein, daß die Gewerkschaftsbonzen diese 'Rechte' nur in eine Richtung

gebrauchen werden - in Richtung gegen die Kommunisten, in Richtung gegen den

Klassenkampf, in Richtung auf den Burgfrieden mit den Kapitalisten.



Was tun gegen diesen erneuten Angriff der Kapitalisten und ihrer Regierung?



Nur die Einheit der Arbeiterklasse kann den Kampf erfolgreich führen. Wir

brauchen eine starke Arbeiterorganisation mit Betriebsgruppen in allen

Großbetrieben, mit einer zentralen Leitung, die alle Erfahrungen der

Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiterklasse, alle Kampferfahrungen

zusammenfaßt und so die Ausrichtung des gemeinsamen Kampfes angibt.



Die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten hat inzwischen

über 40 Betriebsgruppen in der Bundesrepublik aufgebaut. Alle geben

Betriebszeitungen heraus, einheitlich angeleitet vom Zentralbüro der KPD/ML.

Zehntausende von Kollegen lesen unser Zentralorgan, die ROTE FAHNE. Gemeinsam

führen wir den Kampf gegen die arbeiterfeindliche SPD-Regierung und die

anderen Parteien des Kapitals, gegen die rechten Gewerkschaftsführer, gegen

die Verräter des Kommunismus in der D'K'P (DKP,d.Vf.).



Gemeinsam werden wir das neue BVG bekämpfen - sind wir auch noch nicht so

stark organisiert, um es vom Tisch zu fegen, so werden wir doch jede

Auswirkung dieses Unterdrückungsgesetzes allen Kollegen entlarven, den

gemeinsamen Abwehrkampf in allen Betrieben aufnehmen.



Kollegen!



Unterstützt die Betriebsgruppe der KPD/ML! Berichtet uns über jeden Angriff

der Opel-Kapitalisten und ihrer Handlanger im Betrieb. Macht Vorschläge für

unsere Betriebszeitung. Schreibt uns Kritik, wenn wir Fehler machen.

Benachrichtigt uns, wenn ihr in persönlichen Gesprächen mit einem Genossen

genauer über unsere Arbeit informiert werden wollt oder Informationsmaterial

über die KPD/ML wünscht.



ORGANISIEREN WIR UNS IN DER BETRIEBSGRUPPE OPEL DER KPD/ML!"



Berichtet wird auch von der bundesweiten Antifademonstration (vgl. 17.1.1971)

und der Verkauf (vgl. 25.1.1971) der eigenen 'Roten Fahne' (RF - vgl.

18.1.1971) angekündigt.

=Die Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971



23.01.1971: 

In dem Papier "Für die Einheit aller Marxisten-Leninisten in der KPD/ML"

geben "Mitglieder und Sympathisanten aus Bochumer Betriebsgruppen ... der

Gruppe Rote Fahne/Bochum (KPD/ML-ZB) und ihrer Jugendorganisation KJVD"

bekannt, daß sie aus beiden Organisationen austreten.

Tätig sind diese vermutlich auch im IGM-Bereich bei Opel (vgl. 15.5.1971).

Die KPD/ML-ZB wird in diesem Papier u.a. als "spalterisch" bezeichnet.

Die Genossen streben eine Mitarbeit in der "Roten Garde, den Roten

Betriebsgruppen und dem KSB/ML" an.

Die KGB/E bezeichnet diese Gruppe als Neuezristen. Dies tut ebenfalls Peter

Weinfurth, der ihren Austritt allerdings bereits auf Nov. 1970 legt.

=Beiträge zur revolutionären Theorie Nr.13,Bochum 1981,S.122;

Zündkerze Extra Notwendiger Kampf oder prinzipienlose Spaltung?,Bochum o.J.

(1971),S.7;

Für die Einheit aller Marxisten-Leninisten in der KPD/ML,Bochum 1971,S.1f



25.01.1971: 

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl. 22.1.1971) kündigte für

diese Woche den Verkauf der 'Roten Fahne' (RF) Nr.1 (vgl. 18.1.1971) vor den

Toren an. Im Zusammenhang mit einem Bericht über die bundesweite Antifa-

Demonstration (vgl. 17.1.1971) heißt es dazu:"

Kollegen,

wenn ihr immer informiert sein wollt, wie die Faschisten in der

Bundesrepublik sich immer mehr ausbreiten, wie sie von den Kapitalisten

bezahlt und von der SPD-Regierung gefördert werden, wenn ihr laufend wissen

wollt, welche Pläne die SPD-Regierung mit ihren Gewerkschaftsbonzen gegen die

Arbeiterklasse schmiedet, dann lest die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der

KPD/Ml. Sie erscheint regelmäßig alle 14 Tage. Sie wird in der gesamten

Bundesrepublik vor zahlreichen Großbetrieben verkauft (für 30 Pfennig). Auch

bei Opel wird sie vor den Toren verkauft, doch das klappt nicht immer. Die

Verkäufer werden vom Werksschutz behindert, denn die Zeitung paßt den

Kapitalisten natürlich nicht in den Plan. Auch am Tor 1 zum Beispiel (am

Opel-Ring) läßt sich die Zeitung schwer verkaufen, weil die Kollegen mit

ihren Autos meist ziemlich schnell auf den Parkplatz fahren. Und dort ist

dann wieder das Reich des Werkschutzes. Wenn ihr die ROTE FAHNE auf jeden

Fall jedesmal bekommen wollt, könnt ihr sie abonnieren: KPD/ML 463 Bochum,

Goldhammerstraße 1. Die ROTE FAHNE kostet 7,80 DM im Jahr."

=Die Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971,S.8



27.01.1971: 

Frühestens heute gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK bei

Opel Bochum die 22-seitige Nr.6 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 17.12.1970, 9.2.1971)

mit einem Leitartikel zur Betriebsversammlung (vgl. 18.12.1970) heraus.

Eingegangen wird auch auf die Kurzarbeit 1966 (vgl. 5.12.1966), eine

Betriebsversammlung am 5.4.1966 sowie die Urabstimmung in der MTR (vgl.

30.10.1970) in NRW und bei Opel.



In einem Artikel geht es um :"

DIE SORGEN UND FREUDEN DER OPEL-BOSSE



Durch mysteriöse Umstände bekam die 'Zündkerze' eines Brief eines Herrn M.

(Mason,d.Vf.) an seinen Nachfolger C. (Cunningham,d.Vf.) in die Hände. Wir

drucken ihn hier ab.



'Lieber Freund!

Sie haben mich um Rat in ihrer schwierigen Situation gebeten. Lassen sie sich

von den Forderungen ihrer Leute nach besseren Arbeitsbedingungen nicht

einschüchtern. Ruhig Blut, Freund! Machen sie bloß keine großen

Zugeständnisse. Je besser es den Burschen geht, desto frecher werden sie. Und

denken sie immer daran: jeder Pfennig geht von unserem Profit ab! Erst wenn

der wirklich gefährdet ist, lohnt sich ein kleines Zugeständnis. Kurzhalten

und arbeiten lassen - das war immer unsere Parole. Und sie wissen ja, daß wir

damit immerhin die höchsten Profite scheffeln. Letztes Jahr 522 DM Reingewinn

pro Auto! Man muß eben wissen, wie man die Leute an die Arbeit kriegt und

verschiedene Mittel anwendet. Ich will ihnen nur drei Beispiele nennen:



ERSTENS DIE TOILETTEN



Dahin verdrücken sich die Leute ja gern. Stundenlang hocken sie da, rauchen,

quatschen und lassen sich auch noch dafür bezahlen. Und je besser die Klos

sind, desto mehr sitzen sie da und bemalen die Wände. Proletenhände

beschmieren Tisch und Wände.

Das erste Mittel gegen diesen Unfug ist ungenügende Reinigung. Proletenklos

dürfen nicht zu oft gereinigt werden. Sie müssen immer dreckig sein und

möglichst penetrant stinken. Das treibt zur Arbeit! (Kollegen die Zündkerze

verteilt Anti-Gestank-Nasenklammern. Schreibt uns nach Bedarf,d.R.)

Weiterhin darf an Proleten-Pißbecken nie Dauerspülung sein. So wird ebenfalls

ein schöner Geruch erzeugt. Eine besonders gute Idee hatten wir im Preßwerk:

da kommt bei den Hochtoiletten das Spülwasser aus der allgemeinen

Versorgungsleitung, deren Druck bei weitem nicht ausreicht. So verstopfen die

Toiletten ständig.



Sehen Sie, solche Mittel sind wirklich prächtig: einerseits sparen sie uns

unnötige Geldausgaben, andererseits tragen sie zur Arbeitsdisziplin bei. Man

sollte auf dem Gebiet noch viel mehr Phantasie entwickeln!

Sorgen haben wir trotzdem immer gehabt: die Leute versuchen immer wieder, die

Bandpausen zu verlängern. Sie behaupten doch frechweg, 7 Minuten würden nicht

ausreichen. Ja wir haben sogar den Betriebsrat W. (Wischnewski,d.Vf.), der

schon in der Küche die Würstchen gemessen hat, mit der Untersuchung der

notwendigen Pausenlänge beauftragt. Vielleicht werden wir demnächst

Stechuhren an den Toiletten anbringen. Denn die Einhaltung der 7 Minuten ist

schon wegen der ständig steigenden Belegschaftszahl eine unbedingte

Notwendigkeit!

Die Leute sollen sich ruhig beschweren. Bei uns werden sie nach den beiden

Streiks immer aufsässiger. Das macht aber nichts, denn wir haben ja den

Betriebsrat! Die Bedeutung dieser Einrichtung darf nicht unterschätzt werden!

Denn 18 000 Arbeitern das Maul zu stopfen ist unvergleichlich teurer, als den

Betriebsrat zufriedenzustellen. Hier und da mal auf die Schulter klopfen,

gewisse materielle Vergünstigungen, eine Luxustoilette mit Extra-Komfort - da

überlegt er schon, ob er alles leichtfertig aufs Spiel setzt!

Z.B. unser Herr S. (*************,d.Vf.) war da immer sehr vernünftig. Schon

mehrere Male wurde er zur Toilettenbesichtigung ins Preßwerk gerufen. Doch

wie prächtig hat er es verstanden, sowohl alles beim Alten zu lassen, als

auch Ruhe und Ordnung herzustellen!



ZWEITENS DIE SPÜLMASCHINE IN D3



Hier hat unser Betriebsrat sich selbst übertroffen. Die Küchenfrauen sind in

der letzten Zeit so unruhig. Irgendwie ist denen wohl allen der Streik in den

Kopf gestiegen. So war doch auf der letzten BV eine von denen oben und hat

sich über die Spülmaschine beschwert! Seit einem halben Jahr sei kein

Betriebsrat mehr in der Küche gewesen. Nun muß ich erst mal feststellen, daß

in der Küche wirklich aufopferungsvoll gearbeitet wird. Die Frauen geben sich

- ebenso wie die Putzfrauen - mit dem niedrigsten Lohn zufrieden, arbeiten

bis zur Ohnmacht und schaffen ihre Arbeit immer. So soll es auch bleiben.

Eine größere Spülmaschine ist also eine völlig unnötige Geldausgabe. Doch

jetzt meckern die Frauen.

Herr Perschke ist mit dieser komplizierten Situation wirklich großartig

fertig geworden. Wie glaubhaft er auf der BV versicherte: 'Das ist eine

Schweinerei!' Jeder mußte denken, daß jetzt Himmel und Erde in Bewegung

gesetzt würden, bis die größere Spülmaschine da ist. Doch unser Perschke weiß

schon, wem er verpflichtet ist. So ist alles beim Alten und die Meckerei hat

erst mal aufgehört.

Da sieht man doch, was die Bemühungen um den Betriebsrat wert sind!



DRITTENS DIE KANTINEN



Da gärt es schon lange. Die Leute sind unzufrieden, weil es zu wenig Kantinen

gibt, weil die Wechsler nicht funktionieren und die Automaten nur

unregelmäßig gefüllt werden. Man könnte das alles natürlich verbessern. So

könnten wir z.B. in der Mitte des Preßwerks noch eine Kantine aufstellen.

Doch erstens kriegen wir auch ohne Kantinen unsere Profite, und zweitens muß

man solche kleinen Zugeständnisse im rechten Moment machen, um größere zu

verhindern. Gerade bei solchen Problemen ist unser Betriebsrat schwer in

Ordnung. Ohne ihn und seine Beruhigungspolitik wäre vielleicht schon der

Teufel los! Die Leute beschweren sich laufend bei ihm und reagieren sich

anscheinend dabei ab! Er versteht es einwandfrei, ihnen immer wieder Hoffnung

zu machen und sie zu vertrösten.

Lieber Freund, Sie sehen, bei uns steht alles zum Besten! Entwickeln auch Sie

Phantasie. Treiben sie die Leute an, wo es nur geht. Und bloß kein Mitleid

haben! Wenn sie ihre Profite steigern wollen, müssen sie hart durchgreifen,

und auch bei den kleinsten Dingen knausern.

Besonders hart müssen Sie bei den Kommunisten sein. Die sind eigentlich

unsere größte Sorge. In ihrem Schmutzblatt, der sog. ZÜNDKERZE, wiegeln diese

Schmierfinken sogar gegen den Betriebsrat auf. Gegen die Kapitalisten sind ja

viele. Die fangen den Unmut der Arbeiter auf, das ist uns ganz recht. Die

untergraben die Gewerkschaft und den Betriebsrat und sind deshalb nicht

besonders gefährlich. Die Zündkerze jedoch rührt immer wieder in unserer

guten Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat herum und bringt die Leute noch

dazu, daß sie sich selbst organisieren! Wir stehen da vor einem Giftpilz, der

sich rapide ausbreitet, und wären für jeden Rat dankbar! Eine ganz gute Idee

hatten einige V-Leute: die haben die Verteiler des Schmierblattes einfach

verprügelt. Aber letzten Endes ging der Schuß nach hinten los, denn die

Sympathie für die Schmutzfinken ist nur gewachsen. So tobte z.B. die ganze

letzte BV, als unser lieber Kollege... gegen die Zündkerze sprach. Doch genug

davon, im Notfall unterstützt uns ja auch die Regierung mit ihrer

Gesetzgebung, und auch die SPD weiß, wem sie verpflichtet ist. Da werden wir

mit dem Gift schon fertig werden! Nun wünsche ich Ihnen eine positive

Entwicklung in Ihrem Betrieb, halten Sie sich an unsere Ratschläge und

berichten Sie bald über den Erfolg!"



Enthalten ist wiederum das "Rote Rätsel" sowie eine Karikatur über die

Gewerkschaften, mit einer Vorderseite aus einem Arbeiter mit übergroßer Faust

und einer Fahne, auf der 'Kampf!' steht sowie einer Rückseite, die ihn als

Pappkameraden entlarvt.



In den Leserbriefen berichtet ein Spanier vom 15.1.1971 (vgl. dort) und es

wird eingegangen auf das Weihnachtsgeld (vgl. 10.12.1970) und die

Veränderungen im neuen Jahr (vgl. 1.1.1971). In einem weiteren Leserbrief

heißt es:"

In der ZK müssen auch des öfteren Artikel an Ehefrauen erscheinen, weil

Kollegen die Zeitung zu Hause durchlesen und weil viele Frauen ihre Männer

stark beeinflussen: 'lieber nicht streiken, sonst stimmt die Haushaltskasse

nicht mehr...' usw."

Ebenfalls als Leserbrief erscheint eine Karikatur, in der aus einem Arbeiter

Profit herausgewrungen wird durch zwei Hände, die mit 'Opel' bzw.

'Betriebsrat' beschriftet sind, wozu der Text 'So langsam drehen wir

durch...' gehört.



Aus Betrieb und Gewerkschaft wird u.a. berichtet über einen "Lohnräuber"

besonderer Art, den Blockbetriebsrat Kellermann (CDU):"

Seit einiger Zeit ist ihm von den Kollegen im Reifenlager gesagt worden, er

möchte einmal die Lohn- und Akkordkommission mobilisieren. Bisher vergebens.

Denn jene Kollegen aus dem Reifenlager sind folgender Meinung:

Wenn die Kollegen am Reifenband in der D5 Akkordlohn bekommen, die nur die

ankommenden Reifen und Scheibenräder bzw. Felgen so montieren, wie sie

anrollen, stände ihnen im Reifenkeller, die die Reifen auflegen, gleichfalls

Akkordlohn zu. Denn im Keller sei es nicht nur mit dem Auflegen allein getan,

sondern sie müßten noch unterscheiden zwischen über zwanzig Sorten Felgen

bzw. Scheibenräder und über siebzig Sorten Reifen.

Hinzu kommen für jene Kollegen zur jetzigen Jahreszeit erhöhte Arzneikosten,

da sie Zugluft ausgesetzt sind.

Eine entsprechende Bitte für ein Warmluftgebläse an ihrem Rolltor ist der

Lohnräuber Kellermann bis zur Stunde nicht nachgekommen.

(Anmerkung der Redaktion: das Gebläse ist eine Investition, die von

Rüsselsheim genehmigt werden muß. Ergebnis: ABGELEHNT!)



Fazit dieser Reportage: Das Vertrauensverhältnis zu bestimmten

Betriebsratsmitgliedern ist schnellstens zu überprüfen."



In einer Meldung wird festgestellt:"

GANZ SCHÖN KRANK



Für jeden im vergangenen Jahr nicht benutzten Krankenschein zahlt die BKK

(Betriebskrankenkasse,d.Vf.) der Adam Opel AG 10 DM aus, d.h. 10 Mark für

große Mengen eingesparter Arznei usw. Die Auszahlung dieser 10 DM handhabt

die BKK aber nicht so, wie anderswo üblich, nämlich Auszahlung in bar.

Nicht aber so die BKK. Sie kassiert den oder die Krankenscheine und wickelt

die Rückzahlung über den Lohnweg ab (Konto), worüber bis zu 4 Wochen bis zur

Erstattung vergehen.

Noch ein Beispiel:

Wer über den Jahreswechsel in ärztlicher Behandlung war und nach den

Feiertagen zur BKK kam, um den ersten Schein für 1971 abzuholen, mußte

unverrichteter Dinge wieder umkehren, weil angeblich bereits die

Krankenscheine per Post überwiesen seien (3 773,60 DM Porto für 18 868

Beschäftigte! Ohne Kosten für Umschläge und Arbeitszeit!).

So mußten viele Kolleginnen und Kollegen wenige Tage vor dem Lohntag sich

irgendwo Geld leihen, um das obligatorische Pfand für die Behandlung

entrichten zu können. (Daß es anders geht, beweisen die AOK Dortmund und die

Ersatzkassen).

Zur Arbeitszeit (s.o.) noch eine Information:

Angeblich soll die Betriebsfeuerwehr in ihren Mußestunden die Krankenscheine

eingetütet haben, wie die Tütenkleber im Knast."



Berichtet wird auch von der IHK Essen (vgl. 1.1.1971) und in einem weiteren

Artikel heißt es:"

DER KAMPF DER GEWERKSCHAFT - UM IHREN PROFIT



Mit Freuden dürfen wir immer wieder feststellen, wie die Gewerkschaften uns

vorrechnen, was für Profite die Konzerne machen. Wenn sie dies tun, legen sie

immer wieder großen Wert auf die Feststellung, daß sie ja 'nur

Arbeitnehmerorganisation' wären.

Doch die Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß dies nur Ablenkungsmanöver

sind: gehören doch die Gewerkschaften inzwischen selbst zu den größten

Kapitalisten in diesem Staat; also handeln sie auch dementsprechend... und

sprechen am wenigsten von den eigenen Profiten.

Eines ihrer Unternehmen, 'die Neue Heimat' (NH,d.Vf.)

(Wohnungsbaugesellschaft) ist äußerst lukrativ. Sie baut Wohnungen für

Arbeiter, aber kassiert Mieten wie ein Groß-Kapitalist. Nun, was macht sie

mit dem vielen Geld...?

Die Gewerkschaft ('Neue Heimat') baut zur Abwechslung Luxusvillen und Hotels

für die urlaubshungrigen und abgespannten Bosse. Aber da es sich um Bosse

handelt, sollen sie sich auch in der Freizeit entsprechend beschäftigen. Also

baut die Gewerkschaft in Monaco eine eigene Spielbank in ihr Riesenhotel ein.

Nun inzwischen ist die Gewerkschaft ('Neue Heimat') mit unserem Startkapital

eine internationale Wohnungsbaugesellschaft geworden, mit einer Bilanzsumme

von 9 Milliarden DM, die nicht mehr nur auf eigene Kosten (UNSERE KOSTEN),

sondern im Auftrage ausländischer Kapitalisten baut, in Lateinamerika, Asien,

Afrika, in Italien, Frankreich, den USA, usw. usf.



Jeder von uns kennt die Bilder der Elendsviertel in Lateinamerika. Ihre

Bewohner werden allerdings nicht in die Luxuswohnungen der 'Neuen Heimat'

umziehen. Von einer Monatsmiete eines solchen Appartements müssen sie ein

ganzes Jahr existieren.

Wer wird dort also einziehen: die schmarotzenden Cliquen und die dortigen

Gewerkschaftsbosse, die gegenseitig gut für einander sorgen.

Oder welcher französische Kollege wird sich in Cannes ein Luxus-Appartement

leisten können?

Die billigen Arbeitskräfte südlich des Äquators garantieren höhere Profite.

An diesen Futtertrog des Groß-Kapitals arbeitet sich nun auch die

Gewerkschaft systematisch heran, z.B. über Aufsichtsräte von

Tochtergesellschaften der 'Neuen Heimat'.



Wenn Lenin sagte, der Imperialismus sauge diese Länder aus und schaffe sich

dort Extra-Profite zusätzlich über die Profite, die aus seinen eigenen

Arbeitern herausgepreßt werden, so gilt dies heute immer noch.

Nur mit einer Erweiterung: die Gewerkschaften beteiligen sich heute selbst an

der Ausplünderung dieser Länder - und das Firmenschild 'DGB' erleichtert

dies. Haben doch nicht nur bei uns die Arbeiter Illusionen über den DGB.

Diejenigen, die meinen, man könne DIESE bestehenden Gewerkschaften wieder zu

Kampforganisationen für die Arbeiter machen, sollen sich nicht wundern, wenn

sie sich 'kämpfend' im gewerkschaftseigenen Spielkasino von Monaco

wiederfinden!"



In einem Kasten heißt es:"

NOCH ETWAS ÜBER 'VERMÖGENSBILDUNG':



Wir haben mal versucht, auszurechnen, was die Kollegen von Opel der IG Metall

an Beiträgen zahlen:

Angenommen 10 000 Kollegen sind in der IGM. Bei durchschnittlich 10 DM

Beitrag sind das im Monat 100 000 DM. Und im Jahr 1 200 000 DM bei Opel! An

Streikgeldern sind bis jetzt nicht mehr als 0,00 DM abgegangen. Was an

Krankengeld gezahlt wird, ist auch minimal. Denn man kriegt ja erst

Unterstützung von der IGM, wenn man über 6 Wochen krank ist - 10 DM pro

Woche. Wenn man's sich so überlegt... das ist wohl die Vermögensbildung, die

die IGM propagiert ???"



Zum nächsten Artikel heißt es"

ZUR DISKUSSION GESTELLT:



Wie schon in den letzten Ausgaben der 'Zündkerze' angekündigt, beginnen wir

hier mit einer Artikelserie, die sich speziell mit Aufgaben und Zielen der

Gewerkschaften beschäftigt. Die folgenden Ausführungen sind als allgemeine

Einleitung in diese Problematik gedacht.



FÜR EINE REVOLUTIONÄRE BETRIEBS- UND GEWERKSCHAFTSPOLITIK



Die Frage 'Gewerkschaften für wen? Für uns oder unsere Gegner?!' ist brennend

aktuell. Wieder einmal ist es soweit, daß eine größere Krise (oder

'vornehmer' a la Schiller ausgedrückt: eine Rezession) bevorsteht. Ihre

Anzeichen sind inzwischen nicht nur in der Autozulieferindustrie spürbar,

sondern auch bald bei uns. Anfang Januar gab der Präsident des Verbandes der

Automobilindustrie (VdA), Dr. J.H. von Brunn, dem Deutschlandfunk ein

Interview. Fazit: Er hoffe zwar, daß es nicht zu Kurzarbeit kommen werde,

aber es sei 'ganz nützlich, wenn eine Normalisierung eintrete.'



Der ganze Zirkus wird also wieder von vorne losgehen, z.B. für die Kollegen

von den Stahlwerken Bochum (SWB,d.Vf.). 1966/67 wurden viele entlassen,

einige davon gingen zu Opel, wo sie kurz darauf wieder gefeuert wurden. Und

heute?! Die Stahlwerke entlassen wieder, wenn auch vorerst 'zur Beruhigung

nur in kleinem Umfang.'



Allein von uns allerdings wird es abhängen, was mit uns in der Krise

geschieht. Ob wir Kurzarbeit, Lohnkürzungen, Entlassungen, Stempeln usw. wie

1966/67 hinnehmen wollen oder ob wir so reagieren werden wie 1969/70 in der

'überhitzten Konjunktur': mit Kampfmaßnahmen !!



Aus unseren letzten Streiks läßt sich eine wesentliche Lehre ziehen; es ist

für uns alle von entscheidender Bedeutung, daß wichtige Fragen geklärt

werden, wollen wir nicht ins offene Messer rennen. Vor allem eine Frage ist

dabei zentral; Wer wird auf unserer Seite stehen, auf wen können wir rechnen,

wenn es darum geht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen?



Werden IGM und DGB auf unserer Seite stehen? Wir von der 'Zündkerze' brauchen

darauf die Antwort nicht zu geben. Diese haben IGM und DGB in den Jahren

ihres Bestehens selbst gegeben. Und erst in letzter Vergangenheit haben sie

wieder einmal klar geantwortet: Das Tarif-Verhandlungstamtam ist zu unseren

Ungunsten ausgegangen. Nicht die Effektivlöhne sind tariflich gesichert und

erhöht worden, sondern die Tariflöhne. Das zahlt sich jetzt bereits aus.

Überall wo Kurzarbeit schon gemacht wird, geht eine Kürzung der Effektivlöhne

einher. Wer allerdings von uns kann heute von nackten Tariflöhnen leben?

Keiner! Die reichen kaum für Miete, Fahrgeld usw.



Und was sagen sie zur Krise? Sie fallen ein in das SPD-Gerede, das uns weis

machen soll, eine Krise käme nicht. Doch Vetter vom DGB, der uns Sand in die

Augen streuen möchte, gab in einem Interview den Konzernbossen deutlich zu

verstehen, daß der DGB im Falle einer 'Rezession' die Wirtschaft nicht

antasten werde. Mit anderen Worten: Der Profit ist ihm heilig, unsere

Lohntüten sind durchaus antastbar. Und warum sprach er von Krise, wo es doch

bekanntlich keinen Rauch ohne Feuer gibt?!



Das Geschäft, was das DGB- und IGM-Beamtentum hier übernommen hat, ist so

schmutzig, wie jedes Geschäft in diesem Staat, in dieser Gesellschaft. Am

Ende kommt immer dabei heraus, daß nur die Arbeiter die Gelackmeierten sind.

So wie in der Bergbaukrise, als die Zecheninhaber Stillegungsprämien

kassierten und der Kumpel stempeln ging. Die Geschäftsregeln sind einfach:

Die Gewerkschaftsbeamten sorgen für 'Ruhe und Ordnung' in der Arbeiterschaft,

die Kapitalisten zeigen sich erkenntlich und schaffen ihnen neue

Aufstiegsmöglichkeiten, während sie die alten nicht antasten. Nach außen hin

gibt man sich dann als 'erbitterter Gegner des anderen'.

Und dieses Geschäft zu unseren Lasten sollen wir unbeantwortet hinnehmen,

sollen für weitere 'Geschäftsinvestitionen' noch mehr Steuern und noch mehr

Mitgliedsbeiträge zahlen?!

Daß wir dazu nicht mehr bereit sind, haben wir im Herbst 1970 klargestellt.

Doch wenn wirklich etwas erreichen wollen, ist zweierlei notwendig:



Erstens Einheit in den eigenen Reihen und zweitens, daß wir unsere wahren

Freunde ausfindig machen und erkennen. Nicht jeder, der uns 'Patentrezepte'

anbietet, hilft uns auch.



Hat nun aber die Gewerkschaft unsere Reihen tatkräftig geeint? Nein! Sie hat

nicht nur bis 1956 systematisch die roten Kollegen hinausgesäubert, sie hat

auch die kampfbereiten linken Sozialdemokraten in Zusammenarbeit mit

amerikanischem Geheimdienst und Bundesverfassungsschutz gefeuert. Der Fall

des Kollegen Agartz dürfte einigen noch bekannt sein. DGB-Vorsitzender

Freitag tanzte, als Adenauer aufspielte. 'Aber jetzt haben wir eine SPD-

Regierung!' werden einige Kollegen sagen. 'In der Tat, aber hat sich etwas

geändert?' fragen wir. So wie Mitte der 50er Jahre Agartz und viele andere

gefeuert wurden, so wurde 1969 Kollege Schütter in Bremen (bei Klöckner -

IGM-Bereich - vgl. **.**.1969,d.Vf.) geschaßt wie viele andere mehr.



Und was unternimmt die Gewerkschaft gegen die Spaltungsversuche der

Kapitalisten? Nichts! Noch immer dürfen Meister ungeschoren die für

'Sonderzulagen' notieren, die am besten Radfahren können, noch immer gibt es

Lohngruppenunterschiede, die weibliche und junge Kollegen als Menschen

dritter Klasse abstempeln.



'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' war schon zu Großvaters Zeiten die Parole,

aber getan dagegen haben weder ADGB der 20er Jahre noch 'unser' DGB etwas.

Und der 8-Stundentag!

Hat es den jemals real gegeben?!

In Zeiten übermäßigen Profits dürfen wir uns 10 und mehr Stunden dumm und

dusselig abarbeiten, in Krisenzeiten haben wir den 5-Stundentag,

vorausgesetzt, wir haben Glück.



Wenn wir Einheit erreichen wollen, so können wir die nur in die eigenen Hände

nehmen. Die Streiks haben gezeigt, daß dies Erfolg hat, wenn es konsequent

durchgehalten wird. Und haben uns diese Streiks nicht ein wenig von dem

Bewußtsein unserer eigentlichen Macht erkennen lassen? Warum haben wir sonst

jeden, der für uns eintrat, mißtrauisch geprüft, ob er auch wirklich für uns

eintrat?

Von den Verteilern der 'ZK' kann dies jeder bestätigen, aber auch, daß keiner

der Kollegen handgreiflich geworden ist, trotz äußerst heftiger Diskussionen.

Und war trotzdem ein hitzköpfiger Kollege dabei, so gab es immer sofort

fortschrittliche Kollegen, die für uns eintraten und darauf hinwiesen, daß

diese Art von Auseinandersetzungen nur die Herren Mason, Cunningham und Co

erfreuen.

Zu einer grundsätzlich anderen Art der Auseinandersetzung griffen dann erst

die 'Kollegen' von den Schlägertrupps der IGM (vgl. 23.11.1970,d.Vf.). Warum?



Die Streiks hatten es vielen Kollegen wie Schuppen von den Augen fallen

lassen, welche Kluft uns von der Gewerkschaftsbürokratie trennt. Wenn diese

Kluft von uns erkannt wird und daraus Konsequenzen folgen, so läutet's in den

IGM-Büros Sturm. Könnten doch die Kollegen, die man bisher so schön schröpfen

konnte, den 'Linksextremisten' zulaufen. Also muß gespalten werden: den

Belegschaften kippt man tonnenweise Sand in die Augen, auf die 'Hetzer' wird

wie auf Aussätzige gezeigt, in der Hoffnung, daß die Arbeiter sich selbst

zerfleischen.

Aber dies lief nicht so glatt wie gewollt. Wenns darauf ankam, wurden nicht

die kommunistischen und kampfbereiten Kollegen ausgepfiffen, sondern die IGM-

Bonzen und ihre Helfershelfer, weil viele Kollegen spürten, daß diese in der

Tat 'von draußen' kommen, um uns zu beschwätzen. So wurde IGM-

Vorstandsmitglied Michels von den Kollegen des Bochumer Vereins (BV, Krupp -

vgl. **.**.1970,d.Vf.) niedergepfiffen, als er gegen klassenbewußte Kollegen

zu hetzen versuchte. Ihm wurde entgegengeschleudert, was er denn als Bonze

für sie übrighabe, während sich die roten Kollegen tatkräftig am Streik

beteiligten. Aber genauso bekam auch der Kollege eine Abfuhr, der das gleiche

unlängst auf einer Opel-BV (vgl. 18.12.1970,d.Vf.) versuchte.



Wie aber ist der Kampf in Zukunft zu führen? Welche Organe müssen zur

Vorbereitung und Durchführung geschaffen werden? Wie sind die Angriffe der

Kapitalisten und ihrer Helfershelfer abzuwehren?

Vor allem aber: Wie können wir die Einheit Schritt für Schritt in unseren

Reihen erreichen?

Dazu ist als Vorbemerkung zu sagen, daß die Auseinandersetzungen in unseren

Reihen so geführt werden müssen, daß sie uns zusammenbringen und nicht

spalten. Es hat keinen Sinn, sich die Köpfe einzuschlagen, während sich

unsere echten Gegner ins Fäustchen lachen. Das bedeutet aber nicht, daß wir

in Gefühlsduselei mimen und alles Prinzipielle beiseitelassen.



Unserer Ansicht nach tut folgendes Not: die Schaffung einer oppositionellen

revolutionären Bewegung gegen die BESTEHENDEN Gewerkschaften, wenn wir uns

nicht länger zu festgesetzten Preisen verkaufen wollen.

Wir von der Roten Opel-Betriebsgruppe haben dazu den ersten Schritt getan.

Wir sind der Meinung, daß dieses Unterfangen von Anfang an ein festes

Rückgrat haben muß. Sich nur auf die Arbeit in den bestehenden Gewerkschaften

zu verlassen, bedeutet die gleichen Fehler begehen, wie sie schon viele

ehrliche Kollegen vor uns gemacht haben. Das Ergebnis war immer, daß sie

ausgeschlossen wurden und dann nicht weiter wußten. Deshalb sagen wir, es muß

eine Organisation geben, wo wir unseren Kampf weiterführen können, auch wenn

wir durch unsere innergewerkschaftliche Arbeit gefeuert werden, eine

Organisation, die uns für diesen Kampf in der IGM als Hauptstütze dient.



Wenn die Gewerkschaft nicht bereit ist, einen Kampf aufzunehmen oder zu Ende

zu führen, so müssen wir diesem Streikbrechertum etwas entgegensetzen, aber

etwas aus unserer eigenen Mitte. Wir sind keine Antigewerkschaftler, wie uns

einige Bonzen hinstellen möchten. Wenn aber die Gewerkschaftsbeamten nicht

kämpfen wollen, so müssen wir ihnen zeigen, daß wir auch ohne sie können.

Ebensowenig wie wir alle auf die Kapitalisten letztlich angewiesen sind,

ebensowenig sind wir auf diese Beamtennaturen angewiesen. Beide können nicht

ohne uns, wir aber durchaus ohne sie.

Und es ist kein Wunder, wenn seit knapp 2 Jahren, nämlich seit Herbst 1969,

solche Gruppen wie die RBG in vielen Werken im Entstehen sind. Immer mehr

Kollegen kommen auf den Dreh, daß dies das Richtige ist und daß es wieder

revolutionäre Kommunisten gibt, die diese Wahrheit auszusprechen und zu

handeln bereit sind.



Kolleginnen und Kollegen!

Wie wir eingangs sagten, sollten diese Zeilen als Einführung dienen. Die

ganzen Probleme, die darin angesprochen wurden, müssen eingehend erörtert

werden. Wir werden daher in den nächsten Artikeln spezielle Probleme

aufgreifen, außerdem die Geschichte 'unserer' Gewerkschaften gründlich unter

die Lupe zu nehmen versuchen. Daß wir dabei auf Eure Mitarbeit angewiesen

sind, liegt auf der Hand. Wir bitten Euch daher, uns Erfahrungen usw.

mitzuteilen. Auch das scheinbar kleinste Detail kann von Wichtigkeit sein.

Und Ihr dürft uns glauben, daß uns an einer wirklichen Diskussion gelegen

ist. Mitteilungen usw. werden natürlich wie immer vertraulich behandelt!"



Der letzte Artikel, evt. z.T. aus dem 'Roten Anlasser' bei BMW München (vgl.

**.**.197*) übernommen, behandelt:"

SCHILLER'S SCHÖNSTES GEDICHT



In der Schule mußten wir Gedichte von Schiller auswendig lernen. Wir dachten,

das wäre vorbei - aber Pustekuchen!

Jetzt haben wir wieder einen Schiller (SPD,d.Vf.), der uns am Fernsehen und

in der Zeitung Gedichte vorträgt.

Schillers schönstes Gedicht, das muß man ihm lassen, ist die Darstellung der

kapitalistischen Wirtschaft als lustige Autofahrt: 'Gas geben, Kreuzung

frei!' sagte er 1968, und: 'Wir kriegen die Kurve!'

Später fand er, daß der Motor etwas heißgelaufen wäre und redete darauf etwas

von 'Bremsen!'



Der Zweck dieser Gedichte ist, wir sollen glauben, daß der Kapitalismus wie

ein Auto funktioniert, das man lenken kann, wie man will. Lustig sitzt am

Steuer unser Professor Schiller, gibt Gas, startet durch, bremst und kriegt

die Kurve nach Lust und Laune.

Aber abgesehen davon, daß Professoren normalerweise gar keine guten

Autofahrer sind, so ist der Kapitalismus schon mal lange kein Auto. Viel eher

könnte man ihn mit einem großen Bottich vergleichen, der ein Abflußrohr von

einer bestimmten Dicke hat. In den Bottich führen eine Menge Wasserhähne, die

von ebensoviel Wasserlieferanten bedient werden. Für Wasser, das unten

abfließen kann, bekommen sie Geld; für alles, was über den Rand fließt,

müssen sie blechen.

Wenn viel Platz im Bottich ist, werden die Wasserlieferanten alle ihren Hahn

voll aufdrehen. Bald kann der Abfluß nicht mehr alles schlucken, und das

Wasser fängt im Bottich an zu steigen. Gleichzeitig steigt das Risiko, daß

der Bottich überläuft. Und da keiner der Dumme sein will, der das Faß zum

Überlaufen gebracht hat, drehen alle Wasserlieferanten nacheinander die Hähne

wieder ab, bis der Spiegel sinkt.

Da aber jeder seinen Wasserhahn auf eigene Faust bedient, ohne sich um den

Zustand des Bottichs viel zu kümmern, kommt es dennoch vor, daß das Faß total

überschwappt, keiner mehr weiß, woran er ist und alles drunter und drüber

geht. So ähnlich ist es mit der kapitalistischen Wirtschaft, nur daß wir

Arbeiter in der Tretmühle stecken, mit der das Wasser hochgepumpt wird. Und

außerdem heißt das für uns, wenn die oben den Hahn zudrehen: zieht Leine,

seht zu, wo ihr unterkommt!

Die letzten beiden Jahre waren alle Hähne voll aufgedreht. Wir merkten das an

den Überstunden. Inzwischen ist es aber längst wieder so weit, daß der Abfluß

gar nicht mehr alles schlucken kann. Das Risiko des Überfließens nimmt zu, in

einigen Branchen passierte es schon, so in der Fernsehbranche, in der

Stahlproduktion, in der Porzellanindustrie und anderen Branchen. Dort hat man

die Hähne schon auf einen dünnen Strahl zurückgedreht. Für unsere Kolleginnen

und Kollegen bedeutet das Kurzarbeit!

Wann wird es bei uns, in der Automobilindustrie überlaufen? Die Exporte

laufen nicht mehr so recht; sie sanken 1970 um fast 5% gegenüber 1969 ab.

Wenn die gesamte Autoproduktion dennoch um 6% gestiegen ist, so liegt das an

der sehr starken Zunahme des Inland-Absatzes im ersten Halbjahr 1970. Aber

auch das hat sich geändert.

Kein Wunder! Zum zweitenmal innerhalb kurzer Zeit stiegen die Autopreise.

Aber das ist nicht alles: 1971 steigen außerdem die Haftpflicht, die

Benzinpreise, Öl, Reifen und fast alle Ersatzteile. SPD-

'Olympia'bürgermeister Vogel (von München in Bayern,d.Vf.) möchte außerdem

die Parkgebühren auf 50 Pfg. erhöhen. Das sind die rosigen Aussichten, die uns

die 'rosa' Politik der SPD eingebracht hat.

Es ist also kein Wunder, wenn auch die Autozuliefer-Industrie inzwischen

bereits Kurzarbeit meldet.

Das Gespenst der Krise kommt auch auf Opel zu. Neueste Anzeichen: die

Automobil-Hersteller haben die IAA zum Herbst abgesagt. Dazu kommt speziell

bei Opel noch eine weitere Gefahr. Die japanische Auto-Industrie. Sie ist der

Geheimtip der Kapitalisten; denn sie hat in den letzten Jahren einen

unglaublichen Aufschwung erlebt (1970 baute Japan 5,2 Millionen Einheiten,

gegenüber 3,8 Millionen in der BRD). Die Bosse von General Motors haben also

versucht, in Japan in's Geschäft zu kommen, so wie sie in Deutschland dank

Opel schon im Geschäft sind. Dabei scheinen sie jetzt einen entscheidenden

Erfolg erzielt zu haben: die Erlaubnis, in Japan ein Werk zu errichten. Wie

es heißt, wollen sie dort den 'Kadett' bauen. Das bedeutet natürlich eine

zusätzliche Belastung des Abflusses für Opel-Produkte.



Die 'ZÜNDKERZE'  stellt diese Tatsache nicht etwa deshalb fest, um 'schwarz

zu malen' oder 'mieszumachen', vielmehr deshalb, weil man beizeiten etwas tun

muß. Oder sollen wir uns wieder wie 1967 massenweise auf die Straße setzen

lassen? Haben wir in der Hochkonjunktur dafür geschuftet und geschwitzt? 1971

ist nicht 1967! Das sieht man nicht nur daran, daß es damals keine

'ZÜNDKERZE' gab. Vor 1967 war bei Opel noch nie gestreikt worden. Heute

wissen wir genau, daß wir etwas unternehmen können, weil wir es schon

ausprobiert haben.



Natürlich taucht da sofort die Frage der Gewerkschaften und des Betriebsrates

auf. Hier dürfte das Ergebnis der Urabstimmung (vgl. 30.10.1970,d.Vf.) (86%

gegen den Kompromiß der Gewerkschaften) sowie die Massenaustritte aus der IGM

(...) Bände sprechen. Viele Kollegen haben den Gewerkschaftsapparat als

Fünfte Kolonne des Kapitals durchschaut. Aber das ändert nichts an unserer

Ohnmacht. Warum kam während des Streiks kein Streikrat zustande?

Was tun? Es gibt ein Mittel: mitmachen bei der RBG! Wenn ihr Artikel in der

'ZK' gut oder schlecht findet, schreibt uns oder schreibt selbst Artikel.

Oder wenn ihr selbst Artikel schreiben möchtet und mit den Leuten reden

wollt, die sowas schreiben, wendet Euch an uns! Die RBG braucht Kollegen aus

allen Abteilungen, je mehr, desto schlechter für den Ermittlungsdienst, der

dadurch nicht mehr durchblickt.

Kollegen!

Es gibt eine Krankenversicherung und eine Lebensversicherung, für die ihr

viel Geld bezahlen müßt. Eine Arbeitsplatzversicherung gibt es im

Kapitalismus nicht. Die hättet ihr nur im Sozialismus, aber den können wir

nicht bis morgen erreichen. Eine Arbeitsplatzversicherung für heute ist nur

unsere gemeinsame Bereitschaft, auf Entlassungen mit Kampfmaßnahmen zu

reagieren. Das muß organisiert werden. Die IGM wird das nie und nimmermehr

tun. Der beste Beitrag zur Arbeitsplatzversicherung ist die RBG!

(Wir behandeln neue Kontakte mit absoluter Diskretion!)"



Gefragt wird:"

WER SUCHT MATERIAL ...



...zur Auseinandersetzung der Marxisten-Leninisten mit der revisionistischen

Entartung der 'K'Ps, besonders der KPdSU.

...über den Verrat der Gewerkschaften.



Wendet Euch bitte an unsere Kontaktadresse!"



Ebenfalls gefragt wird:"

WUSSTET IHR SCHON...



...daß Ihr einen Teil des Wahlkampfes von Nixon bezahlt habt?

Die reichste Familie der USA, die Familie Mellon, hat bei General Motors

Aktien im Werte von mindestens 20 Millionen Dollar. Bei der letzten Wahl

spendeten die Mellons für Nixon 125 000 Dollar.

Wieviel mögen wohl dabeigewesen sein, die man aus uns herausgepreßt hat?



...daß aus den Profiten, die aus uns bei Opel herausgeholt werden, die

Aggressionen der Amerikaner in Südostasien mitfinanziert werden?

General Motors ist z.B. an einigen 'wissenschaftlichen' Vereinigungen

beteiligt, die Untersuchungen darüber anstellen, wie die Völker Vietnams,

Laos', Kambodschas usw. am rationellsten ausgerottet werden können."



Aus dem 'Spiegel' Nr.3 vom 11.1.1971 werden Auszüge aus einem China-Artikel

veröffentlicht mit dem Kommentar:"

Auch der SPIEGEL kommt nicht länger drum herum:

Die Mao Tse Tung-Ideen sind auf dem Vormarsch!"



Für den 'Roten Morgen' (RM) wird so geworben:"

'Jeder hat das Recht eine Zeitung herauszugeben... Vorausgesetzt er hat eine

Million Dollar.' (Worte eines amerikanischen Kapitalisten)



Kolleginnen und Kollegen!



Ist dies bei uns anders? Sicherlich nicht!

Ob BILD, WAZ, Fernsehen oder Funk, KEINER bringt das, was der Arbeiter

braucht. Im Gegenteil!

Die wichtigsten Angelegenheiten werden verdreht, mit 'Fachausdrücken'

vernebelt, daß kaum jemand den wahren Sachverhalt erkennen kann. Kurz: es

wird geschrieben, gesprochen und gefilmt, so wie das Kapital es wünscht, nach

dem Motto:

...wir schlagen Schaum und seifen ein!

Und was steht für uns in den Gewerkschaftsorganen? Zwar wimmelt es darin von

Daten und  Zahlen, auch ein bißchen Porno darf schon sein. Aber wenn man

hinter diese Pappkameraden schaut, sieht man: sie dienen nur der

Spiegelfechterei. Die interessantesten Sachen fehlen.



Keine Informationen über Schmiergelder!

Zu den Verrätereien kein Kommentar!

Die rosarote Brille deckt alles zu!



Dagegen gibt es nur eins: weg mit allen grauen und rosaroten Schleiern!



LESEN WIR DIE KOMMUNISTISCHE PRESSE!



Helfen wir alle mit, unsere eigene Presse aufzubauen!

Eine Presse, die uns Betriebsinformationen gibt!

Eine Presse, die die großen und kleinen Sauereien der Bosse und Bonzen

aufdeckt! Aber vor allem:

Eine Presse, die uns praktisch hilft, auf unserer Seite steht und die

richtigen Perspektiven entwickelt.



Unsere Redakteure bekommen keine Schmiergelder. Auf kapitalistische Anzeigen

verzichten wir - aus einleuchtenden Gründen - unsere 'Finanziers' sind unsere

Leser. Ihr Geld stinkt nicht. Es ist hart erarbeitet!

DER ROTE MORGEN

Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten

(KPD/ML)

hat diese Aufgaben in Angriff genommen. - Doch wir wollen nicht bluffen. Noch

ist er schwach. Eine kommunistische Presse kann man nicht aus dem Hut

zaubern!

Der ROTE MORGEN ist angewiesen auf alle fortschrittliche Kollegen. Nur wenn

jeder von Euch mithilft, können wir die Aufgaben schaffen. Deshalb:

LEST DEN ROTEN MORGEN

Macht Verbesserungsvorschläge!

Schreibt ihm, was Euch auf den Nägeln brennt.

Die 'kleinste' Information ist wichtig!

Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt."



Auf der letzten Seite finden sich einige Witze:

- "Krisenwitz Nr.87b: Gruß vor der Krise 'Mahlzeit', Gruß in der Krise: 'Auch

noch da?', Gruß nach der Krise: 'Wieder da?'";

- "'Wo warst du denn so lange?', fragt der Meister einen Kollegen. 'Ich habe

gespeist.' 'Waaas hast Du?!' brüllt der Meister los, 'Merk Dir eins: die

Betriebsleitung speist, ich gehe essen und du frißt, klar?'";

- "Was ist der Unterscheid zwischen einem Gewerkschaftsführer und einem

Zuhälter? Keiner. Beide schicken andere anschaffen und kassieren selbst die

Beiträge.";

- "Fritzchen aus Rüsselsheim kommt vom ersten Schultag nach Hause. 'Was habt

ihr denn gelernt?' fragt die Mutter. 'Die Arbeitsordnung von Opel!'";

- "Krisenwitz Nr.44: Was ist der Unterschied zwischen Opel und einem

Gefängnis? - Im Gefängnis weiß man wenigstens vorher, wann man entlassen

wird!";

- "Die Lehrerin fragt: 'Wie groß sind die Gewerkschaften?' Fritzchen weiß es:

'1 Meter 75!' 'Wie kommst du denn darauf?' 'Mein Vater ist 1,90 - und der

sagt immer, daß ihm die jetzige Gewerkschaft bis zum Hals steht.'

Die Lehrerin ist entrüstet. Zur Strafe muß Fritzchen 100 mal schreiben: 'Die

Gewerkschaft ruft auch mich!'

Als die Mutter zu hause davon erfährt, denkt sie bei sich: 'Oh, das wird

Stunk geben, wenn Vater das liest!' Als der Vater von der Schicht kommt, geht

er zu Fritzchen ins Zimmer. Als er wieder herauskommt, kann er sich vor

Lachen kaum halten. Er lacht und lacht. Die Mutter, die doch ein Donnerwetter

erwartet hat, ist ganz überrascht. 'Was ist denn los?' fragt sie. 'Na,'

gluckst der Vater, 'solange Fritzchen ruft mit pf schreibt, ist's ja gut!'"

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971)



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Februar 1971: 

Die Nr.2 der 'Roten Fahne' des KAB/ML (vgl. Jan. 1971, März 1971) berichtet

u.a. von Opel Bochum.

=Rote Fahne Nr.2,Tübingen Feb. 1971



Februar 1971: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Februar ihren 'Roten Kadett'

Nr.2 (vgl. Jan. 1971, 30.4.1971) heraus.



Mit den vermutlich in dieser Ausgabe enthaltenen Aussagen zum Punktesystem

befaßt sich auch die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB (vgl. 29.3.1971).

=Roter Kadett Nr.2,Bochum o.J. (1971);

Die Presse Nr.3,Bochum Apr. 1971,S.5;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.9f



Februar 1971: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZB vermutlich im Februar ihre 'Presse'

Nr.2 (vgl. 22.1.1971, 29.3.1971) heraus, die uns bisher leider noch nicht

vorlag.

=Die Presse Nr.1 und 3,Bochum 22.1.1971 bzw. Apr. 1971



01.02.1971: 

Der AStA der Ruhr-Universität Bochum (RUB - vgl. 11.2.1971) berichtet von

den Fahrpreiserhöhungen bei der BOGESTRA (vgl. 28.1.1971, 16.2.1971) aus

dieser Woche über die ARP:"...

Da vereinzelte Aktionen und Resolutionen wenig Chancen auf Erfolg bieten kam

man überein, eine 'Aktion Roter Punkt' in Bochum, Wattenscheid und

Gelsenkirchen zu gründen, um das weitere Vorgehen besser koordinieren zu

können (Bisher haben sich angeschlossen: ... Jugendvertretung der Adam Opel AG.

..."

=Bochumer Studentenzeitung Nr.73,Bochum 11.2.1971,S.1



09.02.1971: 

Bei Opel Bochum gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK ein

zweiseitiges Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl. 27.1.1971, 22.3.1971) heraus:"

DIE LEISTUNGSBEURTEILUNG FÜR ZEITLÖHNER - EINE 'ERZIEHUNGS-BEIHILFE'



KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Auf der Rückseite findet ihr die neue Leistungsbeurteilung für Zeitlöhner,

wie sie nach dem Lohnrahmenabkommen aus dem April vorigen Jahres zwischen den

IG-Metall-Bonzen und den Metall-Herren gegen uns ausgehandelt worden sind.



Mit diesem Punktesystem sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

werden: einerseits soll es Opel die Profite sichern, um die es nicht mehr 'so

gut steht' wie im letzten Jahr, andererseits sollen wir wieder einmal

auseinanderdividiert werden.

Für Opel ist die Sache äußerst günstig. Die Opel-Herren wissen ganz genau,

daß wir uns auf dem Weg in eine 'Normalisierung' (zu deutsch: Krise)

befinden. Also muß der Profit mit allen Mitteln gesichert werden. Natürlich

bleibt dann solch ein Punktesystem auch hinterher noch in Kraft, wenn

Hochkonjunktur herrscht.

Durch die Streiks haben wir und die Kollegen anderer Betriebe bewiesen, daß

wir durchaus einheitlich handeln können. Und dies ist die größte Gefahr für

diese Herren. Natürlich konnten sie nicht OFFEN ein Prämiensystem für die

größten Radfahrer ausschreiben, vielmehr sollen alle daran beteiligt werden.

Das Verhalten des Einzelnen hängt voll und ganz von den Unteroffizieren und

Feldwebeln, nämlich den Meistern und Obermeistern bei Opel ab. Jeder von uns

soll sich um den besten Platz an der Sonne raufen - für die 'besten' gibts

dann 8 Punkte. Wer aber das Maul aufmacht, für den zücken dann unsere

Oberschulmeister in grün den Bleistift: 'Leistungsverhalten umständlich',

also eine 5 gleich 0 Punkte.

Dieser Knigge für Arbeiter soll uns vergessen lassen, daß nicht der Kollege

neben uns der Gegner ist, sondern die Herren von Opel und Co. Oder wie ein

Kollege sagte: 'Dieses System heißt für uns: PFLICHT AM ARBEITSPLATZ, KÜR

BEIM MEISTER!'



Doch wem haben wir letztlich diese Zensuren zu verdanken? Nicht den Opel-

Herren, sondern 'unseren' famosen Gewerkschaftsbeamten! Daß Opel alles gegen

uns unternehmen würde, ist einleuchtend. Wer aber meint, die Gewerkschaft sei

etwas besseres, der ist hier eines besseren belehrt worden. Gerade sie

trumpft mit den großen Worten von 'Einheit' auf, nennt offiziell und

inoffiziell Nicht-organisierte 'Schmarotzer' - aber was TUT sie? Anstatt

solch ein System kategorisch abzulehnen, tüftelt sie noch mit daran herum.

SIE ist es, die damit die Einheit zerstört, uns spaltet, die mithilft, den

'Weg nach oben' per Fahrrad und auf dem Rücken aller zu erstrampeln.



Warum sind die Unterlagen nicht öffentlich jedem zugänglich? Warum sind sie

erst für 'Eingeweihte' da? Wer von uns besitzt z.B. das Lohnrahmenabkommen

usw.?

Wer allerdings sich einmal die Mühe macht, die Paragraphen durchzusehen, dem

vergeht hören und sehen. Das Fazit ist immer: Verraten und verkauft hat man

uns da!



Deshalb: Kollegen, denkt daran, daß unsere Einheit im Streik auch hier

erhalten bleiben muß. Wir dürfen uns auf keinen Fall ins Bockshorn jagen

lassen und kirre machen lassen - von wem auch immer! Letztlich sitzen WIR am

längeren Hebel, wenn wir uns einig sind. Kämpfen wir gegen diese

'Erziehungsbeihilfe'! Entweder 8 Punkte für alle oder 0 Punkte für alle!



GEGEN ALLE SPALTUNGSVERSUCHE - UNSERE EINHEIT!



LEISTUNGSBEURTEILUNG

laut Lohnrahmenabkommen vom 15. April 1970 (Paragraph 9 Ziffer 4) ab 1. April

1971



A Arbeitsergebnis:    1. Leistungsverhalten: umständlich            0 Punkte

2.    "  noch nicht ganz zweckmäßig           2 Punkte

3.    "  zweckmäßig                           4 Punkte

4.    "  sehr zweckmäßig                      6 Punkte

5.    "  vorzüglich                           8 Punkte



B Arbeitsausführung:  6. Beanstandungen: viele                      0 Punkte

7.    "  noch häufig                          2 Punkte

8.    "  gelegentlich                         4 Punkte

9.    "  wenig                                6 Punkte

10.    "  nicht nennenswert                    8 Punkte



C Arbeitseinsatz:    11. einsetzbar: eng begrenzt                   0 Punkte

12.    "  begrenzt                             2 Punkte

13.    "  verschiedenartig                     4 Punkte

14.    "  vielseitig                           6 Punkte

15.    "  überall                              8 Punkte



D Arbeitssorgfalt:   16. Behandlung: unsachgemäß                    0 Punkte

17.    " noch nicht sachgemäß                  2 Punkte

18.    " sachgemäß                             4 Punkte

19.    " sorgfältig und bedacht                6 Punkte

20.    " vorbildlich                           8 Punkte



Gesetzlichen Anspruch nach diesem Tarifvertrag hat ein Arbeiter nur, wenn er

Mitglied der IGM ist.



Wie schon in anderen Betrieben geschehen (siehe Anweisung der Arbeitgeber-

Verbände) werden bestimmt auch bei Opel Meister und Obermeister von der

Betriebsleitung ausgearbeitete Richtlinien erhalten, in denen genau

vorgeschrieben ist, wie sie die 'Beurteilung' vorzunehmen haben."

=Zündkerze Extra,Bochum 9.2.1971



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13.02.1971: 

In der 'UZ' der DKP erscheint heute folgender Beitrag:"

UNSER SCHRITT ZUM NULLTARIF



Von Hans-Joachim Schönstedt, Sprecher der Jugendvertretung bei den Opel-

Werken Bochum (IGM-Bereich,d.Vf.)



Die BoGeStra (Bochum-Gesenkirchener Straßenbahn AG) will wieder einmal die

Fahrpreise erhöhen, um das Defizit von 7 Millionen Mark auszugleichen.



Darum fanden sich in Bochum 17 Organisationen, darunter die

Kreisjugendausschüsse (KJA,d.Vf.) des DGB und der ÖTV, die Jugendvertretungen

der Opel-Werke und der Stadtverwaltung, die SDAJ, die Jusos (der SPD,d.Vf.),

Schülermitverwaltungen (SMV,d.Vf.), die Allgemeinen Studentenausschüsse

(ASten,d.Vf.) verschiedener Hochschulen und die DKP zusammen, diskutierten

und wurden sich einig, eine 'Aktion Roter Punkt' zu bilden.



Inzwischen sind zwei Flugblätter an die Bochumer Bevölkerung herausgegeben

worden. In der Stadtverordnetensitzung wurde jedem Abgeordneten ein Flugblatt

überreicht. Das erste Gespräch fand mit der BoGeStra statt.



Neben Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft nahmen auch zwei Betriebsräte an

der Sitzung teil. Erstaunlich für mich war, daß Einigkeit in der Erkenntnis

bestand, daß Fahrpreiserhöhungen kein Mittel sein können, die

Nahverkehrsbetriebe gesunden zu lassen. Die BoGeStra ließ uns wissen, daß sie

sich wiederholt mit dem Land und dem Bund in Verbindung gesetzt hat mit der

Bitte, sie von der Mineralölsteuer sowie Mehrwertsteuer zu entlasten. Sie ist

der Meinung, daß diese politische Entscheidung von den Verantwortlichen in

Düsseldorf und Bonn gefällt werden muß, um sozial vertretbare Tarife zu

ermöglichen. Die 'Aktion Roter Punkt' ist mit der BoGeStra übereingekommen,

noch einmal vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung zusammenzukommen. Es

wird erwogen, eine gemeinsame Empfehlung an den Aufsichtsrat zu erarbeiten.



Nicht die BoGeStra ist schuld und nicht die Kommunen. Die Kommunen sind

finanziell überfordert und haben zuwenig Geld, und die Nahverkehrsbetriebe

sind in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt, weil ihre Kosten und die

Steuerlasten zu hoch sind. Hier müssen das Land und der Bund helfen, denn sie

nehmen den größten Teil der Steuern ein, die der Bürger zahlt. Er, der

Bürger, muß darum auch das Recht haben, genauso kostenlos, wie er eine Schule

besucht, ein Nahverkehrsmittel kostenlos zu benutzen.



280 Milliarden Mark wurden in den letzten 20 Jahren für die Rüstung

verpulvert. Nur ein Bruchteil dieser Summe stand den Städten und Gemeinden

für die Lösung verkehrspolitischer Aufgaben zur Verfügung. Und von diesem

Kuchen muß die Bundesregierung ein Stück hergeben für die Gesundung der

Kommunen.



Das sozialdemokratisch geführte Stadtparlament in Bochum sieht zwar ein, daß

Fahrpreiserhöhungen nicht der richtige Ausweg sind. Aber man tut nichts

dagegen. Deshalb muß die gesamte Bevölkerung handeln und die verantwortlichen

Leute zwingen, zu einer befriedigenden Lösung im öffentlichen Nahverkehr zu

kommen.



Die Aktionen in anderen Städten haben gezeigt, daß gemeinsame Aktionen zum

Erfolg führten. In Hannover wurde ein Einheitstarif von 50 Pfennig errecht.

Das ist zwar kein Nulltarif, aber ein erster Schritt, um dahin zu kommen.

Unser erster Schritt zum Nulltarif in Bochum wird ein Stop der Fahrpreise

sein."

=Unsere Zeit Nr.7,Düsseldorf 13.2.1971,S.3



18.02.1971: 

Bei Opel Bochum verteilt die Rote Garde (RG) der KPD/ML-ZK zu den heute und

morgen stattfindenden Jugendversammlungen ein zweiseitiges Flugblatt unter

Verantwortung von Stefan Bock:"

Heute spricht ein Vertreter der Bundeswehr vor der Opel-Jugendversammlung.

Sein Ziel ist klar: Werbung für die Bundeswehr.

Welchen Zielen dient die Bundeswehr? Dient sie uns, den Jungarbeitern und

Lehrlingen?

- Seit Verabschiedung der Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.) kann

die Bundeswehr im Innern eingesetzt werden. Gegen die Bevölkerung, gegen

sogenannte Unruhen (Streiks, Demonstrationen). Innenminister Genscher (FDP,

d.Vf.) bemüht sich seit einiger Zeit, den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) zur

Bürgerkriegsarmee auszubauen. Im letzten Herbst (vgl. **.**.1970,d.Vf.) wurde

ein Manöver des Bundesgrenzschutzes abgehalten, wo 'Störenfriede' gejagt

wurden. Wir können uns denken, was 'Störenfriede' sind: es sind diejenigen,

die den kapitalistischen Ausbeutungs'frieden' stören, die den Kampf gegen die

wirtschaftliche Ausbeutung im Zuge der kommenden Wirtschaftskrise aufnehmen.

Überall hört man von Lohnabbau, Kurzarbeit, Kürzung von Sozialleistungen und

Entlassungen. Bundesgrenzschutz und Bundeswehr bereiten sich darauf vor,

diesen Hunderttausenden von Kollegen, die gegen die Verschlechterung ihrer

wirtschaftlichen Lage kämpfen, mit Mitteln der Gewalt entgegenzutreten. Im

Herbstmanöver übte der Bundesgrenzschutz die neue Kampftaktik für die

Zukunft: in kleinen Kampftrupps, bewaffnet mit Handgranaten, unterstützt von

leichten Aufklärungshubschraubern, jagten sie die 'Störenfriede'. Die

Bundeswehr will eine Heeresfliegertruppe aufbauen, die ebenfalls mit diesen

leichten Hubschraubern ausgerüstet ist. Beim Streik der Flensburger

Werftarbeiter (in Schleswig-Holstein - vgl. 12.11.1970,d.Vf.) standen Polizei

und Bundeswehrmannschaften in der Nähe zum Einsatz bereit. Welche

Schlußfolgerungen müssen wir daraus ziehen?



Bundeswehr und Bundesgrenzschutz sind im Innern dazu da, die Interessen des

Kapitals zu schützen und nicht die der Arbeiterklasse. Die Kapitalisten haben

sich in der Armee ein Instrument zur Verteidigung ihrer Ausbeutungsinteressen

geschaffen. Eine Regierung, die vorgibt, die Interessen der Arbeiter zu

vertreten, nämlich die SPD-Regierung, schützt und verstärkt dieses

Instrument, baut es noch besser aus. Die SPD-Regierung plant eine

'Wehrreform', wonach noch mehr Jugendliche zum Militärdienst herangezogen

werden sollen - unter der verlogenen Parole der 'Wehrgerechtigkeit' will sie

nun auch Verheiratete, Familienväter und beschränkt Taugliche einziehen.

Neben dem Aufbau einer perfekt ausgerüsteten Berufsarmee, einer Elite-

Kampftruppe, braucht sie viele einfache Soldaten als Kanonenfutter. Dazu muß

vor allem die Arbeiterjugend herhalten. Um die Wehrdienstverweigerung (KDV,

d.Vf.), die in den letzten Jahren stark gestiegen ist (19 000 im Jahre 1970)

in Zukunft einzudämmen, plant sie, die Ersatzdienstzeit zu verlängern und

eine Art Arbeitsdienst einzuführen. Natürlich gehen die Kapitalisten und ihr

Staat nur im letzten Moment mit äußerem Zwang und Gewalt vor. Heute arbeiten

sie noch vorwiegend mit psychologischen Tricks und Täuschungsmanövern. Nach

General Schnez, Chefinspektor der Bundeswehr, ist es notwendig, der Jugend

durch 'Hebung des Waffenstolzes' ein 'klares und deutliches Bekenntnis zur

deutschen Soldatentradition' beizubringen. Vor allem die Arbeiterjugend soll

so betrogen werden und in den Kampf GEGEN IHRE EIGENEN INTERESSEN geführt

werden.



- Die Bundeswehr ist ein wichtiger Bestandteil der NATO. Die NATO aber ist

kein 'Entspannungsinstrument', sondern ein aggressives Militärbündnis. Wir

brauchen uns nur anzusehen, wie die NATO die verbrecherischen Angriffe der

US-Imperialisten auf die Völker Vietnams, Laos' und Kambodschas unterstützt,

und mit den faschistischen Regimes in Portugal und Griechenland einen Pakt

geschlossen hat. Die NATO gibt den US-Imperialisten einen 'Lastenausgleich'

von 4,25 Mrd. DM für ihre Weltpolizeiaktionen. Die SPD-Regierung hat

zugesagt, daß die BRD davon 40% (1,7 Mrd. DM) übernimmt. Natürlich denken die

westdeutschen Kapitalisten nicht nur daran, den USA zu helfen. Sie streben

selbst nach immer mehr Macht und Einfluß, so haben sie sich auch mit dem

faschistischen Portugal in der NATO besonders eng zusammengeschlossen und

unterstützen den verbrecherischen Kolonialkrieg Portugals in den

afrikanischen Kolonien Angola, Mozambique und Guinea (B) mit billigen

Krediten und Waffenlieferungen. Dafür haben die westdeutschen Kapitalisten

von Portugal dort bestimmte Rechte bekommen, z.B. Krupp in Angola

Schürfrechte für eines der größten Eisenerzlager der Welt mit hochwertigem

Eisenerz, Siemens, AEG, Hochtief u.a. eine ca. 1 Mrd. DM-Beteiligung am

Cabora-Bassa-Projekt in Mozambique (Bundesbürgschaften eingerechnet). Die

westdeutschen Kapitalisten machen in diesen unterentwickelt gehaltenen

Ländern hohe Extra-Profite. So sagte der Geschäftsführer der Firma Rosenthal

(Staatssekretär bei Wirtschaftsminister Schiller): 'Bei uns in Bayern

verdient ein Arbeiter an einem Tag das, was ein afrikanischer Bantu in einer

Woche verdient.' (vgl. **.**.197*,d.Vf.) Deshalb investieren die

westdeutschen Kapitalisten fleißig in diesen Ländern.

Aber die Völker beginnen, sich gegen diese Ausbeutung und Unterdrückung zu

wehren. Durch das Erstarken der revolutionären Befreiungsbewegungen dieser

Völker sind die westdeutschen Imperialisten immer mehr gezwungen, ihre

Profite durch Waffenlieferungen an die portugiesischen Kolonialherren zu

schützen, die dort brutal die Befreiungsbewegungen zu unterdrücken versuchen.

So hat die BRD 60 Düsenjäger F 86 K Sabre (von Kanada an die BRD geliefert

und trotz kanadischem Protest von der BRD an Portugal verkauft), 111

Düsenflugzeuge Fouge-Magister geliefert, unter anderem 1970 3 Korvetten im

Wert von 150 Mio. DM (von den Blohm und Voss-Kapitalisten (B+V in Hamburg -

vgl. **.**.1970,d.Vf.) geliefert).



Laut Regierungssprecher Ahlers wurden 1970 'praktisch keine Waffen' an

Portugal geliefert. Die erste der drei Korvetten ist jedoch inzwischen

nachweislich in Angola angekommen.



Die Bundesregierung rechtfertigt diese Lieferungen damit, daß sie 'NUR IN

PORTUGAL zu Verteidigungszwecken gebraucht werden dürfen im Rahmen des

nordatlantischen Vertrages.' Dabei stört es sie keineswegs, daß die

portugiesische Regierung erklärt: 'Die Übergabe fand im Geist des

nordatlantischen Vertrages statt... Das portugiesische Territorium erstreckt

sich jedoch BIS NACH AFRIKA: Angola, Mozambique und Guinea'. Noch deutlicher

können diese verbrecherische Kolonialclique und ihre westdeutschen

Helfershelfer sich gar nicht entlarven!



Die Bundeswehr bereitet sich darauf vor, in absehbarer Zeit, die Interessen

des westdeutschen Kapitals in diesen Ländern in direktem militärischem

Einsatz zu schützen. So werden jetzt Splitterbomben in der Bundeswehr

eingeführt. Die gleichen Bomben, die die US-Imperialisten in Vietnam gegen

das Volk verwenden. Beim Bundeswehrmanöver 'Schwarzer Himmel' im September

letzten Jahres (vgl. **.9.1970,d.Vf.) wurde ausgewählten 'Fachjournalisten'

in München die neue Splitterbombe vorgestellt. Offiziere der Bundeswehr

erklärten, diese Bomben seien besonders wirksam, weil sie gegen 'weiche

Ziele', also gegen Menschen, angewendet werden können. Eine Bombe verstreut

beim Abwurf 400 kleinere Bomben. Beim Aufprall zersplittern diese in Dutzende

Plastikkugeln, die auf dem Röntgenbild nicht sichtbar sind und nicht

herausoperiert werden können.



Kollegen! Den Werbern für diese Bundeswehr sollten wir eine gehörige Abfuhr

erteilen! Was sagte der OPEL-Betriebsrat und die Jugendvertretung dazu, daß

in unserer Jugendversammlung Werbung für die Bundeswehr betrieben wird?

Schauen wir uns einmal an, in welch holder Eintracht die Gewerkschaftsbonzen

mit den Kapitalisten handeln:



Die Bonzen Naber und Vetter vom DGB-Bundesvorstand nahmen gemeinsam mit

weiteren DGB-Funktionären und einer Reihe von Kapitalisten (darunter die

Rüstungsbosse von Rheinstahl, Messerschmitt-Bölkow-Blohm) (MBB,d.Vf.) auf

Einladung von 'Verteidigungs'minister Schmidt an einer Wehrübung (vgl.

**.**.19**,d.Vf.) teil, für die ihnen auch ein 'Leistungszeugnis' ausgestellt

wurde. Was kann man daraus ersehen?



Die Gewerkschaftsbonzen interessieren sich nicht nur für das Kriegsspielen,

sondern sie suchen auch engeren Kontakt zur Bundeswehr, dem gewaltsamen

Instrument der Kapitalistenklasse zur Ausbeutung und Unterdrückung der

eigenen Arbeiterklasse und fremder Völker, und versuchen im Verein mit den

Kapitalisten, den Arbeitern und Jungarbeitern diese Sache schmackhaft zu

machen. Genauso wie bei den Streiks im September 1969 und 1970 die

Gewerkschaftsbonzen die Kollegen abgewiegelt und zur Beendigung der Streiks

aufgerufen haben, befinde sie sich auch hier in holder Eintracht mit den

Kapitalisten. BDI (Bund deutscher Industrieller)-Chef Berg sagte, daß einer,

der im 'Bund' gedient hat, Disziplin gelernt hat und später besser arbeitet

(vgl. **.**.19**,d.Vf.).



Die IG Bergbau (IGBE,d.Vf.) plant regelmäßige Treffen zwischen Soldaten und

Gewerkschaftlern. Die Gewerkschaftsbonzen zeigen hiermit, auf wessen Seite

sie stehen, wenn es einmal ernst wird: bestimmt nicht auf der Seite der

Arbeiter. Sie helfen schon heute den Kapitalisten, den Arbeitern Sand in die

Augen zu streuen.



Klassenbewußte Lehrlinge und Jungarbeiter!



ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN GARDE JUGENDORGANISATION DER KPD/ML".



Die Rote Opel-Jugendbetriebsgruppe (JBG) Bochum der Roten Garde (RG) der

KPD/ML-ZK berichtet dann später:"

DIE BUNDESWEHR:

EXKLUSIVREISEUNTERNEHMEN - ODER UNTERDRÜCKUNGSAPPARAT DER KAPITALISTENKLASSE?



Donnerstag und Freitag, den 18. und 19.2. fanden im Werk I und II

Jugendversammlungen statt.

Die Jugendvertretung hatte sich diesmal etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie

hatte einen Vertreter des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.) und einen Vertreter

der Bundeswehr eingeladen, die uns über Bundesgrenzschutz und Bundeswehr

'informieren' sollten. Sie zeigten uns Filme; in Werk II zum Beispiel einen

Film, in dem die Soldaten nichts anderes zu tun hatten, als zum Ausgang ihre

Uniformen zu bügeln oder unter romantischem Sternenhimmel das Ruder zu

führen. Wenn die Soldaten in Südamerika an Land gingen, wurden sie zu großen

Empfängen eingeladen und besichtigten die Villenviertel der Städte. Die Slums

sahen sie natürlich nicht, denn die lohnten es sich ja nicht zu verteidigen.

Wessen Abenteuerlust würde bei diesen herrlichen Aussichten nicht geweckt? Es

fehlte nur noch Peter Stuyvesant und der Duft der großen weiten Welt wäre

vollkommen gewesen!



Was der Film nicht zeigte, war die Ausbildung, die uns hier bei der

Bundeswehr erwartet.



WEHRDIENSTZEIT: ERZIEHUNG ZUM WILLENLOSEN RÄDCHEN IN DER MILITÄRMASCHINE



Während der ersten drei Monate wird man geschunden und geschliffen und zwar

so gründlich, daß man jede freie Minute zum Schlafen ausnutzt. Die

Vorgesetzten bemühen sich, jedes Denken und Nachdenken durch 'Druck' zu

verhindern. Durch nächtliches Wecken und schnellen Wechsel von Befehlen lernt

man blindes, reflexartiges reagieren. Durch antikommunistische Hetze im

Unterricht versuchen sie, ihren Feind zu unserem zu machen. Für den Soldaten

ist praktisch jede politische Betätigung während des 18 Monaten dauernden

Grundwehrdienstes verboten. Systematisch werden Rekruten in

Hausdurchsuchungen und Vernehmungstechniken ausgebildet.



Zum Schluß sind die meisten Soldaten willenlose Rädchen in der

Militärmaschine und nach ihrer Entlassung aus der Bundeswehr, wie Berg (Bund

deutscher Industrieller) (BDI,d.Vf.) sagte, auch bessere Arbeiter als die

anderen.



Zur Abwechslung, damit die Vergnügungsfahrt nicht zu langweilig wird, wurde

auch einmal ein Manöver abgehalten. Die Matrosen mußten auf rote (die Farbe

der Kommunisten und der gesamten Arbeiterklasse) Luftballons schießen. Das

Ganze wirkte wie eine Spielerei! Keiner konnte sich vorstellen, daß die

Luftballons im Ernstfall Menschen sein werden - Kollegen aus fremden Ländern

oder auch deutsche!



MILITÄRMASCHINE: INSTRUMENT DER KAPITALISTENKLASSE ZUR UNTERDRÜCKUNG DER

ARBEITERKLASSE



Auf die Frage, ob es wahr sei, daß nach den Notstandsgesetzen (NSG,d.Vf.)

Kollegen auf Kollegen schießen müssen, antwortete der Bundeswehrvertreter in

Werk I, er könne sich das nicht vorstellen. In Werk II sagte er sogar, um

jede weitere Frage im Keim zu ersticken, daß das nicht stimmt. Als ihm einer

der Jugendvertreter den entsprechenden Artikel aus den Notstandsgesetzen

vorlas, war der feine Herr plötzlich für politische Fragen nicht mehr

zuständig. In Werk I wollte er uns bei der nächsten Jugendversammlung einen

vorbeischicken, der darauf Antwort geben könnte.

Darauf werden wir wohl warten müssen, bis die Notstandsgesetze schon

angewandt werden!



Wie aber steht es im Gesetz?

Die Bundesregierung soll in Zukunft die Streitkräfte als Polizeikräfte

einsetzen können, wenn dies die Lage im Innern erfordert:

a) bei Naturkatastrophen

b) bei einem besonders schweren Unglücksfall

c) bei einem bewaffneten Aufstand

d) bei Gefahr für den Bestand der 'freiheitlich demokratischen Grundordnung'

(FdGO,d.Vf.).



Auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Arbeitskampf

ordnungsgefährdend sei, wurde geantwortet, das sei danach zu beurteilen, ob

die 'geschichtlich gewordene Ordnung des Gemeinschaftslebens, besonders des

Arbeitslebens' gefährdet würde.



Wem und wozu dient dieses Gesetz?



Seit 1966 ist es mit dem Märchen der Kapitalisten vom 'deutschen

Wirtschaftswunder' vorbei!



Es gibt regelmäßig Krisen, deren Lasten wir tragen sollen. Die Kollegen

lassen sich nicht länger belügen und von den Gewerkschaftsbonzen und der

D'K'P (DKP,d.vF.) in die Irre führen. Sie beginnen zu kämpfen! Damit

gefährden sie immer mehr unsere 'freiheitlich demokratische Grundordnung' und

vor allem die 'geschichtlich gewordene Ordnung des Arbeitslebens', vom Recht

einer kleinen Minderheit von Kapitalisten auf Ausbeutung und Unterdrückung.

Davor haben die Kapitalisten Angst und IHR Staatsapparat hat Vorsorge

getroffen, um Kollegen gegen Kollegen kämpfen zu lassen.



Damit wollen sie versuchen ihre 'geschichtlich gewordene Ordnung' von

Ausbeutung aufrechtzuerhalten.



BUNDESWEHR: INSTRUMENT ZUR NIEDERHALTUNG DER UNTERDRÜCKTEN VÖLKER



Die westdeutschen Kapitalisten machen in den unterentwickelt gehaltenen

Ländern Europas, Afrikas, Asiens und Lateinamerikas hohe Extraprofite. Aber

die unterdrückten Völker beginnen sich zu wehren. Jetzt noch unterstützen die

westdeutschen Kapitalisten andere Kolonialherren, wie z.B. Portugal, mit

Waffenlieferungen. Aber sie bereiten sich schon darauf vor, ihre Interessen

mit direktem militärischem Eingriff zu schützen. Dann sollen wir dort den

gerechten Kampf der Befreiungsbewegungen niederschlagen und unseren Kopf

dafür hinhalten, daß die Kapitalisten dort ihren Profit und die

Ausbeutungsmöglichkeit behalten.



DIE GEWERKSCHAFTSBONZEN VERRATEN UNSERE INTERESSEN!



Die Gewerkschaftsbonzen versuchen uns immer wieder zu erzählen, sie würden

unsere Interessen vertreten. Was aber machte der 'Kollege' Perschke auf der

Jugendversammlung?



Erst versuchte er sich mit scheinradikalen Phrasen bei uns einzuschmeicheln.

Er sei ja auch gegen die Bundeswehr! Manchmal frage er sich, wozu er seine

Steuern zahle.



Dann jedoch kam er auf den Kern seiner Rede.



Das wichtigste Problem für uns müsse die Bezahlung während des Wehrdienstes

sein!



IHM IST ES ALSO EGAL, OB ER AUF KOLLEGEN SCHIESSEN MUSS! WICHTIG FÜR IHN IST

NUR, OB ER ES FÜR 120 DM ODER VIELLEICHT ... (ein Zeichen in Vorlage

unleserlich,d.Vf.) 00 DM TUT!



Damit hat er wieder einmal gezeigt, auf wessen Seite er und mit ihm alle

Gewerkschaftsbonzen stehen. Sie wollen uns davon abhalten, den wirklichen

Feind zu erkennen und gegen ihn zu kämpfen!



DIE ARBEITERJUGEND MUSS SICH ORGANISIEREN ZUM KAMPF GEGEN DEN MILITARISMUS

UND DAS GANZE KAPITALISTISCHE SYSTEM!



Uns wird immer wieder erzählt, wir könnten ja den Kriegsdienst verweigern

(KDV,d.Vf.). (Besonders die sogenannten 'Linksliberalen' und 'demokratischen

Sozialisten' bieten uns diesen Weg als Lösung an.) Aber die meisten von uns

schrecken vor dem Wust von Bürokratie zurück. Sollten einige von uns es

trotzdem versuchen, kommen sie meistens nicht durch, weil man ihnen

hinterhältige Fragen stellt. Zum Beispiel wurde ein gelernter Metzger

abgelehnt. Er hatte sich auf Gandhi berufen, der gefordert hatte, man müsse

sich friedlich verständigen. Darauf wurde ihm gesagt, er verstünde doch

nichts davon. Außerdem hätte er Tiere abgeschlachtet, und wer Tiere

abschlachtet, der kann ihrer Meinung nach auch Kollegen abschlachten.

Eine Chance durchzukommen haben nur rebellische Jugendliche, weil die

Kapitalisten Angst haben, daß diese - für sie sehr unbequemen und

gefährlichen - Zeitgenossen in der Bundeswehr die Kollegen aufklären und

organisieren.



Aber ist Kriegsdienstverweigerung wirklich eine Lösung?



Die wenigen, die es schaffen, haben sich persönlich davon 'befreit', auf

Kollegen schießen zu müssen, bzw. dazu ausgebildet zu werden. Aber die

Bundeswehr besteht weiter, und die meisten von uns müssen hin. Durch die

Kriegsdienstverweigerung ändert sich letztlich gar nichts!



Die einzige Möglichkeit, wirklich etwas zu ändern, ist die Abschaffung der

Bundeswehr!



Die Bundeswehr können wir aber erst abschaffen, mit der Zerstörung des ganzen

Staatsapparates der Kapitalisten.



Im Sozialismus ist der erste Schritt die Auflösung des stehenden Heeres und

seine Ersetzung durch die Bewaffnung der Arbeiterklasse und der

fortschrittlichen Teile des Volkes!



Nach den drei Monaten Grundausbildung, in denen man völlig zur Schnecke

gemacht wird, gammeln die Soldaten in der Bundeswehr 'rum. Sie haben z.B.

manchmal nichts anderes zu tun, als 14 Tage lang einen Panzer zu putzen, bis

die gerade neu aufgetragene Farbe wieder heruntergeputzt ist. Damit

verschleudert die Bundesregierung unser mühsam erarbeitetes Geld!

Sie werfen es zum Fenster hinaus!



Im sozialistischen Staat wird es soetwas nicht geben!



Wie sieht es z.B. in der VR China aus?



Die Soldaten der Volksbefreiungsarmee (VBA,d.Vf.) arbeiten in den Fabriken,

auf dem Lande oder haben teilweise sogar eigene Fabriken aufgebaut. Sie

ernähren sich aus ihrer eigenen Kraft und helfen mit, die Wirtschaft des

Landes aufzubauen, damit alle arbeitenden Menschen einen immer höheren

Lebensstandard erreichen.



Sie nehmen ihre Gewehre nur aus dem Schrank, wenn es notwendig ist, die

Interessen der Arbeiterklasse gegen Angriffe zur Wiederherstellung des

Kapitalismus von innen oder Angriffe der kapitalistischen Staaten von außen

zu verteidigen, wie z.B. beim Angriff der neuen Kapitalisten in der UdSSR

(SU,d.Vf.) am Ussuri.



Kollegen!

Für die Mehrzahl der Jungarbeiter und Lehrlinge führt kein Weg um die

Bundeswehr herum. Genausowenig, wie es für die Mehrzahl von uns einen Weg im

Kapitalismus gibt, der uns vor der Ausbeutung in den Fabriken der

Kapitalisten bewahrt. Alles Gerden vom Ausweg für den Einzelnen, handele es

sich dabei nun um Kriegsdienstverweigerung oder berufliche Karriere, dient

den Kapitalisten, weil es die Arbeiterklasse spaltet und vom Kampf abhält.

Es gibt nur einen Ausweg und das ist der einheitliche und organisierte Kampf

aller Teile der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen gegen die

Kapitalisten, ihren Staat und die reaktionäre Gewerkschaftsbürokratie und für

den Sozialismus und die Diktatur des Proletariats.



Dieser Kampf kann nur von der revolutionären Partei der Arbeiterklasse, der

KPD/ML geführt werden.



Der Kampf gegen den Militarismus ist ein Teil dieses Kampfes, der

hauptsächlich von den Jungarbeitern und Lehrlingen getragen werden muß. Zu

diesem Zweck müssen wir uns innerhalb und außerhalb der Bundeswehr

zusammenschließen, denn nur dann werden wir Erfolg haben.



JUNGARBEITER, LEHRLINGE!

ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN GARDE, DER JUGEND-MASSENORGANISATION DER

KPD/ML!"

=Zündkerze Nr.7,Bochum März/Apr. 1971,S.17ff;

RG:Heute spricht ein Vertreter der Bundeswehr ...,Bochum o.J. (18.2.1971)



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19.02.1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet von Opel Bochum:"

Am 19.2. wurde bei Schichtende ein Kollege beim Verlassen der Werkshallen

durch ein Transportfahrzeug angefahren; der Fahrbetrieb ruht bei Schichtende

nie ausreichend, so daß immer wieder Unfälle passieren."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.9



März 1971: 

Es erscheint eine Ausgabe der Werkszeitschrift 'Opel-Post' (vgl. **.2.1971,

**.*.1971), in der u.a. sechs Artikel gegen die linken Gruppen bei Opel

erscheint.

Beantwortet wird dieser Artikel u.a. durch die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG)

Bochum der KPD/ML-ZK in NRW (vgl. 24.5.1971).

Eingegangen wird auch auf den Revolutionären Kampf (RK) Frankfurt bei Opel

Rüsselsheim in Hessen.

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.5 und 8f



März 1971: 

Vermutlich im März erscheint die Nr.2/3 von 'Betrieb und Gewerkschaft' -

Organ des Zentralen Betriebs- und Gewerkschaftskomitees (ZBGK) beim ZK der

KPD/ML (vgl. Jan. 1971) und berichtet u.a. über die 'Zündkerze' bei Opel Bochum.

=Betrieb und Gewerkschaft Nr.2/3,o.O. o.J. (1971)



März 1971: 

Der 'Rote Morgen' der KPD/ML-ZK Nr.3 (vgl. Feb. 1971, Apr. 1971) berichtet

u.a. von Opel Bochum.

=Roter Morgen Nr.3,Hamburg März 1971



März 1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet:"

SPD-BETRIEBSGRUPPE FÜHRT V-MANN-WAHL BEI OPEL BOCHUM DURCH



Die SPD-Funktionäre im Betrieb, die meist die Kontrolle über den Betriebsrat

und die Gewerkschaftsspitzen auf Ortsebene haben, sind die schärfsten Waffen

der SPD-Führer in Bonn im Kampf gegen die Arbeiterklasse.



Die Verabschiedung des BVG, in dem den Gewerkschaftsführern noch größere

Rechte im Kampf gegen die Arbeiterklasse eingeräumt werden, hat dies noch

einmal bestätigt.



Wie die SPD-Funktionäre diese Rechte nutzen, zeigt ein Bericht aus Bochum von

den Opel-Werken.



'Anfang März ist im Werk II in Bochum ein Aushang gemacht worden zur Wahl des

Vertrauensmannes der Schwerbeschädigten. Jeder Schwerbeschädigte, der sich

zur Wahl stellen wollte, mußte 53 Unterschriften vorlegen, damit er

zugelassen wird.



Das ist jedoch für einen Schwerbeschädigten kaum möglich, da die

Schwerbeschädigten überall im Werk arbeiten und daher kaum erreichbar sind

für einen einzelnen (Es gibt ungefähr 500 Schwerbeschädigte in den einzelnen

Werken.).



Mehrere Kollegen wollten kandidieren, doch jetzt schaltete sich der SPD-

Betriebsrat ein. Der Kollege bekam folgendes zu hören, als es bekannt wurde,

daß er kandidieren wollte: 'Kandidier doch lieber nicht! Die V-Leute und der

Betriebsrat unterstützen den Leimann, der gehört zu uns, der ist in der SPD.

Der soll das mal machen.'



Doch damit nicht genug: jetzt begannen die SPD-Betriebsräte, Stimmen zu

sammeln für Leimann, von dem die Schwerbeschädigten noch nie etwas gehört

hatten. In kurzer Zeit hatten sie natürlich genug Stimmen, denn die

Betriebsräte kommen ja überall im Werk rum.



Ein Kollege, der von einem oppositionellen Betriebsrat unterstützt wurde, der

für ihn Stimmen sammeln wollte, wurde vom Betriebsrat schwer beschimpft.'"

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.44,Bochum 9.6.1971,S.4



08.03.1971: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet

vermutlich aus dieser Woche:"

ENTWEDER WIR - ODER DIE ANDEREN GEBEN NACH...



Bei der Straßenbahnblockade in Dortmund machten einige Genossen vom KSB/ML

(Studentenmassenorganisation der KPD/ML) Interviews mit Demonstranten aus

allen Schichten der Bevölkerung. Hier eine kleine 'Kostprobe':



Frage: Seid ihr der Meinung, daß es heute weitergehen soll?



Antwort: Ja sicher soll das weitergehen! Solange, bis die nachgeben! Solange,

bis die Preise ein wenig 'runtergehen!



Frage: Und wann, meint ihr, werden die 'runtergehen?



Antwort: Entweder einer gibt nach, entweder wir oder die geben nach; aber ich

würde nicht nachgeben!



ein anderer älterer Demonstrant: Ich auch nicht!



Frage: Wie ist denn das hier? Ist das hier auch so, daß die Lehrlinge weniger

bezahlen brauchen?



Antwort: Die bezahlen sowieso schon weniger!



Frage: Also in Bochum ist es so, daß die Schüler umsonst fahren können - bis

zu einer bestimmten Strecke. Die Lehrlinge müssen aber voll bezahlen. Ist das

in Dortmund nicht so?



Antwort: Nein, ist nicht so! Das ist auch für die Schüler. In Bochum soll es

ja auch teurer werden nächsten Monat. Da können auch die Dortmunder auf

Unterstützung hoffen... Glaub' ich jedenfalls. Die Bochumer sind ja auch hier

gewesen.



DAS GANZE VOLK SOLLTE MITMACHEN!



Frage: Was sagen Sie denn dazu? Sind Sie der Meinung, daß es heute

weitergehen soll?



Antworten:

- Ja, selbstverständlich! Das ganze Volk sollte mitmachen! Die Sache ist doch

die, daß es jetzt überall losgeht. Überall gehen die Preise hoch, auch die

Straßenbahnpreise. In Bochum wollen sie jetzt auch 'ran. Dann geht es in

Bochum und im ganzen Ruhrgebiet weiter. Das ist ein ganz klarer Fall!



- Eine normale Firma, die volumen- und personenmäßig so groß ist, wie die

Dortmunder Stadtwerke, die wäre mit 30 Millionen lange in Konkurs gegangen.

Nur bei den Dortmunder Stadtwerken geht das nicht, weil die Stadträte und

Direktoren alle im Aufsichtsrat sitzen.



- Ja, was meinen Sie, wie viel Leerlauf da oben ist?

Und dann, wie viel Geld wird verpulvert, z.B. für Gebäude. Jetzt haben sie

oben am Westfalendamm 'ne Hauptschule gebaut, 'ne ganz neue moderne, und da

haben sie gesagt: 'Ja, wir haben noch so viel Geld übrig.'

Aber das Geld wird jetzt nicht für 'ne andere Schule verwandt, sondern das

Geld verbrauchen sie jetzt, um da irgendwie Bilder anzuschaffen und Plastiken

anzuschaffen oder so 'was. Für Dinge, die überhaupt nicht notwendig sind.

Denn die haben ja alles, diese modernen Schulen. Die sind vollkommen

eingerichtet. Aber wer kümmert sich darum! Das sollte mal in die Zeitung

hinein!



Frage: Wissen Sie, wie das hier so abgelaufen ist? Haben die Leute von

Dortmund, so die älteren, haben die sich solidarisiert? Haben die auch die

Leute, die mit der Straßenbahn fahren wollen mitgenommen?



Antworten:

- Ja sicher haben die die mitgenommen! Viele sogar!



- Ja, ja! Also das war ganz gut organisiert hier. Am Samstag z.B.; alle Leute

sind hier weggekommen, alle!



Frage: Also die Leute sind nicht irgendwie verärgert oder sauer, daß die Bahn

nicht fährt?



Antworten:

- Nein, gar nicht! Im Gegenteil!



- Also mir ist es passiert, in Scharnhorst oben, da steh ich morgens ganz

mutterseelenalleine an der Straßenbahnhaltestelle und warte auf den Bus.

Kommt 'n Autofahrer mit 'nem roten Punkt.

'Wo wollen Sie denn hin?' - 'Zur Stadtmitte!' - 'Ja steigen Sie ein!'



Frage: Was sagen Sie denn zu den zahlreichen Verhaftungen, 180?

Finden Sie es richtig, wenn diese Jugendlichen so viel Geld für die

Straßenbahn ausgeben müssen?



Antworten:

- Ich meine, demonstrieren kann man! Und es müßte die ganze Stadt

demonstrieren! Aber wenn's verboten ist, sich auf die Schienen zu stellen

usw., daß sie dadurch verhaftet werden, ja da kann ihnen doch keiner helfen.

Soll man hingehen und auf die Schutzleute einschlagen oder wie stellen Sie

sich das vor?



Interviewer: Nein, man muß mitmarschieren!



- Ja sag ich doch gerade, die ganze Stadt!



Interviewer: Ja machen Sie doch gar nicht!



- Ja doch, ich marschiere fleißig mit!



Interviewer: Nein, ich habe noch keine ältere Person gesehen.



- Ich marschiere aber mit, ehrlich! Ja, sehn Sie mal, ich bin 'ne Rentnerin.

Mich trifft es doch am schwersten! Stell'n Sie sich 'mal vor, statt 10 Pfg.

zu erhöhen, gleich 30! 90 Pfg. hat's doch gekostet, jetzt 1,20 ne? Ich meine

das ist doch zu viel Geld, wenn ich jetzt hin und zurück fahre, oder ich muß

mal in die Stadt, das ist doch zu viel Geld!



- Für 'ne Familie mit Kindern ist das doch unbezahlbar. Das ist doch

unmöglich von der Stadtmitte, oder von einem Vorort 'mal nach Hohensyburg

'rauszufahren. Bei 'ner Familie mit vier Kindern ist man hin und zurück 20 DM

los. Dabei fassen Sie sich doch an'n Kopf! Deshalb muß man mitmachen!"

=Zündkerze Extra Kollegen! Solidarisiert euch mit dem Kampf gegen die

Fahrpreiserhöhungen bei der BOGESTRA,Bochum o.J. (1971),S.3f



11.03.1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet von Opel Bochum:"

Am 11.3. machte der Bochumer Oberbürgermeister einen Rundgang durch das Werk

und sprach mit der Geschäftsleitung über Ausbaupläne für das Bochumer Werk."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.9



15.03.1971: 

Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint die 'Rote Westfalenwalze' Nr.2 der

Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD/ML-ZB (vgl. Jan. 1971,

1.3.1971). U.a. heißt es zur MTR:"

So sagte Mayr vom Hauptvorstand der IGM, der schon beim 10%-Verrat in Hessen

(vgl. **.*.1970,d.Vf.) und bei der Figgenschlichtung (vgl. **.**.197*,d.Vf.)

seine Finger im Spiel hatte:

'Die Schlichtung hat sich in der Tarifbewegung bewährt.'



Ja, für wen denn? Für die Kapitalisten und ihre Handlanger in der

IGM-Führung, doch nicht für die Metallarbeiter! Noch frecher behauptet Mayr:

'Unsere Mitglieder verstehen die Funktion der Schlichtung sehr wohl.' Was die

Metaller von der Schlichtung halten, hat sich in der Urabstimmung sehr

deutlich gezeigt: in den größten Betrieben, bei Opel und Ford, wurde die

Schlichtung mit 89 - 90% abgelehnt. Um solche Peinlichkeiten bei den nächsten

Tarifverhandlungen zu vermeiden, soll künftig die Schlichtung erst nach der

Urabstimmung stattfinden. Das heißt die Schlichtungsgespräche der Bonzen

bleiben das letzte Wort, was zu den Verhandlungen gesprochen wird. Deutlicher

können die rechten IGM-Führer nicht zeigen, was ihnen die Meinung der

Kollegen wert ist."

=Die Rote Westfalenwalze Nr.2,Dortmund 1971



22.03.1971: 

Vermutlich in dieser Woche gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der

KPD/ML-ZK bei Opel Bochum ein 8-seitiges Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl.

9.2.1971, 29.3.1971) heraus:"

KOLLEGEN!

SOLIDARISIERT EUCH MIT DEM KAMPF GEGEN DIE FAHRPREISERHÖHUNGEN DER BOGESTRA



In Dortmund kämpfen Arbeiter, Lehrlinge, Hausfrauen, Studenten und Schüler

schon vier Wochen gegen die Fahrpreiserhöhungen. Unsere Kollegen von Hoesch

haben sich solidarisiert. Ebenso Kollegen der Dortmunder Zechen.

Auch hier in Bochum ging es am Donnerstag vergangener Woche (vgl. 18.3.1971,

d.Vf.) los.

Die Polizei schritt von Anfang an brutal ein. So wie in Dortmund verhaftete

sie wahllos am Anfang, im weiteren Verlauf der Demonstrationen immer

gezielter: Spitzel wurden beauftragt, die 'Rädelsführer' ausfindig zu machen,

sie wurden mit genauen persönlichen Daten von der (politischen) Polizei

(K14,d.Vf.) versehen, um Leute einzuschüchtern usw. Flugblattverteilern

passierte es, daß sie plötzlich mit vollem Namen und Adresse angesprochen

wurden. Kollegen, warum dieser Polizei-Terror? Preiserhöhungen, Kurzarbeit,

Entlassungen in verschiedenen Branchen zeigen: Wir gehen einem zweiten 1966/

1967 entgegen. Diesmal sind aber große Teile der arbeitenden Bevölkerung

nicht mehr bereit, sich Lohnabbau usw. kampflos bieten zu lassen. Das wissen

natürlich die Herren in Bonn und Düsseldorf. Sie haben schon seit Monaten

alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sich auf solche Demonstrationen und

Streiks vorzubereiten: Die Unternehmer treffen Absprachen, um 'unliebsame'

Kollegen besser feuern zu können, Polizeischulen, wie die in Bork (Selm,

d.Vf.), sind fast nur noch mit der Ausbildung über Niederschlagung von

Demonstrationen beschäftigt. Und jetzt hat sogar die SPD-Landtagsfraktion in

NRW die Landesregierung 'gebeten', bei der Bundesregierung vorstellig zu

werden (vgl. **.*.1971,d.Vf.): Die 'radikalen Gruppen' sollen verboten

werden. Wer damit gemeint ist, dürfte klar sein. Nicht die Faschisten - Kühn

setzte sich erst kürzlich mit Jungfaschisten an einen Tisch (vgl. 14.3.1971,

d.Vf.) - sondern die Kommunisten, die KPD/Marxisten-Leninisten und ihre

Jugendorganisation, die ROTE GARDE (RG,d.Vf.). Die Herrschenden greifen immer

zu Verbotsanträgen, wenn's für sie brenzlig wird. So 1933, so 1956.



Kollegen, an uns liegt es, ob die arbeitende und studierende Jugend allein

bleibt oder nicht. Glauben wir nicht, daß der Kampf gegen Lohnabbau,

Preiserhöhungen usw. nur ihr Bier wäre. Jeder von uns weiß, wie schwer es

ist, seine Familie zu ernähren, wenn es Krisenlöhne oder

Arbeitslosenunterstützung gibt. (...)

Nur wenn wir uns alle einig sind, können wir etwas erreichen. Hände in den

Schoß legen kann nicht unsere Sache sein. Erinnert euch nur an unseren Streik

im vergangenen Jahr (vgl. 24.9.1970,d.Vf.). Kaum einer hielt ihn anfangs für

möglich - bis, ja bis es dann doch knallte!

Wenn die Erfahrung der älteren Kollegen zum Feuer der jungen hinzukommt, dann

läuten die Glocken Alarm bei den Bossen und Bonzen. Doch wenn wir nicht

kämpfen, dann werden wir noch mehr verlieren!

Kollegen, die KPD/Marxisten-Leninisten, ihre Rote Opel-Betriebsgruppe

(Zündkerze) und ihre Jugendorganisation, die ROTE GARDE, werden euch in

diesem Kampf konsequent unterstützen und alles dazu beitragen, daß WIRKLICHE

Erfolge errungen werden können.

Diskutiert in den Abteilungen, in den Pausen, wie ihr euch am besten

anschließen könnt. Wenns im herbst schon einigermaßen geklappt hat, so müßte

es jetzt eigentlich noch besser klappen!

(Doch wenn ihr euch anschließt, dann vergeßt nicht, eure Frauen bzw. Männer

und eure Kinder mitzunehmen!)



ALLE BAHNEN STEHEN STILL, WENN DER ARBEITER ES WILL!

KÄMPFT MIT FÜR DEN EINZIGEN EINHEITSTARIF - DEN NULLTARIF!"



In einem weiteren Artikel heißt es:"

DIE BOGESTRA ERHÖHT DIE FAHRPREISE! WAS HAT DIE BOGESTRA DEN OPELARBEITERN

ABGESEHEN VON DIESER UNVERSCHÄMTEN PREISERHÖHUNG ZU BIETEN?



1. Für An- und Abfahrt muß ein Opelarbeiter ca. 40 bis 50 DM zahlen; 40 bis

50 DM bedeuten ein ganzer, sauer verdienter Schichtlohn!

2. Dafür aber bringt die BOGESTRA (Linie 2) den Arbeiter aber erst um 5 Uhr

58 nach Opel I.

3. Mit ihrem 'vorzüglichen' Kundendienst bringt es die BOGESTRA nicht fertig,

daß die Omnibuslinie 55, die um 22 Uhr 55 Bochum Hbf. in Richtung Langendreer

verläßt, um 23 Uhr 05 eine Haltestelle an Opel I bekommt (Tor 4). Bis jetzt

hält er nur am Abzweig Laer.

4. Eine Durchführung der Linie 2 nach Schichtende um 22 Uhr 45 für die

Arbeiter scheint nicht möglich zu sein!



So und anders (Überfüllung der Straßenbahnen) sehen die 'Vorzüge' aus, die

uns die BOGESTRA zu bieten hat!"

Veröffentlicht werden auch Interviews über den Dortmunder Fahrpreiskampf

(vgl. 8.3.1971) sowie das folgende:"

GESPRÄCH IN EINER BOCHUMER STRASSENBAHN



Kollegin:

'Warum sind eigentlich nur die Gören auf der Straße? Die sind doch allein

viel zu schwach! Uns ziehen sie doch dauernd das Geld aus der Tasche! Wir

müssen auf die Straße!

'Demonstrieren!' sagt eine andere, 'wenn wir doch den ganzen Tag arbeiten!'

Kollegin:

'Na dann müssen wir eben streiken!'"



Als letzter Beitrag zu diesem Thema erscheint das:"

REZEPT EINES LOKALREPORTERS:



WIE HETZE ICH ERFOLGREICH GEGEN ROTGARDISTEN?



Du hörst z.B.: auf den Gleisen wollt' jemand wild mit Eier schmeißen. Nimm

eine Taxe! Fahre hin und horch in die Bevölk'rung 'rin! Dort interviewst Du

im Vertrauen Polypen, Oberlehrerfrauen. Und da erfährst Du erst einmal, nicht

weit sei das RG-Lokal. Das wäre schon ein Hauptindiz! Drum überschreibe die

Notiz: 'Der Geist der Zeit! Schon wieder 'mal: Die ROTE GARDE macht Krawall!'

