Der Parteiarbeiter, 2. Jg., Nr. 6, Juni 1971

19.06.1971:
Die Nummer 6/71 des Funktionärsorgans der KPD/ML (ZB), "Der Parteiarbeiter", erscheint (laut ZAV in dieser Woche). In der Vorbemerkung "Zu dieser Ausgabe" wird erklärt, dass der "Parteiarbeiter" erstmals auch außerhalb der Partei" erscheint.

"Die KPD/ML erhofft sich mit dieser Freigabe - dass gibt sie offen zu - vor allem einen breiteren und intensiveren Einfluss auf diejenigen marxistisch-leninistischen Organisationen und Zirkel, die sich noch nicht der Partei angeschlossen haben. Mit dem Parteiarbeiter kann die KPD/ML beweisen, dass sie nicht nur über die korrekte politische Linie verfügt, sondern auch über Leitungs- und Arbeitsmethoden, die geeignet sind, diese Linie in der Arbeiterklasse zu verbreiten … Die außerhalb der Partei stehenden Genossen werden erkennen, dass die Entwicklung guter und vorwärtstreibender Richtlinien und Arbeitsmethoden nur auf zwei Grundlagen möglich ist: 1. bedarf es einer korrekten politischen Linie, 2. bedarf es einer nationalen, nach dem demokratischen Zentralismus organisierten kommunistischen Partei. Abschließend weisen wir noch darauf hin, dass wir für den Parteiarbeiter keine breite Werbung durchführen werden und nicht das Ziel einer möglichst hohen Auflage verfolgen. Des Weiteren wird er sich seinem Inhalt und seiner Form nach weiterhin nur an die innerhalb der Partei arbeitenden Genossen richten."

Artikel der Ausgabe sind:
- "(Allgemeiner Teil)"
-- "Zum Rechenschaftsbericht des Zentralbüros"
-- "Der 1. Mai und die Politik der Partei"
-- "Der Charakter der Roten Fahne"
-- "Die Arbeit mit dem ZO einheitlich ausrichten"
- "(Aus der Praxis für die Praxis)"
--"(Organisation)"
-- "Der Finanz-Technische Apparat in der KPD/ML"
-- "Kommando Bethune"
-- "Grundlagen und Methoden der Kaderarbeit (Ankündigung)"
-- "Beschluss der Org-Büros des ZB über die Weiterleitung von Publikationen an die Zentrale"
-- "Stellungnahme zum Artikel 'Ein Tipp zum Plakat-Kleben' im PA 3/70"
-- "Betrifft: Urlaubsplanung"
--"(Agitprop)"
-- "Zur betrieblichen Agitation gegen die Gruppe Roter Morgen"
-- "Betrifft: Offensivere Formen der Agitprop"
-- "Weiteres zum System der Schulung und seiner Einführung"
-- "Aus dem Verlags- und Vertriebsprogramm des ZAV"

Zum "Rechenschaftsbericht des Zentralbüros" wird neben den Erörterungen zur Bundeskontrolle auch auf die derzeitige Parteientwicklung eingegangen: "Aus Gründen der Unklarheit über die Frage der Parteientwicklung und der Parteikräfte und verschiedene Fragen der Politik der Partei, beschloss das Zentralbüro unter Hinzuziehung einiger Mitarbeiter aus den Abteilungen der Zentrale und von Vertretern des KJ-Inform, drei umfangreiche Arbeitskonferenzen durchzuführen mit dem Ziel, die ungeklärten Fragen zu beantworten, die bisherige Parteiarbeit zu untersuchen und zu bewerten, und einen für alle Bereiche der Parteiarbeit geltenden Jahresplan auf dieser Grundlage zu erstellen… Neben den neueren Arbeiten an der programmatischen Front (die übrigens im Bolschewik 7 das erste Mal ausdrücklich in den Zusammenhang einer planmäßigen Arbeit am Programm der Partei gestellt wurden) wurde der Partei auch schon ein Ergebnis der organisationspolitischen Diskussion der ZB-Konferenzen in Form der Broschüre 'Die Etappen des Parteiaufbaus und die Aufgaben der KPD/ML' vorgelegt. In den in dieser Broschüre niedergelegten Erkenntnissen, die auf den Lehren der Genossen Lenin und Stalin beruhen, hat die Zentrale das vielzitierte 'zentrale Kettenglied' für die Verbesserung unserer organisatorischen Arbeit gefunden: Erst auf dieser Grundlage ist es uns möglich geworden, den bisherigen Aufbau der Partei zu bewerten, unsere Erfolge und unsere Fehler dabei festzustellen und richtig einzuordnen in einen historischen Rahmen und in objektive Gesetzmäßigkeiten; erst auf dieser Grundlage ist es uns möglich geworden, die Planung der organisatorischen Aufgaben auf eine wissenschaftliche und einheitliche Grundlage zu stellen."

Angekündigt wird ein Buch zur Jahresplanung.

Der Artikel "Der 1. Mai 1971 und die Politik der Partei" behandelt vor allem die Erfolge und Fehler bei der Vorbereitung und Durchführung der 1. Mai-Demonstration: "So war der 1. Mai 1971 tatsächlich ein politischer Kampftag der Arbeiterklasse, wenn die Partei auch noch nicht breite Massen mobilisieren kann. So war der 1. Mai 1971 aber auch ein Kampftag gegen den Opportunismus. So war der 1. Mai 1971 schließlich auch ein internationaler Kampftag, ein Tag der Solidarität mit den Proletariern aller Länder und den unterdrückten Völkern. Sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung der 1. Mai Demonstration waren von daher ein Erfolg. Wir haben den Arbeitermassen, anknüpfend an ihren Kampf, unsere politische Linie breit erläutert und dabei besonders die fortschrittlichen Arbeiter näher an die Partei herangeführt."

