Zu: „Opel Bochum - Materialien zur Analyse von Opposition“ von Jürgen Schröder


Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition " (MAO)


a. Materialien bis Ende 1970



1906: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vom Friedensnobelpreis (vgl. 1912):"

1906: USA-Präsident Theordore Roosevelt.

Zu seinen Verdiensten gehört die 'Befriedung' der durch die USA frisch

eroberten Länder Cuba, Puerto Rico und Philippinen, d.h. die friedliche

Durchdringung dieser Länder mit Dollars und US-Soldaten, sowie die Landung

von 'Marines' in Haiti, Nicaragua und der Dominikanischen Republik, wo diese

eine reine 'Marines'-Regierung bildeten."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.12



1912: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vom Friedensnobelpreis (vgl. 1906, 1919):"

Ausspruch von Roosevelts Außenminister ROOT: 'Wann immer investiertes

amerikanisches Kapital in Gefahr ist, ist eine Intervention gerechtfertigt.'

Dafür erhält



1912: US-Außenminister Root



den Friedensnobelpreis. Root: 'Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich

Mexiko, Mittelamerika und die Karibischen Inseln, die wir nicht besitzen,

unserer Fahne anschließen.'"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.12



1919: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vom Friedensnobelpreis (vgl. 1912, 1925):"

1919: USA-Präsident Woodrow Wilson



Jener Wilson, der den Völkern Europas 1918 mit seinem 14-Punkte-Programm

inklusive Völkerbund wie ein Friedensengel erscheint, hat u.a. (!) die

militärische Besetzung Haitis 1915 und der Dominikanischen Republik durch US-

Truppen zu verantworten. Aber in seinem 14-Punkte-Programm schwätzt er munter

von 'Entscheidung aller Souveränitätsfragen im Interesse der betroffenen

Bevölkerung...', die nur gegenüber der Souveränität des Dollars nicht zählt."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.12



1925: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vom Friedensnobelpreis (vgl. 1919, 1926):"

1925 der Direktor der Morgan Bank, Dawes.

(Die Morgan Bank ist HauptaktionÄr von General Motors (GM,d.Vf.)).

Mit dem genialen Dawes-Plan hatte 'Onkel USA' besonders der deutschen

Arbeiterklasse gezeigt, wie gut er es mit ihr meint. Denn durch eine 800

Millionen-Dollar-Spritze sollte die deutsche Wirtschaft angekrubelt werden,

damit Deutschland seine Reparationsschulden an England (Großbritannien,d.Vf.)

und Frankreich bezahlen konnte, die wiederum an die USA verschuldet waren.

Als Sicherheit genehmigten sich die USA die Verpfändung der Reichsbahn und

Reichsbank und einen Anteil an zukünftigen Steuern und Zöllen. Diese

Sicherheiten hatten aber die Arbeiter zu tragen, indem sie bei steigenden

Preisen und sinkenden Löhnen den Gürtel noch enger schnallen mußten. USA und

England behandelten die Deutschen 'genauso wie die unterdrückten

Kolonialvölker', sagte Ernst Thälmann 1923 (vgl. S12.**.1923,d.Vf.) im

Reichstag.



Wenn es nach Dawes gegangen wäre, hätten die Deutschen noch bis in die 90iger

Jahre Reparationen gezahlt."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.12f



1926: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vom Friedensnobelpreis (vgl. 1925, 1953):"

1926: der deutsche Außenminister, Gustav Stresemann.

Als Deutschland 1925 mit dem Locarno-Vertrag den anderen Imperialisten

versprach, wieder einer der ihren zu werden, wurde Gustav Stresemann

besonders gefeiert. Noch heute wird das Märchen verbreitet, er habe nichts

weiter gewollt, als Deutschland wieder friedlich mit der Völkerfamilie zu

vereinen. Seine Friedenspolitik hatte er schon als Regierungschef 1923 den

sächsischen (vgl. **.**.1923) und Hamburger Arbeitern (vgl. 23.10.1923,d.Vf.)

mit Hilfe der Reichswehr blutig vorexerziert. In letzter Konsequenz

erleichterte der Beitritt Deutschlands in das Konzert der imperialistischen

Mächte in Locarno die spätere Eroberungspolitik Hitlers. Die KPD lehnte daher

die Unterzeichnung dieses Vertrages ab. Wen wunderte es, daß auch der Name

eines gewissen Mussolini unter diesem Werk der Völkerverständigung zu lesen

war?"

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.13



1953: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl.

1.11.1971) berichtet vom Friedensnobelpreis (vgl. 1926, 20.10.1971):"

Nach dem 2.Weltkrieg wurde 1953 George C. Marshall mit dem Friedensnobelpreis

ausgezeichnet. Der Marshallplan setzte die Politik fort, die die US-

Imperialisten mit dem Dawes-Plan in der 'Weimarer Republik' begonnen hatten,

nur daß jetzt ganz Europa unter das Diktat des amerikanischen Finanzkapitals

geriet bis zum heutigen Tag."

=Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.13



23.10.1954: 

Laut KPD/ML-ZB (vgl. 7.8.1972) werden die Pariser Verträge unterzeichnet,

durch die die 'BRD' Mitglied der NATO wird und sich zur Aufstellung eigener

Streitkräfte verpflichtet.



Davon berichten auch der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Juni 1971) und in:

- NRW in Bochum die KPD/ML-ZK bei Opel (IGM-Bereich - vgl. 1.11.1971) und in

Dortmund die KPD/ML-ZB bei Minister Stein (IGBE-Bereich - vgl. 14.8.1972).

=Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.6,Bochum Juni 1971,S.6;

Rutsche KPD-Verbot muß weg!,Dortmund o.J. (Aug. 1972),S.3;

Rote Fahne Nr.16,Bochum 7.8.1972,S.*;

Zündkerze Nr.12,Bochum Nov. 1971,S.20



1964: 

Die Rote Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet von und bei Opel

Bochum über die IGM-Vertrauensleutewahl in D3 bzw. D4 (VLW - vgl. 1963,

16.3.1970):"

BLACK, SONAK UND KONSORTEN



Wie der Black heute, so der 'Kollege' Sonak einst: Manche Kollegen aus der D3

werden sich noch erinnern, wie das mit der V-Leute-'Wahl' 1964 lief: damals

hatte der Betriebsrat Sonak (Abt. 6 014 und 6 022) sich einfach über die

Köpfe der IG-Metaller unter den Kollegen hinweggesetzt und die V-Leute selbst

ernannt. Als es Stunk gab, behauptete er gar, laut irgendwelcher Gesetze,

hätte er das Recht dazu."

=Zündkerze Nr.1 und 2,Bochum 1970,S.5 bzw. S.5



05.04.1966: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet:"

ERINNERN WIR UNS:



BETRIEBSRATSVORSITZENDER GANTENBERG AUF DER BETRIEBSVERSAMMLUNG AM 5. APRIL

1966:



'...Leider, liebe Kolleginnen und Kollegen, war es uns nach den gesetzlichen

Bestimmungen nicht möglich, die Kurzarbeit abzuhalten, noch die

Massenentlassungen zu verhindern. Bei der Einführung der Kurzarbeit hat der

Betriebsrat lediglich die Möglichkeit, sich mit der Geschäftsleitung nach dem

Tarifvertrag über andere Maßnahmen zu unterhalten. Alle Vorschläge, die der

Betriebsrat zur Verhinderung der Kurzarbeit gemacht hat, wurden von der

Geschäftsleitung abgelehnt.

...Um aber auch einigen Kolleginnen und Kollegen, bei denen besondere soziale

Härten aufgetreten sind, den Arbeitsplatz zu erhalten, mußte sich der

Betriebsrat entschließen, Ummeldungen zu befürworten, auch wenn

Werksangehörige dadurch einige Pfennige an ihrem Stundenlohn verlieren.

...Dies soll natürlich nicht bedeuten, daß der Betriebsrat die Hände in den

Schoß legt.

...Zum Schluß, meine Herren der Geschäftsleitung, eine Bitte an Sie. Lehnen

Sie nicht alle Forderungen des Betriebsrates und damit der Belegschaft mit

der Begründung ab, 'unsere Auftragslage zwingt uns zum Sparen'...

...Ich appelliere deshalb an Ihre soziale Verantwortung, meine Herren der

Geschäftsleitung...'"

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.5



05.12.1966: 

In der morgigen 'WAZ' erscheint, laut der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG)

der KPD/ML-ZK, folgender Artikel:"

BOCHUMER OPELWERK PLANT KURZARBEIT ZWISCHEN DEN FEIERTAGEN



Zur Produktions-Drosselung erwägt die Adam Opel AG für einen Großteil der

über 16 000 (Zahl fast unleserlich,d.Vf.) Beschäftigten der Bochumer Werke

Kurzarbeit einzuführen. Wie das Bochumer Arbeitsamt mitteilt, wurden

entsprechende Verhandlungen aufgenommen. Die Kurzarbeit soll auf die Zeit

zwischen Weihnachten und Neujahr begrenzt werden. Die Presseabteilung der

Adam Opel AG in Rüsselsheim  versicherte, eine Entscheidung sei in Kürze zu

erwarten.

Der Antrag auf Kurzarbeit wird mit 'plötzlich aufgetretenen saisonbedingten

Absatzschwierigkeiten' begründet. Bis vor einem Monat wurden in Bochum noch

zusätzliche Samstagsschichten eingelegt, um die Nachfrage nach Opel-Kadett-

Wagen zu decken. Absatzsorgen haben, wie gemeldet, auch die Rüsselsheimer

Opel-Werke (in Hessen,d.Vf.)."

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.6



April 1967: 

Bei Opel Bochum wird Friedhelm Sonak, laut KPD/ML-ZK, Vorsitzender des IGM-

Vertrauensleutekörpers (VLK).

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.5



Januar 1968: 

Laut Erwin Bawulski werden auf Treffen in den Tagungsstätten der SPD und

CDU-Betriebsgruppen der Adam Opel AG Bochum in Sprockhövel und Dülmen die

Weichen für die kommende Betriebsratswahl (BRW) (vgl. Mai 1968) gestellt.

Danach werden ca. 27 Personen "im Rahmen einer gemeinsamen Arbeitstagung

vorab aufgestellt".

=Erwin Bawulski:Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer

Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum,Dortmund 1974



April 1968: 

Bei Opel Bochum erklärt Rudi Wischnewski ungefähr im August oder September

1972, laut DKP, während seinem Ausschlußverfahren aus der IG Metall (IGM) zu

den Betriebsratswahlen (BRW) (vgl. Jan. 1968, Mai 1968) sinngemäß:"

Im April 1968 besuchte mich Arthur Böhm an meinem Arbeitsplatz im Bau D5

(Endmontage). Arthur Böhm kam aber nicht um mich von meinem Vorhaben - eine

eigene Liste bei den Betriebsratswahlen 1968 herauszugeben - abzuhalten,

sondern um mich zu diesem Schritt zu ermuntern. Er gab mir zu verstehen, daß

nicht nur er (Arthur Böhm) sondern auch noch Peter Labensberg (zu der Zeit

Mitglied des Wahlvorstands) und einige andere Kollegen am Zustandekommen

einer Liste interessiert wären. Er gab mir dann eine Liste mit den Kandidaten

der IGM und erklärte, die letzten drei Kandidaten könnte ich schon mal

streichen und die Namen der Kandidaten auf meiner Liste eintragen. Ferner

sagte er mir, sie, die am Zustandekommen einer Liste Interessierten, würden

dafür sorgen, daß in allen Werksteilen genug Reklame für unsere Liste (Rudi

Wischnewski) gemacht würde.

Bekanntlich wurde R.W. 1968 auf diese Art und Weise in den Betriebsrat

gewählt."



An anderer Stelle berichtet die DKP:"

Damals sagte 'Ben Wisch' auf die Frage: 'Warum stellst Du Dich keiner

Persönlichkeitswahl?' 'Mich kennt doch sowieso keiner, darum hätte ich auch

dabei keine Chancen!' Und weiter: 'Ich komme doch während der 8 Stunden nicht

aus dem Loch heraus.' Mit 'Loch' meinte er die Montagegrube in der er tätig

war. Nun, Ben Wisch ist aus dem 'Loch' herausgekommen und in die

Küchenkommission des Betriebsrates hinein."

=Roter Kadett Nr.4 und Extrablatt,Bochum Apr. 1970 bzw. Sept. 1972,S.6 bzw.

S.1f;

Rote Fahne Nr.6,Bochum 20.3.1972,S.5



Mai 1968: 

Während der Aktionen gegen die Notstandsgesetze bildet sich, laut MLPD (2)

in Bochum ab Mai das Komitee Sozialistischer Arbeiter und Studenten. Die

Gruppe konzentriert sich in der Folge auf die Betriebe im IGM-Bereich, Krupp

Bochumer Verein, Opel Bochum und Henrichshütte Hattingen. Die stärkste Gruppe

(Bochumer Verein) nennt sich Betriebsgruppe 1 (B1). Sie gibt die 'Bochumer

Arbeiter Zeitung' heraus.

=MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.125



Mai 1968: 

Vermutlich im Mai finden bei Opel Bochum die Betriebsratswahlen (BRW)

statt. Laut KPD/ML-ZB "hatten schon 1968 bei den Opelwerken in Bochum

fortschrittliche Kollegen eine Oppositionsliste aufgestellt, die auf Anhieb

45% der Stimmen erhalten hatte" (vgl. Apr. 1968).



Laut Erwin Bawulski ziehen Rudi Wischnewski, Piotrowski und Markgraf in den

Betriebsrat ein.



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet (vgl. 15.4.1970):"

Auch bei Opel wurde vor zwei Jahren der Versuch unternommen, eine Gegenliste

aufzustellen. Wir erinnern uns vielleicht noch, wie der bestehende

Betriebsrat daraufhin die Kandidaten der Gegenliste so lange 'bearbeitete',

bis von den ursprünglich acht Kandidaten nur noch drei ihre Kandidatur

aufrechterhielten.



Aus dem Wahlergebnis kann man ablesen, daß` die Belegschaft mit dem alten

Betriebsrat sehr unzufrieden war. Damals erhielt die Liste der IG Metall 6

725 Stimmen gleich 19 Sitze, die Arbeitervorschlagsliste: 3 145 Stimmen

gleich 3 Sitze."



Auf der Arbeitervorschlagsliste kandidiert Rudi Wischnewski, der in den

Betriebsrat einzieht.

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.4;

Roter Kadett Nr.4 und Extrablatt,Bochum Apr. 1970 bzw. Sept. 1972,S.6 bzw.

S.1f;

Rote Fahne Nr.6,Bochum 20.3.1972,S.5;

Erwin Bawulski:Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer

Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum,Dortmund 1974



Oktober 1968: 

Laut Erwin Bawulski tritt das spätere Mitglied der GOG Opel Bochum, Ludgerus

Blandenier, in die Gelsenkirchener DKP ein.

Später verläßt er die DKP und wird wohl 1969/1970 Mitglied der KPD/ML bzw.

KPD/ML-ZK.

=Erwin Bawulski:Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer

Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum,Dortmund 1974



März 1969: 

Für die DKP berichtet Erika Herzog von Opel (vgl. Sept. 1969), im Rahmen

eines Artikels über das Werk Bochum:"

GLEICHES FLIESSBAND UND WENIGER GELD



Im März dieses Jahres stellte der Gesamt-Betriebsrat der Adam Opel AG fest:

'Es scheint uns trotz verschiedener Tarifgebiete unerträglich zu sein, daß

zum Beispiel für die Arbeit am Fließband in Bochum weniger Geld gezahlt wird

als für dieselbe Operation am Fließband in Rüsselsheim.' Doch die Firma

beabsichtige nicht, 'hier eine Änderung vorzunehmen'.



Das ist die Sozialpartnerschaft, wie sie Großunternehmer praktizieren."

=Unsere Zeit Nr.38,Essen 18.12.1969,S.3



08.05.1969: 

Die DKP gibt die Nr.6 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ)

heraus (vgl. 1.5.1969, 15.5.1969).

Berichtet wird u.a. über Opel Bochum.

=Unsere Zeit NRW Nr.6,Essen 8.5.1969



22.05.1969: 

Die DKP gibt die Nr.8 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ)

heraus (vgl. 15.5.1969, 29.5.1969).

Berichtet wird u.a. über Opel Bochum.

=Unsere Zeit NRW Nr.8,Essen 22.5.1969



Juni 1969: 

Laut der 'Bochumer Studenten Zeitung' bildet sich an der Ruhr-Universität

Bochum ca. im Juni 1969 eine Betriebsprojektgruppe I (B1 - vgl. Mai 1968), die

ständige

Treffen veranstaltet und, laut MLPD (2), versucht mit der DKP Bezirksleitung

Ruhr-Westfalen zusammenzuarbeiten, was u.a. Konzernanalysen und

Konzernberatungen umfassen solle.



Laut MLPD (2) soll das Bochumer Komitee Sozialistischer Arbeiter und

Studenten folgende Betriebsgruppen im IGM-Bereich haben: Bochumer Verein

(Krupp Bochum); Opel Bochum und Henrichshütte Hattingen. Die personell

stärkste Gruppe arbeitet am Bochumer Verein und wird selbst als

Betriebsgruppe 1 (B1) bezeichnet. Noch im Juni zerfallen die Betriebsgruppen

Opel und Henrichshütte, die Gruppe Bochumer Verein (B1) aber bleibt bestehen.



Es entsteht auch die sog. Ruhrkampagne des Berliner SDS unter maßgeblicher

Beteiligung von Bernd Rabehl.

Ziel der Kampagne ist es, versprengte linke Gruppen im Ruhrgebiet zu

organisieren.

Vereinbarungen werden u.a. auch mit der Bochumer Betriebsgruppe 1 (B1)

getroffen.

Mitglieder der Ruhrkampagne unterstützen später die Bildung der KPD/ML-ZB

(Zentralbüro) und sind in verantwortlichen Funktionen in der Zentrale tätig.

=Revolutionärer Weg Nr.1,Solingen 1971,S.8;

Bochumer Studenten Zeitung Nr.45,Bochum 1969,S.1;

MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.128 und 130



Juni 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Juni ihren 'Roten Kadett' Nr.1

(vgl. Juli 1969) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.2,Bochum Juli 1969



Juli 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.2 (vgl. Juni 1969,

Aug. 1969) heraus.

=Roter Kadett Nr.2,Bochum Juli 1969



03.07.1969: 

Die DKP gibt die Nr.14 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ)

heraus (vgl. 26.6.1969, 10.7.1969). Berichtet wird u.a. von Opel Bochum.

=Unsere Zeit NRW Nr.14,Essen 3.7.1969



24.07.1969: 

Die DKP gibt die Nr.17 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ)

heraus (vgl. 17.7.1969, 31.7.1969).

Berichtet wird u.a. über den eigenen 'Roten Kadett' bei

Opel Bochum.

=Unsere Zeit NRW Nr.17,Essen 24.7.1969



August 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.3 (vgl. Juli 1969,

Sept. 1969) heraus.

=Roter Kadett Nr.3,Bochum Aug. 1969



September 1969: 

Für die DKP berichtet Erika Herzog von Opel, im Rahmen eines Artikels über

das Werk Bochum (vgl. März 1969, Sept. 1969):"

Auf der ersten Betriebsräte-Vollkonferenz der Adam Opel AG, die im September

stattfand, stellten die Betriebsräte zur unterschiedlichen Entlohnung in den

einzelnen Werken fest, daß Unruhe unter der Belegschaft zu verzeichnen ist.

Wobei in Bochum unter Lohnangleichung auch die Beseitigung von Unterschieden

im Lohngefüge innerhalb des Betriebes verstanden wird.



Zum Beispiel erhalten 20 Kranfahrer im Preßwerk D 3 fünf verschiedene Löhne.

Punktschweißern wird ab Oktober 1969 neuen Pfennig Zulage gewährt. Ebenfalls

in der Abteilung D 4 beschäftigte A- und CO2-Schweißer bekommen keinen

Pfennig Lohnzuschlag."



Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB berichtet anläßlich einer

weiteren Gesamtbetriebsratssitzung ein Jahr später (vgl. 24.9.1970):"

Nach der ersten Betriebsrätevollkonferenz im September 1969 legte der

Betriebsrat dem Generaldirektor Mason eine Liste von Forderungen vor:



- Lohnangleichung. - Mit ein paar Pfennigen hat sich der Betriebsrat

abfertigen lassen, für manche Kollegen gab es sage und schreibe einen Pfennig

mehr - und das bei 419 Millionen Reingewinn! Und ohne den Streik der Kollegen

im Preßwerk (vgl. Bochum - 22.5.1970,d.Vf.) wäre es nicht mal zu

Verhandlungen gekommen!



- Zusatzprämie für Sonderschichten. - Was wurde erreicht: 6 DM, nicht mal

eine Mark pro Stunde. Die deutschen Automobilkonzerne mußten im Schnitt 10 DM

zahlen, vereinzelt gibt es Prämien von 30 DM!



- Parkplatzversicherung. - Bessere Bewachung wurde zugesichert - auf Kosten

der Kollegen!



- Weihnachtsgratifikation (voller 13.Monatslohn)."

=Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz,Bochum o.J.

(24.9.1970),S.2;

Unsere Zeit Nr.38,Essen 18.12.1969,S.3



September 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im September ihren 'Roten Kadett'

Nr.4 (vgl. Aug. 1969, Okt. 1969) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.3 und 5/6,Bochum Aug. 1969 bzw. Okt./Nov. 1969



September 1969: 

Für die DKP berichtet Erika Herzog von Opel Bochum (vgl. März 1969,

8.12.1969) bzw. dem Gesamtkonzern (vgl. Sept. 1969):"

Betriebsratsvorsitzender Perschke auf der Betriebsversammlung im September

1969: '...wer mehr mit der Materie vertraut ist, weiß, wie schwer es ist, bei

der Firma Adam Opel AG auch nur das geringste positive Ergebnis auf

finanzieller Basis durchzusetzen.'"

=Unsere Zeit Nr.38,Essen 18.12.1969,S.3



25.09.1969: 

Die DKP bringt die Nr.26 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 18.9.1969,

2.10.1969).

Auf Seite 8 erscheint ein Leserbrief von Ludgerus Blandenier, wohnhaft in

Gelsenkirchen, arbeitend bei Opel Bochum (IGM-Bereich in NRW):"

ZÜNDSTOFF



Zu: 'Streikfunke springt über', UZ Nr.24 / 11. September 1969



Die Konjunktur schießt ins Kraut. Der Weizen der Unternehmer blüht. Die

Auftragsbücher sind gefüllt. Die Gewinne steigen. Den Aktionären winken fette

Dividenden. Löhne und Sozialleistungen hinken nach.



Auch in der Autoindustrie haben Löhne und gehälter mit der Entwicklung der

Gewinne nicht mehr Schritt gehalten.



Bei Opel kommt hinzu: Die Ungleichheit im Lohngefüge innerhalb einzelner

Abteilungen und zwischen den beiden Hauptwerken in Rüsselsheim (in

Hessen,d.Vf.) und Bochum. In einer solchen Situation muß sich zwangsläufig

Zündstoff sammeln. Betriebsräte und Arbeitnehmer haben mehrfach darauf

hingewiesen.



Bei Opel in Bochum z.B. wird seit Monaten verbissen um eine Lohnregelung bei

der Bezahlung der Sonderschichten gerungen. Der Arbeitgeber läßt sich dabei

viel Zeit. Wobei wir nicht nur generell mehr Lohn, sondern vielmehr einen

gerechten Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung, an den steigenden Gewinnen

fordern."

=Unsere Zeit Nr.26,Essen 25.9.1969



Oktober 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Oktober ihren 'Roten Kadett'

Nr.5/6 (vgl. Sept. 1969, Dez. 1969) für Okt./Nov. heraus.

=Roter Kadett Nr.5/6,Bochum Okt./Nov. 1969



Oktober 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML, nach eigenen Angaben der KPD/ML-ZK,

erstmals ihre 'Zündkerze' heraus bzw. betrachtet zumindest die 'Bochumer

Arbeiter Zeitung' (BAZ) (vgl. Okt. 1969), die für verschiedene Betriebe

erscheint, als direkte Vorläuferin ihrer 'Zündkerze'.

=Roter Morgen Nr.9,Hamburg Okt. 1970



Oktober 1969: 

In Bochum erscheint vermutlich im Oktober erstmals die 'Bochumer

Arbeiterzeitung' (BAZ - vgl. Nov. 1969) durch das Komitee Sozialistischer

Arbeiter und Studenten (besser bekannt als B 1), die uns leider noch nicht

vorlag. Die Zeitung wird vermutlich u.a. vor Opel verteilt.



Auch laut MPLD (2) erscheint die BAZ. In einem Leitartikel heiße es:"

Wir müssen die Gewerkschaften zwingen, die Politik des Arbeiters zu machen".

Die MLPD meint:"

Die Gewerkschaften werden als Instrument zum Sturz der kapitalistischen

Staatsmacht angesehen."

=Bochumer Arbeiterzeitung Nr.2/3,Bochum Nov./Dez. 1969;

MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.129



30.10.1969: 

Vom Komitee Sozialistischer Arbeiter und Studenten - Bochum wird vor

Betrieben im Raume Bochum, wahrscheinlich im IGM-Bereich u.a. Opel Bochum

das Flugblatt "Statt Mitbestimmung - Kampf um Arbeiterkontrolle der

Produktion" verteilt.

=Komitee Sozialistischer Arbeiter und Studeten:Statt Mitbestimmung - Kampf um

Arbeiterkontrolle der Produktion,Bochum 30.10.1969



November 1969: 

Die Nr.2/3 der  'Bochumer Arbeiterzeitung' (BAZ) erscheint als Doppelnummer

für November/Dezember (vgl. Okt. 1969). Sie wird herausgegeben vom Komitee

Sozialistischer Arbeiter und Studenten. Wahrscheinlich wird die BAZ u.a.

vor Opel Bochum verteilt. Verantwortlich

ist Norbert Oßwald, Bochum.

=Bochumer Arbeiterzeitung Nr.2/3,Bochum Nov./Dez. 1969



26.11.1969: 

Die IGM beginnt mit ihrer zweitägigen 7. Tagung für Vertrauensleute und

Betriebsratsmitglieder, die in Braunschweig stattfindet.



Für die DKP berichtet H. C.:"

IGM-VERTRAUENSLEUTE-KONFERENZ:



IN DEN BETRIEBEN SCHWELT UNRUHE



MITGLIEDER VERLANGEN MEHR GEHÖR



Die 7. Konferenz der IG Metall für Vertrauensleute und Betriebsräte, die am

26. und 27.11. in Braunschweig stattfand, ließ erkennen, daß die Unruhe in

den Betrieben weiter wirkt. Diese Unzufriedenheit der Arbeitnehmer, die sich

an der Entlohnung und der betrieblichen Unterordnung entzündet, wurde durch

die Septemberstreiks allgemein sichtbar. Sie belebt jetzt die

gewerkschaftlichen Diskussionen.



Ein hervorstechendes Merkmal der Konferenz war die offene und kritische Art,

in der die Kollegen aus den Betrieben ihre Probleme auf den Tisch legten. So

erinnerte der Betriebsrats-Vorsitzende des Opel-Werkes in Bochum (in NRW,

d.Vf.), Perschke, an die Willkür der Unternehmer im Krisenjahr 1966/67, der

die Betriebsräte fast machtlos gegenüberstanden. Perschke betonte, daß die

berechtigte Unzufriedenheit zu den spontanen Arbeitsniederlegungen geführt

habe. Er mahnte die Regierung, sie solle bedenken, daß die Unzufriedenheit

der Kollegen auch in der Mitbestimmung zu ähnlichen Aktionen führen könne.

...

FÜR AKTIVERE BASIS



Obwohl diese Konferenz eine Arbeitstagung und kein Beschlußorgan war, dürfte

sie nicht ohne Wirkung bleiben. Das betrifft die Organisation wie den

politischen Raum. Einerseits hat sie gezeigt, daß die Mitglieder und

Funktionäre der IG Metall eine stärkere Beteiligung an den wichtigen

Entscheidungen der Organisation, vor allem in der Lohnpolitik, wünschen. Es

wurde eine Entschließung verabschiedet, die von den Opel-Vertrauensleuten

stammt und verlangt: die Möglichkeit für betriebsnahe Tarifverträge zu

schaffen, mit dem Ziel, die Effektivlöhne zu Tariflöhnen zu machen; die

gesamte Mitgliedschaft in Tarifbewegungen einzubeziehen und ohne ihre

Mitwirkung keine Tarifverträge mehr abzuschließen.

Bedeutsam war auch, daß der Versuch eines Konferenzteilnehmers, in eine

Entschließung den Kampf gegen 'Linksradikale' einzubauen, auf die

geschlossene Ablehnung stieß, und auch von Strothmann mit der Bemerkung, die

IG Metall sei auch radikal, abgewiesen wurde.



Die Konferenz hat unter Beweis gestellt, daß in den Betrieben nach den

Septemberstreiks keineswegs traute Stille herrscht. Die Kollegen sind

selbstbewußter geworden. Sie haben erkannt, mit welchen Mitteln sie

Ungerechtigkeiten wirksam entgegentreten können. Das sollte auch den

Politikern zu denken geben, die nicht mit einer grenzenlosen Geduld der

Arbeitnehmer spekulieren dürfen.



Die Vertrauensleutekonferenz stand unter dem Motto 'Mitbestimmung eine

Forderung unserer Zeit'. Obwohl es nicht zu einer konkreten Plattform für den

Kampf um mehr Mitbestimmung kam, wurde klar: Die Arbeitnehmer wollen im

Betrieb, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft und natürlich auch in ihrer

Gewerkschaft aktiv mitbestimmen. Und das dürfte für uns alle gut sein."

=Unsere Zeit Nr.36,Essen 4.12.1969,S.*;

Express International Nr.87,Frankfurt 12.12.1969,S.6



Dezember 1969: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.7 (vgl. Okt. 1969,

Jan. 1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.7,Bochum Dez. 1969



04.12.1969: 

Die DKP bringt die Nr.36 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 27.11.1969,

11.12.1969). U.a. wird berichtet von Opel Bochum.

=Unsere Zeit Nr.36,Essen 4.12.1969



08.12.1969: 

Für die DKP berichtet Erika Herzog vermutlich in dieser Woche:"

OPEL - DAS HEISSE THEMA



Wir haben, wie in unserem Opel-Report über Rüsselsheim (in Hessen - vgl.

28.8.1969,d.Vf.) im August angekündigt, jetzt auch mit Arbeiterinnen und

Arbeitern der Opel-Werke in Bochum gesprochen.



Dieser Bericht ist authentisch von der ersten bis zur letzten Zeile. Kein

Wort ist erfunden oder hinzugefügt. Aber es ist ein Bericht ohne Namen.



Was ist das für eine Welt, in der mündige Bürger, fachkundige Arbeiter,

Familienväter, Frauen und Mütter Furcht haben müssen, daß ihr Name genannt

wird?



Sie haben mit uns über die Welt gesprochen, die ihr Leben, den Ablauf ihrer

Tage, erheblich bestimmt - über die Welt, in der sie arbeiten, ihr Brot

verdienen. Sie haben berichtet, was sie bedrückt, was sie geändert sehen

möchten, wie sie sich Erleichterungen vorstellen. Kein Gedanke, der

ausgesprochen wurde, war unbillig oder unsachlich. Viele Vorschläge, die zur

Diskussion standen, verraten Klugheit und Nachdenken. Und doch wollen sie

namenlos bleiben. Sie haben Angst, ihre Arbeit, ihr Einkommen zu verlieren.



Die Demokratie hört am Fabriktor auf, und die Furcht beginnt. Der Arbeitende,

der kritisch ist, verliert seinen Namen. Der Mensch, der das Fabriktor

passiert, wird zum Untertan.



Wir respektieren den Wunsch der Opel-Kollegen und werden weder Name noch

Hausnummer nennen. Doch wir wollen helfen.



Wir berichten, damit geändert wird. Daß wir darüber berichten, soll nicht nur

dem Nachdenken, es soll der Veränderung, dem Fortschritt dienen.



Bundeskanzler Brandt (SPD,d.Vf.) hat in seiner Regierungserklärung davon

gesprochen, daß die Menschen in unserer Industriegesellschaft, 'eine soziale

und humane Rechts- und Lebensordnung' erwarten, 'die allen Bürgern gleiche

Chance und Schutz auch vor dem wirtschaftlichen Stärkeren gewährt'.



Wer fürchten muß, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, wenn in der

Öffentlichkeit seine namentliche Meinung über Betriebsklima, Entlohnung,

Arbeitsumstände und Weihnachtsgratifikationen bekannt wird, der ist dem

'wirtschaftlich Stärkeren', dem Unternehmer, ausgeliefert. Der ist nicht

frei. Der wird sich Mitbestimmung und Sicherheit, Menschenwürde in der

Arbeitswelt und das Recht auf freie Meinungsäußerung erst erkämpfen müssen.



Dabei ist die Geschäftsleitung der Adam Opel AG in einem Punkt schlichtweg

großzügig. Ob in der Werkszeitung 'Opel-Post', in Betriebsversammlungen oder

bei Feierlichkeiten - vom 'Dank an die lieben Mitarbeiter' ist immer die

Rede. Die Produktionsleistungen der Kolleginnen und Kollegen werden verbucht.

Sieben Jahre nach dem Richtfest in Bochum waren am 10. Juni 1969 zwei

Millionen Opel Kadett vom Band gerollt. Unter der 18 300köpfigen Bochumer

Opel-Belegschaft wird jedoch klar unterschieden zwischen dem ausgesprochenen

Dank und der ausbleibenden Gegenleistung von seiten der Geschäftsführung. Für

einen Händedruck und ein gutes Wort allein kann man sich auch in Bochum

nichts kaufen. So ist für die Kollegen der Name Opel zu einer Abkürzung, die

(O)hne (P)rämie (E)norme (L)eistung heißt.



Allein die offiziellen Klagelieder sind aufschlußreich. ...



Die Geschäftsleitung ist auf das Nein gegenüber den Forderungen der

Belegschaft und des Betriebsrates abonniert. Und man hat sogar den Eindruck,

daß dieses Nein in Bochum zeitweise noch härter und versteifter ausfällt als

in Rüsselsheim.

Wird in Bochum mit der Furcht kalkuliert, die dem ehemaligen Bergarbeiter,

der schon einmal Arbeitsplatz und erlernten Beruf verloren hat, im Nacken

sitzt? Meint man vielleicht, leichteres Spiel mit einer Belegschaft zu haben,

die zu einem erheblichen Teil nicht aus der Autoindustrie, sondern zu 60 bis

65 Prozent aus dem Bergbau und kleineren Handwerksbetrieben der Metallbranche

kommt?

Auf alle Fälle steht ungeschrieben über den Arbeitsplätzen, die General

Motors (GM,d.Vf.) (USA), dem größten Automobilkonzern der Welt, gehören, das

Unternehmer-Prinzip: 'Teile und herrsche'. Für den 'lieben Mitarbeiter' der

Adam Opel AG ist es ein Unterschied, ob er in Rüsselsheim oder in Bochum

beschäftigt ist. Zwar nicht bei der Arbeitsleistung. Der Facharbeiter in der

gleichen Lohngruppe hat - ob am Main oder inmitten der Zechentürme -

dieselben Leistungen zu bringen. Aber der Lohn sieht verschieden aus. Es wird

mit betrieblichen Richtsätzen und Leistungszulagen jongliert.



Am Ende fehlen den Bochumern Pfennige am Stundenverdienst. Pfennige, die sich

in einem Jahr zu 6,1 Millionen Mark summieren. 6,1 Millionen Mark - den

Arbeitern entzogen, den Gewinn des Unternehmens vermehrend.



Punktschweißer z.B., die nach Lohngruppe AD 12 entlohnt werden, erhalten in

Rüsselsheim 18 Pfennige Erschwerniszulage, in Bochum nur 9 Pfennige.

...

Die Angleichung der Bochumer Löhne an die des Rüsselsheimer Werkes ist ein

'heißes Thema' im Betrieb. Mit Recht.



Die Benachteiligung der Bochumer Kollegen, der Vorteil, den sich das

Unternehmen zuschanzt, liegen auf der Hand. Brot und Kartoffeln, Kleidung,

Mieten, Benzin und Haarschneiden sind in Bochum nicht billiger als in

Rüsselsheim. Es wird die gleiche Leistung verlangt, und die Lebenshaltung ist

gleich teuer. Doch bei der Gleichheit der Löhne hapert es. Ausbeutung?

Betrug?



Als die Bochumer Betriebszeitung der Deutschen Kommunistischen Partei, 'Roter

Kadett', begann, die Mißstände zu kritisieren, flatterte eine gerichtliche

Vorladung ins Haus. Wegen 'übler Nachrede und Verleumdung der

geschäftsführenden Direktoren'. Oder ein anderes Beispiel: Kollege Gerhard

Flohren, ehemals Kolonnenführer, war für seine kritische Meinung im ganzen

Werk bekannt. Als er zur Akademie der Arbeit ging, erhielt seine Personalakte

den Vermerk: Kann nicht wieder eingestellt werden.



Der Herr-im-Haus-Standpunkt wird bei Opel hartnäckig behauptet. Kein Wunder,

daß Betriebsratsvorsitzender Perschke auf der Betriebsräte- und

Vertrauensleute-Konferenz der IG Metall in Braunschweig (vgl. 26.11.1970,

d.Vf.) Aktionen für die Mitbestimmung, die an die September-Streiks erinnern

würden, für möglich hielt.



Muß nicht der von Bundeskanzler Brandt verlangte 'Schutz auch vor dem

wirtschaftlich Stärkeren' dann gelten, wenn sich die 'Stärkeren' die

Forderungen der Belegschaft erst aus dem Deutschen ins Englische übersetzen

lassen müssen, wenn die Entscheidungen in den USA fallen, dort, wohin die

Gewinne fließen? ...



Frauen in der Näherei/Polsterei klagen, daß sie gegenüber den männlichen

Kollgen, die in der selben Abteilung arbeiten, den selben Arbeitsgang

beherrschen und die selbe Stückzahl bringen müssen, durch niedrigere

Entlohnung benachteiligt werden. Und nicht nur das. Bei Opel herrscht ein

ausgeklügeltes Pfennig-System, mit dem faktisch die verschiedenen Lohngruppen

noch einmal in unüberschaubare Lohnabstufungen aufgesplittert werden. So

erhalten Frauen in der Polsterei, die nach vier Wochen Beschäftigungszeit

zwar die volle Stückzahl ihrer Lohngruppe erbringen, das volle, für diese

Leistung gültige Entgelt erst nach Ablauf eines Jahres. Damit aber wird

effektiv nicht die Leistung, sondern die Betriebszugehörigkeit honoriert.



Lohn wird auch den jungen Facharbeitern vorenthalten. Das Wahlalter wird von

Landtagen und vom Bundestag herabgesetzt. Aber Werksangehörigen unter 20

Jahren wird immer noch ein geringerer Lohn gezahlt.



Mancher ist verbittert. Doch darüber schreibt die 'Opel-Post', das Hausorgan

dieses Unternehmens, das feudalistische Herrschaftsmethoden pflegt, kein

Wort. Auch nichts darüber, welche Auseinandersetzungen im Betrieb über die

Leistungszulagen für Lohnempfänger geführt werden.



Leistungszulagen verteilen bei Opel die Meister. Doch werden diese Zulagen

wirklich von der Leistung abhängig gemacht? Ist nicht oft das sogenannte

'Wohlverhalten' ausschlaggebend? Die Kollegen sprechen von

'Erziehungsbeihilfen'.



Der Betriebsrat kämpfte darum, von der Geschäftsleitung eine Aufstellung über

die gewährten Leistungszulagen zu erhalten, um gegen offensichtliche

Ungerechtigkeiten, die kritisiert werden, vorgehen zu können. Aber die

Personalabteilung weigert sich strikt, dem Betriebsrat Einblick zu gewähren.

Die Leistungen seien 'freiwillig', und der Betriebsrat habe sich da nicht

einzumischen.



56 STUNDEN PRO WOCHE



Aber erarbeitet wurden doch wohl auch diese Pfennige von der Belegschaft?

Oder gibt sie Generaldirektor Mason 'freiwillig' von seinem 225 000-Dollar-

Gehalt und von seinen 427 500-Dollar-Tantiemen des Jahres 1968 ab? Im Oktober

1969 hat die deutsche Automobilindustrie das bisher höchste

Produktionsergebnis eines Monats zu verzeichnen. Auch Opel profitiert dabei.

Und die Bochumer Kollegen wollen die Anerkennung nun und gerade zu

Weihnachten nicht nur hören, sondern auch sehen. Ihre Forderung lautet: 13.

Monatslohn bzw. -gehalt. Weihnachtsgeld ist kein Almosen, sondern

vorenthaltener Lohn. Sie haben Anspruch darauf. Nicht nur auf die fünf

Prozent des Lohnes und des Gehaltes, um die in diesem Jahr die

Weihnachtsgratifikation erhöht wurde. Aber die Geschäftsleitung nimmt auch

hier ihr Abonnement auf das Nein wahr.



Ebenso gegen die Forderung, eine Antritts- bzw. Zusatzprämie für

Sonderschichten von mindestens zehn Mark pro Schicht zu zahlen. Auf der

Betriebsversammlung (vgl. Sept. 1969,d.Vf.) verlangt, von den Kollegen

unterstützt, hat sich jetzt auch die erste Betriebsräte-Vollkonferenz (vgl.

Sept. 1969,d.Vf.) dafür eingesetzt.



Kollegen bei Opel arbeiten heute zum Teil bis zu 56 Stunden in der Woche.

Sie, die in der Rezession zu Kurzarbeit und Feierschichten gezwungen waren,

werden jetzt zu Sonderschichten genötigt, die ihre Arbeitszeit weit über die

tariflichen Vereinbarungen hinaus verlängern. Wissen die da oben eigentlich,

was es heißt, Woche für Woche die Schicht zu wechseln, das Familienleben

darunter leiden zu lassen, die Erziehung der Kinder zu vernachlässigen zu

müssen, auf kulturelle Unterhaltung weitgehend zu verzichten, immer

überarbeitet, müde und nervös zu sein?



Sonderschichten verhelfen der Adam Opel AG zu zusätzlichem Verdienst. Das

Verlangen der Arbeiter nach einer Zusatzprämie ist berechtigt. Bei Mercedes-

Benz (Daimler,d.Vf.) und Ford haben die Kollegen ein solches Antrittsgeld für

jede Sonderschicht durchgesetzt.



Wir begannen diesen Opel-Report mit der Frage: Was ist das für eine Welt, in

der mündige Bürger fürchten, ihren Namen zu nennen? Wir haben einen

Ausschnitt dieser Welt beschrieben.



Eine gerechtere Ordnung in der Arbeitswelt ist kein Geschenk. Sie ist zu

erkämpfen. In der ständigen Auseinandersetzung mit den Unternehmern und ihren

Vertretern um mehr Lohn, um das Recht, am Arbeitsplatz und in allen wichtigen

betrieblichen Fragen mitzubestimmen. Bei Opel ebenso wie überall, wo die

Demokratie an die Fabriktore klopft, um eingelassen zu werden."

=Unsere Zeit Nr.38,Essen 18.12.1969,S.3



Januar 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Januar ihren 'Roten Kadett' Nr.1

(vgl. Dez. 1969, Feb. 1970) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.7 und 2,Bochum Dez. 1969 bzw. Feb. 1970



22.01.1970: 

In der heutigen 'Westfälischen Rundschau' (WR) erscheint ein Artikel über

Krankheitskontrollen, zu dem später folgender Leserbrief des Detektives Kurt

Bösenberg aus Mannheim veröffentlicht wird:"**falsch datiert und unleserlich

'WER SO FEIERT IST EIN VIERFACHER SCHÄDLING'



DETEKTIV SPÜRT NEUE BEDÜRFNISSE



HINWEIS AUF 'VERFÜHRTE ARBEITER' ALS BEGRÜNDUNG DER SPITZELDIENSTE



THEMA: SCHNÜFFLER



Das Detektivbüro Kurt Bösenberg in Mannheim wurde in der ersten großen

Reportage der WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU über die Kontrollmaßnahmen einzelner

Betriebe und Unternehmen im Zusammenhang mit der seit dem 1.Januar gültigen

Lohnfortzahlung für Arbeiter im Krankheitsfalle mehrfach zitiert. Herr

Bösenberg schreibt uns dazu unter anderem:



Mit den Schlagzeilen 'Spitzeldienste am Krankenbett, Schnüffler' usw. wurde

am 22.1.1970 mein Detektivbüro angegriffen. Diese Pressekritik hätte ihre

volle Berechtigung, wenn es darum ginge, den ehrlichen erkrankten Arbeiter

davor zu schützen, daß er an seinem Krankenlager auch noch beschnüffelt oder

bespitzelt wird. Darum geht es doch gerade nicht. Es geht darum, wie man den

Arbeitgeber vor dem unehrlichen Arbeiter Schädling: Er betrügt den Wegfall

der bisherigen einfachen Kontrolldienstmöglichkeiten mißbraucht, der sich

also krank schreiben läßt, ohne wirklich krank zu sein und der vielleicht gar

noch in dieser Zeit vorgegebener Krankheit doppelt bezahlt wird. Wer so

handelt, ist vierfacher Schädling: er betrügt den Arbeitgeber um den Lohn,

den Staat um Steuern, die Volkswirtschaft mit Schwarzarbeit und die ehrlichen

Kollegen um Ruf und Ansehen.



Solchen vierfachen Schädling zu stellen und ihm gegebenenfalls das Handwerk

zu legen, ist ein berechtigter Beitrag zur Lösung einer Aufgabe, die unsere

Zeit stellt. Es ist eine Aufgabe; die in meinen beruflichen Wirkungskreis als

Detektiv fällt. Und wenn das Gesetz bei solchen unehrlichen Arbeitnehmern den

Arbeitgeber zur Kasse zwingt, muß der Arbeitgeber irgendeine Möglichkeit

haben, sich zu schützen. Man mache sich dazu klar, daß ein kleinerer Betrieb

mit etwa 80 Arbeitern ohne weiteres binnen Jahresfrist jetzt in den Konkurs

gezwungen und ... (unleserlich,d.Vf.) ruiniert werden kann, wenn zum Beispiel

eine Gruppe von 20 verführten Arbeitern dieses Betriebes dazu angestiftet

würde, ein paarmal im Jahr krank zu spielen, ohne wirklich krank zu sein.

Einen solchen Ausfall an Leistung bei Fortdauer der Lohnlasten kann ein

kleiner bis mittlerer Betrieb wiederholt kaum verkraften. Hier ginge es dann

um den Schutz der übrigen 60 ehrlichen Arbeiter und um deren Interesse an der

Erhaltung ihres Arbeitsplatzes. Es muß also im Interesse dieses Schutzes

Kontroll- und Sicherungsmöglichkeiten geben, die solchen Mißbrauch

feststellen können, der jetzt unkontrolliert möglich geworden ist.



Wenn Firmen ab 1.1.1970 Kontrolleure eingestellt haben oder wenn sonstige

private Unternehmer bereits Kontrolltätigkeiten für Krankheitsüberwachungen

angeboten haben, so beweist dies das Vorhandensein eines entsprechenden

Bedürfnisses, dem ich mich berechtigt zur Verfügung stellen darf, da dies zum

Kreis meiner Berufsaufgaben gehört."



Dieser Artikel wird nachgedruckt durch die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG)

Bochum der KPD/ML-ZK (IGM-Bereich - vgl. 10.6.1970).

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.9



Februar 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.2 (vgl. Jan. 1970,

März 1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.2,Bochum Feb. 1970



März 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.3 (vgl. Feb. 1970,

22.4.1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.3,Bochum März 1970



März 1970: 

Ca. Mitte bis Ende Juli (vgl. 20.7.1970) veröffentlicht bei Opel Bochum die

Rote Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZK folgenden Leserbrief und eine eigene

Anmerkung dazu:"

ZUR DEMOKRATIE BERUFEN?



In der jüngsten Schrift 'wir' (vgl. **.*.1970,d.Vf.) der SPD-Betriebsgruppe

Opel wird über die im Frühjahr stattgefundene Vertrauensleutewahl (VLW der

IGM,d.Vf.) berichtet - leider im negativen Sinne von der A-Schicht der Abt.

5351. Denn von geheim kann kaum gesprochen werden, noch weniger aber von

Demokratie. Wenn jene Wahlen für 10 Uhr 15 - also 15 Minuten vor der Pause

angesetzt werden, hat kein Kollege Interesse, auf Mängel hinzuweisen. Wenn

Kollege Blandenier sich zur Kandidatur stellte, dann nur deshalb, um

Demokratie zu praktizieren.



Die Benennung EINES Kandidaten wäre DIKTATUR gewesen im Blockbereich des

Kollegen Kellermann. Und wie sah es in derselben Abteilung in der B-Schicht

aus? Dort hatte der Landtagskandidat (LTW - vgl. 14.6.1970,d.Vf.) Wahlkreis

106 der SPD und Bevollmächtigte der I-Metall-Verwaltungstelle Bochum Fritz

Wirtz 10 Tage VOR der Wahl bereits das Wahlergebnis genannt.



Zur Demokratie berufen - bleibt hier die Frage - oder zur Magie (nicht

Demo-Magie!)?"



Die RBG meint:"

Die Manipulation der Wahl im Bereich des 'Kollegen' Black (...) (vgl.

16.3.1970,d.Vf.) ist offenbar kein Sonderfall. 'Kollegen' wie Wirtz bauen

ihre Karriere in SPD und IGM auf, indem sie die Arbeiter verraten, wie z.B.

1968, als Wirtz den Protest gegen die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.*968,

d.Vf.) abwiegelte.



Mit Diktatur meint der Kollege, daß uns einfach jemand vor die Nase gesetzt

wird, den wir zu 'wählen' haben. Wir müssen UNSERE V-Leute selbst aussuchen

können."

=Zündkerze Nr.3,Bochum 1970,S.15



12.03.1970: 

Die DKP bringt die Nr.11 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 5.3.1970,

19.3.1970).

U.a. wird berichtet von Opel Bochum.

=Unsere Zeit Nr.11,Essen 12.3.1970



16.03.1970: 

Die Rote Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet von und bei Opel

Bochum über die IGM-Vertrauensleutewahl (VLW - vgl. 1963, 19.3.1970):"

VERTRAUENSLEUTE-'WAHL' - BEISPIEL AUS ABT. 3381



Am Montag den 16. März gegen 8 Uhr - die A-Schicht am 'Karussell' in Halle D4

(Abt. 3381 - Karosserie, Unterbau) hatte gerade 10 Minuten Bandpause - läßt

sich doch tatsächlich mal der Betriebsrat Harry Black bei den Kollegen dort

blicken. Im feinen Anzug und weißen Rollkragenpullover mit schwarzer

Ledermappe unterm Arm sieht er aus. als wäre er einer von der Direktion.

Der Grund für die seltene Ehre, die er unseren Kollegen erweist - er wagt es,

sie als 'Kollegen' anzusprechen -, sollen sie gleich erfahren: er will

nämlich die kurze Pause dazu ausnutzen, um schnell mal zwei Vertrauensleute

bestätigen zu lassen.

Kaum einer der Kollegen hat bis dahin überhaupt was davon gewußt, daß die

beiden Vertrauensleute waren, ja manche wußten nicht einmal, daß es überhaupt

welche gab, ganz zu schweigen davon, wozu die da sind. So eifrig hatten sie

sich bisher für ihre Kollegen eingesetzt.

Ja, einer von den beiden, die da 'wiedergewählt' werden sollten, wußte selber

nicht mehr, daß er überhaupt mal gewählt worden war! Solange war das ja auch

her: 1963 die letzte Wahl! Der Herr Betriebsrat nannte kurz ihre Namen und

teilte mit, daß sie wieder kandidierten und hofft, die 'Wahl' rasch hinter

sich zu bringen. Forsch fragte er: 'Wer ist gegen die beiden?' und erwartete

keine Gegenstimme, womit sie wiedergewählt worden wären.

Da erlebte er eine peinliche Überraschung, denn über die Hälfte der Kollegen,

die das gerade standen, zeigte auf. Sie ließen sich diese Art von Wahl nicht

bieten.

Verdattert erklärte Black plötzlich die Wahl für ungültig, da nur

Gewerkschaftsmitglieder überhaupt wählen dürfen. Was stimmt.

'Ach, auf einmal!' sagte ein Kollege, 'so geht das nicht. Wir lassen usn doch

nicht einfach überfahren!' Die anderen stimmten zu. Black daraufhin: 'Benehmt

euch doch nicht wie Kinder! Ihr hätten eben rechtzeitig Gegenkandidaten

aufstellen müssen.'

Wann denn, wo doch keiner davon gewußt hat? Gegenkandidaten müssen bis 1 Tag

vor der Wahl aufgestellt sein. Ein Kollege konnte sich erinnern, daß Black

ihm am Freitagabend was von der Wahl am Montag gesagt hatte. Sonst konnte

sich keiner daran erinnern, ihn überhaupt gesehen zu haben.

Black behauptete nun: 'Wenn ihr die METALL nicht lest, seid ihr das selbst

schuld. Da stand alles genau erklärt.' Ein Werkstudent wollte genau wissen,

in welcher Nummer, da er es in der letzten (vgl. **.*.1970,d.Vf.) nicht

gelesen hatte. Black: 'Wenn du nicht einmal gescheit lesen kannst, da stand

es lang und breit drin!' Das war aber schlichtweg gelogen, denn es stand kein

Wort drin. Als einer feststellte, daß das Ganze Manipulation sei, fuhr ihm

der Betriebsrat über den Mund: 'Wenn man schon den Mund aufmacht, soll man

wenigstens wissen, wovon man spricht!'

Dann erzählte er was von demokratischer Wahl und daß es nach der selben

Wahlordnung zuginge wie bei der Bundestagswahl (BTW,d.Vf.). Jeder Kollege,

der einigermaßen klassenbewußt ist, weiß natürlich, wie 'demokratisch' die

Bundestagswahl ist und daß da sowieso nur Kapitalistenvertreter 'gewählt'

werden können, die Versprechungen machen, die sie sowieso nicht halten. Z.B.

Heraufsetzung des Lohnsteuerfreibetrages auf 480 DM, stabile Preise usw.

Außerdem erklärte dieser großartige Betriebsrat auch noch, als er darauf

angesprochen wurde, warum er nicht rechtzeitig die Wahl bekannt gemacht habe:

'Nach dem Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) ist es verboten, im Betrieb

Propaganda zu machen.'

Abgesehen davon, daß die Bekanntmachung der Wahl noch nichts mit Propaganda

zu tun hat, hat er sich damit in Widersprüche verwickelt, denn bei der

Bundestagswahl dürfen die Parteien ja Propaganda machen und jeder Wähler

erhält eine Wahlbenachrichtigung zugeschickt, also ist die Wahlordnung doch

anders. Hinzu kommt, daß man bei der Vertrauensleutewahl Kollegen wählen

kann, die man jeden tag sieht, die man daher auch auf ihre Pflichten

hinweisen kann.



Als Roy Black merkte, daß er mit seinen Belehrungen nicht weiterkam,

schnauzte er unsere Kollegen an: 'Die Kommunisten schreien immer erst, wenn

es zu spät ist!', auf welche Propaganda einer ihm die passende Antwort gab:

'DIE würden ja auch im Blaumann hier stehen!'

Gemeint sidn damit natürlich nicht die von der DKP, denn das sind ja keine

richtigen Kommunisten, sonst hätten sie nämlich nicht so eine schlechte

Betriebszeitung gemacht, wo über Opel praktisch nichts drin steht. Da gibt es

für die offensichtlich nichts zu schreiben!

Der Student sagte noch zu Roy Black: 'So wie du dich hier benimmst, das muß

in die Zeitung, damit das hier jeder erfährt!'

Das fanden wir von der RBG auch, und deshalb lest ihr es jetzt.



Roy Black kriegt es da plötzlich mit der Angst zu tun und läßt auf einmal mit

sich reden: die Wahl könne ja noch bis Donnerstag verschoben werden. Wenn sie

andere Kandidaten wollten, müßten sie ihm diese bis Mittwoch in einem

'schriftlichen Brief' mitteilen (offenbar glaubt er, die Kollegen kennen auch

mündliche Briefe!) usw.

Den Studenten will er anschließend vor den Arbeitern lächerlich machen:

'Kollege, deine unsachliche Argumentation... als Bürger dieses Staates

solltest du doch kennen!' Doch der weist ihn darauf hin, daß er es hier nicht

mit Bürgern, sondern mit Arbeitern zu tun hat, für die die bürgerlichen

Wahlordnungen einen Scheißdreck wert sind und die sie darum auch nicht

interessieren. Es ginge nicht darum, daß er als Student das eigentlich alles

wissen müsse, sondern daß der Betriebsrat, der doch die Arbeiter vertreten

soll gegen die Betriebsleitung, seinen Wissensvorsprung, den er sich nunmal

als Betriebsrat erwerben mußte (wofür er ja recht kostspielig bezahlt wird),

gegen die Kollegen ausnützt, um sie übers Ohr zu hauen. Seine eigentliche

Aufgabe wäre es dagegen, den Arbeitern genau zu sagen, wie sie von ihren

(geringen) Rechten Gebrauch machen können.

Auch die anderen empörten sich über die Überheblichkeit des Herrn Black und

einer drohte ihm: 'Das wird Folgen haben bei der nächsten Betriebsratswahl!'

(BRW - vgl. 9.5.1972,d.Vf.) Auch wir meinen, es wird Zeit, daß der mal wieder

arbeiten lernt! Allerdings ist das nicht so einfach, weil der ja einen festen

Listenplatz hat, so daß er gar nicht durchfallen KANN. Daran zeigt sich ja

mal wieder, wie wenig auch diese Wahlen wert sind, da niemand die Gewählten

zur Verantwortung ziehen kann."

=Zündkerze Nr.1,Bochum 1970,S.1ff



19.03.1970: 

Die Rote Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet von und bei Opel

Bochum über die IGM-Vertrauensleutewahl (VLW - vgl. 16.3.1970, *****) in

der Abteilung 3381 in der Halle D4 (vgl. 1.4.1970):"

Am Donnerstag kam der schneidige Herr Betriebsrat dann wieder mit

Wahlzetteln, die er nur an IG-Metall-Mitglieder ausgibt (um das im einzelnen

zu prüfen, wer in der Gewerkschaft ist, wird er sich wohl hinterher, wenn er

nicht zu faul dazu ist, mit dem Lohnbüro in Verbindung gesetzt haben, das ja

der Gewerkschaft das Kassieren der Beiträge freundlicherweise abnimmt!).

Auf den Zetteln stehen drei Nachnamen, von denen man zwei ankreuzen kann. Da

hier jder den anderen nur mit Vornamen kennt, müssen die Kollegen sich erst

mühsam durchfragen, wer eigentlich soundso heißt. Dazu bleibt natürlich nicht

viel Zeit, da die Arbeitszeit wieder anfängt und der Meister einen dauernd an

die Arbeit kriegen will. Auch diese 'Wahl' ist also nur ein schlechter Witz,"



In einem Kasten innerhalb dieses Artikels wird ein guter Witz erzählt:"

Ein Arbeiter träumte, er begegnete seinem Kapitalisten und würde von ihm

gefressen. Als er im Bauch ankam, saß da schon der Betriebsrat.

- 'Nanu', sagte der Arbeiter, 'das hätte ich nicht gedacht, daß der Alte dich

auch fressen würde. Du verstehst dich doch immer so gut mit ihm.'

- 'Er hat mich auch nicht gefressen', sagte der Betriebsrat, 'ich bin von

hinten reingekommen.'" und wieter heißt es im Hauptartikel:"

und es wird daran deutlich , daß die Vertrauensleute nur für den Betriebsrat

und die Gewerkschaftsbonzen da sind, um ihnen den Kontakt zu den Arbeitern zu

ersetzen, während die Belegschaft selbst nur Stimmvieh sein soll.

Wie bei der Bundestagswahl!"

=Zündkerze Nr.1,Bochum 1970,S.4



April 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.4 (vgl. März 1970, Mai

1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.4,Bochum Apr. 1970



01.04.1970: 

Die Rote Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet von und bei Opel

Bochum über die Halle D4 (vgl. 19.3.1970, 15.4.1970):"

Kollegen, die nächste Betriebsversammlung ist am 15. April! Aber warum findet

diese Betriebsversammlung erst so spät statt? Die Antwort darauf gaben einige

Vertrauensleute und das Betriebsratsbüro, als sich einige mißtrauische

Kollegen danach erkundigten: 'Die IGM hat mit der Werksleitung eine

betriebsinterne Abmachung getroffen, da sie zum 1. April (hoffentlich kein

Aprilscherz!) etwas angekündigt hat. Was können wir euch noch nicht sagen. Das

erfahrt ihr dann auf der Betriebsversammlung.'

Solch eine Antwort bekommt man als IGM-Mitglied! 'Etwas' wird gekündigt, was

und warum, das dürfen WIR nicht erfahren vor der BV. Aber was steckt hinter

dieser Geheimhaltungssucht?

Die Gewerkschaftsbonzen halten dies 'Etwas' absichtlich zurück! Damit die

Werksbosse weiter ruhig schlafen können, damit ja keine Stimmung aufkommen

kann. Das letzte BV-Protokoll (vgl. **.*.19**,d.Vf.) spricht ja doch Bände.

Kein Beitrag von Kollegen ist abgedruckt, noch nicht einmal die

Abteilungsnummern von Kollegen nennen sie mehr. Wozu dann aber der agnze

Zauber mit dem Tonband?? Bis jetzt haben es die IGM-Bonzen immer so gemacht:

'Geheimhalten' ist ihre Devise, damit sie dann in der BV sagen können,

'Kollegen, seht her, das haben wir in der Zwischenzeit alles für euch

gemacht.' Sie wollen uns bluffen, damit ja keiner dahinterkommt, wie sie für

ihre Posten unsere Interessen meistbietend verhökern.

Tun wir den ersten Schritt, um diesem Zauber endgültig ein Ende zu machen! Am

15. April ist UNSERE BV!"

=Zündkerze Nr.1,Bochum 1970,S.4f



13.04.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet über die Folgen

der heutigen Verteilung ihrer 'Zündkerze':"

ZUM THEMA BLACK



Nachdem wir die Zündkerze Nr.1 verteilt hatten, war Harry Black schon

frühmorgens bei den Meistern der Abteilung 3 381, um herauszufinden, von wem

der Artikel über ihn stammte. Offenbar hatte er damit keinen Erfolg.



Eine ganze Woche lang ließ sich der schöne Harry jeden Tag am Arbeitsplatz

sehen, wagte sich aber an die meisten Kollegen nicht mehr heran, weil er

merkte, wie wenig sie für ihn übrig hatten. Offenbar hatte er die Anweisung

erhalten, sich häufiger sehen zu lassen.



Jetzt läßt sich Black wieder genauso oft sehen wie vor dem Erscheinen der ZK,

nämlich gar nicht."

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.9



13.04.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK nach eigenen Angaben

erstmals ihre Betriebszeitung 'Zündkerze' heraus (vgl. 11.5.1970), für deren

20 Seiten Stefan Bock die Verantwortung übernimmt. Neben einer Reihe von

Abteilungsberichten und der Aufforderung 'Roter Morgen' (RM) und

'Revolutionärer Weg' (RW) zu lesen, sind auch Artikel auf Spanisch und

Italienisch enthalten.



Der Leitartikel lautet "Vertrauensleute-'Wahl' - Beispiel aus Abt. 3381" D4

(VLW - vgl. 1963, 19.3.1970) und ruft zur dortigen Betriebsversammlung (BV -

vgl. 1.4.1970, 15.4.1970) auf.

Aus D3 wird ebenfalls auf die VLW (vgl. 1964) und den BR Sonak eingegangen,

sowie über ihn und Black von D4 festgestellt:"

Der Stil dieser Betriebs'räte' liegt offenbar auf der gleichen Ebene."



Unter einer Karikatur - zwei Reporter der Werkszeitung 'Opel-Post'. Der mit

einem blaugeschlagenen Auge sagt über den zornig im Hintergrund stehenden,

aber wesentlich größeren Arbeiter: 'Ich hab ihn doch nur gefragt, was

MTM-System ist...' - heißt es:"

MTM-SYSTEM



Wegen dieser drei Buchstaben werden wir noch viel zu leiden haben. MTM, das

ist die Abkürzung von amerikanischen Wörtern und heißt soviel wie 'Minimal-

Zeit-Messung'. Auf Deutsch könnten wir es besser nennen 'Macht TodMüde'. Wenn

jetzt bei uns Leute herumschleichen mit Kameras, wenn sie interessierte

Fragen stellen und unseren Arbeitsvorgang genau beobachten, dann hecken die

eine weitere Beschleunigung des Arbeitstempos nach MTM aus. Dieses System

kommt aus Amerika (USA,d.Vf.). Wir sollten keineswegs glauben, daß es die

amerikanischen Arbeiter besser haben wir. Das ist ein Ammenmärchen. Dort ist

das Bandtempo noch mörderischer. Auch bei Opel sind noch 30% Beschleunigung

'drin'."



Auch:"

DIE LOHNFORTZAHLUNG IM KRANKHEITSFALL



... stellt sich immer mehr als zweischneidiges Schwert heraus. Natürlich

wollen die Kapitalisten nicht blechen. Deshlab versuchen sie, uns

einzuschüchtern, damit wir auch dann nicht krankfeiern, wenn wir kaum noch

auf den Beinen stehen können. Zu diesem Zweck hat es in anderen Firmen wie

z.B. Blaupunkt in Herne (vgl. **.**.19**,d.Vf.) schon Massenentlassungen

gegeben, natürlich ohne Angabe von Gründen oder mit vorgeschobenen

Begründungen. Außerdem lassen die Bosse kranke Kollegen zuhause bespitzeln,

indem sie sog. Krankenkontrolleure losschicken. Sollte so was auch bei Opel

vorkommen, teilt es uns mit! Übrigens habt ihr das Recht, solche Leute erst

gar nicht reinzulassen."



Im Artikel "Zündkerze in eigener Sache" wird auch auf den auf der Titelseite

rot eingedruckten kleinen (ca 7 cm ) Mao-Kopf eingegangen:"

'WAS SOLL DER MAO-KOPF?'



- werden einige Kollegen fragen. 'Kommunist' und 'Kommunist' ist nicht

dassselbe. Es gibt solche und solche. 'Ein wirklicher Kommunist ist auf

unserer Seite, der tut auch wirklich was für uns!' sagen zu recht viele

Kollegen. Aber sie wissen auch, wenn einer nur so tut als ob, wenn er nur

heuchelt.

Mao Tsetung ist ein solcher 'wirklicher Kommunist'. Die chinesischen

Arbeitern und Bauern wissen, warum sie ihn schätzen. Was er getan hat und

tut, ist keine Heuchelei: Er hat bewisen, daß er auf ihrer Seite steht. Er

hat gegen die Amis gekämpft. Aber er hat auch gegen die falschen

'Kommunisten' vom Schlage eines Breschnew (in der SU,d.Vf.) und Ulbricht (in

der DDR,d.Vf.) gekämpft.

Er fragt bei jedem: 'Dienst du wirklich dem Volke? Hast du das Vertrauen der

Arbeiter? Sonst bist du kein Kommunist.'



'MAG JA FÜR CHINA GUT SEIN - ABER BEI UNS?'



- werden einige Kollegen sagen. Aber diesen Kollegen fehlen einige

Informationen, was nicht ihre Schuld ist, da die bürgerliche Presse diese

Informationen absichtlich unterschlägt. Während der Kulturrevolution machten

nämlich nicht nur die Studenten und Schüler (Rote Garden), sondern erst recht

die Arbeiter Revolution. Sie setzten ihre verbürgerlichten Direktoren und

Funktionäre ab. Sie hoben die Trennung zwischen Blaukitteln und Weißkitteln

auf. Sie schaftten alle Regeln ab, die arbeiterfeindlich waren. Sie wählten

selbst eine Arbeiterkommission, die die Finanzen des Betriebs und ihre

Anwendung kontrolliert. Sie sind jetzt Herren im Hause. Das ist auch für uns

entscheidend wichtig: unsere chinesischen Kollegen haben bewisen, daß wir

Arbeiter unsere Betriebe selbst leiten können.



'ABER DIE 'GELBE GEFAHR'!'



- Das ist ein Märchen unserer Bosse, um uns einzuschüchtern. Amerikanische

Truppen stehen bei uns und in der ganzen Welt. Russische Truppen stehen in

der DDR und in der halben Welt. Chinesische Truppen stehen in keinem einzigen

Land der Welt. China bedroht niemanden. In Vietnam, Laos, Kambodscha kämpfen

keine Chinesen, wie 'Bild' behauptet. Dort kämpfen Vietnamesen, Laoten und

Kambodschaner. Allerdings wenden sie die Theorie Mao Tsetungs an, weil sie

die gleichen Erfolge erringen wollen wie das chinesische Volk. Auch wir

können Erfolge erringen, wenn wir diese Theorie auf unsere Verhältnisse

korrekt anwenden."



Im nächsten Artikel geht es um:"

EIN SPIEL MIT NAMEN AUSBEUTUNG



Sicherlich haben wir alle schon einmal im Fernsehen ein 'Expertengespräch

über die Arbeitswelt' gesehen. Die 'Experten' machen mit ihren Brillen und

ihrer gerunzelten Stirn einen sehr intelligenten Eindruck. Wenn sie dann

behaupten, es würde heute keine Ausbeutung der Arbeiter mehr geben, fühlen

wir zwar, daß das nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Denn wieviel

verdienen wir, wieviel Überstunden müssen wir kloppen, auf auf tausend Mark

zu kommen, und wieviel verdienen unsere Bosse? Aber gegenüber den

bürgerlichen 'Experten' fühlen wir uns hilflos und können nicht beweisen, daß

wir noch immer ausgebeutet werden.



Worin besteht die Ausbeutung?



Die Experten behaupten zum Beispiel, daß Ausbeutung nur dort herrscht, wo die

Leute verhungern. Das ist jedoch nicht richtig. Ausbeutung ist ein

wirtschaftliches System, das man mit einem Spiel vergleichen kann, bei dem

Regeln so sind, daß die Arbeiter immer verlieren und die Bosse immer

gewinnen. Wenn der Einsatz gering ist, wie z.B. in unterentwickelten Ländern,

gewinnen die Bosse z.B. hundert Mark und die Arbeiter eine Mark. Dann

verhungern die Arbeiter. Wenn der Einsatz aber viel höher ist, weil das Land

hochentwickelt ist wie bei uns, dann gewinnen die Arbeiter vielleicht hundert

Mark, aber die Kapitalisten gewinnen hunderttausend Mark - zwar verhungern

jetzt die Arbeiter nicht mehr, aber sie werden immer noch betrogen, d.h.

ausgebeutet.

Es ist eine Unverschämtheit von den 'Experten' zu behaupten, es würde alles

in Ordnung sein, wenn wir nicht mehr verhungern. Würden sich ihre Bosse und

sie selbst etwa damit zufrieden geben, nicht zu verhungern?



Alle Menschen spielen ein Spiel um ein glückliches Leben. Die Regeln sind

aber so, daß die Klasse der Arbeiter immer verliert. Dieses Spiel heißt

kapitalistische Ausbeutung. Wir müssen es wohl oder übel mitspielen, soalnge

wir seine Regeln nicht abgeschafft haben. Um sie abschaffen zu können, müssen

wir sie zuerst verstehen.

Die Leute am Fernsehen reden von 'Freizeit' - aber stimmt es denn, daß wir

frei sind, wenn wir nicht im Betrieb sind? Wir wissen alle, daß wir nur dann

wirklich frei sind, wenn wir von unserer Freizeit auch was haben - so wie

unsere Bosse.



Was haben wir zum Beispiel von unserer Frau und was hat die von uns? Die

Frauen unserer Bosse haben Zeit, dreimal in der Woche oder noch öfter in

Modesalons oder 'Haarstudios' zu gehen. Deren 'Schönheit' dürfen wir dann

abends am Fernsehen bewundern, von den Filmsternchen und Sexbomben gar nicht

zu reden, die die Bosse um sich herumschwänzeln lassen. Aber schauen wir vom

Bildschirm weg zu unserer Frau, dann sehen wir, wie auch sie unter der

kapitalistischen Ausbeutung leidet: woher nimmt sie die Zeit für den Friseur,

um sich schön zu machen? - Hinterher muß sie doppelt so viel arbeiten. Wir

wissen, wie gern sie immer nett zu uns sein möchte, aber wie soll sie das

schaffen, wenn sie tagsüber hart arbeiten muß und abends noch die Wäsche hat

usw.? Ideal wäre es, wenn unsere Frau und wir zum Beispiel jeder sechs oder

sieben Stunden gleichzeitig am Tage arbeiten könnten. Dann wären wir beide

nachher nicht allzusehr kaputt, wir würden genug verdienen, und wir hätten

was von unserer freien Zeit. Aber dazu müßten die Kapitalisten nicht

Kapitalisten sein. Sie müßten bereit sein, noch unter den Achtstundentag zu

gehen. Außerdem müßte der Staat für die Kinder gute Kindergärten schaffen,

und zwar für alle, auch für unsere Kinder. So aber wissen wir genau, daß das

unter dem Kapitalismus nur formme Wünsche sind. Deshalb muß unsere Frau

entweder voll arbeiten, dann haben wir zwar halbwegs Geld, aber nichts

voneinander.

Oder sie muß ganz zuhause bleiben. Aber das heißt runde 600 Mark weniger.

