Infos des Westdeutschen Irlandsolidaritätskomitees

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, Mai 2014

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Nachfolgend dokumentieren wir einige Infos des „Westdeutschen Irlandsolidaritätskomitees“ aus Oberursel im Taunus bzw. Weißkirchen (bis März 1972 eine eigene Ortschaft, danach ein Stadtteil von Oberursel). Das Komitee nannte sich zuerst „IRA-Solidaritätskomitee“.

Wir danken dem Archiv Schwarzer Stern in Dortmund für die freundliche Unterstützung.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

1974:
Vom „Westdeutschen IRA Solidaritätskomitee“ mit Sitz in Weißkirchen/Taunus (seit April 1972 ein Stadtteil von Oberursel) herausgegeben, erscheint in dritter Auflage die „Programmatische Erklärung“ der I.R.A.“ als „Info 1.“ Es handelt sich dabei um die deutsche Übersetzung des Programms der „Irish Republican Army“: „The IRA in the seventies“.

In der Vorbemerkung heißt es: „Dies ist die dritte Neuauflage des ersten Teiles einer inzwischen fortgesetzten Folge von authentischen Dokumentationen zur Lage des irischen Befreiungskampfes und seiner Organisationen.

Diese neuaufgelegte erste Ausgabe der Reihe enthält die Übersetzung des agitatorisch-strategischen Programms der marxistischen IRISH REPUBLICAN ARMY für ‚die 70er Jahre‘ (‚The IRA speaks in the seventies‘).

Inzwischen ist auch die Nummer 2 (INFO 2) aus der Reihe unserer Dokumentationen erschienen; und Mitte November erscheint die Nummer 3, auf die besonders hinzuweisen ist.

Sie enthält neben den Übersetzungen aktueller und prinzipieller IRA-Dokumente und Erklärungen einen ausführlichen und umfassenden politischen Berichts- und Bildteil, der augenblicklich durch eine Gruppe von Genossen in Irland zusammengestellt wird, um die quantitativ ungenügenden und qualitativ meist aus zweiter Hand stammenden Informationen aufzuheben.

… Schließlich ist aus der folgenden Seite unser Gesamtkatalog des offiziellen Propagandamaterials der IRA zu ersehen; wobei wir ab Dezember die zentralen Texte aus dieser Liste auch in deutscher Sprache anbieten werden. (So etwa Schriften von James Connolly und Wolf Tone).

Zuletzt ist hinzuweisen auf die Veranstaltungsreise von Eoin O'Murchu, Propagandadirektor der IRA, im November durch die BRD.“

Die programmatische Erklärung der IRA „Die IRA in den siebziger Jahren“ gliedert sich in:
- Die zukünftige Strategie
- Der ökonomische Widerstand
- Die Bewegung auf dem Land
- Die politische Aktion
- Die militärische Aktion

Die Erklärung endet mit: „Wir bekennen uns zum Sturz der britisch imperialistischen Herrschaft über ganz Irland. Wir bekennen uns zu einer unabhängigen sozialistischen irischen Republik. Wir widersetzen uns allen ausländischen Finanziers, Spekulanten, Monopolisten, Landlords und ihren Einheimischen Kollaborateuren. Wir setzen das Recht es einfachen Mannes vor das Recht auf Privateigentum. Wir beanspruchen den Besitz des Reichtums von Irland für das Volk von Irland. Vereinigt Euch zum Kampf!“

Zudem können beim „Westdeutschen IRA Solidaritätskomitee“ Texte, etwa vom Wolf Tone, James Connolly etc., bezogen werden, sowie irische Freiheitslieder, Schallplatten mit Texten von Connolly und Poster.
Quelle: Westdeutsches IRA-Solidaritätskomitee: Die I.R.A. Programmatische Erklärung (Info 1), 3. Aufl., Weißkirchen (Ts.), o. J. (1974).

April 1974:
Das „Westdeutsche Irlandsolidaritätskomitee“ gibt als „Info 7“ die Schrift: „Die IRA / SINN FEIN: Army of the People. Beiträge zur Revolutionstheorie der SINN FEIN/IRA” heraus. Sie bemühe sich erstmals, so die Herausgeber, „um „eine inhaltliche Auseinandersetzung zur Frage einer revolutionären Strategie in Irland vor dem Hintergrund der imperialistischen Ökonomie und repressiven Abhängigkeit des ganzen Landes“.