Und dann ist sicher jemand da, der den Verbrecher türmen sah. Bist Du

geschickt, bekommst Du 'raus: Der Kerl sah rotgardistisch aus! Ein Oberlehrer

wird Dir sagen, er habe in den Parkanlagen, gleich um die Ecke, sechs Uhr

zehn, zwei Rotgardisten stehen sehn. Indizien hast Du jetzt die Menge; das

reicht für hundert Zeilen Länge! Nun zeige auch im Stil Geschmack; schreib

immer: Kommunistenpack! In Logik sei recht unverfroren! Gib Deiner Phantasie

die Sporen! Das Blättchen, dem Du dienen mußt, nimmt solches Manuskript mit

Lust. Und stellst Du dann mit leiser Klage am Schluß die aktuelle Frage ans

Polizeipräsidium: 'Wie lange geht DER Geist noch um?' wirst Du der allgemein

gegebnen Verbotstendenz die Wege ebnen und nicht nur Rotationsmaschinen,

nein, auch der 'Staatserhaltung' dienen!"



Über Opel wird berichtet:"

DIE GROSSE DURSTSTRECKE BEGINNT:

OPEL RÜSTET SICH FÜR DIE KRISE - UND WIR?



Viele Kollegen meinen immer noch, ausgerechnet Opel würde von der Krise

verschont. Dabei sind über Sonaks blauen Himmel (- erinnern wir uns an seinen

rosaroten Wirtschaftsbericht auf der letzten Belegschaftsversammlung!) (vgl.

18.12.1970,d.Vf.) schon längst dicke schwarze Wolken gezogen.

Die Aufträge gehen zurück! - Und wie sollte es auch anders sein? Opel ist ja

von der wirtschaftlichen Entwicklung in den anderen Ländern abhängig und

ebenso von der Entwicklung der anderen Industriezweige in der BRD. So wirft

die amerikanische Wirtschaftskrise ihre Schatten, und der Export der

Opelprodukte nach Frankreich ist schon 1969 um 46% zurückgegangen!

Und wer sollte denn den GM-Bossen in Westdeutschland ihre Profite

verschaffen, wenn nicht die breiten Massen von Arbeitern und anderen

Werktätigen?



DIE OPEL-BOSSE WERDEN IMMER FRECHER



Insgesamt werden von Opel heute schon weniger Autos verkauft und bald wird

die Produktion eingeschränkt werden müssen. Jetzt schon gehen immer mehr

Opelwagen auf Lager, wie z.B. der GT für Westdeutschland. Immer häufiger

werden heute Kollegen hin- und hergeschoben ('ausgeliehen'), wie z.B. in D5.

Gegen die sich abzeichnende Krise versuchen die GM-Bosse ihre Profite auf

Kosten der Arbeiter zu schützen. Sie sind durch die Riesenprofite der letzten

Jahre noch habgieriger geworden und wollen jetzt immer aus uns 420 Millionen

oder möglichst noch mehr herauspressen. Da sie das nicht können, bemühen sie

sich mit allen Mitteln, wenigstens ihre Gewinnspanne gleich groß zu halten.

Deshalb nutzen sie bei Auftragsrückgang alle Möglichkeiten für Einsparungen

aus. Ihren Einfallsreichtum in dieser Hinsicht bekommen wir täglich zu

spüren.



ENTLASSUNGEN UND EINSTELLUNGSSTOP



So wurden bei Opel bereits etwa 200 'Bummelanten' entlassen. Kollegen, die

viel feiern oder einen Blauen gemacht haben, waren also die ersten. In D3

wurden Kollegen, die krank gefeiert hatten, zum stellvertretenden

Betriebsleiter Konrad beordert. der offenbarte ihnen in Gegenwart des

'Arbeitervertreters' Sonak, daß Krankfeiern für den Betrieb nicht tragbar

sei. In einer anderen Abteilung wurden die Kollegen, die gefeiert hatten, zur

Personalabteilung zitiert. Dort legte man ihnen nahe, wegen des Feierns die

Papiere zu nehmen.



Wieso ergreifen die Abteilungsbosse und Personalchefs gerade jetzt solche

Maßnahmen? Wieso wird gerade jetzt so viel über den 'hohen Krankenstand'

gejammert? Ganz einfach: die Überstunden und Sonderschichten, das heißt die

damit verbundene Mehrbezahlung, soll eingespart werden, indem durch tausend

Tricks der normale Krankenstand, der bei etwa 10% liegt, heruntergedrückt

wird. Aus dem Munde der meister klingt das dann so: 'Sehen Sie, mich

interessiert überhaupt nicht, warum Sie krank sind! Mich interessiert nur,

wie oft Sie krank sind!' - Wer krank ist, hat im Kapitalismus kein Recht auf

Arbeit!

Außerdem werden die Verträge der ausländischen Kollegen ab sofort nicht mehr

verlängert. Diese Kollegen haben sich nun einige Zeit für die Profite der

Kapitalisten abrackern dürfen, sie haben sich brav für den niedrigsten Lohn

ausbeuten lassen - jetzt bekommen sie einen Tritt in den Hintern und dürfen

abtreten!



Weiterhin werden keine Frauen mehr für die Produktion eingestellt. Die

Gleichberechtigung der Frau steht sowieso nur auf dem Papier. Sind etwa nicht

viele Frauen, genau wie die Männer, darauf angewiesen, durch den Verkauf

ihrer Arbeitskraft ihre Familien zu ernähren? Sie können nun sehen, wo sie

Arbeit finden - nämlich nirgends!

Darüber hinaus sparen die Opel-Bosse überall da, wo es auf unsere Kosten

möglich ist. Sogar die Luft wird knapp, denn gute Luft kostet etwas.



SPARMASSNAHMEN BEI DER LUFT IM PRESSWERK



In ihren Ventilator-geregelten Büros haben sich die Bosse folgendes

ausgedacht:

Die Filteranlagen der Ventilatoren im Preßwerk werden eingespart, schließlich

können die Arbeiter ein paar Grad mehr ja vertragen. Die sind ja abgehärtet.

Auch ein bißchen mehr Trockenheit der Luft wird denen schon nichts ausmachen.

Die Meister sind ja zum Glück von diesen Maßnahmen kaum betroffen, denn sie

sitzen ja meistens im Gang, durch den Frischluft zieht. Und die Herren

Betriebsleiter fahren ja nur 'mal kurz mit dem Fahrrad durch.



Der Erfolg dieser Idee: oft unerträgliche Hitze für die Kollegen, dazu eine

unangenehme Austrocknung der haut. Benutzt man nicht dauernd Creme, so

bekommt man Risse im Gesicht. Und durch die ständigen Schweißausbrüche am

ganzen Körper, haben wohl die meisten Kollegen im Preßwerk eine

Dauererkältung. Nicht umsonst ist der Krankenstand in letzter Zeit auf 14%

angestiegen!



Die Stückzahlen werden aber trotzdem geschafft. Zwar nur unter größten

Anstrengungen, aber die Opel-Bosse können sich ins Fäustchen lachen. Muckt

einmal ein Kollege auf, so weiß der Meister, ihn klein zu halten: 'Herr

Soundso, wollen Sie denn wirklich bei den Entlassungen mit dabei sein?'



UND BEI DER OPELWÄSCHEREI



Seit einiger Zeit gibt es in der Produktion nur noch alle 14 Tage frische

Arbeitsanzüge. Offizielle Begründung:

'Da es keine Sonderschichten mehr gibt, werden die Anzüge ja nicht mehr so

schmutzig.'

Ganz abgesehen davon, daß im Preßwerk auch ohne zusätzliche Pflichtschichten

Samstags gearbeitet wird, ist dieser Vorwand eine bodenlose Unverschämtheit

und freche Lüge.



So sagte sinngemäß ein Vertrauensmann ganz unverblümt: 'Seit dem Streik in

Amerika muß überall gespart werden - und außerdem kommt ja die Krise. Die in

den USA verlorenen Profite müssen nun in den anderen GM-Werken 'rausgeholt

werden. Auch die sinkenden Auftragseingänge müssen wett gemacht werden. Aus

diesem Grunde kann man nicht umhin, die Sonderschichten der Wäscherei

einzusparen. Der Betriebsrat kann in dieser Situation gar nichts machen, denn

man steht jetzt den Arbeiterwünschen nicht mehr so aufgeschlossen gegenüber.'



Alle Kollegen sind äußerst unzufrieden; aber murrend tragen sie ihre

dreckstinkenden Anzüge.



Doch auch diese Sparerei genügt den geldgierigen Opel-Bossen nicht. Sie

steigern die Ausbeutung immer mehr! Sie versuchen, den letzten Tropfen aus

uns zu pressen.



STEIGERUNG DER AKKORDHETZE



So wird z.B. im Preßwerk von den Meistern in letzter Zeit manchmal eine

völlig neue Stückzahl angegeben. Mußte man eine Woche vorher noch 2 200 Teile

fahren, so sollten es plötzlich 3 000 sein. Und dazu die freche Behauptung:

'Das war schon immer so'. Wer seine Knochen schon bei 2 200 geschunden hat,

der kann die Unverschämtheit dieser Worte ermessen!



Außerdem werden die bisherigen 110% öfters plötzlich als 100% angegeben. So

will man uns für dumm verkaufen!



Auch in D4 wird die Ausbeutung verschärft.

In den letzten Monaten wurden neue Akkordzeiten gestoppt, die seit dem

1.3.1971 offiziell sind. Die alten Zeiten wurden gestoppt, als nur Kadett und

GT gefahren wurden. Die neuen Zeiten beziehen sich aber auf Kadett, Manta und

Ascona. Bei Manta und Ascona aber machen die meisten Operationen viel

mehr Arbeit als beim Kadett. Trotzdem sind die neuen Zeiten durchweg kürzer

als die alten. Ja, es wird sogar von vielen Operationen ein Kollege

abgezogen. Und das bei 500 und mehr Wagen pro Schicht, von denen vielleicht

ein Viertel Kadetts sind.

In den ersten tagen dieser gesteigerten Ausbeutung haben die Kollegen

protestiert. Zum Teil wurden die Operationen noch einmal gestoppt - natürlich

kam das Gleiche heraus! Die Meister liefen herum und meinten väterlich:

'Strengt Euch 'mal an, Ihr werdet das schon schaffen!'



Der Betriebsrat war wieder einmal 'nicht zuständig', als die Kollegen von ihm

verlangten, er solle sich endlich einmal für sie einsetzen.



Aber den Gipfel der Frechheit erlaubte sich der 'Ober-Ober-Meister' von D4,

nämlich Betriebsleiter Pfeffer. Im vollen Bewußtsein seiner Macht meinte

dieser Kapitalistenknecht: 'Wir wollen uns doch nicht jeden tag wegen der

neuen Zeiten streiten! Also fahrt 'mal schön mit einem Mann weniger!'

So hielt der Widerstand auch nicht lange an. Immer häufiger konnte man hören:

'Dagegen kommt man doch nicht an!'



ABER DAS STIMMT NICHT!!



Die Opelbosse und ihre Kumpanen, der bürgerliche Staatsapparat und die

Gewerkschaften, sind zwar eine mächtige Burg; aber keine Burg ist

uneinnehmbar!



Je mehr und je schärfere Angriffe von diesem Dreibund auf die Arbeiterklasse

gestartet werden, desto mehr Kollegen erkennen, daß die Hoffnung auf

Betriebsrat oder SPD nur vom richtigen Weg ablenkt: nämlich auf die eigene

Kraft und Stärke vertrauen und den Kampf gegen die Burg organisiert

aufnehmen!



ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN OPEL BETRIEBSGRUPPE DER KPD/ML!



BAUEN WIR EINE STARKE KOMMUNISTISCHE PARTEI DEUTSCHLANDS - MARXISTEN

LENINISTEN



KPD-ML"



Geworben wird für den 'Roten Morgen', der vor dem Tor verkauft werde.

=Zündkerze Extra Kollegen! Solidarisiert euch mit dem Kampf gegen die

Fahrpreiserhöhungen bei der BOGESTRA,Bochum o.J. (1971)



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29.03.1971: 

Bei Opel Bochum gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK

vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Extrablatt ihrer 'Zündkerze'

(vgl. 22.3.1971, 5.4.1971) heraus:"

FÜR DIE PROFITE DER GM-BOSSE - AKKORDHETZE BIS ZUM TOD!



WIEDER EINMAL IST EIN KOLLEGE GESTORBEN - OBWOHL ER KURZ VORHER DIE

'VORZÜGLICHE ÄRZTLICHE BETREUUNG' BEIM SANI GENOSSEN HATTE



Dieser Kollege aus D4, 41 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, kam am Donnerstag

zur Nachtschicht und ging sofort wegen Herzschmerzen zum Sani. Mit Tabletten

wurde er auf der Stelle wieder zur Arbeit geschickt - eine genaue

Untersuchung war den Herrschaften zu aufwendig. Auf dem Weg zur Arbeit kippte

der Kollege im Keller von D3 um, lag dort bis viertel vor elf, bis die zur

Kaue gehenden der Mittagsschicht seinen Abtransport ins Krankenhaus

veranlaßten. Bald danach starb der Kollege. Seine Witwe wird noch nicht

einmal eine ausreichende Rente erhalten, weil ihr Mann noch so jung war.



Viele Kollegen klagen über Herzschmerzen, Überarbeitung und vieles mehr. Wir

alle mußten uns in der Hochkonjunktur bei Überstunden, Sonderschichten und

gesteigerter Akkordhetze unsere Gesundheit ruinieren, um mit dem 'Über'-Lohn

gerade die vielen Preis- und Steuererhöhungen bezahlen zu können.



WIEVIELE SOLLEN JETZT VON UNS AN DER IMMER WEITER STEIGENDEN AKKORDHETZE UND

BELASTUNG STERBEN?



Die Kapitalisten versuchen, ihre Profite in der beginnenden Krise dadurch zu

sichern, daß sie uns buchstäblich bis zum letzten Tropfen auspressen. Und wer

das gesundheitlich nicht aushält - der ist beim Sani an der falschen Adresse.

Denn hier gilt nur eine Parole: Zurück zur Arbeit und zwar möglichst schnell!

Hier geht es um Arbeitsmaschinen, für die Kapitalisten sind wir keine

Menschen, sondern lediglich 'Behälter menschlicher Arbeitskraft', wie Karl

Marx sagte. Wenn die Arbeitskraft nachläßt, d.h. wenn sie bis zum Letzten

ausgebeutet ist, dann sind wir Abfall für die Bosse. Dann gibt es nur zwei

Wege: Entweder bis zum Tod arbeiten - oder krankfeiern und gekündigt werden.



Wir wollen aus den unzähligen Beispielen nur zwei herausgreifen:

Ein Kollege aus D3 mit starken Magenschmerzen wurde ebenfalls ohne

Untersuchung mit den vom Sani so hoch geschätzten Tabletten an die Arbeit

geschickt. Als er wegen andauernder Schmerzen noch einmal hinunterging,

gelang es ihm erst nach einer längeren erregten Auseinandersetzung mit dem

Werksarzt, diesen davon zu überzeugen, daß er nicht arbeitsfähig war. So

machte denn der Werksarzt ausdrücklich 'mal eine Ausnahme' und ließ ihn nach

Hause gehen. Daraufhin mußte der Kollege wochenlang krankfeiern, und nach

kurzer Wiederaufnahme der Arbeit begannen die Schmerzen auf's Neue. Erst dann

wurde eine Röntgenaufnahme gemacht, bei der sich ein bereits durchgebrochenes

Magengeschwür herausstellte!



Ein anderer Kollege hatte einen Arbeitsunfall, bei dem sein Knie sofort rot

und blau dick anschwoll. Er humpelte zum Sani und wurde mit einem Kühlverband

- natürlich ohne Untersuchung - zur Arbeit geschickt. Auf dem Weg dorthin

fiel einer Schwester auf, daß er kaum laufen konnte. Doch ihre Aufforderung,

zum Sani zurückzugehen, scheiterte an der bereits eingetretenen 'Leck-mich-

am-Arsch'-Stimmung. Erst nach der Schicht wurde das Knie vom Hausarzt

geröntgt: Kniegelenksplitterung und Sehnenriß! Seit fünf Wochen feiert der

Kollege nun krank und wird ständig punktiert.



Aber beide Kollegen müssen damit rechnen, daß sie im Zuge der

'Bummelantensäuberung' ihren Arbeitsplatz verlieren.



Doch so werden natürlich nicht alle 'Mitarbeiter' behandelt. Die Mitarbeit

einiger Leute ist für die Opelbosse äußerst wertvoll und wird gehegt und

sorgsamst gepflegt. Zu diesen Auserwählten gehört auch der Betriebsleiter

Pfeffer. Dieser Herr ging ebenfalls, wie unser toter Kollege, mit

Herzschmerzen zum Sani. Doch hier griff man nicht so eilig zur Tablette - oh

nein! Erst nach genauer Untersuchung und EKG wurde der Pfeffer wieder auf

seinen Antreiberposten geschickt. Dort erreichte ihn bald der Befund: Kurz

vor dem Herzinfarkt, keinen Schritt mehr gehen! Auf der Stelle wurde der

Pfeffer abtransportiert; denn seine Gesundheit ist ja für die Kapitalisten

wertvoll. Wie vortrefflich er sich aufs Antreiben versteht, haben wir ja

schon in dem Artikel der 'ZÜNDKERZE' über die Krisenmaßnahmen bei Opel (vgl.

22.3.1971,d.Vf.) beschrieben.



Kolleginnen und Kollegen!

Dieses unmenschliche kapitalistische System müssen wir alle gemeinsam

bekämpfen. Wir können zwar dem Kollegen einen Kranz spenden und auch der

Witwe und ihren Kindern unsere tiefste Empörung versichern.

Aber verhindern wir damit, daß die Kapitalisten immer mehr von uns verheizen?

- Nein, das tun wir nicht. Das können wir nur, wenn wir das Übel an der

Wurzel ausrotten:

NÄMLICH DEN KAMPF GEGEN DIESES UNTERDRÜCKUNGS- UND AUSBEUTUNGSSYSTEM führen,

in dem ein Arbeiterleben dann keinen Pfifferling mehr wert ist, wenn seine

Arbeitskraft durch die ständige Ausbeutung verbraucht ist.



ÜNTERSTÜTZT DIE ZÜNDKERZE!

STÄRKT DIE ROTE BETRIEBSGRUPPE!"

=Zündkerze Extra Für die Profite der GM-Bosse und Nr.8,Bochum o.J. (1971)

bzw. Mai 1971,S.5



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29.03.1971: 

'Die Presse' Nr.3 - Zeitung der Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB in Bochum

erscheint vermutlich Annfang dieser Woche, datiert auf April (vgl. Feb. 1971,

Sept. 1971), mit acht Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von H.D. Weber,

Bochum, und dem folgenden Leitartikel (vgl. 26.3.1971):"

KAMPF DER SPD-PREISTREIBEREI



3 000 DORTMUNDER KOLLEGEN WEISEN DEN WEG.



3 000 Dortmunder Kollegen der Zeche 'Minister Stein' (IGBE-Bereich,d.Vf.)

zogen am Freitag durch die Straßen Dortmunds. Ihr Streik und ihre

Demonstration richtete sich gegen den SPD-Stadtrat von Dortmund, der die

Preise für die Straßenbahnen und die Busse um 30% erhöht hatte. Der

Betriebsrat von 'Minister Stein' erklärte: 'Wir sind es leid, noch länger für

den SPD-Stadtrat Gewehr bei Fuß zu stehen!'



Mit ihrer Demonstration haben die Dortmunder Kumpel allen Arbeitern des

Ruhrgebiets ein Zeichen gesetzt: das Zeichen, das gegen die Preistreiberei

der SPD-Führer in Bund, Land und Stadt die Arbeiterklasse den Kampf aufnehmen

muß, denn die Arbeiterklasse ist es, die für die Pläne der SPD-Führer

bezahlen soll und die Arbeiterklasse allein ist es, die diese Pläne

durchkreuzen kann.



Nicht nur in Dortmund gibt es Preiserhöhungen für die Straßenbahn und den

Bus: in Bochum, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bottrop, Gladbeck, Oberhausen,

Düsseldorf und vielen anderen Ruhrgebietsstädten haben die SPD-Ratsherren,

die auch meist Aufsichtsratsmitglieder der Nahverkehrsunternehmen sind,

Preiserhöhungen beschloßen oder wollen sie beschließen. Und diese

Tariferhöhungen sind nicht die einzigen, die die SPD-Bonzen im Rathaus ins

Auge fassen: sie beraten schon jetzt fast überall die nächsten Erhöhungen für

Strom, Gas, Bäder, Kindergarten usw.



Dies ist ein großangelegter Angriff der SPD-Stadträte auf unsere Lebenslage;

sie treiben den Lohnraub, den die SPD-Bundesregierung mit der Einführung des

'Konjunkturzuschlags' begonnen hat, den die Kapitalisten mit dauernden

Preiserhöhungen ebenfalls betreiben, aktiv voran. So meinte der

OBERBÜRGERMEISTER VON BOCHUM, Klaus, der Aufsichtsratsvorsitzender der

BoGeStra ist, denn auch zu den Fahrpreiserhöhungen der BoGeStra (vgl.

S2.*.1971,d.Vf.):



'IM HINBLICK AUF DIE GESTIEGENEN LÖHNE UND GEHÄLTER IST DIE FAHRPREISERHÖHUNG

VERTRETBAR!'



Das ist die Sprache der Kapitalisten, die, wenn wir uns 10% Lohnerhöhung

erkämpft haben, uns hinterher über die Preise wieder alles aus der Tasche

ziehen.



Diese großangelegten Angriffe der SPD-Stadtparlamente kommen nicht von

ungefähr; sie sind ein Zeichen der Finanzkrise des Staates und diese

Finanzkrise ist ein deutliches Zeichen für die beginnende Wirtschaftskrise:



Die Steuerkommission der Bundesregierung (vgl. S2.*.1971,d.Vf.) hat

errechnet, daß die Steuereinnahmen 1971 lange nicht so schnell ansteigen

werden, wie angenommen. Der Grund ist klar: 1970 hatte die werktätige

Bevölkerung 30% MEHR LOHNSTEUERN zahlen müssen, und das noch ohne daß der

Konjunkturzuschlag berechnet ist.



So hatte die SPD-Bundesregierung die Steuerkassen aufgefüllt mit den mühsam

erwirtschafteten Steuergeldern der werktätigen Bevölkerung. Und diese Mittel

hat sie auch gleich wieder mit vollen Armen ausgegeben; allerdings nicht für

die groß angekündigten Reformen, mit denen sie während der Wahlen auf

Stimmenfang ging. Die reichlichen Lohnsteuern floßen als riesige

Investitionsspritzen in die Taschen der Kapitalisten:



So mußten die Kapitalisten 1970 weniger Steuern bezahlen als 1969, obwohl

ihre Profite in die Höhe geschnellt waren:

8% WENIGER EINKOMMENSSTEUER,

14% WENIGER KÖRPERSCHAFTSSTEUER,

11% WENIGER GEWERBESTEUER!



Hätte die SPD-Regierung der Kapitalistenklasse 1970 auch 30% mehr Steuern aus

der Tasche gezogen, hätten die Kapitalisten 9 Milliarden DM mehr bezahlen

müssen - allein 9 Mrd. DM, obwohl die Profite der Kapitalisten schneller

gestiegen sind als die Löhne der Arbeiterklasse.



Um den westdeutschen Kapitalisten einen immer stärkeren Platz an der Sonne in

der internationalen Konkurrenz zu sichern, hat die SPD-Regierung in Bonn 5

Mrd. DM Investitionshilfen locker gemacht;



um die Bundeswehr für einen Krieg vorbereiten, der nur für die Interessen der

Kapitalistenklasse bei der Eroberung neuer Märkte geführt werden kann, haben

die SPD-Bonzen in Bonn bis 1975 über 100 Milliarden DM eingeplant;



um den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) für eine Bürgerkriegsarmee gegen die

Arbeiterklasse umzurüsten, hat die SPD-Regierung 1971 452 Millionen DM

bereitgestellt.



DOCH FÜR DIE FINANZIERUNG DES NAHVERKEHRS HABEN DIE SPD-FÜHRER NICHTS ÜBRIG,

DENN HIER GEHT ES JA NICHT UM DAS WOHL DER KAPITALISTENKLASSE, SONDERN UM DAS

INTERESSE DER WERKTÄTIGEN BEVÖLKERUNG - DESHALB SOLL IM NAHVERKEHR DIE

BEVÖLKERUNG DIE ZECHE ZAHLEN!



Gegen diese Politik sind die Kumpel von 'Minister Stein' in Dortmund auf die

Straße gegangen. Ihre Forderung lautete:



RÜCKNAHME DER FAHRPREISERHÖHUNGEN! 50 PFENNIG EINHEITSTARIF!



Doch die Fahrpreiserhöhungen sind nicht alles: 1971 werden die Lohnsteuern

nicht mehr so reichlich für die Kapitalisten fließen wie 1970: Streichung der

Überstunden, Kurzarbeit, Entlassungen drücken den Lohn und damit auch die

Einnahmen aus der Lohnsteuer. Deshalb hat die SPD-Regierung auch schon wieder

neue Pläne: Erhöhung der Steuern, z.B. der Mehrwertsteuer von 11 auf 16%! Die

Kapitalisten werden diese Steuererhöhung mit 10 und mehr Prozent

Preiserhöhungen an uns weitergeben. Und dann sollen wieder wir zahlen. Gegen

diese Pläne muß unsere Forderung sein:



KEINE STEUERERHÖHUNGEN FÜR DIE WERKTÄTIGE BEVÖLKERUNG!



Den ersten Schritt zur Aufnahme des Kampfes haben uns die Dortmunder Kollegen

gezeigt. Wir sind in der gleichen Situation wie sie: auch bei uns sind viele

auf die Straßenbahn und den Bus angewiesen und es werden noch mehr werden;

viele werden sich bei weiterem Lohndruck und bei weiterer Preistreiberei für

Autos, KFZ-Versicherung und Reparaturen bald kein Auto mehr leisten können.

Und die, die weiter Auto fahren werden, brauchen sich nicht in Sicherheit zu

wiegen. Für Anfang 1972 haben die KFZ-Versicherungsgesellschaften neue

Tariferhöhungen von 20% angekündigt. Deshalb müssen alle Kollegen

solidarisch den Kampf aufnehmen, wie es die Dortmund Kollegen auch getan

haben.



Von den Demonstrationen der Lehrlinge, Jungarbeiter, Schüler und Studenten

werden sich die SPD-Ratsherren im Bochumer Rathaus nicht beirren lassen; sie

haben ja ihre Polizeitruppe, die schon einige Male die Demonstranten

auseinandergetrieben und brutal verhaftet hat. Doch wenn ein paar Tausend

Opel-Arbeiter auf die Straße gehen, werden es die SPD-Herren nicht wagen,

Polizei aufmarschieren zu lassen. Alle Hoffnungen in die SPD-Führer nutzen

nichts; das sollten uns auch die zwei Jahre SPD-Regierung in Bonn gezeigt

haben; nur wenn wir uns auf unsere Kampfkraft und Geschlossenheit verlassen,

wie wir sie im Herbst 1970 bei den Tarifkämpfen gezeigt haben, werden wir den

SPD-Bonzen einen Strich durch ihre Rechnungen machen können.



Deshalb Kollegen:

Nutzen wir jede Gelegenheit, um über Kampfmaßnahmen gegen die SPD-

Preistreiberei zu beraten, nutzen wir die Betriebsversammlung am Donnerstag

(vgl. 1.4.1971,d.Vf.) aus, um geeignete Maßnahmen zu diskutieren und zu

beschließen.



Lassen wir uns nicht durch Vorschläge des Betriebsrats zu Protestschreiben an

die SPD-Führer im Rathaus oder zu ähnlichen Kindereien gewinnen:



DIE KOLLEGEN VON DORTMUND HABEN UNS DEN WEG GEWIESEN!



Und wenn wir auf der Straße marschieren, wird dies ein Zeichen für weitere

Betriebe sein.



Fordern wir mit den Dortmunder Kollegen:



50 PFG-EINHEITSTARIF!



KEINE STEUERERHÖHUNG FÜR DIE WERKTÄTIGE BEVÖLKERUNG!"



Berichtet wird auch über:"

KRISENMASSNAHMEN



An den Anschlagbrettern kann es jeder lesen: Lieferzeiten für Opel-Arbeiter

statt sechs Monaten nur noch ein Monat; vom Werk II wurde uns berichtet, daß

bereits jetzt Arbeitsaufträge für das letzte Quartal 1971 erfüllt werden.



Das sind deutliche Zeichen für die wachsenden Absatzschwierigkeiten der Opel-

Kapitalisten, nachdem sie uns auf der Jagd nach Profit in Überstunden und

Sonderschichten bis auf die Knochen ausgelaugt haben. Im Verein mit der

staatlichen Ausplünderung der Arbeiterklasse durch die SPD-Preis- und

Steuerpolitik starten jetzt die Opel-Bosse täglich neue Angriffe, um die

Folgen der kapitalistischen Überproduktionskrise auf unseren Rücken

abzuwälzen und ihre Profite zu sichern.



(Kollegen, die folgenden Informationen sind teilweise noch inoffiziell und

ungenau! Berichtet uns sofort, wenn ihre genaueres wißt: Adresse: KPD/ML,

Bochum Goldhammerstr.1)



1. ENTLASSUNGEN



Kollegen, die häufig krank feiern, werden massenhaft entlassen; wie uns

Kollegen aus dem Preßwerk berichteten, bis zu 49 Mann pro Monat. (Ab 50

müßten die Kapitalisten die Anmeldung von Massenentlassungen beim Arbeitsamt

vornehmen und diese Krisenmaßnahmen somit öffentlich zugeben.)



Aus Werk II und aus D4 wurde uns mitgeteilt, daß alle, die öfter krank sind,

zum Abteilungsleiter geladen würden. - Einige Betriebsräte versuchten, die

Entlassungen in übelster Weise als berechtigte Maßnahmen der Kapitalisten

auszugeben: der Krankenstand bei Opel sei 1970 mit 15% der höchste in der BRD

gewesen; es gäbe zu viele 'Bummelanten', die durch häufiges Fehlen kein

Interesse an der Arbeit zeigten; außerdem wäre mit diesen Kollegen ja auch

nicht gut zusammenzuarbeiten, da immer wieder Ersatzmänner einspringen

müßten. Mit solchem Gerede erweist sich der B-Rat wieder als übler Spaltpilz

in der Arbeiterklasse: im Interesse der Kapitalisten soll unsere Wut auf

einige Kollegen abgelenkt werden, damit wir nicht wieder wie im September

letzten Jahres (vgl. 24.9.1970,d.Vf.) den Kampf aufnehmen.



Die hinterhältige Taktik der Gewerkschaftsführer bis hin zu den

Opel-Betriebsräten wird jedem klar, wenn man vergleicht, was die IGM NACH der

letzten Krise 1966/1967 in ihrem 'Weißbuch der Unternehmermoral' (vgl.

S5.**.19**,d.Vf.) über Entlassungen als Mittel zur Unterdrückung der

Arbeiterklasse schrieb:



'Kranke Arbeitnehmer, die früher ihre Krankheit auskurierten, gefährden heute

lieber ihre Gesundheit, als daß sie den Arbeitsplatz verlassen, weil sie

Furcht vor Kündigungen haben. Wie berechtigt diese Furcht ist, zeigen die

Fälle, in denen Entlassungen einfach nach den Fehlzeiten in den Vorjahren

vorgenommen wurden. So stehen heute Arbeitnehmer mit Fieber am Band oder

sind, wenn sie es doch 'wagen' krank zu sein, obendrein Schikanen

ausgesetzt.' (Weißbuch S.74)



NACH der Krise schimpfen die Gewerkschaftsführer in radikalen Tönen auf die

Kapitalisten, aber VOR und WÄHREND der Krise verhindern sie unseren

gemeinsamen Kampf!



2. EINSTELLUNGSSTOP



In Bochum wird nur noch entsprechend den Entlassungen neu eingestellt; in

Rüsselsheim ist bereits Einstellungsstop für Frauen. Ausländische Kollegen

werden wie Arbeitsvieh nach Bochum verlagert.



3. PUNKTESYSTEM FÜR ZEITLÖHNER



Von 32 möglichen Punkten wurden durchschnittlich etwa 19 vergeben. Einige

Meister, die durchschnittlich höhere Punktzahlen verteilten, wurden

zurückgepfiffen und mußten in einer erneuten Bewertung einen niedrigeren

Durchschnitt erreichen. Manche Kollegen beschwerten sich, erreichten aber

meistens nur das, was das Punktesystem will: sie wurden gegen die anderen

Kollegen aufgehetzt, die Kollegen untereinander gespalten. Deshalb kann

unsere Forderung NUR sein:



WEBG MIT DEM PUNKTESYSTEM!

EINHEITLICHE LEISTUNGSZULAGE FÜR ZEITLÖHNER!"



Zum 'Roten Kadett' (Zeitung der Opel-Betriebsgruppe der DKP - vgl. Feb. 1971)

gibt es hier in einem Kasten den Hinweis:"

Den D'K'P-Führern fällt in ihrem 'Rotem Kadett' zum Kampf gegen das

Punktesystem nichts weiteres ein, als den Kollegen zu raten, sie sollten sich

beim Meister beschweren, wenn sie sich 'ungerecht' bewertet fühlen.



Die meisten Kollegen haben schon längst erkannt, was die Kapitalisten damit

bezwecken, daß man sich einzeln beschweren soll - sie haben sich geweigert,

auf diesen üblen Spaltungstrick einzugehen."



Weiter heißt es im Artikel:"

4. KONTROLLE DER ARBEITSZEIT



In Rüsselsheim gibt es bereits Kontrollen in den Waschkauen vor Schichtende.

Auch bei uns verschärfen sich täglich die Meister- und Obermeisterkontrollen

vor den Pausen und vor Schichtende, um uns bis zur letzten Minute

auszunutzen.



5. PREISERHÖHUNGEN DER KANTINENESSEN



Diese Maßnahme wurde uns von einigen Kollegen aus dem Preßwerk berichtet.

Ausdrücklich müssen wir sagen, daß es noch keine offizielle Meldung gibt und

daß wir dazu noch Informationen brauchen.



6. NACHTSCHICHT IN VERSANDABTEILUNG



Zur Einsparung von Überstunden und zur Verschärfung der Arbeitshetze wurden

die Kollegen einer Abteilung, wo bisher bei Bedarf 10 Stunden gearbeitet

wurde, in drei Schichten aufgeteilt, was für jeden eine erhöhte

Arbeitsbelastung, für die Kapitalisten aber erhöhten Profit bringt.



7. WECHSEL DER ARBEITSKLEIDUNG



Auch in den Abteilungen, wo bisher noch alle acht Tage gewechselt wurde, gibt

es jetzt fast überall nur noch vierzehntägigen Wechsel der Arbeitsanzüge.



8. ANHÄUFUNG VON ARBEITSUNFÄLLEN



Vor einigen Wochen wurde ein Kollege bei Schichtende auf einer der

Werksstraßen von einem Transporter angefahren. Bei Schichtwechsel müßte der

Verkehr vollkommen ruhen - der Betriebsrat bleibt auch hier untätig.



Im Preßwerk verlor ein Kollege eine Hand, ein anderer vier Finger bei

Unfällen an ihren Pressen. Die Geschäftsleitung dazu: Die

Sicherheitsvorschriften wurden nicht beachtet! Damit wird vertuscht, daß die

ständige Beachtung der Sicherheitsvorschriften bei unserem Arbeitstempo

einfach unmöglich ist!



Kollegen!



Der Betriebsratsvorsitzende Perschke - auch einer der Arbeiterverräter in der

SPD - wird auf der BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG AM 1. UND 2.APRIL versuchen, die

Krisenmaßnahmen bei Opel als 'nützlich für die gesamtwirtschaftliche Lage'

usw. zu beschönigen. Im Interesse der Kapitalisten und ihrer SPD-Regierung

wird Perschke (selbstverständlich mit ein wenig scheinheiligem Geschimpf

gegen die Geschäftsleitung) die Aufgabe wahrnehmen, für 'Ruhe und Ordnung' im

Betrieb zu sorgen, damit nur nicht die Profite angeknackst werden, etwa

dadurch, daß wir so handeln wie die Kollegen von der DUISBURGER KUPFERHÜTTE

(IGM-Bereich,d.Vf.): in einem ZWEISTÜNDIGEN WARNSTREIK am 12.3. forderten sie

gemeinsam vor dem Verwaltungsgebäude vollständige Auskunft über alle

sogenannten 'Rationalisierungsmaßnahmen' wie Kurzarbeit, Entlassungen und

Lohnkürzungen. Das zu erwartende Perschke-Gerede wird wohl in dem Aufruf

enden, wir sollten mit allen Kräften helfen, daß Opel aus der Krise

herauskommt; das heißt, wir sollten uns geduldig von den Opel-Bossen und der

Regierung treten und ausplündern lassen, bis die Profite wieder hochschnellen

wie nach der letzten Krise 1966/1967.



Perschke will mit solchen Märchen genau das erreichen, was auch die DGB- und

IGM-Bonzen bezwecken: Mit leeren Versprechungen und übler Schönfärberei aller

Krisenmaßnahmen soll der Kampf gegen Lohnkürzungen und Entlassungen von

vornherein abgewürgt werden.



So warnt Otto Brenner in der neuesten 'Metall' (Nr.6 (vgl. 16.3.1971,d.Vf.),

S.2) 'zornig' die SPD-Regierung, nur ja ihre Reformversprechen einzuhalten,

wie z.B. die 'Verdoppelung des Arbeitnehmerfreibetrags'. Hinter den Kulissen

aber handeln die IGM-Bonzen allein im Interesse der Kapitalisten. Wie wir in

der letzten 'Presse' berichteten, hat die IGM-Führung dem Lohndiktat der SPD-

Regierung von 7 - 8% Tariferhöhung längst zugestimmt.



Damit folgen die Gewerkschaftsführer treu der Wirtschaftspolitik SCHILLERS:

Am 25.Februar sagte er auf der Kabinettssitzung:



'Wir können der Wirtschaft vieles zumuten, aber nach diesen Lohnrunden, nach

Lohnfortzahlung und Krankenversicherungsreform können wir ihr jetzt nicht

noch Vermögensbildung, Bildungsurlaub, flexible Altersgrenze in der

Rentenversicherung und höhere Steuern aufladen - DAS GEHT EINFACH NICHT!'



Was anscheinend aber 'einfach' geht: Preiserhöhungen auf allen Gebieten zu

Lasten der Arbeiter und der werktätigen Bevölkerung; verschärfte

Unterdrückung, Arbeitshetze und Lohnkürzungen durch Kurzarbeit für immer

größere Teile der Arbeiterklasse! Der Rüstungsetat sollte um drei Milliarden

DM in vier Jahren gekürzt werden. Wie die neueste 'Rote Fahne' (das

Zentralorgan der KPD/ML) berichtet, setzte der Kriegsminister Schmidt auf

einer Kabinettssitzung (vgl. 25.2.1971,d.Vf.) durch, daß DIESE Einsparung

NICHT vorgenommen wird.



Kollegen! Gegen diese Front von Kapitalisten, bürgerlichen Parteien, SPD- und

Gewerkschaftsführern organisieren wir in den Betriebsgruppen der

Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten den Kampf gegen die

Auswirkungen der Krise, gegen die Arbeiterverräter in der Gewerkschaft, gegen

die Kapitalistenklasse und ihre Regierung und gegen den ganzen

kapitalistischen Ausbeuterstaat, in dem eine winzig kleine Klasse von

Kapitalisten und ihren Handlangern die gesamte Arbeiterklasse unter der Knute

hält.



UNTERSTÜTZT DIE BETRIEBSGRUPPE DER KPD/ML DURCH INFORMATIONEN, KRITIK UND

VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE FÜR DIE 'PRESSE'! Gebt zur persönlichen

Kontaktaufnahme mit Kollegen der Betriebsgruppe am besten Eure Anschrift an

die Verteiler der 'Presse' und der 'Roten Fahne'; das sind Genossen des

Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland (KJVD), die die Anschriften an

die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML weiterreichen!



DIE KRISENFOLGEN ORGANISIERT BEKÄMPFEN!"



Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) Nr.6 (vgl. 29.3.1971) und als letzter

Beitrag erscheint ein:"

LESERBRIEF



'Ich übersende Euch dieses Schreiben mit der Bitte um Veröffentlichung in

Eurer Opel-Betriebszeitung.



Langsam sickern Einzelheiten über das Punktebewertungssytem bei Opel durch,

was uns die IGM und der Betriebsrat beschert haben. Ich muß schon sagen, wenn

das eine Errungenschaft ist, dann wird Opel wohl bald den Betriebsräten eine

hohe Prämie diesen Verbesserungsvorschlag zahlen. - Unsere Kollegen sind sehr

empört über dieses System. Wir sind doch jetzt tatsächlich in zwei Lager

gespalten. In eins der gut Bewerteten und diejenigen, die sich übervorteilt

fühlen. Und diesem Verbesserungsvorschlag gibt die Gewerkschaft ihren Segen.

Der Willkür der Meister ist jetzt Tür und Tor geöffnet. Der eine vollführt

wichtige 'Generalstabsarbeit' mit Fähnchenstecken und so, der andere sucht

sich seine Opfer unter denen, die ihm nicht sympathisch sind. Der andere

bevorzugt die, die ihm immer am Kittel hängen. Der andere wieder macht es

sich ganz leicht, er benachteiligt diejenigen, die sich ruhig verhalten (die

Großmäuler sind obenan). Es soll sogar Meister geben, die ganze Kolonnen

benachteiligen, nur weil unter ihnen kein Schwätzer ist. Nun, meine Meister,

so geht es nicht. Meint ihr wirklich, daß die Masse der Facharbeiter einen

niedrigeren Intelligenzgrad , weniger Beurteilungsvermögen hat wie ihr?



Der Gewerkschaft kann ich nur sagen, ihr habt ein spielentscheidendes

Selbsttor geschossen. Wie könnt ihr das Schicksal der euch Anvertrauten einem

einzigen Mann anvertrauen, dem Meister? Könnt ihr euch noch erinnern, als vor

Jahren von euch über die Firmenleitung gewettert wurde, sie hätte angeblich

Beurteilungsakten über jeden Betriebsangehörigen angelegt? Und was habt ihr

jetzt ausgeheckt? Wenn es auch nicht zu Lohnkürzungen kommen sollte, die

Beurteilung wird doch sicher als Vermerk in die Personalabteilung wandern.



Wenn man schon so ein System einführen will, hätte man die Beurteilung,

unabhängig voneinander, dem Kolonnenführer, dem Meister und Obermeister

übertragen sollen, und dann bei zu großen Differenzen im Beisein eines

Betriebsrates ausgleichen sollen! Aber so wird es dem Betriebsklima, der

Firma und uns allen schaden. Warum hat man bei den Bewertungen nicht einen

hinzugezogen, der tatsächlich an der Werkbank steht und täglich mit denen

Umgang hat, die er beurteilen soll? Ich kann nur sagen, dies ist ein Werk von

Theoretikern!



Daß ich diesen Brief anonym schreibe, wird mir mancher zum Vorwurf machen.

Aber, Kollegen, die nächste Flaute kommt bestimmt.



Ein Opelarbeiter.'



ANTOWRT DER BETRIEBSGRUPPE



Lieber Kollege, vielen Dank für diesen ausführlichen Brief.



Solche Briefe sind sehr wichtig, da wir darauf angewiesen sind, von möglichst

vielen Kollegen Informationen zu bekommen und zu erfahren, was sie von den

Angriffen der Kapitalisten halten. - Klar, daß wir sowieso keinen Leserbrief

mit Namen veröffentlichen; allerdings kommt es darauf an, daß wir uns

organisieren und nicht als vereinzelte Kritiker und deshalb hilflos den

Kapitalisten ausgeliefert bleiben und deshalb solltest Du beim nächsten Mal

auch direkt mit uns Kontakt aufnehmen.



Du schreibst völlig richtig, daß das Punktesystem dazu dient, uns allesamt

gegeneinander auszuspielen, da wird jeder Kollege zustimmen. Allerdings

müssen wir Dir entgegnen, daß das Punktesystem vollkommen abgelehnt werden

muß und nicht die Hoffnung darauf ausgerichtet werden kann, daß sich durch

'gerechte Beurteilung' dieses System doch noch positiv für uns auswirken

könnte. - Es dient doch vor allem dazu, uns zur 'Disziplin' zu zwingen, das

Letzte aus uns herauszuholen, und das zu einer Zeit, wo es mit der Konjunktur

bergab geht, die Preise aber weiter in die Höhe gehen. Verschärfte

Ausbeutung, verschärfte Angriffe auf die Lage der Arbeiterklasse - damit

versuchen die Kapitalisten, der kommenden Krise zu begegnen!"



Zentral (vgl. 31.3.1971) berichtet die KPD/ML-ZB u.a. über und mit Hilfe

dieser 'Presse' so:"

In manchen Abteilungen werden noch Überstunden gemacht; weiter werden immer

wieder Gerüchte über neue Überstunden ausgegeben.



Dies führt dazu, daß bei vielen Kollegen immer noch Illusionen über ihre

Arbeitsplatzsicherheit neu geweckt werden. Doch weisen die Tatsachen und die

Rationalisierungsmaßnahmen der Opel-Herren in eine andere Richtung:



- Für Opel-Werksangehörige gibt es bei der Bestellung von Wagen nicht mehr

wie bisher sechs, sondern nur noch einen Monat LIEFERZEIT.



- Pro Monat werden jetzt 49 Kollegen ENTLASSEN, solche, die oft krank

gefeiert haben. Neueinstellungen werden nur noch in der Zahl der entlassenen

Kollegen geholt.



- Die Verschärfung der Arbeitshetze führt zur Häufung von Unfällen: im

Preßwerk verlor ein Kollege vier Finger, ein anderer eine Hand. Die

Geschäftsleitung verwies auf 'eigenes Verschulden', wegen Nichtbeachtung der

Sicherheitsvorschriften. Doch daß die Kollegen nicht aus Spaß die

Sicherheitsvorschriften vernachlässigen ist klar: sie lassen sich bei den

hohen Arbeitsanforderungen fast gar nicht einhalten. ...



- In Bochum wurde ein NEUES PUNKTESYSTEM für Zeitlöhner eingeführt, daß die

Kollegen einzeln antreiben soll. Bisher gab es eine einheitliche

Leistungszulage. Mit diesem Punktsystem, das 'Arbeitsergebnis,

Arbeitseinsatz, Arbeitssorgfalt' jeweils mit unterschiedlichen Punktzahlen

bewertet, sollen die Kollegen gegeneinander aufgehetzt werden. 'Unliebsame'

Arbeiter können jetzt vom Meister niedriger eingestuft werden. Unmittelbare

Auswirkungen auf den Lohn hat das neue Punktsystem vorerst noch nicht, doch

soll im Herbst (bei den Tarifverhandlungen!) eine neue Bewertung erfolgen,

bei der dann wahrscheinlich versucht wird, die Löhne zu drücken.



Die D'K'P-Führer (DKP,d.Vf.) haben in ihrer Betriebszeitung 'Roter Kadett'

nichts anderes zum Punktsystem zu sagen, als daß die Kollegen sich beschweren

sollen, wenn sie sich 'falsch beurteilt' fühlen. Die KPD/ML hat dagegen in

ihrer Betriebszeitung 'Die Presse' die klare Forderung aufgestellt:

'Weg mit dem Punktesystem!

Einheitliche Leistungszulage für alle Zeitlöhner!'



Die meisten Kollegen haben auch das Manöver der Kapitalisten durchschaut. Sie

haben sich geweigert, sich einzeln über die neue Bewertung zu beschweren:

Durchschnittlich wurden an alle Kollegen 19 Punkte von 32 möglichen vergeben.



- Durch die EINFÜHRUNG EINER DRITTEN SCHICHT, Nachtschicht, wird in den

Versandabteilungen von Werk I jetzt von der gleichen Zahl Kollegen ein Satz

Wagen mehr (24 Stück) in die Montagewerke geschickt. Die neue Schichtordnung

erspart die Überstundenzuschläge.



- Von Werk II wird berichtet, wer mehr als 40 Tage insgesamt krank sei, muß

zum persönlichen Verhör zum Abteilungsleiter.



- Vor den Pausen und vor Schichtende KONTROLLIEREN die Obermeister öfter, ob

auch bis zur letzten Minute durchgearbeitet wird."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.9f;

Die Presse Nr.3,Bochum Apr. 1971



31.03.1971: 

Die Rote Garde (RG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt vermutlich Anfang dieser

Woche das folgende Flugblatt von vier Seiten DIN A4 unter Verantwortung von

St. Bock, Bochum, Hustadtring 73, heraus:"

DER KAMPF GEHT WEITER! ...

MIT PREISERHÖHUNG FÄNGT ES AN - BALD SIND WIEDER ENTLASSUNGEN DRAN



Die Lebenshaltungskosten sind von Januar auf Februar um 0,8% gestiegen. Bei

Stahlwerke Bochum (SWB - IGM-Bereich,d.Vf.) sind schon ganze Abteilungen

geschlossen und die Kollegen auf die Straße gesetzt worden. Beim BV werden

bis zum April 500 Kollegen entlassen, jeden Monat 49. Bei Opel (IGM-Bereich,

d.Vf.) gibt es einen generellen Einstellungsstop und über 200 Kollegen wurden

bereits geschmissen."

=RG:Der Kampf geht weiter!,Bochum o.J. (1971)



April 1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dem April (vgl. 30.4.1971):"

STREIK BEI RHODIA IN FREIBURG ...

Während bei den Septemberstreiks 1969 nur

die traditionell kampfstarken Hütten- und Werftarbeiter, d.h. der Kern des

Industrieproletariats, in den Streik getreten waren, erschienen 1970

zusätzlich neue unerfahrene Teile der Arbeiterklasse auf dem Kampfplatz, so

z.B. die Opel- und Fordarbeiter. Dabei handelt es sich vor allem um

angelernte und ungelernte Jungarbeiter-Kräfte, die erst durch die

Krisenentwicklung und ihre tägliche Erfahrung auf den Kampfplatz gerufen

werden. Nachdem also im letzten Jahr zusätzlich zum Kern die unteren Teile

der Arbeiterklasse angetreten sind, werden jetzt auch die obersten Teile der

Arbeiterklasse (die Chemiearbeiter), die lange Zeit große Privilegien

genossen haben und erst durch die beginnende Krise seit Ende 1970 wirklich in

den Kampf hereingezogen werden."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.35,Bochum 8.5.1971,S.11f



April 1971: 

Die Rote Opel-Betriebsjugendgruppe (ROBJG) Bochum der Roten Garde (RG) der

KPD/ML-ZK gibt vermutlich im April das folgende Extrablatt mit zwei Seiten

DIN A 4 unter Verantwortung von Stefan Bock, Bochum, heraus, in dem die RG

sich unter einer mit den fünf ML-Köpfen verzierten aufgehenden Sonne zur JVW

(vgl. **.4.1971) äußert:"

ZUR JUGENDVERTRETERWAHL



In einer Woche ist Jugendvertreterwahl. Heute werden die neuen Kandidaten

sich auf der Jugendversammlung vorstellen. Fordert sie auf zu erklären, wie

sie in Zukunft Eure Interessen als Jugendvertreter vertreten wollen!



WAS HAT DIE ALTE JUGENDVERTRETUNG GETAN?



Von der alten Jugendvertretung, Schneller an der Spitze, haben die Lehrlinge

nicht viel gehört. Sie hat durchgesetzt, daß wir nicht mehr stempeln müssen,

aber bis 16 Uhr 15 arbeiten müssen wir noch immer. Beim Streik (vgl.

S1.**.197*,d.Vf.) hat sich keiner von ihnen in der Lehrbude blicken lassen.

Sie meinen wohl auch, Streiks gehen nur die älteren Kollegen etwas an. Wenn

mal einer der Lehrlinge es wagt, Schneller auf seinem Rundgang bei den

Meistern anzusprechen, weiß er nicht mehr zu sagen, als 'Sag das doch mal auf

der Jugendversammlung.' Auf der letzten Jugendversammlung (vgl.

S1.**.197*,d.Vf.) sahen sie scheinbar keine redenswerten Probleme.

Stattdessen luden sie einen Bundeswehrknilch zur Information ein. Wie diese

Information verlaufen ist, wissen ja wohl noch alle. Bei den Aktionen gegen

die Fahrpreiserhöhungen hatte Schneller nichts Eiligeres zu tun, als sich

davon zu distanzieren (vgl. S1.*.1971,d.Vf.), obwohl die meisten Lehrlinge

jetzt ungeheure Summen für Fahrgeld ausgeben müssen. In der ganzen Zeit vor

der Wahl versucht er dafür zu sorgen, daß die Lehrlinge 'ebensogute'

Interessenvertreter wie ihn wieder bekommen. Dabei hätte er als Mitglied des

Wahlvorstandes neutral zu bleiben. Damit, daß er Stimmen gesammelt hat, hat

er gegen die Wahlordnung verstoßen. Damit haben die Lehrlinge die

Möglichkeit, die Wahl anzufechten und vielleicht doch noch zu verhindern, daß

seine Liste die einzige bleibt. Auf dieser Liste, die er mit den Meistern

abgesprochen hat, stehen vier Bürolehrlinge und sieben gewerbliche und das

bei einem Verhältnis von 30 zu 290 zueinander. Die Bürolehrlinge müssen

natürlich auch ihre Vertreter haben, aber wie wollen sie die anderen 290

vertreten, wenn sie deren Lehre überhaupt nicht kennen? Aber das bezweckt der

saubere Kollege Schneller scheinbar damit, denn dann kann er in Ruhe sein

Verrätersüppchen kochen, ohne daß ihn einer dabei stört. Er hat sogar

zugegeben, daß er diese Liste nur aufgestellt hat, damit die Kommunisten

nicht in die Jugendvertretung kommen, denn 'mit Kommunisten kann er nicht

zusammenarbeiten.' Da hat er allerdings Recht. Wirkliche Kommunisten können

mit ihm auch nicht zusammenarbeiten. Sie würden seine Verrätereien ständig

entlarven, damit allen über einen solchen Arbeitervertreter (Verräter) die

Augen geöffnet werden. Dann wäre es allerdings mit seiner

Gewerkschaftskarriere aus, denn die 'besten' Gewerkschaftsfunktionäre sind

die, die es am besten verstehen, die Kollegen ruhig zu halten und ihre

Interessen am geschicktesten zu verraten.



Die meisten haben diese Liste unterschrieben, weil ihnen die Wahl sowieso

egal ist. Einige haben es richtiger gemacht und ihn ohne Unterschrift wieder

abziehen lassen. Aber auch damit unterstützen sie indirekt noch den Kollegen

Schneller, da sie keine Gegenliste aufstellten. Auf eine Gegenliste gehörten

die Kollegen, die gezeigt haben, daß sie bereit sind, sich für die Interessen

einzusetzen.



JUGENDVERTRETUNG - ERZIEHUNGSINSTRUMENT DER GEWERKSCHAFTSBONZEN ZU

JUGENDVERRÄTERN



Aber reicht es aus, wenn die Lehrlinge eine gute Jugendvertretung haben?



Jungarbeiter und Lehrlinge bekommen nicht nur weniger Geld, sondern werden

auch mehr unterdrückt als ihre älteren Kollegen. Die Jugendvertretung 'darf'

immer wieder Anträge beim Betriebsrat stellen, aber noch nicht einmal darüber

mit abstimmen.



Jugendvertreter haben noch nicht einmal Kündigungsschutz. Viele von Euch

werden fragen: Warum überhaupt eine Jugendvertretung, wenn sie doch keine

Rechte hat?



Das hat zwei Gründe:



- Die DGB-Gewerkschaften benutzen die Jugendvertretung als Aushängeschild, um

den Jungarbeitern und Lehrlingen vormachen zu können, sie wären eine

schlagkräftige Organisation, die den Kampf der Arbeiterjugend um

Verbesserungen im Kapitalismus führt.



- Zugleich nehmen sie Einfluß auf die Jugendvertreter, wenn diese tatsächlich

einmal den Kampf aufnehmen für die Interessen der Lehrlinge und Jungarbeiter,

von denen sie gewählt wurden - die DGB-Bonzen wiegeln dann ab. Jugendliche,

die gerade erst von der Schule kommen und anfangen zu arbeiten, haben sich

noch nicht so an Ausbeutung und Unterdrückung gewöhnt und mucken daher

leichter auf als ihre älteren Kollegen. Die Gewerkschaftsbonzen machen ihnen

den Kampf besonders schwer, damit sie schnell resignieren und sich anpassen.

Deshalb haben Lehrlinge kein Streikrecht und ihre Jugendvertretung noch

weniger Rechte als ein Betriebsrat. Die Jugendvertretung dient den Bonzen

dazu, die Jugendvertreter zu 'guten' Gewerkschaftsjugendbonzen zu erziehen,

die bei den Gewerkschaftsbonzen in die Lehre gehen, wie man die Kollegen am

besten übers Ohr haut und verrät.



DIE BESTE JUGENDVERTRETUNG - EINHEIT DER ARBEITERJUGEND



Eine gute Jugendvertretung hat nur Sinn, wenn die Lehrlinge geschlossen

hinter ihr stehen, wenn sie das Sprachrohr der Forderungen der Lehrlinge ist,

für die sie bereit sind zu kämpfen.



Laßt Euch nicht länger von dem radikal tönenden Gewäsch der

Gewerkschaftsbonzen auf die Durchsetzung Eurer Forderungen in der Ewigkeit

vertrösten, sondern fangt an Euch Klarheit darüber zu verschaffen, wer Euer

Freund und wer Euer Feind ist und nehmt gegen die Feinde den Kampf auf! Die

Jugendorganisation der KPD/Marxisten-Leninisten, die ROTE GARDE und ihre

Jugendbetriebsgruppe Opel hat allen Feinden der Arbeiterjugend den Kampf

angesagt. Aber sie ist noch schwach und kann daher im Kampf gegen Kapital,

Staat und DGB-Bonzen noch keine großen Erfolge erringen. Dies kann sie erst,

wenn sie eine in der Arbeiterjugend fest verwurzelte Organisation ist, wenn

immer mehr fortschrittliche Jungarbeiter und Lehrlinge sich in ihr

organisieren.



Klassenbewußte Lehrlinge und Jungarbeiter!



ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN GARDE

Jugendorganisation der KPD/ML"



Zum RG-Zentralorgan (vgl. Apr. 1971) heißt es:"

HEUTE UND MORGEN VERKAUFEN WIR VOR DEM TOR DEN 'ROTGARDIST' NR.3 PREIS: 0,20

sm



INHALT:

1.Mai - Kampf dem Dreibund Staat, Kapital, DGB-Apparat.

Laos - Sieg im Volkskrieg

u.a."

=RG-LV NRW-OG Bochum-ROJBG:Zur Jugendvertreterwahl,Bochum o.J. (1971)



01.04.1971: 

Die KPD (vgl. 31.5.1972) bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 25.4.1972)

berichtet:"

Seit dem 1.4.1971 gilt eine Rechtsvorschrift, daß jeder ausländische Kollege

mindestens 8 qm Wohnraum haben muß."

=Rote Fahne Nr.45,Dortmund 31.5.1972,S.7



01.04.1971: 

Laut KPD/ML-ZB finden heute und morgen Betriebsversammlungen (BV) bei Opel

Bochum statt, die sie auch selbst vorbereitete (vgl. 29.3.1971):"

Das meiste Gesprächsthema im Betrieb ist zur Zeit das neue Punktesystem für

Zeitlöhner, das die Arbeiter antreiben und gegeneinander ausspielen und in

der Krise die Löhne drücken soll.



Auf der Belegschaftsversammlung am 1.4. und 2.4. in Werk II und Werk I

berichteten V-Leute aus den einzelnen Abteilungen, daß bis zu 73% der

Zeitlöhner nach der ersten Bewertung, die am Anfang April stattgefunden hat,

weniger Lohn bekommen sollen. Zur Zeit gibt es noch den gleichen Lohn, erst

nach der 2. Bewertung am 1. Oktober sollen dann Lohneinbußen eintreten. Bis

dahin sollen die Kollegen dann fleißig auf Punktejagd gehen, sich gegenseitig

antreiben (dann bekommt nämlich der einzelne mehr Punkte) und die Produktion

auf diese billige Weise, die die Kapitalisten nicht mehr Lohn kostet,

erhöhen.



Um die Kollegen richtig zu spalten, bekommen einige Kollegen ab 1.4. einige

Pfennige mehr als vorher. Gerade die oberen Lohngruppen werden hierbei in

ihrer Lohngruppe besser bewertet und so soll der Abstand und die Spaltung

der Kollegen innerhalb der Lohngruppen noch vergrößert werden.



Im ganzen Werk haben nur 4 Kollegen die höchste Zahl der Punkte erreicht,

nämlich 32. Das sind die Kollegen, die immer die Schnauze halten, die oft

Arbeiten ausführen, die eigentlich in eine höhere Lohngruppe gehörten, die

möglichst pfleglich mit dem Material umgehen und die sich von morgens bis

abends abhetzen und nur den Profit und die geringen Kosten der Opel-Herren

im Kopf haben - sie werden dann mit ein paar Pfennigen mehr belohnt.



Wenn Kollegen sich bei ihren Meistern über das Antreibersystem der

Punktebewertung beschweren, oder nur mit ihnen darüber diskutieren, bekommen

sie gleich zu hören: 'Was wollt ihr denn, wenn es euch nicht paßt, könnt ihr

ja kündigen.'



Das Punktesystem wurde von den meisten Kollegen als Spaltungs- und

Antreibersystem erkannt, doch gibt es bisher keinerlei Ansatz zu

organisierten Aktionen dagegen, nur sehr viel Motzerei. Vor allem auf der

Belegschaftsversammlung in Werk II ging es deswegen hoch her. So wurde der

Betriebsrat Beiske, der verkündete, durch das neue System bekämen 50% der

Kollegen mehr Lohn, heftig ausgebuht.



Es werden auch schon ENTLASSUNGEN vorgenommen. Betriebsratsvorsitzender

Perschke verkündete demagogisch auf der Belegschaftsversammlung, die

Kollegen hätten wie 1966/67 wieder Angst krank zu feiern. Er wetterte schwer

gegen die Entlassungen und plusterte sich groß auf, obwohl er sonst immer

alles tut, um die Kollegen zu verraten. So hat er als Forderung des

Betriebsrats angekündigt, vom 24.-31.12. sollte nicht gearbeitet werden. Dies

soll jedoch anscheinend nichts anderes bedeuten als die Ankündigung von

Kurzarbeit, da Perschke von der Bezahlung keinen Ton sagte."



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet so:"

BETRIEBSVERSAMMLUNG:

WER PERSCHKE IN DER KRISE TRAUT - HAT DAMIT AUF SAND GEBAUT!



Wieder einmal begann die Betriebsversammlung mit einer Gedenkminute für die

verstorbenen Kollegen. Das ist ein Anlaß zu fragen, wie ehrlich die

Anteilnahme der Geschäftsleitung und des Betriebsrats gemeint sein kann, wenn

durch die Verschärfung der Arbeitshetze unsere Gesundheit täglich aufs Spiel

gesetzt wird; wenn der Betriebsrat es vermeidet, über die Wirkung der

Akkordhetze auch nur ein Wort zu verlieren. In Anbetracht der jüngsten

Vorfälle, die den Tod eines Kollegen bewirkt haben (s. letztes Extrablatt der

'ZK' ('Zündkerze' - vgl. 29.3.1971,d.Vf.)) können wir nur daran zweifeln.



'Kollege' Perschke ging zur Tagesordnung über.



WER UNTERSTÜZT WEN NICHT?



Nun weiß es jeder Kollege: 'unser' Betriebsrat kann nur deshalb nicht ALLE

unsere Erwartungen erfüllen, weil WIR ihn zu wenig unterstützen. Aber auch

auf sich allein gestellt, habe er nicht wenige unserer Erwartungen dennoch

erfüllt. Da stellt sich doch die Frage:

WER HIER WEN NICHT UNTERSTÜTZT?



Sie stellt sich spätestens seit unserem letzten Streik (vgl. 24.9.1970,d.

Vf.).



Oder meint der 'Kollege' gar mit mangelnder Unterstützung die vielen

Gewerkschaftsaustritte nach seinem großen Verrat im Herbst?



Oder etwa die Kollegen, die kürzlich aus Wut gegen das neue Punktesystem ihre

Unterstützung von mtl. 10 - 15 DM der IGM verweigert haben?



Auf jeden Fall hat 'unser' Betriebsrat immer wieder bewiesen, daß er die von

uns abverlangte Unterstützung mit falscher Münze zurückzahlt.



Noch auf der letzten Betriebsversammlung (vgl. 18.12.1970,d.Vf.) entgegnete

Perschke hochnäsig und allwissend einer Kollegin, die auf die kommende

Wirtschaftskrise hinwies:

es gebe bestimmt 'nichts zu befürchten'. Und Sonak malte das Bild einer

blühenden, goldenen Wirtschaft in den blauen Himmel. Doch jetzt ist plötzlich

von Entlassungen die Rede!



21 ENTLASSUNGEN!



Gerade an dem Tag, so wußte das Paradepferd der 5. Kolonne der Opel-Bosse zu

berichten, habe er wieder 21 Entlassungsanträge vorgelegt bekommen.

Und um nicht klar sagen zu müssen, ob er sie unterschrieben hat oder nicht,

erregte sich unser Gummilöwe ganz fürchterlich und blähte sich auf, daß man

meinen konnte, er wiege 8 Zentner und werfe einen Schatten von 16 Metern:

Er habe sich 'aufs Entschiedenste gegen die Kündigungen ausgesprochen', ja

sogar gegenüber der Geschäftsleitung sich zu 'unanständigen Äußerungen

hinreißen lassen', denn er 'sei auch nur ein Mensch'!



Warum diese quallige Ausdrucksweise?



Soll er doch mal auf den Tisch legen, was er da oben gesagt hat. Sonst könnte

man vermuten, er habe da oben wegen der bevorstehenden BV nur eine

Gefahrenzulage für sich beantragt.



Bei all dem Wortgebrüll überging Perschke auch seinen kürzlich an die

Sozialabteilung gestellten Antrag, bei den Entlassungen die 'Sozialfälle' zu

berücksichtigen. Also wußte er von vornherein von Entlassung. Er wollte sie

aber nicht verhindern, sondern nur lindern. Aber auch diese 'Linderung' der

'vermeidbaren Härten' kennen wir noch von 1966/1967, als ein Sozialfall nach

dem anderen rausflog.



PERSCHKES 'LOGIK'



Doch sein Glanzstück gab Perschke zum Besten, als er versuchte, die Ursachen

für die Entlassungen plausibel zu machen. Dabei wollte er gleich zwei Fliegen

mit einer Klappe erschlagen:

Einmal sollten wir ihm das Märchen von dem ewig goldenen Kapitalismus

abkaufen und deshalb vertrauensvoll auf ihn blicken und zum andern um Gottes

Willen nie mehr streiken! Denn die Automobil-Produktion ist im Weltmaßstab

nicht etwa deshalb zurückgegangen, weil die profitgierigen Kapitalisten

Überproduktionskrisen hervorrufen und auf unserem Rücken austragen - oh nein.

So böse Worte würde unser Arbeiter(ver)treter Perschke für seine Freunde nie

benutzen. Nein - die Streiks sind daran schuld! Ohne die Streiks, besonders

den in Detroit (in den USA - vgl. 15.9.1970,d.Vf.) hätten wir heute noch

immer eitel Sonnenschein. Leider 'vergißt' Perschke in seiner

Milchmädchenrechnung die Ursachen für die Streiks. Nach seiner 'Logik' können

es wiederum nur die Streiks sein: d.h. unsere Streiks richten sich gegen uns

selber und nicht gegen die Kapitalisten? So eine 'Logik' kann nur einem

Arbeiterverräter einfallen!



Schon in der letzten 'ZK' (vgl. 22.3.1971,d.Vf.) haben wir ausführlich zu der

Krise Stellung genommen und diese Art von 'Logik' entlarvt. Die GM-Bosse

automatisieren doch nicht etwa weil die Kollegen in den USA gestreikt haben,

wie Perschke uns das weismachen will. Sie automatisieren, weil sie ihre

riesigen Profite auch weiterhin aus uns herauspressen wollen. Deshalb werden

'Arbeitsplätze eingespart', deshalb müssen 40 Kollegen das schaffen, was

früher 110 Kollegen geschafft haben. Aber, 'Kollege' Perschke, deshalb

kriegen die 40 Kollegen nicht etwa mehr Lohn für das ungeheuer verschärfte

Arbeitstempo! - Oh nein, ihre Lage verschlechtert sich sogar. Und anstatt Du

zur Solidarität gegen die bedrohliche Verschlechterung der Lage der

Arbeiterklasse aufrufst, z.B. gegen die neuerlichen Fahrpreiserhöhungen,

zeigst Du als treuer Kapitalistenknecht Deinen 'guten Willen' und

unterschreibst Entlassungen!



Wen wundert es da, daß die Geschäftsleitung eine 'unverständlich

unnachgiebige' Haltung einnehmen kann? Hat sie doch ihren Perschke, der uns

mit seinem Kampfgeschrei die Ohren vollbrüllt, damit die Bosse in Ruhe

schalten und walten können, wie sie wollen.



INTERNATIONALES BONZENTUM UND INTERNATIONALISMUS



Und wenn unser Arbeiter(ver)treter über die 'riesige Bedeutung' der ersten

'Internationalen Metallarbeiterversammlung der Automobilindustrie' (vgl.

**.*.1971,d.Vf.) so jubiliert, dann fragt man sich doch: worin liegt denn die

Bedeutung für uns?



Doch nur darin, daß unsere einheimischen Bonzen ihre Betrugsmanöver im

internationalen Maßstab fortsetzen können. Um auf internationaler Ebene Fuß

zu fassen, streuen sie z.B. unseren englischen Kollegen (in Großbritannien,d.

Vf.) Sand in die Augen, indem deren Gewerkschaften auf die 'gewaltige'

Solidarität der IGM hinweisen können. Sicherlich ist das Geld, wenn es unsere

streikenden Kollegen in England wirklich erreichen sollte, besser angelegt

als in den Spielhöllen von Nizza. Trotzdem können wir einer Gewerkschaft, die

für uns hier keinen Pfennig übrig hat, diese 'Solidaritäts'-Schau schwerlich

abnehmen. Schon gar nicht, wenn wir uns erinnern, wie das im letzten Herbst

aussah, als deutsche Kollegen für streikende englische Hafenarbeiter einen

Solidaritätsstreik machen wollten und ÖTV-Kluncker sagte: Solidarität schön

und gut, aber gestreikt wird hier nicht! D.h. 'Kollege' Oerschke propagiert

seine 'Internationale' so überschwenglich, um eine wirkliche Internationale

aller Arbeiter im Keim zu ersticken.



PERSCHKE UND DIE MITBESTIMMUNG



Aber vielleicht hat Perschke auch seine Erfahrungen beim Abwürgen von

'wilden' Streiks international verbreitet und neue Erfahrungen gesammelt?

Aber davon erzählt er uns natürlich nichts. Hier wird die Mitbestimmung schon

praktiziert, indem Bonzen und Bosse Erfahrungen austauschen und gemeinsam

überlegen, wie sie uns austricksen und spalten können. Dazu soll auch das

Betriebs-Versklavungs-Gesetz (BVG,d.Vf.) dienen, das Perschke uns mit warmen

Worten anpries: bei aller Kritik sei doch etwas dran. Endlich dürfe der

Betriebsrat in Personalangelegenheiten mitbestimmen. Dann käme seine

Unterschrift unter solche Entlassungen nicht mehr drunter. Das wolle er -

falls er noch Betriebsrat ist (?) - 'bei Gott' verhindern! Nun, Perschke UND

der Allmächtige! Mit diesem Gespann werden wir wohl kaum über die Krise

kommen.



Noch ist die Automobilindustrie von der Krise nicht so betroffen, wie z.B.

die Stahlindustrie, wo häufig Kurzarbeit und Entlassungen schon an der

Tagesordnung sind (z.B. Hoesch (in Dortmund,d.Vf.)). Aber wenn die Preise

weiter steigen - und das werden sie! - und die Kaufkraft der Bevölkerung

schwächer wird, dann kann es auch in der Autoindustrie losgehen. Was wird

unser Mitbestimmungs-Apostel dann tun, wenn die Schwarzen Listen von Opel in

Anwendung gebracht werden, wie jetzt schon bei Sachtleben (Homberg (CPK-

Bereich - heute Duisburg,d.Vf.)), Kupferhütte (Duisburg), Hoesch (Dortmund)?

(Bei Hoesch wurde in einer Meisterversammlung eine Liste von Neuen,

Bummelanten und 'unsicheren Elementen' zusammengestellt.) Wird Perschke dann

Alarm schlagen und uns zum Kampf aufrufen? - Er wird 'mitbestimmen' nach der

Parole:

Mein Name ist Perschke, ich sitze im Betriebsrats-Büro und weiß von nichts.



DAS NEUE SPALTER-PUNKTESYSTEM



Perschkes vorläufig größter Mitbestimmungserfolg ist das neue Punkte-System.

Von diesem perfiden Spaltungsinstrument behauptete er auf der

Betriebsversammlung, dadurch würden endlich die Leistungszulagen 'gerecht

verteilt'. Wenn sich dieser Arbeiterverräter mal im Betrieb zeigen würde,

dann könnte er erleben, wie durch diese neue 'Bewertung' viele Kollegen

aufeinander losgehetzt werden und sich Neid, Mißgunst und Schleimscheißertum

breitmachen. Wir können nur feststellen, daß durch dieses 'Bewertungs'-System

die Einheit der Kollegen kaputtgemacht wird. Unsere Arbeiterverräter können

sich freuen, daß die Einheit zwischen ihnen und den Opel-Bossen einen neuen

goldenen Boden gefunden hat.



BEISKE ÜBT KOPFSTAND



Durch das neue Punkte-System haben auch mehrere Kollegen Lohneinbußen

einstecken müssen oder müssen sich darauf gefaßt machen - auch wenn der

rosarote Wirbelwind Beiske noch so hartnäckig das Gegenteil behauptet.

Überhaupt, nur wer wie Beiske alles auf den Kopf stellt und verdreht, kommt

zu der unverschämten Lüge: 'den Opel-Arbeitern sei von Opel noch nie etwas

weggenommen worden und das würde auch in Zukunft nicht passieren.' Nur

Kapitalistenknechte können Entlassungen, Lohnkürzungen, Überstundenabbau,

steigende Akkordhetze usw. usf. 'übersehen', um solche ungeheuerlichen

Behauptungen aufzustellen. Da können sie noch so lauthals schreien, wie gut

ihr 'Wille sei und daß ihnen nun einmal die Hände gebunden sind' - für uns

zählen nur Taten! Da sollten sich die Herren Betriebsräte ruhig ab und zu mal

an das große Zittern erinnern, welches sie im September befiel.



In der Aussprache wurde vor allem auf die Willkür der Meister, das Punkte-

System und die Demonstrationen gegen die Fahrpreiserhöhungen der BOGESTRA

eingegangen.



DIE WILLKÜR DER MANSKES



Dazu nahm ein Kollege Stellung, der schon 7 Jahre bei Opel ist. Er hat jetzt

gekündigt. Wegen persönlicher Schwierigkeiten wollte er nur noch Frühschicht

machen. Sein Antrag wurde auf Juni verschoben: 'aus Juni wird Oktober usw.'

bis zum St. Nimmerleinstag!



Wir können sehr gut den Ärger dieses Kollegen über eine solche Frechheit

verstehen, aber wir fragen uns, ob sich dadurch irgendetwas verändert hat

(abgesehen davon, daß man vom Regen in die Traufe kommen kann). Im Gegenteil:

ein Unzufriedener, ein 'Unruhestifter' ist weg, und das kann den Bossen nur

recht sein! Wenn so etwas passiert, sollten wir alle zusammen den Kampf

aufnehmen. Dabei können wir uns weder auf Perschke noch auf den Betriebsrat

verlassen. Ein paar 'unanständige Äußerungen' von sich zu geben, das wird uns

nichts nützen. Er müßte uns wirklich praktisch und materiell helfen. Das aber

wird der Betriebsrat und besonders Perschke fein bleiben lassen, um sich

nicht den Ast abzusägen, auf dem er sitzt.



Ein anderer Kollege berichtet von seiner unglückseligen Versetzung zu Meister

Manske, 'für den der 2. Weltkrieg wohl zu früh zu Ende gegangen ist.' Zwar

rassele er nicht mehr mit dem Säbel, aber eine ähnliche Wirkung erzielten

Bleistift und Notizblock. Dieser selbstherrliche Antreiber wollte dem

Kollegen sogar vorschreiben, was er in der Pause zu tun und zu lassen hat.

Wie dieser Kollege richtig meinte, gibt es bei uns noch eine ganze Reihe

solcher Manskes. Das kam auch in anderen Beiträgen zum Ausdruck.



FAHRPREISERHÖHUNGEN



Dazu nahm als erster der Kollege J. (Jasczyk,d.Vf.) Stellung. Er betonte die

Notwendigkeit der Solidarisierung aller Kollegen mit den Fahrpreis-

Demonstrationen. Allerdings verband er damit einen Aufruf für die Lohn- und

Gehaltsforderungen der Polizisten.



Für das Mitglied einer sich 'kommunistisch' nennenden Partei (DKP) ist es ein

starkes Stück, wenn er eine allgemeine Lohnerhöhung für die Knüppelgarden

fordert, die heute Demonstranten gegen Fahrpreiserhöhungen und vielleicht

schon morgen uns zusammenschlagen. Sollen wir denn für den

Unterdrückungsapparat der Kapitalisten noch mehr Steuergroschen berappen?



Wir von der 'ZK' sind der Meinung, wenn die Wachtmeister mehr Lohn haben

wollen, dann sollten sie auch verlangen, daß stattdessen der Ausbau der

Polizei mit Granatwerfern, leichten Panzern und Hubschraubern zur

Bürgerkriegsarmee rückgängig gemacht wird. Dann wäre genug Geld da, ohne uns

Steuerzahler mit ihren Lohnforderungen wieder einmal zur Kasse zu bitten. Bei

den Polizeieinsätzen gegen die Fahrpreisdemonstrationen konnte man gut

beobachten, was gegenwärtig mit unseren Steuergeldern geschieht.



Ein anderer Kollege unterstützte den Solidaritätsaufruf gegen die

Fahrpreiserhöhungen. Er betonte mit Nachdruck, daß der berechtigte Kampf

gegen die Fahrpreiserhöhungen nur bei einer Solidarisierung ALLER Kollegen

erfolgreich sein kann.



Diesen Standpunkt teilen wir von der 'ZK' vollkommen. Außerdem machen wir auf

die Gefährdung aufmerksam, die Kollegen auf sich nehmen, wenn sie als

Einzelne an den Demonstrationen teilnehmen, da sie so allzuschnell Opfer der

Foto-Karteien und Schwarzen Listen werden können. Das muß ganz klar gesagt

werden. Entweder demonstrieren ALLE Kollegen oder gar keiner!



Auch der Kollege Bl. (Blandenier,d.Vf.) erwähnte die Notwendigkeit der

Solidarisierung mit den Demonstrationen. Allerdings hielt er solche Aktionen

nicht für besonders wichtig. Wenn aber deren Bedeutung so gering ist, wie der

Kollege meint, warum fordert gerade jetzt die SPD-Landtagsfraktion ein Verbot

von 'radikalen Gruppen' (vgl. **.*.1971,d.Vf.) - womit natürlich nicht die

Nazis gemeint sind? Warum geht die Polizei dermaßen brutal vor? Die SPD-

Bonzen in den Rathäusern wissen ganz genau, wie schnell der Funke zum

Steppenbrand werden kann. Deshalb schreibt auch die FAZ, Zentralorgan der

Kapitalisten am 2.4.:

'Die an den Universitäten fortschreitende Verlotterung von Sicherheitsgefühl

und Unrechtsbewußtsein darf in der Kommunalpolitik keine Fortsetzung finden.'

Der Kollege Bl. kritisierte vor allem den Betriebsrat und die IGM. Er meinte,

daß die 15%-Forderung in diesem Jahr endgültig durchgesetzt werden müsse.

Dazu brauchten wir starke Kampfgewerkschaften. Er kritisierte, daß die

IGM-Führung nach England so viel Geld schickt.



Die Forderung nach starken Kampfgewerkschaften können wir nur kräftig

unterstützen. Aber, durch vielerlei Erfahrungen bestärkt, glauben wir nicht,

daß diese in der IGM zu finden ist. Die heutigen Gewerkschaften sind

Kapitalisten und mit dem Kapital verfilzt. Sie vertreten nicht unsere

Interessen, weil sie damit ihre eigenen Interessen als Kapitalisten

verletzten würden. Deshalb müssen wir für eine revolutionäre

Gewerkschaftsbewegung sorgen. Die RBGs und die innergewerkschaftliche

Opposition sind dazu ein erster Schritt.



Als ein Kollege den Antrag stellte, die Betriebsleitung möge sofort zu den

Beiträgen Stellung nehmen, wurde dieser einfach vom Tisch gewischt. Dagegen

gelang es einem 'betriebsfriedlichen' Antragsteller, seine Resolution mit

einem Überrumpelungsmanöver durchzubringen, bei dem Opa Gantenberg beide

Augen zudrückte. (Als im letzten Herbst über das Tarifverhandlungsergebnis

abgestimmt werden sollte, tat er ganz taub.) Was die Kollegen von anti-

kommunistischen Parolen halten, wie 'Verbot der radikalen Gruppen und ihrer

Zeitungen', 'Arbeitsgemeinschaft mit den Opel-Bossen' haben sie auf der

letzten BV gezeigt, als sie eine Hetztirade gegen die 'Zündkerze' mit lautem

Gebrüll ausbuhten.



In seinem SCHLUSSWORT, welches Perschke immer zur Meinungsmache gegen alles,

was ihm nicht in den Kram paßt, ausnutzt, tischte er noch einmal die Lüge

über das Punktesystem auf. Den Vogel schoß er ab, als er die Fahrpreis-

Aktionen offen sabotierte, anstatt zu fordern, daß Opel die freie Fahrt zum

Arbeitsplatz bezahlt. Mit seiner altbekannten Unverschämtheit beteuerte er

immer wieder seinen 'guten Willen'. Dann ließ er noch etwas Dampf gegen seine

guten Freunde in der Geschäftsleitung ab und atmete tief durch, weil er

glaubt, daß er nun ein Vierteljahr Ruhe hat."

=Zündkerze Nr.7,Bochum März/Apr. 1971,S.1ff;

Die Presse Nr.3,Bochum Apr. 1971,S.1ff;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.32,Bochum 28.4.1971,S.10f



05.04.1971: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt die Nr.7 ihrer

'Zündkerze' (vgl. 29.3.1971, 3.5.1971) vermutlich in dieser Woche mit 24

Seiten DIN A 4 für März/April heraus.

Im Leitartikel wird berichtet von der Betriebsversammlung (vgl. 1.4.1971).

Eingegangen wird - sowohl in einem Leserbrief als auch durch die RBG - auch

auf die V-Leutewahl in der Küche (VLW - vgl. Jan. 1971).

Angekündigt wird der Verkauf des 'Roter Morgen' (RM) Extrablattes zum 1.Mai

(vgl. Apr. 1971). Aufgerufen wird zur Maidemonstration in Dortmund.

Wiederum enthalten ist ein "Rotes Rätsel".



Zur neuen Rubrik "Kollegen schreiben für die Zündkerze" heißt es:"

Bis jetzt wurden Zuschriften von Kollegen in der 'Zündkerze' immer unter dem

Abschnitt 'Leserbriefe' veröffentlicht. Die Redaktion hat sich entschlossen,

diesen Abschnitt umzubenennen in:

KOLLEGEN SCHREIBEN FÜR DIE 'ZÜNDKERZE'



Warum diese Umbenennung?

Wir meinen, daß diese Überschrift zutreffender ist,

1. weil sie besagt, wer schreibt, nämlich Opelarbeiter und

2. weil sie besagt, mit wem diese Kollegen sympathisieren, nämlich mit der

'Zündkerze' und damit mit der kämpfenden Arbeiterklasse.

Die 'Zündkerze' soll das Sprachrohr aller Kollegen bei Opel sein. Darum ist

es wichtig, daß so viele Kollegen wie möglich an ihr mitarbeiten. Je mehr

Berichte und Notizen aus den einzelnen Abteilungen, desto besser wird die

Zeitung sein! Der Abschnitt KOLLEGEN SCHREIBEN FÜR DIE 'ZÜNDKERZE' ist ein

wichtiger Bestandteil der Zeitung! Er ist aber keinesfalls nur eine

Plauderecke, wie die Leserbriefe in den meisten bürgerlichen Zeitungen. Die

'Zündkerze' will nicht nur aufklären, sie will auch organisieren! Der

Abschnitt KOLLEGEN SCHREIBEN FÜR DIE 'ZÜNDKERZE' erfüllt hierbei eine

wichtige Aufgabe, weil er die Möglichkeit bietet, immer breitere Kreise von

Kollegen in den gemeinsamen Kampf einzubeziehen.

Weil der Abschnitt KOLLEGEN SCHREIBEN FÜR DIE 'ZÜNDKERZE' eine so große

Bedeutung hat, und weil die Berichte und Artikel immer zahlreicher bei uns

eingehen, haben wir uns entschlossen, diesmal auf den Gewerkschaftsartikel

(Serie) zu verzichten und die Serie erst in der nächsten 'Zündkerze'

fortzusetzen.

Selbstverständlich geben nicht alle Zuschriften, die wir veröffentlichen, die

Meinung der Redaktion wieder. Das ändert aber nichts an dem Gesagten, und wir

fordern an dieser Stelle noch einmal alle Kollegen auf:

BERICHTET UNS ÜBER MISSTÄNDE IN EUREN ABTEILUNGEN, ARBEITET MIT AN DER

'ZÜNDKERZE'!!"



Enthalten in dieser Rubrik ist der Beitrag:"

VEREHRTE REDAKTION!



Seit 1970 bin auch ich ein Opelaner. Ich arbeite dort als ....

Ihre Zeitung bringt wirklich aktuelle Themen, die unbedingt einer breiten

Veröffentlichung wert sind.

Ich würde mich freuen, an Ihrer Zeitung mitwirken zu können. Vielleicht

könnte man die kleinen Mißlichkeiten etwas mehr ins Gespräch bringen, die

jedem Kollegen jeden Tag widerfahren. Z.B. die Arroganz der Meister und

Obermeister.

Noch schlimmer sind die sogenannten Schieber oder Meisteranwärter, die mit

einer Selbstherrlichkeit durch die Gegend laufen, daß es ein Hohn ist. Die

armen Arbeiter, die so einen Vorgesetzten einmal bekommen!

Ich persönlich habe jetzt die zweite Lohnerhöhung bekommen. Es sind aber

immer noch 70 Pfennig weniger, als meine Kollegen für die gleiche Arbeit

bekommen. Von Leistungszulage keine Rede!

Es sollte doch heute keine Rolle mehr spielen, welches Gesicht man mitbringt!

Leistung ist doch letzten Endes ausschlaggebend!

Aber es ist und bleibt ein Glücksspiel im Betrieb! Mein einziger Trost ist,

daß die Herren Meister und Obermeister auf der Straße genauso aussehen wie

wir!



Aber es ist und bleibt ein Glücksspiel."



Ein weiterer Kollegenbeitrag lautet:"

DEN GERECHTEN KAMPF DES VIETNAMESISCHEN VOLKES UNTERSTÜTZEN



DER KRIEG - EIN FEIND ALLER MENSCHEN?



Für den weitaus größten Teil der Menschheit bedeutet Krieg nichts Gutes. Für

einen kleineren Teil der Menschheit ist der Krieg eine wahre Pracht, ein

gutes Geschäft. Zu den Letzteren muß man die ausbeutenden Imperialisten

zählen.



In Vietnam ist es in erster Linie der amerikanische Imperialismus, welcher

dafür sorgt, daß die dortigen Bewohner keine Ruhe finden und ihr Leben durch

Bomben und chemische Kampfstoffe liquidiert wird. Durch die Anwendung der

chemischen Kampfstoffe wurden breite Landstriche (stellenweise bis zu 20 km

breit) zur Todeszone gemacht. In solchen Todeszonen ist kein Leben mehr

vorhanden - ob Mensch, Vogel, Tiger oder Elefant, ja sogar die Blätter an den

Bäumen wurden von den chemischen Stoffen zerfressen!



'ZWEI WELTEN' - DER GLEICHE KAMPF!



Wir Europäer, welche selbst vor 25 Jahren einen Krieg erleben mußten, wir

nennen uns hochzivilisierte, katholische oder evangelische Menschen und

schauen zu, wie dort ein noch schlimmerer Krieg von den USA geführt wird.

Können wir nun mit gutem Gewissen behaupten, daß uns dieser scheußliche Krieg

nichts angeht?

- Nein! - als Demokrat nicht, als Katholik erst recht nicht ('du sollst nicht

töten!'), als fortschrittlicher Protestant umso weniger! Denn es ist

heuchlerisch, zuzulassen, daß unschuldige Menschen wegen Ausbeuterinteressen

umgebracht werden, während bei uns die Protestanten und Katholiken mit dem

neuen PKW sonntags zur Kirchen fahren, daselbst fromme Lieder singen und ein

heuchlerisches 'Gott erbarme dich unser' murmeln.



Wir Arbeitnehmer hier in Europa feiern angenehme Wochenenden bei Wurst, Bier

und Wein, stellenweise wird Karneval gefeiert, und wir zeigen uns nicht ein

bißchen solidarisch mit den notleidenden, von den Amerikanern schikanierten

Menschen in Vietnam, in Kambodscha und Laos. Obwohl die katholische Kirche

behauptet: 'unser Nächster ist jeder Mensch!' Unser Desinteresse wird erst

beendet sein, wenn es zu spät ist. Denn wir denken gar nicht darüber nach,

daß die über Vietnam durch Flugzeuge abgeworfenen Bomben und Kampfstoffe

eines Tages auch wieder über uns als vom Himmel regnende 'todbringende Pest'

abgeworfen werden können.

Den in Indochina verwendeten chemischen Kampfstoffen haben die Vietnamesen

den Namen 'der weiße Tod' gegeben. Es besteht die Gefahr, daß dieser Krieg

von Vietnam über Nahost nach Europa übergreifen kann. Dann werden der

Betriebsrat von Opel, der Meister und der Kollege am Band vom 'weißen Tod'

gefressen. Perschke und Roy Black brauchen dann, weil's schon zu spät ist,

keine Schlägerkommandos gegen die aufklärende, warnende und lehrreiche

'Zündkerze' aufzustellen. Weil sie in dieser Beziehung an geistiger

Unterernährung leiden, können Perschke und seinesgleichen scheinbar immer

noch nicht einsehen, daß der Frieden in der Welt hauptsächlich durch das US-

amerikanische Bonzenkapital bedroht ist - im Gegenteil, sie dienen selbst dem

Kapital! Sie haben nichts dagegen unternommen, als 422 Millionen DM, von

deutschen Kumpel erarbeitetes Geld, an General Motors in den USA überwiesen

wurden. Sie haben uns beim Streik (vgl. 24.9.1970,d.Vf.) hinters Licht

geführt! Solche Perschkes gibt es in allen Fabriken, und durch solche Lakaien

behaupten sich die Kapitalisten.



Ein aufmerksamer 'ZK'-Leser wird fragen, was in einer solchen Situation zu

tun sei? Die Antwort lautet:

Kumpel in der Werkhalle, am Fließband, Schreibstubenabhängiger oder

Ingenieur! -

1. Wir sollten keine 'Bild'zeitung lesen, denn 'Bild' macht dumm. Nur wenn

'Bild' mit dem Toten gesprochen hat, dann weiß auch 'Bild' bescheid.

2. Wir sollten noch kritischer die Zeit beobachten, zwischen den Zeilen im

Fernsehen und in der bürgerlichen Presse lesen.

3. Wir sollten noch intensiver die 'ZK' studieren und uns Gedanken machen,

wie wir uns gegen die Kapitalisten und deren Lakaien, die DGB-Gewerkschaften

organisieren können.

Denn: den gerechten Kampf des vietnamesischen Volkes unterstützen, heißt:

Klassenkampf im eignen Land machen!



DER GERECHTE KAMPF GEGEN DEN US-IMPERIALISMUS



Durch das Fernsehen und den Rundfunk ist das Wort Vietnam in jedem

europäischen Wohnzimmer zu Hause. Aber Fernsehen und Rundfunk verschweigen

den wahren Grund des Krieges und die gefährliche und widerrechtliche

Anwesenheit der Amerikaner in Vietnam. Die wichtigsten gründe, warum wir immer

noch Krieg in Vietnam haben, sind folgende:



Im Juli 1956 sollte die vietnamesische Bevölkerung durch freie Wahlen selbst

entscheiden, unter welchem Status welche Regierung die Vietnamesen regieren

soll. Zu dieser Wahl ist es nie gekommen, weil die Amerikaner und die

einheimischen Großgrundbesitzer diese Wahl sabotiert haben.



Das Hauptinteresse der USA an diesem Land ist die Ausbeutung. Unter

Ausbeutung versteht man nicht nur Unterbezahlung der dort herausgepreßten

Rohstoffe, sondern auch das absichtliche Niedrighalten des dortigen

Lebensstandards und der industriellen Entwicklung. Ebenso das

Nichtaufkommenlassen einer eigenen Intelligenz, indem auf breiten

Landstrichen fast keine Schulen und Universitäten gebaut werden.



Als gleichfalls wichtiger Grund für den Krieg der Amerikaner in Vietnam wäre

deren imperialistische Strategie zu nennen. Eben aus strategischen

Gesichtspunkten beherrschen sie (wie zuvor schon die Japaner und Franzosen)

die Küsten, Meerengen und Häfen Südostasiens. Diese dienen als

Auffangstellungen gegen den sich dort verbreitenden Sozialismus - denn das

Wort Sozialismus klingt den Maharadschas, Krishnas und Großgrundbesitzern wie

ein harter Mißton im Ohr. Und für einen eventuellen Krieg, vor allem gegen

das sozialistische China dienen die strategischen Basen als Aufmarsch- und

Nachschubgebiete.



Das kapitalistische Gesellschaftssystem als solches kann nur existieren,

indem es möglichst viele Menschen und Länder in seinem Finanzjoch hält und

alle wichtigen Industriezweige beherrscht. Auch das 30 Millionen Menschen

starke vietnamesische Volk soll diesem kapitalistischen System dienen. Breite

Bevölkerungsschichten auf dieser Welt haben das aber erkannt und strengen

sich an, das imperialistische Finanzjoch abzuschütteln. Zu diesen gehört auch

das um seine Freiheit kämpfende vietnamesische Volk.



Heute können die Amerikaner kaum noch jemandem weismachen, daß sie einen

'gerechten' Krieg für 'unsere Freiheit' führen. Immer mehr Menschen erkennen,

daß auch dieser Krieg wieder einmal nur für die Reichen inszeniert wird, und

der Arbeiter soll für diesen Zweck die Leichen liefern: die reichen

Amerikaner sitzen zuhause; die armen Amerikaner müssen in Vietnam Krieg

spielen.



GEGEN DIE KAPITALISTEN 'IM EIGENEN HAUS' KÄMPFEN, DEN IMPERIALISMUS

VERNICHTEN!



Solange der Arbeiter, ob in Europa, Asien, Afrika oder Amerika sich nicht im

Bündnis mit anderen unterdrückten Volksschichten in einer revolutionären

kommunistischen Partei organisiert, wird ihn der Kapitalismus immer wieder

für seine Zwecke und Profitinteressen einspannen und mißbrauchen. Sobald aber

die Mehrzahl der Arbeitnehmer und unterdrückten Volksschichten auf der ganzen

Welt dieses ausbeutende Gesellschaftssystem ablehnen, hat dieser stinkende

Kapitalismus keine Zukunft mehr!



Warum gibt es besitzende und besitzlose Menschen in Vietnam und auf der Welt?

Von Natur aus gibt es kein Eigentumsrecht an den Dingen, die alle zum Leben

brauchen: Fabriken, Wohnungen, Wälder, Seen. Die Natur und die Welt ist für

alle da, die darin leben und arbeiten. Die amerikanische Kapitalistenklasse

behauptet und geht von dem Gedanken aus, sie müsse Vietnam - oder einen Teil

davon - beherrschen und besitzen. Wenn es ein Eigentumsrecht für die

Kapitalisten gäbe, so müßte die Luft, welche die Menschen zum Atmen brauchen

auch jemandem gehören.



Das vietnamesische Volk kämpft einen gerechten Abwehrkampf gegen die

kapitalistischen Eindringlinge, die ihm auch das Recht zu Atmen streitig

machen wollen. Aber die amerikanischen Imperialisten haben nicht den

geringsten Anspruch auf ein Sandkorn, einen Tropfen Wasser oder Öl in

Vietnam; sie haben nur das Unrecht auf ihrer Seite und werden sicherlich

diesen Kampf verlieren.



Wir Arbeitnehmer hier im westlichen Europa sollten dies wissen und an

Protestkundgebungen gegen die US-Imperialisten teilnehmen und mutig gegen die

Kapitalisten 'im eigenen Haus' kämpfen. Der heroische, langjährige Krieg

Vietnams gegen Japan, Frankreich und die USA wird das vietnamesische Volk zum

sozialistischen Sieg führen. Vietnam gehört den Vietnamesen und nicht dem US-

Imperialismus!

Mao Tse-tung sagt:

Der Stein, den sie erhoben haben, fällt auf ihre eigenen Füße zurück.



DEN GERECHTEN KAMPF DES VIETNAMESISCHEN VOLKES UNTERSTÜTZEN HEISST -

DEN KLASSENKAMPF IM EIGENEN LAND FÜHREN!"



In einem weiteren Kollegenbeitrag heißt es:"

China - geSPIEGELt



BETRIFFT ZÜNDKERZE NR.6 (vgl. 27.1.1971,d.Vf.)



Die Zündkerze ist im Inhalt und in der Aufmachung gut! Die Auszüge aus dem

'Spiegel' hätten jedoch eines Kommentares bedurft.

Dort wird behauptet, daß es eine 'neue Klasse der Parteifunktionäre' gäbe die

aus 'jener Schicht der Apparatschiks, die der Bourgeoisie den Garaus macht,

sich dann aber selbst mit deren Machtpositionen und Privilegien ausgestattet

hatte' besteht.

Hier wird geleugnet, daß die MASSEN UNTER FÜHRUNG DER KP CH die Bourgeoisie

gestürzt haben.



Weiterhin wird Mao Tse-tung als Anhänger der 'Spontaneität, Selbstlosigkeit,

Gleichheit' bezeichnet! Auch die Diktatur des Proletariats sei im Abklingen,

denn die 'Bewußtseinsveränderung scheint so weit fortgeschritten, die

Spontaneität so entwickelt, daß die Klasseninteressen einer herrschenden

Schicht der Partei zurücktreten.'

Und - um das Maß der falschen Behauptungen voll zu machen, wird die

Planwirtschaft geleugnet. Die 'Produktionsschlacht wird -...- ausschließlich

von lokalen Revolutionskomitees gesteuert'."



Die Redaktion bedauert in der Antwort, in den Spalten der 'Zündkerze' nicht

auf alle Fragen eingehen zu können (sie hat ja auch z.B. diesmal nur 24

Seiten) und verweist deshalb auf den 'Roten Morgen', aus dessen Nr.2/71 (vgl.

Feb. 1971 Auszüge aus einem Kommentar übernommen werden.



Aus Betrieb und Gewerkschaft werden Auszüge aus den Richtlinien von

Gesamtmetall über 'wilde' Streiks (vgl. **.**.197*) veröffentlicht sowie der

folgende Artikel:"

'IDEEN MACHEN SICH BEZAHLT'?



In der Opelpost Nr.1/71 (vgl. **.1.1971,d.Vf.) ist auf den Seiten 12 und 13

ein Bericht über die Jahresfeier des Vorschlagswesens abgedruckt, den sich

jeder Kollege, der die Absicht hat, einen Verbesserungsvorschlag

einzureichen, aufmerksam durchlesen sollte!



Darin wird behauptet:

'Die Belegschaft diene sich selbst, wenn sie durch eine fortschreitende

Beteiligung am Vorschlagswesen sowohl zur Verbesserung der Produkte, als auch

zur Kostenminderung beitrage.



Auch diese Feststellung müsse man immer und überall wiederholen. Wenn das

Unternehmen geschäftlich und technisch zurückfalle - was habe dann der

Arbeitnehmer zu erwarten?' (Zitat Dr. Hoenicke)



Wieder wird uns also das Märchen von der Interessengemeinschaft zwischen

Arbeitern und Kapitalisten aufgetischt.



So wie Schiller und Konsorten in der SPD-Regierung uns weismachen wollen, daß

wir in unserem eigenen Interesse handeln, wenn wir auf unsere Lohnforderungen

verzichten, uns an die Lohnleitlinien halten und damit zur 'Kostenminderung'

beitragen, so möchten auch die Opel-Bosse, daß wir uns selbst für dumm

verkaufen, durch eine 'fortschreitende Beteiligung am Vorschlagswesen' und

damit hauptsächlich an der 'Kostenminderung'.

Wir sollen also unseren Grips, den wir sonst angeblich nicht haben,

anstrengen, damit die Opelbosse Extragewinne aus uns heraussaugen können.



Was sind das eigentlich für 'Verbesserungsvorschläge' und wem dienen sie?



In dem Bericht heißt es dazu weiter:

'Der wichtigste Punkt ist jedoch, daß die Annahmerate der eingegangenen

Vorschläge, verglichen mit 1969, um insgesamt 46% gestiegen ist. Besonders

hoch war diese Rate bei Vorschlägen mit Zeit-, Material- oder sonstigen

Ersparnissen. Hier betrug die Steigerung sogar 110%.'



Bevorzugt behandelt werden also solche Vorschläge, von denen nicht etwa wir,

sondern nur die Opel-Bosse etwas haben.

Wie sollte es auch im Kapitalismus anders sein!

Hoenicke stellte dazu sehr richtig fest, daß von dem einzelnen verwertbaren

Vorschlag oft eine 'weitgehende Wirkung' ausging.

Was bedeutet denn ein Vorschlag zur Zeitersparnis?

Es bedeutet, daß wir bei gleicher Zeit und gleichem Lohn mehr leisten müssen,

daß die Ausbeutung schärfer wird!

Das ist also die weitgehend Wirkung! Weitgehend für die Opel-Bosse, die noch

höhere Gewinne scheffeln, weitgehend für die Kollegen, die nun einer noch

größeren Arbeitshetze ausgesetzt sind! Darüber dürfen uns die kümmerlichen

100 DM Prämie nicht hinwegtäuschen.

Wenn das Jahr 1970 für die Opel-Bosse ein goldenes Jahr war, so lag das

sicher auch mit an dieser Tatsache!



...AUF DIE INTELLIGENZ DES VOLKES BAUEN!



Vorschlagswesen in der VR China.

Die Verbesserungen dienen dem Volk und nicht dem Profit einiger weniger!"

Zu einem Bild erscheint der folgende, vermutlich aus dem 'Spiegel* stammende

Text:"

Die aus Arbeitern, führenden Funktionären und Technikern bestehende

Experimentiergruppe bei der Analyse der inneren Struktur und der

Eigenschaften von Gußeisen und hochwertigem Legierungsstahl".



Weiter heißt es:"

Dazu schreibt uns einer, der es wissen muß, ein Kollege, der selbst

Vorschläge eingereicht hat:



Kolleginnen und Kollegen!



Die Zündkerze, unsere Betriebszeitung der Roten Betriebsgruppe, MUSS einmal

über die verlogene Bezahlung einer Idee - 'Ideen machen sich bezahlt' -

berichten.



Mao Tse-tung sagte: 'Tyrannen nützen die Unwissenheit des Volkes aus. Wir

aber wollen auf seine Intelligenz bauen!'

Die Kapitalisten und Betriebsbosse der Adam Opel AG - mit Unterstützung von

Perschke und seinesgleichen - bauen schon auf unsere Intelligenz. Aber mit

dem Hintergedanken, uns kräftig übers Ohr zu hauen!



Kolleginnen und Kollegen!

Ein Verbesserungsvorschlag kann eine Erleichterung, kann aber auch eine

Ausbeutung der Arbeiterklasse sein.

Ein Beispiel:

Der Kollege B. reichte einen Verbesserungsvorschlag ein. Die Bestätigung

seiner Idee bekam er zwei Wochen später. (Wie üblich eine lange Zeit!) Nach

einem Vierteljahr erhielt er eine Belohnung von 100 DM. (Noch übler!) Der

Kollege B. konnte nicht ahnen, daß die Bearbeiter seiner Idee das Zehnfache

bekamen. Sein Vorschlag wurde durch die Tyrannen über die Arbeiterklasse, wie

Mao Tse-tung sagte, zu einer Idee der Ausbeutung. Eine Mehrleistung von 80%

bei gleichem Lohn war der Verbesserungsvorschlag des Kollegen B. wert.