Selbst wenn sie 10 Stunden pro Woche putzen würde, so wären das auch nur

runde 200 Mark. Woher die fehlenden 400 Mark nehmen und nicht stehlen? Also

müssen wir selbst noch etwas mehr Überstunden machen und vielleicht

Sonntagsschichten.



Jetzt sehen wir, wie die Regeln dieses verdammten Spiels funktionieren: wenn

wir von unserer Freizeit etwas haben wollen, müssen wir mehr arbeiten, also

haben wir weniger Freizeit. Wenn wir von unser Frau etwas haben wollen,

müssen wir solange arbeiten, bis wir überhaupt nichts mehr von ihr haben. Es

wäre zum Lachen, wenn wir nicht selbst die Leidtragenden wären.



Das ist überall so: Z.B. haben wir anderthalb Stunden Anmarschweg mit Bus

und Bahn zum Werk. Das sind jeden Tag drei Stunden verlorene Freizeit. Mit

dem Wagen könnten wir in einer halben Stunde da sein. Also kaufen wir ein

Auto. Dann haben wir aber die Raten am Hals. Also müssen wir mehr arbeiten

und haben entsprechend weniger Freizeit.

Oder nehmen wir die Kinder: Wir wollen, daß sie es einmal besser haben als

wir. Dazu müssen sie tüchtig lernen. Also dürfen sie nicht vernachlässigt

werden. Wir arbeiten also mit unserer Frau in Wechselschicht, daß sich immer

einer um die Kinder kümmern kann. Dann haben wir aber überhaupt nichts mehr

von unserer Frau und sie hat überhaupt nichts mehr von uns.

Wirklich: dieses Spiel hat Regeln, bei denen wir immer verlieren.

Wir werden ausgebeutet, das ist sonnenklar. Aber wir möchten am liebsten gar

nicht daran denken. Solange jeder von uns allein ist und seine

Unzufriedenheit nur in sich rein hineinfrißt, können wir auch gar nichts

daran ändern. Solange können wir nur versuchen, auf Kosten unserer Kollegen

etwas mehr zu gewinnen als bisher.

Deshalb müssen wir raus aus unserer Eigenbrötelei. Wir müssen begreifen, daß

es die Spielregeln sind, von denen unsere schlechte Lage kommt. Wir müssen

herauskriegen, wer genauso denkt wie wir. Dazu soll diese Zeitung dienen. Je

mehr daran mitarbeiten, z.B. durch einen Leserbrief oder vor allem durch ganz

freie Kritik, umso besser ist es für uns alle. Am Fernsehen können nur unsere

Bosse reden. In dieser Zeitung aber darf kein Boss und auch kein Lakai von

den Bossen (z.B. Gewerkschaftsbonze) schreiben, aber wir dürfen darin

schreiben! Davor haben unsere Bosse Angst. Sie sind zufrieden, wenn wir jeden

Abend vorm Fernsehen hocken - natürlich: da sehen wir ja nur sie, ihre

Lakaien und zwischendurch ihre Sexbomben. Aber sie werden unruhig, wenn wir

unter Kollegen offen über unsere Ausbeutung reden und wenn wir uns ein

eigenes Sprachrohr schaffen zum Kampf gegen Spielregelen ihres verdammten

Spiels mit Namen Ausbeutung.

Wer die Spielregeln eines betrügerischen Spiels einmal durchschaut hat, der

will sie auch abschaffen, und zwar mit Stumpf und Stiel. Das ist sonneklar.

Wie kommt es, daß die Spielregeln so sind, daß die Klasse der Bosse immer

gewinnt und die Klasse der Arbeiter immer verliert? Weil die Klasse der Bosse

bei uns alle Macht hat. Sie hat alle Parteien in der Hand, alle Beamten, alle

Richter und alle Schulen. Sie hat die Armee und die Polizei. Sie besitzt die

Fabriken. Kurz: Sie übt eine Diktatur über uns aus, wenn sich das auch

'Demokratie' schimpft. Dagegen müssen wir uns zusammentun. Von heute auf

morgen kann man das nicht ändern. Aber wir sind schließlich nicht so schwach,

wie wir jetzt aussehen. Wir sind die Mehrheit.

Wir arbeiten in den Fabriken, wir dienen in der Armee. Wir sind stark genug,

um eines Tages die Macht im Staat und den Fabriken zu erringen. Dann können

wir die Spielregeln ändern, und zwar in unserem Sinne. Dann bekommen wir die

Kindergärten; die wir brauchen. Dann können wir den Siebenstundentag

einführen.

Erst dann werden wir wirklich Freizeit haben. Das wird ein langer Marsch.

Aber den ersten Schritt können wir gleich jetzt tun: uns vereinigen!

Mitmachen!"



In einer Notiz heißt es:"

UNFALLBELEHRUNG



Laut Vorschrift müssen die Kollegen einmal im Monat während der Arbeitszeit

vom Meister über die Unfallgefahren belehrt werden. In der Praxis sieht das

meist so aus, daß jeder Kollege einen Zettel unterschreiben muß, daß er

unfallbelehrt wurde.

Denn die Produktion darf doch wegen solcher 'Kleinigkeiten' nicht

unterbrochen werden!"



Geworben wird für:"

HERRLICHE ZEITEN IN D3!



In diesem Werk halten es viele Kollegen nicht aus. Sie kündigen. Sie haben

die Schnauze voll von der Antreiberei. Ihre Freude, daß sie Opel endlich

'good bye' sagen können, drückt sich darin aus, daß sie zum Abschied ihren

Ausstand geben. Das ist überall so, in jedem Betrieb.

Aber da gibt es auch Vorgesetzte, die dies nicht verstehen wollen, die den

Kollegen noch den letzten Arbeitstag vergällen. So z.B. der Meister Krips

(D3). Er hatte etwas dagegen, daß ein Kollege auf seiner letzten Schicht noch

einen ausgab. So schrieb er ihm einen 'Urlaubsschein' aus, auf dem stand:

'private Gründe'. Unser Kollege war aber damit nicht einverstanden. Er sagte,

daß 2 Flaschen für ca. 100 Mann wohl kaum einen besoffen machen könnten. Da

sah Meister Krips rot. Er holte den Werksschutz (3 Mann) und ließ den

Kollegen abführen. Der mußte dann 'wohl oder übel' seine Pflicht tun.

Kollegen, wir finden das eine Sauerei! Deshalb muß Abhilfe geschaffen werden!

SCHREIBT UNS (OHNE ABSENDER) ODER NEHMT ZUR ROTEN-OPEL-BETRIEBSGRUPPE KONTAKT

AUF! IHR KÖNNT UNS GLAUBEN, WIR WERDEN JEDEN SO LANGE ANPRANGERN, BIS ER

DIESE MÄTZCHEN LÄSST!"



In weiteren Berichten und Artikeln heißt es:"

EIGENE MEISTERKANTINEN



Wie bei der Bundeswehr, wo die Herren Offiziere schön für sich, von den

Mannschaften nicht 'belästigt', in einer vornehmen Offiziersmesse speisen

können, hat auch Opel eigene Offiziers- und Unteroffiziersmessen, damit sich

die Herren Aufpasser nicht zwischen den dreckigen Arbeitern herumdrängen

müssen. Während in den Arbeiterkantinen viel zu wenig Stühle vorhanden sind -

sodaß manche Meister damit beauftragt wurden zu zählen, wieviele Kollegen

essen wollen -, hat z.B. die Meisterkantine in D4 übergenug Stühle.

Unser Vorsch;ag, von den japanischen Kapitalisten längst verwirklicht: die

Meister sollten die Arbeiter strammstehen lassen und in Reih und Glied in die

Kantinen führen.



'TEILE UND HERRSCHE'



Nach dieser Methode gingen die alten römischen Senatoren gegen das eigene und

andere Völker vor. Unsere Bosse verhalten sich genauso wie alte römische

Senatoren: in unseren Kauen sind wir selten mit Kollegen von unserer

Arbeitsgruppe zusammen. Das ist kein Zufall, sondern Absicht. Dafür züchten

die sich eigene 'Wissenschaftler', die nichts anderes zu tun haben, als

solche Sachen gegen uns auszuknobeln. Wenn sich das Blatt mal wendet, werden

wir auch mit diesen 'Wissenschaftlern' eine Rechnung zu begleichen haben.

Sie verteilen uns auf verschiedene Kauen, damit wir schlechter in Kontakt

kommen und uns nicht mehr nach der Schicht noch unterhalten. Wir sollen

untereinander keine Solidarität entwickeln, denn dann könnten wir ja

rauskriegen, daß wir gar nicht so schwach sind, wie wir aussehen. Demselben

Ziel dient es auch, wenn alle mögliche Kollegen plötzlich Pöstchen erhalten,

damit sie sich als was Besseres als ihre übrigen Kollegen vorkommen sollen.

Seht euch doch mal eure Meister an, wer von denen was kann und wer nicht! Bei

der Krise 1966 hat Opel ja auch viele Meister einfach entlassen oder wieder

in den Blaumann gesteckt. So kann das jedem passieren, dem Opel mal einen

Posten gegeben hat. Ohne die Solidarität ihrer Kollegen sind auch sie

aufgeschmissen.



'ERST DIE WARE - DANN DAS GELD!'



Diesen Spruch bekommen viele Kollegen zu hören, wenn sie sich einen Vorschuß

holen wollen. Vor allem die, die noch neu im Betrieb sind. Aber was heißt

das?



Es ist die Weisheit der Kapitalisten, daß wir erst arbeiten müssen, bevor wir

einen Pfennig Geld sehen. Denn unsere Arbeitskraft ist die Ware, die wir den

Kapitalisten erst geben müssen, das Geld aber ist nur dazu da, damit der

Kapitalist unsere Arbeitskraft noch länger ausbeuten kann. Er wird uns

niemals soviel geben, daß wir für ihn nicht mehr zu arbeiten brauchen.

Wenn wir VOR dem 10. des folgenden Monats, nachdem wir schon einen Monat

gearbeitet haben, Geld haben wollen, so gilt das als VORschuß, obgleich Opel

das Geld, das längst uns gehört, noch nicht rausrückt und für sich 'arbeiten'

läßt. Im runde genommen ist also auch das schon wieder Betrug, gerade jetzt

noch mehr, wo die Preise monatlich in die Höhe klettern.

Wenn wir einen sogenannten 'Vor'-schuß haben wollen, dürfen wir erst von

Pontius nach Pilatus laufen, um uns dann sagen lassen zu müssen, daß das Geld

in den nächsten Tagen überwiesen wird! Dafür werden dann dicke Büros gebaut,

wo sich die Bürokraten herumräkeln und uns von oben herab behandeln.



Manche Kollegen sagen: Ist zwar Scheiße, aber ist ja nicht unser Geld. Das

stimmt nicht. Es ist ihr Geld, mit dem da so rumgeaast wird.



'ARBEITGEBER UND ARBEITNEHMER'



Angeblich sind wir 'Arbeitnehmer' und unsere Bosse 'Arbeitgeber'. Friedrich

Engels weigerte sich jedoch, diese Bezeichnungen anzuerkennen. Er schrieb:

'Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das 'Kapital' den landläufigen

Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen (Wirtschaftler) sich

auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin sich z.B. derjenige, der sich

für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben LÄSST, der ArbeitGEBER heißt,

und ArbeitNEHMER derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen WIRD.'



Wenn man's recht bedenkt, hat Engels völlig recht: schließlich sind wir es,

die dem Kapitalisten unsere Arbeit GEBEN, wir müßten also eigentlich

'Arbeitgeber' heißen. Und schließlich sind die Bosse es, die uns die Arbeit

ABNEHMEN, sie müßten also eigentlich 'Arbeitnehmer' heißen. Aber die Sprache

der Bosse ist so falsch wie ihr freundliches Grinsen. Und die SPD und ihre

Gewerkschaftsbonzen spielen das Spiel natürlich mit."



Aus Anlaß des 1. Mai wird der Text des Liedes "Brüder zur Sonne, zur

Freiheit" abgedruckt und neben dem Zeichen Zahnrad und aufgeschlagenes Buch

unter roter Fahne, welche suns zuerst von Roten Garde (RG) MLJO Berlin im

Apr. 1969 bekannt wurde, folgendes formuliert:"

DER 1. MAI BLEIBT ROT!



Es gab eine Zeit, da zitterten die Bosse auf der ganzen Welt und ihre Lakaien

vor dem 1. Mai. Sie verboten den Arbeitern sogar, am ersten Mai auf die

Straße zu gehen. Aber Jahr für Jahr wurden die Arbeiterdemonstrationen am 1.

Mai mächtiger. Diese Demonstrationen, bei denen die Arbeiter zeigten, daß sie

die große Mehrheit darstellen, fanden unter roten Fahnen statt. Heute hat man

uns die rote Fahne miesgemacht. Die Nazis haben den 1. Mai 'umfunktioniert'

von einem Kampftag in ein Brimborium der sogenannten 'Harmonie' zwischen uns

und unseren Bossen. Nach dem Krieg haben die Gewerkschaftsbosse sich an das

Kapital verkauft. Sie haben die roten Fahnen des Kampfes nicht wieder

herausgeholt. Sie haben einen Hokuspokus mit langweiligen Reden,

Birkenzweigen an ihrem Mercedes und etwas Freibier aufgezogen. Nichts gegen

Tanz in den Mai. Aber dazu ist abends genug Zeit. Deshalb muß man nicht auf

die Kampfdemonstration unserer Stärke verzichten. Es ist einfach notwendig,

daß wir wenigstens einmal im Jahr unseren Bossen zeigen, wie stark wir sind

und daß wir uns nicht in Harmonie mit ihnen fühlen. Man könnte sagen, auch

Ulbricht würde mit roten Fahnen demonstrieren. Daß Ulbricht, der den

Kommunismus verraten hat und sich unseren Bossen zwecks 'wirtschaftlicher

Zusammenarbeit' an den Hals schmeißt, der die Arbeiter drüben (in der DDR,

d.Vf.) bürokratisch unterdrückt, der mit in die Tschechoslowakei (CSSR,d.Vf.)

einmarschiert ist und der sogar darauf brennt, morgen mit gegen die

Volksrepublik China, die Hochburg des wahren Sozialismus zu marschieren - daß

dieser Ulbricht noch die rote Fahne mißbraucht, ist ein Skandal. Aber das

kann für uns nicht heißen, daß wir jetzt auch gegen die rote Fahne sein

müßten. Die rote Fahne ist unser und nicht Ulbrichts Symbol. Wir lassen sie

uns nicht miesmachen und abschwätzen.



ZEIGEN WIR AM KAMPFTAG DER ARBEITERKLASSE, DASS WIR BEREIT SIND, ZU KÄMPFEN!

ZEIGEN WIR IHNEN, DASS DER 1. MAI UNS GEHÖRT!

ACHTET AUF UNSERE LOSUNGEN!"



Neben dem Brechtgedicht "Die andere Seite" und dem Aufruf, sich in der RBG

Opel zu organisieren, wird auch berichtet vom:"

WERKSARZT...



'Unser' Werksarzt meinte vor kurzem, bei Opel gäbe es keine

gesundheitsgefährdenden Arbeiten. An solchen vor Kollegen gemachten

Behauptungen erkennt man, was solche Leute unter 'gesundheitsgefährdend'

verstehen:

Wenn sich die Folgen erst mit 55 zeigen, wo Opel uns sowieso in den Hintern

tritt, ist das NICHT gesundheitsgefährdend! Auch die Vernickelungsanlagen, wo

man mit Gasmasken arbeiten muß, und die Lackierereien, wo man im Sommer bei

60 Grad Hitze malochen darf, sind offenbar nicht gesundheitsgefährdend! Wenn

eine Kollegin umkippt - wie das erst vor kurzem geschehen ist -, dann kommt

das natürlich nicht davon, daß ihre Gesundheit dort gefährdet ist! Wenn

jemand sich am Bleistaub, der in der Luft herumschwirrt (Bandabschnitt 210/

211 in D4) vergiftet, auch wenn er die Vorschrift 'Nicht essen, nicht

trinken, nicht rauchen' genau beachtet hat, so ist damit seine Gesundheit

offenbar noch lange nicht gefährdet. Beispiele dieser Art kann jeder von uns

mehr als genug aufzählen.

Die 'Ärzte', die nichts weiter sind als Handlanger der Kapitalisten,

betrachten uns nur als Maschinen! Sie fragen nur, ob unsere Räderchen, womit

sie unsere Knochen meinen, noch einigermaßen für Opel laufen. Sie

interessiert es herzlich wenig, ob wir selber noch was vom Leben und von

unserer Familie haben. Solche 'Ärzte' werden daher von einigen Kollegen mit

Recht als Abschaum bezeichnet.



'Vorbeugen ist besser als heilen' ist ein altes Sprichwort. Es sagt die

Wahrheit - aber für unsere Bosse und ihre ärztlichen Stiefelknechte gibt es

immer nur ein und dassselbe Sprichwort:

'Bringt das Profit?'



DIE KAPITALISTISCHEN ÄRZTE PFLEGEN UNS NICHT - SIE REPARIEREN UNS!"



Die letzte Kolumne besteht aus einem Artikel in Deutsch, Italienisch und

Spanisch, sowie Aufrufen auf Italienisch und Spanisch zur Zusammenarbeit mit

der RBG. Im deutschen Artikel heißt es:"

DREI SPRACHEN



WARUM ERSCHEINT DIESE SERIE IN DREI SPRACHEN?



In unserem Betrieb arbeiten neben deutschen Arbeitern auch italienische,

spanische, griechische, türkische und andere Arbeiter. Durch unsere

verschiedenen Sprachen sidn wir sowieso schon getrennt, aber die

Kapitalistenbosse versuchen, unsere Trennung noch zu vergrößern. Sie geben

kein Geld dafür aus, um den ausländischen Kollegen schnell ein gutes Deutsch

beizubringen. Sie stecken die ausländischen Kollegen zusammen, damit sie

unter sich bleiben. Sie stecken sie sogar in Baracken (z.B. Ümminger Straße)

oder ähnliche 'Wohnungen', wo sie isoliert bleiben.

Wir sollen nicht miteinander reden. Wir sollen uns nicht verstehen, damit wir

nicht gemeinsam Interessen vertreten können. Im Falle einer Krise will man

uns gegeneinander ausspielen. Wir sollen dann meinen, unsere deutschen bzw.

unsere ausländischen Kollegen wären Schuld.

Aber wir werden den Bossen dann in drei Sprachen sagen: 'Ihr seid schuld.'"

Den Schluß bildet die dreisprachige Parole "Proletarier aller Länder,

vereinigt Euch!".

Aufgerufen wird zum Lesen von 'Roter Morgen' (RM) und 'Revolutionärer Weg'

(RW).

=Zündkerze Nr.1,Bochum 1970;

Roter Morgen Nr.16,Hamburg 14.8.1972



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15.04.1970: 

Bei Opel Bochum Werk I findet, laut DKP, eine Belegschaftsversammlung (BV)

statt.

Die KPD/ML-ZK ruft dazu auf, dem 'Zauber' der 'IGM-Bonzen' (vgl. 1.4.1970)

"endgültig ein Ende zu machen!

Am 15. April ist UNSERE BV:

14 UHR 30 D4/MATERIALEINGANG



KOLLEGEN!

SCHLIESSEN WIR USN ZUSAMMEN!

UNTERSTÜTZEN WIR DIE 'ZÜNDKERZE' UND DIE ROTE OPEL-BETRIEBSGRUPPE!

KÄMPFEN WIR GEMEINSAM!



GEGEN DIE KAPITALISTEN!

GEGEN IHRE HANDLANGER!"



Später berichtet die KPD/ML-ZK:"

BETRIEBSRATSVORSITZENDER PERSCHKE - DER ARBEITER-DOMPTEUR



Nach mehr als 1 1/2 Monaten verteilte der Betriebsrat am 4.Juni endlich

seinen 'Bericht' von der Betriebsversammlung der B-Schicht am 15.April (Werk

I) bzw. 17.April (Werk II).



Im Gegensatz zu früheren enthielt dieser 'Bericht' immerhin kurze

Zusammenfassungen der bei der Aussprache vorgebrachten Punkte.



Kollegen, die sich noch erinnern können, was die einzelnen Redner gesagt

haben, werden jedoch bemerkt haben, daß der Betriebsrat einige heikle Themen

einfach wegmanipuliert hat.



So wird z.B. mit keinem Wort erwähnt, daß der Kollege Stein gefordert hat,

für den erst zum 10. des jeweils folgenden Monats überwiesenen Lohn Zinsen zu

erheben. Das wären pro Mann im Jahr durchschnittlich immerhin 140 DM.



Unerwähnt blieb auch, daß der Kollege Kringe Harry Black aufgefordert hat,

Stellung zu nehmen zu den Vorwürfen, die gegen ihn in der ZÜNDKERZE erhoben

worden sind. Unerwähnt blieb, daß viele Kollegen lautstark gefordert hatten:

'Wo bleibt der Black?'



Natürlich blieb auch die großartige Rede des Betriebsratsvorsitzenden

Perschke zum Schluß der Versammlung unerwähnt, worin er sich vor den schönen

Harry stellte.



Wir wollen es uns ersparen, im einzelnen darauf einzugehen, wie Herr Perschke

seine politischen Gegner dadurch auszutricksen versucht, daß er behauptet,

Politik gehöre nicht in den Betrieb, wie er selber aber für Schillers

'soziale Symmetrie' und ähnlichen SPD-Betrug Propaganda macht.



Wir wollen uns auch nicht bei den 'Erfolgen jahrelanger Bemühungen' des

Betriebsrats aufhalten. Sie sind kaum der Rede wert.



Wichtig sind aber solche Selbstbekenntnisse wie seine 'Beruhigungspolitik des

Betriebsrats', die dazu beigetragen habe, 'Vorkommnisse' wie 'im Herbst

vergangenen Jahres in der Stahlindustrie sowie die letzten Ereignisse bei

Ford' (in Köln - vgl. S2.*.1970,d.Vf.) zu verhindern. Er 'warnte' die Herren

von der Geschäftsleitung ausdrücklich davor, ihn als 'Reserverad des Kadetts'

zu betrachten, da dann seine Beruhigungspolitik 'nicht mehr sehr lange

Früchte tragen würde'.



'Beruhigungspolitik' hatte der Betriebsrat also gegenüber den Kollegen

betrieben, und diese 'Beruhigungspolitik' hatte in der Tat für die Opel-

Aktionäre Mason und Konsorten dicke Früchte getragen:



'420 Mio. DM Reingewinn' seien 1969 'über den großen Teich gegangen'. Das

erzählte uns derselbe Herr Perschke, so ganz nebenbei in seiner Schlußrede.



Im 'Bericht' steht davon natürlich kein Wort!



420 Mio. DM REINgewinn (wovon also Steuern usw. schon abgezogen sind!), d.h.:

bei einer Belegschaft von rund 50 000 Mann hat die Adam Opel A.G. aus jedem

'Werksangehörigen' einen Reibach von 8 400 DM pro Jahr bzw. 700 DM pro Monat

herausgeholt. Wir haben also wenigstens drei Stunden pro Tag nur für die

Opel-Aktionäre gearbeitet!



So etwas DARF der Betriebsrat den Kollegen nicht erzählen, denn dann wäre es

aus mit seinen Partnerschaftsräumen. Dann verlöre er für die Geschäftsleitung

seine Bedeutung: nämlich die Arbeiter mit Kinkerlitzchen wie weniger

Lohnabzug bei Zuspätkommen abzuspeisen. Auch die 6 DM Sonderprämie für die

Samstagsschicht sind dagegen ein Klacks!



Wir möchten mal die Frage stellen, ob die Herren von der Geschäftsleitung den

Betriebsrat und seinen Vorsitzenden Perschke für diese Kabinettstückchen auch

angemessen am 'Reingewinn' beteiligen, den sie aus den Kollegen herausgepreßt

haben.



Darüber müßten uns SPD-Perschke und Konsorten Rede stehen!



Wenn man diesen 'Beruhigungspolitiker' begriffen hat, dann begreift man auch,

warum sich unser Herr Perschke so voll und ganz vor seinen Kumpan Harry Black

gestellt hat.



Perschke reagierte auf die oben erwähnten Zurufe der Kollegen so: es habe

nicht immer was mit Feigheit zu tun, wenn jemand nicht selbst Stellung nehme.

Auch brauche man auf die 'Anwürfe' von einem 'sog. Blatt' nicht einzugehen,

da ja keiner von Abt. 3 381 hier offen aufgetreten sei. (Das hätte er wohl

gern gehabt, der Herr Perschke, damit dann die Werksleitung Gelegenheit

gehabt hätte, den Betreffenden zum nächstbesten Termin zu entlassen.)



Wenn Black jetzt selbst dazu Stellung nähme, könne ja jeder vom Betriebsrat

der nächste sein, der sich auf der Betriebsversammlung plötzlich vor den

Kollegen rechtfertigen müsse.



Auch er selbst, Perschke, habe sich oft mit seiner Gesundheit (!) für die

Arbeiter eingesetzt und manchmal nur Undank geerntet. 'Heute noch heißt es:

'Hosianna Perschke!', morgen schon: 'Steinigt ihn!'' Er jedenfalls fühle sich

zu fein dazu, auf jedes 'Ding' einzugehen. Man dürfe auch nicht 'jedes

politische Mistblatt' allzu ernst nehmen.



PERSCHKES ANGST VOR EINER ROTEN BETRIEBSGRUPPE



Bei den Verfassern der Zündkerze handle es sich um dieselbe Gruppe offenbar,

die schon in den 30er Jahren versucht habe, 'die Arbeiter in den Dreck zu

ziehen'. Über eine solche Spaltung der Arbeiter freuten sich doch nur 'die

Herren da vorn'.



Dabei wies er auf die Herren von der Geschäftsleitung in der ersten Reihe,

die die ganze Zeit über stumm dasitzen konnten, da ja der Betriebsrat für sie

redete. Daß er sie hier und da ein wenig bekrittelte, sahen sie gern, da er

ihre Position nicht antastete. Was hat der 'Arbeiter' Perschke mit diesen

natürlich im 'Bericht' unerwähnt gebliebenen Äußerungen gesagt:



1. hat er sich offen hinter 'Arbeiter' vom Schlag eines Harry Black gestellt

und damit zu erkennen gegeben, daß er selbst dazugehört. Er teilte uns mit,

daß Black schließlich im Betriebsrat 'Selbstkritik' geübt habe. Das müsse den

Kollegen genügen!



2. hat er zugegeben, daß er von einer Kritik der Kollegen am Betriebsrat

nichts hält. Offenbar doch wohl, weil dessen Tätigkeit einer genauen Prüfung

niemals standgehalten hätte.



3. muß man sich fragen, was er mit seinen hetzerischen Verleumdungen gegen

die Verfasser der ZÜNDKERZE gemeint hat, die er persönlich doch gar nicht

kennt.



Für die meisten Kollegen, die nicht genau Bescheid wissen, hörte sich das so

an, als hätten die Kommunisten daran Schuld gehabt, daß Hitler 1933 an die

Macht kam, der ja die Arbeiter in den zweiten Weltkrieg trieb. Damit wird

aber nur die SPD-Politik reingewaschen, die damals wie heute darauf

hinauslief, die Klasseninteressen der Arbeiter zugunsten ihrer eigenen

Pöstchenangst zu verraten. Dagegen hatten die Kommunisten unter Führung von

Ernst Thälmann gekämpft, während sich die SPD mit Konzernbossen einigte, die

Hitler Geld für seinen Wahlkampf gaben. Denn Hitler versprach den

Rüstungskonzernen noch mehr Profite, als die SPD es konnte. Das kann der Herr

Perschke nicht gemeint haben! Da er sich offensichtlich zu 'fein' dazu

fühlte, den Kollegen genauere Auskunft zu geben, sagen wir es selbst: Er

meinte die revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO,d.Vf.) Anfang der 30er

Jahre.



Damals hatten sich in den Betrieben unter anderem kommunistische Arbeiter

gegen die kapitalistischen Gewerkschaften und ihre mit den Werksleitungen

verfilzten Betriebsräte zusammengeschlossen, in denen fast überall die SPD

den Ton angab. Diese revolutionäre Gewerkschaftsopposition, die überall den

Verrat der offiziellen Gewerkschaftsbürokraten aufdeckte, jagte ihnen bald

regelrecht Angst ein.



Auch Herr Perschke hat heute wieder Angst, daß ihm etwas ähnliches blühen

kann, denn er und seine Kumpanen machen dieselbe SPD-Politik, wollen

'Politik' aus den Betrieben halten und unterstützen damit wie Kühn und

Schiller nur die Kapitalisten, wie wir es ja an ihrer Beruhigungspolitik

gesehen haben.



Diese Machenschaften machen wir nicht mit! Sie sind Verrat an der

Arbeiterklasse! Von diesen Herrschaften müssen wir uns trennen, denn das sind

keine Arbeitervertreter, sondern Arbeiterverräter! Dagegen gibt es nur eins:



ORGANISIERT EUCH MÖGLICHST ZAHLREICH IN DER RBG, DAMIT WIR ZUSAMMEN WIRKLICH

MAL OFFEN GEGEN DIESEN SCHWINDEL VORGEHEN KÖNNEN!



1. BEISPIEL: KLÖCKNER



Denkt an das Beispiel der roten Listen bei Klöckner in Bremen!



Dort haben klassenbewußte Arbeiter, die mit der verräterischen Politik des

Betriebsrats nicht einverstanden waren, bald soviel Solidarität bei den

Kollegen gehabt, daß sie es wagen konnten, Gegenlisten gegen die offizielle

IG-Metall-Liste aufzustellen. Als sie dann die absolute Mehrheit bekamen,

schloß die Gewerkschaftsführung ihre Anführer aus der Gewerkschaft aus (UVB,d.

Vf.). Bei den Kollegen hatten sie jedoch soviel Rückhalt bekommen, daß sie

bei den Septemberstreiks in die Streikleitung gewählt wurden.



2. BEISPIEL: GEGENLISTE BEI OPEL



Auch bei Opel wurde vor zwei Jahren (vgl. Mai 1968,d.Vf.) der Versuch

unternommen, eine Gegenliste aufzustellen. Wir erinnern uns vielleicht noch,

wie der bestehende Betriebsrat daraufhin die Kandidaten der Gegenliste so

lange 'bearbeitete', bis von den ursprünglich acht Kandidaten nur noch drei

ihre Kandidatur aufrechterhielten.



Aus dem Wahlergebnis kann man ablesen, daß die Belegschaft mit dem alten

Betriebsrat sehr unzufrieden war. Damals erhielt die Liste der IG Metall 6

725 Stimmen gleich 19 Sitze, die Arbeitervorschlagsliste: 3 145 Stimmen

gleich 3 Sitze.



Daran wird eins deutlich:

Wir können nur etwas erreichen, wenn wir uns zusammenschließen.



EINEN FINGER KANN MAN BRECHEN, FÜNF FINGER SIND EINE FAUST!



Die nächste Betriebsversammlung (für die A-Schicht) findet am 17. bzw. 18.

Juni (vgl. 19.6.1970,d.Vf.) statt.



Perschke hat auf der letzten Betriebsversammlung angekündigt, daß der

Betriebsrat sich mit dem Gedanken trägt, die Betriebsversammlungen ab

September für beide Schichten zusammenzulegen. (Davon schrieb er natürlich

auch nichts im 'Bericht'!)



Auf diese Weise könne er sich in Zukunft einen schriftlichen Bericht sparen.

Er spart aber auch dadurch Arbeitszeitverluste für die kapitalisten!



Wir sind der Auffassung, daß sowohl der A-Schicht als auch der B-Schicht je

vier Versammlungen im Jahr zustehen (vgl. Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.

Vf.) Paragraph 41).

Bringt diesen Punkt auf der nächsten Betriebsversammlung zur Sprache!"



Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl. 24.9.1970) berichtet über

die Forderung des Gesamtbetriebsrats (vgl. Sept. 1969) nach einer

Weihnachtsgratifikation (voller 13.Monatslohn):"

Dazu Perschke am 15.April auf der Betriebsversammlung: Wir wollen uns in

diesem Punkt überraschen lassen."

=Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz,Bochum o.J.

(24.9.1970),S.2;

Zündkerze Nr.1 und 2,Bochum 1970,S.5 bzw. S.1ff;

Roter Kadett Nr.4,Bochum Apr. 1970



22.04.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich in dieser Woche die Nr.4 des

zweiten Jahrgangs des 'Roten Kadetts' (vgl. März 1970, Mai 1970) heraus.

Aufgerufen wird zum 1.Mai, berichtet von der Belegschaftsversammlung (BV)

(vgl. 15.4.1970).

Im Artikel "'Neues' von 'Ben Wisch'" heißt es über Rudi Wischnewski und die

letzte Betriebsratswahl (BRW) (vgl. Apr. 1968):"

Vor etwa 2 Jahren hat Kollege R. Wischnewski den traurigen Ruhm für sich in

Anspruch genommen, mit der Aufstellung einer zweiten Liste bei der

Betriebsratswahl eine Persönlichkeitswahl zu Fall gebracht zu haben.

Damit hat er uns allen die Möglichkeit genommen, die Kollegen unseren

'Vertrauens' zu Betriebsräten zu wählen."



Über Wischnewskis Betriebsratstätigkeit in der Küchenkommission heißt es:"

'Jeder Werksangehörige hat Anrecht auf eine gleichlange Wurst' war eine

seiner vielen markanten Feststellungen.

Wie ernst Ben Wisch diese Angelegenheit nahm, unterstrich er, indem er

Würstchen 'vermessen' wollte.

Vor einigen Wochen wäre 'Ben Wisch' bald Haus- und Hoffotograf bei Opel

geworden. Es hat nicht geklappt!



Alle Kollegen, die Rudi Wischnewski damals ihre Stimme gaben, sind natürlich

verärgert. Er hat nämlich versucht, sie zu Steigbügelhaltern seiner

'Privatkarriere' zu machen.



Die Meinung der Kommunisten:



Aufgaben der Betriebsräte sind in erster Linie: Hart und konsequent für die

Kollegen des Betriebes einzutreten.



Wir sind für eine Persönlichkeitswahl und Aufstellung der Kandidaten zur

Betriebsratswahl in den einzelnen ABTEILUNGEN."



Vermutlich mit dieser Ausgabe befaßt sich auch die Rote Opel-Betriebsgruppe

der KPD/ML-ZK (vgl. 10.6.1970).

=Roter Kadett Nr.4,Bochum Apr. 1970;

Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.17



30.04.1970: 

Vermutlich noch heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende:"

SOLIDARITÄTSERKLÄRUNG DER VR CHINA AN DAS KAMBODSCHANISCHE VOLK:



Die Aggression des amerikanischen Imperialismus gegen Kambodscha und die

Ausdehnung seines Aggressionskrieges in Indochina stellen eine ernste

Provokation nicht nur gegen die drei indochinesischen Völker Südostasiens

sondern auch gegen das chinesische Volk und die revolutionären Völker der

Welt dar. Getreu den Weisungen seines großen Führers, Vorsitzenden Mao

Tsetungs, schwört das 700 Millionen starke chinesische Volk, eine mächtige

Stütze der drei indochinesischen Völker zu sein und alles in seiner Macht

stehende zu tun, um die Brudervölker Kambodschas, Laos' und Vietnams zu

unterstützen und ihen bei der Verfolgung ihrer Ziele bis zum Ende zu helfen,

bis zum totalen Sieg ihres Widerstandskrieges gegen die amerikanische

Aggression und für das nationale Wohl. Vorsitzender Mao tsetung wies schon

vor längerer Zeit darauf hin: 'Die amerikanischen Imperialisten und die

Reaktionäre aller Länder sind Papiertiger!' Wenn wir einig bleiben, wenn wir

es wagen, den Kampf zu führen, wenn wir uns auf einen Krieg von langer Dauer

einrichten, wenn wir alle Schwierigkeiten überwinden und wenn wir Welle um

Welle vorwärtsstreben, werden die drei indochinesischen Völker ganz sicher

den amerikanischen Imperialismus und alle seine Lakaien schlagen. Der Sieg

gehört den drei heroischen Völkern Indochinas!"

=Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970,S.7



Mai 1970: 

Bei der Friedrich Krupp Hütte (FKH) Werk Bochum gibt die DKP die Nr.2 des

2. Jahrganges ihrer 'Roten Glut' (vgl. Apr. 1970, Dez. 1970) heraus, in der

sie sich, nach eigenen Angaben, mit der KPD/ML befaßt.

Diese Ausgabe war uns leider bisher nicht zugänglich.***



Die KPD/ML-ZK berichtet über die Reaktion der DKP auf die Kambodscha-

Sondernummer ihrer 'Zündkerze' für Opel (vgl. 11.5.1970):"

... sie schreibt über die 'Zündkerze' in ihrer Zeitung beim BV:

'Von Ton und Takt im Stich gelassen, wurden offensichtlich die Herausgeber

der 'Betriebszeitung Zündkerze', die in letzter Zeit auch beim BV verteilt

wurde (...). Eine extreme politische Gruppe, die sich KPD/ML nennt, aber

weder die marxistische noch die leninistische Idee vertritt, sondern

anscheinend Mao Tsetung als Vorbild auserkoren hat, zeichnet dafür

verantwortlich. Wir weisen darauf hin, daß die DKP sich von derartiger

arbeiter- und gewerkschaftsfeindlicher Schmiererei distanziert.'



Warum nur solche Worte, liebe 'Genossen'"? Habt Ihr Angst vor Mao Tsetung?

Nun, mit den Worten des Vorsitzenden Ulbricht konnte noch keiner was

erreichen, auch wenn sie auf sächsisch sehr klingen mögen!"

=Rote Glut Nr.6,Bochum Okt. 1971,S.3;

Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.20



Mai 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Mai ihren 'Roten Kadett' Nr.5

(vgl. 22.4.1970, Juni 1970) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.4 und 9,Bochum Apr. 1970 bzw. Sept. 1970



03.05.1970: 

In der heutigen 'Welt am Sonntag' (WamS) erscheint der folgende Artikel:"

ALS OPEL-BOSS MASON SEINE KARRIERE BEGANN, KAUFTE ER SICH EINE GENERAL-

MOTORS-AKTIE. HIER ERZÄHLT DER AMERIKANER, WARUM ER SIE HEUTE NOCH BESITZT.



MEINE LIEBSTE AKTIE



Meine liebste Aktie? Verwundert es Sie, wenn ich sage: General Motors? Das

erste Stück kaufte ich mir schon im Jahr meiner Anstellung. Später wurden es

mehr. Spekulativ veräußert habe ich in den 35 Jahren, die ich jetzt bei

General Motors bin, kein einziges Stück. Ich investiere in GM als

Kapitalanlage auf lange Sicht. Mit dieser persönlichen Anlagepolitik bin ich

sehr gut gefahren. Und ich habe Vertrauen in diese Aktie.



Als ich in das Unternehmen eintrat, verkaufte es 1,7 Millionen Fahrzeuge und

der Jahresumsatz belief sich auf 4,9 Milliarden Mark. 1969 waren es 7,2

Millionen Fahrzeuge und der Weltumsatz betrug 88,9 Milliarden Mark.



In meiner Eigenschaft als Chef der Opelwerke erlebte und erlebe ich die

Aufwärtsentwicklung unserer Organisation aus nächster Nähe. Ich halte das

unternehmerische Denken und Handeln bei General Motors für richtig, und ich

bin mir der zukunftweisenden Bedeutung der Aufwendungen des Konzerns für

Forschung, Entwicklung und Technik voll bewußt. Die Erfahrung hat gezeigt,

daß es GM stets gelungen ist, für ihre Märkte die richtigen Produkte

herzustellen. Der Erfolg konnte dann nicht ausbleiben - auch nicht für die

Aktionäre.



Ich will meinen, daß meine Lieblingsaktie eine sehr gute und gesunde Anlage

darstellt. Im übrigen scheint es, daß ich nicht der einzige bin, der so

denkt: 1969 hatten knapp 1,4 Millionen Aktionäre in der ganzen Welt in

General Motors angelegt. Aus unseren Statistiken weiß ich, daß 79 Prozent

dieser Aktionäre weniger als 100 Stück besitzen - eine außerordentliche

breite und gesunde Streuung.



General Motors ist das bedeutendste wirtschaftliche Unternehmen in der Welt.

Ich kenne seine Politik, seine Zukunftsaussichten - und vor allem auch die

Führungskräfte an der Spitze. Mein Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens,

und damit in die Zukunft der General-Motors-Aktien, gründe ich in erster

Linie auf sie.



Meine Lieblingsaktie wird in Deutschalnd an den Börsen von Frankfurt und

Düsseldorf gehandelt."



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 10.6.1970)

druckt diesen Artikel nach und kommentiert:"



Daß der Erfolg für die Aktionäre nicht ausblieb, glauben wir Mr. Mason gerne.

Wir wüßten nur gern mal, wie es mit dem Erfolg für die Arbeiter steht? Als

Mason vor einiger Zeit hier bei uns aufkreuzte, um sein 'Reich' zu

besichtigen, wurde wie wild gefegt und alles in Ordnung gebracht. Alle Wagen

wurden aus den Gängen gefahren, bevor seine Majestät erschien. Einige

Kollegen hätten ihn am liebsten noch durch ein Spruchband geehrt. Darauf

hätte gestanden: 420 Mio. im Jahr sind genug. So viel Reingewinn schickt

Mason nämlich über den großen Teich. Kein Wunder: 'Der Erfolg konnte nicht

ausbleiben, auch nicht für die Aktionäre.' Dafür müssen wir Mr. Mason

zutiefst dankbar sein. Wir sind ihm außerdem noch zu besonderem Dank

verpflichtet, wodurch der 'Erfolg' noch größer wird - für die Aktionäre..."

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.8



05.05.1970: 

Vermutlich über heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende

UPI-Meldung aus Snoul, Kambodscha:"

'Wir hatten keine andere Wahl', antwortete der amerikanische Kommandant,

Oberstleutnant General Brookshire auf die Frage, aus welchem taktischen Grund

die kambodschanische Stadt Snoul von den US-Truppen ausgelöscht wurde. 'Wir

mußten sie nehmen. Sie war ein Angelpunkt für die Nordvietnamesen. Ihr

Nachschub lief hier durch.' Snoul war die erste größere Stadt in Kambodscha,

die von den US-Truppen völlig zerstört wurde. Am Dienstag war den

vorrückenden US-Panzern heftiger Widerstand vom Stadtrand her

entgegengeschlagen. Daraufhin zerschossen die Amerikaner Häuser,

Kampfflugzeuge zerstörten mit Bomben und Napalm den Rest.



Auf ihrem Weg durch die Straßen der verwüsteten Stadt versorgten sich die

Soldaten aus den Ruinen der Geschäfte mit Bier, Limonade, Spiegeln, Koffern,

Schuhen, Uhren und sogar mit einem Motorrad, das sie auf einem Panzer

festbanden. Ein Krämerladen stand noch, er wurde ebenfalls seiner Waren -

meist Taschenlampenbatterien - beraubt und angezündet. In einem anderen Laden

lagen Sonnenbrillen. Die Soldaten nahmen auch sie mit."

=Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970,S.7



06.05.1970: 

Heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende Agenturmeldung:"

Wien, 6. Mai (AP). Die amerikanischen und sowjetischen (USA und SU,d.Vf.)

Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstung sind am Mittwoch

in der amerikanischen Botschaft in Wien fortgesetzt worden. Wie im Anschluß

an die 75 Minuten dauernde Sitzung verlautete, kam es von seiten der Sowjets

zu keinerlei Polemik gegen die amerikanische Intervention in Kambodscha."

=Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970,S.7



06.05.1970: 

Vermutlich über heute erscheint, laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, folgende

Agenturmeldung:"

Paris. Nordvietnam ist entschlossen, die Pariser Vietnamverhandlungen zu

suspendieren, falls die USA ihre Bombenangriffe auf Nordvietnam nicht

vollständig und endgültig einstellen. Die nordvietnamesische Delegation und

die Delegation der vietnamesischen Befreiungsfront (FNL) blieben am Mittwoch

aus Protest gegen das 'außerordentlich schwerwiegende Vorgehen' der USA der

Sitzung der Vietnam-Konferenz fern. Die Sitzung fiel aus."

=Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970,S.7



11.05.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK Bochum gibt

vermutlich in dieser Woche eine Sonderausgabe ihrer 'Zündkerze' (vgl.

13.4.1970, 26.5.1970) für Bochumer Betriebe heraus, für deren 8 Seiten Werner

Lehrke verantwortlich zeichnet. Aufgerufen wird darin zur Demonstration zur

"Solidarität mit den Völkern von Kambodscha und Vietnam" (vgl. 14.5.1970).

Der Name des US-Präsidenten Nixon wird in den Hervorhebungen meist mit

Hakenkreuz anstatt mit 'X' geschrieben:"

NIXON, KAMBODSCHA UND WIR



'WAS GEHT UNS KAMBODSCHA AN?'



- So fragen manche Kollegen. Sie sind der Meinung, Kambodscha wäre weit weg.

Sie glauben daher, es wäre unnötig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Wenn Kambodscha uns wirklich nicht direkt anginge, dann könnte man diese

Kollegen verstehen, wenn man sie auch nicht loben könnte.

Denn die Tatsache, daß dort Plantagenarbeiter und Bauern ausgebeutet,

unterdrückt und jetzt sogar massenweise umgebracht werden, sollte eigentlich

schon genügen, um jeden Arbeiter und Angestellten zur Empörung darüber und zu

Solidarität mit den unterdrückten Klassenbrüdern zu veranlassen. Die

betreffenden Kollegen begehen aber außerdem noch einen schweren Fehler.



KAMBODSCHA GEHT UNS NÄMLICH AUCH DIREKT SEHR VIEL AN.



Das sieht man schon daran, daß nach Adolf Nixons Rede über den Angriff auf

Kambodscha (vgl. 1.5.1970,d.Vf.) nicht nur die Börse von New York, sondern

auch die von Frankfurt in den Keller ging.

Unsere Wirtschaft, d.h. 'unser' Kapitalismus, hängt eng mit dem

amerikanischen Kapitalismus zusammen.



'WENN AMERIKA DEN SCHNUPFEN HAT, BEKOMMEN WIR DIE LUNGENENTZÜNDUNG.'



An dieser Wahrheit hat sich nichts geändert. Und die Lage ist heute besonders

ernst: Amerika hat selber eine Lungenentzündung, nicht nur einen Schnupfen.



Der amerikanische Kapitalismus gleicht einem Lastwagen, der ohne Bremse eine

Gebirgsstraße hinabrast, und wir sitzen auf dem Anhänger. Nixon am Steuer des

Wagens versucht verzweifelt irgendwelche Bremsmanöver.

In Vietnam kämpfen die USA seit Jahren, weil sie beweisen wollen, daß Mao

Tsetungs Theorie des Volksbefreiungskrieges nicht stimmt.

Mao Tsetungs Theorie besagt nämlich: die unterdrückten Völker können im

Befreiungskrieg den Imperialismus besiegen. Natürlich geht es den (US-

Imperialisten nicht,d.Vf.) nur um Vietnam. Es geht ihnen um ihr Erdöl in

Venezuela, um ihre Bananen in Guatemala, um ihre Erze in Chile usw... Wenn

ihnen der Beweis in Vietnam nicht gelingt, wird ihr Reich in Südamerika

zusammenbrechen. Vietnam hat jedoch den entgegengesetzten Beweis erbracht:

den Beweis, daß die Arbeiter und armen Bauern mit Mao Tsetungs Theorie des

Volksbefreiungskrieges sogar die USA besiegen können. Das haben auch andere

Völker verstanden.

Dazu gehört auch das Volk von Kambodscha, das schon seit längerer Zeit mit

dem Aufstand gegen die Grundbesitzer begonnen hatt.



DER VIETNAMKREIG SCHLUG AUF DIE WIRTSCHAFT DER USA ZURÜCK



Der Krieg in Vietnam brachte den amerikanischen Kapitalisten zwar riesige

Rüstungsaufträge und entsprechend riesige Profite. Aber solche Profite sind

soagr für die kapitalistische Wirtschaft selbst auf die Dauer ein

zweischneidiges Schwert. Panzer kosten zwar Geld, aber sie bilden keine

wirklichen Werte. Das führt zur Inflation. Anegommen die Arbeiter von General

Motors (GM,d.Vf.) bauen statt 1 000 Autos 500 Autos und 100 Panzer, so haben

sie noch immer gleichviel Geld in der Tasche, aber es sind weniger Waren auf

dem Markt, da die Arbeiter, ihre Meister und sogar ihre Aktionäre keine

Panzer kaufen wollen. Wenn aber mehr Geld als Waren auf dem Markt ist, dann

überbieten sich die Käufer und die Preise steigen: DAS BEDEUTET INFLATION.



DER 'PFEILER DES WELTWÄHRUNGSSYSTEMS' WANKT



Auf dem Dollar beruht das ganze Gebäude des kapitalistischen Währungssytems.

Und nun ist der Dollar durch den Vietnamkrieg in eine galoppierende Inflation

geraten (1969: 7 Prozent). Das Gebäude begann zu wackeln. Die DM-Aufwertung

(vgl. **.**.19**,d.Vf.) sollte den Dollar bastützen. Aber diese Stütze hilft

nichts, wenn der 'Pfeiler' innen morsch ist. Nixon hätte seinen

wildgewordenen Lastwagen radikal zum Stehen bringen können, indem er den

Krieg wirklich beendet hätte. Aber dann hätte er endgültig den Beweis

geliefert, daß Mao Tsetungs Theorie richtig ist. Das (hier wurde eine Zeile

nicht abgedruckt, dessen letztes Wort wohl 'des-' war,d.Vf.) halb versuchte

er zuerst das Unmögliche: gleichzeitig Krieg und Kampf gegen die Inflation.

Er gab also weiter Gas, indem er die Kriegsproduktion anheizte. Gleichzeitig

versuchte er, die Friedensproduktion zu bremsen. Er wollte also die Inflation

dadurch bremsen, indem er die Kaufkraft und damit die Nachfrage verringerte.

Das bedeutet Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit.



ADOLF NIXONS REZEPT: KRIEG PLUS ARBEITSLOSIGKEIT



Die Friedensproduktion sank; die großen Autofirmen z.B. entließen massenweise

Arbeiter. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 4 MILLIONEN. Gleichzeitig lief

die Kriegsproduktion weiter auf Hochtouren. Ergebnis: Krieg plus Inflation

plus Arbeitslosigkeit.



Als Adolf Nixon nicht mehr weiter wußte, gab er erneut Vollgas: Er dehnte den

Krieg aus, statt ihn zu beenden. Er gleicht nun einem Fahrer, der die Hoffnug

auf ein gutes Ende aufgegeben hat und mit geschlossenen Augen weiterrast.



DER WAGEN RAST, UND WIR HÄNGEN DRAN!



Die Inflation wird nun weitergehen. Der Dollar wird weiter schmelzen. Das

Währungssystem wird in neue Krisen stürzen. Die Kapitalisten haben nun selbst

Angst. Deshalb stürzen die Kurse in Wall Street wie noch nie zuvor. Es gibt

nun nur noch ein Mittel: Zwangswirtschaft wie bei 'unserem' Adolf. Nixon wird

Löhne, Preise, Devisen und Einfuhren zwangsweise beschränken müssen. Er

selbst wird die 'freie' Wirtschaft total abschaffen. Für uns bedeutet das:

Die Exporte der BRD in die USA werden sinken. Wir werden unter der

Währungskrise zu leiden haben. Die amerikanische Lungenentzündung wird uns

anstecken. Und natürlich werden unsere Kapitalisten genauso wie die

amerikanischen die Hauptlast der Krise auf ihre Arbeiter und Angestellten

abwälzen.



GIBT ES KEINE RETTUNG?



Nixon und die Kapitalisten sitzen im Führerhaus und steuern die

amerikanischen und deutschen Volksmassen in den Abgrund. Die einzige Rettung

wäre, mit vereinten Kräften den Anhänger vom Lastwagen zu lösen.

Durch die sozialistische Revolution könnten wir den Anhänger vom Wagen lösen.

Aber dies Mittel ist sehr radikal. Viele Kollegen sehen die Notwendigkeit

dafür noch nicht ein. Sie werden ihre Meinung aber ändern, wenn sie am

eigenen Leib spüren, welch schreckliche Unfälle der Kapitalismus auch bei uns

bauen wird. Andere Kollegen erkennen zwar die Notwendigkeit der

sozialistischen Revolution, meinen aber, sie sei nicht durchführbar. Sie

haben insofern natürlich recht, als es sehr schwierig ist, einen Anhänger von

einem fahrenden Wagen abzukoppeln und sicher zum Stehen zu bringen. Dazu

braucht man einen genauen Plan und entschlossene Leute, die was von der Sache

verstehen. Genauso braucht man für den revolutionären Sozialismus einen Plan,

d.h. das Programm einer marxistisch-leninistischen Partei. Man braucht auch

entschlossene Leute, die was von der Sache verstehen und auf die man sich

verlassen kann. Das können alle Arbeiter, Angestellten und revolutionären

Intellektuellen werden, die das herrschende politische und wirtschaftliche

System durchschaut haben und die Notwendigkeit sehen, es abzuschaffen. Sie

dürfen nicht auf eigene Faust kämpfen, weil das zu nichts führt, sondern sie

müssen sich in der marxistisch-leninistischen Partei vereinigen.



NIXON ODER MAO TSE TUNG



Die sozialistische Revolution kann nur das Ende eines langen Marsches sein.

Um die richtige Marschroute zu finden, müssen wir die Theorie Mao Tsetungs

für unsere Verhältnisse neu anwenden und ergänzen. Wir leben nicht in China,

Kambodscha oder Vietnam, aber wir können viel von Mao Tsetung lernen. Vor

allem ein prinzip: ABSOLUTES VERTRAUEN IN DIE VOLKSMASSEN. Dieses Prinzip hat

in Vietnam bewiesen, wer recht hat: Mao Tsetung und nicht Nixon. Dieses

Prinzip wird auch in Kambodscha das gleiche beweisen. Nixon vertraut auf

Panzer, Mao Tsetung vertraut auf die Volksmassen. Wer recht hat, sehen wir

täglich.



AUCH BEI UNS SIND DIE VOLKSMASSEN STÄRKER!



Während der letzten Wirtschaftskrise (1966/67) haben die Kapitalisten sich

als stärker als die Arbeiter erwiesen. Viele Kollegen wurden entlassen, sehr

viele mußten Kurzarbeit machen. Bei Opel z.B. wurden damals 1 500 Kollegen

entlassen. Was taten die Gewerkschaften? Sie haben den Schwanz eingekniffen!

Die Gewerkschaften haben Angst vor den Volksmassen, anstatt ihnen zu

vertrauen. Deshalb müssen die Volksmassen ohne sie handeln. Das haben die

Kollegen bei Stahl und Kohle im September 1969 bewiesen. Und sofort stellte

sich heraus, wer der Stärkere ist. Das ist sehr wichtig zu wissen für die

nächste Krise: die Arbeiter können und werden sich wehren, auch ohne

Gewerkschaften, wenn es darauf ankommt. Sie müssen dann alllerdings fähig

sein, selber Streiks zu organisieren. Dazu wäre es ein gutes Mittel,

möglichst bald überall Rote Betriebsgruppen zu bilden, die sich nicht von den

Gewerkschaftsbonzen einlullen lassen.



ORGANISIERT EUCH IN DEN ROTEN BETRIEBSGRUPPEN DER KPD/ML!



WARUM WIR DEMONSTRIEREN SOLLTEN



Der Krieg in Kambodscha geht uns also sehr viel an. Indem wir gegen ihn

protestieren, erklären wir, daß wir uns morgen gegen die Krise wehren werden.

Krieg und Krise hängen zusammen. Wir stehen auf der selben Seite wie das

amerikansiche, vietnamesische und kambodschanische Volk! Krieg und Krise

haben die selbe Wurzel: das kapitalistische System. Wir können bei der

Demonstration klarmachen, daß wir beides nicht wollen: weder Krieg noch

Krise.



NIXON GLEICH HITLER



Adolfs sind keine typisch deutsche Erscheinung. Sie sind eine typisch

kapitalistische Erscheinung. Sie tauchen immer und überall dort auf, wo es

dem Kapitalismus schlecht geht. Wenn es dem Kapitalismus schlecht geht, dann

klopft nämlich der Sozialismus an die Tür, und dann suchen sich die Herren

Kapitalisten einen Adolf, der die Massen verführen soll und von der Forderung

nach dem Sozialismus ablenken soll. Solch ein Adolf muß skrupellos sein, er

muß wie ein reißender Tiger sein.

Deshalb müssen sich alle, die nicht von ihm zerrissen werden wollen, gegen

ihn zusammentun. Im Anfang wird soclh ein Tiger zwar viele Opfer

verschlingen, mit der zeit jedoch können ihm die organisierten künftigen

Opfer erfolgreich Widerstand leisten. Dann stellt sich der Tiger als

Papiertiger heraus.

Der gefährlichste Tiger ist augenblicklich Adolf Nixon.



WER FREMDE VÖLKER MORDET, MORDET AUCH DAS EIGENE VOLK!



Diese bittere Wahrheit haben wir Deutschen erfahren: Hitler brachte nicht nur

Juden, Polen, Franzosen und Russen um, sondern auch deutsche Kommunisten und

Sozialisten in den KZs. Nixon gleicht ihm auch darin aufs Haar, es fehlt ihm

wirklich nur noch der Schnäuzer. Alle, die in den USA nicht mit ihm

einverstanden sind (das sind besonders Arbeiter, allen voran die schwarzen

Arbeiter, und Studenten) erklärt er zu 'Vietcongs' und 'Pennern' und läßt

kaltblütig auf sie schießen (vgl. 4.5.1970,d.Vf.). Vier Tote im eigenen Land

machen ihm nichts aus: kein Wunder - 4 000 ja 400 000 Tote in Vietnam machen

ihm ja auch nichts aus!



'FRIEDENS'-VERSPRECHEN VOR NEUEM KRIEG: ALTER HUT VON ADOLF



Vierzehn Tage vor Nixons Einmarsch hielt er eine große 'Friedens'rede (vgl.

**.4.1970, 30.4.1970,d.Vf.). Auch das kommt uns Deutschen verdammt bekannt

vor: auch 'unser' Adolf hielt kurz vor neuen 'Blitzkriegen' immer

'Friedensreden'. Wenn also Adolf Nixon die nächste 'Friedensrede' hält,

werden wir uns fragen, welches Land dann an der Reihe ist.

Wie 'unser' Adolf so ist auch Nixon inzwischen ein gefährlicher Feind aller

Völker geworden. Niemand kann mehr sicher vor ihm sein. Für die Arbeiter,

Angestellten und Intellektuellen überall auf der Welt kann nur eins gelten:

Adolf Nixon ist ihr Feind, sie wollen nichts mit ihm zu tun haben, er soll

mit all seinen Generälen und 'Beratern' zum Teufel gehen. Seine Panzer,

Flugzeuge und Atombomben bei uns in Deutschland sind ein Pulverfaß, sie

müssen weg, genauso wie die russischen Panzer, Flugzeuge und Atombomben in

der DDR.



GOTTSEIDANK ERINNERN WIR UNS NOCH AN 'UNSEREN' ADOLF!



Wir kennen noch Adolf Hitlers Reden: er behauptete, polnische und

tschechische Provokateure säßen überall und er müßte 'das Leben deutscher

landsleute schützen'. Einen Tag pflegte er irgendwo einzumarschieren.

Wenn Nixon heute davon redet, er müßte 'das Leben amerikanischer Soldaten

schützen', kann man nur lachen. Es ist doch völlig klar, daß er das Leben

seiner Soldaten am besten schützen könnte, wenn er sie schleunigst nach

Amerika zurückverschiffen würde. Stattdessen behauptet er, er würde das Leben

seiner Soldaten schützen, indem er sie auf neue Schlachtfelder schickt!



NIXONS FREUNDE SIND SO SCHLIMM WIE HITLERS FREUNDE



Adolf Nixon bringt überall in der Welt massenhaft die einfachen Leute um und

verheizt seine eigenen Arbeiter. Er ist ein wildes Tier. Wenn daher unsere

Regierung, wenn die SPD behauptet, sie sei Nixons 'unverbrüchlicher Freund',

dann sollte uns das zu denken geben. Wie kann man Freund von solch einem

Adolf ohne Schnäuzer sein? Viele Kollegen finden heute schon: man kann nicht

gleichzeitig Nixons Freund und unser Freund sein. Auch Willy Brandt muß da

wählen.

Und er hat schon gewählt: Adolf Nixons Freundschaft ist ihm lieber als die

seines Volkes, wenn er auch wegen Kambodscha 'Besorgnis' heuchelt. Er steht

fest hinter Nixon.

Den Arbeitern versucht er Sand in die Augen zu streuen, wenn er am 1. Mai mit

ihnen marschiert. Das tut er nur, weil er Angst hat, er könnte nicht mehr

gewählt werden. Er sollte doch bloß mal seine Wähler fragen, was sie von

seiner Freundschaft mit Nixon halten!

Aber das tut er ja gerade nicht, weil er genau weiß, was die meisten von uns

darüber denken.



NIXON UND WILLY



Es ist klar, wie eng die 'Freundschaft' zwischen General Motors und Opel ist.

Es ist auch klar, wie eng die deutschen und amerikanischen Kapitalisten

zusammenarbeiten. Die 'Freundschaft' des Profits darf natürlich nicht in die

Brüche gehen. Willi Brandt schützt diese 'Freundschaft' durch seine

Freundschaft mit Nixon: auf die Freundschaft seiner Wähler pfeift der Willy.

Willy sitzt längst mit Nixon und den Kapitalisten im Führerhaus. darüber

sollten wir uns keine Illusionen machen!



'SIND DENN EIGENTLICH ÜBERALL VIETCONG?'



- Das fragen zu recht viele Kollegen, wenn sie Adolf Nixon nun plötzlich

reden hören, ganz Kambodscha stecke voller Vietcongs.

Nixon hält die Volksmassen wirklich für dumm: gestern erzählte er ihnen, in

Südvietnam gäbe es gar keine Vietcong, sondern nur 'infiltrierte

Nordvietnamesen'. Also: in Südvietnam gibt es nur Nirdvietnamesen, aber in

Kambodscha gibt es Südvietnamesen (Vietcong)! Morgen wird Adolf Nixon uns

erzählen, in Thailand steckten rote Kambodschaner und übermorgen, in Indien

würde es nur so von roten Thailändern wimmeln."



Berichtet wird auch von der Bochumer Solidarität bei Krupp (vgl. 9.5.1970)

mit den Antikriegsdemonstrationen in den USA, der Solidarität der VR China

mit Kambodscha (vgl. 30.4.1970), aus Kambodscha (vgl. 5.5.1970), von den

Pariser Vietnamverhandlungen (vgl. 6.5.1970) sowie der SALT-Konferenz (vgl.

6.5.1970).

=Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970



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11.05.1970: 

Die Nr.3 des 'Roten Kabels' - Zeitung der Kabelwerke Reinshagen Bochum

Betriebsgruppe der KPD/ML (bzw.  KPD/ML-ZB) und des KJVD erscheint vermutlich

in dieser Woche (vgl. 4.5.1970, 1.6.1970) mit folgendem

Leitartikel:"

HITZEPAUSEN UND ERSCHWERNISZULAGE! ...

Bei Graetz und Opel

verdienen die Kolleginnen sowieso mehr als wir.



Wir schuften genauso viel. Auch wir haben ein Recht auf Erschwerniszulage!



ERSCHWERNISZULAGE VON 30 PFG. PRO STUNDE!"

In einer Karikatur strahlt eine Arbeiterin, über der Zahl 4,50 stehend,

während zwei andere, mißmutige, über den Zahlen 5,50 bzw. 6,00 Stehende

sagen, "Die hat's gut, die ist bei Reinshagen!!"



Im Text heißt es weiter:"

So gut haben wir es also!



Und wenn wir uns mal in anderen Betrieben umschauen, bekommen wir es noch

besser:

bei Opel verdienen unsere Kolleginnen im Schnitt 6,00 DM, bei Graetz 5,50 DM.

Und wir begnügen uns mit 4,50 DM im Schnitt!"

=Rotes Kabel Nr.3,Bochum Mai 1970;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.2,Bochum 18.5.1970,S.*



14.05.1970: 

In Bochum demonstrieren, laut KPD/ML-ZB, 500 Studenten gegen den Krieg in

Kambodscha. Organisiert worden sei die Demonstration von der KPD/ML-ZK unter

der abstrakten Parole "Solidarität mit Kambodscha".



Mobilisiert hatte die KPD/ML-ZK u.a. durch eine Sonderausgabe für Bochumer

Betriebe der Opel-Betriebszeitung 'Zündkerze' (vgl. 11.5.1970), mit der

KPD/ML und Rote Garde (RG) um 15 Uhr zum Springerplatz aufriefen zur

"Solidarität mit den Völkern von Kambodscha und Vietnam".



Der KJVD der späteren KPD/ML-ZB verteilte ein Flugblatt "Was heißt:

Solidarität mit dem kambodschanischen Volk?"

Das Flugblatt richtet sich gegen "den Einfall der US-amerikanischen Truppen

in Kambodscha". Dieser sei "ein erneuter Beweis für den offen kriegerischen

Charakter des US-Imperialismus". Dieser Einmarsch sei letztlich "ein klarer

Ausdruck der Verschärfung der allgemeinen Widersprüche des Imperialismus. Der

Aggressivität nach außen entspricht die Aggressivität nach innen: Die

faschistischen Reaktionen gegen die Studentendemonstrationen sind nur

konsequenter Ausdruck der seit Jahren vorherrschenden Terrormethoden gegen

wirklich klassenkämpferische Gewerkschaften, gegen die Organisation der

schwarzen Proletarier. Doch der US-Imperialismus stellt nur den Vortrupp für

das imperialistische Lager (USA, Westeuropa, Japan) insgesamt dar. So ist der

Unterschied zwischen dem US-Imperialismus und dem bundesrepublikanischen -

außer dem unterschiedlichen Wirtschafts- und Militärpotential - der, daß die

Monopolkapitalisten der BRD zur Zeit ihrer Wirtschaftsexpansion mit

friedlichen Mitteln gegen den Osten führen. Der Tatbestand ist klar: Die BRD-

Monopole - vertreten durch die SPD-Regierung - leisten dem US-Imperialismus

objektiv Handlangerdienste: schweigendes Einverständnis mit dem US-

Imperialismus; offene Unterstützung der CIA-Regierung in Athen (Griechenland,

d.Vf.) durch Lieferung von U-Booten und Flugzeugen; offene Unterstützung des

Faschistenregimes in Spanien durch Lieferung von Panzern". Das Flugblatt ruft

unter diesem Gesichtspunkt u.a. mit einem Zitat von Ho Chi Minh, "Die

Revolution in den unterdrückten Nationen unterstützen heißt konkret, die

Revolution im eigenen Land voranzutreiben!", dazu auf:"

Schluß mit den ohnmächtigen Demonstrationen moralischer Empörung! Aktiv den

Klassenkampf in der BRD unterstützen!". Zu diesem Zweck sollten sich

Lehrlinge und Jungarbeiter im KJVD, Schüler im Schülerkollektiv des KJVD und

Studenten im Unikollektiv des KJVD organisieren.



In der 'Bochumer Studenten Zeitung' (BSZ) wird die Aktion so dargestellt:"

Etwa tausend Demonstranten, unter ihnen eine Anzahl Arbeiter, zogen ... durch

das Arbeiterviertel am Springerplatz, um gegen den Überfall der US-

Imperialisten auf Kambodscha zu demonstrieren. Zu dem Protest hatten KPD/ML

und Rote Garde und von der studentischen Seite der AStA der Ruhruniversität

und das Gründungskomitee des SDS/ML aufgerufen. Auf zahlreichen Spruchbändern

drückten die Demonstranten ihre Solidarität mit dem Kampf der Völker von

Kambodscha, Vietnam und Laos sowie mit allen vom US- und Sowjetimperialismus

unterdrückten Völker aus. An der Universität hatte bereits nachmittags ein

teach-in stattgefunden, das gemeinsam vom SDS/ML-Gründungskomitee und dem

AStA organisiert war ...

Ein Genosse des Gründungskomitees des SDS/ML stellte dar, daß der US-

Imperialismus bereits auf der absteigenden Linie steht ... Praktische

Solidarität mit den von den Imperialisten unterdrückten Völkern könne sich

nur darin erweisen wenn man die Parole des Genossen Ho Chi-Minh konkret

anwendet: 'Die Revolution in der Dritten Welt unterstützen, heißt für Euch

konkret, die Revolution im eigenen Lande vorbereiten'. Deshalb komme es

darauf an, die revolutionäre marxistisch-leninistische Partei der

Arbeiterklasse zu unterstützen. Das können wir als Studenten am besten tun,

indem wir uns im SDS/ML, der Studentenorganisation der KPD/ML organisieren

... Deshalb war es richtig, daß sich der AStA hier klar der Führung der

marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse, der KPD/ML,

unterstellt. ... Diesmal bestand die große Mehrheit des Demonstrationszuges

noch aus Studenten, mehr und mehr Arbeiter werden aber künftig unter Führung

der revolutionären Partei der Arbeiterklasse das Bild solcher Demonstrationen

bestimmen."



Laut KSB/ML der KPD/ML-ZK handelt es sich um die erste Demonstration in

Bochum, die unter Führung der KPD/ML bzw. KPD/ML-ZK stand.

=Bochumer Studenten Zeitung Nr.61,Bochum 1970,S.1;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.1,Bochum 15.5.1970;

Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe,Bochum Mai 1970,S.8;

Rote Zelle Nr.1,Bochum Nov. 1970,S.4;

KJVD Bochum:Was heißt: Solidarität mit dem kambodschanischen Volk?,Bochum

o.J. (1970)



22.05.1970: 

Die DKP berichtet (vgl. 25.5.1970):"

STREIK BEI OPEL IN BOCHUM



Im Preßwerk der Opel-AG in Bochum legten am Freitagmittag 400 Beschäftigte

die Arbeit nieder. Am Montagmorgen wurde der Streik fortgesetzt. Die Kollegen

demonstrierten durch andere Betriebsabteilungen. Dadurch kam es zum Teil zu

Arbeite-Langsam-Streiks. Bei diesen Aktionen geht es um die Angleichung der

Löhne an das Opelwerk in Rüsselsheim (in Hessen,d.Vf.) und um bessere

Parkmöglichkeiten für die Beschäftigten.



Die DKP-Betriebsgruppe wies in einem sofort herausgegebenen Flugblatt, das

vor dem Betrieb verteilt wurde, darauf hin, daß die Firma durchaus in der

Lage ist, die Forderung der Belegschaft zu erfüllen. Allein im Jahre 1969

hatte die Opel-AG eine Produktions- und Gewinnsteigerung von rund 22 Prozent.

Die Belegschaftsstärke und die Löhne wurden nicht erhöht.



Bei Redaktionsschluß war der Stand der Verhandlungen zwischen Betriebsrat und

Werksleitung noch nicht bekannt. Es besteht die Möglichkeit der Ausweitung

des Arbeitskampfes auf die gesamte Opel-Belegschaft in Bochum."



Vom Streik berichtet auch die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl.

24.9.1970, 22.1.1971), u.a. daß dadurch überhaupt die Verhandlungen über die

Lohnangleichung aufgenommen worden seien.

=Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz und Nr.1,Bochum o.J.

(24.9.1970) bzw. 22.1.1971,S.2 bzw. S.3;

Unsere Zeit Nr.22,Essen 30.5.1970,S.5;

KPD/ML-ZB(-LV NRW):Streik! Streik beim Bochumer Verein (Krupp)!,Essen o.J.

(Juni 1970)



23.05.1970: 

Die DKP bringt die Nr.21 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 16.5.1970,

30.5.1970).

U.a. wird berichtet von der eigenen Betriebsgruppe Opel Bochum.

=Unsere Zeit Nr.21,Essen 23.5.1970



23.05.1970: 

Die DKP gibt die Nr.21 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ)

heraus (vgl. 16.5.1970, 30.5.1970).

Eingegangen wird u.a. auf den eigenen 'Roten Kadett' bei Opel Bochum.

=Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr.21,Essen 23.5.1970



25.05.1970: 

Bei Opel Bochum wird, laut RFO Saarland, mehrere Stunden für denselben

Lohn wie in Rüsselsheim und ein 13. Monatsgehalt gestreikt.



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK (vgl. 26.5.1970) berichtet:"

Laut Auskunft eines Beamten der Kriminalpolizei sollen sich unter den

Streikenden auch einige Polizeispitzel im Blaumann befunden haben, um

'Rädelsführer' ausfindig zu machen."



Für die DKP berichtet Jochen Mandel von Opel Bochum (vgl. 22.5.1970):"

ERSTER STREIK IN DEN BOCHUMER OPEL-WERKEN



'WIR WOLLEN DEN GLEICHEN LOHN WIE IN RÜSSELSHEIM'



'Bei Opel gibt es so etwas nicht!' 'Bei Opel wird nicht gestreikt!' Bis vor

kurzem, so berichteten Bochumer Opel-Arbeiter, habe ihr Werksdirektor

Beickler noch voller Stolz diese Auffassung vertreten. Er mußte sich jetzt

vom Gegenteil überzeugen lassen. Durch mehr als 1 500 Arbeiterinnen und

Arbeiter des Preßwerks (...) und anderer Abteilungen des Bochumer Opelwerks,

die am Morgen des 25. Mai vor seinem Direktionsgebäude demonstrierten und

erregt die Verwirklichung ihrer Forderungen verlangten. 'Was wir wollen?',

meinte ein stämmiger Preßwerker, 'das könne wir Euch sofort sagen: Wir

wollen, daß unsere Parkplätze endlich bewacht werden! Wir wollen für unsere

Arbeit den gleichen Lohn wie unsere Kollegen in Rüsselsheim, und wir wollen

einen 13. Monatslohn als Weihnachtsgeld!' 'Und natürlich die Bezahlung

unserer Streikstunden!' ergänzt sein Nachbar.