In der „Editorischen Vorbemerkung“ heißt es: „Die vorliegende Ausgabe der Zeitung des WESTDEUTSCHEN IRLANDSOLIDARITÄTSKOMITEES bemüht sich erstmals um eine inhaltliche Auseinandersetzung zur Frage einer revolutionären Strategie in Irland vor dem Hintergrund der imperialistischen Ökonomie und repressiven Abhängigkeit des ganzen Landes. Als Material dienen die - fragmentarischen - Dokumente und Erklärungen programmatischer Art von relevanten Vertretern der offiziellen Sinn Fein; wie wir zu erkennen glauben, ergibt sich aus den vorliegenden Stellungnahmen nicht nur eine plausible Einheit, sondern die Artikel von CATHAL GOULDING, BERNADETTE Mc ALISKEY- DEVLIN und dem O.C. der offiziellen I.R.A. von Derry ergeben zugleich auch widersprüchliche Ansichten hinsichtlich der Kampfstrategie- und Praxis der offiziellen Republikaner. Diese Annahme wird im übrigen explizite bestätigt in den Erklärungen GOULDING und Tomas McGIOLLAS zum letzten Ard Fheis, der Generalversammlung der Sinn FEIN in Dublin.

Wir haben uns - aller möglichen Angriffe gegenwärtig - nicht gescheut, in diesem Zusammenhang den langen Artikel des Irlandkomitees HANAU zu veröffentlichen, der in der Form solidarischer, jedoch bewusst polemischer Fragestellung sich an die Officials wendet, um von diesen - endlich - genaueres über deren Vorstellung bezüglich einer konkreten Dialektik von Reform und Revolution im Rahmen eines antiimperialistischen Kampfes zu erfahren. Wir haben die daraus entsprungenen Fragen an den Genossen Malachy McGURRAN vermittelt, der im Mai in die Bundesrepublik, zur Führung der offiziellen Republikaner zählt und Gelegenheit bekommen soll, auf eine inhaltliche Strategie bezogen mit sozialistischen und antiimperialistischen Gruppen in Westdeutschland zu diskutieren. Die nächste Nummer unserer Publikation - Info 8 - wird sich entsprechend kritisch mit der Realität der provisorischen I.R.A. in Irland befassen. Wir betonen ausdrücklich, dass wir alle Gruppen zu inhaltlichen Stellungnahmen auffordern, die in dieser Zeitschrift einen Platz haben werden.“

Artikel der Ausgabe sind:
- Die offizielle Sinn Fein als revolutionäre Fata Morgane? (Kritik vom Irlandkomitee Hanau)
- Interview mit Malachy McGurran (Vorsitzender der Republikanischen Clubs)
- Interview mit Cathal Goulding (Stabschef der I.R.A.)
- Von Coalisland bis Sunningdale (Erklärung von Cathal Goulding)
- Bernadette McAliskey-Devlin (Zum Verrat der Sozialdemokratie)
- Erklärung der Provisionals (Zur Devlin-Kritik)
- Wahlen Im Norden
- Interview eines Offiziers der I.R.A. von Derry (Kritik an den Provisionals)
- Die Wahlpolitik der offiziellen Sinn Fein (Peoples Democrazy)
- Republikanische Bewegung begrüsst die Erklärung der Protestantischen UVF
- ‚Sunningdale‘ - Der grosse Plan der Bourgeoisie
- Auslieferung von Republikanern an die Briten (Der Fall Rita O'hare)
- Erklärung der Provisionals zur neuen Regierung in Ulster (Nordirland)
- Faulkners Niederlage (Spaltung der Unionistenpartei)
- Die Provisionals - Militärische Stärke ohne politische Kraft
- Bericht vom ARD FHEIS (Generalversammlung der Sinn Fein)
- Evakuierung Belfasts als Strategischer Plan (Wohnungskampf in Irland)
- Technik des verschärften Verhörs in Ulster (Sensorische Deprivationsforschung)
- Sensorische Deprivationsfolter - Protokoll von Tony Rosato
- Text des Liedes ‚Men Behind The Wire‘
- Zwangsernährung - Winchester neun
- Dolours & Marion Price - Noel Jenkinson
- Militärputschvorbereitungen in England (Frank Kitson)
- Der Aufstieg und Fall des Ausbeuters Niedermayer (Grundig)
- Westdeutsches Kapital in Irland
- Desertionskampagne in Westdeutschland
- Marx-Enges-Bibliographie zu Irland
- Britisches Militär und Geheimdienst am Persischen Golf
- Englisches Finanzkapital betreibt Bodenspekulation in Frankfurt und Hamburg
- Der Kampf in Nordhorn geht weiter
- Festival antiimperialistischer Gruppen (Belfast)
- Bücher - Material - Plakate - Schallplatten
- Bericht über die Kämpfe in Nordhorn-Range.

