Ford-Werke Köln

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 9.11.2020

Von Ford Köln, wo es neben dem Produktionswerk in Niehl auch noch das Ersatzteillager in Merkenich gibt, lagen uns kaum betriebliche Publikationen vor, so dass hier wesentlich örtlich oder bundesweit verbreitete Darstellungen wiedergegeben werden.

Das Kölner Ford-Werk ist Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre einer der größten Betriebe der Bundesrepublik, von dem nicht nur frühe Trotzkisten berichten (vgl. Apr. 1967), sondern an dem sich auch sowohl der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) Köln (vgl. Nov. 1969, Jan. 1970) als auch die DKP (vgl. 29.5.1969, 26.6.1969, 31.7.1969, Feb. 1970) und die KPD/ML (vgl. Aug. 1968, Dez. 1968, Juni 1969, Okt. 1969) mit der Herausgabe von Betriebszeitungen versuchen, ohne dass diese hier im Wortlaut dokumentiert werden könnten. Bei den Septemberstreiks 1969 spielt Ford Köln noch keine Rolle, auch wenn die RJ/ML schon einmal Streiks meldet (vgl. Jan. 1970).

Die auf der Suche nach der Jugendavantgarde befindlichen spartacistischen IKD (vgl. 14.11.1969) künden allein von der SDAJ der DKP als einer Gruppe, die einen kleinen Einfluss bei den Lehrlingen von Ford Köln ausübe.

Bei Opel Bochum wird Ford Köln seitens der DKP als Vorbild propagiert (vgl. 8.12.1969). Beim ersten hier dokumentierten Warnstreik aber (vgl. 2.3.1970), gilt Opel Bochum keineswegs als Vorbild (vgl. 2.3.1970). Auch die maoistische Linke, die bei Ford in Gestalt der SDS-Betriebsgruppe bzw. der KPD/ML neben der DKP (vgl. 5.3.1970, 19.3.1970, 18.4.1970) tätig wird, gilt zumindest den örtlichen Spartacisten der IKD keineswegs als vorbildlich (vgl. 25.3.1970).

Nun wird Ford Köln gar bei Opel Bochum durch die KPD/ML als Vorbild für Kampfmaßnahmen bemüht (vgl. 15.4.1970), und auch gar in Völklingen (vgl. 4.5.1970), wo die örtlichen Rote-Fahne-Aktivisten sich wenige Monate später mit ihren Kollegen bei den Ford-Werken Saarlouis vereinen.

In Köln dagegen stehen derweil die Ford-Wohnheime auf der Tagesordnung (vgl. 1.5.1970, 16.5.1970).

Bundesweite Beachtung in den linken Betriebszeitungen findet der kurze Proteststreik gegen die Einführung der Lohnsteuervorauszahlung (vgl. Juli 1970, 10.7.1970, 13.7.1970, 14.7.1970, 15.7.1970, 20.7.1970, 1.8.1970), so dass für die kommende Metalltarifrunde Auseinandersetzungen zu erwarten scheinen (vgl. Aug. 1970). Während sich die Beschäftigten der Wilhelm Karmann GmbH Osnabrück um Lohnangleichung mit Ford und Opel bemühen, werden bei Opel die Profite der Autoindustrie im Vergleich bekannt (vgl. 17.9.1970), wobei die Umsatzzuwächse bei Ford auffallen.

In der Metalltarifrunde (MTR) 1970 kommt es zum Warnstreik, wobei der übliche Rahmen solcher Aktionen aber offenbar deutlich überschritten wurde (vgl. 24.9.1970, 25.9.1970).

Ford Köln wird so zum beliebten Beispielbetrieb für die linke Presse (vgl. 27.9.1970, 28.9.1970, 29.9.1970, Okt. 1970, 12.10.1970), wobei allein die DKP in dieser wie immer unvollständigen Darstellung von der Solidarität bei Hoesch Dortmund mit den Entlassenen berichtet (vgl. 30.9.1970). Mit dem Ergebnis der Metalltarifrunde ist die Ford-Belegschaft offenbar äußerst unzufrieden (vgl. 30.10.1970), der aus dem November von den u.a. bei Ford Saarlouis aktiven Rote Fahne Organisation gemeldete Streik scheint aber eher ein Datierungsfehler (vgl. Nov. 1970).