Bereits am Freitagabend, kurz vor Ende der Mittagsschicht, wurde das Preßwerk

zum ersten Male stillgelegt. Wie ein Lauffeuer hatte sich zuvor die Nachricht

unter den Arbeitern verbreitet, daß erneut insgesamt 27 ihrer Fahrzeuge

aufgebrochen, ausgeraubt oder beschädigt worden waren. Und das auf den

außerhalb der Werkstore gelegenen Parkplätzen.



'Jetzt langt es!', erklärten die empörten Arbeiter und setzten kurzerhand

ihre Maschinen still. Von 22 Uhr bis zum Ende der Schicht um 22 Uhr 45. Doch

bevor sie nach Hause gingen, stellten sie der Werksdirektion noch ein

Ultimatum. Bis Montag früh acht Uhr. 'Wir wollen endlich bewachte

Parkplätze!' verlangten sie und fragten: 'Warum kann denn der Werkszaun nicht

um die Parkplätze herum gelegt werden?'



Für die Opel-Arbeiter sind Fahrzeuge kein Luxusgegenstand. 'Wenn ich mit der

Bahn oder dem Bus hierher kommen will', erklärt ein ehemaliger Bergmann aus

Lünen, 'dann muß ich morgens früh bestimmt zwei Stunden eher aufstehen!

Obendrein ist das auch noch teurer. Fahrgelderstattung gibt es nicht bei

Opel!' Die BOT, RE, OB und selbst HAM (Bottrop, Recklinghausen, Oberhausen

bzw. Hamm,d.Vf.) - Kennzeichen an den Fahrzeugen auf den Parkplätzen

beweisen, daß es nicht nur diesem Kumpel so geht.



Aber auch mit den anderen Forderungen, sei es das 13. Monatseinkommen oder

die Angleichung ihrer Löhne an die in Rüsselsheim, ist es den Arbeitern

ernst.



'Wird denn hier weniger gearbeitet als in Rüsselsheim?' so fragen sie. Und

weiter: 'Was wir hier weniger verdienen, damit bauen die sichg jedes Jahr ein

paar neue Paläste. Als ob das Brot und die Mieten hier billiger wären, als in

Rüsselsheim!?'



Immerhin erzielt die Adam Opel AG durch die Unterschiede zwischen den

Bochumer und den Rüsselsheimer Löhnen einen Extragewinn von 6,1 Millionen

Mark im Jahr.



Als am Montag früh um 8 Uhr noch immer kein positiver Bescheid aus dem

Verwaltungsgebäude vorliegt, werden die Maschinen im Preßwerk erneut

abgeschaltet. Die Kollegen beschließen, zum Verwaltungsgebäude zu

marschieren. Zuvor jedoch informieren sie die Belegschaften anderer

Abteilungen.



Viele schließen sich dem Zug an. Auch wenn überall Meister postiert werden,

die fleißig Namen notieren. Die Polsterei steht um 10 Uhr. Ebenfalls das

Hauptband der Abteilung D 5 und einige Bänder in anderen Abteilungen.



Jetzt endlich hat Direktor Beickler auch ein Ohr für ihre Forderungen. Er

bittet die Streikenden, ihre Forderungen schriftlich zu formulieren und eine

Verhandlungskommission zu benennen. Das geschieht.



'Bis Mittwoch wollen wir aber Bescheid haben! Sonst fliegen die Brocken

wieder! Dann aber richtig!' erklären die Streikenden, bevor sie um 11 Uhr 15

wieder die Arbeit aufnehmen. Und ein Vertrauensmann fügt hinzu: 'Wenn der

Beickler nicht zustimmt, dann erlebt er was, das hat's hier in Bochum noch

nicht gegeben!'"

=Unsere Zeit Nr.23,Essen 6.6.1970,S.3;

Rote Fahne - Röchling Nr.5,Völklingen o.J. (1970);

Die Presse Nr.1,Bochum o.J. (15.9.1970),S.2;

Zündkerze Sdr.Nr.2, Nr.2, 3 und 4,Bochum 1970, 1970, Sept. 1970 bzw. 1970,

S.1ff, S.5, S.4 bzw. S.5



26.05.1970: 

Vermutlich heute gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG Opel) der KPD/ML-ZK

bei Opel Bochum eine Sondernummer 2 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 11.5.1970,

10.6.1970) zu den gestrigen Streiks im Preßwerk heraus, für deren 4 Seiten

DIN A 4 Werner Lehrke verantwortlich zeichnet. Enthalten ist auch eine

italienische Seite, eine Seite dient als Kleinplakat mit der Forderung "Eine

Mark mehr!" quer in Rot über den Text "Steter Tropfen höhlt den Stein! Der

rollende Streik ist das beste Mittel!" gedruckt. Im deutschen Text heißt es:"

HOCH DIE KOLLEGEN VOM PRESSWERK!

DER KAMPF GEHT WEITER!



WIR SIND KEINE ARBEITER 2. KLASSE!



Warum verdienen die Kollegen in Rüsselsheim (in Hessen,d.Vf.) mehr? Natürlich

nicht, weil sie mehr arbeiten als wir, sondern weil bekannt ist, daß sie

solidarisch zu kämpfen verstehen. Opel bezahlt uns hier weniger, weil Opel

denkt, wir könnten nicht solidarisch kämpfen. Das sah auch lange Zeit

wirklich so aus:

Das Werk wurde aus dem Boden gestampft, aber nicht nur das Werk, sondern auch

die Belegschaft.

Hinzu kommt noch der dauernde Belegschaftswechsel, wobei einige Abteilungen

als 'Taubenschlag' berühmt und berüchtigt wurden.



ABER JETZT WIRD DAS ANDERS!



Der gestrige Streik hat bewiesen, daß Opels Rechnungen nicht mehr stimmen.

Die Kollegen vom Preßwerk haben gezeigt, wie man es macht. Die Kollegen aller

anderen Abteilungen haben ihre Initiative begrüßt. Daß es nicht zu einem

allgemeinen Streik gekommen ist, liegt nur an der MANGELHAFTEN ORGANISIERUNG.

Die Kollegen der anderen Abteilungen sind keine 'Feiglinge' sie waren und

sind weiter bereit, sich zu solidarisieren.



ABER: KEINE SOLIDARISIERUNG OHNE ORGANISIERUNG!



Der gestrige Streik, das war allen Kollegen klar, darf keinen Schlußpunkt

bedeuten. Er bedeutet nur den ANFANG.

9 JAHRE UNTERBEZAHLUNG SIND GENUG! 9 JAHRE UNTER-UNTERBEZAHLUNG UNSERER

KOLLEGINNEN, DIE ZU WERKTÄTIGEN DRITTER KLASSE (Frauen,d.Vf.) GESTEMPELT

WURDEN, SIND GENUG!

Wir haben errechnet, wieviel die Angleichung Opel im höchsten Falle kosten

würde. Angenommen, jeder von uns würde eine Mark mehr bekommen, so würde das

18 000 DM pro Stunde, 144 000 Mark pro Tag und 35 Mio. Mark pro Jahr kosten.

Da Opel allein 420 Mio. im Jahr über den großen Teich abführt, würden ihm

immer noch 385 Mio bleiben. Ist das nicht etwa schon viel zu viel?



DESHALB: DER KAMPF GEHT WEITER!

FÜR DIE ANGLEICHUNG AN RÜSSELSHEIM!



Kollegen!

Jetzt ist eine günstige Situation. Wir dürfen sie nicht verspielen. Solange

die Hochkonjunktur dauert, ist Opel auf uns angewiesen.

Deshalb können wir nicht auf die nächste Rezession warten.

Wenn wir solange warten, bleiben wir ewig Arbeiter zweiter Klasse.



Aber eins muß klar sein:

VON UNSEREN 2 FORDERUNGEN IST EINE EINE FORDERUNG, DIE ANDERE EINE

SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT!



Viele Kollegen fahren mit dem Wagen zur Arbeit. Sie tun das nicht als

Touristen zu ihrem Vergnügen. Sie tun das, weil die Kapitalisten und ihr

Staat nicht einmal genügend Geld für Bahnen und Busse ausgeben. Opel sorgt

dafür, daß an SEINE Autos kein Krätzerchen drankommt. UNSERE Autos dagegen

läßt Opel nicht einmal bewachen. Inzwischen haben sich ganze Gangsterbanden

auf unsere Autos spezialisiert:

Es sind schon ganze Motoren geklaut worden, ganz zu schweigen von Reifen usw.

Opel will nun, aufgrund des Streiks angeblich die Parkplätze bewachen lassen.

Ist das ein großer Erfolg?

Das ist eine Selbstverständlichkeit!



Rechnen wir aus, was Opel das kosten wird: Wenn je zwei Wächter für die

großen Parkplätze und ein Parkwächter für die Dannenbaumstr. notwendig sind

und ca. 700 Mark bekommen, so macht das sage und schreibe 3 500 Mark für Opel

monatlich, so viel wie ein Abteilungsleiter kriegt!



ODER: Auf den Kopf jedes Kollegen 1/8 Pfennig pro Stunde!



DAS IST EINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT!



DESHALB: DER KAMPF GEHT WEITER FÜR DIE HAUPTFORDERUNG!



Wir dürfen Opel jetzt keine Atempause gönnen. Wir müssen uns AB JETZT

ORGANISIEREN!



Durch eine Art ROLLENDEN STREIK können wir Opel kirre machen. Es darf nicht

wieder 'Ruhe' einziehen, solange wir noch Arbeiter 2. Klasse sind. Bei der

nächsten Arbeitsniederlegung sollte, in welcher Abteilung es auch sein mag,

ein STREIKKOMITEE gewählt werden. Die Kollegen, die unser Vertrauen genießen,

sollten darein gewählt werden.



DAS STREIKKOMITEE MUSS ALS ERSTES ALLE ABTEILUNGEN AUFSUCHEN."

=Zündkerze Sdr.Nr.2,Bochum o.J. (1970)



Juni 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Juni ihren 'Roten Kadett' Nr.6

(vgl. Mai 1970, Juli 1970) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.4 und 9,Bochum Apr. 1970 bzw. Sept. 1970



04.06.1970: 

Bei Opel Bochum verteilt der Betriebsrat heute, laut KPD/ML-ZK, den Bericht

über die Betriebsversammlungen vom 15. bzw. 17.4.1970.

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.1



05.06.1970: 

In Bochum findet ein Streik bei Krupp Bochumer Verein für eine Mark mehr in

der Stunde statt, der sich, laut der KPD/ML-ZB, die dort 'Die Walze'

herausgibt, bis zum Nachmittag auf 5 Werke des Betriebes ausdehnt (vgl.

26.5.1970, 2.6.1970).

Laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum werden die Kollegen von der IGM-Ortsverwaltung

mit dem Hinweis auf die Berücksichtigung ihrer Forderungen in der

Stahltarifrunde (STR) beschwichtigt.



Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (IGM-Bereich - vgl. 22.1.1971)

berichtet, "als die Kollegen vom BV in Bochum im Juni für eine Mark mehr

streikten, erklärte die SPD-Betriebsgruppe sofort: 'Man kann mit einem Streik

im Moment der SPD nur schaden'. Sie wiegelte den Streik ab. Statt der

geforderten einen Mark kamen deshalb auch nur 5 bis 17 Pfennig heraus. Die

Betriebsgruppe der KPD/ML beim BV hatte die Forderung nach einer Mark mit

Flugblättern immer wieder unterstützt."

=Die Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971,S.4;

Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.8.



07.06.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet vom VLK:"

VERTRAUENSLEUTE-VOLLKONFERENZ vom 7.6.1970



Von den rd.520 Vertrauensleuten, die in den Werken Laer und Langendreer aus

über 15 000 'Organisierte' ausgewählt worden waren, um den Betriebsrat

regelmäßig über die Stimmung in der Belegschaft zu unterrichten, waren mehr

als die Hälfte um 9 Uhr 30 ins teure Humboldt-Eck gekommen. Auf der

Tagesordnung standen als wichtigste Punkte:

Neuwahl für den Vorsitz des Vertrauensleutekörpers und das 312-DM-Gesetz

(bzw. 624-Mark-Gesetz). Hinzu kam die Bildung eines 'erweiterten

Vertrauensleuteausschusses', wozu der Betriebsrat kurzfristig einen Antrag

vorlegte. In seinem Rechenschaftsbericht als bisheriger Vorsitzender (seit

April 1967) des Vertrauensleutekörpers behauptete Friedhelm Sonak,

Blockbetriebsrat für die Abteilung 6 014 I 6 022, die Gewerkschaft habe schon

bei früheren Vertrauensleutewahlen keine 'Opfer' und 'Mühen' gescheut, um

eine 'Persönlichkeitswahl' zu gewährleisten. Wozu, fragt man sich, wenn es

deren Aufgabe doch nur sein soll, Zubringerdienste für die BR zu leisten.

Wenn es diesem also darauf ankommt, daß die Vertrauensleute u.a. SEIN

Vertrauen genießen? Sonak hatte sich bei der letzten Wahl 1964 ja auch völlig

konsequent verhalten, indem er einfach selbst bestimmte, wer Vertrauensmann

sein sollte!



Nun redete er plötzlich davon, daß 'man' sich von zahlreichen 'Karteileichen'

habe trennen müssen! Waren darunter auch Leute, die zu viel Vertrauen bei den

Kollegen besaßen, die daher dem BR nicht mehr vertrauenswürdig genug

erschienen. Über solche Fragen ging der Sonak vornehm hinweg.



Ja, er verstieg sich dann sogar zu der Behauptung, die letzte

Vertrauensleutewahl (im März) sei 'nach demokratischen Prinzipien' vor sich

gegangen! Obwohl doch bestimmt eine ganze Reihe der Anwesenden den Artikel in

Zündkerze Nr.1 gelesen haben, wurde gegen diese unverschämte Lüge keinerlei

Einspruch laut.



Zum Streik der Presswerker (vgl. 22.5.1970, 25.5.1970,d.Vf.), den er

vorsichtig als 'Demonstration' umschrieb, hatten nach Sonaks Ansicht manche

Vertrauensleute 'nicht die richtige Einstellung gefunden'.



Was hieß das? Offenbar wollte er damit sagen, daß diese Kollegen den BR zu

wenig unterstützt haben in seinem Bemühen, abzuwiegeln.



Sonaks Ausführungen waren insgesamt so inhaltsleer, daß es zu keiner

vernünftigen Aussprache kommen konnte. Weil die Vertrauensleute einander auch

zu wenig kannten, wurde er schließlich wiedergewählt, obgleich viele

Vertrauensleute ihn für eine 'Geige' hielten. Um den Vertrauenskörper zu

einem 'wirksameren Instrument' zu machen, das den BR rechtzeitig über Unruhe

in der Belegschaft in Kenntnis setzen soll, damit er beizeiten 'beruhigen'

kann, wurde vom BR kurzfristig ein Antrag auf Bildung eines 'erweiterten

Vertrauensleuteausschusses' eingebracht, dem je ein Vertrauensmann eines

jeden 'Sprengels' (verantwortlicher Bereich eines Block-Betriebsrats)

angehören sollte. Dieser Antrag ging von Tisch zu Tisch und wurde dann, mit

zahlreichen Unterschriften versehen, ohne jede Diskussion, als angenommen

betrachtet. Viele Vertrauensleute fühlten sich durch dieses Vorgehen

überfahren, da ihnen keine Zeit zum nachdenken blieb.



Offenbar war der BR nicht schnell genug über den Streik im Preßwerk

informiert gewesen. Das ging auch aus einem Schlußwort vom BR-Vorsitzenden

Perschke hervor, worin er die 'Kommunisten und Marxisten-Leninisten', weil

sie aus einer begreiflichen Unruhe über die Parkplatzdiebstähle durch ihre

Flugblätter daraus einen politischen Streik gemacht hätten, beschimpfte.

Darüber seien die Kollegen im Preßwerk sehr empört gewesen und außerdem habe

das seine Verhandlungsposition gegenüber der Adam-Opel-AG erheblich

geschwächt.



Dazu können wir nur sagen:

Wer hätte sonst im weiteren Umkreis des Preßwerkes überhaupt davon erfahren?

Wer hat denn z.B. gewußt, daß schon am Freitagabend vorher rd. eine Stunde

zehn Pressen still standen? Daß die Position des Betriebsrats geschwächt war,

können wir uns lebhaft vorstellen, war es ihm doch nicht gelungen, die

Angelegenheit einfach zu vertuschen! Ohne die Flugblätter wäre keinerlei

Solidarität in den anderen Abteilungen möglich gewesen, da die Kollegen vom

Preßwerk überall erst mühsam hätten erklären müssen, worum es ging.



Wie das bei der Beschaffenheit der Arbeitsplätze, wo man kaum miteinander

reden kann, möglich sein sollte, ist uns ein Rätsel! Die Behauptung Perschkes

ist also eine glatte Irreführung. An solchen Beispielen wird deutlich, wie

wenig der Vertrauensleutekörper geeignet ist, unsere Interessen

durchzusetzen, und daß ein gut organisierter Streik mehr erreichen kann als

-zig Vertrauensleutekonferenzen!"



In einem weiteren Artikel befaßt sich die RBG mit dem:"

312-DM-GESETZ



Zu diesem Tagesordnungspunkt der Vertrauensleute-Vollkonferenz  gab der

Versammlungsleiter einem Vertreter der 'Bank für Gemeinwirtschaft' namens

Rolf Dorner das Wort. Dieser 'Kollege' Dorner lobte zunächst einmal den

Arbeitsminister Arendt als einen 'Vollblutgewerkschafter' und betonte, ihm

sei das 312-DM-Gesetz hauptsächlich zu verdanken. Er erinnerte weiter an den

'Vater des Gedankens' 'Schorsch' Leber und bemerkte, daß die für die 312 DM

zuständige 'Tochter der BfG' auch 'Leberbank' genannt werde. Außerdem

verteidigte er die Tatsache, daß diese 'Arbeitnehmerbank' dem Stinneskonzern

wieder auf die Beine geholfen hat, angeblich, 'damit die Arbeitsplätze dort

erhalten bleiben'.



In Wirklichkeit wollten diese Herrschaft dort nur IHRE Mitbestimmung mit

unseren Zwangsersparnissen erkaufen!



Kollegen, wir werden von diesen und anderen Herrschaften jetzt plötzlich so

umworben, nicht etwa, weil wir vermögende Leute geworden wären, sondern ganz

im Gegenteil, weil wir unvermögend sind, weil wir über die 26 DM im Monat

nicht selbst verfügen können, sondern gezwungen sind, sie selbst anzulegen.



Und was ist das überhaupt für ein 'Vermögen', das da nach sechs Jahren

zustandekommen soll und über das wir dann nach einem weiteren Sperrjahr

endlich verfügen?



WAS WIR DANN IN SIEBEN JAHREN 'ERSPART' HABEN, BEKOMMT IG-METALL-CHEF BRENNER

JEDEN MONAT!



Für die Adam Opel A.G. macht das im Höchstfall (für eine Belegschaft von 50

000) ganze 17 Mio. DM pro Jahr aus. Verglichen mit den 420 Mio. Reingewinn

ist das ein glatter Hohn!



Und wer weiß schon, wieviel das Geld noch nach sieben Jahren wert ist?

Steigen doch jetzt schon die Preise wie verrückt! Außerdem wird sich noch

mancher daran erinnern, was anno dazumal aus 'seinen' VW-Ersparnissen

geworden ist.



Wir sehen also: das Geld soll nicht etwa uns zu Vermögen verhelfen, sondern

dient lediglich dazu, daß die Banken (ob nun Dresdner Bank, Westfalenbank

oder Bank für Gemeinwirtschaft) Geschäfte abschließen können mit Stinnes

usw., wobei wir sowieso nicht gefragt werden!



Was heißt hier überhaupt 'Vermögen'?! Die Arendt, Leber und Co., die uns zur

'Vermögensbildung' anhalten wollen, tun so, als sei Spareinlage und Kapital

das gleiche, nämlich 'Vermögen'. Dabei vertuschen sie, daß die Spareinlage

eines Arbeiters meist nur ein Notgroschen ist, während das Kapital immer mehr

Kapital erbringt, daß das Kapital Macht über die Arbeiter bedeutet. Z.B.

können sich die Kapitalisten durch ihr Kapital die Arbeitskraft der Arbeiter

kaufen, sie können rationalisieren, um Arbeiter zu entlassen usw. Für

letzteren Fall hat Arendt auch dieses 'Vermögen' gedacht, wenn er sagt, daß

es für den Fall der Arbeitslosigkeit als Notgroschen dienen kann.



Welcher Arbeiter oder kleine Angestellte kann schon durch seine Spareinlage

Macht ausüben? Keiner!



Wir müssen im Gegenteil nach wie vor für Opel arbeiten, und ehe die

Zwangsersparnisse - vorausgesetzt, das Geld würde nicht entwertet -

nennenswerte Beträge ergeben, sind wir schon gestorben.



Wenn wir uns dann noch die näheren Einzelheiten dieses großartigen 312- oder

624- oder weiß der Kuckuck wieviel DM-Gesetzes ansehen, bemerken wir, daß

seine Verfertiger noch einen weiteren Hintergedanken damit verbunden haben:



Die 26 DM pro Monat zahlt die Firma erst nach sechs Monaten ununterbrochener

Betriebszugehörigkeit. Sie werden nicht gezahlt, wenn jemand länger als sechs

Monate krank 'feiert'. Wie das bei einer länger dauernden Unfallverletzung

aussieht, ist ebenfalls 'noch nicht entschieden', wie es so schön heißt. Und

wie ist das mit den Schwerbeschädigten, die wegen ihrer Verletzung häufiger

aussetzen müssen? Inwieweit wird dabei das Mutterschutzgesetz berücksichtigt?

Darüber machen sich die Gesetzesmacher natürlich keine Gedanken!



Das Gesetz dient also eindeutig auch noch dazu, die Zahl derer

einzuschränken, die sich einen anderen Arbeitsplatz suchen. Wir sollen zur

Arbeit angehalten werden, wenn wir noch nicht ganz gesund sind. Denn die 26

DM sind nur eine 'freiwillige Zulage' der Adam Opel A.G.



Auch ältere Kollegen, die in zwei oder drei Jahren aus dem Arbeitsprozeß

ausscheiden, können an das Geld erst nach sieben Jahren, es sei denn, sie

können vorher noch heiraten. Denn wenn jemand heiraten will, wird das Geld

schon nach zwei Jahren verfügbar, wobei allerdings noch nicht geklärt ist, in

welcher Höhe.



Unsere Forderung muß daher lauten: statt der 'vermögenswirksamen' Anlage

sollte uns ein entsprechend höherer Lohn ausgezahlt werden. Oder ist die IGM

der Ansicht, wir bekämen schon genug, so daß wir jetzt sparen können?!"

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970,S.5ff



08.06.1970: 

Vermutlich in dieser Woche gibt die KPD/ML-ZB, vermutlich landesweit, das

folgende Flugblatt mit einer Seite DIN A 4 unter Verantwortung von Peter

Weinfurth, Essen, anläßlich des Streiks bei Krupp Bochum (vgl. 5.6.1970)

heraus:"

STREIK!



STREIK BEIM BOCHUMER VEREIN (KRUPP)!



Am Freitag haben die Kollegen beim Bochumer Verein (krupp) von 8 Uhr an bis

zum Schichtende die Arbeit niedergelegt. Sie fordern



EINE MARK MEHR FÜR ALLE



Die Kollegen haben lange genug zugesehen, wie ihnen die Kapitalisten den Lohn

dadurch geraubt haben, daß sie ständig die Mieten und Preise erhöhten.



Kollegen, die Krupp-Arbeiter gehen den richtigen Weg!



Weder CDU und NPD, weder FDP noch SPD und DKP werden etwas an den

Preissteigerungen ändern, mit denen die Kapitalisten Euch den Lohn rauben.

Nur der Arbeiter selbst kann dem unverschämten Lohnraub Einhalt gebieten,

indem er sich zurückholt, was dem Kapital ihm raubt.



Von den bürgerlichen Parteien schiebt eine der anderen die Schuld in die

Schuhe. Aber eine wie die andere hat nur ein Ziel: Den Kapitalisten nicht auf

die Füße zu treten und ihnen ihre Profite zu sichern.



Mit 'Vermögensbildung', mit dem Märchen vom Preisstop durch ein Gesetz wollen

sie Euch für dumm verkaufen.



Arbeiter!



Die Kollegen von Krupp, von Mannesmann (vgl. Düsseldorf - 18.5.1970,d.Vf.),

von Opel (vgl. Bochum - 22.5.1970,d.Vf.) haben gegen den Lohnraub gestreikt.

Sie gehen den richtigen Weg.



Die Krupp-Herren haben viermal höhere Profite aus ihren Arbeiter herausgeholt

als vorher. Von 15 auf 60 Millionen sind die Profite gestiegen. Und das geht

überall so.



Aber uns wollen die Kapitalisten mit Kleinigkeiten abspeisen.



Gleichzeitig rufen sie nach dem allgemeinen Lohnstop, drohen sie mit

Arbeitslosigkeit, um uns einzuschüchtern. Doch die Arbeiterklasse zeigt den

Kapitalisten überall, daß ihnen das nicht gelingen wird. Sie streikt.



Arbeiter!



Wollt ihr noch länger zusehen, wie die Kapitalisten alles einsacken und ihr

leer ausgeht?



Wollt ihr noch länger zusehen, wie die Preise und Mieten steigen?



Wollt ihr noch länger der CDU und der SPD glauben, wo beide doch nur die

Profite der Kapitalisten im Kopf haben und die Arbeiter betrügen, wo sie

können?



Nein, Kollegen, der einzige Weg, Eure Lage zu verbessern, ist der Weg, den

die Bochumer Kollegen gehen.



Nur wenn ihr heute dem Kapital Eure Macht zeigt, werdet ihr Eure Forderungen

durchsetzen."

=KPD/ML-ZB(-LV NRW):Streik! Streik beim Bochumer Verein (Krupp)!,Essen o.J.

(Juni 1970)



10.06.1970: 

Die Nr.2 der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-Betriebsgruppe

(RBG) der KPD/ML-ZK erscheint vermutlich heute für Opel Bochum (vgl.

26.5.1970, 30.6.1970) mit 22 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Werner

Lehrke in Bochum und dem Hauptartikel "Betriebsratsvorsitzender Perschke -

Der Arbeiter-Dompteur" zu den Betriebsversammlungen (vgl. 15.4.1970,

17.4.1970) bzw. dem BR-Bericht darüber (vgl. 4.6.1970). Eingegangen

wird darin auch auf die letzten Betriebsratswahlen (BRW - vgl. Mai 1968) und

aufgerufen zu den nächsten Betriebsversammlungen am 17. und 18.6.1970.



In einem Kasten heißt es:"

Auch der Harry Black sprach im Betrieb Kollegen darauf an, ob sie wüßten, wer

bei der ZÜNDKERZE mitarbeite. Sie könnten ihm ruhig vertrauen. Da er nichts

herausbekam, schaltete er die politische Polizei (K14,d.Vf.) ein, wie ein

Vertrauensmann erzählte."



In einem weiteren Kasten heißt es:"

In einem Großbetrieb wurde eine Kollegin in einem stockfinsteren Raum

vergewohltätigt.



Als sie dies den Kolleginnen und Kollegen erzählte, frgaten diese sofort, wer

es denn gewesen sein könnte. Sie könne das nicht sagen, es sei viel zu dunkel

gewesen, antwortete sie. Die Kollegen ließen aber nicht locker. Ob es denn

nicht wenigstens irgendeinen Anhaltspunkt gegeben habe. Daraufhin die

Kollegin: 'Es könnte einer vom Betriebsrat gewesen sein. Die ganze Arbeit

mußte ich allein machen!'"



Gestellt wird auch eine:"

PREIS-FRAGE!



KOLLEGEN!



Was ist der Unterschied zwischen einem Kamel und einem Betriebsrat?



Ein Kamel kann 14 Tage arbeiten, ohne zu saufen.

Ein Betriebsrat kann 14 Tage saufen, ohne zu arbeiten..."



Kommentiert wird ein Artikel der 'Welt am Sonntag' (WamS - vgl. 3.5.1970)

über Opel-Boß Mason und über diesen der folgende Witz verbreitet:"

Mason geht mit seiner Frau am Strand spazieren. Doch es will keine rechte

Unterhaltung aufkommen, denn Mason denkt an die fallenden Börsenkurse und

kaut nervös an seiner dicken Brasil.



Plötzlich ruft seine Frau entzückt: 'Schau Liebling, wie das Meer steigt.'

Darauf brüllt Mason: 'Kauf ich! Kauf ich!'"



Ein weiterer Beitrag lautet:"

BETR.: KRANKENKONTROLLEURE



Manche Kollegen wollten nicht glauben, daß sie den Krankenkontrolleur einfach

vor der Tür stehen lassen dürfen. Wir wiederholen deshalb nochmals

ausdrücklich, daß die A. Opel A.G. kein Recht hat, kontrollieren zu lassen,

ob wir auch wirklich krank sind. So etwas ist auch im Lohnfortzahlungsgesetz

nicht vorgesehen.



Wie die Kapitalisten es dennoch versuchen, könnt ihr in nebenstehendem

Artikel aus der Westfälischen Rundschau lesen" (WR - vgl. 22.1.1970).



Der nächste Beitrag widmet sich dem:"

ABFINGERN



Wie andere Firmen nimmt sich die Adam-Opel-AG das Recht, bei uns Stichproben

zu machen, ob wir auch nichts gestohlen haben. Es genügt dem Kapitalisten

nicht, zu kontrollieren, daß nur Werksangehörige durch die Tore treten,

sondern sie betrachten auch diese Werksangehörigen noch als Diebe. Während

man sich beim Bochumer Verein (Krupp BV,d.Vf.) darauf beschränkt, mal einen

Blick in die Tasche zu werfen, holt einen bei Opel ein Werkschützer in einen

dunkleren Raum im Pförtnerhäuschen. Der Form halber wird man dann noch

gefragt, ob man etwas gegen eine Durchsuchung habe, und ehe man noch richtig

überlegen kann, tastet ein anderer Werkschützer einem schon sämtliche

Anzugstaschen ab. Damit nimmt sich die Opel AG ein Recht heraus, welches

bisher in der BRD nur der Kripo vorbehalten ist. Ihr seid nicht verpflichtet,

euch einer solch beschämenden Abfingerung zu unterwerfen, und man kann euch

auch nicht ohne Grund festhalten, da das Freiheitsberaubung ist."



Eingegangen wird auch auf die Reaktionen von harry Black auf die erste

'Zündkerze' (vgl. 13.4.1970).



In einem weiteren Artikel geht es um die:"

DREI WÄLLE



Im September 1969 wollten es die Kollegen von Hoesch (in Dortmund - vgl.

2.9.1969,d.Vf.) besser haben. Sie streikten. Dabei machten sie eine

Erfahrung, die für uns alle sehr wichtig ist: Die Kollegen von Hoesch trafen

nämlich sofort auf Widerstand. Der erste Widerstand kam von der IG-Metall,

dem Betriebsrat und dem Arbeitsdirektor. Diese versuchten mit allen Mitteln

abzuwiegeln.



DAS WAR DER ERSTE WALL, DEN DIE KOLLEGEN ÜBERWINDEN MUSSTEN.



Es gelang ihnen. Sie pfiffen die Gewerkschaftsbonzen und Co. aus und nahmen

ihnen den Lautsprecherwagen ab. Aber sofort standen sie vor dem nächsten

Wall: der Konzernverwaltung, die die Entscheidungen über die Arbeiter trifft.

Diese verkörperte besonders der Direktor Harders. Viele Kollegen waren

entschlossen, auch diesen Wall zu überwinden. Einige von ihnen fuhren zur

Villa von Harders und öffneten das Eingangstor. Aber in diesem Augenblick

wurden sie von Angehörigen des Direktors mit der Pistole bedroht. Vor diesem

dritten Wall, der Waffengewalt, mußten sie sich zurückziehen.



Dieses Beispiel zeigt uns, wie das Verhältnis zwischen den Kapitalistenbossen

und uns ist: Die Kapitalisten sitzen in einer Festung, die durch drei Wälle

geschützt ist. Der innere Wall ist die Waffengewalt, nämlich die Armee, die

Polizei und der Werkschutz. Diesen Wall sieht man erst, wenn es ernst wird,

wenn man schon an das Hauptquartier der Kapitalisten herangekommen ist. Die

Streiks in Belgien haben das besonders gut gezeigt: Die Arbeiter sahen sich

sofrt massiven Polizeieinheiten gegenüber, als der Streik immer mehr zu einem

politischen wurde.



Der zweite Wall ist die Bürokratie der Kapitalisten, die Staatsbeamten und

hohen Angestellten der Konzerne. Dieser zweite Wall strahlt nach außen das

strahlendste Blendax-Lächeln aus, seine Vertreter laufen täglich mit einer

Maske des Lächelns herum. Wie friedlich dieser Wall uns gegenüber gesinnt

ist, wissen alle Kollegen, daß diese Herren nämlich ausrechnen müssen, wie

sie uns am besten betrügen können. Doch weil wir trotz des Blendax-Lächelns

und des raffinierten Rasierwasserduftes nicht auf diese Herren hereinfallen,

brauchen die Kapitalisten noch einen Wall gegen uns. Dieser Wall ist

angeblich gar kein Wall gegen uns, sondern angeblich ist das ein Schutzwall

für uns. Es ist der Gewerkschafts- und BR-Apparat.



Dessen Vertreter beteuern immer wieder scheinheilig, daß sie unsere

Interessen vertreten und nicht die der Kapitalisten. Aber immer, wenn wir

Richtung auf die Festung des Kaptals nehmen, wenn wir uns dagegen in Bewegung

setzen, stoßen wir zuerst gegen diesen Gewerkschafts- und BR-Apparat. Er

hindert uns, vorwärtszukommen. Er ist kein Panzerwagen, auf dem wir vorrücken

können, sondern eine Mauer, die uns im Wege steht.



Zwar gibt es einige Kollegen in den Gewerkschaften, die nicht wie die

Mitbestimmungsbonzen und die meisten Betriebsräte ihr Gewehr gegen uns in

Anschlag haben, sondern gegen die Kapitalisten wirklich kämpfen wollen, aber

diese Kollegen können mit ihrem guten Willen diesen Wall nicht in Bewegung

setzen. Denn Wall bleibt Wall, ganz allein können wir keine Bresche in ihn

schlagen.



Was wir brauchen ist ein Sturmtrupp von außen; eine rote Betriebsgruppe.

Dieser Sturmtrupp muß so stark werden, daß er die Aktionen der Kollegen

führen, daß er z.B. Streiks organisieren kann. Wenn es einen solchen

Sturmtrupp gibt, der von außen kommt, dann können auch die kampfgesinnten

Kollegen, die auf dem Wall 'Gewerkschaftsbürokratie' sitzen, ihm vielleicht

sogar ein Tor öffnen und dieser Sturmtrupp muß sich vom Gewerkschafts- und

Betriebsratsapparat neben anderen in einem wesentlichen Punkt unterscheiden:

Er darf sich von der Festung der Kapitalisten nicht bezahlen, nicht aushalten

lassen wie die Gewerkschaften. Er muß es unbedingt verhindern, sich

irgendwelche finanziellen Fesseln anlegen zu lassen. Denn die Kapitalisten

haben klar erkannt: Geben wir der Gewerkschaft bestimmte Pöstchen wie

Minister- und Aufsichtsratssessel, machen wir den Gewerkschaftsapparat zu

einem Beamtenapparat, so haben wir die Gewerkschaften voll in der Hand und

können schalten und walten wie wir wollen. Die Gewerkschafter werden sich

dann hüten, wieder ihren Anzug und ihr weißes Hemd mit dem Arbeitsanzug zu

vertauschen.



Die Gewerkschaften haben sich eindeutig von einem Verband der Arbeiter in ein

Werkzeug der Kapitalisten verwandelt, in einen Wall gegen die Arbeiter. Das

zu vertuschen wäre Augenwischerei. Und die meisten Kollegen wissen das schon

seit langem. Man braucht sich doch nur anzuschauen, wer die

Gewerkschaftsbeiträge vom Lohn abbehält: die Konzerne haben dies für die

Gewerkschaften übernommen, so wiees der Staat bei der Kirchensteuer macht.

Und wer kennt nicht die Gewerkschafts- und Betriebdratsbonzen, die bei jedem

Streik um ihren Posten zittern, weil sie befürchten müssen, die Kapitalisten

würden sie zum Teufel jagen und sie müßten wieder arbeiten gehen. Wer kennt

nicht all diese Alpträume dieser Herren a la Perschke, Black und Co.! Eins

ist klar: Wenn wir vorwärts wollen, werden wir so oder so zuerst auf den

äußeren Wall des Kapitals, den Gewerkschaftsapparat stoßen.



Die meisten Kollegen haben das schon lange erkannt, nur wissen sie nicht

recht, was nun zu tun ist. Doch in den Septemberstreiks waren die ersten

Ansätze vorhanden, um wirklich vorwärts zu kommen. In vielen Betrieben

entstanden bei Streikbeginn sofort Streikkomitees. So in Dortmund bei den

Zechen (IGBE-Bereich,d.Vf.), in Bremen auf der Klöcknerhütte usw. Diese

Streikkomitees übernahmen sofort die Leitung der Streiks. Sie hatten das

Vertrauen aller Kollegen, alle Kollegen standen hinter ihnen. Wie die

Gewerkschaftsbürokratie ins Schleudern kam, was sie unternahm, um die

Solidarität zwischen den Streikkomitees und den Kollegen zu zerstören, mag

folgendes Beispiel aus Dortmund zeigen: Gewerkschaftsbonzen fuhren von Zeche

zu Zewche mit dem altbewährten Trick: Bei Minister Stein erzählten sie, die

Kumpels von Hardenberg seien eingefahren, dann fuhren sie zu Hardenberg und

sagten, die Kumpels von Minister Stein seien eingefahren. Doch einen dieser

Bonzen erwischten die Kumpel bei seinem dreckigen Spiel. Sie verabreichten

ihm eine gehörige Tracht Prügel.



Die Kollegen wußten allerdings nicht recht, was sie nach dem Streik weiter

tun sollten. Die Streikkomitees waren aufgelöst, die GewerkschaftsbÜrokratie

entriß den Kollegen Stück für Stück ihrer Errungenschaften. Viele Kollegen

wissen heute, daß diese Komitees in anderer Form hätten weiter existieren

müssen: in Form einer roten Betriebsgruppe, um beim nächsten Streik gerüstet

zu sein. Sie wissen, daß man allein auf sich gestellt nichts gegen die drei

Wälle unternehmen kann. Man muß sich mit Gleichgesinnten zusammentun gegen

diese drei Wälle. Ein Schlachtplan muß entworfen werden, wie man sie

überwinden kann.



Die RBG-Opel hat all dies in Angriff genommen. Wenn ihr einmal sehen möchtet,

wie sie das macht, dann setzt euch mit ihr in Verbindung!"



Berichtet wird auch über:"

195,40 DM SPENDE



Wir möchten hiermit all den Kollegen, die uns finanziel geholfen haben,

danken. Sie spendeten insgesamt 195,40 DM.



Sie spendeten dieses sauer verdiente Geld, weil sie der Ansicht sind, daß die

'ZK' nicht aufgrund finanzieller Schwierigkeiten eingestellt werden muß.



Damit wir auch weiterhin die 'ZK' herausgeben können, bitten wir alle

Kollegen, uns auch finanziell zu unterstützen."

Angegeben wird ein Postscheckkonto in Dortmund.



Weiter äußert sich die:"

'ZÜNDKERZE' IN EIGENER SACHE



Die Zündkerze hat gezündet. Sie ist im großen und ganzen gut angekommen bei

den Kollegen. Aber das will noch nicht viel heißen. Um die Zündkerze wirklich

zum Sprachrohr der Belegschaft werden zu lassen, muß sich noch vieles ändern.

Dazu brauchen wir dringend jede Kritik.



Ausführlich kritisierte ein Kollege den Artikel 'Ein Spiel mit Namen

Ausbeutung'. Er fand, darin würden wir uns zu viel beklagen. Es fehlte darin

die Erklärung, wieso die Arbeiter stärker sind als die Bosse. Es würde nicht

genügen zu sagen, wir sind die Mehrheit, weil auch die Mehrheit nur null

wäre, wenn sie keine Kraft und keine Energie besäße. Woher wir die Kraft

nehmen würden, das stände nicht in dem Artikel. Es würde nicht genügen, den

7-Stunden-Tag zu versprechen. Mit Zahlen könnte jeder jonglieren, aber das

wäre noch kein Beweis.



Wir wissen, daß der Kollege in wesentlichen Punkten Recht hat. Er stellt

genau die richtige Frage. In der ersten Strophe der Internationale heißt es:

'Herre der Sklaven wache auf! Ein Nichts zu sein tragt es nicht länger, alles

zu werden, strömt zuhauf!'



Aber wie soll das Nichts zu allem werden? Woher soll die Energie dazu kommen?

Als Marxisten-Leninisten meinen wir, daß das Kapital selbst diese Energie

produziert. es fügt den Kollegen tagtäglich und in der sog. 'Freizeit'

Unterdrückungen und Demütigungen zu. Dadurch entsteht die klassenkämpferische

Energie. Das Kapital versucht, diese Energie der Kollegen verpuffen zu

lassen. Durch Fernsehen, Lottoillusionen usw. Aber viele Kollegen sehen, daß

das kein Leben ist. Wenn sie so weit sind, fehlt nur noch eins: Sie brauchen

dann andere Kollegen, die genauso denken wie sie. In dem Moment wird aus null

eins, und aus eins wird dann bald zwei, drei und immer mehr. Dann wächst die

Energie der Arbeitermassen immer mehr."



Es folgt ein Beitrag:"

'ZK' ANTWORTET:



Die Verteiler der Zündkerze und die Studenten, die uns dabei helfen, werden

immer wieder nach einigen wichtigen Dingen gefragt. So fragten uns z.B.

einige Kollegen, warum die KPD/ML noch kein Programm hätte. Sie würden sonst

sofort in diese Partei eintreten. In einer der nächsten Zündkerzen werden wir

etwas ausführlicher auf diesen Punkt eingehen, wir wollen aber kurz

versuchen, diesen Kollegen wenigstens in etwa eine Antwort zu geben.



Damit eine kommunistische Partei zu einer wirklichen Arbeiterpartei weren

kann, muß sie natürlich ein Programm haben, muß sie wissen, wer die

Verbündeten der Arbeiter sind und wer ihre Gegner. Außerdem muß sie heute

unbedingt verhindern, daß den deutschen Arbeitern wieder solche Niederlagen

wie 1918, 1933 und 1945 zugefügt werden, d.h. sie muß von Anfang an auch

gegen all diejenigen kämpfen, die zwar das Wort Sozialismus im Munde führen,

in Wirklichkeit aber nur auf dem Rücken aller Kollegen ihr Schäfchen ins

Trockene bringen möchten wie die Ulbricht, Breschnew und Co. Denn dabei kommt

dann ein Sozialismus heraus, der in Wirklichkeit Sozialimperialismus ist, der

andere Völker bedroht und überfällt wie das chinesische und

tschechoslowakische (CCSR,d.Vf.) und die Arbeiter im eigenen Land mit allen

Mitteln unterdrückt und alle sozialistischen Errungenschaften Schritt für

Schritt wieder beseitigt. Man kann den Aufbau einer kommunistischen Partei

mit einem Hausbau vergleichen. Dazu sind natürlich die Bausteine nötig, aber

vor allem die Richtschnur zum genauen Setzen und der Bauplan. Und dieser

fällt nicht vom Himmel. Wer das nicht recht glaubt, dem sei versichert, daß

Mao Tse-tung auch nicht von heute auf morgen so dick geworden ist!"



Berichtet wird:"

Am Ausgang Dannenbaumstraße passiert es häufig, daß die Betriebsratsbonzen

auf eine eigenartige Weise ihren Unmut über das Verteilen der 'ZK' äußern.

Erst kommt einer von ihnen heraus und bittet um zehn Exemplare, dann der

nächste usw. usw. Natürlich bekommen sie keine zehn, denn es ist klar, wo die

'ZK' bei den Bonzen landet: im Papierkorb. Sinn und Zweck dieser Maßnahme ist

es zu verhindern, daß viele 'ZKs' in den Betrieb gelangen. Viele Kollegen

verbitten sich diese Bevormundung. Sie meinen, sie könnten schon selbst über

richtig und falsch entscheiden."



Vom 11.5.1970 bzw. der 'Zündkerze' Nr.1 wird berichtet:"

Als die ZK-Kambodscha-Sondernummer verteilt wurde, sagten uns viele Kollegen,

wie gut der Artikel über Harry Black gewesen sei. Sie sagten, sie hätten

Black auch erkannt, wenn sein Name nicht erwähnt worden wäre. Sie waren sehr

erbost darüber, daß Black es nicht gewagt hatte, offen in der BV Stellung zu

nehmen, obwohl einige das sowohl vor als auch während der BV von ihm verlangt

hatten.



Sie meinten, daß vielen Kollegen jetzt endgültig die Augen aufgegangen

seien."



Es folgen drei Seiten Leserbriefe. In einer Vorbemerkung dazu heißt es:"

KOLLEGEN!



Bei Leserbriefen werden wir nie Namen ausschreiben - aus ersichtlichen

gründen. Wünscht es ein Kollege, so soll er dies ausdrücklich der 'ZK'

mitteilen!



Nachfolgend drucken wir von den eingegangenen Briefen einige ab. Ein Kollege

der DKP schickte neben seinem Breif gleich einen Artikel mit.



Wir möchten allen Kollegen, die uns geschrieben haben und die wir nicht

erreichen konnten, hiermit für ihre Zeilen danken."



Im ersten Brief, vermutlich des erwähnten DKP-Mitglieds, heißt es:"

Lieber Genosse Stephan (Verantwortlicher für die Zündkerze Nr.1)!



Gestern erschien bei Opel eine neue Betriebszeitung: 'Zündkerze' von der RBG

der KPD/ML.



MICH PERSÖNLICH hat die Zündkerze mit ihrem Inhalt zu BETRIEBLICHEN Problemen

in helle Freude versetzt. ALS BELEGSCHAFTSMITGLIED bitte ich Euch um

regelmäßige Zusendung Eurer Ausgabe und zwar auf dem Postwege.



Was das Einzelexemplar kostet plus Porto, bitte ich mich wissen zu lassen.

Eine entsprechende Überweisung erfolgt dann auf Euer Konto. Als Gegenleistung

verbürge ich mich außerdem für Eure Belieferung mit einem Roten Kadett

(Betriebszeitung der DKP,d.Vf.).



Man könnte nun noch umfangreich noch dieses oder jenes schreiben. Bauen wir

gemeinsam auf die Zukunft. Dann wird die Zeit sicherlich wünschenswerte

Lösungen unserer Hoffnungen offerieren.

Was schreibt der Rote Morgen (Der Rote Morgen ist das Zentralorgan der KPD/

ML)?

Ich bin nicht abgeneigt, ihn zu lesen.

Für heute verbleibt mit sozialistischen Grüßen



Euer Kollege..."



Bei dem oben erwähnten Artikel handelt es sich vermutlich um den folgenden

Text:"

Mit einem Sprechchor-Stakkato forderten auf der Belegschaftsversammlung am

15.4. im Werk I die Betriebsangehörigen das Betriebsratsmitglied Black auf,

sein recht zweifelhaftes Verhalten anläßlich der Vertrauensleutewahlen in der

Abt. 3 381 zu begründen, nachdem Kollege Kr. in seinem Diskussionsbeitrag

gleichfalls jenes Verhalten rügte. Auch der eindringliche Appell des jungen

Kollegen Bl. in seinem Diskussionsbeitrag konnte Black nicht veranlassen,

sein eisernes Schweigen zu lüften.



Mögen sich nach Harry's Gedanken an diesem Nachmittag die Kollegen wieder

benommen haben wie die Kinder; er aber hat sich nicht benommen wie ein Mann.



Betriebsratsvorsitzender Perschke mußte ihn und einige andere genannte

Betriebsratsmitglieder im Schlußwort verteidigen.



Die RBG der KPD/ML unterbreitet folgenden



VERBESSERUNGSVORSCHLAG:



Harry Black gebührt für diesen schicksalsreichen Tag die Tapferkeitsmedaille

für allzu mutiges Schweigen."



Es folgt von Krupp der:"

BRIEF EINES KOLLEGEN VOM BOCHUMER VEREIN:



EIN BV-ARBEITER SCHREIBT FÜR DIE 'ZÜNDKERZE'



Jedem Autofahrer (und auch vielen anderen Menschen) ist es bekannt, daß es

die Zündkerze ist, welche das Auto (eben durch die Zündung des vorhandenen

Gasgemischs im Vergaser) in Bewegung, besser gesagt: zum Fahren bringt. Seit

geraumer Zeit gibt es aber auch noch eine andere 'Zündkerze', nämlich das

Informationsblatt der KPD/ML - Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-

Leninisten. Dieses Organ der KPD/ML, welches aus einem bestimmten Grund den

Namen 'Zündkerze' trägt, soll UND MUSS die Lethargie, geistige Trägheit,

geistige Untätigkeit - ja man kann sogar sagen, die Schlafsucht beim

deutschen Arbeiter auf dem Gebiete der Weltanschauung aufwecken, Diskussionen

an und über unsere kranke und ungerechte kapitalistische Gesellschaftsform

erzwingen und entzünden. Durch solche zündenden Diskussionen betr.

Weltanschauung wurde schon so manche Ungerechtigkeit in Deutschland und auf

der Welt für immer aufgehoben. Denken wir hierbei nur ganz kurz an die

diskutierenden und streikenden Arbeiter nach dem ersten Weltkrieg, die den

12-Stundenarbeitstag auf 8 Stunden herabgesetzt haben, die den urlaub durch

Diskussionen und Streiks erkämpft haben.



Darum, Arbeiter, lest die Zündkerze regelmäßig und intensiv, denn die

Zündkerze im Auto bewegt die Räder des Autos, die Zündkerze der KPD/ML aber

soll den Geist der Arbeitermassen bewegen, informieren und die Richtung

zeigen.



Einige Zeilen zurück ist das Wort 'Gesellschaftsform' gefallen. Aus der

Satzaussage ist zu erkennen, daß es sich um eine kranke, ungerechte,

kapitalistische Gesellschaftsform handelt. Eine Teilschuld trifft auch dich,

Arbeiter und Lohnabhängiger, daß wir eine so ungerechte, kapitalistische,

ausbeutende Gesellschaftsform in Deutschland haben, denn du interessierst

dich zu wenig oder gar nicht für diese Sachen - für und mit der Politik. Aber

gerade diese Politik ist für alle Lohnabhängige eine äußerst wichtige

Angelegenheit, sie ist sogar, wenn man logisch darüber nachdenkt, mit unserem

Leben und mit unserem Tode eng verbunden; sogar dein Auto, deiner und deiner

Frau und Kinder Bekleidung, deine und deiner Familie Freizeit, deine

Arbeitsbedingungen, deine Lebensmittel von gestern und morgen - auch dein

Bier ist sogar Politik.



Wenn unsere Väter und Großväter - aber auch Omas und Großomas etwas bessere

Politiker wären, etwas mehr Ahnung von Weltanschauung hätten, so hätten die

beiden letzten Weltkriege nicht stattfinden brauchen und dein Bruder, welcher

in Dünkichen, dein Schwager, welcher in Monte Cassino, dein Vater, welcher in

Stalingrad gefallen sind und dein Cousin, welcher im U-Boot im Atlantik

ersoffen ist, sie alle wären heute noch am Leben.



Nun wollen wir nicht immer in der Vergangenheit verharren, um diese weinen,

sondern aus der Vergangenheit lernen. Es wäre daher sehr angebracht, wenn du

Arbeiter in deinen Freizeitpausen mit den anderen Arbeitern nicht immer nur

über Fußball, über die nackten Frauen und über dein Kleinauto reden würdest -

nutze diese Pausen auch nicht nur fürs Kartenspielen, interessiere dich

lieber, weshalb die Preise so hoch in Deutschland sind und überlege darüber,

weshalb du am Samstag und Sonntag arbeiten gehst, während der Kapitalist mit

dem Mercedes ins Grüne fährt - ?! Denke darüber nach, weshalb der eine Mensch

ohne zu arbeiten Mio. DM besitzt und der arbeitende Mensch nur so wenig

verdient, daß er sein Lebensdasein so eben bestreiten kann.



Darum Arbeiter informiere dich durch die 'Zündkerze', denn sie ist von keiner

revisionistischen Ulbrichtpartei oder D'K'P, sondern die Zündkerze basiert

auf der Grundlage Marx - Engels - Lenin - Stalin - Mao Tse-tung  und streitet

mit den fortschrittlichen Studenten für Gerechtigkeit.



KOMMENTAR DER 'ZK'-REDAKTION DER RBG:



Wie aus dem Brief hervorgeht, herrschen also nicht nur bei uns im Betrieb so

'herrliche Verhältnisse'... Damit aber keine Mißverständnisse aufkommen: Der

Kollege vom BV meint mit 'Weltanschauung' die der Arbeiter, ihr Bewußtsein

über ihre eigene Lage."



Es folgt der:"

BRIEF EINES SPANISCHEN KOLLEGEN,

den wir auf deutsch und spanisch wiedergeben:



Es ist zwar sehr gefährlich für mich, einen Brief, der mit meinem Namen und

Absender versehen ist, an Euch zu schicken, aber es gibt so viele Probleme,

daß ich beschlossen habe, an Eure Propagandazeitung 'ZK', die vor Opel

verteilt wurde, zu schreiben.



Als erstes: Seit ich in Deutschland bin, mit einem Einjahresvertrag, hat bis

jetzt noch keine einzige Amtsperson, weder deutsch noch spanisch, das

geringste Interesse für uns Spanier gezeigt.



Ohne die geringste Information über soziale, kulturelle oder einfache Fragen

der Lebensgewohnheiten in einem fremden Land, die so verschieden sind von

unseren südlichen, habe ich viel Unfreundlichkeit und Verachtung gegenüber

den Spaniern allgemein erleben müssen.



Auf der Arbeit, auf dem Weg zur Wohnung ist man ganz allein auf sich

gestellt, ohne eine Ahnung von der Sprache zu haben.



In Eurer Zeitung standen einige Worte in Spanisch, die mich dazu gebracht

haben, Euch von diesem Zustand zu schreiben. Unser sogenanntes 'soziales

Niveau' ist natürlich ziemlich niedrig. Spanien kann nicht so große Fabriken

bauen, das ist wahr, aber immerhin tragen wir durch unsere Arbeit zum

Wohlstand der BRD bei, die sowieso schon reich ist, und das sollte doch

genügen, damit sich ein Politiker oder Unternehmer ein wenig um uns kümmert,

und sei es nur wegen Sprachunterrichts u.ä. Aber: So wichtige Fragen wie die

Sprache und die Lebensweise werden gar nicht beachtet. Man muß ganz allein

deutsch lernen...



Was die Wohnung angeht:

Man sperrt die Spanier in Siedlungen, so daß sie kaum deutsch lernen und auch

keinen Kontakt zu ausländischen Arbeitern aus anderen Ländern bekommen.



ICH GLAUBE FEST, DASS EIN ARBEITER RECHT AUF ETWAS MEHR HAT! DAS IST MEINE

PERSÖNLICHE MEINUNG ZU BÖVINGHAUSEN..." (in Dortmund,d.Vf.).



Eingegangen wird auch auf die Landtagswahlen (LTW - vgl. 14.6.1970):"

WAHL-'KAMPF'



Wir sind nicht der Meinung, daß 'Kühn noch kühner auftreten' soll (vgl. DKP-

Anzeige im 'Roten Kadett' zum 1.Mai (vgl. 22.4.1970,d.Vf.)).



Wir sind der Meinung, daß man es schon genauer erklären muß, wie man im

Landtag 'Mieten runter, Preise runter, Löhne rauf' bewerkstelligen will, v.a.

wenn man beansprucht, Kommunist zu sein.



Wir können der Logik des DKP-Vorsitzenden Kurt Bachmann auch nicht folgen,

wenn er die CDU im Landtag NRW für die in Bonn getätigten

Rüstungsausgaben verantwortlich macht, zugleich jedoch die SPD schont, als

hätte sie mit all dem nichts zu tun.



So unterschlägt er auch, daß Kühn und Schiller den Schlotbaronen

Stillegungsprämien zugeschanzt haben, daß 'Vollblutgewerkschafter' Walter

Arendt maßgeblichen Anteil an der Bildung des Großkonzerns Ruhrkohle A.G.

(RAG - IGBE-Bereich,d.Vf.) hat, woher alle daran beteiligten Stahlkonzerne

jetzt billige Kohle beziehen, während wir immer höhere Preise zahlen dürfen.

Vergessen wir auch nicht, wie jener ehemalige IG-Bergbau-Boß den um höhere

Löhne streikenden Kumpels im September in den Hintern trat, als er im

Fernsehen behauptete, sie bekämen sowieso schon 8 DM Stundenlohn!



Wir sind der Meinung, daß keine der zur Landtagswahl um unsere Stimme

buhlenden Parteien die Interessen der Arbeiterklasse vertritt. Die

Arbeiterklasse kann ihre Interessen nur selber vertreten, nicht im Landtag,

sondern durch den Aufbau einer starken Kampforganisation.



KOLLEGEN!



HELFT DER 'ZÜNDKERZE'!



UNTERSTÜTZT DIE ROTE OPEL-BETRIEBSGRUPPE!



ORGANISIERT EUCH IN IHR!"



Im letzten Artikel auf Deutsch, dem drei jeweils kürzere auf Spanisch,

Italienisch und Türkisch folgen, heißt es:"

VIER SPRACHEN



ZUM THEMA 'GASTARBEITER'



'Gastarbeiter': Welch schönes Wort! Als 'Gast' zu arbeiten, müßte doch ein

Vergnügen sein! Tatsächlich haben wir als Gäste schon selbst empfunden, wie

vergnüglich es sein kann, mit dem Gastgeber gemeinsam das Bier kalt zu

stellen. Wahrhaftig, eine angenehme 'Gast'-Arbeit! Wie anders sieht jedoch

für ca. 1,5 Millionen 'Gastarbeiter' der graue Alltag in der BRD aus!

Bedenken wir deutschen Kollegen doch einmal, daß die meisten 'Gastarbeiter'

aus Staaten kommen, wie z.B. Italien, Türkei, Spanien und Griechenland, also

aus kapitalistischen Staaten. Bedenken wir weiterhin, daß die kapitalistische

Bundesrepublik mit diesen Staaten aufs engste zusammenarbeitet, z.B. in der

NATO. Hätten die Kapitalisten statt nach Profiten zu schielen, wirklich ihre

soziale Ader entdeckt, so gäbe es in Europa, ja in der ganzen Welt, keine

sog. 'unterentwickelten Gebiete'.



Als Arbeiter erleben wir täglich, mit welchen Machenschaften die Kapitalisten

in der Bundesrepublik es verstehen, immer mehr Profit aus uns zu schlagen.

Wie jedoch müssen die Verhältnisse erst in jenen kapitalistischen Staaten

sein, aus denen unsere ausländischen Kollegen kommen?



Diese schlechten sozialen Verhältnisse zwingen unseren ausländischen Kollegen

dazu, sich schweren Herzens von Frau und Kind zu trennen.



Doch in der Bundesrepublik wartet so manche Überraschung auf ihn. So kann er

z.B. bei uns ein Ausländergesetz kennenlernen, das es in sich hat. Die

Behörden können nach diesem Gesetz einen Ausländer jederzeit als unerwünscht

abschieben, sofern sein Aufenthalt den Interessen der BRD zuwiderläuft.

Dieses 'Zuwiderlaufen' kann aber schon bei einem politischen Gespräch gegeben

sein, von einem Streik gar nicht zu sprechen. Da dieses Gesetz ein sog.

Gummiparagraph ist, kann es bei einem bürokratischen Sachbearbeiter jedem

'Gastarbeiter' passieren, daß er ausgewiesen wird, nur weil er ein deutsches

Mädchen küßt.



Eine weitere Frage ist für alle 'Gastarbeiter' die Wohnungsfrage. Das Problem

der Wohnungsfrage ist für uns Deutsche schon kaum zu lösen seit Einführung

der weißen Kreise (vgl. S18*.1965,d.Vf.) durch den damaligen Minister Lücke

unter Mithilfe der SPD, die hiermit für eine Mietsteigerung in großem Ausmaß

'gesorgt' hat. Für einen Gastarbeiter ist das Wohnungsproblem völlig

unlösbar. Jetzt jedoch ziegt sich die soziale Verantwortung des Kapitalisten:

'Großzügig' nimmt er den 'Gastarbeitern' die Wohnungssuche ab. Das Ergebnis:

Wir kennen es alle; da werden einige alte Häuser oder Baracken gekauft oder

gepachtet und mit 'Gastarbeitern' belegt. Diese Bauten müssen nur eine

Voraussetzung haben: Sie müssen isoliert stehen. Das ist für jeden

Kapitalisten aus zwei Gründen sehr wichtig:



1. Läßt sich dadurch der außerbetriebliche Kontakt zwischen 'Gastarbeitern'

und Deutschen vermeiden.



2. Versucht der Kapitalist dadurch zu verheimlichen, daß diese Bauten völlig

überbelegt sind und die sanitären Einrichtungen jeder Beschreibung spotten.



Daß für diese Buden z.T. auch noch überhöhte Mieten gezahlt werden müssen,

kann nur verstehen, wer die kapitalistischen Methoden kennt. Und was tun die

Gewerkschaften? Deren Vertretern scheinen alle diese Sachen nicht bekannt zu

sein. Oder wie ist es sonst zu erklären, daß ausländische Kollegen auf

betreffende Fragen nur die Schulter zucken, ansonsten aber noch keinerlei

gewerkschaftliche Betreuung kennengelernt haben. 1,5 Mio. 'Gastarbeiter' -

wahrlich, jeder Leiter einer Sprachschule würde sich freuen, einen solchen

Kundenstamm zu haben. Daß die Kapitalisten keinerlei Interesse haben, diese

'Gastarbeiter' zu schulen, ist verständlich. Ihnen klingt der Satz

'PROLETARIER ALLER LÄNDER, VEREINIGT EUCH!' wie die Glocken von Jericho in

den Ohren, Deshalb wird kein Kapitalist etwas für die 'Gastarbeiter' tun,

indem er z.B. die Sprachschwierigkeiten, unter denen diese Kollegen zu leiden

haben, abschafft.



Etwas anders aber sieht die Sache bei den Gewerkschaften aus. Als angebliche

Interessenvereinigung der Arbeiter müßte beim DGB doch eitel Freude herrschen

über die Möglichkeiten, wenigstens diese Sprachschwierigkeiten unter den

Arbeitern zu beheben. Warum aber geschieht dies nicht? Oder sollte der DGB

gar kein Interesse, ja sogar Angst haben, daß sich die Kollegen verständigen

können? Nachtigall, ick hör dir trapsen!



Eine andere gute Möglichkeit, die Solidarität unter den Arbeitern zu stören,

bietet die bürgerliche Presse, die sich nicht scheut, Ausnahmen zu

verallgemeinern und eine regelrechte Hetze gegen 'Gastarbeiter' zu betreiben.

BILD ist fast täglich voll davon. Und wenn hierbei immer wieder die

Springewrpresse die Lokomotive spielt, so ist das für aufmerksame Leser

längst keine Überraschung mehr. Zu den Dingen, die den 'Gastarbeitern' das

Leben hier so sehr erschweren, gehören weiterhin: Grundsätzlich wird der

'Gastarbeiter' an Arbeitsplätzen eingesetzt, die den deutschen Kollegen schon

längst aus dem Hals heraushängen und die für niedrige Löhne bekannt sind. Zum

anderen wird der 'Gastarbeiter' vom Vorarbeiter, Meister usw., ebenso bei

Behörden, grundsätzlich mit 'Du' angeredet. es gibt tausend Kleinigkeiten,

die den ausländischen Kollegen den Alltag erschweren.



Deutsche Kollegen, duldet es nicht länger, daß der 'Gastarbeiter' weiterhin

als Arbeiter zweiter Klasse ausgenutzt wird! Ausländische Kollegen, laßt euch

nicht zu Einzelaktionen gegen die Bosse und ihre Handlanger hinreißen! Wo

Unrecht geschieht, teilt es uns mit! (Namen werden von uns nicht

veröffentlicht!) Aktionen gegen die Bosse haben nur dann Sinn, wenn die

Arbeiter sich verständigen und gemeinsam vorgehen. Darum: Proletarier aller

Länder, vereinigt euch! Die RBG wird gemeinsame Sitzungen mit deutschen und

ausländischen Kollegen machen. Sie wird allen Kollegen mit Rat und Tat zur

Seite stehen."



Geworben wird für den 'Roten Morgen' (RM) und den 'Revolutionären Weg' (RW),

die ebenso wie Literatur aus der VR China über die Kontaktadresse zu beziehen

sind.

=Zündkerze Nr.2,Bochum 1970



13.06.1970: 

Die DKP bringt die Nr.24 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 6.6.1970,

20.6.1970).

U.a. wird berichtet von Opel Bochum.

=Unsere Zeit Nr.24,Essen 13.6.1970



19.06.1970: 

Laut KPD/ML-ZK findet bei Opel in Bochum eine Belegschaftsversammlung (BV)

der A-Schicht für das Werk I (vgl. 15.4.1970) statt.

Hauptsächlich wird über eine Weihnachtsgratifikation diskutiert.

Der Konzern General Motors (GM) habe "Verhandlungen bis spätestens Juli/

August zugesichert".

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet:"

PERSCHKE UND SEIN PARADEPFERD



BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG VOM 19. JUNI IN WERK I



Vor der Belegschaftsversammlung waren viele Kollegen entschlossen, die Arbeit

niederzulegen, wenn ihnen der Betriebsrat nicht überzeugende

Verhandlungserfolge vorweisen konnte. Sie waren über die kleinliche

Hinhaltetaktik von Werksleitung und Betriebsrat sauer und kamen sich wie

dumme Jungen behandelt vor.

Der Betriebsrat hatte es deshalb diesmal besonders schwer, die Belegschaft zu

beschwichtigen, denn er konnte so gut wie nichts vorweisen. Um das zu

verschleiern, hatte er sich eine neue Taktik ausgeklügelt. Statt daß wie

bisher nur der Betriebsrats-Vorsitzende 'berichtete', kamen diesmal (außer

dem Eröffnungsredner Gantenberg) zwei Betriebsratsmitglieder zu Wort:

Perschke und Beiske.

Außerdem war die Rednerliste manipuliert, wobei man als besonderes

Paradepferd zur Abwiegelung Werner Adamek aus Abt. 3 391 aufgaloppieren ließ.

Manche Kollegen, die ihn von früher her kennen, meinten hinterher, er sei

wohl bestochen worden.



Perschke leitete seinen Bericht mit den Worten ein, daß es einer der

umfangreichsten sei, die er je abgegeben habe. Wir können ihm, was die Zahl

der Wörter angeht, nur beipflichten, vom Inhalt her hatte er jedoch nicht

viel zu bieten. Nach einem kurzen Zwischenspiel über die 6-DM-Samstags-

'Prämie', die jetzt auch bei Zuspätkommen und nur 6 Stunden Arbeit 'gewährt'

wird, kam er zu den Punkten, die er als die 'heikelsten Punkte' bezeichnete:

Parkplatzversicherung;

Lohnangleichung an Rüsselsheim;

13. Monatslohn bzw. -gehalt (Perschke redete natürlich von

'Weihnachtsgratifikation'!).



DIE 'GROSSE PRINZIPIENFRAGE': PARKPLATZVERSICHERUNG



Die Parkplätze sollen künftig von Werkschutz und Polizei bewacht werden. Die

Parkplatzversicherung jedoch müßten die Kollegen selbst blechen. Das sei eine

'große Prinzipienfrage', denn wenn hier die Firma Zugeständnisse mache, müßte

sie dasselbe bald auch in Straßburg und Antwerpen (in Frankreich bzw.

Belgien,d.Vf.) tun, bis schließlich der riesige General-Motors-Konzern davon

erfaßt wäre.



MEINUNG DER RBG DAZU:



Wir meinen dazu: da hat er völlig recht, der Herr Perschke: es ist

tatsächlich eine Prinzipienfrage. Wir sind der Ansicht, daß auch für unsere

Kollegen in Straßburg, Antwerpen und anderswo das gleiche Recht gilt. Opel

und sein Betriebsrat haben nur Angst davor, daß sich die Arbeiter der

verschiedenen Filialen zusammentun könnten. Das konnte man auch aus einer

Bemerkung von Beiske heraushören, daß die Verhandlungen in Rüsselsheim

besonders schwer gewesen seien, weil für die dortigen Kollegen nichts dabei

heraussprang. Beiske will damit nur unseren Ärger auf die Arbeiter in

Rüsselsheim ablenken, um so die Arbeiterklasse zu spalten.



DIE 'ERFOLGE' DES BETRIEBSRATS:



Über die 'Weihnachtsgratifikation' hätten 'die Amerikaner' Verhandlungen bis

'spätestens' Juli/August zugesichert.



PERSCHKES FLUCHT NACH VORN



Die Frage der Lohnangleichung verwies Perschke an seinen Nachredner Beiske,

teilte aber geflissentlich mit, daß sie auf jeden Fall rückwirkend ab 1. Juni

gelte.

Besonders schwierig sei es gewesen, die Bezahlung des Lohnes für die Zeit der

Arbeitsniederlegung durchzusetzen, da den Amerikanern nur mühsam beizubringen

gewesen sei, daß es nicht ein politischer Streik, sondern eine

Arbeitsniederlegung 'aus rein persönlichen Motiven' gewesen sei.



Wieder also diese künstliche Unterscheidung zwischen 'politisch' und

'persönlich' - wer von euch den Leserbrief des BV-Kollegen in der Nr.2 der

ZÜNDKERZE (vgl. 10.6.1970,d.Vf.) gelesen hat, weiß, was er davon zu halten

hat, denn der Kampf ums Mittagessen ist genauso politisch wie der Kampf um

die Weltrevolution. Perschke will mit seinen feinsinnigen Unterscheidungen

nur die Kommunisten treffen, die wohl ganz besondere Wesen sein müssen, die

mit der Belegschaft überhaupt nichts zu tun haben!



Diese Herren Amerikaner und ihre Speichellecker Perschke, Beiske und Co.

werden sich langsam daran gewöhnen müssen, daß immer mehr von den Arbeitern

Kommunisten werden, weil immer mehr Arbeiter begreifen, wie unverfroren diese

herrschaften uns alle übers Ohr zu hauen versuchen.



WENN MAN DAGEGEN NÄMLICH KONSEQUENT UND MIT DEN RICHTIGEN MITTELN VORGEHT,

DANN WIRD MAN NICHT NUR ALS KOMMUNIST BESCHIMPFT, SONDERN DANN IST MAN IN DER

TAT AUF DEM BESTEN WEG, EINER ZU WERDEN.



Daß Perschke selbst nicht sonderlich überzeugt war, uns Erfolge vorzutragen,

konnte man schon daran merken, wie er auf den Kommunisten herumhackte, die

ihm angeblich seinen einzigen Aktivpunkt (Zahlung der Ausfallstunden)

erschwert haben. In einer Flucht nach vorn griff er außerdem einen von der

Werkleitung an: Dr. Hönicke habe seine Bemühungen immer wieder blockiert. ...



Sogar den Verhandlungstermin über die Lohnangleichung habe er nach der

Betriebsversammlung haben wollen, aber da habe sich der Betriebsrat

durchgesetzt und am 16. Juni einen Vertrag zustandegebracht. Dabei habe sich

Dr. Hönicke, der 'schlaue Fuchs', selbst eine Falle gestellt, in die er 'mit

beiden Beinen hineingetreten' sei.



Erstmals sei in einem Vertrag von Effektivlöhnen die Rede, nicht mehr von

Tariflöhnen!



Perschke tut also so, als sei er ein noch schlauerer Fuchs als Dr. Hönicke

gewesen. Er habe ihm etwas 'unterjubeln' können. DAMIT WILL ER ANDEUTEN,

DASS MAN IHN SCHON MACHEN LASSEN SOLLE, ER WÜRDE SCHON DAS BESTE HERAUSHOLEN.

EIGENE INITIATIVE HÄTTEN WIR GAR NICHT NÖTIG, WEIL WIR JA EINEN SO SCHLAUEN

BETRIEBSRAT HABEN!



Um bei dem genannten Beispiel zu bleiben: Kollegen, überlegt einmal, was ihr

getan hättet, wenn in dem Vertrag von Tariflöhnen die Rede gewesen wäre!



Nehmen wir z.B. den Einstell-Lohn eines Punktschweißers am Band:

Grundlohn 4,42 DM (gleich 85%), Effektivlohn nach 'Gruppenakkkord': 5,49 DM

(gleich 108%), Tariflohn 3,78 DM!



In dem Vertrag hätte also etwas über die 3,78 DM gestanden, wir möchten mal

den Kollegen sehen, der da nicht auf die Palme gegangen wäre!