Kollegen, ich frage Euch:

Lohnt es sich, einen Verbesserungsvorschlag einzureichen?

Überlegt! Dient er zur Erleichterung der Arbeit ohne Mehrleistung, oder ist

der Verbesserungsvorschlag bestimmt für Mehrleistung bei gleichen Bezahlung?

Sollte das Letztere zutreffen, machen Ideen sich bestimmt nicht bezahlt!



Eine Goldgrube für Cunningham und Konsorten!"



Die Rote Opel-Jugendbetriebsgruppe (JBG) der Roten Garde (RG) berichtet auf

ihren vier Jugendseiten von den Jugendversammlungen (vgl. 18.2.1971) und:"

AUS DER LEHRBUDE:

DREIEINHALB JAHRE SIND ZUVIEL!



Nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG,d.Vf.) können Lehrlinge ihre Prüfung ein

halbes Jahr vor dem vertraglich festgelegten Ausbildungsende ablegen, wenn

sie die theoretischen und praktischen Voraussetzungen hierzu erfüllen.



Allerdings können sie dies nur, wenn Ausbilder und Berufsschule ihre

Zustimmung geben. Die Anmeldung hierzu muß von der Ausbildungsfirma erfolgen.



Fünfzehn Opellehrlingen, die sich aufgrund dieses Gesetzes ein halbes Jahr

früher zur Prüfung anmelden wollten, wurde die Zustimmung hierzu von ihrem

Ausbildungsleiter Plattfaut verweigert. Daraufhin meldeten sich die Lehrlinge

selbst zur Prüfung an.



Jeder Lehrling bekam 2 Formulare zugeschickt. Eins sollten sie selber

ausfüllen; das andere mußte von Plattfaut ausgefüllt werden. Dieser gab an,

daß alle 15 Lehrlinge theoretisch und praktisch nicht in der Lage seien, ihre

Prüfung zu machen.



Jetzt soll ein Prüfungsausschuß darüber entscheiden, ob der Antrag der

Lehrlinge angenommen werden kann. Auf diesen Ausschuß setzen die Lehrlinge

allerdings keine Hoffnungen. Einer wandte sich daraufhin an den Betriebsrat.

Ob der sich für ihre Forderungen wirklich einsetzen wird, steht noch auf

einem anderen Blatt.



Warum läßt Plattfaut die 15 Lehrlinge nicht zur vorverlegten Prüfung zu?

Die Lehrlinge, die bis zu drei Monate vor dem offiziellen Prüfungstermin

nichts weiter als Handlanger in der Produktion sind, dienen den Opel-

Kapitalisten als billige Arbeitskräfte. Wenn die Lehrlinge diesen Zustand

vorzeitig beenden wollen und ihre Prüfung ein halbes Jahr früher machen

wollen, müssen die Kapitalisten ihnen auch ein halbes Jahr eher einen

Facharbeiterlohn zahlen.



In Anbetracht der kommenden Krise, die die Opel-Bosse mit einkalkulieren,

sind diese Lehrlinge ein halbes Jahr länger für weniger Geld aber die gleiche

Arbeit zu gebrauchen. Die Opel-Bosse können also, um ihre Profite zu retten,

ältere Kollegen entlassen und die billigen Lehrlinge an deren Stelle setzen.



Wie weit die Kapitalisten bei der Behandlung von Lehrlingen gehen können,

zeigt das Beispiel der Kupferhütte in Duisburg: Dort wurde die Lehrwerkstatt

samt Ausbilder an die Thyssen-Hütte (ATH,d.Vf.) verpachtet einschließlich 100

Lehrlinge und zehn Chemielaboranten."



Der 'Röhrenkieker' der Roten Mannesmann-Betriebsgruppe (RBG MM) der KPD/ML-ZK

(vgl. März 1971) habe dagegen den Aufbau einer Jugendbetriebsgruppe (JBG) der

RG propagiert:"

Was uns bei Opel betrifft, ist dem nichts hinzufügen."

Aufgerufen wird zum Lesen des Zentralorganes der RG, dem 'Rotgardist'.

=Die Zündkerze Nr.7,Bochum März/Apr. 1971



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12.04.1971: 

Der 'Rote Mai' - Zeitung des Bochumer Roten-Mai-Komitees erscheint

vermutlich in dieser Woche unter Verantwortung von Stephan Bock, Bochum und

wird u.a. herausgegeben von: Kollegen der IG-Metall (IGM) aus den Bochumer

Großbetrieben,

- KSB/ML, Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK und Rote Opel-

Jugendbetriebsgruppe (JBG) der Roten Garde.

=Roter Mai,Bochum o.J. (Apr. 1971)



18.04.1971: 

Vermutlich spätestens Anfang dieser Woche richtet die Rote Opel-

Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK einen Brief (vgl. 28.4.1971):"

An die Kollegen der Opel Betriebsgruppe der Gruppe 'Rote Fahne, Bochum'

(KPD/ML-ZB,d.Vf.)



Liebe Kollegen!



Obwohl wir bereits im letzten Sommer auf ein Gesprächsangebot von unserer

Seite hin von Eurer Gruppe eine Absage erhielten und obwohl wir in dem vom

'ZB' der Gruppe 'Rote Fahne, Bochum' herausgegebenen 1. Mai-Papier zur

Kenntnis nehmen mußten, daß die Betriebgruppe der Gruppe 'Rote Fahne, Bochum'

mit der revisionistischen D'K'P (DKP,d.Vf.), aber auf keinen Fall mit den

Roten Betriebsgruppen der KPD/Marxisten-Leninisten zum 1. Mai

Aktionsbündnisse eingehen sollen, unterbreiten wir Euch mit diesem Schreiben

erneut das Angebot für ein Gespräch auf Betriebsebene.

Aus Eurer Betriebszeitung 'Die Presse' konnten wir ersehen, daß ihr Euch zum

Ziel gesetzt habt, konsequent die Interessen der Kollegen gegen die Opel-

Bosse zu vertreten und daß Ihr eine proletarische Revolution in Deutschland

wollt. Trotz solcher unseres Erachtens entscheidender Gemeinsamkeiten können

wir den Verdacht nicht loswerden, daß sich die 'Presse' auch zum Ziel gesetzt

hat, unserer Betriebszeitung, der 'Zündkerze' Konkurrenz zu machen, obwohl

wir im vorigen Herbst vor der Herausgabe der 'Presse' Euch sofort angeboten

hatten, eine gemeinsame Zeitung herauszugeben.

Die Herausgabe der 'Presse' ist eine Aktivität, die so nicht dem Proletariat

dient. Als Revolutionäre sollte es unsere wichtigste Aufgabe sein, für die

Einheit aller ehrlichen Revolutionäre zu kämpfen, um so den Weg für die

revolutionäre Einheit des Proletariats zu bahnen.

Viele Kollegen bei Opel sagen mit Recht: wie sollen wir zu dieser Einheit

kommen, 'wenn sich nicht einmal die Kommunisten einig sind?' Und wir

verstehen nicht, wie Kollegen, die täglich derselben Ausbeutung ausgesetzt

sind, nicht einmal mehr miteinander reden können.

Wir verstehen das erst recht nicht, wenn sich diese Kollegen die

proletarische Revolution zum Ziel gesetzt haben und den konsequenten Kampf

gegen den Revisionismus.

Wir sind der Auffassung, daß wir uns gemeinsam das Beispiel vor Augen halten

sollten, das uns die marxistisch-leninistische Bewegung in Westberlin gibt,

welche durch den Kampf gegen die revisionistischen Spalter der SEW zu einem

gemeinsamen Mai-Komitee gelangt ist.

Mit diesem Beispiel vor Augen sollten wir uns im Geiste des 1. Mai ernsthaft

überlegen, wie wir den Interessen des Proletariats wirklich dienen können!



Rot Front!



Wir bitten Euch um eine Antwort bis Freitag, den 23.4.1971".

=Zündkerze Extrablatt Notwendiger Kampf oder prinzipienlose Spaltung?,Bochum

o.J. (1971),S.7f



24.04.1971: 

In Bochum führt das Rote 1.Maikomitee, laut und mit KPD/ML-ZK, seine

Maiveranstaltung durch, zu der die KPD/ML-ZK u.a. mit einem Flugblatt

"Verraten und verkauft" sowie einer Maizeitung (vgl. 12.4.1971) aufruft.

Im Roten 1.Mai-Komitee arbeiten mit:

- Kollegen der IGM aus Bochumer Großbetrieben,

- KSB/ML,

- KPD/ML,

- Projektgruppe Brelohstraße,

- Projektgruppe Internationalismus,

- Rote Frauengruppe,

- Rote Garde (RG - Jugendorganisation der KPD/ML),

- Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML,

- Rote Opel-Jugendbetriebsgruppe (JBG) der Roten Garde,

- Rote Ruhrpark-Gruppe,

- Rote Zellen der Ruhr-Universität.



Die KPD/ML-ZB berichtet im 'KND':"

GRUPPE 'ROTER MORGEN' VERANSTALTET IN BOCHUM EINE VERSAMMLUNG ZUM 1.MAI



Die Gruppe 'Roter Morgen' hat am 24.4. in Bochum eine Veranstaltung zum 1.Mai

durchgeführt. Hauptredner war Ernst Aust, Mitglied des 'ZK' der Gruppe 'Roter

Morgen'. Obwohl die Gruppe 'Roter Morgen' in einer besonderen Mai-Zeitung

(vgl. Apr. 1971,d.Vf.) zur Teilnahme an dieser Veranstaltung aufgerufen hat,

sind diesem Aufruf so gut wie keine Arbeiter gefolgt; die Versammlung wurde

hauptsächlich von Mitgliedern der Studenten- und Jugendorganisation der

Gruppe 'Roter Morgen' besucht.

In seinem Referat berührte Ernst Aust die Frage des 1. Mai nur am Rande.



Seine Ausführungen über die Strategie und Taktik gingen nicht über die

Bestätigung der Notwendigkeit des bewaffneten Aufstandes, eine vulgäre Kritik

am Konzept des 'friedlichen Übergangs' und die Betonung der Notwendigkeit der

Diktatur des Proletariats hinaus.



In seinem Referat machte er eine Vielzahl von politischen Fehlern, wie z.B.:

'Die Bourgeoisie ist eine Verbrecherbande, die die Arbeiterklasse bestiehlt

und sich zum Schutze eine 'Mafia' von SPD- und Gewerkschaftsbonzen sowie der

Polizei hält.' Er wiederholt auf diese Weise jene Fehler, die bereits Karl

Marx bei Proudhon entlarvt hat: Der Kapitalismus ist keine von irgendwelchen

charakterlosen Menschen inszenierte Ordnung, kein Verbrechen; die Produktion

von Mehrwert ist kein Diebstahl. Wer soetwas sagt, zerrt den Kampf der

Arbeiterklasse auf ein moralisches Niveau, steht der Erkenntnis entgegen, daß

der Kapitalismus einmal eine fortschrittliche Produktionsweise war (und damit

die Bourgeoisie eine fortschrittliche Klasse), daß der Kapitalismus im

allgemeinen historisch notwendige Produktionsweise ist, die auf den

Feudalismus folgt und vom Sozialismus abgelöst werden wird. Er widerspricht

damit der historisch- materialistischen Lehre von den Klassen und dem

Klassenkampf.



Das ist nur ein Beispiel: wir könnten noch eine Reihe ähnlicher Fehler

aufzählen.



In der Diskussion im Anschluß an den Vortrag von Ernst Aust, wollten sich die

Veranstalter gar nicht auf eine Diskussion über den 1.Mai einlassen, obwohl

dies von den anwesenden Genossen der KPD/ML und des KJVD gefordert wurde.

Stattdessen eröffneten sie eine Diskussion über die Frage der Einheit der

marxistisch-leninistischen Bewegung. In demagogischer Weise gaben sie sich

dabei als Vorkämpfer dieser Einheit aus. Sie 'bedauerten' die Spaltung der

marxistisch-leninistischen Bewegung, obwohl sie selbst die KPD/ML gespalten

haben. Sie leugneten, daß es zwischen uns und der Gruppe 'Roter Morgen'

ernste Differenzen gibt und verhielten sich ganz so, als seien wir uns in

allen Fragen einig und als ob sie niemals irgendwelche anderen Ansichten

vertreten hätten als wir.



Z.B. behaupteten sie, sie seien seit jeher dafür eingetreten in den

Gewerkschaften zu arbeiten und dort Fraktionen aufzubauen. Die Genossen der

KPD/ML und des KJVD konnten diese Behauptung jedoch anhand der letzten

Publikationen der Gruppe 'Roter Morgen' entlarven, weil darin immer noch der

anti-gewerkschaftliche Kurs verfolgt wird, heute revolutionäre Gewerkschaften

aufzubauen in der Form der 'Roten Betriebsgruppen' (RBG,d.Vf.).



Tatsächlich besteht zur Zeit keinerlei Grundlage für eine organisatorische

Einheit mit der Gruppe 'Roter Morgen', weil weder in programmatischer, noch

in taktischer, noch in organisatorischer Hinsicht einheitliche Ansichten

zwischen der KPD/ML und dem KJVD einerseits und der Gruppe 'Roter Morgen'

andererseits bestehen.



Es ist auch falsch zu behaupten, es habe sich eine Annäherung zwischen uns

und ihnen vollzogen. Im Gegenteil, die Führer der Gruppe 'Roter Morgen' haben

weitere 'Theorien' ausgebrütet, wie die 'Theorie' von den 'zwei Wegen des

deutschen Imperialismus', die die deutsche Revolution auf einen völlig

falschen Weg führen würde.



Das Geschrei der Gruppe 'Roter Morgen' nach Einheit ist in Wirklichkeit

demagogisch, weil die Einheit nur auf dem Weg des ideologischen Kampfes

erreicht werden kann. Die Führer der Gruppe 'Roter Morgen' gehen diesen Weg

aber nicht. Stattdessen versuchen sie, die Differenzen zu vertuschen und

halten es nicht für nötig, sich von uns abzugrenzen.



Auf diese Weise kann die Einheit der marxistisch-leninistischen Bewegung

nicht erreicht werden! Ihre Einheitsdemagogie setzt die Gruppe 'Roter

Morgen' auch in der Frage des 1. Mai fort:

Die KPD/ML betrachtet den 1. Mai als einen politischen Kampftag, an dem die

Partei in dieser Situation die Aufgabe hat, eine politische Agitation und

Propaganda für ihre Linie zu entfalten.



Nun 'bedauern' es die Führer der Gruppe 'Roter Morgen', daß zwischen

ihnen und uns keine Vereinbarungen getroffen worden sind, am 1. Mai GEMEINSAM

zu demonstrieren.



Wir erklären offen: Zwischen uns und der Gruppe 'Roter Morgen' gibt es ernste

Differenzen! Zwischen der Gruppe 'Roter Morgen' und uns hat in den letzten

Monaten keine ideologische Auseinandersetzung stattgefunden, weil die Führer

der Gruppe Roter Morgen dieser Auseinandersetzung ausweichen, indem sie

unsere korrekten Ansichten in der Frage der Strategie und Taktik der

deutschen Revolution ignorieren und es nicht für nötig erachten, sich damit

auseinanderzusetzen.



Zur Zeit befinden wir uns in dem Zustand, daß wir zwei von ihren Grundlagen

her verschiedene Organisationen sind, die Widersprüche liegen seit dem Moment

der Spaltung (vor einem Jahr) klar auf dem Tisch und wir können keine

Annäherung zwischen unseren Organisationen feststellen.



Ob es eine solche gibt, könnte nur ein ideologischer Kampf zeigen.



Aus diesen Gründen gibt es auch keinerlei gemeinsame Grundlage für eine

einheitliche politische Propaganda. Folglich können wir am 1. Mai keine

gemeinsame Demonstration durchführen.



Während sich die Gruppe 'Roter Morgen' mit dem Mantel der Einheit umhüllt,

intensiviert sie auf unterer Ebene die Spaltertätigkeit. Vor Betrieben, wo

unsere Partei seit Monaten eine intensive Agitations-, Propaganda- und

Organisationstätigkeit entfaltet, erscheinen nun die Beauftragten der Gruppe

'Roter Morgen' um dort ihr Zentralorgan zu verkaufen, einzig zu dem Zweck,

die Arbeit der KPD/ML und  des KJVD zu sabotieren.



An allen diesen Betrieben wie Krupp-Widia in Essen, Bochumer Verein (Krupp

Bochum), Westfalenhütte (Hoesch) in Dortmund haben sie sich vorher noch nie

sehen lassen und haben auch offensichtlich nicht die Absicht, dort

Betriebsgruppen zu schaffen. Sie wollen lediglich die Agitations- und

Propagandatätigkeit unserer Partei zum 1. Mai untergraben und die

Arbeiterklasse verwirren.



Im Gegensatz zu den Führern der Gruppe 'Roter Morgen' gibt es bei vielen

Mitgliedern ihrer Organisationen ein ernstes Bemühen um die Einheit der

Marxisten-Leninisten. Das zeigt sich z.B. daran, daß das 'Bochumer Mai-

Komitee' beschlossen hat, unter unseren korrekten Losungen an unserer

Maidemonstration in Dortmund teilzunehmen.

Wir betonen in diesem Zusammenhang noch einmal, daß wir PRINZIPIELL bereit

sind, auch mit Vertretern der Gruppe 'Roter Morgen' in den Fragen der

Strategie und Taktik eine Auseinandersetzung zu führen."



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK bzw. Gruppe Roter Morgen

berichtet:"

Im Folgenden drucken wir Auszüge aus dem Bericht eines Opel-Kollegen über die

Veranstaltung des Roten Mai-Komitees ab. Wenn der Kollege hier von 'KPD/

SL' schreibt, so übernimmt er den uns von der Gruppe 'Rote Fahne/Bochum'

auferlegten 'Titel' 'Schwarze Linie'." Daneben werden Auszüge aus dem obigen

'KND'-Bericht gestellt. In dem Brief des Opel-Kollegen heißt es:"

Die Veranstaltung mußte eine halbe Stunde später beginnen wegen Unruhe durch

Überfüllung des Saales. Der Veranstaltungseinladung waren viele Studentinnen

und Studenten gefolgt, SOWIE ZAHLREICHE ARBEITER. Wenn diese sich aber mit

Diskussionsbeiträgen zurückhielten und den ideologisch geschulten jungen

Menschen das Feld überließen, ist es eine Verleumdung der Gruppe 'Rote

Fahne', in ihrem Bericht zu schreiben: '...dem Aufruf sind so gut wie keine

Arbeiter gefolgt.' Die Gruppe 'Roter Morgen' kann stolz sein auf ihren

jugendlichen Nachwuchs aus den Studenten- und Jungarbeiterkreisen. Das muß

m.E. erst einmal die Gruppe 'Rote Fahne' auf die Beine stellen."



"Wenn zu Zeiten der CDU-Regierung behauptet wurde, die SPD betreibe eine

linke CDU-Politik, und heute gesagt wird - insbesondere von der Gruppe 'Rote

Fahne' - die DKP betreibe eine linke SPD-Politik, so muß man eben von der

Gruppe 'Rote Fahne' sagen, sie betreibt eine LINKE DKP-POLITIK. Denn sonst

könnte sie die Ausführung Aust's: 'Die Bourgeoisie ist eine Verbrecherbande,

die die Arbeiterklasse bestiehlt...' NICHT ALS EINEN POLITISCHEN FEHLER

bezeichnen. Das sind nur wenige Beispiele, die in ähnlicher Reihe fortgesetzt

werden könnten.

In der anschließenden Diskussion wurde AUSFÜHRLICH ÜBER DEN 1.MAI, die

Gewerkschaftspolitik und die Maiparolen diskutiert. Eine andere

Gegendarstellung - wie im KND - ist erlogen."



"Die Bemühung der Gruppe 'Roter Morgen' nach Einheit und die Betonung, daß es

zwischen den beiden Gruppen keine ernsthaften Differenzen gäbe, ist nicht das

Leugnen von Gegenteiligem, sondern ERNSTHAFTES BEMÜHEN DES APPELLS AN DIE

WAHREN SPALTER DER GRUPPE 'ROTE FAHNE'."



"Während im KND behauptet wird, es bestünde keinerlei Grundlage für eine

Zusammenarbeit der beiden Gruppen, sind sich doch gerade die Publikationen

sehr ähnlich, die zum 1.Mai vertrieben wurden. Während Vertreter der Gruppe

'Rote Fahne' am 24.4. aussagten, MAN KÖNNE SICH NACH ÜBERPRÜFUNG

SELBSTKRITISCHER KRITERIEN EINIGEN, erklärt ihr Organ KND vier Tage später

offen:

'Zwischen den beiden Gruppen gibt es ernsthafte Differenzen'

'...keine gemeinsame Grundlage für eine einheitliche Propaganda'

'...keine gemeinsame Demonstration'

Folglich müßte die Gruppe 'Roter Morgen' genauso offen erklären:

'Weil die Gruppe 'Rote Fahne' keine gemeinsame Diskussion will, keine

gemeinsame Propaganda und keine gemeinsamen Demonstrationen - darum auch

keine Einigkeit der Arbeiterklasse, darum keine Einigkeit innerhalb der

Parteien, darum keine Siege des Proletariats!'"



"Der Bericht schließt mit einem Angriff gegen die Gruppe 'Roter Morgen'

bezüglich des Anbietens von Publikationen vor Betrieben im Schlepptau der

KPD/ML-ZB und des KJVD. Zumindest aus meiner Erkenntnis als Opelarbeiter

erkläre ich, daß bei der Firma Adam Opel AG nach der Betriebszeitung der DKP

die zweite Betriebszeitung die 'Zündkerze' der KPD/ML-SL war und IM

NACHHEREIN ERST DIE SPALTERGRUPPE 'ROTE FAHNE' dort mit ihren Publikationen

erschien.

Alles in allem läßt der KND-Bericht WENIG SACHLICHKEIT erkennen."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.32,Bochum 28.4.1971,S.2f;

Zündkerze Extra Notwendiger Kampf oder prinzipienlose Spaltung?,Bochum o.J.

(1971),S.11f;

KPD/ML-ZK:Verraten und verkauft,Bochum o.J. (Apr. 1971);

Roter Mai,Bochum o.J. (Apr. 1971),S.14



30.04.1971: 

Von Opel Bochum wird in einem Kollegenbeitrag für die 'Zündkerze' der Roten

Opel-Betriebsgruppen (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet:"

VERRÄTER UND VERRATENE



Am Vorabend des 1.Mai erschien bei Opel die Betriebszeitung der DKP mit dem

Aufruf:

Kolleginnen und Kollegen!

Kommt zur Maikundgebung des DGB!



Des DGB also, dessen Maiparole hieß:

'Mitbestimmung' und

'Der Mensch im Mittelpunkt'

Obwohl die 'Mitbestimmung' ein verrat an der Arbeiterklasse ist, obwohl der

DGB nicht den 'Menschen', sondern den Kapitalisten in den Mittelpunkt stellt,

täuscht er die Arbeiter dort, wo es nur geht.

Doch es geht nicht überall!



Wo in Berlin z.B. sonst Hunderttausende mit dem DGB demonstrierten,

marschierten am 1.Mai 1971 ca. 20 000 Kolleginnen und Kollegen gegen die

Verräter in SPD und DGB. 15 000 folgten der SEW, und 5 000 beteiligten sich

an der Demonstration des Roten Mai-Komitee Berlin, welches aus der KPD/

Marxisten-Leninisten und der KPD/Aufbauorganisation bestand. Dem DGB folgten

gerade auf persönliche Einladung zur Konzertsaal-Maifeier einige Hundert. In

Ingolstadt nicht einmal mehr ein Viertel Tausend.



So also macht sich der Verrat des DGB bei den Tarifverhandlungen, so also

macht sich der Verrat des DGB bei den Streik-Abwiegeleien bemerkbar - ob in

Berlin, Ingolstadt, Bochum oder sonstwo.



So aber macht sich nicht nur der Verrat des DGB bemerkbar, sondern auch der

verrat durch einzelne Verräter in den Reihen der Arbeiter.



Damit gemeint sind bestimmte Meister und Meister-Anwärter.



Warum schreibe ich das so unverblümt?

Weil sich am Vortag des Weltfeiertages der Arbeiter bei Opel folgendes

ereignet hat:

Etwa um 13 Uhr stellte ein Kollege aus dem Preßwerk seinen Schlepper an die

Seite und zwar in die Werkstraße zwischen D3 und D4. Dort hatte er nach

langem Suchen endlich eine freie Toilette gefunden, nach dem Motto: Der

Morgenschiß kommt gewiß, und wenn's am späten Mittag ist!



Dieser abgestellte Schlepper nun wurde von Meister EHM entdeckt.

Offensichtlich vertrat Meister EHM die Auffassung, daß der Schlepper

außerhalb des Preßwerks nichts zu suchen hatte, also der Kollege auch nichts

auf der freien Toilette zu scheißen hatte. Kurzerhand nahm Meister EHM eine

'Korrigierung' an dem Schlepper vor und versteckte sich. Nach 5 Minuten nun

kam der Kollegen von der Toilette und brachte seinen Schlepper nicht mehr zum

Laufen.

Da kam Meister EHM und maßregelte den Kollegen, weil er offenbar seine

persönliche Vorgabe- bzw. Freizeit von 3 Minuten um 2 Minuten überschritten

hatte - und das noch außerhalb des Preßwerkes, wo es insgesamt nur ca. 25

Toiletten gibt für ca. 500 Kollegen.



Aus der gleichen Abteilung des Meister EHM wurde tags zuvor ein Kollege

gemaßregelt, der auch angeblich außerhalb seines Fahrbereichs durch irgend

einen Umstand angetroffen wurde. Hier war es aber nicht der Meister selbst,

sondern sein Vertreter 'Schieber', der Maßregelung aussprach. Nach dem Motto:

Meister, ich weiß was und dafür bekomme ich am 1. Oktober wieder ein paar

Punkte dazu."

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.4



30.04.1971: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP, laut einem Kollegenbeitrag für die

'Zündkerze' der Roten Opel-Betriebsgruppen (RBG) der KPD/ML-ZK ihren 'Roten

Kadett' (vgl. Feb. 1971, Aug. 1971) mit einem Aufruf zur Maikundgebung des

DGB heraus.

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.4



Mai 1971: 

Vermutlich im Mai erscheint, laut der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG)

Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich), folgender Artikel in der 'WAZ':"

PEKING IM KREIS DER GROSSEN GEBERNATIONEN



CHINAS HILFE TEILWEISE ZU GÜNSTIGEN BEDINGUNGEN



Von WAZ-Correspondent Christian Roll Honking



Die Volksrepublik China ist im Vorjahr mit einer Entwicklungshilfe in der

Gesamthöhe von 1 327 Mio. Dollar in die Reihe der großen Gebernationen

eingetreten (1 Dollar etwa 3,60 DM). Die bekanntgewordene chinesische

Wirtschaftshilfe belief sich im vorigen Jahr auf 1 027,2 Mio. Dollar, von

der 273,6 Mio. Dollar an kommunistische Länder, 215,7 Mio. an asiatische

Länder und 537,3 Mio. an afrikanische und arabische Länder gingen.



Als erstes südamerikanisches Land erhielt im Vorjahr Peru eine

Wirtschaftshilfe in der Höhe von 600 000 Dollar. Von den kommunistischen

Ländern waren Rumänien und Ungarn Empfänger chinesischer Hilfe. Rumänien

wurde angeblich eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 250 Mio. Dollar zugesagt.



Das größte Projekt der chinesischen Wirtschaftshilfe aber ist der Bau der

Eisenbahnlinie von Tansania nach Sambia, die 400 Mio. Dollar kosten wird.

Unbekannt geblieben ist die Höhe der chinesischen Wirtschaftshilfe an

Nordvietnam, Nordkorea und Albanien, die für das letzte Jahr auf zumindest

300 Mio. Dollar geschätzt wird.



Bemerkenswert sind vor allem die günstigen Bedingungen der chinesischen

Hilfe, die entweder aus Schenkungen oder aus langfristigen, zinslosen

Anleihen besteht, was praktisch auch einem Geschenk gleichkommt. Kein

internationales Bankinstitut könnte jemals diese Bedingungen gewähren.



Unbekannt geblieben ist indes, wieviel der chinesischen Hilfe aus

Warenlieferungen und Diensten und wieviel aus konvertierbarer Währung

besteht. Anzunehmen ist, daß der weitaus größte Teil der chinesischen Hilfe

aus Waren und Diensten besteht. Humanitäre Hilfe gibt die Volksrepublik

China auch reichlich und prompt durch das Chinesische Rote Kreuz bei

Naturkatastrophen auch an solche Nationen, die keine diplomatischen

Beziehungen mit China haben, wie kürzlich an die Philippinen und Malaysia,

die von Taifunen beziehungsweise Überschwemmungen heimgesucht wurden."

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.9



03.05.1971: 

Bei Opel Bochum gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK

vermutlich in dieser Woche ein zweiseitiges Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl.

5.4.1971, 17.5.1971) heraus:"

SAMSTAG GEHÖRT VATI UNS



So sprachen einst die Gewerkschaftsbonzen, als sie sich noch als unsere wahren

Interessenvertreter anbiedern wollten. Heute aber stellen sie diese Forderung

nicht mehr, sondern lassen durch ihre gewerkschaftlichen

Betriebsratsmitglieder wie Perschke, Sonak und Co Sonderschichten genehmigen,

weil durch die günstige Exportsituation bei Opel die Bosse mit jedem

zusätzlich produzierten Wagen 'richtiges Geld' machen, also ihren Profit

vermehren.

Danach richten sich nun die Gewerkschaftsbonzen und nicht danach, was sie uns

und unseren Frauen und Kindern einst in's Ohr posaunt haben.

Bei Opel aber hat man nun mal die Schnauze voll von leeren Versprechungen und

Verrat. Die Werkzeugmacher - insbesondere jene, die am Wochenende

Reparaturarbeiten machen müssen - sind nun der Meinung:

! SECHS STUNDEN SIND GENUG !



Sie wollen an Samstagen und Sonntagen nur noch von 6 bis 12 Uhr bzw. von 12

bis 18 Uhr arbeiten. Und zwar unter Beibehaltung der betriebsvertraglichen

Prämie von 8 bzw. 10 DM.

Diese Forderung unterbreiteten sie ihrem zuständigen Betriebsratsmitglied

Sonak. Der versprach, die Forderung im Betriebsrat zu diskutieren und der

Geschäftsleitung zu unterbreiten. Da der Betriebsrat aber schon oft genug uns

mit seinen Versprechen verschaukelt hat, wollen die Werkzeugmacher ihrer

Forderung durch eine Unterschriftensammlung Nachdruck verleihen.

Diese Forderung sollte von den anderen Belegschaftsmitgliedern voll

unterstützt werden. Warum?

Kolleginnen und Kollegen! Wir alle und unsere Familien eingeschlossen wissen,

was es bedeutet, wenn wir Samstags und Sonntags (und das bei dem Wetter!) von

Opel 'eingeladen' werden, zu arbeiten. Die Opel-Bosse glauben, UNS durch

Überschichten einen Gefallen zu tun, indem sie sagen: 'Ach, seid doch froh,

eine Schicht mehr zu haben!'. Natürlich sind unsere Frauen froh, bei einer

Preissteigerung von 6,1% ihre leere Haushaltskasse um ein paar Groschen

aufzubessern. Aber andererseits werden ihre Gesichter immer länger, wenn sie

erleben müssen, daß ihre Männer mehr mit Opel verheiratet sind und dort immer

mehr ihre Potenz lassen müssen. Und die Frauen, die neben der ganzen

Hausarbeit auch noch bei Opel arbeiten, sind noch schlimmer dran. Deshalb

haben einige Kollegen die neue Bezeichnung für Opel gefunden:



O HNE  P OPPEN  E NORME  L UST



Nachdem die Werkzeugmacher schon manch gute Initiative ergriffen haben,

sollten wir ihrem Beispiel in unseren Abteilungen folgen. Denn

Verkehrseinschränkungen der Bogestra am Wochenende veranlassen manchen

Kollegen, nach 8 Stunden Arbeit auch noch einen Nachtmarsch einzulegen. So hat

es sich im Preßwerk schon herumgesprochen:



MEHR SEX-STUNDEN DURCH SECHS STUNDEN !!!



Aber Spaß beiseite. Kolleginnen und Kollegen, die Kapitalisten zwingen uns,

immer mehr Zeit dafür zu opfern, unseren normalen Lebensstandard zu halten.

Die Forderung der Werkzeugmacher ist ein aktiver Vorstoß gegen den Versuch der

Opel-Bosse und ihrer 5. Kolonne, uns dazu zu zwingen, unseren normalen

Lebensstandard nicht bei tarifmäßiger Arbeitszeit, sondern durch Überschichten

zu erhalten.



SAMSTAG UND SONNTAG NUR 6 STUNDEN



Die Kapitalisten schenken uns weder einen Heller noch einen Batzen. Im

Gegenteil: Sie wollen uns durch ihre SPD-Regierung in Zusammenarbeit mit den

Gewerkschaftsbonzen einen Lohnstop aufzwingen. Deshalb solidarisiert Euch mit

der Forderung der Werkzeugmacher! Sie betrifft uns alle. Ein erfolgreicher

Kampf für diese Forderung kann ein wichtiger Schritt sein für den Erfolg

unseres Kampfes in der anstehenden Tarifrunde (MTR,d.Vf.)!"



Enthalten ist auch noch das folgende Gedicht:"

BOSSE UND BONZEN



Es ist sehr hart, ich muß gestehen, acht Stunden lang am Band zu stehn.

Wer das, wie ich, mal mitgemacht, hat nach der Schicht nicht mehr gelacht.



Was hier verlangt wird, ist enorm, hier gibt's kein Kranksein oder 'mal nicht

in Form'.

Hier spricht sehr hart zu Dir der Kollege, kommst Du ihm öfters mal ins

Gehege.



Dein Meister ist auch nicht gerade zart besaitet, hat sich Dein Spielraum

ausgeweitet.

Hier bist Du allein auf Dich nur gestellt, ganz selten hat sich mal einer zu

Dir gesellt.



Er hilft Dir ganz schnell, denn er hat selbst keine Zeit,

Weil sonst seine eigene Arbeit zu weit.



Hier bist Du schon Sklave der Maschinen, ein winziges Rädchen im

Firmengetriebe. Schlimm sind die Bonzen, die zur Eile noch treiben und sich an

unserem Bemühen weiden.



Im Geiste sehen sie das Band noch schneller laufen, um noch mehr Autos zu

verkaufen.

Die Menschen zerbrechen bei dieser Methode, doch bei denen gehört das einfach

zur Mode.



Unsere Helfer 'Betriebsrat' genannt, sind längst zur anderen Seite

übergerannt.

Sie haben ihr 'Kämpfchen' schon aufgesteckt und sich hinter'm Rocke der Bosse

versteckt.



Auf die können wir uns also auch nicht verlassen, ihre Worte sind bestimmt für

andere Klassen.

Wer so zu uns redet, ist vorprogrammiert, er wurde schon längst von den Bossen

geschmiert.



Das solche Menschen vor sich noch Achtung haben, bleibt für mich eine der

vielen offenen Fragen.

Von dem, was versprochen, fest zugesagt, wurde bis heute fast alles vertagt.

Was sind das für Menschen, die uns so für dumm verkaufen - Wir sollten sie

jagen, daß sie nicht mehr aufhören zu laufen!



Ihre Selbstherrlichkeit und Arroganz geht gut bis zum Knall, und dann kommt

für sie der ganz tiefe Fall.

Dann kommt Ihr wieder zum Arbeiter gerannt, und auf Eure Ausreden bin ich

heute schon gespannt!"

=Zündkerze Extra Samstags gehört Vati uns,Bochum o.J. (1971)



Bochum_Opel190

Bochum_Opel191





07.05.1971: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich)

berichtet:"

ARBEITER BESETZEN RENAULT WERK



Seit Freitag, dem 7.5.1971 halten die Arbeiter der größten französischen

Automobilfabrik, der verstaatlichten Renault-Werke, das Hauptwerk in dem

Pariser Vorort Billancourt besetzt. Dies ist eine weitere Eskalation in dem

Kampf, den die französischen Kollegen bei Renault für eine Neugestaltung der

Lohngruppen führen. Alles begann eine Woche vorher, als im Zweigwerk von Le

Mans, in dem über 10 000 Arbeiter beschäftigt sind, 200 Arbeiter die Brocken

hinschmissen. Die revisionistische Gewerkschaft CGT versuchte, den Kampf der

Kollegen dadurch abzuwiegeln, daß sie Verhandlungen mit der Geschäftsleitung

versprach.



Da solche 'Verhandlungen'; schon seit Jahren ohne Ergebnis geführt werden,

ließen sich die Kollegen von der Gewerkschaftsbürokratie nicht in die Irre

führen. Der Streik breitete sich schnell aus und sprang über auf andere

Renault-Werke.

Die Betriebsleitung drohte mit Aussperrung, doch die Kollegen ließen sich

nicht einschüchtern, sondern gingen zum Angriff über und besetzten das

Hauptwerk. DER CGT-Gewerkschaft blieb nichts anderes übrig, als den Kollegen

nachzutraben und zu versuchen, den Kampf doch noch auf ein totes Gleis zu

führen.



Um die französischen Kollegen in ihrem Kampf zu unterstützen, hat die Rote

Betriebsgruppe Opel der KPD/ML folgendes Solidaritätstelegramm abgesandt:



Liebe französische Kollegen!



Mit Begeisterung verfolgen wir Euren gerechten Kampf gegen die Renault-Bosse.

Wir hoffen, daß es Euch gelingen wird, die Front der Betriebsleitung und der

Regierung einerseits und der Gewerkschaftsbürokratie andererseits zu

durchbrechen, die Euren Kampf abwiegeln wollen. Dies wäre ein Erfolg, der die

wachsende Kampfkraft der französischen Arbeiterklasse erneut auf das Beste

demonstrieren würde, und der für die deutsche Arbeiterklasse ein ungeheurer

Ansporn wäre, ihre Reihen im Kampf gegen das Kapital, den Staat und den DGB-

Apparat fester zusammenzuschließen.



Mit kollegialen Grüßen



Rote Betriebsgruppe Opel der KPD/Marxisten-Leninisten"

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.7f



08.05.1971: 

In der Nacht von heute auf morgen beschließt der EWG-Ministerrat die

Freigabe des Wechselkurses der D-Mark.

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich)

veröffentlicht einen Leserbrief:"

ZUR WÄHRUNGSKRISE:



Wenn bürgerliche Minister 22 Stunden tagen, muß der Kapitalismus schön in der

Scheiße stecken! Was BILD verschweigt, sieht man gerade an der

'Währungskrise': die Kapitalisten in Deutschland und in der EWG sind so

zerstritten, daß sie ihre Widersprüche nur durch Mammutsitzungen

vorübergehend lösen können. Über diese Hintergründe informiert BILD natürlich

nicht.



WARUM WIRD NICHT AUFGEWERTET?



Die DM ist weniger wert als der Dollar, also sind die von uns produzierten

Waren im Ausland relativ billig. Deshalb bestellen die amerikanischen

Kapitalisten viele deutsche Waren. Dadurch strömt sehr viel ausländisches

Geld (in diesem Fall viele Dollars) nach Deutschland. Da diese Geldmenge bald

größer ist, als das Warenangebot in Deutschland, steigen die Preise. Das

heißt: letzten Endes bezahlen WIR die 'billigen' Exporte der Kapitalisten. Es

ist klar, daß eine Aufwertung der DM den Interessen der Kapitalisten nicht

entspricht, denn dann könnten sie weniger exportieren.



BRD MIT ODER GEGEN USA UND SU?



Also müßten die USA den Dollar abwerten. Die USA stützen sich aber noch auf

ein Abkommen, in dem 1944 die Weltherrschaft des Dollars festgelegt wurde

(Bretton Woods,d.Vf.). NUR durch gemeinsamen europäischen Druck könnte die

Abwertung des Dollars erzwungen werden. Die BRD hat jedoch die USA durch die

Freigabe des Wechselkurses noch mal vor der Abwertung bewahrt. Warum? Weil

die SPD-Regierung diejenigen Kapitalisten unterstützt und vertritt, die unter

Einfluß des US-Kapitals stehen und sich durch den Ost-Handel sanieren wollen.

Eine erzwungene Dollar-Abwertung würde das Bündnis mit den USA gefährden.

Außerdem würde die Krise in der BRD bedrohliche Ausmaße annehmen, wenn die

Exporte aufhören. Diese Ansicht vertreten auch DGB-Vetter und IGM-Brenner.

Die CDU/CSU will um jeden Preis die europäische Großmacht aufbauen, gegen die

USA und SU. Sie wollte die Dollarabwertung und weitere Schwächung der USA

erzwingen, um das geeinte Europa unter BRD-Führung voranzutreiben.



WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE ARBEITERKLASSE?



Sie ist auf jeden Fall betrogen. Die SPD-Regierung will die Krise durch

Exporte aufhalten, und für uns kungeln SPD- und DGB-Bonzen Lohnleitlinien und

sogar Lohnstop aus. Wir sollen 'maßhalten', um den Kapitalisten die

'billigen' Exporte zu bezahlen. Gleichzeitig sollen wir durch 'Lohnverzicht'

die 'Stabilität' der Profite garantieren.



DIE KRISE KOMMT SOWIESO, EGAL OB MIT SPD ODER CDU



Der Streit zwischen den politischen Fraktionen der Kapitalisten dreht sich

nur darum, wie am besten die ganze Krise auf die Arbeiterklasse abgewälzt

werden kann und wie die Herrschaft der Kapitalisten möglichst auf ewig

gesichert und verstärkt wird. Die CDU-Regierung wäre mit Arbeitslosigkeit und

Lohndrückerei genauso am Ball wie die SPD, sie würde nur andere Methoden

anwenden. Denn eines ist klar: so zerstritten die beiden Fraktionen auch

sind, gegen uns stehen sie fest und geschlossen wie ein Mann!"

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.6



10.05.1971: 

In der heutigen 'FAZ' erscheint, laut Roter Opel-Betriebsgruppe der

KPD/ML-ZK in Bochum, folgender Artikel:"

ARBEITGEBER: SCHWERE BELASTUNG



Eine außerordentlich schwere Belastung für den deutschen Export sieht die

Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände in der Freigabe des

Wechselkurses. Die Arbeitgeber befürchten nachteilige Wirkungen auf die

Sicherheit der Arbeitsplätze, die Investitionstätigkeit und das

wirtschaftliche Wachstum. Die Tarifpartner müßten in dieser Lage eine

entscheidende Voraussetzung für die binnenwirtschaftliche Stabilität

schaffen. Der Präsident der Arbeitgeberverbände, Friedrich, hat am Montag dem

DGB-Vorsitzenden Heinz Vetter vorgeschlagen, so bald wir möglich über einen

'stabilitätsorientierten Lohnkurs zwischen maßgeblichen für die Tarifpolitik

verantwortlichen Vertretern beider Organisationen' zu diskutieren."



Vermutlich ebenfalls heute erscheint, laut derselben Quelle, auch in der

'WAZ' folgende Meldung:"

Angesichts der ruhiger werdenden Inlandskonjunktur könnte eine Aufwertung von

5 Prozent als mögliches Ergebnis der jetzigen Maßnahmen im weiteren

Jahresverlauf Produktionseinschränkungen bedeuten, erklärte der Verband der

Automobilindustrie. Ein solches Opfer wäre nur zu vertreten, wenn es gelänge,

den von der Lohnseite ausgehenden Kostenauftrieb in den kommenden Monaten

unter Kontrolle zu bringen. Als eine erneute zusätzliche Belastung und damit

Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt bezeichnet das

Volkswagenwerk die Freigabe des Wechselkurses: der Umfang der negativen

Auswirkung lasse sich im einzelnen aber noch nicht übersehen."

=Zündkerze Nr.8,Bochum Mai 1971,S.2



12.05.1971: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK richtet einen Brief

an die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB (vgl. 28.4.1971) bzw. der Gruppe

Rote Fahne Bochum:"

Liebe Kollegen!



Ihr schreibt in Eurer Antwort auf unser letztes Gesprächsangebot:

'Wir sind zu Bündnissen in konkreten Fällen im Interesse der Arbeiterklasse

bereit, wenn sich ein gemeinsames Ziel ergibt. (Wie z.B. der Kampf um einen

roten 1. Mai oder eine konkrete betriebliche Verbesserung).'

Das war immer unsere Meinung. Durch unsere Teilnahme an der 1. Mai-

Demonstration der Gruppe 'Rote Fahne/Bochum' in Dortmund haben wir praktisch

gezeigt, daß wir es mit unserem Bündnisangebot ernst meinen. Unser Angebot

erneuern wir mit diesem Brief. Wir schlagen Euch konkrete Gespräche vor über:

a.) den Kampf gegen das Punkte-Bewertungssystem,

b.) die im Herbst (oder schon im Sommer??) anstehenden Tarifverhandlungen

(MTR,d.Vf.).



Wie der Streik im letzten Herbst (vgl. 24.9.1970,d.Vf.) gezeigt hat, war

sowohl Eure wie auch unsere Forderung: 15% Lohnerhöhung und 13. Monatslohn.



Um diese Forderungen wirklich durchsetzen zu können, schlugen wir unabhängig

voneinander die Bildung eines Streikrates vor. Wir sind der Meinung, daß es

besser ist, nicht noch einmal im Kampf derartige 'zufällige'

Übereinstimmungen festzustellen. Statt dessen sollten wir uns jetzt schon

über die Strategie und Taktik in den künftigen Lohnkämpfen absprechen, nach

dem Motto: getrennt marschieren, vereint schlagen. Denn wir sind davon

überzeugt, daß es letztes Jahr eher zur Bildung eines Streikrates gekommen

wäre, wenn wir frühzeitig diese Gespräche eingeleitet hätten. Das Ergebnis

des Streiks hätte dann ein anderes sein können!



Kollegen, wir wollen hiermit keineswegs die vorhandenen politischen

Unterschiede zwischen der KPD/Marxisten-Leninisten und der Gruppe 'Rote

Fahne/Bochum' verwischen. Wir wollen lediglich erreichen, daß sich Genossen

und Kollegen trotz verschiedener politischer Auffassungen zusammen setzen und

beraten, wie sie gegen die Opel-Bosse und ihre Handlanger gemeinsam kämpfen

können. Und damit so etwas nicht wieder passiert, daß z.B. Eure Genossen

unsere Plakate von den Wänden reißen, wie wir es bei Eurer 1. Mai-

Demonstration in Dortmund beobachten mußten.



Da uns als Arbeitern das Schreiben und die Formulierung nicht so von der Hand

gehen, möchtet Ihr hiermit Verständnis dafür aufbringen, daß wir mehr für das

direkte Gespräch sind (was erfahrungsgemäß eher zu einem Erfolg führt), als

für ausschweifende Korrespondenz. Wir hoffen, daß es in allernächster Zeit zu

einem solchen Gespräch kommt und schlagen hierfür einen der nächsten Sonntage

vor. Wir veröffentlichen diesen Brief gleichzeitig in der ZÜNDKERZE, damit

die Opel-Kollegen etwas in der hand haben, wenn sie an uns die Frage stellen:

'Warum arbeitet Ihr nicht zusammen?'



Wir grüßen Euch mit

Rot Front"

=Zündkerze Extrablatt Notwendiger Kampf oder prinzipienlose Spaltung?,Bochum

o.J. (1971),S.10



17.05.1971: 

Vermutlich in dieser Woche bringt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der

KPD/ML-ZK in Bochum ein Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl. 3.5.1971, 24.5.1971)

mit 12 Seiten heraus:"

NOTWENDIGER KAMPF ODER PRINZIPIENLOSE SPALTUNG?



Kollegen, so mancher von Euch wird sich in der letzten Zeit schon des Öfteren

gefragt haben, was das eigentlich soll, wenn zu Schichtbeginn verschiedene

Zeitungen verteilt oder verkauft werden. Zeitungen, die alle von sich

selbst behaupten, rot zu sein: Zündkerze, Presse, Roter Kadett, Rote Glut,

Die Walze, Roter Morgen, Rote Fahne und neulich noch die Rote Mai-Zeitung.



Aufgrund dieser Zeitungsflut ist es nicht verwunderlich, daß viele Kollegen

und Kolleginnen im Laufe der Zeit den Durchblick verlieren und ihre sowieso

schon vorhandene Zurückhaltung noch stärker wird, obwohl sie solche

Zeitungen eigentlich für richtig halten und sogar mitarbeiten würden.



Viele Kollegen sagen immer wieder: 'Bevor Ihr uns beglückt, werdet Euch erst

mal selber einig!' - 'Glaubt Ihr etwa, daß Ihr etwas erreichen könnt, wenn

Ihr so gespalten seid?' oder 'Scheißt Ihr erstmal dahin, wo wir schon

hingeschissen haben, dann können wir weitersehen!'



Was diese Kollegen so drastisch ausdrücken, entspricht voll und ganz den

Tatsachen. Da es zu den Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus gehört, daß

die Arbeiterklasse zu ihrer Befreiung unbedingt eine einheitliche

marxistisch-leninistische Kommunistische Partei braucht, wird niemand den

schreienden Widerspruch, ja den Skandal leugnen, der in der Tatsache der

Spaltung liegt.

Auch die KPD/Marxisten-Leninisten kann und will diesen Skandal nicht leugnen.

Es wäre Augenwischerei zu behaupten, alles wäre in Butter.

Bevor diese Spaltung nicht überwunden ist, werden kaum große Erfolge zu

verzeichnen sein, eher das Gegenteil. Das beweist nicht zuletzt die

Geschichte unserer deutschen Arbeiterbewegung. Und wir halten es nicht für

eine Phrase, wenn Mao Tse-tung sagt:

'Will man die Revolution, dann muß man eine revolutionäre Partei haben. Ohne

eine revolutionäre Partei, die gemäß der revolutionären Theorie und dem

revolutionären Stil des Marxismus-Leninismus aufgebaut ist, ist es unmöglich,

die Arbeiterklasse und die breiten Volksmassen zum Sieg über den

Imperialismus und seine Lakaien zu führen.'



Jede prinzipielle Uneinigkeit, jede prinzipienlose Spaltung arbeitet nur

denen in die Hände, die daran ein wirkliches Interesse haben: den

Kapitalisten und ihren Stiefelknechten im Staat und DGB-Apparat. Darüber muß

sich jeder Arbeiter, jeder Kommunist im Klaren sein!

Aber die Kommunisten sind die Letzten, die den Zustand der Spaltung tatenlos

hinnehmen. Aus diesem Grunde wenden wir uns direkt an Euch, Kolleginnen und

Kollegen, und werden das auch weiterhin tun. Jeder von Euch hat das Recht,

Rechenschaft über Spaltungen und Ähnliches gerade von denen zu verlangen, die

sagen, sie seine die besten Arbeitervertreter. Es ist klar, daß diese

Rechenschaft nur vor der Arbeiteröffentlichkeit abgelegt werden kann und

nirgendwo anders. Denn nur der Arbeiter kann es sein, der dem Skandal der

Spaltung ein wirkliches Ende bereiten kann. Er ist es, der täglich an der

Drehbank oder am Fließband praktische Solidarität üben muß, ob er will oder

nicht. Ansonsten ist er total verraten und verkauft.



Um allen Spaltern aber den Kampf ansagen zu können, müssen wir alle eines

klar wissen: GEGEN WEN ist der Kampf zu führen?  MIT WEM ist der Kampf zu

führen? Ziehen wir hier keine klaren Trennungsstriche, so sollen wir uns

nicht wundern, wenn wir weiterhin von den falschen 'Verbündeten' an die Brust

genommen werden.



Die Hauptgegner lassen sich relativ leicht festnageln: Die Klasse der

Kapitalisten und ihre Bundesgenossen im Staat und DGB-Apparat. Viel

schwieriger allerdings wird die Sache, wenn es sich um faule Eier in den

eigenen Reihen handelt. Bekommen wir da keinen Durchblick, werden wir auf der

Stelle treten.



D'K'P (DKP,d.Vf.)/SED - ARBEITERPARTEIEN?



Hier geht es nicht darum, ob diese Parteien Arbeiter in sich vereinigen,

sondern darum, ob sie Politik FÜR die Arbeiter machen. Müßte doch sonst die

SPD auch eine Arbeiterpartei sein. Jeder Kollege weiß heute, daß das ehemals

sozialistische Weltlager sich in zwei große Blöcke gespalten hat: die

'Moskau-Anhänger' und die 'Maoisten'. Aber wer weiß schon wirklich etwas

Genaueres darüber - bei dem Fernsehen und bei den Zeitungen, die die

Kapitalisten uns vorsetzen! Die Kapitalisten haben ein Interesse daran, daß

wir über die wahren Ursachen der Spaltung nichts, aber auch gar nichts

erfahren.



Stattdessen sollen wir glauben, es gehe um sogenannte 'Machtkämpfe' zwischen

Breschnew und Mao Tse-tung.

Daß dem nicht so ist, wollen wir im Folgenden versuchen klar zu machen.



VERRÄTER IN DER ARBEITERKLASSE



Schon seit Beginn der Arbeiterbewegung hat es immer wieder Verrat gegeben.

Dies hat aber nichts damit zu tun, daß das ewig so sein muß, wie etwa das

Amen in der Kirche. Die Erklärung dafür liegt in einer einfachen Tatsache:

Solange es Kapitalismus und Kapitalisten geben wird, werden diese ein

Interesse haben, wirkliche Arbeiterorganisationen in die Hand zu bekommen, ja

selbst Arbeiterstaaten. Sie wären verrückt, wenn sie diese Versuche nicht

machen würden, denn sonst wären ihre Tage sofort gezählt.

Den ersten großen Erfolg konnten sie bei der SPD und ihren Gewerkschaften

verbuchen. Seit über 50 Jahren helfen sie tüchtig mit, die Arbeiter zu

unterdrücken und auszusaugen. Wer also weiterhin wirkliche Arbeiterpolitik

treiben wollte, mußte neu beginnen: Die Gründung der KPD 1918 war die einzig

richtige Konsequenz. Damit war zwar eine neue Arbeiterpartei gegründet, die

unter Ernst Thälmann zur führenden Kraft wurde, die Unterwanderungsversuche

der Kapitalisten aber wurden dadurch noch verstärkt. Das Ergebnis liegt heute

klar auf der Hand: so wie die SPD August Bebels später zur Verräterpartei

wurde, so wandelte sich auch die Partei Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts und

Ernst Thälmanns unter Ulbricht in ihr Gegenteil. Jeder klassenbewußte

Arbeiter, der vor dieser Tatsache die Augen verschließt, schadet nur der

Arbeiterklasse und damit sich selbst.



KAMPF DEN ARBEITERVERRÄTERN



Nun könnte mancher Kollege sagen, dann können wir ja gleich einpacken. Er

vergißt dabei allerdings eins: So wie damals Luxemburg und Liebknecht, vor

allem aber Lenin und Stalin, den Verrätern konsequent den Kampf ansagten, so

sind es heute die Marxisten-Leninisten mit Mao Tse-Tung an der Spitze. Und

daß ihre Ideen den richtigen Weg weisen, beweisen die kämpfenden Völker der

südlichen Erdhalbkugel und nicht zuletzt die Streiks und Demonstrationen der

letzten Jahre in Europa und den USA.

Es besteht also durchaus kein Anlaß, Trübsal zu blasen. Wer mit offenen Augen

die politische Lage in der BRD in den letzten 5 Jahren betrachtet hat, dem

wird der Unterschied zu früher sofort ins Auge springen. Die Studenten wurden

als erste rebellisch, ab 1969 sind es langsam auch die Arbeiter.

Anlaß zum Frohlocken haben wir aber nun auch nicht. Weder haben wir eine

starke kommunistische Partei, die gemäß dem Marxismus-Leninismus aufgebaut

ist, noch sind die Praktiken eines Ulbricht oder Bachmann jedem

klassenbewußten Kollegen klar.



'GULASCH-KOMMUNISMUS'



Noch viel zu viele meinen, Kommunismus sei das, was sich heute in der DDR

abspielt. Und China? Da kommt sofort das Argument mit der gelben Gefahr.

Was aber spielt sich wirklich in der DDR und in China ab?

Den Verdrehern des Marxismus-Leninismus in der DDR, allen voran Ulbricht,

gebührt der große Verdienst, den 'Gulasch-Kommunismus' eines Chruschtschow

als 'wahren Kommunismus' den Arbeitern beider deutscher Staaten verkauft zu

haben.

Sie scheuten sich nicht, wie Chruschtschow in der Sowjetunion (SU,d.Vf.), zu

behaupten: Sozialismus wäre Kapitalismus, nur besser. Großsprecherisch

kündigten sie an, der Kommunismus ließe nur noch wenige Jahre auf sich

warten.

Was aber gar nicht auf sich warten ließ, das waren die alten Verhältnisse.

Genau das also, was man zu bekämpfen vorgab, wurde wieder eingeführt. Heute

leben die Bosse der sogenannten 'volkseigenen' Betriebe (VEB,d.Vf.) und die

Bonzen der SED und des FDGB genau so gut, wie die unsrigen hier, ja, ihre

soziale Sicherheit ist noch größer, geht doch nahezu alles auf

'Staatskosten'.



Wenn also die Ideologie des Antikommunismus in der BRD so tolle Erfolge

verzeichnen konnte, so liegt das nicht zuletzt an den Herren Ulbricht und

Stoph, lieferten sie doch die entscheidenden Argumente mit ihrem 'Gulasch-

Kommunismus': Jahrelang konnten die westdeutschen Kapitalisten den Arbeitern

beider deutscher Staaten vorrechnen, daß sie hier eben doch mehr und

billigere PKW's, Fernseher, Kosmetika, Textilien usw. bekommen würden. Nichts

gegen diese Waren, aber ein Anzeichen für gerechte Verhältnisse sind sie

nicht.



DIE KERNFRAGE: WER HAT DIE MACHT IM STAAT?



Gerade das beweist die chinesische Volksrepublik. Zwar geht es dem

chinesischen Volk immer besser, zu hungern braucht schon lange keiner mehr,

das Entscheidende aber ist: Wer hat die Macht im Staat? Sind es die Bonzen

oder sind es die Arbeiter und Bauern? Hier liegt der Unterschied zwischen der

DDR, Sowjetunion usw. auf der einen Seite und China und Albanien auf der

anderen Seite.

Und die Kulturrevolution in China war keine Theater- oder Künstlerrevolte,

sie war der Kampf der Arbeiter und Bauern gegen die chinesischen

Chruschtschows und Ulbrichts.

(Jeder Kollege, der darüber Genaueres erfahren möchte, lese nur die Bücher

des schwedischen Journalisten Jan Myrdal. Dieser war 1960 und 1969 in China.

Beide Male besuchte er das gleiche Dorf Liu Ling, beide Male befragte er die

Dorfbewohner. Diese Bücher sind mit die besten Beweise für einen wirklichen

Arbeiter- und Bauernstaat, aber auch die besten Beweise dafür, was 'Gulasch-

Kommunismus' ist und wie er bekämpft werden muß.

Jan Myrdal: Bericht aus einem chinesischen Dorf (1960), China: Die Revolution

geht weiter (1969).



D'K'P - EIN FAULES EI



Wir mußten auf diesen Sachverhalt ziemlich ausführlich eingehen, da sonst

nicht genügend klar würde, welche Rolle die DKP spielt. Die DKP verkündet

immer wieder, sie wäre die 'einzig wahre' Arbeiterpartei, sie wäre die 'Erbin

Ernst Thälmanns'.

Welche kommunistische Arbeiterpartei aber kann den Mord an den polnischen

Arbeitern verteidigen? An Arbeitern, die die Internationale sangen und

riefen: 'Nieder mit der bürgerlichen Gomulka-Clique', als sie demonstrierten!



Welche kommunistische Arbeiterpartei darf sich zum Anhängsel von

Gewerkschaftsbonzen machen oder zum Befürworter einer Mitbestimmung, die

nichts anderes als die sogenannte 'Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit'

ist?

Die Partei Ernst Thälmanns ist der beste Beweis dafür, daß eine

kommunistische Arbeiterpartei genau das Gegenteil davon tun muß. Und wie hält

die DKP ihre Mitglieder trotz allem bei der Stange? Zum einen durch simple

Lügen, indem sie klassenbewußten Kollegen vorgaukelt, das Gerede von der

Mitbestimmung wäre nur Taktik, während die Taten ihrer Mitbestimmungs-

Betriebsräte das Gegenteil beweisen. Im Bergbau zum Beispiel sind sie die

besten Bremsklötze. Zum anderen durch Bestechung, die sich nur in ihrer Art

von der der DGB-Bonzen unterscheidet: vergünstigte Reisen in die DDR,

Treueprämien für besonders 'verdienstvolle' DKP-Betriebsräte usw. Diese

Partei besteht erst seit 1968, sie besitzt aber bereits heute einen bezahlten

Funktionärskörper (weit über 100 Leute), der sich im Vergleich zur SPD- und

DGB-Bürokratie durchaus sehen lassen kann.



Die KPD/Marxisten-Leninisten hat keinen einzigen bezahlten politischen

Funktionär, weil sie weiß, dies könnte der erste Schritt zu erneuter

Korruption sein. Wenn sie einmal gezwungen sein sollte, Genossen

freizustellen, dann werden diese äußerst gering an Zahl sein, vor allem aber

müssen sie VORHER IM KAMPF bewiesen haben, daß sie keine faulen Eier sind.

Schreibtischbonzen darf eine kommunistische Arbeiterpartei nie zulassen!



'MAOISTEN' - WASCHECHTE KOMMUNISTEN



Wer heute solche Dinge offen beim Namen nennt, wird von den Reaktionären und

den DKP- und SED-Führern als 'Maoist' bezeichnet. Aber auf diesen Namen, den

uns die Feinde der Arbeiterklasse und der Arbeiterbewegung gegeben haben,

sind wir stolz. Denn er bedeutet nichts anderes, als daß es auch in der BRD

wieder waschechte Kommunisten gibt. Marxisten-Leninisten, die konsequent

versuchen, die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, und dabei nicht

davor zurückschrecken, Verrat, WOHER ER AUCH KOMME, schonungslos

anzuprangern.

Vor fünfzig Jahren waren es die Anhänger Lenins, die man als Bolschewisten

beschimpfte. Nun, die Arbeiter haben damals ihr Urteil gesprochen: sie liefen

den Bolschewiki reihenweise zu. Und heute? Heute haben die Völker der

südlichen Erdhalbkugel ihr Urteil längst gefällt! Oder kämpfen die

indochinesischen Völker etwa mit den Ideen eines Breschnew? Aber auch die

Arbeiter der imperialistischen Staaten greifen langsam zum Roten Buch: Bei

Fiat in Turin (in Italien,d.Vf.) zum Beispiel waren es 'maoistische'

Arbeiter, die einen der größten Streiks organisierten.



DIE DEUTSCHE ARBEITERKLASSE ERWACHT!

GRÜNDUNG DER KPD/ML



Lediglich die westdeutschen Arbeiter machen in gewisser Weise eine Ausnahme.

Aber hat das etwa was mit einem besonderen 'deutschen Wesen' zu tun?

Keineswegs! Es ist nur allzu verständlich, wenn westdeutsche Arbeiter heute

skeptisch und zurückhaltend sind. Kein europäischer Arbeiter ist so verraten

und verkauft worden in der Vergangenheit wie gerade der westdeutsche

Arbeiter. Erst war es der DGB, der sich von amerikanischen

Geheimdienstgeldern nährte, und sein Fähnchen gegen die Arbeiterklasse

kehrte. Dann kam der Verrat von SED/KPD/DKP. Und nicht zu vergessen: die

Nazi-Herrschaft, die auch an den Arbeitern nicht so spurlos vorüberging.



Gerade die Streiks 1969/70 haben gezeigt, daß auch hier der Arbeiter wieder

erwacht, daß eine neue Arbeitergeneration heranwächst, die die Last der

Vergangenheit langsam aber sicher abzuschütteln beginnt. Die klassenbewußten

Kollegen wissen, daß der Kampf der Arbeiterklasse nur Erfolg haben kann, wenn

diese über eine starke kommunistische Arbeiterpartei verfügt. Einige von

ihnen, vor allem revolutionäre KPD-Mitglieder, schlossen sich mit den

fortschrittlichsten Studenten zusammen und gründeten deshalb 1968, zum 50.

Jahrestag der KPD, die KPD/Marxisten-Leninisten.



Damit war der Grundstein für einen Neubeginn gelegt. Das Spaltungsübel, und

diesmal ein äußerst prinzipienloses, aber begann damit erst. Dies zu leugnen

wäre grundfalsch und würde keineswegs weiterhelfen.



EIN NEUER SPALTUNGSWIND



...kam nicht aus der SED-Verräterrichtung, er kam von den Universitäten!

Wir als Kommunisten sind weit davon entfernt, eine Hetze gegen

fortschrittliche Studenten a la 'Bild' vom Stapel zu lassen. Wir wissen, wie

schwer es für den Kollegen ist, fas schriftlich und korrekt auszudrücken, was

ihm auf der Seele liegt. Und wir wissen auch, welche positive Rolle die

fortschrittlichen Studenten seit 1966 gespielt haben: sie verfügten im

wesentlichen über wissenschaftliche Einsichten, sie diskutierten über

Sozialismus usw., und waren bemüht, dies alles den Arbeitern in Flugblättern

und Zeitungen mitzuteilen. Wir glauben, daß wir über diese positive Seite

nicht allzu viel zu schreiben brauchen, da sie von jedem klassenbewußten

Kollegen anerkannt wird.

Heute ist es notwendig, die Gefahren aufzuzeigen, die der Arbeiterklasse

drohen, wenn sie ihre Angelegenheit nicht endgültig selbst in die Hand nimmt.

Tut sie es nicht, so wird sie zum Objekt kleinbürgerlicher 'Arbeiterführer'.



Es gibt heute viele Gruppen und Zirkel, die sich 'marxistisch-leninistisch'

nennen und von sich behaupten, sie wären die einzig richtigen Vertreter des

Marxismus-Leninismus.

Dabei ist es zunächst ziemlich uninteressant, WAS sie sich gegenseitig

vorwerfen, sondern es kommt darauf an, WARUM sie sich bekämpfen.



Obwohl gerade diejenigen unter diesen Gruppen, deren Anteil an

Intellektuellen besonders hoch ist, ihre fast 'rein proletarische

Zusammensetzung' behaupten, ist es ein offenes Geheimnis, daß es unter den

marxistisch-leninistischen Gruppen keine einzige gibt, die nur aus Arbeitern

besteht. Ja in einigen Gruppen spielen die Intellektuellen sogar die erste

Geige.

Dies steht natürlich in krassem Gegensatz zu ihren Behauptungen. Um den

'Beweis' trotzdem anzutreten, greifen sie oft zu folgenden Mitteln: Entweder

schicken sie ihre Studenten in den Betrieb (was durchaus positiv ist!) und

geben sie dann als 'Arbeiter' aus, oder sie marschieren auf der Straße im

Blaumann herum (der natürlich äußerst sauber aussieht). Ja, es gab schon

Demonstrationen, wo die Studenten alle im Blaumann aufmarschieren mußten.



Jeder Kollege wird über diese Kindereien nur den Kopf schütteln können. Diese

Gruppen verhalten sich wie der Krämer an der Ecke: der deckt seine faulen

Tomaten mit frischen zu, damit der Beschiß nicht offenkundig wird.



KLEINBÜRGERLICHER KONKURRENZKAMPF



Wieso kommen diese revolutionären Intellektuellen zu solch einem Handeln, muß

man ihnen doch andererseits ihre ehrliche Absicht oft bescheinigen?

Die meisten von ihnen haben die Lehren von Marx, Lenin und Mao Tse-tung nur

theoretisch begriffen, nicht in der praktischen Arbeit. Dies bringt die

gefährliche Tendenz auf, sich nun an die Stelle der Arbeiter zu setzen.

Der wichtigste Grund allerdings liegt in einem kleinbürgerlichen

Konkurrenzkampf. Jahrhundertelang war die Wissenschaft nur 'Auserwählten' der

herrschenden Klassen zugänglich. Wer also in die 'heiligen Hallen' der

Wissenschaft eintreten wollte, mußte sich fügen. Ob er konnte, mußte er in

'Streitgesprächen' beweisen. Wie diese dann aussahen und immer noch aussehen,

weiß fast jeder von uns: es ist der berühmte Streit darum, ob zuerst die

Henne oder das Ei da war.



KORINTHENKACKEREI UND HAARSPALTEREI



Um selbst bestehen zu können, mußte man das Wissen, das 'geistige Kapital'

des andern in Grund und Boden stampfen. Wem das besonders gut gelang, der

galt dann als große Leuchte. Dabei werden Wissenslücken dann genauso

vertuscht, wie es der Krämer mit seinen faulen Tomaten tut. Dafür hat dann

jeder sein 'Spezialgebiet', und wenn es die Geschichte des Nagels ist, wie

bei einem Professor der Ruhr-Universität (RUB,d.Vf.).

Für fortschrittliche Studenten ist es besonders schwer, gerade diese Macken

abzulegen, hat man sie ihnen doch von Kindesbeinen an in den Kopf geprügelt,

so lange bis sie glaubten, das sei das einzig Wahre. Und hier liegt die

Trennungslinie zwischen revolutionären Arbeitern und denjenigen Studenten

(und sie sind äußerst gering an Zahl!), denen es bereits gelungen ist, diese

Macken weitgehend abzulegen, auf der einen Seite und den Studenten, die zwar

guten Willen haben, deren Taten aber hauptsächlich von diesen

Korinthenkackereien geprägt sind, auf der anderen Seite.

Heißt das, daß wir diese 'Arbeiterführer' verdammen sollen? Keineswegs! Was

wir ihnen allerdings klarmachen müssen ist, daß sie gehörigen Krach mit den

klassenbewußten Arbeitern bekommen werden, wenn sie ihr Spielchen

weitertreiben.

Wir sind keine dummen Jungen, in irgendeinem Kindergarten, die solche

Spielchen fein finden. Wir haben genug Leute im Nacken sitzen, die sich als

unsere Vertreter aufspielen.

Da brauchen wir keine neuen. Wir brauchen solche, die uns helfen, unseren

Nacken frei zu machen.

Jeder Kollege hat das Recht, genau zu erfahren, wie solche 'Arbeiterführer'

handeln.



'ABGRUNDTIEFE' DIFFENRENZEN



Da auch sie ihr 'Spezialgebiet' brauchen, um ihre Widersacher in Grund und

Boden stampfen zu können, 'entdecken' sie plötzlich, daß die Arbeiterbewegung

schon eine Menge an Einsichten angehäuft hat. Anstatt diese Einsichten aber

als geschlossene Erkenntnis zu behandeln, klauben sie einige Dinge heraus und

werfen sie ihren 'Gegnern' an den Kopf. Das sind dann die 'abgrundtiefen

prinzipiellen Differenzen', die sie haben. Vom gemeinsamen Feind, dem

Imperialismus und Revisionismus, ist dann keine Rede mehr.

Und da sie die Arbeiter als Kapital betrachten, müssen sie natürlich die

Kollegen in den anderen Gruppen, die sie als Kapital der anderen ansehen,

'entwerten'. Das sind dann für sie die 'verstudentisierten' Arbeiter, oder

schlicht die 'Renommierproleten'. (Leider sind solche Beispiele keine

boshaften Erfindungen, sondern schlichte Tatsachen.) Und das in einer

Situation, wo die klassenbewußten Kollegen weiß Gott nicht vom Himmel fallen.



Stehen dann in den Versammlungen Kollegen auf und prangern das an, werden

ihre Worte hochnäsig als 'Vereinigungsprojektmacherei' oder als

'prinzipienloses Vereinigungsgeschwätz' abgetan. Kollegen, das sind wörtliche

Zitate, keine Erfindungen!

Oder man schreibt in Flugblättern, die anderen wären ja nur eine

'wildgewordene Studentenhorde', wie bei Hoesch (IGM-Bereich in Dortmund -

vgl. **.*.1971,d.Vf.) geschehen (wobei die Sprache der Bildzeitung

unverkennbar ist).



SPALTUNG DER KPD/ML



Für all das bieten örtliche Erfahrungen genügend Beweise. Auch die KPD/

Marxisten-Leninisten wurde, weil sie noch schwach war, letztes Jahr von

diesem Virus angesteckt. Einige ihrer Mitglieder meinten die anderen wären

'Konterrevolutionäre' und spalteten sich kurzerhand ab. Natürlich behaupteten

sie fortan, sie wären die wahre KPD/ML. (Ihr Zentralorgan ist die Rote

Fahne). Die Folgen waren dann sofort zu spüren. Nehmen wir Opel als Beispiel.



Die KPD/Marxisten-Leninisten hatte eine Rote Betriebsgruppe aufgebaut, die im

Frühjahr 1970 (vgl. 13.4.1970,d.Vf.) zum ersten Mal ihre Betriebszeitung 'Die

Zündkerze' herausgab. Als sie erfuhr, daß die Mitglieder der Gruppe Rote

Fahne Bochum (KPD/ML-ZB,d.Vf.) im Sommer 1970 nun das Gleiche beabsichtigten,

machten sie ihnen folgendes Angebot: die 'Zündkerze' gemeinsam herauszugeben,

da wohl kaum ein Kollege den Unterschied zwischen KPD/ML und 'KPD/ML'

begreifen, geschweige denn Verständnis dafür aufbringen würde. Sie lehnten

'großzügig' ab.

Im Streik (vgl. 24.9.1970,d.Vf.) ereignete sich dann folgende kuriose

Situation: Sowohl die Zündkerze als auch die Betriebszeitung der Gruppe Rote

Fahne, die 'Presse', stellten gleiche Forderungen auf. Die Kollegen wunderten

sich und einige meinten sogar, die 'Presse' sei wohl die Betriebszeitung fürs

Preßwerk.

Diese Genossen begründeten ihr Tun folgendermaßen: Es sei nicht schlimm, wenn

die Arbeiter anfangs ein wenig verwirrt würden. Mit der Zeit würden sie es

schon begreifen. - Von den klassenbewußten Kollegen hat es bis heute kein

einziger begriffen.



VERWIRRUNG DER ARBEITER



Daß dies kein Einzelfall ist, zeigt ein Duisburger Beispiel: Die KPD/

Marxisten-Leninisten gibt seit Herbst letzten Jahres dort bei Mannesmann (MM -

vgl. Nov. 1970,d.Vf.) die Betriebszeitung 'Röhrenkieker' heraus. Wie wir

jetzt von Kollegen der Gruppe Rote Fahne Bochum erfuhren, wollen sie unter

dem gleichen Namen ebenfalls eine Zeitung erscheinen lassen. Begründung: (und

die ist jetzt wörtlich zitiert von einem ihrer studentischen Funktionäre):

'Die Kollegen sollen ruhig verwirrt werden, sie werden mit der Zeit schon

merken, was los ist. Außerdem habt ihr uns ja den Namen KPD/ML geklaut, also

ist es unser gutes Recht, den Namen 'Röhrenkieker' zu benutzen.' Kollegen,

wir können nur hoffen, daß dies Gerede nicht in die Tat umgesetzt wird.

Diese Genossen meinen, Angriff wäre die beste Verteidigung. Daß dabei

Tatsachen vollkommen verdreht werden, spielt keine Rolle. Neuerdings werfen

sie uns vor, wir würden auf ihren Erfolgen unser Süppchen kochen. Auf der

Bochumer Mai-Veranstaltung des Roten Mai-Komitees (vgl. 24.4.1971,d.Vf.) fiel

diese Bemerkung von einem ihrer führenden Leute.



2 DEMONSTRATIONEN AM 1. MAI



Als letztes Beispiel sei nur der 1. Mai genannt. Die Landesleitung der KPD/

Marxisten-Leninisten wandte sich an ihre Landesleitung zwecks gemeinsamer

Demonstration. Es wurde abgelehnt. Daraufhin fanden in Dortmund zwei Mai-

Demonstrationen statt. Das Einzige, was wir noch tun konnten, war, unsere

Mitglieder und Sympathisanten zur Unterstützung ihrer Demonstration zu

schicken, bevor unsere begann.



Kollegen! Wenn wir diese Dinge vor aller Öffentlichkeit behandeln, so

beabsichtigen wir nicht, 'dreckige Wäsche' zu waschen. Das soll den Bonzen von

SPD, DGB und DKP überlassen bleiben.



FÜR DIE EINHEIT DER REVOLUTIONÄRE



Worum es uns geht, ist kurz gesagt: Die Arbeiter brauchen die Einheit ihrer

führenden Kräfte, auch wenn diese noch so schwach sind. Dies ist immer wieder

zu betonen und danach zu handeln, es hat nichts mit

'Vereinigungsprojektmacherei' zu tun, sondern ist eine zum Prinzip gewordene

Erkenntnis der Arbeiterbewegung geworden. Jeder der diese Erkenntnis

mißachtet und mit Haarspaltereien ankommt, soll sich nicht wundern, wenn ihn

die Arbeiter auf Dauer RECHTS liegen lassen. Natürlich gibt es Differenzen.

Aber diese müssen sachlich ausdiskutiert werden, so, daß der Kampf der

Arbeiterklasse wirklich gestärkt und nicht geschwächt wird.

Jeder, der von sich behauptet, er wäre der wahre 'Interessenvertreter' der

Arbeiterklasse muß sich von den Arbeitern eine Prüfung auf Herz und Nieren

gefallen lassen. Denn das haben wir gelernt in unserer Vergangenheit: immer

wieder haben die westdeutschen Arbeiter Niederlagen hinnehmen müssen. Das hat

sie wachsam und zurückhaltend gemacht. Wenn sie sich heute auf etwas

einlassen, dann muß es handfest sein und wirklich Zukunft haben.

Und wenn Mitglieder einer revolutionären Organisation sich einer anderen

anschließen, wie dies bei Opel immer wieder geschehen, als Kollegen von der

'Presse' zur 'Zündkerze' kamen (vermutlich am 23.1.1971,d.Vf.), so sollen

sich die Genossen der 'Roten Fahne' Bochum überlegen, WARUM dies geschehen

ist und nicht mit Worten wie 'trotzkistische Praxis' und weiß der Teufel was

um sich schmeißen. Das hilft sowohl ihnen als auch der Opel-Belegschaft nicht

weiter, vor allem nicht angesichts der bevorstehenden Tarifkämpfe (MTR,

d.Vf.). Gerade da brauchen wir einheitliches Handeln, solches wie in den

September-Streiks, als die Arbeiter manchem 'Revolutionär' vormachten, wie

sie zu handeln pflegten.



KÄMPFT MIT FÜR EINE STARKE KPD/ML



Klassenbewußte Kollegen! Wir fordern euch deshalb auf: Helft mit, den Kampf

unter einheitliche Führung zu bekommen. Fragt alle, ob es unsere Kollegen

oder Studenten sind oder die der Gruppe 'Rote Fahne' Bochum, was die

PRAKTISCH für die Einheit unternehmen, wenn sie euch ein Flugblatt oder eine

Zeitung in die Hand drücken. Sagt uns klar, was ihr denkt. Wir wären die

letzten, die Angst davor haben, von Kollegen einmal tüchtig durchgerüttelt zu

werden. Wenn es freundschaftlich gemeint ist, und unter Kollegen kann es gar

nicht anders sein, sind wir sofort dabei, Macken abzulegen, wenn sie

kritisiert werden. Auch wenn das mit Opfern verbunden ist.



Wir haben am Schluß eine kleine Dokumentation zusammengestellt, die Zeugnis

gibt von gewissen Haarspaltereien. Schreibt uns, was Ihr darüber denkt! Sagt

es unseren Verteilern!"



Die Dokumentation besteht aus dem Briefwechsel zwischen den Opel-

Betriebsgruppen der KPD/ML's ZB und ZK (vgl. 18.4.1971, 12.5.1971) und einem

Bericht über die Veranstaltung des Bochumer Roten Mai-Komitees am 24.4.1971,

die der auszugsweise wiedergegebenen Darstellung im 'KND' der KPD/ML-ZB

gegenübergestellt wird.



Zum Schluß heißt es:"

WIE STELLT DIE GRUPPE 'ROTE FAHNE, BOCHUM' DIE POLITIK DER KPD/ML IN IHREN

BETRIEBSZEITUNGEN DAR?

(aufgezeigt am Beispiel der 'Roten Westfalenwalze') (bei Hoesch Dortmund,

d.Vf.)



Unsere ganze Dokumentation ist ein Beweis dafür, wie die Gruppe 'Rote Fahne,

Bochum' jede Bemühung der KPD/ML beantwortet, die Einheit aller Revolutionäre

in der Partei der Arbeiterklasse herzustellen:

nämlich mit Lügen, Hohn und Arroganz!

So auch die 'Rote Westfalenwalze'. Da steht in ihrer Ausgabe zum 1.Mai

(gemeint ist nicht die, sondern die April-Ausgabe - vgl. Apr. 1971,d.Vf.):

'Nach ihrem Willen sollen also die Arbeiter ohne gewerkschaftliche

Organisation sein, die ihre ökonomischen Interessen vertritt!'

Was ist von diesem Vorwurf, der sich gegen die KPD/ML richtet, zu halten?

Kollegen, Ihr habt alle unsere Vorbereitungen zum 1.Mai verfolgen können.

Viele von Euch haben den ROTEN MORGEN gekauft, alle haben unsere Klebezettel

und Plakate gesehen. Was stand da groß und breit zu lesen?



'WIR BRAUCHEN GEWERKSCHAFTEN - ABER NICHT SOLCHE (DGB)!'



Wer uns also vorwirft, wollten das Kind mit dem Bade ausschütten, nämlich die

Gewerkschaften überhaupt abschaffen, der kennt entweder nicht unsere

Zeitungen und unsere Arbeit, oder aber er lügt ganz bewußt!

In der oben erwähnten Ausgabe der 'Roten Westfalenwalze' heißt es weiter:

'...für den tagtäglichen Kampf der Kollegen im Betrieb fordern sie nichts,

kämpfen sie nicht.'

und dann noch als krönender Abschluß ihrer Anfeindungen der KPD/ML:

'Kollegen, laßt Euch nicht verwirren durch die 'Rote-Morgen-Leute', die eine

studentische Politik weit ab von den Kollegen betreiben.'

Es bedarf wahrlich nicht vieler Worte, diese Verleumdungen zurückzuweisen.

Jeder Kollege bei Opel, der die ZÜNDKERZE liest, wird wissen, was er von

solchen Verdrehungen zu halten hat, nämlich gar nichts!



Werden denn etwa in der ZÜNDKERZE studentische Forderungen aufgestellt? War

die Forderung für die vollen 15% im letzten Herbst eine Forderung für die

Studenten? Prangert die ZÜNDKERZE nicht regelmäßig und unermüdlich die

Ausbeutung der Kollegen durch die Opelbosse an, entlarvt sie nicht immer

wieder die Machenschaften der Perschke und Co.?



Die Antworten auf diese Frage weiß jeder Kollege, und die ZÜNDKERZE hat keine

Angst vor diesen Antworten!"

=Zündkerze Nr.8 und Extra Notwendiger Kampf oder prinzipienlose Spaltung?,

Bochum Mai 1971 bzw. o.J. (1971),S.9 bzw. S.1ff;

Der Parteiarbeiter Nr.6,Bochum Juni 1971,S.65ff



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20.05.1971: 

Die DKP Hameln gibt die Nr.4 des ersten Jahrganges ihrer Ortszeitung

'Hamelner Arbeiterzeitung' (vgl. Juni 1971) heraus.

Mit der KPD/ML-ZK befaßt man sich u.a. so:"

Die Arbeiter BRAUCHEN eine kampfstarke gewerkschaftliche Organisation. Die

Gruppe 'KPD/ML' erzählt aber den Arbeitern das alte Unternehmermärchen, daß

es 'auch ohne Gewerkschaften' geht, und eigentlich sogar besser als mit

Gewerkschaften! (Zündkerze, Zeitung der Gruppe 'KPD/ML' Bochum, Mai 1970)

(bei Opel,d.Vf.)."

=Hamelner Arbeiterzeitung Nr.4,Hameln Mai 1971



24.05.1971: 

Vermutlich in dieser Woche gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum

der KPD/ML-ZK die Nr.8 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 17.5.1971, 21.6.1971) heraus,

die 18 Seiten dick ist.



Im Leitartikel heißt es:"

KÜR VOR'M MEISTERPULT

ERKENNTNISSE UND ERFAHRUNGEN NACH DER ERSTEN LEISTUNGSBEURTEILUNG



Die im Meisterrundschreiben Nr. IIb 3/48 - 19 so gepriesene 'objektive'

Bewertung liegt ganz im Ermessen der einzelnen Meister.

Wenn sich Kollegen aus Ehrgefühl gegen die 'Pflicht am Arbeitsplatz - Kür

vor'm Meisterpult' auflehnten und hier und dort dem Meister in seiner

Arroganz und Selbstherrlichkeit nicht huldigten, so konnte man das in den

meisten Fällen ganz klar an der Punktebewertung erkennen. Angeblich soll ja

durch 3-fache Bewertung von Meister, Obermeister und Betriebsleiter die

Bewertung 'objektiv' sein.

Aber Kolleginnen und Kollegen, mit wem der Obermeister und Betriebsleiter

kungeln, braucht ja nicht gesagt zu werden! Auf jeden Fall nicht mit uns! Nur

einige wenige Fälle sind uns bekannt, wo Kollegen durch den Obermeister oder

Betriebsleiter Punkte dazu bekommen haben. Und dies sind ausschließlich

hochqualifizierte Facharbeiter, auf die Opel besonders angewiesen ist.



UND DAS BESCHWERDERECHT?



Und wie sieht es mit dem Beschwerderecht aus, welches uns nach dem

Tarifvertrag zusteht? (Siehe Beanstandungsverfahren Paragraph 5 Absatz 1)

Die meisten Kollegen fühlen sich unterbewertet. Und was bekamen sie von den

Meistern dann zu hören? In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle 'Ach, laß

man! Im Oktober gebe ich dir ein paar Punkte mehr.'

Da jeder Kollege mit seiner Beschwerde einzeln zum Meister geht, lassen sich

die meisten den Honig um den Bart schmieren. Denn wenn der Meister allen

Kollegen zusammen mehr Punkte versprechen würde, dann würden doch viele

Kollegen das Hinterhältige an dieser Taktik eher durchschauen: nämlich uns

vom Gebrauch der Beschwerde abzuhalten und uns zu willfährigen Kriechern bis

zur nächsten Bewertung am 1.10. zu machen. - So handeln nicht alle Meister

bei Opel, aber leider die Mehrzahl der Meister!



NUR EIN KUCHEN FÜR ALLE



Über eines müssen wir uns ganz klar sein: Es ist unmöglich, daß wir am 1.10.

alle eine Zulage bekommen. Denn der Kuchen, aus dem unsere Leistungszulagen

verteilt werden, hat eine bestimmt festgelegte Größe. So hat z.B. die

Geschäftsleitung direkt nach der ersten Leistungsbeurteilung mit dem Segen

'unseres' Betriebsrates von diesem Kuchen sofort 2% weggenommen! Aus diesem

Kuchen also, den die Kapitalisten ganz nach ihrem Belieben verkleinern

können, werden die Zulagen verteilt. Was der eine Kollege davon mehr bekommt,

wird dem anderen abgezogen. Ein Kollege beschwerte sich neulich bei seinem

Meister. Darauf sagte der meister: 'Wenn du mehr haben willst, dann nenne

denjenigen, dem ich die Punkte abziehen kann.'

Und was kommt dabei heraus?

Anstatt daß wir alle zusammen das ganze Punktesystem bekämpfen, kämpfen die

meisten um die Punkte - Gunst des Meisters. Die Kriecherei und Radfahrerei

nimmt einen Umfang an, der die Kapitalisten nur lachen läßt. Sie schauen

dick, fett und zufrieden zu, wie wir als Kampfhähne aufeinander losgehen.

Denn solange wir uns gegenseitig bekämpfen, haben sie ihre Ruhe.



AB 1.10. LOHNEINBUSSEN



Die Geschäftsleitung hat uns über den Betriebsrat davon in Kenntnis gesetzt,

daß trotz der bereits durchgeführten Punktebewertung bis zum 1.10. noch keine

Lohneinbußen vorgenommen werden. Wir müssen also noch dankbar sein, daß die

Opel-Bosse in ihrer großen Güte uns unseren bisherigen Lohn weiterzahlen! Sie

zahlen ihn jetzt als 'übertarifliche Zulage', weil auf dem Arbeitsmarkt immer

noch Mangel an Arbeitskräften herrscht.

Und warum wollen sie bei der nächsten Punktebewertung Lohneinbußen vornehmen?



SPALTEREI IN DER TARIFRUNDE



Die nächste Bewertung wird mit erheblichen Lohneinbußen verbunden sein (nach

der ersten Bewertung bekommen die meisten Kollegen weniger Lohn als vorher)

und sie fällt, - falls die Bosse und Bonzen ihr Vorhaben nicht durchführen

und die Tarifrunde in die Ferien vorverlegen - GENAU in die Tarifrunde.

Die Kollegenspalterei soll also gerade in dem Moment auf die Spitze getrieben

werden, wo aller Voraussicht nach der nächste Streik bei Opel ansteht!

DAS SOLLTE DOCH JEDEM VON UNS ZU DENKEN GEBEN!!!"



Im nächsten Abschnitt werden zwei Ausschnitte aus der 'WAZ' sowie der 'FAZ'

(vgl. 10.5.1971) abgedruckt und fortgefahren:"

AUGENBLICKLICHE LAGE



In den letzten ZÜNDKERZEN haben wir immer wieder betont, daß die Krise in der

BRD allgemein voranschreitet. Trotzdem sind aber bei Opel in den letzten

Wochen wieder Sonderschichten gefahren worden, durch mehr Wagen pro Schicht

und durch Abzug von Kollegen wurde die Arbeitshetze verschärft. Wie ist das

miteinander zu vereinbaren? Durch die Freigabe des Wechselkurses wurde die DM

praktisch um 5% aufgewertet. Also: Exportrückgang. Dies betrifft besonders

die stark exportorientierte Autoindustrie (60% Exporte!), die sich bisher nur

durch verstärkte Exporte aus der Krise raushalten konnte, die sich in den

anderen Branchen schon ausgeweitet hat.

Die SPD-Regierung hat die dem gegenüber dem Dollar längst notwendige

Aufwertung der DM bis jetzt hinausgezögert. Deutsche Waren waren also im

Ausland verhältnismäßig billig, so daß bei den deutschen Kapitalisten

besonders viele Auslandsaufträge eingingen. Durch die DM-Aufwertung werden

die deutschen Waren teurer, die Auslandsaufträge werden also stark

zurückgehen. Die Inlandsaufträge sind aufgrund der in anderen Branchen

bereits stark vorangeschrittenen Krise schon lange zurückgegangen - so daß

also auch bei Opel die Krise sich langsam ausdehnen wird.



VORBEREITUNG AUF DIE TARIFRUNDE



Was bedeutet das nun für die kommende Tarifrunde?

Die Kapitalisten und ihre Freunde im DGB bereiten sich mit allen Mitteln

darauf vor. Da sie nun die 'Stabilität' an der währungspolitischen Front

'hergestellt' haben, rüsten sie nun für die 'Herstellung' der 'Stabilität' an

der sogenannten Lohnfront. Wie machen sie das?

Sie bauen ihr innerbetriebliches Spitzelsystem aus zur Beobachtung von

'Rädelsführern'. Mit 3-fachem Monatslohn kaufen sie Kollegen zu

Spitzeldiensten.

Sie spalten uns mit dem Punktesystem, damit wir gegeneinander kämpfen,

anstatt eine geschlossene Front zu bilden.

Sie predigen der Arbeiterklasse 'Maßhalten'. Mit Lohnleitlinien und

konzertierter Aktion wollen sie uns an die Leine nehmen.

Unsere Forderung nach vollen 15% werden sie so 'erfüllen', daß sie uns z.B.

die Rückzahlung des Konjunktur-Zuschlages und andere Extra-'Vergütungen' auf

die 15% anrechnen, so daß letztendlich  7-8% herauskommen, wie kürzlich im

Bergbau (IGBE-Bereich,d.Vf.) und in der Textilindustrie.

Und um auch wirklich die gesamte Arbeiterklasse unter ihre verräterische

Fuchtel zu bekommen, streben sie die Einheits-Zwangs-Gewerkschaft an, die wir

noch von Hitlers DAF kennen.

Bei Opel sind bereits Listen im Umlauf, aus denen ersichtlich ist, wer in der

IGM ist und wer nicht. Wer nämlich kein Mitglied ist, hat keinen Anspruch auf

die Tarifverträge, also z.B. bei der Punktebewertung kein beschwerderecht!



EINHEIT UND SOLIDARITÄT



Kolleginnen und Kollegen!

Die einzige und stärkste Waffe der Arbeiterklasse ist Einheit und

Solidarität. Lassen wir uns nicht zum Vergnügen der Bosse und Bonzen noch

mehr spalten! Jeder von uns muß immer daran denken, daß die Punkte oder

Pfennige, die er sich ergattert hat, seinem Kollegen wieder abgezogen werden.

Und jeder muß daran denken, daß wir in der Tarifrunde FÜR UNS ALLE mehr als

ein paar Pfennige erkämpfen können, wenn wir zusammenhalten und eine

geschlossene Front bilden.

Wir alle müssen uns auf die Tarifrunde vorbereiten, SOWOHL INNERHALB ALS AUCH

AUSSERHALB der IGM. Besonders wichtig ist es dabei für uns, daß diejenigen

Vertrauensleute, die wirklich auf unserer Seite stehen, uns laufend über die

Tarifvorbereitungen der IGM-Bonzen informieren, daß sie uns ständig über die

Verrätereien der Bonzen informieren. Wir sind selbstverständlich immer dazu

bereit, alle diese Informationen sofort in der ZÜNDKERZE zu veröffentlichen.

Das gleiche, wie für die Vertrauensleute, gilt für den Betriebsrat.

Nur wenn alle fortschrittlichen Kollegen wirklich zusammenarbeiten, können

wir in dieser Tarifrunde etwas für uns alle erkämpfen!



EINHEIT UND SOLIDARITÄT FÜR DIE TARIFRUNDE UND DEN KAMPF GEGEN DAS

SPALTERISCHE PUNKTESYSTEM!!



KAMPF DEM LOHNDIKTAT!!"



In der Rubrik "Kollegen schreiben für die Zündkerze" erscheint als erstes ein

Beitrag über den 'Roten Kadett' der DKP (vgl. 30.4.1971) und Vorfälle im Werk

am 30.4.1971 (vgl. dort).

Der nächste Beiträge lautet:"

WIE EINE BOMBE



Kolleginnen und Kollegen!



Ihr habt bestimmt auch das Extrablatt der ZÜNDKERZE 'Akkordhetze bis zum Tod'

(vgl. 29.3.1971,d.Vf.) gelesen. Ich schreibe diesen Brief an die Rote

Betriebsgruppe aus folgendem Grund:

In der Opel-Post März 71 schreibt ein Schmierfink, ideologische Arroganz und

politische Verbohrtheit hätten noch nie die Welt verbessert. Wir wissen

jedoch, daß dies nicht auf die KPD/ML zutrifft. Die KPD/ML legt keine Bomben.

Wir wissen, daß die Kolleginnen und Kollegen durch die ZÜNDKERZE nur die

Wahrheit erfahren, die Wahrheit, wie die Opel-Bosse uns ausbeuten. Ich würde

behaupten, kapitalistische Arroganz und revisionistische Verbohrtheit haben

uns Arbeitern noch nie geholfen.

Wer hat uns denn über die Schweinerei beim Sani unterrichtet? Doch nur die

ZÜNDKERZE der Roten Betriebsgruppe. Ich glaube, dieser Bericht hat wie eine

Bombe eingeschlagen.

Ja, meine Herren von der Geschäftsleitung, mit solchen Bomben arbeitet die

Rote Betriebsgruppe der KPD/ML! Und daß die ZÜNDKERZE Erfolg hatte, zeigt

folgender Bericht:

Ein Kollege aus dem CKD klagte über Herzschmerzen und ging zum Sani.

Freundlich wurde er aufgenommen, untersucht, ja - es wurde sogar ein EKG

gemacht! Plötzlich wurde ein Kollege genauso behandelt, wie vorher der

Antreiber Pfeffer. Die Diagnose war: vorübergehende Herzschwäche. Jetzt erst

wurden dem Kollegen die berühmten Tabletten gegeben, und er durfte sich sogar

eine Stunde beim Sani hinlegen. Dann allerdings mußte er wieder arbeiten

gehen. Er durfte nicht nach Hause, so wie der Antreiber Pfeffer.



Es fragt sich nur, wie lange die ZÜNDKERZEN-Wirkung bei den Opel-Bossen

anhält, wie lange sie also ihre jetzt etwas menschlicheren Anweisungen für

den Sani aufrecht erhalten. Kolleginnen und Kollegen, jede unmenschliche

Behandlung, jede Ausbeuterei muß in der ZÜNDKERZE angeprangert werden. Ihr

seht ja selbst: nur so haben wir Erfolge!



Macht es wie ich. Schreibt an St. Bock, 463 Bochum, Hustadtring 73".



Der nächste Kollegenbeitrag behandelt:"

'KOMMUNISMUS' UND KOMMUNISMUS



Den Initiatoren und Autoren der ZÜNDKERZE ist es dringend zu empfehlen, das

Wort 'KPD/ML für die Bochumer Bürger intensiver, vor allem aber

übersichtlicher und verständlicher zu interpretieren. Das Wort 'Kommunismus'

ist für viele Bewohner Bochums - (sicher auch für DDR-Bürger) - eine Art

dämonenhaftes Schreckgespenst, oder ein Vampir, oder sonst eine negative

Vorstellung. Umso schlimmer, besser gesagt umso schmerzvoller ist es für den

ehrlichen, wirklich progressiven Kommunisten von der Prägung Marx, Engels,

Lenin, Stalin und Mao Tse-tung. Er muß hören und feststellen, daß ein

westdeutscher Arbeiter sich zu folgender Äußerung hinreißen läßt:

'Wenn du Kommunismus haben willst, so gehe doch in die Ostzone, nach Polen

oder nach Rußland. Dort werden die Arbeiter von der Polizei, ja sogar mit

Panzern zusammengeschlagen und in die Gefängnisse gesteckt. Die Vergangenheit

beweist es, daß jenseits der Elbe bis Wladiwostok Arbeiterverhaftungen

stattgefunden haben.'



Diese dialogische Diskussionsart hat am Husemannplatz aus Anlaß der Rote-

Punkt-Aktion stattgefunden. Dieser Vorwurf, diese bittere Wahrheit ist eben

eine Tatsache welche ein Marxist nicht verschweigen darf. Er muß aber nach

den Ursachen suchen.



Zugleich ist aber aus solchen zu Recht bitteren Aussagen festzustellen bzw.

herauszuhören, daß das Wort 'Kommunismus' für diesen so bitter und

vorwurfsvoll aussagenden Arbeiter ein Sammelbegriff für alle subversiven

Kräfte, für alles Schlechte innerhalb des Kommunismus ist - und sich geistig

und in der Tat als negativ auswirkte und auch auswirken mußte.



Hierbei ist zu berücksichtigen, daß in der BRD die weitaus größere Zahl aus

Arbeitnehmern besteht. Solche und so denkende Arbeitnehmer - wie eben

geschildert - werden nur schwer ein warmes Herz oder Sympathien für den

Kommunismus bekommen. Gerade in der Nachkriegszeit häuften sich die Fälle,

daß Kommunisten gegen die Machthaber in den 'kommunistischen' Ländern

aufbegehrten. Und warum?

Weil in diesen Ländern nur der Name kommunistisch war, die Wirklichkeit aber

mit den von Marx, Engels und Lenin aufgestellten Lehren wenig zu tun hat.

Deshalb hat das Wort 'Kommunist' in breiten Kreisen der Bevölkerung nur noch

als Schimpfwort an Bedeutung gewonnen. Schuld daran haben die Machthaber in

den sogenannten 'kommunistischen' Ländern, die die Arbeiter und Bauern

ausbeuten und unterdrücken.



Zu diesen Dogmatikern gehört auch die DKP. Sie ist nur ein verlängerter Arm

von Ulbricht, wie auch von Gierek und Breschnew. Sie wird auch in der

finanziellen Basis von dem SED-Regime am Kacken gehalten. Wer dort Freiheit

haben will, wandert ins Gefängnis, wer dort kritisiert, wird als Feind

verurteilt. Dies alles ist kein Kommunismus - es sei denn, daß es der

verratene Kommunismus ist.



Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung wollten bzw. wollen diesen

'Kommunismus' nicht. Hier ist auch der ideologische Bruch zwischen Moskau und

Peking zu suchen. Auch die KPD/ML will diesen Pankow-Moskauer-Rote

Zaren-'Kommunismus' nicht.



Weshalb hat nicht nur der Kapitalismus, sondern auch die roten Moskauer Zaren

so große Angst vor den wirklich kommunistischen Parteien, wie der KPD/ML?

Sie fürchten sich vor der KPD/ML (wie vor 2 000 Jahren der Kaiser Herodes

sich vor Jesus Christus gefürchtet hat und alle Knaben bis zu 3 Jahren

abschlachten ließ), weil die KPD/ML diejenige Partei ist, welche sich für

Gerechtigkeit und Freiheit aller Arbeitnehmer auf der ganzen Welt einsetzt.



Das solltest Du, Opel-Kollege, wissen!"



Ein Kollegenbeitrag befaßt sich mit der Währungskrise (vgl. EWG - 8.5.1971)

und im letzten Kollegenbeitrag heißt es:"

WEG MIT DEM GANZEN UNKRAUT!



Im folgenden die deutsche Übersetzung des Briefes von einem spanischen

Kollegen, der in unserer Mai-Zeitung für die ausländischen Kollegen

abgedruckt wurde.



Liebe Freunde!



Wenn wir in Spanien bei unseren Familien sind und die Ungerechtigkeit und

Armut in unserem Dorf sehen, wenn wir nicht die Freiheit genießen können, die

uns zusteht, - wenn wir nicht einmal genug Geld am Tag verdienen, um unsere

Frauen, Kinder und uns selbst zu ernähren, dann verlassen wir ganz

verzweifelt Spanien mit der Illusion, irgendwo im Ausland mehr Geld verdienen

zu können, um so schnell wie möglich nach Spanien zurückzukehren.

Und wenn wir endlich am Arbeitsplatz angekommen sind, dann denken wir weiter

an das Geld. Der Kapitalist, der genau weiß, wie dringend wir das Geld

brauchen, nützt das aus und steckt uns in Kaninchenställe. Die meisten von

uns halten schön die Klappe, weil sie an das Geld denken und schnell wieder

nach Spanien wollen.

Plötzlich merken sie jedoch, daß das ganze Geld drauf geht, und daß sie

obendrein von Frau und Kindern getrennt leben müssen, auf kleinstem Raum

eingepfercht.

Einige holen zwar ihre Familie nach, aber es bleibt doch alles beim Alten.

Die Wohnverhältnisse für uns Spanier sind einfach kriminell.

Einige von uns suchen Hilfe bei der Caritas und legen ihren Fall dar, weil

sie noch daran glauben, daß man ihnen helfen wird. Aber das ewige Warten

hängt ihnen bald zum Hals heraus. Und anstatt uns zu helfen, schiebt man uns

mit der Antwort ab: 'Hier habt Ihr Arbeit und lebt nur einen Schritt weg von

Eurem Arbeitsplatz, in Spanien habt Ihr jedoch nichts. In Eurem ganzen Leben

ist es Euch noch nie so gut gegangen!'

Wir sollten uns endlich nichts mehr vormachen lassen. Sowohl die Kapitalisten

wie auch die Caritas sind Blutegel, die an unserem Rücken kleben und uns

aussaugen. Um unserer Sklaverei ein Ende zu bereiten, müssen wir dieses ganze

Unkraut ausrotten. Dazu brauchen wir die Einheit aller Werktätigen, um den

Ausbeutern und ihren Helfershelfern, die uns ständig verraten, gegenüber zu

treten.

Genossen und Freunde, vereinen wir uns ein für alle Mal, um Schluß mit dem

Kapitalismus zu machen, mit allen Handlangern wie dem modernen Revisionismus,

der an den Arbeitern Verrat übt, wie in Polen und der Sowjetunion (SU,d.Vf.).

Diese revisionistischen Cliquen versuchen, alle kommunistischen marxistisch-

leninistischen Parteien, die für die Freiheit und den Sozialismus in allen

friedliebenden Völkern der Erde kämpfen, zu boykottieren.

Unterstützen wir deshalb die marxistisch-leninistischen Parteien, die

einzigen, die sich wirklich für die wahren Interessen der Arbeiter

einsetzen!"



Aus Frankreich wird berichtet von der Betriebsbesetzung bei Renault (vgl.

7.5.1971)



Mit der Werkszeitschrift aller Opel-Werke (vgl. März 1971) befaßt man sich

so:"

EIN WORT ZUR 'OPELPOST' NR.3/71



WENN DER FEIND UNS BEKÄMPFT, SO IST DAS GUT UND NICHT SCHLECHT



'Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht', sagt Mao

Tse-tung.