Während die KPD/ML-ZB Hintergrundfakten liefert (vgl. 15.12.1970) beschreibt die örtliche Vertretung des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale die offenbar bescheidenen Erfolge der bisherigen Betriebsarbeit des SDS Köln bei Ford Köln, allerdings ohne eine eventuelle eigene Aktivität darzustellen (vgl. 18.12.1970).

Die KPD/ML sieht im Ford-Betriebsrat trotzdem Trotzkisten verschiedener Fraktionen im Kampf um Posten, wobei damals allerdings auch Anhänger des Sozialistischen Büros bei der KPD/ML vermutlich als Trotzkisten galten (vgl. Jan. 1971).

Durch den Streik bei Ford in Großbritannien ist zwar auch die Kölner Produktion betroffen, von Solidaritätsaktionen aber wurde uns nur wenig bekannt (vgl. 1.2.1971, Juli 1971).

Anlässlich der späten Spaltung des SDS Köln, der eine der wenigen Gruppen war, die noch unter diesem Namen agierten, wird von der anderen Fraktion wiederum auf die offenbar wenig erfolgreiche SDS-Betriebsgruppe Ford eingegangen (vgl. 21.2.1971), während die KPD/ML-ZB den Karriereverlauf eines ehemaligen Fordmanagers zum Verteidiger von deutschnationalen Terroristen beschreibt (vgl. 8.3.1971), aber auch - zumindest bei Hoesch Dortmund - die Pläne der IGM-Führung für die nächste Metalltarifrunde enthüllt (vgl. 15.3.1971).

Bei Ford Köln selbst sind offenbar sowohl DKP und SPD als auch KPD/ML-ZB und KPD/ML mit Betriebszeitungen präsent (vgl. 26.4.1971, Juni 1971, 14.6.1971, Juli 1971), wobei die KPD/ML-ZB sich durch die SPD-Zeitung sofort angegriffen fühlt (vgl. 12.7.1971), auch wenn sie den Einfluss der SPD durch die MTR 1970 deutlich geschwächt sieht (vgl. 28.8.1971).

Auch das Anarcho-Syndikat Köln beginnt nun mit der Berichterstattung von Ford Köln (vgl. Juli 1971, Aug. 1971).

Die Metalltarifrunde (MTR) 1971 beginnt mit der Aufstellung einer niedrigen Forderung (vgl. Aug. 1971, 25.8.1971), während bei Ford selbst offenbar eine lineare Forderung erhoben wurde (vgl. 23.8.1971), während die KPD/ML-ZB bei Ford Köln eine Kurzkundgebung durchführt, die Zusammenarbeit von Polizei und Betrieb beschreibend (vgl. Aug. 1971).

Selbst die DKP findet die Forderungen von 10% bzw. 11% offenbar niedrig, berichtet von den bei Ford offenbar favorisierten 15% (vgl. 26.8.1971), ebenso wie die Münchener Arbeiterbasisgruppen (vgl. 6.9.1971), während die KPD in NRW von einer Forderung der Ford-Belegschaft nach 85 Pfennig weiß (vgl. 1.9.1971, 6.9.1971). Die Produktion läuft damals bei Ford - man entsinne sich der Umsatzzuwächse - offenbar auf vollen Touren, wie die DKP in Dortmund berichtet (vgl. 6.9.1971), die nun offenbar auch um die lineare Forderung bei Ford weiß (vgl. 8.9.1971), diese auch in Dortmund propagiert (vgl. 20.9.1971). Bei Opel Bochum dagegen scheint sich die KPD über den Unterschied von Prozentforderungen und linearen Forderungen nicht ganz klar (vgl. 16.9.1971), bei Klöckner Düsseldorf ist sie dann wieder besser informiert (vgl. 4.10.1971). In Freiburg beharrt der BKA auf der altbekannten Forderung nach 15% (vgl. 22.9.1971), während die RJ/ML die Profitprozente zum Vergleich beisteuert (vgl. 30.9.1971).