Auch hier zeigt sich also wieder die 'Beruhigungspolitik' des Betriebsrats.

Beiske gab nähere Auskunft: 10 - 21 Pfg./Std. mehr für Zeitlöhne, 2 - 4

Pfg./Std. mehr für Akkordlöhne.



Das nannte er stolz: '13% Leistungszulage'!



Wonach sind diese 13% berechnet? Nach dem Tariflohn? 13% von 3,78 DM sind

allein schon 49 Pfg.!



Was soll diese Augenwischerei, diese Zahlenmanipulation? 'Unser' Betriebsrat

wollte ganz offensichtlich von der 1 DM-Forderung ablenken, um sich selbst

über die Runden retten zu können.



Im übrigen handelte es sich nicht um Daten, die bereits vertraglich geregelt

waren, wie er uns weismachen wollte, denn in der WAZ vom 19.6. konnte man

lesen, daß die IG Metall bei Opel BEANTRAGT habe, die Löhne anzugleichen!

(Mittlerweile (vgl. 20.7.1970,d.Vf.) ist auch die vertragliche Regelung da,

wonach die Mindestanhebung 8 Pfg./Std. betragen soll, aber zum Zeitpunkt der

Betriebsversammlung wurde uns ein bereits bestehender Vertrag darüber

vorgegaukelt.)



AUSSPRACHE



WERNER ADAMEK (3 391)



Werner Adamek, der direkt nach Beiske das Wort erhielt, bekam von vielen

Kollegen schon Vorschußlorbeeren, noch bevor er überhaupt den Mund auftat.

Das hätten sie besser sein gelassen, denn was er sagte, war schlicht

Dummenfängerei! Oder war der Beifall für ihn organisiert?



Zuerst lobte er den Streik und pries die Einigkeit der Belegschaft: 'Der

zusammengewürfelte Haufen, der wir einst waren, hat sich endlich zur

Kollegialität zusammengefunden!' Viele stimmten dieser Behauptung begeistert

zu, obwohl das ja so gar nicht stimmt. Was heißt denn hier 'Kollegialität'?

Adamek meinte mit dieser 'Einigkeit', von der er redete, offenbar auch den

Betriebsrat, die 'Kollegen' Perschke, Beiske und Co. Dabei weiß doch jeder

von uns, der vor dem Verwaltungsgebäude D1 mit dabei war, wie der Betriebsrat

uns wieder an die Arbeit lotsen wollte! Perschke z.B. schimpfte herum wie ein

Rohrspatz und meinte, wir sollten doch wegen der 5 DM Parkplatzversicherung

nicht so ein Theater machen (Als ob es darum überhaupt gegangen wäre!)."



In einem Kasten wird berichtet vom 26.5.1970:"

Perschke, der uns lang und breit seine Version von den Vorgängen im Preßwerk

und später vor D1 schilderte (..), 'vergaß' zu erwähnen, daß die Werksleitung

die politische Polizei eingeschaltet hat. ...

An diesem Beispiel wird mal wieder deutlich, wem die Staatsgewalt zu Dienst

steht: nicht der Arbeiterklasse, sondern der Kapitalistenklasse. Das darf uns

natürlich SPD-Perschke nicht sagen."



Im Hauptbericht heißt es weiter:"

Horst Schulz, der in dem Blättchen der Sozialdemokraten 'wir' (vgl.

**.*.1970,d.Vf.) großartig verspricht, 'die sozialen Verhältnisse der

ArbeitNEHMER (!) weiter zu verbessern', tönte gar, daß unsere Forderungen

schneller erfüllt würden, wenn wir wieder brav an die Arbeit gingen.

Das also war die 'Kollegialität', die Werner Adamek wirklich meinte. WAS ER

MIT DEM FALSCHEN LOB BEZWECKTE, WAR ABWIEGELUNG. Denn das, was uns wirklich

gefehlt hat, damit der Streik erfolgreich verlaufen konnte, hat er

wohlweislich verschwiegen: ORGANISATION.



Genau wie Perschke wollte er die Sache so darstellen, als ob wir dem

Betriebsrat ruhig vertrauen dürften, der würde schon das Beste herausholen.

Dahinein paßt auch seine Behauptung, der Streik sei 'von Kommunisten

politisch umgemünzt' worden. Und jeder wisse doch, wie sehr die Amerikaner

die Kommunisten hassen. Mason sei auch nur ein besserer Briefträger. Die

letzten beiden Sätze sind zwar richtig, aber Adamek sagte sie nur, um den

Betriebsrat zu verteidigen, dem er auch noch ausdrücklich für seine

Bemühungen dankte.



Daraus, daß die Amerikaner weniger verhandlungsbereit seien, weil Kommunisten

am Streik beteiligt sind, folgerte Adamek: 'Links- und Rechtsextremisten

haben bei uns nichts zu suchen!' Viele, die sich selbst in der goldenen Mitte

glaubten, klatschten Beifall, ohne zu merken, wie sich Adamek hier in

Widerspräche verwickelte. Wie kann er einerseits die Einigkeit gegen die

'Minderheit, die den Rahm abschöpft' loben und dann die Kommunisten als

Störenfriede beschimpfen, die gerade diese Einigkeit herstellen wollen!



Wir von der RBG sagen ganz klar: wenn es darum geht, seinen Forderungen durch

Streik Nachdruck zu verleihen, kann man sich weder auf den Betriebsrat noch

auf den Vertrauensleutekörper der IG Metall verlassen, sondern man muß sich

selbst organisieren. Das genau haben wir auch vor. WIR BAUEN EINE ROTE

BETRIEBSGRUPPE AUF, UM DIE KOLLEGEN ZU SCHULEN, DAMIT SIE IN DER LAGE SIND,

DIE JEWEILIGE SITUATION RICHTIG EINZUSCHÄTZEN UND BEI ARBEITSKÄMPFEN MIT DEN

ÜBRIGEN KOLLEGEN GEMEINSAM STREIKS ZU ORGANISIEREN.



Zur ZÜNDKERZE äußerte Adamek: 'Wer sich so wie Perschke für uns einsetzt, den

lassen wir von keinem mit Dreck bewerfen. Wir müssen daher die Verleumdungen

durch die ZÜNDKERZE aufs Schärfste zurückweisen... Der Betriebsrat ist in der

Lage, selbstkritisch zu urteilen. Dazu brauchen wir keine Schmierfinken von

der ZÜNDKERZE.'



Mit Dreck haben wir Perschke also beworfen. Dann doch nur mit seinem eigenen,

denn wir haben nichts anderes getan als Herrn Perschke zitiert: was er

mündlich von sich gibt und was er davon für würdig hält, daß es in seinem

'Bericht' stehen darf. (Und daß die Wiedergaben stimmen, dafür gibt es unter

den Kollegen so viele Zeugen, daß Perschke und seine Fürsprecher es nicht

wagen konnten, etwas davon konkret anzuzweifeln.) Aus dem, was Perschke

gesagt und geschrieben hat, haben wir die logischen Schlußfolgerungen

gezogen.



DAS TUN WIR AUCH JETZT, INDEM WIR FRAGEN, VON WEM ADAMEK SICH HAT KAUFEN

LASSEN. WIR FRAGEN WEITER: WARUM HATTE PERSCHKE EINEN SOLCHEN AUFGESCHIRRTEN

GAUL NÖTIG? WARUM KONNTE ER DAS ALLES NICHT SELBST SAGEN? OFFENBAR HAT DIE

HOSEN GESTRICHEN VOLL!"



In einer Witzzeichnung fragt der Optiker: 'Sie wünschen eine gute Lupe?' und

der Arbeiter antwortet: 'Ja, um die Erfolge unseres Betriebsrates sehen zu

können.'



Weiter heißt es im Text:"

EIN KOLLEGE AUS ABT. 6 067 ENTLARVT DEN BETRIEBSRAT



Der Kollege machte auf überzeugende Weise deutlich, welche Rolle der

Betriebsrat gespielt hat. Er fragte: 2 - 4 Pfg./Std. hat unser famoser BR

herausgeholt: haben wir dafür gestreikt?



Ist es SEIN Erfolg, daß der Parkplatz jetzt bewacht wird? Nein, das ist

eigentlich eine Selbstverständlichkeit!



Zum 13. Monatslohn: in anderen Betrieben redet man schon vom 14. Monatslohn,

unser BR dagegen hält es für einen Erfolg, wenn ihm über den 13.

VERHANDLUNGEN zugesagt werden! Der Streik gehe also zu Lasten des BR, der

sich immer wieder vertrösten lasse. HIER IN DER BV SPIELE PERSCHKE DEN

STARKEN MANN, DOCH IN WIRKLICHKEIT SEI ER EIN GUMMILÖWE. Einen solchen BR

könne die Belegschaft nicht gebrauchen. Er müsse abgewählt werden.

Der Kollege erhielt viele Rufe der Zustimmung, wobei die Kollegen mehrfach

auf die ZÜNDKERZE hinwiesen.



PERSCHKE - EIN GUMMILÖWE



In seiner Schlußansprache gab Perschke eine erbärmliche Figur ab: er

jammerte, wie schwer er es doch habe und daß er sein Kreuz auf sich nehmen

müsse. Er sei nun mal keine Kämpfernatur. Wenn die Belegschaft es wirklich

wünsche, werde er zurücktreten.



Übrigens hatte er extra zwei Vertreter von der Bochumer Geschäftsstelle der

IG Metall eingeladen, die ihm das schwere Kreuz der Abwiegelung notfalls

abnehmen sollten.



Wir von der RBG meinen, daß dieser leidende Christus in der Tat von seinem

'schweren Kreuz' bald befreit werden sollte."



In einem weiteren Bericht der RBG heißt es:"

IST DR. HÖNICKE AN ALLEM SCHULD?



Arbeiterdompteur Preschke gab sich auf der letzten Betriebsversammlung sehr

'radikal': er griff offen den Dr. Hönicke vom Rüsselsheimer Vorstand an

(Personal- und Sozialleitung). Er tat so, als wäre der böse Wille von Dr.

Hönicke an allem Schuld. Ob das wohl zutrifft?



Keine Sorge! Wir haben nicht vor, den Dr. Hönicke zu verteidigen, nach dessen

Worten 'die Früchte der Arbeit für den Menschen genau so wichtig sind wie ein

Maß an Freiheit, das es gestattet, sich auch auf anderen Gebieten angemessen

zu entfalten', wobei er mit 'Menschen' natürlich nur seinesgleichen meint.

Dr. Hönicke gehört als Vorstandsmitglied der Adam Opel A.G. zum sog. Top-

Management, d.h. Spitzenmanagement. Und Spitzenklasse sind vor allem die

Gehälter dieser Herren, die es ihnen 'gestatten, sich auch auf anderen

Gebieten angemessen zu entfalten'.



Natürlich wird sich Herr Dr. Hönicke gegenüber seinem 'Kollegen' Kames M.

Roche. Direktor von General Motors (GM,d.Vf.), noch als 'armer' Mann

vorkommen. 'Kollege' Roche kassiert nämlich jährlich 790 000 Dollar (gleich

3, 08 Mio. DM). Das entspricht einem Monatslohn von 256 750 DM! 'Kollege'

Roche beklagt sich übrigens, daß sein 'Lohn' durch die Inflation geschmälert

wurde, er müsse eigentlich 815 000 Dollar pro Jahr bekommen (vgl. Frankfurter

Allgemeine Zeitung (FAZ,d.Vf.) vom 23. Juni)!



'Kollege' Dr. Hönicke bekommt also sicher weniger, aber ebenso sicher steht

er näher bei Roche als bei uns. Was uns interessiert, ist nicht, ob Dr.

Hönicke persönlich bösartig ist, wie es uns Perschke vormachen möchte, uns

interessiert vielmehr sein 'Beruf' an sich, den sich die Kapitalisten so viel

kosten lassen.: was spielen Dr. Hönicke und seinesgleichen für eine Rolle in

unserer 'sozialen Marktwirtschaft'? Sind sie etwa unabhängig von den

Aktionären, wie behauptet wird? Arbeitet das Top-Management etwa gar zu

unseren Gunsten, wie man in BILD oder anderen Zeitungen bei uns lesen kann?



EINE ARBEITERFEINDLICHE 'THEORIE'



Nach dem letzten Krieg wurden in den USA Theorien über eine sog. 'Revolution

der Manager' in Umlauf gesetzt. Man behauptete, daß der Kapitalismus sich

durch die 'Revolution der Manager' grundlegend gewandelt habe. Früher hätte

es ja gestimmt, daß die großen Konzerne für Profit arbeiteten, weil die

Aktionäre die Macht gehabt hätten. Und die Aktionäre hätten eben hohe

Dividenden sehen gewollt. Jetzt aber hätten die Aktionäre gar nichts mehr zu

sagen. Die Manager hätten die Macht ergriffen. Und die Manager wären ja

schließlich keine Kapitalisten, sondern 'Lohnabhängige' wie wir. Die Manager

würden gegen die Aktionäre kämpfen, damit wir unsere Arbeitsplätze behielten.

Die Manager wären überhaupt ganz tolle Leute: sie würden schuften und sich

abrackern für die Sicherung unserer Arbeitsplätze, und schließlich würden sie

für unsere Interessen an der Managerkrankheit sterben.



SPD UND GEWERKSCHAFTEN DAFÜR



Solch eine Theorie, die auch von dem Berater des US-Präsidenten Kennedy,

Galbraith, vertreten wird, wird auch von der SPD heute verbreitet und die

Bücher von Galbraith erscheinen in Verlagen der Gewerkschaft. Auch Perschke,

der den amerikanischen Gewerkschaftsbonzen Walter Reuther (UAW,d.V*.) zu

seinem Vorbild erklärt, geht offenbar davon aus, wenn er den Dr. Hönicke für

besonders rabiat erklärt, während doch die Werksleitung mit sich reden lasse!



DER 'BERUF' DES DR. HÖNICKE



Solche Geschichten über 'Managerkrankheit' und Chefs, die für ihre Arbeiter

sorgen, mögen ja rührend sein, mit der Wirklichkeit haben sie aber nicht viel

zu tun. Denn wenn es wirklich eine solche 'Revolution der Manager' gegeben

hätte, dann müßten wir doch im Betrieb was davon gemerkt haben. Wenn es den

Managern nicht um Profite, sondern um uns Arbeiter geht, dann dürfte das

Bandtempo nicht alle Nasen lang erhöht werden, dann dürfte man bei

Mercedes-Benz (Daimler,d.Vf.) nicht MTM (Minimalzeitmessung) einführen, dann

dürfte man nicht erst die neuen Maschinen für Opel in der Schweiz testen, wie

schnell ein Arbeiter daran bei Aufbietung aller Kräfte arbeiten kann, dann

dürften unsere Bewegungen nicht gefilmt werden, um sie soweit wie möglich zu

'rationalisieren'.



Die Rolle, die das Management in Wirklichkeit spielt, kann man an einem

Beispiel klarmachen:



Wenn der Besitzer eines Mercedes sich einen Chauffeur zulegt, tut er das

nicht, weil er jetzt weniger und langsamer fahren will oder damit dieser

jetzt bestimmt, wohin der Wagen fahren soll, sondern genau umgekehrt. So

haben sich die Kapitalisten auch das Management nicht zugelegt, weil sie

jetzt weniger Profite machen oder sich die Entscheidungen abnehmen lassen

wollen, sondern genau umgekehrt.



Ein Chauffeur, der dauernd einen fetten Kapitalistenboß herumkutschieren

muß, träumt natürlich davon, selbst einmal von einem Chauffeur

herumkutschiert zu werden. Genauso versuchen die Manager, selbst zu

Großkapitalisten zu werden. Sie können für sich selbst am besten Kapital

abzweigen, wenn sie für ihren Konzern besonders hohe Profite erwirtschaften.

Dann sind die Kapitalisten bemüht, sie zu behalten, und geben ihnen Aktien

mit, wie z.B. dem Generaldirektor Mason. Wenn die Profite unter ihrer Führung

sinken, suchen sich die Aktionäre einen neuen Chauffeur. Durch die

'Revolution der Manager' hat sich an der Profitjagd des Kapitalismus also

nichts geändert: im Gegenteil, die Manager müssen noch mehr als die Aktionäre

selbst auf Höchstprofit bedacht sein, weil sie diese ja zufriedenstellen

müssen.



DR. HÖNICKE UND PERSCHKE - MASKEN DAS KAPITALS



Dr. Hönicke ist also wirklich unser Feind. Aber er ist unser Feind, nicht

weil er besonders bösartig wäre, sondern weil er Chauffeur des Kapitals ist,

weil er zum Vorstand der Adam Opel A.G. gehört. Karl Marx hat solche Leute

'Charaktermasken' genannt: d.h. daß sie nur Masken des Kapitals sind. Masken

können ausgewechselt werden, auf das Gesicht, das dahinter steckt, kommt es

an.



Arbeiterdompteur Perschke will uns auf eine bestimmte Maske dressieren. Wenn

wir die sehen, sollen wir fauchen wie dressierte Löwen. Wohlweislich hat er

sich dazu jemanden ausgesucht, den wir so schnell nicht zu Gesicht bekommen.



Arbeiterdompteur Perschke will uns davon abhalten, daß wir hinter die Masken

schauen und sehen, daß hinter allen Masken die selbe Fratze steckt: das

profitgierige Kapital. Vor allem möchte er natürlich verhindern, daß wir IHN

SELBST ALS MASKE erkennen, hinter der auch die Fratze des Kapitals steckt.



Aber es ist zu deutlich, als daß er es noch vertuschen könnte:

Konzernbürokraten und Gewerkschaftsbürokraten sind nur verschiedene Masken

des Kapitals. Sie spielen uns vor, daß sie sich gegenseitig bekämpfen, als ob

sie Feinde seien, aber beide baumeln an den Fädchen des Kapitals. ...



Der Dr. Hönicke kann uns von Arbeiterdompteur Perschke nur deshalb als

Hauptfeind vorgestellt werden, weil die Opelbosse dem Betriebsrat über seinen

Kopf hinweg ein paar Bröckchen zugeworfen haben, damit uns der

Arbeiterdompteur weiter ködern kann, um uns weiterhin zu 'beruhigen'. Denn

das ist genau die Rolle, die er für das Kapital zu spielen hat."



In einem weiteren Bericht der RBG, heißt es:"

KRAFTBRÜHE MIT EINLAGE



Man nehme den gefüllten Topf und fange an zu suchen - nach der Einlage. Nach

langem Suchen wird man schließlich auf die Idee kommen, daß mit 'Einlage'

vielleicht die Schöpfkelle gemeint sein könnte. (Margret Fudai, Abt. 3 672

auf der BV vom 19.6.)"

=Zündkerze Nr.3,Bochum 1970,S.1ff



24.06.1970: 

Bei Hoesch Maschinenfabrik Deutschland (MFD) in Dortmund fordert die

Versammlung des IGM-Vertrauensleutekörpers zur Metalltarifrunde (MTR), laut

KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, "eine 15% effektive Lohnerhöhung auf den Ecklohn

der Facharbeiter-Gruppe 7. Daß der daraus errechnete Geldbetrag linear auf

alle Lohngruppen angewandt wird."

Gefordert worden sei auch der Wegfall der beiden untersten (Frauen-)

Lohngruppen und die Zahlung eines 13. Monatslohnes bzw. -gehaltes.

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970,S.3



29.06.1970: 

Die Nr.10 des 'KND' (vgl. 25.6.1970, 2.7.1970) erscheint.

Vom Opelwerk Bochum, wo vor ca. drei Wochen mehrere hundert Kollegen für eine

Angleichung ihrer Löhne an das Rüsselsheimer Werk gestreikt hätten, wird

berichtet, daß eine Lohnangleichung nun durchgesetzt worden sei.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.10,Bochum 29.6.1970



30.06.1970: 

Bei Opel Bochum erscheint eine Sondernummer der 'Zündkerze' -

Betriebszeitung der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK (vgl.

10.6.1970, 20.7.1970) mit zwei Seiten DIN A 4:"

SDS HEIDELBERG VERBOTEN



Kollegen!

Der SDS Heidelberg ist verboten worden. Polizei drang in seine Zentrale und

verwüstete die Räume. Kasse und Akten ließ sie mitgehen.



Anlaß für das von der großen Koalition Baden-Württembergs von langer Hand

vorbereitete Verbot war eine Demonstration gegen die Anwesenheit solcher

Leute wie Mc Namara (früher US-'Verteidigungs'-Minister, hauptverantwortlich

für die technische Durchführung des US-Kriegs in Vietnam, heute

Weltbankpräsident, als welcher er ebenso tüchtig in die eigene Tasche

wirtschaftet) und Eppler (Bundesminister für Entwicklungs'hilfe').



Diese Herrschaften berieten sich darüber, wie sie mit gemeinsamen

'Entwicklungshilfe'-Projekten die Völker der Dritten Welt noch besser

ausplündern können. Im Mittelpunkt dieser Beratungen stand der Bau des

Cabora-Bassa-Staudamms in der portugiesischen Kolonie Mosambik, mit dessen

Hilfe die weiße Kolonialherrschaft dort verlängert werden soll.



Während die schwedische Regierung unter dem Druck der empörten Bevölkerung

ihre Beteiligung daran aufkündigte, reicht es der westdeutschen Bourgeoisie

nicht mehr, ihren Gegner die Schuld für kaputte Autos usw. anzuhängen, weil

ihr das nicht mehr geglaubt wird. Sie weiß sich nur noch durch Polizeieinsatz

zu helfen.



Denn die Profite solcher Konzerne wie Siemens, die an dem Vorhaben beteiligt

sind, sind zu wichtig, als daß man da moralische Bedenken gelten lassen kann.



Vielleicht erinnern sich einige von Euch noch daran, wie vor rund zwei Jahren

das Entwicklungs'hilfe'ministerium auf dem Husemannplatz versucht hat, den

Bochumer Einwohnern Sand in die Augen zu streuen (vgl. **.*.1968,d.Vf.). Der

Bochumer SDS hatte damals für alle Anwesenden überzeugend dieses schmutzige

Spiel aufgedeckt, so daß sich die Herren von CDU und SPD ständig in

Widersprüche verwickelten und der Lüge überführt werden konnten.



So etwas wurde jetzt in Heidelberg zum Beweis für Verfassungsfeindschaft

erklärt.



Mancher von Euch wird sich noch an 1933 erinnern, wo die

Klassenkampforganisationen der Arbeiter, besonders die KPD, durch die mit

Krupp- und Thyssen-Geldern an die Macht gekommenen Nazis liquidiert wurden.



Den Kapitalisten ist die zunehmende Unruhe unter den Arbeitern seit den

Septemberstreiks in die Knochen gefahren. Sie haben Angst, daß bei der

nächsten Krise (Winter 1971) viele Kollegen organisiert gegen die

Entlassungswelle, die Herabsetzung der Löhne und die Abschaffung der wenigen

Schutzrechte, die wir noch haben, vorgehen könnten. In manchen Betrieben

haben sie für diesen Fall schon bewaffneten Werkschutz.



So wie sie durch ihre Handlanger in den Regierungen heute eine sozialistische

Studentenorganisation verbieten, so können sie morgen versuchen, die

erstarkende Arbeiterpartei KPD/ML und ihre Betriebsgruppen zu verbieten, weil

sie ihnen zu gefährlich wird.



Insofern ist der Angriff auf den SDS auch ein Angriff auf die Arbeiterklasse.

Wir sind fest davon überzeugt, daß den Angriffen der Kapitalisten wirksam auf

die Dauer nur unter der Führung durch die Arbeiterklasse und ihre Partei

KPD/ML entgegengearbeitet werden kann



WIR RUFEN DAHER DIE KOLLEGEN AUF, SOLIDARITÄT MIT DEN STUDENTEN DES SDS-

HEIDELBERG ZU BEWEISEN!



SOLIDARITÄTSDEMONSTRATION HEUTE UM 17 UHR AUF DEM HUSEMANNPLATZ".

=Zündkerze Sdr.Nr. SDS-Heidelberg verboten,Bochum o.J. (30.6.1970)



Bochum_Opel041

Bochum_Opel042





Juli 1970: 

Erstmals gibt der Kommunistische Arbeiterbund/Marxisten -Leninisten

(KAB/ML) sein Zentralorgan 'Rote Fahne' (vgl. Aug. 1970) heraus, nachdem

zuvor bereits der 'Rebell' diese Rolle gemeinsam für RJ/ML und KAB/ML

übernommen hatte.

Es wird über eine Reihe von Streiks berichtet u.a. bei Opel Bochum (1 500).

=Rote Fahne Nr.1,Tübingen Juli 1970



Juli 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Juli ihren 'Roten Kadett' Nr.7

(vgl. Juni 1970, Aug. 1970) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.4 und 9,Bochum Apr. 1970 bzw. Sept. 1970



01.07.1970: 

In der Nr.3 der 'SBK' (vgl. 1.6.1970, 1.8.1970) wird wiederum

über eine Reihe von Streiks berichtet.

In Bochum sollen 1 500 Opel-Arbeiter mehrere Stunden lang für eine

Angleichung der Löhne an das Werk in Rüsselsheim gestreikt haben.

=Sozialistische Betriebskorrespondenz Nr.3,Offenbach 1.7.1970



09.07.1970: 

In einem Schreiben der IGM-Vertrauensleuteleitungen und Betriebsräte der

Hoesch-Hüttenwerke AG Dortmund an die Bundesregierung wird ausgeführt:"

Die Vertrauensleuteleitungen und Betriebsräte der HOESCH HÜTTENWERKE AG als

die gewählten Vertreter von 28 000 Belegschaftsmitgliedern haben sich mit den

konjunkturpolitischen Maßnahmen beschäftigt, die zur Zeit auf Vorschlag der

Bundesregierung zur Beratung anstehen.

Dabei wurde insbesondere die vorgeschlagene 10%ige Lohnsteuervorauszahlung

einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Man kommt nicht darum herum, wiederum die Feststellung zu treffen, daß die

beabsichtigten Maßnahmen eindeutig zu Lasten der Arbeitnehmer gehen.

Schon in den Jahren 1966/67 mußten aus wirtschaftlichen Gründen die

Arbeitnehmer durch Verlust ihrer Arbeitsplätze, Kurzarbeit, Lohnverzicht usw.

die Zeche bezahlen.

Das überhöhte Gewinnstreben der Unternehmer hat dazu geführt, daß

Preissteigerungsraten in einem nie gekannten Ausmaße bei sinkendem

Lohnkostenanteil zu verzeichnen sind.

Aus diesen Überlegungen heraus lehnen wir die geplante

Lohnsteuervorauszahlung ab und sind der Meinung, daß in dieser Situation die

Unternehmer für die Herbeiführung normaler Wirtschaftsverhältnisse

verantwortlich gemacht und herangezogen werden müssen. Wir fordern die

Bundesregierung auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen."



Das Schreiben geht zur Kenntnisnahme an:

- DGB Bundesvorstand,

- IG Metall-Vorstand,

- DGB Ortsausschuß Dortmund,

- IGM Ortsverwaltung Dortmund,

- Westfälische Rundschau (WR),

- Ruhr-Nachrichten (RN),

- Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).



Bei Opel Bochum berichtet die KPD/ML-ZK (vgl. 20.7.1970):"

In der WAZ vom 11. Juli konnte man lesen:

'...

Betriebsräte und Vertrauensleute lehnten die geplante Lohnsteuervorauszahlung

in einem Schreiben an die Bundesregierung ab. Die Sprecher von 28 000

Stahlarbeitern kritisierten, daß die beabsichtigten Maßnahmen eindeutig zu

Lasten der Arbeitnehmer gingen.'



Auf den ersten Blick sieht eine solche Meldung so aus, als ob der Betriebsrat

und der gewerkschaftliche Vertrauensleutekörper bei Hoesch Arbeiterinteressen

verträten. Was aber ist der Hintergrund dieser Erklärung?



BEISPIEL HOESCH



Vor kurzem kam heraus, daß Hoesch mit dem holländischen Stahlkonzern

Hoogovens (in den Niederlanden,d.Vf.) fusionieren will. Der Plan sieht eine

Verlagerung der Stahlproduktion nach Rotterdam vor. Nur einige

Zulieferbetriebe sollten in Dortmund bestehen bleiben. Das bedeutet, daß die

28 000 Kollegen bei Hoesch damit rechnen müssen, ihren Arbeitsplatz zu

verlieren.



Hoesch ist ein Betrieb, der unter das Montanmitbestimmungsgesetz fällt. Im

Aufsichtsrat haben die Gewerkschaftsvertreter die Mehrheit, da als

'neutrales' Mitglied der ehemalige Arbeitsdirektor IG-Metall-Mitglied Harald

Koch sitzt. Dieser hatte von dem Plan schon seit langem Kenntnis, ohne es für

nötig zu halten, die Belegschaft zu informieren. Koch begründete sein

Schweigen damit, daß er als Aufsichtsratsmitglied der Schweigepflicht

unterliege (wofür er ein entsprechendes Schweigehonorar kassiert: 250 000 DM

pro Jahr!). Um die Belegschaft irre zu führen, tut die Gewerkschaft nun im

Einvesrtändnis mit dem Hoesch-Vorstand so, als habe Generaldirektor Harders

den Aufsichtsrat von der geplanten Verlegung nicht in Kenntnis gesetzt.

Zum Schein darf daher der Betriebsrat auf Harders schimpfen, ähnlich wie bei

uns Perschke auf Dr. Hönicke. Nur mit Mühe gelang es dem Betriebsrat bisher,

die empörte Belegschaft davon abzuhalten, die Arbeit niederzulegen.



Obwohl die Fusionsverhandlungen schon seit 1966 laufen, lehnt der

Aufsichtsrat den Plan, der nachträglich dem Vorstand zugeschoben wurde, ab,

weil in Holland die Montanmitbestimmung nicht gilt und weil die Arbeitsplätze

der Belegschaft gesichert werden müßten. Dabei dürfte die erste Forderung,

nämlich 'Mitbestimmung', d.h. Erhaltung der Aufsichtsratsposten. insgeheim

schon geregelt sein, während die zweite, Erhaltung der Arbeitsplätze, nur zur

Beruhigung der Belegschaft aufgestellt wurde. Da die Belegschaft noch vom

letzten Herbst her mißtrauisch ist, schlug ein DKP-Betriebsrat vor, daß zur

Überwachung der weiteren Pläne ein 'Arbeitervertreter', nämlich der

Betriebsratsvorsitzende Albert Pfeiffer, an den Vorstandssitzungen teilnehmen

solle.

Pfeiffer (SPD), der es im September verstand zu verhindern, daß der Streik

bei Hoesch politisch wurde, ist dem Vorstand immerhin 76 000 DM

Jahrestantiemen wert.



In diese explosive Lage 'platzt' nun die SPD-Regierung mit ihrer Lohnsteuer

'voraus'zahlung. Um die Empörung der Arbeiter zu dämpfen, ruft der

Betriebsrat den Vertrauensleutekörper zu Beratungen zusammen.



Einige klassenkämpferische Vertrauensleute vor allem der Westfalenhütte

bezeichnen die SPD-Politik völlig zutreffend als arbeiterverräterisch. Ihr

Unmut wird vom Betriebsrat dadurch aufgefangen, daß der oben zitierte

Protestbrief an die Regierung abgeschickt wird.



Brandt, Schiller und Co. nehmen diesen Brief nicht allzu ernst, denn sie

wissen ja, daß Betriebsrat und Vertrauensleutekörper zum überwiegenden Teil

aus SPD-Mitgliedern bestehen. Brandt kann im Bundestag sogar sagen, daß die

Gewerkschaften ihn vor 'linksradikaler Agitation in den Betrieben' gewarnt

haben (vgl. **.*.1970,d.Vf.)



VERRAT DER GEWERKSCHAFTEN



Die Gewerkschaftsmitglieder der SPD im Bundestag wenden auch nichts gegen die

Regierungsvorlage ein und stimmen der Lohnerhöhung geschlossen zu.



Am Beispiel eines Vorstandsmitgliedes der Dortmunder IG Metall läßt sich

zeigen, welche Interessen die IG Metall wirklich vertritt. Als IG-Metaller in

Dortmund protestierte Walter Behrens gegen die Zwangsanleihe, im Bundestag

stimmt er dafür. Hoesch-Arbeiter nennen die IG Metall Dortmund zu Recht eine

verlängerte Werkbank des Hoesch-Konzerns."



Die DKP berichtet:"

LAST FÜR ARBEITER



Ihre Verärgerung drückten die Betriebsräte und Vertrauensleute der Hoesch-

Hüttenwerke in Dortmund in einem Brief an die Bundesregierung aus. Die

Sprecher von 28 000 Stahlarbeitern kritisierten vor allem, daß die Maßnahmen

eindeutig zu Lasten der Arbeiter gingen."

=Unsere Zeit Nr.29,Essen 18.7.1970,S.2;

Zündkerze Nr.3,Bochum 1970,S.13f;

IGM-Vertrauensleuteleitungen und Betriebsräte der Hoesch Hüttenwerke AG:

Schreiben an die Bundesregierung,Dortmund-Hörde 9.7.1970



10.07.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in Bochum berichtet:"

DKP - ANHÄNGSEL AN SPD- UND GEWERKSCHAFTSBÜROKRATIE



Am Freitag den 10. Juli verteilte die DKP auch bei Opel ihr in 120 000

Exemplaren aufgelegtes Flugblatt zur Lohnsteuer'voraus'zahlung. Darin heißt

es:

'Laßt Euch aber nicht von SPD-Ministern und -Abgeordneten Sand in die Augen

streuen. Würden sie die Interessen der arbeitenden Menschen konsequent

vertreten, dann müßten sie Maßnahmen gegen die Riesengewinne des Großkapitals

und für die Senkung der Rüstungskosten ergreifen.'



Damit behauptet die DKP, daß die SPD-Minister zwar die Interessen der

'arbeitenden Menschen' verträten, aber nicht konsequent genug. Das entspricht

genau ihrer Anbiederungspolitik an die SPD, 'damit Kühn kühner auftreten

kann'. Die DKP tut so, als hätten die 'Riesengewinne des Großkapitals' und

die Rüstung mit der SPD nichts zu tun.



WER HAT DENN EIGENTLICH DIE 'SOZIALE SYMMETRIE' AUSGEKLÜGELT? WER MACHT DENN

DIE 'VERTEIDIGUNGS'POLITIK?



Desweiteren fordert die DKP uns auf, uns einzusetzen für 'Mitbestimmung und

Kontrolle durch die Arbeiter und Angestellten und ihre Gewerkschaften', und

fordert, daß wir 'in den Gewerkschaften Kampfmaßnahmen organisieren' sollen.



Die DKP will uns glauben machen, daß die Gewerkschaften UNSERE Organisationen

wären. Sie will uns glauben machen, der Betriebsrat bestände aus

Arbeitervertretern. Man könne mit Perschke und Co. 'in den Gewerkschaften'

Kampfmaßnahmen organisieren!



Ganz offensichtlich will uns damit die DKP 'Sand in die Augen streuen': wir

sollen uns nach wie vor von denen, die uns verraten haben, an der Nase

herumführen lassen, Protestbriefe schreiben, die sowieso nicht ernst genommen

werden und wenn wir tatsächlich die Arbeit aus Protest niederlegen, dem

Betriebsrat die Möglichkeit bieten, sich auf uns zu berufen, um SEINE

Mitbestimmung durchzudrücken.



Offenbar hofft die DKP darauf, daß die Gewerkschaftsbürokraten ihr aus lauter

Dankbarkeit auch ein paar Pöstchen abgeben werden. Wie sonst soll man es

erklären, daß z.B. der 'Rote Kadett' die Kollegen auffordert, den Betriebsrat

- also Perschke und Co. - zu stärken?"

=Zündkerze Nr.3,Bochum 1970,S.15



20.07.1970: 

In München erscheint die Nr.2 der BMW-Betriebszeitung der ABG 'Arbeitersache'

(vgl. 19.6.1970, Sept. 1970). Über Streiks wird auch berichtet von Opel

Bochum.

=Arbeitersache Nr.2,München 20.7.1970,S.6



Muenchen_BMW006





20.07.1970: 

Vermutlich in dieser Woche gibt die KPD/ML-ZK bei Opel Bochum die Nr.3

ihrer 'Zündkerze' (vgl. 30.6.1970, 15.9.1970) mit dem Leitartikel "Perschke

und sein Paradepferd" heraus, die 17 Seiten dick und von Stefan Bock

verantwortet ist. Berichtet wird im Leitartikel sowie einem weiteren Artikel

und Kästen über die Betriebsversammlung in Werk 1 (vgl. 19.6.1970).

Eingegangen wird auch auf die DKP bei Opel (vgl. 10.7.1970) sowie auf die

IGM-Vertrauensleutewahlen (VLW - vgl. März 1970).



Zur Lohnsteuervorauszahlung (vgl. 11.7.1970) heißt es:"

SCHILLERS NEUESTES GEDICHT: LOHNSTEUER'VORAUS'ZAHLUNG



Schiller hatte vor der Bundestagswahl (BTW - vgl. 28.9.1969,d.Vf.)

versprochen, für 'soziale Symmetrie' zu sorgen. Symmetrisch sind z.B. zwei

gleich lange Stuhlbeine. 'Soziale Symmetrie' soll heißen: Kapitalisten und

Arbeiter werden vom Staat völlig gleich behandelt.



'SOZIALE SYMMETRIE'



Was 'soziale Symmetrie' wirklich ist, sehen wir jetzt mal wieder: Schiller

und Konsorten brummen den Arbeitern und Angestellten ab August 10% mehr

Steuern auf, soweit ihre bisherigen Steuern mehr als 100 DM im Monat betragen

(bei denen, die weniger aufbringen, lohnt sich eine Erhöhung nicht).

Betroffen sind davon rund 60% aller Lohnabhängigen, während die übrigen 40%

so wenig verdienen, daß sie nicht in Frage kommen (vgl. Tabelle).



Bruttomonatslohn  bisher gezahlte  Konjunkur-Zuschläge  Lohnsteuergruppe

(in DM)           Steuern (in DM)  (in DM)

815               100            +10                  Ledige

1 000               139            +13,90               bis zu

1 500               270,90         +27,09               50 Jahren



957               100            +10                  Verheiratet

1 197               150            +15                  ohne

1 500               204,10         +20,41               Kinder



1 057               100            +10                  Verheiratet

1 125               113            +11,30               mit 1

1 500               185,10         +18,51               Kind



1 197               100            +10                  Verheiratet

1 250               111            +11,10               mit 2

1 500               158,50         +15,85               Kindern



1 345               100,60         +10,60               Verheiratet mit

1 500               130            +13                  3 Kindern



675               100            +10                  Ehefrau



Die Kapitalisten sollen etwas weniger an Abschreibungen vornehmen können,

während jedoch die Lohnabhängigen bis zum 30. Juni 1971 (also für 11 Monate)

zu den Mehrabgaben verpflichtet werden sollen, gilt die Einschränkung der

Steuervergünstigungen für die Unternehmer nur für insgesamt 7 Monate. Da sie

jedoch lange vorher informiert waren, hatten diese Herrschaften natürlich

genug Zeit, um ihre Abschreibungen vorzuziehen, bzw. sie können damit warten,

bis die sieben Monate um sind. Die Unternehmer werden also nur pro forma

mitbelastet. SIE HABEN IM GRUNDE GENOMMEN NICHTS ZU BEZAHLEN, DIE ARBEITER

UND ANGESTELLTEN BLECHEN MAL WIEDER ALLES ALLEIN.



LEERE VERSPRECHUNGEN



Auch die Erhöhung des Lohnsteuerfreibetrages auf 480 DM soll erneut

hinausgeschoben werden. Offenbar wegen der Streikwelle im September vorigen

Jahres hatte die SPD dieses Wahlversprechen gegeben, um dann den Termin vom

1. Januar 1970 auf den 1. Juli 1970, von da auf den 1. Januar 1971 und nun

auf den 1. Juli 1971 zu verschieben. UND BIS DAHIN WIRD DIE SPD BESTIMMT

WIEDER EINEN GRUND GEFUNDEN HABEN, WARUM ES DANN AUCH NICHT GEHT, UM SIE DANN

VIELLEICHT FÜR DIE WAHL 1973 ZU VERSPRECHEN.



Schiller und seine Kumpane behaupten nun, daß wir das zwangsentliehene Geld

bis zum 31. März 1973 zurückbekämen. Natürlich unverzinst und ohne

entsprechenden Inflationsaufschlag! Die Behauptung, daß durch diese

Lohnsteuer'voraus'zahlung ja gerade die Inflation gestoppt würde, ist einfach

eine Lüge. Schiller selbst 'hofft' den Preisanstieg im nächsten Jahr unter 3%

drücken zu können, d.h. er gibt zu, daß das Geld wenigstens um diesen

Prozentsatz weniger wert wird.





Auch das Beispiel der USA lehrt uns, wie wenig ein solcher Zwang zu

Konsumverzicht bewirkt: 1967 hatte US-Präsident Johnson eine Erhöhung der

Lohnsteuer für unsere amerikanischen Kollegen (vgl. **.**.1967,d.Vf.) um 10%

damit begründet, daß auf diese Weise die Betroffenen gezwungen sind, weniger

zu kaufen, und daß dadurch die Inflation beendet würde. Ergebnis: die

Kaufkraft des Dollars ist jährlich um 10% gesunken!



SPD - HANDLANGER DER KAPITALISTEN



Schiller tut so, als wären unsere Löhne so hoch gestiegen, daß wir jetzt

sparen könnten. Das eingesparte Geld soll inzwischen dazu dienen, den

Bauunternehmen zu höheren Profiten zu verhelfen. Das nennt die Regierung dann

großartig 'Gemeinschaftsaufgaben'! Wie bei beim 312-DM-Gesetz (vgl.

**.**.19**,.dVf.) soll also auch hier durch Zwangssparen 'Vermögen' gebildet

werden, welches den Kapitalisten über die Krise helfen soll.



Die 'soziale Symmetrie' der SPD läuft also wiederum auf eine eindeutige

Begünstigung der Kapitalisten hinaus. Die klassenbewußten Arbeiter begreifen

auch an diesem Beispiel, daß die SPD eine Partei der Kapitalisten ist.



GEWERKSCHAFTEN - WERKZEUGE DES KAPITALS



Wie nun verhalten sich die Gewerkschaften? In der Zeitung lesen wir, sie

hätten die SPD vor dieser Maßnahme gewarnt. Es seien zahlreiche Protestbriefe

an die SPD-Baracke in Bonn eingegangen, worin die Gewerkschaften ihren Unmut

zum Ausdruck gebracht hätten. Der DGB erklärt die Erhöhung für 'sozial

unzumutbar', Herr Brenner redet von 'gewerkschaftsfeindlicher Politik' der

Regierung, ja auch der Betriebsrat und Vertrauensleutekörper von Opel in

Rüsselsheim, beunruhigt durch die Empörung in der Belegschaft, telegraphierte

nach Bonn, daß er gegen die Steuererhöhung schärfstens protestiere (vgl. Juli

1970,d.Vf.).



Was es mit diesem Protest auf sich hat, wollen wir an einem Beispiel näher

untersuchen." Hierbei wird kurz eingegangen auf Ford Köln (vgl. 10.7.1970)

und Mannesmann (MM) Duisburg (vgl. 8.7.1970) und dann von Hoesch Dortmund

(vgl. 9.7.1970) berichtet sowie zum Verrat der Gewerkschaften fortgefahren:"

Wer sich noch an die Notstandsdebatten 1968 (NSG - vgl. 30.5.*968,d.Vf.)

erinnert, weiß, wie sich die Gewerkschaften damals verhielten. Nach außen hin

protestierten sie laut (wagten allerdings nicht, die Arbeiter zum Streik

aufzurufen), im Bundestag jedoch stimmten ihre Mitglieder für die

Notstandsgesetze, ohne befürchten zu müssen, daß sie aus der Gewerkschaft

geworfen würden.



Die Gewerkschaften sind also wie die SPD Organisationen der Kapitalisten.



Die Millionen Arbeiter, die ihnen beigetreten sind, dürfen praktisch nur ihre

Beiträge zahlen (das Kassieren hat meist die Werksleitung selbst übernommen),

haben aber ansonsten nichts zu sagen.



Martin Schleyer, Chef von Mercedes-Benz (Daimler,d.Vf.) lehnte in einem

SPIEGEL-Gespräch Mitbestimmung der Gewerkschaft IG Metall ab, weil sonst die

Arbeiter begreifen könnten, daß die Gewerkschaften nur ein 'Ordnungsfaktor'

der Kapitalisten sind.



Auf gut deutsch sagte er damit: Im Grunde genommen habe ich gegen eine

Mitbestimmung der Gewerkschaften nichts einzuwenden. Aber wir Kapitalisten

dürfen es den Arbeitern doch nicht allzu deutlich machen, daß wir mit den

Gewerkschaften an einem Strick ziehen, sonst kommen die Arbeiter noch auf die

Idee, sich selbst zu organisieren.



Man kann sich denken, daß die Gewerkschaftsbürokraten, die sich doch so aufs

'Mitmischen' eingestellt haben, so etwas nicht gern hören und notfalls

versuchen werden, IHRE Mitbestimmung durch gelenkte Streiks wie bei

Rheinstahl (vgl. **.**.19**,d.Vf.) durchzudrücken. Wir dürfen uns dann ein

wenig tummeln, aber natürlich schön im Rahmen der Weisungen 'unserer'

Betriebsräte, und den Gewerkschaftsbonzen die Kastanien aus dem Feuer holen.

Wenn sie dann erst einmal ihre Aufsichtsratsgelder kassieren, werden diese

Herrschaften uns immer, wenn wir über die Profite der Kapitalisten verärgert

sind, entgegenhalten: 'Nun seid doch vernünftig, geht wieder an die Arbeit.

Wir müssen konkurrenzfähig bleiben' und dergleichen Sprüche mehr.



WIR VON DER RBG KÖNNEN DEM NUR WIEDER DAS ENTGEGENHALTEN, WAS WIR SCHON AN

ANDERER STELLE ZUM AUSDRUCK GEBRACHT HABEN:



DIE ARBEITER MÜSSEN SICH SELBST ORGANISIEREN, UM SO GESCHLOSSEN GEGEN ALL

DIESE MACHENSCHAFTEN VORGEHEN ZU KÖNNEN!



STÄRKT DIE ROTE OPEL-BETRIEBSGRUPPE DER KPD/ML



ORGANISIERT EUCH IN DER RBG!"



In einem Leserbrief heißt es in einer Stellungnahme eines Opelarbeiters zu

dem Leserbrief eines Kollegen von Krupp Bochumer Verein (BV) in der Nr.2

(vgl. 10.6.1970):"

Der Leserbrief des Kollegen vom Bochumer Verein in der Ausgabe Nr.2 der

ZÜNDKERZE ist im großen und ganzen gut und inhaltsreich. Dennoch halte ich es

für erforderlich, auf zwei Punkte näher einzugehen.



PUNKT 1: Er schreibt: '...geistige Trägheit, geistige Untätigkeit, ja man

kann sagen, die Schlafsucht beim deutschen Arbeiter auf dem Gebiet der

Weltanschauung...' und gegen Ende seines Briefes: 'Es wäre daher sehr

angebracht, wenn du Arbeiter in deinen Freizeitpausen mit den anderen

Arbeitern nicht immer nur über den Fußball, über die nackten Frauen und über

dein Kleinauto reden würdest..., interessiere dich lieber, weshalb die Preise

so hoch in Deutschland sind, und überlege darüber, weshalb du am Samstag und

Sonntag arbeiten gehst, während der Kapitalist mit dem Mercedes ins Grüne

fährt...'



Für einen Arbeiter beim BV, der an der Drehbank, Feilbank oder sonst einer

Werkzeugmaschine steht, mag das oben angeführte zutreffen. Bei den

Fließbandarbeitern von Opel sieht das etwas anders aus: das ergibt sich schon

aus den Arbeitsumständen und -methoden.



Nur ein Beispiel: ein Bandarbeiter muß innerhalb von 1 Minute 8 bis 10 Teile

montieren und 16 Schrauben anziehen. Auf die Schicht verteilt macht das -

bleiben wir bei den Schrauben allein - gut und gerne 5 000 Schrauben.

Kollegen, die mit jungen Jahren anfangen, haben die Aussicht, auf Jahre

hinaus arbeitsmäßig immer noch das Gleiche zu machen.



Der Enderfolg dieses ewigen Einerleis besteht in der Regel in Kreislauf- und

Magenbeschwerden.



Hier muß ich die Frage stellen: Warum wohl hat Opel eine Diätküche

eingerichtet, wo jeder, der bei Opel arbeitet, doch weiß, wie hartnäckig die

Geschäftsleitung sich weigert, irgendwelche Zugeständnisse - siehe

Parkplatzversicherung - zu machen? Offenbar doch wohl nur deshalb, um die

Arbeitskraft der Leute länger ausbeuten zu können.



Wechselschichtarbeiter leiden generell noch unter Schlaflosigkeit, die sich

natürlich in ihrer Freizeit als Schlafsucht bemerkbar macht; oft schlafen sie

bei den simpelsten Dingen ein, ob das nun Kino oder Fernsehen oder sonst was

ist, schon gar nicht zu reden von Diskussionen, Büchern oder Kursen, die

außerdem noch an bestimmte Abendstunden gebunden sind, zu denen man entweder

arbeiten oder schon wieder schlafen gehen muß, weil man ja am nächsten Tag je

nachdem wie weit man weg wohnt um 3 Uhr 30 bis 4 Uhr 40 wieder aus den Federn

muß.



Abhilfe davon kann man sich nur versprechen in Form von erheblich kürzerer

Arbeitszeit und Bildungsurlaub.



PUNKT 2: Der Kollege schreibt:

'Durch solche zündenden Diskussionen ...wurde schon so manche Ungerechtigkeit

in Deutschland und auf der Welt für immer aufgehoben. Denken wir nur ganz

kurz an die diskutierenden und streikenden Arbeiter nach dem ersten

Weltkrieg, die den 12-Stundenarbeitstag auf 8 Stunden heruntergesetzt haben,

die den Urlaub ... erkämpft haben.'



Welche Ungerechtigkeiten sind denn für immer aufgehoben worden? Wohl gibt es

in Deutschland im Vergleich zu früher einige soziale Verbesserungen, wie

Kranken- und Unfallversicherungen, längeren Urlaub, kürzere Arbeitszeit usw.

Aber was die kürzere Arbeitszeit und den längeren Urlaub anbelangt, welchen

Nutzen haben wir denn davon?



Um überhaupt seinen Urlaub genießen zu können in Form von Urlaubsreisen o.ä.,

ist man gezwungen, das ganze Jahr über darauf hinzusparen. Was man in der

normalen Arbeitszeit bei Opel ausgezahlt bekommt, reicht aber gerade für den

notwendigen Lebensunterhalt der Familie.



Man ist also gezwungen, Überstunden zu kloppen, Samstags- und

Sonntagsschichten mitzunehmen, wie der Kollege vom BV ja selbst zugegeben

hat, wobei sich die Arbeitszeit von allein wieder aufhebt.



'Zugeständnisse', die uns die Kapitalisten, auch nur auf Grund von

Kampfmaßnahmen, in Zeiten der Hochkonjunktur machen, nehmen sie bei der

nächsten Krise Stück für Stück wieder zurück, ohne daß wir etwas dagegen

unternehmen können; denn wenn einer was dagegen vorbringt, muß er damit

rechnen, daß er der erste auf der Abschußliste ist.



Daraus ergibt sich, daß sich an diesen wirtschaftlichen und politischen

Verhältnissen grundlegend nichts ändert, solange die Arbeiterklasse nicht

selbst die Macht übernommen hat.



Ich schließe mich aus den oben angeführten Gründen der Meinung des BV-

Kollegen an: Kollegen lest die ZÜNDKERZE!

Ich bitte um Kritik."



Die Rückseite ist geziert von einem riesengroßen Arbeiter, der mit einem

Faustschlag eine Runde von Männern mit Schlips und Kragen (ursprünglich

Parlamentarier) auseinanderzujagen droht.

=Zündkerze Nr.3,Bochum 1970



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August 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im August ihren 'Roten Kadett' Nr.8

(vgl. Juli 1970, Sept. 1970) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.4 und 9,Bochum Apr. 1970 bzw. Sept. 1970



August 1970: 

Die KPD/ML-ZK bei Opel Bochum berichtet vermutlich spätestens aus dem

August von der 15% Forderung für die Metalltarifrunde (MTR):"

Auch der Betriebsratsvorsitzende Tolusch von Ford in Köln mußte wegen der

Stimmung unter den Fordarbeitern in einem SPIEGEL-INTERVIEW sagen, daß 'wir'

(er tat so, als wäre auch er ein Arbeiter) die Lohnsteuererhöhung durch die

Lohnforderungen wieder herausholen würden."

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970,S.1



26.08.1970: 

Die Nr.27 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 22.8.1970, 29.8.1970) erscheint.

Noch einmal wird über die Warnung des NRW-Wirtschaftsministers vor überhöhten

Forderungen in der Metalltarifrunde (MTR) eingegangen. Dagegen hätten

mittlerweile u.a. die Betriebsräte von Opel Bochum protestiert.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.27,Bochum 26.8.1970



31.08.1970: 

In dieser Woche streiken, laut KPD/ML-ZB, die Werkzeugmacher der Karmann

GmbH in Osnabrück für eine Lohnerhöhung um 60Pf., womit sie näher an die

Löhne bei Ford und Opel, die bis zu 1,50 DM höher liegen, herankommen wollen.

Die Kollegen hätten bei Verhandlungen zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und

Kapitalisten die Hälfte ihrer Forderung durchgesetzt.

Ein Bericht findet sich auch in der 'Westfälischen Rundschau' vom 5.9.1970.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.31,Bochum 9.9.1970,S.3



September 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.9 (vgl. Aug. 1970,

Okt. 1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.9,Bochum Sept. 1970



02.09.1970: 

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl. 24.9.1970) berichtet:"

Am 2.September forderten der IGM-V-Leute-Vorstand und der Betriebsrat in

Rüsselsheim einheitliche Erhöhung der Ecklöhne auf 4,60 DM, 15% Lohnerhöhung

gemäß neuem Ecklohn. Also wenigstens 69 Pfg. für alle!"

=Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz,Bochum o.J.

(24.9.1970),S.1



03.09.1970: 

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (vgl. 24.9.1970) berichtet

über den Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Rudi Hahne aus Rüsselsheim:"

Am 3.September sagte er noch: Die Stimmung im Betrieb ist auf dem

Siedepunkt!"

=Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz,Bochum o.J.

(24.9.1970),S.1f



07.09.1970: 

Die KPD/ML-ZK bei Opel Bochum berichtet vermutlich aus dieser Woche:

Letzte Woche erklärte auf einer Belegschaftsversammlung der DEMAG in Duisburg

der Sekretär der IGM-Ortsverwaltung, eine lineare, d.h. für alle Arbeiter

gleich große Lohnerhöhung sei nach dem Lohnrahmenabkommen nicht möglich, man

dürfe nur solche Forderungen aufstellen, die 'streik- und schlichtungsfähig'

seien.

Sollen wir uns etwa der 'Friedenspflicht', die diese Arbeiterverräter den

Kapitalisten zu schulden glauben, unterwerfen?"

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970,S.8



11.09.1970: 

Laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum beginnt die Kleine Tarifkommission der IGM

für die Metalltarifrunde (MTR) in NRW mit ihren Sitzungen.

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970,S.4



15.09.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB laut KPD/ML-ZK heute

erstmals 'Die Presse' (vgl. 24.9.1970) mit 8 Seiten DIN A 4 unter

Verantwortung von Werner Fremd und folgendem Leitartikel heraus:"

SPD PLANT WEITERE STEUERERHÖHUNGEN



Während wir in der Tarifrunde (MTR,d.Vf.) für die Durchsetzung der

gewerkschaftlichen Forderungen kämpfen, bereitet die SPD-Regierung schon

wieder neue Steuererhöhungen vor.

Finanzminister Möller will unser Lohnsystem an die anderen europäischen

Länder angleichen und gibt offen zu, daß dies schon wieder eine

Steuererhöhung ist.

Kolleginnen und Kollegen! Gerade erst hat die SPD der Arbeiterklasse 10%

Lohnsteuervorauszahlung aufgeladen und uns vorgelogen, das damit die

'Konjunktur' gerettet wird. Jetzt marschieren wir nicht nur mit

Riesenschritten in die nächste Krise, sondern die SPD startet schon wieder

neue Angriffe auf unsere Lage. Zur gleichen Zeit steigen die Preise und

Mieten in unverschämter Weise. SPD Minister Schiller aber ist gegen einen

Mietstop, weil das die soziale Marktwirtschaft gefährdet, d.h. freien

Spielraum für die Profitgier der Kapitalisten.



GEGEN DIE ARBEITERFEINDLICHE SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE FRONT DER

ARBEITERKLASSE



Noch so hohe Lohnerhöhungen bringen uns nichts, wenn wir nicht geschlossen

gegen die arbeiterfeindliche Politik der SPD kämpfen und deren weiteren

Lohnraub verhindern.

Fordern wir:

- SOFORTIGE RÜCKZAHLUNG DER 10% LOHNSTEUERVORAUSZAHLUNG

- KEINE WEITEREN STEUERERHÖHUNGEN MEHR



In der jetzigen Tarifrunde kommt es darauf an, möglichst viel

herauszuschlagen. Die Gewerkschaft fordert:

- 15% effektive Lohnerhöhung,

- Wegfall der unteren Lohngruppen, die unsere Einheit verhindern sollen und

den Kapitalisten noch höhere Profite durch gesteigerte Ausbeutung der Frauen,

Jugendlichen und ausländischen Kollegen verschaffen.



Die KPD/ML fordert zusätzlich:



- Absicherung der Effektivlöhne durch 6 DM Mindestlohn, damit wir bei der

herannahenden Krise vor Lohnkürzungen gewappnet sind. Diese Forderungen

müssen unbedingt durchgesetzt werden und durch den Kampf gegen die

arbeiterfeindliche SPD Politik abgesichert werden. Wir müssen jetzt dafür

sorgen, daß wir bei der nächsten Krise ohne Überstunden und Sonderschichten

unseren Lebensstandard einigermaßen halten können.



Die SPD kann mit ihrer arbeiterfeindlichen Konjunkturpolitik die nächste

Krise nicht verhindern. Bereits jetzt gibt es in mehreren Betrieben

Massenentlassungen und Kurzarbeit. Die SPD kann und will den Kapitalismus

nicht abschaffen und im Kapitalismus gibt es immer wieder Krisen, weil die

Produktion sich an der Profitgier ausrichtet und nicht an den Bedürfnissen

des Volkes.



JETZT KAMPF FÜR HOHE LOHNFORDERUNGEN



Die Autoindustrie ist jetzt noch in der Hochkonjunktur.



Die Bosse haben noch nie so hohe Gewinne gemacht. Bei Opel haben sie im

letzten Jahr aus jedem von uns 7 500 DM Reingewinn erpreßt und trotzdem

setzen sie unverschämterweise die Preise noch mehr rauf, um ihre Profite noch

mehr zu steigern.



Jetzt ist die Situation für hohe Forderungen günstig.



Zeigen wir unsere geschlossene Kampfkraft und zwingen wir die IGM-Führer zur

vollen Durchsetzung unserer Forderungen.



Die Erfahrungen des September 1969 haben uns den Weg gewiesen:



Nurch durch geschlossenen Kampf haben die Stahlkollegen 3% mehr bekommen als

wir.



ALLE BÄNDER STEHEN STILL, WENN UNSER STARKER ARM ES WILL!



Im Mai (vgl. 25.5.1970,d.Vf.) sind die Kollegen im Preßwerk voranmarschiert.

Ohne ihren Streik hätte der Betriebsrat die schon lange geforderte

Lohnangleichung an Rüsselsheim (in Hessen,d.Vf.) immer noch nicht

ausgehandelt.



Ohne den mutigen Kampf der Kollegen im Preßwerk hätten wir selbst die paar

vereinzelten Pfennige noch nicht bekommen, die uns die Geschäftsleitung ab

Juni mehr zahlen mußte. Auf das Verhandlungsergebnis um den vollen 13.

Monatslohn warten wir noch. Der Betriebsrat hat immer noch keine klare

Mitteilung darüber gemacht.



VERHINDERN WIR EINEN NEUERLICHEN VERRAT DER GEWERKSCHAFTSBONZEN



Die Gewerkschaftsbonzen kämpfen nur dann für unsere Interessen, wenn wir sie

dazu zwingen.



Immer wieder haben die Gewerkschaftsführer gemeinsam mit der SPD unsere

Interessen verraten. So haben z.B. von den 220 DGB Abgeordneten im Bundestag

nur 2 gegen die Lohnraubsteuer (vgl. 11.7.1970,d.Vf.) gestimmt.



Nur durch Druck von unten können wir einen neuerlichen Verrat der

Gewerkschaftsbonzen verhindern.



Machen wir die Gewerkschaft wieder zum Kampfinstrument der Arbeiterklasse.



Ab sofort allen V-Leuten und Betriebsräten eindeutig erklären:



- Wir erwarten volle Durchsetzung unserer Forderungen bei den

Tarifverhandlungen.



- Wir erwarten auf jeden Fall Urabstimmung über jedes Verhandlungsergebnis.



KAMPF DEM LOHNRAUB"



An die Frauen wendet sich der nächste Artikel:"

AN ALLE KOLLEGINNEN!



Die IGM fordert für die jetzige Tarifrunde die Aufhebung der unteren

Lohngruppen.

KÄMPFEN WIR FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DIESER FORDERUNG!



Wir machen die gleiche Arbeit wie die Männer, müssen uns bei der Arbeit

genauso anstrengen und kriegen weniger Geld, die Preise und die Mieten aber

sind für uns genau so hoch wie für die Männer. Die Gleichberechtigung steht

zwar auf dem Papier, aber die Kapitalisten versuchen sie mit allen Tricks zu

umgehen, um die Arbeiterklasse zu spalten. So wollen sie die Einheit der

Arbeiterklasse und deren gemeinsame Kampfbereitschaft schwächen. Sie spielen

die Männer gegen die Frauen aus, die Deutschen gegen Ausländer und die

Erwachsenen gegen die Jugendlichen. So versuchen sie den Blick der

Arbeiterklasse für ihren gemeinsamen Feind, die Kapitalistenklasse, zu

trüben.



Die Aufhebung der unteren Lohngruppen erreichen wir nur, indem wir

geschlossen für diese Forderung kämpfen! Mit unserer Kampfbereitschaft müssen

wir die Vertrauensleute, Betriebsräte und Gewerkschaftsführer zur

Durchsetzung zwingen! Nur so können wir einen neuen Umfall der

Gewerkschaftsbonzen verhindern.



FÜR DIE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!

FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DER GEWERKSCHAFTLICHEN FORDERUNGEN!"



In einem Werbeartikel für die eigene 'Rote Fahne' (RF), die alle zwei Wochen

vor Opel verkauft werde, heißt es zur Herausgabe der 'Presse':"

Die Presse ist die Zeitung aller Arbeiterinnen und Arbeiter bei Opel. Die

ROTE FAHNE ist das Organ aller Arbeiter in der Bundesrepublik. Die

Erfahrungen und die Kampfkraft der Arbeiter eines Betriebes können

ausreichen, um in dem betreffenden Betrieb Verbesserungen zu erkämpfen. Sie

reicht nicht aus, um die Ausbeutung der Arbeiterklasse abzuschaffen. Und aus

diesem Grund fordert euch die kommunistische Betriebsgruppe auf: Holt euch

die ROTE FAHNE an den Werkstoren, lest sie, gebt sie weiter, besprecht sie

mit den Kolleginnen und Kollegen. Schreibt eure eigenen Erfahrungen und

Meinungen an die ROTE FAHNE!"



Die Ausgabe enthält auch jeweils einen Artikel in spanischer und

italienischer Sprache zur Tarifrunde.



Im Jugendteil des KJVD heißt es:"

Kollegen!

Die Profite der General Motors-Kapitalisten steigen und die SPD-Regierung

unterstützt die Ausbeutung durch die Kapitalisten. Sie startet selber

Angriffe auf den mageren Lohn der Arbeiter durch die 10%ige Lohnraubsteuer

und durch Miet- und Preissteigerungen. Die Unzufriedenheit der Kollegen im

Betrieb ist sehr groß. Das heißt für uns Lehrlinge und Jungarbeiter, wir

müssen mit unseren älteren Kollegen eine geschlossene Front gegen

Kapitalisten, SPD-Regierung und rechte Gewerkschaftsführer bilden. Denn wir

sind von der Ausbeutung genauso betroffen.



DER DURCHSCHNITTSLOHN EINES LEHRLINGS BETRÄGT 70 PFG. IN DER STUNDE



Die Opel-Kapitalisten verdienen an jedem Wagen, der vom Band läuft, 522 DM.

Sie kamen im letzten Jahr auf einen Profit von ca. 420 Mio. DM. Diesen Profit

haben wir zusammen mit unseren älteren Kollegen erarbeitet.

Wir Lehrlinge verbringen die Hälfte unserer Lehrzeit im Betrieb, das heißt in

der Produktion, auch das kann für uns nützlich sein, nur sollen die

Kapitalisten aus uns nicht Extraprofite herauspressen, wenn sie uns für die

gleiche Arbeit schlechter bezahlen als unsere älteren Kollegen, ja, wenn sie

sogar durch uns ältere Kollegen einsparen. Deshalb heißt unsere Forderung:



GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT



Dieses besagt, ob ein Lehrling oder ein Erwachsener ein Teil dreht, machen

sie die gleiche Arbeit, müssen sie auch gleich bezahlt werden.



FÜR ARBEIT IN DER PRODUKTION - 100% DES EFFEKTIVLOHNS

WEGFALL DER JUGENDABZÜGE



Daß die SPD-Regierung immer wieder Angriffe auf die Arbeiterklasse startet,

sehen wir Lehrlinge konkret am Berufsbildungsgesetz (BBiG,d.Vf.). In diesem

Gesetz haben die Kapitalisten durch die SPD-Regierung ihre Vorstellung von

Ausbeutung der Lehrlinge gesetzlich absichern lassen. Das beste Beispiel ist

der Stufenplan, der von den Krupp-Kapitalisten ausgetüftelt wurde und

praktiziert wird. Er ist so aufgebaut, daß wir nicht nach unseren

Fähigkeiten, sondern nach den Bedürfnissen der Kapitalisten ausgebildet

werden. Um uns gegen solche Angriffe zu wehren, müssen wir für unsere

Interessen kämpfen. Wir sehen, wie unsere älteren Kollegen für ihre

Interessen kämpfen indem sie streiken. Die Interessen der älteren Kollegen

sind auch unsere Interessen, denn wir Lehrlinge sind ein Teil der

Arbeiterklasse, nur unter dem Zwang des Ausbildungsvertrages.

Wenn wir im Betrieb sind und die älteren Kollegen streiken, müssen wir

weiterarbeiten. So setzen uns die Kapitalisten als Streikbrecher ein. Damit

auch wir uns gegen die Angriffe der Kapitalisten und der SPD-Regierung wehren

können, damit wir unsere älteren Kollegen bei ihren Forderungen unterstützten

können, müssen wir das Kampfmittel der Arbeiter in die Hand nehmen; wir

müssen streiken. Damit wir uns vor der Kapitalistenwillkür etwas absichern

können, fordern wir:



STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE



Durch diese Forderung schaffen wir die Ausbeutung nicht ab. Der Kapitalismus

wird dadurch nicht abgeschafft und wird bei jeder Gelegenheit versuchen, die

Erfolge der Arbeiter zunichte zu machen. Wir Arbeiter werden erst dann

gesiegt haben, wenn wir gemeinsam die Kapitalisten stürzen und den Staat der

Arbeiter aufbauen.



Dieses kann nicht geschehen, wenn wir uns in kleine Grüppchen

zusammenschließen, sondern wir müssen eine starke Organisation aufbauen, die

unter der Führung der Arbeiterklasse den Kapitalismus vernichtet. Diese

Organisation ist die KPD/ML und ihr Jugendverband der KJVD.



Im KJVD schließen sich die Lehrlinge und Jungarbeiter zusammen, um

organisiert unter der Führung der KPD/ML - für die Diktatur des Proletariats

- zu kämpfen."

=Die Presse Nr.1,Bochum o.J. (15.9.1970)



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16.09.1970: 

Eine Extra-Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint, laut einer handschriftlichen

Datierung, heute und morgen in Bochum (vgl. 20.7.1970, 17.9.1970) mit einer

Seite DIN A 4 und einem Bericht aus den USA:"

KOLLEGEN!

Seit gestern streiken 350 000 Kollegen bei General Motors in Detroit. Sie

fordern 1 Dollar mehr pro Stunde. Die Automobilgewerkschaft (UAW,d.Vf.) mußte

sich hinter die streikenden Kollegen stellen. Aber: die Gewerkschaft ist den

Kollegen mit einer Forderung von 63 Cent pro Stunde in den Rücken gefallen,

auch wenn sie groß davon tönt, den Streik 7 - 8 Wochen fortführen zu können.

Und was bieten die Konzernbosse von General Motors? Ganze läppische 40 Cent!

Doch die Kollegen sind bereit, den Streik fortzusetzen. Schon jetzt beträgt

der Produktionsausfall 30 Mio. Dollar pro Tag.



KOLLEGEN!



Jetzt gibt es nur eins: SOLIDARITÄT mit den Kollegen von General Motors! Auch

bei uns sind schon seit längerer Zeit Forderungen nach einer Mark

Lohnerhöhung für alle in Umlauf. Und was fordert die IGM?! 'Ungefähr 15%

gleich ungefähr 60 Pfg.'...



Zeigen wir den Kollegen von GM, daß wir sie handfest zu unterstützen gewillt

sind.



Zeigen wir den Bossen von OPEL, daß ihr Zittern vor sogenannten wilden

Streiks berechtigt ist.



Zeigen wir den Gewerkschaftsbonzen, daß wir uns nicht für ein paar Pfennige

verhökern lassen. Blasen wir ihnen endlich den Dampf unter den Arsch, den sie

verdient haben!



Die Kollegen von General Motors haben uns das vorgemacht.



Noch einmal Kollegen: Jetzt gibt es nur eins:



SOLIDARITÄT mit den Kollegen von GM durch handfeste Sachen.



Üben wir Solidarität, indem wir zeigen, daß auch wir für mehr Lohn streiken

können.



Auch die Kollegen von Rüsselsheim wollen streiken!



1 MARK MEHR FÜR ALLE!!"

=Zündkerze Extra Kollegen! Seit gestern streiken 350 000

Kollegen ...,Bochum o.J. (15./16.9.1970)



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17.09.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZK, laut einer handschriftlichen Datierung,

heute die Nr.4 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 15.9.1970, 18.9.1970) mit 12 Seiten

DIN A 4 heraus:"

15% GLEICH 1 DM! TARIFVERHANDLUNGEN SIND KEIN PFERDEMARKT!



Für den Tarifbereich NRW fordert die IG Metall diesmal 15% Lohnerhöhung auf

die Ecklöhne bzw. auf die Gehälter. Sie sah sich zu einer solch hohen

Forderung genötigt, nachdem in verschiedenen Betrieben von den Arbeitern

ähnlich hohe Forderungen erhoben worden waren. ...



Brenzlig wurde die Sache allerdings, als die 15% Forderung auch von den

Hoesch-Arbeitern (in Dortmund,d.Vf.) erhoben wurde, da ja von dort die

Streikwelle 1969 ausgegangen war und wegen der Pläne, Hoesch nach Holland

(Niederlande,d.Vf.) zu verlegen, sowieso schon Unruhe in der Belegschaft

besteht.



Nun MUSSTE die IG Metall, ob sie wollte oder nicht, sich diese Forderung zu

eigen machen. Der Form halber ließ sie daraufhin in den Tarifbezirken noch

Tarifkommissionen tagen, die alle mehr oder weniger zu dem gleichen Ergebnis

15% kamen. Und das, obwohl doch die IG Metall nach dem 'Konvoi-Prinzip

(Konvoi gleich Schiffsgeleitzug, dessen Geschwindigkeit sich nach dem

langsamsten Schiff richtet) in die große Tarifkommission möglichst

Betriebsräte aus den rückständigsten Betrieben bestellt, die entsprechend

wenig fordern.



Während jedoch die Kollegen in den oben erwähnten Großbetrieben genauere

Vorstellung davon hatten, wovon sie die 15% forderten (nämlich bei Hoesch

z.B. VOLLE EFFEKTIVITÄT NACH DEM FACHARBEITER-ECKLOHN LOHNGRUPPE 7), tat die

IG Metall alles, damit diese Forderung möglichst unklar blieb, so daß die

Betriebsräte in den jeweiligen Werken freie Hand behalten.



Wer weiß denn z.B. schon genau seinen Tariflohn? Jeder normale Arbeiter geht

doch davon aus, daß der Effektivlohn sein richtiger Lohn ist. Er denkt

infolgedessen, daß die 15% selbstverständlich darauf berechnet werden müssen.

Auch darüber, was ein Ecklohn ist, kann man verschiedene Ansichten hören. In

der METALL wird jedoch überhaupt nicht versucht, den Kollegen diese feinen

Unterschiede begreiflich zu machen.



Tariflohn ist der zwischen den Tarifpartnern rechtskräftig vereinbarte Lohn,

unter dem der Produktionsmittelbesitzer nicht bezahlen darf, wenn er sich

nicht strafbar machen will. Für verschiedene Tätigkeitsmerkmale sind nun

unterschiedliche Lohngruppen ausgehandelt worden, bei Opel von Zeitlohngruppe

1 bis 10, Akkordlohngruppe 4 bis 8. Als Ecklohn, der also gleich 100% gezahlt

wird, nimmt man Lohngruppe 7, weil die etwa den Durchschnitt der Löhne

ergibt.