Nun, die Opel-Post bekämpft uns mittlerweile ganz kräftig. Dies ist das beste

Zeichen dafür, daß wir mit unserem Kampf auf dem richtigen Weg sind und erste

Erfolge erzielt haben.

In nicht weniger als 6 Artikeln werden wir als 'Extremisten', 'Kaputtmacher',

'Wirrköpfe' usw. beschimpft. Dabei schmeißt die Opel-Post in durchsichtiger

Absicht alle linken und 'linken' Gruppen in einen Topf - obwohl sie die

Unterschiede zwischen diesen Gruppen genau kennt. Wozu arbeitet Opel denn

schließlich mit der politischen Polizei (K14,d.Vf.) zusammen, wozu gibt es

denn die 'schwarzen' Listen?



Weil es gegen uns keine sachlichen Argumente gibt, und weil immer mehr

Kollegen und Kolleginnen die ständig steigende Ausbeutung satt haben und sich

uns anschließen, greifen die Opel-Postler zur Methode der Diffamierung. So

wird in plumper Manier die anarchistische Gruppe 'Revolutionärer Kampf' (RK

Frankfurt,d.Vf.) in Rüsselsheim zum Maßstab aller Revolutionäre gesetzt.



Diese Gruppe bekämpft zwar auch den Kapitalismus, sie lehnt sich auf gegen

die unmenschliche Ausbeutung der Arbeiterklasse durch eine kleine Gruppe von

Geldsäcken. Aber die Gruppe geht in ihrem Kampf falsch vor. Sie greift zu

falschen Methoden und lenkt damit die Arbeiterklasse nur vom revolutionären

Kampf ab. Wer die Parole ausgibt: 'Macht kaputt, was Euch kaputt macht', ist

in gewisser Hinsicht tatsächlich wirr im Kopf - obwohl er das richtige Ziel

anstrebt. Wir kämpfen dafür, daß die Maschinen und Fabriken UNSER Eigentum

werden, wir kämpfen um die politische Macht in der BRD. Warum sollten wir die

Maschinen und Fabriken kaputt machen? Noch plumper allerdings ist die

altbekannte 'Ostzonenmasche'. da werden den 'Propagandisten von Linksaußen'

die ach so schrecklichen Zustände in der DDR geschildert. Dabei gibt es bei

Opel nur eine Gruppe, die mit der SED zusammenarbeitet, und das ist der 'Rote

Kadett'. Wir wissen dagegen ganz genau, daß sich in den ehemals

sozialistischen Ländern DDR, Polen, Sowjetunion usw. eine neue herrschende

Klasse entwickelt hat, die die Arbeiter und Bauern genau so ausbeutet, wie

die Kapitalisten in der BRD uns ausbeuten. Und gerade deswegen können wir

Kommunisten nicht in der DKP mitarbeiten. Gerade deswegen muß in der BRD eine

neue wirklich revolutionäre Partei der Arbeiterklasse wieder aufgebaut

werden, gerade deshalb ist die KPD/ML 1968 gegründet worden.



Die grundlegenden Differenzen zwischen der DKP und der KPD/ML sind in der

ZÜNDKERZE schon öfters ausführlich dargelegt worden. Nur ganz böswillige

Verleumder können das in der DDR wieder eingeführte Ausbeutersystem als

Argument gegen uns gebrauchen.



In einem Punkt allerdings hat die Opel-Post etwas Richtiges beobachtet:

In der Tat ist die revolutionäre Bewegung gespalten, in der Tat

'rivalisieren' mehrere Gruppen innerhalb der Arbeiterklasse. Zu diesem Thema

haben wir vor einer Woche (vgl. 17.5.1971,d.Vf.) ein Extrablatt der ZÜNDKERZE

verteilt. Dort haben wir die Ursachen der Spaltungen analysiert und die

Notwendigkeit betont, daß wir die Einheit der revolutionären Gruppen

herstellen müssen. Denn nur geeint sind wir stark!



...UND NOCH EIN WORT ZUM SOZIALISMUS IN CHINA



Bewußt werden von der Opel-Post die sozialistischen Länder China und Albanien

mit den Ausbeutersystemen der SU und DDR gleichgesetzt.

Da heißt es:

'Das marktwirtschaftliche System hat, wie die positive Bilanz der vergangenen

20 Jahre zeigt, seine Überlegenheit gegenüber allen ideologisch

eingeschnürten Planwirtschaftsmodellen überzeugend demonstriert.'



Wer so frech lügt, muß schon sehr in die Enge getrieben sein!

Die Tatsachen sehen nämlich anders aus. China und Indien - das eine mit der

sozialistischen Planwirtschaft, das andere mit der sogenannten 'freien'

Marktwirtschaft - standen 1949 wirtschaftlich auf der gleichen Stufe und

hatten die gleichen Probleme. Heute ist in China das Ernährungsproblem der

Bevölkerung endgültig gelöst, wie selbst bürgerliche Zeitungen zugeben

müssen. In Indien aber sterben die Menschen weiterhin massenhaft an

Unterernährung. Und das, obwohl Indien reichlich Geld und materielle Hilfe

aus den USA bekommt! China dagegen war und ist auf sich allein gestellt und

hat all seine großartigen Erfolge aus eigener Kraft erreicht! Die russischen

Sozialimperialisten haben Ende der 50-iger Jahre jegliche Hilfe für China

eingestellt. Heute kann China trotzdem bereits selber Kredite an andere

Länder (geben,d.Vf.), und zwar langfristig und zinslos!

Noch in den 80-iger Jahren wird nach Voraussage der bürgerlichen (!)

Wissenschaftler in der gesamten unterentwickelt gehaltenen Welt eine riesige

Hungerkatastrophe eintreten. Lediglich in dem 'abscheulichen' chinesischen

System der Planwirtschaft geht es den arbeitenden Menschen immer besser!

Nun, und wie vorteilhaft, 'überlegen' und positiv die 'freie Marktwirtschaft'

für uns ist, haben wir besonders 66/67 gemerkt, und auch heutzutage bei den

ständige steigenden Steuern, Preisen und Mieten sind wir so recht zufrieden

mit dem Kapitalismus, den die Kapitalisten und ihre Handlanger so vornehm und

diskret als 'freie Marktwirtschaft' umschreiben."



Abgedruckt wird auch ein Artikel aus der 'WAZ' über die chinesische

Entwicklungshilfe.



In der Rubrik "Informationen aus Betrieb und Gewerkschaft" erscheinen mehrere

Meldungen:"

HANDEL MIT PUTZFRAUEN



Sämtliche Putzfrauen von Opel werden demnächst an die Firma Uni-Putz

(Fremdfirma,d.Vf.) verschachert.



So erhalten sie den Status des 'Leiharbeiters' und können ganz nach Belieben

der Bosse herumgeschoben werden. Sie verlieren einige Vorteile, die die

Arbeiter in Großbetrieben gegenüber ihren Kollegen in kleineren betrieben

haben. Sie bekommen fortan weniger Lohn, weil von ihrem sowieso geringen Lohn

nun auch noch die Uni-Putz-Bosse 'ihr' Teil wegnehmen.

Opel dagegen gewinnt wieder mal Vorteile. Da aus den Putzfrauen nicht so hohe

Profite herausgepreßt werden können, wie aus den Kolleginnen und Kollegen in

der Produktion, sind die Putzfrauen für die Opel-Bosse nur Ballast. Wenn die

Putzfrauen über Uni-Putz angeheuert werden, spart Opel Verwaltungskosten.

Wenn die Putzfrauen sich über den miesen Lohn und die unmöglichen

Arbeitsbedingungen beschweren, so ist Opel 'nicht zuständig'.

Die Dummen dabei sind die Putzfrauen.



SCHIEBEREI ZWISCHEN WERK I UND II



Wieviele Kollegen haben es schon am eigenen Leib erfahren: plötzlich kommt

eine Anweisung von 'oben', daß man 'ab morgen' ins andere Werk muß. Da wird

nicht gefragt, ob man will oder nicht - wenn ein Befehl von 'oben' kommt, hat

man einfach zu wollen.



Andererseits bemühen sich viele Kollegen um eine Versetzung von Langendreer

nach Laer und umgekehrt. Ihnen wird dann von 'oben' das genaue Gegenteil

gesagt. Nämlich, daß sie gefälligst da zu bleiben haben, wo sie gerade sind.

Es wäre doch wirklich allen geholfen, wenn bei notwendigen Versetzungen ein

Aushang gemacht würde, z.B.: '35 Kollegen von Werk II werden für soundso

lange in Werk I gebraucht'. Dann können sich diejenigen melden, die schon

lange auf eine Versetzung warten.



Für derartige Regelungen hätten sich die Herren Betriebsräte nun wirklich mal

einsetzen können!



WIEDER 'MAL WIRD DIE LUFT KNAPP



So sehr sich auch jeder von uns über den Sommer freut, - so unerträglich ist

auch die Luft bei Opel. Man schwitzt den ganzen Tag und wird immer wütender

über diese unverschämte Zumutung. Denn: Opel könnte ohne weiteres so viele

und so gute Ventilatoren einbauen, daß die Luft erträglich wird. Doch die

Bosse sitzen auf ihren Milliarden und kümmern sich einen Dreck um unser

Wohlergehen. Solange wir nicht die Brocken hinschmeißen und brav schwitzen,

stimmt ihre Kasse.

In D4 gab es früher eine Luftfilteranlage, die die Luft durch einen

Wasservorhang in die Halle pumpte. Durch das Wasser war die Luft

verhältnismäßig frisch. Da allerdings durch die Feuchtigkeit die unlackierten

Teile angegriffen wurden, mußten z.B. im Rohbau immer ein paar Kollegen am

Wochenende die Wagen einölen, damit sie nicht rosten.

Nach einiger zeit wurde die gesamte Anlage wieder abgeschafft, weil die

Kosten für das Einölen 'zu hoch' waren! Dabei weiß jeder, wie lächerlich

niedrig unsere Stundenlöhne im Verhältnis zu 420 Millionen DM Profit sind!



EIN KLEINER SIEG



Wie man weiß, gehen die Opel-Bosse, wie alle Kapitalisten, mit Lohnerhöhungen

äußerst 'sparsam' um. Dazu benutzen sie die Meister als Werkzeug, deren

Beliebtheit bei ihren Vorgesetzten in dem Maße steigt, wie sie den Kollegen

Lohnerhöhungen, Leistungszulagen usw. vorenthalten.

Trotzdem kann man sich auch dagegen erfolgreich wehren, wie das Beispiel

einer Abteilung in D5 (Endmontage) zeigt. In dieser Abteilung gab es eine

ganze Reihe vor allem ausländischer Kollegen, die sechs, sieben Monate oder

noch mehr bei Opel sind, ohne auch nur einen Pfennig Lohnerhöhung erhalten zu

haben. Wenn die Kollegen den Meister darauf ansprachen, wurden sie vertröstet

oder mit scheinheiligen Argumenten abgewimmelt. So wurde zum Beispiel einem

Kollegen gesagt, er müsse vier Wochen lang eine bestimmte Operation

ausführen, um den entsprechenden Lohnsatz zu bekommen. Der Meister ließ den

Kollegen aber immer nur DREI Wochen an einer Operation und setzte ihn dann

um, wieder nur für kurze Zeit!

Nachdem das eine zeitlang so gegangen war, sahen die Kollegen ein, daß man

allein mit gutem Zureden beim Meister nichts erreichen kann. Der

Vertrauensmann drängte den Meister immer wieder und zitierte schließlich den

Betriebsrat herbei. Diesen entlarvte er vor den Kollegen als das, was er

wirklich ist: nämlich als Handlanger der Geschäftsleitung. Der Betriebsrat

wurde bei solch massivem Auftreten seitens der Kollegen ganz kleinlaut und

mußte die Berechtigung der Forderungen anerkennen. So haben jetzt alle

Kollegen in dieser Abteilung, die bisher noch keine Lohnerhöhung hatten, mehr

Geld bekommen.



Was man daran sehen kann ist folgendes:

Wenn jemand da ist, wie hier der Vertrauensmann, der den Kollegen klarmacht,

daß man wirklich um die eigenen Interessen KÄMPFEN muß und der diesen Kampf

organisiert, dann kann man etwas erreichen, wenn auch vorerst nur

Pfennig-Beträge. Daraus können wir alle nur lernen."



Im letzten großen Artikel äußert man sich:"

ZUM THEMA 'GASTARBEITER'



MODERNER SKLAVENHANDEL



Der gerade vergangene 1.Mai, der traditionelle Kampftag der Arbeiterklasse,

wird in allen Ländern der Welt gefeiert. Dies ist ein guter Anlaß, um uns

einige Gedanken über die ausländischen Kollegen zu machen, mit denen wir Tag

für Tag an unseren Arbeitsplätzen zusammenkommen. Einige deutsche Kollegen

ärgern sich über 'diese vielen Ausländer' und meinen sogar, diese würden

ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Diese Kollegen sehen einfach nur die

Tatsache, daß so viele Ausländer hier sind, aber sie fragen sich nicht,

weshalb sie hier sind. Sie sehen nicht, daß es 'unsere' Kapitalisten sind,

die die ausländischen Arbeiter hergeholt haben, als sie mit den deutschen

Arbeitern allein nicht mehr genügend hohe Profite scheffeln konnten. Dies ist

übrigens keine neue 'Erfindung' der Kapitalisten.



EINE BILLIGE ART UND WEISE REICH ZU WERDEN



Z.B. haben sie schon Ende des vorigen Jahrhunderts zig-tausende Arbeiter aus

den slawischen Ländern geholt, weil es zu wenige einheimische Arbeiter für

die schnelle Industrialisierung des Ruhrgebiets gab. In Krisenzeiten jedoch,

wenn die Produktion eingeschränkt wird und die Kapitalisten durch

Entlassungen für ein Heer von Arbeitslosen sorgen, dann brauchen sie die

ausländischen Kollegen nicht mehr und schicken sie wieder nach Hause. Z.B.

gab es in der großen Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre, als es Millionen

Arbeitslose gab, keine ausländischen Arbeiter in Deutschland. In dem durch

die Hitlerfaschisten entfesselten imperialistischen Weltkrieg mußten die

meisten Gefangenen auf deutscher Seite zwangsweise für einen Hungerlohn

arbeiten. Die Rüstungsproduktion war ungeheuerlich angewachsen, und die

meisten deutschen Arbeiter mußten sich an der Front für die deutschen

Kapitalisten und Kriegsgewinnler verheizen lassen.



Nach der kläglichen Niederlage des Faschismus 1945 gab es in Deutschland ein

Heer von Arbeitslosen, welches durch den Zustrom aus den ehemaligen

Ostgebieten und - seit Mitte der 50er Jahre - aus der DDR noch vergrößert

wurde. Dieses Heer von Arbeitslosen ermöglichte es 'unseren' nimmermüden

Kapitalisten vom Schlage eines Krupp, Siemens, Thyssen und Abs, auf billige

Art und Weise reich zu werden. Das Mittel dazu:

DIE LÖHNE WURDEN SO NIEDRIG GEHALTEN, DASS SIE ERSTE 1956 (!!!) DEN

VORKRIEGSSTAND VON 1938 ERREICHTEN.



DIE REGIERUNG DER KAPITALISTEN



Anfang der 60er Jahre war das inländische 'Arbeitskräftepotential'

ausgeschöpft, und um die Quelle ihrer Profite nicht versiegen zu lassen,

mußten sich die deutschen Kapitalisten nach neuen Reserven umsehen. Deshalb

wurden seit 1955 'zweiseitige Anwerbevereinbarungen' mit den meisten

Mittelmeerländern abgeschlossen. Die deutschen Bosse können sich nun an das

Arbeitsamt wenden. Dieses übernimmt die Aufgabe die 'gewünschte Menge' an

Arbeitern in diesen Ländern anzuheuern, ärztlich und fachlich zu untersuchen,

einen Vertrag mit ihnen zu schließen und für deren Anreise zu sorgen.

Das kostet die deutschen Bosse ganze 120 DM pro Kopf!!

Wahrlich ein Musterbeispiel dafür, wie gut die Regierung im Dienste der

Kapitalisten arbeitet!



DER 'EXPORT' VON ARBEITERN - EIN VENTIL



Es ist klar, daß auch politische Gesichtspunkte beim Abschluß der Verträge

mit diesen Ländern eine entscheidende Rolle spielen, denn dadurch werden die

armen Völker im Süden Europas noch fester an die kapitalistischen

Industrieländer, allen voran die Bundesrepublik gekettet.

Selbstverständlich arbeiten die deutschen Kapitalisten und die ausländischen

Kapitalisten eng zusammen. Da die deutschen Kapitalisten viel stärker sind,

haben sie den größeren Nutzen:

Sie erhalten Zutritt zu einem riesigen Arbeitskräftereservoir. Für die

ausländischen Kapitalisten ist es genau umgekehrt:

Für sie ist die Auswanderung 'ihrer' Arbeiter wie ein Ventil, aus dem der

überschüssige Dampf entweichen kann, der sonst den Kessel (das

kapitalistische System) sprengen würde.



In diesen Ländern herrscht nämlich eine große Arbeitslosigkeit und die Löhne

reichen kaum zum Überleben.

DER GESETZLICHE MINDESTLOHN IN SPANIEN WURDE LETZTHIN AUF 8 DM PRO MTAG

ANGEHOBEN!



Daß eine solche Ausbeutung von den Arbeitern nicht ohne Widerstand

hingenommen wird, zeigen die vielen Streiks und Kämpfe in diesen Ländern.

Der Prozeß von Burgos oder die Erschießung von vier türkischen Arbeitern im

letzten Jahr (vgl. **.**.1970,d.Vf.) sprechen da eine deutliche Sprache.

Daher greift die herrschende Klasse dieser Länder (Marokko, Portugal,

Spanien, Griechenland und jetzt auch die Türkei) zum offenen Terror gegen die

rebellierenden Volksmassen, denen sie nur noch Kugeln und Gitterstäbe zu

bieten haben.

Die herrschende Klasse in diesen faschistischen Diktaturen hat deshalb ein

großes Interesse daran, daß die unzufriedenen Arbeiter auswandern können.

Zudem ist das von diesen Arbeitern nach Hause geschickte Geld - zusammen mit

dem Fremdenverkehr - die größte Einnahmequelle dieser Länder.



'GASTFREUNDSCHAFT' DER DEUTSCHEN KAPITALISTEN



Wie ist nun die Lage der zur Auswanderung gezwungenen ausländischen Arbeiter

hier in der Bundesrepublik?



Durch ihren Vertrag werden sie gezwungen ein Jahr bei einer bestimmten Firma

zu arbeiten, und zwar zum Tariflohn. Dadurch sparen die Bosse die

übertariflichen Zulagen.

Z.B. verdient ein spanischer Kollege, der seit 6 Monaten bei Opel arbeitet,

BRUTTO 5,60 DM! Der deutsche Boß verpflichtet sich, für die Unterbringung

'seiner' ausländischen Arbeiter zu sorgen, und er wäre kein Kapitalist, wenn

er nicht versuchen würde, auch daraus Profit zu schlagen. Unsere

ausländischen Kollegen werden zu viert in ein winziges Zimmer mit

übereinanderliegenden Betten gepfercht und müssen dafür pro Bett horrende

Mieten zahlen.

In den Opelbaracken z.B. müssen die ausländischen Kollegen 45 DM pro Bett

blechen, was 180 DM für ein winziges, nur mit dem allernotwendigsten

eingerichteten Zimmer macht! Und das ist noch sehr billig! Oft zahlen die

ausländischen Kollegen mehr als 100 DM für ein bett.



Nachdem sie dann ein Jahr lang sich haben ausnehmen lassen und sich die

deutschen Kapitalisten an ihnen eine goldene Nase verdienen konnten, sind sie

'frei' und können sich selbst einen Arbeitsplatz suchen. Arbeitsrechtlich

sind sie den deutschen Kollegen gleichgestellt, aber in der Wirklichkeit

werden sie hinten und vorne verschaukelt.

Bei Opel versuchen z.B. die Meister auf Anweisung von 'oben' diejenigen

ausländischen Arbeiter, die länger als ein Jahr bei Opel sind, rauszuekeln.

Dann können sie durch neue ersetzt werden, die billiger sind.

Den ausländischen Arbeitern werden oft die dreckigsten und unangenehmsten

Arbeiten zugewiesen. Zudem fliegen in der Krise 'bevorzugt' ausländische

Arbeiter raus. Auf dem Höhepunkt der letzten Krise 66/67 waren 2,2% der

deutschen Arbeiter, aber 15% der ausländischen Arbeiter arbeitslos.

Absolut gesehen gab es natürlich mehr deutsche als ausländische Arbeitslose.

Deshalb konnten die bürgerlichen Hetzblätter, wie z.B. 'Bild', so tun, als ob

die 'Ausländer' den 'Deutschen' die Arbeitsplätze wegnehmen würden. Dadurch

wurde die Wut vieler Kollegen auf den Sündenbock 'Gastarbeiter' abgelenkt,

während die wahren Schuldigen an der Arbeitslosigkeit - die Kapitalisten-

Bosse - sich ins Fäustchen lachen konnten.



Welche Schlußfolgerungen müssen wir aus diesem internationalen Schacher

(sprich Sklavenhandel) mit ausländischen Arbeitern ziehen?



Wir müssen uns darüber im Klaren sein, daß die Kapitalistenklasse als ganzes

sich im über-nationalen Maßstab organisiert und entsprechend

zusammenarbeitet.



Ein solches Beispiel ist der belgische Bergarbeiterstreik 1969, in dem die

deutschen Kapitalisten ihre belgischen Kollegen durch Kohlelieferungen

unterstützten. Dieselbe Zusammenarbeit besteht heute auch auf dem

Arbeitsmarkt. Aber sobald die Kämpfe gegen die Kapitalisten schärfer werden,

können auch andere als nur wirtschaftliche Mittel eingesetzt werden. Nicht

umsonst haben die CIA-Agenten die Errichtung der faschistischen Diktatur in

Griechenland veranlaßt, weil sie vor dem erstarkenden Kampf des griechischen

Volkes erzitterten.

Der gemeinsame Feind aller Arbeiter ist also das international organisierte

Kapital. Dagegen hilft aber nur die internationale Solidarität aller

Arbeiter, für die es schon viele gute Beispiele gibt.

Als im letzten Winter die englischen (britischen,d.Vf.) Docker (streikten,

d.Vf.), luden die holländischen (niederländischen,d.Vf.) Hafenarbeiter keine

englischen Schiffe mehr aus. Die Parole: vereint sind wir stark! gilt heute

auch im internationalen Maßstab. Aber wir brauchen gar nicht in die Ferne zu

schweifen. Die Solidarität aller Arbeiter können wir hier bei Opel gegenüber

unseren ausländischen Kollegen beweisen. Hier können wir zeigen, daß uns der

ausländische Kumpel näher steht, als der deutsche Kapitalist und seine

Knechte und daß wir uns von den Opelbossen und den Gewerkschaftsbonzen nicht

spalten lassen - erst recht nicht angesichts der nahenden Krise!



Hier erhält die alte Parole der Arbeiterklasse erneut ihre Bedeutung:



PROLETARIER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!"



In einer letzten Meldung wird gefragt:"

STREIKSTIMMUNG?



In D4 wurde letzte Woche einfach das Band abgestellt. Äußerer Anlaß war, daß

die Lackiererei einfach nicht mit der Arbeit hinterherkommt.

Der tiefer liegende Grund: Die Kollegen sind mit ihrer Einstufung in die

Lohngruppen AC 10 und AC 11 nicht zufrieden. Sie fühlen sich im Vergleich mit

anderen Kollegen, z.B. den Reparaturarbeitern NOCH MEHR ausgebeutet. Einige

Kollegen sagen, daß es Zeit sei für einen Streik, zumal auch andere

Abteilungen ziemlich in Stimmung sind und sofort mitmachen würden, wenn es

irgendwo losginge.

Kollegen! daß dieses Jahr gestreikt wird ist so sicher wie das Amen in der

Kirche. Viele haben auch erkannt, daß es dieses Jahr darauf ankommt, wirklich

durchzuhalten, bis die Forderungen erfüllt sind und für diesen Fall einen

Streikrat zu wählen. Genauso kommt es darauf an, soviele Kollegen wie möglich

zu informieren und die Stimmung zu testen.

Das sollte nämlich besser laufen als letztes Mal. Schreibt uns!"



Neben einem Gedicht und der Werbung für den 'Roten Morgen', der vor dem Werk

verkauft werde, findet sich auch noch eine Jugendseite der Roten Opel-

Jugend-Betriebsgruppe (JBG) der Roten Garde (RG):"

MEISTER WOLTER: BEISPIEL FÜR DAS 'VERSAGEN DER ERWACHSENENWELT'?



In der Abteilung des Meister Wolter haben die Lehrlinge die Klappe zu halten!

Anderenfalls fliegen sie raus. Außer, daß ihnen arrogant Anweisungen erteilt

werden, duzt Wolter die Lehrlinge herablassend als wären sie Minderwertige.

Wer aufmuckt oder als Zwanzigjähriger gesiezt werden will, weil ihm die

Arroganz des Meisters nicht paßt, fliegt aus der Abteilung.



Ein Elektrolehrling, der von ihm deswegen aus der Abteilung geschmissen

wurde, ging zum Abteilungsleiter Offele. Dieser schickte ihn in die Abteilung

zurück. Damit war die Sache für ihn gegessen. Auch Jugendvertreter Schneller

änderte nichts daran. Es blieb dabei, daß der Lehrling sich entweder duzen

lassen müsse oder die Abteilung zu verlassen hätte. Wolter sagte, er würde

sich von der Abteilung Berufsausbildung nichts vorschreiben lassen und es

dabei auf einen Machtkampf ankommen lassen.



Er weiß, daß er dabei nicht viel zu befürchten hat. Als Schneller sich mit

dem Lehrling an Plattfaut wandte, meinte dieser nur, man könnte Meister

Wolter nicht dazu zwingen, ihn zu siezen. Das Verhalten Wolters zeige ein

'krasses Versagen der Erwachsenenwelt'.



Aber haben die Lehrlinge auch solche Schwierigkeiten mit erwachsenen

Kollegen? Nein! Mit den meisten duzen sie sich, als Zeichen, daß sie Kollegen

sind. Wenn Meister Wolter einen Lehrling duzt, so darf er jedoch nicht von

diesem widergeduzt werden. Damit will Wolter zeigen, daß die Lehrlinge für

ihn Stifte sind, die zu kuschen haben. Und warum?



LEHRZEIT: ERZIEHUNG ZU DUCKMÄUSERN



Wenn Jugendliche von der Schule kommen, haben sie sich noch nicht an die

Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung im Betrieb gewöhnt. Deshalb mucken sie

noch leichter auf als ältere Kollegen. Das wollen die Bosse und Meister

verhindern. Mit dem arroganten Duzen will Meister Wolter erreichen, daß die

Lehrlinge sich selbst als Minderwertige betrachten, die kein Recht haben den

Mund aufzumachen.



MEISTER WOLTER - HANDLANGER DER KAPITALISTEN



Damit zeigt Wolter, daß er seine Aufgaben als Meister besonders gut für die

Kapitalisten ausführt. Denn als Meister wird er von den Bossen dafür bezahlt,

daß er die Kollegen antreibt und dafür sorgt, daß der Profit der Kapitalisten

ohne Schwierigkeiten und 'Reibungsverluste' gesichert bleibt und daß die

Lehrlinge zu Duckmäusern erzogen werden. Je besser er diese Aufgabe erfüllt,

desto bessere Aussichten hat er bei den Bossen. WOLTER IST ALSO NICHT EIN

'BESONDERS KRASSES BEISPIEL DES VERSAGENS DER ERWACHSENENWELT', SONDERN EIN

BESONDERS KRASSES BEISPIEL EINES KAPITALISTENKNECHTES. Nicht alle Meister

machen es genauso wie Meister Wolter. Sie versuchen trotz ihrer Aufgabe noch

ein kollegiales Verhältnis zu den Kollegen zu behalten. Dabei geraten sie in

Widerspruch mit ihrer Handlangeraufgabe für die Kapitalisten.

Sie müssen sich irgendwann endgültig entscheiden auf wessen Seite sie stehen.



SPALTUNG DRUCH DAS MÄRCHEN VOM GENERATIONENKONFLIKT



Das Märchen vom Konflikt zwischen Jung und Alt, wie Plattfaut es den

Lehrlingen versuchte auf die Nase zu binden, erzählen auch immer wieder die

Gewerkschaftsführer. Aber wenn man es genauer betrachtet, sieht man, daß die

Ursachen nicht im Alter, sondern in den gegensätzlichen Interessen der

Kapitalisten und der Arbeiterklasse liegen. Mit dem Märchen vom

Generationenkonflikt versuchen die Bosse und ihre Handlanger zu verhindern,

daß Lehrlinge, Jungarbeiter und Kollegen, egal wie alt sie sind, ihre

gemeinsamen Interessen erkennen und sich zusammenschließen. Denn wenn erst

einmal die Einheit der gesamten Arbeiterklasse und das Bündnis mit anderen

Schichten hergestellt sein wird, kann die kapitalistische Ausbeuterordnung

abgeschafft werden, die solche Unterdrückungsmethoden wie wir sie hier erlebt

haben, zu ihrer Aufrechterhaltung benötigt.



UND DER BETRIEBSRAT?



Der Lehrling ging auch zu ihm. Der Betriebsrat versprach ihm natürlich, sich

darum zu kümmern und direkt am nächsten Tag zu Offele zu gehen. Aber wie es

mit dem Einsatz dann aussieht, die Erfahrung haben die Lehrlinge gerade in

der letzten Zeit immer wieder gemacht. Man muß immer wieder hinlaufen und

hört immer wieder das gleiche Gerede, daß das nicht geht und daß sie sich auf

jeden Fall für uns einsetzen werden. Aber die Lehrlinge haben kaum einmal

erlebt, daß auch wirklich etwas passierte. Irgendwann einmal hört man dann,

man hätte sich an den falschen Betriebsrat gewandt, er hätte ja gar nichts

unternehmen können, weil er nicht zuständig dafür wäre. Einen Mund zum

Weitergeben der Angelegenheit hat er anscheinend nicht."

=Zündkerze Nr.8 und Perschke auf der Betriebsversammlung,Bochum Mai 1971 bzw.

o.J. (1971),o.S. bzw. S.8 und S.12



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31.05.1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche über die spätere RAF:"

SPD-SENAT SETZT PROVOKATEURE EIN



Bei dem Prozeß gegen Horst Mahler in Westberlin hat der SPD-Senat seine

faschistischen Methoden der Spitzel- und Agententätigkeit entlarvt. ...

Auch in den zunehmenden Kämpfen der Arbeiterklasse gibt es Beispiele vom

Einsatz von Spitzeln und Provokateuren: so gibt es z.B. bei Opel Bochum mit

dreifachem Lohn bezahlte und von K14 ausgebildete Spitzel; in den Streiks im

letzten Jahr traten sie als 'Führer' der Kämpfe auf und versuchten vor allem,

die Arbeiter zu anarchistischen Aktionen, wie Maschinenstürmerei,

aufzuhetzen."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.43,Bochum 5.6.1971,S.7



01.06.1971: 

Die Nr.6 der 'Presse', Betriebszeitung der KPD/ML-ZB bei Opel Bochum für

Juni erscheint vermutlich Anfang des Monats.

Enthalten ist ein Artikel zur KPD/ML-ZK ('Die Zündkerze'), die ja jüngst zur

KPD/ML-ZB Stellung nahm (vgl. 10.5.1971):"

Was tun gegen die Gewerkschaftsführer. Über einen wichtigen Unterschied zur

'Zündkerze' der Gruppe Roter Morgen."

In dem Artikel wird gegen Auffassungen der KPD/ML-ZK polemisiert:"

Wir sehen und erleben im Betrieb täglich den Verrat der Gewerkschaftsführer

und ihrer Funktionäre. Im September 70 haben sie unseren Streik für volle 15%

und für den 13. Monatslohn abgewürgt, um unsere Forderungen verraten zu

können. Ebenfalls im September und Oktober 70 als wir im Kampf standen, haben

die IGM-Bonzen mit den Vertretern der Metallkapitalisten das neue

Punktesystem für Zeitlöhner ausgehandelt, das jetzt bei uns und in den

anderen Metallbetrieben Nordrhein-Westfalens durchgesetzt werden soll. Der

Verrat der Gewerkschaftsführer ist vielen Kollegen klar.

Doch was tun? Sollen wir rausgehen aus der IGM? Hat alles keinen Zweck und

sollen wir aufgeben?

Die 'Presse' und die KPD/ML sagt ganz klar: Nein, Kollegen das ist ein

schwerer Fehler. Wir werden die Gewerkschaftsbonzen nicht zwingen können,

unsere Interessen zu vertreten, dazu sind die viel zu eng mit den SPD-Führern

und den Kapitalisten verzahnt und mit Pöstchen bestochen. Wenn wir in den

Kampf treten, dann werden sie nur noch enger mit den SPD-Führern und den

Kapitalistenvertretern gegen uns zusammenarbeiten. So haben sie in engsten

Geheimverhandlungen im Bergbau für die Kumpel den 7,3% Abschluß ausgehandelt

und in der Metalltarifrunde (MTR,d.Vf.) wollen Schiller und Brenner es

ähnlich machen. Ihr Komplott wird fester, nicht obwohl wir kampfbereit sind,

sondern weil wir dieses Jahr schon stärker sind als im letzten Jahr. Alle

Illusionen über die Gewerkschaftsführer werden unseren Kampf nur schwächen.



Brauchen wir daher eine neue Gewerkschaft?

Doch wir dürfen aus der klaren Erkenntnis über die Rolle der

Gewerkschaftsführer nicht die falschen Schlüsse ziehen. Austreten oder jetzt

eine neue Gewerkschaft aufbauen ist falsch.

Kollegen, die Aufgabe einer Gewerkschaft ist es, die Einheit aller Arbeiter

zum wirtschaftlichen Kampf herzustellen ... Die Einheit der Arbeiterklasse in

den Gewerkschaften gilt es also wieder herzustellen, aber wie?

Sollen wir der 'Zündkerze' folgen, die folgendes schreibt:

'Unserer Meinung nach tut folgendes Not: die Schaffung einer oppositionellen

revolutionären Bewegung gegen die bestehenden Gewerkschaften. Wir von der

Roten Opel-Betriebsgruppe haben dazu den ersten Schritt getan.'

Kollegen, das ist nicht der richtige Weg. Die 'Zündkerze' will die IGM

praktisch aufgeben, indem sie die Rote Betriebsgruppe als Grundstein für eine

neue Gewerkschaft anbietet.

Kollegen, wir dürfen den rechten sozialdemokratischen Führern nicht einfach

die Gewerkschaft überlassen, die von klassenkämpferischen Arbeitern gegründet

worden ist und um die diese Arbeiter immer gekämpft haben.

Wir dürfen die Gewerkschaftsorganisation nicht einfach aus der Hand geben, in

einem Moment, wo die SPD-Führer die gewerkschaftlichen Rechte stark

einschränken wollen, indem sie uns die Lohnerhöhungen vorschreiben wollen.

Wir müssen um diese Gewerkschaft kämpfen, wir müssen die rechten

verräterischen Führer erst isolieren und dann versuchen, rauszuwerfen. Wir

dürfen nicht einfach sagen, das ist verlorene Mühe ... Vereinzelt, isoliert,

ohne klare politische Richtung und Führung. Das war der bisherige Kampf. Dann

ist es auch kein Wunder, wenn dabei nichts herauskommt. Denn der Feind ist

gut organisiert, die Fäden zwischen den Gewerkschaftsführern, den SPD-Führern

und den Kapitalisten laufen sehr eng und dicht. Und wenn wir diesem engen

Bündnis nicht noch besser organisiert entgegentreten, dann können wir

allerdings einpacken.

Und der Kampf um die Gewerkschaft, um die wirtschaftliche Kampforganisation

aller Arbeiter, egal von welcher Partei, dieser Kampf muß ebenso organisiert

geführt werden wie der gesamte Kampf gegen die Kapitalistenklasse und ihre

Handlanger. Es hört sich gut an, wenn die Kollegen der 'Zündkerze/Roter

Morgen' in ihrer 1. Mai-Zeitung forderten:

'Für eine klassenkämpferische DGB-Opposition!', oder wenn sie in einem

Flugblatt vor einer Zeche im Ruhrgebiet nach dem 7,3%-Abschluß die Kollegen

aufforderten:

'Tut den ersten Schritt für eine IGBE-Opposition! Für eine

klassenkämpferische IGBE-Opposition.'

Ohne den Weg aufzuzeigen, der zu einer wirklichen Opposition in der

Gewerkschaft führt, hilft uns die Aufforderung zur Bildung einer Opposition

sehr wenig: die Opposition muß unter der klaren politischen Führung einer

kommunistischen Partei stehen, die diese Arbeit anleitet und immer wieder

alle Illusionen, die auftauchen und alle faulen Kompromisse angreift ... Die

Kommunistische Partei muß diesen Kampf anführen, weil es ein politischer

Kampf ist, ein Kampf um die Einheit im Kampf gegen die Kapitalistenklasse und

ihre sozialdemokratischen Förderer. Doch sind wir schon weit genug, daß die

KPD/ML und ihre Betriebsgruppen schon die Kämpfe in den Gewerkschaften gegen

die Spalter und Feinde der Arbeiter anleiten kann? Nein, die KPD/ML ist noch

viel zu schwach, sie hat noch lange nicht genügend Kräfte hierzu.

Und deshalb fordert die Betriebsgruppe Opel der KPD/ML auf: Stärkt die

KPD/ML! Organisiert euch in den Betriebsgruppen der KPD/ML!

Das ist unsere vordringlichste Aufgabe, wenn wir wirklich eine Grundlage für

den Kampf schaffen wollen, wenn es den sozialdemokratischen Funktionären

nicht weiter so leicht fallen soll, uns zu verschaukeln, wenn die

Gewerkschaften wirkliche Organisationen der Arbeiterklasse werden sollen. Das

sind einige Punkte, die uns von der Gruppe 'Zündkerze/Roter Morgen'

unterscheiden und die sehr wichtig sind für den Kampf im Betrieb. An

ähnlichen Differenzen ist es im April 70 zur Spaltung der KPD/ML gekommen,

die Gegensätze waren so unüberbrückbar, daß die Gruppe 'Zündkerze' sich mit

einigen anderen Parteigruppen abspaltete, sich aber weiterhin KPD/ML nannte.

Diese Differenzen sind klare Unterschiede in der Politik und nicht

'Haarspaltereien', wie es die 'Zündkerze' behauptet. Bei Opel haben wir diese

Differenzen bisher nicht offen genug diskutiert und die meisten Kollegen

wußten deshalb auch nicht so recht, warum eigentlich zwei Betriebszeitungen

der KPD/ML erscheinen. Wenn man diese Differenz verniedlichen will, wie es

die 'Zündkerze' tut und sich gleich über die Einheit unterhalten will ohne

diese Differenzen zu klären, dann wird das nicht zur Stärkung führen."



Aufgerufen wird dazu:"

Stärkt die KPD/ML! Organisiert Euch in den Betriebsgruppen der KPD/ML!"

Dies sei der richtige Schritt "für den Kampf im Betrieb".

=Der Parteiarbeiter Nr.6,Bochum Juni 1971,S.69f;

Die Presse Nr.6,Bochum*1971



04.06.1971: 

Laut KPD/ML-ZB beschließt die Vertreterversammlung (VV) der IG Metall (IGM)

in Duisburg, einen Antrag an den 10. ordentlichen Gewerkschaftstag der IGM

(vgl. 27.9.1971), der als Forderung nach dem Verbot der KPD/ML gedeutet wird.

In dem Antrag heißt es:"

Der Gewerkschaftstag möge beschließen:



Die Delegierten des 10. ordentlichen Gewerkschaftstages fordern alle

Funktionäre und Mitglieder der IG Metall auf, den maoistischen Gruppierungen

mit Entschiedenheit entgegenzutreten.



Der Vorstand der IG Metall wird beauftragt, sich gemeinsam mit dem DGB bei

der Bundesregierung dafür einzusetzen, daß die politische Tätigkeit

maoistischer Gruppen in der BRD auf die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz

überprüft wird.



Darüberhinaus wird die Bundesregierung aufgefordert, der Öffentlichkeit

Informationen über:

1. die politischen Ziele

2. den organisatorischen Aufbau

3. führende Personen und sogenannte Hintermänner bestehender Gruppen

zu geben.



Begründung:

Das politische Ziel aller maoistischen Gruppen ist es, die freiheitlich-

demokratische Ordnung der BRD zu zerstören. In Übereinstimmung mit

neonazistischen Parolen und Methoden werden in betriebsbezogenen Zeitungen

und sonstigen Publikationen demokratische Organisationen und Einrichtungen

beschimpft und ihre Vertreter verleumdet und des Verrats an der

Arbeiterschaft bezichtigt. In Verbindung mit rechtsradikalen Bestrebungen

sind diese Gruppierungen ebenfalls eine Gefahr für den Fortbestand der

Demokratie."

Diskutiert wird dieser Antrag auch auf der Betriebsversammlung bei Opel

Bochum (vgl. 1.7.1971).



Die KPD/ML-ZK berichtet bei Opel Bochum (vgl. 21.6.1971):"

IGM STELLT VERBOTSANTRAG GEGEN KPD/MARXISTEN-LENINISTEN!



Kolleginnen und Kollegen!

Am 4.Juni fand in Duisburg eine IGM-Vertreterversammlung statt.

Diese VV verabschiedete Anträge für den IGM-Gewerkschaftstag im Herbst und

wählte Delegierte dafür. Allerdings war eine Reihe dieser Vertreter nicht von

den Kollegen gewählt, sondern von der Ortsverwaltung (OV) 'berufen'.

Unter den Vertretern waren so hohe Persönlichkeiten wie

Bünk, Mannesmann-Sachbearbeiter für Gewerkschaftsfragen, der erst vor kurzem

den Henne-Plan, ein neues Ausbeutungssystem bei Mannesmann (MBB,d.Vf.),

wesentlich mit unterstützt hatte;

Bulitz, 1.IGM-Ortsbevollmächtigter und SPD-Ratsherr;

Ehlers, Betriebsrat bei Mannesmann und im Bezirksvorstand der SPD;

Judith, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Thyssenhütte (ATH,d.Vf.),

ehrenamtliches Mitglied beim IGM-Vorstand;

Lukrawka, Betriebsratsvorsitzender bei Rheinstahl Meiderich, Beisitzer der

OV und DKP-Mitglied). - usw. usf.

Kurz: Jeder Kollege kann sich vorstellen, daß dort die 'Creme de la Creme'

der Duisburger Gewerkschaftsbonzen vertreten war.

Seit knapp einem Jahr nun erscheint bei Mannesmann der 'Röhrenkieker' und

bei Demag der 'Hammer', beides Betriebszeitungen der Roten Betriebsgruppen

(RBGs) der KPD/Marxisten-Leninisten. Diese beiden Betriebsgruppen waren

binnen kurzer Zeit bei den Kollegen sehr populär geworden: sie sind die

einzigen, die die Kollegen über jeden Malocher-Beschiß sofort informieren.

Damit war die Ruhe für die 'hohen Persönlichkeiten' natürlich vorbei. Schon

seit längerer Zeit überlegen sie, wie sie die kommunistischen Arbeiter

mundtot machen können.

Zu welcher Methode sie gegriffen haben, brachte die VV vom 4.6. an den Tag:



VERBOTSANTRAG!



Es handelt sich um den Antrag 32. Damit aber die Stimmabgabe von Anfang an

klar war, ließ Bulitz in seinem Geschäftsbericht offen durchblicken, daß all

diejenigen, die mit den sogenannten 'Maoisten' zusammenarbeiten, nicht mit

dem Schutz der IGM rechnen können.

Und diese Drohung saß. Anstatt dieses reaktionäre Spiel aufzudecken und

anzuprangern, kuschten alle. Ergebnis: einstimmig! Die Stimmen der DKP waren

dabei!

Dieser Antrag nun macht offenkundig, was viele Kollegen zwar wußten, aber

nicht wahrhaben wollten: Daß SPD und DGB alles andere als

Arbeiterorganisationen sind. Das gleiche gilt für die DKP.

Daß, was den Kapitalisten mit Hilfe der 'K'PF in Frankreich gelungen ist: das

juristische Verbot der KPF/ML (vgl. **.**.19**,d.Vf.), wird also auch hier

klar und offenkundig vorbereitet.



Warum das alles, wo doch jeder Kollege sieht, daß die KPD/ML noch längst

keine Massenpartei ist wie in den zwanziger Jahren die KPD Ernst Thälmanns?!

Die Herrschenden und all ihre Stiefelknechte handeln nach der Devise 'Wehret

den Anfängen', dem also, wovor sie am meisten zittern: daß die Arbeiter sehen

lernen, was in dieser Gesellschaft eigentlich gespielt wird, vor allem aber,

daß sie ihre roten Erkenntnisse in die Tat umsetzen könnten.



Deswegen versuchen sie, dem Arbeiter schon heute die schärfste Waffe, die er

in seinem Kampf besitzt, die Kommunistische Partei aus der Hand zu schlagen -

in einer Zeit, da diese Waffe erst noch geschmiedet wird!



Die Tricks, die sie dabei anwenden, sind zwar auf Dauer wirkungslos, können

aber der Arbeiterklasse äußerst gefährlich werden. Dies beweist am besten

unsere Geschichte. Nicht umsonst haben die Herrschenden hunderttausende von

klassenbewußten Arbeitern abschlachten lassen, nicht umsonst geht bereits

heute die Polizei wieder brutal gegen streikende Arbeiter vor. Die Bilder in

Presse und Fernsehen beweisen das.



Wer von den Kollegen also glaubte, all das, was wir bisher schon

voraussagten, sei kalter Kaffee, 'Klassenkampf aus Opas Mottenkiste', der

wird sehr schnell umdenken müssen, lernen müssen, daß wir nicht mehr in den

'ruhigen 50ern und 60ern' leben, sondern am Beginn der 'heißen 70er'.

Die Chemiestreiks, unsere eigenen in den vergangenen zwei Jahren, die Hetze

gegen klassenbewußte Kollegen, Hausdurchsuchungen wie die in München bei der

'Aktion Paragraph 218' (vgl. **.*.1971,d.Vf.) beweisen, daß auch hier der

Klassenkampf wieder Formen annimmt, die den Kapitalisten letztlich nur eine

Alternative lassen: entweder endgültige Niederlage oder erneuter Faschismus!

Die Zukunft wird zeigen, daß wir recht haben. Schon im Herbst kann es

passieren, daß unsere Streiks und ähnliche Kämpfe wie die in der Chemie

niedergedrückt werden.



Daher ist es notwendig, klaren Kopf zu behalten, genau zu wissen, was auf uns

zukommt, vor allem aber, was wir dagegen tun können und müssen.



Zunächst einmal wird der Klassengegner versuchen, die kommunistischen und

anderen klassenbewußten Kollegen zu isolieren. Wenn ihm das gelingt, hat er

'freie Hand'.



Dazu braucht er aber gerade solche Organisationen, die noch den meisten

Kredit bei den Kollegen haben (SPD, DGB, DKP), um sein schmutziges Geschäft

über die Bühne zu bekommen.



Wenn diese 'Arbeiterorganisationen' Verbot und härteres Vorgehen befürworten,

so erweckt es den Eindruck, als wären es die Arbeiter selbst, die das

wollten.



Dies wurde bereits 1918, 1933, 1945 und 1956 erfolgreich praktiziert - und

immer wieder waren es SPD- und Gewerkschaftsbonzen, die dies Geschäft für die

Kapitalisten besorgten.



Natürlich brauchen die Kapitalisten und ihre Speichellecker ein 'legales

Mäntelchen' - also stempelt man die Kommunisten zum 'Bürgerschreck', zum

'Abschaum' der Gesellschaft.



Man versucht, Kommunisten zu 'politischen Kriminellen', zu 'Linksfaschisten'

zu machen. Aus diesem Register nur eine 'kleine' Kostprobe: in Köln wurde in

einem Streiklokal der Chemie-Arbeiter eine Scheibe eingeworfen (vgl.

**.*.1971,d.Vf.). Sofort hieß es, das wären die 'maoistischen Kommunisten'

gewesen.



Primitivität ist da die große Masche. So schreiben die Leute vom V-Leute-

Ausschuß beim Bochumer Verein (Krupp - vgl. 30.4.1971,d.Vf.) in ihrem Blatt,

das sie die gegen die 'Walze', die Betriebszeitung der Organisation 'Rote

Fahne' (KPD/ML-ZB,d.Vf.), gegründet haben, die KPD/Marxisten-Leninisten

fordere die Arbeiter indirekt auf, Maschinen und Fabriken in Brand zu

stecken.



Sie sollten lieber einmal bei Lenin nachschlagen, was der dazu geschrieben,

was mit den Fabriken passiert, wenn die Arbeiter die Macht ausüben, bevor sie

in ihrem Blatt wieder solchen Käse schreiben. Nur Faschisten haben an solchen

'fundierten Äußerungen' über die KPD/ML ihre reinste Freude, und diejenigen,

die in der Verfolgung der Kommunisten den Faschisten in nichts nachstehen!

Von 'politischen Kriminellen' ist es dann natürlich kein weiter Weg mehr zum

'kommunistischen Faschisten'. Offenbar haben die Gewerkschaftsbonzen 1933-45

auf der anderen Seite gestanden, sonst wüßten sie, was Faschismus ist.

Nämlich brutalster Terror gerade gegen die konsequentesten Antifaschisten -

die Kommunisten.



Ähnliches gilt für die Arbeiterverräter in der DKP. Sie, gerade sie haben ein

äußerst großes Interesse daran, die Kommunisten vom Hals zu bekommen. Sind

diese es doch, die die Sowjetunion (SU,d.Vf.) als das bezeichnen, was sie

heute ist: ein Staat, in dem die neue Klasse der Arbeiterverräter regiert,

ein Staat, in dem mit faschistischen Methoden gerade Kommunisten brutal

unterdrückt werden. Wie dies aussieht, hat uns allen das polnische Beispiel

äußerst eindrucksvoll vermittelt. Die polnischen Arbeiterverräter schossen

die Arbeiter nieder wie es die SPD in den Revolutionsjahren und die

Faschisten während ihrer Herrschaft nicht besser machen konnten.



Und all das versucht nun, die DKP als 'sozialistisch' zu verkaufen. Wer

allerdings die Sendungen über die VR China (vgl. **.*.1971,d.Vf.) gesehen

hat, der wird gemerkt haben, selbst bei dem verzerrenden und

antikommunistischem Kommentar, daß in China wirkliche Arbeiterdemokratie

herrscht. Mußte nicht der Kommentator zugeben, daß während der

Kulturrevolution die Arbeiter und Bauern die größten Freiheiten genossen, die

überhaupt denkbar waren?!



Und daran hat sich und wird sich in China nichts ändern, solange

Arbeiterverräter und ähnliches Pack bis aufs letzte bekämpft werden.

Auf diesem Hintergrund erst ist erklärbar, warum es im Antrag 32 nicht

'kommunistische' sondern 'maoistische Gruppen' heißt: weil sonst die DKP

nicht zugestimmt hätte. Nicht weil die DKP nun kommunistisch ist, sondern

weil sie ein äußerstes Interesse daran hat, sich von wirklich revolutionären

Kräften abzusetzen. Und die sind heute am besten mit dem Etikett 'maoistisch'

zu diffamieren. (Nicht umsonst sagte der Vorsitzende der SEW (in Berlin,d.

Vf.), Danelius, auf der Moskauer Beratung der Arbeiterverräter (vgl.

**.*.197*,d.Vf.), daß DIE KPD/ML die größte Gefahr für sie darstelle!)

Um ihre Posten in der Gewerkschaft zu halten, um am Mitbestimmungszauber

lukrativ beteiligt zu werden, um den hiesigen Kapitalisten das Geschäft mit

denen in der SU zu erleichtern, kriecht sie und kriecht wo es nur geht, in

alle offen stehenden Ärsche. Es ist daher kein Wunder, daß viele alte

Genossen der KPD, Mitglieder der Roten Ruhrarmee, Mitglieder des Roten

Frontkämpferbundes (RFB,d.Vf.), die Finger von dieser Partei gelassen haben

und sich, soweit sie gesundheitlich noch dazu in der Lage sind, gerade den

Organisationen der KPD/ML anschließen."



=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.53 und 57,Bochum 14.7.1971 bzw.

31.7.1971,S.5ff bzw. S.6;

Zündkerze Extrablatt IGM stellt Verbotsantrag gegen KPD/Marxisten-

Leninisten! und Perschke auf der Betriebsversammlung,Bochum o.J. (1971),S.1ff;

bzw. S.5



14.06.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet im Zusammenhang mit der Verleihung des

Friedensnobelpreises an Willy Brandt (vgl. 20.10.1971) über dessen

'Friedenspolitik', vermutlich aus dieser Woche, mit Hilfe des folgenden

Artikels aus****:"

MIT DER MACHETE GEKÖPFT



Mitte Juni veröffentlichte die schwedische Zeitung 'Expressen' einen Bild-

und Textbericht über den Kolonialkrieg in Mosambik. Auf den Photos war zu

sehen, wie lachende portugiesische Soldaten afrikanische Freiheitskämpfer mit

der Machete köpften und den blutenden, abgehackten Kopf dann dem Photographen

zeigten, dazu grausame Witze reißend. Diese Art der Kriegsführung werde von

den portugiesischen Soldaten damit begründet, man müsse 'die Zivilisation

verbreiten'. 90 Prozent der Menschen seien Analphabeten, Schulen gebe es so

gut wie gar nicht, dagegen lebten die 400 000 Portugiesen im Lande wie

Kolonialherren mit allen Privilegien.



'Mosambik ist eine einzige Strafkolonie, in der die Portugiesen die Wärter

sind und die Einheimischen die Gefangenen', schrieb 'Expressen'. Daß es

angesichts dieser Verhältnisse zum Aufstand kam, sei logisch gewesen. 'Bisher

ist dieser Krieg in Afrika vergessen gewesen', schrieb die Zeitung. 'Jetzt

endlich beginnt man in Europa zu begreifen, welch ein Tragödie sich dort

abspielt, und wie die Europäer wieder die Imperialisten und Kolonialherren

sind.' Das ergänzten jetzt mit einem Satz die nach Schweden geflüchteten

portugiesischen Offiziere: 'My-Lai-Massaker gibt es nicht nur in Vietnam, die

gibt es auch in unseren afrikanischen Kolonien...'



Massaker wie in Vietnam seien gang und gäbe. Ganze Dörfer würden von den

Soldaten niedergebrannt, wenn sich herausstelle, daß hier Partisanen

Unterschlupf gefunden haben. Portugal verwende seine von der NATO gelieferten

Waffen, um den Freiheitskampf mit Napalm und Sprengbomben niederzuzwingen und

portugiesische Offiziere würden im Rahmen der NATO-Übungen in den USA

ausgebildet. Alle NATO-Mitglieder hätten durch ihre Unterstützung Portugals

eine Mitverantwortung für das, was in Afrika geschieht, sagten die

geflüchteten Offiziere."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.14



21.06.1971: 

Ein vierseitiges Extrablatt der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten

Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML erscheint vermutlich in dieser

Woche (vgl. 24.5.1971, 28.6.1971) mit einem Leitartikel zum Verbotsantrag der

IGM Duisburg gegen 'maoistische' Gruppen (vgl. 4.6.1971). Von diesem wird

berichtet und fortgefahren:"

Kolleginnen und Kollegen!

Es war notwendig, auf diesen Antrag so ausführlich einzugehen. Es wird auch

in Zukunft noch notwendig sein.

Nur wenn wir lernen, immer mehr hinter die Kulissen dieser Gesellschaft zu

sehen, wissen wir, was uns erwartet. Die politische und wirtschaftliche

Unterdrückung hat bereits jetzt Ausmaße erreicht, die sich mancher vor einem

oder zwei Jahren nicht hätte träumen lassen.

Bespitzelung fortschrittlicher Kollegen, Verhaftungen bei Demonstrationen

gegen die Fahrpreiserhöhungen und teilweise rücksichtsloser Knüppeleinsatz,

Vorbereitung des Verbots der Kommunisten und Schutz der wirklichen

Faschisten, der Wirtschaftsgangster und ihrer Handlanger auf der einen Seite

- Lohnraub, Lohndiktat, verschärfte Ausbeutung mittels neuen Lohnordnungen

(Bergbau) und Punktesystem (Metall), steigende Inflationsrate auf der anderen

Seite - das sind keine Hirngespinste, sondern bitterste Realität.

Da nützt es nichts mehr, die Faust in der Tasche zu ballen, wenn sich unser

Klassengegner anschickt, wieder einen großen Coup gegen uns zu landen.

Hier nützt nur eins: sich sowohl politisch als auch gewerkschaftlich auf die

Kämpfe vorzubereiten.



Und wir werden immer wieder wiederholen: Diese Vorbereitung auf zukünftige

Kämpfe hat nur Sinn, wenn wir lernen, die Erfahrung der Vergangenheit

zeitgemäß anzuwenden. Und die wichtigste Erfahrung war bisher immer, daß der

Arbeiter über zwei Instrumente verfügen muß, will er erfolgreich kämpfen:

über seine Partei, über die kommunistische Partei, und über starke

gewerkschaftliche Organisationen.



Jeder klassenbewußte Kollege weiß heute, daß die Partei erst wieder aufgebaut

werden muß, nachdem Ulbricht und Konsorten sie an den Gegner ausgeliefert

haben, daß die Gewerkschaften nicht in seiner Hand sind, sondern in der Hand

Der Großen Betrüger, daß der DGB heute eine Versicherungsgesellschaft für die

Kapitalisten ist, keine Arbeiterorganisation.



Wenn WIR also den Anfängen eines neuen Großangriffs auf uns wehren wollen,

dann gibt es nur eins: Diejenigen zu unterstützen, die bereit sind, die

kommunistische Partei wieder aufzubauen als Hauptwaffe der Arbeiter. Und die

wirtschaftlichen Kämpfe in die eigenen Hände zu nehmen, so wie wir es 1969

und 1970 getan haben, so wie es jetzt in manchen Chemiebetrieben schon wieder

der Fall ist. Kurz: eine gewerkschaftliche Opposition gegen die Verräter in

Führung und Apparat zu unterstützen und aufzubauen. Dort, wo es

Streikkomitees der Belegschaften gab, da gab es einmütiges Vorgehen und

Erfolg, dort, wo die Bonzen die Leitung des Kampfes in der Hand hatten, da

stand der Beschiß schon fest, bevor der Kampf überhaupt erst begann. Darüber

konnte auch die radikalste Phrase nicht hinwegtäuschen, die Leute wie Loderer

oder Michels von sich gaben.



Wenn wir uns also auf die diesjährigen Tarifkämpfe vorbereiten, so dürfen wir

eines nicht übersehen:

daß sowohl für unsere Gegner als auch für uns selbst mehr auf dem Spiele

steht als im letzten Jahr. Kein Kapitalist, keine kapitalistische Regierung

und kein Bonze wird es unbeantwortet zulassen, wenn die Arbeiterklasse wieder

zu erwachen beginnt. Wenn Kommunisten mehr und mehr an Boden gewinnen, weil

viele fortschrittliche Arbeiter schon jetzt nur noch die Alternative

Kommunistische Partei sehen.

Es geht also nicht nur um Prozente, um 13. Monatslohn usw., es geht vor allem

um



POLITIK!



Fordert daher schon jetzt eure Vertrauensleute und die Betriebsräte, die klar

auf eurer Seite stehen, auf, über Kampfmaßnahmen zu beraten. Denn die

Gewerkschaftsführung ist schon jetzt bereit, sich auf faktischen Lohnstop

einzulassen. Die Erklärungen Brenners gehen eindeutig in diese Richtung.

Fordert alle Vertrauensleute und Betriebsräte auf, sich von dem Duisburger

Verbotsantrag 32 gegen die KPD/Marxisten-Leninisten zu distanzieren.

Fragt eure Kollegen aus SPD, Jusos und DKP am Arbeitsplatz, was sie davon

halten. Fordert sie vor allem auf, sich von diesem Beschluß zu distanzieren

und öffentlich dazu Stellung zu nehmen.



ROT FRONT, KOLLEGEN!

WIR KOMMEN WIEDER!"



In einem zweiten Beitrag heißt es:"

GENOSSINNEN UND GENOSSEN IN SPD, JUSOS, DKP UND GRUPPE 'ROTE FAHNE/BOCHUM'

(KPD/ML-ZB,d.Vf.)!



Ihr wißt ebenso wie wir, daß die deutsche Arbeiterklasse große Niederlagen in

ihrem Kampf hinnehmen mußte. Niederlagen, die Hunderttausenden der besten

Söhne und Töchter der deutschen Arbeiterklasse das Leben gekostet haben.

Und immer wieder war es der Feind in den eigenen Reihen, der diese

Niederlagen letztlich herbeigeführt hat.



Heute schicken sich die Klassenfeinde und die Verräter in den eigenen Reihen

wiederum an, einen Großangriff auf unsere Arbeiterklasse zu starten. Der Weg,

den sie gehen werden, ist uns geschichtlich hinlänglich bekannt: der Weg der

rücksichtslosen Unterdrückung und Ausbeutung, der Weg in die Barbarei, wie

Rosa Luxemburg sagte.



Genossen! Für uns aber kann es nur einen Weg geben, den Weg des

rücksichtslosen Klassenkampfes, des rücksichtslosen Kampfes gegen alle

Spalter der Arbeiterklasse der Arbeiterklasse und revolutionären

Arbeiterbewegung. Jedes Abweichen von diesem Kampf, jeder Opportunismus wird

UNS ALLE teuer zu stehen kommen, wenn wir den Anfängen nicht schon jetzt

entschlossen wehren.



Wir fordern euch daher auf:

den Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Faschismus, in welcher

Form er auch immer auftreten mag, ob im Gewand eines Strauß (CSU,d.Vf.) oder

im Gewand eines Neubauer (SPD,d.Vf.), gegen Kriegsvorbereitung, gegen das

Verbot der revolutionären Linken und gegen alle Spalter der Arbeiterklasse

und ihre Organisationen gemeinsam aufzunehmen.

Der erste Schritt dazu muß der Kampf gegen Lohndiktat und

Mitbestimmungszauber, gegen Anträge wie den 32er, gegen alle Formen des

Terrors gegen klassenbewußte Arbeiter und Werktätige sein."

=Zündkerze Extrablatt IGM stellt Verbotsantrag gegen KPD/Marxisten-

Leninisten!,Bochum o.J. (1971)



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28.06.1971: 

Die Rote Opelbetriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt vermutlich heute

ein Extrablatt ihrer 'Zündkerze' (vgl. 21.6.1971, 1.7.1971) zur

Vertrauensleuteversammlung der IGM Bochum (vgl. 28.6.1971) bzw. zum BVG

heraus.



Bekannt wurde uns, vermutlich aus dieser Woche, auch ein Extra "Der klägliche

Rest der 'großen' 12 Punkte?!", welches zur Betriebsversammlung aufruft und

vom Erscheinen einer 'Zündkerze' auch in Rüsselsheim berichtet.

=Zündkerze Gegen Lohnstop und Betriebsversklavungsgesetz und Extra Der

klägliche Rest der 'großen' 12 Punkte ?!,Bochum o.J. (1971)



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28.06.1971: 

Die Rote Opelbetriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet vermutlich

aus dieser Woche:"

BOCHUMER V-LEUTE GEGEN B'V'G



Ein großer Teil von ca. 450 Bochumer IGM-V-Leuten erteilte dem neuen

Betriebs'Versklavungs'Gesetz eine dicke Abfuhr. Unsere Bonzen hatten aus Bonn

den SPD-'Volks'-Vertreter Zander herbeigeschafft, damit er unseren V-Leuten

dieses Gesetzeswerk schmackhaft mache. 'Leider' erkannten die meisten

Kollegen, daß man gegen uns ein Gesetz ins Werk setzen will, das uns im

Betrieb noch mehr den Mund verbieten soll.



Unser Kampf gegen die Unverschämtheiten der Bosse und für eine Verbesserung

unserer Situation soll unter der Dunstglocke 'friedlicher Zusammenarbeit'

zwischen Betriebsrat und Bossen erstickt werden (also Perschkes Mauschel-

Politik mit Cunningham bekommt jetzt einen 'gesetzlichen' Rahmen).



Nach dem Wunsch der SPD- und DGB-Bonzen soll politische Betätigung im Betrieb

auch weiterhin verboten sein, allerdings mit einer Ausnahme, wenn es sich um

ihre eigene Politik handelt. (Also wenn Perschke uns Schillers Lohndiktat

anpreist, so ist das erlaubt. Ein Kollege jedoch, der mehr Lohn fordert und

Perschke einen Arbeiterverräter nennt, würde gegen dieses Gesetz verstoßen!)

Von mehreren V-Leuten wurde betont, daß das neue B'V'G uns keine

Verbesserungen bringt, sondern in mehreren Punkten sogar erhebliche

Verschlechterungen. In unserem Extra-Blatt (vgl. 28.6.1971,d.Vf.) zu dieser

V-Leute-Versammlung haben wir schon betont, daß dieser neue Entwurf noch

hinter das Adenauer-BVG um einige Längen in Richtung Nazi-Zeit zurückfällt.

Ein V-Mann rief die anderen dazu auf, daß man notfalls auch streiken müsse,

wenn dieses Gesetz wirklich verabschiedet werden sollte. Herr Zander aber

machte sich fleißig Notizen: vielleicht hat er das neue B'V'G schon angewandt

und notiert, wer hier eine politische Meinung vertreten hat?"

=Zündkerze Perschke auf der Betriebsversammlung,Bochum o.J. (1971),S.9



Juli 1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 1.11.1971)

berichtet u.a. über die 'Opel-Post' Nr.7 (vgl. Juni 1971, Aug.1971), deren

Name in der Überschrift in 'Opel-Pest' entfremdet wird, indem das 'O' mit

dem Opel-Blitz in ein 'E' verwandelt wird:"

DER KAMPF DER OPEL-PEST FÜR 'DEMOKRATIE', 'MARKTWIRTSCHAFT' UND 'FREIHEIT',

(DIE S I E  MEINT)



Das Gespenst des Kommunismus, das seit Jahr und Tag durch die Opel-Hallen

geistert, beginnt den hauseigenen Wächter über 'Arbeitnehmermoral' und

Instandhaltung der Arbeitsplätze, der Opel-Post auf die Nerven zu gehen. Das

kleine Häuflein von 'linken Sektierern', 'Anarchisten', 'Maoisten' und was es

sonst noch alles gibt, stiftet 'Verwirrung' unter den Kollegen, 'verführt'

sie. Das sind nicht mehr die Arbeiter, wie K.H. Mai (lt. Impressum für 'Opel-

Post' verantwortlich) sie sich vorstellt! Als Stimme seines Herrn und

Brötchengebers Cunningham fühlt er sich neuerdings verpflichtet, in jeder

Ausgabe für die Werte des Abendlandes, voran die 'Unternehmerfreiheit', in

die Bresche zu springen, und an 'Vernunft' und 'Mündigkeit' der werten

'Mitarbeiter' zu appellieren. Aber es sind auch nicht mehr die Revolutionäre,

wie Cunningham und Mai sie sich vorstellen: die Sprache der 'linken Blätter'

ist nicht mehr 'die Sprache von reformbesessenen, gesellschaftlichen Wandel

anstrebenden jugendlichen Eiferern' (mit denen brauchte man sich nämlich

nicht zu beschäftigen!), 'Nein, das ist die Sprache von Anarchisten, der

'Unterdrücker von morgen'... wes Geistes Kind sie sind und was in ihren

Hirnen vorgeht, wird mit einer Karikatur 'gezeigt' (da sind dem Redakteur

offenbar die Worte ausgegangen!) - eine Karikatur, die besser die

Unterschrift trüge: 'Die Folgen von Willy Brandts 'Friedenspolitik''' (Opel

Pest 7/71, S.18)



Zustimmend wird auch die 'Christlich-soziale Arbeitnehmerschaft' (CSA der

CDU,d.Vf.) zitiert, die wie üblich gut informiert ist: diese Leute, die

'Radikalen', wollen 'Zerstörung des Arbeitsplatzes', 'Gewalttätigkeit' und

'Chaos', 'nichts als Unruhe und Unordnung' - sie ziehen

'Arbeitnehmervertreter' (gemeint: Perschke, Hahn usw.) 'in den Schmutz'. Ja,

was sie treiben, ist - 'üble Brunnenvergiftung'! Und was macht man mit

'Brunnenvergiftern'? Was hat man, was haben die Schergen der Krupp, Thyssen

usw. zwölf, Verzeihung!, 'tausend' Jahre lang mit ihnen gemacht?! In die

Dunkelzelle, in die Gaskammer mit ihnen!



Bezeichnenderweise stellt die von 'Opel-Post' mit offensichtlicher Sympathie

zitierte 'Christlich-soziale Arbeitnehmerschaft' auch fest, 'die Verhältnisse

der Zeit vor 1933 dürften sich nicht wiederholen!' (S.19) Aber was ist mit

den Verhältnissen NACH 1933? Vielleicht dürfen sich DIESE, nach Wunsch und

Willen dieser Herrschaften, wiederholen?? Es sieht fast so aus.



Merkwürdig ist allerdings, und da findet auch K.H. Mai noch keine Erklärung,

daß diese 'Extremisten', die doch 'in einer hoffnungslosen Minderheit' sind,

daß diese 'paar Scharfmacher', die 'im Trüben fischen' (Rudi Hahn) solche

'Verwirrung' stiften können. Anders als Opels Pest kennen bereits viele

Kollegen die Antwort darauf: sie lesen die ZÜNDKERZE und wissen, daß diese

'Gruppe', die KPD/ML, ihnen die Wahrheit sagt über das, was mit ihnen gemacht

wird und daß sie sich bemüht, die Wünsche und Forderungen der Kollegen

öffentlich zu vertreten. Die KPD/ML hat sich in der 'ZÜNDKERZE' bereits

mehrfach von den echten Anarchisten (die nicht in Bochum, wohl aber in

Rüsselsheim vertreten sind), distanziert, und sie tut das auch jetzt wieder

(damit dürfte der Revolutionäre Kampf (RK) gemeint sein,d.Vf.).



Wir wollen nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen und die Industrie wieder

abschaffen, sondern wir wollen vorwärts gehen, und das heißt: die

Arbeiterklasse kann sich von der Ausbeutung und Unterdrückung nur befreien,

indem sie die Diktatur der Bourgeoisie, der Kapitalistenklasse, die die

Fabriken und Maschinen und den staatlichen Machtapparat in der Hand hat,

beseitigt, weil dieses Monopol den Arbeitern nur ihre haut läßt, die sie zu

Markte tragen müssen. Und die Arbeiterklasse muß ihre eigene Diktatur, die

Diktatur des Proletariats, der großen Mehrheit der Bevölkerung, über die

Handvoll Ausbeuter und Blutsauger errichten!



Dafür ist es aber notwendig, daß sich die Arbeiterklasse eine eigene

politische Organisation schafft. Die im Aufbau befindliche KPD/ML ist diese

politische Organisation, diese politische Partei des Proletariats, die sich

aus den fortschrittlichsten Kollegen zusammensetzt. Darin unterscheiden wir

uns ganz klar von den Rüsselsheimer Anarchisten. Und weil wir mit der

Organisierung bereits Fortschritte gemacht haben, fürchtet uns die Handvoll

Aktionäre und Manager. Sie werfen uns gerne mit den Anarchisten in einen

Topf, weil sie wissen, daß die Arbeiter das planlose und unorganisierte

Vorgehen dieser Gruppen ablehnen. Auf diesen Trick darf man nicht

hereinfallen; eine Antwort darauf haben wir hiermit gegeben."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.8f



Juli 1971: 

Innerhalb der KPD/ML-ZK wird vermutlich in NRW vermutlich im Juli das

folgende Papier von 11 Seiten DIN A 4 zur MTR bzw. STR verfaßt, das uns aus

dem Besitz eines Dortmunder Mitglieds als Spiritcarbonabzug vorlag:"

ÜBER DIE AKTUELLE POLITISCHE LAGE, DIE METALLTARIFBEWEGUNG IM HERBST 1971 UND

DIE AUFGABEN DER REVOLUTIONÄREN KRÄFTE ...



Wie die staatliche

Lohn'planung' schon jetzt aussieht, wird selbst bei solch einem kleinen

Posten wie dem 13. Monatslohn deutlich: auch hier wird in Form eines

'Stufenplans' das Krisenprogramm sichtbar. Der Chemieabschluß, die Pläne für

die eisenverarbeitende Industrie zeigen dies (siehe z.B. 'Stufenplan' bei

Gesamt-Opel). ...



Das entscheidende wird also auch hier weiterhin unsere Agitprop durch unsere

Presse sein. Dabei sind vor allem drei Phasen wichtig (ebenso bei 2.): a) die

Vorbereitung der MTB durch die bestmögliche Aufklärungsarbeit bei den

Arbeitern über die größeren Zusammenhänge, in denen die MTB steht, b) das

direkte Eingreifen während der Verhandlungszeit und c) die Agitprop über den

verlauf der Verhandlungen, ihre innere Gesetzmäßigkeit nach den Verhandlungen

(Beispiel: Opel-Agitprop (in Bochum,d.Vf,) vom letzten Jahr). ...



Der Kampf gegen die Kollaboration von SPD-Regierung und US-Imperialismus.

In diesem Zusammenhang sind die kommenden Devisenverhandlungen wichtig, MTB

und Devisenverhandlungen lassen sich gut miteinander verbinden: die Yankees

fordern X-Milliarden, die erhalten sie - die Arbeiter fordern einige

Millionen und bekommen nichts. (Für die Kollegen von Opel dürfte dies

besonders einsichtig sein, werden doch Jahr für Jahr Millionen über den

großen Teich geschafft, um den dortigen Imperialisten ihre Krise mildern zu

helfen.) ...



Beim Kampf gegen die DKP-Revisionisten ist vor allem auch ihre Rolle während

bisheriger Tarifkämpfe aufzuzeigen: wie sie offen in die Bonzenärsche

gekrochen ist, wie sie Kämpfe hat abwürgen helfen oder selber abgewürgt hat

(siehe Opel 1970)."



Zum Punkt noch aktiveres Eingreifen in die ideologische Krise heißt es u.a.:"

Der Hauptschlag ist hier gegen die sozialdemokratische Ideologie und den

modernen Revisionismus zu richten. Vor allem gegen die

Mitbestimmungsideologie und den sogenannten 'Kommunismus' (was ist

Sozialimperialismus und östlicher Sozialfaschismus - siehe Agitprop in der

'Zündkerze' (Opel Bochum,d.Vf.) und im 'Röhrenkieker' 2 (Mannesmann Duisburg

- vgl. Dez. 1970,d.Vf.) sowie 'Betrieb und Gewerkschaft' Nr.2 (vgl. März

1971,d.Vf.))."

=N.N. (KPD/ML-ZK):Über die aktuelle politische Lage, die Metalltarifbewegung

im Herbst 1971 und die Aufgaben der revolutionären Kräfte,o.O. o.J. (1971)



Juli 1971: 

Laut KJVD der KPD/ML-ZB führt seine Ortsgruppe Bochum eine Werbewoche

durch, in der, vor allem vor Krupp und Opel, 140 'KDAJ' sowie die 'Rote

Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB vertrieben werden.

=Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.8,Bochum Aug. 1971



01.07.1971: 

Eine Extra-Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel

Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 28.6.1971, 5.7.1971)

erscheint mit vier Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stephan Bock,

Bochum und einem Hauptartikel zur heutigen Betriebsversammlung:"

EIN FEINES SÜPPCHEN...



Betriebsversammlung können letztlich nur zwei Zielen dienen: ENTWEDER sie sind

echte Belegschaftsversammlungen, auf denen jeder Kollege das recht hat, von

seinen gewählten Vertretern Rechenschaft zu verlangen, ob sie für ihn auch

wirklich etwas getan haben, wo gemeinsame Forderungen gestellt und deren

Durchsetzung beraten werden (dann ist solche eine BV UNSER Verdienst) - ODER

sie haben den Zweck, die Belegschaft einzulullen, damit sie nicht merkt, was

mit ihr getrieben wird (dann ist solch eine BV das 'Verdienst' der Perschke

usw.).



Kolleginnen und Kollegen!



Die 'Zündkerze' hat in der Vergangenheit schon oft genug gesagt, was sie von

den bisherigen BVs und den Hauptakteuren des Betriebsrates hält und für

welche BVs sie ist. Neues ist dem kaum hinzufügen: Wir werden unsere

Forderungen nur durchsetzen, wenn wir uns auf uns selber verlassen und nicht

auf 'Gummilöwen, rosarote Wirbelwinde' und ähnliche komische Geschöpfe.



Die heutige BV wird eine der wichtigsten für die nächste Zeit. Denn gerade

die nächste und fernere Zukunft wird zeigen, WER letztlich am längeren Hebel

sitzt: die Cunninghams, Perschkes usw. oder WIR!



Die diesjährige Metallrunde (MTR,d.Vf.) ist dafür der Schlüssel. WARUM wohl

wird in der IGM-Spitze und der IGM-Bürokratie schon seit längerer Zeit

beraten, wie man die Tarifverhandlungen über die Bühne bekommt? WARUM wohl

unternehmen  die Bonzen nichts gegen das sich immer stärker manifestierende

Lohndiktat der SPD-Regierung und der Unternehmer? WARUM wohl kommt gerade von

der IGM-Bonzokratie der Verbotsantrag 32 gegen die KPD/Marxisten-Leninisten?

WARUM wohl kursiert in der IGM-Spitze ein dickes Papier (Unterzeichner:

Brenner) gerade über und gegen die 'Maoisten'? Ein Papier, das bisher kein

Kollege zu Gesicht bekommen durfte!



Fragen eines denkenden Arbeiters, könnte man all dies in Anlehnung an Bert

Brecht nennen. Aber wir können auch in seinem Sinne die Antwort geben, eine

Antwort, die den Malocher-Beschiß bei Opel als 'Winzigkeit' erscheinen läßt.



Wir haben schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, daß alle Anzeichen für

eine Krise sprechen. Vor allem aber, daß die Arbeiter nicht mehr bereit sind,

sich die Politik der Unternehmer und ihrer Handlanger in SPD und DGB, ob nun

in wirtschaftlicher oder sonstiger Gestalt, bieten zu lassen. Die Streikwelle

der letzten 2 1/2 Jahre hat bereits ein Ausmaß erreicht, das sich mancher von

uns vor Jahren nicht hätte träumen lassen.



In solch einer Situation haben all unsere Gegner nur ein Interesse: die

Arbeiterschaft nicht stark werden zu lassen, vor allem nicht ihren linken

Kern. DESWEGEN Lohndiktat, Verbotshetze usw.!



Wenn wir heute zur BV gehen, müssen wir uns über eines im klaren sein: Jede

erneute, widerstandslose Hinnahme von Malocher-Beschiß, jede Hetze gegen die

Linken unter uns, all dies wird uns so teuer (auch im wortwörtlichen Sinne)

zu stehen kommen, daß wir uns in einigen Monaten vermutlich an den Kopf

fassen werden, wie wir nur so blöd sein konnten, wieder einmal den

Gelackmeierten zu spielen.



DENN WAS KOMMT AUF UNS ZU?



Schon heute ist die Inflationsrate so hoch, daß jeder Abschluß unter 10%

defacto einem Lohnstop gleichkommt. Der Kaufmann an der Ecke wird schön blöd

gucken, wenn wir ihm sagen, wir könnten die Preissteigerungen erst im

nächsten Jahr bezahlen, weil wir mit den alten noch nicht einmal

zurandekämen. (Außerdem: er würde uns das nicht abnehmen, solch eine

Voraussage ist auf Sand gebaut.) Jeder 'Kampf' von Bonzen Gnaden wird diesen

nur dazu dienen, den Mitgliederbestand finanziell aufzustocken, wie bei der

Chemierunde (CTR der CPK,d.Vf.) deutlich wird. Jeder Nicht-IGM-Organisierte

kann leer ausgehen (Abschlüsse in anderen Branchen zeigen das.), was nichts

anderes als Spaltung bedeutet.



Jedes Verbot der wirklichen Linken, jedes Niederhalten der gewerkschaftlichen

Opposition wird unsere Kampfkraft entscheidend schwächen.



Jeder von uns muß sich darüber im klaren sein, daß Verbot auch Verbot der

'Zündkerze' bedeutet, was in ähnlicher Form bereits 1933 und 1956 passiert

ist. Es würde dazu führen, daß wir unsere Streiks voll und ganz denen

überlassen müßten, denen wir sie gerade aus den Händen zu ringen beginnen:



den Perschke, Sonak und Co.



Und vor allem würde es dazu führen, daß alle Kapitalisten und

Arbeiterverräter ein Freudengelächter über ihre Siege anstimmten. Ein

Gelächter, das für uns nur noch härtere Aussaugung bedeuten würde. Die

Älteren unter uns kennen das seit Jahrzehnten zur Genüge.



Gegen all dies nimmt sich der Betrug mit dem 'Zwölf-Punkte-Programm'

Perschkes schamlos mickrig aus. An diese Sachen sind wir gewöhnt, daß zur

Kampfstärke der Belegschaft auch nicht der kleine Finger gekrümmt wird.



Da haben z.B. die V-Leute von Rüsselsheim schon vor acht (!) Monaten (vgl.

Nov. 1970,d.Vf.) einen Brief an Sonak zwecks besserer Zusammenarbeit

geschrieben. Dieser Brief ist bis heute nicht beantwortet, wie wir aus

Rüsselsheim erfuhren.



Wenn also Perschke heute wieder mit seinen Luftschlössern für uns ankommt,

so, Kollegen, 'vergeßt' einmal den 'kleinen' Beschiß und verlangt

Rechenschaft über den großen. Denn 'Zwölf-Punkte-Programme', die am Sankt-

Nimmerleinstag durchkommen, haben nur einen Zweck:



uns immer wieder zu vertrösten und uns dabei vergessen zu lassen, was

WIRKLICH vorgeht.



Perschke und seine Mannschaft sollen offen sagen, ob sie zu unseren 15%, zum

13.Monatslohn stehen oder nicht. Er soll sagen, wie er zur Lohndiktat-Politik

der Unternehmer UND der Bonzen in SPD und DGB steht.



Er soll sagen, ob die Prügel gegen 'Zündkerze'-Verteiler im letzten Jahr

(vgl. 9.11.1970,d.Vf.) nur Vorspiel für einen Verbotsantrag war, vor allem,

ob er hinter dem Duisburger Antrag 32 (vgl. 4.6.1971,d.Vf.) steht. (Und

sollte dieser Gummilöwe wie damals in der Universität 'verhindert' sein, als

er von den Studenten gefordert werden sollte, so soll ein anderer aus seiner

Mannschaft Farbe bekennen.)



Stellung nehmen sollen aber auch die, ja gerade die, die vorgeben,

'kommunistisch' zu sein: die DKP. Sie sollen sagen, ob sie hinter ihren

Leuten stehen, die per Handzeichen den Antrag voll und ganz unterstützt

haben.



Sollten all diese hinter den ganzen Verrätereien stehen, so ist für jeden

Kollegen offenkundig: sie stehen auf der anderen Seite.



Kollegen! Um all das geht es bereits heute.



Gebt also euren 'Vertretern' ein gebührenden Schuß vor den Bug, damit sie

wissen, womit sie zu rechnen haben:



MIT UNSERER KAMPFKRAFT"



Veröffentlicht werden auch folgende:"

FORDERUNGEN



- 13.Monatslohn FÜR ALLE. Der Kaufmann um die Ecke wird nämlich doof gucken,

wenn man ihm sagt: 'Ich bin noch kein Jahr bei Opel. Die Preissteigerung

bezahle ich dann nächstes Jahr.'



- Nicht nur einheitliche Lohntabelle, sondern Abbau der unteren Lohngruppen.

Die Kolleginnen und die ausländischen Kollegen sollen endlich gleichen Lohn

für gleiche Arbeit bekommen.



- Nicht nur 50% für alle Überstunden, sondern Einführung der 40-Stunden-

Woche. Die Arbeiterklasse kämpft seit fast 100 Jahren für den 8-Stunden-Tag,

aber Opel will seine Extra-Profite durch unsere Überstunden und

Sonderschichten nicht aufgeben. Deshalb will Perschke uns ein Stückchen

geben, damit wir weiter für die Extra-Profite malochen.



- Nicht nur 10 DM Prämie für Arbeit an arbeitsfreien Tagen, sondern nur 6

Stunden Arbeit an solchen Tagen bei vollem Lohnausgleich. Schließlich wollen

unsere Familien auch mal was von uns haben!



- Nicht nur Bezahlung von Heiligabend und Sylvester, sondern grundsätzlich

Bezahlung aller Feiertage ohne Rausholschichten.



- Weg mit dem spalterischen Punktesystem! Durch die Punktejagerei werden wir

nur aufeinander losgehetzt, anstatt daß wir in der Tarifrunde gemeinsam was

rausholen!



- Weg mit Perschke! Diese Forderung, Kolleginnen und Kollegen, können wir uns

alle im Frühjahr selbst erfüllen!!!!!!!"



In einem Leserbrief heißt es zu Fotografien von Heinz Gantenberg, Siegfried

Sonak und Heinrich Beiske:"

SO SIEHT DIE BETRIEBSVERSAMMLUNG 'VON UNTEN' AUS



Diese drei Hauptakteure werden wieder die BETRIEBSVERSAMMLUNG leiten:

- Opa Gantenberg

- 'Ich-weiß-von-nichts-Siegfried'

- der rosarote Wirbelwind.



Der freundliche Heinz paßt auf, daß auf der Betriebsversammlung nicht

'politisiert' wird; Siegfried gebührt ein Orden für die stramme Verteidigung

der IGM-Bonzen (Zeitlöhner-Punktesystem) und der rosarote Wirbelwind

verkündet Dinge, die sich bei näherem Hinsehen als Vernebelungsmanöver

herausstellen (Wirtschafts'prognosen'). In diesem 'Dreibund' fehlt nur noch

der vierte im Quartettchor: GÜNTER PERSCHKE.



Ihm obliegt die Aufgabe, den Rechenschaftsbericht des Betriebsrates

vorzutragen. Des Betriebsrates, der dank der Gnade der SPD-Regierung noch im

Amte weilt. Heute aber, bei Halbzeit dieses 'Gnadenjahres', wird Kollege

Perschke einen schweren Stand haben. Er soll nämlich Rechenschaft leisten

über sein am 18.12.1970 verkündetes Zwölf-Punkte-Programm, das wir schon

einmal bezeichnet haben als die



ZWÖLF SCHEINHEILIGEN LÜGEN!



Und nicht nur darüber soll er Rechenschaft leisten, sondern noch über einige

andere Punkte.



Also Kolleginnen und Kollegen: AUF ZUR BETRIEBSVERSAMMLUNG!!!"



Von Opel Rüsselsheim wird berichtet über die Umbenennung des eigenen 'Roten

Metallers' (vgl. 11.5.1971) in 'Zündkerze' (vgl. 5.7.1971).



Aufgerufen wird zur China-Veranstaltung der KPD/ML-ZK in Bochum (vgl.

3.7.1971). Dazu ist unserem Exemplar auch eine Ausgabe der (Dortmunder)

Zeitung 'Metallbetriebe KPD/ML informiert' versehen mit Kontaktadressen für

Bochum, Dortmund und Duisburg und rot aufgedrucktem örtlichen

Veranstaltungshinweis angeheftet.

=Zündkerze Extra Ein feines Süppchen,Bochum o.J. (1.7.1971);

Metallbetriebe KPD/ML informiert 50 Jahre KP Chinas,Bochum o.J. (1971)



01.07.1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet von den BV bei Opel Bochum (vgl. 1.4.1971,

16.9.1971):"

Auf der Betriebsversammlung bei Opel in Bochum versuchte der

Betriebsratsvorsitzende Perschke, der sich schon im letzten Jahr beim

Abwürgen der Streiks hervorgetan hatte, die Kollegen zu vertrösten: die

Tarifverhandlungen (MTR,d.Vf.) begännen doch ERST IM OKTOBER. Er leistete

sich dabei aber einen bezeichnenden Versprecher: die Tarifrunde begänne im

'Au... Oktober!'



Der 13.MONATSLOHN, für den die Opel-Kollegen letztes Jahr geschlossen

gestreikt haben (vgl. S8.**.1970,d.Vf.), soll jetzt in einem DREIJAHRESPLAN

durchgesetzt werden!"



Zu den Anträgen an den IGM-Tag (vgl. 27.9.1971) auf Verbot 'maoistischer

Gruppen', wie sie in Dortmund (vgl. Juni 1971), Duisburg (vgl. 4.6.1971),

Gelsenkirchen (vgl. Juni 1971), Gevelsberg (vgl. Juni 1971) und Hagen (vgl.

Juni 1971) gestellt wurden, berichtet die KPD/ML-ZB über die DKP, "das D'K'P-

Mitglied Jasczyk unterstützte auf einer Betriebsversammlung bei Opel in

Bochum am 1.7. dies mit dem Hinweis, daß die KPD/ML ja

'gewerkschaftsfeindlich' sei!"



Die KPD/ML-ZB berichtet zentral auch, "auf der IGM Vertreterversammlung in

Duisburg (vgl. 4.6.1971,d.Vf.) haben die D'K'P-Vertreter, allen voran

D'K'P-Lukrawka, Betriebsrat bei Rheinstahl, einen Antrag der IGM-Bonzen

auf Verbot der 'maoistischen Gruppen' mit ihren Stimmen unterstützt!



Und dies war kein Versehen; das D'K'P-Mitglied Jasczyk unterstützte auf einer

Betriebsversammlung bei Opel in Bochum (IGM-Bereich,d.Vf.) am 1.7. dies mit

dem Hinweis, daß die KPD/ML ja 'gewerkschaftsfeindlich' sei!



Die KPD/ML wird alle Angriffe, alle Verbotsdrohungen gegen revolutionäre und

demokratische Organisationen, nicht nur gegen die KPD/ML, bekämpfen und alle

Gegenmaßnahmen unterstützen; wenn die D'K'P-Führer heute das Verbot der KPD/

ML fordern, so zeigt das ihre Verrottung klar: sie wollen für ihre

Verratspolitik freie Hand haben. Die KPD/ML, die diese Verrätereien oft

aufgedeckt und viele Sympathien bei DKP-Mitgliedern gewonnen hat, soll

zerschlagen werden."



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK rief auf (vgl. 1.7.1971) und

berichtet (vgl. 5.7.1971):"

PERSCHKE AUF DER BETRIEBSVERSAMMLUNG:



'TARIFVERHANDLUNGEN IM AUG... OKTOBER!'



Kolleginnen und Kollegen, die BV hat uns zwar keinen 13.Monatslohn, dafür

aber von Perschke kreiert einen 13.Monat gebracht, den Aug... Oktober, in dem

die Tarifverhandlungen stattfinden sollen. Über die Frage der Kollegin B., ob

es Geheimverhandlungen in der Tarifrunde der Metallarbeiter geben wird, ging

er in seinem Schlußwort großzügig hinweg. Damit hat er die Gerüchte, daß

unsere Tarifrunde auf den Monat August, der der Urlaubsmonat der meisten

Automobilkonzerne ist, vorgezogen werde, noch verstärkt. Auch sonst hatten

weder Opa Gantenberg und Perschke, noch Rosa-Kadett Jasczyk und

Perschkeparadepferd Adamek es nötig auf die Tarifrunde einzugehen.



Kolleginnen und Kollegen, umso wichtiger ist es, daß wir mit Nachdruck unsere

Forderungen aufstellen! Die BV war ein erster Schritt dazu. Die auf der BV

anwesenden Kollegen stimmten einer Resolution an den Gesamtbetriebsrat und

die IGM-Bezirksstelle Essen zu, die von der Kollegin B. aufgestellt wurde.

Diese Resolution enthielt folgende Forderungen für die Tarifrunde:



1. Gegen Geheimverhandlungen in der Tarifrunde

2. 15% lineare Lohnerhöhung gleich 1 DM

3. Weg mit der Leistungsbewertung, Arbeitsplatzbewertung und Punktessystem bei

Opel

4. Abschaffung der unteren Lohngruppen

5. Absicherung der Effektivverdienste



15% LINERARE LOHNERHÖHUNG GLEICH 1 DM



Am eigenen Geldbeutel spüren wir jeden Tag, wie alles teurer wird, wie die

Preise in die Höhe schießen. Besonders gilt das für die Dinge, die wir

täglich brauchen, wie z.B. Wohnung, Lebensmittel usw.



Jede Lohnerhöhung unter 10% bedeutet effektiven Lohnstop. Da die

Inflationsrate ständig steigt, wir also für unser Geld immer weniger kaufen

können, wird dieser Lohnstop schließlich zu einem Lohnabbau führen.



Die Durchsetzung der 15% gleich 1 DM-Forderung ist nichts als ein

Verteidigungskampf, um uns das, was uns ständig durch Preistreiberei und

Steuererhöhungen geraubt wird, zurückzuholen.



Lineare Lohnerhöhung deshalb, damit die Unterschiede zwischen den einzelnen

Lohngruppen und damit unsere Spaltung nicht noch größer werden. Diesem Ziel,

die Einheit herzustellen, dient auch die dritte Forderung der Resolution.



WEG MIT:

LEISTUNGSBEURTEILUNG, ARBEITSPLATZBEWERTUNG UND PUNKTESYSTEM BEI OPEL



Diese 'Errungenschaften', die Perschke für einen Fortschritt hält, und den

uns die IGM beschert hat, haben einzig und allein den Zweck, uns

gegeneinander aufzuhetzen, uns zu Anpassung und Anschmiererei zu bringen. Wer

das am besten kann bekommt dafür mehr Lohn. Damit setzen wir aber nie die 15%

gleich 1 DM durch, denn dazu brauchen wir einheitlichen Kampf. Deshalb weg

mit Anpassung und Anschmiererei, dafür einheitlicher Kampf für 15% gleich 1

DM für alle!



WEG MIT DEN UNTEREN LOHNGRUPPEN



Neben Leistungsbeurteilung usw. haben die Unternehmer noch einen weiteren

Trick uns zu spalten.



Frauen, Ausländer und Jungarbeiter werden, obwohl sie die gleiche Arbeit

machen, in untere Lohngruppen eingestuft. Sie sollen endlich gleichen Lohn

für gleiche Arbeit bekommen.



ABSICHERUNG DER EFFEKTIVLÖHNE



Wie die Kollegin B. sagte, wird diese Forderung in diesem Jahr besonders

wichtig sein, weil die Krise vor der Tür steht. Bei den Effektivlöhnen wissen

wir schon vorne und hinten nicht, wie wir klar kommen sollen, wie soll das

erst mit den Tariflöhnen möglich sein?



Kolleginnen und Kollegen, diesen Forderungen bleiben nur noch zwei wichtige

hinzuzufügen:



1 000 DM MINDESTLOHN FÜR JEDEN



Eine Familie mit zwei Kindern kann ohne das durch Überstunden verdiente Geld

heute schon kaum noch leben. Damit unsere Familie aber auch endlich mal was

von uns hat, und wir nicht nur für die Profite der Opelbosse leben, müssen

wir versuchen, die 40-Stunden-Woche endlich zu erkämpfen. Erst mit einem

garantierten Mindestlohn von 1 000 DM netto im Monat ist das überhaupt

möglich.



RÜCKZAHLUNG DES KONJUNKTURZUSCHLAGS



Bei jeder Lohnabrechnung gab es immer wieder viel Aufregung über den

Konjunkturzuschlag. Das ist eine der Maßnahmen der SPD-Regierung zur

Vorbereitung auf die Krise, um den Kapitalisten in der Krise Geld zustecken

zu können. Wieder einmal sollen wir die Lasten der Krise tragen, während die

Bosse noch mit Profiten daraus hervorgehen. Deshalb ist eine der Forderungen

gegen die Abwälzung der Krise auf unsere Schultern: Rückzahlung des

Konjunkturzuschlags!



DER KLÄGLICHE REST DER ZWÖLF SCHEINHEILIGEN LÜGEN



Kolleginnen und Kollegen, die Tarifverhandlungen bieten uns aber auch die

Möglichkeit betriebliche Forderungen durchzusetzen. denn was uns da der

Betriebsrat zu bieten hat ist mickrig. Wie die Zündkerze nach der letzten BV

(vgl. 1.4.1971,d.Vf.) schrieb, stellten sich die zwölf Punkte jetzt endgültig

als scheinheilige Lügen heraus! Sechs fallen völlig unter den Tisch, die

Forderung nach der 10 DM Prämie bekommen wir als Beruhigungspille eingeflößt,

damit wir weiter unserem Betriebsrat vertrauen und mit den sechs Punkten, die

noch übriggeblieben sind, ist auch nicht viel los. Von der Kollegin B. darauf

angesprochen, mußte der 'Kollege' Perschke passen. Er sagte: 'Von den zwölf

Punkten sind sieben... FAST erfüllt!' gerade dieses 'FAST' steht immer als

Vertröstung im Raum, und wir sollten die gute Gelegenheit Tarifverhandlungen

wahrnehmen, dieser Taktik des Wartens und Vertröstens einen Riegel

vorzuschieben! Die Kollegen auf der BV machten dazu den ersten Schritt und

quittierten Perschkes 'fast' mit Hohngelächter und Buhrufen.



MÄRCHEN VOM HARTEN KAMPF UM DEN 13.MONATSLOHN



Wie sieht es zum Beispiel mit dem 13.Monatslohn aus: 'Kollege' Perschke kam

gerade aus Rüsselsheim zurück und berichtete ein Märchen vom 'harten Kampf'

mit der Geschäftsleitung, das so dramatisch war, daß es uns FAST zu Tränen

rührte. Aber trotz aller Dramatik konnte er eines nicht vertuschen: daß

nichts erreicht wurde. 13.Monatslohn in einem Drei-Jahres-Stufenplan,

bekommen soll es der, der 20 Jahre bei Opel arbeitet. Die anderen sollen sich

mit 81 bzw. 85% zufrieden geben. Die gleiche dramatische Schau zog der

'Kollege' Lorenz auf der BV in Rüsselsheim (vgl. S4.*.1971,d.Vf.) ab. Ob die

beiden das wohl vorher geübt haben, mit Cunningham als Lehrer?



Bei der Forderung nach Parkplatzversicherung beschränkten sie sich nach

Bericht des Opa Gantenberg auf Übernahme der Prämie, bezahlen sollen noch

immer wir.



BETRIEBLICHE FORDERUNGEN IN DER RESOLUTION



Ganz anders sehen auch hier die Forderungen in der verabschiedeten Resolution

aus.

1. Volles 13.Monatsgehalt, -lohn hier und jetzt für alle;

2. Übernahme der Parkplatzversicherung durch Opel,

3. Sechs-Stunden-Schicht an arbeitsfreien Tagen bei vollem Lohnausgleich.

4. Für eine Klimaanlage und Tee für alle.



Auch hier meinen wir von der RBG, sind nur noch einige Forderungen zu

ergänzen:

5. Bezahlung von Heiligabend und Sylvester,

6. Generell 50% für alle Überstunden,

7. Bezahlung der Mittagspause durch Opel!



OPEL UND SPD-REGIERUNG STÜTZEN US-IMPERIALISMUS



Natürlich fragen sich viele Kollegen wovon diese Forderungen bezahlt werden

sollen. Nun, nachdem Opel bereits im letzten Jahr 419 Millionen Reingewinn

über den Teich schickte, sollen in diesem Jahr allein schon als Dividende die

'Kleinigkeit' von 123 Mio. an die GM-Aktionäre ausgeschüttet werden. Davon

können die dann wie z.B. die von VW große Würstchenfeten feiern. Und was für

Würstchen bekommen wir auf der Betriebsversammlung vorgesetzt?!"



In einem Kasten heißt es:"

AKTIONÄRE SCHLEMMEN AUF UNSERE KOSTEN



Auf der letzten Aktionärsversammlung der Volkswagen AG (vgl. S4.*.1971,d.Vf.)

verkonsumierte jeder Aktionär zehn Würstchen - auf Kosten der Firma und damit

auf unsere Kosten!"



Weiter heißt es:"

Wie im kleinen, so spielt sich das Ganze auch auf höherer Ebene ab. Auch die

SPD-Regierung hat Geld genug, um jährlich einen Devisenausgleich von mehreren

100 Millionen den US-Bossen in den Rachen zu werfen. So haben sie z.B. die

technische Neuerung des 'Senkrechtlanders' (Starfighter) aus den USA

erworben. Diese einmalige Erfindung hat den ungemeinen Vorzug, daß sie nach

einer gelungenen Senkrechtlandung gar nicht mehr zu starten braucht. Darum

kann die SPD-Regierung ständig neue Sachen kaufen, wie z.B. jetzt die

Phantom-Jäger.



GM-BOSSE IN DER KRISE - BEI OPEL DIE 'FETTESTEN POLSTER SEIT EH UND JE'



Trotzdem ist klar, daß der US-Imperialismus in einer tiefen Krise steckt. Die

Wirtschaft ist zum großen Teil auf die Kriegsproduktion ausgerichtet

(Vietnam). Das gilt auch bis zu einem gewissen Grad für den GM-Konzern. Da

gerade in letzter Zeit sich die Kräfte, die für eine Beendigung des Krieges

sind, mehren, wird die Panik unter den Bossen größer.



So hat z.B. GM in einem amerikanischen Werk von 4 000 Mann 1 400 entlassen.

Unter diesen Umständen bekommen die hohen Gewinne von Opel Rüsselsheim noch

größere Bedeutung. Wie Rudi Hahn bekanntgab, hat Opel die 'fettesten Polster

seit eh und je'. Kollegen! Von diesen Polstern müssen und können unsere

Forderungen bezahlt werden. Natürlich wollen das nicht die Kapitalisten und

will daß nicht ihre SPD-Regierung. Sie tun alles, damit die riesigen

Gewinnspannen in der sich verschärfenden Krise aufrechterhalten bleiben.



SPD-REGIERUNG: RUHE AN DER LOHNFRONT



Damit die Geschäfte mit den US-Imperialisten laufen, brauchen die Bosse Ruhe

an der Lohnfront. Oder, wie Helmut Schmidt sagte: 'Wir müssen dem Volk sagen:

MEHR ARBEITEN, MEHR SPAREN, MEHR STEUERN ZAHLEN!' Wenn ausgerechnet der

VERTEIDIGUNGSminister so etwas sagt, dann muß man sich doch wirklich fragen,

ob das nicht auf die selbe Politik hinausläuft, die Goebbels schon einmal

propagiert hat: Kanonen statt Butter!



LOHNDIKTAT DER BOSSE UND IHRER HANDLANGER



Deshalb verschärfen sie die Angriffe auf unsere Lage. Für die

Tarifverhandlungen sind Lohndiktat und Lohnstop die Pfeife, nach der wir

tanzen sollen. Dieses Lohndiktat, ein Ausfluß der sog. 'Sozialpartnerschaft'.

wollen die Unternehmer und ihre Handlanger mit allen Mitteln durchsetzen.

Cunningham sagte neulich, daß selbst der 7,8%-Betrug in der Chemie (CTR der

CPK - vgl. 4.7.1971,d.Vf.) für den Metallbereich NOCH ZUVIEL sei! Brenner,

Perschke usw helfen den Bossen tüchtig, damit ihre Wünsche Wirklichkeit

werden. Wie die Sache Gestalt annimmt, sehen wir an der Forderung nach einem

13.Monatslohn, die einfach vertagt wird. So trägt auch der Betriebsrat mit

einem Krisenprogramm sein Teilchen zur Verwirklichung des Lohnstops und zur

'Stabilität' unserer Wirtschaft bei.



BVG-ENTWURF: KNEBELUNG DES BETRIEBSRATS AN DIE KAPITALISTEN



Doch damit nicht genug: sie verschärfen die Angriffe auf die Organisationen,

die wir im Kampf für die Verbesserung unserer Lage brauchen. Ganz deutlich

zeigt sich dies auch am neuen Entwurf des Betriebsverfassungsgesetzes. Nach

dem neuen Entwurf soll der Betriebsrat noch enger an die Bosse gebunden

werden und zu ihrem Werkzeug gemacht werden, als er es nach dem gültigen

Gesetz schon ist. 'Kollege' Perschke wagte es auf der Betriebsversammlung

zwar nicht mehr so direkt in den Himmel zu loben wie auf der letzten, da die

Kollegin B. einige Punkte daraus vorlas, aber er hielt es immer noch für eine

Verbesserung. Im Gegensatz dazu stimmten die Kollegen in der Resolution gegen

das neue BVG.