Durch die Abspaltung der KPD/ML-Neue Einheit vom KAB/ML bzw. der KPD/ML-RW tritt nun auch diese bei Ford Köln auf (vgl. Okt. 1971), wo die Konzernleitung offenbar die Metalltarifrunde durch Warnungen vorbereitet (vgl. Okt. 1971), während die KPD in Berlin mit Verweis auf Ford Köln die Neue Einheit zu entlarven versucht (vgl. 7.10.1971).

Der KJVD der KPD/ML-ZB befasst sich nicht nur ebenfalls mit der KPD/ML-Neue Einheit, sondern auch wiederholt mit dem Jungarbeiterheim von Ford Köln (vgl. Okt. 1971, 15.10.1971), die KPD versucht sich auch bei Ford Köln mit einem Aufruf zum Streik (vgl. 28.10.1971), während die KPD/ML bei Opel die vorbildliche Gesundheitsfürsorge für Ford-Führungskräfte beschreibt (vgl. 1.11.1971) und ihre Rote Garde sich bei Ford Köln an die neuen Lehrlinge wendet (vgl. Okt. 1971).

Die KPD hat mittlerweile offenbar Freunde bei Ford Köln (vgl. 12.11.1971, 19.11.1971), die KPD/ML-ZB berichtet vom weiteren Verlauf der MTR 1971 (vgl. 29.11.1971), aus Dortmund werden Absatzeinbussen prophezeit (vgl. Dez. 1971), während für Ford Köln die Aussperrung erfolgt (vgl. 6.12.1971, 9.12.1971, 10.12.1971, 18.12.1971) und bald auch das Ende der Metalltarifrunde (vgl. 14.12.1971), die vom Anarcho-Syndikat Köln als 'Beschiss' beurteilt wird (vgl. Jan. 1972).

Die Betriebsratswahlen 1972 werden offenbar frühzeitig von der SPD vorbereitet (vgl. 21.2.1972), die KPD dagegen, die vermutlich u.a. aus der SDS-Betriebsgruppe mit hervorging, gründet gerade erst ihre Betriebszelle (vgl. 1.3.1972), überwirft sich aber sogleich mit der sich erfolgreich wähnenden KPD/ML-ZB und deren Verhalten zur Betriebsratwahl (vgl. 13.3.1972, 17.3.1972, 20.3.1972, 29.5.1972, 31.5.1972), welches offenbar auch durch das Anarcho-Syndikat Köln abgelehnt wird (vgl. März 1972), das eher die direkte Aktion propagiert (vgl. Apr. 1972).

Die KPD versucht nach den Betriebsratswahlen nicht nur die Lehren zu ziehen (vgl. 7.4.1972, 13.4.1972, 26.4.1972, 24.5.1972), sondern auch im Verein mit den Bochumer Opel-Kollegen eine neue Kampffront aufzubauen (vgl. 26.3.1972), nicht zuletzt auf ihren RGO-Treffen, an denen stets auch Ford-Beschäftigte teilnehmen (vgl. 21.5.1972, 1.10.1972).

Die KPD/ML-ZB widmet sich den polizeitaktischen Fragen der Streikbekämpfung (vgl. 3.4.1972), da diese auch in Dortmund droht (vgl. 12.6.1972), die KPD der Maivorbereitung (vgl. 19.4.1972, 22.4.1972), ihr KJVD mobilisiert für den 1. Mai. Zunächst aber kommt es auch bei Ford Köln zum kurzen politischen und daher illegalen Streik gegen das Mißtrauensvotum (vgl. 26.4.1972). Die KPD/ML-ZB sieht die Vorbereitungen für den Krieg als bewiesen an, wobei Ford Köln als Beleg dient (vgl. 27.5.1972).

Die Kommunistische Initiative Köln (KI) berichtet nun nicht nur mehrfach von Ford (vgl. 21.4.1972, Juli 1972), sondern gibt auch bald wieder regelmäßig eine 'Rote Fordarbeiter Zeitung' heraus (vgl. Aug. 1972, Sept. 1972, 2.7.973).

Die KPD versucht sich nun im IG Metall-Vertrauensleutekörper zu verankern, in dieser Darstellung werden nur einige der von der KPD bundesweit veröffentlichten Berichte über Ford Köln wiedergegeben (vgl. 29.5.1972), die KPD/ML-ZB aber stellt die neuen oppositionellen Betriebsräte von Ford Köln in den Vordergrund (vgl. 19.6.1972), vermag so vermutlich mehr zu beeindrucken, auch ihre Freunde von Ford Köln nehmen nun an einem Gewerkschaftsoppositionstreffen der KPD/MLs teil (vgl. 22.10.1972).

