Büro für Betriebsfragen (Bochum):
"Rundbrief" (1979-1982)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 23.9.2020

Hier können nur einige Ausgaben des "Rundbriefs" des "Büros für Betriebsfragen" aus Bochum vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Beim "Bochumer Büro für Betriebsfragen" (BfB) handelte es sich offenbar um eine örtliche oppositionelle Gruppe, die nach eigenen Angaben aber auch mit anderen Gruppen in Verbindung stand, etwa mit Daimler-Benz (Stuttgart) und der dortigen "Plakat-Gruppe", Siemens-Regensburg, Köln (Wacker-Chemie), Ford (Köln) oder der "Alternative" (HHLA-Hamburg). Zu ihren Treffen kamen auch Vertreter der GOG Bochum und andere. Laut eigener Aussage seien sie "Nichtmalocher" (vgl. BfB, Nr. 21, S. 4).

Das "Büro für Betriebsfragen" bestand wohl schon ab 1977. Das geht aus verschiedenen Berichten der "Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen" hervor. Zum 1. Mai 1977 und 1. Mai 1980 richteten sie Einladungsschreiben zu "Aktionseinheitsverhandlungen zum 1. Mai" an das BfB. Offenbar waren auch Aktivisten der KGB/E dort tätig. Im "Rundbrief" der KGB/E Nr. 4 vom März 1977 heißt es u. a. zu den Tätigkeitsschwerpunkten: "Aktivitäten gibt es aber auch in anderen Bereichen: Frauengruppe, Internationalismus, Bürgerinitiativen, Arbeit im Büro für Betriebsfragen" (vgl. Rundbrief Nr. 4, 3. März 1977).

Und im Mai 1977 erklärte die KGB/E: "Obwohl im Büro für Betriebsfragen ein konkreter Arbeitsbereich vorhanden war, hat aber nur eine Genossin dort wirklich aktiv gearbeitet. (…) Das Scheitern der Arbeit beim BV und im Büro hatte keine hauptsächlich objektiven Gründe, sondern lag vor allem an unserer subjektiven Schwäche." (vgl. KGB/E: Rechenschaftsbericht des Zentralen Ausschuss der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen an die 5. ordentliche Mitgliederversammlung im November 1977).

Wann sich das "Büro für Betriebsfragen" auflöste, ist mir z. Zt. nicht bekannt.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

20.09.1979:
Der "Rundbrief" Nr. 21 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Betrifft Nachschlag"
- "Zur Perspektive des Büros für Betriebsfragen. In eigener Sache"
- "Vorschlag für eine Tagung im November zum Kampf auf Abteilungsebene"
- "Das ISA-System"
- "Gong zur 2. Runde. Abdul Haj Kheder bleibt Betriebsrat bei Opel/Bochum"

In "Zur Perspektive des Büros für Betriebsfragen. In eigener Sache" wird u. a. erklärt, dass der "Rundbrief" mehr und mehr "zu einer Zeitung wurde mit uns als Redakteuren, die bestimmen wer zu welchen Fragen interviewt wird. (…) Eigentlich sollte der 'Rundbrief' eine ganz andere Funktion haben-nämlich zwischen Kollegen/Betriebsgruppen Informationen und Erfahrungen und Einschätzungen austauschen, wobei die Beteiligten mit selbstverfassten Beiträgen den 'Rundbrief' tragen. Das lief aber nicht". Dazu wurden Informationen eingeholt, u. a. aus Bonn und Stuttgart usw. Demnächst sollen diese Fragen auf einer Tagungen debattiert werden. Dabei will man versuchen, "Erfahrungen, die wir durch unsere Teilnehmer an den bisherigen Treffs gewonnen haben (Automobil oder sonstige) zu berücksichtigen". Zunächst soll das Thema "Kampf auf Abteilungsebene um Arbeitsbedingungen" debattiert werden. Vorgeschlagen wird der 17./18.11. in Bochum in der ESG. Berichtet wird noch über das ISA-System bei der Daimler Benz AG, weiter über den BR Kheder bei Opel/Bochum, der weiter beschäftigt werden muss. Berichtet wird noch über einen "Nachschlag".
Quelle: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 21, Bochum, 20. September 1979.