Dieser beträgt bei Opel

Bochum                 Rüsselsheim (in Hessen,d.Vf.)

Zeitlohn (Tarif)         4,38 DM                            4,50 DM

Akkordlohn (Tarif)       4,46 DM                              ?

Zeitlohn (Effektiv)      5,67 DM (C1)                       5,71 DM

Akkordlohn (Effektiv) 4,81 DM (AC 11) / 5,02 DM (AC 95)     5,32 DM"



Ein wenig unvermittelt wird wieder mit dem Bericht von Hoesch Dortmund

fortgefahren:"

Diese Effektivlöhne sind im Vergleich zur übrigen Stahlindustrie gering, denn

EIN ARBEITER LOHNGRUPPE 7 VERDEINT BEI HOESCH EFFEKTIV 6,60 DM. Die

Hoesch-Arbeiter habe ihre Lohnforderung von 15% auf diese 6,60 DM erhoben,

was ungefähr 1 DM ausmacht. (... (vgl. Hoesch MFD 24.6.1970,d.Vf.)) ...



Indem die IG Metall diese Hintergründe verschweigt und nur allgemein 15%

fordert, verwirrt und spaltet sie die Arbeiter und überläßt es den

Betriebsräten, in 'betriebsnahen' Verhandlungen auszulegen, was 15% heißt.



So kann es heißen:

15% werden auf den Tariflohn berechnet gleich EINFACHE EFFEKTIVITÄT

15% werden auf den Effektivlohn berechnet gleich VOLLE EFFEKTIVITÄT.



Dazwischen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. So kann z.B. der

Tariflohn um 15% angehoben werden, ohne daß der tatsächliche Lohn auch nur um

einen Pfennig steigt.



Und wie wir unseren Gummilöwen (Perschke,d.Vf.) kennen, wird der uns wieder

genauso verschaukeln wie bei der 'Weihnachtsgratifikation', wo ihm ja

angeblich 'die Hände gebunden' waren. Perschke und seinesgleichen lassen sich

die Hände eben lieber von den Kapitalisten als von den Arbeitern binden.



Wegen dieser Umstände sind wir der Meinung, daß man die 15% von einer klaren

Basis aus berechnen muß. Laut der WAZ beträgt der DURSCHNITTSLOHN EINES

METALLARBEITERS HEUTE RUND 7 DM. Das also ist die Zahl, mit der die

Kapitalisten in der öffentlichen Meinung hausieren gehen. Das ist die Zahl,

die auch die Kaufleute lesen.



WENN ALSO DIE KAPITALISTEN DURCH IHRE PRESSE VERKÜNDEN LASSEN, DASS DER

DURCHSCHNITT BEI 7 DM LIEGT, SO SOLLTEN WIR SEI BEIM WORT NEHMEN



15% VON 7 DM GLEICH 1,05 DM!



Nun, wir sind keine Pfennigfuchser, wir wollen runde Zahlen, die jeder leicht

behalten kann. RUNDEN WIR DAHER AB AUF 1 DM. (schließlich müssen wir ja was

in petto halten, wenn wir wieder mal streiken wollen). Wenn aber die

Kapitalisten auf den 15% bestehen sollten, dann nehmen wir auch gern noch die

5 Pfennig.



Bei einer Belegschaft von 54 300 Mann und einem monatlichen

Stundendurchschnitt von 176 Stunden macht das FÜR OPEL EINEN MEHRAUFWAND VON

RUND 114,7 MIO. DM.



Angesichts der 419,2 Mio. DM Reingewinn, die Opel uns letztes Jahr abgenommen

hat, ist das nun wirklich bescheiden. Und wenn wir bedenken, daß Opel dieses

Jahr von uns 900 000 Einheiten gebaut haben will und ja schon gegen Ende

letzten Jahres so heimlich still und leise die Preise heraufgesetzt hat, so

machen die Aktionäre dabei nicht einmal weniger Profit, selbst wenn sie noch

ein paar Millionen mehr für Samstagsschichten ausgeben müssen.



WAS SPRINGT FÜR UNS DABEI HERAUS?



Bleiben wir bei den 176 Stunden im Monat, so erhält jeder 180 DM mehr

(brutto). Wenn wir Steuern, Versicherung, Gewerkschaftsbeiträge usw.

abrechnen, bleiben noch grob gerechnet 120 DM. Man muß davon ausgehen, daß

die Lebenshaltungskosten im Jahr um etwa 5 Prozent steigen (was man ja an den

Mieten ablesen kann: laut CAPITAL 8/70 (vgl. **.8.1970,d.Vf.) sollen sie bis

1975 um etwa 31% steigen), so bleiben von der heutigen Kaufkraft berechnet

110 DM MONATLICH übrig (wobei wir mal den Kaufkraftverlust unseres übrigen

Lohns ganz außer Acht lassen wollen).



WAS KANN MAN SICH DAFÜR LEISTEN?



Nehmen wir an, wir lassen das Geld Opel wieder zugute kommen, indem wir einen

Manta kaufen. Er soll ungefähr 9 000 DM Listenpreis erhalten. An die Händler

dürfte er danach für etwa 6 800 DM geliefert werden, wir werden bei Opel rund

7 500 DM blechen dürfen (alle Zahlen nur grob kalkuliert; es sollte uns

freuen, wenn der Wagen noch billiger käme). Wenn wir ihn in Raten zahlen,

werden wir (ohne Zinsen) etwa 68 Monate lang gleich 5 bis 6 Jahre lang unsere

monatlichen 110 DM dafür hinblättern dürfen. Herr Hönicke dagegen kann sich

einen Manta (wenn er dem überhaupt gut genug ist) so ganz nebenbei leisten,

ohne sich auch nur einschränken zu müssen (und gewiß wird er ihn außerdem

noch sehr viel billiger kriegen).



Die Forderung von 1 DM also wahrhaftig nicht übertrieben. Und im übrigen

fordert die IG Druck und Papier (DP - vgl. **.*.1970,d.Vf.) für alle im

Druckereigewerbe Beschäftigten 90 Pfennig mehr pro Stunde, und keiner macht

darum auch nur Aufhebens.



Wir sollten uns auf das Geflenne der Kapitalisten, daß wir mit solcher einer

Forderung, d.h. 15% des durchschnittlichen Effektivlohns eines

Metallarbeiters, die Wirtschaft durcheinanderbrächten, nicht weiter

einlassen.



Auch den Gewerkschaftsbonzen und dem Betriebsrat sollten wir begreiflich

machen, daß Tarifverhandlungen für uns etwas anderes sind als ein

Pferdemarkt, wo man herumschachern kann, ohne uns zu befragen! Wir sind keine

Handelsobjekte!



Bei der Dortmunder Westfalenhütte (von Hoesch - vgl. **.*.1970,d.Vf.) haben

die Arbeiter ihre Forderung damit bekräftigt, daß sie eine Urabstimmung

durchführen wollen, falls die Tarifpartner unter ihrer Forderung bleiben.



Die Kleine Tarifkommission hat in NRW am 11. September ihre Sitzung begonnen.

Der Gewerkschaftsbonze Michels hat vor einer Woche schon in den

Ruhrnachrichten (vgl. 7.9.1970,d.Vf.) vorausgesagt, sie würden sich auf 12%

einigen. Der Opel-Gesamtbetriebsrat wird am 24./25. September im Humboldt-Eck

tagen. Die Belegschaftsversammlung, die ursprünglich im September stattfinden

sollte, haben unser famoser Perschke und Co. wohlweislich auf den 1. bzw. 2.

Oktober verschoben, um uns mal wieder vor vollendete Tatsachen zu stellen.



Wir könnten diesen Herrschaften und den Opelbosse ja mal wieder ein Ultimatum

stellen. Oder eine Unterschriftensammlung durchführen. Mal sehen, ob Opel

lieber sofort zahlt oder erst noch einen Streik in Kauf nimmt.



UNSERE FORDERUNG ALSO:

1 DM MEHR PRO STUNDE FÜR ALLE,



ohne Unterschied, ob sie nun im Zeitlohn oder Akkord stehen, denn der

'Gruppenbonus' ist doch praktisch auch ein Zeitlohn, da brauchen wir uns gar

nichts vorzumachen. Diese 1 DM gilt ebenso für Frauen, Ausländer,

Jugendliche, Lehrlinge und wen sonst Opel noch extra bescheißt. Das ist eine

klare Basis. Darauf können sich alle einigen. Im Mai (vgl. 22.5.1970,d.Vf.)

konnten uns die Kapitalisten und ihre Schleimscheißer im Betriebsrat noch

leimen, weil keiner genau die Löhne von Rüsselsheim kannte. Das kann bei der

1 DM Forderung nicht wieder passieren."



In einem Kasten findet sich folgender Witz:"

Mason kommt mit seinem Mercedes an eine Weggabelung. Der Chauffeur fragt:

'Rechts oder links?' - 'Rechts natürlich!" brummt Mason.

Dr. Hönicke kommt an die Abzweigung. 'Rechts oder links?' - 'Rechts!' sagt

Dr. Hönicke.

Schließlich kommt auch Perschke mit seinem Mercedes an die gleiche Stelle.

Sein Chauffeur von der DKP fragt dienstbeflissen: 'Rechts oder links?' -

'Also', zögert Perschke, 'also tun Sie den Winker links raus und fahren dann

- äh, rechts rein, bitte!'"



In einem weiteren Artikel geht um die:"

PROFITE IN DER AUTOINDUSTRIE 1969



OPEL      FORD      VW       DAIMLER-BENZ  BMW

Kapital (Mio. DM)         850       120      750       761           100

Umsatz (Mrd. DM)          4,85      3,88     13,93     9,09          1,45

Umsatzzuwachs 1968/69     26,8%     51,1%    19,1%     33,07%        40,1%

Reingewinn der

Aktionäre (Mio. DM)       419,2     209,6    338,7     248,1         54,4

Gewinnzuwachs 1968/69     68%       333,7%     ?       16,9%         50%

Investitionen (Mio. DM)  unter 274  379      1 076     733            ?

Belegschaft               54 300    45 400   168 500   136 400       21 000

Umsatz pro Belegschafts-

mitglied (DM)             89 375    85 499   82 709    66 659        69 029

Reingewinn pro

Belegschaftsmitglied (DM) 7 739     4 614    2 010     1 819         2 116



In Bochum, wo ca. 60% der Produktion von 18 000 Mann erstellt wurde, beträgt

der Reingewinn pro Belegschaftsmitglied etwa 13 970 DM (gleich 1 170

monatlich). Hinzu kommen Investitionen von 217 Mio. DM gleich 12 060 DM pro

Kopf.



Die Angaben sind entnommen der Zeitschrift CAPITAL 9/1970 (vgl. **.*.1970,

d.Vf.), die allerdings keinerlei Aufschluß gibt über die Lohnkosten. daß der

Reingewinn bei Daimler-Benz 1969 so niedrig war, liegt daran, daß schon die

Verhandlungen mit Moskau (SU,d.Vf.) im Gange waren und das Geld für

Investitionen zurückgehalten wurde. Auch VW plant den Bau eines neues Werkes

und steht ebenfalls in Verhandlungen mit Moskau. Bekanntlich sind die

Opellöhne besonders niedrig."



Bekanntgegeben wird:"

Wer in D4 nach der Maloche in die Kaue 6 runtergeht (Treppe bei Säule F7)

kann dort in Kreide den Spruch lesen: 'MÜDE, SAUER - DANN ZÜNDKERZE KPD/ML'"



und:"

Zwei Kollegen, die im Schweißkasten in D4 Bandabschnitt 204 lange Zeit

geschwitzt haben, waren es eines Tages endlich leid und haben gekündigt.

Damit die übrigen Kollegen erfahren konnten, warum die beiden Opel den Rücken

gekehrt haben, schreib einer auf die Kastenwand:

'OPEL FOLTERKAMMER - WÄRTER UND AUSPEITSCHER GESUCHT'"



In einem weiteren Artikel geht es um Metall- und Stahltarifrunde (MTR/STR):"

TARIFVERTRÄGE GLEICHZEITIG



Dieses Jahr fallen die Tarifverhandlungen der Hüttenindustrie und der

eisenverarbeitenden Industrie zeitlich zusammen. Das ist eine Folge der

Septemberstreiks 1969, weil damals die Tarifverträge in der Hüttenindustrie

vorzeitig gekündigt wurden, damit die IG Metall Gelegenheit hatte, die

Empörung der Streikenden durch ihre Forderungen zu besänftigen.



Die IG Metall hat infolgedessen diesmal fristgerecht die Tarifverträge für

rund 4,4 Millionen Lohn- und Gehaltsabhängige gekündigt. Für die Arbeiter und

Angestellten ist das sehr günstig, da sie in großer Zahl mit Ausstand drohen

können, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Deshalb werden die

Tarifpartner bestrebt sein, die Termine wieder auseinanderzuziehen, um so die

Arbeiter und Angestellten durch Teilung besser beherrschen zu können. Wir

müssen also darauf achten, daß die Tarifverträge gleiche Laufzeit haben und

nicht länger als ein Jahr befristet sind."



Berichtet wird auch von Demag Duisburg (IGM-Bereich - vgl. 7.9.1970) und es

heißt auch:"

OPELS SKLAVENHANDEL



Für den Kauf von kurzfristigen Leiharbeitern hat Opel genug Geld übrig: Der

Subunternehmer oder besser Sklavenhändler erhält für jede geleistete

Arbeitsstunde seines Leiharbeiters rund 20 DM ausgezahlt, wovon er diesem

Mann dann etwa 5 bis 6 DM abgibt. Natürlich können solche Leiharbeiter von

heute auf morgen an die Luft gesetzt werden, wenn es die Auftragslage

erfordert. Auch werden die Arbeitszeiten der Leiharbeiter so gelegt, daß sie

ja nicht mit den Stammarbeitern ins Gespräch kommen, um auf diese Weise die

Spaltung zu vertiefen. Daß in den Subunternehmen kein Betriebsrat existiert,

scheint uns angesichts der Tätigkeit des Opel-Betriebsrats kein sonderlicher

Nachteil. Übrigens haben Leiharbeiter auch das Recht, an den

Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.) von Opel teilzunehmen, woraus einerseits

abgeleitet werden kann, daß dieser auch für sie zuständig ist, andererseits

ergibt sich daraus das Recht, an Belegschaftsversammlungen von Opel

teilzunehmen. Die Teilnahme muß logischerweise bezahlt werden."



In der Anmerkung "Wichtig" geht die Zündkerze auf die Betriebszeitung

der KPD/ML-ZB 'Die Presse' ein, die erstmalig am 15.9.1970 erschien sowie auf

den 'Roten Kadett' der DKP:"

Nicht nur der Rosa Kadett glaubt, ohne Zündkerze vom Fleck zu kommen. Am

Dienstag wurde noch ein weiteres Vehikel vor unsere Tore geschoben. Dieses

Vehikel, DIE PRESSE genannt, muß schon sehr lange auf Opel zugeschoben worden

sein. Sagten doch einige Kollegen zum Inhalt DER PRESSE: 'Was da drinsteht,

wissen wir schon seit 14 Tagen aus der WAZ.' Was haben wir von dieser ganzen

Schiebung zu halten?

DIE PRESSE behauptet, ein Organ der KPD/ML zu sein. Wir waren, gelinde

gesagt, sehr überrascht, glaubten wir doch, unsere ZÜNDKERZE wäre die Zeitung

der KPD/ML bei Opel. Doch Spaß beiseite.

Es ist leicht, sich den Titel ML anzulegen. Es ist aber sehr schwer, Marxist-

Leninist zu sein. Seit KPD und DKP keinen klassenbewußten Kollegen mehr

hinter dem Ofen hervorlocken können, hat es sich langsam herumgesprochen, daß

die wirklichen, die ehrlichen Kommunisten zu China und Albanien halten. Sie

nennen sich deshalb, um sich klar von den Ulbricht-Reimann-Leuten zu

unterscheiden, Marxisten-Leninisten (ML). Immer mehr Arbeiter interessieren

sich für die KPD/ML und sympathisieren mit ihr. Das haben natürlich bestimmte

Leute spitz gekriegt. Der Zusatz ML wird deshalb gerade zur Mode. So schreibt

zum Beispiel die WAZ vom 15.9., daß die FDP die Jungdemokraten ausgeschlossen

habe (vgl. Niedersachsen - 12.9.1970,d.Vf.), weil ihr Landesvorstand

'marxistisch-leninistisch beherrscht' sei. Wir können niemandem verbieten,

sich den Titel 'ML' anzulegen. Wir freuen uns auch über jeden, der wirklich

Marxist-Leninist IST. Allerdings haben sich die Herausgeber der PRESSE nicht

mit uns in Verbindung gesetzt. Wir finden dies seltsam.

Wir sind der Meinung, daß die Kollegen selbst entscheiden können, was ihre

wirklich marxistisch-leninistische Betriebszeitung ist. Und zwar daran, ob

sie MIT ZÜNDKERZE die Kapitalisten UND Gewerkschaftsbonzen über den Haufen

fährt.

Alles übrige  gehört auf den Autofriedhof des Proletariats."



Erstmals gibt es ein Kreuzworträtsel mit Preisausschreiben (Einsendeschluß

5. Oktober) und ein weiterer Witz lautet:"

Ulbricht geht mit geöffnetem Regenschirm spazieren. Bei strahlender Sonne.

Stoph kommt ihm entgegen und sagt verwundert: 'Aber Genosse Walter! Es regnet

doch gar nicht!' Ulbricht antwortet: 'In der Prawda steht, daß es in Moskau

regnet!'"



Im letzten Artikel geht es um:"

DAS MÄRCHEN VON DER VÖLKERVERSTÄNDIGUNG



Im 'Roten Kadett' der DKP schwelgt ein Märchenerzähler, der angeblich ein

Opel-Arbeiter ist, in den höchsten Tönen vom westdeutsch-sowjetischen

Vertrag (mit der SU,d.Vf.). Er will uns weismachen, nun, nach Abschluß des

Vertrages, werde sich die politische Entwicklung grundsätzlich ändern und

alles sei nun anders als vorher. Schließlich gibt er den Kollegen die

dringende Empfehlung, sich persönlich an die Bundestagsabgeordneten zu

wenden, damit der Vertrag schnell verabschiedet werden kann.



Was so ein Ratschlag wert ist, haben die Herren von der DKP z.B. bei der

Notstandsgesetzgebung (NSG,d.Vf.) zur Genüge erfahren. Trotzdem wollen sie

uns das Parlament als einen Ort hinstellen, an dem das Volk die politischen

Entscheidungen herbeiführt. Sie bemühen sich, uns mit der gleichen Propaganda

einzulullen, mit der uns die Konzernbosse von Mercedes, Thyssen, Siemens und

Co. und die Herren von SPD und DGB den Vertrag schmackhaft machen wollen.



Diese Propaganda will uns folgendes einreden: durch den Moskauer Vertrag habe

endlich die Versöhnung der Völker Deutschlands und der Sowjetunion

stattgefunden. Durch eine friedliche wirtschaftliche Zusammenarbeit werde es

den europäischen Völkern bald noch viel besser gehen. Dieser Vertrag werde

den internationalen Frieden weltweit festigen, er sei im Interesse aller

arbeitenden Menschen, er schaffe ein friedliches, geregeltes Nebeneinander,

indem er die bestehenden Grenzen Europas garantiere usw.



Wir wissen, daß viele Kollegen genauso denken, und wir könnten dem Vertrag

nur zustimmen, wenn er wirklich das enthielte, was uns eingeredet wird. Doch

die eingeschworene von Clique Konzernherren, Gewerkschaftsbonzen, SPD-, FDP-

und CDU/CSU-Führern denkt ja gar nicht daran, uns ihre Absichten

klarzumachen.



Im Rahmen dieser Propaganda soll die Sympathie und seinen Vertrag noch

dadurch gesteigert werden, daß die regierungstreuen Propagandaorgane Presse,

Rundfunk und Fernsehen in künstlicher Weise den Widerstand der CDU gegen den

Vertrag aufbauschen. Wenn die CDU grundsätzlich gegen den Vertrag ist, dann

muß dieser ja nützlich und fortschrittlich für die Arbeiter sein, das sollen

wir glauben.



Aber grundsätzlich gegen den Vertrag ist nur der kleinste Teil der CDU, Leute

wie der Baron von Guttenberg, der die Sowjetunion noch für ein

sozialistisches Land hält. Und Franz Josef Strauß ärgert sich über den

Vertrag hauptsächlich deshalb, weil er ihn oder einen ähnlichen Vertrag

lieber selbst unterzeichnet hätte - zu einem späteren Zeitpunkt als

Bundeskanzler.



Wir wollen uns mit einigen dieser Märchen befassen, die uns erzählt werden,

damit wir unserer herrschenden Klasse für diesen Vertrag ein herzlich

Dankeschön sagen.



I. DAS MÄRCHEN VON DER AUSSÖHNUNG ZWISCHEN DEM DEUTSCHEN UND DEM SOWJETISCHEN

VOLK



Wir sollen glauben, daß sich nun das deutsche und das sowjetische Volk

versöhnt hätten. Und das, nachdem bis heute alle Bundesregierungen,

Oppositionen, Massenmedien gegen den Kommunismus im allgemeinen und gegen die

Sowjetunion im besonderen gehetzt und gepredigt haben. 25 Jahre lang wurde

bei uns systematisch Haß gegen das sowjetische Volk verbreitet. Dann setzten

sich unsere Kapitalisten mit der Sowjetregierung an einen Tisch,

unterschreiben einen Vertrag, und die Völker sind versöhnt. Ohne selbst an

der Versöhnung teilgenommen zu haben. Die ZÜNDKERZE hat wiederholt dargelegt,

warum sie die Politik der Kapitalisten, Gewerkschaftsführer und

Sozialdemokraten für volks- und arbeiterfeindlich hält.



Wie will eine Regierung, die ihre Politik nicht nach den Interessen des

Volkes, der arbeitenden Massen, sondern nach den Interessen der Ausbeuter des

Volkes ausrichtet und sich vom eigenen Volk isoliert, die Völker miteinander

verständigen? Verständigen und versöhnen können sich die Völker nur selbst,

durch Volksregierungen, die die Ausbeuter, Arbeiterverräter usw. zum Teufel

gejagt haben.



Wer sich da in Moskau verständigte, das waren nicht die Völker - es waren die

herrschenden kapitalistischen Klassen der BRD und der Sowjetunion, die

miteinander ins Geschäft kamen. So allein war es möglich, daß diese beiden

Vertragspartner Grenzen anerkannten, für die sie überhaupt nicht zuständig

sind.



Was ist das für eine Völkerverständigung, wenn die für die Grenzregelungen

verantwortlichen Regierungen, geschweige denn Völker, an dem Vertrag

überhaupt keinen Anteil haben? Da 'garantieren' die BRD-Regierung und die

Sowjetregierung z.B. die Grenze zwischen der 'souveränen' DDR und dem

'souveränen' Polen - die Oder-Neiße-Grenze, ohne die Souveränität des Volkes

der DDR und des polnischen Volkes durch deren Beteiligung am Vertrag zu

respektieren. Da wird z.B. die Grenze Nordirlands zur Republik Irland, aber

auch die Grenze der britischen Kolonie Gibraltar (in Spanien,d.Vf.)

'garantiert', ohne die Betroffenen auch nur nach ihrer Meinung gefragt zu

haben.



Daß solche 'Garantien' unter den Völkern böses Blut machen können, regt diese

Vertragspartner nicht auf, die groteskerweise von 'Souveränität der DDR' (so

die Sowjetregierung) und 'Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes' (so

die Bundesregierung) reden und beides im gleichen Atemzug verhöhnen. Die DDR

und Polen, aber auch alle anderen Länder haben den Mund zu halten, das ist

ihre 'Souveränität'. Das 'Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes'

besteht darin, die arbeitenden Massen in BRD und DDR vor vollendete Tatsachen

zu stellen und mit Volksbetrug zu beschwichtigen.



II. DAS MÄRCHEN VON DER SOZIALISTISCHEN SOWJETUNION



Viele Kollegen begrüßen den Moskauer Vertrag vor allem deshalb, weil sie dem

sowjetischen Volk und der Roten Armee unter Stalins Führung dankbar sind für

die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Sie glauben, die Sowjetunion sei

nach wie vor ein kommunistisches Land, das die internationale Solidarität der

Arbeiterklasse zum Hauptziel seiner Politik mache. Doch das hat sich

spätestens seit Stalins Tod gründlich geändert. Genau wie in kapitalistischen

Staaten besteht heute in der Sowjetunion eine Ausbeuterklasse, die ihre

Profite zwar nicht mit Aktien, aber mit Sonderrechten und Korruption

erwirtschaftet. Das Prinzip der sog. wirtschaftlichen Anreize sorgt für

unternehmerische Korruption und damit für Konkurrenz unter den Betrieben. Die

Konkurrenz zwingt die Arbeiter zu immer höheren Arbeitsnormen, sorgt

gleichzeitig dafür, daß ein Schwarzmarktsystem entsteht, wo Produktionsgüter

und Waren zu erhöhten Preisen unter den Augen des Staates gehandelt werden.

Seit einigen Jahren hat die Sowjetunion eine steigende Inflationsrate zu

verkraften. Als im Sommer 1968 in der Ukraine die Arbeiter gegen die

Ausbeutung streikten (vgl. **.*.1968,d.Vf.), setzte die 'Arbeiterregierung'

Kossygin Panzer ein, um den Streik niederzuschießen.



Die Wiedereinführung des Kapitalismus bedeutete den Verrat an den Prinzipien

des proletarischen Internationalismus, unter anderem den Verrat am Prinzip

der Gleichberechtigung und Nichteinmischung in die Angelegenheiten der

sozialistischen Bruderstaaten. In Ungarn 1956 und in der CSSR 1968 hat die

Sowjetregierung diese Prinzipien verhöhnt und die Doktrin von der 'begrenzten

Souveränität' verkündet. Am Ussuri hat sie sogar die Volksrepublik China, ein

sozialistisches Land, das nicht Mitglied des Warschauer Paktes (WP,d.Vf.)

ist, angegriffen. Der Moskauer Vertrag ist ein erneuter Beweis dafür, wie die

Sowjetregierung die Souveränitätsrechte anderer Staaten mißachtet.



All dies sei den Kollegen gesagt, die immer noch an den Sozialismus der

Sowjetunion glauben.



III. DAS MÄRCHEN VOM DAUERHAFTEN WIRTSCHAFTLICHEN WOHLSTAND



Der wirksamste Köder, mit dem uns die Propagandaorgane für den Moskauer

Vertrag gewinnen wollen, ist die Lüge, daß es jetzt der deutschen Wirtschaft

im allgemeinen und den deutschen Arbeitern im besonderen besser gehen werde.

In Wahrheit wird es nicht den deutschen Arbeitern, wohl aber den deutschen

Kapitalisten besser gehen.



Die Sowjetregierung, die trotz der technischen Errungenschaften des

sowjetischen Volkes wichtige Industriezweige jahrelang zugunsten der

wachsenden Rüstungsindustrie vernachlässigte, öffnet jetzt den

internationalen Monopolkonzernen endgültig den Weg in die sowjetische

Wirtschaft. Dies geschieht nicht mehr durch einfachen Kauf von

Produktionsstätten, sondern durch Gewinnbeteiligung der ausländischen

Konzerne. Mercedes (Daimler-Benz,d.Vf.) soll für jeden in der Sowjetunion

gebauten Mercedes-LKW 300 DM Lizenzgebühren kassieren, obwohl die Kosten für

den Bau schon durch die Bürgschaften der Bundesregierung, d.h. Steuermittel

der deutschen Arbeiter, gesichert werden.



Das heißt, daß die sowjetische Regierung den Kapitalisten gestattet, die

sowjetischen Arbeiter unmittelbar auszubeuten. Ob nun 300 DM Prämien oder

Zinsen, das Geld ist jedenfalls von den sowjetischen Arbeitern erarbeitet

worden und wird von der sowjetischen Regierung den Mercedes-Aktionären

(Hauptaktionär Friedrich Flick) überwiesen. Die Opel-Arbeiter kennen etwas

ähnliches: Jahr für Jahr wandern einige Hundert Millionen DM, die von den

Opel-Arbeitern erarbeitet wurden, in die Taschen der amerikanischen Aktionäre.

Die 300-DM-Prämien werden die Sowjetregierung und ihre Planungsbosse über die

Verbraucherpreise oder Steuern ein zweites Mal von den sowjetischen Arbeitern

eintreiben und z.T. in die eigenen Taschen wirtschaften.



Doch Mercedes ist nur der Anfang. Die Siemens-AG ist gerade dabei,

nachzuziehen. Die Sowjetregierung kann so auf Kosten der deutschen und

sowjetischen Arbeiter die Wirtschaft vorantreiben und die bisherige

Rüstungsindustrie beibehalten.



Für die BRD bedeutet diese Vereinbarung die endgültige Vorherrschaft in

Westeuropa. Dafür hat die BRD der Sowjetunion die Vorherrschaft in Osteuropa

garantiert.



Den westdeutsch-sowjetischen Vertrag bezahlen aber nicht nur die sowjetischen

Arbeiter. Auch die deutschen Arbeiter müssen ihn bezahlen.



Und das kommt daher: eigentlich müßte die Konsequenz aus einem

Gewaltverzichts- und Grenzgarantievertrag zwischen der BRD und der UdSSR ein

Abzug der amerikanischen Truppen aus Deutschland sein. Aber genau diese

Konsequenz haben weder die deutschen noch die amerikanischen Kapitalisten

gezogen. Es geht ihnen nämlich gar nicht um eine Versöhnung mit dem Volk der

UdSSR, sondern einzig und allein um ihre Macht in Europa.



Die amerikanischen Kapitalisten, deren politische Macht in Europa durch den

vertrag ein wenig zugunsten der westdeutschen Kapitalisten zurückgegangen

ist, wissen sehr genau, daß die neue westdeutsche Macht ohne amerikanische

Rückendeckung nicht viel Wert wäre, und gleichzeitig wollen sie natürlich im

europäischen Geschäft bleiben.



Sie drohen also der Bundesregierung mit Truppenabzug, weil sie wissen, daß

die westdeutschen Kapitalisten und die Bundesregierung dem niemals zustimmen

könnten: und siehe da, prompt erklärt sich Bonn bereit, den USA ihr

Verbleiben in der BRD schmackhaft zu machen und jährlich eine Milliarde DM

mehr Stationierungskosten zu zahlen, und das sind insgesamt 5 Mrd. DM. SPD

Finanzminister Möller hat für 1971 bereits Steuererhöhungen angekündigt.



Die in der BRD stationierten amerikanischen Truppen sollen dem deutschen Volk

vorgaukeln, die Gefahr aus dem Osten bestehe nach wie vor. Denn die

westdeutschen Kapitalisten wissen sehr genau, daß sie - trotz Moskauer

Vertrag - ihre antikommunistische und antisowjetische Propaganda fortsetzen

müssen. Sie haben ein lebendiges Interesse daran, die deutschen Arbeiter in

Angst und Ruhe und in Reih' und Glied zu halten, und dies umso mehr, je

größer die Gewinne der Kapitalisten werden. Und weil ihnen bekannt ist, daß

kommunistische Ideen in der Arbeiterklasse ihnen sehr gefährlich werden

können, lassen sie aus den Steuermitteln die Arbeiter mit dem Märchen von der

'kommunistischen Gefahr aus dem Osten' in die Irre führen - trotz der

Unterzeichnung des Moskauer Vertrages.



An diesem Widerspruch wird deutlich, daß es den Kapitalisten und ihrer

regierenden Helferbande beim Moskauer Vertrag nur um ihre Macht und ihre

Vorherrschaft geht, aber weder um Völkerversöhnung noch um das Wohlergehen

des Arbeiters, der den Kapitalisten ja ihre Geschäfte noch bezahlen muß.



IV. DAS MÄRCHEN VON DER FESTIGUNG DES INTERNATIONALEN FRIEDENS



Ein Propagandist des Moskauer Vertrages erklärte im Fernsehen, nach dem

heißen Krieg sei nun, 25 Jahre später, auch der kalte Krieg vorbei - und

damit existiere nun etwas ganz Neues, nämlich Frieden. Das ist eine grobe

Lüge. Indem die Bundesregierung der sowjetischen Regierungsclique die

Vorherrschaft über die Völker in Osteuropa garantiert hat, kann diese Clique

die Völker noch brutaler unterdrücken. Die Bundesregierung hat damit der

Sowjetregierung ausdrücklich gestattet, in all jenen Ländern einschließlich

der DDR militärisch einzugreifen, wann immer sie es für richtig hält - sie

hat um der Macht der westdeutschen Kapitalisten über die Völker Westeuropas

willen den Sowjetkapitalisten gestattet, die deutschen Arbeiter in der DDR zu

unterdrücken.



Die Bundesregierung hat mit dem Moskauer Vertrag der Sowjetregierung zugleich

den Rücken freigemacht für eine militärische Aggression gegen China und damit

für die Möglichkeit des Weltkrieges. Nach den USA haben damit auch die

Machthaber der BRD der Sowjetunion versprochen, einem Überfall auf China

tatenlos zuzusehen.

Dafür hat die Sowjetregierung die übrigen Staaten Europas praktisch

gezwungen, um die Gunst Bonns zu buhlen, wenn sie im Ost-West-Geschäft

bleiben wollen.

Der westdeutsch-sowjetische Vertrag zeigt sich als ein widerliches Komplott.

Die Kapitalistenklassen beider Länder haben ihn ausgeheckt, um gemeinsam und

in enger Zusammenarbeit mit den USA (trotz aller möglichen Vorhaben, bei

denen zwischen diesen Kapitalisten Konkurrenz auftritt) die eigenen und die

übrigen Völker besser kontrollieren und im Griff behalten zu können. Dieser

Vertrag  richtet sich direkt gegen die Völker, die bereit sind, sich gegen

Unterdrückung zu wehren. Er richtet sich gegen die deutschen Arbeiter ebenso

wie gegen die chinesischen, gegen die französischen ebenso wie gegen die

Arbeiter der CSSR. Er verbietet der deutschen Arbeiterklasse in DDR und BRD

die Wiedervereinigung durch eine sozialistische Revolution in ganz

Deutschland."

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970



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18.09.1970: 

Eine Extra-Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint vermutlich abends für Opel

Bochum (vgl. 17.9.1970, 20.9.1970) mit zwei Seiten DIN A 4:"

GEHT ES JETZT ÜBERALL LOS?



Überall ist die Temperatur am Siedepunkt angekommen. Beim BV (Krupp

Bochumer Verein - vgl. 17.9.1970,d.Vf.) pfeift inzwischen der Kessel:

- Gestern marschierten von der Mittagsschicht der mechanischen

Erhaltungsbetriebe 200 Kollegen vor das Krupphochhaus.

- Heute streikte die Frühschicht (über 2 000) des alten Werks geschlossen.

Die Spätschicht schloß sich sofort an.



Die Kollegen erfuhren, daß sie verschachert werden sollen: Krupp will die

mechanischen Erhaltungsbetriebe zentralisieren und 'abstoßen'. Was heißt es,

wenn Krupp diese Betriebe 'abstößt'? Das heißt vor allem, daß er unsere

Kollegen abstößt. Er stößt sie aus dem Montanbereich heraus. Das bedeutet

neue, schlechtere Tarife. Das bedeutet weniger Sonderleistungen. Das kann

Arbeitslosigkeit bedeuten.



IST DAS ETWA NICHT UNSER BIER?



Krupp hat nur ein besonders deutliches Beispiel für die Methoden geliefert,

mit denen augenblicklich ÜBERALL das Kapital den sozialen Kessel anheizt.



NOCH HABEN WIR KEINEN PFENNIG MEHR, UND SCHON NIMMT MAN UNS WIEDER WAS WEG.



Bei Krupp nimmt man den Kollegen brutal und offen was weg. Aber auch uns

wird was weggenommen: hinterhältig und schleichend durch Inflation,

beschleunigtes Tempo und 'Umstufung'.



UND DIE GEWERKSCHAFT?



Sie kämpft nicht dafür, daß VOLLE 15 Prozent AUF DEN VOLLEN EFFEKTIVLOHN

(nach der letzten Opelpost durchschnittlich 6,62 DM) gegeben werden, was

(hier fehlt zumindest in unserem Exemplar eine Zwischenüberschrift, die

vermutlich 'eine runde Mark' lauten sollte,d.Vf.) bedeuten würde. Sie ist

schon jetzt so weich, daß sie sich mit einer Anrechnung auf den TARIFLOHN

begnügt, was uns herzlich wenig nützt, da das bei 4,38 DM nur 66 Pfennig

macht.

Auch von den VOLLEN 15 Prozent geht sie runter: Harry Black 'wettete' schon

mit einem Kollegen, daß 12 Prozent rauskommen. Leute wie Harry wetten nur,

wenn sie wissen, daß sie gewinnen.



ES IST WAS IM BUSCH. DAS HAT AUCH 'KOLLEGE' BRENNER GEMERKT.



Nicht nur, daß auch in deutschen Autowerken Warnstreiks ausbrachen (z.B. VW

Hannover) (vgl. **22.9.19,d.Vf.) -

Nicht nur, daß das Faß bei Krupp überläuft -

Auch bei Opel gärt es, auch bei uns ist niemand bereit, sich wieder

verschaukeln zu lassen.



DESHALB IST 'KOLLEGE' BRENNER HEUTE NACH BOCHUM GEEILT



Meint ihr, er würde sich für uns und die Kollegen vom BV interessieren?

Natürlich nicht die Bohne! ER KOMMT ALS FEUERWEHRMANN! Er mauschelt als

stellvertretender Vorsitzender des Krupp-Aufsichtsrats mit den

Kruppkapitalisten und gibt den Bonzen vom Betriebsrat und der IGM-

Ortsverwaltung Anweisungen zum frühzeitigen Löschen des 'Brandes'! Er ist

kein Brenner, sondern ein Löscher!



ABER DIE ENTWICKLUNG IST ÜBER SOLCHE LÖSCHER WEG!



Jetzt ist es allen Kollegen klar, daß ein entscheidender Punkt erreicht ist,

daß jetzt eine breite Kampffront der Arbeiter möglich und erforderlich ist.



DESHALB: Keine Abwiegelei, keine Feuerwehr!

Volle 15 Prozent auf 6 Mark 62, das heißt:

1 RUNDE MARK!"

=Zündkerze Extra Geht es jetzt überall los?,Bochum o.J. (18.9.1970)



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20.09.1970: 

Bei Opel Bochum verteilt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK,

laut einer handschriftlichen Datierung, heute in der 11 Uhr Pause erneut die

Nr.4 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 18.9.1970, 23.9.1970) vom 17.9.1970.

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970



23.09.1970: 

Die KPD/ML-ZB verteilt, nach eigenen Angaben, vor den, ihrer Ansicht nach,

wichtigsten Stahlbetrieben ein zentrales Flugblatt mit einem Aufruf zu

Warnstreiks im Rahmen der STR.



Uns lag eines dieser Flugblätter mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung

von Werner Fremd, Bochum, vor, das auch am 24.9.1970 vor Opel Bochum Werk II

verteilt wurde:"

KEIN ZURÜCKWEICHEN!



VOLLE 15% MÜSSEN ES SEIN!



Die Kapitalisten haben 7% angeboten! Als das gestern bekannt wurde, warfen

die Kollegen die Brocken hin und organisierten bei HOAG (Oberhausen,d.Vf.),

beim Schalker Verein (SV in Gelsenkirchen,d.Vf.) und bei VW in Hannover

Warnstreiks. Sie haben den Bossen gezeigt: Die Arbeiterklasse ist

kampfbereit! Sie ist nicht länger bereit, sich das Geld aus der Tasche ziehen

zu lassen. Seit Monaten steigen die Mieten und Preise immer schneller. Die

SPD-Regierung beschließt die Steuervorauszahlung! Finanzminister Möller

kündigt bereits weitere drastische Steuererhöhungen an! Ganz unverschämte

Angriffe auf die Lage der Arbeiterklasse! Kollegen, wir müssen uns zur Wehr

setzen, wir müssen vereint gegen den Lohnraub der Kapitalisten und der

SPD-Regierung kämpfen!



VOLLE 15% MÜSSEN ES SEIN!



Bundeskanzler Brandt und seine SPD-Regierung stellen sich voll hinter die

Kapitalisten. Sie versuchen, die Arbeiterklasse einzuschüchtern und drohen

mit der Krise, mit Arbeitslosigkeit und Inflation! Sie gehen dabei mit der

lächerlichen Theorie hausieren, der Arbeiter müsse sich konjunkturgerecht

verhalten. Brandt behauptet dreist, die Arbeiter hätten schon genug bekommen!

So ist das immer bei den Kapitalisten und ihren Marionetten! Sie sagen:

Arbeiter, Du darfst keine Lohnerhöhung verlangen, der Aufschwung wird sonst

gefährdet. Jetzt, wo die Krise bevorsteht, sagen sie dasselbe! Sie sagen,

Arbeiter, eine Lohnerhöhung treibt zur Inflation und führt zur Krise. Ganz

offen hat diese Woche (vgl. S2*.9.1970,d.Vf.) SPD-Mann Arndt mit

Arbeitslosigkeit und Inflation gedroht, um den Arbeiter einzuschüchtern.



Kollegen, laßt Euch nicht von der verräterischen SPD und ihren Handlangern in

der Gewerkschaft einschüchtern, denn sie wollen die Arbeiter nur an die Kette

der Kapitalisten legen!



Kollegen, die KPD/ML hat von Anfang an vor den rechten Gewerkschaftsführer

gewarnt und vorhergesagt, daß sie mit den Kapitalisten unter einer Decke

stecken. Was hat IGM-Vorstandsmitglied Michels (vgl. 7.9.1970,d.Vf.) jetzt

gesagt? 12% seien realistisch!



Das ist die üble Verhandlungstaktik der Bonzen! Sie fordern erst einmal 15%,

um die Arbeiter zu beruhigen, die Kapitalisten bieten 7% an, nach kurzem

Kuhhandel einigt man sich in der Mitte. Wahrscheinlich wollen sie noch in

dieser Woche versuchen, alle Verhandlungen durchzuziehen und uns dann vor

vollendete Tatsachen stellen.



Kollegen, laßt das auf keinen Fall zu!



Seid äußerst wachsam! Übt Druck auf die Verhandlungen aus!



Kollegen! Schließt Euch den Kollegen der HOAG und dem Schalker Verein an!



WARNSTREIK IN ALLEN BETRIEBEN



Das ist die richtige Antwort auf das unverschämte Angebot der Kapitalisten!



VOLLE 15% MÜSSEN ES SEIN!



URABSTIMMUNG VOR ANNAHME JEDES VERHANDLUNGS- UND SCHLICHTUNGSERGEBNISSES!



GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE KAMPFFRONT DER

ARBEITERKLASSE!"

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.36 und 37,Bochum 25.9.1970 bzw.

30.9.1970,S.2 bzw. S.*;

Der Schwartzkopff-Hammer Nr.2,Berlin Okt. 1970;

KPD/ML-ZB-LV NRW:Kein Zurückweichen!,Bochum o.J. (23.9.1970)



23.09.1970: 

Ein Extrablatt der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint, laut einer handschriftlichen

Datierung heute und morgen in Bochum (vgl. 20.9.1970, 24.9.1970) mit zwei

Seiten DIN A 4:"

Kolleginnen und Kollegen!

Der heiße Draht von Detroit (USA) nach Bochum, Rüsselsheim (in Hessen,d.Vf.)

und Kaiserslautern (in Rheinland-Pfalz,d.Vf.) hat wieder einmal funktioniert.



WAS IST GESCHEHEN?



General Motors hat einen generellen Stop für Neueinstellungen von Kollegen

FÜR ALLE BETRIEBE erlassen. Dieser Stop trat in Kraft, kurz nachdem unsere

amerikanischen Kollegen die Klamotten hingeworfen haben (vgl. 15.9.1970,

d.Vf.).



Das bedeutet: Auch die westdeutschen Opel-Betriebe sind von diesem Stop

betroffen.



WAS BEDEUTET DAS FÜR UNS?



Die MANTA-Produktion läuft auf vollen Touren. Die Opel-Bosse hier haben ihren

amerikanischen Kumpanen versprochen, dieses Jahr 900 000 Produktionseinheiten

aus uns herauszupressen. Damit dies einigermaßen für die Opel-Bosse hätte

erreicht werden können, wären Neueinstellungen notwendig gewesen. Laut WAZ

sollten dies für Bochum 2 000 sein.



Daß wir aber einfach nicht mehr in der Lage sind, zusätzlich noch etwas aus

uns herauszuholen, kümmert die Herren Mason, Cunningham und Co. einen Dreck.

Ebenso unsere Bosse hier. Wenn es um ihre Profite geht und um die Gelder, die

für sie abspringen als Antreiber, ist ihnen jedes Mittel recht. Sie versuchen

jetzt durch den Einstellungsstopp alles aus uns herauszuholen. Nach dem

Motto: Was 1 300 Arbeiter leisten, müssen jetzt eben 1 000 leisten. Wie lange

WIR diese Knochenmühle aushalten, ist ihnen scheißegal. Für sie muß der

Produktionsausfall in den USA auf jeden Fall durch noch größere Auspressung

und Einsparung von Lohnkosten usw. HIER herausgeholt werden.



UND WAS TUT 'UNSER' BETRIEBSRAT?



Anstatt uns zu informieren über diesen Stop, hat er die Hose voll. Er

zittert, daß bei uns etwa gleiches wie letzte Woche beim Bochumer Verein

(Krupp - vgl. 17.9.1970,d.Vf.) oder bei General Motors passieren könnte: daß

wir die Klamotten ebenfalls hinschmeißen.



Dafür hält er es aber für notwendig, nicht uns, sondern seine Bosse zu

informieren. Denn Donnerstag/Freitag soll ja die Betriebsräte-Vollkonferenz

für Opel in Bochum (Humboldteck) stattfinden. Anwesend sollen sein:

IGM-Bonzen, Oberbürgermeister Claus von Bochum, Vertreter der Opel-

Betriebsleitung und der DAG. Von Arbeitern weit und breit keine Spur.

Ausgeschlossen ist nämlich 'die gesamte Öffentlichkeit'. Welche, ist

sonnenklar: Wir, die Arbeiter von Opel, damit ja nicht bekannt wird, was

Opel-Bosse und Betriebsratsbonzen sich gegenseitig zuflüstern.



KAMPF DER OPEL-KNOCHENMÜHLE!



Wir sind der Ansicht, daß es bei Opel nicht mehr so weitergehen kann. Mit

dieser Meinung stehen wir nicht allein. Wenn wir aber nichts gegen diese

Knochenmühle und die 'zusätzliche' Schinderei tun, werden wir mit 40 Jahren

Invaliden sein. Wo wir dann noch Arbeit finden sollen, weiß jeder von uns.

Die Herren Betriebsräte haben es da besser. Denn es wird nicht mehr lange

dauern, dann werden sie so dastehen wie ihre Kumpane bei VW: Die bekommen

schon heute 'mindestens' einen Meisterposten, wenn sie als Betriebsrat

aufhören, d.h. entlohnt werden.



WAS KÖNNEN WIR TUN?



Die meisten Kollegen meinen, solch ein Zeitpunkt Für Kampfmaßnahmen wie jetzt

komme so schnell nicht wieder. Lassen wir ihn aus, lachen sich die Opel-

Herren und Betriebsräte ins Fäustchen. WIR sind dann wieder einmal die

Gelackmeierten. Wenn wir nicht frühzeitig zeigen, daß wir zum Kämpfen bereit

sind, werden die Antreiber noch frecher und wir noch invalider! Sich aber

beim Kämpfen auf den Betriebsrat oder die Gewerkschaftsbeamten verlassen,

bedeutet daß man gleich den Bock zum Gärtner machen kann.



Momentan gärt es in allen Betrieben. Mehrere tausend Kollegen haben in den

vergangenen Tagen gestreikt. Es kommt aber darauf an, daß wir uns gut

organisieren, noch besser als die Opel-Bosse, wenn es in einer Abteilung

losgeht. Es hat keinen Sinn, einen Spaziergang durchs Werk zu machen. Wir

brauchen einen führenden und harten Kern, der genau weiß, was er will, für

wen er kämpft und gegen wen. Dieser kann und darf nur aus unserer eigenen

Mitte kommen. Er muß unser Vertrauen haben, er muß wissen, daß wir hinter ihm

stehen. Aus ihm muß notfalls das Streikkomitee entstehen, wenns hart wird.

Kollegen!



Diskutiert schon jetzt in euren Abteilungen, am Arbeitsplatz und überall

dort, wo ihr mit Kollegen zusammentrefft, wer dafür in Frage kommt.

Und noch einmal: Überlegt euch sehr genau, ob ihr diese Auspressungsmethoden

noch länger unbeantwortet hinnehmen wollt.



Unsere Forderungen:

EINE MARK MEHR FÜR ALLE!

180 MARK MTL. MEHR FÜR ALLE ANGESTELLTEN!

ERHÖHUNG DER NACHTSCHICHTZULAGE UM 50%!

20 MARK MEHR FÜR JEDE PRODUKTIONSSCHICHT AM WOCHENENDE!

SOFORTIGE AUFHEBUNG DES EINSTELLUNGSSTOPPS!



HELFT DER ZÜNDKERZE! ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN OPEL-BETRIEBSGRUPPE!"

=Zündkerze Extra-Blatt Der heiße Draht ...,Bochum o.J. (23./24.9.1970)



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24.09.1970: 

Laut Roter Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK soll heute eine

zweitägige Sitzung des Opel Gesamtbetriebsrates im Bochumer Humboldt-Eck

beginnen, zu deren Besuch auch die KPD/ML-ZK einlädt.

Dasselbe tut heute auch die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB.

=Zündkerze Nr.4,Bochum Sept. 1970,S.4;

Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz,Bochum o.J.

(24.9.1970),S.1f



24.09.1970: 

In Bochum streiken, laut KPD/ML-ZB, insgesamt rund 15 000 Opelarbeiter,

wobei die Kollegen des Werkes 1 vormittags eine Demonstration durch die Stadt

durchführten, und dabei ein volles 13. Monatsgehalt forderten, welches laut

Erwin Bawulski heute von der Geschäftsleitung abgelehnt worden war.



Lieferantenfahrzeuge seien, laut KPD/ML-ZB, nicht ins Werk gelassen worden.

An beiden Werken (?) hätten mehrere Polizeifahrzeuge herumgestanden. Auch im

Werk 2 seien die Kollegen herumgezogen und hätten dabei auch aus dem Werk 3

Kollegen abgeholt. Teilgenommen hätten auch Angestellte.



Laut Bawulski schließen sich auch die Mittag- und Nachtschicht dem Streik an

(vgl. 25.9.1970).



Von einem Streik dort berichten auch die KPD/AO und natürlich die Rote Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK, die mit ihrer 'Zündkerze' eingreift:"

DER STREIK WAR TAKTISCH EINE NIEDERLAGE - STRATEGISCH EIN SIEG



EIN BLITZ AUS 'HEITEREM HIMMEL'?



Als die RBG die Extra-Blätter der 'Zündkerze' über die Streiks bei General

Motors (GM in den USA - vgl. 16.9.1970,d.Vf.) und beim Bochumer Verein (Krupp

- vgl. 18.9.1970,d.Vf.) verteilte, meinten einige Kollegen: 'Die machens

richtig! Aber bei Opel? Hier kommt sowas nie zustande!'



Sie sollten nicht recht behalten. Als wir von der RBG einige von ihnen

während und nach dem Streik trafen, mußten sie über sich selber lachen: 'Wer

hätte das gedacht?! Als wir auf der Wiese waren, mußten wir mit einigem

Erstaunen feststellen, daß nicht nur wir, sondern alle mitgegangen waren.

Das war ein völlig neues Gefühl, es denen da oben endlich einmal zeigen zu

können.'



Nun, so dürften viele Kollegen gedacht haben. Woran keiner so recht glauben

wollte, war wie 'ein Blitz aus heiterem Himmel' gekommen.

Aber war es wirklich so ein 'Blitz aus heitrem Himmel'?



Das Gewitter hatte sich schon lange vorher zusammengebraut. Doch nicht nur im

Betrieb, wo wir durch verschärfte Antreiberei noch mehr Profit für Detroit

schaffen sollten:



die allgemeine Teuerungswelle, die Lohnraubpolitik der SPD, das Geschrei der

Gewerkschaftsoberen über ihren 'Kampfeswillen' usw.



Es lag 'etwas' in der Luft wie im letzten September. Es bedurfte nur noch

einiger Funken, um dies 'Etwas' zur Explosion zu bringen. Wenn da die

'Ruhr-Nachrichten' (vgl. **.9.1970,d.Vf.) schrieben, die 'Zündkerze' hätte

gezündet, so tun sie uns 'zuviel der Ehre' an. Wie hätte die 'ZK' mithelfen

können, OHNE den vorhandenen Zündstoff. Über diesen schweigt dann die

bürgerliche Lokalpresse betreten...



EIN SCHUSS, DER NACH HINTEN LOSGING!



Es liegt in der Ironie der Sache, daß oft gerade die danebenhauen, die sich

allzu selbstsicher fühlen. Dieses 'Pech' hatten die IGM-Oberen. Sie dachten,

Opel ist ein 'lahmer' Betrieb, die Kollegen werden uns auf jeden Fall

gehorchen.



Also planten sie einen Warn'streik', der nach einer Stunde wieder beendet

sein sollte. Sie planten ihn dort, wo sie sich am sichersten fühlten: in

Langendreer.



Schon am Mittwoch ließen sie durch 'auserwählte' Vertrauensleute verkünden:

'Morgen machen wir einen Warnstreik.' Und in Laer ließen sie durchblicken:

'Wenn die in Langendreer anfangen, machen wir mit.'



Doch dieser Warn'streik' ging für sie vollkommen in die Hose. Kein Kollege,

weder in Langendreer noch in Laer, war bereit, die Arbeit nach einer Stunde

wieder aufzunehmen.



Der Streik, der sich nun entwickelte, vermittelte den Herren von der

Betriebsleitung und den 'Kollegen' von unserer Beiträge Gnaden ein völlig

neues Lebensgefühl. Das hatten sie von dieser Belegschaft nicht erwartet.

Solch einen Aufmarsch von 'Blaumännern' hatten sie lange nicht mehr gesehen!

Ihre ersten Reaktionen: überstürzte Anrufe nach Detroit, überstürzte

Beratungen von Betriebsrat und IGM.



DIE REAKTION DER BETRIEBSLEITUNG...



Als sie gesehen hatten, daß AUCH bei Opel in Bochum die Räder stillstehen

können, wenn die Arbeiter es wollen, griff sie sofort zu allen Mitteln, die

ihr zur Verfügung standen. Ihr Ziel: die Einheit so schnell wie möglich

wieder zerstören.



Der Werkschutz war überall, wo er meinte, 'Rädelsführer' ausfindig machen zu

können. Er hatte viel Arbeit. Immerhin waren wir tausende von

'Rädelsführern'! Deshalb mußte Politische Kriminalpolizei (K14,d.Vf.) her,

weil der Werkschutz zu viel Arbeit hatte und nicht allein weiterkam.

So sahen die Kollegen von der 'Zündkerze' selbst (oder wurden von anderen

Kollegen darauf aufmerksam gemacht), wie sich einige Herren in

Popelinemänteln z.B. am Rondell beim Pförtner vorstellten und dann im Werk

verschwanden.



Sie wollten 'Fisch im Wasser' spielen. Nur trug sie das 'Wasser' nicht:

Überall, wo sie entdeckt wurden, empfingen sie Buhrufe.



Aber auch die Meister (mit wenigen Ausnahmen), hatten einen aufregenden Tag.

Sie flitzten wie UvDs zu den Kollegen, um sie bei der Arbeit zu halten. (Um

dann natürlich hinterher mit Grinsen einzustecken, was wir erkämpft hatten.)

Ein Meister ging sogar so weit, daß er die Kollegen im besten Nazi-Jargon

anbrüllte, man sollte sie alle vergasen. Er dürfte einer der besten UvDs

gewesen sein, aber nicht erst bei Opel, sondern schon 'tausend Jahre' früher!

Das beste Mittel aber, was die Betriebsleitung einzusetzen hatte, war ihre

Fünfte Kolonne: Betriebsrat und IGM-Bonzen in Bochum.



DER AUFTRITT DER 'KOLLEGEN' VON UNSERER BEITRÄGE GNADEN



Als diese gesehen hatten, wie der erste Schuß nach hinten losgegangen war,

ballerten sie wie wild durch die Gegend. Perschke rannte zu den Kollegen, um

sie wieder an die Arbeit zu bekommen. Doch seine Dompteur-Pose zog nicht.

Wütend zog er sich ins Humboldt-Eck zurück, nach Rache sinnend.



Die nächsten Schüsse kamen dann auch gezielter.



Jahrelang knöpfen uns diese 'Kollegen' Beiträge ab, jahrelang wird mit diesem

Geld gewirtschaftet,, ohne daß es uns wirklich zugutekommt. Aber die 'Bank

für Gemeinewirtschaft' (BfG,d.Vf.) läuft wie geschmiert.



Als nun der Streik ausbrach, taten sie so, als sei kein Geld für uns da.

Nirgendwo war eine Flüstertüte zu haben, nirgendwo gab es Pinsel, Leinwand

und Farbe für Transparente. Das Monstrum Gewerkschaftsapparat stand uns nicht

zur Verfügung, als wir es wirklich brauchten.



Dafür zeigte es uns die Zähne, der Betriebsleitung aber das schönste Blendax-

Lächeln.



Doch überall dort, wo die Warn'streiks' fest in den Händen dieses Apparates

lagen, gab es Flüstertüten und Transparente in Hülle und Fülle.



Und warum bei uns nicht?



WIR DURFTEN UNSERE FORDERUNGEN NICHT DURCHBEKOMMEN!



Betriebsrat und IGM-Obere wußten trotz ihrer Verwirrung sehr schnell wieder,

was zu tun war, werden sie doch für diese Ausbildung in Sachen Abwiegelung

sehr hübsch bezahlt.



Sie wußten genau, daß ein unorganisierter Streik nicht lange durchzuhalten

ist. Und daß viele Kollegen mit 70% rechnen würden, weil sie die bisherigen

Kungeleien kannten. Andererseits aber war der Kampfwille der Belegschaft so

stark, daß diese 'Kollegen' sich etwas besonders 'Nettes' für uns ausdenken

mußten.



So verschwiegen sie wohlweislich, daß die 100% aller Wahrscheinlichkeit nach

durchkommen würden. Aber nicht durch unseren Kampf, sondern bei den

Tarifverhandlungen als 'Sonderbeilage' der Kapitalisten für die IGM, um die

Stimmung der Arbeiter zu dämpfen.



So mußten Perschke und Co. alle Hebel in Bewegung setzen, um zu bremsen. Ihr

Ziel: Nach den Tarifabschlüssen als große Matadoren dazustehen. Der

Theaterdonner 'Ablehnung des Schiedsspruchs' war dabei schon eingeplant. Auch

der 24stündige Streik für alle Metallarbeiter in NRW Ende dieses Monats (vgl.

25.9.1970,d.Vf.)!



Dies hatten sie schon beim Bochumer Verein (Krupp - vgl. 5.6.1970,d.Vf.) im

Sommer dieses Jahres erfolgreich durchgeführt: Den Streikenden vom BV

erklärte die IGM-Ortsverwaltung sie sollten ruhig wieder an die Arbeit gehen,

ihre Forderungen würden ja im Herbst 'berücksichtigt'. Das Geld, das die

Kollegen dadurch inzwischen verloren, zahlt ihnen natürlich keiner nach.

So ist es immer: die Bonzen interessieren sich nur für unsere Beiträge und

ihre fetten Aufsichtsratsposten, wenn aber Regierung und Kapitalisten in

unsere gläsernen Taschen langen, schauen sie weg.



Der Hauptsinn dieser ganzen Dschungeltaktik gegen uns war es, uns

einzubläuen, daß nur die IGM-Bonzen unsere wahren Vertreter sind.

Die Opel-Bosse lachten sich derzeit ins Fäustchen, als andere ihre Anliegen

durchsetzten."



Über die Pressereaktion auf heutige Ereignisse berichtet die KPD/ML-ZK durch

Abdruck von 'WAZ'-Artikeln von übermorgen:"

KP-AGITATOREN VERPRÜGELT



Wie die Bochumer WAZ-Redaktion berichtet, hatten kommunistische Agitatoren

keinerlei Einfluß auf die Vorgänge von Freitag. Einige von Ihnen waren am

Donnerstagabend verprügelt und vom Werksgelände verjagt worden. Flugblätter,

die sie verteilt hatten, wurden eingesammelt und verbrannt."



und:"

STREIKENDE OPEL-ARBEITER SCHALTEN KP-FUNKTIONÄRE AUS



VOM WERKSGELÄNDE GEPRÜGELT UND FLUGBLÄTTER VERBRANNT



Freitag um sechs Uhr beschloß die Morgenschicht der Opel-Werke in Laer und

Langendreer, den am Donnerstag begonnenen Streik fortzusetzen. Nach

sachlichen Diskussionen über einige Vorfälle vom Vortage war sich die

Belegschaft darin einig, die weitere Einmischung von Kommunisten zu

verhindern. Bereits am Donnerstag sind einige von ihnen verprügelt und vom

Werksgelände getrieben worden. Flugblätter ('Die Zündkerze' und 'Roter

Kadett'), von KP-Leuten verteilt, wurden zusammengetragen und verbrannt."



und:"

Nach den Prügelszenen vom Donnerstag haben es im Laufe des Freitags

Kommunisten vermieden, erneut aktiv zu werden."



sowie folgenden Text:"

'WAZ' VERLEUMDET 'ZÜNDKERZE'



Die 'Zündkerze' hat vor und während des Streiks die Interessen der

Opel-Belegschaft nach Kräften vertreten. Sie hat für schnelle Informationen

gesorgt und sachliche Vorschläge (z.B. Wahl eines Streikrates) gemacht.

Das genügt, um die 'Kollegen' von der bürgerlichen 'WAZ' gegen uns

aufzubringen. Sie griffen dabei zu ihrem üblichen Mittel: Lüge und

Verleumdung. So warfen sie die 'Zündkerze' immer mit dem 'Rosa Kadett' in

einen Topf. Sind sie wirklich so blöd, daß sie den Unterschied nicht kennen?!

Oh nein! So blöd sind die Herren 'Kollegen' sicher nicht! Sie stellen sich

nur so blöd, um ihre Leser zu täuschen.



Der Verlauf des Streiks hat klar gezeigt, daß 'Zündkerze' und 'Rosa Kadett'

nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben. Daß sie zwei völlig

verschiedene Linien vertreten. 'Rosa Kadett' und D'K'P unterstützen mit allen

Kräften die Gewerkschaftsbonzen. Es war ein D'K'P-Mitglied, das am Freitag

auf der Kundgebung in der Stadt abwiegelte, uns empfahl, uns auf 'unseren'

Betriebsart zu verlassen, der dafür dankte und uns dann auch prompt

reinlegte. 'Rosa Kadett' setzte auf den Betriebsrat; 'Zündkerze' entlarvte

dagegen den Betriebsrat als Fünfte Kolonne Opels und schlug die Wahl eines

Streikrates vor. 'Rosa Kadett' erwies sich als Opels Sechste Kolonne, 'ZK'

als Opels wirklicher Gegner. Das läßt sich anhand der Flugblätter, Reden, der

Reaktionen von Betriebsleitung und Betriebsrat alles beweisen.



Und nun kommen die 'Kollegen' von der bürgerlichen Presse und tun so, als

hätten sie den Unterscheid nicht gemerkt! Sie behaupten, Opel-Kollegen hätten

'KP-Funktionäre verjagt' und 'KP-Flugblätter verbrannt'.



Die Tatsachen: Die 'ZK' wurde in keinem einzigen Fall verbrannt und

Mitarbeiter der 'ZK' wurden in keinem einzigen Fall 'verjagt'. Die einzigen,

die scharf auf die 'ZK'-Kollegen waren, waren Werkskripo und Werkschutz! Es

stimmt allerdings, daß D'K'P-Flugblätter und das D'K'P-Organ 'UZ' in

Langendreer von einem tschechischen Kollegen verbrannt wurden. Wir würden

gern einmal mit diesem Kollegen reden, um zu sehen, ob er nur berechtigte

Wut über die sozialimperialistische Aggression von sowjetischen und DDR-

Truppen gegen sein Land (CSSR,d.Vf.) hat oder ob er grundsätzlich

antikommunistisch und" hier bricht der Text leider ab.



Laut 'EXI' beteiligen sich 16 000 bei Opel in Bochum an einem Warnstreik im

Rahmen der Metalltarifrunde (MTR).



Die Kabelwerke Reinshagen (KWR) Bochum Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB und des

KJVD (IGM-Bereich - vgl. 28.9.1970) berichtet von heute und morgen:"

STREIK BEI OPEL BOCHUM



Insgesamt 15 000 Arbeiter der Früh- und Mittagsschicht streikten am

Donnerstag und Freitag. Sie fordern als Weihnachtsgeld ein volles 13.

Monatsgehalt, da die Kapitalisten bei Opel die Verhandlungen darüber immer

wieder hinauszuschieben versuchen. Außerdem wollen die Kollegen ihre

Geschlossenheit für die 15% (in der MTR,d.Vf.) demonstrieren.



Vor Werk I in Laer bildeten die Kollegen Marschsäulen. Bei Schichtwechsel

sagten sie allen Kollegen, die zur Arbeit kamen, sie sollten schnell stempeln

und dann wiederkommen, um den Streik zu verstärken. Lieferanten wurden von

den Arbeitern nicht reingelassen.



Auch in Werk II in Langendreer zogen die Kollegen durch mehrere Werksteile,

und auch ins Werk III, um möglichst viele Kollegen zum Mitstreiken zu

bewegen.



Während der ganzen Zeit standen vor den Werken Polizeibeobachtungsposten.



Die Kollegen sind entschlossen, den Streik auch in dieser Woche

fortzusetzen."



Berichtet wird auch in:

- Baden-Württemberg in Mannheim durch die KPD/ML-ZK im IGM-Bereich (vgl.

26.10.1970);

- Berlin durch die KPD/ML-ZB bei Schwartzkopff (IGM-Bereich - vgl.

**.10.1970).

=KPD/ML-ZK-OG Mannheim:Gewerkschaftsführung: Lakai des Kapitals!,Mannheim o.

J. (Okt. 1970),S.1;

Express International Nr.107,Frankfurt 16.10.1970,S.6;

Der Schwartzkopff Hammer Nr.2,Berlin Okt. 1970;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.36 und 37,Bochum 25.9.1970 bzw.

30.9.1970,S.* bzw. S.*;

Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken o.Nr.(10),Berlin 5.10.1970;

Roter Morgen Nr.9,Hamburg Okt. 1970,S.*;

Erwin Bawulski:Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer

Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum,Dortmund 1974;

Zündkerze Extra Seit heute morgen ca. 10 Uhr ... und Nr.5,Bochum o.J.

(24.9.1970) bzw. o.J. (9.11.1970),S.1f bzw. S.6ff und 16;

Rotes Kabel Nr.7,Bochum Sept. 1970,S.4



24.09.1970: 

Eine Extra-Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint für Opel Bochum (vgl. 23.9.1970,

25.9.1970) mit zwei Seiten DIN A 4, laut einer handschriftlichen Datierung,

für das Werk I zur Mittagschicht:"

Seit heute morgen ca. 10 Uhr in Bochum die OPEL-Produktion still.



GEHT ES NUR UMS WEIHNACHTSGELD?



Natürlich ist es eine Unverschämtheit von OPEL, nicht ALLEN Kollegen ein

VOLLES 13. MONATSGEHALT zuzugestehen. Statt dessen bietet man uns als Preis

für unsere Knochen, die niemand uns wiedergibt, 43 Prozent für die, die unter

5 Jahren bei Opel sind und 52 Komma 5 für die, die schon länger verheizt

wurden.



Der Gipfel der Unverfrorenheit: nach 40 Jahren Betriebszugehörigkeit (wie

sehn wir dann wohl aus??) 100 Prozent plus eine GOLDENE ARMBANDUHR!! Im Jahre

2010!! Warum keinen goldenen SARGNAGEL ???



ABER ES GEHT JETZT UM MEHR ALS UMS WEIHNACHTSGELD!



Das Weihnachtsgeld brachte nur das Faß unserer Geduld zum Überlaufen: Seit

Monaten steigen die Mieten und die Preise, steigen uns bis zum Halse, so daß

wir schon Wasser schlucken. UND NUN: die 'Arbeitgeber' (die eigentlich

Arbeit-NEHMER sind, da sie uns die Früchte unserer Arbeit abNEHMEN) bieten

ganze 7 Prozent Lohnerhöhung!



ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN MASON ES UNBEDINGT HABEN WILL



DESHALB UNSERE 2. FORDERUNG: VOLLE 15% GLEICH 1 MARK!



Der Moment ist günstig: wir sind in einer POSITION DER STÄRKE, wie sie so

schnell nicht wiederkommt:

- In den General-Motors-Werken der USA streiken 350 000 Kollegen weiter.

- In den General-Motors-Werken Kanadas streiken 25 000 Kollegen.



WENN WIR JETZT AUCH STREIKEN, SPÜRT DER KONZERN DAS EMPFINDLICH!



ABER UNSERE STÄRKE HILFT UNS NUR, WENN WIR ORGANISIERT AUFTRETEN!



Irgendjemand muß in unserem Namen mit Opel verhandeln. Wenn wir selbst nicht

jemand bestimmen, wird der Betriebsrat das machen.



ABER DER BETRIEBSRAT IST WINDELWEICH, DAS WISSEN WIR ALLE!



Der Betriebsrat konnte sich heute morgen natürlich nicht offen gegen uns

stellen, weil er ausgepfiffen worden wäre. ABER ER WAR WINDELWEICH! Er

wartete nur drauf, mit einem großen Bums umzufallen, er liegt schon halb am

Boden!



DESHALB: EINEN STREIKRAT WÄHLEN!



Opel ist eine gut organisierte Armee. UND DER BETRIEBSRAT IST OPELS FÜNFTE

KOLONNE!



Deshalb müssen wir EINE INTERESSENVERTRETUNG AUS UNSERER EIGENEN MITTE

WÄHLEN.



Wir müssen unsere Vertrauensleute auffordern, die Wahl eines Streikrats zu

organisieren. Solche Vertrauensleute würden wir auch in den Streikrat wählen,

und dazu die besten Kollegen, die wir kennen, die wissen, was wir wollen und

die sich nicht beschwafeln lassen wie der Betriebsrat. ES GIBT SIE.



ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN MASON ES UNBEDINGT HABEN WILL!



ABER WENN WIR EINEN STREIKRAT WÄHLEN, MÜSSEN WIR DIE KOLLEGEN SCHÜTZEN!

Die Werksbullen rotieren und schreiben Namen auf. Das hilft Opel aber gar

nichts, wenn wir allen Kollegen durch eine UNTERSCHRIFTENSAMMLUNG von

vornherein Schutz geben. Wenn wir versprechen, daß die Brocken sofort wieder

hinfliegen, wenn einem von ihnen was passiert.



VEREINT SIND WIR DIE STÄRKEREN!"

=Zündkerze Extra Seit heute morgen ca. 10 Uhr...,Bochum o.J. (24.9.1970)



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24.09.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB ein Extrablatt

ihrer 'Presse' (vgl. 15.9.1970, 25.9.1970) mit zwei Seiten DIN A 4 unter

Verantwortung von Werner Fremd, Bochum, heraus:"

HEUTE BETRIEBSRÄTEVOLLKONFERENZ



ZWINGEN WIR DIE BETRIEBSRÄTE DURCH UNSERE KAMPFBEREITSCHAFT ZUM VOLLEN

EINSATZ FÜR UNSERE FORDERUNGEN



Nachdem der Arbeitgeberverband uns lächerliche 7% angeboten hat, die SPD

schon jetzt einen Lohnstop und weitere Steuererhöhungen ankündigt, verhandeln

heute bis Freitagmittag die Betriebsräte der Opel AG hinter verschlossenen

Türen.



Kampfmaßnahmen zur Tarifrunde (MTR,d.Vf.) und betriebliche Forderungen stehen

auf der Tagesordnung. - Wir, die Arbeiter der Opel AG, werden Kampfmaßnahmen

ergreifen, streiken für unsere Forderungen! Da braucht der Betriebsrat gar

nicht lange zu diskutieren. Nur durch Streik setzen wir unsere Forderungen

durch! Und nur durch unsere Kampfbereitschaft zwingen wir auch den

Betriebsrat zu Kampfmaßnahmen.



EUGEN LODERER, stellvertretender IGM-Vorsitzender, spricht Freitag 9 Uhr über

die Durchsetzung unserer Forderungen im Tarifkampf. Kürzlich (vgl. S1*9.1970,

d.Vf.) erklärte Loderer noch lauthals in Lübeck: Die Tarifbewegung wird

beweisen, wie frei und unabhängig die IGM AUCH GEGENÜBER BONN die Interessen

ihrer Mitglieder zu wahren weiß. - AUCH GEGENÜBER BONN! Das heißt doch wohl:

gegenüber der Lohnraubpolitik der Regierung sind 15% Lohnerhöhung, Wegfall

der unteren Lohngruppen und Absicherung von 6 DM Mindestlohn unsere

Mindestforderungen, damit wir die wachsenden Steuern und Lebenshaltungskosten

wenigstens etwas ausgleichen können!