Reklame wird u. a. gemacht für:
- Trikont Verlag (München)
- Kommunistische Arbeiterzeitung
- Verlag Freies Volk (Regensburg)
- Rote Hilfe
- Merve Verlag.
Q: Westdeutsches Irlandsolidaritätskomitee: Die IRA/SINN FEIN: Army of the People. Beiträge zur Revolutionstheorie der SINN FEIN/IRA (Info 7), Oberursel, o. J. (1974).

August 1975:
Vermutlich nach dem August 1975 wird als „Info 8“ vom „Westdeutschen Irlandsolidaritätskomitee” in Oberursel die Broschüre: „Irland. Die IRA/Sinn Fein“ herausgegeben.

Im Vorwort wird u. a. erklärt: „Die vorliegende Nummer unseres Magazins fällt in eine Zeit, in welcher der britische Imperialismus in Nordirland eine Phase eröffnet, die an die 1971er Zeit erinnert.

Ein gerade aus Belfast zurückgekommenes Mitglied unseres Komitees (siehe Bericht) bestätigt, dass neuerdings Städte wie Newry oder Belfast zum Einbruch der Dunkelheit hermetisch abgeriegelt sind, so dass es unmöglich ist, zur Nachtzeit Einlass zu finden. Die Falls Road, Hauptstraße des katholischen Ghettos von Belfast, ist nahezu unpassierbar geworden, auch für Ausländer, weil eine Straßensperre der Briten auf die andere folgt. Sobald unser Genosse ein Haus betrat, folgte der Überfall der Briten prompt und alles wird auf den Kopf gestellt. Wenn sie wollen, bis zu 20 x am Tag. Viele Bewohner dieser Gegenden sind geflohen. Freunde, die wir noch im August 74 besuchen konnten, sind nicht in ihren Häusern, und nur eine zerschlagene Tür dokumentiert, dass britische Terroristen am Werk waren. Vor allem sind seit Wochen die mysteriösen Mörder - Gangs wieder unterwegs, die allein in den letzten 6 Wochen nahezu 50 Zivilisten umbrachten; zumeist Katholiken. Fast jeden Tag wird ein neues Opfer dieser ‚Todesschwadronen‘ gemeldet, die genauso operieren wie ihre argentinischen und brasilianischen Vorbilder: und die sicher von den gleichen Hintermännern gesteuert sind. Keinesfalls rekrutieren sich diese Gangs aus wild gewordenen, fanatischen Einzelkillern der katholischen oder protestantischen Population. Die IRA und auch die militärischen Organisationen der Protestanten (UDA oder UVF) haben sich mehrfach von diesen ‚killings‘ distanziert, die ihnen n u r schaden können …

Die reale Angst, die sich nun wieder in vielen katholischen Ghettos und Enklaven ausbreitet, hat auch auf die verschiedenen Befreiungsorganisationen im Norden Irlands eine spezielle Wirkung. War vor einem Vierteljahr überall in Irland die Rede von bevorstehenden Spaltungen der jeweiligen linken Opposition bei offizieller wie provisorischer IRA und hatten diese Fraktionen gute Chancen, die Unterstützung von wesentlichen Teilen der Bevölkerung zu gewinnen, so scharen sich nun die Mitglieder der katholischen Ghettos in ihrer Angst vor den Mörder-Gangs wieder um die traditionellen Leute, die ‚die Waffen haben‘ …

Die Schilderung dieser politischen Differenzierung innerhalb der irischen Befreiungsorganisationen, die Darstellung des politischen Status der provisorischen und offiziellen IRA wird der Notwendigkeit halber den breitesten Raum in dieser Info-Nummer einnehmen. Dies scheint uns gerechtfertigt, um die vielfältigen Wünsche westdeutscher Organisationen und Sympathisanten nach ‚mehr Klarheit‘ gegenüber den irischen Fraktionen zu befriedigen, es hat den Nachteil, dass die Massenwirkung einer Zeitung darunter leiden könnte, die von vielen jungen Arbeitern und Schülern gelesen wird, denen ein solcher Inhalt zu ‚speziell‘ sein wird …

Die verspätete Herausgabe dieser Nummer hat einen triftigen Grund, der gleichfalls nicht unterschlagen werden soll. Als nach der Veröffentlichung der Kritik an der offiziellen Sinn Fein und IRA in Info 7 eine politische Diskussion eröffnet wurde, die auch in Irland selber einige Beachtung fand (Hanau-Artikel), verlangte die offizielle Sinn Fein die Möglichkeit des Abdruckes einer Stellungnahme. Ein Verlangen, dem wir selbstverständlich sofort zustimmten, da nichts als solidarische Kritik unsere Absicht gewesen war …