03.10.1979:
Der "Rundbrief" Nr. 22 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Kampf auf Abteilungsebene um Arbeitsbedingungen"
- "Organisation"
- "Stellungnahmen zu Fragen der Kernenergie. IG Chemie-Hoechst AG"
- "Ausgansbedingungen des Konflikts Opel-Daimler"
- "Kampfformen Opel-Daimler"
- "Aufgaben oppositioneller Betriebsräte in Abteilungskonflikten Opel-Daimler"

Berichtet wird u. a. über eine Tagung zu Fragen der Problematik von Arbeitskonflikten am 17./18.11. Auf der Seite 3 soll das Plenum allerdings vom 16.-18.11. stattfinden. Dazu soll es Informationen von Opel und Daimler zu den Konflikten geben und Erfahrungen diskutiert werden. Diskutiert werden soll auch wie ein Plenum nach Schwerpunkten aufgebaut wird, etwa: Kleinbetriebe, Frauenbetriebe, Zusammenarbeit. Berichtet wird noch von unterschiedlichen Stellungnahmen zur Kernenergie (IG Chemie vers. Hoechst AG). Gefragt wird noch: "Welche Kampfformen sind auf Abteilungsebene möglich? Unter welchen Bedingungen sind sie einsatzbar? Welche Kampfformen sind am ehesten dazu geeignet, die Kollegen zu eigenständigem, kollektiven Handeln zu befähigen?"
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 22, Bochum, 3. Oktober 1979.

Dezember 1979:
Vermutlich im Dezember erscheint der "Rundbrief" Nr. 23 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum).
Artikel der Ausgabe sind:
- "Bericht von der Arbeitstagung des Bochumer Büros für Betriebsfragen".

Berichtet wird u. a. von den Gruppen 1-4 und über das "Plenum". Ein Teilnehmer fragt im Artikel "Wie soll es weitergehen?" und gibt einen Überblick über den Ablauf der Tagung und des Plenums und folgert u. a. dass "die Seminarteilnehmer recht zufrieden waren". Auch die "sachliche Auseinandersetzung" wurde gelobt. So könne man auch "politische Positionen entwickeln".
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 23, Bochum, o. J. (Dezember 1979).

12.04.1980:
Der "Rundbrief" Nr. 24 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Einige Überlegungen zu den Warnstreiks der IG Metall"
- "Porsche"
- "Bosch"
- "Arbeitsniederlegungen in Feuerbach"
- "Krisenpapier"
- "Streik bei Bosch"
- "Warnstreik bei Daimler Benz (Sindelfingen)"
- "Warnstreik-Tarifrunde 80"
- "Neue Tarifpolitik"
- "Sofortige Wiedereinstellung von Ute Nanay bei der IG Bau-Steine-Erden"

Zu diesem "Rundbrief" heißt es u.a.: "Dieser Rundbrief besteht aus Beiträgen von Stuttgarter Kolleginnen und Kollegen. Es geht um die Warnstreiks, die ja nicht nur dort zur Tarifrunde inszeniert werden: Erfahrungsberichte und Einschätzungen zur Tarifrunde 1979/80". Berichtet wird u. a. darüber, dass ein neues Treffen geplant ist. Themen könnten sein:
- MTM insbesondere: Auswirkungen auf die Kollegen am Arbeitsplatz
- Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Berichtet wird weiter über die Erfahrungen von Warnstreiks bei Bosch und Daimler Benz, Organisierung, Verlauf und Erwartungen.

Berichtet wird noch über die "neue tarifpolitische Beweglichkeit der IG Metall" und über das "Solidaritätskomitee Ute Nanay".
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 24, Bochum, 12. April 1980.