- Am 2.September forderten der IGM-V-Leute-Vorstand und der Betriebsrat in

Rüsselsheim einheitliche Erhöhung der Ecklöhne auf 4,60 DM, 15% Lohnerhöhung

gemäß neuem Ecklohn. Also wenigstens 69 Pfg. für alle!



AUCH GEGENÜBER BONN! Also: Kampf der arbeiterfeindlichen Politik der SPD-

Regierung!

Verhinderung weiterer Steuererhöhungen!

Weg mit dem 10% Lohnunterschlag!

Denn sonst haben wir überhaupt nichts von der Lohnerhöhung!

Also auch: Kampf den rechten Gewerkschaftsführern, die mit der SPD unter

einer Decke stecken!



RUDI HAHNE, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, gibt heute Nachmittag seinen

Rechenschaftsbericht. Am 3.September sagte er noch: Die Stimmung im Betrieb

ist auf dem Siedepunkt! - Jawohl! Dazu müssen wir Hahne und Perschke und alle

anderen IGM Funktionäre zwingen: KEINEN FINGER BREIT VON UNSEREN FORDERUNGEN

AB! Nach der ersten Betriebsrätevollkonferenz im September 1969 legte der

Betriebsrat dem Generaldirektor Mason eine Liste von Forderungen vor:



- Lohnangleichung. - Mit ein paar Pfennigen hat sich der Betriebsrat

abfertigen lassen, für manche Kollegen gab es sage und schreibe einen Pfennig

mehr - und das bei 419 Millionen Reingewinn! Und ohne den Streik der Kollegen

im Preßwerk (vgl. 22.5.1970,d.Vf.) wäre es nicht mal zu Verhandlungen

gekommen!



- Zusatzprämie für Sonderschichten. - Was wurde erreicht: 6 DM, nicht mal

eine Mark pro Stunde. Die deutschen Automobilkonzerne mußten im Schnitt 10 DM

zahlen, vereinzelt gibt es Prämien von 30 DM!



- Parkplatzversicherung. - Bessere Bewachung wurde zugesichert - auf Kosten

der Kollegen!



- Weihnachtsgratifikation (voller 13.Monatslohn). - Dazu Perschke am 15.April

auf der Betriebsversammlung: Wir wollen uns in diesem Punkt überraschen

lassen. Die Überraschung kommt: NACH der Vollkonferenz wird die

Geschäftsleitung offiziell über die Ablehnung der Forderungen informieren,

bei der Betriebsversammlung am 1.Okt. will man uns dann wohl diesen

Verhandlungsmißerfolg beibringen! Das gibt's nicht!



Der Betriebsrat muß wissen: Wir sind bereit zu kämpfen. Wir wollen vollen 13.

Monatslohn Weihnachtsgeld!



Kolleginnen und Kollegen! Auch darüber verlangen wir klare Informationen

sofort nach der Vollkonferenz am Freitag:



Der Betriebsrat in Rüsselsheim fordert:

Erhöhung des Akkordrichtsatzes auf 12%

Eckgehalt der Angestellten zusätzlich um 10% vorab erhöhen!



DIESE FORDERUNGEN UNTERSTÜTZT DER BETRIEBSRAT IN BOCHUM NICHT! Obwohl der

Akkordrichtsatz bei uns nur 8% beträgt, obwohl die unteren Angestellten bei

uns genauso ausgebeutet werden wie in Rüsselsheim! Die

Gewerkschaftsfunktionäre behaupten, das ginge nicht wegen der

unterschiedlichen Tarifgebiete. Aber es geht um unser aller Interessen!



FÜR DIE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE



Kämpfen wir gemeinsam mit unseren Rüsselsheimer Kollegen gegen die GM Bosse!

Geschlossene Front der Arbeiterklasse gegen die Kapitalisten und ihre

Regierungen!



Die Betriebsräte müssen wissen, daß wir streiken, wenn unsere Forderungen

abgewiesen werden. Unsere Kampfbereitschaft muß sie und die

Gewerkschaftsführer zum Einsatz für unsere Forderungen zwingen!



MACHEN WIR DIE GEWERKSCHAFT WIEDER ZUR KAMPFORGANISATION DER ARBEITERKLASSE



Und die SPD-Führer müssen wissen, daß wir ihre ständigen Angriffe auf unsere

Lage nicht kampflos hinnehmen. Denn der Kampf um höhere Löhne bringt uns

nichts, wenn die SPD-Regierung uns die Löhne durch ihre Angriffe sofort

wieder wegnimmt.



GEGEN DIE ARBEITERFEINDLICHE SPD-REGIERUNG



VOLLE DURCHSETZUNG UNSERER FORDERUNGEN



Urabstimmung bei jeder Verhandlungsentscheidung im Tarifkampf!



Sofortige Information über die Betriebsrätekonferenz!"

=Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz,Bochum o.J.

(24.9.1970)



25.09.1970: 

In Bochum bei Opel wird, laut KPD/ML-ZB, der Streik vom Vortag durch eine

Demonstration der 8 000 Kollegen der Frühschicht zum IGM-Haus fortgeführt,

wo der Gesamtbetriebsrat von Opel tagen sollte (vgl. 24.9.1970, 27.9.1970).

Die Rüsselsheimer Betriebsräte seien aber inzwischen abgereist gewesen, da

auch dort gestreikt wurde.



Daraufhin seien die Opelarbeiter zurück zum Betrieb marschiert und hätten 25

Vertrauensleute gewählt, die die Verbindung mit dem Betriebsrat halten und

die Streikenden ständig informieren sollten.



Von einem Streik bei Opel berichtet auch die Berliner KPD/AO. Die KPD/ML-ZK

vermeldet dort 16 000 Streikende und die Bildung eines Streikkomitees.

Laut BKA Freiburg streiken 16 000, 6 000 demonstrieren durch die Innenstadt.



Laut KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. 26.10.1970) beteiligen sich auch die Lehrlinge

am Streik.



Auch laut Erwin Bawulski wird der Streik fortgesetzt. Die KPD/ML-ZB verteilt

Flugblätter. In der Bochumer Innenstadt demonstrieren ca. 6 000.



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet:"

FREITAG: DIE ENTSCHEIDENDE WENDE



Schon am ersten Streiktag lagen zwei Märsche in der Luft. Die Kollegen aus

Langendreer wollten nach Laer kommen, von hier aus sollte es zum Humboldt-Eck

in die Stadt gehen. Aber all die, die dies hätten in die Wege leiten müssen,

waren wie vom Erdboden verschwunden oder agitierten fleißig gegen diese

Vorhaben: die Vertreter der IGM.



Um aber die Verwirrung noch zu vergrößern, ließen der Betriebsrat und die IGM

sich widersprechende Gerüchte in Umlauf setzen. Zum einen sollte der Marsch

doch noch am Donnerstag stattfinden, zum anderen überhaupt nicht.



Dadurch gewannen diese 'Kollegen' Zeit. Perschke und Co. wußten ganz genau,

daß der Streik für sie gelaufen war, wenn es ihnen gelang, den Marsch in

ihrem Sinne umzufunktionieren.



Der Marsch hatte bei uns Hoffnungen geweckt. Er sollte nicht nur gegen die

'Knochenmühle Opel' stattfinden, sondern auch gegen den Kuhhandel des

Betriebsrates. Weswegen sonst hatten wir am Donnerstag den Betriebsrat

durchgehen lassen?!



Die Entscheidung, die für uns fallen sollte, fiel aber gegen uns: Perschke

empfing uns am Humboldt-Eck mit den süßesten Tönen, so daß wir denken

konnten, wir wären bei einer Heintje-Veranstaltung. Unsere Forderungen wären

auch die seinen. Wir hätten ihm den Rücken gestärkt (welche Einsicht hatte da

dieser Gummilöwe!!), wir könnten getrost sein, daß er alles nur Mögliche für

uns tun werde.



Und damit diesem 'von Seiten der Belegschaft' der gehörige 'Nachdruck'

verliehen wurde, tönte ein V-Mann vom 'Rosa Kadett' ('Roter Kadett' der DKP,

d.Vf.) in das gleiche Horn:

'Kollegen, wir können Vertrauen in den Betriebsrat und in die V-Männer haben.

Eure Forderungen werden erfüllt. Ihr könnt also ruhig wieder ins Werk gehen.'



Und dieser wohlvorbereitete Hieb saß: Auf der einen Seite begannen sich viele

Kollegen schon innerlich mit 70% 'abzufinden', auf der anderen Seite hatten

die Kollegen, die nicht mit dem Süßholz-Raspeln einverstanden waren, keine

Gelegenheit, ihren Protest zu bekunden: die Technik lag fest in den Händen

von Loderer, Perschke und Co.



Unser Rückzug begann. Der Vormarsch der Betriebsleitung und der IGM-Oberen

konnte nun voll anlaufen.



DER 'STERNMARSCH' DER BETRIEBSRÄTE



Allerdings war es dem Betriebsrat noch nicht gelungen, die Mittagsschicht

wieder an die Arbeit zu bekommen. So ließ er sie in dem Glauben, der Marsch

wäre positiv gewesen für die Belegschaft.



Viele Kollegen von dieser Schicht werden sich daran erinnern, wie am Abend

plötzlich mehrere Betriebsräte, an der Spitze Perschke, Black und Sonak, aus

dem Verwaltungsgebäude kamen und sich im Gelände verteilten. Um jeden herum

entstand sofort eine Gruppe, denn alle wollten ja wissen, was los war.



Nachdem die Einheit in diese Gruppen aufgelöst war, rückten die Betriebsräte

alle mit dem gleichen heraus: Die Lage wäre sehr ernst, Opel beabsichtige für

Montag den Betrieb zu schließen und Aussperrungen vorzunehmen.



Doch was war das Ziel, das mit diesem Gerücht erreicht werden sollte?

Vor diesem 'Sternmarsch' war doch bekannt geworden, daß die V-Leute am

Sonntag tagen würden. In den internen Gesprächen zwischen Betriebsrat und

IGM-Oberen war von Anfang an klar, was sie den V-Leuten am Sonntag sagen

würden: Es kommen nur 70% heraus, weil wir die Tarifverhandlungen nicht

stören dürfen. Die Hauptsache ist es also, die Leute wieder an die Arbeit zu

kriegen.



Am Freitag wagten sie dies aber noch nicht offen zu sagen. Also mußten sie

als gewiefte Dschungeltaktiker anders vorgehen.



Damit das Verhandlungs'ergebnis' am Montag auch wirklich angenommen würde,

mußten sie 'vorbauen'. Daher malten sie die nächsten Tage in den schwärzesten

Farben, um all die weich zu machen, die jeden Pfennig dringend brauchen, die

aber noch nicht eingesehen hatten, daß man seine Pfennige nur einigermaßen

halten kann, wenn man entschlossen ist, dafür zu kämpfen.



Kurz: Betriebsrat und IGM-Bonzen waren neben der Betriebsleitung diejenigen,

die ein fundamentales Interesse an unserer Spaltung hatten.



Anstatt nämlich gegen diese Maßnahme der Betriebsleitung zu protestieren und

die V-Leute aufzufordern, alle Kollegen zu informieren und Maßnahmen dagegen

zu ergreifen, beließen sie es bei diesem Gerücht. (Natürlich sind die

Kapitalisten immer bereit, Aussperrungen vorzunehmen. Ob aber Opel zu diesem

Zeitpunkt überhaupt dazu bereit war, ist sehr fraglich. Mußten sie doch damit

rechnen, daß dies eine erneute Streikwelle in anderen Betrieben hätte

bedeuten können, wofür sie von anderen Kapitalisten, die momentan den

'friedlichen' Weg noch vorziehen, sofort einen auf den Deckel bekommen

hätten.)



Es ist eine unerhörte Niederträchtigkeit, die Belegschaft einzuschüchtern, um

sie den Opel-Herren besser 'gefügig' zu machen. Aber gerade dazu gab sich

dieser Betriebsrat her! Denn es dürfte klar sein, daß die Bosse aus jedem

unserer Fehler und Schwächen noch mehr Profit schlagen werden."



Laut 'EXI' beteiligen sich 16 000 bei Opel in Bochum an einem Warnstreik im

Rahmen der Metalltarifrunde (MTR).

=Express International Nr.107,Frankfurt 16.10.1970,S.6;

Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.5,Bochum Nov. 1970,S.1;

Klassenkampf Nr.2,Freiburg Sept. 1970,S.2;

Roter Morgen Nr.9,Hamburg Okt. 1970;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.37,Bochum 30.9.1970;

Der Schwartzkopff Hammer Nr.2,Berlin Okt. 1970;

Arbeitermacht Nr.7,Bonn o.J. (1970);

Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken ohne Nr.(10),Berlin 5.10.1970;

Erwin Bawulski:Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer

Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum,Dortmund 1974;

Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.8ff



25.09.1970: 

Ein Extrablatt der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint, laut einer handschriftlichen

Datierung, heute in Bochum (vgl. 24.9.1970, 1.10.1970) vermutlich zu Beginn

der Frühschicht mit 2 Seiten DIN A 4:"

KOLLEGEN!



Viele von uns haben jetzt eingesehen, daß wir eine eigene, von uns ALLEN

gewählte Interessenvertretung der Belegschaft brauchen, EINEN STREIKRAT!

Der Betriebsrat ist Cunninghams Fünfte Kolonne. Er tagte gestern im Humboldt-

Eck und zeigte sich windelweich. Als einer der Betriebsräte sagte: 'Wir

müssen von unserem Strauß an Forderungen 90% durchkriegen', meinten die

anderen: 'Wir können froh sein, wenn wir 75% durchkriegen'.



Das war die 'Stimmung' im Humboldt-Eck. Ein anderes Beispiel:



Vorsitzender Späth von der Vertrauenskörper-Leitung sprach sich gegen die

Prämien für Sonderschichten aus, ohne daß ihm von den Skatbrüdern

widersprochen worden wäre.



Aber bei uns war und ist eine andere Stimmung als die 'Stimmung' im Humboldt-

Eck:



100% WEIHNACHTSGELD! DAS GANZE GELD BAR AUF DIE HAND!



Der Betriebsrat soll ruhig weiter im Humboldt-Eck tagen! Was WIR brauchen,

ist ein Streikrat. Aber das wollen die Bosse und Bonzen natürlich nicht. Als

in Laer die Kollegen der Mittagschicht die Frage des Streikrats diskutierten,

verschwand auf seltsame Weise die einzige Flüstertüte, die vorhanden war.

Viele Kollegen sind bereits 'aufgefallen' Darüber brauchen wir uns keine

Illusionen zu machen. Am Pförtner von Tor 1 drückten sich gestern Abend in

Zweierformationen Polit-Kripos vorbei. Solche Polizeispitzel haben viel

Arbeit, wenn wir streiken. Sie schreiben Namen von 'Rädelsführern' auf. Das

kann jeder von uns sein, der den Mund aufmacht. Dagegen können wir uns

wehren:

1. durch Bildung eines Streikrats für jede Schicht

2. durch Schutz aller Mitglieder des Streikrats durch eine

Unterschriftensammlung



Heute morgen um 9 Uhr soll eine außerordentliche Belegschaftsversammlung

stattfinden, die der Betriebsrat mit schlotternden Knien gestern der

Mittagsschicht zugestehen mußte. Auf dieser Versammlung muß der Streikrat für

die Frühschicht gebildet werden. Vertrauensleute und andere Kollegen, die

unser Vertrauen haben, müssen vorgeschlagen werden. Je mehr, desto weniger

kann uns passieren. Dann sind auch die Unterschriftenlisten in sicherer

Hand. Dieser Streikrat muß aber weiterbestehen nach erfolgreichem Abschluß

des Streiks. Damit sofort Solidaritätsmaßnahmen ergriffen werden können,

falls die Opelbosse versuchen sollten, unsere Reihen zu lichten.



Wir schlagen deshalb für die außerordentliche Betriebsversammlung folgende

Erklärung zur sofortigen Abstimmung vor:



'Wir erklären unsere unbedingte Solidarität mit allen Kollegen, die unsere

Interessen vertreten. Wir sagen, diese Kollegen sprechen in UNSEREM Namen.

Wir alle sind also Mitverantwortliche. Sollte einem dieser Kollegen

irgendein Nachteil entstehen, so wird die Belegschaft für ihn kämpfen.'



Kollegen!

Tausend Unterschriften, unter dieser Erklärung, und Opel ist mattgesetzt.

Laßt also schon am Anfang der außerordentlichen Betriebsversammlung Listen

für die Unterschriften herumgehen, damit uns die Opel-Herren und die vom

Betriebsrat keinen Strich durch die Rechnung machen. Wer hier die Striche

zieht, sind diesmal wir!



EIN MANTA LÄUFT NUR MIT ZÜNDKERZE!

EIN STREIK LÄUFT NUR MIT STREIKRAT!



VEREINT SIND  W I R  DIE STÄRKEREN!"

=Zündkerze Extrablatt Viele von uns haben jetzt ...,Bochum o.J. (25.9.1970)



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25.09.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZB ein Extrablatt ihrer 'Presse' (vgl.

24.9.1970, 28.9.1970) mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Werner

Fremd, Bochum, heraus:"

DER KAMPF GEHT WEITER



Kollegen von der Frühschicht!



Die A-Schicht hat gestern mittag euren Streik volle acht Stunden fortgesetzt!

Die Kollegen von Werk II haben sich sofort angeschlossen. In Rüsselsheim und

Kaiserslautern (in Hessen bzw. Rheinland-Pfalz,d.Vf.) wurde ebenfalls der

Streik aufgenommen.



Der Stand der Verhandlungen gestern Abend: Der Kapitalistenverband

Gesamtmetall bietet weiter lächerliche 7% Lohnerhöhung. Die Geschäftsleitung

der Adam Opel AG ist nicht bereit, über unsere Forderung nach 100%

Weihnachtsgeld überhaupt zu diskutieren; die Kapitalisten überlegen nur eine

Umverteilung der für die Weihnachtsgratifikation freigegebenen 40 Millionen.

Heute 9 Uhr setzt im IGM-Haus der Gesamtbetriebsrat seine Konferenz fort.



KOLLEGEN, BLEIBEN WIR HART IN UNSEREN FORDERUNGEN, EINHEITLICH IM KAMPF!



- 15% LOHNERHÖHUNG BEI DEN TARIFVERHANDLUNGEN!

- 100% MONATSLOHN ALS WEIHNACHTSGELD!

- VOLLE BEZAHLUNG DER STREIKSCHICHTEN!



Kollegen, wir haben gestern alle gesehen, daß wir unseren Kampf besser

organisieren müssen. Dazu brauchen wir ein Streikkomitee! Gestern hat es

damit noch nicht geklappt. Die beste Möglichkeit: Zwingen wir unsere V-Leute,

dafür zu sorgen, daß sofort ein Streikkomitee gebildet wird!



Das Streikkomitee muß uns regelmäßig über den Verhandlungsstand informieren!

Es muß dafür sorgen, daß durch alle Abteilungen Gruppen geschickt werden, die

wirklich alle Kollegen zur Solidarität zwingen, damit kein Wagen mehr das

Werk verläßt!



Das Streikkomitee muß die Verbindung zum Werk II aufrecht erhalten."



Auf der Rückseite werden auf Spanisch und Italienisch die Forderungen

bekanntgegeben und gefordert, sich nicht von den Deutschen trennen zu lassen.

=Die Presse Extrablatt Der Kampf geht weiter!,Bochum o.J. (25.9.1970)



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27.09.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet vom

Streik (vgl. 25.9.1970, 28.9.1970):"

SONNTAG: INTERESSENVERHÖKERUNG



Auf der V-Leute Konferenz am Sonntag holten die IGM-Bonzen zum entscheidenden

Schlag aus.

IGM-Bonze Wirtz zog ins Feld, als wollte er dem 'Wort zum Sonntag' Konkurrenz

machen: 'Kameraden, ich flehe Euch an. Macht von Eurem Einfluß Gebrauch.

Kreigt die Leute am Montag wieder an die Arbeit.'

Und wie reagierten unsere V-Leute darauf?

Von einer einheitlichen Reaktion kann da in keiner Weise die Rede sein. Es

gab im großen und ganzen drei Gruppen. Die erste war voll und ganz auf Seiten

des Betriebsrats. Zu ihr gehörten diejenigen, die schon während des Streiks

klar gesagt hatten, daß sie 'prinzipiell gegen jeden Streik' vorgehen würden.



Die zweite Gruppe war die größte. Sie wußte zwar, daß es hier nicht mit

rechten Dingen zuging, aber sie wußte nicht, was man tun sollte. Am Schluß

ging sie zähneknirschend nach Hause, nicht sehr erfreut darüber, was sie den

Kollegen am nächsten Morgen sagen 'mußte'.



Die dritte Gruppe, darunter mehrere aus Langendreer, wußte so ziemlich genau,

daß die Sache nun gegen die Kollegen gelaufen war. Beim nächstenmal wird sie

wahrscheinlich besser aufpassen, was da gespielt wird.



Damit es aber für die 'Kollegen' von IGM und Betriebsrat nicht zu 'unnötigen'

Auseinandersetzungen kam, ließen sie erst gar nicht abstimmen.



So verlief diese groß angekündigte Versammlung wie das Hornberger Schießen!"

=Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.10



28.09.1970: 

Vermutlich in dieser Woche gibt in Freiburg der Bund Kommunistischer

Arbeiter (BKA) die Nr.2 seiner Zeitung 'Klassenkampf' (vgl. Sept. 1970,

5.10.1970) mit 8 Seiten DIN A 4 heraus. U.a. heißt es:"

Heute machen sich die

Gewerkschaften stark, weil sie sich an die Spitze der Forderungen der

Arbeiter stellen wollen. Sie wollen beweisen, daß sie die

Arbeiterinteressen noch vertreten können."

Aber die Arbeiter hätten selber die Initiative ergriffen, was an Opel

Bochum illustriert wird:"

Durch selbstorganisierte Streiks wird ihnen klar, daß sie es sind, die bei

den Auseinandersetzungen den Ton angeben. Das Kampfmittel der Arbeiter ist

der Streik am Arbeitsplatz, denn nur dort zählen wir."

Die Gewerkschaften müßten sich an den Forderungen und der Stärke der

Arbeiter ausrichten."

=Klassenkampf Nr.2,Freiburg Sept. 1970



28.09.1970: 

Vermutlich in dieser Woche gibt in Frankfurt und Offenbach die Rote

Arbeiter Gruppe (RAG) ihre 'Rote Arbeiter Zeitung' (RAZ) Nr.6 (vgl.

21.9.1970) mit 6 Seiten heraus.

Berichtet wird von Streiks u.a. bei Opel Bochum.

=Rote Arbeiterzeitung Nr.6,Frankfurt Sept. 1970



28.09.1970: 

In Bochum bei Opel wird, laut KPD/ML-ZB, nicht mehr gestreikt (vgl.

28.9.1970), nachdem sich eine Vollkonferenz von 425 Betriebsräten und IGM-

Vertrauensleuten dagegen ausgesprochen hatte und nachdem am 26.9.1970 bei den

Verhandlungen des Gesamtbetriebsrates mit der Geschäftsleitung zwar nicht ein

volles 13. Monatsgehalt aber 71-73% davon, je nach Länge der

Betriebszugehörigkeit, durchgesetzt werden konnte.



Laut Erwin Bawulski wird der Opel-Belegschaft ein Teilzugeständnis gemacht:"

Arbeitnehmer, die in den Jahren 1961-1965 bei Opel eingetreten sind, erhalten

anstelle von bisher 45*v.H. rund 73 v.H. Dies dürfte 809 DM des

Durchschnittslohnes ausmachen. Arbeitnehmer, die ab 1966 bis zum 31.12.1969

eingetreten sind, erhalten statt bisher 40 v.H. rund 71 v.H. oder 787 DM des

Durchschnittslohnes. Arbeitnehmer, die im 1. Halbjahr 1970 bei Opel

angefangen haben, erhalten 300 DM und die restliche Gruppe, die bis zum

30.11.70 bei Opel beginnt, erhält 150 DM."

Von den Vertrauensleuten und dem Betriebsrat wird das Ergebnis akzeptiert.



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet:"

Streik (vgl. 25.9.1970, 28.9.1970):"

MONTAG: DIE BESONDERS PÜNKTLICHEN



Leute, die sonst erst um 8 Uhr anfangen dürfen, waren scharenweise schon um 5

Uhr 45 im Werk: Obermeister und Betriebsräte. Sie hatten das letzte

Scharmützel zu überwachen. Aber die Finger machten sie sich natürlich nicht

dreckig: Das überließen sie wohlwollend den V-Leuten. Und was durften diese

mitteilen? 'Es ist alles klar, Kollegen! Ihr könnt ruhig wieder anfangen.

Näheres erfahrt Ihr später.'

Doch so reibungslos lief die Sache nicht ab. Immer wieder flammte die

Diskussion auf, des öfteren hörte man 'Hier wird nicht gepennt! 100 Prozent!'

Aber unsere Schwäche zahlte sich hier aus: unsere Unorganisiertheit!



LEHREN AUS DIESEM STREIK



Es genügt nicht, die Klamotten hinzuschmeißen, obwohl dies bei Opel der erste

Schritt sein mußte. Unsere Kraft muß in Zukunft gezielter, geballter

eingesetzt werden. Einem 'Gangstersyndikat' (so einige Kollegen über Opel)

kann man nur schlagkräftig begegnen, wenn man seine Schliche genau kennt,

wenn man weiß, wie es funktioniert.

Zwar haben wir Opel gezeigt, was wir auch mit 'kleinen Mitteln' zu leisten

vermögen, erfolgreicher werden wir aber erst, wenn wir planvoll vorgehen.

Das gleiche gilt für Dschungeltaktiker a la Perschke. Es genügt nicht, über

diese Bonzen zu schimpfen, um dann hinterher mit den Zähnen zu knirschen,

wenn es wieder einmal so gekommen ist, wie es bisher war. Auch diesen

'Kollegen' müssen wir auf die Schliche kommen, ihnen ihr eigenes Lied

vorsingen. Auch hat es keinen Zweck, das Gewerkschaftsbuch hinzuschmeißen.

Die IGM-Bonzen sind darüber nur allzu froh, wenn ihnen 'unangenehme' Kollegen

'freiwillig' gehen.

'Der Arbeiter ist der dümmste Hund. Wenn er wirklich wüßte, welche Kraft in

ihm steckt, würde er anders handeln.' So sind die Worte vieler Kollegen. Doch

sie sind nur z.T. richtig. Woher soll das Wissen kommen, wenn sich bisher

niemand bereitgefunden hat, es für uns hervorzuholen und an alle Kollegen

weiterzugeben?

Wenn wir wirklich etwas in Zukunft erreichen wollen, gibt es nur zwei Wege:

Erstens müssen wir klar wissen, was wir wollen, zweitens müssen wir dies

gezielt anwenden, wenn wir den Opel Herren und den 'Kollegen' von unserer

Beiträge Gnaden wirklich Paroli bieten wollen.



Das Wichtigste ist dabei zunächst eine Zeitung, die die Informationen bringt,

die für uns wirklich von Belang sind, nicht ob die BB wieder einen neuen Kerl

hat, obwohl das manchmal ganz amüsant ist. Diese Zeitung muß VON Kollegen FÜR

Kollegen gemacht werden. Sie muß auch die 'kleinsten' Informationen bringen,

denn jeder im Betrieb muß wissen, was in der Nachbarhalle los ist.

Gleichzeitig muß sie sachliche Hinweise geben, was getan werden muß, damit

unsere Interessen richtig vertreten werden können. Das Wichtigste dabei ist,

allen Kollegen immer wieder klar zu machen, daß nur unsere Einheit Erfolg

bringen kann, nicht die Versprechungen von IGM-Oberen und Betriebsräten,

mögen diese auch noch so weiße Rollkragenpullover tragen.

Aber es ist eine alte Volksweisheit, daß die schönsten Ideen nichts nützen,

wenn sie nicht durchgesetzt werden. Doch dies können wir nur erreichen, wenn

wir uns in einer Gruppe zusammenschließen und diese unterstützen, die alle

Kollegen sachlich informiert und bereit ist, Forderungen für alle auch

wirklich durchzusetzen.



Dies ist natürlich ein langer Marsch. Aber er wird sich lohnen, wenn es

diesen Kollegen immer mehr gelingt, das Vertrauen aller Kollegen zu gewinnen.

Und dieser Marsch wird zeigen, daß die Opel Bosse in Wahrheit nur Papiertiger

sind, die zwar immer wieder ihre Zähne zeigen und zubeißen, wenn wir nicht

aufpassen, deren Zähne aber im Kampf gegen alle Arbeiter nur stumpfer werden

können.



Dieser Marsch wird aber auch zeigen, daß 'Kollegen' a la Perschke und El

Mundi (Roy Black) im Vergleich zu den Opel Herren nur Papiertigerchen sind!

Ihr werdet sicherlich schon gemerkt haben, daß das, was hier gesagt wurde,

die Rote Opel-Betriebsgruppe mit der 'Zündkerze' in Angriff genommen hat."

=Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.10f;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.37,Bochum 30.9.1970;

Erwin Bawulski:Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer

Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum,Dortmund 1974



28.09.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZB ein Extrablatt ihrer 'Presse' (vgl.

25.9.1970, 27.10.1970) mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Werner

Fremd, Bochum, heraus:"

DURCHHALTEN!



Das neueste Angebot der Kapitalisten: NICHT MEHR 40 SONDERN 46 MIO. DM, d.h.

ca.70% für jeden. Allerdings für uns in Bochum nur, wenn wir wieder an die

Arbeit gehen, wie es unsere Rüsselsheimer Kollegen ANGEBLICH schon gemacht

gemacht haben. Kollegen, auch in den Septemberstreiks (1969,d.Vf.) haben die

Kapitalisten uns vorgelogen, daß die Kollegen in den anderen Betrieben schon

wieder arbeiten. So wollten sie die EINHEITLICHE KAMPFFRONT SPALTEN und

unsere Kampfbereitschaft schwächen. Lassen wir uns darauf nicht ein. Jetzt

haben wir schon 20% erkämpft und die vollen 100% (56 Mio. DM) werden wir auch

noch erreichen. Unsere amerikanischen Kollegen streiken schon seit zwei

Wochen und das Antwerpener Werk (in Belgien,d.Vf.) kann nicht mehr

produzieren, weil es kein Material mehr von uns bekommt. Den GM Bossen steht

die geschlossene Front der Arbeiterklasse in der ganzen Welt gegenüber,

entschlossen zum Kampf FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG IHRER FORDERUNGEN. Deshalb:

DURCHALTEN!



Kollegen, Rudi Hahne sagte noch Mittwoch: wir fordern 15% mehr Lohn, den 13.

Monatslohn und die Bezahlung der Streikschichten. Und jetzt haben wir gehört,

daß die V-LEUTE NACH DEM 46 MIO.-ANGEBOT AM SONNTAG ANGEWIESEN WURDEN, ZU

VERSUCHEN, UNS WIEDER AN DIE ARBEIT ZU SCHICKEN. Wenn die V-Leute damit

kommen, müssen wir ihnen gleich die richtige Antwort geben. Beim

Preßwerkstreik im Mai (vgl. 22.5.1970,d.Vf.) haben wir uns auf Verhandlungen

verlassen; hätten wir damals im Kampf durchgehalten, hätten wir den 13.

Monatslohn schon. Wenn wir uns jetzt wieder abspeisen lassen, können wir auch

gleich von den 15% Abstriche machen. Ob 15% oder 13.Monatslohn, beides setzen

wir NUR IM KAMPF durch. Wenn die V-Leute und Betriebsräte uns jetzt mit 70%

ans Band schicken wollen, dann werden die IGM Bonzen uns im Tarifkampf auch

10% als Sieg vorgaukeln. So haben sie für die Metaller in Hessen, also auch

für unsere Kollegen in Rüsselsheim, einer 10% LOHNERHÖHUNG und einer ERHÖHUNG

DES ECKLOHNS AUF 4,36 DM zugestimmt (vgl. 27.9.1970,d.Vf.). Kollegen, die

SPD-Regierung raubt uns mit ihrer arbeiterfeindlichen Politik das Geld aus

der Tasche und die Gewerkschaftsbonzen versuchen uns im Kampf für unsere

berechtigten Forderungen abzuwiegeln.



DESHALB KOMMT ES NUR AUF UNS SELBER AN. Wir dürfen uns auf niemanden

verlassen, keinen Verhandlungen trauen. Nur im entschlossenen Kampf setzen

wir unsere Forderungen durch:



- 100% 13.MONATSLOHN



- BEZAHLUNG DER STREIKSCHICHTEN



- 15% LOHNERHÖHUNG



Kollegen, wir brauchen ein STREIKKOMITEE zur besseren Organisierung des

Kampfes. In der B-Schicht übernahmen bereits am Freitag 25 Kollegen die

Führung, sorgten für stündliche Information, für Kontrollmärsche durch die

Abteilungen, für die Verhinderung der Auslieferung am Bahnhof usw. Sie haben

es am Freitag auch geschafft, sinnlose Sauferei und Randalierung zu

verhindern. Ab heute brauchen wir noch straffere Organisation, um den Opel-

Bossen einheitlich entgegen zu treten. Die Kollegen, die bisher

voranmarschiert sind bei unseren Kontrollgängen durchs Werk, diejenigen V-

Leute, die unser Vertrauen wirklich verdienen, die Kollegen, die den Streik

resolut fortsetzen, sollen als einheitliche Gruppe dafür sorgen, daß durch

alle Abteilungen Gruppen geschickt werden, die wirklich alle Kollegen zur

Solidarität zwingen, damit keine Wagen mehr das Werk verlassen! Das

Streikkomitee muß die Verbindung zu den anderen Werken aufrecht erhalten, es

muß uns regelmäßig über den Verhandlungsgegenstand informieren! Laßt euch

nicht auf den faulen Trick der Geschäftsleitung ein, am Arbeitsplatz sitzen

zu bleiben, damit ihr die Streikschichten bezahlt bekommt! Wir wollen ALLE

die Streikschichten bezahlt haben, deshalb kommt mit raus, helft uns die

Forderungen durchzusetzen, laßt euch nicht abspalten! Laßt die Meister, die

euch beschwätzen oder bedrohen wollen, alleine am Pult sitzen! Nur vereint

setzen wir unsere Forderungen durch!"



In zwei zusammen gut zwei Drittel der letzten Seite einnehmenden Texten auf

Italienisch und Spanisch ("Colleghe e Collleghi!" bzw. "Companeros y

Companeras!") wird u.a. darauf hingewiesen, daß in der Metallindustrie der

'BRD' über 100 000 ausländische und deutsche ArbeiterInnen streiken.

=Die Presse Extrablatt Durchhalten,Bochum (28.9.1970)



28.09.1970: 

Die Nr.7 des 'Roten Kabels' (vgl. Aug. 1970) der KPD/ML-ZB und KJVD

Betriebsgruppe Kabelwerke Reinshagen Bochum erscheint in dieser Woche datiert

auf September mit acht Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Werner Fremd,

Bochum, mit folgendem Leitartikel zur Metalltarifrunde (MTR):"

KAMPF FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DER FORDERUNGEN ...



Sage und schreibe 7% boten am vergangenen Montag (vgl. 21.9.1970,d.Vf.) die

Kapitalisten als Lohnerhöhung für die Metallarbeiter in NRW wie auch in

anderen Bezirken!



Diese Unverschämtheit wurde von den Kollegen richtig beantwortet: In

zahlreichen Betrieben organisierten sie WARNSTREIKS, so bei ... Opel Bochum

..."

=Rotes Kabel Nr.7,Bochum Sept. 1970



28.09.1970: 

Vermutlich heute erscheint in Bonn die Nr.7 der betrieblichen

'Arbeitermacht' (vgl. 21.9. 1970, 27.10.1970), für die wieder Jürgen Holtz

seinen Namen hergibt.

In "Streik bei Ford in Köln" (vgl. 24./25.9.1970) berichtet man auch noch von

Streiks in allen Opelwerken.

=Arbeitermacht Nr.7,Bonn o.J. (1970)



30.09.1970: 

Bei Opel Bochum wird, laut KPD/ML-ZB, das Ergebnis der Verhandlungen des

Betriebsrates mit der Geschäftsführung bekannt, welches die Bezahlung der

Streiktage, aber auch Arbeit an jedem Samstag bis Weihnachten vorsieht. Die

Kollegen würden jetzt über neue Kampfmaßnahmen gegen diesen Verrat

nachdenken.

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.38,Bochum 3.10.1970



Oktober 1970: 

Die Nr.9 des 'Roten Morgens' der KPD/ML-ZK (vgl. Sept. 1970, Okt. 1970)

erscheint.

Im zweiten Leitartikel heißt es:"

NIEDER MIT DEM VERRAT DER IG METALL!



Am Dienstag, den 22. September 1970, fast genau 1. Jahr nach den großen

Arbeiterkämpfen von 1969, wurde bei Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln

gestreikt. Am Mittwoch folgten die Arbeiter bei Felten und Guillaume, am

Donnerstag die Werktätigen bei Ford und Opel-Bochum diesem Beispiel.

Am Freitag machten diese Vorbilder Schule. ...Empört über das unverschämte 7%-

Angebot der Unternehmer verließen über 200 000 Metaller in Nordrhein-

Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und im Saarland ihre Arbeitsplätze. Sie

versammelten sich auf Fabrikhöfen und verurteilten entschieden die

Ausbeutertaktik der Kapitalisten, die darin besteht, auf Arbeiterkosten

riesige Profite herauszuschinden. Hier eine kurze Übersicht der größten dieser

Streiks:

- 16 000 bei Opel-Bochum. ...



DIE DKP IST DER WURMFORTSATZ DER VERRÄTERISCHEN IG-METALLFÜHRUNG!



Die IG Metallhäuptlinge als Agenten des Kapitals innerhalb der Arbeiterschaft

und die SPD reichen nicht aus, um die Arbeiterklasse unter Kontrolle zu

halten. Zunehmend größere Teile des Proletariats wenden sich von ihnen ab.

Die westdeutschen Monopolkapitalisten wollen diese Teile des Proletariats von

der Erkenntnis abhalten, daß nur die Aufhebung der Lohnarbeit, d.h. die

sozialistische Revolution, die Diktatur des Proletariats und der Kommunismus

die endgültige Befreiung der Arbeiterklasse bringen können. Deswegen haben im

Jahr 1968 die Vertreter des Monopolkapitalisten mit führenden Revisionisten

der verbotenen KPD die Gründung der 'DKP' ausgehandelt. Die DKP hat jene

Aufgabe übernommen, die die SPD nicht mehr voll wahrnehmen kann: dem

Proletariat durch Reformismus und Ausrichtung auf die Sandkastenspiele der

parlamentarischen Wahlen Sand in die Augen zu streuen.



Bei den gegenwärtigen Arbeitskämpfen unterscheiden sich die Parolen der DKP

in nichts von denen der IG-Metall. Durch 'weite' Auslegung der

Gewerkschaftsforderungen und durch große Rührigkeit versuchen sich die

Revisionisten als Gewerkschaftsfreunde bei den Arbeitern lieb Kind zu machen.

Dabei kritisieren sie die Gewerkschaften ein wenig, hüten sich aber, den

Verrat von Brenner und Co. als solchen zu bezeichnen, geschweige denn, dessen

Wurzeln aufzudecken. So feierte die DKP-Presse die Taktik der regionalen

Tarifabschlüsse, die zur Spaltung der Arbeiterklasse führt, als großen

Erfolg.



Denn würden die Revisionisten die volle Wahrheit sagen, müßten sie um ihre

mühsam ergatterten und gut bezahlten Positionen in der Gewerkschaft bangen.



DIE ARBEITERARISTOKRATEN IN GEWERKSCHAFTEN UND BETRIEBSRÄTEN, IN SPD UND DKP

SIND AGENTEN DES KAPITALS IN DER ARBEITERBEWEGUNG!



Wie läßt es sich erklären, daß zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und

Betriebsräte, die gleichzeitig entweder SPD- oder DKP-Mitglieder sind, in

Kampfsituationen die Seite des Kapitals einnehmen, mit allen Mitteln

abzuwiegeln versuchen und den Arbeitern weismachen wollen, die Gewerkschaft

mache das schon, sie können sich ruhig auf sie verlassen?



Es sind keine vereinzelten Fehler, wenn sie an die Streikenden appellieren,

sich nicht durch 'Außenstehende' provozieren zu lassen und selbständige

Kampfmaßnahmen zu ergreifen. Oder wenn sie den streikenden Arbeitern

empfehlen, die Arbeit wieder aufzunehmen, denn dann könnten sie mit einem

Weihnachtsgeld rechnen, das zwischen 71 und 73% eines Monatseinkommens liegt

(so geschehen bei Opel).



Mit dem Entstehen des Monopolkapitalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts

bildete sich eine verhältnismäßig kleine Schicht von Privilegierten innerhalb

der Arbeiterklasse heraus, Lenin bezeichnete diese Schicht als

'Arbeiteraristokratie'. Sie wird aus dem Extraprofit bezahlt, den die

Kapitalisten aus dem Kapitalexport schlagen sowie aus den Profiten, die beim

Export industrieller Waren gemacht werden. Dabei plündert das Monopolkapital

andere Völker rücksichtslos aus und schafft den Gewinn ins eigene Land. Diese

Profite erlangt die Kapitalistenklasse zusätzlich zu jenen, die sie aus dem

westdeutschen Proletariat herauspreßt. Damit besticht sie u.a. den Teil der

Arbeiteraristokratie, der aus Betriebsräten sowie Gewerkschaftsfunktionären

in Aufsichtsräten und Unternehmervorständen besteht.



Dazu kommt, daß die westdeutschen Gewerkschaften mit dem Geld der Arbeiter

und Angestellten kapitalistische Unternehmen gegründet haben. So gehört z.B.

die viertgrößte Privatbank in der BRD, die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG,d.

Vf.) dem DGB. Ferner ist er durch zahlreiche Aktienbeteiligungen mit den

Monopolen eng verflochten. Über diese kapitalistischen Unternehmen beutet der

DGB die Werktätigen unseres Landes sowie anderer Länder direkt aus. Aus dem

hierbei erzielten Profit verschafft er einer Vielzahl von Funktionären und

Spezialisten, die für ihn tätig sind, einträgliche Pfründe.

Viele von ihnen waren zunächst mit bester Absicht, die Interessen der

Werktätigen zu vertreten, zu den Gewerkschaften gestoßen.

Um aber ihre Stellung dort zu halten, müssen sie mit den Wölfen heulen, denn

sonst laufen sie Gefahr, hinausgeworfen zu werden.



DIE ARBEITERKLASSE BEGINNT DAS NIEDERTRÄCHTIGE KOMPLOTT DER

GEWERKSCHAFTSBOSSE MIT DEN KAPITALISTEN ZU DURCHSCHAUEN UND ZU BEKÄMPFEN!



Bei Ford in Köln (vgl. 24./25.9.1970,d.Vf.), bei Hoesch in Dortmund (vgl.

25.9.1970,d.Vf.) sowie bei Opel in Bochum (vgl. 24./25.9.1970) und (vgl.

25.9.1970) Rüsselsheim durchkreuzten die Arbeiter die hinterlistige Absicht

der IG-Metallführung und der Betriebsräte, durch kurze Warnstreiks die

allgemeine Empörung über das unverschämte Unternehmerangebot aufzufangen und

die Kollegen unter ihrer Kontrolle zu halten. Streikkomitees wurden spontan

gebildet, die die Leitung des Kampfes übernahmen. Die Solidarität der

westdeutschen Arbeiterklasse kam in der raschen Ausweitung der Streiks über

mehrere Landesgrenzen und die Köpfe der IG-Metall hinweg klar zum Ausdruck.

Vorbei sind die Zeiten, wo der westdeutsche Arbeiter sich die unverschämte

Ausplünderung durch die Kapitalisten widerstandslos gefallen ließ. Vorbei

sind auch die Zeiten, wo die Gewerkschaftsbosse ihren verräterischen

Kuhhandel mit den Unternehmern durch die angeblich mangelnde

Kampfbereitschaft der Arbeiter bemänteln konnten.



Der Streik von über 200 000 Metallarbeitern in den letzten Tagen zeigt

deutlich, daß das Klassenbewußtsein der westdeutschen Arbeiter und ihre

Kampfbereitschaft gewachsen sind. Ebenso wie die Septemberstreiks des letzten

Jahres ist er ein unübersehbares Anzeichen für kommende Klassenkämpfe. Obwohl

dies zweifellos ein Erfolg ist, dürfen wir die Schwächen nicht übersehen, die

auch während der jetzigen Streiks klar auftraten. Noch relativ wenige

Arbeiter durchschauen das auf ihre Kosten organisierte Zusammenspiel zwischen

Gewerkschaftsführung, Kapitalistenklasse und ihren politischen Handlangern.



Die langandauernde Schwäche der kommunistischen Bewegung (Verfolgung durch

den Faschismus und das westdeutsche Monopolkapital, der Übergang der gesamten

Führung und großer Teile der KPD zum Revisionismus) wirkt sich immer noch

aus. Die jahrzehntelange fast ungebrochene Vorherrschaft opportunistischer und

revisionistischer Ideen innerhalb der Arbeiterbewegung hat tiefe Spuren im

Klassenbewußtsein des westdeutschen Proletariats hinterlasse. Dazu kommt, daß

die Haltung vieler Arbeiter gegenüber dem Sozialismus durch ihre Sicht der

Verhältnisse in der DDR bestimmt wird. Millionen verurteilen mit Recht die

Ulbricht-Clique und prangern die Diktatur der neuen bürokratischen

Bourgeoisie in der DDR als volksfeindlich an. Viele begannen jedoch an den

Grundsätzen des Sozialismus und Kommunismus zu zweifeln, ließen sich

ideologisch entwaffnen und verfielen der Resignation.



Sie erliegen daher verhältnismüßig leicht dem Trommelfeuer der

kapitalistischen Propaganda in ihren vielfältigen Formen, das darauf

gerichtet ist, die Arbeiterklasse zu spalten und ihre Kampfkraft zu lähmen.



Erst durch den Aufbau einer starken bolschewistischen Partei, der KPD/ML, die

den politischen Kampf des Proletariats führt, werden die Voraussetzungen

erfüllt, um den Kampf gegen das Kapital und seine Agenturen innerhalb der

Arbeiterklasse erfolgreich in Angriff zu nehmen. Die Aufgabe der Kommunisten

muß es sein, gleichzeitig mit dem Kampf um die Verbesserung der

Lebensverhältnisse des Volkes, den politischen und ideologischen Kampf gegen

die Kapitalistenklasse zu führen. Dazu müssen sie die Agenten dieser

Ausbeuterclique innerhalb der Arbeiterbewegung unerbittlich entlarven und

unermüdlich bekämpfen.



Mit dem Volk müssen sie sich unbedingt verbinden, stets das Prinzip: 'Vom

Volke lernen, dem Volke dienen' beachten und das Klassenbewußtsein des Volkes

nach und nach zu heben trachten.



Die Roten Betriebsgrupppen der KPD/ML sind Organisationen der werktätigen

Massen, die diesen umfassenden Kampf auf der richtigen Grundlage führen.



BAUEN WIR DESHALB STARKE ROTE BETRIEBSGRUPPEN AUF!"



Auch von Opel Bochum, wo man die 'Zündkerze' (vgl. Okt. 1969, Okt. 1970)

herausgibt wird ausführlicher berichtet.

=Roter Morgen Nr.9,Hamburg Okt. 1970



Oktober 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.10 (vgl. Sept. 1970,

Nov. 1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.10,Bochum Okt. 1970;

Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.14



Oktober 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Oktober eine Flugschrift 'Metall

aktuell' zur Metalltarifrunde (MTR) heraus.

=Metall aktuell,Bochum o.J. (1970)



Oktober 1970: 

Die KPD/ML-ZK feiert bei Opel Bochum das einjährige Bestehen (vgl. Okt.

1969) ihrer 'Zündkerze' (vgl. Sept. 1970, 9.11.1970) mit einem Artikel

"Klassenkampf bei Opel - Die Rote Betriebsgruppe und die Zündkerze" im 'Roten

Morgen'.

Der Artikel erwähnt die Betriebszeitung der KPD/ML-ZB 'Die Presse' (vgl.

15.9.1970, 27.10.1970) nicht.

Zu den "Drei Wällen des Kapitals" (vgl. 10.6.1970) heißt es:"

In einem Leitartikel über 'Die drei Wälle des Kapitals' wurde erklärt, wie

die Kapitalistenklasse sich die Arbeiter nicht nur durch den 'inneren Wall'

des Armee, - Polizei und Staatsapparat, nicht nur durch den 'Wall' der

Konzernverwaltung, sondern auch durch den 'äußeren Wall' des

Gewerkschaftsapparates vom Leibe und in Unterdrückung hält.

Die Zündkerze sagte, daß die Arbeiter bei jedem Kampf gegen das Kapital

zwangsläufig mit dem 'äußeren Wall' zusammenstößen würden. Sie sagte weiter,

daß der 'äußere Wall' bei Opel in erster Linie der Betriebsrat ist. Die

Zündkerze zeigte die Notwendigkeit des Kampfes gegen die drei Wälle, um das

Kapital zu stürzen, das wie eine schwere Last auf den Arbeitern liegt. Sie

zeigte, wie es in den Ländern aussieht, in denen im Gegenteil die Arbeiter

'obenauf' sind: zum Beispiel in China. Die Zündkerze suchte eine klare,

verständliche Frage. Sie ging nach Möglichkeit von konkreten Beispielen aus.

So wurde die Funktion der IG Metall (IGM,d.Vf.) als Fünfte Kolonne des

Kapitals in der Arbeiterklasse am Beispiel des Betriebsratsvorsitzenden

Perschke sowie des Betriebsrates (BR) Black erklärt ... Es wurde erklärt,

daß zwar auch die Vertrauensleute (VL) auf dem 'äußeren Wall' des Kapitals

namens IGM sitzen, daß aber einzelne Vertrauensleute in Kampfsituationen von

dort her nicht nach außen gegen ihre Kollegen, sondern nach innen gegen die

Burg des Kapitals kämpfen.

Die Zündkerze wurde im Laufe der Zeit bei Opel populär. Das lag nicht nur

daran, daß sie auch (politische) Witze und Kreuzworträtsel brachte. Das lag

daran, daß immer mehr Kollegen sahen, daß sie die Wahrheit sagte. Sie

drückten das so aus: 'Die Zündkerze ist ja radikal, aber sie ist nicht

unsachlich'. Um die Zündkerze entstand eine kleine Gruppe von ständig

mitarbeitenden Kollegen sowie eine etwas größere Gruppe von Sympathisanten."

=Roter Morgen Nr.9,Hamburg Okt. 1970



01.10.1970: 

Eine Extra-Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten

Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint, laut einer

handschriftlichen Datierung, heute in Bochum (vgl. 25.9.1970, 2.10.1970) mit

zwei Seiten DIN A 4. Uns liegt eine Ausgabe mit eingedrucktem rotem Mao-Kopf,

gedrängter Textdarstellung und einer halben Seite auf Spanisch vor sowie eine

andere, lediglich schwarzgedruckte Ausgabe mit ausschließlich deutschen Text,

der aber identisch ist:"

KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Heute vor einer Woche begann unser Streik für volle 100% eines 13.

Monatsgehaltes. Doch fragen wir heute, was davon übriggeblieben ist, so kommt

man aus der ganzen Rechnerei nicht wieder heraus. Zwar haben einige Kollegen

gesagt, 71% seien auch schon ganz schön, aber schaut man sich die Sache

genauer an, so trifft dies in keiner Weise zu. Die Weihnachts'gratifikation'

wird noch nicht einmal das wettmachen, was uns an Preiserhöhungen Weihnachten

erwartet.



Im letzten Jahr wurden 180 Stunden für die Berechnung zugrundegelegt. In

diesem Jahr sind es nur noch 173,3 als 6,7 Stunden gleich ca. 4% weniger.

Das bedeutet, daß die 150 DM nur noch 144

die 300 DM nur noch 288

die 71% nur noch 67%

die 73% nur noch 69% usw. wert sind. (Außerdem: Warum sind nicht nicht die

wirklich von uns geleisteten Stunden, z.B. am Samstag, berechnet worden?)

Hinzukommt dabei noch, daß dies alles auf den alten Lohn, nicht auf den neuen

angerechnet werden soll, der jetzt ausge'handelt' wird. Gehen wir davon aus,

daß wie in anderen Tarifbezirken der Ecklohn von 4,38 DM auf 4,50

vorwegangehoben werden soll und die IGM uns wie in Hessen usw. zum

'freiwilligen Verzicht' auf 5% bewegen will, so heißt das, daß die Prozente

noch mehr schrumpfen.



Legen wir einen Lohn von 1 000 DM brutto zugrunde (entspricht etwa der

Lohngruppe C gleich 5,81 DM bei Opel), so wird der neue Lohn ab 1. Oktober

wahrscheinlich 1 078 DM sein. Dieser Lohn aber hätte eigentlich für das

Weihnachtsgeld als Grundlage gelten müssen. 71% nach diesem Lohn wären dann

'immerhin' noch 760 DM.



Doch schön wärs! Nach unserer Rechnung gibt es nur 67% von 1 000 DM, d.h. sage

und schreibe 670 DM. Auf die Differenz zwischen 760 und 670 DM läßt man uns

großzügigerweise verzichten.



Vertieft man sich allerdings noch mehr in diese Zahlen, so wird einem Angst

und bange: Wer bekommt z.B. von den über 55 000 Belegschaftsmitgliedern bei

Opel die für alle geforderten 100%?? Ganze 850! Davon sind 800 in Rüsselsheim,

der Rest verteilt sich auf Kaiserslautern und Bochum.



WOZU DIESE GANZE RECHNEREI?



ERSTENS deshalb, um zu zeigen, wie 'großzügig' Opel uns gegenüber ist. Aber

das pfeifen ja schon die Spatzen von den Dächern, daß uns hier und auch

anderswo nichts geschenkt wird. ZWEITENS vor allem aber deshalb, weil der

Betriebsrat und die meisten Vertrauensleute zwar immer wieder laut getönt

haben, das Erriechte sei ja gut, mehr sei nicht dringewesen. Wenn man

allerdings einmal genauer hinter diese Kulissenschieberei sieht, merkt man

erst, warum immer mit diesen Zahlen jongliert und angegeben wird: Damit ja

kein Kollege diesen Herren auf die Schliche kommt!



Wer von uns hat schon so viel Zeit, wirklich alles einmal nachzurechnen. Und

ob nach der ganzen Rechnung alles stimmt, ist dann immer noch nicht klar: weil

Betriebsleitung und Betriebsrat mit verdeckten Karten spielen. Wer allerdings

vom Betriebsrat verlangt, mit offenen Karten zu spielen, der verlangt, daß

Tote auferstehen.



BEZAHLUNG DER STREIKSCHICHTEN? ABER WIE?



Aber damit nicht genug. Nicht nur hinsichtlich des Weihnachtsgeldes durften

wir 'freiwillig verzichten', sondern auch in Bezug auf unsere freien Samstage.

Erst hat der Betriebsrat den Mund aufgerissen, er werde sich hart dafür

einsetzen, daß die Streikschichten bezahlt werden (wie beim Bochumer Verein

(Krupp BV,d.Vf.) und den Streiks im letzten Herbst). Jetzt versucht er uns

einen seiner typischen 'Kompromisse' zu verkaufen: Wir sollen bis Weihnachten

alle 14 Tage Samstags arbeiten, dann würden auch die Streikschichten bezahlt.

Er meint, wir sollten so behandelt werden wie dumme Schuljungen: Bei Unfug muß

zur Strafe nachgesessen werden. Wie allerdings Weihnachtseinkäufe usw.

erledigt werden sollen, ist Betriebsleitung und Betriebsrat egal. Hauptsache

der Rubel rollt - für Opel!



WAS KÖNNEN WIR DAGEGEN TUN?



Zwar haben wir seit Montag keinen Streik mehr, aber die Gelegenheit, gegen

diese Schiebereien anzugehen, ist noch längst nicht vorüber. Das zeigt die

Stimmung im Betrieb und die ganzen Streiks in den letzten Tagen. Unser erstes

Anliegen müßte sein, einen genauen Überblick darüber zu bekommen, wer mit den

Verhandlungs'ergebnissen' einverstanden ist oder nicht. Das würde bedeuten



1) Abstimmung auf der heutigen Betriebsversammlung über Annahme oder Ablehnung

(dazu eine Unterschriftensammlung, damit alle Kollegen erreicht werden können)



2) Eine Betriebsversammlung für die Frühschicht, die ihr rechtlich zusteht,

mit dem gleichen Inhalt (notfalls eine extra Unterschriftensammlung laut

Betriebsverfassungsgesetz (BVG) zur Durchsetzung dieser Versammlung)



Durchführen sollten dies alles die Vertrauensleute und Kollegen, die sich

nicht zum Handlanger von Betriebsrat und IGM machen möchten.



Bei Ablehnung des Verhandlungsergebnisses bedeutet dies: Beibehaltung unserer

bisherigen Forderungen:

1) 100% GLEICH 13. MONATSGEHALT

2) BEZAHLUNG DER STREIKSCHICHTEN OHNE SAMSTAGSSCHICHTEN

3) 15% GLEICH 1 DM LOHNERHÖHUNG FÜR ALLE BZW. 180 DM FÜR ANGESTELLTE."



=Zündkerze Extra Heute vor einer Woche begann unser Streik …,

Bochum o.J. (1.10.1970)



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Bochum_Opel094





01.10.1970: 

In Bochum findet bei Opel eine Betriebsversammlung (BV) statt, auf der die

Kollegen, laut KPD/ML-ZB, ein minutenlanges Pfeifkonzert gegen den

BR-Vorsitzenden Perschke veranstalten, als dieser das Ergebnis der

Verhandlungen mit der Geschäftsleitung bekanntgibt. Dieser habe behauptet,

daß die erreichten 70% des 13.Monatslohnes plus der 30% Urlaubsgeld doch

100% ausmachten. Aber nur die Kollegen, die bereits seit 1930 oder länger

im Werk seien bekämen einen vollen 13. Monatslohn. Das seien gerade mal

850 der insgesamt 56 000 Opelkollegen. Außerdem werden die 70% vom alten

Lohn berechnet.

Der Betriebsrat sei noch nie zuvor so scharf angegriffen worden.



Die 'Bochumer Studenten Zeitung' berichtet 1972:"

Die Rote Betriebsgruppe der KPD/ML (Roter Morgen), deren Betriebszeitung

'Zündkerze' (einen) Lohnkampf unterstützt hatte, ließ durch einen

Werkstudenten, der AStA-Mitglied war, eine Erklärung in deutsch und

spanisch verlesen. Sie fand den nahezu ungeteilten Beifall der Kollegen.

Versuche des SPD-Betriebsratsvorsitzenden Perschke, die Rote Betriebsgruppe

und den Werkstudenten zu diffamieren, werden von über 5 000 Arbeitern fast

einhellig durch ein minutenlanges Pfeifkonzert zurückgewiesen. "



Laut KPD/ML-ZK handelt es sich um die eigentlich für den September fällige

Versammlung, die aber zwecks Ausschaltung der Belegschaft in der

Metalltarifrunde (MTR) hinausgezögert worden sei:"

DSCHUNGELTAKTIK - BERICHT ÜBER DIE LETZTE BV



Die Eingangshalle von D4 war voll. Voller als sonst bei einer BV. Auch von

der A-Schicht waren mehr geblieben als sonst. Jeder wollte endlich genau

wissen, was seit dem Streik gespielt wurde.

Die Stimmung war dementsprechend geladen, um nicht zu sagen explosiv. Schwere

Zeiten also für den Betriebsrat. Hier galt es: Hatte er bei der IGM-

Rednerschulung gelernt oder gepennt.

Denn: Des Betriebsrats Gegner, das war die BV!

Schon bevor Gantenberg (2. Vors.) seine üblichen Begrüßungsworte loswerden

konnte, setzte ein minutenlanges Pfeifkonzert ein.

In diese 'freundliche' Stimmung hinein geriet nun 'Kollege' Perschke. Ehe er

sich recht versah, passierte ihm das gleiche 'Mißgeschick' wie Gantenberg.

Seine 3/4-stündige Rede hatte praktisch immer dasselbe Thema: die

Weihnachtsgeldfrage und wie unschuldig der BR an deren 'Lösung' war.

So erklärte Perschke:

'73% Weihnachtsgeld und dazu das Urlaubsgeld, Kollegen, das sind doch auch

100%.' Beim Urlaubsgeld tat er so, als sei das was Besonderes, was es in

anderen Betrieben nicht gebe.

Als IGM-Oberer müßte er dies allerdings besser wissen...

Äußerst heikel war es für ihn, wie er uns die Strafsamstage 'begreiflich'

machen wollte. Es wären keine Strafsamstage. Vielmehr lägen sie in 'unser

aller Interesse.'

Einige Kollegen drehten sich daher um. Es war aber außer BR und Werksleitung

niemand im Saal, der an diesen Strafsamstagen ein Interesse hatte.

Wen er allerdings mit 'uns' meinte, stellte sich sofort heraus: Als er wieder

einmal zur 'wirtschaftlichen Vernunft' aufrief. Er meinte also, wir seien

genauso zu behandeln wie die, die uns laufend mit dieser 'wirtschaftlichen

Vernunft' in den Ohren liegen, die Brandt, Schiller und Companie.

Damit dies allerdings nicht so offen rauskam, startete er noch ein kleines

Scheingefecht auf die Werksleitung. Sie habe zuwenig investiert.

Das stimmt eindeutig nicht, lieber 'Kollege'. Sie hat in uns so viel

investiert, daß wir lauter Investierung übermütig wurden und streikten...

Angeblich gingen laut Perschke 420 Mio. DM wegen der schlechten Geschäftslage

von General Motors über den großen Teich. Hier hat er tatsächlich einmal

unrecht. Die Geschäftslage von GM ist so 'miserabel', daß sie 'nur' 1,5

Milliarden DOLLAR erbrachte (laut Handelsblatt vom 22.9.1970). Außerdem ist

sie so 'miserabel', daß Herr Mason und Co. jährlich über 300 000 DM an

Vorstandsgehältern abstauben (laut Capital vom 10.10.1970).

Nach dieser äußerst sachlichen Rede bekam Kollege Lorenz (CDU!) vom

Rüsselsheimer (in Hessen,d.Vf.) Betriebsrat das Wort. (In Rüsselsheim munkelt

man schon, er sei unsterblich, so lange ist er schon im BR!) Er forderte uns

auf, bei Angleichung von Rüsselsheimer Löhnen an Bochumer Solidarität zu

üben. Über den Streik in Rüsselsheim ließ er allerdings nichts verlauten.

Endlich, nach über einer Stunde, hatten wir dann das Wort. Der BR und die

Werksleitung bekamen äußerst freundliche Worte zu hören.

Besonders stürmischen Beifall erhielt Kollege J., als er sich in ironischer

Weise bei Werksleitung und BR bedankte, wie gut sie zusammengearbeitet

hätten.

'EL MUNDIS' AUFTRITT



Ein anderer Kollege schilderte sehr ergreifend, wie 'Kollege' Roy Black immer

zuerst die meister begrüße, wenn er sich einmal bei den Kollegen blicken

ließe; für die Kollegen habe er allerdings fast nie Zeit.

El Mundi (so sein neuer Name bei vielen Kollegen) war ohnehin sehr gefargt.

Immer wieder wurde er aufgefordert, sich seinen Bewunderern zu zeigen.

Als dann immer mehr die Rufe 'Aufstehn!' - 'Schöner süßer Harry!' - 'El

Mundi!' ertönten (sein weißer Rollkragenpullover war sehr gefragt), MUSSTE er

sich zeigen, nachdem auch Perschke ihn davon überzeugt hatte.

Aber El Mundi hatte sich eine ganz neue Masche ausgedacht. Er, der sonst

immer nur die feinsten Worte in den Mund nimmt, großen Wert darauf legt, daß

er auch mit Studenten verkehrt, sprach plötzlich 'wie einer von uns'. Hatte

er sich auf einmal daran erinnert, daß er früher da unten stand?! Sicherlich

nicht.

Unter 'weniger feinen Leuten' wie uns nennt man solches Reden: Anbiederei!

Und WAS er sagte, war auch nicht gerade nach Gentleman-Art.

Warum hatte er nicht den Mumm, uns offen ins Gesicht zu sagen, daß er nur

Angst um seinen Posten hat? - Immer diese weinerliche Tour 'Ich habe doch...

und das habe ich nicht.' Er muß wohl sehr genau gespürt haben, daß seine

berühmte Schönheit immer mehr Runzeln bekommt.



Nun, wir hoffen nur, daß 'El Mundi' uns noch lange erhalten bleibt. Solch

einen BR bekommen wir so schnell nicht wieder...



Kollege Starostik aus Abteilung 3371 ('Zündkerze') wies nach, wie der BR

versucht hatte, den Streik abzuwiegeln mit dem Hinweis auf das

Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.). Er konnte in seiner Rede Perschke der

Lüge überführen, denn das, was dieser Betriebsrat im BVG gelesen haben

wollte, steht eindeutig nicht drin.

Starostik brachte in seiner Rede den Geschäftsordnungsantrag vor, hier in der

BV über das Verhandlungsergebnis zwischen BR und Werksleitung abzustimmen.

Der BR, der aber bei Streiks das BVG 'sehr gut' kennt, hatte hier plötzlich

alles 'vergessen'. Der Versammlungsleiter hätte nämlich auf jeden Fall eine

Abstimmung durchführen müssen. So steht's nachzulesen in den Kommentaren zum

Paragraphen 44 des BVG! Warum nicht abgestimmt wurde, kann sich jeder Kollege

genau denken...

Peter Jaszcyk ('Rosa Kadett') (DKP,d.Vf.), der bei uns einen ziemlich guten

Ruf hatte, weil er in früheren BVs gute Vorschläge gemacht hatte, ging hier

voll und ganz auf D'K'P-Linie ein: auf den Antrag der ZK ging er mit keiner

Silbe ein, dafür unterstützte er offen den BR.



PERSCHKES TRAUMA



In seiner Schlußansprache belobigte sich Perschke immer wieder, wie er

'unter Einsatz seiner Gesundheit' (dann soll er nicht so viele Geschäftsessen

mitmachen!) für uns eintrete. 'Aufrichtige Kritik in Ehren, Kollegen, aber

ich warte nur auf den Moment, wo ICH wieder am Band stehe (wir auch, lieber

'Kollege'!) ...dann werde ich Kritik üben!' - Gottseidank werden wir auf

diesen Moment wohl noch ein Weilchen warten müssen, sind doch aller

Wahrscheinlichkeit nach die BR-Wahlen ins Jahr 72 entrückt worden (BRW - vgl.

9.5.1972,d.Vf.).

Die Reaktion auf diese 'Worte des Vorsitzenden Perschke' unter den Kollegen

dürfte ihn erschauern. Als er davon sprach, wieder ans Band zu müssen, meinte

eine Kollegin: 'Am Band will er stehen? Am Brillantarmband vielleicht!' -

Und als er meinte, nicht mehr lange im BR zu sein, meinten einige Kollegen:

'Dann wird er wahrscheinlich Arbeitsdirektor!'

Das glauben wir auch: Perschke wird schon so versorgt werden, daß er nicht

wie wir den Bandkoller kriegt...

Aber nicht nur für uns riskiert er seine Gesundheit. Er fühlt sich auch als

'Verteidiger dieser sozialen Rechtsordnung'! Wir müssen da leider

feststellen, lieber 'Kollege', daß wir von 'sozial' noch nichts gemerkt

haben, allerdings von 'unsozial', es sei denn Sie meinten die soziale

RECHTSordnung der Kapitalisten, die für uns Antreiberei und Ausbeutung

bedeutet. (Sollten Sie das noch nicht begriffen haben, wir laden Sie gern zur

Sitzung der Roten Opel-Betriebsgruppe ein, wo Sie ihr wirtschaftliches und

soziales Grundwissen sehr gut erweitern können.)



Als seine Schlußansprache nicht ganz zog, riskierte er den Sprung ins kalte

Wasser und griff den Sprecher der 'Zündkerze' an: 'Noch ein Wort zu dem

Werkstudenten, der da eben geredet hat. Er hat selbst gesagt, ihm könne nicht

allzuviel passieren, wenn er hier redet... Solche Studenten machen nur, was

ihnen Spaß macht. Genau diese Leute sind es, die nachher die Direktorensessel

einnehmen und dann den Arbeitern in den Hintern treten.'

Dazu von uns folgendes:

ERSTENS war es nicht Kollege Starostik, der die Kollegen während des Streiks

in den Hintern trat, sondern jemand anders...

ZWEITENS gibt es eine Reihe von Betriebsräten, die das Treten noch besser

können. Bei VW werden diese inzwischen 'nach getaner Arbeit' mindestens zu

Meistern. Oder zu Betriebsleitern wie in einem Bochumer Betriebe.

UND DRITTENS: Warum wohl haben die Kollegen der 'Zündkerze' einen Studenten

gebeten, für sie zu sprechen?

Da Sie, Herr 'Kollege' Perschke, schon in der BV nicht zugehört haben, müssen

wir dies für Sie wiederholen: Weil sich Betriebsleitung und Betriebsrat ganz

nett gefreut hätten, diesen 'Rädelsführern' einmal 'persönlich' zu begegnen.

Darauf legen wir aber vorerst keinen gesteigerten Wert, denn immerhin haben

wir Familie. Da aber die Kollegen immer wieder forderten, es sollte endlich

einmal jemand von uns reden, haben wir diesen Weg vorgezogen.

Der Sinn Ihrer Springer-Propaganda, Herr 'Kollege', die 'Zündkerze' zu

diffamieren, zog aber nicht. Ein Kollege hat keine Angst vor Papiertigerchen.

Die haben wir schnell gefressen."



Zu den Äußerungen Perschkes über Studenten verbreitet die KPD/ML-ZK:"

EIN 'ERFUNDENES' GESPRÄCH ZWISCHEN 'ZÜNDKERZE' UND HERRN P.



P: Gehe ich recht in der Annahme, daß ihr sehr freundlich zu DEN Studenten

seid?!...

ZK: Herr P., sie sollten langsam wissen, daß es solche und solche Studenten

gibt. 'Die' Studenten müssen sie uns erst einmal zeigen!

P: Äh...Hm...Äh.............

ZK: Trotz Ihrer Bildung wissen Sie keine Antwort?

P: Nun seid doch nicht gleich so dogmatisch. Ich bin doch auch dafür, daß die

Studenten besser ausgebildet werden...

ZK: Besser für wen? Herr 'Kollege'. Etwa für uns Arbeiter? Die Spatzen

pfeifen es inzwischen auch von den Opel-Dächern, daß in diesem Staat die

Studenten, alle, GEGEN die Arbeiter ausgebildet werden, ob sie nun Lehrer

oder 'Volks'wirt werden wollen.

P: Seht Ihr, also habe ich doch recht, wenn die Studenten hinterher treten?!

ZK: Waren Sie bei deren Ausbildung dabei?...

P: Wie soll ich verstehen, das weise ich entschieden zurück!...

ZK: Wer sich den Schuh anzieht, dem paßt er auch.

P: SIE stecken also doch mit diesen randalierern unter einer Decke!

ZK: In der Tat! Wir sind froh über jeden, der für uns Arbeiter eintritt. Wie

damals im Kampf gegen die Notstandsgesetz (NSG,d.Vf.) und gegen die Springer-

Zeitungen. Sie haben wir damals aber nicht entdecken können.

P: Ich...äh...doch...

ZK: Dafür aber Herrn 'Kollegen' Lorenz aus Rüsselsheim, ihren Freund von der

CDU. der hat damals ganz schön mitgemischt...

P: Na seht Ihr, haben wir doch was getan!!!

ZK: Ja, gegen uns. Er sprach nämlich FÜR die NS-Gesetze!

P: Kommen wir zu etwas anderem. Wie geht es Herrn Starostik, der für Euch in

der BV sprach.

ZK: danke der Nachfrage. Er hilft uns momentan, Kollegen in Rechtssachen zu

helfen. Er ist nämlich Jurist.

P: sehr löblich.

ZK: Und er hilft uns, die IGM-Satzung zu verstehen.

P: Ist die so schwer?

ZK: In der Tat! Sie wurde nämlich nicht von Arbeitern gemacht, sondern von

Bonzen, wie WIR das nennen.

P (hastig):Dachte ichs mir doch, daß Sie selbst Randalierer sind.

Gewerkschaftsfeinde! Hetzer! (Er geht entrüstet weg.)

ZK (ruft ihm nach): Herr 'Kollege' Perschke, wir danken Ihnen für dieses

Gespräch!"

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.38 und 39,Bochum 3.10.1970 bzw.

7.10.1970,S.* bzw. S.*;

Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz und Nr.2,Bochum o.J.

(24.9.1970) bzw. o.J. (27.10.1970),S.2 bzw. S.3;

Bochumer Studenten Zeitung Nr.95,Bochum ****1972,S.5;

Zündkerze Extra Heute vor einer Woche begann unser Streik ..., Nr.4 und Nr.5,

Bochum o.J. (1.10.1970), Sept. 1970 bzw. o.J. (Nov. 1970),S.1, S.4 bzw. S.2ff



02.10.1970: 

Die OG München der KPD/ML-ZK gibt vermutlich heute das folgende Flugblatt

mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Joseph Hirsch, München,

Georgenstr.58 zur MTR der IGM heraus:"

HEIMTÜCKISCHE SPALTUNGSMANÖVER ...