… zum erstenmal drücken die verschiedenen Artikel und Berichte die aktive Beteiligung der verschiedenen Irlandsolidaritätskomitees aus, von denen sie namentlich gezeichnet wurden.
Es löst sich darin positiv unser altes Versprechen ein, dem Info zu mehr als nur zum politischen Ausdruck e i n e r Gruppe zu machen …“

Inhalt der Ausgabe ist
- Die wirkliche Politik der offiziellen Sinn Fein
- Ausschluss von Seamus Costello
- Regionalwahlen in Südirland
- Interview mit Seamus Costello
- Antiimperialistisches Festival Dublin
- Die offizielle Sinn Fein - Eine Studie in Rechtsopportunismus
- Versuch einer Darstellung: Die provisorische Sinn Fein und I.R.A.
- EIRE NUA PROGRAMM (Neues Irland)
- Interview mit Seamus Twomey - Stabschef der provisorischen I.R.A.
- Telegramm der I.R.A. zur Ermordung von Holger Meins
- MILITÄRISCHE STRUKTUR DER I.R.A
- Parteitag der provisorischen Sinn Fein (Ard Fheis)
- Nachrichten der I.R.A.
- Sunningdale: Streik des ULSTER ARBEITERRATES (Protestanten)
- Von LONG KESH steht nur noch der Zaun - Bericht vom Gefangenenaufstand
- Ein Besuch in LONG KESH
- Gefangen in ARMAGH ZUCHTHAUS
- Zur Psychologie und Soziologie der britischen Armee
- BOMBEN IN ENGLAND: DIE HINTERMÄNNER
- Privatarmeen gegen Proletarier
- Kriegsstadt BELFAST - Bericht
- Nachrichten und Informationen
- MATERIALIEN, LITERATUR, DOKUMENTE.
Quelle: Westdeutsches Irland-Solidaritätskomitee: Irland. Die IRA/Sinn Fein, Nr. 1/1975 (Info, Nr. 8), Oberursel, o. J. (1975).

1976:
Das „Westdeutsche Irlandsolidaritätskomitee” gibt die Broschüre: „Irland. Die I.R.A./Sinn Fein“, 1/1976 (Info, Nr. 10) heraus.

In der Vorbemerkung wird u. a. erklärt: „Anlässlich der Veröffentlichung der Nummer 10 unseres INFOS ist es angebracht, einen Bericht zu geben über die Situation unseres Komitees und die der antiimperialistischen Bewegung in der BRD. Es ist kein Geheimnis, dass die antiimperialistische Mobilisation hierzulande längst den Charakter einer Bewegung verloren hat: weit über das Interesse an Irland hinaus; wodurch der wichtigste Teil ihrer Relevanz verloren ging.

Die antiimperialistische Kampagne, die sich um 1967 entzündete, so romantisch und bürgerlich sie auch immer gewesen sein mag, hatte wenigstens ihre realen Auswirkungen in den Zentren der Metropolen selber, wo sie massenhafte Sensibilität und das Bewusstsein internationaler Unterdrückungszusammenhänge freisetzte. Während auf der einen Seite die damals freigesetzten Potentiale eingingen in jene institutionalisierte Weltsicht, die antiimperialistische Kämpfe nur noch verwalten konnte, indem im Sinne markiger Kraftmeierei mit viel ‚Auf, Nieder und Weg mit‘ ritualisierte Formen antiimperialistischen Bekenntnisses verbreitet wurden, verfügen andererseits die davon abweichenden Gruppierungen der BRD in ihrer voluntaristischen Isolierung weder über materiell geeignete Organisationsformen noch über die revolutionäre Perspektive, um ihre Kämpfe kontinuierlich und eng mit denen der Völker in der Welt zu verbinden. Augenblicklich kommt dies am Beispiel der katastrophalen Haltung gegenüber Portugal, Angola, Spanien, Chile, Argentinien, Libanon, Irland usw. zum Ausdruck.