10.08.1980:
Der "Rundbrief" Nr. 25 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Tagung im Oktober-Arbeitsplatz und Gesundheit"
- "Tagungsthema Lärm"
- "Arbeitsmedizin in Italien"
- "Kollegen von Bremer Vulkan: Belastungen und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz"
- "Betriebliche Gesundheit und gewerkschaftliche Arbeit in einer norddeutschen Werft. Ansätze einer Arbeitsmedizin in der BRD"
- "Auswertung von Fragebögen"
- "Lebenshilfe: Lieber krankfeiern als gesundschuften"
- "HSW: Rausschmiss nach Verfassungsschutzanfrage"
- "Stoppt Strauß-Gutachten"
- "Frauenmalochertreff"
- "Gesundschrumpfen"

Berichtet wird u. a. über die Tagung im Oktober am 18./19.10., über die Arbeitsmedizin in Italien, weiter über einen Vulkan-Beitrag zu "Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz". Es schließt sich ein Referat zur Gesundheit in norddeutschen Werften an. Weiter wird berichtet über die Entlassung eines Kollegen bei den "Hamburger Stahlwerken", die durch eine Anfrage beim VS untermauert wurde. Der Kollege hat danach gegen eine NPD-Veranstaltung demonstriert, weiter über das Plakettentragen: "Stoppt Strauß".
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 25, Bochum, 20. August 1980.

02.10.1980:
Der "Rundbrief" Nr. 26 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Zur Gesundheitstagung"
- "Zur Frauenarbeit"
- "Zur Montanmitbestimmung"
- "Tagung: Gesundheit und Arbeitsplatz"
- "K(r)ampf um Mitbestimmung-Bericht aus Ruhrpottbetrieben"
- "Streik zum Frühstück. Bericht eines Krupp-Kollegen (Krupp Stahl, Bochum)"
- "Thyssen Edelstahlwerke Witten (TEW)"
- "Thyssen, Hattingen"

Berichtet wird von Streiks in verschiedenen Betrieben, so bei Thyssen in Duisburg am 26.6. und am 30.7., bei Krupp in Bochum am 30.7., wo es u. a. um die Montanmitbestimmung geht. Zu den "Linken" (ohne Namen) wird angemerkt, dass "die Mitbestimmung immer auf Partnerschaft, Vertrauen, Verhandeln orientiert, die den Interessen der Kollegen entgegensteht". Aufgerufen wird zur Tagung: "Gesundheit und Arbeitsplatz am 18./19. Oktober". Sie soll in der ESG im Unicenter Bochum stattfinden. Dazu sollen 3 AG gebildet werden: "Schadstoffe", "Lärm" und "Schichtarbeit". Geworben wird für eine Frauenbroschüre des "Malochertreffs". Zur Montanmitbestimmung wird ein Kommentar von Herbert Knapp aus Duisburg veröffentlicht.
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 26, Bochum, 2. Oktober 1980.

26.06.1981:
Der "Rundbrief" Nr. 31 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Redaktionelle Vorbemerkung. Debatte um Betriebsarbeit und das Problem des Bewusstseins"
- "Schweißauspressung: Über die Arbeit unter Hitzebedingungen"
- "Über die Humanität der bürgerlichen Arbeitswissenschaften"
- "Betriebswahlen 1981. Betriebliche Einschätzungen"
- "HDW-Hamburg: Gewerkschaftsausschluss für die Sieger, die 'Aktiven Metaller?"
- "Betriebsratswahlen 1981 bei EMI-Elektrola Köln"
- "Ausschlussverfahren bei Daimler Benz/Bremen"
- "Bericht von KHD-Köln"
- "Metalltarifrunde"
- "Neue Beweglichkeit am Beispiel eines Kölner Mittelbetriebs"
- "Warnstreik bei Graetz-Bochum"
- "BBC Mannheim: auch gewarnstreikt"
- "Tag X bei Opel"
- "Übersicht BR-Wahlen 1981"