FALLE 5:



Um der aufgestauten Empörung der Arbeiterschaft Herr zu werden, zetteln die

Gewerkschaftsbonzen selbst kurze Warnstreiks an. Ihre stille Hoffnung dabei:

Dampf ablassen bevor es zur Explosion kommt.



'In Frankfurt will niemand recht den Streik, denn er kostet

Gewerkschaftsgelder. Die investiert man auch in Frankfurt lieber in andere

Dinge als in den Lohnkampf. Aus diesem Grund sind die Protest- und

Warnstreiks gewollt und als taktisches Mittel des Schlagabtausch eingeplant

worden'. Soweit Springers 'Welt' vom 29.9.1970. Aber die Arbeiter rissen der

IG-Metall-Zentrale die Zügel aus der Hand. Aus einem Funken wurde ein

Steppenbrand, aus einer Streikstunde wurden Streiktage. Machen wir es wie die

Kollegen bei Opel und anderswo!"

=KPD/ML-ZK-OG München:Heimtückische Spaltungsmanöver,München o.J. (Okt. 1970)



02.10.1970: 

Eine spanische Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten

Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint vermutlich frühestens Ende

dieser Woche in Bochum (vgl. 1.10.1970, 29.10.1970) mit zehn Seiten DIN A 4

und auch einem Artikel aus der 'Vanguardia Obrera' der PCE/ML.

=Zündkerze Edicion Espanola,Bochum o. J. (1970)



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05.10.1970: 

Bei den Stahlwerken Bochum (SWB) gibt die DKP vermutlich in dieser Woche

ein zweiseitiges Extrablatt ihrer 'Stahlhart' (vgl. Juli 1970, Jan. 1971)

unter Verantwortung von Willi Kruschewski und der Schlagzeile "Es geht nicht

nur um Pfennige !!" heraus.

Ausgeführt wird auch:"

Die 'Opelaner' in Bochum bewiesen, daß, wenn man entschlossen kämpft, die

Erfolge größer werden. Sie erzwangen bedeutend mehr, als die Opel-Bosse

ursprünglich gewillt waren zu zahlen.

Was die 'Opelaner' schafften, ist für die Stahlarbeiter erst recht möglich.

Die Forderung kann nur lauten:

15 PROZENT ODER URABSTIMMUNG!"

=Stahlhart Extrablatt Es geht nicht nur um Pfennige !!,Bochum o.J. (Okt.

1970)



12.10.1970: 

Die 'Sozialistische Betriebskorrespondenz' (SBK) gibt eine Sonderausgabe

für NRW (vgl. 29.9.1970, 12.11.1970) heraus, die sich mit der

Metalltarifrunde (MTR) befaßt. Hierbei finden u.a. Erwähnung Opel.

=Sozialistische Betriebskorrespondenz Sdr.ausgabe für NRW,Offenbach

12.10.1970



15.10.1970: 

Die Opel-Betriebsgruppe Bochum der KPD/ML-ZB (IGM-Bereich - vgl. 22.1.1971)

berichtet anläßlich der dortigen Betriebsversammlung (BV - vgl. 18.12.1970):"

Das wahre Gesicht der SPD-Funktionäre erkannten allerdings diejenigen

Kollegen, die am 15.Oktober die Versammlung der SPD-Ortsgruppe Bochum-

Querenburg besuchten: Es sollte über den Tarifkampf (MTR bzw. STR der IGM,d.

Vf.) diskutiert werden; angekündigt war die Beteiligung von Perschke und

Fritz Wirtz von der IGM-Ortsverwaltung. Der Versammlungsleiter, SPD-

Landtagsabgeordneter Hereth, entschuldigte die Abwesenheit von Perschke und

Wirtz: Sie müßten den Streik für volle 15% vorbereiten.



In der Betriebsversammlung Werk 1 aber erklärte Perschke, zu der Sitzung der

Ortsgruppe Querenburg sei er deswegen nicht hingegangen, weil er von der

Teilnahme von Kommunisten gehört hätte, die ihn offen als Arbeiterverräter

bezeichnet hätten. - Was er ja auch ist."

=Die Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971,S.6f



17.10.1970: 

Die DKP gibt ihre 'Unsere Zeit' (UZ) Nr.42 (vgl. 10.10.1970, 24.10.1970)

heraus.

Zu der Nr.42 ihrer 'Unsere Zeit' veröffentlicht die DKP auch eine Beilage

"September-Streiks '70", in der auch ein Artikel von Jakob Goldberg, "Die

Abenteurergruppen der Spaltpilze arbeitet Bossen in die Hände - Die

sogenannte KPD-ML versuchte an der Kampfbereitschaft der Arbeiter ihr

Süppchen zu kochen" zur KPD/ML-ZB und zur KPD/ML-ZK erscheint, in dem es

u.a. heißt:"

Bei Opel in Bochum versuchte die Gruppe, die Belegschaft gegen den

Betriebsrat aufzuwiegeln. In einem von Stefan Bock herausgegebenen Pamphlet

wird die gewählte Vertretung der Arbeiter und Angestellten als 'fünfte

Kolonne' der Werksleitung verunglimpft. Indem die IG Metall 'nur allgemein 15

Prozent fordert, verwirrt und spaltet sie die Arbeiter' heißt es in einem

anderen Elaborat, für das ebenfalls Bock verantwortlich zeichnet. ...



Die Betriebszeitungen der DKP stellen die Spaltpilze vor den Arbeitern bloß.

So warnte 'tatsachen' (Krupp) die Gruppe, 'in ihrem Verhalten nicht zum

politischen Gangstertum abzurutschen'. Scheinbar sind sie auf beiden Ohren

taub. Ihre neuerlichen Angriffe auf die IG Metall und die Verleumdung von

Betriebsratskollegen zeigten, daß sie die 'Geschäfte der Unternehmer

besorgen'.



Abenteurertum kennzeichnet die Gruppe, von der sich manchen Arbeiter

irreführen lassen. Sie spielt dem Großkapital, das aus jeder Zersplitterung

der Arbeiter, Angestellten und ihrer Gewerkschaften Nutzen zieht, direkt in

die Hände. Während die rechten Opportunisten von den Kollegen leichter zu

durchschauen sind, tarnt sich die KPD/ML damit, daß sie vorgibt,

kommunistisch zu sein. Die Spalter haben indessen mit den Kommunisten nichts

gemein, die auch in den jüngsten Lohnbewegung wieder bewiesen haben, daß sie

verantwortungsbewußt handeln. Den Kommunisten geht es in jeder Tarifbewegung

darum, daß sie den Kampf um die Forderungen der Arbeiter mit und nicht gegen

die Gewerkschaften führen. In solchen Kämpfen wird das Klassenbewußtsein

herausgebildet, das notwendig ist, um tiefergehende gesellschaftliche

Veränderungen in Richtung auf den Sozialismus durchzusetzen."



Dazu gibt es später einen Leserbrief (vgl. 14.11.1970).

Die KPD/ML-ZK antwortet bei Opel Bochum auf diesen Artikel (vgl. 9.11.1970):"

'UZ' AUF SPRINGERS SPUREN



Die 'UZ' nennt sich 'sozialistische Volkszeitung'. Doch was sie schreibt, ist

das Gegenteil von sozialistisch. Der untenstehende Artikel ist ein

leuchtendes Beispiel dafür. - Wenn sie die 'Zündkerze' zitiert, so zitiert

sie absichtlich falsch: 'In dem die IG Metall nur 'allgemein 15% fordert,

verwirrt und spaltet sie die Arbeiter' heißt es in einem anderen Elaborat...'

- Das Ende des Satzes wird absichtlich weggelassen: 'und überläßt es den

Betriebsräten, in 'betriebsnahen' Verhandlungen auszulegen, was 15% heißt.'

Warum diese Unsachlichkeit? Weil es der D'K'P nicht in den Kram paßt, wenn

Leute wie Perschke so bezeichnet werden, wie sie es verdienen: als

organisierte Streikbrecher, als 5. Kolonne der Kapital-Herren. Sie fürchtet

um ihre eigenen Pfründe. Täglich muß sie den DGB-Bonzen ihre 'Treue'

versichern. Diese 'Kommunisten' können WIR nur als Gratisbeilage zu den

vollkommen korrupten DGB-Bonzen bezeichnen. Aber nicht nur durch ihre

Springermethoden ('politisches Gangstertum') a la Bild arbeitet SIE den

Kapitalisten in die Hände. Sie sucht sich genau den Gegner, den die

Kapitalisten schon gefunden haben. Warum wohl hat die Industrie- und

Handelskammer Düsseldorf (IHK - vgl. **.*.1970,d.Vf.) eine Unterabteilung zur

Beobachtung der Marxisten-Leninisten eingerichtet mit der Begründung, daß die

Flugblätter der ML genau den Nagel auf den Kopf treffen ( AUCH in der Frage

der Gewerkschaftsbonzen!) und daher BESONDERS GEFÄHRLICH sind!

Wer wie die 'UZ' schreibt, soll sich nicht wundern, wenn die Kommunisten die

'UZ' als Ulbrichts Zeitung betiteln!"



In der Rubrik "Stimmen der Arbeiter" der Beilage heißt es u.a.:"

Das Mitglied des Betriebsrates der Dortmunder Hoesch-Westfalenhütte und der

Großen Tarifkommission, Karl-Heinz Vernholz, sagte der UZ:



'In Anbetracht der Riesengewinne der Unternehmer und der zweifellos

vorhandenen Kampfbereitschaft der Belegschaft ist das Ergebnis der

Lohnverhandlungen unbefriedigend. das durch die betriebliche

Zusatzvereinbarung höhere Ergebnis für die Dortmunder Hütten beweist doch,

daß die Unternehmer zahlen können.'



Da bei den Dortmunder Hütten das 13. Monatseinkommen bereits erreicht war,

sollen dort die 25 Prozent zusätzlich gezahlt werden."



Aus den 'Heissen Eisen' bei Hoesch Dortmund (vgl. 1.10.1970) wird ein Bericht

(vgl. 29.9.1970) übernommen.

=Unsere Zeit Nr.42,Düsseldorf 17.10.1970;

Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970),S.15



21.10.1970: 

Die Nr.43 des 'KND' (vgl. 17.10.1970, 24.10.1970) der KPD/ML-ZB erscheint

mit 12 Seiten.

Zum "Krankenstand in der Industrie" wird u.a. bemerkt:"

Bei Opel in Bochum stieg die Zahl der Krankmeldungen von 6,5% im Vorjahr auf

8,4% in diesem Jahr. ...

Allgemein ist der Krankenstand der höchste seit Kriegsende."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.43,Bochum 21.10.1970



22.10.1970: 

In Hamburg gibt die DKP frühestens heute ihr 'Werft-Echo' - Betriebszeitung

der DKP für die Hamburger Werften und Zubringer für Oktober heraus.

Vermutlich wegen der bei HDW-Finkenwerder arbeitenden Betriebsgruppe der KPD/

ML-ZB ('Kiek Ut') wird ein Artikel aus der 'UZ' der DKP (vgl. 17.10.1970)

über die Tätigkeit der KPD/ML, bzw. der KPD/ML-ZB bei Krupp Essen und der KPD/

ML-ZK bei Opel Bochum, veröffentlicht.

=Werft-Echo,Hamburg Okt. 1970



26.10.1970: 

Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Nov. 1970) berichtet vermutlich in dieser

Woche von der MTR der IGM u.a:"

METALLTARIFRUNDE 1970



VERRAT AUF DER GANZEN LINIE



NUR 10% - EIN 'WAHLGESCHENK' AN DIE SPD-REGIERUNG ...



Aber nirgendwo haben sich die Lehrlinge von ihren Ausbildern und den

Gewerkschaftsführern von diesem Kampf abhalten lassen. Als Beispiel für viele

seien hier nur die Lehrlinge des Opel-Werks (in Bochum - vgl. 25.9.1970,d.

Vf.) genannt. Sie schmissen mit den älteren Kollegen die Brocken hin. Sie

waren die ersten, die forderten: Auf zum Gewerkschaftshaus! Wir müssen den

Bossen zeigen, daß es ums Ganze geht!



Sie haben den Versprechungen der Bosse nicht getraut. Die ersten

Tarifabschlüsse haben ihnen gezeigt, wie recht sie damit hatten. Nur 10% für

die Kollegen - das war das erste Ergebnis in Hessen (vgl. 27.9.1970,d.Vf.).



Die Kämpfe der Arbeiter dort haben die Gewerkschaftsführer kalt gelassen. Für

sie ging es nicht darum, die Forderungen ihrer Kollegen durchzusetzen, ihre

einzige Sorge war, die Tarifverhandlungen so schnell wie möglich

abzuschließen - denn in Hessen stehen die Landtagswahlen (LTW - vgl.

8.11.1970,d.Vf.) vor der Tür. Und die SPD-Regierung braucht die Stimmen

derjenigen, die wollen, daß im Land Ruhe und Ordnung herrscht. Egal, ob diese

Ruhe nur den Kapitalisten nützt.



Dieser 'Wahlfriede' für die SPD-Regierung war diesen feinen Freunden der

Arbeiterklasse wichtiger als die Durchsetzung der Interessen der Kollegen.

Dafür erhielten sie nicht nur Beifall von den Kapitalisten und der SPD-

Regierung. Auch die D'K'P (DKP,d.Vf.) war des Lobes voll. Sie pries die 10%

als großartigen Erfolg der Arbeiter und ihrer Vertreter. Damit haben sie

gezeigt, daß sie genausowenig auf unserer Seite stehen wie die

Gewerkschaftsführer auch: Kommunisten nennen sie sich und wollen uns diesen

unverschämten Verrat an den Interessen der Kollegen auch noch als Erfolg der

Arbeiter verkaufen.



Unter diesen Leuten, die sie als wahre Arbeitervertreter schätzen, sind auch

solche, die ihre Kollegen ganz offen beleidigen. Wie sagte doch ein Mitglied

der Tarifkommission in NRW (vgl. S1*.1970,d.Vf.): '12% sind dicke genug. 15%

versaufen die Kollegen ja doch nur!' So denken diese Leute über ihre Kollegen

in den Betrieben! Sie verdienen anscheinend mit ihren Pöstchen so viel, daß

sie sich nicht vorstellen können, daß es noch Leute gibt, die mit dem Pfennig

rechen müssen."



Vom 11%-Angebot berichtet in Bochum auch die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-

ZB (vgl. 27.10.1970).

=Presse Nr.2,Bochum o.J. (27.10.1970),S.1;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.45,Bochum 26.10.1970,S.1f



26.10.1970: 

Die DKP berichtet aus dieser Woche von der Metalltarifrunde (MTR) der IGM:"

DAS LOHNDIKTAT IST ZU DURCHBRECHEN



METALLER ENTSCHEIDEN IN URABSTIMMUNGEN / BELEGSCHAFTEN IN NRW: 11 PROZENT

REICHEN NICHT!



Stuttgart / Bremen / Bochum. UZ. - Etwa 1,7 Millionen Metallarbeiter stehen

in dieser Woche vor Urabstimmungen. In Nordwürttemberg/Nordbaden (NB/NW,d.

Vf.) und in Bremen dürfte eine große Mehrheit bereit sein, für die 15-

Prozent-Forderung in den Streik zu treten. In Nordrhein-Westfalen erfolgt am

Freitag die Abstimmung über das Verhandlungsergebnis von elf Prozent, das in

der 'politischen Schlichtung' mit Arbeitsminister Figgen (SPD,d.Vf.) zustande

kam. Viele Belegschaften haben sich gegen dieses Angebot ausgesprochen.



Die Unternehmer weigern sich nach wie vor hartnäckig, die gewerkschaftlichen

Forderungen zu erfüllen. In Stuttgart und Bremen lehnten sie das

Schlichtungsergebnis von zwölf Prozent ab. Daher wurde in beiden

Tarifbezirken die Urabstimmung unumgänglich. Am Dienstag gaben die Kollegen

in Nordwürttemberg-Nordbaden ihr Votum ab.



Der Vorstand der IG Metall hat zu den Urabstimmungen bemerkt: 'Den

Arbeitgebern und der Öffentlichkeit muß bewiesen werden, daß es unmöglich

ist, Tarifverträge gegen den Willen der Mitglieder der IG Metall

aufzuzwingen.' Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Eugen Loderer,

bezeichnete es in der vergangenen Woche als Ziel seiner Gewerkschaft, dafür

zu sorgen, daß das Sozialprodukt anders verteilt werde: 'Wir erklären ganz

offen: Wir wollen an die Gewinne der Unternehmer heran!'



Das Ergebnis in Nordrhein-Westfalen wird von einem großen teil der

Metallarbeiter als unbefriedigend angesehen. Wie nie zuvor sah sich die

Verhandlungskommission daher einer harten Kritik der Großen Tarifkommission

ausgesetzt. Die Delegierten aus den Betrieben bemängelten vor allem, daß noch

vor der Urabstimmung erneut mit den Unternehmern verhandelt wurde. Deshalb

sei es erforderlich, die Mitglieder selbst über das Ergebnis abstimmen zu

lassen. Mit einer Mehrheit von 116 zu 27 Stimmen wurde die Absetzung der für

Mittwoch vorgesehenen Urabstimmung und die Ansetzung einer Urabstimmung für

Freitag mit der Fragestellung beschlossen:



'Bist Du bereit, dem Gesprächsergebnis vom 23.Oktober zuzustimmen? Wenn Du

mit Nein stimmst, mußt Du bereit sein zu streiken.'



Ganz ohne Zweifel ist dieser Beschluß der Tarifkommission Ausdruck für den

wachsenden Einfluß der Mitglieder auf die Tarifbewegung, den die IG Metall

akzeptiert.



Mit einer äußerst knappen Mehrheit ging dagegen die Abstimmung über das

Verhandlungsergebnis aus. Nur 73 von insgesamt 168 anwesenden Mitgliedern der

Tarifkommission hielten das Elf-Prozent-Angebot für annehmbar, 69

Kommissionsmitglieder lehnten es ab. Mehr als 46 Stimmberechtigte müssen sich

also der Stimme enthalten oder an der Abstimmung nicht teilgenommen haben.



Ein namhafter Gewerkschafter der Tarifkommission zur UZ: 'Mit den Warnstreiks

haben wir die 7 Prozent der Unternehmer vom Tisch gefegt; die Ankündigung

einer Urabstimmung riß die 10-Prozent-Mauer; mit dem Ergebnis der

Urabstimmung hätten wir auch ein wesentlich besseres Ergebnis durchsetzen und

das Lohndiktat der Konzerne vollständig durchbrechen können.'



In mehreren Verwaltungsstellen wurde das Ergebnis ebenfalls als unzureichend

abgelehnt.



Gegenüber der UZ erklärte der Opel-Betriebsratsvorsitzende (des Werkes

Bochum,d.Vf.) Günther Perschke: 'Das Ergebnis befriedigt uns nicht. Die

Belegschaft ist unruhig.' Diese Meinung kam auch in zahlreichen Telegrammen

der Belegschaften an die Tarifkommission zum Ausdruck. Sie verlangen: 'Nein

zu den elf Prozent, damit die 15 Prozent durchgesetzt werden.'"

=Unsere Zeit Nr.44,Düsseldorf 31.10.1970,S.1



26.10.1970: 

Die Nr.45 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 24.10.1970, 31.10.1970) erscheint

mit 12 Seiten DIN A 5 und der Schlagzeile "Die Machenschaften der SPD-

'Vermittler' entschieden zurückweisen!"

Im Artikel "Opel-Herren loben rechte IGM-Führer" heißt es u.a.:"

Die Opel-Herren haben die Bedeutung, die die rechten Gewerkschaftsführer bei

der Spaltung der Arbeiterklasse haben, richtig erkannt: In ihrer

Werkszeitung, der 'Opel-Post', schreiben sie zu den Streiks bei Opel im

September: 'Der Arbeiter unserer Tage mit einer starken Gewerkschaft im

Rücken hat es auch nicht nötig, sich von außenstehenden Splittergruppen

anheizen zu lassen.'

Um die Arbeiterklasse gegen 'außenstehende politische Agitatoren'

auszuspielen, schmieren sie der Arbeiterklasse Honig um den Mund: 'Eins hat

die Arbeitsniederlegung Ende September gezeigt: Die MÜNDIGKEIT DES

ARBEITNEHMERS. Er braucht keine Außenstehenden, die für ihn sprechen - sieht

man von Betriebsräten, Vertrauensleuten, Gewerkschaftssprechern ab.' Genau

das ist auch die Politik des neuen Betriebsverfassungsgesetzentwurfes (BVG,

d.Vf.), mit dem die Gewerkschaften in den Betrieb geholt werden sollen, um

gemeinsam mit den Kapitalisten die 'Extremisten' zu bekämpfen."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.45,Bochum 26.10.1970



26.10.1970: 

Die OG Mannheim der KPD/ML-ZK gibt vermutlich in dieser Woche das folgende

Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Emil Ludwig,

Mannheim, F 5,4 zum Abschluß der MTR der IGM in NRW (vgl. 23.10.1970)

heraus:"

GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG: LAKAI DES KAPITALS! ...

Die 11% in Nordrhein-Westfalen zeigen uns wieder einmal:

Die Gewerkschaftsführung verrät die materiellen Interessen der

Arbeiterklasse! Die Kampfbereitschaft der Kollegen in Nordrhein-Westfalen ist

besonders groß: In Bochum ging die Opel-Belegschaft für die 15% auf die

Straße (vgl. 24.9.1970,d.Vf.). In vielen Betrieben legten die Kollegen

zeitweise die Arbeit nieder."

=KPD/ML-ZK-OG Mannheim:Gewerkschaftsführung: Lakai des Kapitals!,Mannheim o.

J. (Okt. 1970)



27.10.1970: 

In Bochum gibt die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB 'Die Presse' Nr.2

(vgl. 28.9.1970, 22.1.1971) mit vier Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von

Werner Fremd, Bochum, laut einer handschriftlichen Datierung heute, mit

folgenden Leitartikel heraus":

11%-ANGEBOT - GEMEINER VERRAT DER SPD-REGIERUNG UND DER GEWERKSCHAFTSBONZEN



Am Freitag (vgl. 30.10.1970,d.Vf.) Urabstimmung: 11% oder Streik für die

volle Durchsetzung der 15% Forderung.Wir sind bei Opel etwa 13 000 zahlende

Gewerkschaftsmitglieder. Unsere Entscheidung muß klar und eindeutig zeigen:

wir lassen uns nicht von den IGM-Bonzen verschaukeln! Wir sind geschlossen

gegen die Abwiegelungsmanöver der SPD-Regierung, die ihre arbeiterfeindliche

Lohnraubpolitik zur Sicherung der Kapitalistenprofite fortsetzen und deswegen

den solidarischen Kampf der Arbeiterklasse mit allen Mitteln verhindern will!

Das 11% Angebot bedeutet eine erneute Herausforderung. 73 IGM-Vertreter haben

diesem Angebot zugestimmt; sie warten in ängstlicher Hoffnung darauf, daß

auch wir am Freitag den Schwanz einkneifen und vor dem gemeinsamen Komplott

der Kapitalisten, ihrer SPD-Regierung und den IGM-Bonzen den Buckel krumm

machen.



Aber 69 IGM-Vertreter der Großen Tarifkommission haben gegen den faulen

Kuhhandel gestimmt; sie rechnen am Freitag mit unserer eindeutigen

Unterstützung und Kampfbereitschaft.



In Essen, Mülheim, Köln, Hagen und anderen Städten haben sofort nach der

Bekanntgabe des 11% Angebots (vgl. 23.10.1970,d.Vf.) V-Leute und Betriebsräte

geschlossen das Verhandlungsergebnis als Verrat bezeichnet und abgelehnt!



Unsere Entscheidung muß klar sein:



GEGEN DIE ARBEITERFEINDLICHEN BETRUGSMANÖVER FORDERN WIR KONSEQUENTEN KAMPF

DER GEWERKSCHAFT FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG UNSERER FORDERUNG



Der Verrat der IGM-Führer ist auch bei uns in NRW völlig offensichtlich. 11%

Lohnerhöhungsangebot:



- nach dem Otto Brenner (vgl. S1.**.1970,d.Vf.) vor dem Tarifkampf die 15%

Forderung als Mindestforderung bezeichnet und von vollen Streikkassen

gesprochen hat!



- nachdem wir zu Tausenden auch in NRW in solidarischen Streiks und

Protestmärschen die 15% gefordert und damit unsere Kampfbereitschaft gezeigt

haben!



- nachdem 6 000 Kollegen der B-Schicht am Humboldt Eck (vgl. S1.**.1970,d.

Vf.) vom 2.Vorsitzenden der IGM, Eugen Loderer, härtester Kampf für die 15%

versprochen worden ist!



- und nachdem die Schlichtungsverhandlungen gescheitert (vgl. **.10.1970,d.

Vf.) und für kommenden Mittwoch (vgl. 28.10.1970,d.Vf.) die Urabstimmung über

gewerkschaftlichen Streik für volle 15% angesetzt war!



Aber sofort nach dem Urabstimmungsbeschluß letzten Dienstag (vgl. 19.10.1970,

d.Vf.) griff die SPD-Regierung ein. Die SPD zittert vor jedem einheitlichen

Kampf der Arbeiterklasse; denn immer mehr Kollegen haben die

arbeiterfeindliche Lohnraubpolitik der SPD-Regierung durchschaut;

Lohnleitlinien, Steuererhöhungen, Zwangssparen getarnt als

'Vermögensbildung', nichts gegen Preistreiberei und Mietwucher, aller für die

Absicherung der Kapitalistenprofite; genau wie die CDU: Politik fürs Kapital

nur mit der verlogenen Heuchelei; mehr für die Arbeiter tun zu wollen.



Doch unsere berechtigten Forderungen werden abgewiegelt. SPD-Minister Figgen

nutzte sofort die gute Verbindung zu den SPD-hörigen Gewerkschaftsbürokraten

aus und brachte sie mit den Kapitalisten an einen Tisch - zum Gemauschel

hinter verschlossenen TÜren. Unsere berechtigte Empörung über den gesamten

Verlauf der Tarifrunde soll nun mit einem Prozent mehr als schon vorher

angeboten war, niedergeschlagen werden. Mit ihrer 'Beruhigungspolitik' - so

nannte SPD-Betriebsrat Perschke auf einer Betriebsversammlung (vgl.

S2.**.19**,d.Vf.) selbst schon seine Arbeit als Betriebsrat - dürfen uns die

IGM-Bonzen diesmal nicht mehr hereinlegen.



VERHINDERN WIR DEN VERRAT DER GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG!



MACHEN WIR MIT DER KPD/ML DIE GEWERKSCHAFT ZUR KAMPFORGANISATION DER

ARBEITERKLASSE



ORGANISIERT EUCH IN DER BETRIEBSGRUPPE DER KPD/ML"



Als nächstes folgt der:"

LESERBRIEF EINES KOLLEGEN:



Der Betriebsrat und die Gewerkschaftsführer haben uns ganz schön

angeschmiert. Keine unserer Forderungen ist durch.



Weder 100% Weihnachtsgeld noch 15% Tariferhöhung. Ihr Kommunisten wollt die

Ausbeutung abschaffen und das Privateigentum an Produktionsmitteln.



Wenn man monatelang Samstag, Sonntag arbeitet, außerdem jeden Tag zwei

Überstunden macht, dann weiß man genau, was Ausbeutung ist. Die 40 Stunden

Woche ist ja ganz gut und schön! Aber wo ist sie denn? Ich habe drei Kinder

und verdiene in 40 Stunden zu wenig für die Familie. Beim Streik (vgl.

24.9.1970,d.Vf.) war ich voll dabei: ich hoffte, daß wir solange streiken

würden, bis unsere Forderungen erfüllt würden.



Und jetzt weiß ich nicht mehr, wie es mit uns weitergehen soll. Durch die

ewige Überstundenschinderei geht das Familienleben kaputt. Ich habe auch

keine Lust mehr zu der ewigen Maloche.



Viele Kollegen verweigern jetzt schon die Überstunden. Doch kann ich nicht

wegen meiner Familie.



UNSERE ANTWORT:



Lieber Kollege!



Wir danken Dir für Deinen Brief. Damit sprichst Du wohl aus, was viele

Kollegen meinen. Durch unseren Streik Ende September haben wir ein paar

Prozente mehr. Vor allem haben wir die Erfahrung gemacht, wie stark wir sind,

wenn wir uns alle zusammenschließen. Der Streik ist wieder abgebröckelt, weil

eine starke führende Gruppe im Betrieb fehlte.



Doch, auch wie im Hauptwerk Rüsselsheim und in den meisten anderen

Großbetrieben im Ruhrgebiet und in der gesamten Bundesrepublik, arbeiten wir

Kommunisten der KPD/ML in unseren Betriebsgruppen konsequent für den

einheitlichen Kampf der Arbeiterklasse gegen die Kapitalisten und ihre

Regierung. Wir organisieren uns in den Betriebsgruppen, um gemeinsam die

Gewerkschaft zum konsequenten Kampf für unsere Forderungen zu zwingen, um

gemeinsam die arbeiterfeindliche Politik der SPD für alle Kollegen zu

entlarven und gemeinsam den Kampf gegen die kapitalistische Ausbeuterordnung

zu führen.



Kollege, unterstütze die Betriebsgruppe! Du hast zwar wenig Zeit wegen der

Maloche, aber berichte uns regelmäßig über alle Mißstände und Ausbeutertricks

in Deiner Abteilung; weitere konkrete Maßnahmen werden wir mit Dir

besprechen."



Neben einem Artikel zur MTR auf Spanisch wird im letzten Artikel ausgeführt:"

HEILIGABEND-SCHICHT - BESCHERUNG DER ARBEITERVERRÄTER IM BETRIEBSRAT



Kolleginnen und Kollegen!



Wir haben durch unseren Streik insgesamt 46 statt der geforderten 56

Millionen DM Weihnachtsgeld durchgesetzt. der Betriebsrat hat das als großen

Sieg seiner Verhandlungstaktik gefeiert. Er wollte uns auf der

Belegschaftsversammlung (vgl. 1.10.1970,d.Vf.) weismachen, daß er in diesem

Streik unsere Interessen vertreten hätte.



Wie sieht das in Wirklichkeit aus? Nicht durch die Verhandlungen, sondern NUR

durch unseren Kampf bekommen wir mehr Geld. Es ist ein Hohn, wenn das

Ergebnis als Verhandlungssieg gefeiert wird. Der Betriebsrat hat während des

Streiks immer wieder versucht, uns an die Arbeit zu schicken. Als er ALLEIN

DURCH UNSEREN STREIK zu Verhandlungen gezwungen wurde, hat er uns zusammen

mit den GM Bossen betrogen. Unsere Forderungen waren:



- 100% Weihnachtsgeld - ausgehandelt wurden 71 - 100% je nach

Betriebszugehörigkeitsjahren.



Das war ein gemeiner Trick, um unsere einheitliche Kampffront zu spalten.



- Volle Bezahlung der Streikschichten - dies wurde erreicht.



ABER WIE? Kurz danach wurde uns mitgeteilt, daß wir bis Weihnachten jeden

Samstag auf Frühschicht eine Sonderschicht machen müssen. Damit schaffen wir

den GM Bonzen den Profit, den sie durch den Streik verloren haben. Und nicht

nur den!



Dadurch, daß bei uns die Produktion auf vollen Touren läuft, ersetzen wir

ihnen gleichzeitig einen Teil der Profite, die ihnen durch den jetzt schon

wochenlangen Streik unserer amerikanischen Kollegen bei GM (vgl. USA -

15.9.1970,d.Vf.) verloren geht. So machen sie uns zum Streikbrecher unserer

amerikanischen Kollegen.



Kolleginnen und Kollegen. Diese SPD-Verräter in unserem Betriebsrat haben

noch nicht einmal davor zurückgeschreckt, einer Schicht an heilig Abend

zuzustimmen.



Wir alle haben Familie, viele Frauen müssen mitarbeiten. Wie stellen sich die

Herren Betriebsräte es eigentlich bei uns am Heilig Abend vor?



Wann sollen wir die Vorbereitungen treffen? Wir müssen die Wohnung putzen,

das Essen und die Bescherung vorbereiten. Diese Unverschämtheit können wir

uns nicht bieten lassen. Viele Kolleginnen haben das auch direkt gesagt: z.B.

in der Elektromontage, im Preßwerk, in der Näherei und in der Küche. Sie sind

zu einem großen Teil bereit, dafür zu kämpfen. Aber es reicht nicht, wenn die

Frauen allein die heilig Abend Schicht verweigern. Das wäre den Bonzen gerade

recht, uns wieder einmal gegeneinander auszuspielen. Kollegen, nach acht

Stunden Knochenmühle kann keiner mehr richtig Weihnachten feiern. Wenn

Nachmittags die Vorbereitungen in großer Hetze getroffen werden, die

Geschäfte zu sind, so daß Kleinigkeiten, die vergessen worden sind, nicht

mehr gekauft werden können, wenn man von der Arbeit so kaputt und nervös ist.



Kolleginnen und Kollegen, diese Lehre müssen wir aus unserem Streik ziehen.

Nur im gemeinsamen Kampf setzen wir unsere Forderungen durch:

Die Heilig Abend Schicht muß verlegt werden!"

=Die Presse Nr.2,Bochum o.J. (27.10.1970)



29.10.1970: 

Ein Extrablatt der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-Betriebsgruppe

(RBG) der KPD/ML-ZK erscheint, laut einer handschriftlichen Datierung, heute

für Opel Bochum (vgl. 2.10.1970, 30.10.1970) Werk I und II mit einer Seite

Text und einem Comic auf der Rückseite. In einer letzten Meldung wird

berichtet vom Streik bei Bosch in Reutlingen (vgl. 26.10.1970). Ausgeführt

wird:"

GEHT ES NUR UM ZWEI, DREI PROZENT?



Seit Wochen wird nun schon zwischen IG Metall und dem

Metall-'Arbeitgeber'-Verband um Prozente gefeilscht. Man glaubt sich auf einem

Pferdemarkt, wenn man diesen 'Verhandlungen' zusieht.



DOCH WARUM WERDEN DIE PROZENTE SO 'HOCHGESPIELT'? Beide Seiten - sowohl die

Kapitalbosse als auch die IGM-Herren von unserer Beiträge Gnaden - haben etwas

vor den Arbeitern zu verschweigen. Die einen, weil sie um ihre Profite

fürchten, die anderen, weil sie Angst um ihre Aufsichtsratsposten haben und

der SPD ja nicht weh tun möchten. Aber beide verbindet eines: die Angst vor

dem Streikwillen der Arbeiter!



DOCH WAS IST DIESES 'GEHEIMNISVOLLE ETWAS'? - Daß die nächste Krise so sicher

wie der kommende Winter bevorsteht. Die ersten Frosteinbrüche sind schon da:

bei Bosch Kurzarbeit, Stillegung von zwei Hochöfen bei Mannesmann (MM,d.Vf.),

keine Überstunden mehr beim Bochumer Verein (BV von Krupp,d.Vf.) usw. Auf

diesem Hintergrund ist es verständlich, daß die Prozente 'hochgespielt'

werden. Tatsachen haben diese Herren nicht gern. Öffentlich feilschen sie um

11/12%, hintenherum machen sie klammheimlich Betriebsabschlüsse mit vollen 15%

wie in Unna (vgl. Okt. 1970,d.Vf.).



DOCH WAS IST DER ZWECK DIESER 'ZAHLEN-SPIELEREIEN'? - der Ablauf des nächsten

Tarifvertrages wird in die nächste Krise fallen. Deshalb setzen die

Kapital-Herren und die von der IGM schon jetzt alles daran, unsere Kampfkraft

zu durchlöchern und zu lähmen. Wir sollen 'friedlich' in die Krise gehen. Wenn

wir aber jetzt kapitulieren, dann ist das für die Kapitalisten das Zeichen

dafür, daß sie uns dann so behandeln können wie 1966/67: mit Entlassungen,

Kurzarbeit usw.



Doch wenn wir jetzt kämpfen - unter anderem durch Streiks - dann ist das der

beste Schutz vor Entlassungen. Und daß die Kampfbereitschaft groß ist, zeigen

die Meldungen aus den Betrieben!



Doch die IGM-Bonzen hätten es gern, wenn wir den 'Schlichtungsvorschlag'

annehmen würden. Sie brauchten den Streikfonds nicht strapazieren und könnten

das Geld 'besser' verwenden, z.B. in kapitalistischen Spekulationen mit ihrer

'Bank für Gemeinewirtschaft' (BfG,d.Vf.). Doch wofür haben wir jahrelang

Beiträge gezahlt, wenn nicht, um für Kampf- und Abwehrmaßnahmen etwas auf der

hohen Kante zu haben.



Die IGM-Oberen besitzen nun die Frechheit, uns in der Urabstimmung zu sagen:

Wenn Ihr mit 'Nein!' stimmt, müßt Ihr bereit sein zu streiken. Hätten nicht

vielmehr SIE klar erklären müssen, daß SIE bereit sind, für uns die Gelder

locker zu machen, daß SIE bereit sind, zu streiken!



Was nützen uns 5 Mark Tariflohn, wenn in der Krise die 'Betriebszulagen' von

den Kapitalisten gestrichen werden? Was nützen uns einige Prozente, wenn wir

in der krise Kurzarbeit machen müssen oder entlassen werden?



UNS kann nur eines nützen: wenn wir schon jetzt den Beweis antreten, daß wir

uns nicht so wie 1966/67 behandeln lassen. Wenn wir schon jetzt bereit sind,

zu kämpfen. - Gehen wir den Kollegen als Vorbild voran, die am schnellsten

betroffen sind: den Kollegen in den kleinen Betrieben. Unser Wille wird auch

ihnen Mut machen!"

=Zündkerze Extrablatt Geht es nur um zwei, drei Prozent?,Bochum o.J. (Okt.

1970)



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30.10.1970: 

In der nordrheinwestfälischen Metallindustrie führt die IGM in der MTR eine

Urabstimmung über den Einigungsvorschlag von 11% Lohnerhöhung durch (vgl.

23.10.1970, 2.11.1970), die ursprünglich für den 28.10 geplant war.

Laut KPD/ML-ZB habe es bei Opel Bochum eine Streikbefürwortung von über 70%

gegeben. Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet:"

VERRATEN UND VERKAUFT



So könnte und müßte man die Überschrift wählen, wollte man zu der

Urabstimmung vom 30.10. in der Metallindustrie die Meinung der Mehrheit

widerspiegeln.



Im September erklärte Otto Brenner als Chef der IG Metall die 15%-Forderung

zur Mindestforderung in der Tarifrunde 1970, wegen des außergewöhnlichen

Nachholbedarfs in der NRW-Metallindustrie. Die Kapitalisten setzten 7%

dagegen.



Warnstreiks wie bei Opel (vgl. 24.9.1970,d.Vf.), wo Tausende Kollegen die

Klamotten hinschmissen, gaben den IGM-Bonzen ein deutliches Zeichen, daß man

Brenners Vorschläge wörtlich nahm. Unter diesem Druck konnte die IGM die 7%

nicht akzeptieren. Ein Landesschlichter wurde eingesetzt: 10% und nicht mehr

boten jetzt die Kapitalisten. Die Warnstreiks gingen weiter und noch wagte

die IGM nicht, den Kapitalisten nachzugeben.



Die Urabstimmung wurde auf den 28.10.1970 festgelegt. Die sogenannte

Tarifautonomie, die angeblich von allen Parteidiskrepanzen freizuhalten ist,

wurde 'wider Willen' der hohen Landespolitik untergeordnet. Die Kapitalisten

hielten es für ratsam, noch 1% draufzulegen, während die Gewerkschaften die

Urabstimmung gehorsam um zwei Tage verlegten, um dann allen sagen zu können,

nehmt das Ergebnis an!



33,5% waren mit dem Kompromiß zufrieden,

51,2% nahmen das Herz in die linke Hand und sagten Nein zu dem Diktat der IG

Metall,

75,0% wären 'laut Satzung' für einen Streik notwendig gewesen.



Die Betonung der IGM, es sei für den Streikbeschluß eine 3/4 Mehrheit

notwendig, um ein Abbröckeln des Streiks zu vermeiden, ist purer Unsinn. Der

springende Punkt ist nicht, ob 76% oder 52% Mehrheit, sondern das Geld. Da

liegt der Hase im Pfeffer. Solange die Gewerkschaft bei ihren 50%

Streikunterstützung bleibt und als zweitgrößte Kapitalmacht der

Bundesrepublik nicht mehr zahlen will, ist jeder normale Streik im voraus

stark geschwächt oder zum Zusammenbruch verurteilt. Genau mit dieser Tatsache

gehen die Bosse hausieren. Solange sich grundsätzlich nichts an dieser

eigentlichen Misere - dem Geld - ändert, sind auch 'energischere' Auftritte

einzelner Bezirksleitungen wie in Nordbaden/Nordwürttemberg der notwendige

Begleitchor in der großen Tarif-Operette.



Wie lange sollen wir uns diese Einlull-Musik noch bieten lassen?"



Die 'Werk und Wir' der Hoesch Hüttenwerke AG Dortmund berichtet:"

Im Tarifkonflikt in der nordrhein-westfälischen Metallindustrie - er betraf

die Mitarbeiter unserer weiterverarbeitenden Gesellschaften - haben die

Tarifpartner nach Genehmigung der Urabstimmung durch den Vorstand der IG

Metall ein Ergebnis akzeptiert, das auf einen Einigungsvorschlag von Werner

Figgen, dem nordrhein-westfälischen Minister für Arbeit, Gesundheit und

Soziales, zurückging.



Dieses Ergebnis wurde nach der Urabstimmung am 30.Oktober 1970 von beiden

Seiten genehmigt, obgleich 51 v.H. der bei der Urabstimmung abgegebenen

Stimmen den Vergleich ablehnten (für einen Streik hätten allerdings mehr als

75 v.H. Nein-Stimmen abgegeben werden müssen).



Nach dem nunmehr von beiden Partnern gebilligten Vergleich soll in der

nordrhein-westfälischen Metallindustrie vom 1.Oktober 1970 an der bisherige

Ecklohn von DM 4,38 und der Akkordrichtsatz von 4,46 vorweg auf den

gemeinsamen Satz von DM 4,54 angehoben werden.



Darauf kommt eine Lohnerhöhung um 11 Prozent: Der neue Ecklohn und

Akkordrichtsatz soll also DM 5,04 betragen.



Die Gehälter der Angestellten werden vorab um 1 Prozent und danach ebenfalls

um 11 Prozent erhöht. Die Vergütungen für Auszubildende sollen auf das in der

Eisen- und Stahlindustrie vereinbarte Niveau angehoben werden" (vgl.

8.10.1970,d.Vf.)



Zur Ablehnung des 11%-Angebotes rief bei Opel Bochum auch die KPD/ML-ZB auf

(vgl. 27.10.1970).



Laut DKP stimmen in der heutigen Urabstimmung in der MTR NRW 60,4 Prozent

gegen das Ergebnis.

=Presse Nr.2,Bochum o.J. (27.10.1970),S.1;

Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.12;

Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.45, 47 und 48,Bochum 26.10.1970,

4.11.1970 bzw. 7.11.1970,S.2, S.1f bzw. S.2;

Unsere Zeit Nr.45,Düsseldorf 7.11.1970,S.1f



30.10.1970: 

In der heutigen Urabstimmung in der MTR NRW stimmen, laut DKP, bei Opel

Bochum 83,7 Prozent gegen das Ergebnis.



Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet später:"

IM WERK DA SIND DIE RÄUBER



Die Lohn- und Tarifrunde brachte uns in NRW eine 11%-ige Lohnerhöhung. Viele

Kollegen sind sauer über die Gewerkschaft; denn spätere Tarifverträge

schlossen oft sehr viel höher ab. Daher haben die meisten Kollegen bei der

Urabstimmung entsprechend reagiert und für 'Streik' gestimmt.

Einige sind allerdings auf den üblen Trick der Gewerkschaftsbonzen von der

CDU reingefallen, die, wie der Blockbetriebsrat Kellermann durch ihre

Abteilungen gingen und versuchten, die Annahme der gewerkschaftlichen

Empfehlung von 11% unter die Leute zu bringen.



Nicht anders verfuhr im Kühlerbau Blockbetriebsrat Schütte: dort hatte man

bei der Wahlurne Stimmzettel an den Pfeiler geklebt. Gut für jemanden, der

noch nie einen Stimmzettel gesehen hat, wäre das vielleicht notwendig

gewesen. Ja, man hatte sogar noch die Wahlfelder als solche kenntlich gemacht

- nur das linke ('Ja') stärker als das rechte ('Nein')! Hier waren echte

Lohnräuber am Werk im Werk der Opel AG."



Zur Ablehnung des 11%-Angebotes rief bei Opel die KPD/ML-ZB auf (vgl.

27.10.1970).

=Presse Nr.2,Bochum o.J. (27.10.1970),S.1;

Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.12f;

Unsere Zeit Nr.45,Düsseldorf 7.11.1970,S.1



30.10.1970: 

Ein Extrablatt der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK erscheint in Bochum (vgl. 29.10.1970,

9.11.1970), laut einer handschriftlichen Notiz, für die Werke I und II mit

zwei Seiten DIN A 4:"

'Bist Du der Meinung, daß es der IG Metall gelang, nicht zuletzt durch die

gezeigte Kampfbereitschaft unserer Mitglieder, unserem Ziel sehr nahe zu

kommen, dann folge unserer Empfehlung und stimme mit ja.' (Aus dem Flugblatt

der IG Metall zur Urabstimmung) (vgl. 2*.10.1970,d.Vf.)



KOLLEGEN! DARAUF KANN ES NUR EINE ANTWORT GEBEN: NEIN!



Wieder einmal haben uns zwei angebliche Gegner das Schauspiel

'Tarifverhandlungen' vorgeführt. Wie bei jedem Schauspiel kannten auch hier

die Akteure das Ergebnis, jedoch gibt es hierbei kein Publikum, sondern nur

Leidtragende. Denn immer dann, wenn sich die sogenannten Arbeitervertreter

mit den Bossen des Arbeitgeberverbandes zusammensetzten, war und ist der

Arbeiter der Verratene.



Es fängt damit an, daß bei Auslaufen des alten Tarifvertrages irgendwelche

Zahlen durch die Luft schwirren, von denen kein Arbeiter weiß, wie sie

eigentlich zustandegekommen sind. Er selbst war nicht beteiligt.



In unserem Fall wurde die Zahl 15 lauthals verkündet. Die Säcke der Bosse,

speziell in der eisen- und weiterverarbeitenden Industrie, waren in den

letzten zwei Jahren durch Preiserhöhungen, Konzentration und Automatisierung

immer dicker geworden, unsere Taschen aber immer leerer. Kein Wunder, daß die

überwiegende Mehrheit von uns diesem Profitboom den Kampf ansagte.



Aber die Arbeiter, die wie ein Mann hinter den 15% standen, erlebten, daß es

der IGM gar nicht darum ging, berechtigte Forderungen der Arbeiter

durchzusetzen. Es ging ihnen vielmehr darum, den 'Arbeitsfrieden' zu erhalten

und sich mit den Bonzen zu arrangieren.



Für die Bonzen der IGM kam es dabei vor allem auf zwei Punkte an:



1. Sie mußten dem angestauten Groll der Arbeiter, der sich in den letzten

Jahren durch sogenannte wilde Streiks geäußert hatte, den Wind aus den Segeln

nehmen und



2. durften sie gegenüber den Bossen nicht zu weit gehen, denn von diesen

bekommen sie ja morgen wieder ihre Schmiergelder.



Zu Punkt 1) muß man die Gewerkschaften doch eindlich einmal ganz klar fragen,

wieso eigentlich ein Streik der Arbeiter wild und wieso nur ein von den

Bonzen am grünen Tisch ausgehandelter Streik ein richtiger Streik ist.



Zu Punkt 2) müssen wir Arbeiter den Gewerkschaften ganz klar die Frage

vorlegen, wann endlich die Gelder, die von den Gewerkschaftsbonzen aus den

Aufsichtsratsposten usw. kassiert werden, in den gemeinsamen Pott geschmissen

werden?



Heute geht es darum, den Bonzen klar unsere Meinung zu sagen. Es dürfte keine

Frage mehr sein, ob wir das 'Schlichtungsangebot' annehmen. 15% vom

Effektivlohn und Absicherung der Effektivlöhne ist der Sinn der ganzen Sache.

Wer immer uns etwas anderes schmackhaft machen will, hat nur eines im Sinn -

uns an die Bosse zu verkaufen, auch die IGM. Damit aber keiner mit der

Ausrede kommen kann, 15% wären gleich 15%, muß hier ganz klar gesagt werden,

daß 15% vom Ecklohn für uns nichts ist, denn 15% vom Ecklohn und mehr

bekommen wir ja effektiv heute schon. - Wir sollten jedoch nicht vergessen,

daß es heute schon wieder Betriebe wie den BV (Krupp Bochumer Verein,d.Vf.),

Bosch usw. gibt, wo die Überstunden wegfallen bzw. es Entlassungen gibt.

Dieses sind nur die ersten Anzeichen einer neuen Krise. Und wo die Arbeiter

dann steehn, läßt sich leicht ausrechnen, denn dann kann ja wieder jeder Boss

zu uns sagen: 'Wenn du nicht mit dem Ecklohn einverstanden bist, kannst du ja

gehen, vor dem Tor steht schon ein ganzer Waggon Neuer.'



KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

ERWARTEN WIR NICHTS VON 'UNSEREN FÜHRERN', SIE WERDEN UNS WIEDER

VERSCHAUKELN!

NEHMEN WIR UNSERE ANGELEGENHEITEN IN DIE EIGENEN HÄNDE!

BEREITEN WIR UNS GRÜNDLICH AUF DIE AUSEINANDERSETZUNG VOR, SONST WERDEN WIR

WIEDER EINMAL EINE NIEDERLAGE EINSTECKEN!"

=Zündkerze Extrablatt,Bochum 30.10.1970



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November 1970: 

Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK berichtet (vgl.

13.9.1971) von den IGM-Vertrauensleuten bei Opel Rüsselsheim und der

Zusammenarbeit mit ihnen durch Sonak (VLK-Vorsitzender in Bochum):"

Der Vorschlag, einen Erfahrungsaustausch mit den Bochumern über den Opel-

Streik herbeiführen, schlummert seit letztem November in Sonaks Ablage."

=Zündkerze Extra Ein feines Süppchen und Nr.11,Bochum o.J. (1.7.1971) bzw. o.

J. (1971),S.3 bzw. S.3



November 1970: 

Die Münchner Arbeiterbasisgruppen (ABG) geben auf November datiert

eine reguläre Nr.5 und ein Extrablatt ihrer 'Kommunistischen

Arbeiterzeitung' (vgl. Okt. 1970, Dez. 1970) heraus.

Das Extrablatt berichtet u.a. über die Streiks bei Opel Bochum.

=Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr.5 und Extrablatt,München Nov. 1970



November 1970: 

Im November streiken, laut RFO Saarland, 16 000 bei Opel Bochum.

=Rote Fahne - Hadir Nr.5,St. Ingbert 15.12.1970



November 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP ihren 'Roten Kadett' Nr.11 (vgl. Okt. 1970,

Dez. 1970) heraus.

=Roter Kadett Nr.11,Bochum Nov. 1970



02.11.1970: 

Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint erstmals die 'Rote Zelle' (vgl.

1911.1970) als Zeitung des Kommunistischen Studentenbundes/ML (KSB/ML) an der

Ruhr-Universität Bochum (RUB) mit 22 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von

Stefan Bock, Bochum.

Als Vorabdruck erscheint ein Artikel der 'Zündkerze' (vgl. 9.11.1970) über

den Streik bei Opel (IGM-Bereich).

=Rote Zelle Nr.1,Bochum Nov. 1970.



02.11.1970: 

Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint erstmals die 'Rote Zelle' (vgl.

19.11.1970) als Zeitung des Kommunistischen Studentenbundes/ML (KSB/ML) an

der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Als Vorabdruck erscheint ein Artikel der

'Zündkerze' (vgl. 9.11.1970) über den Streik bei Opel (IGM-Bereich).

Q: Rote Zelle Nr.1,Bochum Nov. 1970,S.14ff



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09.11.1970: 

Über heute erscheinen morgen, laut Roter Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZK

(RBG) in Bochum, die folgenden beiden Presseartikel.

In den 'Ruhr-Nachrichten' (RN) heißt es:"

KRACH UM DRUCKORT



ZÜNDKERZE ZÜNDETE IN RUHR-UNI (RUB,d.Vf.)



Der Funke zündete: Die 'Zündkerze' - eine linksgerichtete Werkszeitschrift der

Bochumer Opel-Werke - brachte Ärger. Einmal mit Angriffen gegen Bochumer

IG-Metall-Funktionäre, zum zweiten mit ihrem Druckort. Zur Verblüffung fast

aller Beteiligten - stellte man gestern fest: Das Organ wird an der

Ruhr-Universität gedruckt. Das rief Gewerkschaft und Ruhr-Universität auf den

Plan. Fritz Wirtz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Bochum/Wattenscheid:

'Ich habe wegen dieser Geschichte sofort ein Gespräch mit

Wissenschaftsminister Johannes Rau geführt.



Auch die Universität mit Rektor und Kanzler griff ein. Sie untersuchten den

Druckauftrag, der zur Herstellung der 'Zündkerze' geführt hatte. Dabei ergab

sich: am 6. November 1970 hatte das Studentenwerk - das leihweise die

Druckmaschinen für Publikationen erhalten hatte - auch den Druckauftrag

angenommen.



Gestern erschien eine der billigsten Ausgaben mit 22 Seiten und in 3 000

Auflage und beschäftigte sich mit dem Streik bei Opel. Im 'Links-Jargon'

wurden Funktionäre aufs Korn genommen und die Zeitung vor dem Opel-Werk

verteilt.



Fazit des konzentrierten Eingriffes von Universität und Gewerkschaft: 'Der

Druck von Werkszeitschriften widerspricht der Zielsetzung, mit der die

Druckerei eingerichtet wurde.'"



In der 'Westfälischen Rundschau' (WR) heißt es:"

UNI DRUCKORT DER ZÜNDKERZE



Ein Verdacht der IG-Metall-Verwaltungsstelle Bochum/Wattenscheid bestätigte

sich gestern. Die linksradikale Opel-Werkzeitschrift 'Zündkerze' der KPD/ML

wurde auf Maschinen des Studentenwerkes der Ruhr-Uni gedruckt. Ein Vertrag,

genehmigt am 6. November, der sich im Besitz der Gewerkschaft befindet, machte

das deutlich. Der Vertrag sieht 34 000 Blatt vor, in Schwarz und Rot, zu

günstigen Preisen. Als die Nummer 5 der 'Zündkerze' vor den Opel-Werkstoren

verteilt wurde - durch Studenten, wie 1. Bevollmächtigter Fritz Wirtz erklärte

- griffen Gewerkschaftler ein. Von Gewalt könne keine Rede sein, so Fritz

Wirtz. 'Die Arbeitnehmer wehren sich eben.' In der neuen Nummer des Blattes

werden die IG Metall und vor allem Opel-Betriebsratsvorsitzender Günter

Perschke brutal attackiert.



Der Druck des Organs widerspricht einem Vertrag vom Studentenwerk mit der Uni.

In einem Brief machen Rektor und Kanzler darauf aufmerksam und betonen, daß

bei Wiederholungen die Universität die ihr gehörenden Maschinen

zurückverlangen werde."



Die RBG Opel berichtet selbst:"

SCHLÄGER VOM DIENST



Ganze 5 Nummern der 'Zündkerze' waren nötig, um den Betriebsrat der Firma Opel

und die hinter ihm stehende IGM zu einer Fehlzündung zu veranlassen, die

diesen Apparat entlarvte als das, was er wirklich ist: eine Kampforganisation

gegen die Arbeiter.



WAS WAR GESCHEHEN?



Betriebsrat und IGM-Ortsverwaltung hatten Wind davon bekommen, daß eine

'ZK'-Nummer im Anmarsch war, die ihre Praktiken beim Opel-Streik gebührend

unter die Lupe nehmen würde.



Dies mußte verhindert werden. Da die 'ZK' durch den Streik an Popularität

gewonnen hatte, da sie bei der Urabstimmung (vgl. 30.9.1970,*.Vf.) eine

entscheidende Niederlage hatten einstecken müssen, kam es nun darauf an, ihr

ramponiertes Ansehen wieder aufzubügeln.



Also mußten sie einen 'Schuldigen' finden, an dem sie ihr Mütchen kühlen

konnten.



Die Mittel, derer sie sich dabei bedienen, sind ebenso alt wie auf die Dauer

zwecklos: Schlägertrupps und Staatsgewalt.



ERSTES MITTEL:



Am Montag, den 9.11., erschien die Nr.5 der 'ZK" über den Opel-Streik.



Wie schon die vorigen Nummern wurde auch diese von der Studentenorganisation

der KPD/ML am Ort, dem KSB/ML (Kommunistischer

Studentenbund/Marxisten-Leninisten, ehemals SDS/ML).



Daß es diesmal jedoch zu einem von der 'ZK' nicht gewollten Modus der

Verteilung kam, merkten unsere Studenten bald: Gegen 5 Uhr 15 machte ein

Schlägertrupp in einem weißen Opel Rundfahrt um den Betrieb. Er war gut

vorbereitet, schon Tage vorher, wie wir später von V-Leuten erfuhren.



Vermummt, ausgerüstet mit Regenschirmen, brachte er mit Gewalt ca. 300

Exemplare der 'ZK' in seinen Besitz. Bei seiner körperlichen Überlegenheit ein

leichtes Spiel. Wer sich lautstark weigerte, wurde kurzerhand festgehalten,

während ein anderer 'Kollege' zugriff. Daß dabei auch noch ein Personalausweis

und ein Notizbuch in anderen Besitz überging, sei nur am Rande erwähnt.



Nach getaner 'Arbeit' brausten diese 'Kollegen' eilig davon - um Rapport zu

machen.



An der Wittener Straße wurde dieses muntere Treiben vom Betriebsrat El Mundi

(Harry Black) beobachtet, der sich verschämt in einem Kneipeneingang versteckt

hielt. Kollegen machten unsere Verteiler extra darauf aufmerksam, als er aber

zur Rede gestellt werden sollte, war er verduftet.



Er, der sonst immer erst um 8 erscheint, war diesmal sehr früh aufgestanden.

Preisfrage: Was mag ihn wohl zu solch einem Frühaufsteher gemacht haben?!



Mittags in Langendreer: Wieder war ein weißer Opel im Spiel (Nummer ist der

Redaktion bekannt). Doch diesmal waren es fünf 'Kollegen', drei in zivil, zwei

im Blaumann. Einer von ihnen stellte sich als 'stellvertretender

Vertrauensleutevorsitzender' vor. Einen der Verteiler konnten sie noch

erwischen. Er hatte die 'ZK' unterm Mantel. Also ran an die Bouletten, Mantel

aufgerissen und kurz einen Schwinger unters Kinn, damit er nicht mehr so frech

gegen die 'Besitznahme' protestieren konnte.



Zwei der Kollegen verließ aber in Anbetracht der immer noch vorhandenen

Freundlichkeit des Verteilers und des Protestes einiger Kollegen der Mut: Die

'ZK' wollten sie zwar, aber daß geschlagen wurde, das wollten sie nun wiederum

nicht.



Das hätten sie sich früher überlegen müssen, hatten sie doch von morgens bis

mittags genügend Bedenkzeit.



Doch warum wollten sie gerade diese 'ZK'? Weil sie Unruhe in den Betrieb

bringe, weil sie das Vertrauen der Kollegen in Betriebsrat und IGM untergrabe

(Wo ist denn dieses Vertrauen? Sprechen die 83,9% nicht Bände...) (vgl.

**.**.1970,d.Vf.). Die D'K'P (DKP,d.Vf.) sei da viel humaner. Deren Kritik

halte sich in Grenzen, wirklich böse Worte seien von der nicht zu hören. So

die Mini-Schläger vom Dienst. Wir waren allerdings sehr erfreut, aus diesem

berufenen Munde etwas über die Qualität einer 'ZK' und eines 'Rosa Kadett' zu

erfahren. Letzterer schweig sich bisher aus. Solidarität kennen diese nicht,

obwohl wir vor kurzem einen ihrer Verteiler vor einem Nazi in Langendreer

halfen.



ZWEITES MITTEL:



GRUNDGESETZ (GG,d.Vf.)

Artikel 5, Absatz 1

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu

äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen

ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit der Berichterstattung durch

Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.



Die zweite Methode, mit der diese Herren versuchen, die 'ZK' kalt zu stellen,

steht der ersten in nichts nach, sie ist wirklich würdig für Gummilöwen

(Perschke,d.Vf.).



Was ein echter Bürokrat ist, der handelt auch entsprechend, anstatt sich in

die Arena der offenen politischen Auseinandersetzung zu wagen. Schon vor

einiger Zeit hatte der erste IGM-Bevollmächtigte für Bochum/Wattenscheid,

Wirtz, sich bei 'einflußreicher' Stelle beschwert, wie uns aus gut

informierten Kreisen bekannt wurde, daß die 'ZK' im Druckverlag des

Studentenwerkes an der Ruhr-Uni gedruckt würde.



Diesmal erhielt seine Beschwerde von 'einflußreicher Stelle' Nachdruck. Wirtz

rief seinen 'Genossen' von der SPD, den Wissenschaftsminister Rau in

Düsseldorf an, um das Problem 'wissenschaftlich' auf dem Amtswege bereinigen

zu lassen.



Den Argumenten des Ministers Rau konnten sowohl Rektor als auch Kanzler der

Ruhr-Uni (CDU-Mitglied) nicht widerstehen und forderten nun ihrerseits in

einem Brief an das Studentenwerk Druckverbot für die 'ZK'. Der Druck solcher

Zeitungen 'widerspreche der wissenschaftlichen Zielsetzung dieses Verlages'.



Aber nicht nur die Amtsbrüder wurden in Bewegung gesetzt. Auch die bürgerliche

Lokalpresse mußte ihr Scherflein beitragen (siehe Zeitungsausschnitte). Diese

druckte natürlich auch prompt die Lügen der IGM ab. Angeblich bestünde ein

Vertrag zwischen 'ZK' und Studentenwerk, der sich in 'Besitz der Gewerkschaft

befinde'. (Interessant ist, daß zur Zeit dieser 'Verblüffung fast aller

Beteiligten' jemand mit Nach- oder Originalschlüsseln ins Studentenwerk

eindrang und verzweifelt versuchte, etwas zu fotokopieren, wobei das Gerät

kaputt ging.) Solch ein Vertrag hat nie existiert. Nur ein Druckauftrag, wie

er bei jeder Druckerei üblich ist. Auch bestehen keine günstigen Preise. Wir

zahlten genau so viel wie jeder andere Kunde auch. UNSERE Rechnungen können

wir jederzeit veröffentlichen. In den Ruhr-Nachrichten stand gar, daß diese

'ZK' eine der billigsten war. Richtig dagegen ist, daß es die teuerste war,

deshalb auch ihr spätes Erscheinen!



AMMENMÄRCHEN



Doch wie wird nun von Seiten des Betriebsrates und der V-Leutebonzen die ganze

Angelegenheit geschildert? Nehmen wir als Beispiel 'Kollege' Sonak, BR und

V-Leute-Vorsitzender.



Am Montag, dem 9.11., wurde er von Kollegen gefragt, wie er eigentlich dazu

komme, die 'Jungens von der 'ZK' zu verprügeln'. Unseres Wissens war Sonak

nicht dabei, aber diese Kollegen hatten schon den richtigen Riecher. Sonaks

Antwort: 'Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.'



Doch die Kollegen ließen nicht locker. Sie fragten ihn später noch einmal.

Diesmal wußte er Bescheid.



Gewaltanwendung hätte es nicht gegeben. Vielmehr hätten 'einige Kollegen sich

freundlich und vernünftig mit den Verteilern unterhalten und sie von ihrer

falschen Meinung zu überzeugen versucht. Sie wären ja Studenten, würden auf

Steuergeldern studieren und die ZK würde ja auch von Steuergeldern bezahlt.'

Nach diesem 'Meinungsaustausch' hätten die Verteiler die 'ZK' so quasi

freiwillig hergegeben und seien reumütig von dannen gezogen.



Die Kollegen aber glaubten Sonak kein Wort, solche Ammenmärchen solle er

sonstwem erzählen. Ein Kollege sagte sofort, daß er seine Unterschrift gebe

für das, was Sonak gesagt hätte. Denn wenn die Verteiler sich im BR-Büro

beschweren würden, könnte er ihnen ja sonstwas erzählen.



Wir von der 'ZK' erklären deshalb, um solchen BR-Erklärungen in Zukunft

vorzubeugen: Niemals werden wir die 'ZK' freiwillig irgendwelchen Bonzen und

Schlägern überlassen. Kollegen, wer auch immer etwas anderes sagt, ist ein

Lügner!"



Später wird als einer der Schläger Willi Schneider von der SPD-BG Arso

angegeben.



Von den Überfall berichten auch KPD/ML-ZK und RG bei den Kabelwerken

Reinshagen (KWR) Bochum (IGM-Bereich - vgl. 23.11.1970) sowie der KSB/ML an

der Ruhruniversität Bochum (vgl. 16.11.1970).

=KPD/ML-ZK und RG-RBG Reinshagen:Krisenbarometer auf Sturm,Bochum o.J.

(1970),S.4;

Zündkerze Sdr.Nr. Schläger vom Dienst, Extra Ein feines Süppchen und

Extranummer Kampf der Bonzendiktatur!,Bochum o.J. (23.11.1970), o.J.

(1.7.1971) bzw. o.J. (1971),S.1ff, S.3 bzw. S.2;

Rote Zelle Nr.2,Bochum Nov. 1970,S.2, 12 und 15



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09.11.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZK die Nr.5 ihrer 'Zündkerze' (vgl.

30.10.1970, 23.11.1970) mit 22 Seiten DIN A 4 heraus.

Für das Kreuzworträtsel gingen 47 Einsendungen ein, die alle richtig waren.

Einsendeschluß für das neue Rätsel ist der 1.12.1970.



In einer "Vorbemerkung der Redaktion" heißt es:"

KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Viele von Euch haben uns gebeten, AUSFÜHRLICH zu dem Streik bei uns Stellung

zu nehmen. Außerdem dazu, wie wir zu Ulbricht stehen.

Wir haben versucht, dieser Bitte gerecht zu werden. Es ließ sich dabei aber

nicht vermeiden, daß die Artikel länger wurden, als wir sie anfangs geplant

hatten, wodurch der Umfang dieser Nummer zugenommen hat. Damit die ganze

Nummer aber nicht zur Zeitschrift wurde, mußten wir diesmal auf einige

Leserbriefe verzichten, bringen sie aber in der nächsten Ausgabe. (Wir bitten

daher all die Kollegen um Verständnis, die sich noch nicht gedruckt sehen.)

Und nun, Kollegen, hinein in die dickste 'Zündkerze', die es je gab!"



Es folgt ein Artikel "Dschungeltaktik - Bericht über die letzte BV" (vgl.

1.10.1970).



In den Leserbriefen heißt es:

- "Ich bin jetzt einige Jahre bei Opel. Wie die mit einem umgehen, davon kann

ich ein Lied singen. Wenn Ihr von der Zündkerze beim Streik geschrieben habt,

Opel wäre eine Knochenmühle, so halte ich das noch für zu diplomatisch. Hier

geht es ja zu wie bei der Mafia, so wird man besch... und angetrieben."



- "Bisher konnte ich die Zündkerze kaum lesen. Es waren einfach zu wenig da.

Könnt Ihr nicht mehr davon verteilen?

(Das ist eine Geldangelegenheit, denn wir verdienen nicht über 60 000 DM wie

Herr Brenner. Wir können nur mehr verteilen, wenn alle Kollegen tatkräftig

mithelfen, die Red.)"



- "Euer Kreuzworträtsel war eine prima Idee. Ich habe ganz schön daran

herumgeknobelt. Aber es war auch verdammt schwer. Wäre die Lösung nicht so

einfach gewesen, ich hätte es nicht herausbekommen.

Könnt Ihr es beim nächsten Mal etwas leichter machen?

(Lieber Kollege, wir haben es gemerkt, daß es für den Anfang zu schwer war.

Hoffentlich ist es uns diesmal besser gelungen..., die Red.)"



- "Eure Forderung nach einer Mark für alle war richtig. Ich habe gestaunt,

wie schnell Eure Klebezettel weg waren. Macht sowas öfters. .......

Diese Zettel sind auch überall im Werk zu sehen gewesen. Die Werksleitung

hatte natürlich Wind davon bekommen. Die Zettel waren dann schnell wieder

verschwunden.

(Kollege, Kreide tut es manchmal auch. Außerdem kann man auf staubige Flächen

die schönsten Dinge schreiben, die Red.)"



- "Kollegen!

Herzlichen Dank für Eure schnelle und sachliche Information beim Streik.

Im Fernsehen habe ich gesehen, was die IGM für Geld hat für Flugblätter. Aber

bei Opel verteilte sie kein einziges. ..........

Bei einem Flugblatt habt Ihr Euch verrechnet. Zwar kommt Eure Rechnung

einigermaßen hin, daß die 71% nur noch 67% wert sind, das trifft aber nicht

für die 150 DM und die 300 DM zu. Diese werden voll gezahlt, nicht prozentual

vom Lohn berechnet."



- "Kollegen. Ich finde Eure Arbeit gut. Ich kann mir aber kein genaues Bild

von Eurer Arbeit machen. Könnt Ihr vielleicht darüber einmal einen Artikel in

der Zündkerze schreiben?

(Wir werden in der nächsten Nummer Genaueres über unsere Arbeit schreiben.

Wir werden auch ein kleines Programm veröffentlichen, die Red.)"



- "Was denkt sich eigentlich so ein Mann wie Perschke? Weiß der eigentlich

noch, was für uns eine Mark bedeutet? Offensichtlich nicht. Sonst hätte er

nämlich uns nicht so an der Nase herumgeführt. Traurig ist nur, daß ihm immer

noch einige Kollegen auf den Leim gehen."



- "Ab und zu lese ich die UZ. (Organ der D'K'P, die Red.) Den Artikel über

Euch finde ich aber gar nicht nett. Ich war schon ziemlich gespannt, was der

'Rote Kadett' über Euch bringen würde. Aber ich wurde enttäuscht. Kein Wort

konnte ich im letzten 'Roten Kadett' (vgl. Okt. 1970,d.Vf.) über Euch finden.

Ich hatte sehr stark den Eindruck, daß die kneifen."



Der eben angesprochene Artikel in der 'UZ' der DKP wird nachgedruckt mit dem

Kommentar "Kollegen! So werdet ihr verUZt!" und einem Artikel (vgl.

17.10.1970).



Enthalten sind auch ein Bericht über den Streik (vgl. 24.9.1970, 28.9.1970)

und ein Artikel "Warum sagen Kommunisten: Ulbricht ist ein Antikommunist?",

in dem im ersten Abschnitt auf die Berichterstattung der 'WAZ' über die

KPD/ML-ZK im Streik (vgl. 24.9.1970) eingegangen und dann mit einem Text

fortgefahren wird, der auch im Duisburger IGM-Bereich in den KPD/ML-ZK

Zeitungen für Thyssen (ATH) (vgl. **.*.1971), für Demag (vgl. **.*.1971) und

Mannesmann (MM) mit Änderungen verbreitet wird:"

2. 'ZÜNDKERZE' ZUM ÜBERFALL AUF DIE CSSR



Es stimmt, daß im August 1968 Breschnew und Ulbricht die CSSR überfallen und

besetzen ließen. Es stimmt auch, daß Breschnew und Ulbricht behaupten, sie

wären Kommunisten. Es stimmt aber auch, daß ein wirklicher Kommunist niemals

bewaffnete Aggressionen gegen andere Länder unternehmen kann. Wer das tut,

der kann nie und nimmer ein Kommunist sein. Als Tito 1948 das sozialistische

Lager verließ, um sich schrittweise dem Westen anzuschließen (heute ist er

soweit, daß er Nixon einlädt) (das darf nur die VR China - vgl. **.*.1972,

d.Vf.), griff Stalin NICHT mit Waffengewalt ein, weil ein Kommunist nicht

andere Länder überfallen darf.

Etwas anderes ist es allerdings, wenn Kommunisten um Hilfe bitten, wie in

der VR Korea Anfang der 50er Jahre geschehen: Als die chinesischen

Kommunisten Hilfe gegen den Einfall der Yankees (USA,d.Vf.) geleistet

hatten, verließen sie sofort wieder das Land.

1968 wurden Breschnew und Ulbricht aber von den Tschechoslowaken keineswegs

zur Hilfe gerufen. Trotzdem ließen sie einmarschieren. Wie können sie sich

dann noch als Kommunisten bezeichnen?"



Zu zwei kaum erkennbaren Bildern heißt es:"

1950 Koreanische und chinesische Soldaten feiern ihren gemeinsamen Sieg über

die US-amerikanischen Eindringlinge.



1968 sowjetische Truppen 'helfen' der CSSR."



Im Text geht es weiter:"

ULBRICHT HANDELT ANTIKOMMUNISTISCH - WIE KANN ER DA KOMMUNIST SEIN?