Die Vorbereitung der Metalltarifrunde 1972/73 wird von der KPD geschildert (vgl. 20.9.1972), die auch die Auseinandersetzungen in der IG Metall Köln darstellt (vgl. 29.11.1972, 18.12.1972, März 1973), während es zu einem Streik im Ersatzteillager Merkenich kommt (vgl. 1.12.1972). Von den Befriedungsmaßnahmen bei Ford Köln aber berichten hier andere (vgl. 17.2.1973, 23.2.1973).

In Aachen wird die Ausrichtung der Kölner Forschung an den Ford-Interessen behauptet (vgl. 1.3.1973), vor Ort in Köln geht es zumindest der KPD eher um die Stufenausbildung, die die bisherigen Facharbeiterausbildung für viele entwertet sowie um die internationale Solidarität (vgl. 1.4.1973), ihre Freunde von Ford aber treten auch bundesweit auf dem RGO-Kongress in den Vordergrund (vgl. 14.4.1973).

Beim Maikomitee Köln der KPD fällt auf, dass dieses zwar im Merkenicher Ersatzteillager, aber nicht im Hauptwerk in Niehl aktiv zu sein scheint (vgl. 1.5.1973) und in der KPD-Betriebszeitung selbst keine Erwähnung findet (vgl. 5.4.1973, 11.5.1973), während es bei Ford Köln offenbar bereits Forderungen für eine Teuerungszulage bzw. vorfristige Tarifvertragskündigung bei Ford gibt (vgl. 25.4.1973, 6.5.1973, 11.5.1973).

Es kommt zu einem ersten kurzen Streik für eine Teuerungszulage (vgl. 28.5.1973), über den bundesweit berichtet wird (vgl. Juni 1973, 5.6.1973, 6.6.1973, Juli 1973, 3.7.1973), während der große Streik mit Betriebsbesetzung erst im August stattfindet (vgl. Aug. 1973, 20.8.1973, 20.8.1973, 24.8.1973). Die KPD hebt zuvor noch die Jugendvertretung von Ford Köln positiv hervor (vgl. 6.8.1973), versucht dann auch aktiv in den Streik einzugreifen (vgl. 26.8.1973, 27.8.1973) sowie bundesweit die Solidarität zuorganisieren (vgl. 25.8.1973, 28.8.1973), wobei sie selbst sich dank ihres Genossen im Streikkomitee und der späteren Freundschaft von Baha Targün als wahrhafte Vertreterin der Ford-Kollegen und die perfekte Partei des Proletariats darzustellen versucht (vgl. 27.8.1973).

Bei Ford Köln kommt es nun zur Aussperrung (vgl. 28.8.1973, 29.8.1973), womit die gewaltsame Räumung des Betriebes vorbereitet wird, die am nächsten Tag erfolgt (vgl. 30.8.1973). Der Streik wird zerschlagen, wobei der KBW die Spaltung zwischen deutschen und ausländischen Beschäftigten vermutlich richtig als Ursache für die Schwäche der Streikbewegung benennt (vgl. 31.8.1973).

Für die Entlassenen und auch die später Angeklagten beginnen nun zahlreiche Solidaritätsaktionen, von denen hier nur einige wenige angeführt werden können (vgl. 1.9.1973, 6.9.1973, 17.9.1973), andererseits aber wird er Kampf bei Ford auch immer wieder als Beispiel für Entschlossenheit angeführt (vgl. 3.9.1973, 11.9.1973), wobei die KPD sich als wahre Avantgarde der Fordarbeiter betrachtet (vgl. 10.9.1973), was offenbar sogar die Sowjetunion zugeben musste (vgl. 12.9.1973).

Bald ist auch ein Solidaritätskomitee für die Entlassenen gegründet (vgl. 12.9.1973, 14.9.1973), welches eine Demonstration organisiert, wobei der KBW dies für eine Aktion bzw. ein Komitee allein der KPD hält (vgl. 12.9.1973, 15.9.1973), was diese aber von weiteren Aktionen nicht abhält (vgl. 16.9.1973).