VERBOTSHETZE GEGEN DIE KPD/ML



Und der nächste Schritt ist die Illegalisierung der Marxisten-Leninisten. Wie

in Duisburg so hat jetzt auch der Kreisverband Ennepe (Gevelsberg,d.Vf.) der

IGM einen Verbotsantrag gegen die KPD/ML beschlossen. Was viele Kollegen beim

Lesen des Extrablatts der Zündkerze (vgl. 21.6.1971,d.Vf.) nicht glauben

wollten, rückt jetzt immer näher. Von der Kollegin B. aufgefordert, dazu

Stellung zu nehmen, stellten sich der 'Kollege' Perschke, Kollege Jasczyk vom

Rosa Kadett und Kollege Adamek von der SPD-Betriebsgruppe, der vorher noch

laut von der Profitgier der Kapitalisten getönt hatte, hinter diesen

Verbotsantrag. Dabei stützten sie sich auf verleumderische Hetze, daß die

Marxisten-Leninisten antigewerkschaftlich seien und wir aber eine starke

Gewerkschaft brauchten und nicht die Zündkerze.



GEWERKSCHAFTEN JA! ABER NICHT SOLCHE!



Kolleginnen und Kollegen, wie oft haben wir geschrieben, wir brauchten

Gewerkschaften, aber nicht solche. Wenn sie mit 'gewerkschaftlich' meinen,

den Bonzen in den Arsch zu kriechen und ihre Politik zu unterstützen, dann

haben wir allerdings etwas dagegen. Was wir unter 'gewerkschaftlich'

verstehen, ist etwas anderes. Wir brauchen einen starken V-Leute-Körper, aber

nicht einen, der auf der Seite der Kapitalisten steht, sondern einen, der auf

unserer Seite steht, in dem die Kollegen sind, die sich am meisten für uns

einsetzen. Wir brauchen Gewerkschaften, aber nicht solche, die mit den

Kapitalisten und der SPD-Regierung gemeinsame Sache machen, uns ans

Lohndiktat der Bosse und ihrer Regierung binden, sondern solche, die unsere

Interessen vertreten und wir brauchen eine kommunistische Partei, die aus den

fortgeschrittensten Kollegen besteht und unseren Kampf für den Sozialismus

anführt.



KAMPF DEM LOHNDIKTAT



Kolleginnen und Kollegen, die Tarifverhandlungen stehen vor der Tür. Die SPD-

Regierung und die Gewerkschaftsbonzen wollen uns das Lohndiktat aufzwingen.

Gerade die Metall-Tarifverhandlungen haben eine zentrale Bedeutung. In der

IGM sind die meisten organisiert, sie ist die größte Gewerkschaft im DGB.

Wenn sie hier das Lohndiktat durchsetzen, werden sie es in allen Bereichen

schaffen. Die Kapitalisten, SPD-Regierung, Gewerkschaftsbonzen bereiten sich

gut darauf vor. In den bisherigen Verhandlungen hatten sie ZWEI TAKTIKEN:

- Geheimverhandlungen wie im Bergbau (BETR der IGBE,d.Vf.), oder

- Abwiegelung in Streiks wie in der Chemie,

um den Bossen zu beweisen, daß sie am besten in der Lage sind, das Lohndiktat

durchzusetzen. Dann werden sie wahrscheinlich solche Kollegen wie Jasczyk

oder Perschkes Paradepferd Adamek vorschicken, die sich mit 'radikalem'

Getöne an die Spitze stellen, um im entscheidenden Moment abwiegeln zu

können. Wie so etwa geht, hat der Kollege Jasczyk ja schon beim letzten

Streik (vgl. S5.**.197*,d.Vf.) geübt, als er die Kollegen der B-Schicht vor

dem Humboldt-Eck aufrief, Perschke zu vertrauen und wieder an die Arbeit zu

gehen. Was sie versuchen werden mit allen Mitteln zu verhindern, ist, daß

fortschrittliche Kollegen den Streik anführen. Dabei schrecken sie dann auch

nicht vor Kündigungen zurück. Wie z.B. der Kollege Schütter in Bremen (bei

Klöckner - vgl. S6.**.196*,d.Vf.) entlassen wurde. Genauso versuchte Perschke

auf der BV, einen Keil zwischen die Kollegin B. und die Kollegen zu treiben,

indem er die Lüge aufstellte, B. sei eine Studentin, die nicht zur

Belegschaft gehöre und nur vorübergehend bei Opel arbeite. Das ist genau die

Taktik, die in den Arbeitgeber-Richtlinien empfohlen wurde: Versuchen, die

'Rädelsführer' zu isolieren. Wir hoffen nur, daß mit dem 'vorübergehend'

nicht gemeint ist, daß die Kollegin B. wie der Kollege Schütter gekündigt

werden soll! Eine Möglichkeit, dies richtig zu stellen, gab es auf der BV für

die Kollegin B. natürlich nicht. Wie auf einer der letzten

Betriebsversammlungen in Langendreer und bei Hoesch (in Dortmund - vgl.

S6.*.1971,d.Vf.) wurde auch in diesem Fall das Mikrophon abgestellt.



GEGEN GEHEIMVERHANDLUNGEN



Kolleginnen und Kollegen! Da es gerade in der Metallindustrie in den letzten

Jahren wieder zu Streiks kam und Perschke gesagt hat, 'die Tarifverhandlungen

im Aug-Oktober', ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß es Geheimverhandlungen

bei uns geben wird. Entweder werden sie versuchen, uns bereits am 9.August

vor vollendet Tatsachen zu stellen, oder etwas später, wenn die anderen

Automobilkonzerne Urlaub machen. Darauf müssen wir vorbereitet sein, es gilt

jetzt, Augen und Ohren auf und sich auszuruhen für einen heißen Sommer! Dann

dürfen wir nicht noch einmal auf solche Kollegen wie Perschke, Jasczyk oder

Adamek reinfallen, sondern müssen wir genau prüfen, wer auf unserer Seite

steht und wer auf der Seite des Feindes steht. Nur dann können wir unsere

Forderungen durchsetzen. Die Resolution auf der BV war der erste Schritt

dazu:



RESOLUTION UND UNSERE FORDERUNGEN:



1. GEGEN GEHEIMVERHANDLUNGEN IN DER TARIFRUNDE

2. 15% LINEAR LOHNERHÖHUNG GLEICH 1 MARK

3. WEG MIT LEISTUNGSBEURTEILUNG, ARBEITSPLATZBEWERTUNG UND PUNKTESYSTEM BEI

OPEL

4. ABSCHAFFUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN

5. ABSICHERUNG DER EFFEKTIVVERDIENSTE

6. 13.MONATSLOHN

7. ÜBERNAHME DER PARKPLATZVERSICHERUNG DURCH OPEL

8. SECHS-STUNDEN-SCHICHT AN ARBEITSFREIEN TAGEN BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH

9. FÜR EINE KLIMA-ANLAGE UND TEE FÜR ALLE

10. GEGEN DAS NEUE BVG



Und das sind noch einmal unsere Ergänzungen:



11. TAUSEND MARK GARANTIERTER MINDESTNETTOLOHN FÜR JEDEN

12. RÜCKZAHLUNG DES KONJUNKTURZUSCHLAGS

13. BEZAHLUNG VON HEILIGABEND UND SYLVESTER

14. GENERELL 50% FÜR ALLE ÜBERSTUNDEN

15. BEZAHLUNG DER HALBSTÜNDIGEN PAUSE DURCH OPEL"



Die OG Würzburg der KPD/ML-ZK im IGM-Bereich (vgl. 12.7.1971) sowie deren

Rote Betriebsgruppe (RBG) Noell-Salzgitter (vgl. 12.7.1971) berichten

ebenfalls über Perschkes Versprecher.

=KPD/ML-ZK-OG Würzburg:Dreieinigkeit erzwingt Lohnstop,Würzburg o.J. (Juli

1971),S.2;

KPD/ML-ZK-OG Würzburg-RBG Noell/Salzgitter:Generalprobe für die

MetallTarifrunde,Würzburg o.J. (Juli 1971),S.2;

Zündkerze Perschke auf der Betriebsversammlung und Extra Ein feines

Süppchen,Bochum o.J. (1971) bzw. o.J. (1.7.1971),S.1ff bzw. S.1ff;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.51 und 53,Bochum 7.7.1971 bzw.

14.7.1971,S.8 bzw. S.4f und 7



03.07.1971: 

Die KPD/ML-ZK will in Bochum eine Veranstaltung zum 50. Jahrestag der KP

Chinas durchführen. U.a. sollen ab 19 Uhr im Kortländer an der Dorstener/

Ecke Herner Straße Ausschnitte aus dem Film 'Der 9. Parteitag der KP Chinas'

sowie der Film 'Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse, Teil 1' gezeigt werden.



Aufgerufen wird mit einem Flugblatt, das so auch im Dortmunder Metallbereich

bei Hoesch (vgl. 28.6.1971) verteilt wurde.

=Metallbetriebe KPD/ML informiert 50 Jahre KP Chinas,Bochum o.J. (1971)



03.07.1971: 

Die KPD/ML-ZB berichtet aus dem Prismakino in Bochum:"

Am 3.7.1971 veranstaltete das ZB der KPD/ML und das KJ-Inform (KJI des KJVD,

d.Vf.) eine Feier zum 50. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei

Chinas. An dieser Veranstaltung nahmen über 500 Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet

teil, sowie viele Genossen und Freunde aus Westdeutschland und Westberlin.

Auf der Veranstaltung wurde zum ersten Mal in Deutschland der Dokumentarfilm

'Das Kanalsystem Rote Fahne' (... (vgl. Mai 1971,d.Vf.)) gezeigt."



Die KPD/ML-ZB berichtet in einer Broschüre bzw. Sondernummer des 'KND' vom

10.7.1971:"

ES LEBE DIE RUHMREICHE KOMMUNISTISCHE PARTEI CHINAS



BERICHT VON DER FEIER DER KPD/ML UND DES KJVD ZUM 50.JAHRETSGA DER GRÜNDUNG

DER KPCH AM 3.JULI 1971



Am 1.Juli feierte die Kommunistische Parte Chinas (KPCh) ihr 50-jähriges

Bestehen. Dieser Jahrestag war für die KPD/ML Anlaß, die Erfolge und Siege

der KPCh in ihrer 50-jährigen Geschichte zu ehren und als noch junge Partei

aus den Erfahrungen der chinesischen Genossen für den Kampf der westdeutschen

Arbeiterklasse zum Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie zu lernen. Das

Zentralbüro der KPD/ML bekam von den chinesischen Genossen den Film 'Das

Kanalsystem 'Rote Fahne'' zur Verfügung gestellt. Dieser Film war erst im

vorigen Jahr von den Arbeitern der Zentralen Wochenschau- und

Dokumentarfilmstudios fertiggestellt und im Frühjahr dieses Jahres zum ersten

Mal aufgeführt worden. Seine Aufführung am 3. Juli in einem Bochumer Kino war

der Höhepunkt einer Feier, die das Zentralbüro der KPD/ML und das KJ-Inform

des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland (KJVD), der

Jugendorganisation der KPD/ML, unter dem Titel: 'Es lebe die ruhmreiche

Kommunistische Partei Chinas' veranstalteten.



Die Feier fand mitten im Ruhrgebiet, dem industriellen Zentrum

Westdeutschlands, statt. Tage vorher wurde in zehn Betrieben des Ruhrgebiets,

in denen die Partei und der Jugendverband Betriebsgruppen besitzen und

regelmäßig Betriebszeitungen herausgeben, für diese Veranstaltung geworben.

Die Erfolge beim Aufbau des Sozialismus in der Volksrepublik China wurden in

den Betriebszeitungen geschildert, in den beiden Zentralorganen, der ROTEN

FAHNE und dem KAMPF DER ARBEITERJUGEND (RF bzw. KDAJ,d.Vf.) erschienen

ausführliche Artikel über den Weg des sozialistischen Chinas und über den

Charakter der Großen Proletarischen Kulturrevolution. Zusätzlich gab die

Propagandaabteilung eine 91-seitige Broschüre unter dem Titel: 'Es lebe die

ruhmreiche Kommunistische Partei Chinas' (vgl. 1.7.1971,d.Vf.) heraus, die

anschaulich und reich bebildert über die Prinzipien und Erfolge des

sozialistischen Aufbaus, sowie Grundlagen und Verlauf der Großen

Proletarischen Kulturevolution berichtet. So erfuhren viele westdeutsche

Arbeiter die Tatsachen über das heutige China und die Lügenberichte der

westlich-bürgerlichen Presse wurden entlarvt.



Für die Feier waren Karten gedruckt worden, die teilweise vor Betrieben

verkauft wurden. Aus allen Landesverbänden der Partei erschienen Vertretungen

zur Veranstaltung. Der Vorraum des Kinos wurde mit Bildern der großen Lehrer

und Führer der Arbeiterklasse, mit Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-

tung, sowie Plakaten vom Befreiungskampf der indochinesischen Völker

geschmückt. Auf zwei Tischen lag Literatur zum Verkauf aus. Der Zentrale

Arbeiterverlag (ZAV,d.Vf.) bot sein Verlagsprogramm an, darunter den

Sammelband: Lenin, 'Über Agitation und Propaganda', die bisher erschienenen

Bände von Stalins gesammelten Werken und Broschüren des Zentralbüros der KPD/

ML über 'Die Etappen des Parteiaufbaus und die Aufgaben der KPD/ML', über die

falsche Linie der Gruppe 'Roter Morgen' (KPD/ML-ZK,d.Vf.) und die Broschüre

'Vorwärts im Geiste des 1.Mai' zur Agitation unter mit der KPD/Ml

sympathisierenden Arbeitern. Ebenso konnten die Ausgewählten Werke Mao Tse-

tungs und verschiedene andere Propagandabroschüren der chinesischen Genossen

gekauft werden.



Bereits einige Zeit vor Beginn der Feier herrschte auf der Straße vor dem

Kino und im Vorraum lebhafter Andrang. Über den Kinolautsprecher ertönten die

traditionellen Kampflieder der deutschen Arbeiterklasse und ihrer Partei, der

KPD, in deren Tradition die KPD/ML steht. Diese Lieder verliehen der Feier

von vornherein eine festliche Stimmung. Die Genossen aus allen

Landesverbänden der Partei und des Jugendverbandes trafen sich, tauschten

Erfahrungen aus - unter ihnen die Kollegen aus den Betrieben, die durch die

breite Agitation und Propaganda unter den Massen der Arbeiterklasse über die

beiden Zentralorgane sowie den insgesamt über 45 Betriebszeitungen der Partei

und des Jugendverbandes gewonnen wurden. Die Literaturverkäufer hatten alle

Hände voll zu tun, um die Verkaufswünsche zu befriedigen. So konnten fast

hundert Bände der Ausgewählten Werke Mao Tse-tungs verkauft werden. Insgesamt

wurde Literatur im Werte von 750 DM verkauft. Das zeigt, welch breites

Interesse die Mao Tse-tung-Ideen und auch die Ziele und Vorstellungen der

KPD/ML außerhalb der engen Reihen der Partei und des Jugendverbandes finden.



Langsam füllte sich der Saal, in dem der Film gezeigt wurde. Auf der Bühne

war ein mit rotem Stoff verkleidetes Rednerpult aufgestellt. Von der Leinwand

leuchtete das Bild des großen Vorsitzenden der KPCh und des Führers des

chinesischen Volkes, Mao Tse-tung. Damit zeigten KPD/ML und KJVD, daß sie

sich in ihrer Arbeit von den Mao Tse-tung-Ideen als scharfer Waffe im Kampf

gegen den Revisionismus leiten läßt, zeigte den Geist der brüderlichen

Verbundenheit mit der ruhmreichen KPCh.



Als der Saal dicht gefüllt und die 550 Plätze des Kinos fast vollständig

besetzt waren, eröffnete ein Vertreter des Zentralbüros der KPD/ML die Feier.

Anschließend sprach ein Vertreter des KJ-Inform.



'Genossen!



Ich begrüße Euch im Namen des Zentralbüros der Kommunistischen Partei

Deutschlands/Marxisten-Leninisten zur Feier des 50.Jahrestags der Gründung

der Kommunistischen Partei Chinas. Ich begrüße insbesondere den Vertreter der

Organisation der griechischen Marxisten-Leninisten (OGML,d.Vf.). (Lang

anhaltender Beifall)



Genossen, die Kommunistische Partei Chinas hat drei Jahrzehnte an der Spitze

des bewaffneten Kampfes des chinesischen Volkes gegen Imperialismus und

Reaktion gestanden. Sie hat in den 21 Jahren des Sieges der Revolution und

nach der Gründung der Volksrepublik China den Aufbau des Sozialismus in China

geleitet. Der Genosse Mao Tse-tung, der Führer der Kommunistischen Partei

Chinas, sagt: 'Eine disziplinierte Partei, die mit der Theorie des Marxismus-

Leninismus gewappnet ist, die die Methode der Selbstkritik anwendet und mit

den Volksmassen verbunden ist, eine Armee, die unter Führung einer solchen

Partei steht, eine von einer solchen Partei geführte Einheitsfront aller

revolutionären Klassen und aller revolutionären Gruppen, das sind die drei

Hauptwaffen, mit denen wir die Feinde besiegt haben.'



Genossen, das große Beispiel der Kommunistischen Partei Chinas zeigt uns die

überragende Bedeutung einer wirklich marxistisch-leninistischen Partei.l Sie

wird zur Hauptwaffe in den Händen der Arbeiterklasse und kann die Volksmassen

zum Sieg über alle Unterdrücker und Ausbeuter führen.



Unsere junge Partei muß von der großen und ruhmreichen Kommunistischen Partei

Chinas lernen. Unsere Partei kann aber auch durch dieses große Beispiel ihre

Siegesgewißheit verstärken. Genauso wie die Kommunistische Partei Chinas wird

auch unsere junge KPD/ML die Arbeiterklasse und alle werktätige Schichten in

Stadt und Land schließlich zum Sturz der Ausbeuterordnung in Westdeutschland

führen und die Arbeiterklasse wird auch hier ihre demokratische Diktatur

errichten und mit ihrer Kommunistischen Partei an der Spitze den Sozialismus

aufbauen. (Langer Beifall)



Genossen! Es lebe unsere junge Kommunistische Partei Deutschalnds/Marxisten-

Leninisten (Beifall). Es lebe unser großes Vorbild, die Kommunistische Partei

Chinas, der wir an dieser Stelle noch einmal unsere herzlichsten Glückwünsche

und Kampfesgrüße zum 50.Jahrestag ihres Entstehens entbieten (Langer

Beifall). Es lebe der Führer des internationalen Proletariats, der erste

Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, der Genosse Mao Tse-tung (Lang

anhaltender Beifall). Es lebe die ruhmreiche Kommunistische Partei Chinas

(Langer Beifall).



Genossen! Damit ist die Feier zum 50.Jahrestag der Gründung der

Kommunistischen Partei Chinas eröffnet (Beifall).



Ich will kurz das Programm der Veranstaltung bekanntgeben, da es einige kurze

Änderungen gegeben hat.



Nach dieser Begrüßung hat ein Vertreter des KJ-Inform (KJI,d.Vf.) des

Kommunistischen Jugendverband Deutschlands das Wort. Danach folgt der Film

'Das Kanalsystem 'Rote Fahne'', der zum erstenmal im Frühjahr dieses Jahres

in China aufgeführt wurde. Er ist hergestellt von den Arbeitern der Zentralen

Wochenschau- und Dokumentarfilmstudios der Volksrepublik China. Er berichtet

über den Bau eines künstlichen Bewässerungssystems im Kreis Lin. Das ist ein

großartiges Beispiel für das revolutionäre Kunstschaffen des chinesischen

Volkes. Ich möchte noch bemerken, daß dieser Film heute zuerst in Deutschland

aufgeführt wird, daß wir außerdem den Originalkommentar, den chinesischen

Kommentar, in eine deutsche Fassung gebrsacht haben.



Nach diesem Film folgt dann die Rede des Vertreters des Zentralbüros der

Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten.



Nach dieser Rede werden wir die Feier mit dem Singen der 'Internationale'

beenden.



Es hat das Wort der Vertreter des KJ-Inform des Kommunistischen Jugendverband

Deutschlands: (Beifall)'



'Liebe Genossen und Freunde!



Das chinesische Volk und alle Revolutionäre und fortschrittlichen Menschen

feiern in diesen Tagen den 50.Jahrestag der Gründung der Kommunistischen

Partei Chinas. Für die Arbeiterjugend Wetsdeutschlands bedeutet dies

zweierlei: Das Beispiel der ruhmreichen Kommunistischen Partei Chinas ist

auch für uns eine wichtige Lehre auf dem Weg zur sozialistischen Revolution,

zur Errichtung des Arbeiter- und Bauernstaates. Die Betrachtung des Wegs, den

das chinesische Volk unter Führung seiner Kommunistischen Partei gegangen

ist, zeigt uns aber auch die besondere Rolle und die besonderen Aufgaben der

Arbeiterjugend und ihres Jugendverbands.



Von den Jahren des Aufbaus der Kommunistischen Partei Chinas bis zur erneuten

Erprobung ihrer revolutionären Kraft in den Jahren der Kulturrevolution hat

die chinesische Jugend fest an der Seite der Partei gestanden und nach

Kräften die Revolution vorangebracht. Besonders große Verdienste hat sie sich

in der Großen Proletarischen Kultutrrevolution erworben. Auf dem Gebiete der

Ideologie, der Kultur und Erziehung fanden die ersten großen Kämpfe um die

Weiterführung der sozialistischen Revolution gegen die Angriffe der Verräter

um Liu Schao-tschi statt. Die chinesische Jugend hat hier das Banner der Mao

Tse-tung-Ideen hochgehalten.



Nicht umsonst war der Aufmarsch von elf Millionen Jugendlichen in Peking der

Auftakt der Massenbewegung während der Kulturrevolution.



Was war nun die Große Proletarische Kulturrevolution und wie wurde sie

durchgeführt?



Lange Zeit nach der Errichtung des sozialistischen Staates hat die

Arbeiterklasse noch nicht in allen Bereichen des Staates die Führung gehabt.

Das ist eine Erscheinung, die es in jedem Staat der Diktatur des Proletariats

gibt. Nachdem die Kapitalistenklasse ökonomisch und politisch besiegt und

entmachtet ist, existieren noch immer eine Reihe von Vertretern des

Kapitalismus, vor allem auf dem Gebiete der Kultur, des Bildungs- und

Erziehungswesens. Hier herrschen noch viele bürgerliche Ideen in den Köpfen

der Menschen. Von hier aus versuchen Renegaten und Verräter in und außerhalb

der Partei, die den kapitalistischen Weg gehen, die Diktatur des Proletariats

in eine Diktatur des Kapitals umzuwandeln. Deshalb muß gerade auf diesem

gebiete auch nach der Errichtung der Staatsmacht der Arbeiter und Bauern ein

scharfer Klassenkampf geführt werden.



Die Revisionisten in China hatten vor allem in den Universitäten die Führung

inne. Sie isolierten die Studenten von den Massen, anstatt sie mit ihnen zu

verbinden. Sie lehrten sie, die alten bürgerlichen wissenschaftlichen

Autoritäten anzubeten, sie verwehrten den Arbeitern und Bauern den Zutritt

zur Universität. So verhinderten sie, daß auch die Wissenschaft in den Dienst

des Volkes gestellt wurde.



Im Zuge der Großen Proletarischen Kulturrevolution stellte das proletarische

Hauptquartier in der Partei den Massen der Arbeiter, Bauern und

revolutionären Intellektuellen die Aufgabe, diese Bastion der Kapitalisten

für die Arbeiterklasse zu erobern.



Im Laufe dieses Klassenkampfes um die Führung in der Erziehung schärfte die

Arbeiterklasse ihr politisches Bewußtsein immer mehr. Durch das ständige

Studium der Lehren Mao Tse-tungs gelang es immer besser, die

revisionistischen Lehren zu entlarven. Der Weg der Werkzeugmaschinenfabrik

Schanghai ist ein anschauliches Beispiel, wie im Kampf der proletarischen

gegen die kapitalistische Linie im Erziehungswesen die proletarische Politik

schließlich das Kommando übernommen hat. Die Arbeiter der

Werkzeugmaschinenfabrik Schanghai waren mit den Technikern ihrer Fabrik nicht

zufrieden. Etliche von ihnen besaßen viele Bücher, redeten weise daher, vor

allem gegenüber den Arbeitern kehrten sie ständig ihre Klugheit heraus. In

Wirklichkeit aber schafften sie nichts. Ein bürgerlicher Experte verbrachte

erfolglos acht Jahre mit Versuchen, eine Schleifmaschine zu entwerfen und

vergeudete dafür eine Unmenge staatlicher Mittel. Aber er hatte eine große

Menge von sogenannten Daten sich selbst als Kapital gesammelt, um sich Namen

und Gewinn zu verschaffen.



Die Arbeiter sagten dazu: 'Wie kann man von einem solchen Menschen das

geringste Gefühl für unsere neue Gesellschaft erwarten? Die neue Gesellschaft

braucht Menschen, die alle ihre Fähigkeiten in den Dienst des Volkes

stellen'.



Deshalb wählten die Arbeiter schließlich aus ihren eigenen Reihen die

revolutionärsten Kollegen aus, die sie auf die Schanghaier Schule schickten,

damit sie sich dort selbst das nötige Wissen aneignen.



Aber auch im Schanghaier Institut für Maschinenbau hatten die Revisionisten

und Renegaten um Liu Schao-tschi noch die Führung inne. Sie versuchten, durch

Aufnahmebeschränkungen und Prüfungen die Arbeiter aus der Hochschule

fernzuhalten. Sie lehrten die Studenten weiterhin, die bürgerlichen

Autoritäten anzubeten und isolierten die Hochschule von den Massen.



Gewappnet mit den Lehren Mao Tse-tungs über die Revolution im Bildungswesen

eröffneten die revolutionären Arbeiter, Studenten und Lehrer des Schanghaier

Instituts im Jahre 1958 einen scharfen Angriff auf die revisionistische Linie

in der Ausbildung. Sie setzten es sich zur Aufgabe, die Universitäten in den

Dienst des Volkes zu stellen, die Studenten mit den Massen zu verbinden, vor

allem Arbeiter- und Bauernstudenten zu fördern und das Studium mit der

praktischen Arbeit zu verbinden.



Viele neue revolutionäre Dinge tauchten im Institut auf. So zum Beispiel

Vorlesungen von Arbeitern, Leiten der Schule durch die Dreierverbindung von

Arbeitern, Lehrern und Studenten, Errichtung einer Fabrik durch das Institut.

Die Studenten begannen, sich gegenseitig bei der Bewältigung des Studiums zu

helfen.



Das Ziel der Arbeiter- und Bauernstudenten war es, in der Produktion

anzuwenden, was sie gelernt hatten. Als sie von der Schule zur praktischen

Arbeit in eine Fabrik in Wushi geschickt wurden, zogen sie sofort die

ölverschmierten Overalls an und halfen in der Fabrik durch mehr als 120

Vorschläge für technische Neuerungen.



Am Schanghaier Institut für Maschinenbau hatte die proletarische Politik das

Kommando übernommen. Vorsitzender Mao Tse-tung hat sie deshalb zum Vorbild

für ganz China gemacht. Er sagte: 'Es ist noch immer notwendig, Hochschulen

zu betreiben' Hier spreche ich hauptsächlich von naturwissenschaftlichen und

technischen Hochschulen. Aber die Dauer der Schul- und Studienzeit muß

verkürzt und das Erziehungswesen muß revolutioniert werden. Die proletarische

Politik muß das Kommando übernehmen. Man muß den Weg der

Werkzeugmaschinenfabrik Schanghai gehen, Techniker aus der Arbeiterschaft

heranzubilden. Man muß die Studenten aus den Reihen der Arbeiter und Bauern

mit praktischer Erfahrung wählen, die nach einigen Jahren Hochschulstudium

wieder in die Praxis der Produktion zurückkehren sollen'.



Das Ergebnis des Weges der Werkzuegmaschinenfabrik Schanghai, das Ergebnis

des Kampfes zweier Linien im Erziehungswesen waren gebildete Werktätige mit

sozialistischem Bewußtsein. Techniker, die ihre Kenntnisse in den Dienst des

Volkes stellten. Sie leisten fortan ihren Beitrag zum Aufbau des Sozialismus.



Der Sieg der Großen Proletarischen Kulturrevolution und die Sicherstellung

des weiteren Aufbaus des Sozialismus sind ein leuchtendes Beispiel für die

Arbeiterjugend aller Länder. Die großen Erfolge, die das chinesische Volk auf

allen Gebieten seiner Arbeit erringt, waren und sind nur möglich durch die

Führung der Kommunistischen Partei. Genosse Mao Tse-tung sagt: 'Die

Kommunistische Partei Chinas ist der führende Kern des ganzen chinesischen

Volkes. Gäbe es keinen solchen Kern, dann könnte die Sache des Sozialismus

nicht siegen'.



Der führende Kern des deutschen Volkes ist die Kommunistische Partei

Deutschlands/Marxisten-Leninisten. Der Sturz des Kapitalismus, die Errichtung

der Arbeiter- und Bauernmacht ist nur möglich unter der Führung der

Kommunistischen Partei.



Für den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands heißt das, sich fest unter

der Führung der KPD/ML zusammenzuschließen und so seinen Beitrag für den Sieg

des Sozialismus zu leisten (Langer Beifall).'



Diese beiden Reden wurden mehrfach von Beifall unterbrochen, vor allem an den

Stellen, an denen die Verbundenheit der beiden Parteien, der KPD/ML und der

KPCh betont wurde. Besonders herzlich wurden die Vertreter der Organisation

Griechischer Marxisten-Leninisten begrüßt. Zwischen der Organisation und der

KPD/ML bestehen seit einiger Zeit enge Beziehungen der gegenseitigen

Unterstützung. Beide Reden zeigten ebenfalls, daß die Erfolge und Siege der

KPCh im Kampf gegen den modernen Revisionismus und die Verräter in den

eigenen Reihen ein Ansporn für die Arbeit der Partei und des Jugendverbandes

sind.



Die beiden Reden vergößerten die Aufmerksamkeit und Spannung der Besucher,

mit denen sie dem chinesischem Film entgegensahen. Es war von vornherein

deutlich, daß es nicht nur ein Film aus einem fernliegenden Land war, sondern

Teil des weltweiten Kampfes gegen Imperialismus, Sozialimperialismus und

Revisionismus, für die Befreiung der Völker vom imperialistischen Joch und

für den Sieg des Sozialismus.



'DAS KANALSYSTEM 'ROTE FAHNE'



Unser großer Lehrer und Führer, Vorsitzender Mao, lehrt:

'Wir müssen China verändern, indem wir uns vom Geist des Yü Gung leiten

lassen, der Berge versetzte.'



Der Kreis Lin in der Provinz Honan ist ein berühmter Vortrupp beim

sozialistischen Aufbau der Landwirtschaft in unserem Lande. Er ist ein rotes

Banner an der Front der wassertechnischen Arbeiten.



Die heldenhaften Volksmassen des Kreises Lin haben in einem langen Kampf

ihrem Distrikt ein völlig neues Gesicht gegeben. Nach dem Vorbild der

Volkskommune Datschai haben sie ein künstliches Bewässerungssystem gebaut. In

zehnjähriger Arbeit wurde mitten im Taihang-Gebirge das Kanalsystem 'Rote

Fahne' errichtet.



Der Bau der Kanäle hat das Gesicht des Distrikts völlig verändert. Früher

herrschte in neuen von zehn Jahren Trockenheit und Trinkwasser war so teuer

wie Öl. Heute ist das Gebirge von Kanälen durchzogen, die Trockenheit und

Überschwemmungen verhindern und Jahr für Jahr eine gute Ernte garantieren.



Früher war der Ernteertrag gering, das Gelände ist äußerst gebirgig und die

Erdschicht ist nur sehr dünn. Außerdem herrschte ein ständiger Wassermangel.

Das Gebiet war äußerst unfruchtbar und die Bauern sorgten sich Tag und Nacht,

denn sie mußten auch noch hohe Steuern und Pachtzinsen bezahlen.



Von den 500 Dörfern des Kreises Lin litten mehr als 300 unter einem ständigen

Wassermangel, und viele dieser Dörfer hatten nicht einmal einen Brunnen.



Unter großen Anstrengungen wurden von den Bauern in einigen Dörfern tiefe

Brunnen gegraben, aber sie erschlossen nur kleine Wassermengen und es war

äußerst mühsam, das Wasser heraufzuziehen.



Oft mußte mehr als die Hälfte der Bevölkerung das ganze Jahr über die Berge

wandern, um über Entfernungen von zig-Kilometern Trinkwasser zu den Dörfern

zu tragen.



Nach der Befreiung wurden unter Führung der Kommunistischen Partei einige

wassertechnische Arbeiten durchgeführt. Für einen Teil des Kreises wurde so

die Wasserversorgung gesichert. Aber die Quellen waren nur klein und in den

Trockenperioden versiegten sie völlig. Das war ein großes Hindernis beim

Aufbau des Sozialismus.



Geleitet von der Lehre Mao tse-tungs: 'Die wassertechnischen Arbeiten sind

eine Lebensfrage für die Landwirtschaft' ging die Bevölkerung daran, das

Gebirge umzugestalten, um aus der Provinz Chansi Wasseer herbeizuleiten und

so das Wasserproblem endgültig zu lösen.



Des Laufg des Changho-Flusses muß völlig verändert werden. Man muß ihn mitten

durch das Gebirge leiten. Dazu müssen mehr als 50 Berge durchschnitten, 42

Tunnel gegraben und mehr als ein Dutzend Brücken gebaut werden. Man muß einen

Hauptkanal mit einer Länge von 70 km, einer Breite von 8 m und einer Tiefe

von 4,3 m bauen, der eine Strömungsgeschwindigkeit von 25 Kubimetern pro

Sekunde zuläßt.



Um das Wasser im gesamten Kreis Lin zu verteilen, müssen weitere der

Abzweigkanäle mit einer Gesamtlänge von 175 km angelegt werden.



Zur Vollendung des Kanalsystems müssen weitere 481 kleine Kanäle mit einer

Gesamtlänge von 948 km, 75 Tunnel, 91 Aquädukte, 14 Kraftwerke und über 3 000

Wasserbehälter und Staubecken gebaut werden. Dies alles schafft die

Voraussetzung für den weiteren Aufbau der landwirtschaftlichen und

industriellen Produktion im Kreise Lin.



Das Projekt wurde im Jahre 1960 mit dem Namen 'Den Fluß Changho in den Kreis

Lin leiten' begonnen. Bei den verrätern, die den kapitalistischen Weg gingen,

mit Liu Schao-tschi an der Spitze, riefen die Bauarbeiten von Anfang an

äußersten Haß hervor. Sie wollten sogar die Einstellung der Bauarbeiten

erzwingen. Aber das heldenhafte Volk von Lin trat dieser Handvoll

Klassenfeinden und Arbeiterverrätern entschlossen entgegen.



Die örtlichen Verantwortlichen der verschiedenen Ebenen marschierten an der

Spitze der Volksmassen.



Auf ihrem Marsch, der von Schwierigkeiten begleitet ist, singen die

Mitglieder der Volkskommunen voller Entschlossenheit: 'Für die Revolution

durchschneiden wir das Gebirge. Mit dem Ziel, das Wasser des Changho-Flusses

in unsere Heimat zu leiten. Wir bilden eine kampfstarke Truppe und werden das

Taihang-Gebirge gewiß besiegen'.



Auf den Baustellen gibt es keine Wohnungen, keine Wege, das Gelände ist sehr

bergig. Die Arbeiter wohnen in Grotten, Strohhütten oder direkt unter freiem

Himmel.



Sie lassen sich von den Mao Tse-tung-Ideen leiten und nehmen die drei am

meisten gelesenen Artikel zur Devise.



In einem harten Kampf bauen sie entlang der Steilhänge die Kanäle.



Die heldenhafter Kämpfer, die dem Vorsitzenden Mao Tse-tung uneingeschränkt

treu sind, erscheinen hier einer nach dem anderen. Der Bauer Lu Yin hat ein

Nivelliergerät erfunden und selbst gebaut. Es wird zum Vermessen in eine

Wasserschüssel gestellt. Mit diesem Gerät hat er den Verlauf des gesamten

Kanales vermessen (langer Beifall). Das war für die sogenannten 'akademischen

Kapazitäten' und für die bürgerlichen Speizlaisten undenkbar gewesen. Er

bahnt so den Weg für die Erdarbeiten (Beifall).



Lose Felsen und Gesteinsbrocken stürzen ständig von den Bergen herunter und

gefährden die Menschen. Das ist ein ernstes Hindernis bei der Arbeit.



Jen Jangtscheng, Mitglied der Kommunistischen Partei, ist sich der Gefahr,

die auf ihn wartet, bewußt. Aber er geht dennoch als erster an einen

Steilhang, um die Steine, die die Sicherheit der Arbeiter bedrohen, zu

entfernen (Beifall).



Seine heldenhaften Arbeiten sind den Arbeiterverrätern und Klassenfeinden ein

Dorn im Auge. Sie versuchen, seine revolutionäre Entschlossenheit zu

untergraben und behaupten, er sie so gut wie tot, wenn er es tue. Aber Jeb

erwiderte ihnen: 'Ich arbeite an den Steilhängen, um die Felsen zu entfernen

und ich tue es im Interesse der Revolution. Ich werde es tun, selbst wenn ich

mein Leben damit gefährde'.



Um die Felsen und Steine zum Absturz zu bringen, muß man an einem Tau

heruntergelassen werden. Jen und seine Genossen tragen die Lehre Mao Tse-

tungs 'Weder Härte noch Tod zu fürchten' in ihren Herzen.



Der Weg, den die Kanäle gehen sollen, wird durch hohe Berge versperrt. Das

heldenhafte Volk von Lin ist entschlossen, den Gipfel zu sprengen.



Der Lauf des Kanals wird über diese Hänge führen.

Diesen Steilhang entlang muß dem Kanal ein Weg gebahnt werden.



Für eine einzige Sprengung werden Tausende Kilogramm Dynamit verwandt. Das

zeugt von dem Geist, selbständig zu denken und handeln wagen, den die

Bevölkerung von Lin besitzt.



Voller Kaltblütigkeit und Mut entzündet der Bauer Tschang Kenhu die

Zündschnur, indem er sich mit einem Seil herabläßt.



Der ohrenbetäubende Donner der explosion hat die Handvoll von Verrätern

(Beifall) mit Liu Schao-tschi an der Spitze, die den kapitalistischen Weg

gehen, zutiefst erschreckt. Sie erklären, daß das Unternehmen 'Den Fluß

Changho in den Kries Lin leiten' die Auswirkung einer verhängnisvollen linken

Abweichung sei (lebhafter Beifall). Sie befehlen der Bevölkerung, die

Arbeiten einzustellen.



Aber die Volksmassen von Lin sind sich darüber im klaren: Die Arbeiten

weiterführen oder die Arbeiten einstellen, das ist eine Frage des

Klassenkampfs zwischen den beiden Linien. Sie folgen der Linie des

Vorsitzenden Mao Tse-tung und entgegnen den Machthabern, die die

kapitalistische Linie verfolgen: 'Wir werden die Rote Fahne immer hochhalten.

Auch wenn ihr uns noch wütender angreift, wir geben niemals auf'.



Anstatt dem Druck zu weichen, gibt die Bevölkerung den Kanälen offiziell den

Namen: Kanalsystem 'Rote Fahne'. Die Bauarbeiten werden wieder aufgenommen,

was einen großen Sieg der proletarischen Linie des Genossen Mao Tse-tung

bedeutet.



Unter besonders schwierigen Bedingngen wird die Arbeit fortgesetzt. Der Bau

des Tunnels 'Jugend' beginnt.



Der Tunnel durchquert einen Steilhang des Gebirges. Er ist der zentrale

Punkt des gesamten Kanalsystems. Von seinem Gelingen hängt der Erfoilg des

gesamten Projekts ab.



Die Felsen sind hier so hart, daß die Meißel und Bohrer bereits stumpf sind,

ehe sie auch nur die kleinste Spur hinterlassen haben.



Indem die Volksmassen der Losung des Genossen Mao Tse-tung folgen 'Fest

entschlossen sein, keine Opfer scheuen und alle Schwierigkeiten überwinden,

um den Sieg zu erringen', entwickeln sie eine ungeheure Kraft. Ihren

unbeugsamen Willen beweisen ihre Worte: 'Wir werden den Berg durchschlagen,

um einen Beitrag zum Kampf gegen Imperialismus, Revisionismus und die

Reaktion zu leisten'.



Ebenso entschlossen wie der alte Gung aus der Sage, der Tag und Nacht gehackt

hat, um einen Berg zu versetzen, hat die Bevölkerung von Lin in einem 17

Monate langen Kampf den 616 Meter langen Tunnel gebaut, der 6,2 Meter breit

und 5 Meter hoch ist.



Während der gesamten Bauzeit hat die Bevölkerung an den Prinzipien 'Vertrauen

auf die eigene Kraft' und 'Harter Kampf' festgehalten.



Weil Werkzeuge, Kalk und Sprengstoff fehlten, hat man sie selbst hergestellt.



Um den Kalkbedarf zu decken, hat die Bevölkerung eine neue Methode

entwickelt, Kalk herzustellen.

Diese Methode besteht darin, verschiedene Schichten von Kalkstein und

Brennstoffen aufeinanderzuschichten und anzuzünden. So wurden auf einmal zwei

Millionen Kilogramm Kalk hergestellt, die die Versorgung der baustellen

sicherten.



Hier sieht man die Baustelle für die Brücke 'Tao Yuan'. Tiefe Schluchten und

steile Abhänge haben den Zugang zu dieser Region früher unmöglich gemacht.

Die von den Mitgliedern der Volkskommune selbst konstruierte und gebaute

Brücke dient sowohl zur Leitung des Wasserkanals über das tal, als auch für

den Verkehr.



Es gibt Leute, die meinen, daß es in der Geschichte der Brückenkonstruktion

nie etwas ähnliches gegeben hat. Weder in der Antike, noch in der Neuzeit,

weder im Ausland, noch in China.



Die Mitglieder der Volkskommune erklären voller Stolz: 'Der Bau dieser Brücke

wird in die Geschichte eingehen'.



'Wir folgen der Linie des Vorsitzenden Mao tse-tung. Auf unseren eisernen

Schultern können wir Lasten von 500 kg tragen. Wir bauen Brücken und Kanäle

für die Revolution und wir haben den Mut, Tag für Tag daranzugehen, Berg und

Flüsse zu versetzen'. Nach 103 Tagen schweren Kampfes ist die Brücke 'Ta

Yuan' (?,d.Vf.) fertig. Sie ist 24 m hoch, 100 m lang und 6 m breit

(Beifall).



Dies ist die Baustelle für das Aquädukt 'Gute Ernte' am Seitenkanal Nummer 2.

das Aquädukt ist 413 m lang, 14 m hoch und 4 m breit.



Technische Ausrüstung und Stahlbeton fehlen. Einige im Ausland ausgebildete

sogenannte Experten behaupteten: 'Niemals wird man ein solches Aquädukt nur

mit den beiden Händen aufbauen können'. Die Mitglieder der Volkskommune

erwiderten ihnen: 'Ohne moderne Baumaterialien nehmen wir Steine, ohne

moderne Transportmittel nehmen wir Schubkarren oder den eigenen Rücken'.

Sogar die Schulkinder bringen nach der Schule (freiwillig) einige Steine

herbei.



Weil moderne Kräne fehlen, konstruieren die Mädchen einfahce Kräne, mit denen

man genausogut Steine heben kann.



Das Aquädukt 'Gute Ernte', das für die sogenannten Experten überhaupt nicht

herstellbar war, wird von den Volksmassen in einer Zeit von nur 150 Tagen

errichtet (Beifall).



Dies ist der Bauplatz für den Tunnel 'Morgenröte', der auf einer Länge von 4

km den Berg Lautschai durchstößt. Er ist die zentrale Anlage des

Seitenkanals Nummer 3.



Beim Bau dieses Tunnels entfalten die Mitglieder der Volkskommunen ihre

kollektive Schöpferkraft und entwickeln eine neue Vorgehensweise. Auf den

verschiedenen Abschnitten werden 34 senkrechte Schächte gebohrt, die alle die

gleiche Tiefe erreichen. Vom Grund dieser Schächte aus wird nun waagerecht

der Kanal vorgetrieben.



Das Gelände ist hier sehr schwierig. Die Felsen sind außerordentlich hart.

Jeder Schritt vorwärts bedeutet einen harten Kampf.



Grundwasser und Erdrutsche behindern das Vorankommen der Arbeit.



Wang Chesouen beseitigt im Interesse der Revolution unter Einsatz seines

Lebens die Gefahren.



Er erklärt: 'Der Vorsitzende Mao lehrt uns: 'Werden die Chinesen vor

Schwierigkeiten zittern, wenn sie selbst den Tod nicht fürchten?' Wir bauen

diese Kanäle für die Revolution und kein Hindernis wird unsere Arbeit

aufhalten. Wäre der Berg Lautschai aus Eisen, wir würden ihn dennoch

durchstoßen'.



Der Bau des Tunnels 'Morgenröte' hat 16 Monate harten Kampfes erfordert. Die

revolutionären Volksmassen erklären begeistert: 'Die Volkskommune hat uns die

große Kraft gegeben, diesen Tunnel zu bauen'.



Geleitet von der Lehre Mao Tse-tungs baute das Volk von Lin in sechsjähriger

harter Arbeit einen Hauptkanal und drei Nebenkanäle von insgesamt 171,5 km

Länge über die schroffen Abhänge des Taihang-Gebirges. Es verwirklichte damit

sein Ziel, das Wasser des Changho-FLusses in den Kreis Lin zu leiten.



Die kanäle werden bald in den Dienst gestellt. Das wird ein freudiges Fest

für die Bevölkerung von Lin.



Von allen Seiten strömen die Menschen herbei, um an der Einweihungsfeier für

das Kanalsystem 'Rote Fahne' teilzunehmen.



Auf der Versammlung ergreift der Genosse Liu Kinsun, revolutionärer Kader aus

der Provinz Honan, das Wort. Er drückt seine begeisterten Glückwünsche für

die Fertigstellung der wichtigsten Kanäle im Kanalsystem 'Rote Fahne' aus.



Der Fenosse Yang Kui, revolutionärer Kader von Lin, gibt das ersehnte Signal:

'Öffnet die Schleusen!' (Sehr lang anhaltender Beifall)



Dieses Wasser verdanken wir der revolutionären Linie des Vorsitzenden Mao

Tse-tungs (Beifall).



Das Wasser fließt mit voller Kraft. Man besingt den Sieg der revolutionären

Linie des Vorsitzenden Mao.



Es erhebt sich ein gewaltiger revolutionärer Sturm. Der Vorsitzende Mao Tse-

tung hat gegen die Verräter um Liu Schao-tschi, die den Kapitalismus

wiedereinführen wollten, die Große Proletarische Kulturrevolution entfacht.

Die revolutionären Volksmassen führen siegreich Angriffe gegen die Agenten

Liu Schao-tschis in ihrer Provinz.



Im ganzen Kreis eröffnen die Volksmassen die große Kritik und Verurteilung.



Die arme Bäuerin Kuk Siedoying verurteilt den von den Verrätern propagierten

kapitalistischen Weg in der Landwirtschaft. Der heldenhafte

Dynamitsprengmeister Tschang Kenhu und der Leiter der Mannschaft für die

Beseitigung der Gefahren Yang Tschen stehen an vorderster Front bei der

großen Kritik.



Der ganze Kreis Lin ist rot! Tag für Tag werden auf allen Ebenen

Revolutionskomitees gegründet.



Entsprechend der Weisung des Vizivorsitzenden Lin Biao 'Unter den

verschiedenen Dingen muß man das Grundlegendste anpacken!' gibt das

Revolutionskomitee von Lin dem Studieren und Anwenden der Mao Tse-tung-Ideen

den Vorrang.



Die Volksmassen entfalten im ganzen Kreis die drei großen revolutionären

Bewegungen: Klassenkampf, Produktionskampf und wissenschaftliches

Experimentieren.



Dies ist die Familie des Bauern Wang Tsesun. Sie mußte in der alten

Gesellschaft großes Leid ertragen. Hier studieren sie gemeinsam die Mao Tse-

tung-Ideen.



Die Helden der Kanäle 'Rote Fahne' versammeln sich, um ihre Erfahrungen beim

Studieren und Anwenden der Mao Tse-tung-Ideen auszutauschen.



Durch die Erfolge der Großen Proletarischen Kulturrevolution ermutigt, stürzt

sich die Bevölkerung von Lin sofort wieder in den Kampf um das Kanalsystem

'Rote Fahne' zu vollenden.



Im entscheidenden Moment der Ausführung der Arbeiten kommen die Soldaten der

Volksbefreiungsarmee (VBA,d.Vf.) zu den Baustellen zurück und arbeiten Seite

an Seite mit den Mitgliedern der Volkskommunen (Beifall).



Die Mitglieder der Revolutionskomitees kämpfen ebenfalls Seite an Seite mit

den Kommunemitgliedern, um zusammen noch größere Siege zu erringen.



Due bekannten Helden der Kanäle 'Rote Fahne' schreiten wqeiter voran. Wang

Chesouen, Tschang Kenhu, Lu Yin und andere dienen den Massen als Vorbild und

führen die schwersten Aufgaben durch.



Das Zeitalter Mao Tse-tungs bringt unzählige Helden hervor und die Jungen

stehen den Alten in nichts nach.



Dies ist die Truppe der jungen Mädchen aus Eisen, die von Hang Yong-ti, einer

armen Bäuerin geleitet wurde. Sie machten Schluß mit dem Gerücht, junge

Mädchen könnten nicht unter Tage arbeiten (Beifall).



Erfüllt von der Losung 'Alle Schwierigkeiten überwinden' haben sie es nicht

nur gelernt, mit Hammer und Meißel umzugehen, sondern sie verstehen es auch,

Sprengstoffladungen anzubringen und zu entzünden.



Um die Arbeiten zu beschleunigen, steigen die eisernen Mädchen in den Schacht

hinab, um den Rauch zu zerstreuen.



Die Schächte sind eng und haben nur eine kleine Öffnung. Der Rauch entweicht

erst fünf bis sechs Stunden nach der Sprengung. Um diese Zeit nicht zu

verlieren, gehen die Mädchen sofort wieder in den Schacht hinab, ohne zu

warten, bis der Rauch wieder abgezogen ist.



Der Rauch brennt den Mädchen in den Augen und nimmt ihnen manchmal den Atem,

aber sie trotzen den Schwierigkeiten und halten durch.



Um die Arbeiten termingerecht abschließen zu können, arbeitet die Bevölkerung

von Lin Tag und Nacht. Sie erklärt: 'Mit Anstrengungen ohnegleichen machen

wir Revolution und sind bereit, jedes Opfer zu geben'.



Hier das Arbeitsfeld des Staubeckens 'Lutschai', einer Schlüsselposition des

Seitenkanals Nummer 3. Um das Wasser, das in der übrigen Zeit nicht benötigt

wird, für die Zeit des Ackerbaus zu speichern, baut die Bevölkerung von Lin

zu beiden Seiten der Kanäle große und kleine Reservoirs.



Mao Tse-tung lehrt: 'Die Frauen sind in China eine wichtige Kraft'. Um dem

Vorsitzenden Mao Ehre zu erweisen, arbeiten die Frauen des Kreises Lin hart

und zeigen große Kulgheit (Beifall).



Diese Reservoirs sichern die Bewässerung von 3 000 Hektar Land. Sie wurden in

nur 150 Tagen unter der Losung 'Ein Geschenk für den neunten Parteitag'

gebaut (Beifall).



Dank der grenzenlosen Tatkraft des Volkes werden die Nebenanlagen des

Kanalsystems 'Rote Fahne' eine nach der anderen fertiggestellt.



Hier die brücke 'Morgenröte', die von neun Produktionsbrigaden der

Volksommune Tong-Hang gebaut wurde. Dies sind ihre Maße: Länge 550 m, Höhe 16

m und Breite 4,5 m.



Vor Arbeitsbeginn hatten einige im Ausland ausgebildete akademische

Kapazitäten behauptet, man brauche acht Monate, um ein solches Projekt zu

verwirklichen und ohne Stahlbeton und moderne Maschinen kann man es nicht

einmal in drei Jahren schaffen.



Zum allergrößten Entsetzen dieser sogenannten Kapazitäten haben die

Mitglieder der Volkskommunen, die sich von den Mao Tse-tung-Ideen leiten

lassen und die kollektive Weisheit nutzen, die brücke in 56 Tagen

fertiggestellt (Lebhafter Beifall).



Die Arbeiten für das Kanalsystem 'Rote Fahne' sind termingerecht

abgeschlossen worden. Die Bevölkerung von Lin hat ein Kanalnetz von fast 1

500 km Gesamtlänge geschaffen.



Im Laufe der Bauarbeiten hat sie 1 250 Berge aus dem Wege gesprengt, 134

Tunnel mit einer Gesamtlänge von 24 Kilometern vorgetrieben, 150 Brücken mit

einer Gesamtlänge von 6,5 km errichtet und Terrassierarbeiten von insgesamt

16 Millionen Kubikmetern durchgeführt.



Mit den bewegten Gesteinsmassen könnte man eine Straße mit einer Höhe von 1 m

und einer Breite von 4 m von Lin bis Chansi im Norden und Kanton im Süden

Chinas bauen.



Die Fertigstellung des Kanalsystems 'Rote Fahne' hat ein für allemal mit der

Trockenheit im Kreise Lin aufgeräumt. Manche Dörfer, die jetzt von

Wasserläufen umgeben sind, sehen so ähnlich aus, wie die malerischen Dörfer

entlang des Yangtse.



Wie Melonen, die auf einem verzweigten Ast wachsen, sind große und kleine

Reservoirs entlang der Kanäle 'Rote Fahne' aufgereiht.



Der Kreis besaß vor dem Bau der Kanäle etwa 6 000 Hektar bewässertes Land,

heute besitzt er über 360 000 Hektar, das heißt, mehr als ein Hektar auf zwei

Einwohner.



Die früher kahlen Landstriche haben sich in Gärten und Felder verwandelt.



Ein Kraftwerk nach dem anderen wurde errichtet. Anfangs hatten die

akademischen Experten erklärt: 'Wie wollt ihr Elektrizität bezwingen? Wie

wollt ihr Barfüßler das jemals schaffen?' Die Mitglieder der Volkskommunen

erwiderten: 'Gewappnet mit den Mao Tse-tung-Ideen werden wir, die wir barfuß

gehen, die Elektrizität wohl meistern können'.



Mit dem Aufbau der Kraftwerke sind gute Bedingungen für die Entwicklung der

Industrie im Kreise Lin geschaffen worden.



Es existieren bereits Kohlebergwerke, mechanische Werkstätten,

Eisenschmelzereien, chemische Werke, Fabriken für Kunstdünger, Zementwerke

und andere Betriebe kleineren Umfangs. Diese Industriebetriebe sind eine gute

Stütze für die Landwirtschaft.



Während der letzten acht Jahre sind im Kreise Lin, wie überall im ganzen

Land, gute Ernten erzielt worden.



Es ist eine große Freude, einer ausgezeichneten Ernte an den Ufern der Kanäle

'Rote Fahne' beizuwohnen. Das ganze Volk äußert dem Vorsitzenden Mao

gegenüber eine herzliche Dankbarkeit.



1970 gab es eine Trockenperiode von sieben Monaten, aber der Kreis Lin hat

dennoch eine gute Ernte erzielt. Das heldenhafte Volk von Lin erklärt: 'Was

kümmert uns schon eine Trockenperiode von sieben Monaten. Gestützt auf unser

Kanalsystem 'Rote Fahne' können wir selbst unter den Bedingungen noch

längerer Trockenheit die Produktion steigern um die Weltrevolution zu

unterstützen' (Beifall).



Die revolutionären Volksmassen, die das Banner der Einheit und der

Geschlossenehit des 9.Parteitags hochhalten, stürmen weiter vorwärts. Sie

sind entschlossen, die großartige Weisung des Vorsitzenden Mao 'Vorbereitung

auf einen Kriegsfall, Vorbereitung auf Naturkatastrophen, alles für das

Volk!' immer vorwärtsstrebend zu verwirklichen (Sehr langanhaltender

Beifall)!'



Die Aufführung des Films wurde mehrfach vom Beifall unterbrochen. Lebhafte

Zustimmung und Bewunderung gab es besonders an den Stellen, an denen die

Volksmassen des Kreises Lin und an ihrer Spitze die revolutionären

Funktionäre der KPCh unter Einsatz ihres Lebens die schwierigen Bedingungen

beim Bau des Kanalsystems 'Rote Fahne' meisterten. Dieser Film zeigte

anschaulich, welche unbesiegbare Kraft die Mao Tse-tung-Ideen haben, wenn sie

von den Massen begriffen und in die Tat umgesetzt werden. Hier bestätigte

sich die Linie des Zentralbüros der KPD/ML, das in den verschiedenen Kämpfen

in der Partei daran festgehalten hat, daß die ganze Arbeit der Partei von

Anfang an auf die Massen ausgerichtet sein muß. Die Richtigkeit dieser Linie

gegenüber allen Abweichungen bestätigt sich immer mehr.



Daher gab dieser Film 'Das Kanalsystem 'Rote Fahne'' allen anwesenden

Genossen großen Auftrieb und neuen Schwung. Sie bekamen sichtbar vor Augen

geführt, daß die Massen der Arbeiter mit den Bauern und Werktätigen im

Bündnis, erfolgreich gegen alle ihre Feinde kämpfen, wenn sie von einer

Kommunistischen Partei geführt werden, die ihrem Kampf mit den Prinzipien des

Marxismus-Leninismus und den Mao Tse-tung-Ideen das richtige Ziel gibt.





Von diesem durch den Film vermitteltem Elan, der in langanhaltenden Beifall

am Ende des Films zum Ausdruck kam, war auch die abschließende Rede eines

weiteren Vertreters des Zentralbüros der KPD/ML bestimmt.



'Genossen und Kollegen, liebe Freunde!



Wir haben uns heute hier versammelt, um den 50.Jahrestag der Gründung der

Kommunistischen Partei Chinas zu feiern.



Als die Kommunistische Partei Chinas im Jahre 1921 gegründet wurde, war sie

nicht größer als unsere Partei heute. Auf ihrem Gründungsparteitag waren

zwölf Genossen anwesend und im ganzen Land gab es nicht einmal 100 Mitglieder

der Partei. Im Verhältnis zu dem chinesischen Millionenvolk war es wirklich

nur eine kleine Gruppe von Menschen, die die Kommunistische Partei Chinas

darstellten.



Im Verlaufe des Kampfes hat die Kommunistische Partei Chinas eine korrekte

Strategie und Taktik der Revolution entwickelt. Die in der Zeit ihrer

Gründung kleine Partei hat sich in den Jahrzehnten der Kämpfe zu einer

mächtigen, Millionen von Menschen umfassenden Partei entwickelt, die Politik

der Partei ist zur Politik der breiten Volksmassen geworden und die

Kommunistische Partei Chinas ist an der Spitze der Massen vorwärtsmarschiert.



Aber auch der Kommunistischen Partei Chinas sind die Erfolge und Siege nicht

in den Schoß gefallen, ihre Erfolge sind das Ergebnis einer beharrlichen und

geduldigen Arbeit, das Ergebnis von großen Kämpfen und täglicher Kleinarbeit.



'Damit die Politik der Partei zur Politik der Volksmassen wird', sagt der

Genosse Mao Tse-tung, 'ist es erforderlich, daß wir lange, beharrliche, zähe,

schwierige, geduldige und umsichtige Anstrengungen machen. Ohne solche

Anstrengungen ist der Erfolg unmöglich'.



Dieser vom Vorsitzenden Mao Tse-tung gewiesenen Linie folgend, hat die

Kommunistische Partei Chinas das chinesische Volk zum Sieg über

Imperialismus, Feudalismus und Kapitalismus geführt.



Nach dem Sieg der neudemokratischen Revolution im Jahre 1949 hat die Etappe

der sozialistischen Revolution begonnen. Die Kommunistische Partei, nunmehr

bereits Regierungspartei, stand bei der Entfaltung der sozialistischen

Revolution wiederum an der Spitze der Volksmassen.



China war vor der volksdemokratischen Revolution ein wirtschaftlich

außerordentlich rückständiges Land. Die Umwandlung des Privateigentums in

Gemeineigentum und die Ablösung der handwerklichen Kleinproduktion durch die

industrielle Großproduktion sind die Grundlagen, die im Bereich der

Produktion, im Bereich des gesellschaftlichen Unterbaus für den Aufbau des

Sozialismus und Kommunismus geschaffen worden sind. Die Produktivkräfte sind

von den feudalen und imperialistischen Fesseln befreit worden und die

Volksrepublik China hat unter der weisen Führung der Kommunistischen Partei

in den 21 Jahren ihres Bestehens in wirtschaftlicher Hinsicht einen

Aufschwung erzielt, der in der ganzen Welt und auch in der Geschichte nicht

seinesgleichen hat. Eine solche Entwicklung ist unter kapitalistischen

Verhältnissen völlig ausgeschlossen.



Der Genosse Mao Tse-tung lehrt:

'Was die Umgestaltung des Systems des Eigentums an den Produktionsmitteln

betrifft, haben wir schon den fundamentalen Sieg davongetragen, aber an der

politischen und ideologischen Front ist der volle Sieg noch nicht errungen.

Auf dem ideologischen Gebiet ist die Frage 'Wer wen'?, das heißt, ob das

Proletariat die Bourgeoisie besiegt oder umgekehrt, noch nicht wirklich

gelöst. Wir werden noch einen langwierigen Kampf gegen die bürgerlichen und

kleinbürgerlichen Ideologien zu führen haben. Diese Sachlage nicht zu

verstehen, und auf den ideologischen Kampf zu verzichten, wäre ein Fehler'.



Der Aufbau des Sozialismus und der Sieg des Sozialismus, das Hinüberwachsen

des Sozialismus in den vollendeten Kommunismus, das ist nicht nur eine

wirtschaftliche Frage, sondern auch auch ein ideologisches und politisches

Problem. Der Genosse Mao Tse-tung hat darauf hingewiesen, daß beim Aufbau

eines neuen Gesellschaftssystems Überreste der die alte Gesellschaftsordnung

widerspiegelnden Ideologie noch eine lange Zeit in den Köpfen der Menschen

haften bleiben, daß sie nicht so schnell das Feld räumen. Und der Genosse

Lenin hat es folgendermaßen formuliert:

'Wenn die alte Gesellschaft zugrund egeht, kann man ihren Leichnam nicht in

einem Sarg vernageln und ins Grab senken. Dieser Leichnam geht mitten unter

uns in Verwesung über, er verfault und steckt uns selbst an'.



Unter der Diktatur des Proletariats muß also der Klassenkampf weitergeführt

werden mit dem Ziel, die gesamte Gesellschaft im Interesse des Proletariats

und unter seiner Führung umzugestalten, die Kräfte der Bourgeoisie und die

revisionistischen Elemente, die den kapitalistischen Weg gehen, zu isolieren

und zu schlagen. Die vom Vorsitzenden Mao persönlich eingeleitete Große

Proletarische Kulturrevolution ist ein glänzendes Beispiel für die

Weiterführung des Klassenkampfes im Sozialismus. Sie ist zugleich ein

Beispiel dafür, daß der Klassenkampf auch unter der Diktatur des Proletariats

noch außerordentlich scharfe Formen annehmen kann.



Beflügelt von dem Sieg der Großen Proletarischen Kulturrevolution, die die

Restauration des Kapitalismus in China verhinderte und die Diktatur des

Proletariats festigte, befindet sich die Volksrepublik China in einer

stürmischen Vorwärtsentwicklung hin zum Kommunismus.



Im Oktober 1968 hat der große Führer Vorsitzender Mao folgendes gesagt:

'Wir haben bereits große Siege errungen, aber die geschlagene Klasse wird

immer noch verzweifelt kämpfen. Diese Leute existieren noch, diese Leute

leben noch. Daher können wir nicht von einem Endsieg reden. ...Vom Leninschen

Standpunkt aus betrachtet, erfordert der Endsieg des Proletariats in einem

sozialistischen Staat nicht nur die Anstrengungen des Proletariats und der

breiten Volksmassen des betreffenden Landes, sondern erhängt überdies davon

ab, ob die Weltrevolution den Sieg erringt und das System der Ausbeutung des

Menschen durch den Menschen auf dem ganzen Erdball beseitigt wird'.



Das chinesische Volk und seine ruhmreiche Kommunistische Partei haben also

keine Interessen, die den um ihre Befreiung kämpfenden Volksmassen auf der

ganzen Welt zuwiderlaufen. Es ist das ureigenste Interesse des chinesischen

Volkes, daß die Weltrevolution den Sieg erringt. Die Kommunistische Partei

Chinas hat stets die im ihre Befreiung kämpfenden Volksmassen auf der ganzen

Welt unterstützt und die Weltrevolution verteidigt. Sie ist den Prinzipien

des proletarischen Internationalismus stets treu gewesen.



Die Unterstützung des koreanischen Volkes in seinem Kampf gegen den USA-

Imperialismus ist eines der strahlendsten Beispiel des proletarischen

Internationalismus in der Geschichte. Acht Jahre lang kämpften die

chinesischen Volksfreiwilligen Seite an Seite mit ihren koreanischen

Klassenbrüdern. Der große Sieg, den das koreanische und chinesische Volk

Seite an Seite erkämpft haben, bedeutete nicht nur einen entscheidenden

Rückschlag für die Welteroberungspläne des US-Imperialismus, sondern er

ermutigte auch alle kolonialen und halbkolonialen Völker in ihrem Kampf gegen

den USA-Imperialismus und vertiefte ihre Siegesgewißheit. Durch diesen Sieg

wurde bewiesen, daß nur durch den bewaffneten Kampf die Aggressionen des

Imperialismus zum Stehen gebracht werden können und daß nur durch tatkräftige

Aktionen der Frieden erkämpft werden kann.



Neben diesen großartigen Siegen hat die Weltrevolution in diesen Jahren aber

auch schwere Rückschläge erlitten.



Nach dem Tod des großen Führers des Sowjetvolkes, Josef Wissarionowitsch

Stalin, der die Diktatur des Proletariats in einem äußerst scharf geführten

Kampf gegen die trotzkistischen und sonstigen Agenten des Imperialismus

verteidigt hatte, erhoben in der Sowjetunion die Chrustschow-Revisionisten

ihr Haupt. Auf dem 20.Parteitag der KPdSU gelang es ihnen, die Macht in der

Partei und im Staat zu übernehmen. In der Sowjetunion verließen sie den Weg

der Diktatur des Proletariats, den Weg des Sozialismus und beschritten den

Weg der allseitigen Wiederherstellung des Kapitalismus. In internationaler

Hinsicht begannen sie sogleich ihre Zusammenarbeit mit dem USA-Imperialismus.

Sie verübten so einen völligen Verrat an der Weltrevolution.



In der ganzen Welt verbreiteten sie das Gift des modernen Revisionismus,

jener Neuauflage der alten sozialdemokratischen Theorien der Kautskys und

Bernsteins. Mit allen Mitteln beeinflußte sie die kommunistischen Parteien in

der ganzen Welt, um sie in revisionistische Parteien zu verwandeln. In allen

volkdsdemokratischen Ländern Osteuropas, mit Ausnahme der heldenhaften

Volksrepublik Albanien, hoben sie Revisionisten an die Macht.



Das ehemals einheitliche sozialistische Lager mit der Sowjetunion unter

Stalins Führung an der Spitze zerfiel unter den Angriffen der modernen

Revisionisten. Den proletarischen Internationalismus ersetzten sie durch eine

üble Kolonisierungspolitik, die in Methoden und Zielen dem USA-Imperialismus

in nichts nachsteht. Sie degenerierten so zu Sozialimperialisten.



Die Kommunistische Partei Chinas mit dem Genossen mao Tse-tung an der Spitze

hat die Angriffe der Führung der KPdSU auf den Marxismus-Leninismus und die

revolutionären Prinzipien der internationalen kommunistischen und

Arbeiterbewegung von Anfang an zurückgewiesen.



'Als der Chrustschow-Revisionismus noch im Aufkommen war', sagt der Genosse

Lin Biao, 'erkannte unser großer Führer Vorsitzender Mao schon, welch ernsten

Schaden der moderne Revisionismus der Sache der Weltrevolution zufügen würde.

Vorsitzender Mao führte die ganze Partei dazu, gemeinsam mit der Partei der

Arbeit Albaniens (PAA,d.Vf.), an deren Spitze der große Marxist-Leninist

Enver Hoxha steht, und mit den wahren Marxisten-Leninisten auf der ganzen

Welt auf ideologischem, theoretischem und politischem Gebiet entschieden gegen

den modernen Revisionismus mit dem Sowjetrevisionismus als seinem Zentrum zu

kämpfen'.



Die Kommunistische Partei Chinas unter Führung Mao Tse-tungs hat das

reaktionäre Wesen des sowjetischen modernen Revisionismus klar entlarvt. Sie

hat nachgewiesen, daß die von den Sowjetrevisionisten propagierten Theorien

den Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus zuwiderlaufen und der Sache der

Weltrevolution schaden. Sie hat dem Revisionismus im internationalen Maßstab

schwere Schläge versetzt und ihm eine Niederlage nach der anderen

beigebracht. Damit hat die Kommunistische Partei Chinas in der

internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung die führende Rolle der

KPdSU (B) Lenins und Stalins übernommen (Beifall).



Der Verrat der sowjetischen Revisionisten fügt der Sache der Revolution einen

schweren Schaden zu. Dennoch hat die revolutionäre Weltbewegung in den

letzten zehn bis fünfzehn Jahren einen ständigen Aufschwung erlebt. Die

revolutionären Völker haben sich durch das revisionistische Geschwätz und die

Sabotagetätigkeit der Sowjetrevisionisten nicht in ihrem Kampf beirren

lassen. Es ist genauso, wie es der Vorsitzende Mao Tse-tung gesagt hat:



'Die Völker aller Länder, die Volksmassen, die mehr als 90 Prozent der

Gesamtbevölkerung ausmachen, wollen unbedingt die Revolution und werden

schließlich den Marxismus-Leninismus unterstützen. Obwohl manche Leute den

Revisionismus eine Zeitlang unterstützen, werden sie ihn am Ende doch über

Bord werfen. Notwendigerweise werden die Völker mehr und mehr erwachen.

Notwendigerweise werden sie den Imperialismus und die Reaktionäre aller

LÄnder bekämpfen und notwendigerweise werden sie auch den Revisionismus

bekämpfen' (Beifall).



Dieses vom Genossen Mao Tse-tung formulierte historische Gesetz bestimmt die

Entwicklung der Weltrevolution in den letzten Jahren.



An der Spitze der Weltrevolution stehen die unterdrückten Völker, die im

bewaffneten Kampf gegen den Imperialismus, für nationale Unabhängigkeit und

Volksdemokratie stehen. Ihr Kampf weitete sich von Jahr zu Jahr mehr aus,

immer mehr Völker gehen zum bewaffneten Kampf über und versetzen dem US-

Imperialismus und dem sowjetischen Sozialimperialismus immer schwerere

Schläge (Beifall). An vorderster Front marschieren hier die drei heldenhaften

indochinesischen Völker, die den US-Imperialismus im bewaffneten Kampf immer

mehr in die Enge treiben, großartige Etappensiege erringen und dem USA-

Imperialismus die größte Niederlage seiner Geschichte beibringen werden

(Langanhaltender Beifall).



Aber nicht nur der Kampf der unterdrückten Völker und Nationen für die

Befreiung vom Joch des Imperialismus, sondern auch der Kampf der

Arbeiterklasse in den imperialistischen Ländern wächts immer mehr an. Nehmen

wir Westeuropa.



Die englische (britische,d.Vf.) Arbeiterklasse befindet sich seit einigen

Jahren auf einem ständigen Vormarsch und versetzt der englischen Bourgeoisie

immer schwerere Schläge. Die Widersprüche in England haben sich weiter

verschärft und die Arbeiterklasse ist nicht beim ökonomischen Kampf

stehengeblieben. Gegen die Pläne des faschistischen Gewerkschaftsgesetzes der

reaktionären Heath-Regierung hat die englische Arbeiterklasse riesige

politische Massenstreiks und Massenkämpfe entfaltet, die seit fast einem

halben Jahrhundert nicht ihresgleichen haben. Im März dieses Jahres befanden

sich mehr als sechs Millionen englischer Arbeiter im politischen Streik und

sie haben sich auch von den rechten Führern der Gewerkschaften und der

Labour-Partei nicht zurückhalten lassen.



In allen westeuropäischen Ländern, sogar in den 'friedlichsten' unter ihnen,

wie Schweden, Holland (Niederlande,d.Vf.) und der Schweiz, erwacht die

Arbeiterklasse immer mehr. Obwohl sich der Klassenkampf zumeist noch auf der

ökonomischen Ebene bewegt, schwillt er doch ständig an und die Arbeiterklasse

gewinnt ein immer höheres politisches Bewußtsein.



In seinem großartigen Aufruf vom 20.Mai 1970 'Völker der ganzen Welt,

vereinigt Euch, besiegt die US-Aggressoren und alle ihre Lakaien' hat der

Genosse Mao tse-tung diese großartige Entwicklung der Weltrevolution in

folgenden Worten zusammengefaßt:

'Die Haupttendenz in der heutigen Welt ist Revolution!' (Beifall)



Der mächtige Aufschwung der Weltrevolution macht auch vor Westdeutschland

nicht halt. Seit den Septemberstreiks im Jahre 1969, bei denen die

westdeutsche Arbeiterklasse ihre Kampfbereitschaft bewies, entwicklet sich

ihr Kampf immer breiter und bewußter. Die Zeit der relativen Ruhe der

Klassenkämpfe in Westdeutschland ist endgültig vorüber, die Widersprüche

verschärfen sich weiter und die Ebbe der revolutionären Bewegung wird durch

eine mächtige Flut des Klassenkampfes abgelöst (Beifall).



Die Kämpfe in den letzten Jahren haben aber auch gezeigt, daß die rechten

revisionistischen, sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer immer noch

einen starken Einfluß in der Arbeiterbewegung haben, daß es ihnen immer noch

gelingt, den Kampf zu spalten und zurückzuzerren. Der westdeutschen

Arbeiterklasse fehlt es in ihrem Kampf vor allem noch an politischem

Bewußtsein, an politischer Führung. Dieses politische Bewußtsein kann ihr nur

EINE Partei bringen - die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-

Leninisten. Die KPD/ML muß die politische Führung erobern (Beifall)!



Unsere Partei hat im letzten Jahr eine großartige Entwicklung durchgemacht.

Wir haben begonnen, uns fest in der Arbeiterklasse zu verankern, aber wir

sind organisatorisch noch schwach. Unsere Partei muß noch große Anstrengungen

unternehmen, damit sie ihre Aufgaben wirklich gut erfüllen kann. Wir haben

eine große Verpflichtung gegenüber der deutschen Arbeiterklasse und den

Völkern der ganzen Welt. Wenn wir weiterhin Fortschritte erzielen wollen,

wenn wir nicht hinter der spontanen Arbeiterbewegung zurückbleiben wollen,

müssen wir auch in Zukunft den Grundsatz, den der Genosse Mao Tse-tung

formuliert hat, verwirklichen:



'Mit Leib und Seele dem Volke dienen und sich auch nicht für einen Augenblick

von den Massen lösen; sich in allem von den Interessen des Volkes und nicht

von den Interessen der Einzelpersonen oder kleiner Gruppen leiten lassen;

unsere Verantwortung gegenüber dem Volk mit der Verantwortung gegenüber den

leitenden Parteiorganen identifizieren - das ist unser Ausgangspunkt'.



In unserer politischen Linie, in unseren Forderungen und Parolen haben wir

die Interessen der deutschen Arbeiterklasse und der breiten werktätigen

Schichten des Volkes zum Ausdruck gebracht. Wir haben einen entschlossenen

Kampf zur Durchführung unserer politischen Aufgaben geführt.



Die Entwicklung unserer Partei und die Entwicklung der westdeutschen

Arbeiterbewegung ist eingebettet in de großen Aufschwung, den die

Weltrevolution in diesen Jahren nimmt. Wir dürfen daraus aber keineswegs den

Schluß ziehen, der Erfolg käme nun von alleine, man brauche keine

Anstrengungen mehr zu unternehmen. Diese Ansicht wäre völlig falsch. Wir

müssen von unserer großen Bruderpartei, der ruhmreichen Kommunistischen

Partei Chinas, lernen, und der Losung 'Fest entschlossen sein, keine Opfer

scheuen und alle Schwierigkeiten überwinden um den Sieg zu erringen'

(Beifall) weiterhin entschieden folgen. Je weiter die Arbeiterbewegung

anwächst, umso größer müssen unsere Anstrengungen werden, ihr einen bewußten

Charakter und eine politische Führung zu geben, die rechten Führer der

Sozialdemokratie und der Revisionisten zu entlarven und zu isolieren.



Hinsichtlich unserer politischen Linie muß uns die ruhmreiche Kommunistische

Partei Chinas ein Beispiel sein. Wir müssen von ihr lernen, die

allgemeingültigen Wahrheiten des Marxismus-Leninismus mit der konkreten

Praxis der Revolution im eigenen Lande zu verbinden, stets die entscheidenden

Kampfaufgaben zu bestimmen, diese entschlossen durchzuführen, die Politik der

Partei zur Politik der Volksmassen zu machen und konsequent die Interessen

der Massen zu verteidigen.



Wir müssen es von der ruhmreichen Kommunistischen Partei Chinas lernen, die

Prinzipien des Marxismus-Leninismus gegen alle Angriffe von 'links' und

rechts konsequent zu verteidigen, die Feinde des Marxismus-Leninismus

tiefgehend zu entlarven und die Revisionisten und die sonstigen Verräter am

Marxismus-Leninismus und an den Interessen der Revolution maximal zu

isolieren und zu schlagen.



Die Geschichte der ruhmreichen Kommunistischen Partei Chinas lehrt uns, daß

es notwendig ist, eine disziplinierte Partei zu besitzen, 'die mit der

Theorie des Marxismus-Leninismus gewappnet ist, die Methode der Kritik und

Selbstkritik anwendet und mit den Volksmassen verbunden ist'.



Der große Führer der Kommunistischen Partei Chinas, Genosse Mao Tse-tung, hat

ausdrücklich darauf hingewiesen:

'Will man die Revolution, dann muß man eine revolutionäre Partei haben. Ohne

eine revolutionäre Partei, die gemäß der revolutionären Theorie und gemäß dem

revolutionärem Stil des Marxismus-Leninismus aufgebaut ist, ist es unmöglich,

die Arbeiterklasse und die breiten Volksmassen zum Sieg über den

Imperialismus und seine Lakaien zu führen'.



Wir müssen unserem großen Vorbild, der Kommunistischen Partei Chinas,

folgend, weiterhin große Anstrengungen unternehmen, unsere Partei zu stärken

und den Parteiaufbau voranzutreiben (Beifall).



Die Erfahrungen des jahrzehntelangen Kampfes der Kommunistischen Partei

Chinas für die Befreiung der Volksmassen vom Feudalismus, Imperialismus und

Kapitalismus, die Erfahrungen des Aufbaus des Sozialismus in China und des

Kampfes gegen den modernen Revisionismus mit dem Sowjetrevisionismus an der

Spitze müssen von unserer Partei tiefgehend studiert und berücksichtigt

werden.



Der 50.Jahrestag der Gründung der ruhmreichen Kommunistischen Partei Chinas,

den wir heute feiern, soll für uns ein Ansporn sein, auf dem von der KP

Chinas gebahnten Weg des Kampfes gegen Imperialismus, Revisionismus und die

Reaktionäre aller Länder weiter voranzuschreiten und weiterhin aus den

Erfahrungen der Kommunistischen Partei Chinas zu lernen. Denn von der

Kommunistischen Partei Chinas lernen heißt siegen lernen!



Es lebe die ruhmreiche Kommunistische Partei Chinas (Langanhaltender

Beifall)!'



Nach der Rede erhoben sich die Besucher von ihren Plätzen und sangen

gemeinsam die Internationale. Die anwesenden Genossen bekräftigten damit ihre

Entschlossenheit, auch bei der augenblicklichen Jugend der Partei nicht vom

einmal eingeschlagenen Weg abzulassen. Die KPD/ML und der KJVD stehen nicht

allein. Sie haben mächtige Verbündete: das chinesische Volk und seine

berühmte KPCh, die beim Aufbau des Sozialismus und bei der Abwehr der

Anschläge und Machenschaften des US- und des Sozialimperialismus und ihrer

Lakaien immer neue Siege erringen.



'Von der Kommunistischen Partei Chinas lernen heißt siegen lernen'. Dieser

Schlußsatz aus der Rede des Vertreters des Zentralbüros gab auch die Stimmung

wieder, mit der die Genossen die Feier verließen. In allen Reden und

Gesprächen war zu hören, daß das Vorbild der KPCh die Arbeit der nächsten

Wochen anspronen und beflügeln wird."

=Rote Fahne Nr.14,Bochum 19.7.1971;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.48, 49, 51 und Sdr.Nr.,Bochum 23.6.1971,

26.6.1971, 10.7.1971 bzw. 10.7.1971,S.9, S.15, S.12 bzw. S.1ff;

Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.7 und 8,Bochum Juli 1971 bzw. Aug. 1971



05.07.1971: 

Bei Opel Bochum erscheint vermutlich in dieser Woche eine Ausgabe der

'Zündkerze' der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK (vgl. 1.7.1971,

23.8.1971) mit 12 Seiten DIN A 4 und einem Leitartikel mit Bericht von der

Betriebsversammlung (vgl. 1.7.1971) unter Verantwortung von Stephan Bock,

Bochum.



In einem Kasten heißt es:"

KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!



Die ZÜNDKERZE wünscht Euch einen gesunden und erholsamen Urlaub. Nach den

Werksferien warten schon wieder Sonderschichten, warten aber auch die

Tarifverhandlungen und die Wiese. Ein erholsamer Urlaub wird sicher dazu

beitragen, daß wir alle frisch und gestärkt in die Tarifkämpfe hineingehen."



Geworben wird für den 'Roten Morgen' (RM), der vor Opel verkauft werde.



In der Rubrik "Kollegen schreiben für die Zündkerze" erscheinen vier

Beiträge. Im ersten heißt es:"

JEDER UNFALL IST ZUVIEL!



...vor allem dann, wenn es neben Sachschäden auch noch zu Personenschäden

kommt. Zwar heißt es: Du sollst nicht töten, also auch nicht verletzen. Und

erst Anfang des Jahres erklärte der neue Direktor bei General Motors - einer

von 23 Direktoren des Konzerns - Dr. Leon H. Sullivan:

'Ich werde bei General Motors das Licht der Nächstenliebe entzünden.'



Dennoch wurden für das Jahr 1969 über 2,6 Millionen Arbeitsunfälle angezeigt.

Eine ganze Reihe davon ereigneten sich auch in der Adam Opel AG. Es bleibt

die Frage: Waren die sogenannten Schuldigen immer die wirklich Schuldigen?



Zunächst gibt es ein sogenanntes 'Fünf-Minuten-Sicherheitsgespräch', welches

jedoch in den meisten Abteilungen nur auf dem Papier steht. In Sonderheit

dazu gibt es eine schriftliche 'Fahrzeug-Sicherheits-Unterweisung für

Angehörige der Transportabteilung'. Nicht aber für Fahrer in allen anderen

Abteilungen. Dazu gibt es noch Betriebsmitteilungen über besonders schwere

Unfälle, die aber auch so lange hinter Schloß und Riegel verwahrt werden, bis

es wirklich mal brennt. Und dann kommt die berühmte Opel-Frage: Wie konnte

das geschehen?



Fast niemand hat den Mut, in bestimmten Unfallsituationen den Vorgesetzten zu

sagen:



'Dieser Unfall, wie auch die meisten anderen Unfälle, ist durch die

unzumutbare Arbeitshetze im Werk entstanden!'



Es ist zwar keine vollgültige Entschuldigung, aber jeder Kollege und jede

Kollegin hat doch immer das Gefühl: Ich muß schnell arbeiten und den Mund

halten. Wenn ich meine Aufgabe nicht schaffe, bin ich untragbar und werde

entlassen."



Im nächsten Beitrag wird gefordert:"

EINE KLIMAANLAGE MUSS HER!



Es ist eine Unverschämtheit, daß die Geschäftsleitung trotz der Riesen-

Profite nicht daran denkt, in den Hallen eine Klimaanlage installieren zu

lassen, und daß sie uns zumutet, in der sommerlichen Bullenhitze zu malochen.



Da die meisten Kollegen jedoch trotz unmenschlicher Hitze noch die volle

Stückzahl schaffen, haben die Opel-Herren ja auch ihren vollen Profit, der

für sie ja viel wichtiger ist, als das Wohlbefinden der Menschen im Betrieb.

Deshalb denken sie nicht daran, Geld für eine Klimaanlage zur Verfügung zu

stellen. Würden bei solchen Zuständen die meisten Kollegen den Mut haben,

ihre Stückzahl empfindlich zu drosseln und dadurch den Profit herunter zu

drücken, dann hätten sich die Opel-Herren schon längst genötigt gesehen,

diesen Mißstand abzuschaffen. Denn der Produktionsausfall wäre auf die Dauer

teurer, als die Klimaanlage. Einige Betriebsräte haben diesen Mißstand zwar

schon öfters auf den Betriebsversammlungen angeprangert, aber wir haben alle

gemerkt, daß das allein nichts hilft. Um solche und andere Forderungen zu

erreichen, müssen wir uns alle einig sein. Wir müssen dafür kämpfen. Außerdem

sollten wir alle bei den Vertrauens-Leute-Wahlen (VLW,d.Vf.) nur noch solche

Kollegen wählen, von denen wir annehmen können, daß sie unseren Kampf

unterstützen, daß sie fest zu unseren Forderungen stehen. Von den meisten

unserer Betriebsräte können wir in dieser Hinsicht nichts erwarten. Perschke

und Co. sehen im Gegenteil ihre Aufgabe darin, uns zu beruhigen."



Der dritte Artikel lautet:"

BETRIEBSSTUDIE



Vor ein paar Tagen konnte ich aus nächster Nähe miterleben, wie sich zwei

Kollegen wegen einer Kleinigkeit fast geschlagen hätten. Da wurden am

laufenden Band Dinge einander an den Kopf geworfen, daß mir die Spucke

wegblieb. Es handelte sich um die Vorrangstellung des einen gegenüber dem

anderen.



Das war eine Sache, die mir sehr zu denken gab. Hat man uns schon so weit

gebracht, uns gegenseitig zu zerfleischen? Das ist nur ein Beispiel von

vielen, wie sie immer wieder vorkommen.



Die gezielte Ungleichheit der Kollegen in der Entlohnung dient nur dem

Gewinnstreben der Konzernbosse. Diese gewisse Unruhe unter den Arbeitern ist

eine gezielte Aktion, die unter dem Namen 'Amerikanische Firmenführung' bei

uns bekannt geworden ist. Wie man täglich beobachten kann, hat diese Art der

Firmenführung bei uns ihre Wirkung auch nicht verfehlt. Wie weit man dabei

geht, bleibt abzuwarten.



Zur Zeit machen die Herren wieder mit der Schwarzen Liste ihre Runden, um

diejenigen herauszufinden, die nicht in ihr Konzept passen. Es gibt wieder

reihenweise Entlassungen.



Aber es zeichnet sich noch ein erstaunlicher Trend ab. Noch nie haben so viele

Kollegen, die schon Jahre zum Betrieb gehören, gekündigt. Hier stellt sich

die Frage nach dem 'Warum?'. Das häufigste Argument, das man mir nannte, war

die hohe Belastung an Arbeits- und Nervenkraft. Viele sind dem aufreibenden

Arbeitsprozeß einfach nicht mehr gewachsen. Sie sind im Laufe der Jahre an

Körper und Seele verschlissen. Wenn die Arbeit wenigstens den Umständen

entsprechend bezahlt würde, wäre es manchem leichter, die Hetzerei zu

ertragen.



Vor allem kommt auf die Kollegen, die nicht am Band sind, die Strafversetzung

an das Band zu. Dort werden sie zu Arbeiten gezwungen, die sie noch nie

gemacht haben. Manchen Meistern scheint es direkt Freude zu machen, die

Kollegen gerade an die Arbeiten zu stellen, die ihnen besonders schwer

fallen. Klappt es dann nicht wie gewohnt, so muß man sich noch die

unfreundliche Bemerkung des Meisters gefallen lassen: 'Sie haben wohl keine

Lust? Na, ich werde es mir für das nächste Mal merken!' Diese Herren merken

oft gar nicht mehr, wie sehr sie sich bereits verkauft haben.



Doch ein Trost bleibt uns allen:

Trotz ihres weißen Kittels und ihres nicht immer ganz weißen Oberhemdes

stehen sie bei der Pleite dann genauso auf der Straße wie wir. Und dann fällt

es manchem von ihnen schwerer, wieder von vorn anzufangen, als uns."



Im letzten Beitrag wird festgestellt:"

SANI IM AUFTRAG DER OPEL-BOSSE



Kolleginnen und Kollegen! Der folgende Bericht zeigt ganz klar, daß die etwas

bessere Behandlung von uns beim Sani nur vorübergehend war. In einem Artikel

der letzten ZÜNDKERZE (vgl. 24.5.1971,d.Vf.) stellte ein Kollege die Frage,

wie lange wohl die Kapitalisten die etwas menschlicheren Anweisungen für den

Sani aufrechterhalten werden.



SANI IM AUFTRAG DER OPEL-BOSSE



In der Abteilung des Meisters Haberle in D5 wurde ein Kollege bei einem

Unfall mit einem Gabelstapler so erheblich verletzt, daß er zum Sani mußte.

Dort stellte man fest, daß er zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus

müßte. Der Kollege wurde nicht zum Krankenhaus geschickt. Er mußte weiter

arbeiten, und zwar mit der haarsträubenden Begründung: 'Die Schicht ist ja

bald um.'



Dieser Vorfall, der die Kollegen zu Recht äußerst empörte, zeigt wieder

einmal, welche Aufgaben dem Sani von den Opel-Bossen gestellt werden und wie

gewissenhaft er sie erfüllt. Seine Aufgabe ist nicht etwa, für das

körperliche Wohlergehen von uns zu sorgen - nein! Er soll dafür sorgen, daß

möglichst wenige von uns durch Krankheit aus dem Arbeits (sprich

Ausbeutungs-) Prozeß herausfallen."



In der Rubrik "Informationen aus Betrieb und Gewerkschaft" wird die

Gesamtbetriebsratssitzung angekündigt (vgl. 23.8.1971), aus der IGM Bochum

berichtet (vgl. 28.6.1971) und im letzten Beitrag festgestellt:"

SO KAUFT MAN V-LEUTE!



Man lade ein zu einem 'Bildungsurlaub' von einer Woche.



Dann zahle man 400 DM 'Lohnausfall'. Weiterhin zahle man eine Bundesbahn-

Fahrt 1. Klasse.



Daraufhin stelle man einen Sammel-Transport 2.Klasse zusammen.



Bei solchen Vorteilen werden die Vertrauensleute das Aufmüpfen schon sein

lassen!



(so geschehen bei der IGM!)"



Wiederum enthalten ist "Das rote Rätsel" und die letzten beiden Seiten werden

eingenommen vom Jugendteil der Roten Opel Jugend-Betriebsgruppe (RJBG) der

Roten Garde (RG), die zum Lesen des 'Rotgardist' aufruft und warnt:"

WER BEI DER ZÜNDKERZE MITMACHT: FLIEGT!



In der Lehrwerkstatt heißt es: Wer bei der Zündkerze mitarbeitet oder an

einem ihrer Flugblätter, der fliegt.



DIE OPELBOSSE BEKOMMEN ANGST



Die inneren Schwierigkeiten verschärfen sich. Die beginnende Wirtschaftskrise

wird eingeleitet durch Währungskrise, Inflation und Kurzarbeit. Die

Tarifverhandlungen (MTR,d.Vf.) stehen vor der Tür. Die Kapitalisten und ihre

Werkzeuge die SPD-Regierung und der DGB-Apparat verschärfen ihre Angriffe auf

die Arbeiterklasse.



Sie planen Lohndiktat und Lohnstop. Vetter hat erst vor kurzem (vgl.

S10*.1971,d.Vf.) wieder angekündigt: 'Die zeit zweistelliger Lohnforderungen

dürfte vorbei sein.' Sie befürchten Streiks nicht mehr verhindern zu können.

Deshalb verschärfen sie die Angriffe auf die KPD/ML und ihre

Jugendorganisation, die Rote Garde, immer mehr, weil sie die Kämpfe der

Kollegen konsequent unterstützen, die Verrätereien der Bosse und ihrer

Kumpanen konsequent entlarven und darüberhinaus die Kollegen, Jungarbeiter

und Lehrlinge zum Kampf gegen den Kapitalismus für den Sozialismus

organisieren. Dabei lassen sie nach und nach jede 'demokratische' Maske

fallen. Es beginnt mit verleumderischer Hetze in der Opel Post, Drohungen und

Erpressungen von Kollegen, Jungarbeitern und Lehrlingen und wird weitergehen

bis zum Verbot der Partei und ihrer Massenorganisationen.



PRESSE- UND MEINUNGSFREIHEIT NUR FÜR DIE BOSSE UND IHRE HANDLANGER



In der Schule, in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen erzählen sie uns immer

wieder etwas von Presse- und Meinungsfreiheit, unseren 'demokratischen

Grundrechten'.



Aber Presse- und Meinungsfreiheit für wen und wielange?



Für alle, die wie Springer die Bosse unterstützen, die ihnen helfen, ihr

Ausbeutungssystem zu verschleiern, uns untereinander zu spalten und damit

ihren Profit zu sichern. Aber sie hört da auf, wo sie zu einer Gefahr für

ihren Profit wird, wo sie die Ursachen aufdeckt, warum Ausbildung im

Kapitalismus immer den Bossen dient, wo sie zum Kampf für Reformen im

Kapitalismus und gegen den Kapitalismus für den Sozialismus aufruft.



In jedem Betrieb existieren seit langem schwarze Listen, auf denen die

Kollegen, Jungarbeiter und Lehrlinge stehen, die sich besonders für ihre

Interessen einsetzen, z.B. in Streiks hervortun oder verdächtigt werden

Kommunisten zu sein. Um diese Kollegen loszuwerden haben sie im allgemeinen

zwei Methoden:



- Sie werden einige Zeit nach Streiks aus irgendeinem Scheingrund entlassen,

spätestens in der Krise.



- Sie werden solange fertiggemacht (z.B. von einem Platz zum anderen

versetzt, oder bei allem was sie machen zur Sau gemacht, es wäre falsch) bis

sie selbst nichts mehr wünschen, als endlich zu kündigen.



NUR VEREINT SIND WIR STARK



Viele haben deshalb Angst den Mund aufzumachen, an uns zu schreiben oder bei

uns mitzuarbeiten. Aber wenn wir uns einschüchtern lassen, machen wir uns

erst recht zum willenlosen Werkzeug der Bosse und ihrer Handlanger. Damit

verschlechtern wir nur unsere Lage. Aber, werden viele sagen, was haben wir

davon, wenn wir an die Zündkerze schreiben und uns damit in Gefahr begeben

rauszufliegen?



Der erste Schritt ist, daß alle Kollegen über jeden Mißstand auch in der

dunkelsten Ecke des Betriebs informiert werden können, so daß die Bosse nicht

länger im Dunkeln rummauscheln können. Ein Beispiel dafür, was wir bei

kleineren Mißständen erreichen können, haben wir erst jetzt wieder erlebt. In

der letzten Zündkerze (vgl. 24.5.1971,d.Vf.) berichteten wir über Meister

Wolter. Der Erfolg war, daß jetzt alle Lehrlinge vorsichtig von ihm behandelt

werden und gesiezt werden. Sogar der Betriebsrat wurde wach und kümmerte sich

um die Sache, weil der Angst hat, daß immer mehr Kollegen sein Verräterspiel

durchschauen und den Kampf für ihre Interessen selbst in die Hand nehmen.



Aber die Aufgabe der Zeitung geht weiter. Sie kann, z.B. jetzt in den

kommenden Tarifverhandlungen, eine wichtige Stütze im Kampf für die

Durchsetzung unserer Forderungen werden. Das ist aber nur möglich, wenn sie

nicht nur weiß, was die Bosse mit den Bonzen in den Tarifkommissionen oder

der konzertierten Aktion ausmauscheln, sondern vor allem auch weiß, was

denken die Kollegen, so daß nicht mehr jeder Kollege einzeln oder mit einigen

anderen schimpft, sondern alle erfahren, was die anderen denken. Wie war es

z.B. beim letzten Streik: Viele Kollegen sagten, eigentlich müßten wir ja

streiken, aber die anderen wollen ja nicht. So werden viele von den anderen

gedacht haben und die Folge war, daß keiner sich traute anzufangen, weil

keiner vom anderen wußte, was er dachte.



Deshalb ist der einzig richtige Schritt, noch mehr zu schreiben, damit jeder

Kollege auch vom kleinsten Mißstand erfährt und weiß, wie die anderen denken.



UNSERE STÄRKE - SOLIDARITÄT



Dabei müssen wir im Betrieb natürlich vorsichtig sein. Z.B. wenn etwas

passiert, dürfen wir nicht dem Meister auf die Nase binden, daß wir es an die

Zündkerze weitergeben wollen. Er erfährt es früh genug, wenn es in der

Zündkerze steht, aber er weiß dann nicht, wer es geschrieben hat. Dadurch

werden wir nicht verhindern, daß sie uns schmeißen, wenn wir ihnen zu

gefährlich werden. Dagegen haben wir nur eine Möglichkeit: - DIE SOLIDARITÄT

- Nur wenn wir uns fest zusammenschließen und bereit sind zu kämpfen, sind

wir mächtiger als die Bosse und ihre Handlanger. Z.B. konnten die Bosse vom

Bochumer Verein (Krupp BV,d.Vf.) einen Betriebsrat der 'KPD' nicht schmeißen,

weil die Kollegen immer wieder für ihn streikten.



Kollegen, Jungarbeiter und Lehrlinge, Mao Tse-tung sagt: Es ist schlecht für

uns, wenn der Feind nicht gegen uns Front macht, denn das würde bedeuten, daß

wir mit ihm unter einer Decke stecken. Wenn der Feind uns bekämpft, ist das

gut und nicht schlecht, denn das ist ein Beweis, daß wir zwischen ihm und uns

einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn der Feind uns energisch

entgegentritt, uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns

gelten läßt, ist das noch besser, denn das zeugt davon, daß wir nicht nur

eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern daß unsere Arbeit auch

Erfolge gezeitigt hat."

=Zündkerze Perschke auf der Betriebsversammlung,Bochum o.J. (1971)



August 1971: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im August zwei Ausgaben ihres

'Roten Kadetts' (vgl. 30.4.1971, Jan. 1972) heraus.

=Roter Kadett Nr.1 und o.Nr.,Bochum 1971 bzw. o.J. (1971)



15.08.1971: 

Heute verkündet in den USA Präsident Nixon u.a. die Aufhebung der Bindung

des Dollars an die Goldbestände als Währungsreserve und eine zehnprozentige

Einfuhrsteuer.



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

23.8.1971) berichtet:"

NIXON LÄUFT AMOK!



Wenn einem kleinen Gangster das Wasser am Halse steht, läuft er Amok. Dabei

werden einige Menschen gefährdet. Jetzt steht dem größten Gangster-System der

Welt, dem US-Imperialismus, das Wasser am Hals. Die US-Supermacht läuft Amok.



Dadurch werden Millionen und Abermillionen Werktätige in aller Welt

gefährdet.



Dem US-Imperialismus steht das Wasser am Halse: auf den asiatischen

Schlachtfeldern wurden seine Söldnertruppen von den revolutionären Völkern

vernichtend geschlagen. Nixon muß sich jetzt sogar auf den schweren Gang zu

seinem Todfeind, der VR China machen, um Kapitulationsverhandlungen zu

führen. Nach innen steckt die Yankee-Wirtschaft in der dicksten Krise seit

dem schwarzen Freitag vom 1929 (vgl. S2.**.1929,d.Vf.): galoppierende

Inflation, über sechs Millionen Arbeitslose.



Deshalb schlägt der US-Imperialismus jetzt in seinem Amok-Lauf nach zwei

Seiten: gegen seine imperialistischen 'Partner' und gegen die Arbeiterklasse.



Gegen seine imperialistischen 'Partner', darunter die BRD, fährt Nixon 9als

treuer Lakai von Ford und General Motors (GM,d.Vf.) drei schwere Geschütze

auf:



1) Begünstigung der US-Monopole, z.B. Senkung der Automobilsteuer um 7%,



2) Schädigung der Exporte der 'Partner' durch zehnprozentige Importsteuer,



3) Lösung des Dollars vom Gold.



Die genauen Folgen dieser Maßnahmen sind im einzelnen noch nicht klar zu

sehen. Besonders unklar ist, was die USA mit der dritten Maßnahme wirklich

bezwecken. Wahrscheinlich werden sie sich weigern, den Goldpreis zu erhöhen.

Eine Erhöhung des Goldpreises würde den Dollar abwerten. Stattdessen

versuchen sie offenbar, noch einmal ihre 'Partner' zur Aufwertung zu zwingen,

besonders Japan und die Bundesrepublik.



Sicher allerdings ist folgendes (das zeigt auch das Geschrei der

westdeutschen Imperialisten): der Export der 'Partner' in die USA, besonders

der Japans und der BRD, erlitt durch die Yankee-Maßnahmen einen

entscheidenden Schlag. Eines ist klar: Japans Exporte gehen zu einem Drittel

in die USA. Die US-Monopole mußten ihren japanischen Konkurrenten den

Hauptschlag versetzen. Ähnliches gilt für die BRD: ca. 10% ihrer Exporte

gehen in die USA, darunter jeder dritte VW. Besonders bei der Autoindustrie

wird klar, warum Nixon diese Maßnahmen treffen mußte und wer eigentlich

dahinter steckt.



Japanische und westdeutsche Autos machten den amerikanischen Auto-Riesen

größte Konkurrenz, vor allem General Motors und Ford. Gerade sie waren es,

die von Nixon die Schädigung der Importe verlangten. Und er handelte treu

und brav: die Autoimporte werden durch alle Maßnahmen insgesamt um ca. 23%

teurer. Nicht umsonst stiegen daher die amerikanischen Ford und General

Motors Aktien sprunghaft an!



Diese Politik des 'Protektionismus' ist im Grunde nichts anderes als die

Politik Hitlers: erinnern wir uns! Was tat Hitler, um die Wirtschaftskrise

zu 'beheben'? Er schützte die Krupp und Thyssen vor englischen (britischen,d.

Vf.) und amerikanischen Stahlimporten. Die Stahl- und Rüstungsaktien stiegen

sofort.



Der einzige Unterschied zu damals besteht darin, daß der US-Imperialismus

stärker als seine 'Partner' ist.



NIXONS SCHLAG GEGEN DIE ARBEITERKLASSE



Nixons zweiter Schlag ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung: die

Arbeiterklasse und alle anderen Werktätigen sollen die Knochen für seine

Politik herhalten.



Am wichtigsten dabei ist der Lohnstop, der nichts anderes als Lohndiktat

bedeutet. Selbst die schon beschlossenen Lohnerhöhungen in einigen Branchen

sind damit null und nichtig.



Und was bekommen die Monopole? Sie erhalten für jeden 'neu geschaffenen

Arbeitsplatz' Prämien. Aber wer zahlt das? Natürlich der Arbeiter! Dies ist

der ganze Hohn: zuerst haben die Monopole in Krieg und Arbeitslosigkeit die

Arbeiter gehetzt, jetzt dürfen die Arbeiter auch noch ihre 'neuen

Arbeitsplätze' bezahlen. eine durch und durch verkommene kapitalistische

Maßnahme!



Und was ist der 'Preisstop'? Nichts! Nixons Worte sind reinste Demagogie für

die Arbeiter und Beruhigung für die Konzerne. Er sagt klar, daß zur

'Preiskontrolle' keine 'riesige Bürokratie' aufgebaut werden soll. Die dicken

Fische bleiben also unangetastet - wie hätte es auch anders sein können? Die

größte Unverschämtheit besteht allerdings darin, daß Nixon den Lohn eines

Arbeiters mit der Dividende eines Imperialisten vergleicht. Der Lohn darf

nicht steigen, aber die Profite. Die Monopole werden nur 'aufgefordert, die

Dividenden nicht zu erhöhen'. Welcher Profithai wird sich daran halten...



Die Gewerkschaften sind aufgerufen, bei der 'Behebung' der Krise zu helfen.

Nun, sie werden ihr Handwerk treu ausführen, zwar ab und zu ein wenig

rrradikal tönen, aber ansonsten die Arbeiter nach Strich und Faden in die

staatliche Zwangsjacke des Lohndiktats und Streikverbots pressen. Sie sind

durch und durch kapitalistische Gewerkschaften, wie sie in der Vergangenheit

genug bewiesen haben. Jetzt werden sie das machen, was unter Hitler in

Deutschland schon Wirklichkeit war: eine Politik der 'Arbeitsfront' (DAF,d.