Die Beteiligung am Überfall auf die CSSR ist nicht die einzige

antikommunistische Handlung Ulbrichts. Im Jahre 1969 (vgl. **.**.1969,d.Vf.)

wurden z.B. kommunistische Studenten aus Burma, die gegen 'ihre'

faschistische Regierung kämpften, von Ulbricht aus der DDR an Burma

ausgeliefert: direkt in die Konzentrationslager hinein.

Als der indonesische Massenmörder Suharto kürzlich in Bonn war (vgl.

5.9.1970,d.Vf.), verhielt sich Ulbricht schweigend - kein Wunder, liefert

doch die DDR an diesen feinen Herrn eine Rundfunk- und Fernsehstation, um die

faschistische Propaganda zu unterstützen (mehr dazu im Zentralorgan der

KPD/ML, 'Roter Morgen') (vgl. Sept. 1970,d.Vf.)



Weiter: noch heute unterhält Ulbricht mit der Schlächterregierung Lon Nol in

Kambodscha diplomatische Beziehungen, nicht mit der Volksregierung Sihanouk,

die inzwischen von mehr als 30 Staaten als die reguläre Regierung anerkannt

ist.

All das sind Tatsachen, die auch der 'Rosa Kadett' nicht bestreiten kann.

Aber nicht nur im internationalen Maßstab handelt Ulbricht antikommunistisch.



4. ULBRICHT BAUT LANGSAM ABER SICHER DIE RESTE DES SOZIALISMUS IN DER DDR AB



Wir sind Kommunisten, d.h. konsequente und deshalb radikale Sozialisten.

Darum bekämpfen wir die neuen Kapitalisten in der DDR ebenso wie die alten

bei uns. Das bedeutet für uns aber auch, die Hetze und Verleumdung

bürgerlicher Zeitungen wie 'Bild' über die DDR zu entlarven. Wenn 'Bild' ihr

großes Geschrei erhebt, so meint sie nicht etwa den Antikommunismus eines

Ulbricht, sondern die Reste des Sozialismus in der DDR.



- Viele Kollegen kennen die DDR aus eigener Erfahrung oder aus Berichten von

Verwandten oder Freunden. Sie können besser urteilen als die 'Bild'-Zeitung.

Sie haben selbst gesehen, welche Vorteile der Sozialismus u.a. bringt:

billige, gute Wohnungen, kostenlose Krankenhausbehandlung, billigen Urlaub,

die Arbeiterkinder lernen mehr in der Schule.



- Diese Kollegen haben aber gleichfalls sehen können, wie diese

Errungenschaften Schritt für Schritt zurückgenommen werden - von Ulbricht.

Die besten Wohnungen bekommen inzwischen die Manager, in Krankenhäusern gibt

es Sonderbehandlung für Bonzen, Urlaub machen die neuen Herren unter sich,

das beste Fortkommen haben die Funktionärskinder.



- Und diese Kollegen wissen auch, was mit Arbeitern oder unteren Funktionären

passiert, die gegen diese Wiedereinführung alter Zeiten protestieren: Sie

werden verleumdet, als Staatsfeinde und Feinde des Sozialismus. Es liegt dann

voll und ganz im Ermessen der neuen Herren, ob sie 3 Monate Knast oder mehr

verabreichen. Denn nichts hassen sie mehr als klassenbewußte, wirkliche

kommunistische Arbeiter. Wie bei uns, wo die Gewerkschaftsbonzen nur so

zittern, wenn die Kollegen ihre Interessen selbst in die Hand nehmen.



- Eine der schändlichsten Taten Ulbrichts ist allerdings, daß er gegen bare

Münze auf die volle Anerkennung der DDR durch Bonn verzichten will (...).

Dadurch würden die Arbeiter und Bauern der DDR endgültig Menschen dritter

Klasse, allen Erpressungen Bonns und Moskaus hilflos ausgeliefert. Denn

merke: Je lauter die D'K'P nach 'Anerkennung der DDR' schreit, desto weiter

ist diese entfernt.

Es ist aber natürlich, wenn wir als Kommunisten damit in keiner Weise

einverstanden sind!



5. ULBRICHT - VERTRETER EINER NEUEN KAPITALISTENKLASSE



Wenn wir Ulbricht entschleiern, dann heißt das nicht, daß er persönlich

schlimmer wäre als andere. Darauf kommt es gar nicht an. Ein Politiker

vertritt in erster Linie die Interessen seiner Klasse. Wenn Ulbricht die

kapitalistischen Salzgitterwerke, die Quelle und Co ins Land holt, wenn er in

'Intershop'- und 'Exquisit'-Läden den Funktionären und Managern, nicht aber

der arbeitenden Bevölkerung Luxusgüter verschafft, wenn er in die CSSR

einmarschieren läßt, vertritt er dann etwa die Interessen der Arbeiter,

Bauern und einfachen Soldaten der DDR? Offenbar doch nicht! Aber wessen

Interessen bleiben dann noch übrig?! Doch nur die seiner eigenen Kaste!

Diese neue Kapitalistenklasse hat sich aus den oberen und mittleren

Parteifunktionären und den Wirtschaftsmanagern gebildet. Und diese bekommen

von Ulbricht natürlich immer mehr Vorrechte zugeschanzt: Sonderkonten in

West-Mark und Dollar, Luxusvillen mit abgezäunten Stränden an der Ostsee,

schwere Wagen und Reiseerlaubnis in den Westen.



- Das ist, wie wirkliche Kommunisten heute sagen, das revisionistische

Prinzip des 'materiellen Anreizes'. Dieses Prinzip bedeutet: Wer schon hat,

der kriege noch mehr. Wer arbeiten muß, dem nehme man noch mehr. Dies ist ein

durch und durch kapitalistisches Prinzip.



6. MODERNER REVISIONISMUS - KOMMUNISMUS IN WORTEN, KAPITALISMUS IN TATEN



Die 'Zündkerze' nennt Ulbricht nicht einen Kommunisten, sie nennt ihn einen

modernen Revisionisten. Dieser Ausdruck ist für viele Kollegen neu. Zwar

kennen vielleicht einige Kollegen, vor allem ältere, noch den Ausdruck

'Revisionismus', doch was bedeutet der Zusatz 'modern'?

Revisionismus bedeutet zunächst einmal, daß Leute, die sich als

Arbeitervertreter ausgeben und dabei auf Marx und Engels berufen, nur so tun

als ob und die Lehre von Marx/Engels längst über Bord geworfen haben. Dies

geschah zum ersten Mal, als die SPD von einer Arbeiterpartei zu einer Partei

der Bonzen wurde, die für Pöstchen ihre Mitglieder an die jeweils herrschende

Kapitalistenclique verriet. 1914 war es der Kaiser, in den 20ern waren es die

Herren Krupp und Thyssen.

Nur die wirklichen Arbeiterführer bekämpften die Bonzen in SPD und

Gewerkschaften: Lenin in Rußland, Luxemburg/Liebknecht in Deutschland

(später Ernst Thälmann). Deshalb gründeten sie die KPR bzw. die KPD.



Der Unterschied zwischen alten und neuem (modernen) Revisionismus besteht

darin, daß es den Arbeitern in der Sowjetunion (SU,d.Vf.) und in der DDR

gelungen war, tatsächlich die Macht den Kapitalisten zu entreißen und sie in

die eigenen Hände zu nehmen. Daß aber der sozialistische Weg durch Bonzen-

und Bürokratentum wieder verlassen wurde - in der SU durch Chruschtschow, in

der DDR durch Ulbricht. Anstatt die Macht der Arbeiter und Bauern weiter zu

festigen, führten diese Herren Schritt für Schritt den Kapitalismus ein.

Doch je mehr sie dies tun, desto lauter brüsten sie sich als die 'wahren'

Erben von Marx und Lenin!"



In einem eingefügten Comic bemühen sich KPdSU, SED und DKP mit nur spärlich

aus einem Feuerwehrschlauch rinnenden Revisionismus die am Himmel leuchtende

Sonne mit Mao Tse Tung zu löschen, die sie ins Schwitzen bringt, während

Arbeiter und Bauer mit Hammer bzw. Sichel im Hintergrund dies beobachten.



Weiter heißt es:"

7. DER 'ANTIKOMMUNISMUS' VIELER KOLLEGEN IST EIGENTLICH ANTIREVISIONISMUS



Viele Kollegen sind gegen Ulbricht. Wenn sie meinen, einen Kommunisten zu

sehen, neigen sie oft dazu, diesem zuzurufen: 'Du bist ja von Ulbricht

bezahlt! Geh doch hinter die Mauer! Geh doch nach drüben, dort wirst Du schon

sehen, wie herrlich es dort ist!'

Diese Kollegen unterliegen einem Irrtum, den die bürgerliche Presse

absichtlich hervorruft (vgl. 24.9.1970,d.Vf.): Sie halten zwar Bier nicht für

Wasser, aber Ulbricht für einen Kommunisten.

Wer aber heute noch behauptet, Ulbricht sei ein Kommunist, der kann ebenso gut

sagen, der Papst verstehe etwas von der Pille. Denn beides stimmt nicht.

Ulbricht läßt sich in der Tat nicht lumpen und bezahlt bar, wenn die D'K'P

hier groß ins Horn bläst und die DDR als 'Vaterland aller deutschen

Werktätigen' bejubelt: Vergünstigte Reisen in die DDR, Ausbildung der oberen

D'K'P-Bonzen in der DDR für ihr 'schweres Amt' hier usw. (etwa die Mies,

Kapluck und wie sie alle heißen).

Wer aber dort den neuen Herren dient, dem bleibt nichts anderes übrig, als

hier den alten zu Diensten zu sein. Man kann die D'K'P auch mit einer DDR-

Werbe- und Handelsagentur vergleichen, man lese nur die Anzeigenseiten der

UZ.

Zudem läuft die D'K'P jedem Wort hinterher, das ein Gewerkschaftsbonze hat

fallen lassen, um es wieder und wiederzukauen. Angeblich schmeckt sie dann

noch 'Fortschritt' darin. Das konnten wir während des Streiks sehen, als die

D'K'P Perschke und Co. über den grünen Klee lobte, als er bei uns schon unten

durch war.

Die Kollegen und Mitarbeiter der 'Zündkerze' wissen natürlich, daß die

einfachen Mitglieder der D'K'P nichts mit den D'K'P-Oberen zu tun haben. Sie

müssen ebenso hart arbeiten wie wir alle. Sie sehen zwar die sozialistischen

Splitter in der DDR, bei den kapitalistischen Balken verschließen sie

allerdings die Augen. Und im Streik stehen sie oft an der Seite ihrer

Kollegen. Gegen sie haben wir nichts, im Gegenteil. Mit ihnen diskutieren wir

freundschaftlich und sachlich und suchen sie zu überzeugen.

Wagen es aber Kollegen, gegen diesen Ramsch, den die D'K'P uns verkaufen

will, anzugehen, dann kann sie nur noch schimpfen, damit ihr die

Gewerkschaftspfründe nicht verlorengehen. Haben wir nicht schon mit den

Betriebsräten genug, die jetzt da sind!? Angeblich nein! Denn die D'K'P will

noch mehr, damit für sie auch einmal etwas abfällt.



Oder sie läßt ihr nicht genehme Betriebszeitungen einstampfen, womit den

Kollegen, die sie gemacht haben, alle Äußerungsmöglichkeit gegenüber den

Kollegen genommen ist."

Berichtet wird auch von Krupp Bochum (vgl. Mai 1970) und fortgefahren:"

8. WAS DIE SOWJETUNION FÜR DIE ARBEITER UND UNTERDRÜCKTEN VÖLKER FRÜHER WAR -

DAS SIND HEUTE DIE VOLKSREPUBLIKEN ALBANIEN UND CHINA



Die Kommunistische Partei Chinas, an ihrer Spitze Mao Tsetung, hat in der

Kulturrevolution verhindert, daß auch in China eine neue Kapitalistenklasse

von arbeiterfeindlichen Funktionären und Managern an die Macht kam. Der

chinesische Ulbricht hieß Liu Schaotschi. Doch in China behielten die

Arbeiter, Bauern, fortschrittlichen Intellektuellen und einfachen Soldaten

das Heft fest in der Hand. Sie hatten nicht jahre mit der Waffe in der Hand

gekämpft, um sich jetzt alles durch Bürokraten, Bonzen usw. 'friedlich' aus

der Hand nehmen zu lassen.

Die größte Hilfe erhielten sie dabei von der KP, vor allem von Mao Tsetung.

Diese waren überall an erster Stelle, wenn es darum ging, Manager usw. aus

ihren Sesseln zu holen und sie wieder zum einfachen Arbeiten zu bringen.

Die Kommunisten gingen aus diesem Kampf gestärkt hervor, sie gewannen das

volle Vertrauen des chinesischen Volkes im Kampf gegen die chinesischen

Ulbrichts.

Wenn uns bisher viele Kollegen gesagt haben: 'Schön unf gut, was in China

geschieht! Mag ja alles stimmen. Aber wer sagt uns, daß es dort nicht eines

Tages so wird wie in der DDR?' so können wir ihnen antworten: gerade darauf

hat Mao Tsetung eine Antwort gegeben. Die chinesischen Kommunisten wissen

heute aus eigener Erfahrung, daß der Kampf gegen solche Leute wie Ulbricht

nicht nur einmal geführt werden muß. Auch in einigen Jahren kann es möglich

sein, daß ähnliche Bonzen wieder auftreten. Deshalb ist es schon heute

notwendig, alle Vorkehrungen zu treffen, um diesen Herren einen gebührenden

Empfang bereiten zu können: Die Macht der arbeitenden Bevölkerung muß

wirklich gefestigt werden, die KP muß prinzipienfest und korrekt bleiben und

allen revisionistischen Täuschungsmanövern mit Entschiedenheit

entgegentreten.

Das gleiche tun die albanischen Marxisten-Leninisten. Daß solch ein Kampf

erfolgreich sein kann, beweist gerade Albanien: Dieser kommunistische 'Zwerg'

wagte es, dem revisionistischen 'Riesen' Sowjetunion die Stirn zu bieten,

ohne daß dieser es bisher wagte, mit ihm so zu verfahren, wie mit der CSSR!



9. DIE KPD/ML UND DIE 'ZÜNDKERZE'



Wirkliche Kommunisten wissen heute, daß es keinen Sinn hat, die Kapitalisten

hier und die neue Bourgeoisie in der DDR nur mit Worten zu bekämpfen. So wie

einst Lenin und Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründeten sie neue

Parteien, die mit dem Marxismus-Leninismus (ML) UNSERER Zeit gewappnet sind:

mit der Lehre Mao Tsetungs und Enver Hoxhas (Albanien). In allen Ländern der

Welt sind diese Parteien an dem Zeichen ML zu erkennen, so in Frankreich,

Italien, Belgien, Schweden usw.



Die KPD/ML wurde am 50sten Jahrestag der Gründung der KPD am 31.12.1968

gegründet. Damit zogen auch die westdeutschen Marxisten-Leninisten einen

Schlußstrich unter den Verrat von Breschnew und Ulbricht.

Die Bochumer Ortsgruppe besteht seit über einem Jahr. Einige ihrer Mitglieder

und Opel-Kollegen, die diese Partei richtig finden, geben die 'Zündkerze'

heraus. Um dies gut und organisiert machen zu können, haben sie sich zu einer

Gruppe zusammengeschlossen, die sie Rote Opel Betriebsgruppe nennen (RBG).



Wir von der RBG haben zu zeigen versucht, daß wir

- ERSTENS keine 'Hetzer' sind, sondern nach Kräften alles unterstützen

werden, was den Arbeitern wirklich hilft. Wer das dann immer noch für 'Hetze'

hält, dem können wir nur eine Reise nach Albanien oder China empfehlen,

allerdings nicht in die DDR.

- ZWEITENS von Ulbricht genausoviel halten wie fast alle Kollegen, nämlich

gar nichts!

Wir fordern daher alle Kollegen auf, zu diesem Artikel Stellung nehmen und

wenns geht, uns zu schreiben. (Übrigens: wir haben Exemplare dieser Nummer an

die 'WAZ' geschickt. Wenn sie uns noch einmal mit dem 'Rosa Kadett' in einen

Topf werfen, ist ihr böser Wille endgültig bewiesen!)

Außerdem fordern wir alle Kollegen, die diesen Artikel für richtig befinden,

auf uns nach Kräften zu unterstützen. denn: Nur verient und mit der richtigen

Idee sind wir stark!"



Geworben wird für die Nummern 8 und 9 des 'Roten Morgen' sowie

'Elementarbücher des Marxismus-Leninismus', die über Stefan Bock bestellt

werden können, nämlich Maos Rotes Buch, Lin Biaos Bericht auf dem 9.

Parteitag der KP Chinas, Lenins Staat und Revolution und von Marx das

Manifest und Lohnarbeit und Kapital.

=Roter Morgen Nr.3,Hamburg März 1971;

Zündkerze Nr.5,Bochum o.J. (9.11.1970)



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09.11.1970: 

Die 'Zündkerze' der Roten Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in Bochum

berichtet:"

Der Kommunistische Studentenbund/Marxisten-Leninisten (KSB/ML) in Bochum

verteilte sofort an der Universität Flugblätter, als er beim Verteilen der

'ZK' mit Gewalt gehindert worden war.

Er solidarisierte sich mit den Kollegen von der 'ZK' und forderte alle

Studenten auf, dem Komplott zwischen Universitätsleitung und Unibürokratie,

Kultusministerium und IGM den Kampf anzusagen, da nicht nur die Kollegen bei

Opel betroffen wären, sondern letztlich auch die Studenten."

=Zündkerze Sdr.Nr. Schläger vom Dienst,Bochum o.J. (23.11.1970),S.4



11.11.1970: 

Der AStA der Ruhruni Bochum lädt zu seiner heutigen Veranstaltung zu den

Septemberstreiks, laut KPD/ML-ZK, u.a. auch den Opel-Betriebsrat Perschke

und ein Mitglied der DKP-Betriebsgruppe ein. Die KPD/ML-ZK berichtet bei

Opel (IGM-Bereich):"

Perschke allerdings zog es vor, in Abwesenheit zu glänzen. Er zog es derweil

vor, in trauter Runde im Lokal Weininghaus mit seinen 'Kollegen' Sonak,

Schulz usw. zu sitzen. Höchstwahrscheinlich hatte er aus 'gut unterrichteten

Kreisen' erfahren, daß die Studenten, die die 'ZK' ('Zündkerze' - vgl.

9.11.1970,d.Vf.) verteilt hatten, anwesend waren."



Eine Veranstaltung zum selben Thema hatte das Unikollektiv des KJVD der

KPD/ML-ZB

angekündigt, ob es sich dabei um die heutige oder eine weitere eigene

handelt entzieht sich derzeit unserer Kenntnis***.

=Zündkerze Sdr.Nr. und Nr.6,Bochum o.J. (23.11.1970) bzw. o.J. (1971),S.3f bzw.

S.4;

Rot Front Nr.2,Bochum 20.10.1970



23.11.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in Bochum berichtet

vermutlich über die heutige Verteilung ihrer 'Zündkerze' Sondernummer:"

'NEUE' SCHIKANEN:



Nachdem die Schläger vom Dienst uns nicht am Verteilen der 'Zündkerze'

hindern konnten, mußte eine neue Masche gefunden werden: Paragraphen, alt und

verstaubt, mußten herhalten. (Ein Grüner auf der Wache: 'Die mußten wir erst

suchen, denn wir kannten sie nicht und haben bisher auch nichts damit zu tun

gehabt.')



Angeblich besage das Landesstraßengesetz, daß das Verteilen von Flugblättern

genehmigungspflichtig sei. Wir waren anderer Ansicht. Aber das half wenig.

Die Grünen, die das Gesetz selber noch nicht einmal kannten, dafür aber

'Recht und Ordnung' in Uniform repräsentierten, baten uns zur

Personalienaufnahme. Damit sollten mehrere Fliegen mit einer Klappe

geschlagen werden: Die Politkripo (K14,d.Vf.) hat ein großes Interesse daran,

ihre schwarzen Listen aufzufüllen. Die Grünen leisteten somit ihren Dienst am

Staat. Ihren Dienst an der Opel-Betriebsleitung und der IGM leisteten sie

dadurch, daß sie just in dem Moment ankamen, als die meisten Kollegen auf dem

Weg zur Knochenmühle waren. Also konnten wir weniger verteilen. Es gab nur

einen Nachteil für die Grünen: Unsere Verteiler konnten diesmal den Kollegen

sagen: 'Heut gibt's die Zündkerze bei der Polizei!' und viele gingen, um sie

sich unter Polizeischutz abzuholen...



Der 'Witz' bei der ganzen Sache ist nur, daß die Grünen das falsche Gesetz

zitierten. So mußten wir ihnen Rechtsbeistand leisten: Es handelt sich

nämlich bei der Wittener Str. um die Bundestr.226, also war gar nicht das

Landesstraßengesetz, sondern das Bundesstraßengesetz zuständig. Aber wie

gesagt - Uniform muß man anhaben, dann kann man vieles behaupten...



Als wir das später auf der Altenbochumer Wache vorbrachten, stießen wir auf

taube Ohren."

=Zündkerze Extra,Bochum 27.11.1970,S.1f



23.11.1970: 

Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZK vermutlich heute eine Sondernummer ihrer

'Zündkerze' (vgl. 9.11.1970, 27.11.1970) mit 4 Seiten DIN A 4 zu den

Schlägereien bei der Verteilung der Nr.5 und den gleichzeitigen Anfeindungen

in der Presse wegen der Benutzung der Druckerei des Studentenwerkes Bochum für

die 'Zündkerze' heraus (vgl. 9.11.1970). Dazu wird gefordert:"

KOLLEGEN!

Wir fordern alle Vertrauensleute und IGM-Mitglieder auf, sich von diesem

Vorgehen ihrer 'Führer' zu distanzieren!

Wir fordern Euch alle auf, uns in folgendem zu unterstützen:

1. Fordern wir, daß ein Kollege, der Mitarbeiter bei der 'ZK' ist, auf der

nächsten Vertrauensleutevollkonferenz zu den Prügelszenen Stellung nehmen

kann. Ebenso ein Student vom KSB/ML, der verteilt hat und der Student, der für

die 'ZK' presserechtlich verantwortlich ist.

2. Fordern wir, daß diese Versammlung allen Kollegen zugänglich sein muß.

3. Fordern wir eine Gegenüberstellung der Schläger und unserer Verteiler. Wir

werden dazu eine eigene Versammlung einberufen (vgl. 27.11.1970,d.Vf.), zu der

Ihr alle ganz herzlich eingeladen seid (Ort und Zeit werden wir noch

bekanntgeben.)

Auf dieser Versammlung werden wir euch den Kurzfilm zeigen, den wir über den

Streik gemacht haben!"



Berichtet wird auch von einer Veranstaltung des AStA der RUB zu den

Septemberstreiks (vgl. 11.11.1970) und dem Protest des KSB/ML an der RUB gegen

die Schlägereien (vgl. 9.11.1970).

Zu einem Leserbrief im Spiegel Nr.** (vgl. **.**.1970), in dem es heißt:"

In meiner Arbeitsstelle Opel Bochum, Werk I, sind heute im Werkzeugbau (zirka

350 bis 400 Beschäftigte) 122 Gewerkschaftsmitglieder aus der IG Metall

ausgetreten. Der nächste Streik in der BRD findet nämlich voraussichtlich im

Jahre 2 000 statt.

Hattingen (Nordrh.-Westfalen) Walter Gross", wird formuliert:"

Die Reaktion der Kollegen in D3 (Abteilung von Meister Kocher) beleuchtet sehr

gut die Klemme, in der die IGM-Bonzen sich zur Zeit befinden.



Die Kollegen, die die Liste unterschrieben haben in D3 zum

Gewerkschaftsaustritt, fordern wir von der 'Zündkerze' auf, sich an uns zu

wenden. Unsere Reihen können noch gefüllt werden!"



Angemerkt wird:"

Kollegen, da wir in Zukunft aus obengenannten Gründen nicht mehr so 'billig'

drucken können, bitten wir Euch ganz herzlich um Spenden." Das Konto führt

ebenfalls Stefan Bock.



Enthalten ist auch das Gedicht:"

ERLKÖNIG - frei nach Goethe



Wer schreitet um fünf durch Nacht und Wind?

Es ist der Perschke mit seinem Kind;

Er faßt den Harry wohl in den Arm,

er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.



Mein Black, was birgst du so bang dein Gesicht?

Siehst, Günter, du die Zündkerze nicht?

Oh, wär'n wir geblieben doch im Bett!

Mein Black, es ist nur der Rosa Kadett.



'Du lieber Black, komm geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;

Manch harte Arbeit dort wartet am Band,

Kriegst auch ein schönes, blaues Gewand.'



Mein Günter, mein Günter, und hörest du nicht,

was die Zündkerze mir leise verspricht?

Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!

Der Rosa Kadett nur säuselt im Wind.



'Willst schöner Harry, du mit uns gehn?

Die Kollegen werden empfangen dich schön;

die Kollegen führn dich in die Arbeit ein,

solltest auch mal wieder Arbeiter sein.'



Oh Günter, oh Günter, und siehst du nicht dort

Zündkerz' Verteiler am düsteren Ort?

Mein Black, mein Black, ich seh es genau,

es ist nur der Mason mit seiner Frau.



'Wir lieben dich, uns reizt deine schöne Gestalt;

Und bist du nicht willig, wir feuern dich bald.'

Mein Günter, mein Günter, jetzt greift sie mich an!

Zündkerze hat mir ein leids getan!



Und Perschke grausets, er schreitet geschwind:

Es geht um die Posten, lieb ächzendes Kind.

Erreicht den Betrieb, ganz bleich und blaß;

in seinen Armen - das Kind war naß..."



Angekündigt wird:"

In unserer nächsten Nummer werden wir eine Artikelserie beginnen, die sich

ausführlich mit revolutionärer und kapitalistischer Gewerkschaftspolitik

befassen wird. Sowohl historisch als auch unsere heutige Lage betreffend.

Niemand soll uns nachsagen, wir seien gegen Gewerkschaften. Für welche wir

aber eintreten, werden wir klar in der nächsten Nummer sagen."

=Zündkerze Sdr.Nr. Schläger vom Dienst,Bochum o.J. (23.11.1970)



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23.11.1970: 

Bei den Kabelwerken Reinshagen (KWR) in Bochum erscheint vermutlich in

dieser Woche ein Flugblatt der Roten Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK und

ihrer Roten Garde (RG) mit vier Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Stefan

Bock, Bochum:"

KRISENBAROMETER AUF STURM ...

SIE PRODUZIEREN WENIGER, VERKAUFEN DAFÜR ABER TEURER, UM AUF DIESE WEISE

IHREN UMSATZ ZU HALTEN. SO ZAHLT DER ARBEITER, DER SICH EINEN OPEL-KADETT

KAUFEN WILL, JETZT 300 DM MEHR! ...

Eine weitere Maßnahme der Kapitalisten in der Krise ist die

'Belegschaftsverjüngung'. Bei OPEL z.B. wurden in der letzten Krise 5 000

Kollegen entlassen, kurz darauf jedoch Neueinstellungen vorgenommen, wobei

man eine Altersgrenze gesetzt hatte. Dadurch wurde die OPEL-Belegschaft um

rund zehn Jahre verjüngt, außerdem haben sie Sozialleistungen gespart. Gerade

bei den Frauen betreiben die Kapitalisten diese Praktiken, um junge

Arbeitskraft aussaugen zu können. Über die Hälfte der Firmen hat

Altersgrenzen festgesetzt. ...



LETZTE MELDUNG: IN EIGENER SACHE



In der letzten Zeit versuchen Gewerkschaftsbonzen im Verein mit

Betriebsleitungen, Ministern und Polizei uns immer mehr Schwierigkeiten zu

machen. So haben sie bei OPEL Schlägertrupps eingesetzt (vgl. 9.11.1970,d.

Vf.), die die Verteilung der 'Zündkerze' (Betriebszeitung der Roten

Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML) verhindern sollten. Viele Kollegen waren

darüber empört und der stellvertretende Vertrauensleutevorsitzende wurde zur

Rede gestellt, er hatte ebenfalls mit der Sache zu tun gehabt. Die

Herrschaften haben deshalb große Angst vor der 'Zündkerze' und der KPD/ML

bekommen, weil diese im Streik entschieden die Forderungen der Kollegen nach

15% Lohnerhöhung und 13.Monatslohn unterstützt und die Verrätereien von

Betriebsrat und Gewerkschaft aufgedeckt haben.



Nun versuchen sie mit allen Mitteln, den Druck von Betriebszeitungen der KPD/

ML zu verhindern.



Dadurch können sie aber gar nicht verhindern, daß die OPEL-Kollegen immer

mehr erkennen, daß sie den Kampf aufnehmen müssen. Bei Opel bauen die

Kollegen eine Rote Betriebsgruppe auf.



Trotz größerer Schwierigkeiten in der letzten Zeit werden wir weiterhin

unsere Zeitungen und Informationsblätter für die Kolleginnen und Kollegen in

den Betrieben herausgeben. Unterstützt uns dabei durch Spenden!



Überweist sie bitte auf Postscheckkonto ... St. Bock ... !



ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN BETRIEBSGRUPPE DER KPD/ML UND DER ROTEN GARDE"

=KPD/ML-ZK und RG-RBG Reinshagen:Krisenbarometer auf Sturm,Bochum o.J. (1970)



26.11.1970: 

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK in Bochum berichtet:"

LETZTE MELDUNG: POLIZEI, DEIN FREUND UND...



In der gestrigen Pause der Mittagsschicht haben Mitarbeiter der 'Zündkerze'

auf Privatgelände an der Wittener Str. den Film gezeigt, den wir über den

Opel-Streik gedreht haben. Jeder Kollege, der die 'Freilichtaufführung' sah,

fand das nicht schlecht und die meisten sahen ihn sich an. Es dauerte aber

nicht lange, da fuhren ein Streifenwagen und ein Mannschaftswagen der Polizei

zur 'Erkundung' vorbei. Unsere Mitarbeiter wußten warum. Ihre Voraussicht

bestätigte sich bald: Kaum war der letzte Kollege wieder an die Arbeit

gegangen, da fuhr der Mannschaftswagen vor. (Offensichtlich hatten die Grünen

Angst, im Beisein der Kollegen vorzugehen.) Trotz Widerspruch betraten sie

das Privatgelände und forderten die Personalien, den Verantwortlichen und das

'Ende der Veranstaltung'. Nur das Letzte bekamen sie gewährt: die Vorführung

war ja sowieso zuende. Begründung: die Vorführung habe den Straßenverkehr

gefährdet, da sie gesehen hätten, wie zwei Autos bei grün (es befindet sich

hier eine Ampel) angehalten hätten, um den Film zu sehen. Wahrscheinlich

meinten sie ihre eigenen Wagen!



Doch ihr martialisches Aussehen - immerhin waren sie ja per Mannschaftswagen

angereist - konnte unsere Mitarbeiter nicht einschüchtern. Wiederum waren die

es, die die richtigen Gesetz zitieren konnten, nicht die Grünen. Da sie auf

taube Ohren stießen, die Personalien nicht aufzutreiben waren, fuhren sie

zähneknirschend von dannen.



Wir sind gespannt, was demnächst passieren wird. Nur eins wird NICHT

passieren: daß WIR klein beigeben."

=Zündkerze Extra,Bochum 27.11.1970,S.2



27.11.1970: 

Bei Opel Bochum verteilt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK ein

zweiseitiges Extra ihrer 'Zündkerze' (vgl. 23.11.1970, 17.12.1970) zur heutigen

Veranstaltung wegen der Schlägereien bei der Verteilung der Nr.5 dieser Zeitung

(9.11.1970):"

'ZÜNDKERZE' LÄDT EIN: HEUTE 14 UHR 30



Wie bereits am Montag in unserer Sondernummer ('Schläger vom Dienst')

angekündigt machen wir eine 'Exklusivveranstaltung'. Und zwar für die

'Kollegen', die sich bemüßigt gefühlt hatten, das Verteilen der 'ZK'-Nr.5 auf

Geheiß ihrer IGM-'Führer' zu verhindern. (Aus technischen Gründen konnten wir

Euch nicht früher informieren, halten aber die Sache heute für notwendig, da

sich inzwischen auch Polizei mehr als einmal eingeschaltet hat.) Zwei Dinge

sollten bei diesem Treffen gemacht werden:

1) fordern wir die schlagkräftigen 'Kollegen' zu einer Gegenüberstellung mit

unseren Verteilern und einer Stellungnahme zu ihrem schlagkräftigen Verhalten

auf (eine Seite der 'ZK' steht ihnen zur Verfügung!)

2) zeigen wir zwei Filme. Den ersten haben wir selber gedreht. Er zeigt den

Opel-Streik und den Marsch durch die Stadt . Der zweite befaßt sich mit einem

Streik im Ruhrbergbau und wie diesen die IGBE abwürgte. Ein Unterschied zur IGM

ist dabei nicht feststellbar.

Die Versammlung findet ab 14 Uhr 30 in der Gaststätte Bürgerhaus Laer ('bei

Lotti') statt. (Wittener Str., neben 'BLACK und White').



Wir bieten auch eine kleine künstlerische Darbietung: Wir bringen den 'Erlkönig

- frei nach Goethe' zum Vortrag" (vgl. 23.11.1970).



Berichtet wird auch von den gestrigen Vorfällen (vgl. 26.11.1970) sowie den

polizeilichen Repressalien gegen die Verteiler (vgl. 23.11.1970):"

Kollegen, es ist sonnenklar, was diese Praktiken bezwecken: Man versucht, uns

durch diesen Kleinkrieg mürbe zu machen, damit es nicht zum Großkrieg kommt.

Aller möglicher Werbekram, ob von SPD/CDU/FDP/NPD/D'K'P oder irgendeiner

Waschmittelfirma darf verteilt werden, wird sogar frei Haus geliefert, da

schreitet keiner ein. Warum auch? Dient dies doch der herrschenden öffentlichen

Meinung. DIE hat Pressefreiheit! Wenn aber Arbeiter ihre Kollegen so

informieren, daß alle damit auch etwas anfangen können, so werden Fußangeln in

Hülle und Fülle gelegt, Gewalt angewandt und Paragraphen zitiert, die so alt

wie Methusalems Esel sind - oder, um in Deutschland zu bleiben, so alt wie

'unser hochwohlgeborener Kaiser Wilhelm'. Nur: der ist zwar tot, aber sein

Geist 'dauert ewiglich'.



Aber, Kollegen, wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Nicht bei uns ist

die Angst und die Hektik - diese sind auf Seiten der Papiertiger und

Papiertigerchen. Die 'Zündkerze' wird in den Betrieb kommen, und wenn wir sie

über den chinesischen Satelliten senden müssen!!! Auch wenn das den Herren von

Opel, vom Staat oder der IGM nicht paßt. Das 'Rad der Geschichte' dreht sich

für die Arbeiter, wenn auch erst wieder langsam, aber auf keinen Fall für diese

'heilige Dreieinigkeit'..."

=Zündkerze Extra,Bochum 27.11.1970



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Dezember 1970: 

Bei Opel Bochum gibt die DKP vermutlich im Dezember ihren 'Roten Kadett'

Nr.12 (vgl. Nov. 1970, Jan. 1971) heraus, der uns bisher leider nicht vorlag.

=Roter Kadett Nr.11 und 1,Bochum Nov. 1970 bzw. Jan. 1971



10.12.1970: 

In einem Leserbrief an die 'Zündkerze' (vgl. 27.1.1971) der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK heißt es:"

AUSSENSEITER IN LEISTUNG UND KOMFORT.



So preist die Adam Opel AG seit dem Herbst 1970 ihre neuen Ascona-Modelle an.

Ein Außenseiter ist die Adam Opel AG tatsächlich in der BRD, einmal: in der

Höhe des Profits. Da liegt Opel mit an der Spitze; zum anderen: in der

Lohnskala liegt Opel hinter VW usw. erst an vierter Stelle. In der Zahlung

des Weihnachtsgeldes an letzter Stelle. Erhöhungen des Weihnachtsgeldes

müssen bei Opel durch Streiks erkämpft werden.



Während es im Bergbau gang und gäbe war, Heiligabend und Sylvesterschichten

herauszuholen, ja sogar die Tage dazwischen, ging Opel dazu über, den

Heiligabend und Sylvester arbeiten zu lassen. Den Grund dafür kann man nur in

der Profitgier sehen. Denn die Erfahrungen der Vergangenheit lehren, daß

entgegen dem Verbot, vor solchen Schichten viel Alkohol getrunken wurde, um

wieviel mehr erst an diesen Tagen selbst. Opel aber interessiert dies

niemals. Was die Leistung anbelangt, zahlt Opel dort, wo es eben möglich ist,

kein Kindergeld. Opel ist eines der wenigen Unternehmen, das keine

Fahrgelderstattung leistet, vom Einsatz werkseigener Busse ganz zu schweigen.

Während Opel in regelmäßigen Abständen seine Verkaufspreise erhöht, senkt

sich mit regelmäßigen Abständen der Kaufrabatt für Werksangehörige.



Opel - Außenseiter in Leistung und Komfort. Darunter muß man auch die leidige

Lohnzahlung betrachten: es geht nicht an, daß Kollegen, aus welchen Gründen

auch immer, am 10. Dezember noch nicht über ihr Weihnachtsgeld, am 15. noch

nicht über ihren Lohn verfügten!



Es geht auch nicht an, daß bei gleicher Arbeit unterschiedliche Löhne gezahlt

werden - die Überprüfung der Operationsnummern ist dringend erforderlich -

ganz zu schweigen von der selbstherrlichen Verteilung der Leistungszulagen

durch die Meister!



Einst pries sich die Adam Opel AG als das modernste Automobilwerk Europas.

Inzwischen aber hat sich Opel zu einem Außenseiter entwickelt - einem

Außenseiter betreffs 'freiwilliger' Leistungen und Arbeitsbedingungen."

=Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.10



15.12.1970: 

Die KPD/ML-ZB berichtet (vgl. 23.11.1970):"

VW ERHÖHT DIE PREISE



Nachdem vor drei Wochen Opel die Preise um bis zu 7,7% erhöhte, schlossen

sich in den letzten Tagen Porsche, Ford, Audi-NSU und die Deutsche Fiat AG

mit Erhöhungen um 3,1 bis zu 6% an. Am 15.12. zog dann auch VW nach. ... Der

billigste VW, der 1 200, kostet jetzt gerade noch unter 5 000 DM, nämlich 4

945 DM. Der nächste, der 1 300, kostet jetzt schon 5 840 DM."

=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.60,Bochum 19.12.1970,S.9



15.12.1970: 

Der KJVD der KPD/ML-ZB gibt die Nr.5/6/7 von 'Der junge Bolschewik' (vgl.

Okt. 1970, 15.2.1971) - Organ für Theorie und Praxis des KJVD heraus.

Erwähnt werden u.a. Trotzkisten bei Opel Bochum, vermutlich von der IAK.

=Der junge Bolschewik Nr.5/6/7,Bochum 15.12.1970



17.12.1970: 

Eine Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel-

Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML erscheint, laut einer handschriftlichen

Datierung, heute für Opel Bochum (vgl. 27.11.1970, 27.1.1971) mit 4 Seiten

DIN A 4 und einem Aufruf zur Spanien-Demonstration in Bochum am 19.12.1970:"

NIEDER MIT FRANCO!



Dort, wo uns Neckermanns und GUTs Touristenklipper jeden Sommer ausspucken,

dort, wo wir unsere ausgelaugten Körper wieder volltanken sollen, um

hinterher besser an der Drehbank oder am Band für die Industriebosse schuften

zu können - dort ist Spanien.



Von den Kollegen, mit denen wir hier zusammen am Arbeitsplatz stehen, sehen

wir allerdings nichts. Es kommt uns spanisch vor, daß die Juans und Joses bei

uns arbeiten und nicht in ihrer Heimat.



Fragen wir sie selbst, so zucken sie entweder mit der Schulter oder setzen

ihre Hand an die Kehle: 'Franco!'



Sie meinen das System, unter dem sie leiden, das sie zwingt, ihre Familie zu

verlassen, um sich unter fremden Himmel ausbeuten zu lassen.



Darüber schreibt unsere bürgerliche Presse nichts. Erst in letzter Zeit, wo

der Kampf der Spanier, Katalonen und Basken gegen dieses System immer

heftiger wird, ist auch unsere Presse gezwungen, über das wirkliche Spanien

einige Fakten durchsickern zu lassen. ...



'GLÜCKLICHES SPANIEN'



Franco hält das spanische Volk mit erbarmungsloser Unterdrückung in Schach.

Viele Arbeiter und Bauern Spaniens müssen sich nach Feierabend eine

zusätzliche Arbeit suchen, um sich und ihre Familien überhaupt ernähren zu

können.



Die Arbeitsplätze sind äußerst knapp, die Löhne verschwindend gering.

Analphabetismus ist gang und gäbe: in manchen Provinzen bis zu 50% der

Bevölkerung.



500 000 Kinder konnten 1969 nicht in die Volksschulen aufgenommen werden,

weil keine Lehrer und Schulen da sind, weil die Lehrer weniger als ein Armee-

Gefreiter verdienen. Wobei die Kinder noch nicht mitgerechnet sind, die

arbeiten müssen, um nicht zu verhungern.



Es darf uns daher nicht wundern, wenn spanische Kollegen die beste Exportware

sind, die das faschistische System liefern kann.



Wer in Spanien den Mund aufmacht, den erwarten Gefängnis, Folter, Erschießung

oder die Garotte, ein mittelalterliches Mordinstrument, durch das man

allmählich erwürgt wird - ob man Arbeiter, Bauer, Student oder kleiner

Priester ist.



Die Polizei erhält bei jeder Demonstration sofort Schießbefehl.



Die Basken werden doppelt unterdrückt. Einerseits sind sie, wie alle Spanier,

von diesem System betroffen, als Basken werden sie aber obendrein noch

national unterdrückt. Die spanische Republik gab den Basken nationale

Autonomie.



Als Franco die Republik blutig niedergekämpft hatte, nahm er den Basken

diese. Es ist daher kein Wunder, daß die Basken zu den härtesten

Widerstandskämpfern gehören.



Wenn also Franco mit besonderer Härte gegen die baskischen Revolutionäre

vorgeht, die zu der Vorhut des gesamten spanischen Widerstandskampfes

gehören, so will er ein Exempel statuieren:



Trifft er dieses Zentrum, so ist ganz Spanien gemeint und betroffen.



FRANCO'S FREUNDE



Doch werden viele fragen, wieso Franco und sein System immer noch an der

Macht sind?



Warum die spanischen Arbeiter, Bauern und Studenten es nicht längst zum

Teufel gejagt haben und ihren eigenen Staat errichteten?



Wir in Deutschland können diese Frage besonders gut beantworten:



Franco kam nur an die Macht, weil seine faschistischen Kumpane, Hitler und

Mussolini, ihm die Hilfe gaben, die er brauchte. Jeder von uns kann sich noch

an die berüchtigte Legion Kondor erinnern.



Als aber das faschistische Deutschland und Italien besiegt waren, mußte sich

Franco neuen Helfern in die Arme werfen, da seine Tage sonst sofort gezählt

gewesen wären.



Wer konnte dies anderes sein, als zunächst der amerikanische Imperialismus

(USA,d.Vf.). Dieser gewährte ihm die Gelder, die er brauchte. Er ließ sich in

Spanien nieder, um Franco an Ort und Stelle zur Seite zu stehen.



Die amerikanischen Militärbasen in Spanien sprechen eine beredte Sprache.

Und die amerikanischen Kapitalisten verdienen horrend dabei: ihre Profite

sind beträchtlich höher als in den USA selbst.



Nur aus diesem Grund kamen 1969 52% aller Investitionen in Spanien von den

Yankees.



Darüber spricht unsere Presse natürlich nicht. Müßte sie doch dann zugeben,

daß nicht nur der amerikanische Imperialismus Spanien aussaugt, sondern auch

der westdeutsche.



Er war bisher einer der besten Bündnispartner der Yankees in Spanien, nachdem

er wieder erstarkt war. Und jede Regierung, ob unter Adenauer oder Brandt,

hat Franco bisher unterstützt. Noch jüngst war der spanische Außenminister

Lopez Bravo in Bonn (vgl. **.**.1970,d.Vf.), um sich von der Brandt-Regierung

neue Hilfe zu holen.



Und in diesem Zusammenhang verschweigt die westdeutsche Presse etwas sehr

Wesentliches:



daß es sich bei dem Wahlkonsul nicht um irgendjemanden handelt, sondern um

einen Vertreter des westdeutschen Kapitals. Er vertritt u.a. den Bayer-

Konzern (Leverkusen (CPK-Bereich,d.Vf.)) in Spanien.



Die Unterstützung Francos durch den amerikanischen und westdeutschen

Kapitalismus sind also die Hauptgründe, weshalb sich Franco immer noch an der

Macht halten kann.



Diese beiden werden allerdings auch für einen würdigen Nachfolger sorgen, für

einen, der ihnen in den Kram paßt.



Neben diesen beiden versucht aber auch der sowjetische Imperialismus (SU,

d.Vf.) ins Geschäft zu kommen:



Als die asturischen Bergarbeiter streikten (vgl. **.**.1970,d.Vf.), mußte

Polen Kohlen liefern als freundschaftliche Geste gegenüber Franco!



BRANDT: EINST SPANIENKÄMPFER HEUTE FRANCO'S FREUND



Welche Interessen in Spanien vorherrschend sind, zeigt am Besten das Beispiel

des jetzigen Bundeskanzlers Brandt (SPD,d.Vf.).



Einst Spanienkämpfer, mit dem Gewehr in den Internationalen Brigaden

kämpfend, kämpft er heute ebenso wie Hitler gegen Spanien - indem er Franco

unterstützt.



Die Mittel, mit denen er dies tut, sind allerdings ein wenig 'feiner'!



Wenn er damit den spanischen Widerstandskampf verraten hat, so kann man sich

leicht vorstellen, daß er so eine Politik nicht nur gegenüber Spanien

vertritt, sondern auch im eigenen Land.



SPANIEN KÄMPFT UND WIRD SIEGEN!



Das spanische Volk hat gegen dieses System seit Jahren gekämpft, sein Kampf

ist in den letzten Jahren immer stärker geworden.



Zwar hat es im Widerstandskrieg gegen Franco, Hitler und Mussolini eine

Niederlage erlitten, Tausende wurden in der Zwischenzeit getötet, gefoltert

und ins Gefängnis geworfen - aber die Idee der sozialen Befreiung, der Kampf

für einen Staat der Arbeiter und Bauern war nicht zu töten, ebensowenig wie

in Vietnam, Kambodscha usw.



Der asturische Bergarbeiterstreik 1962 (vgl. **.**.1962,d.Vf.) brachte ein

erneutes Auflodern des Kampfes. Seitdem befinden sich immer mehr Arbeiter,

Bauern, Studenten und Priester im Kampf gegen das faschistische Franco-

Regime.



Streiks und Demonstrationen sind inzwischen immer häufiger geworden. Immer

breitere Teile des spanischen Volkes beteiligen sich an diesem Kampf. 1967

demonstrierten Studenten gegen ihre braunen Professoren und gegen das feudale

Ausbildungssystem (vgl. **.**.1967,d.Vf.). Im Baskenland kam es zu bewaffneten

Auseinandersetzungen zwischen baskischen Revolutionären und der Polizei.



Wie stark aber der Kampf inzwischen geworden ist, zeigt das zunehmend brutale

Vorgehen Francos. Er und seine Hintermänner wissen genau, daß die spanischen

Völker ihre Revolutionäre zu schützen verstehen, daß diese, wie Mao Tsetung

sagen würde, wie Fische im Wasser zu schwimmen beginnen.



Der Prozeß in Burgos, einer Stadt des spanischen Ruhrgebiets, macht die

Ohnmacht Francos besonders deutlich. Wahllos mußten Männer herausgegriffen

werden, um ein Exempel wie beim Reichstagsbrandprozeß zu statuieren. Die 16

Männer wurden vor dem Militärtribunal des Banditentums und des Terrorismus

angeklagt, für 6 von ihnen wurde die Todesstrafe beantragt.



Dieses Vorgehen Francos wurde mit einer Welle des Protestes beantwortet,

sowohl im Inland wie auch im Ausland.



80 000 Arbeiter traten in Spanien sofort in Streik, Universitäten und Schulen

wurden bestreikt. Auf einer Demonstration wurde der Student Roberto P.

Jauregi angeschossen (vgl. 4.12.1970,d.Vf.). Er starb an den Verletzungen.

In Paris (vgl. **.**.1970,d.Vf.), Frankfurt (vgl. **.**.1970,d.Vf.) usw.,

fanden Demonstrationen statt, die den Angeklagten und den spanischen Völkern

ihre Solidarität erklärten.



In Paris demonstrierten 50 000.



Wie immer auch der Prozeß in Burgos ausgehen mag, es liegt allein in Händen

Francos und seiner Hintermänner in Washington und Bonn, ob der westdeutsche

Wahlkonsul Beihl nach Burgos zurückkehren kann.



Dies machen ähnliche Fälle in Lateinamerika, z.B. jetzt in Brasilien

deutlich.



UNSERE SOLIDARITÄT GEHÖRT DEN SPANISCHEN VÖLKERN



Wenn wir unsere Solidarität mit den Angeklagten und den spanischen Völkern in

dieser Demonstration ausdrücken, so hat dies mehrere Gründe. Die

Vergangenheit und Gegenwart Spaniens und Deutschlands haben mehrere

Berührungspunkte.



Die besten Kämpfer gegen Hitler waren auch unter den besten Kämpfern gegen

Franco. Wenn sie diesen schlugen, meinten sie Hitler.



Sie waren Mitglieder der Internationalen Brigaden.



Als Bundeskanzler Kiesinger (CDU,d.Vf.) auf einem Spanien-Besuch (vgl.

**.**.19**,d.Vf.) am Grabe eines Faschisten-Häuptlings niederkniete, so

sprach diese Geste eine beredte Sprache.



Er ehrte Hitler und nicht dessen Feinde.



Als Lopez Bravo, der spanische Außenminister, in Bonn war, schmiß ihn Brandt

nicht raus, sondern ließ ihm Hilfe zusagen. Als Marionette der Thyssen, Krupp

und Bayer Leverkusen mußte er das, ebenso wie Kiesinger seine 'Andacht'

halten mußte.



Wenn heute in Westdeutschland gestreikt wird, so sind unsere spanischen

Kollegen in den ersten Reihen zu finden.



So wie sie uns helfen, müssen auch wir ihnen helfen.



Unsere wirkliche Hilfe kann aber nur dadurch geschehen, indem wir unseren

Kapitalisten den gleichen Kampf ansagen, wie die spanischen Kollegen den

ihren.



Denn nicht nur in Spanien herrscht Ausbeutung. Und unsere Geschichte sollte

uns lehren, daß der Faschismus immer dann droht, wenn das Kapital mit

'friedlichen' Mitteln nicht mehr in der Lage ist, seine Herrschaft

aufrechtzuerhalten.



Und die Kapitalisten bekämpfen immer diejenigen, die konsequent gegen sie

vorgehen.



Wenn heute die SPD so tut, als wolle sie die Faschisten und Neofaschisten

bekämpfen, so muß man genau hinhören, was sie eigentlich meint. Im gleichen

Atemzuge nennt sie die 'Linksextremisten', die wirklichen Kommunisten. Denn

diese sind es gerade, die für die Einheit aller Arbeiter, ob Spanier oder

Deutsche, eintreten.



Die Kommunistische Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten (KPS/ML bzw. PCE/ML,

d.Vf.) und die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten haben

diesen Kampf um die Einheit aller Arbeiter gegen das Kapital und seine

Schoßhündchen in Spanien und Deutschland bewußt aufgenommen, da die

Marxisten-Leninisten beider Länder wissen, daß nur ein Kampf unter

einheitlicher Führung Erfolg haben kann.



Die KPD/ML, ihre Jugendorganisation, die Rote Garde (RG,d.Vf.), ihre Roten

Betriebsgruppen und ihre Studentenorganisation, der KSB/ML, fordern daher

alle Arbeiter und Angestellten, Lehrlinge, Schüler und Studenten auf, sich an

dieser Demonstration zu beteiligen, um den spanischen Völkern ihre

Solidarität zu bekunden.



Unsere spanischen Kollegen sollen wissen, wenn sie in ihre Heimat

zurückkehren, daß das deutsche Volk ihren Kampf unterstützt; aber auch, daß

es bereit ist, den Kampf gegen die Ausbeuterordnung im eigenen Land

aufzunehmen."

=Zündkerze Nieder mit Franco,Bochum o.J. (17.12.1970)



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18.12.1970: 

Laut KPD/ML-ZK finden heute Teilbelegschaftsversammlungen (BV) bei Opel

Bochum statt.

Die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK berichtet:"

DIE 12 SCHEINHEILIGEN LÜGEN DES GESAMTBETRIEBSRATES



Wenn wir die letzte BV vom 18.12.1970 etwas genauer unter die Lupe nehmen,

so vor allem aus einem Grund: um allen Kollegen deutlich zu machen, welche

Ladenhüter da mit dem '12-Punkte-Programm' des Gesamtbetriebsrats verkauft

werden sollten. Lassen wir uns nicht für dumm verkaufen. In den

Tageszeitungen liest man heute fast täglich Meldungen über Kurzarbeit,

Kürzung der Überstunden, Produktionsrückgang usw. Man muß schon blind sein,

um das nicht zu sehen. Daß der Betriebsrat blind ist, ist kaum vorstellbar.

Wenn es um seine Vorteile geht, hat er sehr gute Augen...



ERINNERN WIR UNS GENAU:

In einer ähnlichen Lage wie heute, nämlich im Winter 1966/1967, versuchte der

Betriebsrat schon einmal, uns Beruhigungspillen zu verpassen. Als dann viele

von uns auf der Straße lagen, 'beklagte' er dies und schwang anschließend

wortgewaltige Reden.



ERINNERN WIR UNS GENAU:

Wir flogen auf die Straße, unser Lohn wurde gekürzt, während der Betriebsrat

für sich Punkte sammelte - bei den Herren Mason und Co. Der Vorsitzende des

Gesamtbetriebsrat, damals ein Herr Reitz, wurde schon 1969 für seine Mühen

entlohnt: er wurde hauptamtlicher Bürgermeister von Bad Nauheim!



12 SCHEINHEILIGE LÜGEN



Greifen wir nur einige Punkte aus diesem tollen '12 Punkte Programm' heraus:



1. PUNKT: Dreizehnter Monatslohn für alle, die ein Jahr im Betrieb bleiben.

Als WIR streikten, hatte Perschke nichts Eiligeres zu tun als unseren Streik

zu sabotieren und zu zerschlagen (... (vgl. 24.9.1970,d.Vf.)). Den Opel-

Bossen gegenüber zahm wie Fernsehlöwe Clarence, uns gegenüber ein

Arbeiterdompteur - das war Perschke, wie er leibt und lebt.



Was heißt das: 'alle, die ein Jahr im Betrieb sind'?



Seit Bestehen dieses Werkes hat die Belegschaft schon einmal gewechselt. Wer

es hier ein Jahr aushält, bekommt das Weihnachtsgeld. Besser konnte es sich

Opel gar nicht einrichten:



Für so ein paar lumpige Kröten - denn das sind sie, gemessen an unserer

Schufterei - sollen wir uns ein ganzes Jahr an den Betrieb fesseln lassen.

Wer da nicht mitmacht, muß halt verzichten. So wollen es die Opel-Bosse. Und

Perschke gibt dazu seinen Segen.



4. PUNKT: Erhöhung des Mehrarbeitszuschlags auf 50%.



Allen ist längst bekannt, daß die Überstunden gestrichen werden. Opel hat es

durch ein Vorstandsmitglied selbst angekündigt.



Also: im Endeffekt keine 50%!



Sie haben nur einen optischen Wert, dokumentieren sie doch das Bemühen

unseres Betriebsrats um unser leibliches Wohl - auf dem Papier.



5. PUNKT: Erhöhung der Sonderschichtenprämie von 6 auf 10 DM.



Hier kam schnell heraus, was dahintersteckt:

Per Betriebsaushang wurde verkündet, daß nur diejenigen die 10 DM bekommen,

die in einem Monat zwei Sonderschichten machen, sonst gibt es nur 8 DM. Da

Sonderschichten aber wegfallen, also: Keine 10 DM.



Und die restlichen 2 DM bleiben Papier.



10. UND 11. PUNKT: Abschluß eines Sozialplanes und Verbesserung der

Richtlinie 127.



Beides soll durch sogenannte Gesetzespläne verwirklicht werden. Der

Sozialplan NACH Verabschiedung des neuen BVG.



Dazu muß grundsätzlich gesagt werden, daß in diesem Staat bisher keine

Regierung für uns wirklich etwas getan hat. Dies wird auch so bleiben. Denn

wenn das Kapital pfeift, sind alle ganz schnell wieder kusch. WER bei diesen

ganzen Gesetzen im Endeffekt unterstützt wird, zeigen die Subventionierung

der Ruhrkohle AG (RAG,d.Vf.), die Lohnsteuervorauszahlung oder die

Unterstützung der braunen Verbände der 'Aktion Widerstand' (AW,d.Vf.), die

heute mehr kassieren als unter der CDU. Wahltaktik nennt man sowas! Mit Speck

fängt man - braune - Mäuse.



Außerdem muß man sagen, daß uns alle Gesetze herzlich wenig helfen, die den

Bossen in der Krise an den Geldsack gehen. Durch Preiserhöhungen hoilen sie

sich hinten wieder herein, was ihnen vorne angeblich abgezwackt wird. Die

Regierung kassiert schließlich wieder bei uns durch Steuererhöhungen. Am Ende

blechen WIR.



Was in allen 12 Punkten zum Ausdruck kommt:



Erstens: Wenn es den Betriebsrat noch nicht gäbe - Opel müßte ihn erfinden.

Kaum jemand in der Staats- und Gewerkschaftsbürokratie sorgt so vorzüglich

für das profitable Wohlergehen der Bosse.



Zweitens: Da die CDU/CSU vorläufig nicht aktuell ist, soll uns nun die SPD/

FDP als arbeiterfreundlich verkauft werden, da sie noch einigermaßen Prestige

hat.



'Sie zu durchschauen fällt schwerer als eine offen reaktionäre Partei; denn

bei Reaktionären weiß jeder, woran er ist!' Dies die Worte eines ehemaligen

SPD-Mitglieds.



Und drittens: möchten Perschke und Co. durch all diese tollen Forderungen

möglichst heil ins Jahr 1972 kommen - ins Jahr der Betriebsratswahlen (BRW -

vgl. 9.5.1972,d.Vf.). Ab da sitzen sie sicherer: gewählt wird dann für volle

5 Jahre!



Nun, wir werden ihnen die Suppe schon noch versalzen.



Was die 'kleinen Forderungen' für Bochum betrifft, so spotten sie jeder

Beschreibung.



Trotz Änderungszusage einer 'leitenden Stelle' müßten Kollegen mit

Gesundheitsschäden immer noch am Band arbeiten. Die Karenzzeit für

Schwerbeschädigte sei schon FAST genehmigt.



Daß diese Dinge immer noch auf der Tagesordnung stehen müssen, ist nicht nur

schäbig, sondern offenbart auch das ganze Blabla Perschkes! Auf der einen

Seite präsentiert er da ein tolles '12-Punkte-Programm', auf der anderen

Seite ist er noch nicht einmal in der Lage, winzige Selbstverständlichkeiten

durchzusetzen.



Einige Kollegen haben dafür den passenden Ausdruck gefunden:

Korinthenkackereien.



PERSCHKE - SPALTET UND SPALTET



Aber Perschke ist nicht nur ein Versager, sondern durch und durch ein

Spalter. Er verkündet, er hätte für ca. 80% der Kollegen die Bezahlung des 2.

Feiertages 'rausgeholt'.



Frage: Warum nicht für alle?



Weitere Frage: Wer sind die übrigen 20%?



Scheinheilig tönt es aus dem Sprachrohr der Opel-Bosse: das wären jene, denen

der Meister nicht bescheinigen könnte, daß er sie am 26.12. gebraucht hätte.

Wessen Lied ich sing, des Brot ich eß: Perschke spielt bewußt dieses üble

Spiel mit, die Bezahlung einzelner Kollegen der Willkür der Meister zu

unterwerfen.



Wir werden die Verdienste Perschkes um die Einheit der Opel-Kollegen zum

gegebenen Zeitpunkt zu würdigen wissen.



BEISKE - DER ROSAROTE WIRBELWIND



Man traute seinen Ohren nicht, als Beiske gegen die Gewerkschaft vom Leder

zog. Schwere Fehler seien gemacht worden! Ein Kompromiß sei nur geschlossen

worden, nachdem die Gewerkschaft zuvor die Kollegen 'angeheizt' habe.

Nun, Beiske macht es so wie sein Kollege Bleicher in Baden-Württemberg:

Dieser hat erst groß getönt - und dann klein beigegeben.



Die Konsequenzen von dem, was er so lautstark kritisierte, zog auch Beiske

nicht: daß die Opel-Kollegen insgesamt schon wieder gespalten wurden. Jetzt

kämpfen nämlich nach dem Tarif-Zirkus unsere Rüsselsheimer Kollegen (in

Hessen,d.Vf.) für Lohnangleichung mit Bochum - vorher war es genau umgekehrt.

Beschäftigungstherapie nennt man sowas. Damit wir ja nicht so einig sind,

brutzelt man uns auf kleiner Flamme mit Forderungen nach 2/3 Prozent.



OH WIE IST DER HIMMEL BLAU....



Ein Glanzstück wirtschaftswissenschaftlicher Einsicht war der wirtschaftliche

Lagebericht von Sonak. Seine Devise: Konjunkturpolitik ist zu 50%

Massenpsychologie!



Aber schon 1966/67 wurde gesagt:

Regt Euch nicht auf! Die Kurzarbeit ist nur vorübergehend!



Sonak tönte jetzt ins gleiche Horn, obwohl wieder einmal der Himmel sich

bereits zu verdunkeln beginnt. Doch seine eigenen Zahlen sprechen gegen

Sonak. Opel - wie die meisten wichtigen Betriebe ist in der Hauptsache

exportorientiert. Ein großer Teil der Produktion geht in die USA. Dies war

allerdings nur für 1966/67 ein Ventil, um eine Krise größeren Ausmaßes zu

verhindern.



Heute ist dieses Loch weitgehend zu. In den USA liegen Importbeschränkungen

in der Schublade. Es heißt: der US-Markt könne kaum die eigenen Waren

aufnehmen. Kurzarbeit, Betriebsschließungen und Arbeitslosigkeit wachsen

täglich. Die amerikanischen Imperialisten investieren noch mehr im Ausland.

General Motors (GM,d.Vf.) will jetzt in Japan bauen, weil dort mehr los ist,

d.h. mehr Profit rausspringt (vorläufig jedenfalls).



Sonaks blauer Himmel ist ein Wunschgemälde. Trotz der vielen Tatsachen, die

er ausbreitet, kann er nicht verhindern, daß die Tatsachen für sich sprechen.

Die Kunst besteht heute darin, sie zwischen lauter Rosarot unkenntlich zu

verpacken. Beispiel: früher sprach man von Krise, 1966/67 von Rezession,

heute spricht man von Normalisierung. Was werden die Herren nur tun, wenn in

der Verpackungsindustrie wieder eine Krise ist?



'AUSSPRACHE'



Bei all den großen Reden, die geschwungen wurden, war es natürlich nicht

verwunderlich, daß in der Diskussion kaum ein Kollege auf diese eingehen

konnte. Es sei denn, er hätte mitstenografiert. So blieb es im wesentlichen

dabei, daß man ruhig sagen sollte, wo einem der Schuh drückt. Es darf Luft

abgelassen werden...!



KOLLEGIN K. forderte, daß Umbauarbeiten nicht während der Arbeitszeit

durchgeführt werden sollen. Traurig genug, daß sie darauf hinweisen mußte.

Die Herren Betriebsräte sitzen an einem ruhigen Plätzchen. Solche Probleme

kennen sie nicht.



Daß die 'Zündkerze' bisher gezündet hat, konnte man den Ausführung des

KOLLEGEN B. entnehmen: sie störe 'Ruhe und Ordnung und die Zusammenarbeit

zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern.' Das Verteilen sollte daher verboten

werden. Und damit's nicht ganz so rechts klang, noch ein kleiner Hieb auf die

BILD Zeitung. Leider hatte der Kollege nicht ganz gemerkt, daß wir noch nicht

im 4. Reich sind. Sonst hätte er sein Schwelgen von 'Betriebsgemeinschaft'

zwischen Arbeitern und Kapitalisten, wie es in der Nazi-Gewerkschaft Deutsche

Arbeitsfront (DAF) so schön geklungen hat, vielleicht noch ein wenig

aufgespart.



Unsere Antwort war ebenso eindeutig wie B.s Worte: sie gingen in 'Aufhören',

'Pfui' usw. unter.



Opa Gantenberg mußte daher auch noch seinen Senf dazugeben. Er ermahnte zur

Demokratie. Wessen Demokratie er mente, darüber schwieg er sich weise aus...



KOLLEGE A. ging noch einmal auf die Tarifverhandlungen ein. Das Ergebnis sei

lächerlich. Es habe trotzdem keinen Sinn, aus der Gewerkschaft auszutreten,

da sonst die rechten Gewerkschaftsbonzen ihre Politik erst recht durchsetzen

könnten (Gibt es eigentlich auch linke Gewerkschaftsführer?!). Das Jahr 1970

habe gezeigt, daß man durch Zusammenhalten und Kampf durchaus was erreichen

könne. Die Kapitalisten sollten sich als gewarnt betrachten. Die Opel-

Arbeiter ließen sich nicht länger ausbeuten.



Was Kollege A. damit meinte, war nicht zu ergründen.



Oder soll etwa schon morgen die Revolution ausbrechen, damit die Ausbeutung

weg vom Fenster ist. Unseren Informationen zufolge dauert dies noch etwas!

Wir von der 'ZK' hoffen nur, daß Kollege A. diesen Schritt von rosa zu rot

beibehält, müßten wir doch sonst wieder mehr über ihn schreiben wie in 'ZK'

Nr.3/70 (Perschkes Paradepferd: Kollege Adamek (vgl. 19.6.1970,d.Vf.)).



KOLLEGE J. vom 'Rosa Kadett' ('Roter Kadett' der DKP,d.Vf.) zeigte uns den

einzigen richtigen Weg aus der Wirtschaftsmisere: ...direkt in die Inflation!

Denn was anderes bedeutet unter Krisenbedingungen seine Formulierung

'Steigerung der Massenkaufkraft'?



Da können wir nur sagen: Hut ab vor dieser 'marxistischen' Forderung!



KOLLEGE BL. (Blandenier, .Vf.)kam noch einmal auf den Streik zu sprechen und

auf die

Verhinderung der 'ZK'-Verteilung (vgl. 9.11.1970,d.Vf.). Er fragte Perschke,

warum er nicht in die Uni gegangen sei, wo er doch eingeladen gewesen wäre,

um dort über den Streik zu sprechen (vgl. 11.11.1970,d.Vf.).



Perschke meinte dazu später in seinem Schlußwort, daß er jeder Einladung als

Betriebsrat nachkomme, nicht aber als Arbeiterverräter, wie er in

Flugblättern an der Uni bezeichnet worden wäre (Wer lädt auch einen

Arbeiterverräter ein? Doch höchstens die Opel-Betriebsleitung!). Was Perschke

allerdings in seiner Antwort verschwieg: daß die 'ZK'-Verteiler vom

Kommunistischen Studentenbund/Marxisten-Leninisten (KSB/ML,d.Vf.) ihn dort

empfangen hätten. Die wußten nämlich inzwischen durch ihre praktische

Zusammenarbeit mit den Kollegen von der ZK genug über Perschke und hätten ihn

ganz nett naß gemacht.



EINE KOLLEGIN aus der Küche beschwerte sich zunächst einmal darüber, daß sich

dort kein Betriebsrat sehen lasse. Schon seit einem halben Jahr hätten sie

keine V-Frau mehr. Außerdem fehle es an einer größeren Spülmaschine.



Zu Sonak meinte sie, er sähe doch allzu rosig in die Zukunft. Es handle sich

nicht um eine Normalisierung, sondern um handfeste Anzeichen einer Krise.



PERSCHKES SCHLUSSWORT



Zunächst eine Vorbemerkung. Es wäre besser wenn 'Kollege' P. fürderhin auf

sein Schlußwort verzichten würde. Keiner von uns hat mehr die Gelegenheit,

darauf zu antworten. Opa Gantenberg findet dies sicherlich auch

undemokratisch.



Zu dem Kollegen B. meinte 'Kollege' P.: Im Grund hätte B. ja recht (!), habe

aber sicherlich in der Aufregung wohl etwas Falsches gesagt. Er hätte sicher

gemeint, daß man 'dem Arbeitgeber immer mehr abtrotzen' müsse.



Solche Kabinettstücke kann nur Perschke fertigbringen, daß er es schafft, aus

Braun Rosa zu machen und im gleichen Atemzug zu sagen: im Grunde sei das

Braune schon richtig.



Als Antwort auf die Kollegin aus der Küche meinte Perschke: zur

wirtschaftlichen Lage könne man sagen, daß man nicht zu schwarz sehen sollte.

Die Konkurrenz der japanischen Automobil-Industrie müsse man allerdings ernst

nehmen, darüber wären sie vom Betriebsrat und die Unternehmensleitung sich im

klaren. Deshalb würden sie vom BR auch den Sonderschichten zustimmen.



Perschkes Offenheit hat wirklich keine Grenzen! '...seien sie sich im

klaren...' Besser kann man es gar nicht mehr zeigen, daß der Betriebsrat die

5. Kolonne von Opel ist. Und damit Opel (sprich die Opel-Bosse und

-Aktionäre) konkurrenzfähig bleibt, dürfen wir schnell noch ein paar

Sonderschichten kloppen.



Herr Perschke, wir danken Ihnen im Namen aller Kollegen für diese Offenheit!

Bleiben Sie dabei!



Fazit des Ganzen: vertraut auf Eure eigene Kraft, Kollegen! Es riecht zu sehr

nach Kurzarbeit und neuen 'Einsparungen' (wie z.B. neues Punkt-Bewertungs-

System)."



Laut KPD/ML-ZB fanden die Betriebsversammlungen bereits gestern und

vorgestern statt.

Die KPD/ML-ZB (vgl. 22.1.1971) äußert sich zu den Lobpreisungen des BVG und

einer Veranstaltung der SPD Bochum-Querenburg zu MTR bzw. STR der IGM (vgl.

15.10.1970) und führt aus:"

ZUR BETRIEBSVERSAMMLUNG AM 16./17.DEZEMBER



Halten wir nur zwei wichtige Ergebnisse der beiden Versammlungen in Werk 1

und 2 fest; die zu erwartenden Protokolle veröffentlichen sowieso nur das,

was den sogenannten 'Interessenvertretern' im Betriebsrat paßt.



1. Das Zwölf-Punkte-Programm des Gesamtbetriebsrats für 1971 enthält an

erster Stelle:

13.Monatslohn Weihnachtsgeld für alle!



Ein nackter Hohn des Betriebsrats - erinnern wir uns doch zu genau an die

Abwiegelung unserer 100%-Forderung im Streik (vgl. 24.9.1970,d.Vf.). Das wird

im Herbst wieder UNSERE Aufgabe sein, auch gegen die Manöver der Betriebsräte

diese Forderung durchzusetzen!



An zweiter Stelle im 'Programm':

Einheitliche Löhne in allen drei Werken!



Wie wir im Mai letzten Jahres (vgl. 22.5.1970,d.Vf.) um die Lohnangleichung

an Rüsselsheim gestreikt haben, so müssen die Kollegen in Hessen jetzt für

die Lohnangleichung an Bochum kämpfen; das ist das Ergebnis des 10%-Betrugs

der SPD-Gewerkschaftsführer beim Tarifkampf in Hessen (MTR - vgl. 27.9.1970,

d.Vf.).



Für die Akkordlöhner fordert der Betriebsrat einen produktiven Zeitlohn und

damit Abschaffung der Akkordlöhne, weil das Arbeitstempo sowieso durch das

Band diktiert wird. Eine berechtigte Forderung - wenn der Betriebsrat nicht

dem Punktesystem für die Leistungszulage zustimmen würde. Alle Kollegen, die

jetzt nach Akkord bezahlt werden, müssen sich daher voll mit den Zeitlöhnern

in der Ablehnung des Punktesystems solidarisieren!



2. In seiner Rede erklärte Perschke: Wenn die Herren der Adam-Opel-AG nicht

bereit sind, auf unsere Forderungen einzugehen, dann wird die SPD durch

Gesetze für unser Recht sorgen.



Perschke will uns also die SPD noch als Arbeiterpartei verkaufen - weil

'seine' Partei alles tut, um seinen Betriebsratssessel zu schützen (...)! ...



Die Betriebsversammlungen haben wieder einmal klar gezeigt:

Die SPD-Betriebsräte vertreten die Interessen der Kollegen nicht. Sie belügen

uns.



MIT DER KPD/ML GEGEN DIE GEWERKSCHAFTSBONZEN!



FÜR BETRIEBSRÄTE UND V-LEUTE, DIE WIRKLICH UNSERE INTERESSEN VERTRETEN!"

=Die Presse Nr.1,Bochum 22.1.1971,S.3ff;

Zündkerze Nr.6,Bochum o.J. (1971),S.1ff



Letzte Änderungen: 25.11.2010

Weitere Auszüge aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition " (MAO)

Hand Materialien des Jahres 1971

Hand Materialien des Jahres 1972

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