Auch im Jugendbereich scheint die KPD Freunde bei Ford Köln zu haben, berichtet doch auch der KJV immer wieder von Ford (vgl. Sept. 1973, 14.9.1973, 17.9.1973, Okt. 1973, Nov. 1973, Dez. 1973, 26.1.1974, 15.2.1974).

Die KPD sammelt nun bundesweit Spenden (vgl. 14.9.1973, 19.9.1973), die Rote Hilfe e.V. bietet Rechtsschutz (vgl. 20.9.1973), dessen vor allem bald Baha Targün bedarf (vgl. 24.9.1973, 25.9.1973).

Die SAG analysiert die Streikwelle hinsichtlich der Teilnehmer, die Dortmunder Freunde des KBW dagegen hinsichtlich der Zerschlagung, beide mit Bezug auf Ford Köln (vgl. Okt. 1973), wobei der Einsatz der Polizei u.a. bei Ford, aber auch bei Hella Lippstadt und Pierburg Neuss, offenbar zu Unmut zumindest bei einzelnen Mitgliedern der Regierungsparteien führt, aber auch den Linken, wie z. B. der Roten Hilfe Dortmund (vgl. 1.10.1973), der GIM in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 22.10.1973) dem KBW bei Hoesch Dortmund (vgl. 25.10.1973), der Proletarischen Front (vgl. 10.12.1973) und Angeklagten im Bonner Hirohitoprozess (vgl. 16.9.1974) zur Anprangerung des Staatsapparates dient .

Der Kölner KBW, der die Gruppe 'Kölner Fordarbeiter' unterstützt (vgl. 10.10.1973), berichtet nun von der bescheidenen Basis der KPD bei Ford (vgl. 1.10.1973), diese dagegen bereitet schon ihrer nächste Demonstration vor (vgl. 3.10.1973, 8.10.1973).

Die Dortmunder KBW-Freunde dagegen stellen nun einen weiteren Aspekt der Forderungen des Fordstreiks in den Vordergrund (vgl. 9.10.1973), das ZK des KBW solidarisiert sich zwar mit Baha Targün, grenzt sich aber doch scharf von der KPD ab (vgl. 13.10.1973, 24.10.1973) und von deren Baha-Targün-Kampagne, die nun intensiv mittels Ikonisierung Baha Targüns bundesweit anläuft (vgl. 14.10.1973, 15.10.1973, 16.10.1973, 17.10.1973, 18.10.1973, 19.10.1973, 22.10.1973, 23.10.1973, 24.10.1973, 25.10.1973, 26.10.1973).

Die Verhinderung der Abschiebung Baha Targüns rechnet sich die KPD selbst an (vgl. 29.10.1973), zeiht auch die KPD/ML der Passivität (vgl. 31.10.1973) sowie den KBW (vgl. 14.11.1973), und übt weiter Solidarität mit Baha Targün (vgl. 2.11.1973). Die RGO-Treffen der KPD werden weiterhin von Kölner Fordbeschäftigten besucht (vgl. 4.11.1973, 21.11.1973), ebenso wie das Treffen der Freunde der 'Wir wollen alles' (vgl. 17.11.1973), während bei Ford offenbar Kurzarbeit angedroht wird (vgl. 24.11.1973). Auch die KPD/ML beteiligt sich nun an Ford-Spendensammlungen (vgl. 24.11.1973), Baha Targün ist immer noch von der Abschiebung bedroht (vgl. 30.11.1973), der RJVD des KABD reflektiert die hier nicht dokumentierte Presseberichterstattung zu den Streiks u.a. bei Ford (vgl. Dez. 1973), bei VW Wolfsburg wird durch den KBW von der verfehlten Modellpolitik Fords berichtet (vgl. 17.12.1973), während der KBW bei Hoesch Dortmund die Kurzarbeit bei Ford für eine Krisenerscheinung hält (vgl. 18.12.1973).