Um an dieser Stelle möglichen Mißverständnissen vorzubeugen: wir plädieren keineswegs für ein forsches ‚Zurück nach 1968‘. Gerade die moralistische Konstitution des damaligen antiimperialistischen Protests war aufgrund ihre Geschichtsblindheit anfällig genug für die dann folgende bereitwillige Konservierung im Sarg ML-Partei auf studentischer Basis …

Die heutige antiimperialistische Politik ist entweder zur bürokratisierten Außenpolitik verkommen, die sich an den Linien der SU oder der VR China leblos orientiert und bleibt daher auch im eigenen Land wirkungslos und bekenntnishaft starr, weil von den ML-Organisationen zwangshaft und unlauter betrieben: vom ‚Büro für internationale Angelegenheiten und internationale Beziehungen‘ (KBW). Die Blüten, die dabei an den Schreibtischen der Herren Verwalter für 's Internationale gefälscht werden, machen gewiss keine Roten Nelken, wenn man die Groteske miterlebt, wie besonders KBW und KPD etwa im Verhältnis zu Angola und Portugal die chinesische Linie mühevoll auslegen, um einen lächerlichen Slalom durch die Affäre zu ziehen …“

Heute gehe es „nicht nur um eine moralische Kritik! Viel entscheidender ist noch der oben bereits erwähnte Mangel einer konkreten Vorstellung von Weltmarkt und Weltmacht, wodurch alle Kämpfe der Internationale bis ins Verborgenste bestimmt sind. Gerade heute, wo ein Teil der internationalen Auseinandersetzungen bereits vor unserer Haustür stattfindet, können die Klassen- und Massenkämpfe im eigenen Land gar nicht ohne direkten, strategischen und intensiven Kontakt zu diesen Kämpfen und den daran beteiligten Organisationen bestimmt werden. Die revolutionäre Beziehung zu diesen Kämpfen ist demnach gewiss nicht gegründet auf den Austausch von Grußadressen, Telefonate nach Portugal oder den Transfer dortiger Handarbeitsdeckchen auf den deutschen Markt, sondern (dauerhaft und vorausschauend) durch die kategoriale revolutionstheoretische Bestimmung der Bedeutung dieser Kämpfe wie des Zusammenhangs mit unserer Situation.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Vorwort: Über den Aufstieg der antiimperialistischen Solidarität und ihren Niedergang zur Phrase
- Der Waffenstillstand, die Briten & die provisorische IRA
- Interview mit 2 Freiwilligen der Belfast-Brigade der IRA
- Alle Macht den Comhairli (Sowjets)
- Nordirlands Endlösung (Mike Farrell)
- Interview mit Seamus Costello, Vorsitzender der I.R.S.P.
- Die Rote Fahne über dem KZ Long Kesh
- CROSSMAGLEN - Befreites Gebiet der IRA
- Die Frauenarmee der IRA - Cuman na mBan
- Bericht von ‚Rita‘ - Freiwillige der Frauenarmee von Belfast
- Liste der gefallenen und inhaftierten Mitglieder der Frauenarmee der IRA
- Das Herrema-Kidnapping
- Brief an einen deutschen Unternehmer
- Die ökonomische Situation der Republik
- Irland - Bestandsaufnahme der I.R.S.P.
- Brief irischer Arbeiter an das Westdeutsche Irlandsolidaritätskomitee
- Co-op Ökonomie in Belfast
- Aus dem Arsenal der britischen Anti-subersion (Counter Insurgency)
- Bericht über den Einfluss der von Briten bezahlten Sozialarbeit in Nordirland
- Ferienaufenthalte irischer Jugendlicher in der BRD
- Exkursionen westdeutscher Polizei in Nordirland
- Originaldokument über die Funktion der britischen Privatarmeen
- Anschlag gegen die Rundreise des Westdeutschen Irlandkomitees
- Imperialistische Forschungen auf dem Gebiet von Psychologie und Humangenetik
- Terror und Unterdrückung in Irland AMNESTY INTERNATIONAL über Nordirland
- „Die einfache Gewalt“ - Brief eines politischen Gefangenen in Long Kesh
- Brief eines Gefangenen an einen britischen Soldaten
- Hollywood & Girdwood - Folterzentren in Nordirland
- Zu den bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen offizieller & provisorischer IRA
- Die Spaltung der I.R.S.P
- Antiimperialistische Nachrichten.

Werbung wird gemacht u. a. für:
- Zeitschrift Autonomie
- Bücher, die im Trikont-Verlag erscheinen
- Buchladen, Verlag 2000 (Frankfurt/M.)
- Neuerscheinungen zu Bücher und Schriften aus Nordirland und der BRD
- Neue Broschüre des Irlandkomitees zur „Entwicklungsgeschichte der Kämpfe in Nordirland.“
- Plakate und Kampflieder.
Q: Westdeutsches Irlandsolidaritätskomitee: Irland. Die I.R.A./Sinn Fein, Nr. 1/1976 (Info, Nr. 10), Oberursel, o. J. (1976).