Vf.) zur 'Rettung des Vaterlands'!



Und all dies bedeutet nichts anderes als ein weiterer Schritt zum Faschismus.

Jeder Arbeiter, der trotzdem für seine Rechte eintreten will, wird gnadenlos

verfolgt werden. Der Krieg Klasse gegen Klasse wird auch in den USA, ja vor

allem dort, sich verschärfen.



PROFITHAIE



Und was wird sich in Westeuropa abspielen? Die hiesigen imperialistischen

Wölfe werden sich gegenseitig an die Gurgel gehen, wenn es um Absatzmärkte

usw. geht. Vor allem der westdeutsche Imperialismus muß retten, was zu retten

ist. Er weiß ganz genau, daß er besonders abhängig von den Yankees ist. So

hat er sich bereits vor Jahren (vgl. S3.**.19**,d.Vf.) verpflichten müssen,

keine Dollars gegen Gold einzutauschen. So muß er seine Waffen zum Großteil

in den USA kaufen. Auf der anderen Seite aber darf er es sich vor allem mit

Frankreich nicht verscherzen, könnte doch sonst für ihn die EWG in die Binsen

gehen, wie dies fast schon zu Beginn des Jahres war (vgl. S3.*.1971,d.Vf.),

als Westdeutschland den Dollar stützte und damit wie ein Lakai handelte.

Stützt er sich weiter auf Frankreich, so wird er wohl oder übel einiges

aufgeben müssen: Frankreich ist keineswegs so exportabhängig wie die BRD.

Will also Westdeutschland noch stärker auf den französischen Markt, so werden

die französischen Monopole harte Bedingungen stellen.



Wird allerdings die EWG so handeln wie die USA, so sind die Folgen für die

Imperialisten unabsehbar: das erste wird ein gnadenloser Handelskrieg sein,

in dem mit allen Mitteln gefochten wird. Doch davor schrecken die

Monopolisten noch zurück: die Folge wäre ein Anwachsen revolutionärer

Strömungen, denn Massenarbeitslosigkeit usw. wären unumgänglich. Die

westeuropäische 'protektionistische Karte' wird daher vermutlich zunächst

noch in der Hinterhand bleiben.



LOHNDIKTAT



STREIKVERBOT



In einem aber sind sich ALLE Imperialisten, auch die westeuropäischen, einig:

Wenns hart auf hart geht, dann werden sie die Arbeiter schonungslos

ausquetschen und unterdrücken. Jedes Zugeständnis, das sie an die Yankees

machen müssen, wird auf unsere Knochen abgewälzt. Um einigermaßen

konkurrenzfähig zu bleiben, werden sie zusätzliche Maßnahmen gegen die

Arbeiterklasse ergreifen. Und hier gewinnt die Metalltarifrunde (MTR,d.Vf.)

entscheidende Bedeutung: Schillers Auftraggeber, die Monopole, werden alles

daransetzen, daß auch hier das Lohndiktat und damit faktisches Streikverbot

durchgesetzt wird.



Die ersten DGB-Stellungnahmen zeigen ganz klar, daß die IGM bereit ist, dem

Kapital seine Profite zu sichern. Das gleiche bei der DAG, die in solchen

Fällen immer Vorreiter spielt.



Wir sollen nicht 8% wie in der Chemie (CTR der CPK,d.Vf.) bekommen, was ja de

facto nichts war: wir sollen nichts bekommen und noch zusätzlich bluten,

damit 'Ruhe an der Heimatfront' herrscht, damit die VW, Thyssen und wie sie

alle heißen, unter günstigen Bedingungen ihren ausländischen Konkurrenten an

die Gurgel gehen können.



Nun, die faschistische Ideologie von 'Wir sitzen alle in einem Boot' wird

stärker fröhliche Urständ feiern. Genau wie Nixon werden auch hier die

Herrschenden 'argumentieren'. Eine Flut von 'Maßhalteappellen' und 'Wir sind

doch alle betroffen!' wird über die Werktätigen wegschwemmen. Die Tintenkulis

in Presse, Funk und Fernsehen spitzen schon die Federn und die Mäuler, um ja

ihren Herren treu zu Diensten zu sein. Und dann erst der Nationalismus! 'Die

deutsche Mark muß hart bleiben!' 'Deutschland muß bestehen können!' Das ist

nur eine kleine Kostprobe. SPD und DGB-Bonzen werden sich die Hälse heiser

schreien, um hinter CDU/CSU nicht zurückzubleiben.



Wir haben dies alles so ausführlich dargestellt und werden das verstärkt

weiter tun, um jedem Kollegen von vornherein zu sagen, worauf er aufpassen

muß, was ihn erwartet.



Der Stein aber, den die Imperialisten erhoben haben, wird eindeutig auf ihre

eigenen Füße fallen. Der westdeutsche Arbeiter hat gerade in den letzten

Jahren bewiesen, daß er nicht mehr hinter seinem französischen oder

italienischem Kollegen zurückstecken muß. Die Ruhe ist vorbei, wer Wind sät,

wird Sturm ernten, heißt ein altes Sprichwort.



Es gibt wieder wirklich kommunistische Kräfte in Westdeutschland, es gibt die

KPD/ML und es gibt vor allem in den DGB-Gewerkschaften Kollegen, die bereit

sind, Kampfmaßnahmen zu organisieren, gegen das Kapital, gegen die Regierung

und gegen die DGB-Bonzen!



Wenn wir alle einig sind, vor allem in den bevorstehenden Kämpfen, so können

wir die Schläge abwehren. Unsere Erfahrung zeigt - trotz alledem - wir sind

stärker als Lohndiktat und Streikverbot. Unsere Klasse ist die Klasse der

Zukunft, während die Imperialisten von Tag zu Tag mehr verfaulen. Der US-

Imperialismus geht allen voran - wir alle können es sehen.



VORWÄRTS IM KAMPF!

STÄRKT DIE KPD/ML!

KÄMPFT FÜR EINE REVOLUTIONÄRE GEWERKSCHAFTSOPPOSITION (RGO,d.Vf.)!



GEGEN DEN AMERIKANISCHEN UND WESTDEUTSCHEN IMPERIALISMUS - DIE KAMPFFRONT DER

ARBEITERKLASSE!"



Zitiert wird aus diesem Artikel auch später (vgl. 22.11.1971) durch die RBG

Opel selbst

=Zündkerze Nr.10 und So bereitet sich die Opel-Bande auf die Krise vor,Bochum

o.J. (1971) bzw. o.J. (1971),S.1ff bzw. S.2



23.08.1971: 

Laut KPD/ML-ZK soll eine Opel-Gesamtbetriebsratskonferenz in Berlin

beginnen, die bis zum 25.8.1971 dauert.

Aus Rüsselsheim berichtet die Rote Opelbetriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK:"

Rüsselsheim, den 18.8.1971



GESAMTBETRIEBSRATSKONFERENZ IN BERLIN



Kolleginnen und Kollegen!



Vom 23. bis 25.August findet in Berlin die 3.Gesamtbetriebsratskonferenz

statt. Der diesjährige Termin liegt einen Monat früher als letztes Jahr.

Warum? Das ist klar (vgl. 24.9.1970, 25.9.1970,d.Vf). ...

Die Gefahr, daß wir die Sache selbst in die Hand nehmen, wollen sie diesmal

vermeiden. Deshalb der verschobene Termin.



WAS HABEN WIR VON DER KONFERENZ ZU ERWARTEN?



Wozu findet das ganze eigentlich statt? Hahn auf der 1.

Gesamtbetriebsratskonferenz in Rüsselsheim (vgl. **.*.196*,d.Vf.): 'Diese

Tagung soll zur Koordinierung der Arbeit der Einzelbetriebsräte beitragen,

um den Wünschen gegenüber der Geschäftsleitung mehr Durchschlagkraft zu

verleihen.'



'Gute Sachen' werden viele sagen. Doch Vorsicht mit schnellen Kommentaren.

Erstmal die Sache etwas genauer betrachten:

Vereinheitlichung der Linie gegenüber der Firmenleitung wurde gesagt. Wozu

braucht man dann stundenlange Reden eines Dr. R. Hoenicke (Vorstandsmitglied

und Leiter der Personal- und Sozialabteilung), die nichts anderes beinhalten

als das folgende verlogene Kapitalistengeschwätz:

'Wir sitzen doch alle in einem Boot' Und wörtlich: 'Auf Zusammenarbeit

gründet sich alle Kultur. Wir Menschen sind Wesen, die voneinander abhängig

sind, sei es nun im privaten, beruflichen, gesellschaftlichen oder

politischen Leben.' Und als Krönung die unmißverständliche Warnung: 'Und

diese Tatsache sollten wir immer beachten, vor allem dann, wenn die

Meinungen aufeinanderprallen.'



Wir sind allerdings auch der Meinung, daß zur 'Kultur' zum Beispiel im K 40

oder im M 55 zwei nötig sind, nämlich Ausbeuter und Ausgebeutete. Aber genug

zu diesem Geschwätz von Kultur und gemeinsamen Interesse. Wir Arbeiter

spüren die 'Tatsachen' täglich an den eigenen Knochen. Um dies zu kennen,

brauchen wir keinen Dr. R. Hoenicke, der sich im Plüschbüro irgendetwas

zusammenspinnt.



Kollegen, wozu brauchen die auf der Betriebsratskonferenz einen

Generaldirektor Mason oder einen Bürgermeister Dr. Storsberg, der sicherlich

nichts anderes zu erzählen hat, wie daß der großzügige Opel wieder 500 000

DM für die Mehrzweckhalle gespendet hat.



Kollegen, wenn wir diese Besetzung betrachten, wird klar, wo der 'richtige

Weg' hinläuft, von dem unser geschätzter Gesamtbetriebsratsvorsitzender Hahn

spricht:



EINHEIT MIT HAHN UND LORENZ - GLEICH EINHEIT MIT DEN OPELBOSSEN



Die wenigen Betriebsräte und Vertrauensleute, die noch einen Funken

Klassenbewußtsein in sich haben, die aus der Praxis der Produktion behalten

haben, daß Kapitalinteresse und Arbeiterinteresse sich direkt entgegenstehen

und unvereinbar sind, die sollen auf die andere Seite gezogen werden. Oder

was soll es denn anderes bedeuten, wenn Hahn, Lorenz und Co. begeistert

Beifall klatschen, als Hoenicke wörtlich sagte: 'Deshalb müssen Betriebsräte

aus besonderem Holz geschnitzt sein... in ihrem Kreis kann man nur nüchterne

und verantwortungsbewußte Männer und Frauen gebrauchen, denen das Wohl des

Unternehmens wichtiger ist als irgendwelche Augenblickserfolge ohne festes

Fundament.'



Hahn, Lorenz und Co., wir wissen, daß ihr aus Verräterholz geschnitzt seid.

das 'Wohl des Unternehmens' war euch immer wichtiger. Die 'Alle-in-einem-

Boot'-Phrase habt ihr lange genug bei den Arbeitern an den Mann gebracht,

deshalb wird der Stein, den ihr erhoben habt, auf eure eigenen Füße fallen.



DIE RICHTIGEN FORDERUNGEN - DIE LAGE DER ARBEITERKLASSE



Um die richtigen Forderungen aufzustellen, müssen wir uns die Situation, in

der sich die Arbeiterklasse im Herbst 1971 befindet, noch mal vor Augen

halten.



Wir befinden uns am Anfang einer neuen größeren Krise. Es sieht zwar beim

Opel, oberflächlich betrachtet, noch ganz gut aus, aber das kann und wird

sich bald schlagartig ändern.



Von 1966/1967 wissen wir das zu gut: Samstags noch Überstunden, Montags

Entlassungen und Kurzarbeit. Die Vorzeichen der Krise spüren wir schon stark.

Sie heißen: maßlose Preistreiberei, Verschärfung der Ausbeutung.



Um ihren Platz als angesehene, kapitalkräftige Imperialisten zu behalten und

möglichst noch zu verbessern, brauchen die westdeutschen Imperialisten die

Schillerschen sogenannten 'Lohnleitlinien', das Lohndiktat.

Die SPD-Regierung und ihre Kettenhunde, die Gewerkschaftsbürokratie, sind am

besten in der Lage, das Lohndiktat in der Arbeiterklasse durchzusetzen, weil

sie immer noch über einigen politischen Kredit bei vielen Arbeitern verfügen.



Das Lohndiktat der SPD-Regierung ist das Mittel der Ausbeuter, die Krise auf

das arbeitende Volk abzuwälzen.



DAS LOHNDIKTAT IST EIN NEUER SCHRITT AUF DEM WEG ZUR VERSTAATLICHUNG DER

GEWERKSCHAFTEN. DAS GRUNDRECHT DER ARBEITER UM HÖHERE LÖHNE ZU STREIKEN SOLL

ABGEBAUT WERDEN! DIE MITTEL DAS DURCHZUSETZEN, SAHEN WIR IN DER CHEMIE. SIE

HEISSEN POLIZEIKNÜPPEL UND ZWANGSSCHLICHTUNG.



Die erste Pflicht einer klassenbewußten und kämpferischen Gewerkschaft wäre

es, die Arbeitermassen in den Betrieben auszurichten und den Kampf

vorzubereiten unter der Parole:



ZERSCHLAGT DAS LOHNDIKTAT



Doch was tun die Gewerkschaftsbosse? Wie unser Kollege Hahn so auch Otto

Brenner (Vorsitzender der IG-Metall) 'Wir halten uns an die wirtschaftlichen

Gegebenheiten.' Das heißt auf deutsch: Zum Wohle des Kapitals immer drauf auf

die Arbeiterklasse, die kleinen Angestellten, die kleinen Bauern!



Die Angriffe auf das Volk werden in Bonn seit Jahren in der Konzertierten

Aktion, wo Unternehmer, Regierung und Gewerkschaftsbonzen an einem Tisch

sitzen, ausgemauschelt.



Der Kampf um die klare Forderung:



RAUS AUS DER KONZERTIERTEN VERRÄTERAKTION - KEINE GEHEIMABSPRACHEN MIT DEN

KAPITALISTEN



müßte für jeden klassenbewußten Vertrauensmann oder Betriebsrat eine

Selbstverständlichkeit sein. Doch nichts davon in den 52 Anträgen für Berlin

...!



Es wäre die Pflicht jedes guten Vertrauensmannes, um Arbeiterversammlungen

zur Diskussion der richtigen Forderungen und Vorbereitung von Kampfmaßnahmen

zu kämpfen.

Doch nichts davon in den 52 Anträgen für Berlin ...!



Kollegen, die richtigen Forderungen haben wir schon in der letzten Zündkerze

(vgl. 7.7.1971,d.Vf.) proklamiert:



1. 15% gleich 1 DM mehr ab 1.10.1971



2. tarifliche Absicherung des Effektivlohns



3. 13. Monatslohn (tariflich abgesichert)



4. Wegfall der Lohngruppen 1 und 2



5. Volle Bezahlung des 24.12. und Sylvester



6. Voller Lohnausgleich bei 6 Stunden Samstagsschicht



7. Weg mit dem Punktebewertungssystem - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit



Kollegen,



was an den richtigen und notwendigen Dingen zuwenig in den Anträgen steht,

steht an falschen Dingen zuviel drin.



Wer die Richtung dieser Anträge einmal genau untersucht, dem wird klar, mit

was für einer Art von Gewerkschaft wir es heute zu tun haben.



Die Gewerkschaftsbonzen haben in erster Linie die Aufgabe die Interessen der

Kapitalisten gegen die Arbeiter durchzusetzen. Dazu werden sie von Kapital

und Staat mit dicken Posten bestochen. Sie sitzen in Ministersesseln wie Herr

Arendt (Bundesarbeitsminister), in den Aufsichtsräten (die kann man gar nicht

alle aufzählen). Sie sitzen in Polizeipräsidien und in Gemeinderäten. Hahn

sitzt im Stadtrat von Flörsheim (in Hessen,d.Vf.).



SIE SIND OFT SELBST KAPITALISTEN



Sie sind voll eingegliedert in den staatlichen Unterdrückungsapparat. Sie

müssen und werden auch mit allen Mitteln versuchen das Lohndiktat gegen die

Arbeiter durchzusetzen. Wie weit die Gewerkschaftsbürokratie sich schon nach

unten durchgesetzt hat, zeigt, daß kein einziger Antrag gegen das Lohndiktat,

gegen konzertierte Aktion und Geheimabsprachen, keine einzige Lohnforderung

(%) in den 52 Anträgen für Berlin zu finden ist.



MITBESTIMMUNGSKRAMPF - AUSLIEFERUNG AN DAS KAPITAL



Die Anträge, die dafür haufenweise drin sind, laufen alle auf die Ablenkung

der Arbeiterklasse von den richtigen Zielen, also auf die Fertigung und

Erweiterung der Pöstchen, auf Mitbestimmungsdudelei hinaus.



Im folgenden die Kritik einiger dafür charakteristischer Anträge:



Antrag Nr.4



Für Großbetriebe sollen sogenannte Öffnungsklauseln eingeführt werden, d.h.

in Großbetrieben sind die Gewinne größer als in kleinen Klitschen. Da müßten

die Arbeiter auch mehr verdienen.



Kollegen, das ist doch nichts anderes als eine weitere Aufspaltung der

Arbeiterklasse. Oder sind etwa die Preise für Kollegen aus kleineren

Betrieben niedriger als für die aus Großbetrieben?



Dahinter steckt nichts als das verräterische Argument der Gewerkschaftsbosse,

man müsse die Löhne nach den Gewinnen aushandeln. Eine Arbeitergewerkschaft

verlangt nicht Löhne nach den sowieso frisierten Bilanzgewinnen der Bosse,

sondern alles, was rauszuholen ist. Die Opelbetriebsräte wollen durch solche

Anträge wohl auch ihre Stellung (sie sind ja Großbetrieb) innerhalb des

Gewerkschaftsapparates ausbauen.



Antrag Nr.26:



'Einführung eines gesetzlichen Beteiligungslohns zur Beteiligung am

Produktivkapital.'



Kollegen, das ist der Gipfel des Eisbergs! Mit solchen Parolen und

Forderungen sollen wir für immer und ewig an das Ausbeutersystem gekettet

werden. Durch solche Forderungen (so steht es in der Begründung der

Betriebsräte Bauschbach, Dörr, Herbrand und Weyerhäuser) soll die

'Kapitalkonzentration und die damit verbundene Gefahr der politischen

Einflußnahme auf den demokratischen Rechtsstaat' verhindert werden.

Hier wird die 'alle in einem Boot' Ideologie zur Grundlage gewerkschaftlicher

Forderungen gemacht.



Wir brauchen keine Beteiligung am Produktivkapital! Wir sind Arbeiter und

keine Kapitalisten. Ein Zwischending gibt es nicht. Wir können und wollen uns

nicht selbst ausbeuten!! Wir werden uns nicht beteiligen an der ungeheuren

Schuld die eine Politik ausgerichtet nach Profitinteresse mit sich bringt.

Wir werden nicht mitverantwortlich sein an der Ausplünderung ganzer Erdteile

zum Wohle des deutschen Produktivkapitals.



Was wir brauchen ist nicht Beteiligung und Kumpanei mit gesetzlich

legalisiertem Großverbrechen und Kriegstreiberei sondern ein anständiges und

materiell gesichertes Leben, in dem jeder nach seinen Interessen und

Fähigkeiten arbeiten und lernen kann.



Kollegen,



das ist der ganze traurige Charakter der Mitbestimmungschose.



Die Kollegen sollen glauben, daß man mit der Mitbestimmung den Kapitalisten

Geld abknöpfen kann, daß die Arbeiter dadurch Einfluß auf den Staat und die

Gesellschaft gewinnen können. Das ist eine Täuschung!



Die Gewerkschaftsbonzen wollen uns Arbeiter dazu benutzen für sie die fetten

Mitbestimmungsposten zu erkämpfen. Die einzigen, die was davon haben, sind

die Bonzen selbst. Und in Zukunft, wenn die Krise kommt, wenn immer mehr

gerüstet wird zur Vorbereitung eines neuen Weltkriegs, dann werden diese

Herren ganz im Sinne des Kapitals in die Welt posaunen: 'Arbeiter, ihr müßt

die Gürtel enger schnallen, Arbeiter, ihr müßt eure Söhne in den Krieg

schicken, denn Arbeiter, du bist ja selbst beteiligt am Produktivkapital und

bestimmst obendrein noch mit!'



Kolleginnen und Kollegen,



Einige Anträge an die Gesamtbetriebsratskonferenz sind richtig. Diese Anträge

verdienen unsere Unterstützung. Wir werden nach der Sitzung in Berlin

bekanntgeben, ob sie durchgekommen sind und wer dagegen oder dafür gestimmt

hat.



Die Anträge Nr.5, 32, 36 zielen auf lineare Lohnerhöhungen ab. Ebenso gibt es

Anträge zum Wegfall von Leichtlohngruppen und gegen Bezahlung nach Alter im

Zeitlohn. Diese Anträge zielen auf das richtige Prinzip 'Gleicher Lohn für

gleiche Arbeit' ab. Weitere Anträge setzen sich für stündliche

5-Minuten-Pausen am Band (ohne Veränderung der Bandgeschwindigkeit) und für

Bezahlung der Parkplatzversicherung ein. Das müssen wir besonders

unterstützen. Die Kapitalisten geben schließlich auch keinen einjährigen

Frieden mit den Preisen.



Kolleginnen und Kollegen, klassenbewußte Vertrauensleute und Betriebsräte!



Viele werden jetzt fragen, wie können wir denn die richtigen Anträge

unterstützen? Es gibt ja für ein einfaches Gewerkschaftsmitglied praktisch

kein gewerkschaftliches Leben.



VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT



DEN EHRLICHEN GEWERKSCHAFTERN DEN RÜCKEN STÄRKEN!



Eins vorneweg: Wir dürfen uns keine Illusionen darüber machen, in diesem

bürokratischen Gewerkschaftsapparat wirklich was vernünftiges für die

Arbeiterklasse ereichen zu können. Da ist nichts zu machen. Wer das versucht,

wird von oben isoliert, und wenn er weitermacht aus dem Apparat

rausgeschmissen. Das kennen wir von früher, z.B. nach dem KPD-Verbot, als die

Kommunisten nach und nach gesäubert wurden.



Deshalb müssen wir wie 1969/70 hauptsächlich auf die eigene Kraft vertrauen.

Und wir müssen jeden Meter Boden, der uns überlassen wird, ausnutzen.



Es gibt noch gute Vertrauensleute und auch Betriebsräte. Das sind Kollegen,

die sich täglich ehrlich bemühen und sich manchmal den Herzbändel abrennen

wenn es um unsere Interessen geht. Diesen ehrlichen Gewerkschaftern müssen wir

den Rücken stärken. Wir müssen mit ihnen unsere Forderungen diskutieren und

sie kontrollieren.



Wir müssen verlangen, daß sie uns über alles sofort informieren, was auf

gewerkschaftlichen Versammlungen besprochen wird. Das Wichtigste, was wir

ihnen immer wieder sagen müssen, ist: Bleib auf der Seite der Arbeiterklasse!

Wer sich zwischen Arbeiter und Kapital stellen will, steht in Wirklichkeit

auf der anderen Seite. Leute, die eine  Kompromiß-Politik betreiben, können

wir nicht gebrauchen. Kompromisse dienen dem Kapital.



KLASSENBEWUSSTE BETRIEBSRÄTE,

ZEIGT UNS IN BERLIN, AUF WESSEN SEITE IHR STEHT !!"



Veröffentlicht wird auch noch "ohne Kommentar" folgender:"

Antrag Nr.21



BETR. STEUERREFORM



Aus dem Inhalt:



Die 3.Betriebsrätevollkonferenz der Betriebsräte ist sich allerdings darüber

im Klaren, daß die Entlastungen für die Millionen von Arbeitnehmern sich nur

in engen Grenzen halten können. Angesichts des grotesken Mißverhältnisses

zwischen 'privatem Reichtum' und 'öffentlicher Armut' muß die öffentliche

Hand mit mehr Einnahmen ausgestattet werden. Der Bau von Krankenhäusern

...hat absoluten Vorrang. ...Die Entlastung kleiner Einkommen muß aber

deswegen begrenzt werden, weil jede entlastende Maßnahme erhebliche

Steuerausfälle hervorruft, die das Programm der inneren Reform gefährden

würde.'"



Aus Bochum fragte die Rote Opelbetriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK:"

AUGUST - GESAMTBETRIEBSRAT IN BERLIN



Sonderbar, ausgerechnet dort, wo nur ca. 750 Kollegen arbeiten! Ausgerechnet

dort, wo es keine (noch!) Betriebsgruppe gibt! Haben die Herren Bonzen etwa

Angst davor, ihre Sitzung dort abzuhalten, wo im letzten September tausende

von Opel-Arbeitern auf der Wiese standen? Haben die 'Arbeitervertreter'

Angst, daß dann eher etwas durchsickert, was nicht für Arbeiterohren bestimmt

ist?"

Die Bochumer RBG berichtet (vgl. 16.9.1971) über die SPD-BG Arso und den BR-

Vorsitzenden Perschke:"

In Berlin haben sie toll verhandelt, der Berg ist gekreist, geboren hat er

eine Maus. Von den in der letzten BV aufgestellten Forderungen wurde kaum ein

Antrag wirklich behandelt. Zum 13.Monatslohn forderte z.B. die V-Leute-

Körperleitung Rüsselsheim, 'sich für die Zahlung eines 13.Monatseinkommens

ohne Begrenzung' einzusetzen. Anmerkung der Antragskommission des GBR:

'Annahme empfohlen, aber 'ohne Begrenzung als Weihnachtsgratifikation'

streichen'. In dieser Art gehts dann weiter, was die Anträge betrifft. Und

fragt Perschke auf der BV, was er hinsichtlich des tariflichen Urlaubs

(Weihnachten, Sylvester) durch'gesetzt' hat, ihr werdet staunen!!"



Bei Perschkes Bericht (vgl. 16.9.1971), meint die RBG, "kam nichts Neues

heraus. Dafür unterschlug er die 27 Anträge, die von V-Leuten aus eigener

Initiative für Berlin bei ihm eingereicht worden waren. Er hätte dann nämlich

begründen müssen, warum in Berlin darüber (offiziell!!) kein Sterbenswörtchen

erwähnt wurde."

=Zündkerze Perschke auf der Betriebsversammlung, Extranummer Kampf der

Bonzendiktatur! und Nr.11,Bochum o.J. (1971),S.9, S.2 bzw. S.3;

Zündkerze Extrablatt,Rüsselsheim 18.8.1971,S.1ff



23.08.1971: 

Die Nr.10 der 'Zündkerze' der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der

KPD/ML-ZK (vgl. 5.7.1971, 27.8.1971) erscheint vermutlich in dieser Woche mit

sechs Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stephan Bock, Bochum u.a. mit

Auszügen aus der Rede des USA-Präsidenten (vgl. 15.8.1971) und dem selbst

formulierten Leitartikel dazu.

=Zündkerze Nr.10,Bochum o.J. (1971)



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24.08.1971: 

In Berlin erscheint die Nr.16 des 'Schwartzkopff Hammer' (vgl. 11.8.1971,

8.9.1971) der Betriebsgruppe Schwartzkopff der KPD/ML-ZB.

Eingegangen wird u.a. auf Opel Bochum.

=Der Schwartzkopff Hammer Nr.16,Berlin 24.8.1971



24.08.1971: 

An diesem Tage erscheint in Berlin ein auf August datiertes zweiseitiges

Extrablatt des 'Roten Gartenfelders' (vgl. 17.8.1971, 25.8.1971) der

Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB. Berichtet wird u.a. von Opel Bochum.

=Der Rote Gartenfelder Extrablatt,Berlin Aug. 1971



25.08.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.64 (vgl. 21.8.1971, 28.8.1971) heraus.

Berichtet wird u.a. von Opel Bochum durch die Jugendbetriebsgruppe des KJVD.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.64,Bochum 25.8.1971



27.08.1971: 

Ein Extra der 'Zündkerze' der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der

KPD/ML-ZK (vgl. 23.8.1971, 30.8.1971) erscheint frühestens heute mit zwei

Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stephan Bock, Bochum u.a. mit der

Forderung von 15% zur Metalltarifrunde.

Q: Zündkerze Extra,Bochum o.J. (1971)



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28.08.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.65 (vgl. 25.8.1971, 1.9.1971) heraus.

U.a. heißt es zur MetallTarifrunde 1970:"

Vor allem in den

kampfschwächeren Branchen (Elektro- und Autoindustrie) wurden Streiks zum

Teil von den Gewerkschaftsführern und auf den unteren Ebenen direkt angeführt

(besonders in Klein- und Mittelbetrieben) oder nach dem spontanen Ausbruch

der Kämpfe unterstützt und so unter Kontrolle gebracht. Bei Opel-Bochum wurde

der Streik von Teilen der sozialdemokratischen V-Leute in einem Werk

angeführt. Der Streik entwickelte sich schnell und explosiv und griff auf das

andere Werk über. Am nächsten Tag setzten die Opel-Arbeiter ihren Streik

fort. Sie marschieren zum 'Humboldt-Eck', wo der Opel-Gesamtbetriebsrat tagt.

Dort erfahren sie, daß die Rüsselsheimer Betriebsräte schon abgereist sind,

weil auch dort gestreikt wird. Betriebsrat Perschke spricht zu den Kollegen

und versucht sie zu beschwichtigen. Die Opel-Arbeiter, die recht

kampfunerfahren sind, lassen sich besänftigen und kehren an die Arbeit

zurück. An beiden Streiktagen aber waren Mitglieder des Hauptvorstandes

(Loderer und Strothmann) in Bochum, um die Streikentwicklung zu beobachten

und die Kontrolle über die kampfbereiten Opel-Arbeiter nicht zu verlieren.

Diese Methode konnte in den kampfstärksten Betrieben nicht angewandt werden,

um die Unruhe abzufangen. Hier versuchten die Bonzen, die Streiks von

vornherein zu verhindern. So fanden in den Kampfzentren der Septemberstreiks

69 während der Tarifrunde 70 fast gar keine Streiks statt. ...



Nach dem Abschluß setzte die von Brenner geleitete

Aufklärung in den Betrieben ein, die zwar dazu führte, daß das Ergebnis

angenommen wurde, die aber auch den Einfluß der Sozialdemokratie entscheidend

schwächte. Das zeigt das Abstimmungsergebnis sehr deutlich: 51,19% lehnten

das Ergebnis ab, und sprachen sich damit für Streik gegen den

Schlichtungsverrat aus. Nur 33,48% stimmten dem Abschluß zu, der Rest der

Kollegen ging gar nicht zur Abstimmung hin. In den gleichen Betrieben wie bei

Ford und Opel wurde der Schlichtungsverrat mit 70 bis 80% Gegenstimmen

abgelehnt."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.65,Bochum 28.8.1971



30.08.1971: 

Ein Extra der 'Zündkerze' der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der

KPD/ML-ZK (vgl. 27.8.1971, Sept. 1971) erscheint vermutlich in dieser Woche

mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stephan Bock, Bochum unter dem

Titel "Verraten und verkauft" zur Forderung von 9% in der Metalltarifrunde

(MTR) und mit einem Bericht von der Gesamtbetriebsratskonferenz.

Q: Zündkerze Extra Verraten und verkauft!,Bochum o.J. (1971)



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30.08.1971: 

Es erscheint die Nr.17 der 'Roten Fahne' (vgl. 16.8.1971, 13.9.1971) der

KPD/ML-ZB.

Laut eigener Aussage habe die konkurrierende KPD/ML-ZK starke Betriebsgruppen

in Hessen bei Opel in Rüsselsheim und in NRW bei Opel Bochum, Hoesch Dortmund

und Mannesmann Duisburg.

=Rote Fahne Nr.17,Bochum 30.8.1971



September 1971: 

Vermutlich im September erscheint ein Jugendteil Extra der 'Zündkerze' der

Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 30.8.1971,

16.9.1971) zu den Jugendversammlungen.

Q: Zündkerze Jugendteil Extra Zur Jugendversammlung,Bochum o.J. (1971)



September 1971: 

In der Nr.9 seines 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. 14.8.1971,

Okt. 1971) berichtet der KJVD der KPD/ML-ZB u.a. von Opel Bochum.

=Die Presse - Extrablatt des KJVD Trotz Jugendversammlung: Vertrauen auf die

eigene Kraft,Bochum o.J. (Sept. 1971),S.2;

Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.9,Bochum Sept. 1971



September 1971: 

Die Sozialistischen Arbeitergruppen (SAG) Frankfurt geben die Nr.3 ihres

'Klassenkampf' (vgl. 15.6.1971, 11.10.1971) heraus. Berichtet wird u.a.

von Opel Bochum.

=Klassenkampf Nr.3,Frankfurt Sept. 1971



September 1971: 

Vermutlich im September gibt die JBG Opel Bochum des KJVD der KPD/ML-ZB ein

Extrablatt der 'Presse' (vgl. **.*.1971, **.**.1971) mit zwei Seiten DIN A 4

unter Verantwortung von Norbert Oßwald, Bochum, heraus:"

TROTZ JUGENDVERSAMMLUNG: VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT!



DIE JUGENDVERSAMMLUNG - EIN ERFOLG FÜR UNS?



Heute ist in Werk 2 und übermorgen in Werk 1 die Jugendversammlung, die schon

seit vier Wochen überfällig ist. Bisher hat uns Schneller erfolgreich ruhig

gehalten, hat er uns davon abgehalten, Forderungen aufzustellen und über die

MetallTarifrunde (MTR,d.Vf.) zu diskutieren. Jetzt die Forderungen für die

Lehrlinge von der großen Tarifkommission schon festgelegt (vgl. S1.*.1971,d.

Vf.): Eine 'ANGEMESSENE' ERHÖHUNG UND EIN STUFENWEISES 13.MONATSGEHALT FÜR

LEHRLINGE. Wie eine 'angemessene' Erhöhung aussieht, das haben wir letztes

Jahr in der MetallTarifrunde gesehen, wo wir mit ein paar Mark abgespeist

wurden.



SCHNELLER, DER HELEFERSHELFER DER SPD-REGIERUNG



Daß diese Forderungen ausgehandelt wurden, weiß Schneller schon lange. Er hat

ja in Berlin mit Loderer vom IGM-Bundesvorstand und Wirtz von der IGM Bochum

zusammengehockt (vgl. S1.*.1971,d.Vf.) und war beim Empfang im Schöneberger

Rathaus der SPD dabei. Wenn Schneller uns in den letzten Monten ruhig

gehalten hat, dann heißt das: ER WOLLTE VERHINDERN, DASS WIR UNS FÜR EIGENE

FORDERUNGEN EINSETZEN und wollte uns so dem Lohndiktat der SPD-Regierung

ausliefern.



Warum ruft er dann aber jetzt eine Jugendversammlung ein?



MIT FAULEN TRICKS SOLLEN WIR VOM EIGENEN KAMPF ABGEHALTEN WERDEN.



Schneller geht es als treuem Diener der SPD-Regierung darum, uns zu spalten

und zu verwirren: von der Durchsetzung der Lohnleitlinien wird er erst gar

nicht reden, dafür aber die stufenweise Einführung des 13. Monatsgehaltes für

Lehrlinge hochleben lassen. SO WILL ER UNS VOM KAMPF ABLENKEN. Er wird uns

erzählen, daß es uns bei Opel ja viel besser geht als in anderen Betrieben

und daß wir auch ohne Kampf viele Extras kriegen. Da bringt er dann

vielleicht die Forderung nach einer Turnhalle und nach Arbeitsanzügen für das

1. und 2. Lehrjahr.



SO WILL ER UNS AUS DER KAMPFFRONT ALLER METALLBETRIEBE HERAUSBRECHEN. Er wird

uns wahrscheinlich auch erzählen, daß wir ganz andere Interessen wie die

älteren Kollegen haben und deshalb nicht zusammen mit ihnen marschieren

brauchen. DAS UNSER KAMPF NUR ZUSAMMEN MIT DEN ÄLTEREN KOLLEGEN ERFOLG HABEN

KANN - DAVOR WILL ER UNS NÄMLICH DIE AUGEN VERSCHLIESSEN. Er will auch

ausnützen, daß er bei vielen Lehrlingen noch Vertrauen hat und uns vormachen

wollen, daß es ganz ohne uns geht, daß wir uns nur auf die

Gewerkschaftsführung und ihn verlassen brauchen.



DIE ARBEITER SOLLEN RUHIG GEHALTEN WERDEN.



Jetzt sehen wir: Auf der Jugendversammlung setzt Schneller nur seine

bisherige Politik fort. Auch hier will er die Durchsetzung des Lohndiktats

der SPD-Regierung vorbereiten, uns vom Kampf dagegen abhalten. Denn seit der

Dollarkrise geht es der SPD-Regierung nämlich mehr denn je darum, die

Arbeiter ruhig zu halten. Auch Schneller tut sein Teil dazu, indem er das

neue Betriebsverfassungsgesetz schon jetzt durchdrückt und die

Jugendversammlungen einschränkt, und stattdessen Gruppenversammlungen

durchführt. Diese Regelung ist im BVG-Entwurf vorgesehen - genauso soll es

auch statt Betriebsversammlungen nur noch Abteilungsversammlungen geben.



GEGEN DAS LOHNDIKTAT - DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER ARBEITER, JUNGARBEITER

UND LEHRLINGE!



Ruhe an der Heimatfront braucht die SPD-Regierung, um die Vormachtstellung in

Europa zu festigen und um sich auf die Eroberung des Ostens vorzubereiten.

Das tut sie durch Kriegsvorbereitung: Z.B. durch die verstärkte

Bundeswehrwerbung wie bei uns auf der Jugendversammlung und letzte Woche bei

uns in der Berufsschule (vgl. S2.*.1971,d.Vf.). Auch das Geld für die Rüstung

bezahlen wir, deshalb soll es weniger Lohn geben. In diesem Rahmen müssen wir

nämlich Schnellers Politik sehen. Ohne ihre Freunde im Betrieb, wie

Schneller, Ziegler und Perschke, könnte die SPD-Regierung nicht die Politik

für die Kapitalisten machen, die sie jetzt durchsetzt. Gerade gegen diese

Politik müssen wir uns wehren. Das können wir aber nicht mit Schneller,

sondern nur ohne und gegen Schneller!



Deshalb heißt auch unsere Parole vom Kommunistischen Jugendverband (KJVD):



VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT!



An all dem können wir aber noch lernen: Bisher haben wir uns immer von Leuten

wie Schneller verwirren lassen.



Jetzt muß unser Kampf endlich eine klare Richtung bekommen. Wir dürfen uns

nicht nur gegen einige besonders krasse Erscheinungen der Ausbeutung und

Unterdrückung und des Verrats wehren, wir müssen dieses ganze System der

Ausbeutung abschaffen.



Die KPD/ML und der KJVD haben die richtige Losung ausgegeben.



GEGEN DEN KAPITALISMUS - FÜR DEN ARBEITER- UND BAUERNSTATT!



JUNGARBEITER UND LEHRLINGE!



UNTERSTÜTZT DIESE POLITIK!



ORGANISIERT EUCH IM KJVD!"



Zum eigenen 'Kampf der Arbeiterjugend' Nr.9 (vgl. Sept. 1971) heißt es:"

Im neuen KDAJ, der heute vor Opel verkauft wird, wird in dem Artikel 'SPD-

Regierung will NS-Gesetz im Betrieb durchführen' auf die Abschaffung der

Jugendversammlung eingegangen.



Jungarbeiter und Lehrlinge, lest den 'Kampf der Arbeiterjugend'!"

=Die Presse - Extrablatt des KJVD Trotz Jugendversammlung: Vertrauen auf die

eigene Kraft,Bochum o.J. (Sept. 1971)



03.09.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet

vermutlich von heute:"

BANDKOLLER!!!



Am letzten Freitag ereignete sich vor Opel ein Zwischenfall, der sofort die

tollsten Gerüchte auslöste. Nach einer Autokarambolage habe ein Neger einen

Weißen erstochen.



Ohne jetzt auf die Gerüchte und die Einzelheiten des Vorfalls einzugehen,

wollen wir an dieser Stelle versuchen, herauszufinden, was die Hintergründe

solcher Ereignisse sind.



Unter den Kollegen tauchen viele falsche Meinungen auf. Die hervorstechendste

ist, daß sich wieder einmal der angestaute Haß und Ärger gegen die Falschen

richtet, z.B. gegen alles, was nicht 'deutsch' ist. D.h.: die Ausländer seien

faul, nehmen uns die Arbeitsplätze weg, drücken die Löhne und seien dazu noch

gemeingefährlich. Erst kürzlich gab es wieder eine Schlägerei, weil ein

deutscher Kollege einen spanischen als 'Ausländerschwein' bezeichnet hatte.

Wir sind der Auffassung, daß solche Anschauungen nicht den Interessen der

Arbeiterklasse dienen, sondern denen, die durch ihre Ausbeutermethoden den

Druck auf jeden einzelnen Kollegen täglich verstärken und daher für solche

Selbstzerfleischung innerhalb der Arbeiterschaft verantwortlich sind.



Ob es ein ausländischer oder ein deutscher Kollege ist, gleich welcher

Hautfarbe, wir alle haben die gleichen Interessen, weil wir alle in gleichem

Maße der Ausbeutung und unmenschlichen Arbeitshetze bei Opel ausgesetzt sind.



Unter Kollegen spricht man allgemein vom Bandkoller, der die Folge der

Antreiberei und der unerträglichen Arbeitsbedingungen bei Opel ist. Der Zorn,

der sich unter diesen Verhältnissen anspeichert, bricht ganz verschieden

seine Bahn. Dieser obige Fall ist sicher nur die Spitze vom Eisberg. Nicht

immer kommt es dazu, daß sich die Kollegen gegenseitig ans Leder gehen.

Manchmal fängt einer einfach an zu schreien, schlägt die Türen zu oder läßt

sich sonstwie an irgendwelchen Gegenständen aus. Ja es ist schon vorgekommen,

daß sich Kollegen gegenseitig in die Bierdose pinkeln! Solange wir unter der

kapitalistischen Knute zu leiden haben, wird Haß und Leidenschaft entstehen.

Das ist eine ganz 'natürliche' Folge. Auf keinen Fall darf dieser Haß sich

aber gegen einen Klassenbruder wenden, vor allem dann nicht, wenn es sich um

Widersprüche unter Kollegen handelt. Der Haß und die Leidenschaft muß

diejenigen treffen, die den Nährboden schaffen für solche Dinge, nämlich die

herrschende Klasse und all ihre kleinen Kettenhunde!



Das soll beileibe kein Aufruf dazu sein, Cunningham oder Perschke mit dem

Messer zu Leibe zu rücken. Es kommt darauf an, sich organisiert gegen dieses

unmenschliche System zu wenden, sich der gemeinsamen Interessen voll bewußt

zu werden, genau zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Unsere einzige,

mächtige Waffe ist UNSERE Partei, auch wenn sie noch so klein ist. Ohne

Organisation sind wir machtlos, den Herrschenden auf Gedeih und Verderb

ausgeliefert. Zerfleischen wir uns selbst. Der Haß, den wir jeden Tag am

Arbeitsplatz spüren, ist eine immense Quelle in diesem Kampf gegen Ausbeutung

und Unterdrückung. Es ist der Haß unserer Klasse gegen die herrschende.

Wendet er sich gegen unsereinen, dann dient er eindeutig dem Gegner. Dient er

Cunningham und Perschke! Keiner von uns darf das wollen, geschweige denn

zulassen. Wir und unsere ausländischen Kollegen - wir sind eine Klasse.

Unsere Interessen sind gemeinsame Interessen!"

=Zündkerze Extranummer Kampf der Bonzendiktatur!,Bochum o.J. (1971),S.5f



04.09.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK veröffentlicht

folgenden Leserbrief ihrer 'Zündkerze' (vgl. 16.9.1971) über die SPD-BG:"

Am ersten September-Wochenende des Jahres 1971 fielen in der A. Opel AG zwei

Ereignisse zusammen, die von ihrem Ursprung her scheinbar wenig miteinander

zu tun haben, im Nachhinein aber sich doch zu einer Einheit fügen: das

zehnjährige Bestehen der arbeiterfeindlichen SPD-Betriebsgruppe und der

zehnmillionste Ablauf eines Fahrzeuges im kapitalistischen Opelwerk. Zum

zehnjährigen Bestehen der SPD-Betriebsgruppe gab die 'Arso' eine Fest- und

Hetzschrift heraus. Nicht in den Farben des von ihr geförderten und

unterstützten Kapital-Unternehmens Opel, sondern im leuchtenden braunrot. In

dieser Schrift ließ die 'Arso' alle zu Wort kommen, die sich bislang im

Verrat der Arbeiterklasse bewährt haben. (Einige Kollegen haben bereits eine

neue Bezeichnung für 'Arso': Arbeitsgemeinschaft radfahrender

sozialdemokratischer Opelaner!):



1. Ministerpräsident Heinz Kühn



2. Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, 1. Vorsitzender des

SPD-Bezirks Westliches Westfalen und Schlichtungsverräter im Metallstreit

(MTR,d.Vf.) des Jahres 1970, Werner Figgen, der mit dem Schlußwort seines

Grußbeitrages ein Gelsenkirchener Markenbier propagierte. Anders ist sein

Schlußwort 'Glückauf' in einer alten Bergmannsstadt (IGBE-Bereich,d.Vf.) wie

Bochum nicht zu verstehen, wo in Kürze der letzte aktive Bergmann einfahren

wird. Oder scheute Figgen, wahrheitsgemäß zu sagen: 'Glückab'?



3. Mitglied des Bundesschwatztages und 'Notstandsbefürworter' (NSG,d.Vf.),

Karl Liedtke.



4. Fritz Wirtz, MdL und 1.Bevollmächtigter der IGM für die BRD,

Verwaltungsstelle Bochum/Wattenscheid, der pflichtbewußt das hohe Lied der

vorbildlichen Sozialdemokraten zum besten gab.



5. Horst Schulz, 1.Vors. der 'Arso' und Mitglied des Betriebsrates, der

sagte, daß 'Politik für die Arbeitnehmer seit über 100 Jahren in Deutschland

nur von der SPD betrieben worden ist' und weiter: 'Als Arbeitnehmer innerhalb

der SPD werden wir unseren Einfluß ständig ausbauen'. Wir fragen: bei den

Notstandsgesetzen, bei den Steuererhöhungen oder beim geplanten

Betriebsversklavungsgesetz (BVG,d.Vf.)?



6. Horst Schmidt, Angestellter und einer der beiden 2.Vors. der 'Arso'.



Urban, Perschke, Gantenberg, Sonak, Sauer, Hereth, alle kamen zu Wort.



'Demokratie braucht eben kluge Köpfe' - die bürgerliche allerdings!



An dem Opel-Erfolgskuchen, vom Arbeiter gebacken, fraßen alle mit:



1. James M. Roche, Vors. des Direktoriums der General Motors Corporation,



2. A. A. Cunningham, Opel-Generaldirektor,



3. der schwarz-braune Ministerpräsident Helmut Kohl ((CDU,d.Vf.) Rheinland-

Pfalz) und Heinz Kühn (NRW), der sich allerdings 'vertreten' ließ.



All das ist wahrlich eine visionäre weitere Zukunft - Planen für das Jahr 2

000! Bonzenköppe, Ministerbäuche, wie lange sollen die sich auf unsere Kosten

noch mästen. Planen auch wir - doch etwas kürzer bitte, Kollegen!"

=Zündkerze Extranummer Kampf der Bonzendiktatur!,Bochum o.J. (1971),S.4f



06.09.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet

vermutlich aus dieser Woche über ihre Gespräche mit der Opel-Betriebsgruppe

der KPD/ML-ZB zur MTR und die:"

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER ZÜNDKERZE UND DER PRESSE



Die Opel-Betriebsgruppen Zündkerze und Die Presse trafen sich in den

vergangenen Wochen mehrmals, um die Frage eines Aktionsbündnisses in der

ansehenden MetallTarifrunde zu diskutieren. - Dabei wurden einige ernste

Differenzen erörtert, die die allgemeine politische Lage betreffen. - Trotz

dieser Differenzen sind die Gespräche, die in einer freundschaftlichen und

solidarischen Atmosphäre verliefen, dennoch nicht ohne Erfolg geblieben.

Beide Gruppen sind sich bewußt, daß die Einheit der Arbeiterklasse und aller

wahren Revolutionäre nicht leeres Gerede sein darf. Im Interesse dieser

Einheit kamen sie überein, zu bestimmten konkreten Anlässen sich zu beraten

und abzusprechen. Darüberhinaus werden die Diskussionen um die verschiedenen

Standpunkte in der Frage: 'Sturz des Imperialismus und Errichtung der

politischen Macht der Arbeiterklasse' weitergeführt mit dem Ziel, die

Zerrissenheit der revolutionären Arbeiterbewegung auch hier bei Opel zu

überwinden.



Rot Front! Zündkerze, Presse."

=Zündkerze Extranummer Kampf der Bonzendiktatur!,Bochum o.J. (1971),S.5



13.09.1971: 

Bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 25.10.1971) berichtet die Projektgruppe

Internationalismus (PGI) Bochum (vgl. 2.10.1971):"

DER BAUARBEITERSTREIK



Am 13.September begann auf den Madrider Baustellen ein Massenstreik, der

schließlich 70 000 Arbeiter erfaßte. Francos Polizei geriet in Panik.



Während Brandt und Scheel (SPD bzw. FDP,d.Vf.) von

'Liberalisierungstendenzen' in Spanien schwätzen, erschossen die Franco-

Bullen den Bauarbeiter Pedro Patino und zwar so: Pedro Patino und weitere

Kollegen hatten Flugblätter verteilt. Die Polizei zwang sie mit

Maschinengewehren im Nacken, alle Flugblätter, die am Boden lagen, einzeln

aufzuheben. Pedro Patino wollte gegen diese Demütigung protestieren.

Kaltblütig knallten ihn die faschistischen Verbrecher ab: aus einem halben

Meter Abstand in den Rücken! Das gesamte Volk von Madrid erhob sich wie ein

Mann gegen dieses Verbrechen. Eine Welle von Streiks und Demonstrationen war

seine Antwort. Das war wieder das Madrid, das im Bürgerkrieg drei Jahre

heldenhaft den überlegen ausgerüsteten Franco-Banden trotzte! Und das war nur

der Anfang!!"

=PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971),S.1



16.09.1971: 

Bei Opel Bochum erscheint vermutlich in dieser Woche am Tage der

Betriebsversammlung (vgl. 16.9.1971) eine Extranummer der 'Zündkerze' (vgl.

Sept. 1971, 4.10.1971) der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK mit 6

Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stefan Bock, Bochum, mit einem

Leitartikel zur Betriebsversammlung am selben Tage.



Im nächsten Artikel heißt es:"

SEID UMSCHLUNGEN...



Opel-Belegschaftsversammlung: Die Lohnerhöhungen müßten 30% betragen.

Cunningham: Die Lohnerhöhungen von 7,8% in der Chemie (CTR der CPK,d.Vf.) sind

maßlos.



Zu den Worten von Mr. Cunningham bringen wir den Anfang eines Kommentars zur

Opel-Bilanz 1970:

In der Autoindustrie gilt wieder Bangemachen. Diesmal prescht Opel mit der

Ankündigung von Preiserhöhungen vor. Die Lohnrunde in der Metallindustrie

steht vor der Tür, und frühzeitig gedroht hat dabei noch selten gereut. Zumal

alles darauf hindeutet, daß es ein unsanftes Ringen werden wird.



Erwirtschafteter Gewinn 1970 für GM: 244 Millionen DM von der Tochter Opel in

Deutschland - sagt Deutschlands Opel-Chef Cunningham wenigstens. Dabei helfen

diesem edlen Rittersmann seine Landsknechte wie Hahne, Lorenz und Perschke.

Das sind sage und schreibe fast ein Drittel des Aktienkapitals, das 1970 aus

den Belegschaften in Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern im wahrsten Sinne

des Wortes gepreßt wurde. GM hat also gute Pressen und gute Pressenführer in

Deutschland.



Der Wahn ist kurz - die Reue kommt spät.



1969 wurden 419 Mio. DM nach den USA - teilweise für Vietnam - entführt. GM in

Amerika und Opel in Deutschland mußten sich schwere Vorwürfe einstecken. Heuer

seien es nur 244 Mio. DM, sagt Mr. Cunningham, nur 122 Mio. DM würden zur

Muttergesellschaft in Detroit exportiert - laut 'Handelsbilanz'. Laut

'Steuerbilanz' hätte der Jahresüberschuß 315 Mio. DM betragen, sagt auch nser

Mr. Cunningham.



Wir werden nachweisen, daß er mindestens 400 Mio. DM verschwiegen hat. Bleiben

wir zunächst beim 'Offenbarungseid' von nur 244 Mio. DM für 1970. 244 Mio. DM

zunächst also in einer Zeit, wo Mister Cunningham gesagt hat: 7,8% sind

maßlos.



Wahrlich ein guter Rittersmann - leider in einer kampflosen Zeit, denn unsere

Bundesregierung hat 'Konsolidierungspause' und in der Konzertierten Aktion

spricht man nicht 6,1%, was man denkt. Denn in NRW 6,1% Preiserhöhungen

scheinen selbst einigen 'Fortschrittlichen' zu hoch, und selbst im

'Straußenland' (Bayern,d.Vf.) ist es nicht anders.



BELEGSCHAFT WIRD VERHÖKERT WIE DIE FIRMA VERHÖKERT WURDE



244 Millionen, 419 Millionen, 315 Millionen? Die Belegschaft wird also

verarscht. Wir aber lassen uns nicht mehr verarschen. Bei jedem Opel-DM-Export

nach drüben wird man an Fritz von Opel erinnert, den GM 1929 mit 120 Millionen

Reichsmark übers Ohr haute. Lange zwar brauchte GM, doch was lange währt, wird

gut. 1970 hatte dieses Opel-Unternehmen eine BILANZSUMME von 2,9 MRD. DM



Wer hat das geschaffen? Wir!



1929 waren es nur wenige Tausend. 1967 waren es rund 50 Tausend. 1970 waren es

bereits rund 58 Tausend. Wir schufteten Tag für tag, nachts, an freien

Wochenenden, oft sogar Sonntags, in Regen und Schnee, ob es kalt die Nacht,

der Tag glühend heiß. Wir schufteten und lachten drüber wie die Kapitalisten.

Wir lachten, weil wir so blöd gewesen waren. Sie aber lachten, weil wir ihnen

MEHR Wert erbrachten als sie uns und unseren Familien zubilligten. Das was

Lenin einst sagte, wird am Beispiel Opel wieder lebendig. Wir wissen mitunter

nicht einmal, wo die schönsten Ferienorte liegen und wie dieselben aussehen.



Mason, Cunningham und Peikler, die Abgesandten von drüben, wissen es. Und ihre

Manager? Wissen sie, wie 'schön' unsere Städte Bochum, Kaiserslautern und

Rüsselsheim sind, von den Agenturen Berlin und Düsseldorf ganz zu schweigen?



15% mehr Lohn



Über diese berechtigte Forderung gibt es keinen Zweifel, ebensowenig wie über

die Nebenforderungen wie



13.Monatsgehalt - Monatslohn



Kapital ist genug da - von uns selbst erarbeitet



Traumnote 6 wird angesteuert: 1 Milliarde Gewinn



Betrug der Umsatz 1968 noch 3,827 Mrd. DM, so waren 1969 ca. 27% mehr, also

4,8538 Milliarden DM.



1970 WURDEN ERREICHT: 5 126,3 MILLIARDEN DM!



Also nach einer Produktionssteigerung von 22% im Jahre 1969 auch 1970 volle

Segel voraus.



Opel ohne Olympia - dennoch olympiareif!



All die neuen Rekorde für Opel fuhr nicht der Opel-Rekord. Im Gegenteil:

Produktionsverlagerungen von Bochum nach Rüsselsheim waren gang und gäbe. Und

in Bochum standen 6 430 Olympia-Wagen 395 844 'Kadetten' gegenüber, 24 432

GT-Modellen 23 965 Ascona (letztere nur für Nov./Dez. Im ersten Halbjahr 1971:

66 035 Ascona).



Der große kleine oder kleine große Fisch war der Manta mit 55 393 Wagen in

vier Monaten, erstes Halbjahr 1971: 70 107 Wagen.



Diesen Rekorden stand nur eine minimale Steigerungsrate der Belegschaft

gegenüber. Also eine verstärkte Ausbeutung durch den Verrat von Hahne, Lorenz

und Perschke, die entgegen dem Beschluß der IGM zur 40-Stunden-Woche immer

wieder neue Sonderschichten genehmigten. Indem wir diesem Verrat durch unseren

Streik im September 1970 entschlossen entgegentraten, konnten wir dennoch die

wöchentliche Arbeitszeit von 45,6 auf 45,1 Stunden drücken.



45,1 Stunden bei Opel - also

40,0 Stunden bei der IGM (Interessengemeinschaft gieriger Mäzene)



Zwar sind es 1970 erst 244 Mio. DM, sagt Mister Cunningham. Dazu aber

Abschreibungen, dann sind wir schon bei 560 Millionen DM. Dazu Rücklagen,

Sozialleistungen wie Opel-Wohnungsbau, dazu Aufwendungen wie Provisionen,

Spesen und Werbung, dann wäre eine Milliarde Gewinn schnell erreicht und Opel

zahlte das 13.Monatsgehalt.



Da Opel aber erst 1973 den 13.Monatslohn zahlen will, errechnen wir Opel für

1970 EINEN GEWINN VON 746 MILLIONEN DM

durch verschiedene Möglichkeiten aus dem Steuerrecht, Investitionen und

Bevorratung u.a. Zugrunde gelegt haben wir diese Rechnung:

1959 - 1969: 176% Gewinnsteigerung

1959 - 1969: 142% Produktionssteigerung

1959 - 1969:  69% Belegschaftssteigerung



Für 1970 bedeutet es also weiterhin: Wenn wir einmal einen Durchschnittslohn

von 7 DM zugrunde legen, hätte jeder Opel-Arbeiter 100% mehr Lohn gehabt, oder

jedes produzierte Auto könnte UM 885 DM BILLIGER SEIN.



Natürlich ist dem nicht so: 'Vater' Cunningham weiß stets, was er uns

'deutschen Kindern' an Alimenten zu zahlen hat.



Wir wollen Prozente - keine Almosen!"



Ein Leserbrief berichtet von der SPD-BG (vgl. 4.9.1971), eine Erklärung von

den Diskussionen mit der KPD/ML-ZB Betriebsgruppe (vgl. 6.9.1971), ein Artikel

vom Bandkoller bzw. AusländerInnenhaß (vgl. 3.9.1971), geworben wird für den

'Roten Morgen' (RM), gefordert wird, "Kampf dem Lohndiktat des Kapitals,

seiner SPD-Regierung und DGB-Bonzen" und man wendet sich auch:"

AN EINEN BONZEN



Einmal waren wir beide gleich.

Beide: Proleten, beide: nicht reich.

Beide in derselben Luft,

beide in gleicher verschwitzter Kluft.

Dieselbe Werkstatt - derselbe Lohn,

derselbe Meister - dieselbe Fron,

beide dasselbe elende Küchenloch.

Bonze, erinnerst du dich noch?



Aber du, 'Kollege', warst flinker als ich.

Dich drehen - das konntest du meisterlich.

Wir mußten leiden, ohne zu klagen,

aber du, - du konntest es sagen.

Kanntest die Bücher und die Broschüren,

wußtest besser die Feder zu führen.

Treue um Treue - wir glaubten dir doch.

Bonze, erinnerst du dich noch?



Heute ist das alles vergangen.

Man kann nur noch durchs Vorzimmer zu dir gelangen.

Du rauchst nach Tisch die dicken Zigarren.

Schimpfst auf 'Hetzer' und 'Mao-Narren'.

Weißt nichts mehr von den alten Kameraden,

wirst von Groß-Industriellen eingeladen.

Du zuckst die Achseln beim Hennessy

als stolzer Vertreter der Sozialdemokratie.

Du hast mit dem Feind deinen Frieden gemacht.

Hörst du nicht manchmal in dunkler Nacht

eine Stimme, die hart zu dir spricht:

Bonze, dich vergessen wir nicht!"

=Zündkerze Extranummer Kampf der Bonzendiktatur!,Bochum o.J. (1971)



16.09.1971: 

Bei Opel Bochum findet eine Betriebsversammlung (BV - vgl. 1.7.1971,

**.**.1971) statt.



Zentral (vgl. 3.12.1971) und bei Opel Bochum berichtet die KPD (vgl.

6.12.1971) in einer Arbeiterkorrespondenz (vgl. 6.10.1971) u.a. von der

MetallTarifrunde (MTR):"

Am 30.8.1971 wurde von der IG Metall der am 30.9.1971 auslaufende

Tarifvertrag mit Gesamtmetall gekündigt. In der ersten Septemberhälfte (vgl.

27.8.1971,d.Vf.) tagte dann in Bochum die Tarifkommission der IG Metall zur

Aufstellung der gewerkschaftlichen Forderungen. Von jener Sitzung der

Tarifkommission berichtete das Opel-Kommissionsmitglied Beiske auf der

Betriebsversammlung vom 16.9.1971 :'11% standen im Raum. Dann legte man eine

Verhandlungspause ein. Und siehe da; nach der Pause waren es nur noch 9%'.



Demgegenüber hatten die Kollegen der größten Metallbetriebe in NRW, wie Opel

und Ford lineare Forderungen aufgestellt, die bei 15% bzw. zwischen 100 bis

150 DM Lohnerhöhung für alle gelegen hatten."



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK fordert dazu morgens:"

KAMPF DER BONZENDIKTATUR!



Für dieses Mal hat sich die 'Clique' (Betriebsrats- und Arso- (SPD-BG,d.Vf.)

Spitze) einiges vorgenommen. Die Massen soll entschädigt werden für die große

Show, die Brenner dieses Jahr nicht abfahren wird. Dafür gibts dann Perschkes

kleine Show.



Kollegen, denkt bei dieser BV vor allem an eines: die Betriebsratswahlen

(BRW,d.Vf.) stehen vor der Tür und gewisse 'Kollegen' wollen ihre Ärsche aus

den warmgesessenen Stühlen nicht heben. Diese Herren brauchen uns als

zahlendes und dumm guckendes Publikum.



Der Catch für die BR-Wahl ist eröffnet, mit dieser BV. In den Ring wird

Altmeister Perschke treten, vorsichtig, versteht sich. Denn sein Spieltraum,

uns was vormachen zu können, ist zusammengeschmolzen. Also: schön

'demokratisch', Ansehen nicht noch weiter ankratzen lassen (auch deswegen, um

sich 'verändern' zu können. Es wird gemunkelt, er halte sich für VW bereit!)



Heute wirds vermutlich ein breites Spektrum der Meinungsmache geben, da

Perschkes Solo nicht gern unten im Saal gesehen wird. Natürlich werden wir

keine wirklich wichtigen Informationen bekommen, aber die FORM soll

'demokratisch' sein. Perschke wird sicherlich noch mehr Paradepferde

aufmarschieren lassen wie bisher.



Haupttenor dieser Sänger: 'Reformen, Reförmchen über alles...' In Berlin

(vgl. 23.8.1971,d.Vf.) haben sie toll verhandelt, der Berg ist gekreist,

geboren hat er eine Maus. Von den in der letzten BV aufgestellten Forderungen

wurde kaum ein Antrag wirklich behandelt. Zum 13.Monatslohn forderte z.B. die

V-Leute-Körperleitung Rüsselsheim (vgl. S2.*.1971,d.Vf.), 'sich für die

Zahlung eines 13.Monatseinkommens ohne Begrenzung' einzusetzen. Anmerkung der

Antragskommission des GBR: 'Annahme empfohlen, aber 'ohne Begrenzung als

Weihnachtsgratifikation' streichen'. In dieser Art gehts dann weiter, was die

Anträge betrifft. Und fragt Perschke auf der BV, was er hinsichtlich des

tariflichen Urlaubs (Weihnachten, Sylvester) durch'gesetzt' hat, ihr werdet

staunen!!



Statt Kaffee auszuschenken als 'Wahlgeschenk' für die BR-Wahl, was in Werk II

schon passiert ist, sollen sich die Vertreter der Clique lieber im Werk sehen

lassen. Aber das ist, mit Verlaub gesagt, zuviel verlangt! Die Arso-Schriften

(vgl. 4.9.1971,d.Vf.) tun kund, wie schwer es unsere 'Vertreter' haben: Sie

können sich gar nicht um uns kümmern, sie können die Gerüchte hinsichtlich

Kurzarbeit im Dezember gar nicht klarstellen. Nein, sie müssen von

Fraktionssitzung zu Fraktionssitzung hecheln, nach Bonn fahren, SPD-

Propaganda verteilen, ja es gibt schon Gerüchte, daß sie bei den

Vermögensbildungen schwer eingesetzt sind. Einiges setzt dem noch die Krone

auf: wie wir von Kollegen erfuhren, verkauft z.B. Sonak unter der Hand

Schirme und Tragetaschen, vermittelt Altwagenverkäufe und ist natürlich

Auskunftgeber bei Kohle- und sonstigen Brennstoffverkäufen (siehe Arso-

Schrift, Rückseite!). Willi Schneider, Werber für die Provinzialversicherung,

ist laut Auskunft der Kollegen Mitakteur bei der Verprügelung von

Zündkerzeverteilern (vgl. 9.11.1970,d.Vf.) gewesen. Alles Betriebsrats- und

Gewerkschaftsmitglieder, alles 'Vertreter unserer Interessen'. Daß die SPD-

Propaganda auch noch von unser aller Steuergroschen ist, daß beim Stand keine

Polizei zu bemerken war, wie sonst bei 'Zündkerze' und 'Presse' (der KPD/ML-

ZB,d.Vf.), das sei nur nebenbei bemeerkt. Diese 'Arbeitervertreter' tun genau

das Gegenteil von dem, was sie uns immer wieder vorgaukeln. Sie tun alles, um

IHRE Parteipolitik durchzusetzen, sei es nun Lohndiktat, sei es

Steuererhöhung oder weiß der Kuckuck was. Und nebenbei mimen sie noch

'Vertreter', nicht für uns, sondern für 'Kohle- und Brennstoffe'. Eine feine

'Schirmherrschaft', die uns da aufgehalst wurde.



Im Kampf um die goldenen Futtertröge dürfen dann natürlich auch die kleinen

'Vertreter' nicht fehlen. Adamek z.B. gibt unter Kollegen offen zu, daß er

seinen V-Leute-Posten Perschke verdanke, daß er erst jetzt so richtig eine

BR-Tätigkeit verstehen könne. Außerdem war er eine ganze Zeit lang ruhig,

hing das etwa mit seinem Meistertest zusammen? Offensichtlich spekuliert er

auf einen Listenplatz auf der nächsten Betriebsratsliste der 'Clique'!



Bei dieser BV geht es also darum, wieder einmal, ob wir wie ein Mann

zusammenstehn, ob wir z.B. den Kampf gegen das spalterische, lohnraubende und

nervenraubende Punktesystem wirklich aufnehmen - oder ob wir uns weiter

einlullen, weiter auseinanderspalten lassen. Das Punktesystem hat schon dazu

geführt, daß einige Kollegen es nicht mehr wagen, mal einen Schluck zu

trinken, weil sie befürchten, noch mehr Einbußen hinnehmen zu müssen.



Kollegen, also denkt dran: Klarheit fordern, Informationen, aber jeden

Beschiß, jede Vorstellung neuer Bonzen, die in Perschkes Stapfen treten

sollen, ablehnen. Und vor allem Klarheit darüber, was der Rosa Kadett ('Roter

Kadett' der DKP,d.Vf.) sagt über die Gesellschaft, in der er sich befindet.

Steht er zu ihr, möge er doch die großen und kleinen Perschkes mal mit nach

Leipzig zur Messe nehmen, sie werden sich in der Tat wohlfühlen. Eine Hand

wäscht halt die andere! Und noch eins: denkt dran, wer hier die wirklichen

Informationen bringt. Wir brauchen von der 'ZK' keinen Orden, aber

Informationen, damit sie alle Kollegen erreichen. Wißt ihr z.B." von den

Forderungen bei Opel Rüsselsheim (vgl. 23.8.1971):"



Kollegen, fragt eure 'Vertreter', warum gerade die Roten solche Dinge

bringen, warum nicht Sonak usw. Ob das wirklich damit zusammenhängt, daß 'die

nur hetzen wollen'?



Schon der Augenaufschlag der Befragten wird Antwort genug sein!!



Deshalb klar und eindeutig:



Volle 15% gleich eine Mark!



13.Monatslohn, ohne 'Stufung'!



Weg mit dem Punktesystem!



Weg mit solchen Leuten, die ihre lohndiktatorischen parteipolitischen

Interessen verkaufen wollen!



Kampf der Bonzendiktatur - für Vertrauen auf die eigene Kraft!"



Später berichtet die RBG:"

UNSER KOMMENTAR ZUR BETRIEBSVERSAMMLUNG:



PERSCHKE ADE!



Die letzte 'Zündkerze' vor der Belegschaftsversammlung der B-Schicht sprach

von einer zu erwartenden 'kleinen Schau', die Perschke und seine Kollegen vom

Betriebsrat uns vorführen würden. Nicht einmal das ist ihnen geglückt - die

'kleine Schau' fiel ins Wasser und mit ihr die Dreieinigkeit Perschke -

Beiske - Schulz: sie gingen baden!



Perschke und Co. mußten auf dieser wahrscheinlich letzten Versammlung der

B-Schicht vor den Neuwahlen zum Betriebsrat, die 1972 (BRW - vgl. 9.5.1972,d.

Vf.) stattfinden, ihre vollständige Unfähigkeit und ihren vollständigen

Verrat an den Interessen der Kollegen zugeben. Die Liste ihrer Taten und

Untaten ist lang: Sie trieben uns an die Arbeit, als wir 1970 (vgl.

24.9.1970,d.Vf.) für 100% Weihnachtsgeld streikten; mit einer lächerlichen

Erhöhung auf 70% mußten wir uns zufrieden geben. Um uns zu beruhigen

versprach Perschke uns anschließend (auf der Versammlung vom 18.12.) das

Blaue vom Himmel: das berühmte 'Zwölf-Punkte-Programm', das die 'Zündkerze'

zu Recht 'die zwölf scheinheiligen Lügen des Betriebsrates' genannt hat. Was

daraus geworden ist, wissen wir alle: Perschke und Kumpane haben zwar etwa

'getan', aber nicht für uns, sondern für die Aktionäre! Sie 'holten was

raus': statt Klimaanlage Kühlschränke, die nicht mal für alle Abteilungen

reichen; statt 13.Monatslohn eventuell Zwangsurlaub zwischen den Feiertagen;

statt EFFEKTIVER Erhöhung der Prämie für Sonderschichten MEHR

Sonderschichten; statt Vereinheitlichung des Lohnsystems Spaltung der

Arbeiter durch die Punktebewertung!



Diese sogenannten 'Arbeitervertreter' VERTRETEN uns nicht, sondern die TRETEN

uns. Das hat jetzt die große Mehrheit der Kollegen gemerkt, und Perschke und

Co. haben gemerkt, daß die Kollegen es gemerkt haben. Bei den scharfen

Angriffen, die von Kollegen auf der Versammlung der B-Schicht gegen Perschke,

Sonak usw. gestartet wurden, blieb ihnen die Luft weg. Sonak traute sich

nicht (und konnte es auch nicht) abzustreiten, daß er im Betrieb Regenschirme

verkauft und Geschäfte mit Gebrauchtwagen macht. Selbst Perschkes Paradepferd

V-Mann Adamek machte den Mund nicht auf, als er im Werk I als Postenjäger

entlarvt wurde, der von Perschkes Gnaden Karriere macht. Dieser Wahrheit

konnte er nicht widersprechen!



Die Hilflosigkeit des Betriebsrats gegenüber der berechtigten Kritik der

Kollegen konzentrierte sich in Perschkes Schlußwort: 'Ich kann hier nicht auf

alles, was gesagt wurde, eingehen', sagte er. Wie tief ist dieser Demagoge

gesunken, dem sonst nie die Worte fehlten, das Schlußwort noch über die Länge

seines Eingangsreferates hinauszudehnen! DAS IST EIN ERFOLG DER KOLLEGEN, DIE

IN DIESER VERSAMMLUNG GESPROCHEN HABEN!



VORSICHT VOR DEN NEUEN SOZIALDEMOKRATEN VON DER DKP!



Daß der Betriebsrat auf der Versammlung ins Schwimmen geraten ist, wird aber

nur seine Auftraggeber, nämlich die Kapitalisten, die Führung der IG Metall

und die SPD-Spitzen veranlassen, sich neue Gedanken zu machen, wie sie die

Arbeiter vergackeiern können. Darin sind sie ja erfinderisch. Es gibt noch

genug Perschkes, Beiskes, Sonaks, Schulz' usw., die sich danach drängeln, als

Betriebsrat Handlanger der Unternehmer zu spielen, uns für dumm zu verkaufen

und sich dafür dicke Polstersessel einzuhandeln! NOCH sind die Profite der

Kapitalisten groß genug, um gewisse Teile der Arbeiterschaft mit gutbezahlten

Posten und allen möglichen Privilegien ZU KÖDERN UND ZU BESTECHEN. Aber dazu

werden sie sich jetzt 'wirkungsvollere' Figuren aussuchen: die

SOZIALDEMOKRATEN Perschke, Sonak usw. werden sie wenigstens zum Teil ersetzen

durch Leute von der D'K'P wie zum Beispiel den Kollegen Jasczyk; nämlich

Kollegen, die von sich behaupten 'Kommunisten' zu sein, die aber für ein

Verbot der WIRKLICHEN Kommunisten, bei Opel repräsentiert durch die

'ZÜNDKERZE', eintreten.



Einen Verbotsantrag gegen diese 'Maoisten', die als einzige im Betrieb den

Kollegen die Wahrheit sagen, haben bereits die Delegierten der IGM-

Ortsverwaltung Duisburg sowie Gelsenkirchen (vgl. 4.6.1971 bzw. Juni 1971,d.

Vf.) für den gerade beendeten Gewerkschaftstag der IGM (vgl. 27.9.1971,d.Vf.)

gestellt BEI UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE GEWERKSCHAFTLER DER DKP (Vgl. unsere

letzte 'Rotfront' von Anfang September (vgl. 6.9.1971,d.Vf.)). Dazu DKP-Mann

Jasczyk auf der Versammlung der A-Schicht vom 1.Juli: 'Ich kann die reaktion

der Kollegen (in Duisburg) verstehen'!



SOLCHE Leute werden von Opel-Aktionären und IGM-Bonzen mit der zunehmenden

Verschärfung der zunehmenden Verschärfung der Situation gebraucht.



Gleichzeitig werden die Unternehmer und DGB-Reaktionäre im Verein mit der

SPD-Bundesregierung darauf drängen, daß der 'Zündkerze' sowie auch der

'Presse' (der KPD/ML-ZB,d.Vf.) bei Opel das Leben sauer gemacht wird; daß die

Kollegen in den Abteilungen und in der Belegschaftsversammlung mundtot

gemacht werden, nicht nur bei Opel, sondern in der ganzen Bundesrepublik, wie

das neue verschärfte BVG (Betriebsversklavungsgesetz) zeigt.



VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT!



Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, daß bezahlte Agenten des Kapitals

unsere Forderungen 'durchsetzen', sondern müssen für den Betriebsrat solche

Kollegen ins Auge fassen, die wirklich auf UNSERER Seite stehen; Kollegen,

die uns nicht entzweien sondern vereinigen und die damit auch die Vereinigung

der KPD/Marxisten-Leninisten ('Zündkerze') mit den verschiedenen

revolutionären Gruppen, die es heute gibt (und die sich jetzt fast alle bei

Opel vorgestellt haben), vorantreiben werden. Solchen Kollegen müssen wir

unser Vertrauen schenken. Nur so kommen wir zu einer geschlossenen Opposition

gegen die IGM-Führung, gegen die Kapitalisten und ihre Regierung.



Dazu müssen aber auch die Kollegen von sich aus etwas in die Waagschale

werfen. Nach der Devise: VERTRAUEN IN DIE EIGENE KRAFT, müssen sie eigene

Initiativen ergreifen. Die 'Zündkerze' wird die Kollegen, soweit es in ihren

Kräften steht, unterstützen, um ihre Einheit voranzutreiben und sich zu

organisieren. Den Kampf, den die Opel-Kollegen für ihre Interessen führen

müssen, wird ihnen kein Perschke abnehmen.



Auf der A-Schicht-Versammlung am 1.7. wurde eine Resolution von den

anwesenden Kollegen verabschiedet, in der die Hauptforderungen für die

jetzige Tarifrunde (MTR,d.Vf.) zusammengefaßt sind. Die B-Schicht hat eine

soclhe Entschließung zwar nicht gefaßt, aber aus den Diskussionsbeiträgen und

den Reaktionen der Kollegen darauf ging klar hervor, daß auch die Kollegen

der B-Schicht für den Inhalt dieser Resolution sind:



1. Gegen Geheimverhandlungen in der Tarifrunde



2. 15% gleich 1 DM lineare Lohnerhöhung



3. Weg mit Arbeitsplatzbewertung, Leistungsbewertung und Punktesystem bei

Opel



4. Abschaffung der unteren Lohngruppen



5. Absicherung der Effektivverdienste



6. Voller 13.Monatslohn/ -gehalt hier und heute für alle!



7. Übernahme der Parkplatzversicherung durch Opel

8. Sechs-Stunden-Schicht an arbeitsfreien Tagen bei vollem Lohnausgleich



9. Für eine Klimaanlage und Tee für alle



10. Weg mit dem Betriebsverfassungsgesetz!



DER 'TÄTIGKEITSBERICHT' DES BETRIEBSRATS



MEHR ARBEIT - WENIGER LOHN



Die Betriebsversammlungen bei Opel zeichnen sich nicht nur durch

Pünktlichkeit aus, sondern auch durch eine kurzgehaltene Tagesordnung. Der

Bochumer BR-Vorsitzende und seine 27 Helfershelfer sind stets bemüht, trotz

ihrem großen Bla-bla in dem bewilligten Zeitlimit zu bleiben. Doch inzwischen

haben fortschrittliche Kollegen erkannt, daß man durch eine ausführliche

kritische Diskussion unseren Pünktlichkeitsfanatikern eins auswischen kann.

In den Augen der Kollegen werden die Versammlungen von Mal zu Mal besser; mit

unserem Betriebsrat geht die Entwicklung genau den umgekehrten Weg. In beiden

Werken hat er mit seinen Berichten bewiesen, daß er unsere Interessen mit

Füßen tritt. Zwar hetzte Perschke wieder einmal gegen die 'radikalen

Gruppen', die bei Opel die ZÜNDKERZE und andere Blätter verteilen. Kein

Wunder, denn diese bringen ja den schändlichen Verrat, den er und seine

Kumpane an uns begehen, ans Tageslicht.



Als es an die harten Tatsachen ging, mußte Perschke allerdings passen.



PERSCHKES MINISCHAU GEHT BADEN



Bei seinem Bericht über die Gesamtbetriebsratskonferenz (vgl. 23.8.1971,d.

Vf.) in Berlin kam nichts Neues heraus. Dafür unterschlug er die 27 Anträge,

die von V-Leuten aus eigener Initiative für Berlin bei ihm eingereicht worden

waren. Er hätte dann nämlich begründen müssen, warum in Berlin darüber

(offiziell!!) kein Sterbenswörtchen erwähnt wurde. Kollege Sonak,

Vorsitzender der V-Leute, soll sich geäußert haben, daß er den V-Leuten

wenigstens schriftlich Bescheid geben will, weshalb ihre Anträge in Berlin

unter den Tisch fielen. Warten wir's ab. Vielleicht ergeht es unseren V-

Leuten so wie ihren Rüsselsheimer Kollegen. Der Vorschlag, einen

Erfahrungsaustausch mit den Bochumern über den Opel-Streik herbeiführen,

schlummert seit letztem November in Sonaks Ablage. Vielleicht meint Sonak mit

'schriftlichem Bescheid' aber auch das in der Opel-Post(ille Pest)

angekündigte Protokoll von der Berliner Konferenz, das an alle Kollegen

verteilt werden soll? Abgesehen davon, daß wir so etwas als Schlafmittel

nicht brauchen, nach dieser Maloche, wäre es ein dicker Hund, die

Rüsselsheimer so abzuspeisen.



EIN ÜBLER SPALTER



Als Perschke merkte, wie wenig die Kollegen am Widerkäuen gestriger

Zeitungsartikel interessiert waren, konzentrierte er sich nur noch auf das

Weihnachtsgeld. Stolz berichtete er, daß er 10% (13,2 Mio.) mehr für uns

herausgeholt hätte. Er verschwieg aber, daß 1969 dem 40-prozentigen

Weihnachtsgeld aufgrund der Samstagsschichten 185 Stunden, sowie der neue

Tariflohn vom 1.Oktober zugrunde gelegt wurden. Diesmal werden wir wie 1970

mit 173,3 Stunden und dem alten Lohn vom 30.September abgespeist, so daß

effektiv nur ca. 60% herauskommen statt 81%! Und das, obwohl in der

Stahlindustrie der volle 13.Monatslohn eine Selbstverständlichkeit ist. Diese

Tatsachen verschwieg 'Kollege' Perschke!



Stattdessen fing er im Überschwang seines 'Erfolges' an, aus dem Nähkästchen

zu plaudern und wollte uns weismachen, wir könnten zwar nicht 100%, aber

doch mehr bekommen als die neue Regelung vorsieht: es könnte nämlich sein,

daß die etwa 10-prozentige Erhöhung für jeden sich noch vergrößert, 'WENN IM

NOVEMBER EINIGE KOLLEGEN AUSGESCHIEDEN SIND'! Das ist nun das übelste aller

Spaltungsmanöver von BR und IGM bei Opel. Läuft doch diese Perschke-Idee (er

soll sie mal als Verbesserungsvorschlag einreichen - 20 000 DM sind auf jeden

Fall drin) darauf hinaus, daß wir uns für ein Butterbrot gegenseitig die

Arbeitsplätze wegnehmen und uns freuen sollen, wenn Kollegen entlassen

werden, statt in gemeinsamer Front solche Maßnahmen zu verhindern!



Kollegen, wir müssen diesen üblen Spaltern zeigen, daß wir nicht mehr auf

ihre Tricks reinfallen. Organisieren wir gegen die Perschkes, Sonaks, Beiskes

eine revolutionäre gewerkschaftsoppositionelle Bewegung!



Während 'Kollege' Perschke es selbstverständlich findet, daß wir auf der

einen Seite beim Weihnachtsgeld mit 173,3 Stunden abgespeist werden,

beglückte er uns andererseits mit der Zustimmung des Betriebsrats für weitere

drei Samstagsschichten. Der Grund sei die große Nachfrage nach Manta und

Ascona. Wie besorgt ist doch Perschke um das Wohl der Firma... Als ob er

nicht genau so gut wie wir weiß, daß ein großer Teil dieser so fieberhaft

produzierten Autos noch gar keinen Händler hat und aufs Lager geht! 'Große

Nachfrage' - also auch wieder bloß ein Scheinargument.



Daß die Frühschicht am Heiligabend und Sylvester nicht endgültig abgesetzt

ist, daß wir zwischen diesen Feiertagen statt Zusatzurlaub möglicherweise

zwei Tage Zwangsurlaub machen müssen, wenn es dem Unternehmen paßt - das

liegt alles auf der gleichen Linie. Im entscheidenden Moment ist Perschke ein

Lakai des Opel-Managements. Nur wo sich's Opel (vielleicht) leisten kann,

spielt er den Gummilöwen: z.B. will er für die Scheckgebühren 'ganz hart'

verhandeln...



DER NEUN-PROZENT-BEISKE



Nun wissen wir, warum wir freiwilig unsere Beiträge für die IGM erhöhen

sollen: damit die freiwillige Erniedrigung unserer Lohnforderungen durch die

Metall-Bonzen ausgeglichen wird. Der 'Ressortleiter' für Tariffragen, Beiske,

'bedauerte' zwar die Entscheidung der Tarifkommission für 9% (vgl.

27.8.1971,d.Vf.). Dabei geriet er aber ins Schleudern: auf der einen Seite

behauptet er, die IGM würde sich von der Regierung ihre Forderungen nicht

vorschreiben lassen, die 9% seien eine 'Mindestforderung' - Spielraum soll es

also nur nach oben geben. Als ob jemals die Unternehmer den Gewerkschaften

einen Lohn anbieten würden, der höher ist als deren eigene Forderung! Auf der

anderen seite erzählte er uns haarscharf, wie es in der Tarifkommission

zugeht: Statt mit 15% und vollem 13.Monatslohn fängt man lieber gleich bei

11% an. Denn die Schwindelanfälle bei der Abfahrt in den Keller (6,5,

bestenfalls 7%) hätten viele Kollegen nicht verkraftet, ohne rot anzulaufen.

Dann macht man eine Pause. Ein Bonze ruft nach Bonn an, ob es denn nun so

recht sei. Schiller grübelt...: darf es nicht etwas weniger sein, 'Genossen',

...ihr habt ja auch noch den 13.Monatslohn, den andere nicht haben, dann ist

die Enttäuschung nicht so groß, wenn statt 9 nur 6,5% herauskommen; und den

13.Monatslohn könnt ihr auch noch scheibchenweise verkaufen... Strahlend

kommt der Vorsitzende der Tarifkommission zurück: 9% und den 13.Monatslohn

(auf Raten)!



Vielen Dank für den Tip, 'Kollege' Beiske!



Der erwähnte Tröstungsversuch, die 9% seien 'Mindestforderung', ist umso

unverschämter, als die Lebenserhaltung eines Arbeiters 1972 um etwa 10%

teurer wird und ein Teil der Lohnerhöhungen durch höhere Abzüge nicht wirksam

wird. Letztlich bedeuten also die 9% einen



LOHNRAUB VON 5 PROZENT!



Durch Milchmädchenrechnungen wie 'Mindestforderung' sollen wir beruhigt

werden, damit wir nicht auf die Idee kommen, für eine lineare 15%-Forderung

zu streiken.



ERSCHWERNIS-'ZULAGE' STATT -BESEITIGUNG



Kollege Beiske berichtete ferner über die Neubewertung der Erschwerniszulage

seit dem 1.8.1971. Für jeden 'Erschwernisfall' soll es 2 Pfg. pro Stunde

geben. Hierbei kann man einmal mehr sehen, wie sich bei der IGM die Phrase

mit der Wirklichkeit vereinbart: 'Der Mensch im Mittelpunkt'! Hätten wir

wirkliche klassenbewußte Kollegen im Betriebsrat, so würden diese dafür

sorgen mÜssen, daß die Opel-Bosse die ERSCHWERNISSE ABBAUEN, was in 99% der

Fälle technisch MÖGLICH ABER TEUER ist für Mr. Cunningham und an den Profiten

der Aktionäre nagt. Stattdessen wird durch ein ausgeklügeltes Zulagensystem

unser Weg in die Invalidität mit Pfennigen gepflastert. Lieber ein paar

Almosen, sagen sich Mr. Cunningham, die Aktionäre und die IGM, für die

frühzeitige Abnutzung der Arbeitskraft der Kollegen, als Staub, Hitze, Dämpfe

usw. einzudämmen. An diesem Raubbau-System ist die Gewerkschafts-Bürokratie

als stiller Teilhaber beteiligt. Sie kümmert sich einen Dreck um die

langfristige Erhaltung unserer Arbeitskraft. Durch ihren Almosen-Schacher

versucht sie sogar noch den Eindruck zu erwecken, als täte sie wirklich etwas

für uns.



Das GANZE Lohnsystem ist Betrug, aber mindestens fordern wir:



EIN  E I N H E I T L I C H E S  LOHNSYSTEM



Beiske ging auf die Punktebewertung ein mit großen Tönen und kleinlauten

Worten: es sei gegenwärtig nicht möglich, am 1.Oktober zu erfahren, welchen

Lohn man hat, weil der Faktor erst nach Tarifabschluß berechnet werden kann.

Er wiederholte, daß Differenzen zum alten Lohn nicht möglich wären; falls

aber doch, dann solle man Einspruch erheben. Wir sollen also zu

Einzelkämpfern werden, statt uns zu vereinen!



Dann nahm er zu dem 'Betrug' Stellung, daß bei den Akkordgruppen Monat für

Monat 108% rauskommen, ganz gleich, wieviele Wagen gezogen werden.



Diese Lohnabrechnung grenzt wahrlich schon an Wunder. Des Rätsels Lösung

liegt für die Kollegen (nur nicht für 'Kollegen' Beiske) auf der Hand. Man

braucht nur die Lohnabrechnungen zu studieren, deren Magie kein Mensch

kapiert. Ein ganzer bürokratischer Apparat wird in Gang gesetzt, um zu

verschleiern, wie unser Lohn eigentlich zustande kommt. Mit vollem Recht

forderte ein Betriebsrat in Werk II die Vereinfachung der Löhne und deren

Angleichung. Es ist ganz klar: diese Verwirrung hat Methode. Das Lohnsystem

selber ist ein Betrug, weil Opel von dem, was wir produzieren, das meiste für

sich behält. Dieses Prinzip hat Karl Marx schon vor 100 Jahren entdeckt, aber

unserem 'Kollegen' Beiske ist das längst entfallen.



VERBESSERUNG - FÜR GM'S PROFITE



Der Verantwortliche für Soziales und Unfallwesen Schulz durfte nun über seine

Erfolge berichten. Als Beispiel für sich häufende Unfälle nannte er einen

Fall, wo ein Kollege einen anderen vor den Kopf schlug, weil dieser ihn bei

der Arbeit störte. Schulz jammerte über die Kosten, die so entstehen und daß

die Kollegen sich nicht beherrschen könnten. Daß die Arbeitshetze und die

Antreiberei der Meister an solchen Vorfällen Schuld sein könnten, kommt ihm

allerdings nicht in den Sinn.



Von den vielen Verbesserungen haben wohl die meisten die Geiwnnchancen des

Konzerns verbessert. Immerhin bekommen wir jetzt Tee, wovon in Rüsselsheim

niemand mehr spricht, und 151 Kühlschränke für alle Werke, abzüglich für

Betriebsräte. Eine Klimanlage, die für uns selbst statt für unsere Milchtüten

das Klima verbessern würde, wäre Cunningham zu teuer gekommen.



Schließlich dürfen wir einen Tag ohne Attest fehlen, was dem 'Mißstand' (für

Opel KrankenKASSE) abhelfen soll, daß sich Kollegen für einen 'Blauen' gleich

eine Woche lang krank schreiben lassen. Diese Regelung ist ein Versuch bis

Februar 1972. Vielleicht ist es bis dahin auch gelungen, für 20 000

Beschäftigte 1 (einen) Werksarzt anzuheuern. In Rüsselsheim gibt es sechs

Ärzte für 35 000. Vorschlag für die Presse-Abteilung: vielleicht kann man ihn

durch die Aussicht auf ein Interview in der Opel-Pest anlocken...?



DISKUSSION WERK I



Zu den Diskussionsbeiträgen kann man allgemein sagen, daß wirklich

ausgesprochen wurde, was den Kollegen auf den Nägeln brennt (bis auf eine

Ausnahme). Als die Diskussion eröffnet wurde, konnte man sehen, wie

zahlreiche Kollegen buchstäblich hinter dem Ofen hervorgelockt wurden und in

die Halle strömten:



KOLLEGIN B. Auf der Grundlage der Resolution der A-Schicht vom 1.7. (...)

stellte sie an den Betriebsrat die Frage, was davon in Berlin diskutiert,

geschweige denn verwirklicht worden ist. 'UNSER BETRIEBSRAT IST DER MÜDESTE

BETRIEBSRAT DES KONTINENTS', das habe schon der von den Gewerkschaftsbonzen

aus Werk II herausgeekelte und von Opel gefeuerte Betriebsrat Griese 1967

(vgl. S7.**.1967,d.Vf.) gesagt. SPD-Regierung, Gewerkschaftsbonzen und Opel-

Bosse behaupten zwar, wir säßen alle in einem Boot. In Wirklichkeit sitzen

sie in einer Luxusjacht und wir in einem alten Kahn, wo ständig

Preiserhöhung, Kurzarbeit und Lohnstop überschwappen. Die Kollegin fragte,

was an den Gerüchten über Kurzarbeit im Oktober dran wäre (darauf gab

Perschke keine Antwort) und was er gegen das Punktesystem zu tun gedenke.

Wenn er nicht verstehen könne, was die Kollegen gegen dies System hätten, so

könnte er sich das Verständnis dafür schnell verschaffen, indem er wieder

malochen ginge. Im übrigen sei das Punktesystem dazu da, um uns gerade jetzt

in der Tarifrunde zu spalten.



Die gleiche Wirkung hätten auch die Schlägereien, die durch die Hetze am

Arbeitsplatz ausgelöst würden.



Bei den Betriebsratswahlen 1972 komme es nicht darauf an, wer den größten

Mund hat, sondern wer was tut. Deshalb Vorsicht vor solchen Großtönern wie

Adamek, der auf der Suche nach einem neuen Pöstchen ist, um der Arbeit zu

entkommen, nachdem sich seine Meisterpläne zerschlagen haben.



In der Tarifrunde gehe es nicht nur um 15%, sondern darum, ob wir uns von den

Unternehmern alles bieten lassen. Die Verabschiedung der Resolution der A-

Schicht sei ein erster Schritt, aber weitere Schritte müßten folgen: wer

nicht wagt, der nicht gewinnt.



Schließlich widerlegte die Kollegin Perschkes Lügen von der letzten BV, sei

sei eine Studentin, und klärte die Kollegen auf über die Schnüffeleien

bestimmter bezahlter 'Herren' vor ihrer Haustür.



KOLLEGIN A. äußerte sich kritisch zum Thema 'Ideen machen sich bezahlt'.

Durch die oft zitierten 'Materialeinsparungen' würden die

Verbesserungsvorschläge dazu benutzt, um Autos von geringerer Qualität und

weniger Sicherheit herzustellen.



KOLLEGE B. gab noch einmal einen Rückblick auf das berühmte 'Zwölf-Punkte-

Programm' der Firma Perschke und Co. angesichts der BR-Wahlen im nächsten

Frühjahr. Die Prämienerhöhung an arbeitsfreien Tagen von 6 au f10 DM sei als

einziger Punkt verwirklicht. Inzwischen sei aber eine Situation eingetreten,

wo diese Erhöhung keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlockt, sie reiche

gerade hin, um am Samstag in der Kantine was zu essen zu kaufen.



Die 'Gerechtigkeit' der Punktebewertung erläuterte der Kollege an einem

Beispiel: die Duckmäuser erhalten mehr Punkte, diejenigen, die vor dem

Meister den Mund aufmachen, erhalten Abzüge. Unter der 'Schirm'-Herrschaft

solcher 'Kollegen' wie Sonak oder mit dem Paradepferd Adamek werden wir nie

auf einen grünen Zweig kommen, ebenso wenig wie die V-Leute, deren Tätigkeit

von Sonak sabotiert wird. Auf solche 'Persönlichkeiten' könnten wir bei den

BR-Wahlen verzichten. Diese Arbeit kann jeder übernehmen, vom Bandarbeiter

bis zum Kauenwärter, wenn er nur etwas FÜR UNS TUN will.



KOLLEGE S. ging noch einmal auf den 9%-Verrat ein und sagte, dieser konnte

nur zustande kommen, weil die IGM-Bonzen mit der SPD-Regierung und dem

Kapital unter einer Decke stecken. Das Ergebnis sei das Lohndiktat, gegen das

wir uns mit allen Mitteln wehren müssen.



Zwei weitere Kollegen gingen gleichfalls auf die 9% ein sowie auf das

magische Akkordgruppen-Ergebnis von 108%. Ein Kollege kritisierte den

unterschiedlichen Lohn bei alten und 'neuen' Kollegen trotz gleicher Arbeit;

er selbst bekomme nur 6,02 DM, obwohl er die gleiche Arbeit wie andre macht.

Dieselbe Ungleichheit läge bei der verschiedenen Bezahlung gleicher Arbeit

von Männern und Frauen.



Dann trat das Mitglied der SPD-Betriebsgruppe Mono auf und behauptete, der

oben zitierte Kollege H. habe in unsachlicher Art und Weise unserer

Betriebsratsvorsitzenden angegriffen. Er brachte alles durcheinander: auf der

einen Seite müsse man sich um die 'menschlichen' Probleme kümmern, aber

'Parteipolitik' habe im Betrieb nichts zu suchen. Daß es gerade sein Freund

Perschke ist, der sich um nichts kümmert, weil er SPD-Propaganda an den Mann

bringt, ist nur ihm nicht aufgefallen. Seine Rede war deshalb so konfus, weil

er nicht klar sagen wollte, daß sein Gerede nur gegen die 'Maoisten' gemünzt

war. Als er damit nicht mehr hinter dem Berg halten konnte, gaben ihm die

Kollegen die Quittung: er wurde ausgepfiffen.



Schließlich sprach ein V-Mann nochmal zum Punktesystem, unter dem auch er zu

leiden hätte (14 Pfennig Abzug) und bedauerte die Uneinigkeit unter den V-

Leuten, die verhindert, daß man dagegen etwas unternimmt.



Zuletzt sprach sich ein Betriebsrat von Werk II gegen die 9%-Forderung aus.

Schuld daran sei, daß weder in der Traifkommission noch im Betriebsrat die

richtigen Leute säßen. Überall würde zuwenig getan. Das Punktesystem sei ein

kapitalistisches Instrument, durch das Unruhe und Uneinigkeit unter die

Belegschaft gebracht würden. Er plädierte für eine Vereinheitlichung und

Vereinfachung des Lohnsystems.



UND WER SPRACH NICHT? - Alle Männer aus dem zweiten Glied, die sonst so gern

in Perschkes Kerbe hauten. Kollege Adamek, Perschkes Paradepferd, wurde

diesmal nicht vorgeführt. Den Vorwürfen der Kollegin B., betreffend seine

Karrieregelüste, konnte er wohl nichts entgegnen.



Ebenso hatte es offensichtlich dem mehrfach angesprochenen Vorsitzenden der

V-Leute, Sonak, die Sprache verschlagen, als er vom Podium aus als

Regenschirmverkäufer und Geschäftemacher mit Gebrauchtwagen im Betrieb

entlarvt wurde. Selbst Jasczyk vom 'Roten Kadett' bzw. DKP nahm die

Gelegenheit nicht wahr, den Kollegen wieder einmal seine pflaumenweiche

Haltung gegenüber den Arbeiterverrätern in Betriebsrat und IGM vorzuzeigen.

Kurz: die ganze zweite Führungsgarnitur, die sich hinter den noch besetzten

Betriebsratssesseln um die Pöstchen drängelt, glänzte durch Abwesenheit.

Offensichtlich wollten sie sich den harten Fragen der Kollegen diesmal nicht

stellen.



PERSCHKES SCHLUSSWORT: EIN RÜCKZUGSGEFECHT



Etwas kleinlauter als sonst versuchte Perschke noch etwas von seiner Position

zu retten. Er gab sogar zu, daß vieles, was gesagt wurde, zutreffend sei.

Aber es sei falsch, nur an seiner Person Kritik zu üben. (Soll man immer 27

Namen aufzählen??) Nach diesem kleinen Rückzugsgefecht war er wieder der

alte: das Punktessystem sei ein Erfolg - Begründung: die Ungerechtigkeiten

und Schweinereien, die vorher bei der Einstufung der zeitlöhner passiert

seien, wären jetzt 'tariflich abgesichert'!



Über die Weihnachtsgeldregelung habe er hart verhandelt und 15 bis 20 Mark

wären als Prämie an Wochenenden ja durchaus angemessen, aber, aber... (ganz

der alte Gummilöwe!) Zur Sabotierung der V-Leute-Versammlungen: die beiden

Jahresversammlungen der V-Leute seien EXTRA auf den Herbst gelegt worden

wegen der anstehenden Tarifrunde.



Über seine Zukunftspläne bei VW schwieg Perschke sich aus. Dafür verriet er

uns, was ein Betriebsrat so den ganzen Tag treibt: Wahlpropaganda für sich

selber! (Er sagte nämlich: 'Für uns fängt der Wahlkampf für die nächsten

Wahlen am Tage unserer Wahl an').



Gegen einzelne Kollegen gab es ein paar knappe Tiefschläge. Der Kollegin B.

wünschte er viel Glück auf ihrem Weg in den Betriebsrat, aber zu ihrer

Bespitzelung hatte er nur ein paar dumme Bemerkungen übrig: 'Ich habe so von

hinten gesehen, daß du ein ganz ansehnliches Mädchen bist', das werde wohl

der Grund sein für das Interesse 'gewisser Herren'. Und als er dafür

Schimpfworte seitens der Kollegen erhielt, lenkte er schnell ein: sicher

wirst du einige Kollegen haben, die dich schützen können. Auf eine

Entschuldigung für seine Lüge von der letzten BV, Kollegin B. sei eine

Studentin, die nur vorübergehend im Betrieb arbeite, verzichtete er.



DISKUSSION WERK II



Gegen das Gejammer von Betriebsrat Schulz, daß die Unbeherrschtheit der

Kollegen zu Unfällen führe, bewies in Werk II ein Kollege, wie 'ernst' es der

Firma mit der Beseitigung von Gefahrenquellen ist. Er schilderte, daß er

mehrmals Herrn Fornefeld von der Abteilung Unfallverhütung aufmerksam gemacht

habe, daß an einer Stelle ein Kanaldeckel vier Zentimeter über den Fahrweg

ragte. Hier blieb einmal ein Gabelstapler hängen und die Ladung wurde

meterweit durch die Luft geschleudert. Trotz rechtzeitiger kenntnisnahme

dieser Sachlage hatte Herr Fornefeld für den Kollegen nur die Antwort parat,

es wäre nicht nötig, die Gefahr zu beseitigen. Sicher, verglichen mit dem

Bergischen Land, sind vier Zentimeter keine Höhe! Der Kollege wandte sich

deshalb an den Hauptbetriebsleiter Reinheimer. Dieser war sich jedoch zu

vornehm, mit einem Arbeiter zu sprechen. Er verwies ihn wieder arrogant an

seinen Meister. Hiervon erwähnte der um die Höhe der Unfallquote so besorgte

'Kollege' Schulz freilich nichts.



Auch 'Kollege' Reuß haute in dieselbe Kerbe. Er fing damit an, daß die

Kollegen vom Neubau einen so weiten Weg zur Kantine hätten und die Pause nur

dreißig Minuten dauert. Schönn und gut, aber anstatt diesen Mißstand zu

kritisieren, sollten wir Verständnis dafür haben, daß das Küchenpersonal

überlastet ist, da dauernd Kolleginnen wegen Krankheit ausfallen. Er erwähnte

Kollegen, die den Frauen in der Küche böse Worte zurufen: zum Beispiel 'Habt

ihr heute wieder einen Fraß gekocht!' oder: 'Mach schneller, du alte Kuh!'

Solche unsolidarischen Redewendungen sollten wir unter Kollegen wirklich

nicht benutzen, aber 'Kollege' Reuß weiß selber viel besser, woher solche

Sachen kommen. Die Hetze in der Pause, die Schlangen vor dem Schalter, das

sind doch die wahren Gründe, warum die Kollegen aus der haut fahren. Aber

'Kollege' Preuß' Rezept lautet: Die Kollegen sollen sich am Riemen reißen!

Das ist auch wesentlich billiger, als wenn man das Küchenpersonal verstärkt

und die Pausen verlängert, damit die Kollegen in Ruhe essen können. Dafür hat

Reuß ein paar andere Bonbons für uns parat. Er teilte mit, daß die

menschenunwürdigen Zustände in der Kaue beigelegt sind: Nun, wie macht das

ein Betriebsrat, der der Firma Kosten ersparen will? Wenn das Maschinenöl von

der Decke tropft, dann hängt man Mutters alte Zinkwanne darunter. Der

Kauenwärter hat sowieso nichts zu tun, denkt sich 'Kollege' Reuß, der wird

die Wannen leer machen. Außerdem hat er dafür gesorgt, daß uns das Schwitzen

im nächsten Sommer leicht fällt: er hat erreicht, daß die Firma in den

Abteilungen Kühlschränke aufstellen läßt. So hat also die Firma Colt mit

ihrer Klimaanlage-Werbung bei Opel wieder einmal nichts erreicht. gemäßigte

Temperaturen sollen da herrschen, wo die Bosse darüber nachdenken, wie sie

uns besser ausmisten können. Wer 'nur' malocht, soll ruhig schwitzen.



Ein Kollege, der verdorbene Wurst aus dem Warenautomaten dem Gesundheitsamt

zur Überprüfung sandte, bekam nach acht Wochen die traurige Mitteilung, daß

der Hersteller der Wurst nicht zu ermitteln sei. Kein Wunder, die SPD-

Bürokraten im Gesundheitsamt werden den Wurstfabrikanten nicht ans Bein

pinkeln, wenn sie nicht mÜssen!