Als Fehler werden u. a. genannt:
- Der politische Charakter des Lohndiktats wurde zuwenig hervorgehoben,
- Die internationale Agitprop wurde vernachlässigt,
- Die Agitprop zum 1. Mai hatte in den Betriebszeitungen einen ökonomischen und ökonomistischen Grundzug,
- In einigen Fällen ging das ZB fahrlässig mit der Frage der Einheit der Marxisten-Leninisten in Westdeutschland um,
- In Bündnisfragen sind einige taktische Fehler begangen worden (nur selten sind direkte Gespräche geführt worden).

Das ZB zieht daraus folgende Lehren:
"Der 1. Mai 1971 war ein Erfolg für unsere Partei. Er hat sie politisch und organisatorisch ein ganzes Stück weitergebracht. Nach dem 1. Mai ist in der Partei keine systematische Auswertung des 1. Mai in den Grundeinheiten vorgenommen worden. Wir sind es aber der Arbeiterklasse schuldig, ihr mitzuteilen, was die Partei am 1. Mai gemacht hat, welche Erfolge sie errungen hat und welche Fehler sie gemacht hat. Das ist die erste Lehre, die wir aus der Arbeit der Partei zum 1. Mai ziehen müssen.

Die zweite Lehre, die wir aus den Fehlern in der 1. Mai-Vorbereitung ziehen müssen, ist, dass das Lohndiktat als ein wichtiger politischer Angriff auf die Arbeiterklasse von unseren Parteimitgliedern verstanden werden muss und dass das Lohndiktat im Mittelpunkt unserer Agitation stehen muss. Das ist besonders wichtig für die Vorbereitung der Metalltarifrunde.

Die dritte Lehre, die wir aus den Fehlern in der Arbeit zum 1. Mai 1971 ziehen müssen, ist, dass wir stärker den proletarischen Internationalismus auch in der Betriebsagitation betonen.

Die vierte Lehre, die wir aus den Fehlern in der Arbeit zum 1. Mai 1971 ziehen müssen, ist, dass wir Werbung für die Partei, von der Rolle der Partei als politische Partei der Arbeiterklasse her, verstärken.

Die fünfte Lehre, die wir aus der Arbeit zum 1. Mai 1971 ziehen können, ist, dass unsere Bündnisarbeit noch äußerst schlecht ist, besonders was die Herstellung der Einheit aller Marxisten-Leninisten in Westdeutschland betrifft …

Die sechste Lehre ist die, dass die Umsetzung der allgemeinen politischen Linie in konkrete Direktiven für die Partei sehr verbessert werden muss. Das betrifft sowohl das ZB, das die Hauptverantwortung für die oft ökonomistische Agitation zum 1. Mai trägt, als auch die LAK's und OK's, die die Fehler der Zentrale noch um einige andere Fehler ergänzten.

Der 1. Mai 1971 hat aber trotz dieser Fehler die Linie der Partei bestätigt und große Erfolge gebracht. Der Hauptschlag war richtig gegen die sozialdemokratischen Verräter gerichtet, und die Partei entlarvte breit die verschiedenen Angriffe auf die Lage und die Rechte der Arbeiterklasse. Dabei wurde der Arbeiterklasse der revolutionäre Ausweg gewiesen: der Sozialismus, der nach der Errichtung des Arbeiter- und Bauernstaates aufgebaut wird."

Der Artikel "Der Charakter der Roten Fahne" basiert auf der Broschüre der KPD/ML-ZB: "Die Etappen des Parteiaufbaus und die Aufgaben der KPD/ML". Zusammenfassend stellt das ZB bezüglich des Charakters der Roten Fahne für die ersten beiden Perioden des Parteiaufbaus (Etappe der Massenagitation mit dem ZO, Aufgabe der direkten Führung der Massenkämpfe durch das ZO) fest:
"1. Das ZO ist beteiligt an der Herausbildung des Grundkerns der Partei, der späteren Zentrale und zwar dadurch, dass dieser Grundkern es mit Hilfe der Zeitung versteht, die zersplitterte sozialistische Bewegung der Massen zu verbinden, und sich so als die wirklichen Führer der Arbeiterbewegung herauszustellen.
2. Das ZO schafft ein nationales Kadergerüst dadurch, dass mit Hilfe des ZO's der ideologische Kampf zur Vereinigung aller Sozialdemokraten zu Ende geführt wird, aber auch dadurch, dass um das ZO herum ein Netz von Vertrauensleuten und Korrespondenten entsteht, das in der Lage ist, die Führung in den Massenkämpfen zu übernehmen."

Die Aufgaben der Roten Fahne konzentrieren sich auf drei Punkte:
1. Die Rote Fahne muss dem Kampf der Massen dienen,
2. Die Rote Fahne muss der weiteren Festigung der Partei und der Gewinnung neuer proletarischer Kader dienen,
3. Die Rote Fahne richtet sich an die Massen.

Aus NRW wird berichtet von den eigenen Zeitungen bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund und Opel Bochum sowie der KPD/ML-ZK bei Opel Bochum.
Quelle: KPD/ML-ZB (Hrsg.): Der Parteiarbeiter - Funktionärsorgan der KPD/ML (ZB), Jg. 2, Nr. 6, Bochum, Juni 1971.

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