Eine der wichtigsten Quellen zum Fordstreik 1973 gibt es wohlfeil im Antiquariatsbuchhandel bzw. in vielen Archiven, sie wird hier nur erwähnt (vgl. Jan. 1974). Während sich die KPD weiterhin um Einfluss unter den Fordlehrlingen bzw. den Jugendlichen bemüht (vgl. 16.1.1974, 13.2.1974) kommt es zur juristischen Würdigung des Streiks und derjenigen, die sich solidarisch zeigten (vgl. 22.1.1974). Die KPD versucht nun auch die Lehren aus dem Streik zu ziehen (vgl. 26.1.1974), berichtet aber auch von der weiteren Entwicklung (vgl. 30.1.1974), u.a. von den Ausschlussverfahren aus der IG Metall (vgl. 18.2.1974, 19.2.1974, 27.2.1974) und dem verlorenen Prozeß von Baha Targün gegen Ford (vgl. 12.2.1974, Apr. 1974).

Allerdings kommt es nun auch in der Kölner IGM-Ortsverwaltung zu heftigen Auseinandersetzungen, in die auch die Ford-Betriebsräte verwickelt sind (vgl. 30.3.1974, Apr. 1974, 24.4.1974).

Bei Ford beginnen nun die Unabhängigen Arbeiter bzw. die Einheitsaktion mit der Herausgabe ihrer 'Arbeiter-Tatsachen' (vgl. Mai 1974).

Die KPD grenzt sich bald von Baha Targün ab (vgl. 26.8.1974), vermag also den vaterländischen Kurs einiger türkischer Marxisten-Leninisten damals noch nicht ganz nachzuvollziehen. In Dortmund enthüllt die KPD den Hintergrund der Kurzarbeit in Köln (vgl. 7.10.1974), ihr Mitglied im Streikkomitee steht nun vor Gericht (vgl. 21.11.1974, 25.3.1975).

Auch der KBW hat mittlerweile eine Ford-Aufbauzelle in Köln (vgl. 2.10.974, 5.12.1974, 13.1.1975, 13.2.1975), die GIM agitiert ebenfalls vor Ford (vgl. 12.10.1974) und die DKP in Preetz benutzt die Presseschlagzeilen zum Fordstreik als abschreckendes Beispiel (vgl. Jan. 1975).

Die KPD/ML wird mit einem Strafverfahren bedacht (vgl. 15.3.1975) und selbst Attentate werden für die Fordbelegschaft verübt (vgl. 17.3.1975). Während die KPD sich anläßlich des Prozesses gegen die Streikführer an der Verbindung der Auseinandersetzungen bei Ford Köln mit denen bei Seibel Erwitte und Stübbe-Demag Kalldorf versucht (vgl. 19.3.1975, 20.3.1975), finden vor Ort in Köln wieder Betriebsratswahlen statt, wobei die Einheitsaktion nicht unwichtig erscheint (vgl. Apr. 1975), laut KBW im Gegensatz zur KPD, die sich weiter mit der Solidarität für Baha Targün befasst (vgl. 28.4.1975, 29.4.1975), dies mit der Solidarität für die vier PEF-Anhänger verbindend (vgl. 30.4.1975), während der KBW offenbar recht erfolgreich gegen den Paragraphen 218 eintritt (vgl. 21.4.1975, 1.6.1975), und vom harschen Urteil gegen Baha Targün berichtet (vgl. 2.6.1975), ebenso wie die KPD (vgl. 11.6.1975, 21.7.1975, 28.7.1975).

Es gibt noch weitere Prozesse (vgl. 26.1.1976, 13.10.1976), die Rote Hilfe e.V. der KPD zieht erst ein Jahr später eine Bilanz (vgl. 25.4.1977), nicht den inhaftierten Baha Targün vergessend (vgl. 30.4.1977), der immer noch von Abschiebung in die Türkei bedroht ist (vgl. 1.5.1977).

Während die DKP bei Hoesch die Methoden des Fordmanagements für gefährlich zu halten scheint (vgl. Okt. 1977), prangert die KPD die Zögerlichkeit der IG Metall in der Metalltarifrunde 1978 an (vgl. 2.2.1978), Ende des Jahres etabliert sich dann offiziell die noch gar nicht ganz gegründete RGO der KPD/ML bei Ford Köln (vgl. 5.11.1978, 25.11.1978), zieht 1981 auch in den Betriebsrat ein, aber nur als Minderheit unter den Oppositionellen (vgl. Apr. 1981).


Letzte Änderung: 10.11.2020