Derselbe Kollege erwähnte auch, daß das Punktesystem bisher nur Nachteile

brachte. Ein anderer Kollege schilderte an seinem Fall, daß Opel versucht,

Leute, die viel krank feiern, zu entlassen.



Der Betriebsrat Wischnewski vertrat ganz andere Ansichten als seine

'Kollegen' von der Perschke-Garde. Er stellte sich hinter die lineare 15%-

Forderung und verlangte die Abschaffung der unteren Lohngruppen und die

Angleichung bis auf eine Mark. Er machte uns klar, daß er diese Auffassung

vertreten kann, weil er weder in der SPD noch in der IGM organisiert sei. Er

wies auch darauf hin, daß die Funktionäre der vorgenannten Vereine ziemlich

viele Nebenbeschäftigungen haben: z.B. im Stadtrat, im Landtag und im

Aufsichtsrat großer Firmen. Da bleibt ihnen nicht viel Zeit, um sich um die

Arbeiter 'zu kümmern'. Man mußte aber schon sehr gute Ohren haben, um die

Äußerungen des Kollegen Wischnewski zu verstehen. Anscheinend konnte die

Lautsprecheranlage diese harten Äußerungen nicht verkraften. Als dann

'Kollege' Perschke zum Schlußwort ansetzte, war die 'Technik - oh Wunder! -

wieder wohlauf. Die Kollegen hatten jedoch hierfür kein Verständnis und

antworteten mit einem minutenlangen Pfeifkonzert. Als es dann wieder ruhiger

wurde, entschuldigte sich P. für die 'kleine, technische Panne'. Damit wir

wieder gutgelaunt an die Arbeit gehen konnten, erzählte er uns, daß es hier

'eine große Sauerei' ist, was hier bei Opel so passiert und er werde alles

tun, diese 'Mißstände' zu beseitigen. Meinte er mit 'Mißstände' beseitigen

unsere gegenwärtige Unzufriedenheit?"

=Zündkerze Nr.11 und Extranummer Kampf der Bonzendiktatur!,Bochum o.J.

(1971),S.1ff bzw. S.1ff;

Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4;

Rote Fahne Nr.31,Berlin 3.12.1971,S.5



24.09.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet u.a. von

heute über die MTR der IGM:"

OTTO BRENNER: '...WOZU BRAUCHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN?'



Kürzlich sagte Otto Brenner in einem Interview mit der 'Süddeutschen Zeitung'

(SZ - vgl. **.9.1971,d.Vf.), das in der Zeitung 'der Arbeitgeber' vom 24.9.

wiedergegeben wurde:



'Über alle Forderungen muß verhandelt werden, und es ist selbstverständlich,

daß auch ein gewisser Verahndlungsspielraum vorhanden ist. Wir haben

jedenfalls UNSERE FORDERUNGEN NOCH NIE ALS EIN ULTIMATUM VERSTANDEN. Aber in

Anbetracht der ganzen Situation ist dieser Verhandlungsspielraum nicht sehr

groß. ...Die immer wieder genannten 7,5% sind kein Datum, das uns jetzt

(Red.: ???) befriedigen könnte. Wenn die Regierung solche Zielprojektionen

nennt, richtet sie praktisch eine psychologische Schallmauer auf, die die

Gewerkschaften zwingt, sie bei den Verhandlungen zu überschreiten. Denn sonst

würde man ja mit Recht sagen: WOZU BRAUCHEN WIR EIGENTLICH DIE

GEWERKSCHAFTEN, WENN DIE REGIERUNG BEREITS VORGEGEBEN HAT, IN WELCHEM RAHMEN

SICH LOHN- UND GEHALTSERHÖHUNGEN BEWEGEN MÜSSEN.' (Alle Hervorhebungen von

der Redaktion des 'Arbeitgeber')



Diese Tarifverhandlungen fangen schon an zu stinken, so faul ist die Komödie.

Brenner gibt also ganz unverblümt zu, daß die IGM-Forderungen ('nie als

Ultimatum verstanden...') nicht so heiß gegessen werden, wie sie gekocht

wurden. Jetzt können ihn die 7,5% noch nicht 'befriedigen', aber Ende

November, wenn einige Hunderttausend Kollegen um ihre Arbeitsplätze zittern -

vielleicht dann...? Auf jeden fall muß Otto lange mit Karlchen 'gerungen'

haben; Schillers nichtssagender 'Fachleute'-Jargon hat abgefärbt:

'Zielprojektionen' und 'psychologische Schallmauer' stammen aus dem

Musterkoffer der SPD-Regierung. Und wie klotzt Brenner erst vor Kollegen: in

dem Propagandaorgan der SPD-Regierung, 'Metall' (vgl. **.**.1971,d.Vf.), das

angeblich unsere Gewerkschaftszeitung sein soll, schreibt er prahlerisch:

Gesamtmetall (Arbeitgeberverband) dürfe sich 'nach all dem über die Reaktion

der IGM nicht wundern', und im gleichen Atemzug: 'Ein solcher Weg kann nicht

zu einem vernünftigen, den Interessen der Arbeitnehmer UND DER

WIRTSCHAFTLICHEN LAGE ANGEMESSENEN KOMPROMISS FÜHREN.' Wessen Gewerkschaft

ist die IGM nun eigentlich - die der 'Arbeitnehmer' (gleich Arbeiter und

große Mehrzahl der Angestellten) oder die Gewerkschaft der 'wirtschaftlichen

Lage'?



Wenn es ihr schlecht geht, setzt die 'wirtschaftliche Lage' die Arbeiter vor

die Tür. Sie nimmt auf uns keine Rücksicht. Warum sollen die Arbeiter auf die

'wirtschaftliche Lage', nämlich der Kapitalisten, Rücksicht nehmen?



Die IGM tut es. Ja, 'Kollege' Brenner, WIR BRAUCHEN GEWERKSCHAFTEN, ABER

NICHT SOLCHE!"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.7



27.09.1971: 

In Wiesbaden beginnt der 10. IG Metall (IGM) Tag, der bis zum 2.10.1971

dauert.

In Bochum berichtet die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK (vgl.

4.10.1971) zunächst:"

DIESE WOCHE: IGM-TAG IN WIESBADEN



Letzten Montag wurde der 10.Gewerkschaftstag der IGM in Wiesbaden eröffnet.

Um den Kongreß gleich richtig einzustimmen, bekräftigte Bundeskanzler Brandt

wiederum die Lohnstop-Politik seiner Regierung: Lohnerhöhungen wie im Vorjahr

würden 1971 nicht mehr in die 'veränderte Landschaft' der Konjunktur

passen...! Vorsitzender Brenner stieß ins selbe Horn: die diesjährigen

Forderungen der IG Metall seien 'vernünftig' und 'der wirtschaftlichen Lage

angemessen'.



Der schöne Einklang von SPD- und IGM-Chef straft alles Gerede von Brandt, die

Tarifautonomie dürfe 'nicht zur hohlen Phrase' werden, Lügen, mit denen die

Delegierten und Mitglieder beruhigt werden sollten. Statt dem Druck der

Kapitalisten entschieden entgegenzutreten, ziehen die IGM-Bonzen von

vornherein den Schwanz ein - sind sie doch selber längst Kapitalisten

geworden, und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus! Kritik der

Delegierten, die auf der Dienstagssitzung laut wurde, verpuffte schnell.



Gleichzeitig trumpfen die Arbeit-'geber' auf: am Montag stand im

'Handelbslatt' (HB,d.Vf.), dem Hausorgan der Kapitalisten, zu lesen: 'NUR

ÜBER EINEN BESCHÄFTIGUNGSDRUCK LIESSEN SICH DIE GEWERKSCHAFTEN WIEDER

DISZIPLINIEREN'! Das heißt: durch Entlassungen will man die Arbeiter in Angst

versetzen (nicht die 'Gewerkschaften', die sind längst 'diszipliniert', aber

um den Mitgliedern Sand in die Augen zu streuen, muß man so tun, als greife

man die Bonzen an, während man in Wirklichkeit die Arbeiter meint), damit sie

nicht gegen Lohnstop und Lohndrückerei aufmucken. Und das wird dann auch in

die Tat umgesetzt, wobei die Stahlkapitäne an Rhein und Ruhr es den

Metallindustriellen vormachen: beim Bochumer Verein (Krupp BV,d.Vf.) sollen

z.B. bis Ende März 1972 680 Kollegen entlassen werden; gleichzeitig will man

'beim Lohnkampf hart bleiben', wie die WAZ am Mittwoch schrieb. Und in der

selben WAZ ließen die Stahlkapitalisten die Katze aus dem Sack: 'SELBST EINE

(LOHN-) ERHÖHUNG UM DAS AUSMASS DER GELDENTWERTUNG - ALSO UM 5 BIS 6 V.H. -

STÖSST AUF ENERGISCHEN WIDERSTAND'!



Das bedeutet nichts anderes, als daß die Kapitalisten unsere Löhne nicht nur

nicht erhöhen, sondern sie EFFEKTIV DRÜCKEN wollen! Und sie werden dabei von

Bundesregierung und IGM-Führung unterstützt.



Wir sehen daraus wieder einmal:



ERSTENS dürfen wir unsere Lohnforderungen in gar keiner Weise an den Gewinnen

orientieren; was wir zum Leben brauchen, das brauchen wir, ob die Profite der

Unternehmer nun steigen oder fallen.



ZWEITENS: Wir dürfen uns bei der Durchsetzung unserer Forderungen nicht auf

die IGM-Bonzen verlassen, sondern nur auf uns selbst. WIR MÜSSEN DEN KAMPF

AUFNEHMEN UND DIESEN KAMPF SELBSTÄNDIG ORGANISIEREN UND DURCHFÜHREN! Nur so

werden wir überhaupt nur ein bißchen erreiche, wie wir das ja auch im letzten

Jahr bei Opel gesehen haben."



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK verbreitet mit Hilfe

eines Leserbriefes auch folgendes Zitat von Otto Brenner:"

Da die ausländischen Kollegen aus einer Reihe von Gründen oftmals unter viel

schwierigeren Bedingungen ihre Arbeit verrichten müssen, so bedürfen sie in

ganz besonderem Maße des gewerkschaftlichen Schutzes und der Solidarität."



Später berichtet die RBG Opel Bochum, in einem Artikel, dessen verwirrtes

Layout wir leider nur teilweise wieder entflechten konnten:"

GEWERKSCHAFTSOPPOSITION GEGEN BONZENDIKTATUR



Vom 10.GEWERKSCHAFTSTAG DER IG METALL geisterte durch Presse und Fernsehen

der Eindruck, daß es eine lebhafte Opposition gegen den Vorstand gegeben

hätte. Untersucht man aber die Äußerungen dieser angeblich so 'radikalen'

Gegner, so stellt sich heraus, daß diese 'Ultralinken' (Handelsblatt) mehr

oder weniger als Fassade aufgebaut wurden. Und zwar zu dem Zweck, eine

Demokratie vorzutäuschen, die es in den DGB-Gewerkschaften seit 1945, also

von Anfang an, niemals gegeben hat.



Wir wissen ja aus eigener Anschauung, wie die Delegierten nach Wiesbaden

geraten sind: Kaum einer unserer V-Leute kann uns sagen, wann, wo und wer auf

der geheimen Delegiertenversammlung für den IGM-Kongreß 'gewählt' wurde - so

demokratisch war das Verfahren! Man kann also annehmen, daß es sich bei den

in Erscheinung getretenen Kritikern kaum um 'Kritik von der Basis' handelte;

vielmehr um eine Opposition von Funktionären unterster Ebene gegen die ganz

großen Bonzen.



Fest steht, daß es innerhalb der DGB-Gewerkschaften allerdings oppositionelle

Tendenzen und Strömungen gibt. Durch solche undemokratischen Manipulationen

wie die sogenannte Delegierten-'Wahl', versucht die Bonzen-Bürokratie, diese

Strömungen abzublocken, aber die werden sich dadurch nicht aufhalten lassen.



Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann eine wirkliche Opposition auf den

Gewerkschaftstagen auftritt; das erkennt man daran, daß der IGM-Vorstand

selbst vor dieser Scheinopposition ins Zittern kam. Diese 'Opposition' hat

zwar richtig erkannt, daß die Arbeiter immer ausgebeutet und unterdrückt

werden. Aber sie tut so, als hätte das mit Kapitalismus nichts zu tun,

sondern nur mit fehlerhafter DGB- oder IGM-Politik.



Stehende Redewendung dieser Opposition ist zum Beispiel, daß sie als Prozeß

darstellt, was in Wirklichkeit längst vollendete Tatsachen sind. Etwa

folgende Aussprüche:



- 'Das Leben der Angestellten und Arbeiter wird immer unsicherer'

(ein Delegierten-Antrag, laut 'Handelsblatt' vom 9.8.).



Was heißt denn hier'wird' und 'immer unsicherer'? So lange es Kapitalismus

gibt (und das sind jetzt in Deutschland weit über hundert Jahre) war die Lage

der Arbeiter und Angestellten unsicher, waren sie bedroht von

Arbeitslosigkeit und Lohndrückerei und wurden sie ausgebeutet. 1890 ebenso

wie 1971.



AUSTRITT AUS DER 'KONZERTIERTEN AKTION'?



- Sie forderten weiter den Austritt der IGM aus der Konzertierten Aktion, die

sich, man staune, als Instrument der Unternehmer 'immer mehr' erweise, die

weiter die Gewerkschaften 'diszipliniere' und keine 'soziale Symmetrie

herstellen' könne. 'Die soziale Symmetrie habe sich in diesem System als

nicht durchführbar erwiesen'... Das konnte man von Anfang an wissen, wenn man

sich keine Illusionen darüber machte, daß in diesem System die

Kapitalbesitzer die Macht im Staat und die Macht über die Maschinen haben,

die Arbeiter aber nur ihre Haut zu Markte tragen dürfen!



- Die Rolle der Gewerkschaften innerhalb der Konzertierten Aktion (so die

'Opposition') habe nur darin bestanden, daß 'die Gewerkschaften Vorleistungen

erbracht' haben, die 'nie honoriert' wurden. Diese Kollegen verschweigen, daß

im Kapitalismus die Arbeiter immer 'Vorleistungen' erbringen OHNE 'Honorar' -

nämlich ihre Arbeitskraft, die nur zu einem Teil bezahlt wird, während der

andere Teil von den Unternehmern als Gewinn oder Dividende eingesackt wird.

Das einzige 'Honorar', das man uns gewährt, ist, daß wir im Falle eines von

eben denselben Ausbeutern angezettelten Krieges unsere Knochen zu Markte

tragen dürfen - 'für die Ehre des Vaterlandes'!



ILLUSIONÄRE SCHLUSSFOLGERUNGEN!



Diese 'Opposition' hat also richtige Gedanken, sie legt den Finger auf wunde

Stellen, aber ihre Schlußfolgerungen sind ILLUSIONEN, die darauf

hinauslaufen, man könnte Akkordschinderei, Ausbeutung, oder als Gegenstück

Arbeitslosigkeit beseitigen, ohne die Herrschaft der Kapitalisten zu

beseitigen! Das ist eine FALSCHE HOFFNUNG: das WIRTSCHAFTLICHE System

beseitigen ohne das POLITISCHE umzustürzen! Die Herrschaft der Kapitalisten

IM BETRIEB umstürzen ohne ihre POLITISCHE Herrschaft, ihre Herrschaft in

Parlament, Parteien, Regierung, Justiz, Bildung usw. umzustürzen! Diese

Opposition sagt im Grunde:



'Die Kapitalisten dürfen uns nicht mehr ausbeuten. Aber sie dürfen weiterhin

im Parlament, in der Regierung, in der Justiz und Bürokrtie sitzen', das

heißt: weiterhin Gesetze machen, die uns unterdrücken, weiter die höheren

Schulen und Universitäten für sich reservieren, weiter Polizei und Militär in

der Hand behalten! Aber 'keine Ausbeutung'? Sie sollten uns mal sagen, wie

das funktionieren soll!



DIE OPPOSITION UNTERWIRFT SICH DER GESCHÄFSTORDNUNGSDIKTATUR



Diese 'Radikalen' zeigten auf dem Kongreß, wie wenig ernst es ihnen mit ihrer

Opposition war. Sie akzeptierten den Geschäftsordnungsbeschluß, daß die von

der 'Basis' eingebrachten Anträge zusammengefaßt in anderer Form zur

Abstimmung gebracht würden. Damit ahtten sie von vornherein den Kampf

aufgegeben und waren zum Scheitern verurteilt. Auch diejenigen Kollegen unter

den Delegierten, die von sich aus ehrlich bemüht waren, durch Enthüllungen

und scharfe Kritik 'Wind zu säen', haben auf diese Weise erfahren, daß es

ohne eine Sprengung des vom Vorstand festgelegten Rahmens nicht möglich war,

ihre Forderungen durchzusetzen, zum Beispiel:



- Abschaffung der politischen Schlichtung



- Urabstimmung über Tarifergebnisse.



Alles in allem war die 'Opposition' von vornherein so kastriert, daß selbst

das ultrareaktionäre 'Handelbslatt' sich fragte, ob man bei diesem Kongreß

der angeblich so radikalen IGM 'auf der richtigen Veranstaltung war'.

Trotzdem läßt ablesen, daß die oppositionelle Stimmung von der Basis her

wächst.



VERTRAUENSLEUTE SOLLEN NOCH MEHR GEGÄNGELT WERDEN



Überall wo die Bonzen nicht unmittelbar den Daumen drauf halten, braut sich

was zusammen - und zwar zuerst bei den V-Leuten. 'Das Problem der

Vertrauensleute besteht in der immer noch mangelhaften Kontrolle DURCH DIE

GEWERKSCHAFT', sagte ein Diskussionsredner! In einem vertraulichen Papier,

das auf dem Kongreß unter die Leute kam, äußerte sich ein Arbeitsdirektor:

'MAN MÜSSTE AUCH DIE V-LEUTE 'IM GRIFF HABEN'.' Die V-Leute werden von der

Gewerkschaftsbürokratie so gegängelt wie noch nie - aus unserer praktischen

Erfahrung kennen wir ja die Beispiele vom September 1970 (vgl. 24.9.1970,d.

Vf.), als die V-Leute in ihrer Mehrheit die Forderung der Kollegen, nämlich

15%, auf 11% herabwiegelten und sogar bei Opel den Streik abbrachen an dem

entscheidenden Montag (vgl. 28.9.1970,d.Vf.). - Und doch ist das den Bonzen

noch nicht genug! Denn es hat den Anschein, daß eine wachsende Zahl von V-

Leuten sich dagegen wehrt, als Stoßtrupp der IGM-Herren für das Lohndiktat

'Reklame' zu machen. Wenn diese Kollegen wirklich gegen das Zusammenspiel und

Zusammenwachsen von DGB-Gewerkschaften, Kapital und Staatsapparat angehen

wollen, dann können sie das nur, indem sie sich noch enger mit ihren Kollegen

am Arbeitsplatz zusammenschließen, auf deren Wünsche und Forderungen hören

und so wirklich als Vertrauensleute nicht der Bonzen, sondern der Kollegen im

Betrieb wirken.



Davor haben die Herren Michels, Strothmann und Co. schon heute Angst. In dem

oben zitierten geheimen Papier (Protokoll einer geheimen Zusammenkunft von

Arbeitsdirektoren und Betriebsräten der IGM in der Stahlindustrie) gaben die

Herren ihrer Besorgnis Ausdruck über die 'wachsende Politisierung der

Vertrauensleute', die z.B. die 'Unverschämtheit' hatten, 'im Herbst 1969

durch spontane Arbeitsniederlegungen zusätzlich zu von der IG Metall

vereinbarten Tarifen Lohnerhöhungen durchzudrücken' (Frankfurter Rundschau

(FR,d.Vf.) v. 29.9.1971) und sich zudem noch weigerten, bei Rheinstahl,

Mannesmann usw. den Tiraden der Funktionäre zuzuhören. IGM-Vorstand Michels:

'Der eine traut dem andern nicht mehr...' Wir fragen: wer ist der eine, wer

der andere? Die V-Leute und einfachen Kollegen haben doch wohl ihre Gründe,

wenn sie den DGB-Bürokraten nicht mehr vertrauen!



Dem ganzen setzte Strothmann, gleichfalls vom IGM-Vorstand, die Krone auf,

indem er sagte: 'Die Freiheit in der IG Metall dürfe nicht eine Freiheit

gegen die IG Metall sein' - das heißt also: keine Freiheit gegen die IG-

Metall-Bonzen!



BRANDT UND LODERER SCHIESSEN GEGEN 'MAOISTEN'



Diese Freiheit nehmen sich in besonders frecher Weise natürlich die

'Linksextremisten' heraus, die, wo immer sie können, Funktionäre 'in

unflätigster Weise beschimpfen'. In diese Richtung schlug Willy BRANDT, ganz

'großer Staatsmann', als er von einer 'Verwilderung der politischen Gruppen'

(?!) sprach, von der notwendigen 'Abwehr der Gefahren für die demokratische

Ordnung' (wobei er als Kapitalistenvertreter natürlich nur die Demokratie für

die Reichen und Besitzenden kennt, nicht aber für die große Masse!), und den

IGM-Bonzen zurief: 'Seien Sie wachsam...' (FAZ vom 27.9.). LODERER, der

nächste Festredner, stieß ins selbe Horn: 'Die Gewerkschaften seien nicht

dazu da, die Geschäfte von politischen Sektierern und Hasardeuren

(Glückspsielern) zu besorgen'.



Nein, sie besorgen lieber die Geschäfte der Kapitalisten, zu denen sie ja

selbst gehören! Im Betrieb haben sich die Bonzen schon lange nicht mehr die

Hände schmutzig gemacht (manche sogar noch nie), in der Politik übernehmen

sie mit Freude das schmutzige Geschäft der Kapitalisten und ihres

Staatsapparates, wenn es darum geht, Vorwände für das Verbot revolutionärer

Gruppen, d.h. der sog. 'Maoisten', frei Haus zu liefern.



Außerdem gehen Brenner und Genscher (FDP,d.Vf.) von der Überlegung aus: 'Eine

Hand wäscht die andere', und auf diese Weise haben sie hinterher wieder

saubere Hände. Aus dem Machtbereich der IGM - nämlich den Betrieben - wird

ein störendes Geschwür entfernt, während Genscher der Bevölkerung weismachen

kann, die Arbeiter selbst seien ja für das Verbot der KPD/ML und anderer

Gruppen, da die Gewerkschaft ja dafür sei. Daß diese die Kollegen in den

Betrieben gar nicht mehr repräsentiert, verschweigt er wohlweislich.



So verabschiedete der IGM-Kongreß eine Vorstandsentschließung, in der die IGM

sich von allen 'extremistischen Parteien und Gruppierungen' distanziert. Es

heißt da: 'Der Gewerkschaftstag erwartet (!) von der Bundesregierung die

Strafverfolgung grundgesetzwidriger Aktionen einschließlich des eventuellen

Verbots der sie tragenden Organisationen.' (Frankfurter Rundschau v.

2.10.1971)



Mit diesem Gummiparagraphen 'Strafverfolgung grundgesetzwidriger Aktionen'

sind aber auch alle Kollegen gemeint, die aus dem verrat der IGM prsaktische

Konsequenzen ziehen und zum Beispiel Streiks durchführen, die die IGM nicht

dulden will - also 'wilde' Streiks, die laut Tarifvertrag verboten sind. Die

IGM-Bonzen und -Bürokraten, die sich darüber beschweren, daß die Kollegen mit

'wilden' Streiks mehr rausgeholt haben als die IGM ihnen zugestehen wollte

(die für so was ja schließlich 'zuständig' ist) - diese Bonzen ernten nur die

Früchte ihrer eigenen Politik. Aber das nehmen sie gleichzeitig zum Vorwand,

gegen solche Kollegen und ihre Organisationen vorzugehen!



VERSCHMELZUNG DES DGB-APPARATS MIT KAPITAL UND STAAT VERSTÄRKT SICH



Der Gewerkschaftstag hat wieder einmal gezeigt:



ERSTENS, wie rapide der Prozeß des Zusammenwachsens von DGB/IGM, Kapital und

Staat vorangegangen ist. Von der parteipolitischen 'Neutralität' unserer

Gewerkschaften kann keine Rede sein. Im Gegenteil, Brenner gehört heute zu

den aktivsten Wahlhelfern und Stützen der SPD-Regierung. Wenn dieser Mann,

oder sein Schatten Loderer, 'mehr politische Verantwortung für die

Gewerkschaft' fordern, oder, ein anderes Beispiel, 'volkswirtschaftliche

Rahmenplanung unter Beteiligung der Gewerkschaften' verlangen, dann meinen

sie nicht eine Beteiligung der Arbeiter, der Kollegen im Betrieb, der breiten

Massen, sondern Beteiligung der Bürokraten aus dem Gewerkschaftsapparat. Mehr

Posten für die 'Bonzokratie' - das ist der einzige Sinn dieser Reden.



ZWEITENS, daß die oppositionelle Bewegung innerhalb der Gewerkschaft nicht

tot ist und sich selbst bei solchen 'Spitzen'treffen regt und wächst.



Das gegenwärtige Dilemma der Gewerkschaftsopposition ist, daß DKP und 'linke'

Sozialdemokraten versuchen, dieser Opposition ihre politische Führung

aufzudrängen und sie mit 'linken' Phrasen in das seichte Fahrwasser der Nur-

Reformpolitik, das heißt des Reformismus zu 'führen', um sich als Arzt am

Krankenbett des Kapitalismus beim Klassenfeind einen guten Namen zu machen.

Alle Kollegen, die sich ehrlich vorgenommen haben, für die Interessen ihrer

Kollegen gegen die kapitalistische Ausbeutung und die Bonzen-Diktatur zu

kämpfen, kommen um folgende Tatsachen nicht herum:



BRENNERS IGM wird niemals mehr zur Klassengewerkschaft der Arbeiter werden

können, zu einer Organisation der Arbeiterklasse, die mit revolutionären

Mitteln für die wirtschaftlichen Tagesinteressen des Proletariats kämpft -

GEGEN die Kapitalisten und nicht MIT den Kapitalisten GEGEN die Arbeiter.



Die Arbeiterklasse muß sich eine revolutionäre Gewerkschaftsorganisation

schaffen, indem sie den hergebrachten reformistischen Gewerkschaftsrahmen

sprengt, und die das Ziel vor Augen hat, die Ursachen der kapitalistischen

Ausbeutung an der Wurzel zu packen und den Kampf um die Beseitigung des

Kapitalismus zu unterstützen!



FÜR EINE KLASSENKÄMPFERISCHE IGM-OPPOSITION!



KAMPF DEM LOHNDIKTAT DES KAPITALS, SEINER SPD-REGIERUNG UND DGB-BONZEN!"

=Zündkerze Nr.11, Extranummer und 12,Bochum o.J. (1971), 11.10.1971 bzw. Nov.

1971,S.6, S.3ff bzw. S.10



27.09.1971: 

Der 'Rote Morgen' Nr.10 (vgl. 13.9.1971, 11.10.1971) berichtet u.a.:"

Auch in diesem Metallkampf wurden trotz aller Versuche der Bonzen,

Forderungen der Kollegen zu unterdrücken, klare Forderungen erhoben: Bei

Klöckner/Bremen waren es 16%, bei Maschinenfabrik Deutschland (Hoesch - MFD,

d.Vf.) und einigen kleineren metallverarbeitenden Betrieben in Dortmund 15%,

bei Opel/Bochum forderte eine Belegschaftsversammlung 15% - 1 DM. Die KPD/ML

hat ihre Forderung 15% - 1 DM, Absicherung der Effektivlöhne, 1 000 DM

Mindestnettolohn, gegen Arbeitsplatzbewertung und Punktsystem, gleichen Lohn

bei gleicher Arbeit in vielen Flugschriften propagiert und begründet."

=Roter Morgen Nr.10,Hamburg 27.9.1971



Oktober 1971: 

Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet über die Gründung ihrer Betriebszelle

Opel Bochum:

Bereits in der MetallTarifrunde (MTR,d.Vf.) letzten Jahres war die

Untersuchung der Automobilbranche soweit, daß bei Opel/Bochum und Ford/Köln

die Propagandaarbeit aufgenommen werden konnte. Die rasche Gewinnung von

Sympathisanten unter den Kollegen von Opel ermöglichte die Gründung der

Betriebszelle im Oktober 1971."

=Rote Fahne Nr.40,Dortmund 7.4.1972,S.2



02.10.1971: 

In Spanien beginnt der Streik im Bergbau von Asturien.

Bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 25.10.1971) berichtet die Projektgruppe

Internationalismus (PGI) Bochum (vgl. 13.9.1971, 18.10.1971):"

DER BERGARBEITERSTREIK



Von den Madrider Bauarbeitern griff die Bewegung auf die asturischen

Bergbauarbeiter über. Es begann am 2.Oktober: bald standen 9 000 Kumpel im

Streik. Es ging um eine Anhebung der Hungerlöhne und um die 40-Stunden-Woche,

- aber wie überall in Spanien war bald die Losung 'Nieder mit Francos Mörder-

Regime!'"

=PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971),S.1



04.10.1971: 

In Bochum gibt die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in dieser

Woche ihre 'Zündkerze' Nr.11 (vgl. 16.9.1971, 11.10.1971) mit 14 Seiten DIN A

4 unter Verantwortung von Stefan Bock, Bochum, Anfang dieser Woche (nach

eigenen Angaben allerdings noch im September) mit einem Leitartikel zur

Betriebsversammlung (vgl. 16.9.1971) heraus.



Berichtet wird vom IGM-Tag (vgl. 27.9.1971) und der eigenen Zeitung für

Bochumer Stahlbetriebe (vgl. 6.9.1971), geworben für den 'Roten Morgen'

(RM), der vorm Werk verkauft werde.



In der Rubrik Leserbriefe wird die folgende Zuschrift aus Bochum vom

16.7.1971 veröffentlicht:"

Herr Bock!

Teils mit Interesse, teils mit gemischten Gefühlen, lese ich Ihre ZÜNDKERZE.

Mein Mann bringt sie mit, sie ist für IHN bestimmt, aber er liest sie nicht.

Nun, ALLES verstehe ich auch nicht, bin eine 'Nur-Hausfrau'.



Eines ist mir klar, daß ich viele Ihrer Worte aus Diskussionen in der DDR

wiedererkenne. Nehmen an, daß Sie 'drüben' geschult wurden. Zumindest nicht

den Schikanen der Vopos an der Grenze SO ausgesetzt sind, wie wir Nicht-

FUNKTIONÄRE.



Wenn Sie da erst einmal anfangen würden, Ihren 'Genossen' beizubringen, was

Menschlichkeit heißt, wären Ihnen viele, viele Menschen dankbar. Sie

schreiben vom 'unterdrückten und ausgebeuteten' Arbeiter in der BRD. Ihre

Genossen aber behandeln uns durch die Bank als Kapitalisten. Sie nehmen uns

das Geld ab, was sie als Währung NICHT anerkennen und würden uns danach am

liebsten mit einem Tritt in den Hintern zurückjagen. Kann man damit Anhänger

gewinnen?



Sie müssen sich schon gefallen lassen, daß man ihre ZÜNDKERZE deshalb als

Hetzschrift betrachtet; denn wenn sie dem Arbeiter drüben aufs Maul geschaut

haben, werden Sie wissen, daß auch dort der Arbeiter - und das weit mehr als

hier - ausgebeutet wird. Dafür darf er sich noch glücklich schätzen, wenn er

nach ein bis zwei Stunden anstehen ein Brot erwischt oder ein Stück Fleisch

zum Sonntag. Das Schlangestehen hat sich seit vor, im und nach dem Krieg

nicht geändert.



Gut, man nimmt uns vielen, aber man läßt uns das Hemd, was man von 'drüben'

nicht sagen kann. Denen würde man am liebsten noch das Fell über die Ohren

ziehen. Wir müssen pro Tag 10 DM Aufenthalt zahlen, nur um die Mutter zu

sehen. Invaliden bekommen von der DDR 10 DM West für vier Wochen. Ist das

auch gerecht? Wen wollen sie also aufklären? Zumindest nicht Leute, die beide

Staaten kennen und denken können. Was hier falsch gemacht wird, wqeiß jeder

denkende Mensch selber, und den Primitiven können Sie auch mit Ihrer

ZÜNDKERZE nichts beibringen.



Würde Ihnen gerne meine Adresse angeben, aber mit Rücksicht auf meine

Angehörigen in der DDR, kann ich sie Ihnen nicht anvertrauen. Würde nämlich

auf Ihre Antwort auf mein Schreiben neugierig sein. Vielleicht steht etwas

davon in der nächsten Nummer der ZÜNDKERZE...



P.S.: Sie wollten ja Zuschriften!"



Geantwortet wird:"

KPD/ML ZUR DDR



Liebe Frau D.!

Wie Sie sehen, steht nicht 'vielleicht' etwas in der ZÜNDKERZE über Ihren

Brief...



Wie wir sehen, haben Sie nicht alle Nummern der ZÜNDKERZE zu lesen bekommen,

da wir leider noch immer nur in beschränkter Auflage drucken können. Wir

bitten Sie daher, um weitere Mißverständnisse zu vermeiden, die ZÜNDKERZE

Nr.5 (vgl. 9.11.1970,d.Vf.) vom letzten Jahr zur Hand zu nehmen, falls Sie

sie noch haben. Der Artikel 'Warum sagen Kommunisten, Ulbricht ist ein

Antikommunist?' wird viele Ihrer Probleme beantworten. Doch nun direkt zu

Ihrem Brief.



Sie schreiben, wir würden 'drüben geschult'. Hier liegt eindeutig eine

Verwechslung vor. Die KPD/ML ist felsenfest davon überzeugft. daß das, was

sich in der UdSSR (SU,d.Vf.), der DDR, in Polen usw. als Kommunismus ausgibt,

nichts anderes als Sozialismus in Worten, aber Kapitalismus in Taten ist.

Weiter sind wir der Meinung, daß kein ehrlicher Kommunist HEUTE die dortigen

Verhältnisse mehr als sozialistisch bezeichnen kann. Die einzigen Staaten,

die man mit Fug und Recht als sozialistisch bezeichnen kann, sind unserer

Ansicht nach die Volksrepubliken China und Albanien. Daß wir also 'drüben

geschult' würden, ist ein Irrtum Ihrerseits. Außerdem werden wir auch nicht,

wie Sie meinen könnten, in Albanien oder China 'geschult'. Jeder Kommunist

hat dort die Revolution zu machen, wo er lebt und arbeitet. Vertrauen auf die

eigene Kraft nennen wir das. Der Aufbau des Sozialismus in China und

Albanien, die Kämpfe unserer französischen, spanischen, italienischen

Genossen, kurz, der dortigen Arbeiterklasse, das ist die Unterstützung, die

wir uns wünschen, über die wir uns freuen. Alles andere werden wir selbst

leisten und leisten müssen, von diesem Weg wird uns auch nichts abbringen.



Weiter schreiben Sie, daß die Arbeiter in der DDR noch mehr ausgebeutet

würden als hier. Wäre die DDR noch sozialistisch und nicht in die Hände von

Arbeiterverrätern a la Ulbricht und Honecker gefallen, dann träfe dies

sicherlich nicht zu, weil es dann ganz schlicht und einfach keine Ausbeutung

mehr gäbe. Albanien und China sind hierfür Beispiele genug. Aber auch wenn

die DDR von einer neuen Kapitalistenklasse beherrscht wird - und dafür gibt

es genug Beweise - dann träfe Ihre Ansicht nicht zu. Entweder Ausbeutung oder

nicht - es gibt kein 'mehr oder weniger', höchstens ein mehr oder weniger an

Hunger usw. Sie brauchen da nur unsere Verhältnisse mit denen in der Türkei

zu vergleichen. Das Grundübel ist überall das gleiche: eine kleine Minderheit

herrscht über das Volk. Ist es denn wirklich grundsätzlich anders in der

Türkei, wenn wir hier damit rechnen müssen, durch Arsenschlamm oder Cyanied

zu verrecken? Was nützen uns da Perlonhemden, ein VW oder ein Fernseher?

Nichts!



Aber damit sind wir schon beim springenden Punkt Ihres Briefes. Sie glauben,

daß es uns trotz aller falschen Sachen doch ganz gut gehe. Da sind wir

vollkommen anderer Meinung. Wir sehen, wie die Arbeiter am Band nach einigen

Jahren kaputt sind durch Akkord usw. Herzinfarkt, Nervenkrankheiten, alles

Dinge, die hier an der Tagesordnung sind. Wir sehen, wie in Hamburg eine

Zwanzigjährige über den Haufen geknallt wird (Petra Schelm, RAF - vgl.

15.7.1971,d.Vf.), mit der uns zwar politisch nichts verbindet, ganz im

Gegenteil, aber wie gesagt, wir sehen, wie sie abgeknallt wird und wie dann

noch die WAZ von 'Hatz' spricht. Faschistenjargon ist das! Und wir sehen, daß

für dieses Abknallen 3 000 Polizisten und Grenzschutzleute (BGS,d.Vf.)

bereitstehen, während bei den Giftschlammskandalen erst unmittelbare

Bedrohung unseres Lebens da sein mußte, daß eine Dreizehnjährige, die im

Rhein gebadet hat, sterben mußte, bis überhaupt etwas in Gange kommt, denn

die Schuldigen kommen nicht hinter Schloß und Riegel, sondern dürfen fleißig

weiter Profit machen. All das sind Tatsachen, an denen nicht zu rütteln ist.

Deshalb werden wir auch weiter für ein freies, unabhängiges, einiges

sozialistisches Deutschland kämpfen.



Und bleiben Sie auf Ihrem Stuhl sitzen und denken Sie genau nach über das,

was jetzt kommt: wir sind schlicht und einfach dafür, daß nicht nur die

amerikanischen, englischen (britischen,d.Vf.) und französischen Truppen vom

westdeutschen Boden verschwinden, sondern auch die russischen vom Boden der

DDR. Die NATO-Truppen stehen Gewehr bei Fuß, um hier eingreifen zu können,

wenn der Arbeiter wirklich aufmuckt. Und in der DDR ist es nicht anders.

Arbeiterverräter schrecken vor nichts zurück, weder hier noch dort. Mit einem

einzigen Unterschied: dort sind sie an der Macht, während es hier die Abs und

Thyssen sind. Brandt ist da nur ein kleiner Fisch, die Haie sitzen ganz

woanders.



Sie können sich selbst ausrechnen, was in der DDR Leuten mit unserer Ansicht

geschieht. Sie kommen genauso in den Bau wie es hier geplant ist. Aber das

Risiko muß jeder Kommunist eingehen. Was sagte doch der Vorsitzende der KPD,

Ernst Thälmann? 'Kommunisten sind Geburtshelfer einer neuen Gesellschaft'!



Die Worte, die Sie allerdings benutzen, damit können wir uns keineswegs

einverstanden erklären, denn es sind keine wirklichen Arbeiterworte. Z.B.

'Hetzschrift'. Gegen wen 'hetzen' wir? Gegen Sie, Ihren Mann, seine Kollegen?

Dann hätten wir aufgehört Kommunisten zu sein. Und wir sind auch keine

'Funktionäre' mit Pensionsberechtigung. Laue Säcke brauchen wir nicht, davon

gibt es schon genug. Wir sind, wenn Sie so wollen, 'Funktionäre eines anderen

Deutschland', eines, in dem der Arbeiter, der Werktätige die Macht haben

soll. Für solche Funktionen gibt es nur Opfer - keine Privilegien. Die Große

Proletarische Kulturrevolution, die zweite proletarische Revolution in China,

hat klar gezeigt, was mit dem Bonzenpack passiert: Runter von den Funktionen,

ab in die Betriebe zum Malochen, und wehe sie sollten wieder wagen das Haupt

zu heben. Arbeiter sind normale friedliche Menschen - wenn sie nicht

angegriffen werden!



Und wer ist 'primitiv'? Kein Arbeiter, er kann höchstens Bonzen auf den Leim

gehen, aber das ist nichts neues. Dafür sind wir da, Marxisten-Leninisten, um

ihm haarklein auseinanderzusetzen, was er da macht. Primitiv allerdings sind

die bezahlten Tintenkulis in Presse, Funk und Fernsehen. Sie glauben, es

könnte ewig so weitergehen mit der Malocherbescheißerei. Nun, der Tag wird

kommen, wo sie merken, daß sie sich verrechnet haben.



Und noch eins: daß man in der DDR Schlange stehen muß nach einem Brot, das

ist nun tatsächlich ein Ammenmärchen. Uns würde interessieren, wo Sie das

gesehen haben. Durch Bekannte und Verwandte unserer Genossen wissen wir, daß

dem nicht so ist. Wenn es noch so wäre, die Arbeiter hätten schon längst so

gehandelt wie ihre Kollegen letztes Jahr in Polen.



Wahr ist allerdings, daß Besucher berappen müssen. Aber genau hier zeigt sich

der 'Arbeiterstaat' DDR. Die Arbeiter-Besucher dürfen blechen, während

Großkapitalisten mit seidenen Handschuhen angefaßt werden. Und was steckt

dahinter? Daß sich die Kapitalisten und einmal besser verstehen, als wenn sie

es mit 'primitiven Proleten' zu tun haben.



Und was Ihre Vorsicht hinsichtlich Ihrer Adresse anbelangt: die ging in die

falsche Richtung. Wir sind keine Denunzianten, die für einen Urlaub dort

etwas ausspucken. Aber trotzdem war es gut: Weil die Polizei hier scharf

drauf ist, Adressen zu sammeln. Nicht umsonst kommt bei uns Post häufig

geöffnet an, weil entsprechende staatliche Stellen es noch nicht einmal für

nötig befinden, die Briefe wieder zuzukleben!



Wenn Sie also trotz dieses Briefes an einem Gespräch interessiert sind - wir

würden uns darüber freuen - dann sagen Sie Ihrem Mann, er soll Ihre Adresse

einem unserer Verteiler geben.



Das wär's fürs erste. Wir hoffen auf eine Antwort.



Mit kommunistischem Gruß DIE ZÜNDKERZE



Wir bitten Sie, Fragen hinsichtlich der DDR und der dortigen 'sozialistischen

Verhältnisse' vor allem an den 'Roten Kadett' von der DKP, dem Ableger der

SED, zu schicken. Mal sehen, was die Ihnen antworten werden! Wir stehen Ihnen

natürlich auch weiterhin zur Verfügung."



Auf der letzten Seite wird zur MTR und STR festgestellt:"

JETZT WEHT EIN ANDERER WIND...



Ober in den Stahlbetrieben oder bei Opel - die Kollegen ballen die Faust in

der Tasche. Es weht ein anderer Wind. Die Herren und ihre Aufpasser haben

Oberwasser: wenn du nicht willst, draußen warten zehn andere. So weit sind

wir schon wieder.



Entlassungen beim Bochumer Verein (Krupp BV,d.Vf.), bei Klöckner und Hoesch

in Hagen: der Schlag hat gesessen. Also so haben sich die Herren das

vorgestellt: 'Die Stahlindustrie braucht eine lohnpolitische

Konsolidierungspause.'



Das heißt 0%.



Was ist daran Bluff und worauf müssen wir uns gefaßt machen?



Ausgangspunkt der diesjährigen Metall-Tarifrunde waren die 15%-Forderung bei

Hoesch in Dortmund (MFD - vgl. 27.5.1971,d.Vf.) und die gleichgesinnte

Resolution von Opel im Juni/Juli (vgl. 1.7.1971,d.Vf.). Relativ spät dagegen

(vgl. 26./27.8.1971,d.Vf.) ließen die Tarifkommissionen ihre

Verratsforderungen von 9 - 11% aus dem Sack. Brenner selbst gab zu (vgl.

S14*.1971,d.Vf.): er würde 75% davon für einen Erfolg halten. Als er im

August (vgl. **.8.1971,d.Vf.) den Arbeit'gebern' in den Mund legte, sie

würden 6,5% akzeptieren, protestierten sie lautstark. Die Ursache kennen wir

jetzt. Hier wird ein abgefeimtes Spiel getrieben. Die Taktik der

'Tarifpartner' lautet: Verzögerung, die Verhandlungen möglichst nah an die

Krise schieben. Dann wird den Malochern schon die Freude vergehen, den Mund

aufzumachen. Dann fängt das große Zähneklappern an und alle werden

hilfesuchend auf ihre Gewerkschaft blicken und die wird in 'Geberlaune' die

6,5% für uns 'erkämpfen' und das noch als 'Sieg' hinstellen: 'Was wollt ihr

denn, das ist doch besser nichts.' Der Lohnstop der IGM-Bonzen und ihrer SPD-

Regierung soll besser sein als der Lohnraub, den das Kapital vorbereitet?



Aber nicht nur, daß man die Kollegen damit in Unruhe und Angst versetzen will

(z.B. dadurch, daß die vorzeitigen Pensionierungen bei Krupp, die bis Ende

März 1972 über die Bühne gehen sollen, bereits jetzt groß herausgebracht

werden). Nicht nur, daß unsere Aufseher verschiedenen Kalibers ihre Nasen

höher tragen und wir mit der geballten Faust in der Tasche noch mehr Tritte

einsammeln. Es zeigt sich vielmehr, daß die Widersprüche in dieser

Gesellschaft nicht mehr zu verkleistern sind. Mit jedem neuen Schlag ins

Gesicht formiert sich hier die Front der Arbeiter und aller Werktätigen,

während auf der anderen Seite der Haufen der Arschkriecher, Verräter und

Kollaborateure, besorgt um ihre Pöstchen, sich enger um seine Herren

zusammenschließt. Hier die Ausgebeuteten, dort die Ausbeuter und ihre

Lakaien.



Daß sich etwas zusammenbraut, spüren wir schon lange. Immer skrupelloser

werden die Herren, wo es schwerer wird, Profite zusammenzuraffen. Früher

leisteten sie sich einen 'liberalen' Tonfall. Heute heißt es: Ruhe und

Ordnung, selbst wenn jemand draufgeht wie beim Münchner Bankraub (vgl.

4.8.1971,d.Vf.), damit die Kasse stimmt. Was kümmert die Chemie-Bosse die

Verpestung der Luft, die Unbewohnbarmachung ganzer Wohnviertel, die

Verpestung des Trinkwassers, der Flüsse und Meere! Um seiner Profite willen

zerstört dieses Gesindel die elementarsten Lebensgrundlagen eines jeden

einzelnen... Millionen Steuergelder werden für Devisenausgleichszahlungen an

die Amis, für Rüstung und sogar Vernichtung von 'überflüssigen' Lebensmitteln

ausgegeben, aber in Bochum z.B. fehlen 20 000 Kindergartenplätze, fehlen

Wohnungen für junge Ehepaare und für Studenten (die in leerstehenden

Fabrikhallen untergebracht werden sollen). Und wer hat das Auspumpen des

Arsenschlamms in Gerthe (vgl. 4.8.1971,d.Vf.) bezahlt? Natürlich nicht Krupp,

Thyssen, Opel, sondern die Stadt, die dafür keine Wohnungen, Krankenhäuser

usw. bauen kann.



Die Massen beginnen zu begreifen, daß sie von diesem Staat der Kapitalisten

bei lebendigem Leibe verkauft werden. Sie fragen sich, wie sie sich dagegen

wehren können. Da hilft nur eins: sich organisieren, sich zusammenschließen.

Daß die IGM, die SPD oder DKP Organisationen sind, die im entscheidenden

Moment auf der anderen Seite der Barrikade stehen, st so manchem Kollegen

seit einiger Zeit kar. Nur eine revolutionäre Organisation, die ihre Reihen

im Griff hat und Karrieremacher und Pöstchenjäger frühzeitig vor die Tür

setzt, kann den Widerstand der breiten Volksschichten organisieren. Die KPD/

ML ist eine solche Organisation, weil sie den festen Willen hat, das deutsche

Proletariat von seinen Blutsaugern zu befreien. So jung wie sie ist, so viele

Fehler und Mängel hat sie. Wer eine festgefügte hundertprozentige

Organisation erwartet, macht sich Illusionen nach all den Niederlagen, die

die deutsche Arbeiterklasse hinnehmen mußte. Wer den Willen hat, diese Fehler

zu beseitigen, der wird auch vorankommen.



Kollegen, trotz alledem, organisieren wir uns in der KPD/ML. Wir brauchen sie

in den herannahenden Stürmen. Das Proletariat braucht seine revolutionäre

Partei. Sie ist letzlich sein einziger Schutz und seine einzige Hoffnung im

Kampf gegen das Pack der Blutsauger, Postenjäger und Ausbeuter.



VORWÄRTS IM GEISTE ERNST THÄLMANNS!



ROT FRONT!"

=Zündkerze Nr.11 und 12,Bochum o.J. (1971) bzw. Nov. 1971,o.S. bzw. S.1



06.10.1971: 

Bei Opel Bochum findet, laut KPD, der erste von drei Streiks (vgl. 7.10.1971)

statt, und zwar am Reparaturband (Abt. 3 391). Dieser Ansicht ist auch die

KPD/ML-ZB, die noch darauf hinweist, daß sich diese Abteilung in der Halle D4

befindet.



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 8.10.1971)

berichtet:"

Am Mittwoch früh streikten zuerst die Kollegen in D4/Abt. 3 391. Sie kämpften

gegen die auf einzelne Kollegen wegen Unterbesetzung des Bandes zutreffende

Überarbeit und gegen die unterschiedliche Bezahlung. Ihre Forderung nach mehr

Springern und Arbeitsentlastung wurde erfüllt, nachdem sie gedroht hatten 'auf

die Wiese' zu gehen."



Zur Behauptung der Werksleitung, der Streik sei von außerhalb ausgelöst

worden, betont die RBG, dies sei falsch:"

Das erste Informationsblatt kam nämlich erst am Mittwoch letzter Woche für die

Mittagsschicht, nachdem bereits die Frühschicht in der Abteilung 3 391 (D4)

gestreikt hatte."



Die KPD (vgl. 5.11.1971) berichtet zentral von Opel, u.a. über die

Betriebsversammlung (BV - vgl. 7.10.1971) in Rüsselsheim:"

Fast gleichzeitig war es auch zu Kampfmaßnahmen bei Opel in Bochum gekommen.

Insgesamt drei Mal legten die Kollegen aus zwei Abteilungen im Werk Opel I

(Abteilung D4 und D5) die Arbeit nieder. Durch ihre Kampfmaßnahmen setzten sie

20 Pfennig Lohnerhöhung durch und damit die Anglichung der Bandlöhne an die

Löhne vom Reparaturband. Besonders hier in Bochum wurde deutlich, daß die

Kollegen ihren Kampf nicht nur für Lohnerhöhung führten, sondern sich auch

gegen die unmenschliche Steigerung der Arbeitshetze, insbesondere am Band,

wendeten. Auch hier kam es zu Repressionsmaßnahmen der Kapitalisten von

Zeitabzügen bis zu Entlassungsdrohungen.



An die Arbeiter beider Werke ließen die Opel-Kapitalisten ein Flugblatt

verteilen, in dem sie zuerst lügenhaft versicherten, kein Mensch habe

gestreikt, um ein paar Zeilen später die Opel-Arbeiter mit massiven Drohungen

zu erpressen."



Bei Opel Bochum (vgl. 6.12.1971) und auch zentral (vgl. 3.12.1971) berichtet

die KPD (vgl. 6.12.1971) in einer Arbeiterkorrespondenz (vgl. 16.9.1971,

7.10.1971):"

Am 6.10.1971 war es nach den Streiks im Frühjahr und Herbst 1970 bei uns dann

wieder so weit. Der Verrat der Gewerkschaftsspitze vor Augen nahmen die

Kollegen den Kampf selbst in die Hand. In D4 Abteilung 3391 (Meister

Marquardt) schmissen sie im Rohbau die Arbeit hin. Damit protestierten sie

nicht nur gegen die verschleppende Verhandlungstaktik der IG Metall Bonzen,

sondern vor allem gegen die Opel-Kapitalisten, die hier wie in allen

Abteilungen für gleiche Arbeiten unterschiedliche Löhne zahlten, die hier wie

woanders Ausfälle wegen Krankheit nicht ersetzten, die hier wie woanders die

für Springereinsätze tariflich zustehende persönliche Verteilzeiten nicht

durchführen ließen. Die Kollegen forderten am Rohbauband den Fertigmacherlohn,

also 20 Pfennig mehr. Trotz des Großmauls 'Cassius Clay', alias

Hauptabteilungsleiter Hüskes, wollten die Streikenden durch die Abteilungen

zur Wiese vor der Hauptverwaltung marschieren. Um 'größeres Unheil zu

vermeiden', erfüllten die Kapitalisten die Forderung dieser Abteilung."



Bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 11.10.1971) berichtet die KPD:"

ERFOLGREICHER STREIK BEI OPEL



Am Mittwoch und Donnerstag letzter Woche legten die Kollegen aus zwei

Abteilungen (D4 und D5) der Opelwerke in Bochum die Arbeit nieder. Durch ihre

Kampfmaßnahmen setzten sie 30 Pfennig Lohnerhöhung durch und damit die

Angleichung der Bandlöhne an die Löhne vom Reparaturband.



LASSEN WIR UNS NICHT DURCH DIE DROHUNGEN DER KAPITALISTEN EINSCHÜCHTERN



- DAS ZEIGEN UNS DIE OPELARBEITER!"



Die Berliner Proletarische Linke / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 1.11.1971)

berichtet, dass am Rohbauband und in zwei weiteren Abteilungen eine

Vorweganhebung von 20 Pfennig erkämpft wird.



Berichtet wird auch durch die KPD bei Mannesmann Düsseldorf (vgl. 11.10.1971).

=Zündkerze Extranummer,Bochum 11.10.1971,S.1f;

Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.4,Berlin 20.10.1971;

Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr.28,Berlin Nov. 1971;

Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr.4,Dortmund Okt. 1971,S.4;

Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4;

Rote Fahne Nr.20,Bochum 11.10.1971,S.*;

Rote Fahne Nr.29 und 31,Berlin 5.11.1971 bzw. 3.12.1971,S.5 bzw. S.5



07.10.1971: 

Bei Opel Bochum findet, laut KPD, erneut ein Streik statt (vgl. 6.10.1971,

8.10.1971):"

Doch das gute Beispiel dieser Kollegen machte Schule. Am nächsten Tag flogen

die Klamotten in der D 5-Endmontage am Bockband (Meister Sieger)."



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 8.10.1971)

berichtet:"

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - das war auch die Forderung, als am

Donnerstag die Mittagsschicht in D5 die Klamotten hinwarf. Ihre Forderung:

Angleichung der Bandlöhne an die am Reparaturband bezahlten Löhne. Die

Geschäftsleitung gab die Sache nach Rüsselsheim ab und schob sie damit auf

die lange Bank."



Berichtet wird auch in:

- Berlin im IGM-Bereich bei KWU durch die KPD (vgl. 20.10.1971).

=Zündkerze Extranummer,Bochum 11.10.1971,S.2;

Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.4,Berlin 20.10.1971,S.*;

Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4;

Rote Fahne Nr.31,Berlin 3.12.1971,S.5



08.10.1971: 

Bei Opel Bochum wird, laut KPD, schon wieder gestreikt (vgl. 7.10.1971) und

zwar am Band 201 bei der Unterbaueinlage.



Bei Opel Bochum (vgl. 6.12.1971) und auch zentral (vgl. 3.12.1971) berichtet

die KPD über gestern und heute in einer Arbeiterkorrespondenz (vgl.

Rüsselsheim - 7.10.1971, NRW 13.10.1971):"

Und ein drittes Mal wurde gestreikt am Band 201 (Meister Hannemann) am

Unterbaueinsatz. In beiden Abteilungen das gleiche Bild:

Hauptabteilungsleiter Haufe mußte sich die Haare raufen und Obermeister

Richter, der gegen den Willen der Kollegen versuchte, das Band wieder laufen

zu lassen, mußte es ebenso eigenhändig wieder abstellen.



Denn die Kollegen sagten einmütig: Opel kann zahlen! Zu den bekannten

Gewinnsummen kommt noch zusätzlicher Profit durch Unterbelegung der

Arbeitsplätze, Einsparung der Springerpausen und letzthin wieder der Erhöhung

der Bandgeschwindigkeit. Wir machen das nicht mehr lange mit. In Bochum

ebensowenig wie in Kaiserslautern und Rüsselsheim."



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 11.10.1971)

berichtet:"

Freitag früh kam es in D5 zu einem kurzen Solidaritätsstreik, ebenso wie in

D4 unten (Rohnau), wo einige Abteilungen die Arbeit niederlegten. Anders als

am Mittwoch traten diesmal aber die Meister mit härteren Bandagen an; sie

drohten den Kollegen, wenn sie 'so weiter machten', gäbe es Entlassungen.

Hier tat sich vor allem der Meister Markwart vom Rohbau hervor, der wie manch

einer seiner Kollegen vergessen hat, woher er kommt - vom Band nämlich!"



Die RBG veröffentlicht auch aus der morgigen 'WAZ' den folgenden Artikel über

die Streiks vom 6. und 7.10.1971 sowie heute:"

DREIMAL RUHTE BEI OPEL AN EINEM BAND DIE ARBEIT



BETRIEBSRAT: KEIN VORGRIFF AUF TARIFVERHANDLUNG (MTR,d.Vf.)



Dreimal wurde im Opelwerk in den letzten Tagen an einem Fließband die Arbeit

für kurze Zeit niedergelegt. Die Belegschaftsmitglieder forderten, daß wegen

Krankheit personell unterbesetzte Fließbänder aufgefüllt würden und

verlangten eine Lohnerhöhung von knapp 20 Pfennig.



Unter Opelmitarbeitern wurde diese Lohnerhöhung als Vorgriff auf die

bevorstehenden Lohnerhöhungen gewertet. In einer Stellungnahme des

Betriebsrats heißt es jedoch dazu: Die 20 Pfennig mehr Stundenlohn für einige

Mitarbeiter seien eine bisher unterlassene Anpassung an das

Fertigmacherlohnniveau, die bereits vier Tage vor der Bandstillegung, am

Freitag, bewilligt, der Belegschaft aber noch nicht bekannt gewesen sei. Die

Werksleitung erklärt: Die kurzen Arbeitsunterbrechungen seien durch Einflüsse

von außerhalb des Werkes provoziert worden."



Sodann berichtet die RBG:"

GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT



Aus dem oben angeführten Artikel der WAZ vom 9.10.1971 kann man ganz klar

erkennen, wie die Adam Opel AG und ihr Betriebsrat die Tatsachen verdrehen

und entstellen. Wir wissen zum großen Teil ja aus eigener Erfahrung den

Ablauf des Geschehens (...). Die ZÜNDKERZE  hat bisher immer versucht, die

Arbeiterschaft bei Opel darüber zu informieren, was betriebsrat und

Gewerkschaft ihr vorenthalten und das wird sie auch jetzt wieder tun, obwohl

Betriebsrat und Gewerkschaft 'unsere Arbeit ständig mit Dreck bewerfen'. Auch

die ZÜNDKERZE wird sich dadurch 'nicht von ihrem Weg abbringen lassen'.



In dem Artikel der WAZ behauptet die Geschäftsleitung, die Streiks seien

durch Einfluß von außerhalb ausgelöst worden. Jeder Kollege von Opel weiß,

daß das nicht den Tatsachen entspricht. ...



Man sieht also, daß die Geschäftsleitung hier wieder einmal das alte Märchen

von irgendwelchen 'bösen, mysteriösen Elementen' außerhalb des Betriebes

aufwärmt, um sich selbst reinzuwaschen und die Klassengegensätze zu

verwischen. Denn in Wirklichkeit sind die von den Unternehmern geschaffenen

und aufrechterhaltenen Ausbeutungsverhältnisse die Ursache für den wachsenden

Widerstand der Arbeiter.



Wenn es in dem Artikel der WAZ weiter heißt, der Betriebsrat habe sich schon

seit längerem für eine Angleichung der Löhne in bestimmten Abteilungen

eingesetzt, so ist das schlicht eine Lüge. Wie sonst könnte 'Kollege' Sonak

(Betriebsratsmitglied) sich vor Kollegen aus D3 für die ungerechte

Aufsplitterung in zahlreiche Lohngruppen stark machen, indem er sinngemäß

sagte: 'Bei der einen Operation braucht man eben nur eine Hand, bei der

anderen zwei Hände; bei der einen Operation braucht man eben mehr geistige

Fähigkeiten als bei der anderen. Das müßt ihr doch verstehen, Kollegen!'

Wieder einmal liegt es hier vor allen offen auf der Hand, daß bei allem

Wortgeklingel 'unser' Betriebsrat im entscheidenden Moment auf der anderen

Seite steht.



Das hat aber die Kollegen nicht daran gehindert, auch am Freitag auf der

Frühschicht in D4 und in D5, für mindestens 15 Minuten die Brocken

hinzuschmeißen.



Dabei kam es erstmals zu Entlassungsdrohungen gegenüber Kollegen und

Vertrauensleuten, die als Sprecher der Streikenden bestimmt worden waren.



Gegen diese Einschüchterungs- und Spaltungsmanöver sollten sich die Sprecher

der Kollegen wehren. Sie sollten ihren Kollegen, die sie gewählt haben, ganz

klar machen, daß ihr persönlicher Einsatz mit Gefahren verbunden ist und der

Unterstützung aller bedarf. Alle Kollegen sollten ihre Sprecher nicht darüber

im Zweifel lassen, was passiert, wenn die Geschäftsleitung Druck auf sie

ausüben sollte.



Die Kündigung eines einzelnen Kollegen, ist zu verstehen als Angriff gegen

alle.



DAS VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT BLEIBT EINE LEERE PHRASE, WENN NICHT EINER

FÜR ALLE UND ALLE FÜR EINEN EINSTEHEN!"



Berichtet wird auch in:

- Berlin im IGM-Bereich bei KWU durch die KPD (vgl. 20.10.1971).

=Zündkerze Extranummer,Bochum 11.10.1971,S.1f;

Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr.4,Berlin 20.10.1971,S.*;

Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4;

Rote Fahne Nr.31,Berlin 3.12.1971,S.5



11.10.1971: 

In Bochum gibt die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK eine

Extranummer ihrer 'Zündkerze' (vgl. 4.10.1971, 1.11.1971) mit 6 Seiten DIN A

4 unter Verantwortung von Stephan Bock, Bochum, mit einem Leitartikel zu den

letzten Streiks (vgl. 6.10.1971, 8.10.1971) heraus.



Berichtet wird auch vom IGM-Tag (vgl. 27.9.1971) und zur MTR NRW (vgl.

13.10.1971) heißt es:"

Kolleginnen und Kollegen!



Am kommenden Mittwoch beginnen in NRW die offiziellen Tarifverhandlungen für

die metallverarbeitende Industrie.



Angesichts dieser Tatsache und noch eventuelle zu erwartender

innerbetrieblicher Ereignisse sollten wir uns noch einmal die in diesem

Zusammenhang auf Betriebsversammlungen aufgestellten wichtigsten Forderungen

ins Gedächtnis rufen und bekräftigen:



1. 15% LINEARE LOHNERHÖHUNG GLEICH 1 DM



2. VOLLER 13.MONATSLOHN



3. WEG MIT LEISTUNGSBEURTEILUNG, ARBEITSPLATZBEWERTUNG UND PUNKTESYSTEM BEI

OPEL!



4. ABSCHAFFUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN



5. ABSICHERUNG DER EFFEKTIVVERDIENSTE, 1 000 DM GARANTIERTER NETTOLOHN

MINDESTENS UND FÜR JEDEN, BEI EINHALTUNG DER 40 STUNDEN-WOCHE



6. 6 STUNDEN-SCHICHT AN ARBEITSFREIEN TAGEN BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH



7. ÜBERNAHME DER PARKPLATZVERSICHERUNG DURCH OPEL



8. BEZAHLUNG VON HEILIGABEND UND SYLVESTER



9. GENERELL 50% FÜR ALLE ÜBERSTUNDEN



10. BEZAHLUNG DER HALBSTÜNDIGEN PAUSE DURCH OPEL



11. RÜCKZAHLUNG DES KONJUNKTURZUSCHLAGS



12. GEGEN DAS NEUE BVG"

=Zündkerze Extranummer,Bochum 11.10.1971



13.10.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.78 (vgl. 9.10.1971, 16.10.1971) heraus.

Berichtet wird u.a. von Opel Bochum.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.78,Bochum 13.10.1971



13.10.1971: 

In der Metalltarifrunde (MTR) NRW (vgl. 18.10.1971) sollen, laut Roter Opel

Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 11.10.1971), die ersten

Verhandlungen beginnen.



Laut KPD (vgl. 3.12.1971) scheitern diese, "weil die Kapitalisten ohne ein

Angebot erschienen waren".



Davon berichtet auch in:

- NRW in Bochum die KPD bei Opel (IGM-Bereich - vgl. 6.12.1971).

=Zündkerze Extranummer,Bochum 11.10.1971,S.2;

Rote Fahne Nr.31,Berlin 3.12.1971,S.5;

Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4;



13.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet:"

'AKTION RUHRSCHIENE': JAGT DEN KLEINEN MANN!



In der Nacht zum Mittwoch, den 13.10., fielen 5 000 Polizisten über das

Ruhrgebiet her. Die Auffahrten zur B1 wurden kontrolliert, KFZs geprüft,

'Verkehrssünder' gepackt. Aber nicht nur das: es wurden die Personalien von

insgesamt über 20 000 Personen festgestellt, hunderte wurden verhaftet vzw.

für kürzere oder längere Zeit festgehalten.



Was hat diese 'Aktion Ruhrschiene' zu bedeuten?



Viele Menschen in Westdeutschland und Westberlin haben in letzter Zeit

gemerkt, wie gefährlich es ist, wie Baader oder Meinhof auszusehen, einen BMW

zu fahren, oder gar einer Polizeisperre auszuweichen. Dann kann es passieren,

daß man als Verbrecher verfolgt und gestellt wird und, wenn man Pech hat,

wird man durch Genickschuß 'auf der Flucht' erschossen, wie es kürzlich einem

kleinen 'Ganoven' in Berlin (vgl. S4.**.1971,d.Vf.) passiert ist.



Es hieß von Amts wegen, die Aktion 'Ruhrschiene' sei eine Großaktion zur

Überprüfung von 'Gastarbeitern', 'Rauschgiftsüchtigen', zum Aufspüren von

'Verkehrssündern' und zur Ermittlung von Mitgliedern der 'Baader-Meinhof-

Gruppe'.



Doch was ist tatsächlich geschehen?



Zwar wurde kein angebliches Mitglied erwischt oder gar erschossen, wie es im

Juli der Friseuse Petra Schelm (vgl. Hamburg - 15.7.1971,d.Vf.) erging, aber

dafür drang die Polizei - häufig ohne Hausdurchsuchungsbefehl - in

Gaststätten und Wohnungen ein, wurde handgreiflich und durchsuchte, was ihr

unter die Finger kam. So wurde bei dem Überfall auf ein Haus von

Fürsorgezöglingen, die statt in einem Erziehungsheim in einem Kollektiv

wohnen und von Sozialarbeitern und Studenten betreut werden, diesen die

Hemden vom Leib gerissen, um, - wie es hieß - Rauschgiftinjektionen zu

finden. Ähnliches geschah in mehreren Wohngemeinschaften.



Geht es bei diesen Großaktionen, zu denen in Zukunft nach einer Meldung aus

Hamburg auch der Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) hinzugezogen werden soll,

tatsächlich in der Hauptsache um die Vernichtung einer anarchistischen

Splittergruppe, die zum Staatsfeind Nr.1 hochgejubelt wurde?



Sicher nicht! Viel zu vage sind die Anzeichen dafür, daß es hier wirklich um

eine fest organisierte Gruppe handelt, etwa nach Art der Tupamaros, was die

bürgerliche Presse ihnen auch immer in die Schuhe schieben mag.



Das ganze Theater stellt im Grunde genommen eine Notstandsübung dar. Man

könnte es auch mit Sparringsboxen vergleichen. Hier wird probiert und

trainiert für den wirklichen Gegner. Dem Unternehmertum und seiner jeweiligen

Regierung - heute der SPD/FDP Regierung - droht nur wirkliche Gefahr von der

überwiegenden Mehrheit des Volkes, besonders der Arbeiterklasse. Wenn diese

sich nämlich unter der Führung einer revolutionären kommunistischen Partei

zusammentun, um Schluß zu machen mit Ausbeutung, Korruption und der ganzen

parlamentarischen Schmierenkomödie. Angesichts der beständig um sich

greifenden Krisenzeichen der bundesdeutschen Wirtschaft wissen die

Kapitalisten natürlich, daß die Arbeiterklasse sich nicht wehrlos ihren

mühsam erkämpften Lebensstandard wegnehmen lassen wird, damit die

Gewinnspannen der Unternehmen stabil bleiben. Damit besteht natürlich auch

die Gefahr, daß die spontane Arbeiterbewegung immer mehr mit der

revolutionären verschmilzt. Die KPD/ML und ihre Organisationen haben ja schon

oft genug bewiesen, daß sie in der Lage sind, nicht nur die längerfristigen

Ziele der Arbeiterbewegung aufzuzeigen, sondern sich auch aktiv für die

Tages-Interessen der Arbeiterschaft einsetzen.



Ein Polizeisprecher sagte es der WAZ ganz deutlich, was der eigentliche Sinn

von Großrazzien wie der 'Ruhrschiene' ist: sie sollen die 'Macht der Polizei'

demonstrieren, also 'abschreckenden Charakter' haben. Man will die Arbeiter

einschüchtern, damit sie ja nicht auf 'dumme Gedanken' kommen. Sollte das

nicht wirken, so haben wir hier in Westdeutschland nicht mehr und nicht

weniger von der Polizei, 'unserem Freund und Helfer', zu erwarten, als die

kämpfenden Arbeiter bei den Seat-Werken in Spanien (vgl. 18.10.1971,d.Vf.),

nämlich Niederknüppeln und in letzter Konsequenz 'blaue Bohnen'. Außer diesen

Einschüchterungen versuchen die Kapitalisten noch über ihre Presse die

'Maoisten' zu diffamieren, indem man sie in Zusammenhang mit 'kriminellen

Elementen' wie der 'Baader-Meinhof-Gruppe' bringt. Es war auch sicher kein

Zufall, daß bei dem Münchner Banküberfall im August (vgl. 4.8.1971,d.Vf.) in

der Tagesschau am selben Abend behauptet wurde, die Bankräuber hätten sich

als 'Mitglieder der Roten Front und der Roten Garde ((RG,d.Vf.)

Jugendorganisation der KPD/ML)' bezeichnet.



Trotz all dieser üblen Tricks und Verleumdungen wird sich die KPD/ML nicht

davon abbringen lassen konsequent die Interessen der Arbeiterklasse und des

ganzen Volkes zu vertreten. Letztlich werden die Kapitalisten und all ihre

Helfer scheitern bei dem Versuch, einen Keil zwischen die breiten Massen und

die Marxisten-Leninisten zu treiben. Genau vor dieser Verbindung aber, vor

dem gemeinsamen Kampf der breiten Massen und der Revolutionäre in der KPD/ML,

haben die Mächtigen in unserem Staat gewaltigen Bammel. Davor will die SPD/

FDP-Koalition einen Riegel schieben."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.4f



14.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet u.a. von

der MTR:"

STREIKVERBOT BEI OPEL?



Vor einigen Wochen flatterte uns eine Mitteilung der Geschäftsleitung auf

unseren Arbeitsplatz, betitelt mit der freundlichen Anrede: 'An unsere

Werksangehörigen'. 'Höflich' werden wir in diesem Geschreibsel darauf

hingewiesen, daß das Streiken 'ungesetzlich' sei, 'solange verhandelt wird'.

Stattdessen legt uns die A. Opel AG 'unsere' IG Metall ans Herz, die einzig

und allein für die anstehenden Tariffragen kompetent sein soll. Denn nur die

IGM-Bonzen werden von den hohen Herren als unsere 'Interessenvertreter'

akzeptiert. Bei dem Tarif-Kuhhandel haben die Belegschaften angeblich nichts

zu bestellen.



Aber die Geschäftsleitung geht noch weiter. Sie droht der Opel-Belegschaft

mit fristlosen Kündigungen für den Fall, daß wir den von IGM-Bonzen und

Kapitalisten und SPD-Regierung einträchtig gesteckten 'Gesetzesrahmen'

durchbrechen und selbständig, auf unsere eigene Kraft vertrauen, für unsere

Forderungen eintreten.



Eine Begründung dafür liefern uns die Opel-Herren höchstpersönlich. In ihrem

Unternehmerbrief heißt es nämlich verheißungsvoll: 'Die Verhandlungen werden

sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.' Als wäre es

Gedankenübertragung, sagte mit anderen Worten 'Tarifpartner' Willi Bleicher

aus dem Südwesten, die Tarifprozeduren von Verhandeln, Schlichten,

Urabstimmen (streiken?) würden sich für die metallverarbeitende Industrie bis

Mitte November hinziehen können. (WAZ vom 25.10.) 'Die Taktik der

'Tarifpartner' lautet... Die Verhandlungen möglichst nahe an die Krise

schieben', schrieb die ZÜNDKERZE schon im September (vgl. 4.10.1971,d.Vf.).

Den Grund verriet Willi Bleicher im Fernsehen (vgl. S1.1*.1971,d.Vf.): 'Uns

liegt nicht am Kampf'. Ein sauberer Arbeitervertreter!



In dieser Situation verbietet uns die Adam Opel AG, irgendetwas ohne 'unsere'

Gewerkschaft zu tun. Wir sollen an Organisationen gekettet werden, die nach

der Pfeife der Unternehmer tanzen. Die Kapitalisten träumen offenbar schon

von staatlichen Zwangsgewerkschaften, die die Einheit von Kapital und Arbeit

predigen nach dem Motto: wir sitzen alle in einem Boot, Zwangsgewerkschaften,

die dazu dienen, die Arbeiterklasse noch mehr an die Kandare zu nehmen und

die Interessen der Kapitalisten mit allen Mitteln durchzusetzen, auch mit

blutiger Gewalt wie in Spanien oder Polen. Unter solchen Regimes werden nicht

nur die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter, sondern erst recht alle

politischen Betätigungen unterdrückt. Auch in der Richtung will der Opel-

Brief schon mal leise antippen: 'Wer sich an Streiks oder DEMONSTRATIONEN

beteiligt...' - d.h. allen Kollegen, die die 'Unverfrorenheit' besäßen, sich

an Kundgebungen zu beteiligen wie seinerzeit gegen die Notstandsgesetze (NSG

- vgl. 30.5.1968,d.Vf.), oder im letzten Jahr gegen die Todesurteile im

Baskenprozeß (vgl. S2*12.1970,d.Vf.), wird von Opel der Rausschmiß

angedroht."



Der Betriebsrat stehe der Geschäftsleitung zur Seite, was anhand der Vorfälle

bei Opel Rüsselsheim auf und nach der Betriebsversammlung (BV - vgl.

7.10.1971, 11.10.1971) belegt wird.

Fortgefahren wird:"

Die einzelnen Schritte dieser Spaltertaktik haben die Arbeitgeberverbände in

Richtlinien festgelegt (siehe Rotfront' vom September (vgl. Bochum 6.9.1971

bzw. IGM Juli 1970,d.Vf.)). Eine wichtige Rolle in ihrem Sinn spielt dabei

die Familie. Es wird darauf spekuliert, daß bei Streiks die Ehefrauen eher

'Vernunft annehmen' und ihre Männer wieder zur Arbeit schicken werden,

anstatt ihnen den Rücken zu stärken. Aus diesem Grund finden wir auch in

Opels Unternehmerbrief die Drohung, daß im Falle eines 'wilden' Streiks der

Anspruch auf Lohnzahlung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, also

die Versorgung unserer Familien in Notfällen (wofür wir jeden Monat 20 bis

30% unseres Lohnes berappen müssen) 'verloren geht'. Diese feinen Herren

wissen genau, wo sie uns an der empfindlichsten Stelle zu packen kriegen. Sie

wollen uns vorgaukeln: wenn ihr streikt, geht's euch schlechter, wenn ihr

euch ruhig verhaltet, geht's euch gut. (Dabei haben sie selbst zu Beginn der

Tarifrunde zugegeben, daß sie die Lohnerhöhungen auf einem Niveau festnageln

wollen, das noch unter den Preiserhöhungen liegt!) Das erzählen sie vor allem

den Arbeiterfrauen. Bei den Stahlwerken Bochum (SWB,d.Vf.) z.B. war es bisher

bei Streiks üblich, daß Leute von der Verwaltung von Haus zu Haus zogen, um

hinter dem Rücken der streikenden Männer die Ehefrauen mürbe zu machen.



Die Opel-Herren wollen, wie aus ihrem Brief zu schließen ist, in Zukunft tief

in ihre Trickkiste greifen, um uns einzuschüchtern, zu spalten und mürbe zu

kriegen. Dabei können sie sich auf die Unterstützung ihrer Gewerkschafts

(IGM-)bonzen und ihrer SPD-Regierung verlassen und vor allem auf eigene

Erfahrungen zurückgreifen.



Nach neuesten Meldungen erlebt die amerikanische Autoindustrie eine

Profitsteigerung wie noch nie in ihrer Geschichte. Die Ursache ist auf der

einen Seite die Ausschaltung der ausländischen Konkurrenz durch die 10%-

Importsteuer, auf der anderen Seite aber das Streikverbot, das durch Nixons

Preis- und Lohnstop (vgl. S4.**.197*,d.Vf.) erzwungen wurde. (Der neunwöchige

Streik in Detroit vom vorigen Herbst (vgl. 15.9.1970,d.Vf.) sitzt halt den

Herren Roche und Co. immer noch in den Knochen.) Den Arbeitern soll ihre

wichtigste Waffe im wirtschaftlichen Kampf, der Streik, aus der Hand

geschlagen werden, und wenn es sein muß mit Gewalt.



Genau dasselbe bei Opel in Deutschland. Die Maßnahmen der SPD-Regierung,

nämlich die Löhne 'einzufrieren', ähneln Nixons Lohnstop wie ein Ei dem

andern, nur daß sie es hier nicht wagen, offen das Streikverbot

auszusprechen. Es ist auch noch nicht notwendig: noch reichen die

Berufsabwiegler von der DGB-Bonzokratie aus. Aber Opel-Boß Cunningham meint:

sicher ist sicher. Bei Opel wird schon mal, auf gut amerikanisch, das

Streikverbot offen verkündet.



Aber die Herren haben sich verrechnet, in den USA wie auch bei uns. In

Rüsselsheim und in Bochum warfen warfen die Kollegen den grünen Wisch

haufenweise in den Papierkorb oder auf den Boden, der stellenweise von einem

dicken Teppich aus Opels Unternehmerbrief bedeckt war. Was in Rüsselsheim

einzelne Kollegen, die auf der Betriebsversammlung das Podium stürmten, nicht

erreichen konnten, das schaffte dieses schmutzige Stück Papier: jetzt müssen

wir erst recht gegen diese Schweinerei zusammenstehen, sagen viele Kollegen."



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK veröffentlicht auch

folgenden Text:"

Offener Leserbrief

An meine Werkskolleginnen und Kollegen!



Am Donnerstag, den 14.10.1971, bekamen wir ein Schreiben der Adam Opel AG zum

Thema 'ungesetzliche Streiks'



Was ist die Ursache für ein solches Schreiben eines kapitalistischen

Unternehmens gewesen?



Es wird auf eine Betriebsversammlung im Stammwerk Rüsselsheim hingewiesen"

(vgl. 7.10.1971,d.Vf.), wo 15% für die MTR gefordert worden waren:"

Wenn Forderung und Antrag für die Adam Opel AG unverantwortlich sind, fragen

wir, ob das von Verantwortung zeugt, wenn Arbeitgeber ohne ein Lohnangebot zu

Tarifgesprächen erscheinen (vgl. NB/NW - 7.10.1971,d.Vf.). Darüberhinaus hält

es die Adam Opel AG für ihre besondere Pflicht, insbesondere unsere

ausländischen Kollegen aufzuklären. Wie sagte doch Otto Brenner auf dem 10.

Gewerkschaftstag der IG Metall (vgl. 27.9.1971,d.Vf.): 'Da die ausländischen

Kollegen aus einer Reihe von Gründen oftmals unter viel schwierigeren

Bedingungen ihre Arbeit verrichten müssen, so bedürfen sie in ganz besonderem

Maße des gewerkschaftlichen Schutzes und der Solidarität.' Auf Hochdeutsch

heißt das: die ausländischen Kollegen werden nch mehr ausgemistet als wir

Deutsche. Von Solidarität gegenüber Ausländern halten die Bonzen genausowenig

wie von Solidarität gegen uns. Meine Meinung: Jeder, der einen Arbeits- oder

Mietvertrag kündigt, bemüht sich innerhalb der Kündigungsfrist um einen

angemessenen Ersatz. So aber offensichtlich nicht die Klugscheißer der IGM.

Letztere kamen in Nordbaden/Nordwürttemberg, in NRW, Berlin und Hessen ohne

ein Angebot zu den Verhandlungen und erzählten: 'Die Verhandlungen können

sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.'



Über einen längeren Zeitraum müssen wir also auf das Geld, das wir zum Leben

brauchen und auf die LZ-Bewertung (Leistungszulage,d.Vf.) verzichten und

dürfen derweil vom mühsam Ersparten die überhöhten Preise bezahlen - auch für

Opelfahrzeuge. Als Dank dafür dürfen wir dann am 10.Dezember überhöhte

Steuern zahlen für Lohn, Weihnachtsgeld und Nachzahlungen. So gehts nicht

weiter. Wir fordern: Rasche Beendigung der Verhandlungen, gegebenenfalls

Streik. Uns was Eure Zahlungsverpflichtungen angeht, fragt im Zweifelsfalle

die Personalabteilung der Adam Opel AG!"



Bei Opel Bochum berichtet die KPD u.a. von heute (vgl. 6.12.1971) in einer

Arbeiterkorrespondenz (vgl. 8.10.1971, 26.11.1971) u.a. von der MTR, u.a.

auch bei Opel Rüsselsheim (vgl. 7.10.1971):"

WIE KONTERTEN NUN DIE KAPITALISTEN?



Zahlreichen 'Rädelsführern' wurde gekündigt mit Werksverbot. Die

'Rädelsführer', derer man nicht habhaft werden konnte, versuchte man durch

Vorladung 'Zuverlässiger' zum Personalbüro, durch Befragung und Vorlage von

Photographien herauszubekommen. Darüberhinaus wurde nun, nachdem die erste

Tarifverhandlung in NRW gescheitert war, weil die Kapitalisten ohne ein

Angebot erschienen waren, von diesen ein schmieriger Drohbrief verteilt. Wenn

auch außer den 'Rädelsführern' in Rüsselsheim und 200 Spanier in Bochum keine

weiteren Massenentlassungen bis zur Stunde stattfanden, so ist doch unser

Krankenstand von 11% den Kapitalisten ein Dorn im Auge. Kündigungen (49 pro

Monat) während der Krankfeierzeit und Vorladungen zum Personalbüro während

des Krankenhausaufenthaltes sind keine Seltenheit, zu einer Zeit also, wo man

sich nicht wehren kann und die Widerspruchsfrist nicht wahrnehmen kann.

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4;

Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.1ff und S.10



15.10.1971: 

In der Nr.6 seines 'Jungen Bolschewik' (vgl. Sept. 1971, 15.11.1971)

behandelt der KJVD der KPD/ML-ZB u.a. Opel Bochum.

=Der junge Bolschewik Nr.6,Bochum 15.10.1971



16.10.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.79 (vgl. 13.10.1971, 20.10.1971) heraus.

Berichtet wird u.a. von Opel Bochum.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.79,Bochum 16.10.1971



18.10.1971: 

Bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 25.10.1971) berichtet die Projektgruppe

Internationalismus (PGI) Bochum (vgl. 2.10.1971, 23.10.1971):"

DER AUTOMOBILARBEITERSTREIK



Den bisherigen Höhepunkt bildet der Streik der Arbeiter der SEAT (abhängig

von FIAT) in Barcelona. Am 18.Oktober ist in der Fabrik SEAT erneut Blut

geflossen. Die Arbeiter von SEAT streikten: sie erklärten sich solidarisch

mit 20 im Sommer willkürlich entlassenen Kollegen und forderten ihre

Wiedereinstellung. Die Direktion rief die bewaffnete Polizei zur Hilfe, um

die Arbeiter aus der Fabrik zu vertreiben. Die faschistische Polizei wandte

ihre klassischen mörderischen Methoden an und eröffnete das Feuer gegen die

Arbeiter. Fünf Stunden brauchten die bezahlten Mörder von der Polizei, um die

Fabrik zu räumen. Unsere Kollegen von SEAT verteidigten sich mit

Schraubenschlüsseln, Eisenstücken, Steinen und Molotow-Cocktails. Drei

Arbeiter wurden von den Schüssen verletzt, einer von ihnen steht in

Todesgefahr. Diese Schlacht zeigt, wie revolutionär die spanische

Arbeiterklasse ist, und daß sie in der Lage ist, sich heldenhaft den

bewaffneten Unterdrückern entgegenzustellen."

=PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971),S.1



18.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 1.11.1971)

berichtet vermutlich aus dieser Woche über die Reaktionen auf den

bundesweiten Brief der Geschäftsleitung (vgl. 14.10.1971):"

Auch bei uns in Bochum waren einzelne Kollegen nicht untätig. Sie legten der

Geschäftsleitung eine Unterschriftenliste vor die Nase, worin die Anhebung

der Bandlöhne auf die Opel-Lohngruppen 7 und 8 sowie der volle 13.Monatslohn

gefordert werden. (Bis jetzt haben die Herren noch keine Reaktion gezeigt.

Anstatt uns mit Drohbriefen zu bepfeffern, sollten sie lieber mal was dazu

sagen.) Die Kollegen in D4 und D5 meinen es jedenfalls ernst und werden sich

nicht mehr so leicht durch Drohungen einschüchtern oder durch hohle Phrasen

einlullen lassen. Sie erwarten von der Geschäftsleitung eine klare Antwort.



Den übrigen Kollegen haben sie ein Beispiel gegeben, wie sehr die 'leitenden

Herren' sich von uns bedroht fühlen, wenn wir einig sind und uns auf uns

untereinander verlassen können.



Vertrauen wir auf die Kraft unserer Klasse, die darin besteht, daß wir einig

sind!



Jetzt erst recht: 15% und voller 13.Monatslohn für alle Opel-Kollegen.



UNSERE EINIGKEIT IST UNSERE STÄRKE!"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.4



19.10.1971: 

Von der OGL (vermutlich Ortsgruppenleitung) der KPD/ML-ZK Dortmund wird die

"Kritik der OGL Dortmund an der 'Theorie' von den zwei Wegen des

westdeutschen Imperialismus und ihrer Auswirkung auf die Praxis der Partei"

beendet, die vermutlich zu Anfang des Monats begonnen wurde. Sie befaßt sich

ausführlich mit einem der Initiatoren der 'Zwei-Wege-Theorie' aus Bochum, der

auch Mitglied des ZK der KPD/ML war.

U.a. wird ausgeführt:"

Der Rechtsopportunismus zeichnet sich gerade dadurch aus, die

Propagierung der Partei zu bremsen und seine Verbindung zur Theorie des

Reformismus herzustellen, in der SPD das 'kleinere Übel' zu sehen, daß man

dem Strauß-Faschismus (FJS - CSU,d.Vf.) vorziehen muß u.ä. Beide Dinge sind

im LV NRW (LS und Gen. X) festzustellen, so im Kampf gegen unseren sog.

'Linksradikalismus', im Verzicht auf die Propagierung der Partei in der

Zündkerze (bei Opel Bochum - IGM-Bereich,d.Vf.), im Voluntarismus ohne

ersichtliche politische Perspektive zur Metalltarifrunde (MTR,d.Vf.) ...

d.Vf.), kurz: in der Verteidigung und den Versuchen zur Durchsetzung der

Zwei-Wege bzw. Zwei-Taktiken-Theorie."

=KPD/ML-ZK-OGL Dortmund:Kritik der OGL Dortmund an der 'Theorie' von den

Zwei-Wegen des westdeutschen Imperialismus und ihrer Auswirkungen auf die

Praxis der Partei,Dortmund o.J. (1971)



20.10.1971: 

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) erhält den Friedensnobelpreis.



Bei Opel Bochum berichtet die Projektgruppe Internationalismus (PGI) Bochum

(IGM-Bereich - vgl. 25.10.1971).

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet im Zusammenhang mit der Mobilmachung (vgl. 30.10.1971)

und den Ereignissen in Spanien (vgl. 18.10.1971) bzw. dem Besuch des

spanischen Außenministers in der 'BRD' (vgl. 25.10.1971):"

FRIEDENSNOBELPREIS FÜR BRANDT:



FRIEDEN IN WORTEN - MOBILMACHUNG IN DER TAT



Am 20.Oktober 1971 wurde dem Bundeskanzler und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt

der Friedensnobelpreis verliehen. In der Begründung der Nobel-Preisverleiher

heißt es: 'Brandt hat seine Hand zur Versöhnung zwischen den Ländern

ausgestreckt, die lange Feinde waren...', d.h. Gegenstand des Preises ist die

'Ost-Politik' Willy Brandts.



Von Anfang an riecht der Friedensnobelpreis nach Dynamit; wurde er doch von

den Profiten des Dynamit-Kapitalisten Nobel abgezweigt. Unsere Dokumentation

(s. Kasten (s.u.,d.Vf.)) zeigt, daß in der Tat von Anfang an Politiker diesen

Preis erhielten, deren Geschäft ebenfalls stark nach Dynamit roch. Bildet

Willy Brandt da eine Ausnahme?



Wenige Tatsachen der letzten Tage zeigen klar, daß Willy Brandt KEINESWEGS

eine Ausnahme zur Regel bildet:



kaum hatte Willy den Friedensnobelpreis erhalten, da kündigte seine Regierung

auch schon eine allgemeine Mobilmachungsübung für 1972 an!! ...



Während des spanischen Bürgerkriegs arbeitete Willy Brandt als Journalist auf

dem Gebiet der antifaschistischen Republik, wo er auf Kosten der spanischen

Arbeiter und Bauern lebte - jetzt sichert die Regierung Brandt den spanischen

Faschisten Unterstützung gegen das spanische Volk zu!! Auch für diesen

himmelschreienden Verrat bekam Willy Brandt den Friedens-Dynamitpreis.



Aber sind die Ostverträge nicht große Schritte zum Frieden? Allein die

Mobilmachungsübung beweist das Gegenteil! Brandts SPD-Regierung sagt durch

den Mund des Faschisten Helmut Schmidt ganz deutlich: 'Unsere

Verteidigungskraft darf nicht geschwächt werden.'



- ZUM ERSTENMAL: BUNDESWEHR ÜBT DIE MOBILMACHUNG

- ALLES, WAS HALBWEGS GEHEN KANN, MUSS IN DIE KASERNEN

- AUCH PRIVATE KRAFTWAGEN SOLLEN EINGEZOGEN WERDEN



Das heißt an die Adresse der Arbeiter gerichtet:

'Glaubt ja nicht, daß die Ostverträge bedeuten, daß wir Euch nicht eines

Tages doch noch in den Krieg gegen den Ostblock jagen werden, wenn die Herren

der Deutschen Bank, von Bayer, Krupp und Siemens den Tag für gekommen halten.'



Die Erhöhung des Rüstungshaushaltes durch Willy Brandt zeigt ganz klar, daß

die Ostverträge nur zeitweilige Abkommen zwischen Gangstern sind. Diese

Gangster wollen gemeinsam gegen die Arbeiter und anderen Werktätigen sowie

die unterdrückten Völker vorgehen.



Derweil belauern sie sich gegenseitig und warten auf den Tag, wo sie sich

stark genug fühlen, gegeneinander loszuschlagen.



Die Ostverträge sind das Werk dreier Gangster: der Supermächte USA und UdSSR

(SU,d.Vf.), sowie des westdeutschen Imperialismus. Diese Nixon-Breschnew-

Brandt-Bande ist tausendmal gefährlicher als die angebliche 'Baader-Meinhof-

Bande' ((RAF,d.Vf.) wer sagt, daß es die überhaupt gibt?). Die USA und die

UdSSR wollen die Herrschaft über Europas Völker behalten. Brandt ist sozusagen

ihr Polizeichef. Er unterstützt sie in der Hoffnung, dabei selbst so viel wie

möglich herauszuschlagen, um eines Tages selbst die Herrschaft über Europa

allein einzuheimsen.



Kossygin sagte, als er die Nachricht von Brandts Nobelpreis erhielt: 'Bravo!

Dieser Mann hat ihn verdient.' Kossygin meint das ehrlich, denn:

Die neuen Zaren im Kreml, die den Sozialismus vollständig verraten haben und

mit den USA zusammen überall vergeblich versuchen, die Revolution abzuwürgen

(z.B. in den arabischen Ländern), haben keinen schlimmeren Feind als die

revolutionäre VR China. Die chinesischen Kommunisten halten die von Breschnew

und Kossygin längst über Bord geworfene revolutionäre Lehre Lenins und Stalins

hoch. Die Arbeiterklasse der UdSSR, die von den neuen Managern ausgebeutet

wird, ist empfänglich für 'maoistische Propaganda', d.h. den Marxismus-

Leninismus. Deshalb haben die neuen Zaren eine panische Angst vor China.

Sie möchten es am liebsten mit einem 'Präventivschlag' ausschalten. 1969

organisierten sie bereits bewaffnete Grenzüberfälle. Für den Angriff auf

China brauchen die neuen Zaren den Rücken frei; deshalb schlossen sie den

Moskauer und den Westberlin-Vertrag ab. Dabei verkauften sie sämtliche Rechte

der DDR an den westdeutschen Imperialismus (z.B. Kontrollrecht auf Bahn und

Autobahn nach Westberlin).



Dieser 'Friedens'-Vertrag verschärft also die Kriegsgefahr an Chinas

Grenzen!!! Das ist sein wahrer Inhalt. Und Brandt und seine imperialistischen

Hintermänner rechnen noch weiter: sollte es zu einem Überfall der UdSSR auf

China kommen, wer könnte sie dann noch daran hindern, aus ihrer

Mobilmachungsübung blutigen Ernst werden zu lassen?



Es ist also klar, daß die Ostverträge nicht den Frieden, sondern den Dritten

Weltkrieg einen Schritt näher bringen. Aber darüber spricht nicht die Nixon-

Breschnew-Brandt-Bande das letzte Wort, sondern die Arbeiterklasse und die

revolutionären Völker. Mao Tse-tung hat das so ausgedrückt:



'WAS DIE FRAGE EINES WELTKRIEGES BETRIFFT, GIBT ES NUR ZWEI MÖGLICHKEITEN:

DIE EINE IST, DASS DER KRIEG DIE REVOLUTION HERVORBRINGT, DIE ANDERE IST,

DASS DIE REVOLUTION DEN KRIEG VERHINDERT.'



Ein Dritter Weltkrieg KANN also verhindert werden; aber nicht durch Moskauer

und sonstige Verträge, wie uns die DKP weismachen will, sondern nur durch

revolutionären Widerstand gegen die Militaristen. Mao Tse-tung sagt weiter,

daß die Möglichkeit dafür heute günstig ist:



'DIE GEFAHR EINES NEUEN WELTKRIEGES BLEIBT IMMER NOCH BESTEHEN UND DIE VÖLKER

ALLER LÄNDER MÜSSEN VORBEREITUNGEN DAGEGEN TREFFEN, ABER DIE HAUPTTENDENZ IN

DER HEUTIGEN WELT IST REVOLUTION!'



Erklären wir unseren Frauen und Kindern und allen unseren Bekannten, was

wirklich hinter Brandts 'Friedens'-Politik steckt! Leisten wir den

Mobilmachungsplänen der Brandt-Regierung entschlossenen Widerstand."



In einem Kasten wird unter der Überschrift:"

WILLY BRANDTS POLITISCHE AHNHERREN:

(Politiker, die bisher mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden dafür,

daß sie '...am meisten und am besten für die Verbrüderung der Völker...

geleistet haben.' - Testament Alfred Nobels)" berichtet von früheren

Preisträgern (vgl. 1906, 1953).



In einem letzten Kasten fragt die RBG Opel:"

WEM NÜTZT DIE 'FRIEDENSPOLITIK' BRANDTS?



IN ASIEN:



- Wem nützt es, wenn die Brandt-Regierung den Amis 6 Milliarden DM in den

Rachen schießt.  Unseren arbeitslosen Kollegen in den USA und den Völkern von

Vietnam, Laos und Kambodscha, die um ihre Freiheit gegen den USA-

Imperialismus kämpfen? Oder den US-Imperialisten, die damit den Bankrottihrer

Politik bezahlen?



AFRIKA ... (vgl. Mosambik - 14.6.1971,d.Vf.)



LATEINAMERIKA:



'Die gewerkschaftseigene Neue Heimat (NH), Europas größter Wohnungs- und

Städtebaukonzern, sucht Kontakt zu rechten Partner. Der Finanzchef der Neuen

Heimat, Dr. Harro Iden, bereits kürzlich zusammen mit dem DGB-Vorsitzenden

Vetter auf einer Südamerika-Tournee auch Brasilien. Zweck der Visite: Die NH

will auch in dem von Militärs beherrschten Land Häuser bauen. Auf mögliche

Widersprüche zwischen linker Ideologie und rechten Bauplänen angesprochen,

erklärte NH-Reisemarschall Josef Bayer in Rio: Wenn in Brasilien geeignete

Partner gefunden werden, würde sich die Neue Heimat an dem politischen System

nicht stören; denn so ganz demokratisch ließen sich diese Länder ja doch

nicht regieren. Auf einem Gartenfest in der ehemaligen Botschafterresidenz

in Rio, auf dem die deutschen Gewerkschafter auch mit - gleichgeschalteten -

brasilianischen Kollegen zusammentrafen, feierten linke und rechte

Gewerkschaftler die neue Freundschaft. Anschließend baten die NH-Manager

alle anwesenden Journalisten, über das Renkontre Stillschweigen zu bewahren.'

- Wem nützen die Millionen DM an 'Entwicklungshilfe' und die Waffenlieferungen

an die portugiesischen Kolonialisten? Wem nützt der Bau des Cabora Bassa

Staudamms in der portugiesischen Kolonie Mocambique, an dem die Deutsche

Bank und Siemens mitmischen? Brandt: 'Die deutsche Industrie kann hier

wertvolle Hilfe leisten, wenn sie die Anlage von Produktionsstätten in

Entwicklungsländern intensiviert'. Für wen, für die portugiesischen

Kolonialisten, die Ausbeutung, Versklavung, Ermordung der Völker Afrikas?



- Wem nützt 'unsere' Gewerkschaft, die in Brasilien, ungeachtet des dortigen

Terrorregimes Apartment-Häuser baut - den ausgehungerten Menschen in den

'Favelas', den Coca-Cola-Kisten-Städten?"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.12ff;

PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971),S.1



22.10.1971: 

In der heutigen 'Wirtschaftswoche' heißt es, im Vergleich mit der DKP:"

Noch weniger Chancen haben die Sektierer der KPD/ML, die aus jedem

Tagesereignis einen Aufruf zum politischen Klassenkampf machen und damit auf

Unverständnis stoßen müssen."



In NRW berichtet die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK

(IGM-Bereich - vgl. 8.12.1971).

=Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971,S.4



23.10.1971: 

Bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 25.10.1971) berichtet die Projektgruppe

Internationalismus (PGI) Bochum aus Spanien vom Streik bei SEAT Barcelona

(vgl. 18.10.1971), u.a. über heute:"

Während der ganzen vergangenen Woche stand Barcelona im Streik und in

Demonstrationen, in der Stadtmitte und in den Arbeitervierteln. Am 23. fand

eine Demonstration statt von vielen Arbeitern und Studenten gegen die Mörder

der Polizei. Sie riefen die Losungen 'FRANCO MÖRDER; YANKEES RAUS AUS

SPANIEN; WEDER FRANCO NOCH KÖNIG, EINE FÖDERATIVE VOLKSREPUBLIK'.



In den Demonstrationen der vergangenen Woche wurden Demonstranten verletzt

und eine nicht genau feststehende Zahl von Polizisten. Eine Filiale der SEAT

in einem Arbeiterviertel von Bracelona wurde mit Molotow-Cocktails zerstört.



Inzwischen haben die Faschisten die entlassenen Kollegen vor ein

Militärgericht gestellt. Sie drohen außerdem ALLEN Arbeitern damit! Damit

geben sie nur zu, was wir schon wissen: daß kapitalistische Fabriken Kasernen

und Zuchthäuser sind.



DER KAMPF GEHT WEITER."

=PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971),S.1f



24.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet mit Hilfe

der morgigen 'WAZ' vermutlich über heute von der MTR in NB/NW, Willi Bleicher

von der IGM habe gesagt, "die Tarifprozeduren von Verhandeln, Schlichten,

Urabstimmen (streiken?) würden sich für die metallverarbeitende Industrie bis

Mitte November hinziehen können. (WAZ vom 25.10.)"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.1



25.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vermutlich aus dieser Woche:"

Augenblicklich entfaltet sich in Spanien eine breite revolutionäre Bewegung

gegen die faschistische Diktatur. Zigtausende von Arbeitern streiken und

demonstrieren!



Sofort eilte der spanische Außenminister Lopez Bravo in die Bundesrepublik,

wo er mit US- und NATO-Generälen, sowie mit Brandts Außenminister Scheel

(FDP,d.Vf.) verhandelte."



Von den Besuch berichtet bei Opel Bochum (vgl. 25.10.1971) auch die

Projektgruppe Internationalismus (PGI) Bochum.

=PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971),S.1;

Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.13



25.10.1971: 

Es erscheint die Nr.21 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 11.10.1971,

8.11.1971) mit einem Artikel "Barzel und Arendt - Freunde der SPD-Betriebsräte

von Opel".

=Rote Fahne Nr.21,Bochum 25.10.1971



25.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet

vermutlich aus dieser Woche:"

MASSENENTLASSUNGEN?



Die 'Zündkerze' erfuhr vor einigen Tagen von einem Kollegen, daß bei Opel in

absehbarer Zeit 1 000 entlassen werden sollen. Sollte jemand von Euch näheres

darüber wissen, so bitten wir ihn, sich schnellstens mit uns in Verbindung zu

setzen."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.1



25.10.1971: 

Die Projektgruppe Internationalismus (PGI) Bochum gibt in dieser Woche bei

Opel das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von

Manfred Buschmann, Bochum, heraus:

Gruppe Internationalismus dolmetscht



SPANISCHE KOLLEGEN INFORMIEREN IHRE DEUTSCHEN KOLLEGEN



DER TAG DER ABRECHNUNG NAHT!



Seit nunmehr 32 Jahren leben die Völker Spaniens unter dem Joch des Franco-

Faschismus. Das tapfere spanische Volk hätte mit diesem Verbrecher-Regime

schon längst Schluß gemacht, wenn nicht ausländische Imperialisten, früher

Hitler und Mussolini, heute Nixon und Brandt, Francos wackelnden Thron massiv

abstützten. Eine besonders üble Rolle spielt dabei Willy Brandt, der vor 1939

als Journalist auf Seiten der spanischen Republik tätig war. Heute steht

Brandt auf der Seite Francos gegen das spanische Volk! Heute interessiert

Brandt an Spanien nur noch, wie er seinen Herren, den deutschen Kapitalisten,

Investitionsmöglichkeiten in Spanien und 'Gastarbeiter' beschaffen kann. Zwar

hält sich Willy bei den Kontakten 'fein' im Hintergrund - aber wer ist

verantwortlich, wenn z.B. noch vor wenigen Tagen (vgl. 18.10.1971,d.Vf.)

Außenminister Scheel (FDP,d.Vf.) sich im Schwarzwald mit Francos

Außenminister Lopez Bravo traf - und das zur gleichen Zeit, als in Spanien

die Arbeiter gegen das faschistische Regime auf die Straße gingen?

Wahrhaftig: Willy Brandt hat sich seinen Friedens-Nobelpreis (vgl.

20.10.1971,d.Vf.) 'redlich' verdient.



Aber der Tag der Abrechnung naht! Eine revolutionäre Massenbewegung

entwickelt sich gegen die unheilige Dreieinigkeit Nixon-Brandt-Franco. Die

letzten Daten dieser Bewegung sind". Es folgen Darstellungen des

Bauarbeiterstreiks (vgl. 13.9.1971), des Bergarbeiterstreiks (vgl. 2.10.1971)

und des Automobilarbeiterstreiks (vgl. 18.10.1971, 23.10.1971).



Fortgefahren wird:"

HIER IN DEUTSCHLAND:



DREI ANKLAGEN OPEL!



Nicht nur daheim werden unsere spanischen Kollegen wild unterdrückt. Der

Kapitalismus ist im Wesen überall derselbe: ob er nun wie in Spanien offen

sein terroristisches Gesicht zeigt, oder, wie bei uns, ein 'demokratisches'

Mäntelchen umgehängt hat.



OPEL SCHLÄGT UNSERE SPANISCHEN KOLLEGEN AM HÄRTESTEN - WIR ALLE SIND GEMEINT!