In der "Redaktionellen Vorbemerkung" heißt es u. a.: "Ein großer Teil der linken Gruppen und Organisationen geht davon aus, dass die Krise und die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen die Entwicklungsmöglichkeiten von Klassenbewußtsein verbessern. Daraus werden dann oftmals Schlüsse auf die Veränderung der betrieblichen und gewerkschaftlichen Vertreterstrukturen gezogen. Sich in diesen Strukturen zu sammeln, um Schritte in Richtung 'politische und organisatorische Vorhut einer wiedererwachenden Arbeiterbewegung' zu unternehmen, ist die logische Konsequenz (Zitat 'Arbeiterpolitik'), scheint uns aber typisch auch für andere Gruppen wie 'Revier', 'GIM', 'Kompaß' usw.). In der betrieblichen Wirklichkeit erweist sich die Linearität dieser Überlegungen sehr häufig als kritikwürdig. Auch die Anwesenheit fortschrittlicher Kolleginnen und Kollegen in den Vertreterstrukturen ändert nichts an der relativen Einflußlosigkeit in der momentanen Betriebs- und Gewerkschaftspolitik. Das organisatorische Abgehobenheit linker Funktionäre kann sich unter diesen Bedingungen leicht in eine politische verwandeln: in der Idealisierung des 'gewerkschaftlichen Bewußtseins' und der Aufnahmefähigkeit für bestimmte politische Forderungen (35-Stundenwoche, Verstaatlichung usw.) oder der Überschätzung des eigenen Vertrauenspotentials für die Wirren der kommenden Zeit".

Berichtet wird u. a. über die Arbeit "unter Hitzebedingungen", die "Arbeitswissenschaften" und ihre Positionen dazu, weiter über die Betriebsratswahlen 1981. Dazu werden Ergebnisse aufgelistet. Es schließt sich ein Bericht der "Alternative" (HHLA/Hamburg) an. Gegen drohende Ausschlüsse bei HDW-Hamburg soll mobilisiert werden. Auch bei Daimler Benz in Bremen sind Ausschlussverfahren geplant. Berichtet wird weiter über die Metalltarifrunde, über einen Warnstreik bei Graetz in Bochum, über BBC in Mannheim. In "Zu diesem Rundbrief" wird noch einmal zu Graetz Stellung genommen, wozu es heißt: "Für uns ist wichtig nicht die Information an sich, sondern die Erfahrungen, die daraus gewonnen werden können".
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 31, Bochum, 26. Juni 1981.

30.06.1982:
Der "Rundbrief" Nr. 35/36 des "Büros für Betriebsfragen" (Bochum) erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "BfB-Tagung am 24.-26.9.1982 in Bielefeld"
- "Veranstaltung 'Nein zu Personalinformationssystem (PIS)"
- "Computer und Bibliothek"
- "Wacker, wacker"
- "EMIL im Hafen"
- "Alternative Nr. 35"
- "Was soll EMIL leisten?"
- "Schichtpläne, Mehrarbeit"
- "Wie verhält sich der Betriebsrat zu EMIL?"

Berichtet wird u. a. über eine Tagung vom 24.-26.9. in Bielefeld zum Thema "Personalinformation". Dazu werden Plena eingerichtet, u.a.
- "Was ist elektronische Datenverarbeitung?"
- "PIS und EDV in gesellschaftlichen Bereichen"
- "Arbeitsbedingungen von EDV-Betroffenen"
- "Ist EDV wertneutral- Begriff der technologischen Gewalt"

Berichtet wird weiter über eine Sitzung am 5.6. in Frankfurt/M. zur Debatte um PIS. Auszüge dazu liest man im Artikel "Computer und Bibliothek". Im Artikel "Wacker, wacker", wird über die "Wacker-Chemie" in Köln berichtet. Berichtet wird noch über die "Plakat-Gruppe" beim Daimler-Benz in Stuttgart und über die "Hamburger Hafen- und Lagergesellschaft" (EMIL), wo die EDV-Anwendungen zum "großen Teil negative Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Hafenbetrieb oder in anderen Bereichen der Transportkette haben". Dazu wird aus der "Alternative" eine Stellungnahme veröffentlicht. Geworben wird für die Broschüre: "Schöne neue Medienwelt", hrsg. von der BI "Stopp Kabelfernsehen". Bei dieser Ausgabe fehlt die "Beilage" der "Assistentenschaft der RUB".
Q: Büro für Betriebsfragen: Rundbrief, Nr. 35/36, Bochum, 30. Juni 1982.

Letzte Änderung: 24.09.2020