September 1978:
Vermutlich im Spätsommer 1978 wird vom „Westdeutschen Irlandsolidaritätskomitee“ das „Irland Info 12“ herausgegeben. Inhalt der Ausgabe ist:
- DIE TRILATERALE KOMMISSION - ZUR LAGE DER REPUBLIKANISCHEN BEWEGUNG
- REPUBLIKANISCHE BEWEGUNG II
- DAS KONZEPT DER VOLKSRÄTE FOR NORDIRLAND
- DIE IR A IN DER OFFENSIVE
- REFLEXIONEN ÜBER DIE FOLTER, MORD UND TERROR IN IRLAND
- Das Urteil von Straßburg - DER „DRECK DER ERDE‘
- H - BLOCK LONG KESH - KZ
- TRIBUNAL GEGEN BRITISCHE PRÄSENZ IN IRLAND
- RESISTANCE - COMIX AUS BELFAST
- IRLANDS ANBINDUNG AN DIE VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA
- FRAUEN IN IRLAND
- OFFENER BRIEF VON BERNADETTE DEVLIN
- MCALISKEY AN JOAN BAEZ
- ZUR LAGE DER FRAUEN IN IRLAND
- ZUR IRISCHEN FRAUENBEWEGUNG
- FRAUENCOMIX ZUM CHAUVINISMUS DER IRISCHEN MÄNNER
- DIE S A S - GESCHICHTE EINER TERRORTRUPPE
- COMIX: DER PROVO INGENIEUR
- VOM BESUCH DER ELIZABRIT WINDSOR IN BELFAST
- DIE STAATSKONSPIRATION
- Zur Lage der I.R.S.P.
- IRISH NATIONAL LIBERATION ARMY
- NACHRICHTEN - BERICHTE - KOMMENTARE
- HERRN WIELAND G.' s IRLANDREISE MIT KLEINEN UNTERBRECHUNGEN
- ZUR KAMPAGNE FÜR DIE ‚HALFFORGOTTEN‘
- BRITISH RHINEARMY
- DIE INTERNATIONALE IRLANDKONFERENZ
- LETZTE NACHRICHTEN
- LITERATUR - SCHALLPLATTEN - MATERIALIEN.

Werbung wird gemacht für:
- Irland Aktuell, hrsg. vom „Irlandkomitee Westberlin“
- Schwarze Protokolle
- Revolutionary Communist Papers (Number 2)
Q: Westdeutsches Irland-Solidaritätskomitee: Irland Info 12, Oberursel o. J. (1978).

Mai 1981:
Frühestens im Mai wird vom „Westdeutschen Irlandsolidaritätskomitee“ das „Irland Info 14“ herausgegeben.

Im Editorial heißt es u. a.: „Im ersten Artikel dieses Info 14 versuchen wir, die gegenwärtige Situation in Irland zu skizzieren, den Versuch einer langfristigen Lösung im Interesse der EG, der Yankees und der NATO-Headquarters. In einem ausführlichen Artikel wird ‚Irland im Visier der Nato‘ geschildert. … Ein Abschiedsgeschenk an Horst H. ist ein Artikel aus unserer Serie ‚The world of science and technology‘: Raster-Man Vibrations. Eine Genossin war anlässlich des Internationalen Frauentages in Irland und versucht in ihren Notizen darzulegen, was sie bewegte: WOMEN AGAINST IMPERIALISM international.

Wie die Provos die Attacke auf den sieben Weltmeeren begannen ist nachzulesen im Bericht über das unerwartete Ende der Nellie M. in ‚Postfach 35‘ zwei Briefe aus Irland aus jüngster Zeit: mehr als nur ein illustres ‚Leser schreiben dem WISK‘. Was wir in diesem Heft zu verdeutlichen versuchen- der Hungerstreik der Gefangenen ist integraler Teil eines Kampfes, der aktuell konfrontiert ist mit einer langfristigen imperialistischen Neukonzeption für Irland, die den republikanischen Widerstand zwingt, traditionelle und durchaus erfolgreiche Widerstandsformen zu überdenken, weswegen die Solidarität mit unseren irischen Genossen, mit dem republikanischen Widerstand, mit den Gefangenen in den H-Blocks, mit den Gefangenen im Hungerstreik, mit den gefangenen Frauen in Armagh, ebenfalls überdacht und intensiviert werden muss. Bibeln allein werden uns den Segen nicht bringen.