1.) MASSENENTLASSUNGEN. Seit September werden ablaufende Verträge spanischer

Kollegen nicht mehr verlängert - außerdem gibt es bereits Entlassungen trotz

noch laufender Verträge! Insgesamt stehen bereits ca. 200 Kollegen auf der

Straße! In Spanien wurden sie durch Versprechen goldener Berge in unser

'Wirtschaftswunderland' gelockt. Hier durften sie sich totschuften - und

jetzt schmeißt man sie raus, tausende Kilometer von zuhause entfernt, und

zuhause - da wartet Massenarbeitslosigkeit und Francos Mörderpolizei.



ABER AUCH DAS IST EIN WARNSIGNAL!

'MIT DEN AUSLÄNDERN FÄNGT ES AN - DANN SIND BALD AUCH DIE DEUTSCHEN DRAN!'



2.) VERTRAGSBRUCH UND LOHNRAUB. Ungefähr 200 spanische Kollegen wurden in

Spanien geworben, wobei ihnen 6 DM Stundenlohn vertraglich zugesichert

wurden. Hier schauten sie auf ihren Lohnstreifen - und sahen nur 5 Mark 80!

Dieser offene Vertragsbruch zeigt klar, wofür Paragraphen der Kapitalisten

dienen: die Arbeiter sollen sich daran halten, die Kapitalisten fühlen sich

keineswegs daran gebunden.



3.) WOHNVERHÄLTNISSE. Hier genügen einfache Zahlen: 4 spanische Kollegen

wohnen in einem Zimmer von 12 Quadratmetern. Jeder muß dafür 40 Mark zahlen,

was insgesamt 160 Mark ausmacht! Außerdem fehlen die notwendigsten Dinge wie

z.B. Kühlschränke - obwohl sie schon im Sommer hoch und heilig versprochen

wurden. Das Versprechen wurde nicht gehalten - wenn unsere Kollegen aber

Behälter mit Lebensmitteln zum Kühlen ins Fenster stellen, droht man ihnen

mit Rausschmiß... Die Post bekommen sie mit großer Verspätung zugestellt,

auch wenn es sich um Eilbriefe oder Telegramme handelt. Natürlich kann das

keinesfalls daran liegen, daß jemand anderer sie vorher liest, denn wir leben

ja bekanntlich in einer Demokratie, und das Postgeheimnis ist bei uns

heilig...



UNTERSTÜTZEN WIR UNSERE SPANISCHEN KOLLEGEN BEIM KAMPF FÜR IHRE GERECHTEN

FORDERUNGEN!



SOLIDARITÄT MIT DEN SPANISCHEN KLASSENBRÜDERN IN IHREM KAMPF GEGEN FRANCO-

FASCHISMUS, DEN US- UND WESTDEUTSCHEN IMPERIALISMUS!"



Nachgedruckt wird dieses Flugblatt durch die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG)

Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 1.11.1971).

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.16f;

PGI:Der Tag der Abrechnung naht!,Bochum o.J. (Okt. 1971)



25.10.1971: 

Eine Ausgabe der 'Roten Westfalenwalze' der KPD/ML-ZB und KJVD

Betriebsgruppen Hoesch Westfalenhütte Dortmund (vgl. Ok*. 1971, **1972)

erscheint vermutlich Anfang dieser Woche. Geworben wird:"

Unter der Rubrik 'Der Kampf in den Betrieben' berichtet die

ROTE FAHNE, wie bei Opel die SPD-Betriebsräte sich im Kampf um die

Durchsetzung des Lohndiktats als die schlimmsten Spitzel und Verräter gegen

die Kollegen erweisen. Die fortschrittlichsten Kollegen werden mit

Unterstützung der Betriebsräte bespitzelt, bedroht oder entlassen."

=Die Rote Westfalenwalze SPD-Regierung und IGM-Bonzen für harte Durchsetzung

des Lohndiktats,Dortmund o.J. (Okt. 1971)



25.10.1971: 

Die KPD (vgl. 5.11.1971) berichtet:"

WEITER IM KAMPF GEGEN DIE TARIFERHÖHUNGEN!



RHEIN/RUHR ...



1.



Am 25.Oktober stellten die SPD-Ratsherren in Dortmund betroffen fest: der

Entwurf für das Haushaltsjahr weist ein Defizit von 52 Millionen DM auf! Ihre

Erklärung dieses Sachverhalts: die Belastung aus den Ausgaben für den

öffentlichen Nahverkehr! Schlußfolgerung: Rauf mit den Verkehrstarifen! ...



Ein wichtiger Hebel, um den Kampf für diese Forderungen mit dem Kampf um

höhere Löhne zu verbinden, ist der entschlossene Widerstand gegen die

unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit und die langen Anfahrtswege zum

Arbeitsplatz.



Bei einem Betrieb wie der Adam Opel AG in Bochum (IGM-Bereich,d.Vf.), wo über

die Hälfte der Kollegen von außerhalb Bochum zum Arbeitsplatz, oft über drei

Stunden lang anreisen muß, ... fängt für den

Kapitalisten der Arbeitstag erst dann an, wenn der Kollege am Band oder an

der Walzstraße steht.



Deshalb fordert die KPD:



Bezahlung der Fahrzeit als Arbeitszeit."

=Rote Fahne Nr.29,Berlin 5.11.1971,S.9



28.10.1971: 

Die Betriebsgruppe Minister Stein Dortmund von KPD/ML-ZB und KJVD ruft

vermutlich für heute bezüglich der Nr.21 (vgl. 25.10.1971) der 'RF' der

KPD/ML-ZB auf:"

LEST ROTE FAHNE ...

Der Kampf in den Betrieben wächst immer mehr - je deutlicher sich der Verrat

in der MetallTarifrunde abzeichnet. So haben sich die Betriebsräte bei OPEL

im Kampf um die Durchsetzung des Lohndiktats als die schlimmsten Spitzel und

Verräter gegen die Kollegen erwiesen. Die fortgeschrittenen Kollegen werden

mit Unterstützung der Betriebsräte bespitzelt, bedroht oder entlassen.



LEST ROTE FAHNE! Morgen - Donnerstag - wird sie vor den Toren verkauft."

=Rutsche Neue Krisenangriffe der RAG,Dortmund o.J. (Okt. 1971),S.3



29.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 1.11.1971)

berichtet vermutlich von Ende dieser Woche von der Vorbereitung der BRW (vgl.

9.5.1972):"

DIE BONZEN GRABEN SICH EIN



In aller Stille ist die Nominierung des ANGESTELLTEN Günther Perschke zum

Spitzenkandidaten der IGM auf der Betriebsratsliste für die ARBEITER vor sich

gegangen. Schlagartig verbreitete sich diese Meldung Ende letzter Woche unter

den Kollegen in Werk I.



Unser guter Günther - von den Toten auferstanden ist er. Gäbe es nicht die

SPD-Betriebsgruppe (ARSO), die für ihre Leute bei Opel immer ein sonniges

Plätzchen ausfindig macht, unser Günther hätte bei der DAG nachfragen dürfen,

ob er dort noch unter 'ferner liefen' kandidieren dürfe. Denn unser Günther

war kurz vor seiner Wahl zum Betriebsrat von Opel zum Angestellten befördert

worden, nachdem er bis dahin noch 'Lohnempfänger' gewesen war (als Inspektor

in D4)!



Jetzt noch eine Verjüngungskur am Genfer See - und wir haben wieder unseren

alten Perschke. Ob er freilich seine alten Späße mit uns treiben darf, das

werden ihm die Kollegen schon zeigen. Auf jeden Fall sollte man einmal die

Forderung an ihn als Spitzenkandidaten der Arbeiter herantragen, sich auch

als Arbeiter zu benehmen, d.h. zu malochen. Die ZÜNDKERZE schlägt vor, daß

Angestellte, die nicht auf ihrer, sondern auf der Liste der Arbeiter für den

Betriebsrat kandidieren wollen, zuvor ein halbjähriges Praktikum am Band

absolvieren, damit sie auch wissen, wen sie da vertreten. Dann mal ran,

Günther!



Gleichzeitig wie die BR-Kandidatenliste wurden die Delegierten für die

Neuwahl der IGM-Ortsverwaltung ausgekungelt. Becker und seine Kumpane können

um ihre Wieder'wahl' beruhigt sein, da die Delegierten in der Mehrzahl

ARSO-'Genossen' sind oder solche, die diesen am Tresen nahestehen. Da Opel

inzwischen eine höhere Belegschaft hat als der Bochumer Verein (Krupp BV,d.

Vf.), nehmen die Opel-Vertreter eine entscheidende Stellung bei der Wahl ein.

Die IGM-Mitglieder wurden bei der Delegiertenwahl selbstverständlich

ausgeschlossen; kaum ein V-Mann hielt es für nötig, seine Kollegen davon zu

unterrichten, geschweige denn, sie nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu

fragen.



Würde es dort demokratisch zugehen, dann müßten die Vertreter für die Wahl

der Ortsverwaltung auf Blockversammlungen der IGM-Mitglieder (je 70

Mitglieder ein Vertreter) gewählt werden. Das Wort 'Wählen' benutzen die

Herren von der IGM in ihrer über 20jährigen Bonzendiktatur mit wachsender

Begeisterung. Aber was es bedeutet, davon haben sie noch nie was gehört..."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.9



30.10.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) veröffentlicht folgende AP-Meldung aus der morgigen 'Welt am

Sonntag' (WamsS):"

WEHRÜBUNG MIT PRIVATAUTOS



AP Kiel, 31.Oktober



Zu aktuellen Fragen der Sicherheitspolitik des westlichen Bündnisses hat

Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt am Samstag bei der Jahrestagung

der Hermann-Ehlers-Stiftung in Kiel Stellung genommen.



Dabei kündigte er für das kommende Jahr eine allgemeine Mobilmachungsübung

an, bei der auch Kraftfahrzeuge von Privatpersonen für drei Tage eingezogen

würden. Damit solle erprobt werden, ob dies überhaupt möglich sei."



Die RBG berichtet weiter, im Zusammenhang mit der Verleihung des

Friedensnobelpreises an Willy Brandt (vgl. 20.10.1971):"

'Mobilmachung' - dieses Wort kennen besonders die Arbeiter, ihre Frauen und

Kinder!



'Mobilmachung' - das ist ein anderes Wort für KRIEGSERKLÄRUNG!"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.12f



November 1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK kündigte vermutlich

für den November ein Extra des 'Roten Morgens' (RM - vgl. 25.10.1971,

8.11.1971), "Was will die KPD/ML?" an:"

Kollegen, achtet auf die Extranummer des Roten Morgen!

In dieser Nummer wird eine Antwort auf die Fragen vieler Kollegen gegeben:

'Was will die KPD/ML?'"



Das Erscheinen dieser Ausgabe wird allerdings abgelehnt (vgl. 6.12.1971).

=KPD/ML-ZK-LPV NRW:Bericht des LPV NRW (K) und RM-Redkoll-Mitglied über seine

Tätigkeit im RM-Redkoll von Dezember 1970 bis November 1971,o.O. o.J.,S.15;

Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.11



November 1971: 

Die Nr.9 des 'Parteiarbeiter' - Funktionärsorgan der KPD/ML-ZB (vgl. Okt.

1971, Dez. 1971) erscheint.

Im "Politischen Bericht des Zentralbüros für September/Oktober 1971" geht das

ZB u.a. davon aus, daß ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Verschärfung des

Lohndiktats die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer sind.

Sie sollen mithelfen, das Lohndiktat gegen die Arbeiterklasse durchzusetzen.

Sie haben aber auch die Aufgabe:"

Die Reinigung der Betriebe von den Marxisten-Leninisten und von anderen

fortschrittlichen Arbeitern durchzusetzen. Gerade vor der endgültigen

Durchsetzung des Lohndiktats greifen die sozialdemokratischen Führer zu dem

Mittel des Terrors. Die fortschrittlichen Arbeiter sind ein wichtiges

Hindernis für die Pläne der SPD-Führer. Sie haben aufgezeigt, daß das

Lohndiktat ein weiterer Schritt zur Verstaatlichung der Gewerkschaften ist;

sie haben aufgezeigt, daß das Lohndiktat im Interesse der Eroberung und des

Krieges, sowie im Interesse der gesamten imperialistischen Politik der SPD-

Regierung durchgesetzt werden soll. Um der Gefahr zu begegnen, daß die

Metallarbeiter einen politischen Kampf gegen das Lohndiktat führen, wurden

auf Betreiben der SPD-Betriebsräte in Rüsselsheim bei Opel (in Hessen,d.Vf.)

und bei MSW Krupp in Essen (in NRW,d.Vf.) fortschrittliche Kollegen

entlassen.

So geht die Sozialdemokratie nun dazu über, das Lohndiktat offen und ohne

größere linke Manöver durchzusetzen.

Wie solche terroristischen Maßnahmen in engster Verbindung mit den Spitzen

der Sozialdemokratie und der CDU vorbereiten werden, zeigt das Beispiel von

Opel sehr deutlich:

1. Der Arbeitsminister Arendt besucht die ARSO in Bochum (in NRW,d.Vf.).

2. Barzel besucht die Betriebsgruppe der CDU in Rüsselsheim.

3. Der Gesamtbetriebsrat von Opel besucht Schütz und unterstützt die

Einverleibung Westberlins durch den westdeutschen Imperialismus.

4. Die IGM Führer Loderer und Strothmann besuchen den Gesamtbetriebsrat und

Vertrauensleutevorstand.

5. Raspini von der DGB-Bundesschule besucht den SPD-Distrikt Rüsselsheim ...



Das ist die Politik der Sozialdemokratie zur Vorbereitung der endgültigen

Durchsetzung des Lohndiktats. Nach dieser Phase sind nun die Verhandlungen

aufgenommen worden. Die MTR ist nun gekennzeichnet durch eine Zentralisierung

der Verhandlungen und eine weitere Einschränkung der linken Manöver.

Die Zentralisierungstendenzen in den Verhandlungen entsprechen der wachsenden

Zentralisierung der kapitalistischen Staatsmacht, die immer offener und

schärfer gegen die Arbeiterklasse vorgeht. Wir müssen für die MTR sehen, daß

schon ab Mai nach der ersten Verschärfung der Währungskrise und der Freigabe

der Wechselkurse im SPD-Gewerkschaftsrat, in der Konzertierten Aktion und in

Metallspitzengesprächen die Durchsetzung des Lohndiktats vorbereitet wurde;

weiter wurden durch die Geheimsitzung des IGM-Vorstandes im August die

Forderungen der Bezirke von oben festgelegt und Mitte September in der

Konzertierten Aktion die Einordnung der MTR in die verschärfte Währungskrise

vorgenommen. Die jetzigen Maßnahmen sind also nichts weiter als eine

Fortsetzung einer schon längst begonnenen und von uns richtig analysierten

Entwicklung."

=Der Parteiarbeiter Nr.9,Bochum Nov. 1971



November 1971: 

Die GOG Opel Bochum (vgl. 6.3.1972) berichtet, laut KPD (vgl. 24.3.1972),

von den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 26.2.1972):"

Schon im November hat der Vorstand der SPD-Betriebsgruppe Opel (ARSO) in

Dülmen G. Perschke selbstherrlich sich als Spitzenkandidat der Lohnempfänger

nominiert."

=Rote Fahne Nr.39,Dortmund 24.3.1972,S.3



01.11.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vermutlich aus dieser Woche:"

26 JAHRE VOLKSREPUBLIK ALBANIEN



Gegenwärtig findet der 6.Parteitag der Partei der Arbeit Albaniens statt! Die

PAA feiert in diesem Monat ihr 30jähriges Bestehen! Zu den Gästen des

Parteitags gehört auch eine Delegation der Kommunistischen Partei

Deutschlands/Marxisten-Leninisten!"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.9



01.11.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt vermutlich in

dieser Woche ihre 'Zündkerze' Nr.12 (vgl. 11.10.1971, 22.11.1971) mit 22

Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stefan Bock, Bochum, mit einem

Leitartikel zum bundesweiten Brief der Geschäftsleitung (vgl. 14.10.1971)

wegen der Vorfälle in Rüsselsheim (vgl. 7.10.1971, 11.10.1971) heraus.

Mit dem Geschäftsleitungsbrief befaßt sich auch ein Leserbrief.



Berichtet wird auch aus dem Werk Bochum (vgl. 18.10.1971, 25.10.1971), u.a.

über die IGM-Liste zu den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 29.10.1971,

9.5.1972) sowie von der RAF-Fahndung im Ruhrgebiet (vgl. 13.10.1971), über

Otto Brenner von der IGM (vgl. 24.9.1970), aus Albanien (vgl. 1.11.1971),

über den eigenen 'Roten Morgen' (RM - vgl. Nov. 1971, 8.11.1971), vom

Friedensnobelpreis (vgl. 1906, 1953), u.a. für Willy Brandt (vgl. 20.10.1971)

und über die letzte Mobilmachungsübung (vgl. 30.10.1971).

Nachgedruckt wird ein Flugblatt der Projektgruppe Internationalismus (PGI)

Bochum zu Spanien, das diese bei Opel verbreitete (vgl. 25.10.1971).



Aufgerufen wird:"

KOLLEGEN! Diese ZÜNDKERZE hat runde 400 DM gekostet. Es ist EURE Zeitung, die

EURE Sache vertritt. Unterstützt diese Sache nicht nur durch Informationen

und Leserbriefe, sondern auch durch GELDSPENDEN! Schon fünf Mark, die der

eine oder andre vielleicht übrig hat, wären uns eine große Hilfe."



In der Rubrik "Informationen aus Betrieb und Gewerkschaft" finden sich

zunächst Auszüge aus der 'Capital' (vgl. S6.**.1971), wo ausgeführt wird:"

GESUNDHEITSKONTROLLE



TÜV FÜR MANAGER



Das Volkswagenwerk sorgt sich um seinen achtköpfigen Vorstand. IBM,

Mannesmann, Ford oder SEL setzen mehr ein: 1 000 bis 2 400 Führungskräfte

können alle ein bis zwei Jahre auf Kosten der Firma zum Arzt gehen. Die

medizinische Inspektion wird unterschiedlich betrieben. Die Skala reicht vom

praktischen Werksarzt über Fachärzte und Universitäts-Professoren bis zu

hochtechnisierten Diagnose-Zentren. Capital befragte 40 Großunternehmen nach

ihrer Praxis. 15 typische Beispiele enthält die Tabelle.



FIRMA UND FÜRSORGE



Unternehmen        Für wen               Wie oft       Von wem

SEL                2 400 Führungskräfte  Ab 40 alle 2  Werks- und Hausärzte,

Jahre, ab 60  Diagnosezentren...

jährlich

Opel               194 Führungskräfte    Jährlich      Universitäts-

vom Abteilungsleiter                Professoren und freie

an                                  Fachärzte eigener Wahl

...

DKV Deutsche Kran- 26 Führungskräfte ab  Alle 2 Jahre  Arzt freier Wahl

kenversicherungs   Prokurist

AG

AEG Telefunken     Vorstand und General- Jährliche     Chefärzte und frei

bevollmächtigte       Pflichtunter- praktizierende Spe-

suchung       zialisten

VW                 Vorstand (Erweite-    Alle 2 Jahre  Internisten oder

rung auf 150 Mana-                  Hausarzt"

ger geplant



Auf der gleichen Seite finde sich in der 'Capital' auch die folgende

Anzeige:"

Das schweizerische 'CENTRE DE REVITALISATION LEMANA' am Südhang des

Genfersees, besteht aus zwei Privatkliniken, welche auf die Durchführung der

modernsten Verjüngungsmethoden spezialissiert sind (Zellulartherapie auf der

Basis LEBENDER ZELLEN, Serumtherapie, Ozonthreapie usw...). Sie sind

angezeigt bei Leistungsabfall, Intoxikation durch Nikotin- und Alkoholabusus,

sexueller Impotenz, Managerkrankheit, Verhütung und Folgen des Herzinfarktes

usw...



Neben der Stille weitläufiger Parkanlagen finden Sie ein geheiztes

Schwimmbad, Freiterrasse, Tennisplatz, Sauna.



Qualifiziertes Personal sorgt sich um ihr Wohlergehen. Alle Zimmer mit Bad,

Radio, TV, Kühlschrank, Telefon, Telex. Diner's Club."



Dazu heißt es:"

UNSERE GESUNDHEIT UND DIE DER BOSSE



Einem Kollegen in D4 wurde von Opel der Laufpaß gegeben wegen 'zu großer

Krankheitsanfälligkeit'. Der Kollege beschwerte sich beim Betriebsleiter: er

habe eine schwere Kieferoperation hinter sich, weshalb er öfters krank feiern

müßte. Darauf der Betriebsleiter: 'Das kann ich nicht beurteilen, ich bin

kein Arzt.' Ärzte sind für Krankheiten zuständig - Betriebsleiter für

Kündigungen wegen Krankheit. Er hat gut reden - für ihn gibt es ganz andere

Möglichkeiten als für den Kollegen. Opel schickt nämlich jedes Jahr seine

'Führungskräfte' vom Abteilungsleiter aufwärts (194 an der Zahl) zur

gründlichen Untersuchung zu Universitätsprofessoren und Fachärzten - auf

Firmenkosten. Das berichtet kürzlich die Unternehmerzeitung 'Capital'. Solche

Sorgen machen sich die Bosse um sich selbst; von kranken Mitarbeitern heilt

man sich dagegen durch Rausschmiß!



Wenn sie nicht rausfliegen, kann es sein, daß sie an ihrem Arbeitsplatz

zusammenbrechen. Das ist bei Opel in diesem Jahr bereits mehrfach geschehen.

Im besten Fall wird man zur Kur geschickt, vielleicht nach Wanne-Eickel,

weil's so bequem und für die Versicherung billig ist: per Straßenbahn ins

Solbad. Da sind die besagten 'Führungskräfte' besser dran. Wenn bei ihnen, z.

B. bei unserem Betriebsleiter, der Spezialist bei der jährlichen Untersuchung

(die mit aus uns herausgepreßten Geldern finanziert wird!)

Kreislaufbeschwerden, Magenbeschwerden usw. feststellt, schickt er sie

vielleicht in eins der vornehm-luxuriösen 'Verjüngungsinstitute, wie z.B. am

Genfer See (Centre de Revitalisation), das in 'Capital' auf der selben Seite

wie die obenstehende Meldung für sich Reklame machte.



Die einen verrecken am Arbeitsplatz - die andern werden 'wiederbelebt' - das

ist der Kapitalismus!"



In einem Leserbrief einer Frau eines Opel-Kollegen heißt es:"

In dem Zündkerze-Extrablatt vom 11.10.1971 wird 'gleicher Lohn für gleiche

Arbeit' gefordert. Was für mich als Frau ganz besonders wichtig ist, ist die

Frage, ob auch die weiblichen Arbeiter da mit einbezogen sind? Das geht

meiner Meinung nach nicht eindeutig aus dem Text hervor. Ich fände es gut,

wenn in Ihrer Zeitung auch eine Frauenseite vorhanden wäre, in der die

Probleme der Frauen behandelt und aufgegriffen würden. Was mich jedoch sehr

viel mehr bewegt, ist die Frage: wie kann es geschehen, daß der Opel-

Betriebsrat angeblich bereits vier Tage vor den Bandstillegungen von einer

Lohnerhöhung gewußt haben will, es jedoch nicht für nötig gehalten hat, es

den Kollegen mitzuteilen. was haben sie sich dabei gedacht? Arbeiten diese

'Herrschaften' für oder gegen die Kollegen? Sie sind ja schließlich von den

Arbeitern gewählt worden, um ihre Interessen zu vertreten. Hier kann man

jedenfalls nur mit Empörung reagieren. Es ist geradezu grotesk, den Kollegen

solche Informationen wie Lohnangleichung einfach vorzuenthalten.



Warum? Damit haben die 'Herren Betriebsräte' wieder einmal für den Geldsack

der 'Arbeitgeber' gearbeitet. Wer weiß, wie oft noch? Dann besitzt die

Geschäftsleitung noch die Unverschämtheit, von Einflüssen von außerhalb des

Werks zu sprechen, wenn die Kollegen endlich ihr längstverdientes Recht

verlangen. Ein paar Tage nach den Arbeitsniederlegungen (vgl. 6.10.1971,

8.10.1971,d.Vf.) wurde von der Geschäftsleitung in mehreren Sprachen ein

Papier (bundesweit - vgl. 14.10.1971,d.Vf.) herausgegeben, in dem sie die

Kollegen warnen und mit Entlassungen drohen, falls sich solche Streiks

wiederholen sollten. Deshalb geht meine Kritik dahin, auch die arbeitenden

Frauen in den wirtschaftlichen Kampf einzubeziehen. Denn schließlich ist es

nicht allein Sache der Männer, wenn es um Lohnkampf und Arbeitszeitverkürzung

geht. Gibt es bei den männlichen Arbeitern schon zig unterbezahlte

Lohngruppen, so ist das bei den weiblichen Arbeitern und Angestellten noch

viel schlimmer bestellt. Nicht allein, daß die Frauen meist die

kniffligsten Arbeiten auferlegt bekommen, sondern auch noch enorm

unterbezahlt werden. In den sogenannten Leichtlohngruppen verdienen sie noch

weniger als ihre männlichen Kollegen. Diesem Spaltungsprinzip sollten wir

alle gemeinsam entgegenarbeiten. Wir müssen uns mit allen Kollegen, ob

männlich oder weiblich, gegen solche Machenschaften wehren. Mit den Männern

solidarisieren, nicht gegen sie, wie es unsere Herren Politiker und

Wirtschaftskönige gern sehen und die Spaltung der Arbeiterklasse noch

fördern. Selbst die Frauen, die außerhalb des Betriebes stehen und 'nur'

Hausfrauen sind, sollten sich für die Interessen ihrer Männer einsetzen. Denn

letztlich profitieren auch sie davon. Nur wenn den Frauen bewußt gemacht wird,

z.B. in der ZÜNDKERZE, dann können wir erwarten, daß sich alle Frauen

gemeinsam mit ihren Männern solidarisieren. Solidarität ist schließlich nicht

nur Sache der Männer, sondern auch die aller Frauen: ganz gleich, ob sie bei

Opel arbeiten oder zu Hause am Herd.



Darum Kampf dem Lohndiktat! Mit allen werktätigen Frauen und Hausfrauen! Dann

erst ist die Parole berechtigt: 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit'!"



Im vierseitigen Jugendteil der Opel-Jugend-Betriebsgruppe der Roten Garde

(RG) heißt es:"

'WEHRRECHTSREFORM'



ARBEITERJUGEND ALS KANONENFUTTER FÜR DIE IMPERIALISTEN!



ZUNEHMENDER WIDERSTAND GEGEN DIE BUNDESWEHR...



Die Bundesregierung, die bürgerlichen Parteien (CDU, SPD, FDP) und die

bürgerlichen Zeitungen sehen, daß der 'Wehrunwillen' immer mehr um sich

greift:



So schreibt die Bildzeitung (vgl. S18.**.1971,d.Vf.):



'Die Zahl der Wehrdienstverweigerer (KDV,d.Vf.) steigt und steigt. Die Klagen

über Gammeldienst, Verwaltungsaufwand und Schwierigkeiten mit den

Wehrpflichtigen reißen nicht ab.



Die Disziplin der Soldaten läßt zu wünschen übrig. In den Kasernen lauert die

Krise - die Vertrauenskrise.'



Mit solchen Worten beschreibt dieses Sprachrohr aller bürgerlichen

reaktionären Kräfte Tatsachen, die sich nicht länger vertuschen lassen.



In den letzten zehn Jahren nahm die Anzahl der Kriegsdienstverweigerer

laufend zu:



1970 waren es bereits 20 000, dieses Jahr wird eine Zahl um die 40 000

erwartet. Letztes Jahr haben in der Bundeswehr über 3 100 Soldaten den Dienst

niedergelegt. Lustlosigkeit und Resignation, Bitterkeit und Unzufriedenheit

nehmen immer mehr zu. Immer mehr Soldaten flüchten sich in den Hasch-Rausch.



Allerdings ist es für die verantwortlichen Herren noch viel gefährlicher, daß

immer mehr Soldaten, Jungarbeiter und Lehrlinge den wirklichen Sinn der

Bundeswehr erkennen und deshalb aktiv werden: sie verweigern nicht mehr aus

irgendwelchen religiösen oder pazifistischen Gründen, sondern aus politischen

Gründen. Doch die zunehmende Politisierung der Soldaten, Jungarbeiter und

Lehrlinge zeigt sich nicht nur bei der Wehrdienstverweigerung, sondern auch

an ihrem aktiven Kampf in der Bundeswehr.



Dies sieht auch die Bild-Zeitung, wenn sie fordert: 'Stoppt die Unruhe in den

Kasernen!' (vgl. S18**.1971,d.Vf.) aber schreiben tut sie es nicht!



...DIE ANTWORT DER BOURGEOISIE



Gegen diesen 'Wehrunwillen' fährt nun der Staat seine Geschütze auf: Er legt

einen Vorschlag zur Wehrgerechtigkeit (vgl. S18ff.1971,d*Vf.) vor.



Was beinhaltet nun dieses neue 'Reformgesetz'?



- Die Bundeswehr will man insgesamt attraktiver gestalten.



- Der Kriegsdienst soll von 18 auf 15 Monaten verkürzt werden.



- Die Wehrpflichtigen sollen beruflich gefördert werden.



Das alles sieht auf den ersten Blick ganz nett aus. Betrachtet man den Plan

aber ein bißchen näher, so kommt doch ein ganz anderes Bild heraus:



- Zunächst will die Bundeswehrführung auch die Gemusterten mit dem

Tauglichkeitsgrad 2 zu 50% zum Kriegsdienst heranziehen.



- Zurückgestellte Wehrpflichtige können noch bis zum 30.Lebensjahr eingezogen

werden.



- Härtegründe für die Befreiung vom Wehrdienst werden radikal eingeschränkt.



- Eben entlassene Wehrpflichtige können kurzfristig zu ihren Einheiten

zurückberufen werden. Die drei Monate Wehrkürzung können also jederzeit ohne

besondere Mobilmachung rückgängig gemacht werden.



- Die Zahl der Wehrübungen für Reservisten wird erhöht.



WEHRGERECHTIGKEIT?



Dies alles wird unter dem Vorwand der Wehrgerechtigkeit durchgeführt. Aber

wer von dieser Wehgerechtigkeit natürlich nicht betroffen wird, sind die

Kapitalistensöhnchen. Für sie ist die 'Schule der Nation' nicht notwendig,

denn was den Arbeitersöhnen dort eingebläut werden soll, gegen ihre

Interessen für die Kapitalisten Krieg zu führen, liegt sowieso in ihrem

Interesse. Einige Beispiele zeigen diese Wehrgerechtigkeit sehr deutlich:



- Der in die zweite Ehe eingebrachte Sohn eines ehemaligen Vorstandsmitglieds

der Farbwerke Hoechst AG, Michaelis-Falls, arbeitete während seiner

Ausbildung in der Metallgesellschaft AG. Er wurde, um die Wehrpflicht zu

umgehen, zunächst in die Schweiz und dann nach Mexiko versetzt. Braungebrannt

und kerzengerade kam er wieder.



- Der Sohn des Mannesmann 'Generals' und Aufsichtsrates bei den Farbwerken

Hoechst, Overbeck, arbeitete ebenfalls bei der Metallgesellschaft. Er war

seinerzeit Lehrling, als er durch die Metallgesellschaft unabkömmlich

gestellt wurde. Kapitalisten-Lehrlinge sind unabkömmlich, andere bekommen

nicht einmal gleichen Lohn für gleiche Arbeit!



- Andreas de Maiziere, der Sohn des Generalinspekteurs der Bundeswehr,

meldete sich auf Drängen seines Vaters zur vorzeitigen Ableistung des

Wehrdienstes. Der Truppenarzt stellte alsbald gesundheitliche Mängel fest.

Nach einem Monat Dienst wurde er entlassen.



- Der Eisläufer und Renommiersportler Bäumler wurde als wehruntauglich

eingestuft, wiewohl er noch heute seinem Metier nachgeht und mit seinem

'kaputten' Rückgrat die Frauen auf dem Eis stemmt.



Diese Reihe von Beispielen könnte man noch weiter fortsetzen. Welchen Zweck

hat dieses unter dem Vorwand der Wehrgerechtigkeit durchgeführte Gesetz aber

wirklich:



UNTER DEM VORWAND DER 'WEHRGERECHTIGKEIT' WIRD DIE SCHLAGKRAFT DER BUNDESWEHR

ERHÖHT



Statt wie bisher 60% sollen nun 75% der Wehrpflichtigen eingezogen werden.

Schon 1972 sollen 35 000 Mann mehr als bisher dienen.



Die Kosten dafür tragen natürlich wir mit unseren Steuern. Es kostet ja auch

nur etwas weniger als 400 Millionen Mark im Jahr.



Dafür sollen wir 'maßhalten' und höhere Steuern zahlen. Mit diesem Plan

werden also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:



Einerseits soll mit der Wehrkürzung und anderen Vergünstigungen die

'Wehrunwilligkeit' bekämpft werden, andererseits sollen mehr Jugendliche dem

Militärdienst unterworfen werden.



Das heißt: Mehr Jugendliche sollen militaristisch erzogen, sollen

bedingungslosen und unterwürfigen Gehorsam lernen.



Mehr Jugendliche sollen im Sinne des Antikommunismus militaristisch erzogen

werden und sollen in einem stumpfsinnigen Gammeldienst das Denken abgewöhnt

bekommen. Die Kapitalisten reiben sich schon jetzt die Hände: Wer gedient

hat, läßt sich widerstandsloser ausbeuten - wozu bläut man den Rekruten denn

schließlich 15 Monate 'Staatsbejahung und Disziplin' ein?



Wozu aber soll die Schlagkraft der Bundeswehr erhöht werden?



Die Bergarbeiterstreiks 1967, die Septemberstreiks 1969, die Streiks in der

Metallindustrie 1970, die Auflehnung der Lehrlinge gegen Streikverbot und

vieles mehr...



...sind auch für die Kapitalisten und ihre Marionetten in Bonn ein

untrügliches Zeichen für die Verschärfung des Klassenkampfes. Jetzt die Hände

in den Schoß legen, würde für die Kapitalisten und ihre Marionetten heißen,

sich selbst aufzugeben, ihrem eigenen Untergang zuzusehen. Aber noch nie in

der Geschichte haben die Kapitalisten und ihre Handlanger dem Aufschwung der

Arbeiterbewegung tatenlos zugesehen. Sie haben vielmehr bei dem leisesten

Rascheln der Blätter im Wind ihre Unterdrückungsmaßnahmen verschärft und

Vorbereitungen für die entscheidende Auseinandersetzung getroffen:



DIE BUNDESWEHR IST DIE WAFFE DER IMPERIALISTEN GEGEN DAS DEUTSCHE VOLK



1954 wurde gegen den Willen der Bevölkerung wieder aufgerüstet (vgl.

23.10.1954,d.Vf).



1968 wurden im Bundestag die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.)

durchgepaukt, in denen festgelegt wird, daß die Bundeswehr im Falle des

Kampfes der Arbeiterklasse gegen sie eingesetzt wird.



1971 Ein Gesetz wird verabschiedet, daß der Bundesgrenzschutz (BGS - vgl.

S20*.1971,d.Vf.) gegen Demonstranten eingesetzt werden kann.



1919 zerschlug die Armee unter Führung der SPD die Revolution aufständischer

Soldaten, Arbeiter und Bauern.



1920 zerschlug im Ruhrgebiet die Armee die ROTE ARMEE der revolutionären

Arbeiter.



1971 Polizei wird gegen streikende Chemiearbeiter (in der CTR der CPK - vgl.

u.a. Wiesbaden 18.6.1971, Köln 21.6.1971,d.Vf.) eingesetzt.



Auch diese Reihe der Beispiele könnte man unendlich fortsetzen. Die wichtigste

Aufgabe der Bundeswehr liegt damit klar auf der Hand:



SIE IST EIN INSTRUMENT DER KAPITALISTEN ZUR UNTERDRÜCKUNG DER ARBEITER UND

WERKTÄTIGEN IM EIGENEN LAND!



Sie hat, wie jede kapitalistische Armee, aber auch noch eine andere Aufgabe:



...UND GEGEN ALLE ANDEREN VÖLKER DER WELT



- In Vietnam müssen amerikanische Soldaten für einige mächtige US-Konzerne

die Rohstoffbasen sichern.



- In Nordirland müssen britische Soldaten die Fabriken englischer und

internationaler Konzerne gegen das ausgebeutete Volk schützen.



- In verschiedenen portugiesischen Kolonien müssen Soldaten mit Unterstützung

durch die Bundeswehr die Vorherrschaft des europäischen Kapitals sichern.



Und eines Tages werden die westdeutschen Kapitalisten und ihre Helfershelfer

in Bonn nicht davor zurückschrecken, Bundeswehrtruppen im Ausland

einzusetzen. In aller Welt haben die westdeutschen Großkonzerne ihr Kapital

investiert um überall aus den Völkern ihre Profite herauszuschinden. Zum

Schutz dieser Investitionen ist die Bundeswehr gerade richtig. Unter der

jetzigen SPD/FDP-Regierung sind die Rüstungsausgaben hoch wie noch nie: die

offiziell angegebenen 21,9 Milliarden DM plus die versteckten Ausgaben für

Bundesgrenzschutz, Stationierungskosten, Berlinhilfe usw. ergeben für 1971

Rüstungsausgaben in Höhe von 28,8 Mrd. DM. Für 1974 strebt die SPD-Regierung

bereits 40 Mrd. DM Rüstungsausgaben an. Daß dabei den Waffenfabrikanten

(Krupp, Krauss-Maffei, Flick, Dornier, VFW-Fokker) saftige Superprofite

gesichert werden, versteht sich von selbst.



Doch wer bezahlt diese Summen?



DIE ARBEITERKLASSE UND DIE ANDEREN WERKTÄTIGEN MÜSSEN DEN APPARAT ZU IHRER

UNTERDRÜCKUNG SELBST BEZAHLEN!



DER SETIN, DEN SIE ERHOBEN HABEN, FÄLLT AUF IHRE EIGENEN FÜSSE



So kennzeichnet ein chinesisches Sprichwort das Verhalten gewisser Toren

(Mao).



Mit ihren neuen Maßnahmen zur 'Wehrgerechtigkeit' schneiden sie sich auf

lange Sicht ins eigene Fleisch. Sie zielen auf die Verschärfung des

Unterdrückungsapparates und treffen sich dabei selbst: Denn je mehr

Jungarbeiter und Lehrlinge an Waffen ausgebildet werden, desto mehr werden

sie in der Lage sein, im entscheidenden Augenblick ihre Waffen gegen ihre

Ausbeuter und Unterdrücker zu wenden.



Denn dies hat uns die Geschichte gelehrt: der Sturz der Kapitalisten, die

Zerschlagung des bürgerlichen Staates und die Errichtung der breiten Macht

des Volkes wird kein Sandkastenspiel, sondern wird notwendigerweise ein

gewaltsamer Akt der revolutionären Massen gegen ihre Unterdrücker und

Ausbeuter sein. Deshalb wird man die Bundeswehr nicht durch

Kriegsdienstverweigerung zerschlagen. Hat man den wirklichen Charakter der

Bundeswehr erkannt, dann bedeutet Kriegsdienstverweigerung nichts anderes als

Flucht. Und bei jeder Flucht bekämpft man nicht den Gegner, sondern macht es

ihm noch leichter, den ungeschützten Rücken des Fliehenden zu treffen.



STELLEN WIR UNSEREM GEMEINSAMEN FEIND, DER KAPITALISTENKLASSE UND IHREN

HANDLANGERN, DIE BREITE FRONT DER UNTERDRÜCKTEN UND AUSGEBEUTETEN ENTGEGEN!



KÄMPFEN WIR ORGANISIERT, GEMEINSAM UND SOLIDARISCH GEGEN DIE

UNTERDRÜCKUNGSMASCHINERIE DER KAPITALISTEN!



ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN GARDE, JUGENDORGANISATION DER KPD/ML"



Auf der Umschlagrückseite wird erneut auf Spanien eingegangen, wozu es u.a.

heißt:"

Kollegen,

seit über 40 Jahren kämpfen eure spanischen Klassen-Brüder gegen Franco-

Faschismus und Imperialismus".

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971



12.11.1971: 

In Düsseldorf besuchen, nach eigenen Angaben, über 60 Personen, u.a. von Opel Bochum, eine

Kampfveranstaltung der KPD gegen das BVG.

=Rote Fahne Nr.30 und 31,Berlin 19.11.1971 bzw. 3.12.1971,S.9 bzw. S.*



13.11.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.87 (vgl. 10.11.1971, 17.11.1971) heraus.

U.a. wird berichtet, daß in Bochum vor dem Bochumer Verein von Krupp und bei

Opel Extrablätter der 'Roten Fahne' verkauft worden sind. Danach sollen vor

beiden Betrieben ca. 300 Exemplare des Extrablatts verkauft worden sein.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.87,Bochum 13.11.1971



22.11.1971: 

Die Rote Opelbetriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt vermutlich

heute ein Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl. 1.11.1971, 8.12.1971) mit 8 Seiten

DIN A 4 heraus, von denen uns bisher leider nur die Seiten 1/2 und 7/8*

vorlagen.



Im Leitartikel wird geschildert:"

SO BEREITET SICH DIE OPEL-BANDE AUF DIE KRISE VOR:



Die westdeutsche Automobilindustrie, die im letzten Sommer auf Teufel komm

raus produzierte, kann nicht mehr wie sie will. Bereits für 1972 kalkuliert

das westdeutsche Ifo-Institut einen Produktionsrückgang von 5% gegenüber

1971.



In den USA dagegen gibt es laut FAZ seit der Einführungen der zehnprozentigen

Importsteuer eine Autokonjunktur ohnegleichen.



Es ist klar, daß die westdeutschen Imperialisten diesem Treiben auf die Dauer

nicht tatenlos zusehen werden. Sie werden sich ebenfalls sogenannte

'Schutzmaßnahmen' einfallen lassen müssen, und so dazu beitragen, daß die

Konkurrenz zwischen den einzelnen Imperialisten immer schärfer wird.



Doch das ist nur die eine Seite der Medaille!



Auf der anderen Seite versuchen die Imperialisten, den 'Schwarzen Peter' der

Arbeiterklasse zuzuschieben.



Wie sie das machen?



Nun, wir merken heute bereits bei Opel die ersten dieser Maßnahmen.

Angefangen hat es jetzt, wie im vorigen Jahr in der Stahlindustrie, mit dem

Abbau der Überstunden. Hätten wir bei der Einhaltung der 40 Stunden Woche

einen garantierten Mindestlohn, mit dem man sein Auskommen hat, so wären

sicher wenige von der Streichung der Überstunden betroffen. Für jeden

Kollegen aber, der meinetwegen für mehrere hundert Mark monatlich abzahlen

muß, wird der Abbau der Überstunden ohne jeden Ausgleich zu einem

empfindlichen Anschlag auf seine Lebenslage.



Doch wir sind schon 'weiter'. In den Bändern in D4 und D5 merken wir alle,

daß weniger Stückzahlen gefahren werden. Das wird nicht lange ohne Folgen

bleiben. So versucht man heute schon in einigen Abteilungen die Bandpausen zu

streichen. Mit der Begründung, daß weniger gefahren wird. Zudem erfuhren wir

neulich, daß die Getränke- und Erfrischungsautomaten der Kantinen zwischen

Weihnachten und Neujahr nicht aufgefüllt werden sollen. Betrifft diese

Arbeitspause nur die Automaten der Getränkefirmen oder auch uns bei Opel?

Will man uns vielleicht schon in diesem Jahr dazu ZWINGEN, einen Teil des

Urlaubs vom nächsten Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr zu nehmen, wie es

in der Stahlindustrie bereits passiert ist?



Neben dem Lohndiktat der ganzen kapitalistischen Kumpanei, das uns in der

jetzigen Tarifrunde aufgebürdet werden soll, haben die Opelbosse also noch

allerhand in Petto, um die Lasten der Krise schön gleichmäßig auf unseren

breiten Schultern abzuladen.



GESTAPO-METHODEN!



Je näher die Krise mit Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Entlassungen rückt,

desto eifriger 'wuseln' die Herren vom Kapital und im Staatsapparat ihre

Genschers und Weyers (beide FDP,d.Vf.) herum, um Maßnahmen gegen die

'Bedrohung' von 'Ruhe und Ordnung' zu treffen: Auf höherer Ebene üben

Polizei, Grenzschutz (BGS,d.Vf.) und Bundeswehr die Jagd auf 'Rädelsführer',

bis dato unter dem Manöver-Namen 'Baader-Meinhof-Bande' (RAF,d.Vf.).



Das Ausbreiten von Spitzel-Netzen, die Führung Schwarzer Listen sind die

entsprechenden Maßnahmen auf Betriebsebene:



Vor längerer Zeit (vgl. S2.**.197*,d.Vf.) brachte das Fernsehen in einer

aktuellen Sendung das Vorgehen bei einer Kölner Firma ans Licht. Es wurde

nachgewiesen, daß diese Firma extra Karteien zur Überwachung klassenbewußter

Kollegen angefertigt hatte. Des weiteren wurde bekannt, daß der

Ermittlungsdienst dieser Firma aufs engste mit der politischen Polizei (K14,

d.Vf.) zusammenarbeitete, daß sie sich gegenseitig informierten und gemeinsam

Kollegen bespitzelten. Diese Machenschaften dienen dazu, sog. 'Rädelsführer'

aus der 'schützenden Anonymität der Massen' (s. Arbeitgeber-Richtlinien)

herauszuholen mit dem Ziel, diese zu entlassen."



Zitiert wird dazu aus der eigenen Nr.10 (vgl. 23.8.1971).



Zur MTR der IGM, u.a. in NB/NW (vgl. 22.11.1971) heißt es:"

ZUR METALL-TARIFRUNDE:



Die Freude darüber, daß es am Montag in Nordbaden/Nordwürttemberg losgehen

soll ist geteilt. Verschiedene Tatsachen beweisen erneut, daß die IGM-

Bürokratie mit gezinkten Karten spielt. Die Metall-Tarifrunde wurde gezielt

in den Winter verschleppt in der Hoffnung:



1. daß die Kapitalisten eine geschwächte Arbeiterklasse vor sich haben,



2. daß die SPD-Regierung ihr Lohndiktat auch gegen die seit 1969 gefürchteten

Metall-Arbeiter durcbringen kann,



3. daß die IGM-Bonzen die rebellischen Metaller wieder unter ihre Fittiche

bekommen und der Einfluß der sogenannten 'Maoisten' verdrängt wird.



Trotz großem Geschrei arbeitet sich die 'heilige Dreieinigkeit' geschickt in

die Hände: die Kapitalkisten wollen, wenn es wirklich zum Streik kommt, die

Löhne für die Nichtorganisierten sparen. Deshalb die Drohung mit der

Aussperrung, die ALLE trifft. Die IGM-Bonzen wollen sich für ihre

'Punktstreiks' entsprechende Betriebe aussuchen, weil sie dadurch das Moos

für den Vollstreik sparen. Brandt ermuntert auf dem SPD-Parteitag (vgl.

18.11.1971,d.Vf.) die Kollegen zum Streik, aber für das Lohndiktat ('hohe

Lohnsteigerungen' seien 'gesamtwirtschaftlich nicht zu verkraften'). Dadurch

will er Wähler unter den Arbeitern zurückgewinnen... 'falls', so Otto

Brenner, 'überhaupt gestreikt wird' (!!!)



Macht aus der Tarif-Runde der Bosse und Bonzen eine Tarif-Runde der Arbeiter:

KAMPF DEM LOHNDIKTAT DES KAPITALS, SEINER SPD-REGIERUNG UND DGB-BONZEN!



15% gleich 1 DM 100% 13.Monatslohn



UNSERE EINHEIT IST UNSERE STÄRKE"



Für eine der uns nicht vorliegenden Seiten ist ein Artikel zum BVG

angekündigt und die letzten beiden Seiten lauten:"

ENDE GUT - ALLES GUT



Tarif-Oper in fünf Akten (und einem nicht eingeplanten Schluß)



Text: Otto Brenner

Regie: Otto. H. Friedrich

Musik: Die Konzertierte Aktion



Eine Co-Produktion von Kapital, SPD-Regierung und DGB-Bürokratie

Als Statisten wirken mit: wir, die zahlenden IGM-Mitglieder



I. AKT



Ouvertüre der Konzertierten Aktion. Hinter verschlossenem Vorhang stimmen

sich Schiller, Vetter und Herren aus der Industrie auf die 'Lohnleitlinien'

ein. Sie treten vor den Vorhang und singen das 'Stabilitäts-Terzett': 'Wer

soll die Krise bezahlen...?'

Da sich niemand meldet, gibt Schiller bekannt, daß die Direktion des Hauses

die Eintrittspreise erhöhen wird.



II. AKT



Hinter geschlossenem Vorhang treffen Spitzenvertreter des Arbeitgeber-

Verbandes und der IG-Metall zusammen, um über eine neue Schlichtungsordnung

zu beraten. DGB-Vorsitzender Vetter erklärt vor dem Vorhang: der zweite Akt

würde wegen der Finanzmisere gestrichen.



III. Akt



Hinter verschlossenem Vorhang treffen sich die Spitzen der IGM-Bürokratie aus

den Tarifbezirken. Brenner tritt als Hellseher auf und sagt voraus, was die

Große Tarifkommission beschließen wird. Der Vorhang geht auf. Die Große

Tarifkommission tagt (Kommentar eines zahlenden Statisten: an dieser

Zusammensetzung hat sich seit Jahren nichts geändert) Otto Brenner singt die

Neun-Prozent-Arie, begleitet vom Kosakenchor der Großen Tarifkommission. Die

Arie mündet in den Ruf: Verantwortung über alles für die deutsche Wirtschaft!

Die Herren von den Industrie brechen in Begeisterungsstürme aus.



- Pause -



(Einzelne Betriebsräte verteilen unter den gähnenden Statisten

Ermunterungspillen, Marke 'Arso' (SPD-BG,d.Vf.))



IV. AKT



Trauermarsch der 'deutschen Wirtschaft', gefolgt vom großen Klagelied der

Eisen- und Stahlindustrie (Im Parkett werden Waschschüsseln und Handtücher

weitergereicht) Immer wiederkehrend das alte Lied: Wir haben nichts, wir

haben nichts...

Das Orchester der konzertierten Aktion intoniert die Schcksalssinfonie: Es-

geht-bergab!



Im Vordergrund lassen sich die Lohn-Unterhändler nieder. Sie rufen nach einem

dritten Mann: Katzer erscheint mit einem nagelneuen Skatblatt auf der Bühne

(Als einzelne Statisten gegen diesen Sauhaufen protestieren, werden sie vom

Betriebsrat wieder auf ihren Stehplatz zurückgejagt)



V. AKT



Beginnt mit Blitz und Donner. Im flackernden Licht stellt Brenner die Urne

für die Urabstimmung auf. Bleicher steht mit einem Transparent daneben:

Kollegen, seid Euch unserer aller Verantwortung bewußt.



Brenner und Friedrich singen das Duett: Wir fallen niemals um!



Während die Statisten ihre Stimmen zur Urabstimmung abgeben, fotografiert der

Werkschutz kommunistische 'Rädelsführer. Die IGM-Mitglieder stimmen für

Streik. Aus dem Hintergrund ertönt ein Glöcklein. Brenner flüstert: es ist

fünf Minuten vor Zwölf! (Der Aufnahmelieter vom Fernsehen zeigt erregt auf

seine Uhr) Auf ein Zeichen von Brenner schwebt mit Pauken und Trompeten im

hellen Scheinwerferkegel Friedensengel Brandt vom Bühnenhimmel herab. (Im

Hintergrund fahren Mannschaftswagen der Polizei auf) Mit ausgebreiteten Armen

verkündet Brandt den westfälischen Lohnfrieden. Mit den Worten: Seid einig,

einig, einig, nimmt er Brenner bei der Hand und führt ihn zu Friedrich. Beide

haben Tränen in den Augen und sehen ein, daß ihr Streit überflüssig war. Zu

den Statisten gewandt, singt Brandt die Arie: Selig sind die, die Verfolgung

leiden um der Gerechtigkeit von 6,5% willen.



Werkschutz und Polizei machen die Gummiknüppel locker. Die Bundeswehrkapelle

intoniert den Mobilmachungsmarsch. Im Hintergrund beginnt

Verteidigungsminister Schmidt damit, stillschweigend die PKWs von den

Werksparkplätzen abzuräumen.



Statisten und Publikum besetzen die Bühne. Das Fernsehen blendet sich schnell

aus. Die Hauptdarsteller verlassen fluchtartig den Raum. Brenner ruft: das

steht nicht mehr im Textbuch! Wo bleibt denn der Betriebsrat! Willy Brandt

versucht verzweifelt, seine Flügel in gang zu setzen. Dabei fällt ihm ein

Flügel ab (der Arbeitnehmerflügel). Die Statisten rufen im Chor: Streik!

Unsere Einigkeit ist unsere Stärke! Sie wählen einen Streikrat, der ihre

Forderungen vertreten soll: 15 Prozent gleich 1 DM, Voller 13.Monatslohn"



Eingestreut in den Text findet sich eine Karikatur, wo drei Schweine, als

DGB, DKP und SPD gekennzeichnet, von einem Kapitalisten durch in einen Trog

gestreute Geldscheine gefüttert werden, wozu es heißt:"

Bonzen: Sie kommen aus demselben Stall und fressen aus demselben Trog!"

=Zündkerze Extra So bereitet sich die Opel-Bande auf die Krise vor,Bochum o.

J. (1971)



26.11.1971: 

Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen wird, laut KPD bei Opel Bochum (IGM-

Bereich - vgl. 6.12.1971) erst "fünf Minuten vor Schichtende der

Aussperrungsbeschluß bekannt gegeben".

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4



26.11.1971: 

Bei Opel Bochum berichtet die KPD (vgl. 6.12.1971) u.a. von heute in einer

Arbeiterkorrespondenz (vgl. 16.9.1971, 8.10.1971) u.a. von der MTR u.a. in

NB/NW und auch bei Opel Rüsselsheim (vgl. 7.10.1971):"

Seit dem 22.11.1971 streiken eine Viertel Million Kolleginnen und Kollegen in

den Metallbetrieben Nordbaden/Nordwürttemberg. Wir müssen sie in ihrem Kampf

mit unserer Solidarität stärken, insbesondere der Solidarität der

Automobilarbeiter aus den Fordwerken Köln und Saarlouis und aus den

Opelwerken in Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern. Die Einheit macht uns

stark. Mit ihr brechen wir die Front der Kapitalisten, die gerade bei uns

unvermindert Mehrarbeit herauszupressen versuchen: durch Einsparen von

Springerpausen, verstärkte Kontrolle an Stempeluhren und in den Kauen, durch

die Erhöhung des Arbeitstempos in Produktions-lagerfähigen Bereichen.



Nach der Aussperrung der Metallarbeiter in Nordbaden/Nordwürttemberg, die

inzwischen auf weitere Betriebe im gesamten Bundesgebiet ausgedehnt worden

ist, drohen die Kapitalisten auch bei uns in Bochum damit: Die WAZ schrieb am

26.11.1971: 'Ab Mitte oder Ende nächster Woche rechnen wir mit

Schwierigkeiten in der Produktion'. Hier wurde wieder einmal die Presse

informiert, bevor die Kollegen davon etwas hörten. Kurz vor Schichtende

erfuhren wir davon durch einen Aushang. Wie bei Porsche (in Stuttgart - vgl.

26.11.1971,d.Vf.), wo erst fünf Minuten vor Schichtende der

Aussperrungsbeschluß bekannt gegeben wurde.



Bei uns standen die Kolleginnen und Kollegen in dichten Trauben vor den

Aushängen und diskutierten die Lage. Einzelne Meister versuchten, uns

auseinander zu treiben. Wir waren alle der Meinung, in dieser Situation, wo

die Kapitalisten uns mit Aussperrung ohne gleichzeitige

Arbeitslosenunterstützung zu erpressen versuchten, wo das Arbeitstempo bis an

die Grenze des Erträglichen gesteigert wird, da gibt es nur eins:



SOFORTIGE URABSTIMMUNG UND STREIK ALLER METALLKOLLEGEN IN NRW!

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.4



27.11.1971: 

In Bochum führen die Betriebsgruppen Bochumer Verein und Opel der KPD/ML-ZB

eine öffentliche Versammlung zur aktuellen Tarifsituation und zur Solidarität

mit dem Metallerstreik in Nordbaden/Nordwürttemberg durch, wobei sie von den

Ortsgruppen Bochum und Wattenscheid der KPD/ML-ZB und des KJVD unterstützt

werden. Dazu schreibt die KPD/ML-ZB:"

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von den Betriebsgruppen Krupp und Opel

durchgeführt, um so die Solidarität der Metaller und Stahlwerker miteinander

im Ruhrgebiet und ihre gemeinsame Solidarität mit den streikenden Metallern

im Südwesten zu zeigen. Das wichtigste Ziel dieser Veranstaltung aber war es,

den Kollegen anhand eines Streikberichts die Rolle der Staatsmacht und der

Sozialdemokratie zu zeigen. ... Der Referent führte aus: Im Moment muß der

Hauptstoß gegen die Sozialdemokratie geführt werden; der imperialistische

Staat ist das entscheidende Machtmittel der Bourgeoisie zur Unterdrückung der

Arbeiterklasse; darum muß die Arbeiterklasse ihre geschichtliche Aufgabe als

Totengräber dieses Bonner Staates erkennen und durchführen."

Anwesend sind auch Vertreter der KPD, die u.a. erklären, "daß der Hauptfeind

der Arbeiterklasse das Monopolkapital sei. Es sei falsch, den Hauptstoß gegen

die Sozialdemokratie zu richten".

Vertreter der KPD/ML-ZK "legten eine Resolution vor, in der die IGM-Führer

aufgefordert werden, bis zum 1. Dezember eine Urabstimmung durchzuführen.

Wenn sie dieser Aufforderung nicht nachkämen, dann sollten die Metaller und

Stahlwerker in NRW in den Kampf treten. Genossen der KPD/ML lehnten diese

Resolution ab: Der Kampf der Metaller kann durch Bitten und Forderungen an

die IGM-Führer nicht vorangetrieben werden."

In der Grußadresse heißt es u.a.:"

Wir Bochumer Kollegen von Opel und den Fried. Krupp Hüttenwerken übermitteln

euch von der heutigen Kampfveranstaltung der KPD/ML Kampfesgrüße zur

Unterstützung eures Streiks. Unsere Grüße drücken unsere große Solidarität

für euren Kampf aus. Uns halten die Gewerkschaftsführer hier in NRW vom Kampf

gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung ab. Sie wollen verhindern, daß wir

euch unterstützen, darum ziehen sie wochenlang die Verhandlungen hinaus -

trotz des 0 Angebots in der Stahlindustrie, trotz des 4,5% Angebots für die

Metaller. Kolleginnen und Kollegen! Nur durch die Herstellung einer

einheitlichen Kampffront aller Metaller und Stahlwerker in der gesamten

Bundesrepublik gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung können wir unsere

Forderungen im Kampf gemeinsam durchsetzen. Darum heißt unsere Parole:

Metaller und Stahlarbeiter in einer Kampffront!"



Über die Veranstaltung berichtet auch die Betriebsgruppe Hoesch

Westfalenhütte Dortmund des KJVD und der KPD/ML-ZB.

=Die Rote Westfalenwalze 'Am besten wir streiken gleich mit',Dortmund o.J.

(29.11.1971),S.2;

Rote Fahne Nr.24,Bochum 6.12.1971,S.3;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.93 und 94,Bochum 4.12.1971 bzw.

8.12.1971,S.7f bzw. S.14



29.11.1971: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet

vermutlich aus dieser Woche, mit Hilfe der 'FR', "wie die 'Frankfurter

Rundschau' vom 4.12. meldete, VERWEIGERT DER BETRIEBSRAT IN RÜSSELSHEIM

ZAHLLOSEN AUSLÄNDERN DIE AUFNAHME IN DIE GEWERKSCHAFT MIT DER SPALTERISCHEN

BEGRÜNDUNG 'IM INTERESSE DER ORGANISIERTEN'".

=Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971,S.1f



29.11.1971: 

Bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 6.12.1971) berichtet die KPD vermutlich

aus dieser Woche von Metall- (MTR) bzw. Stahltarifrunde (STR), es habe "der

Verwaltungsrat des NRW-Landesarbeitsamtes (und inzwischen auch die

Bundesanstalt für Arbeit (BfA - vgl. 2.12.1971,d.Vf.)) erklärt, daß mittelbar

vom Streik betroffene Kollegen Arbeitslosenunterstützung erhalten sollen,

aber deswegen werden die Kollegen zunächst noch kein Geld sehen. Denn die

Metall-Kapitalisten haben bereits Einspruch gegen den Beschluß erhoben. Bis

zu einer endgültigen Klärung werden die Kollegen noch unbestimmte Zeit warten

müssen."

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.1



29.11.1971: 

Die Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte Dortmund des KJVD und der KPD/ML-

ZB (vgl. 29.11.1971) berichtet aus dieser Woche:"

- Anfang der Woche sollen 18 000 Kollegen von Opel Bochum kurzarbeiten.

- 10 000 Opel-Arbeiter aus Bochum ... sollen im Laufe der Woche ganz

'freigesetzt' werden."

=Die Rote Westfalenwalze 'Am besten wir streiken gleich mit',Dortmund o.J.

(29.11.1971),S.1



30.11.1971: 

Bei Opel Bochum berichtet die KPD (vgl. 6.12.1971):"

Am Dienstag letzter Woche war immer noch nichts Genaues über die Aussperrung

bekannt. Obwohl der Betriebsrat zu diesem Zeitpunkt bereits genau informiert

war, gab er gegenüber Kollegen nur die Auskunft: 'Nichts Neues'. Daraufhin

führten die Kollegen im Preßwerk einen Streik durch, um die Lage zu

diskutieren, von 8 Uhr 10 bis mittags setzten sie mehrere Straßen still.

Betriebsratsvorsitzender Perschke eilte herbei, um die Ruhe unter den

Kollegen wiederherzustellen. Er versicherte, daß es in vier Wochen klar sein

würde, ob die Kollegen Arbeitslosenunterstützung bekommen oder nicht."

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.2



03.12.1971: 

Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF - vgl. 19.11.1971, 17.12.1971) Nr.31 heraus.

Es erschien erstmals eine 'Kommunistische Arbeiterpresse'

bei Opel Bochum.

=Rote Fahne Nr.31,Berlin 3.12.1971



04.12.1971: 

Vermutlich heute findet eine IGM-Vertrauensleuteversammlung bei Opel Bochum

statt.



Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK (vgl. 8.12.1971) berichtet,

u.a. über die MTR:"

VARIETE-ZAUBER



Auf der Opel-Vertrauensleuteversammlung am Samstag hielt Günther Perschke

das Hauptreferat zum Thema 'Die wirtschaftliche Situation bei Opel'.



Wichtiger wäre es ja wohl gewesen, auf der wieder längst überfälligen

Betriebsversammlung den Fragen der Kollegen zu den Tarifverhandlungen,

Urabstimmung, Streik und Kurzarbeit (gleich Aussperrung) Rede und Antwort zu

stehen.



Stattdessen inszenierte er das kleine Theater vom 'kämpfenden Betriebsrat',

mit dem einzigen Ziel, die V-Leute auf den Verratskurs der IGM-Führung

festzunageln: keine Urabstimmung in NRW!



Was hat sich unser grauer Wirbelwind wieder abgestrampelt - beim

Gesamtbetriebsrat in Rüsselsheim, beim Bochumer Betriebsleiter Gansert, bei

unseren streikenden Kollegen in Südwest (NB/NW,d.Vf.) war er, und überall hat

er rausgeholt, was rauszuholen war, nämlich nichts! (Die Spesen, die er

eingesteckt hat, nicht mit eingerechnet!) Im Gegenteil. Er hat der Opel-Bande

geholfen, eine Panne zu vermeiden, indem er sie darauf aufmerksam machte, daß

die Anmeldefrist für Kurzarbeit (laut Manteltarifvertrag 1970 von 7 auf 14

Tage erhöht) nicht eingehalten wurde (Daher wahrscheinlich auch die

Verschiebung der Aussperrung bei Opel um zwei Tage auf diesen Donnerstag).

Ja, er klagte sogar der WAZ sein Leid: angeblich habe ihm sein Freund Gansert

den Zugang zum Materiallager verwehrt, das bis oben hin voll sei. (Um in die

Lager zu gucken, brauchte er nur mal seinen Arsch aus dem Sessel hochzuheben,

sagte ein V-Mann auf der Versammlung.) Das von Perschke lautstark

angekündigte Dementi dieser WAZ-Meldung blieb aus...



PARAGRAPHENFUCHSERREI



Perschke blieb im Sessel und wälzte Paragraphen. Gansert, so sagte er, habe

ihm einen Paragraphen (Paragraph 72) des reaktionären BVG abspenstig gemacht,

in dem von der 'Mitbestimmung' des Betriebsrats bei 'wesentlichen

Betriebsveränderungen', so bei Stillegungen, die Rede ist. Daß diese

Vorschrift nicht auf eine streikbedingte, vorübergehende Kurzarbeit

anzuwenden ist, leuchtet auf den ersten Blick ein. Perschke machte daraus

aber eine Gelegenheit, an die Decke zu gehen: das 'Vorrecht des Betriebsrats

zu verteidigen', bei der Sauerei des Kollegen-Aussiebens mit seinem Kreuzlein

dabeizusein, 'mitzubestimmen' dabei, an welcher Stelle das Kapital die

Arbeiterklasse zuerst treten darf. Für dieses Vorrecht will er 'kämpfen',

selbst wenn ihm ein vorgesetzter Bonze aus Essen namens Herb angeblich den

Wind aus den Segeln genommen hat: gegen Perschkes Feststellungsklage stünden

mehrere Arbeitsgerichtsurteile.



Dann wird der 'eiserne' Perschke auch gegen die Bonzen in Essen für die

Mitbestimmung 'kämpfen'! Sagt er.



Das sind Verdunkelungs- und Ablenkungsmanöver! Statt die klaren und einfachen

Forderungen der Kollegen mit den gebotenen Mitteln Urabstimmung und Streik

durchzusetzen, statt klar die sogenannte 'streikbedingte Kurzarbeit' bei Opel

als das zu nennen, was es ist, nämlich eine illegale Aussperrung, bombardiert

Perschke die V-Leute und alle Kollegen mit Paragraphen und verwickelt sie in

juristische Debatten, die kein Mensch versteht.



Ist es ein Zufall, wenn zur selben Zeit der DGB, dessen Untergewerkschaft IGM

laut Perschke kein Geld hat, um einen allgemeinen Streik durchzuführen,

Tausende von Mark rauswirft, um in dem Unternehmerblättchen 'Frankfurter

Allgemeine' (FAZ - vgl. S1.1*.1971,d.Vf.) für seine Mitbestimmung Reklame zu

machen?



MITBESTIMMUNG - DAS HEISST FESSELUNG DER ARBEITERKLASSE AN DAS KAPITAL DURCH

DAS VERBINDUNGSGLIED DGB.



Eins greift ins andere! Damit diese Fesselung der Arbeiter gelingt, darf die

IGM mit Hilfe des SPD-Ministers Arendt sogar erst mal die

Arbeitslosenunterstützung rausholen, damit die Kollegen wieder Vertrauen in

die IGM gewinnen sollen. Und wenn es mit Vertrauen nicht geht, dann eben mit

ANGST: die Reklame in der letzten IGM-'Tarifinformation' (vgl. S1.1*.1971,d.

Vf.) zeigt deutlich, daß den Gewerkschaftsbonzen Aussperrung und Kurzarbeit

nur zu gelegen kommen, weil ihnen damit neue zahlende Mitglieder zugetrieben

werden. Das wird dann gleichzeitig als Druckmittel gegen Aufmüpfige benutzt:

wie die 'Frankfurter Rundschau' (FR,d.Vf.) vom 4.12. meldete, VERWEIGERT DER

BETRIEBSRAT IN RÜSSELSHEIM ZAHLLOSEN AUSLÄNDERN DIE AUFNAHME IN DIE

GEWERKSCHAFT MIT DER SPALTERISCHEN BEGRÜNDUNG 'IM INTERESSE DER

ORGANISIERTEN' - denn es waren vor allem ausländische Kollegen, die auf der

letzten BV bei Opel-Rüsselsheim die Versammlung zu einem Tribunal gegen die

Betriebsratsbonzen machten (vgl. 7.10.1971,d.Vf.)!



'Nur durch das energische Eingreifen der IGM sind jetzt die Leistungen aus

dem Arbeitsförderungsgesetz für Euch sichergestellt' posaunten die IGM-Bonzen

an die 'Opelaner'. Sie werden uns das Arbeitslosengeld geben, um jetzt

Schlimmeres zu verhüten, aber ob wir es nicht eines Tages zurückzahlen

müssen, das ist noch lange nicht entschieden, wenn nämlich die Kapitalisten

mit ihrer Klage dagegen Erfolg haben.



KEINE URABSTIMMUNG IN NRW



Dann haben wieder die Arbeiter die Zeche bezahlt, während die Herren da oben

sich wechselseitig die Vorteile zuschanzen. Es ist immer dasselbe Lied im

Kapitalismus. Perschke wollte den V-Leuten einreden, sie sollten nicht so

sehr an das Materielle denken und sich an den Kollegen aus dem Südwesten ein

Beispiel nehmen, die aus reinem Idealismus streikten. Er verschwieg, daß die

IGM diesen Kollegen erst am Montag mit dem Streikgeld rausgerückt ist, daß

diese Kollegen aufs Geld nicht aus sogenanntem 'Idealismus' verzichtet haben,

sondern deshalb, weil die IGM-Führung es ihnen bisher vorenthalten hatte! In

der entscheidenden Frage der Urabstimmung ließ 'Kollege' Perschke dann die

Katze aus dem Sack: Die IGM könne sich keinen 'Zweifrontenkrieg' leisten und

schon gar keinen Streik in Nordrhein-Westfalen. Er dachte dabei wohl daran,

daß hier im Gegensatz zum Südwesten über eine Million Kollegen organisiert

sind, die dann Streikunterstützung erhalten müßten, und das würde der IGM zu

sehr in die Kasse gehen. Und er dachte, wie seine Herren, an den Herbst 1969

und 1970, als die Kollegen hier ihre Sache selbst in die Hand nahmen. Wenn

überhaupt, dann wird die Urabstimmung in NRW erst mitten in Kurzarbeit und

Entlassungen stattfinden, wenn die Bonzen die Hoffnung haben, daß die

Kollegen zu sehr eingeschüchtert sind!



STATTDESSEN ZENTRALE POLITISCHE SCHLICHTUNG



Der fünfte Akt des Tariftheaters ist aber bereits eingeläutet: Brandt schwebt

als Friedensengel hernieder, assistiert von Schiller."

=Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971,S.1ff;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.95,Bochum 11.12.1971,S.4f



06.12.1971: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD vermutlich Anfang dieser Woche die Nr.1 ihrer

'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. Jan. 1972) mit vier Seiten DIN A4

unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 heraus. Eine

Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs in Dortmund von 17 bis 19 Uhr in den

'Borsigstuben' in der Borsigstr.51.



Im Leitartikel heißt es zur Metall- (MTR) bzw. Stahltarifrunde (STR), u.a. in

Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW - vgl. 26.11.1971):"

GEGEN AUSSPERRUNGEN: SOLIDARISCHER KAMPF ALLER METALLER!



Seit über einer Woche sind 360 000 Kollegen in Nordbaden/Nordwürttemberg

ausgesperrt. Auch in den anderen Tarifgebieten haben die Kapitalisten zum

brutalen Kampfmittel der Aussperrung gegriffen, unter dem Vorwand, die

Produktion sei als Folge des Streiks nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die

Produktion ganz oder teilweise stillgelegt hat inzwischen Audi/NSU in

Ingolstadt (vgl. 30.11.1971,d.Vf.), Bosch in Hildesheim (vgl.

29.11.1971,d.Vf.), Daimler-Benz in Berlin (vgl. 25.11.1971,d.Vf.) und

Düsseldorf (vgl. 29.11.1971,d.Vf.) und Hanomag/Henschel in Bremen (vgl.

26.11.1971,d.Vf.). Weitere Aussperrungen sind angekündigt, vor allem bei den

großen Automobilwerken, wie VW, Ford, BMW und Opel.



Die ausgesperrten Kollegen erhalten weder Lohn noch einen einzigen Pfennig

Arbeitslosenunterstützung. Zwar haben der Verwaltungsrat des

NRW-Landesarbeitsamtes (und inzwischen auch die Bundesanstalt für Arbeit (BfA

- vgl. 2.12.1971,d.Vf.)) erklärt, daß mittelbar vom Streik betroffene Kollegen

Arbeitslosenunterstützung erhalten sollen, aber deswegen werden die Kollegen

zunächst noch kein Geld sehen. Denn die Metall-Kapitalisten haben bereits

Einspruch gegen den Beschluß erhoben. Bis zu einer endgültigen Klärung werden

die Kollegen noch unbestimmte Zeit warten müssen. Erst recht erhalten die

ausgesperrten Kollegen, in den Tarifgebieten, wo gestreikt wird, keinen

Pfennig. So leisten die zur 'Neutralität' verpflichteten Landesarbeitsämter

und die Bundesanstalt für Arbeit den Kapitalisten Schützenhilfe bei der

Brechung der Streikfront.



Inzwischen ist die besondere Schlichtung in Nordbaden/Nordwürttemberg (vgl.

1.12.1971,d.Vf.) angelaufen. Trotz wortradikaler Sprüche der IG Metall Führung

wird das Ergebnis sicher unter dem ersten 7,5%-Schlichtungsangebot liegen. Die

11%-Forderung, für die von den Kollegen in Nordbaden/Nordwürttemberg gestreikt

wird, ist vollkommen unter den Tisch gefallen. Kapitalistensprecher

Frankenberger (vgl. 1.12.1971,d.Vf.) erhofft sich eine 'Musterlösung' für die

übrigen Tarifgebiete. Das heißt: der Schlichtungsspruch von

Nordbaden/Nordwürttemberg soll in den übrigen Tarifgebieten auf kaltem Wege

durchgesetzt werden. Die IG Metall-Führung tut alles, um die Kapitalisten bei

diesem Vorhaben zu unterstützen. Ein 'Flächenbrand', also eine einheitliche

und geschlossene Streikfront aller Metaller soll nach allen Kräften verhindert

werden.



In NRW sind bereits über 2 Wochen seit dem Scheitern der Schlichtung

vergangen. Bisher ist nicht einmal der Termin für die nächste Sitzung der

Tarifkommission bekannt, wo die Urabstimmung beschlossen werden müßte. Eine

Resolution vom 18.11.1971 der Vertrauensleutevollversammlung der

Hoesch-Westfalenhütte drückt die Haltung der Kollegen vieler Metall- und

Stahlbetriebe in NRW aus:



'1. Die Vollversammlung der gewerkschaftlichen Vertrauensleute der

Hoesch-Westfalenhütte AG hat mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, daß die

große Tarifkommission der IG Metall nach dem unverschämten Nullprozentangebot

der Arbeitgeber und ihrer unnachgiebigen Verhandlungsposition keine klare

Entscheidung getroffen hat. Wir hätten erwartet, daß die große Tarifkommission

die Verhandlungen in eigener Verantwortung für gescheitert erklärt hätte.

...

3. Wir fordern die große Tarifkommission auf



a) umgehend das Scheitern der Verhandlungen zu erklären und



b) die Urabstimmung über Kampfmaßnahmen einzuleiten...'



Gerade in NRW will die IG Metall Führung es nicht zu Kampfmaßnahmen kommen

lassen. Hat sie doch zusammen mit den Kapitalisten in den letzten Wochen immer

wieder verkündet, daß in NRW 'besondere Bedingungen' herrschten und daß eine

'Lösung der Vernunft' gefunden werden müsse. Dementsprechend auch ihre Taktik:

In der Stahlindustrie hätte sofort nach Scheitern der Verhandlungen die

Urabstimmung durchgeführt werden können; denn es gibt keine verbindliche

Schlichtungsvereinbarung. Doch trotz des unverschämten Vorhabens der

Kapitalisten, eine 'Lohnpause' von sechs Monaten einzulegen und damit glatten

Lohnraub zu begehen, war seitens der IG Metall Führung niche einmal von der

Urabstimmung die Rede.



DIE LAGE BEI OPEL



Am Mittwoch (vgl. 9.12.1971,d.Vf.) werden die letzten normalen

Produktionsschichten laufen, dann wird der größte Teil der Kollegen ohne Lohn

dastehen, nicht nur hier in Bochum, sondern auch in Rüsselsheim und

Kaiserslautern. Damit handeln die Opel-Kapitalisten getreu der Linie des

Arbeitgeberverbandes 'Gesamtmetall', der androhte, auch dort Aussperrungen

durchzuführen, wo noch nicht gestreikt wird. Die Erpressungspolitik der

Opel-Kapitalisten geht so weit, daß sie eine Weiterführung der Aussperrung

noch nach Streikende angedroht haben. Das Ziel dieser Maßnahme ist klar:

Begünstigt durch die Hinhaltetaktik der IG Metall Führung legen die

Kapitalisten es jetzt darauf an, das Entstehen einer geschlossenen Streikfront

auch in den übrigen Tarifgebieten von vornherein zu verhindern, um die

Streikfront in Nordbaden/Nordwürttemberg umso besser zerschlagen zu können.



Seit die Kollegen wissen, daß eine Aussperrung geplant ist, herrscht große

Unruhe, denn woher sollen sie dann das Geld nehmen, um sich und ihre Familien

zu ernähren. Auf Arbeitslosenunterstützung brauchen sie vorläufig nicht zu

hoffen, die Kapitalisten zahlen ihnen sowieso nichts und auch die IG Metall

Führung hat bisher nirgends Anstrengungen unternommen, um die ausgesperrten

Kollegen zu unterstützen.



Wenn die IG Metall-Spitze nicht kampflos vor den Aussperrungsmaßnahmen der

Kapitalisten kapitulieren will, muß sie den ausgesperrten Kollegen ebenfalls

Unterstützung zahlen: ZAHLUNG DER 'GEMASSREGELTEN-UNTERSTÜTZUNG' AN DIE

AUSGESPERRTEN!



Am Dienstag letzter Woche (vgl. 30.11.1971,d.Vf.) war immer noch nichts

Genaues über die Aussperrung bekannt. Obwohl der Betriebsrat zu diesem

Zeitpunkt bereits genau informiert war, gab er gegenüber Kollegen nur die

Auskunft: 'Nichts Neues'. Daraufhin führten die Kollegen im Preßwerk einen

Streik durch, um die Lage zu diskutieren, von 8 Uhr 10 bis mittags setzten sie

mehrere Straßen still. Betriebsratsvorsitzender Perschke eilte herbei, um die

Ruhe unter den Kollegen wiederherzustellen. Er versicherte, daß es in vier

Wochen klar sein würde, ob die Kollegen Arbeitslosenunterstützung bekommen

oder nicht. Aber davon können sich die Kollegen nichts kaufen, ebenso wenig

von dem Bunten Abend, den die Geschäftsleitung am kommenden Wochenende für die

Belegschaftsmitglieder durchführen will.



Kollegen, um den Kampfmaßnahmen der Kapitalisten und der Abwiegelungstaktik

der IG Metall Führung wirksam entgegenzutreten und unsere

Kampfentschlossenheit zu zeigen: SOFORTIGE URABSTIMMUNG!



SOLIDARITÄT MIT ALLEN STREIKENDEN UND AUSGESPERRTEN METALLERN! STREIK ALLER

KOLLEGEN, DIE VON DEN KAPITALISTEN MIT SONDERAUSWEISEN AUSGESTATTET WERDEN!"



Der nächste Artikel beschäftigt sich u.a. mit der KPD/ML-ZB und der

KPD/ML-ZK:"

WIE UNTERSCHEIDET SICH DIE KPD VON DEN 'LINKEN' PARTEIEN UND GRUPPEN?



Mit der Herausgabe der ersten Nummer der Betriebszeitung, der KOMMUNISTISCHEN

ARBEITERPRESSE', nimmt die Betriebszelle Opel der KPD die Agitation und

Propagandaarbeit bei Opel Bochum auf. Angesichts der Vielzahl von 'Parteien',

Gruppen und Grüppchen, die sich vor den Toren Opels ein Stelldichein geben,

ist es notwendig, eine klare Abgrenzung zu diesen 'linken' Gruppen zu treffen.



WER IST DIE KPD?



In der Einleitung zur PROGRAMMATISCHEN ERKLÄRUNG der KPD vom Juli 1971 (Rote

Fahne Nr.21 (RF - vgl. 7.7.1971,d.Vf.)) ist zu den Zielen und Aufgaben der

Partei ausgeführt:



'Um die Mehrzahl der Werktätigen unter der Führung der Arbeiterklasse gegen

Kapitalismus und Imperialismus zusammenzuschließen, ist der Aufbau der

Kommunistischen Partei heute die Hauptaufgabe der besten Elemente des

Proletariats und aller entschiedenen Marxisten-Leninisten aus den Reihen der

revolutionären Intelligenz. Der Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

knüpft an das revolutionäre Vermächtnis der Vorkämpfer für die proletarische

Sache an, deren Namen für den historischen Auftrag der deutschen

Arbeiterklasse stehen: Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und besonders Ernst

Thälmann.'



WARUM IST DIE DKP KEINE KOMMUNISTISCHE PARTEI?



In der PROGRAMMATISCHEN ERKLÄRUNG schrieben wir:



'In ihrer Grundsatzerklärung schreibt die DKP: 'Die DKP erstrebt den für das

arbeitende Volk günstigsten Weg zum Sozialismus, einen Weg ohne Bürgerkrieg'

und 'Die DKP will über die breite Entfaltung der demokratischen Aktion der

Arbeiter und anderen Werktätigen zur sozialistischen Umwälzung gelangen.'

Damit knüpft die DKP ungebrochen an alle sozialdemokratischen Illusionen und

gerade an die Fehler der KPD vor ihrem Verbot an. Dieser Illusion tritt die

KPD mit aller Entschiedenheit entgegen. Noch niemals in der Geschichte ist die

Monopolbourgeoisie freiwillig auch nur einen Zentimeter zurückgewichen, am

wenigsten wird sie zusehen, wie die von ihr selbst geschaffenen Einrichtungen

'friedlich' - wie DKP glauben machen will - übernommen werden.



Wie die DKP erklärt auch die westberliner SEW die Mitbestimmung in Betrieb,

Wirtschaft und Gesellschaft als Weg zum Sozialismus, obwohl die Erfahrungen

mit der Mitbestimmung in der Montanindustrie beweisen, daß die Mitbestimmung

nicht einmal taugt als Mittel zur Verbesserung der Lebensbedingungen der

Arbeiterklasse, geschweige denn als Schritt zum Sozialismus.



DKP und SEW verzichten auf den konsequenten Kampf gegen die arbeiterfeindliche

DGB-Führung und hängen sich stattdessen an deren Forderungen an...



DKP und SEW dienen eindeutig den Interessen der Monopolbourgeoisie in der BRD

und Westberlin, indem sie die einheitliche Klassenfront des Proletariats

spalten.'



Gerade jetzt in der Metalltarifrunde konnte jeder Kollege erfahren, daß die

DKP-Führung bedingungslos jedes verräterische und spalterische Manöver der IG

Metall Führung unterstützte. Genau wie in der 'UZ' wurden auch im 'Roten

Kadett' gegen die Forderungen der Kollegen die verräterischen 9% propagiert,

wurde die Stillhaltepolitik der Tarifkommission als 'nüchternes und

entschiedenes Auftreten' gelobt.



WARUM ENDLOSE SPALTUNG UND FRAKTIONSKÄMPFE IN DER KPD/ML?



Etwas später als in den anderen Ländern erfolgte auch in der BRD die Gründung

einer ML-Organisation (vgl. 31.12.1968,d.Vf.) als Antwort auf den Versuch der

KPdSU-Führung, möglichst viele KP's auf den Weg des friedlichen Übergangs zu

verpflichten und damit die kommunistische Weltbewegung zu spalten. In den

folgenden Jahren vermochte es keine der ML-Parteien, einen Einbruch in die vom

Reformismus und Revisionismus beherrschten Teile der Arbeiterklasse zu

erlangen.



Besonders deutlich ist am Beispiel der KPD/ML zu verfolgen, daß mit innerer

Gesetzmäßigkeit die Isolierung dieser Gruppe von den Massen zur Sektenbildung,

zu prinzipienlosen Fraktionskämpfen, zu einem endlosen Prozeß der Spaltung

führte.



Auch bei Opel wurde die Scheinhaftigkeit der Positionen, die

Prinzipienlosigkeit der Spaltung am Beispiel der beiden Betriebszeitungen

'Zündkerze' (KPD/ML Roter Morgen) und 'Presse' (KPD/ML Rote Fahne) sichtbar

vor Augen geführt. Besonders unverständlich muß den Kollegen der

Spaltungsprozeß erscheinen angesichts der Tatsache, daß beide Gruppierungen in

den zentralen Fragen gleichlautende Propaganda betreiben.



So sind beide Gruppen sich darin einig, daß der Faschismus bereits vor der Tür

steht und daß der Kampf in den Gewerkschaften zwecklos ist.



Am Beispiel der brutalen Aussperrung durch die Kapitalisten wird deutlich, wie

unsinnig die These vom 'Lohndiktat der SPD' ist, wie sie von der KPD/ML-Rote

Fahne vertreten wird. Jedem klassenbewußten Kollegen ist klar, daß das

Monopolkapital der Hauptfeind der Arbeiterklasse ist und die SPD in der

gegenwärtigen Phase die Hauptstütze des Klassenfeindes. Wer in seiner

Agitation und Propaganda den Hauptfeind der Arbeiterklasse, das Kapital,

unerwähnt läßt, wer sich bereits am Anfang der faschistischen Diktatur wähnt,

wer darauf verzichtet, in den Gewerkschaften konsequent den Kampf um die

Mehrheit der Mitgliedermassen zu führen, wie die KPD/ML-Gruppierungen, der

führt sich selbst in die Isolierung und Bedeutungslosigkeit.



WARUM NIMMT DIE KPD BEI OPEL DIE ARBEIT AUF?



Nach dem Prinzip 'Untersuchen und Organisieren' baut die KPD in den

wichtigsten Betrieben und proletarischen Stadtteilen in der ganzen BRD und

Westberlin ihre Grundorganisationen, die Zellen auf. ENTSPRECHEND DEN

BOLSCHEWISTISCHEN ORGANISATIONSPRINZIPIEN IST DIE BETRIEBSZELLE DAS FUNDAMENT

DER PARTEI.



So werden die Zellen der Partei vorrangig und planmäßig in den Großbetrieben

aufgebaut. Nachdem sich durch die Rationalisierungs-, Stillegungs- und

Verlagerungsmaßnahmen im Rahmen der 'Flurbereinigung' in der Stahlindustrie

und im Bergbau (IGBE-Bereich,d.Vf.) strukturelle Veränderungen abzeichnen,

gewinnt die Automobilindustrie als Wachstumsindustrie auch im Ruhrgebiet immer

mehr Bedeutung.



Entscheidend für den Entschluß, eine Betriebszelle bei Opel aufzubauen, war

schließlich das Kampfbewußtsein der Kollegen. Wie in der Automobilindustrie

aller kapitalistischen Länder ist auch bei Opel die Arbeitshetze und der Grad

der Ausbeutung besonders hoch. Die vergangenen Jahre haben bewiesen, daß, wie

alle Automobilarbeiter, auch die Opel-Kollegen in vorderster Front stehen im

Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung.



Die Aufgabe der Betriebszelle der KPD ist es, auf der Grundlage des

betrieblichen Kampfprogramms und des Aktionsprogramms der Partei gegen alle

Spaltungsversuche die einheitliche Kampffront aller klassenbewußten Kollegen,

aller fortschrittlichen Arbeiter und Angestellten auch bei Opel herzustellen.



DIE AUFGABEN DER ROTEN FAHNE, DES ZENTRALORGANS DER KPD, UND DER

KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSEN, DER ZEITUNGEN DER BETRIEBSZELLEN



Die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der KPD, dient der Agitation und Propaganda

der Ziele der Kommunisten unter den Massen der Werktätigen.



Sie legt in grundsätzlichen Artikeln die strategisch wichtigen Einschätzungen

der KPD dar und erläutert die praktischen Schritte des Kampfes. Sie

veröffentlicht Berichte und Enthüllungen über die Lage der arbeitenden Klasse,

entlarvt exemplarisch einzelne Arbeiterverräter und Werkzeuge der Bourgeoisie,

sie beschreibt mit den Mitteln der sozialistischen Reportage den täglichen

Kampf der arbeitenden Massen gegen das Kapital und seine staatlichen

Agenturen. Schließlich analysiert sie die Klassenkämpfe des internationalen

Proletariats und die bewaffneten Kämpfe der nationalen Befreiungsfronten und

kämpft für deren aktive Unterstützung.



Die ROTE FAHNE propagiert den Kampf der KPD für die Einheit der

Arbeiterklasse. Sie setzt sich für die Verwirklichung der Kampfprogramme auf

Betriebsebene und in den Arbeitervierteln ein. Sie fordert die Sicherung und

Erweiterung der demokratischen Rechte der Werktätigen.



Oberstes Ziel und Richtschnur für die Arbeit der ROTEN FAHNE ist die

Propaganda für die sozialistische Revolution in Westdeutschland und

Westberlin, ist die Errichtung der Volksdemokratien mit der Diktatur des

Proletariats als Kern.



Die KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSEN sind die Zeitungen der Betriebszellen der

KPD. Ihre Hauptaufgabe ist es, die parteilosen Massen in den Betrieben zu

agitieren, ihnen das langfristige Ziel der Kommunisten, den Sturz der Diktatur

der Bourgeoisie zu erklären und sie in den Abwehrkämpfen gegen das Kapital

darauf vorzubereiten.



Der einheitliche Name der Betriebszeitungen der KPD, 'KOMMUNISTISCHE

ARBEITERPRESSE', betont die einheitliche Linie der Partei auf allen Ebenen.

Wenn die parteilosen Kollegen eines Betriebs von 'ihrer Kommunistischen

Arbeiterpresse' sprechen, so ist das nicht nur deshalb richtig, weil darin

ihre Interessen vertreten werden, sondern beschreibt die Tatsache, daß ein

wesentlicher Bestandteil der Kommunistischen Arbeiterpresse 'Korrespondenzen'

sind, in denen Kollegen, die mit der Zelle sympathisieren, über Vorfälle aus

ihrem engeren Arbeitsbereich berichten. Oft sind das Fälle aus Teilen des

Betriebs, in denen die Zelle nicht direkt arbeitet, SODASS DIESE

KOMMUNISTISCHE ARBEITERPRESSE MIT SOLCHEN KORRESPONDENZEN DEN EINFLUSS DER

PARTEI ENTSCHEIDEND ERWEITERT."



In einer Arbeiterkorrespondenz wird zur MTR bzw. STR (vgl. 30.8.1971,

26.11.1971) zum Kampf gerufen.

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt)



Bochum_KPD001

Bochum_KPD002

Bochum_KPD003

Bochum_KPD004





07.12.1971: 

Bei Opel Bochum berichtet die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der

KPD/ML-ZK (vgl. 8.12.1971):"

Gestern Abend trafen die Mitglieder der Schlichtungskommission mit Brandt und

Schiller in Bonn zusammen und setzten dort anschließend ihr

'Schlichtungsgespräch' fort. Das war nicht nur ein Unternehmen zur

Aufpolierung der SPD-Regierung als 'Regierung des ganzen Volkes' und des

'Gemeinwohls', sondern bedeutete vor allem das offene Zusammenspiel von

Gewerkschaftsführern, Kapitalisten und Staatsapparat! Was in der

'Konzertierten Aktion' begonnen wurde, findet hier seinen vorläufigen

Höhepunkt. Die scheinbar unvereinbaren Widersprüche gleichen drei Zahnrädern,

die sich in entgegengesetzter Richtung drehen. In Wirklichkeit aber greift

eins ins andere und alle drei erzeugen zusammen eine einheitliche Bewegung:



DER MECHANISMUS DES DREIBUNDES VON STAAT, GEWERKSCHAFTSBÜROKRATIE UND

KAPITALISTEN GEGEN DIE ARBEITERKLASSE!"

=Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971,S.3



08.12.1971: 

Bei Opel Bochum gibt die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK ein

auf Dezember datiertes Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl. 22.11.1971, 13.4.1972)

mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stefan Bock, Bochum, heraus.



Im Leitartikel wird berichtet von der Vertrauensleuteversammlung der IGM

(vgl. 4.12.1971) und von der MTR in Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW - vgl.

7.12.1971).



Aufgerufen wird zur eigenen Veranstaltung (vgl. 10.12.1971) und in einem

zweiten Artikel wird eingegangen auf:"

UNSERE PROBLEME UND DIE PROBLEME DER KPD/ML



ODER: WIE KOMMEN DIE ARBEITER NACH OBEN?



Ist es nicht so, Kollegen: einerseits haben wir unsere Probleme. Das sind

nicht nur die Probleme im betrieb (jetzt z.B. die Lohnrunde, die

Aussperrung). Das sind auch nicht nur die Probleme der Lebenshaltung (jetzt

z.B. die Inflation, die Mieten). Das sind auch die Probleme in der Familie,

wo die Situation für viele von uns nicht einfacher, sondern immer schwieriger

wird. Das sind auch die Probleme auf kulturellem Gebiet, die sich ebenso aus

unserer Klassenlage als Lohnabhängige ergeben:



wer von uns möchte nicht auch einen Durchblick haben in Fragen wie

Naturwissenschaft, moderne Technik, Weltgeschichte, Kunst usw.?



Aber in der Volksschule haben die uns nicht viel beigebracht. Vor allem

haben sie uns den Marxismus-Leninismus, d.h. unsere eigenste Wissenschaft,

die Wissenschaft der Arbeiterklasse, ihrer Entstehung und Entwicklung und

schließlich ihres notwendigen Sieges über Ausbeutung und Unterdrückung,

systematisch vorenthalten.



So gibt es unendlich viele Probleme, wir aber müssen alles selbst

zusammentüfteln und haben keine Zeit dazu.



Auf der anderen Seite werden wir am Betriebstor mit Flugblättern nur so

bombardiert. Augenblicklich fordern diese Flugblätter uns zum Streik auf und

sagen uns immer wieder, was wir schon wissen: daß die Lohnrunde von

Unternehmern, Gewerkschaftsbonzen und SPD-Regierung so eingefädelt ist, daß

wir nicht einmal die Preissteigerungen herausholen sollen, kurz und gut: daß

wir verarscht werden. Aber die Frage, die viele von uns sich bei den vielen

Flugblättern und Grüppchen stellen, ist doch einfach die: was tun die denn

anderes als uns verarschen?



Gehen wir einen Schritt weiter: jawohl die Arbeiter haben keinerlei Grund,

mit den bestehenden Verhältnissen zufrieden zu sein. Es gibt zwar Arbeiter,

die behaupten, sie wären zufrieden. Aber wenn man mal nachdenkt, was dann?

Und das Nachdenken, das haben sie uns auch mit ihrer beschissenen Volksschule

nicht austreiben können.



'SICHERHEIT' - das hat uns die allerheiligste Dreifaltigkeit von CDU-Vater,

SPD-Sohn und FDP-Heiliger Geist vor jeder Wahl versprochen. 'Die soziale

Marktwirtschaft sichert die Arbeitsplätze.' Die Tatsachen sind anders: wenn

ein Minister entlassen wird, gibt das erstens ein Geschrei und zweitens hat

er immer noch einige 'bescheidene' Aufsichtsratsposten, um die er sich dann

mehr kümmern und die er mehr abschöpfen kann. Wenn ein Arbeiter entlassen

wird, ist das für die Presse der allerheiligsten Dreifaltigkeit CDU, SPD und

FDP nicht einmal der Erwähnung wert. Für den Arbeiter ist dann die

unmittelbare Existenz bedroht, er hat keine Aufsichtsratsposten, um die er

sich dann besser kümmern kann.



1965 versprach Erhard eine krisenfreie Wirtschaftsentwicklung; 1966/1967

hatten wir eine Million Arbeitslose. 1968 versprach Schiller eine krisenfreie

Wirtschaftsentwicklung; jeder sieht heute wie es in der Stahlindustrie

aussieht; jetzt ist schon Kurzarbeit bei VW angekündigt (ab Januar): was das

heißt kapieren wir! Wer nur etwas nachdenkt, der weiß, daß Kapitalismus für

die Arbeiter eben nicht Sicherheit, sondern das gerade Gegenteil bedeutet.



'FRIEDEN' - auch das verspricht uns die allerheiligste Dreifaltigkeit von

CDU, SPD und FDP ununterbrochen und wird dabei von der DKP tatkräftig

unterstützt.



Willy Brandt bekam neulich (vgl. 20.10.1971,d.Vf.) den Friedensnobelpreis.

Kurz danach (vgl. 30.10.1971,d.Vf.) kündigte seine Regierung allerdings eine

Mobilmachungsübung an. Das paßt verdammt schlecht ins Bild! Kurz danach

trafen sich 'Friedensengel' Brandt und 'Friedensengel' Indira Ghandi (vgl.

10.11.1971,d.Vf.): das Ergebnis dieses Friedensgesprächs haben wir jetzt in

Pakistan (vgl. 22.11.1971,d.Vf.). Auch das paßt schlecht ins Bild! Sicher:

Brandt hat mit der Sowjetunion (SU,d.Vf.) einen 'Friedensvertrag'

geschlossen. Aber ist die Sowjetunion denn noch eine Friedensmacht wie zur

Zeit Lenins und Stalins? Heute hetzt sie gemeinsam mit Brandt Indira Gandhi

zum Krieg und bedroht die Vr China.



'IMMER BESSERE BILDUNG FÜR EUCH UND EURE KINDER' - auch das haben sie uns

versprochen. Aber gehalten? Was sie für unsere Bildung und Information tun,

das sieht man am besten an der 'Bild-Zeitung'. Und die Volksschulen

produzieren ja nun einmal 'Bild'-Leser. (Viele von uns lesen die 'Bild'-

Zeitung nur, weil sie so billig ist. So geht es uns überall: für uns das

Billige, für die oberen zehntausend das 'Gute'. Für uns vom Schwein, für die

vom Rind und Kalb; für uns 'Volksschule', für die 'Höhere Schule'; für uns

'Bild', für die 'Frankfurter Allgemeine' (FAZ,d.Vf.), deren Reklame typisch

ist: 'Dahinter steckt immer ein kluger Kopf'. Hinter 'Bild' soll wohl immer

ein Idiot stecken, oder?) Wer nachdenkt, der sieht auch hier: nichts, aber

auch gar nichts ändert sich grundlegend zum Besseren.



Jawohl, es stimmt, tausend mal, daß die kapitalistische Gesellschaft die

Arbeiterklasse ganz unten im Dreck hält und nicht hochkommen läßt. Daß diese

Gesellschaft Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, Krieg, Gewalt und

Kulturlosigkeit hervorbringt. Es stimmt, daß man was machen müßte, aber was?



Die Allerheiligste Dreifaltigkeit von CDU-Vater, SPD-Sohn und FDP-Heiliger

Geist steht geschlossen gegen die Arbeiter. Die DKP ebenfalls: sie möchte die

Gewerkschaftsbonzen in Mitbestimmungssessel hieven und ein System wie in der

DDR errichten. Aber auch dabei bleiben die Arbeiter ganz unten am Boden und

kommen nicht nach oben: nur die Parteibonzen kommen nach oben.



WIE KÖNNEN DIE ARBEITER ALS KLASSE IN DIESER GESELLSCHAFT HOCHKOMMEN, WIE

KANN DIE ARBEITERKLASSE DIE STAATSMACHT ERGREIFEN? Das ist unserer Meinung

nach die entscheidende Frage. Um diese Frage zu lösen, wurde Ende 1968 (vgl.

31.12.1968,d.Vf.) die KPD/ML gegründet. Aber wir sagen das offen: die KPD/ML

hat ebenfalls ihre Probleme. Es ist ihr immer noch nicht gelungen, eine

wirkliche politische Kraft in der Bundesrepublik zu werden. Die

fortschrittlichen Arbeiter sind uns gegenüber immer noch mißtrauisch. Unsere

Feinde (z.B. die kapitalistische Zeitung 'Wirtschaftswoche' vom 22.Oktober

1971) sagen schadenfroh: 'Noch weniger Chancen haben die Sektierer der KPD/

ML, die aus jedem Tagesereignis einen Aufruf zum politischen Klassenkampf

machen und damit auf Unverständnis stoßen müssen.' - 'Noch weniger...': das

bezieht die 'Wirtschaftswoche' auf die DKP. Dazu müssen wir allerdings sagen,

daß dabei wohl der Wunsch der Vater des Gedankens war. Die 'ZÜNDKERZE' (KPD/

ML) ist jederzeit bereit, es auf einen Vergleich mit dem 'Roten Kadett' (DKP)

ankommen zu lassen!



Aber trotzdem treffen unsere Feinde unseren wunden Punkt, wenn sie auf die

Tatsache hinweisen, daß die fortschrittlichen Kollegen in der Mehrheit noch

nicht zur KPD/ML gekommen sind.



Woran liegt das?



Einerseits daran, daß wir nicht vielseitig genug gekämpft haben.

Andererseits daran, daß wir den fortschrittlichen Kollegen nicht genug

geholfen haben, ihre Erfahrungen auszuwerten. Manche Kollegen haben versucht,

gegen das System etwas zu erreichen: mit Unterschriftensammlungen, mit

Opposition in der IG Metall usw. Sie waren Einzelkämpfer. Und als

Einzelkämpfer fielen sie auf die Nase. Sie kamen auch nicht über die Stufe

einer 'Spekulationsbörse' raus, indem sie sich fragten, was wohl hinter den

Türen der Direktionsbüros vorgeht. Aber sie tappten dabei im Dunkeln. Wir

haben es versäumt, ihnen Klarheit im Dunkeln zu schaffen durch die modernste

Gesellschaftswissenschaft, d.h. den Marxismus-Leninismus und die Mao Tse-

tung-Ideen.



Heute versuchen Studenten und fortschrittliche Lehrkräfte an Schulen und

Universitäten, den Marxismus-Leninismus zu verbreiten. Die ganze

intellektuelle Jugend unseres Landes studiert diese modernste

Gesellschaftswissenschaft begierig, worüber die Reaktionäre an den Rand der

Verzweiflung geraten. Aber viel wichtiger als 'Marx an die Uni' (DKP-Losung)

zu bringen, ist es, Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung in die

Betriebe zu bringen! Denn für wen haben diese wissenschaftlichen

Revolutionäre geschrieben? Für die Arbeiter, und nochmal für die Arbeiter!



Als Einzelkämpfer verpulvert jeder seine Kraft und seine Energie. Ohne den

Marxismus-Leninismus und die Mao Tse-tung-Ideen bleibt man in der

'Spekulationsbörse'. Das sind die beiden Gründe dafür, daß die

fortschrittlichsten Kollegen sich in einer revolutionären politischen Partei

organisieren müssen: in der KPD/ML. Die KPD/ML ist die einzig richtige

Antwort auf die Allerheiligste Dreifaltigkeit von CDU, SPD und FDP sowie

ihren Wurmfortsatz DKP.



ORGANISIERT EUCH IN DER RBG DER KPD/ML!"

=Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971



09.12.1971: 

In den Opelwerken soll, laut der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der

KPD/ML-ZK (vgl. 8.12.1971), die Aussperrung beginnen.



Berichtet wird auch in:

- NRW in Bochum im IGM-Bereich bei Opel durch die KPD (vgl. 6.12.1971).

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.2;

Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971,S.1



10.12.1971: 

Bei Opel Bochum lud die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK

(vgl. 8.12.1971) zu ihrer evt. gemeinsam mit anderen Gruppen durchgeführten

Veranstaltung ein:"

Die ZÜNDKERZE lädt alle Kollegen zu einer

DISKUSSIONSVERANSTALTUNG

der KPD/ML mit REFERAT ÜBER DIE AKTUELLE LAGE!



TERMIN: Freitag, 10.12.1971, 19 Uhr

Ort: 'Haus Wilde', Alleestr. (am BV)"

=Zündkerze Extra,Bochum Dez. 1971,S.2



11.12.1971: 

Bei Opel berichtet die KPD (vgl. 6.12.1971) "von dem Bunten Abend, den die

Geschäftsleitung am kommenden Wochenende für die Belegschaftsmitglieder

durchführen will."

=Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage

beschädigt),S.2



22.12.1971: 

Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.98 (vgl. 18.12.1971, 24.12.1971) heraus

und berichtet u.a. von der eigenen Betriebsgruppe Opel Bochum.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.98,Bochum 22.12.1971



Letzte Änderungen: 25.11.2010

Weitere Auszüge aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition " (MAO)

Hand Materialien bis Ende 1970

Hand Materialien des Jahres 1972

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