Wenn wir sagen ‚Political Status Now‘ und jedermann aufrufen, die irischen Genossen in jedmöglicher Form praktisch zu unterstützen, so kann und darf eines nicht ausgespart bleiben: die Unterstützung der Gefangenen im Hungerstreik hier, erst recht nach 8 Wochen Hungerstreik nicht. Die Forderung der Gefangenen aus der RAF nach Behandlung gemäß den Mindestgarantien der Genfer Konvention und Zusammenlegung hat mit der nach ‚Political Status‘- bei aller Unterschiedlichkeit und den existierenden Ungleichzeitigkeiten, den differenten politischen Konstellationen ein Identisches: Ausdruck des Kampfes um die politische Akzeptanz antiimperialistischen Widerstandes zu sein. Das kann und darf nicht Sache der Gefangenen allein sein. Im Kampf gegen den gemeinsamen Feind, gegen Gehirnwäsche und Kriminalisierung, gegen Isolation und Vernichtung, gegen Entsolidarisierung und das Totschweigen des Hungerstreikes solidarisch! Es liegt an jedem/jeder, ob die allgemeinen Forderungen der Gefangenen - in Stammheim oder in Long Kesh - erfüllt werden, ob Günter Sonnenberg und Verena Becker freigelassen werden.“

Zu den Hungerstreikationen wird ausgeführt: „Mit dem Datum 1. März 1976 hatte die britische Labourregierung Wilsons den gefangenen irischen Freiheitskämpfern den ‚Special Category Status‘ aberkannt und die 1972 erkämpfte Möglichkeit politischer Selbstorganisation und Identitätswahrung im Knast eliminiert. Das europäische Diktum, dass politischer Widerstand kriminell ist und Gefangene aus Widerstandsgruppen dementsprechend zu traktieren sind, wurde seitdem auch den republikanischen Guerilleros in Irland buchstabiert … Zum 1. März 1981 ist der Kampf gegen Kriminalisierung und für die Wiedererlangung des ‚political Status‘ 5 Jahre alt. An diesem Datum begann erneut ein Hungerstreik in den H - Blocks von Long Kesh Concentration Camp. Daran aktiv beteiligt sind (bis jetzt) Bobby Sands, Francis Hughes, Raymond McCreesh (IRA) und Patsy O'Hare (INLA).

Alle Gefangenen haben den bisherigen ‚Dreckstreik‘ beendet, um alle Aufmerksamkeit auf den bitteren Hungerstreik zu richten - nur der sogenannte ‚Blanket Protest‘ geht weiter. Die Annahme der offiziellen Gefängnisuniformen wird damit strikt abgelehnt. Am 18. bzw. 19. Dezember 1980 hatten zuletzt 40 Gefangene nach 53 Tagen einen am 27. Oktober eröffneten Hungerstreik abgerochen, nachdem Repräsentanten der britischen Nordirland-Administration ein Dokument mit Vorstellungen verlesen hatten, dessen Substanz faktisch wesentliche Konzessionen an die Gefangenen bedeutete. Nämlich die Erfüllung von deren 5 FORDERUNGEN:
- keine Gefängniskleidung
- Vereinigungsfreiheit
- einen Brief, einen Besuch, ein Paket pro Woche
- Wiedereinführung des Strafnachlasses …

Diese vorgetragenen Zusagen wurden nicht materialisiert. Obwohl die Gefangenen Kooperationsbereitschaft demonstriert hatten, um der britischen Zwangsverwaltung Raum für reale Veränderungen zu geben. Doch diese bewies erneut ihre zynische Intransingenz. Am 25. Januar fand daher wiederum eine Konferenz des ‚National H-Block Committee‘ statt, um die Vorbereitung einer neuen Massenkampagne zu diskutieren, die der verschärften Situation, der die Gefangenen ausgesetzt waren, Rechnung tragen sollte. Gerry ADAMS von Provisional Sinn Fein erläuterte dort, wie und warum es zum Abbruch des letzten Hungerstreiks gekommen war, da es in diesem Zusammenhang eine Fülle von Spekulationen, Verwirrung und Desorientierung gegeben hatte, deren Folge eine gravierende Demobilisierung war: wobei es sich wohl um ein überlegtes britisches Kalkül gehandelt hatte …

Frauen und Männer, die so behandelt wurden, wie wir es alle wissen, wurden als Repräsentanten der jeweiligen Blocks & Flügel zusammengebracht. Ihnen ward ein Statement vorgelegt, das ATKINS abzugeben beabsichtigte. Sie erhielten eine Darstellung des Haftregimes, das die Briten sich vorstellten. Am 19. Dezember um 19 Uhr 45 wurden die OC's (Vertreter) der republikanischen Gefangenen unter der Leitung von Bobby SANDS zusammengebracht. Am Ende des Tages sagten die Leute: ‚Wer würde für ein Viertel einer Forderung sterben?‘ Dies sind die Umstände, unter denen der Hungerstreik endete.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Bad times ahead?
- The world of science and technology
- Das unerwartete Ende der Nellie M.
- 8. März in Irland
- Postfach 35
- Irland im Visier der NATO
- In eigener Sache
- Materialliste und Antiklirr… von ICI.
Q: Westdeutsches Irlandsolidaritätskomitee: Irland Info 14, Oberursel, o. J. (1981).

November 1981:
Im November erscheint, vom „Westdeutschen Irlandsolidaritätskomitee” herausgegeben, die Doppelnummer „Irland Info 15/16”. Das Info erscheint im 10. Jahrgang.

Eingangs wird u. a. erklärt: „Es geht also ums Positive: und da werden wir immer ganz besonders misstrauisch. Weil: es gibt keine positive oder konstruktive ‚Kritik‘. Die einzige Art von Kritik, die diesen Namen verdient, ist negativ. Wo immer erkenntnismäßig Neues erscheinen soll, gelingt dies mit Sicherheit nicht im positivistischen Rahmen, unter Anwendung gesicherter Weltanschauung, sondern mittels Zerstörung: ‚Misstraut dem üblichen, dem immerfort Vorkommenden‘. ‚Positive Kritik‘ hat eine Aura, die aus jener Sphäre resultiert, die sich am Formulieren von ‚Verbesserungsvorschlägen‘ orientiert. Dieser Oberzeugung war - außer Adorno - bereits der Herr aus Trier: ‚Radikal sein heißt, der Sache an die Wurzel‘ gehen. Also immer wieder von Grund auf neu denken und so, als wäre nichts ein für allemal geklärt und ‚positiv‘ richtig. Merkt ihr schon, dass diese Bemerkungen eine erklärende Ausführung über den neuen, ‚negativen‘ Charakter unseres vorliegenden Heftes sind? …

10 Jahre lang ist die antiimperialistische Bewegung in der BRD nicht weiter gekommen: obwohl die Gründe für internationalistische Beteiligung in Hülle und Fülle angewachsen sind (siehe auch AUTONOMIE 8/81), blieben alle positiv gemeinten Appelle stumpf und wirkungslos im Grunde. Und würde sich daran gewiss nichts ändern, leisteten wir nur brav jener naiven Aufforderung Folge, uns nun auch noch ‚konstruktiv‘ gegenüber dieser Pleite zu verhalten …

10 Jahre WISK und der Entschluss gilt: wir machen negative Solidaritätsarbeit. Um rauszukommen, endlich, aus diesen ‚verdammten Bleiernen Zeiten‘ antiimperialistischer Sprechpuppen & Papageien & Gletscherkrokodile. Weil, und das war der einzige gute Satz in diesem blöden Film: ‚Wir die ganze Wahrheit wissen wollen!‘ Die kann dann auch Verbreitung finden. Diese Irland Doppelnummer ist als Parabolspiegel gehalten. Der, ohne den Brennpunkt zu verleugnen, vielfältige Reflexionen über ein reichhaltiges Thema zulässt: ‚Irland in vielerlei Gestalt …“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Je ne regrette rien
- Irland hinter den Spiegeln
- Plastiktod (John McGuffin)
- Die besoffene Armee
- The World of Science & Technolgy
- It Could bei worse - Reiseeindrücke Irland 81 (Christoph Potting)
- Irland in allerlei Gestalt - eine sentimental journey vor 10 Jahren und jetzt (Margarete Langwieler)
- The Great Escape
- Belfast Graffiti
- Gold & Silber & Tomaten
- Die Politik des abhängigen Kapitalismus: Internationales Kapital und der Nationalstaat (James Wickham)
- International Fantast - Ein Beitrag zur Irlanddiskussion und zur Imperialismuskritik
- Belfast 69
- “Time of Torture” - Internierung (Sean MacStiofain)
- Patrouille der INLA in Turf Lodge, Belfast, Juli 81
- Feminismus in Irland
- The Late Late Show
- Materialliste.
Q: Westdeutsches Irlandsolidaritätskomitee: Irland Info 15/16, Oberursel, November 1981.

Letzte Änderungen: 23.5.2014

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